\section{K"orpererweiterungen}
\subsection{Grundlagen und Definitionen}
\begin{Beispiele}
Ein K"orper ist nach \eref{DK}{LA1} ein kommutativer 
von Null verschiedener Ring, in dem jedes Element
ungleich Null eine Einheit ist. Aus den Grundvorlesungen bekannt sind die
K"orper
$\DQ \subset \DR\subset \Bbb{C}$ der rationalen, reellen und komplexen Zahlen.
Allgemeiner haben wir\label{Kiou}  
in \eref{QoK}{LA1}
zu jedem kommutativen Integrit"atsbereich $R$
seinen Bruchk"orper  $$\op{Frac} R$$ konstruiert, zum Beispiel ist
$\op{Frac} \DZ=\DQ$ der K"orper der rationalen Zahlen und
$\op{Frac} K [X]=K(X)$ der Funktionenk"orper "uber einem gegebenen K"orper $K$.
Weiter ist nach \ref{Ubb} der Quotientenring 
$R/pR$ von einem Hauptidealring nach
dem von einem irreduziblen Element $p \in
R$ erzeugten Ideal ein K"orper. Insbesondere 
sind die Restklassenringe $$ \DZ/p\DZ$$ f"ur $p$ eine
Primzahl in $\DZ$ K"orper und desgleichen die Quotientenringe 
 $$K[X]/\langle P\rangle$$ des Polynomrings $K[X]$ "uber einem K"orper $K$
nach einem irreduziblen
Polynom  $P \in K [X]$.
\end{Beispiele}

\begin{Definition}
Eine Teilmenge eines K"orpers hei"st ein {\bf
Unterk"orper},\index{Unterk"orper}   
 wenn sie 
so mit der Struktur eines K"orpers versehen werden kann, da"s die
Einbettung ein K"orperhomomorphismus ist.
Gleichbedeutend ist die Forderung, da"s unsere Teilmenge ein 
Teilring und mit der
induzierten
Ringstruktur 
ein K"orper ist.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Sicher ist ein beliebiger Schnitt von Unterk"orpern eines K"orpers
wieder ein Unterk"orper. Ist $K$ ein K"orper und $T \subset K$
eine Teilmenge, so hei"st der kleinste Unterk"orper von $K$, der
$T$ enth"alt,\label{ezUK}  
der {\bf von $T$ erzeugte 
Unterk"orper}\index{Unterk"orper!erzeugt von Teilmenge}.
Den kleinsten Unterk"orper von $K$, in anderen Worten den
von der leeren Menge $T=\emptyset $ erzeugten Unterk"orper,
nennt man den
{\bf Primk"orper von} $K$.\index{Primk"orper}  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
F"ur jeden K"orper, ja jeden Ring  $K$ erinnern  wir uns 
aus \eref{charK}{LA1} an die Definition seiner 
{\bf Charakteristik}\index{Charakteristik} 
 $(\op{char} K) \in \DN$  
durch die
Identit"at
$$\ker (\DZ \ra K) = \DZ \cdot(\op{char} K)$$
Hier meint $\DZ \ra K$ den nach \eref{UEZz}{LA1} eindeutig bestimmten 
Ringhomomorphismus von $\DZ$ nach $K$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Charakteristik}] 
Die Charakteristik ist also Null, wenn das neutrale
Element der multiplikativen Gruppe $K^\times$ als 
Element der additiven Gruppe $(K,+)$ unendliche 
Ordnung hat, und ist sonst genau diese Ordnung.
Gibt es demnach in noch anderen Worten eine nat"urliche Zahl
$d>0$ derart, da"s in unserem K"orper $K$ gilt
$1+1+\ldots+1=0$ ($d$ Summanden), so ist das kleinstm"ogliche
derartige $d>0$ die Charakteristik $d=\op{char} K$ von $K$.
Gibt es dahingegen kein derartiges $d$, so hat $K$ die Charakteristik
Null.
