\section{Mehr zu Ringen}
\label{MzR}

\subsection{Quotientenringe}\label{RKT}



\begin{Bemerkungl}
  Wir erinnern die grundlegenden Definitionen zu Ringen aus \eref{dGrR}{LA1}.
  Unter einem {\bf Ring}\index{Ring} 
 versteht man eine Menge mit zwei Verkn"upfungen $(R, +,
 \cdot)$ derart, da"s
$(R,+)$ eine abelsche Gruppe ist und $(R,\cdot)$ ein Monoid und da"s 
 f"ur alle $a,b, c \in R$ die Distributivgesetze $a (b +c) = a  b + a  c$
 sowie $(a+b) c = a c + b  c$ gelten.
\end{Bemerkungl}
 \begin{Bemerkungl}
   Das neutrale Element des multiplikativen Monoids eines Rings notiert man meist
 $1_R=1$. 
  Ein typisches Beispiel ist der Ring $\DZ$ der ganzen Zahlen
 mit der "ublichen Addition und Multiplikation als Verkn"upfung.
Ebenfall typisch ist der Ring $\op{Mat}(n;R)$ der $(n\times n)$-Matrizen
mit Eintr"agen aus einem beliebigen Ring 
$R$  mit der  Addition und Multiplikation 
von Matrizen als Verkn"upfung.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Eine Abbildung $\varphi:R\ra S$ von einem
Ring in einen anderen hei"st ein {\bf Ringhomomorphismus},\index{Ringhomomorphismus} wenn sie sowohl\label{RiHok} 
ein Gruppenhomomorphismus ist f"ur die zugrundeliegenden additiven Gruppen
als auch ein Monoidhomomorphismus f"ur die zugrundeliegenden
multiplikativen Monoide. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Wir fordern von einem Monoidhomomorphismus stets, da"s er das neutrale Element auf das neutrale Element abbildet.
  Insbesondere fordern wir von einem
Ringhomomorphismus  $\varphi:R\ra S$ stets $\varphi(1_R)=1_S$.
Die Menge aller Ringhomomorphismen von einem Ring $R$ in einen Ring $S$
notieren wir $\op{Ring}(R,S)$.\index{Ring@$\op{Ring}(R,S)$ Ringhomomorphismen}  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Die St"arke der Ringtheorie liegt unter anderem darin, da"s
es sehr viele Vefahren gibt, die zu einem gegebenen Ring
einen weiteren Ring konstruieren,
und da"s man auf diese neuen Ringe dann wieder
alle bereits bekannten S"atze
anwenden kann. 
Beispiele sind das Bilden von Polynomringen, 
Potenzreihenringen \eref{FPR}{LA1} und 
 Matrizenringen.
Wir besprechen im folgenden zus"atzlich das Bilden von Faktorringen.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Universelle Eigenschaft surjektiver Ringhomomorphismen}]
  Seien  $s:R\sra Q$ ein surjektiver Ringhomomorphismus
   und $\varphi:R\ra S$ ein beliebiger  Ringhomomorphismus.
  Genau dann existiert ein Ringhomomorphismus
  $\bar\varphi:Q\ra S$ mit $\varphi=\bar\varphi\circ s$,
  wenn gilt $\op{ker}(\varphi)\supset \op{ker}(s)$.\label{QUEr} 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Dieser Homomorphismus $\bar\varphi$ ist dann eindeutig bestimmt,
  da $s$ surjektiv ist.
 In diesem Sinne  
 kann man unseren Satz auch 
 dahingehend zusammenfassen, da"s das Vorschalten eines surjektiven
 Homomorphismus 
$s:R\sra Q$ f"ur jeden weiteren Ring $S$ eine Bijektion
$$(\circ s):\op{Ring}(Q,S)\sira \{\varphi\in \op{Ring}(R,S)\mid \op{ker}(\varphi)\supset\op{ker}(s)\}$$
liefert.
  Der "Ubersichtlichkeit halber stelle ich die in diesem Satz auftauchenden
  Ringe und Morphismen auch noch wieder anders in einem Diagramm dar:
  \begin{displaymath}
    \xymatrix{
      R \ar[dr]_-{{{\varphi}}}
      \ar@{->>}[r]^-{s}&Q\ar@{-->}[d]^-{{{\bar{\varphi}}}}\\
      &S\\
    }
  \end{displaymath}
Man  formuliert diesen Satz auch mit den Worten,
$\varphi$ {\bf faktorisiere in eindeutiger Weise "uber $s$}.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
  Offensichtlich ist $\varphi$ konstant auf den
  Fasern von $s$. Damit, oder auch indem wir die universelle Eigenschaft
  von surjektiven Gruppenhomomorphismen \eref{QUE}{LA2} zitieren,
  finden wir schon mal
  eine Abbildung $\bar\varphi$ wie behauptet.
  Man pr"uft leicht, da"s sie ein Ringhomomorphismus ist.
  \nichtfinal{Besser mit der universellen Eigenschaft \eref{BilQZ}{LA2}
    arbeiten?} 
\end{proof}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Surjektive Ringhomomorphismen mit gleichem Kern}] 
  Gegeben $R$ ein Ring $R$ und  surjektive
  Ringhomomorphismen $s:R\sra Q$ und $t:R\sra P$
  mit demselben Kern $\op{ker}(s)=\op{ker}(t)$
  sind die Ringhomomorphismen\label{QRETr} 
  $\bar t:Q\ra P$ mit $\bar t\circ s=t$ und
  $\bar s:P\ra Q$ mit $\bar s \circ t=s$
  nach \ref{QUEr} offensichtlich zueinander inverse Isomorphismen
  $Q\sira P\sira Q$. Salopp gesprochen wird also bei einem surjektiven Ringhomomorphismus \glqq das Ziel bereits durch den Ausgangsraum und den Kern festgelegt bis auf eindeutigen Isomorphismus\grqq.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Die vorstehenden "Uberlegungen legen die Frage nahe, welche
  Untergruppen der additiven  Gruppe eines Rings denn als Kerne von
  von unserem Ring  ausgehenden
  Ringhomomorphismen in Frage kommen.
  Das  diskutieren wir im folgenden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{DefI}
Sei $R$ ein Ring. Ein {\bf Ideal\index{Ideal!von Ring} 
von $R$} ist eine Untergruppe $I
\subset (R,+)$, f"ur die
zus"atzlich gilt $R I \subset I$ und $IR \subset I$. 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
  Anders gesagt ist also eine Teilmenge $I\subset R$ eines Rings
ein Ideal genau dann, wenn gilt
\begin{enumerate}
\item
  $0\in I$
\item
  $a,b\in I\RA a+b\in I$
\item
  $a\in I\RA (-a)\in I$ 
\item $r\in R, a\in I\RA ra,ar\in
  I$
\end{enumerate}
Die Bedingung $(-a)\in I$ ist dabei sogar "uberfl"ussig, weil ja
eh gilt $(-a)=(-1)a$ f"ur alle $a\in R$. 
Weiter kann die Bedingung $0\in I$ durch die Bedingung
$I\neq\emptyset$ ersetzt werden, da ja gilt $0=0a$ f"ur alle $a\in R$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiele}
Ein Ideal von $\DZ$ ist dasselbe wie eine Untergruppe von $\DZ$, die Ideale
von $\DZ$ sind also nach \eref{UGZ}{LA1} genau die 
Teilmengen der Gestalt $\DZ m$ f"ur
$m \in \DN$.
F"ur ein beliebiges Element $a$ in einem kommutativen Ring
$R$ ist die Menge $Ra$ aller Vielfachen von $a$ ein Ideal.
Der ganze Ring $R$ und $\{0\}$ sind stets Ideale.
\end{Beispiele}


\begin{Bemerkungl}\label{kerI}
Ist $\varphi : R \ra S$ ein Ringhomomorphismus, so ist $\ker
\varphi\pdef \varphi^{-1}(0)$ ein Ideal von $R$. 
Man versteht bei Ringhomomorphismen
den Kern stets in Bezug auf die
additive Struktur.\index{ker@$\ker$!Kern von Ringhomomorphismus} 
Allgemeiner ist das Urbild von einem Ideal
unter einem Ringhomomorphismus stets wieder ein Ideal, und desgleichen
das Bild eines Ideals unter einem {\em surjektiven} Ringhomomorphismus.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}
Seien $R$ ein Ring und $I \subset R$ ein Ideal.\label{RUE} 
So gibt es einen von $R$ ausgehenden surjektiven
Ringhomomorphismus mit $I$ als Kern.
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
  Nach \ref{QRETr} ist ein surjektiver Ringhomomorphismus
  mit Kern $I$  eindeutig bestimmt bis auf das Nachschalten eines
  eindeutigen Isomorphismus. Wir notieren ihn
  $$\op{can}=\op{can_q} : R \twoheadrightarrow R/I$$
  Vorsichtig veranlagte Leser m"ogen unter $R/I$ alternativ das im folgenden
  Beweis konstruierte explizite Beispiel f"ur solch einen
  Ringhomomorphismus verstehen.
  Das Bild in $R/I$  von $a\in R$ bezeichnet man auch
  oft mit $\op{can} (a) = \bar{a}$. Man nennt $R/I$ einen {\bf Faktorring}\index{Faktorring} 
  oder einen {\bf Restklassenring}\index{Restklassenring}
  oder  {\bf  Quotientenring}.\index{Quotientenring}
  Etwas Grundverschiedenes sind die sogenannten \glqq Quotientenk"orper\grqq, 
  die ich in diesem Text vorzugsweise \glqq Bruchk"orper\grqq\ oder \glqq K"orper von Br"uchen\grqq\ nenne, um solchen Verwechslungen vorzubeugen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
Den Spezialfall der Restklassenringe $\DZ/m\DZ$ kennen wir bereits
aus \eref{Rkr}{LA1}. 
\end{Beispiel}


\begin{proof}[Beweis]
  Wir gehen aus von der Surjektion $q: R\sra R/I$ auf die
  Quotientengruppe in Bezug auf die additive Struktur.
Dann gibt es genau eine biadditive Abbildung 
$\bar{m} : R/I \times  R/I \rightarrow
R/I$ derart, da"s mit der Multiplikation $m$ in
der oberen Horizontale das Diagramm 
\begin{displaymath}
\xymatrix{
R \times  R \ar[r]^-{m}\ar[d]_{q\times q} &R \ar[d]^q\\
R/I \times  R/I \ar@{-->}[r]^-{\bar{m}} &R/I
}
\end{displaymath}
kommutiert, denn $q\circ m$ ist konstant auf den Fasern von
$q\times q$. In der Tat haben wir
$(r+i)(s+j)=rs+is+rj+ij\in rs+I$ f"ur alle $i,j\in I$ und
$r,s\in R$. In gr"o"serer Allgemeinheit haben Sie das m"oglicherweise
bereits als "Ubung \eref{BilQZ}{LA2} gepr"uft.
Es ist dann leicht zu sehen, da"s $\bar m$ als 
Multiplikation die Nebenklassengruppe  $R/I$ zu einem Ring macht.
\end{proof}



\begin{Bemerkungl}
Ganz allgemein ist ein Schnitt von Idealen eines Rings $R$ stets wieder
ein Ideal. Gegeben eine Teilmenge $T\subset R$ bezeichen wir mit
$\langle T\rangle\subset R$ das kleinste Ideal von $R$, das $T$ umfa"st,
und nennen es das {\bf von $T$ erzeugte 
Ideal}\index{Ideal!erzeugt 
von}.\index{)5>@$\langle T\rangle$ Ideal-Erzeugnis} 
Wir k"onnen $\langle T\rangle$\label{EzId} entweder beschreiben 
als den Schnitt aller Ideale,
die $T$ umfassen, oder als die Menge aller endlichen Ausdr"ucke
$$\langle T\rangle=\{a_1 t_1 b_1+\ldots +a_n t_n b_n
\mid n\geq 0, \; a_i,b_i\in R,\; t_i\in T\}$$
Hierbei ist der leere Ausdruck mit $n=0$ wie "ublich als 
die Null von $R$ zu verstehen.
Ist $T=\{t_1,\ldots,t_r\}$ eine endliche Menge, so schreiben wir auch
$\langle T\rangle=\langle t_1,\ldots,t_r\rangle$. 
Insbesondere gilt f"ur einen kommutativen Ring
$R$ zum Beispiel $\langle a\rangle=Ra$ f"ur alle $a\in R$.
Wollen wir betonen, da"s das Symbol zwischen den Spitzklammern 
f"ur eine Menge von Erzeugern und nicht f"ur einen einzigen Erzeuger
steht, so schreiben wir $\langle T\rangle=\langle_! T\rangle$.
Ideale, die von einem einzigen Element erzeugt werden k"onnen,
hei"sen \defnoind{Hauptideale}\index{Hauptideal}. 
Insbesondere ist nach \eref{UGZ}{LA1} jedes Ideal in $\DZ$
ein Hauptideal.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl} Einen kommutativen Ring nennen wir kurz einen
  {\bf Kring}.\index{Kring}
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
Sei $R$ ein Ring und $T\subset R$ eine Teilmenge.
Wenn wir betonen wollen, da"s 
 $\langle T\rangle$ das von $T$ erzeugte Ideal und nicht etwa 
 die von $T$
  erzeugte Untergruppe meint, schreiben wir auch 
  $_R\langle T\rangle_R$\index{)5>@$_R\langle T\rangle_R$ Ideal-Erzeugnis}
  oder $\langle RTR\rangle$ und im Fall eines kommutativen Rings $\langle T\rangle_R$ oder $\langle TR\rangle$.
Im Fall eines nichtkommutativen Rings dahingegen meint
$\langle T\rangle_R=\langle TR\rangle$
 das von $T$ erzeugte Rechtsideal, wie es in \eref{URMo}{KAG}
eingef"uhrt wird.
\end{Bemerkunge}




\begin{Bemerkunge}[\textbf{Herkunft der Bezeichnung \glqq Ideal\grqq\ }]
  Die Bezeichnung als \glqq Ideal\grqq\  ist abgeleitet von Kummer's 
Begriff einer \glqq idealen Zahl\grqq.
Diese \glqq idealen Zahlen\grqq\  f"uhrte Kummer ein, 
um Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der
Nichtexistenz eindeutiger Primfaktorzerlegungen in
sogenannten \glqq Ganzheitsringen
von Zahlk"orpern\grqq\  zu umgehen. Das einfachste Beispiel $\frak o=
\DZ[\sqrt{-5}]$ f"ur
dieses Ph"anomen besprechen wir in \ref{GBGG}. 
Erkl"aren wir auf der Menge aller von Null verschiedenen Ideale
eines solchen Ganzheitsrings $\frak o$ eine Verkn"upfung, in dem wir
$IJ$ als das von allen Produkten $ab$ mit $a\in I$ und $b\in J$ erzeugte
Ideal alias die von allen solchen Produkten erzeugte Untergruppe
verstehen, die wir eigentlich $\langle IJ\rangle$ notieren m"u"sten,
so gilt in dieser Menge aller  Ideale
n"amlich 
das Analogon der eindeutigen Primfaktorzerlegung, vergleiche etwa 
\eref{Ifrg}{KAG}.
Ordnen wir nun jeder  Zahl $a\in \frak o$ das von $a$
erzeugte
Hauptideal $\langle a\rangle$ zu, so erhalten wir eine Einbettung
$$\frak o/\frak o^\times\;\hra\;\{I\subset \frak o\mid 
I\text{ ist Ideal}\}$$ 
 des Monoids
aller \glqq bis auf Einheiten 
wohlbestimmten  Elemente von $\frak o$\grqq,
in dem das Analogon der eindeutigen Primfaktorzerlegung nicht immer gilt,
in das Monoid aller von Null verschiedenen Ideale, 
in dem es im Fall des Ganzheitsrings eines Zahlk"orpers
 eben doch immer gilt. Kummer  konnte das in einigen
F"allen bereits selbst zeigen und bezeichnete deshalb die Elemente
dieses
gr"o"seren Monoids,  das er selbst auf 
 recht verschlungenen Wegen
konstruierte,  als \glqq ideale Zahlen\grqq. 
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ideale und Teilerbeziehungen}] 
  Gegeben ein Kring $R$ und Elemente $a,b\in R$ ist $a$  ein Teiler 
von $b$ genau dann,
  wenn  gilt $\langle a\rangle
  \ni b$ oder gleichbedeutend $\langle
  a\rangle \supset\langle b\rangle$, in Formelsprache\label{ITB} 
  $$a|b \;\IFF\; b\in \langle a\rangle\;\IFF\; \langle b\rangle\subset \langle a\rangle$$ Gegeben ein 
Kring $R$ und ein Element $u\in R$ ist $u$ eine Einheit genau dann,
wenn gilt $\langle u\rangle=R$. Gegeben ein kommutativer 
Integrit"atsbereich folgt aus $\langle
  a\rangle =\langle b\rangle$, da"s es eine Einheit $u\in R^\times$ gibt mit 
$au=b$.
\end{Bemerkungl}


\begin{Beispiel}[\textbf{Faktorringe von Polynomringen}] 
  Gegeben ein K"orper $k$ und ein von Null verschiedenes
  Polynom $P \in k[X]\backslash 0$
  haben wir $$\op{dim}_k k[X]/\langle P\rangle=\op{grad} P$$
  Genauer bilden f"ur $\op{grad} P
=d$   die Nebenklassen der Monome $1,X, \ldots , X^{d-1}$
eine $k$-Basis des Faktorrings $k[X]/\langle P\rangle$.
Noch etwas allgemeiner liefert Polynomdivision mit Rest \eref{TPR}{LA1}
f"ur jeden  Kring $k$ und jedes
normierte Polynom $P \in k[X]$,\label{BQP} 
da"s die Polynome von einem Grad $\leq(\op{grad} P)-1$
ein Repr"asentantensystem f"ur  die Menge $k[X]/\langle P\rangle$
der Nebenklassen nach dem von $P$ erzeugten Hauptideal bilden.
Bezeichnet also  $k[X]^{\leq n}\subset k[X]$ die Menge aller Polynome vom Grad $\leq n$,
so liefert f"ur jedes normierte Polynom $P$ die kanonische Projektion einen Gruppenisomorphismus
$$k[X]^{\leq (\op{grad} P)-1}\sira k[X]/\langle P\rangle$$
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}[\textbf{Die komplexen Zahlen als Faktorring}]
Wir erinnern die komplexen Zahlen $\DC$ mit ihrem ausgezeichneten Element 
$\op{i}\in\DC$. 
Das Einsetzen von $\op{i}$ f"ur $X$ im Sinne von
\eref{EiP}{LA1} liefert mithilfe der universellen Eigenschaft 
des Faktorrings \ref{RUE}
Isomorphismen von Ringen $$\DR[X]/\langle X^2+1\rangle\sira \DC$$
und $\DZ[X]/\langle X^2+1\rangle\sira \DZ[\op{i}]$.
Hier ist $\DZ[\op{i}]$ im Vorgriff auf \ref{TeRi} zu verstehen als
der Ring aller komplexen Zahlen mit ganzzahligem Real- und 
Imagin"arteil. Ich mache die Nebenrechnung\label{kzq}  $(X-(2+{\op{i}}))(X-\overline{(2+{\op{i}})})=X^2-4X+3$. Das
Einsetzen von $2+{\op{i}}$ f"ur $X$ liefert also auch einen Isomorphismus
$$\DR[X]/\langle X^2-4X+2\rangle\sira \DC$$
Allgemeiner k"onnten wir hier den Faktorring nach jedem Polynom vom
Grad Zwei ohne reelle Nullstelle nehmen.
\end{Beispiel}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Einsetzen als Restklassenbildung}] 
  Gegeben ein Kring  $k$ und ein Element $\lambda \in k$
  faktorisiert das Auswerten $\delta_\lambda: k[X]\ra k$ nach
  dem Isomorphiesatz f"ur Ringe als\label{eRK}  
$$k[X]\sra k[X] / \langle X - \lambda \rangle
  \sira k$$
  mit einem Ringisomorphismus an zweiter Stelle. 
\end{Bemerkungl}
%\begin{Bemerkungw}
%\ Ich f"uhre an dieser Stelle  den Begriff des
%\maximalen Ideals noch nicht ein, da er mir f"ur die Ziele dieser
%\Vorlesung ein Umweg scheint. Ich zeige in \ref{Ubb} nur, da"s der 
%\Faktorring eines Hauptidealrings nach dem
%\von einem irreduziblen Element erzeugten Hauptideal  ein K"orper ist.
%\Die Erkenntnis, da"s das allgemeiner f"ur beliebige Faktorringe
%\von kommutativen Ringen zu maximalen Idealen gilt, 
%\erkl"are und verwende ich erst in \eref{RMI}{KAG}
%\folgende.
%\\end{Bemerkungw}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Polynomringe "uber Faktorringen}] 
  Gegeben sei ein Ring $R$ mit einem Ideal $I$.\label{TZHH} 
 Bezeichnet $I[X]\subset R[X]$ das von unserem Ideal $I$ im Polynomring erzeugte
Ideal, so induziert der offensichtliche Ringhomomorphismus
$R[X]\sra (R/I)[X]$ aus \eref{IAPR}{LA1} offensichtlich einen Isomorphismus
$$R[X]/I[X]\sira (R/I)[X]$$
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubunge}
Man zeige:  Gegeben ein surjektiver Ringhomomorphismus 
$\varphi:R\sra S$ liefert das Bilden des Urbilds eine Bijektion zwischen der
Menge
der Ideale von $S$ und der Menge derjenigen Ideale von $R$, die
$\op{ker}\varphi$ umfassen.\label{IduK} 
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
  Gegeben ein normiertes Polynom $P$ mit Koeffizienten in einem
  K"orper $k$ ist  $P$ bis auf ein Vorzeichen genau das
  charakteristische Polynom der Multiplikation mit $X$ als Endomorphismus
  des $k$-Vektorraums $k[X]/\langle P\rangle$.\label{cPP}  
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Iterierte Quotientenbildung}]
  Gegeben ein Kring $R$ und darin zwei Elemente $a,b\in R$
  zeige man, da"s der durch die universelle Eigenschaft gegebene
  Ringhomomorphismus
  $R/\langle a,b\rangle\ra (R/\langle a\rangle)/\langle \bar b\rangle$
  f"ur $\bar b\in R/\langle a\rangle$ das Bild von $b$ ein Isomorphismus ist.
  Man formuliere auch eine Verallgemeinerung f"ur einen beliebigen Ring mit
  zwei Idealen.\label{QZIp}  
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Polynomringe von Quotientenringen}]
  Man zeige, da"s gegeben ein
  surjektiver Ringhomomorphismus $\varphi:R\sra S$ auch der auf den
  Polynomringen induzierte Ringhomomorphismus
  ein surjektiver Ringhomomorphismus $\varphi[X]:R[X]\sra S[X]$ ist
  mit Kern das vom Bild von  $\op{ker}\varphi$ in $R[X]$ erzeugte Ideal.
  Salopp gesprochen gilt f"ur ein Ideal $I\subset R$ also\label{PoQQ} 
  $$(R/I)[X]\sira R[X]/I[X]$$
\end{Ubung}





