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Didaktik der Mathematik
Mathematisches Institut

Abenteuer Didaktik

Handlungs- und erlebnisorientierte Didaktik

Wissen ist nicht direkt beschulbar, ein Erkenntnisfortschritt kann nicht von außen erzwungen werden. Das Kind konstruiert sich seine eigene mathematische Welt bzw. Wirklichkeit. Damit dieses Welt-Wissen wachsen kann, bedarf es eines geeigneten Erlebnisortes. Unterricht lässt sich als Erlebnisort, als Abenteuer gestalten.

Rollen- und Paradigmenwechsel: Vom Beschulenden zum Strukturgeber

Wer Wissen als etwas begreift, das wachsen möchte, sucht nach keinem Trichter, um die Schüler zu belehren. Er wird zum Gestalter einer Lernumgebung, zum „Gärtner“. Der Rollenwechsel ist schwerer, als es im ersten Moment scheint. So zeigen sich traditionelle Dinge wie das Schulbuch oder der Tafelanschrieb in neuer Weise. Es geht um das, was im Schülerkopf passiert, und nicht um das, was an der Tafel oder im Schülerheft notiert wird. Fehler erhalten eine andere Bedeutung. Wer heute noch keinen Fehler gemacht hat, hat vielleicht heute noch gar nichts gemacht.

Ein konstruktivistisches Lernverständnis erfordert eine tiefgreifende Haltungsänderung. Appelle zeigen sich als „untaugliches Mittel für tiefgreifende Änderungen“. Das Eintrichtern von Ratschlägen wie z. B. „Vergesst die Fächer“, „Bildet Lernteams“, „Vertieft Beziehungen“, „Fördert Werte“, „Schafft die Noten ab“, „Lasst ganztägig lernen“ nutzen nichts. Einen Paradigmenwechsel kann man nicht verordnen oder befehlen. Daher geht es in der Vorlesung nicht um richtige oder falsche Methoden. Vielmehr geht es um passend und unpassend. Es geht darum, Lehrer zu „werden“, statt Lehrer zu „machen“. Kurz: Es geht um Persönlichkeitsentwicklung.

Handlungsorientierte Vorlesungen

Ziel der Vorlesungen ist exemplarisch zu zeigen und zu erleben, wie „Begreifen“ und „Erfassen“ nachhaltig, gehirngerecht und in einem gruppendynamischen Kontext möglich ist. Die Studierenden agieren einerseits wie Schüler im Klassenzimmer, andererseits sind sie in der reflektierenden Lehrerrolle. Folgende Bilder demonstrieren die Praxisnähe.

Das Gehirn als Pflanze

Das Gehirn des Kindes wird in eine Lernumgebung „gepflanzt“. Es braucht Sonne, Erde, Wasser und Luft, damit es wachsen kann, und zwar in seiner individuellen Geschwindigkeit. Es bringt nichts, an der Pflanze zu zerren: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“. Das Bild der Pflanze zeigt ein stärkeorientiertes Lernverständnis. Sie wächst dort, wo sie am besten wachsen kann. Da sie ein „autonomer Datengenerator“ ist, geht sie mit Lücken ganz anders um als ein „Speicher“. Die Pflanze sucht nach „organischen Lösungen“, sie wird nicht den größten Teil ihrer Energie dort hineinstecken, wo es „nichts bringt“. Es geht um eine ganzheitliche Betrachtung und nicht nur um einen Zweig, kurz: Es geht ums Ganze. Im Bild der Pflanze fehlt noch das fünfte Element, der wichtige Aspekt der Kooperation: Das Gehirn braucht Austausch, Dialog, Diskussion und Kooperation. In der Vorlesung wurde das mit farblich kodierten Langzeitgruppen, so genannten Farbgruppen, konkret umgesetzt.

Überblick: Erlebnisort und Lernumgebung