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\defnoind{Kleinster Unterk"orper eines K"orpers}]
Die Charakteristik  eines K"orpers $K$ ist entweder Null
oder eine Primzahl und es gilt:\label{Char}
$$\begin{array}{lcl}
\op{char} K=0&\IFF&\text{ Der kleinste Unterk"orper von $K$ ist isomorph zu
$\DQ;$}\\
\op{char} K=p>0&\IFF&\text{ Der kleinste Unterk"orper von $K$ ist isomorph zu
$\Bbb{F}_p$.}
\end{array}$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $d=\op{char} K$.
Da wir eine Inklusion $\DZ /d\DZ \hookrightarrow K$ haben, mu"s
$\DZ/d\DZ$ ein Integrit"atsring sein, also ist  nach \eref{EPK}{LA1}
die Charakteristik
eines K"orpers entweder null oder eine Primzahl.
Im Fall $\op{char} K= p >0 $ prim induziert $\DZ \ra K$ 
unter Verwendung der universellen Eigenschaft des Restklassenrings 
\ref{RUE} oder spezieller \ref{FRII}
einen Isomorphismus
von $\Bbb{F}_{p} = \DZ/p\DZ$ auf einen Unterk"orper von $K$.
Im Fall $d =0$ induziert $\DZ \ra K$ 
unter Verwendung der universellen Eigenschaft des 
Bruchk"orpers \eref{UEQ}{LA1} 
einen Isomorphismus von $\DQ
= \op{Frac} \DZ$ auf einen Unterk"orper von $K$.
Man pr"uft leicht, da"s die Bilder jeweils die kleinsten Unterk"orper 
von $K$ sind.
\end{proof}
\subsection{K"orpererweiterungen}
\begin{Definition}
Eine {\bf K"orpererweiterung}\index{K"orpererweiterung} 
ist ein Paar $L\supset K$ bestehend aus einem
K"orper $L$ mit einem Unterk"orper $K$. 
So ein Paar $L\supset K$ nennt man dann auch  eine 
{\bf K"orpererweiterung von $K$}. Man  schreibt statt 
$L\supset K$ meist $L/K$ und nennt
  $K$ den \defind{Grundk"orper} und $L$ den \defind{Erweiterungsk"orper} oder
  \defind{Oberk"orper} der K"orpererweiterung.\label{KoEr} 
 Von einer
{\bf echten K"orpererweiterung}\index{K"orpererweiterung!echte}
fordern wir zus"atzlich, da"s der Erweiterungsk"orper nicht mit dem 
Grundk"orper zusammenf"allt.
\end{Definition}

\begin{Beispiele}
 Ein Grundbeispiel ist die K"orpererweiterung $\DC\supset\DR$.
Das Beispiel $\DC(X)\supset\DC(X^2)$ zeigt, da"s es 
auch bei einer echten K"orpererweiterung
durchaus vorkommen kann, da"s es einen K"orperisomorphismus 
zwischen  Grundk"orper und  Oberk"orper
gibt. 
In diesem Beispiel ist mit $\DC(X^2)\pdef \op{Frac}(\DC[X^2])$
der Bruchk"orper des
Rings der geraden Polynome $\DC[X^2]\subset \DC[X]$ gemeint.
\end{Beispiele}

\begin{Bemerkungw}\label{KEAH}
In \ref{KEnn} werden wir unsere Definition 
ab"andern und vereinbaren, da"s eine K"orpererweiterung
dasselbe ist wie
ein K"orperhomomorphismus. Da K"orperhomomorphismen stets
injektiv sind, ist das fast dasselbe.
Zum jetzigen Zeitpunkt
f"uhrt allerdings die Definition einer K"orpererweiterung als
K"orperhomomorphismus noch nicht zu mehr Klarheit, sondern
vielmehr  zu einer unn"otig aufgebl"ahten Notation. Darunter leidet 
das Verst"andnis, so f"urchte ich,  mehr 
als unter einer  sp"ateren Umwidmung des 
Begriffs einer K"orpererweiterung.