\subsection{Teilringe}
\begin{Definition}
 Eine Teilmenge eines Rings hei"st ein
\defind{Teilring}, 
wenn sie 
so mit der Struktur eines Rings versehen werden kann,\label{TeRi} 
da"s die Einbettung ein Ringhomomorphismus wird.   
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Gleichbedeutend und expliziter ist ein Teilring eines Rings
eine Teilmenge, die das Einselement und sein Negatives
enth"alt und abgeschlossen
  ist unter Addition und Multiplikation.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
    Die in \eref{Rng}{LA1} bereits angesprochene 
Begriffsverwirrung setzt sich hier
    fort: Autoren, deren Ringe kein Einselement zu enthalten brauchen, 
fordern von ihren Teilringen zwar dem Wortlaut nach dasselbe wie wir 
im ersten Satz der Definition \ref{TeRi}.
Es bedeutet dann aber in unserer Terminologie nur noch,
da"s unsere Teilmenge unter Addition und Multiplikation
    abgeschlossen ist und mit diesen Verkn"upfungen zu einem Rng wird.  
Wir nennen eine derartige Teilmenge eine {\bf $\DZ$-Unteralgebra}.
Jedes Ideal eines Rings ist eine $\DZ$-Unteralgebra, aber das einzige Ideal,
das ein Teilring ist, ist der ganze Ring selber.
Es ist im "ubrigen auch durchaus m"oglich, da"s eine
 $\DZ$-Unteralgebra eine Rings selbst wieder ein Ring ist, ohne aber
in unserem Sinne ein Teilring zu sein: Der Nullring etwa
ist eine $\DZ$-Unteralgebra  aber kein Teilring von $\DQ$, und der 
Ring $\DZ\times 0$ ist eine $\DZ$-Unteralgebra aber kein Teilring von
 $\DZ\times \DZ$.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}
  Jeder Schnitt von Teilringen ist selbst ein Teilring.  Den kleinsten
  Teilring eines Ringes $R$, der eine gegebene Teilmenge $T\subset R$ umfa"st,
  hei"st der {\bf von $T$ erzeugte Teilring}.\index{erzeugt!Teilring}
  Gegeben $S\supset R$ ein Kring mit einem Teilring und Elemente $a_1,\ldots,
  a_n\in S$ bezeichnet\index{)5]@$R[a_1,\ldots, a_n]$ Teilring} man mit
  $$R[a_1,\ldots, a_n]\subset S$$
  den Teilring von $S$, der von $R$ und den $a_i$ erzeugt wird, in anderen
  Worten den kleinsten Teilring von $S$, der $R$ umfa"st und alle $a_i$
  enth"alt.
\end{Bemerkungl}

  


\begin{Bemerkungl}\label{FST}
Die Notation aus \ref{TeRi} f"uhrt leicht zu Verwechslungen mit
Polynomringen. Viele Autoren verwenden die Konvention,
nach der die \glqq freien\grqq\  oder \glqq unabh"angigen\grqq\ 
Variablen in Polynomringen mit gro"sen Buchstaben
vom Ende des Alphabets geschrieben werden,
die \glqq abh"angigen\grqq\  Erzeuger eines Teilrings 
in einem bereits gegebenen Ring dahingegen mit
kleinen Buchstaben.
Nebenbei bemerkt
kann man $R[a_1,\ldots, a_n]$ auch beschreiben als das Bild des
Einsetzungshomomorphismus
$R[X_{1}, \ldots , X_{n}]\ra S$
mit $X_i\mapsto a_i$. Ist dieser Einsetzungshomomorphismus injektiv,
also ein Isomorphismus auf sein Bild, so hei"sen die Elemente 
$a_i$ {\bf algebraisch
unabh"angig}\index{algebraisch!unabh"angig, "uber Ring} {\bf "uber $R$}.
Wollen wir besonders betonen, da"s wir mit freien Ver"anderlichen arbeiten,
so setzen wir ein kleines\index{)5]@$R['X_{1}, \ldots , X_{n}]$ Polynomring} 
\glqq Freiheitsstrichlein\grqq\  
vorne in die\index{)5]@$R[X_{1}, \ldots , X_{n}]$ Polynomring} 
Klammer und schreiben $R['X_{1}, \ldots , X_{n}]$.
\index{)5]@$R['X_{1}, \ldots , X_{n}]$ Polynomring} 
Diese Notation gibt es  jedoch meines Wissens bisher nur in diesem Skriptum.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Isomorphiesatz f"ur Ringe}]
  Gegeben ein Ringhomomorphismus $\varphi:R\ra S$ ist nach \ref{kerI}
  der Kern $\op{ker}\varphi$ ein Ideal\label{FRII}
  von $R$ und das Bild $\op{im}\varphi$
offensichtlich ein Teilring von $S$. Nach \ref{RUE} und 
dem Isomorphiesatz \eref{ISa}{LA2}
faktorisiert $\varphi$ dann "uber einen Ringisomorphismus 
$$R\sra R/(\op{ker}\varphi)\sira \op{im}\varphi\hra S$$ 
\end{Bemerkungl}


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubunge}
Seien $K\subset L$ K"orper, $I\subset K[X_1,\ldots,X_n]$ ein Ideal.
Bezeichne $\langle IL[X_1,\ldots,X_n]\rangle $ 
das von $I$ im Polynomring "uber $L$ erzeugte Ideal.
So gilt $$I=K[X_1,\ldots,X_n]\cap \langle IL[X_1,\ldots,X_n]\rangle $$
Hinweis: Jedes Element von
$\langle IL[X_1,\ldots,X_n]\rangle $ hat die Gestalt 
$c_1 f_1 + \ldots +c_r f_r$ mit $f_\nu\in I$
und $c_\nu\in L$ linear unabh"angig "uber $K$.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{QAWu} 
  Man zeige, da"s der Teilring $\DQ[\sqrt 2]\subset\DR$ ein K"orper ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s $\DZ$ der einzige  Teilring von
  $\DQ$ ist, der endlich erzeugt ist als abelsche Gruppe.\label{ZEQ} 
\end{Ubung}


\subsection{Abstrakter chinesischer Restsatz}

  \begin{Bemerkungl}\label{PrRi}
    Gegeben Ringe $R_{1}, \ldots, R_{s}$ bilden wir den \defind{Produktring}
    $R_{1}\times \ldots \times R_{s}$\index{Produkt!von Ringen} 
mit komponentenweiser Addition und
    Multiplikation. Gegeben ein weiterer Ring $R$ und Ringhomomorphismen $f_{i}:
    R \ra R_{i}$ erhalten wir einen Ringhomomorphismus
    $$\begin{array}{cccc}
      (f_{1}, \ldots , f_{s}) :& R &\ra& R_{1}\times \ldots \times R_{s}\\
      & r &\mapsto& (f_{1}(r), \ldots , f_{s}(r))
\end{array}$$
Genauer  sind die Projektionen Ringhomomorphismen
$\op{pr}_i:  R_{1}\times \ldots \times R_{s}\ra R_i$ und 
das Nachschalten der Projektionen liefert f"ur jeden 
weiteren Ring $R$ eine Bijektion 
$$\op{Ring}( R , R_{1}\times \ldots \times R_{s})\sira 
\op{Ring}( R , R_{1})\times \ldots \times \op{Ring}( R ,R_{s})
$$ In der Terminologie \eref{PrKaon}{LA2} liefert unsere
Konstruktion also ein Produkt in der Kategorie der Ringe. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
  Gegeben Ideale $\frak{a}, \frak{b}$ in einem Ring $R$ ist auch ihre
  {\bf Summe}\index{Summe!von Idealen} 
$$\frak{a} +\frak{b} \pdef \{ a +b \mid a \in \frak{a},\; b \in
  \frak{b}\}$$ ein Ideal.
  Gegeben Ideale $\frak{a}, \frak{b}$ in einem Ring $R$ erkl"aren wir ihr 
{\bf Produkt}\index{Produkt!von Idealen} und bezeichnen mit
  $$\langle\frak{a}\frak{b}\rangle$$ dasjenige Ideal oder gleichbedeutend
  diejenige additive Untergruppe von $R$, das beziehungsweise die 
von allen Produkten $ab$
  mit $a \in \frak{a}$ und $ b \in \frak{b}$ erzeugt wird.  Analog notieren wir
  auch Produkte von mehr als zwei Idealen.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation des Produkts von Idealen}] 
  F"ur das Produkt zweier Ideale ist die Notation 
$\frak{a}\frak{b}$ gebr"auchlicher, die wir eigentlich
bereits  f"ur die von der Multiplikation
eines Rings auf seiner Potenzmenge induzierte Verkn"upfung
vergeben haben. Dennoch werden wir sp"ater meist diese 
abk"urzende Notation f"ur das Produkt von Idealen verwenden und der Leser
mu"s aus dem Kontext erschlie"sen, was genau gemeint ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Abstrakter chinesischer Restsatz}]
Seien\index{Chinesischer Restsatz!abstrakter} 
 $\frak{a}_{1}, \ldots, \frak{a}_{s} $
endlich viele Ideale eines Rings $R$. 
Gilt $\frak{a}_{i} + \frak{a}_{j} =R$ f"ur $i \neq j$, so ist die
offensichtliche Abbildung\label{ACR} eine Surjektion 
$$ \kappa : R \sra R/\frak{a}_{1} \times \ldots \times R/\frak{a}_{s}$$
mit Kern $(\op{ker}\kappa)=\bigcap_i \frak{a}_{i}$  dem
Schnitt unserer Ideale. F"ur einen kommutativen Ring $R$
f"allt dieser Schnitt  mit dem
Produktideal $ \langle\frak{a}_{1} \ldots
\frak{a}_{s}\rangle$ zusammen und wir erhalten einen Ringisomorphismus 
$$  R/\langle\frak{a}_{1} \ldots
\frak{a}_{s}\rangle \;\;\sira\;\; 
R/\frak{a}_{1} \times \ldots \times R/\frak{a}_{s}$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
 Der Name dieses Satzes r"uhrt
von seiner Bedeutung im Ring der ganzen Zahlen her,
die
wir bereits in \eref{CDR}{LA2} folgende besprochen hatten.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}
  Wir finden etwa $$\DR[X]/\langle X^2-1\rangle\sira
  \DR[X]/\langle X+1\rangle\times\DR[X]/\langle X-1\rangle\sira \DR\times \DR$$
  und "ahnlich f"ur den Faktorring $\DR[X]/\langle P\rangle$ nach dem
  Hauptideal eines beliebigen quadratischen Polynoms $P$ mit zwei reellen
  Nullstellen im Gegensatz zum Fall \ref{kzq} eines reellen quadratischen
  Polynoms ohne reelle Nullstelle.
\end{Beispiel}







\begin{proof}[Beweis]
F"ur die Surjektivit"at reicht es nachzuweisen, 
da"s alle nur in einem Eintrag
von Null verschiedenen Tupel im Bild liegen. 
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit
reicht es also zu zeigen, da"s f"ur 
alle $r \in R$ das Tupel $(\bar{r}, 0, \ldots, 0)$
im Bild liegt. Es reicht sogar, 
wenn wir das f"ur $r =1$ zeigen, denn aus $\kappa
(x) = (\bar{1},0,\ldots, 0)$ 
folgt $\kappa (rx) = \kappa (r) \kappa (x) = (\bar{r}
,0,\ldots, 0)$.
Nach Annahme gilt f"ur $i\neq 1$ jedoch 
$\frak{a}_i + \frak a_1 =R$, wir finden
f"ur $i \neq 1$ also eine Darstellung 
$a_i + b_i =1$ mit $a_i \in \frak a_i$
und $b_i \in \frak a_1$.
F"ur das Ringelement $a_i= 1-b_i$ hat $\kappa (a_i) $ 
 die Gestalt
\begin{equation*}
\kappa (a_i) = (1, \ast, \ldots, \ast, 0,
\ast, \ldots \ast)
\end{equation*}
mit einer Null an der $i$-ten Stelle.
F"ur das Bild des Produkts der $a_i$  folgt dann
$\kappa (a_2 a_3 \ldots a_s) = (1,0, \ldots , 0)$
und die Surjektivit"at ist gezeigt.
Der Kern dieser Surjektion ist offensichtlich genau
der Schnitt der $\frak{a}_{i}$. Wir m"ussen nur noch zeigen,
da"s er f"ur kommutatives $R$ mit dem Produktideal zusammenf"allt.
Im Fall $s=2$ impliziert $\frak{a} +\frak{b} = R$ schon mal
$\frak{a} \cap \frak{b}= \langle\frak{a} \frak{b}\rangle$, 
denn schreiben wir $1=a+b$
mit $a\in\frak{a}$ und $b\in\frak{b}$, so gilt $x=xa+xb$ auch f"ur alle 
$x\in\frak{a} \cap \frak{b}$.
Im allgemeinen beachten wir, da"s das Aufmultiplizieren
unserer Identit"aten $a_i + b_i =1$ von eben mit $a_i\in\mathfrak a_1$ und
 $b_i\in\mathfrak a_i$ f"ur $2\leq i\leq n$ 
 sogar zeigt
 $\frak{a}_1 +\langle\frak{a}_2 \ldots \frak{a}_s\rangle= R$.  
Mit vollst"andiger Induktion erhalten wir dann
$\frak{a}_1 \cap(\frak{a}_2\cap \ldots \cap\frak{a}_s)=
\frak{a}_1 \cap\langle\frak{a}_2 \ldots \frak{a}_s\rangle=
\langle\frak{a}_1\langle\frak{a}_2 \ldots \frak{a}_s\rangle\rangle=
\langle\frak{a}_1\frak{a}_2 \ldots \frak{a}_s\rangle$.
\end{proof}



\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildInPo}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Eine Interpolation in einer Variablen mit vorgegebenen Werten
an zwei Punkten 
und  vorgegebenem Wert und Wert der Ableitung an einem weiteren Punkt.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Korollar}[\defind{Polynominterpolation}]
  Gegeben ein K"orper $k$ und $\lambda_1,\ldots,\lambda_r\in k$
  paarweise verschieden und $b_1, \ldots, b_r\in k$ beliebig
  finden wir stets ein Polynom
  $P \in k [X]$ mit\label{IPe} 
  $$P(\lambda_i)=b_i\quad\forall i$$
  Wir finden sogar genau ein derartiges Interpolationspolynom $P$ mit
  der zus"atzlichen Eigenschaft $\op{grad}P<r$. 
\end{Korollar}
\begin{proof}  Nach dem Isomorphiesatz f"ur
  Ringe faktorisiert das Auswerten eines Polynoms
  an einer Stelle  $\lambda\in k$ "uber einen
  Ringisomorphismus
  $k[X]/\langle X-\lambda\rangle \sira k$. 
  Es gilt also zu zeigen, da"s die durch die jeweiligen
  Quotientenmorphismen gegebene Abbildung eine Surjektion
  $$k[X]\sra k[X]/\langle X-\lambda_1\rangle\times\ldots
  \times k[X]/\langle X-\lambda_r\rangle$$
  ist. Das folgt jedoch unmittelbar aus dem abstrakten chinesischen Restsatz
  \ref{ACR}. Zus"atzlich besagt dieser Satz,
  da"s das Auswerten einen Isomorphismus
  $$k[X]/\langle (X-\lambda_1)\ldots (X-\lambda_r)\rangle\sira
  k[X]/\langle X-\lambda_1\rangle\times\ldots
  \times k[X]/\langle X-\lambda_r\rangle$$
  induziert. Zusammen mit dem durch die Einbettung gegebenen
  Isomorphismus $k[X]^{\leq \op{grad}P-1}\sira k[X]/\langle P\rangle$
  aus \ref{BQP} folgt auch die zweite Behauptung.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Potenzen von Idealen}] 
Wir schreiben $\langle I^n\rangle$ f"ur das 
$n$-fache Produkt eines Ideals mit sich selbst.
Betrachten wir zum Beispiel $R=k[X,Y]$ f"ur einen K"orper $k$ und
darin das Ideal $I=\langle X,Y\rangle$, so gilt $\langle I^2\rangle
=\langle X^2,XY,Y^2 \rangle$, 
$\langle I^3\rangle=\langle X^3,X^2 Y, XY^2, Y^3\rangle$
und so weiter.
\end{Bemerkungl}
\begin{Korollar}[\defind{Polynominterpolation}]\label{IP}
Seien $k$ ein K"orper und $n \in \DN$. Wir finden stets ein Polynom
$P \in k [X_{1}, \ldots,
X_{n}]$, das an
endlich vielen vorgegebenen Stellen des $k^n$  
vorgegebene Werte annimmt und
sogar eine beliebig vorgegebene Taylorentwicklung bis zu einem festen
endlichen Grad  hat.
\end{Korollar}

\begin{proof}[Beweis]
F"ur einen Punkt $p\in k^n$ bezeichne $I(p)$ das Ideal aller
Polynome, die bei $p$ verschwinden.
Mit der vagen Formulierung \glqq die Taylorentwicklung 
bei $p$ eines Polynoms $P \in k [X_{1}, \ldots,
X_{n}]$ bis zum Grad $m -1$ vorzugeben\grqq\  meinen wir,
seine
Nebenklasse in $k[X_{1},\ldots , X_{n}]/\langle I(p)^{m}\rangle$ vorzugeben.
Damit wir den abstrakten chinesischen Restsatz anwenden k"onnen,
m"ussen wir nur noch
zeigen $\langle I(p)^{m}\rangle + \langle I(q)^{m}\rangle =\langle 1\rangle$ 
falls $p \neq
q$.
Offensichtlich gilt $I(p) + I(q) =\langle 1\rangle$, denn
$p$ und $q$ unterscheiden sich in mindestens einer Koordinate,
sagen wir $p_i\neq q_i$, und dann ist $(X_i-p_i)+(q_i-X_i)$ eine
Einheit im Polynomring.
Schreiben wir nun $1=a + b $ mit $a\in I(p)$ und $ b \in I(q)$ und nehmen
von dieser Gleichung die $2m$-te Potenz, so folgt
 $1 \in \langle I(p)^{m}\rangle + \langle I(q)^{m}\rangle$ wie
gew"unscht.
\end{proof}



%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%5
\subsection{Euklidische Ringe und Primfaktorzerlegung}
\begin{Bemerkungl}
Die folgende schematische "Ubersicht soll die Struktur dieses
Abschnitts und die Beziehungen der darin neu eingef"uhrten Begriffe
untereinander verdeutlichen:\label{FarF} 
$$\begin{array}{l}
 \text{Interessante Kringe, etwa $\DZ$,
$\DZ[\op{i}]$, oder der Ring $k [X]$ f"ur einen K"orper $k$;}   \\
\hspace{15mm}\cap \\

\text{Euklidische Ringe, in denen es eine \glqq Division mit Rest\grqq\  gibt;}
  \\
\hspace{15mm}\cap \\
\text{Hauptidealringe oder K"orper: Jedes Ideal wird darin von
einem Element erzeugt;}   \\
\hspace{15mm}\cap \\