\end{Bemerkungw}
\begin{Definition}[\textbf{Erzeugung von K"orpererweiterungen}] 
Gegeben eine K"or\-per\-er\-wei\-te\-rung $L/K$ und 
Elemente des Erweiterungsk"orpers $\al_1,\ldots,\al_n\in L$
bezeichnet man mit $K(\al_1,\ldots,\al_n)\subset L$
den von $K$ und den $\al_i$ \hyperref[ezUK]{erzeugten Unterk\"orper} von $L$.
Er ist im allgemeinen verschieden von dem\label{koee} 
von $K$ und den $\al_i$ erzeugten Teilring $K[\al_1,\ldots,\al_n]\subset L$.
  Eine K"orpererweiterung $L/K$ 
hei"se {\bf k"orperendlich},\index{k"orperendlich}
 wenn der Erweiterungsk"orper "uber dem
Grundk"orper als K"orper endlich erzeugt ist, wenn es also in Formeln
endlich viele Elemente $\alpha_1,\ldots,\alpha_n\in L$ gibt mit
$$L=K(\alpha_1,\ldots,\alpha_n)$$ 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
Das Symbol $K(X)$ kann nun leider auf zweierlei Weisen interpretiert
werden: Einerseits als der Bruchk"orper 
des Polynomrings $K[X]$
"uber $K$ in einer Ver"anderlichen $X$, andererseits als
der von $K$ und einem weiteren Element $X$ in einem gr"o"seren
K"orper $L$ erzeugte Unterk"orper. 
Wie viele Autoren benutzen  wir
nach M"oglichkeit gro"se Buchstaben
vom Ende des Alphabets f"ur die \glqq algebraisch unabh"angigen\grqq\  Variablen
in einem Funktionenk"orper, also im ersten Fall, 
und kleine Buchstaben
f"ur  Elemente einer bereits gegebenen K"orpererweiterung, also
im zweiten Fall.  Wollen wir die Freiheit unserer Ver"anderlichen
besonders betonen, so setzen wir wie in \ref{FST} ein
\glqq Freiheitsstrichlein\grqq\  oben an die er"offnende Klammer und schreiben
$K(' X)$\index{)5)@$K(' X)$ Funktionenk"orper} 
f"ur den Funktionenk"orper in einer Variablen $X$.
\end{Bemerkungl}

  \begin{Bemerkunge}
    Gegeben K"orper $K\subset L$ und eine Teilmenge $T\subset L$ bezeichnen
    wir mit $K(T)\subset L$ auch den von $K$ und $T$ in $L$ erzeugten
    Teilk"orper und nennen ihn den {\bf "uber $K$ von $T$ erzeugten
      Teilk"orper von $L$}.  Wenn wir besonders betonen wollen, da"s hier $T$
    eine Teilmenge von $L$ ist und nicht etwa ein Element von $L$, schreiben
    wir auch ausf"uhrlicher $K(_!T)$.\label{EzTKK} 
Gegeben K"orper $K\subset L$ und eine Teilmenge $T\subset L$ 
kann der von $K$ und $T$ erzeugte Teilk"orper $K(_!T)\subset L$ 
von $L$ 
beschrieben werden als die Vereinigung aller von endlichen Teilmengen von
$T$ "uber $K$ erzeugten Teilk"orper, in Formeln
$$K(_!T)=\bigcup_{\substack{ n\geq 0
\\ \alpha_1,\ldots,\alpha_n\in T}}K(\alpha_1,\ldots,\alpha_n)$$
\end{Bemerkunge}
\begin{Beispiele}
Wir haben $\DR (\op{i}) = \DR [\op{i}] = \Bbb{C}$ und
$\DQ [\sqrt{2}] = \DQ (\sqrt{2})$, aber
$K['X] \neq K ('X)$, der Polynomring ist n"amlich verschieden von seinem
Bruchk"orper.
\end{Beispiele}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Alle Elemente von $\DQ(\sqrt{2})$ lassen sich eindeutig schreiben in der Form
$a+b\sqrt{2}$  mit $a,b\in \DQ$, vergleiche \eref{KRCC}{GR}. 
Man schreibe das Inverse von $7+\sqrt{2}$ in dieser Form.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige $\sqrt{5} \not\in \DQ (\sqrt{2})$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Gegeben  $a,b\in \DQ^\times$ zeige man, da"s gilt
$\DQ(\sqrt{a})= \DQ(\sqrt{b})$ genau dann, wenn
  $a/b$ in $\DQ$ ein Quadrat ist.
  Gegeben allgemeiner K"orper $K\subset L$ einer von zwei verschiedenen
  Charakteristik und $\alpha,\beta\in L^\times$ mit
  $\alpha^2,\beta^2\in K$ zeige man, da"s gilt $K(\alpha) = K(\beta)$
  genau dann, wenn $\alpha/\beta\in K$.\label{uaWu} 
\end{Ubung}


\begin{Bemerkunge}
  Sehr viel allgemeiner kann man f"ur paarweise verschiedene 
Primzahlen $p,q,\ldots, r$ und beliebige 
$l,m,\ldots,n\geq 2$ zeigen, da"s
gilt
$$\sqrt[l]{p} \not\in \DQ (\sqrt[m]{q},\ldots ,\sqrt[n]{r})$$
Das und vieles weitere in dieser Richtung lernt man in der 
algebraischen Zahlentheorie, die auf dieser Vorlesung aufbaut. Den Fall
$l=m=\ldots=n= 2$ behandeln wir in \ref{QaWN}. Noch allgemeiner zeigt
Besicovich \cite{Bes}, da"s gegeben paarweise verschiedene Primzahlen $p_1,\ldots, p_s$ und positive nat"urliche durch keine dieser Primzahlen teilbare Zahlen $a_1,\ldots, a_s$ und beliebige positive nat"urliche Zahlen $n_1,\ldots, n_s$ stets gilt
$$[\DQ(\sqrt[n_1]{p_1a_1}, \ldots,\sqrt[n_s]{p_sa_s}):\DQ]=n_1\ldots n_s$$
Die Wurzeln sind hierbei stets als die positiven Wurzeln in $\DR$ zu verstehen. 
\end{Bemerkunge}
\begin{Ubung}\label{KEPPa} %\label{KEPP}
  Sei $L/K$ eine K"orpererweiterung und seien
$P,Q\in K[X]$ teilerfremd in $K[X]$. So haben $P$ und $Q$ auch in 
$L$ keine gemeinsame Nullstelle. Hinweis: Unser Polynomring ist ein
Hauptidealring.
Nun verwende man ein Analogon des Satzes von B\'ezout. Weitergehende Aussagen in
Richtung dieser "Ubung fa"st Proposition \ref{ggTP} zusammen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{KPPa}
  Seien $K$ ein K"orper und $P\in K[X]\backslash K$ ein nichtkonstantes
  Polynom. So ist der  Ringhomomorphismus
  $K[Y]\ra K[X]$ mit $Y\mapsto P$ injektiv und die davon induzierte K"orpererweiterung $K(Y)\hra K(X)$ hat als Grad den Grad von $P$.
\end{Ubung}
\subsection{Elemente von K"orpererweiterungen}

\begin{Definition}\label{algK}
Sei $L/K$ eine K"orpererweiterung und $\al\in L$.
Gibt es ein vom Nullpolynom verschiedenes Polynom
$0\neq Q \in K [X]$  mit $Q (\al) =0$, so hei"st $\al$
\defnoind{algebraisch "uber $K$}.\index{algebraisch!in K"orpererweiterung}
Sonst hei"st $\al$ 
{\bf transzendent "uber $K$}\index{transzendent!in K"orpererweiterung}.
Unter einer 
{\bf algebraischen}\index{algebraisch!komplexe Zahl} 
beziehungsweise {\bf transzendenten Zahl}\index{transzendent!komplexe Zahl} 
versteht man
eine komplexe Zahl, die algebraisch beziehungsweise  transzendent ist "uber 
dem K"orper der rationalen Zahlen.