\text{Faktorielle Ringe, alias Kringe mit
\glqq eindeutiger Primfaktorzerlegung\grqq.}
\end{array}$$
Wir arbeiten nun unser Schema von unten nach oben ab und
beginnen mit faktoriellen Ringen.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{Defir}
Ein Element $a$ eines Krings $R$ hei"st 
{\bf irreduzibel}\index{irreduzibel!Element eines Krings}
oder genauer {\bf irreduzibel in $R$}, wenn es weder eine Einheit ist noch
sich als ein Produkt von zwei Nichteinheiten darstellen l"a"st.
In Formeln fordern wir also  $a \not\in R^{\times}$ und
$a = bc \Rightarrow (b \in R^{\times}$ oder $c \in R^{\times})$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl} Ich bemerke, da"s diese Definition f"ur ein beliebiges
  kommutatives Monoid sinnvoll bleibt. Im vorhergehenden haben wir sie bereits
   auf das multiplikative Monoid eines Krings spezialisiert.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
Die Null ist in einem Kring nie irreduzibel, denn 
im Nullring ist sie eine Einheit und in anderen Kringen
das Produkt $0=0\cdot 0$ von 
zwei Nichteinheiten.
Eine ganze Zahl
$n \in \DZ$ ist irreduzibel in $\DZ$ 
genau dann, wenn ihr Betrag $|n|$ eine Primzahl
ist. In einem K"orper gibt es "uberhaupt keine irreduziblen Elemente. 
Insbesondere ist jede Primzahl $p\in\DN$ zwar irreduzibel 
in $\DZ$, aber nicht irreduzibel in $\DQ$.
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}
  Ich erinnere daran, da"s man unter einem  {\bf Integrit"atsbereich}\index{Integrit"atsbereich} oder
 {\bf Integrit"atsring}\index{Integrit"atsring}  einen
  von Null verschiedenen Ring versteht, bei dem das Produkt
  je zweier von Null verschiedener Elemente auch wieder
  von Null verschieden ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{Deff}
Ein Ring $R$ hei"st \defind{faktoriell}, wenn
er ein kommutativer Integrit"atsbereich ist und wenn zus"atzlich gilt:
\begin{enumerate}
\item
Jedes $a \in R\backslash (R^\times \sqcup\{0\})$ l"a"st sich darstellen als
ein  Produkt von irreduziblen Elementen,
in Formeln $a =  p_{1} \ldots p_{n}$ mit  $p_{i}$
irreduzibel und $n\geq 1$;
\item
Diese Darstellung ist eindeutig bis auf Einheiten und die
Reihenfolge der Faktoren. Ist genauer
$a = q_{1} \ldots q_{m}$ eine
zweite Darstellung wie eben, so gilt $n = m$ und es gibt
eine Permutation $\tau \in \cal{S}_{n}$ von $n$ sowie Einheiten $u_{i}
\in R^{\times}$ mit $q_{i} = u_{i}p_{\tau (i)}$ f"ur $1 \leq
i\leq n$.
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungw}
  Unsere einzigen Beispiele f"ur faktorielle Ringe sind bisher $\DZ$ und alle
  K"or\-per. Im folgenden werden wir viele weitere Beispiele f"ur
  faktorielle Ringe kennenlernen und insbesondere zeigen, da"s Polynomringe
  "uber K"orpern, ja Polynomringe
  "uber faktoriellen Ringen stets faktoriell sind.
\end{Bemerkungw}

\begin{Bemerkunge} Ein kommutatives Monoid nennen wir auch {\bf abelsch}
  oder abk"urzend ein {\bf Abmonoid}.\index{Abmonoid}
  Ein Abmonoid hei"st ein {\bf freies Abmonoid},\index{Abmonoid!freies}
  wenn es  isomorph ist zum Monoid
aller fast "uberall verschwindenden Abbildungen von einer
Menge in das additive Monoid $(\DN,+)$.  In dieser Terminologie ist
ein Kring $R$ faktoriell genau dann, wenn er ein Integrit"atsbereich ist
und der Quotient $(R\backslash 0)/R^\times$ des multiplikativen Monoids
seiner von Null verschiedenen Elemente nach der Einheitengruppe ein freies
Abmonoid ist.
\end{Bemerkunge}


\begin{Beispiele}[\textbf{Ein Integrit"atskring, der nicht faktoriell ist}] 
Als Beispiel f"ur einen nicht faktoriellen Integrit"atskring 
betrachten wir den Teilring $\Bbb{Z} [\sqrt{-5}]$ des K"orpers der  
komplexen Zahlen, der gegeben wird\label{GBGG} 
durch
$$\DZ [\sqrt{-5}] \pdef \{a+b \op{i}\sqrt{5} \mid
a, b \in \DZ\} \subset \Bbb{C}$$
Ich behaupte, da"s $6 = 2\cdot 3= (1+ \sqrt{-5}) \cdot (1 -
\sqrt{-5})$ zwei Zerlegungen in irreduzible Faktoren sind, die sich nicht
nur um Einheiten und Reihenfolge unterscheiden. Das folgt leicht
mit der Multiplikativit"at der Norm
$|zw|=|z| |w|$ aus der
anschlie"senden Tabelle, in der alle
Elemente $z \in \DZ [\sqrt{-5}]$ der Quadratl"ange $|z|^{2} \leq 9$
aufgelistet sind.
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildWFS}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
\begin{tabular}{c|c}
$|z|^{2}$ & m"ogliche $z \in \DZ [\sqrt{-5}]$\\ \hline
$0$&$0$\\
$1$& $\pm 1$\\
$4$& $\pm 2$\\
$5$&$ \pm \sqrt{-5}$\\
$6$& $(\pm 1)+(\pm \sqrt{-5})$\\
$9$ & $\pm 3$, $(\pm 2)+(\pm \sqrt{-5})$
\end{tabular}
%Einige Elemente des Rings $\DZ [\sqrt{-5}]$ als Punkte 
% in der Gau"s'schen Zahlenebene. Dazu ein Kreis mit dem Radius $3$
% um den Ursprung.
\end{minipage}
\end{figure}
\end{Beispiele}


\begin{Definition}
Ein Ring $R$ hei"st ein \defind{Hauptidealring}, wenn
$R$ ein Integrit"atskring ist aber kein K"orper und\label{HIRi} 
wenn zus"atzlich jedes Ideal von $R$ ein Hauptideal ist, also
von einem einzigen Element
erzeugt wird.
\end{Definition}
%\begin{Bemerkunge}
%F"ur meinen Geschmack ist diese Definition "uberfrachtet. 
%Ich h"atte lieber  einen Hauptidealring  als einen Ring 
%definiert, in dem eben jedes Ideal ein Hauptideal ist.
%Andererseits scheint es mir unnat"urlich, auch K"orper als
%Hauptidealringe zu bezeichnen.
%Diese Konvention  ist nun jedoch wohl leider nicht mehr zu "andern.
%\end{Bemerkunge}
\begin{Beispiel}
  Nach \eref{UGZ}{LA1} ist der Ring $\DZ$ der ganzen Zahlen ein Hauptidealring.
Der Polynomring in zwei Variablen $\DC[X,Y]$ ist kein
Hauptidealring, denn das Ideal aller beim Ursprung von $\DC^2$ 
verschwindenden Polynome ist kein Hauptideal: Jedes Polynom in zwei Variablen,
das am Ursprung verschwindet, verschwindet auch sonst noch irgendwo.
Dasselbe gilt f"ur alle Polynome des von ihm erzeugten
Hauptideals.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl} Es mu"s an dieser Stelle unklar bleiben,
  warum wir K"orper nicht als Hauptidealringe zulassen wollen.
  Der Grund liegt darin, da"s in der Terminologie der algebraischen
  Geometrie Hauptidealringe genau die faktoriellen Ringe der Krulldimension
  Eins werden sollen
  und K"orper die faktoriellen Ringe der Krulldimension Null.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}\label{HIRF} 
Jeder Hauptidealring ist
faktoriell.
\end{Satz}
\begin{Bemerkunge}
In diesem Beweis verwenden wir implizit das
 Auswahlaxiom, um die Existenz einer Faktorisierung in Irreduzible zu zeigen.
Will man es an dieser Stelle
 vermeiden, mag man sich auf den Fall
euklidischer Ringe beschr"anken,
f"ur den wir in \ref{GZFF} einen  Beweis ohne Auswahlaxiom geben.   
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl} Im Integrit"atskring
  $R$ aller stetigen Funktionen $g:[0,\infty)\ra\DR$,
    die auf $(0,\infty)$ analytisch sind, hat die Funktion $x$
    keine Darstellung als endliches
    Produkt irreduzibler Elemente. In der Tat ist keine
     Funktion $g\in R$ mit einziger Nullstelle beim
      Ursprung irreduzibel, weil wir sie ja als
      $g=\pm \sqrt{|g|}\sqrt{|g|}$ faktorisieren k"onnen.
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}[Beweis]
Wir zeigen als erstes, da"s in einem Hauptidealring $R$ 
jedes Element $a \in R\backslash (R^\times\sqcup \{0\})$ ein
Produkt von  endlich vielen irreduziblen Elementen ist.  Produkte
mit nur einem Faktor sind ausdr"ucklich zugelassen. Produkte mit
gar keinem Faktor sollten wir der terminologischen Konsistenz halber
auch zulassen, aber sie  sind im folgenden irrelevant.   
 Wir argumentieren durch Widerspruch.
 G"abe es ein Element $a \in R\backslash (R^\times\sqcup \{0\})$,
 das  kein Produkt von
Irreduziblen ist, so w"are
insbesondere $a$ selbst nicht
irreduzibel alias Produkt von einem irreduziblen Faktor,
w"are also von der Gestalt
$a = a_{1} b_{1}$ mit $ a_{1},b_{1}\not\in R^{\times}$.
Hier k"onnen nicht sowohl $a_{1}$ als auch $b_{1}$ Produkte von
Irreduziblen sein. Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der
Allgemeinheit annehmen, $a_{1}$ sei kein Produkt von Irreduziblen,
und da $b_1$ keine Einheit ist, finden wir
$$\langle a\rangle\subsetneq \langle a_1\rangle$$
Indem wir immer so weitermachen, finden wir also in $R$ eine unendliche
echt aufsteigende Folge von Hauptidealen
$$\langle a\rangle\subsetneq \langle a_{1}\rangle \subsetneq\langle a_{2}\rangle\subsetneq\ldots$$
Die Vereinigung "uber alle diese Hauptideale ist auch ein Ideal, und 
weil wir in einem Hauptidealringal sind, ist sie sogar
ein Hauptideal $\langle h\rangle$.
Diese Vereinigung ist aber aber auch das Erzeugnis $\langle h\rangle =
\langle a_{1}, a_{2}, \ldots \rangle$ der $a_{i}$. Es folgt eine Relation
der Gestalt $h=
 r_{1}a_{1}+ \ldots + r_{n}a_{n}$ und damit $\langle h\rangle = 
\langle a_{n}\rangle$ im
Widerspruch zu $\langle a_{n}\rangle \neq
\langle a_{n+1}\rangle$.
Dieser Widerspruch zeigt, da"s jedes Element,
das weder Null ist noch eine Einheit,
ein Produkt von Irreduziblen sein mu"s.\\[2mm]\noindent  
Jetzt zeigen wir die Eindeutigkeit der Darstellung als Produkt von
Irreduziblen bis auf Reihenfolge und Einheiten.
Es reicht dazu, "ahnlich wie wir das im Fall der ganzen
Zahlen bereits gesehen hatten,  wenn wir f"ur jedes irreduzible Element $p\in R$
und beliebige $a,b\in R$
zeigen
$$p|ab\;\RA\; p|a\text{ oder } p|b$$ 
Wir wiederholen daf"ur unseren Beweis des Lemmas von
Euklid \eref{EPf}{LA1}. Gleichbedeutend d"urfen wir
zeigen, da"s aus $p\;\!\!{\nmid} a$ und $p|ab$ folgt $p|b$.
Weil wir in einem Hauptidealring sind, gibt es aber $c$ mit
$\langle a,p\rangle=\langle c\rangle$ und wegen $c|p$ und $p$ irreduzibel
haben wir entweder $c\in R^\times p$ oder $c\in R^\times$.
Der erste Fall $c\in R^\times p$ wird durch $p\;\!\!{\nmid} a$
ausgeschlossen, also haben wir $c\in R^\times$ alias
$\langle a,p\rangle=R$ alias $1=ax+py$
f"ur geeignete $x,y\in R$. Multiplikation  mit $b$
liefert dann $b=abx+bpy$ und zusammen mit $p|ab$
folgt wie gew"unscht $p|b$.
\end{proof}


\begin{Definition}
Ein \defnoind{euklidischer Ring}\index{euklidisch!Ring} 
ist ein Integrit"atskring mit
einer Abbildung $\sigma : R \backslash  0  \ra \DN$ derart,
da"s man f"ur alle $a,b \in R$ mit $a \neq 0$ Elemente $ q,r \in
R$ finden kann mit
$ b= aq +r$
und $r =0$ oder $\sigma (r) < \sigma (a)$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Salopp gesprochen ist also ein euklidischer Ring ein 
Integrit"atsbereich, in dem man
  \glqq teilen kann mit Rest\grqq, wobei der Rest in einer pr"azisen, durch $\sigma$
  spezifizierten Weise \glqq kleiner\grqq\  sein soll als der Teiler.
Alle unsere Argumente funktionieren auch noch, wenn 
$\sigma$ allgemeiner 
Werte in einer beliebigen \glqq wohlgeordneten\grqq\  Menge annimmt, 
als da hei"st einer angeordneten Menge, in der jede nichtleere Teilmenge
ein kleinstes Element besitzt. Noch allgemeiner k"onnten wir mit
einer beliebigen Teilordnung auf $R$ arbeiten, solange die Null daf"ur
das kleinste
Element ist und  kein Element
der Beginn einer unendlichen absteigenden Kette.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}\label{BER}
\begin{enumerate}
\item
$R = \DZ$ mit $\sigma (n) = |n|$;
\item
  $R = k [X]$ f"ur  einen K"orper $k$ und $\sigma (P) = \op{grad} P$ wegen
  Polynomdivision mit Rest,
siehe \eref{TPR}{LA1};
\item
  $R = \DZ [\op{i}] = \{x+y\op{i} \mid x,y \in \DZ\}$ mit
  $ \sigma (x+y\op{i}) \pdef x^{2}+y^{2}$.
  Dieser Ring der sogenannten \defnoind{Gau"s'schen
Zahlen}\index{Gau"s'sche Zahl}
ist als Teilring von $\Bbb{C}$ zu verstehen. Wir werden dies Beispiel
in \ref{PrGG} noch ausf"uhrlich besprechen.
\end{enumerate}
\end{Beispiele}






\begin{Satz}\label{EuFa}
Jeder euklidische Ring ist ein K"orper oder ein Hauptidealring und damit
insbesondere faktoriell.
\end{Satz}
\begin{Bemerkunge}
  Dieser Satz verallgemeinert unseren Satz \eref{UGZ}{LA1}, mit dem wir alle Untergruppen der Gruppe $\DZ$ der ganzen Zahlen beschrieben hatten. Der Beweis
  ist auch im wesentlichen derselbe.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $I \subset R$ ein Ideal. Ist $I=0$, so ist $I = \langle 0\rangle $ ein
Hauptideal.
Sonst finden wir $a \in I \backslash 0$ mit $\sigma (a)$
kleinstm"oglich.
Wir behaupten $I= \langle a\rangle$. G"abe es n"amlich 
$b \in I\backslash \langle a\rangle$,
so k"onnten wir schreiben
$b = aq +r$ mit $r \neq 0$ und $\sigma (r) < \sigma (a)$.
Dann gilt aber auch $r =b  -aq \in I$, und das steht
im Widerspruch zur Wahl
von $a$.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Faktorialit"at ohne Zorn}]  
 F"ur die Beweise der zentralen Resultate dieser Vorlesung
m"ussen wir nur wissen, da"s euklidische\label{GZFF} 
Ringe faktoriell sind. In diesem Fall k"onnen wir die Existenz einer
Faktorisierung in Irreduzible auch ohne Auswahlaxiom einsehen.
Dazu brauchen wir nur 
die Erkenntnis aus dem vorhergehenden Beweis, nach der jedes 
von Null verschiedene Ideal von jedem seiner von Null verschiedenen Elemente mit
kleinstm"oglichem $\sigma$-Wert erzeugt wird.
G"abe es nun von Null verschiedene  
Elemente ohne Faktorisierung in Irreduzible, so auch ein
derartiges Element $a$ 
mit kleinstm"oglichem $\sigma$-Wert. 
Es h"atte dann eine
 Faktorisierung in 
ein Produkt von zwei Nichteinheiten $a=bc$,  
und die Hauptideale $\langle b\rangle$ und $\langle c\rangle$
w"aren echt gr"o"ser als $\langle a\rangle$. Das Minimum von $\sigma$ auf
$\langle b\rangle\backslash 0$ m"u"ste also echt kleiner sein als das Minimum von $\sigma$
auf $\langle a\rangle\backslash 0$, denn wir haben $b=aq+r$ mit $r\neq 0$ und
$\sigma(r)<\sigma(a)$.
Wird das Minimum von  $\sigma$ auf
$\langle b\rangle\backslash 0$ bei $\beta$ angenommen, so folgt
weiter $\beta| b$ und damit $\beta\in R^\times b$.
Genauso finden wir $\gamma \in R^\times c$ mit $\sigma(\gamma)<\sigma(a)$.
Dann aber m"u"sten $\beta$ und $\gamma$  und damit auch
$b$ und $c$ Faktorisierungen in Irreduzible besitzen und damit auch $a$
selbst.
Dieser Widerspruch zeigt die Behauptung. 
\end{Bemerkunge}

\begin{Korollar}\label{PReF}
Der Polynomring in einer Ver"anderlichen mit Koeffizienten
in einem K"orper ist stets ein Hauptidealring und ist insbesondere
stets faktoriell.
\end{Korollar}

\begin{proof}
Wie in \ref{BER} ausgef"uhrt wird, ist unser Polynomring
ein euklidischer Ring. Das Korollar folgt damit aus \ref{EuFa}.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Die irreduziblen Elemente des Polynomrings $k[X]$ mit 
Koeffizienten in einem K"orper $k$  nennt man {\bf
irreduzible Polynome}.\index{irreduzibel!Polynom} 
Wenn wir mit mehreren K"orpern 
gleichzeitig arbeiten, werden wir auch 
von {\bf $k$-irreduziblen\index{irreduzibel!$k$-irreduzibel, Polynom} 
Polynomen} reden, da dieser Begriff ganz entscheidend von $k$ 
abh"angt: Zum Beispiel ist das Polynom $X^2+1$ zwar $\DR$-irreduzibel, aber 
keineswegs $\DC$-irreduzibel.
\end{Bemerkungl}


\begin{Beispiel}
  Die irreduziblen Polynome in $\DC[X]$ sind nach \eref{zl}{LA1} 
genau die Polynome vom Grad
  Eins. Die irreduziblen Polynome in $\DR[X]$ sind nach \eref{FRP}{LA1}
genau die Polynome vom Grad
  Eins sowie die Polynome vom Grad Zwei ohne reelle Nullstelle.
Die irreduziblen Polynome in $\DQ[X]$ lassen sich nicht so leicht aufz"ahlen.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Primfaktorzerlegung in Polynomringen}]
  Im Polynomring "uber einem K"orper k"onnen wir
  jedes irreduzible Polynom eindeutig schreiben als Produkt eines  normierten
  irreduziblen Polynoms mit einer Einheit. Damit liefert
  f"ur jeden K"orper $K$ 
   das Aufmultiplizieren eine Bijektion\label{AMBk} 
  $$\left\{\begin{array}{c}\text{Endliche Multimengen normierter}\\
        \text{irreduzibler Polynome von $K[X]$}
    \end{array}\right\}\sira
    \left\{\begin{array}{c}\text{Normierte}\\
        \text{Polynome in $K[X]$}
      \end{array}\right\}
    $$
    Im Fall eines algebraisch abgeschlossenen K"orpers $K$ haben alle
    irreduziblen Polynome den Grad Eins und Sie sollten das bereits aus den
    Grundvorlesungen wissen. Im Fall des K"orpers der reellen Zahlen wird
    diese Aussage oft in der Analysis bewiesen als Konsequenz des
    Fundamentalsatzes der Algebra. 
 \end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Quotienten von Hauptidealringen}]
 Gegeben ein von Null verschiedenes\label{QFRH} 
 Element $a$  eines Hauptidealrings\label{Ubb} $R$
 sind gleichbedeutend:
 \begin{enumerate}
 \item Der Quotientenring $R/\langle a\rangle$ ist ein K"orper;
   \item Der Quotientenring $R/\langle a\rangle$ ist ein Integrit"atsring;
  \item Unser Element $a$  ist
  irreduzibel.
 \end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}
 $ (1)\RA(2)$ ist klar.
  \\[2mm]\noindent$ (2)\RA(3)$. Wir zeigen gleichbedeutend 
 $ ($nicht $3)\RA($nicht $2)$. Ist $a\in R$ nicht irreduzibel, so haben wir
  $a\in R^\times$ oder 
  $a=bc$ mit $b,c\not\in R^\times$. Im ersten Fall ist der Quotientenring der Nullring und mithin kein Integrit"atsring. Im zweiten Fall folgt,
 da $R$ ein Integrit"atsring ist, schon mal $b,c\not\in \langle a\rangle$. F"ur die Nebenklassen in $R/\langle a\rangle$ gilt also
  $\bar b\neq 0$ und $\bar c\neq 0$ aber $\bar b\bar c= 0$. Deshalb kann
 f"ur $a$ nicht irreduzibel der Quotientenring $R/\langle a\rangle$ kein Integrit"atsring sein. Das gilt mit demselben Argument  sogar f"ur einen beliebigen  Integrit"atskring $R$.
 \\[2mm]\noindent$(3)\RA(1)$.
 Gegeben $a,b\in R$ gibt es $c\in R$ mit $ \langle a,b\rangle=\langle c\rangle$.
 Insbesondere ist $c$ ein Teiler von $a$, und ist $a$ irreduzibel, so folgt
 $\langle c\rangle=\langle a\rangle$ oder $\langle c\rangle=R$. 
 Gilt zus"atzlich $b\not\in \langle a\rangle$,
 so folgt $ \langle a,b\rangle=R$  und
 folglich gibt es $x,y\in R$ mit $1=ax+by$. Dann aber ist $\bar y$ ein multiplikatives Inverses zu $\bar b$ in $R/\langle a\rangle$.
\end{proof}
  \begin{Beispiel} Gegeben $p\in\DZ$ ist
    $\DZ/p\DZ$ ist genau dann ein K"orper, wenn $p$ oder $-p$
eine Primzahl ist. 
\end{Beispiel}

 \begin{Beispiel}
$\DR[X]/\langle X^2+1\rangle$ ist ein K"orper,
genauer induziert das Einsetzen von $\op{i}$ f"ur $X$ einen Isomorphismus
dieses K"orpers mit $\DC$. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
$\DR[X]/\langle X^2+2\rangle$ ist ein K"orper,
genauer induziert das Einsetzen von $\op{i}\sqrt{2}$ 
f"ur $X$ einen Isomorphismus
dieses K"orpers mit $\DC$. 
\end{Beispiel}
 \begin{Beispiel} $\DR[X]/\langle X+1\rangle$ ist ein K"orper,
 genauer induziert das Einsetzen von $-1$ f"ur $X$ einen Isomorphismus
dieses K"orpers mit $\DR$.
\end{Beispiel}

 \begin{Beispiel}
$\DR[X]/\langle X^2-1\rangle$ ist \emph{kein} K"orper.
Vielmehr liefert der chinesische Restsatz in Verbindung mit dem
vorhergehenden Beispiel einen Ring\-iso\-mor\-\-phis\-mus
$\DR[X]/\langle X^2-1\rangle\sira \DR\times\DR$ und $\DR\times\DR$
ist kein K"oper, es gilt darin ja etwa $(1,0)\cdot(0,1)=(0,0)$.
 \end{Beispiel}