Ein ber"uhmter Satz von Lindemann besagt, da"s die Kreiszahl $\pi\in\DR$ 
transzendent ist "uber dem K"orper $\DQ$ der rationalen Zahlen, 
vergleiche \eref{PiTr}{AN1}.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine K"orpererweiterung $L/K$ und ein Element $\al \in L$
betrachten wir die Auswertungsabbildung
$$\begin{array}{ccc}
K [X] & \rightarrow &L\\
Q & \mapsto & Q(\al)
\end{array}$$
Ist $\al$ transzendent, so ist diese Abbildung injektiv und
induziert nach der universellen Eigenschaft des 
Bruchk"orpers \eref{UEQ}{LA1} einen Isomorphismus $K(X) = \op{Frac} K [X] \sira K
(\al) \subset L$.
Den anderen Fall kl"art der folgende Satz.    
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{"uber das Minimalpolynom}]
Seien $L/K$ eine K"orpererweiterung und  $\al\in L$ algebraisch\label{Irr} 
"uber
$K$. So gilt:
\begin{enumerate}
\item
Es gibt in $K[X]$ unter allen normierten Polynomen
$P$ mit $P(\al)=0$ genau eines von minimalem Grad. Es hei"st das
\defnoind{\em Minimalpolynom $P=\op{Irr}(\al,K)$ von $\al$ "uber
$K$};\index{Minimalpolynom}\index{Irr@$\op{Irr}(\al,K)$ Minimalpolynom} 
\item\label{Irr2}
Dies Minimalpolynom ist $K$-irreduzibel
und jedes Polynom $Q\in K[X]$ mit einer Nullstelle bei $\al$
ist ein Vielfaches des Minimalpolynoms von $\al$; 
\item
Gegeben ein normiertes $K$-irreduzibles
 Polynom $Q\in K[X]$ mit einer Nullstelle bei $\al$
ist $Q$ bereits das Minimalpolynom von $\al$; 
\item
Das
Auswerten bei $\al$ liefert einen K"orperisomorphismus 
$$K[X]/\langle\op{Irr} (\al,K)\rangle\sira K (\al)$$
\item\label{Irr4}
Ist  $d=\op{grad} (\op{Irr} (\al,K))$ der Grad des Minimalpolynoms 
von $\alpha$ "uber $K$, 
so
bilden die Potenzen $1,\al,\al^2,\ldots,\al^{d-1}$
eine Basis des $K$-Vektorraums $K(\al)$.
\end{enumerate}
\end{Satz}




\begin{Beispiel}
  Wir betrachten die K"orpererweiterung $\DC/\DR$. 
Das Element $\op{i}\in\DC$ ist algebraisch "uber $\DR$ 
mit Minimalpolynom $\op{Irr}(\op{i},\DR)=X^2+1$.
Wir haben $\DR(\op{i})=\DC$ und die Abbildung 
$\DR[X]\ra \DC$ mit $X\mapsto \op{i}$ definiert einen 
Ringisomorphismus $\DR[X]/\langle X^2+1\rangle\sira \DC$. 
Die beiden Elemente $1=\op{i}^0$ und $\op{i}=\op{i}^1$ bilden eine Basis von
$\DC$ "uber $\DR$. 
\end{Beispiel}



\begin{proof}[Beweis]
  Da wir $\alpha$ algebraisch angenommen hatten, ist
  die Auswertungsabbildung $\varphi_{\al} : K [X]  \rightarrow L$ gegeben durch $
  Q  \mapsto  Q(\al)$ keine Injektion. Folglich ist
  ihr Kern  nicht das Nullideal $\op{ker}(\varphi_{\al})\neq 0$. 