 \subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
   Man zeige, da"s $\DZ[X]$ kein Hauptidealring ist.
 \end{Ubung}
 \begin{Ubung}\label{IPo}
Sei $k$ ein K"orper. Man zeige: (1)
Alle Polynome vom Grad $1$ sind irreduzibel in $k[X]$.
(2)
Ist $P \in k[X]$ irreduzibel und $\op{grad} P > 1$, so hat $P$ keine
Nullstelle in $k$.
(3)
Ist $P \in k [X]\setminus k$ vom Grad $\op{grad} P \leq 3$ und hat $P$ keine
Nullstelle in $k$, so ist $P$ irreduzibel in $k[X]$.
(4)
Ist $k$ algebraisch abgeschlossen, so sind die irreduziblen
Polynome in $k[X]$ genau die Polynome vom Grad $1$.
Man gebe auch (5) ein Polynom positiven Grades
in $\DR[X]$ an, das keine Nullstelle hat, aber dennoch nicht irreduzibel ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{Uevi}
In einem Polynomring in mindestens einer Variablen "uber einem
K"orper gibt es stets unendlich viele normierte
irreduzible Polynome. Hinweis: 
Man multipliziere sonst alle zusammen und ziehe $1$ ab.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}\label{fprH}
Man zeige: Gegeben ein K"orper $k$ ist der Ring  $k\llbracket X\rrbracket$ 
der formalen 
Potenzreihen mit Koeffizienten aus $k$ aus 
\eref{FPR}{LA1} ein Hauptidealring 
und die Ideale dieses Rings sind das Nullideal sowie die Ideale
$X^n k\llbracket X\rrbracket$ f"ur $n\in\DN$. Man bespreche  die 
Primfaktorzerlegung
in diesem Hauptidealring.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{Wuzt} 
  Seien $R$ ein faktorieller Ring und $q\in \op{Frac}(R)$ ein Element
  seines Bruchk"orpers und $n\geq 1$ mit $q^n\in R$. Man zeige $q\in R$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Eindeutigkeitsaussagen f"ur teilerfremde Polynome}]
  Seien $k$ ein K"orper und $f,g\in k[T]$ teilerfremde Polynome.
  Man zeige, da"s es dann f"ur jedes Polynom $h$ Polynome
  $a,b$ gibt mit $h=af+bg$. Man zeige, da"s man unter der zus"atzlichen Annahme $g\neq 0$ hier $(a,b)$ sogar
  so w"ahlen kann, da"s gilt $\op{grad}a<\op{grad}g$, und da"s im Fall
  $ \op{grad} (h)\leq\op{grad}(f)+\op{grad}(g)-1$ unser Paar
  $(a,b)$ dadurch dann eindeutig bestimmt ist.\label{hirG}
  Hinweis: Dimensionsabsch"atzung. Die analoge Aussage gilt nicht
  f"ur $k=\DZ$, selbst wenn wir $f$ und $g$ normiert annehmen.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}\label{QFRHi}
Im Quotientenring eines faktoriellen Rings $R$ nach dem Hauptideal
zu einem Element $a\neq 0$ ist das Bild von $b\in R$ genau dann k"urzbar,
wenn $a$ und $b$ teilerfremd sind.  
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
  Seien $k$ ein K"orper und $R$ eine Ringalgebra "uber $k$.
  Ein Element $\alpha\in R$ hei"st {\bf algebraisch "uber $k$}, wenn es
  ein von Null verschiedenes Polynom $P\in k[X]\backslash 0$ gibt mit
  $P(\alpha)=0$. Man zeige, da"s es in diesem Fall genau ein normiertes
  Polynom $Q\in k[X]$ kleinstm"oglichen Grades gibt mit $Q(\alpha)=0$.
  Es hei"st dann das {\bf Minimalpolynom von $\alpha$}.\index{Minimalpolynom} 
\end{Ubung}

\subsection{Primelemente und maximale Ideale*}




\begin{Definition}\label{DPrE}
Sei $R$ ein Kring. %Integrit"atsbereich. 
Ein Element $p \in R$ hei"st ein {\bf euklidisches Element}\index{euklidisch!Element} oder "ublicher 
\defind{Primelement}, falls es  weder Null noch eine
Einheit ist und falls zus"atzlich  aus $p|ab$ folgt $p|a$ oder $p|b$.
Wir sagen auch abk"urzend, so ein Element
sei  {\bf euklidisch}\index{euklidisch}  
alias {\bf prim}.\index{prim}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Mir scheint die Bezeichnung als Primelement eine ungl"uckliche Wahl,
aber sie ist nun einmal historisch gewachsen. Einerseits
sind nun zwar die positiven 
Primelemente des Rings der ganzen Zahlen $\DZ$ genau
unsere Primzahlen, aber das ist bereits ein nichttrivialer Satz,
den wir in \eref{EPf}{LA1} als \glqq Lemma von Euklid\grqq\ bewiesen
hatten. 
Von ihrer urspr"unglichen Definition her versteht man unter Primzahlen
ja viel eher die positiven irreduziblen Elemente des Rings der ganzen Zahlen.
Andererseits w"are es auch eine vern"unftige Terminologie, in einem beliebigen kommutativen 
Ring  diejenigen Elemente als Primelemente zu bezeichnen, die 
im Sinne von \eref{PrII}{KAG} \glqq ein Primideal erzeugen\grqq, aber dann 
m"u"sten wir in unserer Definition auch die Null als Primelement zulassen.
So gesehen sitzt man  mit der obigen und allgemein gebr"auchlichen  
Definition eines
Primelements leider zwischen allen St"uhlen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Primelemente und irreduzible Elemente}]
Euklidische Elemente $p$ alias Primelemente in Integrit"atsbereichen
sind stets irreduzibel, denn aus $p=ab$ folgt $p|a$ oder $p|b$, also
ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $a=p\alpha$ und dann $p=ab=p\alpha b$ und
so $1=\alpha b$ und $b$ ist eine Einheit. 
Irreduzible Elemente m"ussen auch in Integrit"atsbereichen
im allgemeinen keineswegs euklidisch alias prim sein, wie das Beispiel
\ref{GBGG} des Rings 
$\DZ [\sqrt{-5}]$ mit den Zerlegungen
$6 = 2\cdot 3= (1+ \sqrt{-5}) \cdot (1 -\sqrt{-5})$.
Wir hatten uns ja "uberlegt, da"s hier alle Faktoren irreduzibel sind, sich
aber nicht gegenseitig teilen. Also teilt $(1+ \sqrt{-5})$ das Produkt $2\cdot 3$, teilt aber keinen der Faktoren. 
In einem faktoriellen Ring sind die euklidischen
Elemente alias Primelemente 
aber offensichtlich 
genau die irreduziblen Elemente.
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}\label{MaxI}
Ein Ideal in einem Ring hei"st ein 
{\bf echtes Ideal},\index{echt!Ideal}\index{Ideal!echtes}
 wenn es nicht der ganze Ring ist.
Ein Ideal in einem Ring hei"st ein 
{\bf maximales echtes
Ideal},\index{maximal!echtes Ideal}  
 wenn es ein  maximales Element der
durch Inklusion teilgeordneten Menge aller \emph{echten} 
Ideale unseres Ringes ist. Es ist eine allgemeine Konvention, unsere 
maximalen echten
Ideale abk"urzend als {\bf maximale 
Ideale}\index{Ideal!maximales}\index{maximal!Ideal}
zu bezeichnen, obwohl sie 
nat"urlich nicht die maximalen 
Elemente der
Menge aller Ideale unseres Ringes
sind: Diese Menge hat 
n"amlich nur genau ein maximales Element,  den Ring selbst.
Ich werde dieser allgemeinen Konvention folgen.
\end{Definition}



\begin{Beispiele}  Die maximalen Ideale eines Hauptidealrings sind genau
  die von den irreduziblen Elementen erzeugten Hauptideale.\label{iRB} 
  Jeder K"orper besitzt nur genau ein maximales Ideal, n"amlich das Nullideal.
  Ist umgekehrt in einem Kring $R$ das Nullideal ein maximales Ideal, so
  mu"s unser Kring offensichtlich ein K"orper sein, denn wir haben
  $R\neq 0$ und f"ur $a\in R\backslash 0$ gilt $Ra=\langle a\rangle =R\ni 1$.
  Der Nullring besitzt "uberhaupt kein maximales Ideal. In \eref{EMI}{KAG} zeigen wir,
  da"s er der einzige Ring ohne maximales Ideal ist.
\end{Beispiele}


\begin{Proposition}[\textbf{Faktorringe nach maximalen Idealen}]
Ein Ideal in einem Kring  ist maximal genau dann,
wenn der Faktorring nach besagtem Ideal ein K"orper ist.\label{RMIb}
\end{Proposition}
\begin{proof}[Erster Beweis]
Sei $R$ unser Kring und $\frak{m}\subset R$ unser Ideal. 
Ist $R/\frak{m}$ ein K"orper, so gilt $\frak m\neq R$ und es
gibt f"ur jedes $a\not\in \frak m$ 
ein $b\in R$ mit $ab\in 1+\frak m$. Folglich gilt 
$\langle a,\frak m\rangle=R$ f"ur jedes $a\not\in \frak m$ und damit ist 
$\frak m$ ein maximales Ideal von $R$. 
Ist umgekehrt $\frak m$ ein maximales Ideal von $R$, so ist 
$R/\frak{m}$ nicht der Nullring und f"ur jedes $a\not\in \frak m$
gilt $\langle a,\frak m\rangle=R$ und folglich 
gibt es $b\in R$ und $m\in \frak m$ mit $ab +m=1$. Dann aber folgt
$\bar a \bar b =1 $ in $R/\frak m$ und dieser Faktorring ist ein K"orper.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
  Nach \ref{iRB} ist ein Kring genau dann ein K"orper,
  wenn er genau zwei Ideale besitzt, das Nullideal und den ganzen Kring. 
  Nach \ref{IduK} entsprechen die Ideale von $R/\frak{m}$ eindeutig den Idealen von $R$, die $\mathfrak m$ umfassen. Die Proposition folgt.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  F"ur unseren Satz \ref{Ubb}, nach dem
  ein Faktorring von einem Hauptidealring nach einem
  Hauptideal $\langle a\rangle$ genau dann ein K"orper ist, wenn $a$ ein irreduzibles Element ist, k"onnen wir damit einen neuen Beweis geben:
  Beide
  Eigenschaften von $a$ sind nach \ref{iRB} beziehungsweise \ref{RMIb}
  gleichbedeutend zur Forderung,
  da"s $\langle a\rangle$ ein maximales Ideal ist. Bei genauerer Betrachtung ist dieser neue Beweis aber doch nur der alte in neuen Worten.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
  Ein kommutativer Integrit"atsbereich ist faktoriell genau dann, wenn
  (1) jedes von Null verschiedene Element als Produkt von einer
  Einheit mit einigen Irreduziblen dargestellt werden kann und (2)
  jedes irreduzible Element prim ist.
\end{Ubung}
\subsection{Gau"sprimzahlen}\label{PrGG}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildVRG}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Die Elemente des
von $1+3\op{i}$ im Ring der Gau"s'schen Zahlen erzeugten
Hauptideals habe ich in diesem Bild als fette Punkte
dargestellt, die anderen Elemente 
des Rings der Gau"s'schen Zahlen  durch kleine Punkte.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Lemma}
Der Ring $\DZ[\op{i}]$ der Gau"s'schen Zahlen ist euklidisch
und mithin faktoriell.
\end{Lemma}

\begin{proof}[Beweis]
Die Elemente des von einem festen von Null verschiedenen
Element $0\neq a =x+{\op{i}}y \in \DZ [\op{i}]$
im Ring $\DZ [\op{i}]$ der
Gau"s'schen Zahlen erzeugten Hauptideals bilden die Ecken eines 
quadratischen Rasters auf der komplexen
Zahlenebene, mit $|a| = \sqrt{x^{2}+y^{2}}$ der Seitenl"ange der
Quadrate.
Jedes $b \in \DZ [\op{i}]$ liegt in einem dieser Quadrate
und hat von einer der Ecken einen Abstand
$\leq {\sqrt{2}|a|}/{2} < |a|$. Folglich ist unser Ring euklidisch mit
$\sigma (a) = |a|^{2}$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Von nun an wird in diesem Abschnitt der Begriff \glqq Quadrat\grqq\  nicht mehr
in seiner geometrischen Bedeutung verwendet, sondern in seiner 
algebraischen Bedeutung als Abk"urzung f"ur \glqq Quadratzahl\grqq.
Die ersten Quadrate in $\DZ$ sind also $0,1,4,9,16,25,\ldots$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} Ein irreduzibles Element des Rings $\DZ[{\op{i}}]$
  der Gau"s'schen Zahlen nennen
  wir eine {\bf Gau"sprimzahl}\index{Gau"sprimzahl} oder als Adjektiv
  {\bf gau"sprim}.\index{gau"sprim} Eine Einheit im Ring $\DZ[{\op{i}}]$
  der Gau"s'schen Zahlen nennen
  wir eine {\bf Gau"seinheit}.\index{Gau"seinheit} Es gibt genau  vier
  Gau"seinheiten, genauer und in Formeln $ \DZ[{\op{i}}]^\times=
  \{1, -1, {\op{i}}, -{\op{i}}\}$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\textbf{Gau"sprimzahlen}] 
  \begin{enumerate}
  \item
    Jedes Gau"sprimzahl $\pi\in\DZ[\op{i}]$ teilt
    genau eine Primzahl $p\in\DN$;
   \item
     Jede Primzahl $p\in\DN$ ist entweder gau"sprim 
      oder zerf"allt in $\DZ[\op{i}]$ in ein Produkt aus zwei
     Gau"sprimzahlen, die dann notwendig zueinander
     komplex konjugiert sind und nur im Fall
     $p=2=(1+{\op{i}})(1-{\op{i}})$
     durch Multiplikation mit einer Gau"seinheit 
     auseinander hervorgehen.
  \end{enumerate}
\end{Lemma}

\begin{Bemerkungw} Gleich im Anschlu"s in \ref{eqP} zeigen wir, da"s
  eine Primzahl genau dann gau"sprim ist,
  wenn sie beim Teilen durch Vier den Rest Drei l"a"st. 
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}
1.  Sei $\pi\in \DZ[\op{i}]$ gau"sprim. So ist $\pi$ nicht Null und keine
  Gau"seinheit, folglich gilt $\pi\bar \pi>1$. 
  Aus $\pi|\pi\bar\pi$ folgt $\pi|p$ f"ur mindestens einen Primteiler
  $p$ von $\pi\bar\pi$, also teilt $\pi$ mindestens eine Primzahl.
  Aus $\pi|p$ und $\pi|q$ f"ur Primzahlen $p$ und $q$ folgt umgekehrt $\pi\bar\pi|p^2$ und $\pi\bar\pi|q^2$
  und so $p=q$, weil $\pi\bar\pi\in \DZ$ keine Einheit ist.
  \\[2mm] \noindent 2. 
  Gegeben eine Primzahl $p$ w"urde jede Zerlegung
  $p=\alpha\beta\gamma$ in Nichtgau"seinheiten in 
  $\DZ[\op{i}]$ eine Zerlegung
  in Nichteinheiten
  $p^2=(\alpha\bar \alpha)(\beta\bar\beta)( \gamma\bar\gamma)$ in $\DZ$ liefern,
  was unm"oglich ist. Folglich ist $p$ entweder gau"sprim 
  oder zerf"allt in ein Produkt von zwei Gau"sprimzahlen als $p=\alpha\beta$.
  Dann folgt sofort $p^2=(\alpha\bar \alpha)(\beta\bar\beta)$
  und damit $p=\alpha\bar \alpha=\beta\bar\beta$ alias $\beta=\bar\alpha$. 
 Gibt es nun eine Gau"seinheit $\varepsilon$ mit $\bar\alpha=\varepsilon\alpha$,
  so haben wir notwendig $\varepsilon=\pm{\op{i}}$, da sonst $p$ keine Primzahl
  gewesen w"are. Bis auf eine eventuelle Vertauschung der Faktoren d"urfen
  wir also $\bar\alpha=-{\op{i}}\alpha$ annehmen. Das impliziert
   $\alpha\in\DZ(1+{\op{i}})$ und f"ur $\alpha$ gau"sprim weiter 
  $\alpha=\pm (1+{\op{i}})$.
\end{proof}