Da $K [X]$ nach \ref{PReF} ein Hauptidealring ist,
gibt
es mithin ein von Null verschiedenes und dann nat"urlich auch
ein normiertes Polynom $P\in K[X]$ mit $$\ker(\varphi_{\al})=\langle P\rangle $$
Alle anderen normierten Polynome aus $\langle P\rangle $ 
haben offensichtlich
einen Grad, der echt gr"o"ser ist als der Grad von $P$,
und das zeigt bereits den ersten Teil des Satzes.
Der von $\varphi_\alpha$ nach dem  nach dem Isomorphiesatz f"ur Ringe \ref{FRII}
induzierte Isomorphismus
$\bar \varphi_\alpha: K[X]/\ker(\varphi_{\al}) \sira \op{im}(\varphi_\alpha)$ 
liefert in unserem Fall eine Einbettung
$$\bar\varphi_\alpha:K[X] /\langle P\rangle  \hookrightarrow L$$
Deren Bild ist  der von $K$ und $\alpha$
erzeugte Teilring $\op{im}(\varphi_\alpha)=\op{im}(\bar \varphi_\alpha)=K[\alpha]$
von $L$ und ist insbesondere ein
Integrit"atskring. 
Damit ist auch $K[X] /\langle P\rangle $ 
ein Integrit"atskring und nach unseren allgemeinen Erkenntnissen zu
Quotienten von Hauptidealringen \ref{Ubb} ist notwendig
$P$
irreduzibel und  $K[X] /\langle P\rangle $ 
sogar ein K"orper. Damit k"onnen wir das Bild $K[\alpha]$ auch beschreiben 
als den von $\alpha$ und $K$  erzeugten Teilk"orper $K(\alpha)$ von $L$, 
in Formeln $K[\alpha]=K(\alpha)$, und unser Einsetzungshomomorphismus
$\varphi_\alpha$ induziert 
einen Isomorphismus $$\bar\varphi_\alpha:K[X] /\langle P\rangle \sira K(\al)$$
Nach \ref{BQP} bilden f"ur jedes normierte Polynom $P$ und
$d=\op{grad} P$ die Bilder der Potenzen
$1,X,X^2,\ldots,X^{d-1}$ eine Basis von
$K[X] /\langle P\rangle $ "uber $K$. Damit
 bilden dann auch $1,\al,\al^2,\ldots,\al^{d-1}$ eine Basis
von $K(\al)$ "uber $K$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Ich will die Irreduzibilit"at des Minimalpolynoms auch noch einmal ganz
  explizit begr"unden. W"are das Minimalpolynom $P$ ein Produkt
$P=QR$ von Polynomen positiven Grades, so g"alte
$Q(\alpha)\neq 0\neq R(\alpha)$ wegen der Minimalit"at des Minimalpolynoms, 
und das w"urde 
sofort zum Widerspruch $P(\alpha)\neq 0$ f"uhren.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} 
Sei $L/K$ ein K"orpererweiterung und $\al\in L$.
Das Minimalpolynom von $\al$
"uber $K$ ist im allgemeinen nur in $K[X]$ irreduzibel,
in $L[X]$ spaltet es 
zumindest einen Faktor $(X-\al)$ ab und ist also reduzibel,\label{MipI} es sei denn, wir
sind im Fall $\al\in K$.
Zum Beispiel ist $X^3-2$, da es ja $\DQ$-irreduzibel ist, das Minimalpolynom 
von $\sqrt[3]{2}$ "uber $\DQ$  und es gilt
$$\DQ(\sqrt[3]{2})=\{a+b\sqrt[3]{2}+c(\sqrt[3]{2})^2\mid a,b,c\in\DQ\}$$
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Ist eine K"orpererweiterung als K"orpererweiterung 
erzeugt von einem einzigen Element 
"uber dem Grundk"orper, so nennt man sie eine 
{\bf einfache}\index{einfach!K"orpererweiterung}\index{K"orpererweiterung!einfache}
oder auch eine
{\bf primitive K"orpererweiterung}\index{primitiv!K"orpererweiterung}\index{K"orpererweiterung!primitive} des Grundk"orpers
und das fragliche Element hei"st 
ein {\bf primitives Element}\index{Element!primitives} 
der K"orpererweiterung.\index{primitiv!Element von K"orpererweiterung}  
In dieser Terminologie geben die vorhergehenden "Uberlegungen 
einen "Uberblick "uber die primitiven Erweiterungen eines gegebenen
K"orpers: Bis auf den Funktionenk"orper sind das genau die Faktorringe des
Polynomrings nach irreduziblen Polynomen. Dabei  k"onnen 
allerdings verschiedene\label{pKEE}  
normierte irreduzible Polynome durchaus zu \glqq derselben\grqq\  
primitiven K"orpererweiterung f"uhren -- und was hier genau mit
\glqq derselben\grqq\  K"orpererweiterung gemeint ist, wird
im weiteren noch ausf"uhrlich diskutiert werden m"ussen.
\end{Bemerkungl}





\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Alle Elemente von $\DQ(\sqrt[3]{2})$ lassen sich eindeutig schreiben in der Form
$a+b\sqrt[3]{2}+c(\sqrt[3]{2})^2 $  mit $a,b,c\in \DQ$. 
Man schreibe das Inverse von $7+\sqrt[3]{2}$ in dieser Form.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Gegeben eine K"orpererweiterung $L/K$ und ein Element $a\in L$, das
  algebraisch ist "uber $K$, zeige man, da"s das Minimalpolynom 
$\op{Irr}(a;K)$ bis auf ein Vorzeichen mit
dem charakteristischen Polynom nach 
\eref{carPf}{LA1} des durch Multiplikation mit $a$ gegebenen
Endomorphismus des $K$-Vektorraums $K(a)$ zusammenf"allt.
Hinweis: Cayley-Hamilton.  
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man bestimme das Minimalpolynom der komplexen Zahl  $1+\op{i}$
"uber $\DR$.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Zeigen Sie, da"s das Minimalpolynom von $\sqrt[3]{2}$ "uber $\DQ$
in $\DQ(\sqrt[3]{2})$ nicht in Linearfaktoren zerf"allt.
Zeigen Sie, da"s f"ur jede Einheitswurzel $\zeta$ 
das Minimalpolynom von $\zeta$ "uber $\DQ$
in $\DQ(\zeta)$ in Linearfaktoren zerf"allt.
Zeigen Sie, da"s f"ur $\zeta$ eine nichttriviale dritte 
Einheitswurzel und $K=\DQ(\zeta)$ das Minimalpolynom 
von $\sqrt[3]{2}$ "uber $K$
in $K(\sqrt[3]{2})$ in Linearfaktoren zerf"allt.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}\label{UEC}
Sei $K \supset \Bbb{C}$ eine K"orpererweiterung von $\Bbb{C}$.
Gilt $K \neq \Bbb{C}$, so kann der $\Bbb{C}$-Vektorraum $K$ nicht
von einer abz"ahlbaren Teilmenge erzeugt werden, als da hei"st, 
 $K$ hat \glqq "uberabz"ahlbare Dimension\grqq\  "uber $\Bbb{C}$.
Hinweis:  $\DC$
ist algebraisch abgeschlossen nach \eref{FA}{AN1} und abz"ahlbar viele gebrochen rationale Funktionen aus
$\Bbb{C} (X)$ k"onnen nur abz"ahlbar viele Polstellen haben.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{JHG}
  Seien $ R\supset K$ ein Kring mit einem Teilring, der sogar
ein K"orper ist. Genau ist $\alpha\in R$ Nullstelle eines 
von Null verschiedenen Polynoms $P\in K[X]$, wenn
$K[\alpha]$ endlichdimensional ist als $K$-Vektorraum.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{JHGb}
  Seien $R\supset K$ ein Kring mit einem Teilring, der sogar
ein K"orper ist. Ist
$R$ endlichdimensional als $K$-Vektorraum und ein Integrit"atsring,
so ist $R$ auch selbst bereits ein K"orper.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}\label{Algt} 
  Sei $K$ ein K"orper und $K(X)$ der Funktionenk"orper "uber $K$.