\begin{Proposition}\label{eqP} 
F"ur eine Primzahl
 $p\in \DN$ 
sind gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item\label{eqPP1} 
$p$  ist nicht gau"sprim;
\item\label{eqPP2}  $p$ ist Summe von zwei Quadraten, in Formeln  
$p= x^2+y^2;$
\item\label{eqPP3}  $p$ l"a"st beim Teilen durch Vier  den Rest Eins oder 
Zwei alias 
  $p \equiv 1\pmod{4}$ oder $p=2$;
\item\label{eqPP4}  
Das Polynom $(X^{2}+1)$ ist nicht irreduzibel in $\Bbb{F}_{p} [X]$;
\item\label{eqPP5}  $(-1)$ ist ein Quadrat in $\Bbb{F}_{p}$.
\end{enumerate}
\end{Proposition}
\begin{Beispiele}
  $2=1^2+1^2$, $5=1^2+2^2$, $13=2^2+3^2$, $17=1^2+4^2$, $\ldots$
\end{Beispiele}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.50\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildZi}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Zerfallen von
 Primzahlen in Gau"sprimzahlen. Nur Zwei
 hat einen doppelten Gau"sprimfaktor bis auf Gau"seinheiten,
 $2=-{\op{i}}(1+{\op{i}})^2$.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{proof}
Ist  $\pi = x +{\op{i}}y$ ein Gau"sprimfaktor 
echt kleinerer L"ange von $p$, so ist 
$\pi\bar{\pi} = x^2 +y^2$ ein Primfaktor 
echt kleinerer L"ange 
von $p^2$, also $x^2 +y^2=p$. Das  zeigt \ref{eqPP1}$\RA$\ref{eqPP2}. 
Aus $p=x^2+y^2$ folgt umgekehrt
$p=(x+ {\op{i}}y)(x- {\op{i}}y)$, also haben wir auch \ref{eqPP2}$\RA$\ref{eqPP1}.
Die Implikation 
\ref{eqPP2}$\RA$\ref{eqPP3} folgt daraus, da"s jedes Quadrat kongruent ist
zu Null oder Eins modulo Vier, da n"amlich 
gilt
$\{x^2\mid x\in \DZ/4\DZ\}=\{\bar{0},\bar{1}\}$.
Eine Summe von zwei Quadraten kann also modulo $4$ nie 
zu $3$ kongruent sein. 
 \ref{eqPP1}$\IFF$\ref{eqPP4} folgert man 
durch die Betrachtung des Diagramms von Ringen
\begin{displaymath}
\xymatrix{
& \DZ [X]\ar@{->>}[dr]\ar@{->>}[dl] &  \\
\Bbb{F}_{p} [X]\ar@{->>}[dr]&  & \DZ [\op{i}] = 
\DZ [X]/\langle X^{2}+1\rangle\ar@{->>}[dl]\\
&  \Bbb{F}_{p}[X]/\langle X^{2}+1\rangle= \DZ [\op{i}]/\langle p\rangle&
}
\end{displaymath}
Formal folgt aus "Ubung \ref{QZIp}  die darin versteckte
Erkenntnis, da"s das Wegteilen eines von zwei Elementen erzeugten
Ideals auch als iteriertes Wegteilen verstanden werden kann, und
"Ubung \ref{PoQQ} zeigt, da"s das Bilden von Polynomringen mit dem
Bilden von Quotienten vertauscht, wie wir es oben links implizit
verwendet haben. 
Alle vier Morphismen unseres Diagramms sind also Surjektionen mit
einem  Hauptideal als Kern. Nach \ref{Ubb} 
sind also sowohl  \ref{eqPP1} als auch \ref{eqPP4}
gleichbedeutend dazu, da"s der Ring
$\Bbb{F}_{p}[X]/\langle X^{2}+1\rangle$ kein K"orper
ist, und damit sind sie auch untereinander "aquivalent.
 \ref{eqPP4}$\IFF$\ref{eqPP5} ist evident. 
Schlie"slich zeigen wir noch  \ref{eqPP3}$\RA$\ref{eqPP5}.
Sicher ist n"amlich $-1$ ein Quadrat in  $\Bbb{F}_{2}$. Unter der Voraussetzung
$p\equiv 1\pmod{4}$  gilt dasselbe in  $\Bbb{F}_{p}$.
Wir wissen n"amlich aus \eref{MZ}{LA2}, da"s $\Bbb{F}_{p}^{\times}$ als
endliche Untergruppe der multiplikativen Gruppe eines K"orpers zyklisch ist,
und in einer zyklischen Gruppe von durch Vier teilbarer Ordnung gibt es
offensichtlich genau zwei Elemente der Ordnung Vier und genau ein Element der
Ordnung Zwei.
%Dann 
%gibt es
%n"amlich in
%$\Bbb{F}_{p}^{\times}/\{\pm 1\}$ nach
%\eref{ZABc}{LA2} ein Element der Ordnung Zwei,
%und jedes  Urbild  $x\in \Bbb{F}_{p}^{\times}$
Jedes Element der Ordnung Vier
l"ost dann die Gleichung $x^{2} = -1$ in $\Bbb{F}_{p}^{\times}$.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}\label{NPZG} 
Man beachte, da"s jede Gau"s'sche Zahl ungleich Null
durch Multiplikation mit einer Gau"seinheit  auf genau
eine Gau"s'sche Zahl $x+{\op{i}}y$ mit $x\geq y>-x$,
also   auf genau
eine Gau"s'sche Zahl im \glqq um $45^\circ$ im Uhrzeigersinn verdrehten
offenen ersten  Quadranten mitsamt seiner oberen Kante ohne den Ursprung\grqq\  
abgebildet werden kann.
  Die im wesentlichen eindeutige
  Zerlegung  einer Primzahl $p\in \DN$ in ein Produkt 
von Gau"sprimzahlen  
hat nach unserem Satz folgende Gestalt:
$$\begin{array}{ll}
p \equiv 3\pmod{4}&p=p;\\
p \not \equiv 3\pmod{4}&p=(x+{\op{i}}y)(x-{\op{i}}y)
\text{ f"ur } x^2+y^2=p.
\end{array}$$
Beschr"anken wir uns  auf die Gau"sprimzahlen 
 $x+{\op{i}}y$ mit $x\geq y>-x$, 
so ist das  die eindeutige Faktorisierung von $p$
in eine Gau"seinheit und Gau"sprimzahlen in diesem halboffenen Kegel
in allen F"allen
mit Ausnahme des Falls $p=2$, in dem die fragliche eindeutige Faktorisierung
vielmehr die Gestalt
$2=-{\op{i}}(1+{\op{i}})^2$ hat.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
  Es gibt auch einen sehr elementaren Beweis \glqq durch Zauberei\grqq\,
nach Zagier f"ur die Tatsache, da"s jede Primzahl $p$, die bei Teilen
durch Vier den Rest Eins l"a"st, eine Summe von zwei Quadraten ist:
Man betrachtet die endliche Menge  $S\pdef\{(x,y,z)\in\DN^3\mid
x^2+4yz=p\}$ und definiert darauf eine Involution durch die Vorschrift
$$(x,y,z)\mapsto
\left\{\begin{array}{ll}
  (x+2z,z,y-x-z)&\text{falls }x<y-z;\\
(2y-x,y,x-y+z)&\text{falls }y-z<x<2y;\\
(x-2y,x-y+z,y)&\text{falls }x>2y.
\end{array}\right.$$
Diese Involution hat genau einen Fixpunkt,
 also ist
die Zahl der Elemente von $S$ ungerade und die Involution
$(x,y,z)\mapsto(x,z,y)$ von $S$ mu"s auch einen Fixpunkt  haben.
F"ur den aber gilt $x^2+(2y)^2=p$. Bei diesem Beweis sind noch einige
implizit enthaltene Behauptungen zu pr"ufen, das geht alles
mit Schulstoff. Man mu"s aber die Zauberformel
 auswendig hersagen k"onnen. 
\end{Bemerkunge}



\begin{Korollar}[\textbf{Summen von zwei Quadraten}] 
Eine positive nat"urliche Zahl  ist
  Summe von zwei Quadratzahlen 
genau dann, wenn in ihrer Primfaktorzerlegung alle
  diejenigen Primfaktoren, die modulo Vier kongruent  sind 
zu Drei,  in geraden Potenzen\label{SvzQ} 
  auftreten.
\end{Korollar}
\begin{proof}
Genau dann ist $n\in\DZ$ Summe von zwei Quadratzahlen, 
wenn es eine Gau"zahl $a\in\DZ[\op{i}]$
gibt mit $n=a\bar{a}$. Ist $n\neq 0$ und 
$a=\varepsilon \pi_1\pi_2\ldots\pi_r$ 
 eine Darstellung als Produkt 
 einer Gau"seinheit $\varepsilon$ mit Gau"sprimzahlen aus unserem
 halboffenen Kegel, von denen wir
$\pi_1,\ldots,\pi_s\not\in \DN$ annehmen
 und $\pi_{s+1},\ldots,\pi_r\in \DN$, so mu"s
$$n=(\varepsilon\bar{\varepsilon}) (\pi_1\bar{\pi}_1)
\ldots(\pi_s\bar{\pi}_s)\pi_{s+1}\pi_{s+1}\ldots\pi_r\pi_r$$
die Primfaktorzerlegung in $\DN$ sein. 
Damit folgt das Korollar aus unserer Beschreibung \ref{NPZG}
der Gau"sprimzahlen.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Zahl der Darstellungen als Summe von zwei Quadraten}]
  Um aus einer Zerlegung 
einer nat"urlichen Zahl $n\geq 1$ in Gau"sprimfaktoren alle
m"oglichen Darstellungen als Summe zweier Quadrate zu erhalten,
mu"s man alle Zerlegungen $n=(x+{\op{i}}y)(x-{\op{i}}y)$
finden. Sei dazu $n=p_1^{v_1}\ldots p_r^{v_r}2^t$ die Primfaktorzerlegung
mit den $p_i$ paarweise verschieden ungerade und $p_1,\ldots, p_s$ den
Primfaktoren kongruent zu Eins modulo vier.
Sei $\mathcal P\subset \DZ[\op{i}]$ ein Repr"asentantensystem f"ur die
Gau"sprimzahlen bis auf Multiplikation mit Einheiten.
Seien $\alpha_i,\beta_i\in \mathcal P$ f"ur $1\leq i\leq s$
die beiden Teiler von $p_i$ aus unserem Repr"asentantensystem.
So sind alle M"oglichkeiten f"ur $(x+{\op{i}}y)$
offensichtlich genau die paarweise verschiedenen 
Produkte
$$(x+{\op{i}}y)=\varepsilon\cdot \alpha_1^{\nu_1}\beta_1^{v_1-\nu_1}\ldots \alpha_s^{\nu_s}\beta_s^{v_s-\nu_s} \cdot p_{s+1}^{v_{s+1}/2}\ldots p_r^{v_r/2} \cdot (1+{\op{i}})^t$$
mit $0\leq \nu_i\leq v_i$ f"ur $1\leq i\leq s$ und
$\varepsilon \in  \DZ[\op{i}]^\times$.
 Mithin 
  ist $4(v_1+1)\ldots(v_s+1)$ die Anzahl der
  $(x,y)\in \DZ^2$ 
  mit $n=x^2+y^2$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ein faktorieller Ring $R$ bezeichne\label{IrLok} 
\index{irk@$\op{irk}$ Irreduziblenklassen}$\op{irk}(R)$ die Menge 
{\bf Irreduziblenklassen},\index{Irreduziblenklasse} als da hei"st 
der Bahnen  unter der  Einheitengruppe $R^\times$ in der Menge der
irreduziblen Elemente von $R$.
Gegeben ein irreduzibles $r\in R$ bezeichne $[r]\in\op{irk}(R)$ 
seine Klasse.
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition*}[\textbf{Irreduziblenklassen in Invariantenringen}] 
  Seien $R$ ein faktorieller Ring und $\Gamma$ eine endliche
  Gruppe von Automorphismen von $R$ und es sei auch der Ring  $R^\Gamma$ der $\Gamma$-Invarianten faktoriell. So gilt:
  \begin{enumerate}
  \item
    Wir erhalten eine Bijektion
  $$\op{irk}(R^\Gamma)\sira \op{irk}(R)/\Gamma$$
  durch die Abbildung, die jedem 
  $R^\Gamma$-irreduziblen Element $p$
  die Menge der Klassen seiner $R$-irreduziblen Faktoren $\pi$
  zuordnet;
\item
  Die Vielfachheit von $\pi$ als Faktor von $p$ teilt die
  Ordnung 
  $|\Gamma_{[\pi]}|$ der Isotropiegruppe der Irreduziblenklasse $[\pi]$.
  \end{enumerate}
\end{Proposition*}
\begin{Bemerkungw} F"ur die Vielfachheit von $\pi$ als Faktor von $p$ werden wir
  in \ref{pBew} die Notation $v_\pi(p)$ einf"uhren.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}
  Diese Proposition systematisiert unsere obigen Betrachtungen zu irreduziblen Gau"s'schen Zahlen.
  Betrachten wir genauer  $R=\DZ[\op{i}]$ mit der Operation der
  zweielementigen Gruppe $\Gamma$, deren nichttriviales Element als
  die komplexe Konjugation operiert, so erhalten wir $R^\Gamma=\DZ$
  und sehen ein weiteres Mal, da"s
jede irreduzible
Gau"s'schen Zahl $\pi$ nur genau eine Primzahl $p$ teilt und da"s
die Abbildung, die ihr diese Primzahl  zuordnet,
  surjektiv ist mit bis auf Einheiten h"ochstens zweielementigen Fasern. 
  Teil 2 zeigt dann weiter, da"s die Vielfachheit von  $\pi$ als Faktor von
  $p$
  h"ochstens Zwei ist und nur dann genau Zwei sein kann, wenn gilt
  $\bar\pi\in\DZ[\op{i}]^\times \pi$. Davon ausgehend analysiert man wie oben
  erkl"art, da"s $2=-{\op{i}}(1+{\op{i}})^2$ bis auf Einheiten die
  einzige M"oglichkeit f"ur einen doppelt auftauchenden irreduziblen Faktor
  ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
F"ur $\pi\in R$ geh"ort  das Produkt $b(\pi)\pdef\prod_{\gamma\in \Gamma}\gamma(\pi)$
zu $R^\Gamma$. Mithin ist jedes $R$-irreduzible Element ein Teiler
mindestens eines $R^\Gamma$-irreduziblen Elements und unsere Abbildung ist surjektiv. Teilt andererseits
ein $R$-irreduzibles Element $\pi$ zwei $R^\Gamma$-Irreduzible $p$ und $q$,
so teilt $b(\pi)$ sowohl $b(p)=p^{|\Gamma|}$ als auch $b(q)=q^{|\Gamma|}$,
und da $b(\pi)$ keine Einheit sein kann, k"onnen sich $p$ und $q$ h"ochstens
um eine Einheit unterscheiden und unsere Abbildung ist auch injektiv.
Wir finden sogar
genauer $b(\pi)=\varepsilon p^n$
f"ur $\varepsilon\in R^\Gamma$ eine Einheit. Wenn
$r$ die Vielfachheit von $\pi$ als Faktor von $p$ ist und
$\Gamma_{[\pi]}$ die Standgruppe der Irreduziblenklasse $[\pi]$,
so haben wir weiter
$$p=\eta\prod_{\bar\gamma\in \Gamma/\Gamma_{[\pi]}}\gamma(\pi)^r$$
mit einer Einheit $\eta\in R^\times$, die von der
Wahl der Repr"asentanten $\gamma$ unserer Nebenklassen $\bar \gamma$ abh"angt,
und f"ur $d=|\Gamma_{[\pi]}|$
gilt folglich $p^{d}\in b(\pi)^{r}R^\times=(p^n)^rR^\times$ und folglich
$d=rn$.
\end{proof}




\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Man
bestimme s"amtliche Zerlegungen von $1000000$
in eine Summe von zwei
Quadratzahlen.
\end{Ubung}

\subsection{Primfaktorzerlegung in Polynomringen}

\begin{Bemerkungl} Gegeben einen Integrit"atskring $R$ erinnern wir seinen
  Bruchk"orper $\op{Frac} R$ aus \eref{DQok}{LA1}. Zum Beispiel haben wir
  $\op{Frac} \DZ=\DQ$.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Gegeben ein faktorieller Ring $R$ und ein irreduzibles Element $p \in R$
erkl"aren wir\label{pBew}  
\begin{equation*}
  v_p : \op{Frac} R \rightarrow \mathbb Z\sqcup\{\infty\}
\end{equation*}
als die eindeutig bestimmte Abbildung mit $v_p \left(p^n a/b \right) = n $
f"ur $a, b \in R\backslash 0$ teilerfremd zu $p$ und mit $v_p (0) = \infty$.
Diese Abbildung $v_p$ hei"st die  {\bf $p$-Bewertung}\index{Bewertung} oder englisch
{\bf $p$-valuation}.\index{valuation}
Offensichtlich gilt $v_p(fg)=v_p(f)+ v_p(g)$ f"ur alle Elemente 
$f,g\in \op{Frac}R$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
Wir haben  $v_2(16/6)=3$, $v_3(16/6)=-1$, $v_5(16/6)=0$.  Ist $k$ ein K"orper
  und $R=k[t]$ der Polynomring, so ist per definitionem $\op{Frac} R=k(t)$ der
  Funktionenk"orper und f"ur $f\in k(t)$ und
  $\lambda\in k$ ist $v_{(t-\lambda)}(f)$
  die Nullstellenordnung beziehungsweise das
  Negative der Polstellenordnung der gebrochen rationalen
  Funktion $f$ an der Stelle $\lambda$.
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Minimalbewertung von Polynomen}]  Gegeben ein faktorieller Ring $R$ und ein irreduzibles Element $p$ sowie ein Polynom
$A = a_n X^n + \ldots + a_1 X + a_0 \in ({\op{Frac}} R) [X]$
  erkl"aren wir die
  {\bf $p$-Minimalbewertung von}\index{Minimalbewertung eines Polynoms}
  $A$ durch 
\begin{equation*}
 w_p (A) \pdef \op{min} (v_p (a_i))
\end{equation*}
Insbesondere ist  das Nullpolynom das 
einzige Polynom $A$ mit $w_p (A) = \infty$. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiel}
Im Fall $R=\DZ$ 
  haben wir etwa 
$w_2(10X^2+6X+8)=1$. 
\end{Beispiel}


\begin{Proposition}[\textbf{Lemma von Gau"s}]
    Gegeben ein faktorieller Ring $R$ und ein irreduzibles Element $p\in R$
    und\label{LVG} 
    Polynome $A,B \in ({\op{Frac}} R) [X]$ gilt
    \begin{equation*}
     w_p (AB) = w_p (A) + w_p (B)
    \end{equation*}
 \end{Proposition}
  \begin{proof}
    Ist eines unserer Polynome konstant, 
so gilt die Gleichung offensichtlich. Mit dieser Erkenntnis 
k"onnen wir uns auf den Fall  zur"uckziehen, da"s
$A$ und $B$ Koeffizienten in $R$ haben und da"s gilt
$w_p (A)= w_p (B)=0$. Es bleibt, aus diesen Annahmen 
$w_p (AB)=0$ zu folgern. F"ur ein Polynom $A\in R[X]$ ist
$w_p (A)= 0$ 
gleichbedeutend dazu, da"s sein Bild $\bar A\in (R/\langle
p\rangle)[X]$ nicht das Nullpolynom ist. 
Wir haben also
$$
\begin{array}{lll}
w_p (A)=0= w_p (B)&\RA&\bar A\neq 0\neq\bar B\\
&\RA& 
\bar A\bar B\neq 0\\
&\RA& 
\overline {A B}\neq 0\\
&\RA& w_p (AB)=0
\end{array}
$$
Hier gilt die zweite Implikation,
da der Faktorring $R/\langle
p\rangle$ nach \ref{QFRH} und dann auch der
Polynomring $(R/\langle
p\rangle)[X]$ dar"uber Integrit"atsbereiche sind.
  \end{proof}

\begin{Definition}\label{DefP}
Sei $R$ ein faktorieller Ring. Ein Polynom $\sum^{r}_{i=0} a_{i} X^{i} $ 
aus dem Polynomring $
R[X]$ hei"st {\bf primitiv},\index{primitiv!Polynom} wenn 
es kein irreduzibles Element von $R$ gibt, das alle 
seine Koeffizienten
teilt. Ein Polynom mit Koeffizienten im Bruchk"orper
$P\in ({\op{Frac}}R)[X]$  nennen wir {\bf primitiv} 
oder genauer {\bf $R$-primitiv}, wenn es bereits in
$R[X]$ liegt und dort primitiv ist. Ein Polynom 
$P\in ({\op{Frac}}R)[X]$ ist $R$-primitiv genau dann, wenn gilt 
$w_p(P)=0$ f"ur alle
irreduziblen Elemente $p\in R$. 
\end{Definition}
\begin{Beispiele}
Die Polynome $X^2+2 X+ 10$ und  $3X^2+20 X+ 150$ sind primitiv
in $\DZ[X]$. Das Polynom $10X^2+6X+8$ ist nicht primitiv
in $\DZ[X]$.
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Ich bin nicht gl"ucklich dar"uber, da"s 
mit dieser Definition auch
alle Einheiten von $R$ primitive Polynome in
$R[X]$ sind. An  primitive Polynome jedoch 
noch zus"atzliche Bedingungen zu stellen,
schien mir ein gr"o"seres "Ubel.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Offensichtlich ist ein Polynom $A\in ({\op{Frac}} R) [X]$ primitiv genau dann,
  wenn gilt $w_p (A)=0$ f"ur alle irreduziblen Elemente $p$ von $R$.
Offensichtlich gibt es f"ur jedes von Null verschiedene 
 Polynom $A\in ({\op{Frac}} R) [X]\backslash 0$ ein Element $c\in {\op{Frac}} R$
mit $cA$ primitiv.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
[\textbf{Lemma von Gau"s, urspr"ungliche Form}\index{Gau"s,
      Lemma von}]
    In seiner urspr"unglichen Form sagt das 
Lemma von Gau"s, da"s das Produkt
  zweier  primitiver Polynome mit ganzzahligen 
Koeffizienten auch selbst wieder
primitiv ist. Das folgt sofort aus der Identit"at
$w_p (AB) = w_p (A) + w_p (B)$ in Proposition \ref{LVG}, die wir
in dieser Ausarbeitung das Lemma von Gau"s genannt hatten, und ist auch 
im wesentlichen die
Aussage, auf die wir uns dort beim Beweis zur"uckgezogen hatten. 
  \end{Bemerkungl}




\begin{Satz}[\textbf{Polynomringe "uber faktoriellen Ringen}]
Ist $R$ ein faktorieller Ring, so ist auch der Polynomring
$R[X]$ ein faktorieller Ring und die\label{PFR} 
irreduziblen Elemente von $R[X]$ sind genau:
\begin{enumerate}
\item
Alle irreduziblen Elemente von $R$;
\item
Alle primitiven Polynome aus $R[X]$, die irreduzibel sind in
$({\op{Frac}} R) [X]$.
\end{enumerate}
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
Man sieht leicht, da"s die unter 1 und 2 aufgef"uhrten Elemente irreduzibel
sind. Wir nennen sie f"ur den Moment kurz die 1\&2-Irreduziblen von $R[X]$.
Wir beachten f"ur das folgende die Gleichheit der Einheitengruppen
$R^\times=R[X]^\times$. 
Wir vereinbaren f"ur das weitere die Notation $K\pdef {\op{Frac}} R$.
\\[2mm]\noindent
Gegeben $A\in R[X]$ weder Null noch eine Einheit
zeigen wir zun"achst, da"s es als Produkt von
1\&2-Irreduziblen dargestellt werden kann.
Hat $A$ den Grad Null, so ist das klar. Andernfalls ist $A$ auch keine Einheit
in $K[X]$ und wir finden eine Zerlegung 
 $A=P_{1} \ldots P_{n}$ als
Produkt von irreduziblen Polynomen
in $K [X]$. Sicher k"onnen wir weiter schreiben
$P_{i} = c_{i}\tilde{P}_i$ mit  $c_{i}\in K^{\times}$ und $\tilde{P}_i$
primitiv.
So erhalten wir eine Zerlegung $A = c \tilde{P}_{1} \ldots
\tilde{P}_{n}$ mit $\tilde{P}_{i}$ primitiv und
irreduzibel in $K[X]$ sowie
 $c \in K^{\times}$.
Nach dem Lemma von Gau"s \ref{LVG} folgt
$v_p(c)=w_p(A)\geq 0$ f"ur alle irreduziblen Elemente  $p$ von $R$ und damit
$c \in R$. Wir k"onnen also $c$ faktorisieren in
$c = up_{1} \ldots p_{r}$ mit $u \in R^{\times}$ und $p_{i}\in R$
irreduzibel und folgern so die Existenz einer Zerlegung von $A$
in ein Produkt einer Einheit mit 1\&2-Irreduziblen.
Das zeigt insbesondere, da"s wir unter 1 und 2 in der Tat alle irreduziblen
Elemente von $R$ aufgelistet haben.
\\[2mm]\noindent
Nun zeigen wir noch die von einem faktoriellen Ring geforderte
Eindeutigkeit der Faktorisierung bis auf Einheiten und Reihenfolge.
Sind  $$A  =up_{1}\ldots p_{r}
P_{1} \ldots P_{m}=vq_{1}\ldots q_{s}
Q_{1} \ldots Q_{n}$$ zwei  Zerlegungen von $A$ in ein Produkt
einer Einheit mit irreduziblen Elementen, sagen wir
$u,v \in R^{\times}$, $p_i,q_{j}
\in R$ irreduzibel sowie $P_{k},Q_l \in R[X]$  irreduzibel in $K[X]$ und
$R$-primitiv, so
liefert die Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung in $K
[X]$ zun"achst $n = m$ und $P_{i} = a_{i}
Q_{\sigma (i)}$ f"ur geeignetes $\sigma \in \cal{S}_{n}$ und
$a_{i} \in K^{\times}$.
Aus der Primitivit"at folgt dann $a_{i} \in R^{\times}$ und  aus der
Faktorialit"at von $R$ schlie"slich die Gleichheit $r=s$ sowie
die Existenz einer Permutation
$\tau\in\cal{S}_r$  mit
$q_i\in  p_{\tau(i)}R^\times$.
\end{proof}



\begin{Bemerkunge}
  Die Zerlegung eines Polynoms aus $\DZ[X]$ in irreduzible Faktoren
kann im Prinzip durch Ausprobieren in endlicher Zeit bestimmt werden.
Ein Polynom vom Grad $n$
mu"s ja, wenn es nicht irreduzibel ist, einen Faktor haben von 
h"ochstens dem halben Grad, sagen wir h"ochstens Grad $m$. 
Nehmen wir dann $m+1$ ganzzahlige Stellen, so m"ussen die
 Werte  unseres Faktors die Werte des urspr"unglichen Polynoms teilen.
Wir m"ussen also nur f"ur alle Wahlen von Teilern der
 Werte des urspr"unglichen Polynoms an besagten Stellen
das Interpolationspolynom bilden und pr"ufen, ob es unser
urspr"ungliches Polynom teilt.
\end{Bemerkunge}
\begin{Korollar}
  Sei $R$ ein faktorieller Ring.
  Ist ein nichtkonstantes Polynom
  $P\in R[X]\backslash R$ nicht irreduzibel
  als Element des Polynomrings "uber dem Bruchk"orper
  $P\in ({\op{Frac}}R)[X]$,
  so gibt es bereits in $R[X]$ Polynome $A,B$
  positiven Grades mit $AB=P$.\label{zerLL} 
\end{Korollar}
\begin{proof}
  G"abe es keine derartige Zerlegung $P=AB$, so k"onnte
  in einer Darstellung von $P$ als Produkt von $R[X]$-irreduziblen Elementen
  nach  Satz \ref{PFR} nur ein Faktor auftreten, der ein irreduzibles
  primitives Polynom von positivem Grad ist, und das st"unde im Widerspruch
  zu unseren Annahmen.
\end{proof}
  
\begin{Beispiel}
  Ich will  auch noch an einem Beispiel erkl"aren, wie man dies
  Korollar direkt aus dem Gau"s'schen Lemma folgern kann.
  Nehmen wir an, wir h"atten f"ur $7X^2-7$ in $\DQ[X]$ die
  Faktorisierung $$7X^2-7= (3X/7+3/7)(49X/3-49/3)$$ gefunden.
  Dann gilt  $w_7(3X/7+3/7)+v_7(49X/3-49/3)=1\geq 0$
  nach dem Gau"s'schen Lemma und wir k"onnen folglich so Primfaktoren $7$ zwischen den Faktoren
  unserer Faktorisierung austauschen, da"s beide Faktoren dadurch eine positive $7$-Bewertung
  kriegen. Diese M"oglichkeiten w"aren hier
  $7X^2-7= (3X+3)(7X/3-7/3)$ und $7X^2-7= (21X+21)(X/3-1/3)$.
  Ebenso k"onnen wir f"ur den Primfaktor $3$ vorgehen und erhalten so die
  beiden Zerlegungen $7X^2-7= (X+1)(7X-7)$ und $7X^2-7= (7X+7)(X-1)$
  in $\DZ[X]$.
\end{Beispiel}

  
\begin{Korollar}\label{KPFj}
F"ur jeden K"orper
$k$ ist
der Polynomring $k[X_{1}, \ldots, X_{n}] $ faktoriell.
Sogar $\DZ [X_{1}, \ldots, X_{n}]$ ist ein faktorieller Ring.
\end{Korollar}





\begin{Korollar}\label{ENu}
Ist $k$ ein K"orper und
sind $f,g \in k[X,Y]$ teilerfremde Polynome, 
so haben $f$ und $g$ h"ochstens endlich
viele gemeinsame Nullstellen in $k^2$.
\end{Korollar}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildEVGN}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die Nullstellenmengen zweier Polynome $f,g\in \DR[X,Y]$ ohne 
gemeinsamen
nichtkonstanten Teiler als durchgezogener Kreis
und gestrichelter Umri"s eines auf dem R"ucken liegenden Kamels.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkungw} In \ref{SBe} werden wir genauer
die \glqq Schranke von B\'ezout\grqq\  f"ur die maximal
m"ogliche Zahl gemeinsamer Nullstellen herleiten.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Unsere Polynome haben nach der Beschreibung 
 \ref{PFR} der irreduziblen 
Elemente in Polynomringen "uber faktoriellen Ringen  
au"ser Einheiten erst recht keine gemeinsamen
Teiler im Ring $k(X) [Y]$. Da dieser Ring nach \ref{PReF} ein
Hauptidealring ist und da jeder Erzeuger 
des von unseren beiden Polynomen  
darin erzeugten Ideals ein gemeinsamer Teiler ist,
gibt es notwendig $p, q \in k(X) [Y]$ mit $1 =
pf + qg$. Nach Multiplikation mit so einer Art Hauptnenner $h$ von $p$ und $q$
erhalten wir eine Identit"at der Gestalt
$$h = \tilde{p} f + \tilde{q} g$$
mit $0 \neq h \in k[X]$ und $\tilde{p},\tilde{q} \in k[X,Y]$.
Die endlich vielen Nullstellen von $h$ sind dann die einzigen
$x$-Koordinaten, die f"ur gemeinsame Nullstellen von $f$ und $g$
in Frage kommen.
Ebenso kommen auch nur endlich viele $y$-Koordinaten 
f"ur gemeinsame Nullstellen in Frage. Das
 Korollar folgt.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen}


 
    



\begin{Ubung}
 Ist $R$ ein faktorieller Ring mit Bruchk"orper $K$ und sind
   $P,Q\in K[X]$ normierte Polynome mit $PQ\in R[X]$, so folgt bereits
$P,Q\in R[X]$.\label{ZePP} 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
 Sei $k$ ein K"orper. Gibt es f"ur ein Polynom $P$ aus dem  Polynomring
$P\in k[X_1,\ldots,X_n]$ ein Element $Q\in k(X_1,\ldots,X_n)$ aus
dem Quo\-tien\-tenk"orper\label{WuPo} mit $Q^2=P$, so ist $Q$ bereits 
selbst ein Polynom, in Formeln $Q\in k[X_1,\ldots,X_n]$. Hinweis: \ref{Wuzt}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Seien $k$ ein K"orper und $0 < n (1) < n (2) < \ldots < n (r) <n$
nat"urliche Zahlen,\label{GPi} $r \geq 0$. Man zeige, da"s das Polynom
\begin{equation*}
T^n + a_r T^{n(r)} + \ldots + a_1 T^{n(1)} + a_0
\end{equation*}
irreduzibel ist in $K[T]$, f"ur $K = \op{Frac}k ['a_0, \ldots, a_r]$ der
Funktionenk"orper. Hinweis: Jede Zerlegung k"ame nach \ref{ZePP} und \ref{PFR} 
notwendig von einer
Zerlegung im Polynomring $k['a_0, \ldots, a_r, T]$ her und m"u"ste unter
dem Einsetzen $a_1= \ldots = a_r =0$
zu einer Zerlegung von $T^n + a_0$ in $k['a_0, T]$ f"uhren.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $K$ ein K"orper und $K(X)$ sein Funktionenk"orper.
Man zeige, da"s jedes $K$-irreduzible Polynom  in $K[T]$ 
auch $K(X)$-irreduzibel ist.\label{Ipou}  Hinweis: \ref{ZePP}. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Satz "uber rationale Nullstellen}] 
 Man zeige:  Gegeben ein Polynom
  \begin{equation*}
a_nT^n +  \ldots + a_1 T + a_0
  \end{equation*}
  mit ganzzahligen Koeffizienten und eine rationale Wurzel
  $p/q$ mit $p,q$ teilerfremden ganzen Zahlen ist $p$ ein  Teiler von $a_0$
  und $q$ ein Teiler von $a_n$. 
\end{Ubung}
\subsection{Kreisteilungspolynome}



\begin{Bemerkungl}\label{DKTr}
Wir interessieren uns in dieser Vorlesung besonders f"ur uns die Zerlegung der
Polynome $X^n-1$ in irreduzible Faktoren in $\DZ[X]$.
Die komplexen Nullstellen von $X^n-1$ hei"sen  die
\defnoind{komplexen 
$n$-ten Einheitswurzeln}\index{Einheitswurzel!in $\DC$}. Sie bilden in der komplexen
Zahlenebene die Ecken eines in den Einheitskreis eingeschriebenen
regelm"a"sigen $n$-Ecks.
In $\Bbb{C} [X]$ gilt nat"urlich
$$X^{n} -1 = \prod_{\zeta^{n} =1} (X-\zeta)$$
Nun bilden wir in $\Bbb{C} [X]$ die Polynome
$$\Phi_{d} (X) = \prod_{\op{ord} \zeta =d} (X-\zeta)$$
Dann gilt offensichtlich
$$X^{n}-1 = \prod_{d\mid n} \Phi_{d} (X)$$
Sicher sind  alle unsere Polynome $\Phi_d$ normiert.
Daraus folgt durch Teilen mit Rest \eref{TPR}{LA1} und Induktion 
$\Phi_{n} (X) \in \DZ [X]$ f"ur alle $n \geq 1$.
Dies Polynom $\Phi_{n}$ hei"st das {\bf $n$-te
Kreisteilungspolynom}\index{Kreisteilungspolynom}
oder bei griechisch Gebildeten  das {\bf $n$-te
zyklotomische 
Polynom}\index{cyclotomic polynomial}.\index{zyklotomisches Polynom}
Nat"urlich gilt $\op{grad}(\Phi_n)=\varphi(n)$, der Grad des $n$-ten 
Kreisteilungspolynoms ist also genau der Wert der Euler'schen
$\varphi$-Funktion
an der Stelle $n$, und das macht auch die Notation plausibel. 
Wir werden in \ref{GKT}  zeigen, da"s alle Kreisteilungspolynome
irreduzibel sind in $\DQ [X]$, so da"s wir 
das $n$-te Kreisteilungspolynom 
auch und vielleicht eher noch besser charakterisieren 
k"onnen als das eindeutig bestimmte normierte 
in $\DQ[X]$ irreduzible Polynom, das die $n$-te
Einheitswurzel $\op{exp}(2\pi{\op{i}}/n)$ als Nullstelle hat.
Nat"urlich haben wir f"ur $p>1$ stets die Zerlegung
$X^p-1=(X-1)(X^{p-1} +
X^{p-2}+ \ldots + X+1)$,
also ist f"ur $p$ prim der zweite Faktor
das $p$-te Kreisteilungspolynom $\Phi_{p}$.  
In diesem 
 Fall k"onnen wir die Irreduzibilit"at
mithilfe des gleich folgenden \glqq Eisensteinkriteriums\grqq\  
 bereits hier zeigen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\defind{Eisensteinkriterium}]
Sei $P =a_{n} X^{n} + \ldots + a_{1}X + a_{0} \in \DZ [X]$ 
ein Polynom mit ganzzahligen Koeffizienten und $p$ eine
Primzahl.\label{EisK} Gilt $p \nmid\! a_{n}$, $p|a_{n-1}$, $\ldots$, 
$p|a_{0}$
und $p^{2}\nmid\! a_{0}$, so ist $P$ irreduzibel in $\DQ [X]$.
\end{Satz}

  \begin{Bemerkungl}\label{EisKF}
    Eine analoge Aussage gilt mit
demselben Beweis auch f"ur Polynome mit
Koeffizienten in einem beliebigen faktoriellen Ring.
  \end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
Ist $P$ nicht irreduzibel in $\DQ [X]$, so besitzt es
nach \ref{zerLL} bereits eine
Faktorisierung $P =QR$ in $\DZ[X]$ mit $Q, R$ 
von positiven Graden $r,s>0$ und $r+s=n$. 
Wir reduzieren nun die Koeffizienten modulo $p$ und folgern in
$\Bbb{F}_{p} [X]$ eine Faktorisierung
$$\bar{P} = \bar{Q}\;\!\bar{R}$$
Nach Annahme haben wir aber $\bar{P} = \bar{a}_{n}X^{n}$
mit $\bar{a}_{n} \neq 0$.
Es folgt $\bar{Q} = bX^{r}$ und $\bar{R}= cX^{s}$ f"ur
geeignete $b,c \in \Bbb{F}_{p}^{\times}$ und denselben positiven $r, s >0$,
denn das sind die einzig m"oglichen Faktorisierungen von $\bar{a}_{n}X^{n}$
als Produkt von Nichteinheiten im faktoriellen Ring $\Bbb{F}_{p} [X]$.
Daraus folgt hinwiederum, da"s die konstanten Terme von $Q$ und $R$
durch $p$ teilbar sind, und dann mu"s der konstante Term von
$QR=P$ teilbar sein durch $p^{2}$ im Widerspruch zur Annahme.
\end{proof}

\begin{Korollar}
F"ur jede Primzahl $p$  ist das $p$-te Kreisteilungspolynom $\Phi_{p}(X) =
X^{p-1} +
X^{p-2}+ \ldots + X+1$ irreduzibel in $\DQ [X]$.\label{EKP}
\end{Korollar}

\begin{proof}[Beweis]
Wir 
haben $X^p-1=(X-1)\Phi_{p}(X)$.
Reduzieren wir diese Gleichung modulo $p$ und beachten die Gleichung
$X^p-1=(X-1)^p$ in $\Bbb{F}_p[X]$, so folgt
$\bar{\Phi}_{p}(X)=(X-1)^{p-1}$ in $\Bbb{F}_p[X]$ und nach der Substitution
$X=Y+1$ haben wir $\bar{\Phi}_{p}(Y+1)=Y^{p-1}$ in $\Bbb{F}_{p} [Y]$, als da hei"st, alle Koeffizienten von $\Phi_{p}(Y+1)$
bis auf den Leitkoeffizienten sind durch $p$ teilbar.
Jetzt pr"ufen wir einfach explizit, da"s der konstante Term von
$\Phi_{p}(Y+1)$  genau $p$ ist,
und haben gewonnen nach dem Eisensteinkriterium \ref{EisK}.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}
Nach ersten Rechnungen mag man vermuten,
da"s als Koeffizienten von Kreisteilungspolynomen nur $1$, $0$ und $-1$
in Frage kommen. Das erste Gegenbeispiel f"ur
diese Vermutung liefert das $105$-te Kreisteilungspolynom,
 in dem  $X^7$ mit dem Koeffizienten $2$ auftritt.
 Man kann allgemeiner sogar zeigen \cite{SuzK, AKT},
 da"s  jede ganze Zahl als Koeffizient
mindestens eines Kreisteilungspolynoms auftritt.
\end{Bemerkunge}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Kreisteilungspolynome zu Primzahlpotenzen}] 
Man zeige die Formel\label{KTP} 
$\Phi_9(X)=X^6+X^3+1$  f"ur das neunte Kreisteilungspolynom.
Man zeige allgemeiner
$\Phi_{p^r}(X)=\Phi_{p}(X^{p^{r-1}})$ f"ur $p$ prim und
$r\geq 1$. 
Man gebe auch explizite Formeln f"ur
alle kleineren Kreisteilungspolynome $\Phi_1,\ldots,\Phi_8$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{NKTT}
  Man zeige, da"s das neunte Kreisteilungspolynom
$\Phi_9(X)=X^6+X^3+1$ in $\DQ[X]$ irreduzibel ist.
Hinweis: Man substituiere $X=Y+1$ und wende das
Eisensteinkriterium an. Mit einem bereits weiter oben
verwendeten Trick kann die Rechnung 
stark vereinfacht werden. Dasselbe Argument zeigt, da"s alle
Kreisteilungspolynome $\Phi_{p^r}(X)$ f"ur eine Primzahl $p$ in $\DQ[X]$ irreduzibel sind.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
 Man zeige, da"s $X^7 - 9$ ein irreduzibles Polynom in $\mathbb Z [X]$ ist.
Hinweis: Man betrachte die Einbettung 
$\mathbb Z [X] \hookrightarrow \mathbb Z [Y]$
mit $X \mapsto Y^2$. %$Y^14 - 9=(Y^7 - 3)(Y^7 +3)$
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
  Man zerlege $(X^n-Y^n)$ in $\DC[X,Y]$ in ein Produkt irreduzibler
Faktoren.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}[\textbf{Quantisierte Binomialkoeffizienten}] 
 Ist\index{Binomialkoeffizienten!quantisierte} 
$\mathbb F$ ein endlicher K"orper mit $q$ Elementen, so ist die Zahl der $k$-dimensionalen Teilr"aume
von $\mathbb F^n$ genau
\begin{equation*}
 \frac{(q^n -1) (q^n-q) \ldots (q^n - q^{k-1})}{(q^k -1) (q^k - q) \ldots (q^k-q^{k-1})}
\end{equation*}
Setzen wir $[n]_q \pdef q^{n-1}+ q^{n-1} + \ldots +1 = (q^n -1) / (q -1)$,
so k"onnen wir unser Ergebnis auch darstellen als
\begin{equation*}
 \frac{[n]_q [n-1]_q \ldots [n-k +1]_q}{[k]_q [k-1]_q \ldots [1]_q}
\end{equation*}
F"ur diese {\bf quantisierten Binomialkoeffizienten} ist auch eine Notation
wie f"ur die gew"ohnlichen Binomialkoeffizienten mit eckigen statt runden
Klammern "ublich.
Man zeige, da"s unsere quantisierten Binomialkoeffizienten, 
wenn wir sie als Element des
Bruchk"orpers $\DQ('q)$ lesen, f"ur alle $k,n$ mit 
$0\leq k\leq n$ bereits im Polynomring
 $\DZ['q]\subset\DQ('q) $ liegen. Hinweis: Man finde eine induktive
Beschreibung  der Art, wie sie dem Pascal'schen Dreieck zugrunde liegt.  
\end{Ubunge}

\subsection{Symmetrische Polynome}\label{SyPo}
\begin{Definition}
Sei $k$ ein Ring. F"ur jede Permutation $\sigma \in \cal{S}_{n}$
setzen wir die Identit"at auf $k$ fort zu einem Ringhomomorphismus
$$\begin{array}{rccc}
\sigma :& k [X_{1}, \ldots , X_{n}]& \ra & k[X_{1},\ldots , X_{n}]\\
&X_{i}& \mapsto & X_{\sigma (i)}
\end{array}$$
Ein Polynom $f \in k [X_{1}, \ldots , X_{n}]$ hei"st {\bf
symmetrisch},\index{symmetrisch!Polynom}\index{Polynom!symmetrisches} 
 wenn gilt
$f = \sigma f \; \forall \sigma \in \cal{S}_{n}$.
Die Menge aller symmetrischen Polynome 
ist ein Teilring des Polynomrings  $$k [X_{1},
\ldots X_{n}]^{\cal{S}_{n}}\subset k[X_{1},
\ldots , X_{n}]$$ 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl} Im Fall $n\leq 4$ schreibe ich meist
  $X,Y,Z,W$ statt $X_1, X_2, X_3, X_4$.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}\label{IPol}
Operiert ganz allgemein 
eine Gruppe $G$ auf einem Ring $R$ durch Ringhomomorphismen,
so bilden die $G$-Invarianten stets einen Teilring $R^G\subset R$,
den 
{\bf Invariantenring}.\index{Invariantenring}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Operiert 
eine Gruppe $G$ auf einem Ring $R$ durch Ringhomomorphismen,
  so operiert
  unsere Gruppe  auch auf dem Polynomring "uber $R$ in einer
  oder sogar in mehreren Ver"anderlichen. Die Invarianten des
  Polynomrings fallen dann 
mit dem Polynomring "uber dem Invariantenring  zusammen,
  in Formeln $R[T]^G=R^G[T]$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele} Das Produkt
$X_{1} \ldots X_{n}$ und die Summe
$X_{1}+ \ldots + X_{n}$ sind symmetrische
Polynome.
Allgemeiner definieren wir die \defnoind{elementarsymmetrischen
Polynome}\index{elementarsymmetrische Polynome}
in $n$ Ver"anderlichen
$s_{i} (X_{1},\ldots , X_{n}) \in \DZ [X_{1},\ldots ,
X_{n}]^{\cal{S}_{n}}$ durch die 
Identit"at
$$(T+X_{1})(T+X_{2})\ldots (T+X_{n}) = T^{n}+s_{1}T^{n-1} + s_{2}
T^{n-2} + \ldots +
s_{n}$$
im Ring $\DZ[X_1,\ldots,X_n][T]^{\cal{S}_n}=\DZ[X_1,\ldots,X_n]^{\cal{S}_n}[T]$,
so da"s wir also haben
$$s_{i} = \sum_{|I|=i} \left(\prod_{j\in I} X_{j}\right)$$
Die Summe  l"auft hierbei 
"uber alle $i$-elementigen Teilmengen
$I\subset\{1,\ldots,n\}$. Speziell ergibt sich
$s_{1} = X_{1}+\ldots + X_{n}$ und 
$s_{2} = X_{1}X_2+ X_1X_3 +\ldots + X_1X_{n} +
X_2X_3 +\ldots + X_2X_{n}  +\ldots + X_{n-1}X_{n}$ und 
$s_{n}= X_{1} \ldots X_{n}$.
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben ein Kring $k$ sind f"ur 
beliebige $\zeta_1,\ldots,\zeta_n\in k$
die Koeffizienten des 
Polynoms $\prod_{i=1}^n(T-\zeta_i)\in k[T]$ 
per definitionem
die elementarsymmetrischen 
Polynome in den $(-\zeta_i)$. Grob gesprochen sind also 
\glqq die
Koeffizienten eines normierten Polynoms bis auf Vorzeichen 
die elementarsymmetrischen Polynome 
in  seinen Nullstellen\grqq.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}  $(T-\xi)(T-\zeta)=T^2 - (\xi + \zeta)T + \xi\zeta=T^2-s_1(\xi,\zeta)T+s_2(\xi,\zeta)$.
\end{Beispiel}

\begin{Satz}[\textbf{"uber symmetrische Polynome}]
Alle symmetrischen Polynome sind polynomiale\index{symmetrische Polynome}  
Ausdr"ucke in den elementarsymmetrischen
Polynomen und die elementarsymmetrischen\label{SyP} 
Polynome $s_{i}$ sind algebraisch unab\-h"angig. 
F"ur einen beliebigen Ring $k$ haben
wir also in Formeln
$$k[X_{1}, \ldots , X_{n}]^{\cal{S}_{n}} = k ['s_{1}, \ldots, s_{n}]$$
mit einem \glqq Freiheits\-strich\-lein\grqq\
an der er"offnenden Klammer
  im Sinne unserer Notation \ref{FST}.
\end{Satz}

\begin{Beispiel}
  Wir haben $X_{1}^{3}+X^{3}_{2}+X^{3}_{3} = s^{3}_{1} - 3 s_{1}s_{2}+3s_{3}$.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Wir haben  $X^3+Y^3 + Z^3=s^{3}_{1} - 3 s_{1}s_{2}+3s_{3}$. Kampf dem Index!
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}
  Wir verwenden hier die Notation $X,Y$ statt $X_1, X_2$.
Die Darstellung von $(X-Y)^2$ durch elementarsymmetrische Polynome ist
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccl}
(X-Y)^2 &=&(X+Y)^2 - 4XY \\
&= &s_1^2 - 4s_2
\end{array}
\end{displaymath}
Ein quadratisches Polynom $T^2 - pT + q = (T-\zeta) (T-\xi)$ 
mit Koeffizienten
$p,q$ und Nullstellen $\zeta, \xi$ in einem 
Integrit"atsbereich $k$ hat also genau
dann eine doppelte Nullstelle $\zeta= \xi$, 
wenn gilt
\begin{displaymath}
0 = p^2 -4q
\end{displaymath}
In der Tat gilt
f"ur unsere $p,q$ eben die Identit"at 
$(\zeta-\xi)^2=(\zeta +\xi)^2-4\zeta\xi= p^2 -4q$.
\end{Beispiel}
\begin{proof}[Beweis]
Die symmetrischen Polynome bilden einen Ring. Da die elementarsymmetrischen Polynome symmetrisch sind, da also  
$s_{1},  \ldots, s_{n}\in k[X_{1}, \ldots , X_{n}]^{\cal{S}_{n}}$, gilt schon mal 
$  k[X_{1}, \ldots , X_{n}]^{\cal{S}_{n}}\supset k [s_{1}, \ldots, s_{n}]$.
F"ur das weitere verwenden wir  die Multiindexnotation
wie in \eref{MuIn}{AN2} und vereinbaren f"ur einen Multiindex
$\al = (\al_{1}, \ldots , \al_{n}) \in
\DN^{n}$  die Abk"urzung
$$X^{\al} \pdef X^{\al_{1}}_{1} \ldots X^{\al_{n}}_{n}$$
Um nun die umgekehrte Inklusion
 $\subset$ zu zeigen, betrachten wir auf
$\DN^{n}$ die \defind{lexikographische Ordnung}, also
etwa $(5,1,3)\geq
(4,7,1) \geq (4,7,0) \geq (4,6, 114)$ im Fall $n=3$.
In Formeln ist sie induktiv definiert durch
$$\begin{array}{lcr}
(\alpha_{1}, \ldots, \alpha_{n}) \geq (\beta_{1}, \ldots, \beta_{n})  &\Leftrightarrow &
\begin{array}[t]{l} \alpha_{1}>\beta_{1}\\ \text{ oder}\\
\alpha_{1}=\beta_{1} \text{ und }
(\alpha_{2},\ldots ,\alpha_{n}) \geq (\beta_{2},\ldots ,\beta_{n}). \end{array}
\end{array}$$
Bez"uglich dieser Ordnung besitzt jede nichtleere Teilmenge  
von $\DN^{n}$ ein kleinstes Element, es gibt darin anders gesagt
keine unendlichen
streng monoton fallenden Folgen.
F"ur ein von Null verschiedenes Polynom $0\neq f = \sum c_{\al} X^{\al}$
nennen wir das
gr"o"ste $\al \in \DN^{n}$ mit $c_{\al} \neq 0$ seinen {\bf Leitindex}.
Zum Beispiel hat das $i$-te elementarsymmetrische Polynom
$s_i$ den Leitindex $(1,\ldots,1,0,\ldots,0)$ mit $i$ Einsen vorneweg
und dann nur noch Nullen. 
G"alte unsere Inklusion $\subset$ nicht, so k"onnten
wir unter allen symmetrischen Polynomen au"serhalb
von  $k [s_{1}, \ldots, s_{n}]$ ein $f$ mit 
kleinstm"oglichem Leitindex $\al$ w"ahlen. 
Wegen $f = \sum c_{\al} X^{\al}$ symmetrisch gilt
$c_{\al}=c_{\beta}$, falls sich die Multiindizes
$\al$ und $\beta$ nur in der Reihenfolge
unterscheiden. Der Leitindex von $f$ hat folglich
die Gestalt
$$\al = (\alpha_{1},\ldots , \alpha_{n}) \text{ mit } \alpha_{1} \geq \ldots \geq
\alpha_{n}$$
Dann hat das Produkt
$$g\pdef s_{1}^{\alpha_{1}-\alpha_{2}} s_{2}^{\alpha_{2}-\alpha_{3}} \ldots
s^{\alpha_{n-1}-\alpha_{n}}_{n-1} s_{n}^{\alpha_{n}}$$
denselben Leitindex wie $f$ und den Koeffizienten Eins 
vor dem entsprechenden Monom. Die Differenz $f-c_{\al} g$ ist
folglich 
entweder Null oder hat zumindest einen echt kleineren Leitindex,
geh"ort also zu $k [s_{1}, \ldots, s_{n}]$. Dann geh"ort aber auch
$f$ selbst zu $k [s_{1}, \ldots, s_{n}]$ im Widerspruch zu unseren Annahmen.
Um schlie"slich die lineare Unabh"angigkeit der Monome $s_{1}^{\gamma_{1}}
\ldots s_{n}^{\gamma_{n}}$ in den elementarsymmetrischen Funktionen
zu zeigen beachten wir, da"s diese Monome paarweise verschiedene
Leitindizes haben. Ist nun eine Linearkombination mit
Koeffizienten in $k$ unserer Monome null, so
notwendig
auch der Koeffizient des Monoms mit dem gr"o"sten Leitindex und
dann induktiv alle Koeffizienten aller Monome.
\end{proof}
\begin{Definition}
Gegeben ein Multiindex  $\al = (\al_{1}, \ldots , \al_{n}) \in
\DN^{n}$  verwenden wir  wie in \eref{MuIn}{AN2} die Notation
$$|\al| \pdef \al_{1} + \ldots + \al_{n}$$
Ein Polynom in mehreren Ver"anderlichen mit Koeffizienten in einem
beliebigen Ring 
hei"st {\bf homogen vom Grad $d$},\label{hPP} 
\index{homogen!Polynom} wenn es eine Linearkombination 
von Monomen $X^\al$ ist mit $|\al|=d$, in Formeln
$$f=\sum_{|\al|=d}c_\al X^\al$$
Nennt man ein Polynom einfach nur {\bf homogen},
so ist gemeint, da"s es einen Grad $d$ gibt derart, da"s unser
Polynom homogen ist vom Grad $d$. 
Das Nullpolynom ist homogen von jedem Grad,
aber jedes von Null verschiedene homogene Polynom ist
homogen von nur genau einem Grad. Das Produkt zweier homogener 
Polynome ist  homogen vom Grad der
 Summe der Grade der Faktoren. Gegeben ein nicht notwendig 
homogenes Polynom 
$g=\sum_{\al}c_\al X^\al$ hei"st $\sum_{|\al|=d}c_\al X^\al$ seine
{\bf homogene Komponente vom Grad $d$}.\index{homogene Komponente!von Polynom} 
Jedes Polynom ist mithin die Summe seiner homogenen Komponenten und fast alle
seiner homogenen Komponenten sind Null. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
  Das Nullpolynom hat in unserer Terminologie
  einerseits den Grad $-\infty$ und ist andererseits
  homogen von jedem Grad $d\in\DN$. Diese terminologische
  Schwierigkeit gilt es auszuhalten.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  Das Polynom $X^3Y^3Z+ X^2 Z^5 -98 X^4YZ^2$ ist homogen vom Grad $7$.
  Das elementarsymmetrische Polynom $s_d$ ist  homogen vom Grad $d$.
\end{Beispiel}




\begin{Beispiel} 
Wir bestimmen nun die Darstellung des symmetrischen Polynoms $\Delta \pdef
(X-Y)^{2}(Y-Z)^{2}(Z-X)^{2}$ als Polynom in
elementarsymmetrischen Polynomen. Unser Polynom ist homogen 
vom Grad $6$
und das $i$-te elementarsymmetrische Polynom $s_i$ ist homogen
vom Grad $i$. Wir machen also den Ansatz
$$
\Delta  = As^{6}_{1} +
Bs_{1}^{4}s_{2} + C s_{1}^{3} s_{3}
 +D s_{1}^{2}s_{2}^{2} + E s_{1}s_{2}s_{3} +
F s^{3}_{2} + Gs^{2}_{3}
$$
Hier haben wir die Summanden nach ihren Leitindizes geordnet.
Da in $\Delta$ keine Monome $X^{6}$ oder $X^{5} Y$
vorkommen, gilt $A=B=0
$.
Setzen wir $Z=0$, so folgt
$$(XY)^{2} (X^{2}-2XY + Y^{2})=
D(X+Y)^{2} (XY)^{2} + F(XY)^{3}$$
und damit $D=1$ und $F=-4$.
Wir kommen so zu einer Darstellung der Form
$$\Delta = C s_{1}^{3} s_{3} + s^{2}_{1}s_{2}^{2} +
Es_{1}s_{2}s_{3}  - 4 s_{2}^{3} + Gs^{2}_{3}$$
Z"ahlen wir die Monome $X^{4}YZ$ auf beiden Seiten, so
folgt $C =-4$.
Setzen wir jetzt f"ur $(X,Y,Z)$ speziell die Werte
$(1,1,-1)$ und $(2,-1,-1)$ ein, so erhalten f"ur
$(s_{1},s_{2},s_{3})$ die Werte $(1,-1,-1)$ und $(0,-3,2)$ und
finden
$$
 4 + 1+E+G+4=
0= 4G + 4\cdot 27
$$
Daraus folgt sofort  $G = - 27$, $E = 18$ und dann als Endresultat
$$\Delta = s_{1}^{2}s_{2}^{2} - 4s_{1}^{3}s_{3} + 18 s_{1}s_{2}s_{3}  - 4 s^{3}_{2}-
27 s^{2}_{3}$$
Ein kubisches Polynom $T^3+aT^2+bT+c=(T+\al)(T+\beta)(T+\gamma)$ mit
Koeffizienten $a,b,c$ und Nullstellen $-\al,-\beta,-\gamma$
in einem Integrit"atskring $k$ hat also
mehrfache Nullstellen genau dann, wenn gilt
$$0 = a^{2}b^{2} -4a^{3}c + 18 abc  - 4 b^{3}-
27 c^{2}$$ Das Negative $\op{Disk}_3\pdef -\Delta$ dieses Ausdrucks
in den Koeffizienten werden wir gleich in \ref{DeDia} 
f"ur normierte Polynome beliebigen Grades als deren \glqq Diskriminante\grqq\
einf"uhren. 
\end{Beispiel}



\begin{Satz}\label{DeDia}
Es gibt f"ur jedes $n\in\DN$ genau ein Polynom in $n$ Variablen, 
genannt die \emph{\bf $n$-te Diskriminante}\index{Diskriminante}
$\op{Disk}_{n} \in \DZ ['A_{1}, \ldots, A_{n}]$, mit der Eigenschaft, da"s 
beim Einsetzen
derjenigen Polynome $a_i \in \mathbb Z ['\zeta_1, \ldots, \zeta_n]$ in die Variablen, 
die  durch die Identit"at $T^n + a_1 T^{n-1} + \ldots + a_n = (T+\zeta_1) 
\ldots (T +\zeta_n)$ gegeben
werden,
im Polynomring $\mathbb Z ['\zeta_1, \ldots, \zeta_n]$ gilt
\begin{equation*}
\op{Disk}_n(a_{1}, \ldots, a_{n}) = \prod_{i\neq j} (\zeta_i - \zeta_j)
\end{equation*}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ursprung der Terminologie}]
  Die Bezeichnung \glqq Diskriminante\grqq\  
wird verst"andlich, wenn man mehrfache Nullstellen ansieht
  als \glqq eigentlich verschiedene\grqq\  Nullstellen, 
die nur ungl"ucklicherweise
zusammenfallen und deshalb nicht mehr voneinander unterschieden alias
\glqq diskriminiert\grqq\  werden k"onnen.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
 Unser Produkt ist offensichtlich symmetrisch 
und l"a"st  sich nach \ref{SyP} folglich eindeutig
schreiben als Polynom in den elementarsymmetrischen
Polynomen. 
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}\label{Diskk}
F"ur jeden kommutativen Integrit"atsbereich $k$ und
jedes normierte Polynom  $T^n + a_{1} T^{n-1}+\ldots + 
a_{n} $ im Polynomring $ k[T]$, 
das in $k[T]$ vollst"andig in Linearfaktoren
zerf"allt, sind f"ur die eben definierte Diskriminante
$\op{Disk}_n$  offensichtlich gleichbedeutend: 
\begin{enumerate}
\item
$\op{Disk}_n(a_{1}, \ldots ,a_{n})= 0;$
\item
Das Polynom $T^{n} + a_{1} T^{n-1} + \ldots +a_{n}$
hat mehrfache Nullstellen.
\end{enumerate}
Man nennt das Element $\op{Disk}_n(a_{1}, \ldots ,a_{n})\in k$ auch die 
{\bf Diskriminante des normierten 
Polynoms} $T^n + a_{1} T^{n-1}+\ldots + 
a_{n} $.
Eine explizite Formel f"ur die Diskriminante
geben wir in \ref{FoDis}. Manche Quellen erkl"aren die Diskriminate
abweichend als $\prod_{i<j}(\zeta_i-\zeta_j)^2=(-1)^{n(n-1)/2}\op{Disk}_n$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel} Gilt speziell im Polynomring $k[T]$ "uber irgendeinem Kring  $k$ die Identit"at $T^2 - pT + q = (T-\zeta) (T-\xi)$  f"ur  $p,q,\al, \beta, \gamma\in k$, so erhalten wir
in $k$  die Identit"at\label{DQUA} 
$-(\zeta-\xi)^2=- p^2 +4q$.
Das bedeutet $$\op{Disk}_2(p,q)=- p^2 +4q$$
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}\label{DKu}
  Gilt speziell im Polynomring $k[T]$ "uber irgendeinem Kring $k$ 
  die Identit"at $T^{3} + pT + q=(T-\al)(T-\beta)(T-\gamma)$
  f"ur  $p,q,\al, \beta, \gamma\in k$, so erhalten wir
in $k$  die Identit"at $-(\al -\beta)^{2}(\beta -
\gamma)^{2} (\gamma - \al)^{2} = 4 p^{3}+27 q^{2}$.
Das bedeutet $$\op{Disk}_3(0,p,q)=4 p^{3}+27 q^{2}$$
\end{Beispiel}


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Was ist die Summe der $\lambda_{1}^{3}+\lambda^{3}_{2}+\lambda^{3}_{3}
  +\lambda^{3}_{4}$ 
dritten Potenzen der vier komplexen Nullstellen 
$\lambda_{1},\ldots,
  \lambda_{4}$ des Polynoms $X^4+3X^3-5X^2+X+1$? 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Man zeige f"ur symmetrische Polynome im Fall $n \geq k$ die Identit"at
\begin{equation*}
s_{2k} (X_1, \ldots, X_n, - X_1, \ldots, -X_n) 
= (-1)^k s_k (X^2_1, \ldots , X^2_n)
\end{equation*}
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
  Man zeige, da"s die Polynome $P\in\DZ[X,Y]$, 
die bei Vertauschung von $X$ und $Y$ in ihr Negatives "ubergehen,
gerade die Produkte von $(X-Y)$ mit symmetrischen Polynomen sind.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
Sei $k$ ein K"orper einer von Zwei verschiedenen Charakteristik.
 Ein Polynom $f \in k [X_{1}, \ldots , X_{n}]$ hei"st {\bf
antisymmetrisch}\index{antisymmetrisch!Polynom}\index{Polynom!antisymmetrisches}
genau dann, wenn gilt
$\sigma f =\op{sgn}(\sigma) f \; \forall \sigma \in \cal{S}_{n}$. 
Man zeige, da"s die antisymmetrischen Polynome genau die Produkte von
$\prod_{i< j} (X_{i}-X_{j})$ mit symmetrischen Polynomen sind. 
Hinweis: \eref{HYT}{LA1}. Man zeige dasselbe auch allgemeiner im Fall eines
faktoriellen Rings $k$ einer von Zwei verschiedenen Charakteristik.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
  Ist der Koeffizientenring $k$ ein unendlicher Integrit"atsbereich,
so ist ein Polynom $f\in k[X_1,\ldots, X_n]$ homogen vom Grad $d$
genau dann, wenn gilt
$$f(\lambda X_1,\ldots,\lambda X_n)=\lambda^d f( X_1,\ldots, X_n)\qquad\forall
\lambda\in k$$
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}
 Man stelle
$X^4+Y^4+Z^4+W^4$ als Polynom in den elementarsymmetrischen 
Polynomen dar.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Ist $R$ ein Kring mit einer Primzahl  $p$ als Charakteristik, so bilden die Elemente
$a\in R$ mit $a^p=a$ einen Teilring. 
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
Man zeige:  Die Darstellung eines symmetrischen Polynoms vom
Grad $d$ durch elementarsymmetrische Polynome ist dieselbe
f"ur jede Zahl von Variablen $\geq d$. Zum Beispiel impliziert unsere Formel
$X_{1}^{3}+X^{3}_{2}+X^{3}_{3} = s^{3}_{1} - 3 s_{1}s_{2}+3s_{3}$,
da"s auch in $14$ Variablen gilt\label{ZaV} 
$X_{1}^{3}+X^{3}_{2}+\ldots+ X^{3}_{14} = s^{3}_{1} - 3 s_{1}s_{2}+3s_{3}$.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Der Ring der symmetrischen Funktionen in 
$n$ Ver"anderlichen mit Koeffizienten aus $\DQ$ wird auch
als Ring erzeugt von $\DQ$ und den Potenzsummen\label{SpP} 
$X_1^k+\ldots+X_n^k$ f"ur $1\leq k\leq n$.
Hinweis: Wir schreiben $X_1^n+\ldots+X_n^n=P(s_1,\ldots,s_n)$ und m"ussen zeigen, da"s rechts der Summand $s_n$ mit von Null verschiedenem Koeffizienten
auftritt. Dann kommen wir mit \ref{ZaV} und Induktion zum Ziel.
Spezialisieren wir aber die $X_\nu$ zu den Negativen
der $n$-ten Einheitswurzeln
$\op{exp}(2\pi{\op{i}}\nu/n)$ alias den Negativen der 
Nullstellen von $X^n-1$, so werden alle
$s_{n-1}=\ldots=s_1$ zu Null. 
Eine $(n\times n)$-Matrix $A$ "uber
einem
K"orper der Charakteristik Null ist nilpotent genau dann, wenn 
f"ur die Spuren ihrer Potenzen gilt
$$0=\op{tr}(A)=\op{tr}(A^2)=\ldots=\op{tr}(A^n)$$
\end{Ubunge}




\begin{Ubung}
  Seien $k$ ein K"orper und $f,g\in k[X,Y]$
  teilerfremde 
  Polynome, die homogen sind von den Graden\label{hirGg}  $m$ und $n$. Man zeige, da"s sich jedes
  homogene Polynom $h$ vom Grad $m+n-1$ eindeutig schreiben l"a"st als
  $h=af+bg$ mit $a$  homogen vom Grad $n-1$ und $b$  homogen vom Grad $m-1$.
  Hinweis: \ref{hirG}. 
\end{Ubung}
\subsection{Schranke von B\'ezout*}\label{SRB}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSEl}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Zwei verschiedene Ellipsen schneiden sich in h"ochstens
vier Punkten. 
In der Tat sind sie jeweils Nullstellenmengen von Polynomfunktionen 
vom Totalgrad Zwei, so da"s wir das unmittelbar 
aus der Schranke von B\'ezout folgern
k"onnen.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Definition}
Sei $k$ ein K"orper.
Ein Polynom in zwei Ver"anderlichen
$f \in k [X,Y]$ k"onnen wir in eindeutiger
Weise schreiben in der Gestalt $f = \sum c_{pq}
X^{p}Y^{q}$ mit $c_{pq}\in k$. Wir definieren den
{\bf Grad}\index{Grad!eines Polynoms!in mehreren Ver"anderlichen} 
oder genauer 
{\bf Totalgrad}\index{Totalgrad} 
 von $f$ durch
die Vorschrift
$$\op{grad} f \pdef \op{sup} \{p+q \mid c_{pq} \neq 0\}$$
Speziell geben wir im Lichte von
\eref{KlIn}{AN1}  dem Nullpolynom wie in einer Ver"anderlichen den Grad $-\infty$.  
Analog definieren wir auch den Grad eines Polynoms in 
beliebig vielen
Ver"anderlichen.
\end{Definition}
\begin{Satz}[\textbf{Schranke von B\'ezout}]\index{Bezout@B\'ezout!Schranke von} 
Sei $k$ ein K"orper und seien im Polynomring $k[X,Y]$
in zwei Ver"anderlichen "uber $k$  zwei von
Null verschiedene  \hyperref[teif]{teilerfremde} Polynome  $f, g$\label{SBe} 
%ohne gemeinsamen nichtkonstanten Teiler 
gegeben.
So haben $f$ und $g$ in der Ebene $k^{2}$ h"ochstens $(\op{grad} f) (\op{grad}g)$
gemeinsame Nullstellen.
\end{Satz}
 
\begin{Bemerkungw}
Ist $k=\bar k$ algebraisch abgeschlossen und z"ahlt man die 
gemeinsamen Nullstellen
von $f$ und $g$
mit geeignet definierten Vielfachheiten und nimmt auch noch die
\glqq Nullstellen im Unendlichen\grqq\  mit dazu, so haben
$f$ und $g$  in diesem verfeinerten Sinne
sogar genau $(\op{grad} f)(\op{grad}g)$ gemeinsame
Nullstellen. Mehr dazu  k"onnen Sie
in der algebraischen Geometrie \eref{Bezout}{KAG} lernen.
\end{Bemerkungw}
\begin{Beispiel}
Ist eines unserer Polynome von der Gestalt
$a_nX^n+\ldots +a_1X+a_0-Y$ und seine Nullstellenmenge mithin der Graph des 
Polynoms $a_nX^n+\ldots +a_1X+a_0$ in einer Ver"anderlichen, so kann man 
diese Schranke schnell einsehen: Man setzt
einfach in das andere Polynom $Y=a_nX^n+\ldots +a_1X+a_0$  ein 
 und erh"alt ein Polynom in $X$, das eben
nur h"ochstens so viele Nullstellen haben kann, wie sein Grad ist.
\end{Beispiel}

\begin{proof}[Beweis]
Sicher reicht es, wenn wir unsere Schranke zeigen f"ur geeignet
transformierte Polynome $f \circ \varphi$, $ g \circ \varphi$ mit
$\varphi \in \op{GL} (2;k)$ als da hei"st $\varphi : k^{2}
\sira k^{2}$ linear.
Wir interessieren uns hier insbesondere f"ur die Scherungen
$\varphi_{\lambda } :k^{2} \ra k^{2}$, $(x,y) \mapsto (x+\lambda y, y)$ 
mit $\lambda 
\in k$.
Gegeben $f \in k[X,Y]$ ein Polynom vom Totalgrad $\op{grad} f = n$ 
enth"alt $f \circ \varphi_{\lambda }$  f"ur  alle $\lambda  \in k$ 
mit h"ochstens endlich vielen Ausnahmen
einen Term
$cY^{n}$ mit $c\neq 0$. Das ist formal leicht einzusehen und entspricht der
anschaulichen Erkenntnis, da"s \glqq das Nullstellengebilde von $f$ nur h"ochstens
endlich viele Asymptoten besitzt\grqq.
Wir wissen nach \ref{ENu} schon, da"s unsere beiden Polynome h"ochstens 
endlich viele gemeinsame Nullstellen haben k"onnen.
Ist $k$ unendlich, und jeder K"orper $k$ l"a"st sich notfalls
in den unendlichen K"orper $k(t)$ einbetten, so finden wir nun $\lambda  \in k$
derart, da"s unsere transformierten Polynome $f \circ \varphi_{\lambda }$ beziehungsweise
$g \circ \varphi_{\lambda }$ beide Monome der Gestalt $cY^{n}$ beziehungsweise $dY^{m}$
mit
$c\neq 0\neq d$ enthalten, 
f"ur $n = \op{grad} f$, $m= \op{grad} g$, und da"s zus"atzlich die
gemeinsamen Nullstellen unserer transformierten Polynome paarweise
verschiedene $x$-Koordinaten haben.
Anschaulich gesprochen bedeutet das, da"s wir die $y$-Achse so kippen,
da"s keine  unserer 
Nullstellenmengen  \glqq einen in  Richtung unserer gekippten $y$-Achse
ins Unendliche
gehenden Teil hat\grqq\  und da"s jede Parallele zu unserer gekippten $y$-Achse
h"ochstens eine gemeinsame Nullstelle unserer beiden Polynome trifft.
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir also annehmen,
da"s unsere Polynome $f$ und $g$ die Gestalt
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildNsts}\\
\noindent
Das Nullstellengebilde von $f= Y^{3} + a_{2} (X)Y^{2} \;+ \ldots + a_{0}(X)$
als durchgezognene und von 
$g= Y^{2} + b_{1} (X) Y + \ldots + b_{0} (X)$ als gestrichelte Linien.
"Uber jedem Punkt der $x$-Achse liegen genau drei beziehungsweise zwei L"osungen
von $f$  beziehungsweise $g$.
\end{figure}
$$\begin{array}{ccc}
f & =& Y^{n} + a_{1} (X)Y^{n-1} \;+ \ldots + a_{n}(X)\\
g&=& Y^{m} + b_{1} (X) Y^{m-1} + \ldots + b_{m} (X)
\end{array}$$
haben mit $a_{i}, b_{j} \in k [X]$,
$
\op{grad} a_{i} \leq  i$, $
\op{grad} b_{j} \leq  j,
$
und da"s dar"uber hinaus
die gemeinsamen Nullstellen von $f$ und $g$ paarweise
verschiedene $x$-Koordinaten haben.
Die $x$-Koordinaten gemeinsamer Nullstellen sind aber genau die
Nullstellen der im folgenden definierten \glqq Resultante\grqq\  $\op{Res}(f,g) \in k[X]$, und
in \ref{GABR} zeigen wir,
da"s diese
Resultante als Polynom in $X$ h"ochstens den Grad $n m$ hat.
Das beendet dann den Beweis.
\end{proof}




\begin{Satz}[\textbf{"uber die Resultante}]
Gegeben $m,n \geq 0$ gibt es genau ein Polynom $\op{Res}=\op{Res}_{n,m} \in \Bbb{Z}['a_{1},
\ldots, a_{n}, b_{1}, \ldots, b_{m}]$ mit ganzzahligen Koeffizienten 
in\label{ReSU}
$n+m$ Ver"anderlichen  derart, da"s unter der Substitution
der $a_{i}$ und $b_{j}$ durch diejenigen Elemente von $\Bbb{Z}
['{\zeta}_{1},\ldots, {\zeta}_{n}, \xi_{1}, \ldots , \xi_{m}]$, die
erkl"art sind durch die Gleichungen
$$\begin{array}{lll}
T^{n}+ a_{1}T^{n-1} \;+ \ldots + a_{n} &=& (T+{\zeta}_{1}) \ldots
(T+{\zeta}_{n}),\\
T^{m}+ b_{1}T^{m-1}+ \ldots + b_{m} &=& (T+\xi_{1}) \ldots
(T+\xi_{m}),
\end{array}$$
im Polynomring in den ${\zeta}_{i}$ und $\xi_{j}$ gilt $$\op{Res}(a_{1},
\ldots a_{n}, b_{1}, \ldots , b_{m}) = \prod^{n,m}_{i=1,j=1}
({\zeta}_{i}-\xi_{j})$$
\end{Satz}

\begin{Definition}
Gegeben normierte Polynome $f(T) = T^{n}+a_{1}T^{n-1} + \ldots +
a_{n}$ und $g(T)=T^{m}+b_{1}T^{m-1}+ \ldots +b_{m}$ mit
Koeffizienten in einem Kring $k$ benutzen  wir 
die Abk"urzung $$\op{Res}(a_{1}, \ldots,
a_{n}, b_{1}, \ldots, b_{m} ) = \op{Res}(f,g)$$ und nennen dies
Element von $k$ die \defind{Resultante} {\bf von $f$ und} $g$.\label{DResb}
Bei der Determinantenbeschreibung der Resultante erkl"aren wir allgemeiner
f"ur jede zwei nicht notwendig normierte Polynome $f,g$ der Grade $\leq n$ beziehungsweise $\leq m$ ihre Resultante $\op{Res}_{n,m}(f,g)$. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bedeutung der Resultante}] 
  Ist $k=\bar k$ ein algebraisch abgeschlossener K"orper, so verschwindet die
  Resultante von zwei normierten Polynomen mit Koeffizienten in $k$
  per definitionem genau dann, wenn die beiden Polynome eine
  gemeinsame Nullstelle haben.  Im allgemeinen verschwindet die
  Resultante jedenfalls, wann immer die beiden Polynome eine
  gemeinsame Nullstelle haben.
\end{Bemerkungl}







\begin{Beispiel}
Im Fall $m = n =2$ folgt aus $T^2+a_1T+a_2=(T-\zeta_1)(T-\zeta_2)$ und
$T^2+b_1T+b_2=(T-\xi_1)(T-\xi_2)$ unmittelbar
$$\begin{array}{ccc}
a_{2} = {\zeta}_{1}{\zeta}_{2},& a_{1} = {\zeta}_{1} +
{\zeta}_{2},\\
b_{2}=\xi_{1}\xi_{2},& b_{1} = \xi_{1}+\xi_{2},
\end{array}$$
Eine kurze Rechnung liefert dann  
$$
({\zeta}_{1}-\xi_{1})
({\zeta}_{2}-\xi_{2})({\zeta}_{1}-\xi_{2})({\zeta}_{2}-\xi_{1})=
(a_{2}-b_{2})^{2}-(a_{2}+b_{2})a_{1}b_{1} +
a_{2}b_{1}^{2}+b_{2}a^{2}_{1}
$$
Der Ausdruck rechts in den Koeffizienten ist also die Resultante der
Polynome $f(T) = T^{2} + a_{1}T + a_{2}$ und $g(T) = T^{2} +
b_{1}T +b_{2}$.
Zum Beispiel sehen wir, da"s im Fall $a_{1} = b_{1}$ unsere
Polynome $f$ und $g$ in einem algebraisch abgeschlossenen K"orper
genau dann eine gemeinsame Nullstelle haben, wenn gilt $a_{2} =
b_{2}$.
Das h"atten wir nat"urlich auch so schon gewu"st, aber es ist doch ganz
beruhigend, unseren Argumenten mal in einem "uberschaubaren
Spezialfall bei der Arbeit
zugesehen zu haben.
\end{Beispiel}
\begin{proof}[Beweis]
Das Polynom $\prod^{n,m}_{i=1,j=1} ({\zeta}_{i} - \xi_{j}) \in
\Bbb{Z} [{\zeta}_{1}, \ldots , {\zeta}_{n}][\xi_{1}, \ldots ,
\xi_{m}]$ ist symmetrisch in den $\xi_{j}$ und liegt 
nach \ref{SyP}
folglich in
$$\Bbb{Z} [{\zeta}_{1}, \ldots , {\zeta}_{n}] [b_{1}, \ldots ,
b_{m}]=\Bbb{Z}[b_{1}, \ldots , b_{m}] [{\zeta}_{1}, \ldots
, {\zeta}_{n}]$$
Unser Polynom ist aber auch symmetrisch in den ${\zeta}_{i}$,
folglich liegt es wieder nach 
\ref{SyP} sogar in $\Bbb{Z} [b_{1}, \ldots , b_{m}]
[a_{1}, \ldots , a_{n}]$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Grad der Resultante}]\label{GABR}
Wir zeigen nun noch die Behauptungen f"ur den Grad der
Resultante, die beim Beweis f"ur die Schranke von B\'ezout 
ben"otigt wurden.  Als Polynom in $\Bbb{Z}
[{\zeta}_{1},\ldots, {\zeta}_{n}, \xi_{1}, \ldots , \xi_{m}]$
ist die Resultante ja offensichtlich homogen vom Grad $mn$. 
Dahingegen sind die $a_i\in\Bbb{Z}
[{\zeta}_{1},\ldots, {\zeta}_{n}]$ homogen vom Grad $i$ und 
 die $b_j\in\Bbb{Z}
[\xi_{1}, \ldots , \xi_{m}]$ homogen vom Grad $j$.
Aus der algebraischen Unabh"angigkeit der elementarsymmetrischen
Polynome  folgt, da"s ein Monom 
$a_1^{\lambda_1}\ldots a_n^{\lambda_n}b_1^{\mu_1}\ldots b_m^{\mu_m}$
nur dann mit von Null verschiedenem Koeffizienten in der Resultante
auftauchen kann, wenn gilt
$$\lambda_1 +2\lambda_2+\ldots +n\lambda_n+
\mu_1 +2\mu_2+\ldots +m\mu_m=nm$$
Setzen wir hier insbesondere f"ur $a_i$ gewisse $a_i(X)\in k[X]$ 
vom Grad $\leq i$ und f"ur $b_j$ gewisse $b_j(X)\in k[X]$ 
vom Grad $\leq j$ ein, so ist die Resultante ein Polynom
in $k[X]$ vom Grad $\leq mn$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildResu}\\[4mm]
\noindent 
Die Matrix $M$, deren Determinante die Resultante liefert.
Gegeben zwei nicht notwendig normierte Polynome vom Grad $\leq n$ und
$\leq m$ der Gestalt $a_0T^n+ a_1T^{n-1}+\ldots+ a_n$ und
$b_0T^m+ b_1T^{m-1}+\ldots+ b_m$ nehmen wir diese Determinante mit
den Einsen ersetzt durch
$a_0$ beziehungsweise $b_0$ von nun an als unsere Definition der
Resultante $\op{Res}_{n,m}$.\index{Res@$\op{Res}_{n,m}$ Resultante}  
\end{Bild}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Die Resultante als Determinante}]\label{EFRe}
Sei $M$ die Matrix aus nebenstehendem Bild.
Eine explizite Formel f"ur die Resultante ist
\begin{displaymath}
 \op{Res} (a_1, \ldots , a_n, b_1, \ldots ,b_m) = \det 
M
\end{displaymath}
Um das einzusehen, kann man wie folgt argumentieren: Gegeben zwei normierte
nicht konstante Polynome $f, g \in k [T]$ mit Koeffizienten in einem K"orper
$k$ sind ja gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item[(1)]
Unsere beiden Polynome sind teilerfremd in $k[T]$;
\item[(2)]
Es gibt Polynome $p,q$ mit $\deg p < \deg g$ und $\deg  q < \deg f$,
f"ur die gilt $pf + qg =1$.
\end{enumerate}
In der Tat ist $(2) \Rightarrow (1)$ offensichtlich 
und $(1) \Rightarrow (2)$ folgt
unmittelbar aus dem abstrakten chinesischen Restsatz 
\ref{ACR}, wenn wir etwa das 
Urbild kleinsten Grades von 
$(0,1) \in k[T]/ \langle f \rangle \times k[T]/\langle g \rangle$
in $k[T]$ aufsuchen.
Insbesondere sehen wir so, da"s $p$ und $q$ bereits eindeutig bestimmt sind,
wenn es sie denn gibt. Nun k"onnen wir die Gleichung $pf + qg =1$ als
ein lineares Gleichungssystem f"ur die Koeffizienten 
von $p$ und $q$ auffassen, und die
Matrix dieses Systems ist dann genau die oben gegebene Matrix,
wie der Leser leicht selbst einsehen wird.
Genau dann ist also unser System eindeutig l"osbar, 
wenn die Determinante der fraglichen Matrix  nicht
Null ist.
Genau dann verschwindet also diese Determinante,
wenn $f$ und $g$ nicht teilerfremd sind,
und 
im Fall eines algebraisch abgeschlossenen K"orpers $k$ ist 
das  gleichbedeutend dazu, da"s $f$ und $g$ eine gemeinsame 
Nullstelle haben.
Speziell erkennen wir so mit \eref{HYT}{LA1}, da"s das 
Polynom $\prod ( \zeta_i - \xi_j)$
in $\mathbb Q [ \zeta_i, \xi_j]$ unsere Determinante teilt,
wenn wir sie zu den Polynomen 
aus \ref{ReSU} mit Koeffizienten in $\mathbb Q [ \zeta_i, \xi_j]$ bilden.
Wir erkennen sogar genauer, da"s unsere Determinante 
bis auf eine von Null verschiedene Konstante 
ein Produkt von
Faktoren $( \zeta_i - \xi_j)$ ist, wobei jeder Faktor mindestens 
einmal vorkommt. 
Da"s hier keine Faktoren mehrfach auftreten und  da"s 
die besagte von Null verschiedene Konstante eine Eins ist, 
k"onnen wir unschwer pr"ufen,
indem wir  alle $\zeta_i$ Null setzen. 
\end{Bemerkunge}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubunge}
Zwei beliebige homogene Polynome $f(X,Y) = a_{0}X^{n}+a_{1}X^{n-1}Y + \ldots +
a_{n}Y^{n}$ und $g(X,Y)=b_{0}X^{m}+b_{1}X^{m-1}Y+ \ldots +b_{m}Y^{m}$ mit
Koeffizienten in einem algebraisch abgeschlossenen K"orper  $k$ 
haben genau dann eine gemeinsame  Nullstelle au"serhalb des Ursprungs,
wenn die  Determinante derjenigen Variante der  nebenstehenden
Matrix verschwindet, die entsteht, wenn wir  die erste Reihe von Einsen
durch $a_0$ und die zweite Reihe von Einsen\label{SylD} 
durch $b_0$ ersetzen. Diese Determinante hei"st dann auch die
{\bf Sylvester-Determinante}.\index{Sylvesterdeterminante}
\end{Ubunge}



  
%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAL"
%%% End: 