So sind die Elemente von $K$ die einzigen Elemente von $K(X)$, die
algebraisch sind "uber $K$. 
\end{Ubung}
\subsection{Endliche K"orpererweiterungen} 
\begin{Definition}
Gegeben eine K"orpererweiterung $L/K$ ist der
Oberk"orper $L$ in nat"urlicher Weise
ein Vektorraum "uber dem Unterk"orper $K$. Die Dimension
von $L$ als $K$-Vektorraum notieren wir
$$[L : K] \pdef \dim_{K} L \in \DN \cup \{\infty\}$$
und nennen sie den 
{\bf Grad der K"orpererweiterung}.\index{Grad!einer K"orpererweiterung}
Eine K"orpererweiterung von endlichem Grad hei"st eine
{\bf endliche K"orpererweiterung}.\index{endlich!K"orpererweiterung} 
\index{K"orpererweiterung!endliche}
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Jede endliche K"orpererweiterung ist k"or\-per\-end\-lich im Sinne unserer Definition
\ref{koee}, aber das Umgekehrte gilt nicht. 
Wenn wir einmal Moduln "uber Ringen eingef"uhrt haben,
werden wir unsere endlichen K"orpererweiterungen manchmal auch 
ausf"uhrlicher {\bf modulendlich}\index{modulendlich} nennen, um
diesen Unterschied zu betonen. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Grad einer primitiven K"orpererweiterung}] 
Ist $L/K$ eine K"orpererweiterung und $\alpha\in L$ algebraisch "uber $K$,
so stimmt nach dem letzten Teil des Satzes \ref{Irr} "uber das 
Minimalpolynom der Grad $[K(\al) : K]$ der von $\alpha$ erzeugten
K"orpererweiterung "uberein mit dem Grad $\op{grad} (\op{Irr} (\al,K))$ 
des Minimalpolynoms von $\alpha$  "uber $K$.
Daher r"uhrt wohl auch die Begriffsbildung des \glqq Grades einer 
K"orpererweiterung\grqq. 
Wir vereinbaren f"ur diese Zahl die abk"urzende Bezeichnung 
$$\op{grad}_K(\alpha)\pdef\op{grad} (\op{Irr} (\al,K))=[K(\al) : K]$$ 
 und nennen sie den {\bf Grad von $\al$ "uber $K$}\index{Grad!von Element
    in K"orpererweiterung}.\index{grad@$\op{grad}_K(\alpha)$
Grad von $\al$ "uber $K$}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
  Man kann sich fragen, warum man f"ur den Grad einer
  K"orpereweiterung $L/K$ zus"atzlich zu $\op{dim}_K L$ noch 
eine eigene Notation einf"uhren sollte. Meine 
Antwort auf diese Frage w"are, da"s in
der Notation $\op{dim}_K L$ der K"orper $K$ unten im
Index steht und dadurch weniger wichtig erscheint
und schlecht selbst mit Indizes versehen werden kann. Diese
Notation ist deshalb nur f"ur das Arbeiten "uber einem festen K"orper $K$
praktisch. Im Zusammenhang der K"orpertheorie aber 
sind alle auftretenden
K"orper
gleicherma"sen Hauptdarsteller, und in derartigen Situationen 
ist eine Notation wie
$[L : K]$ geschickter.
\end{Bemerkunge}
\begin{Beispiele}
Es gilt $[\DQ (\sqrt{2}): \DQ] =2$, $[\Bbb{C} : \DR] = 2$, $[\DR : \DQ] =
\infty$.
\end{Beispiele}




\begin{Beispiel}
Jede endliche K"orpererweiterung $L/K$ eines algebraisch
abgeschlossenen K"orpers ist trivial, als da hei"st,
es gilt
$L=K$. In der Tat mu"s das Minimalpolynom jedes Elements von
$L$ den Grad Eins haben. Eine andere Formulierung  
eines sehr "ahnlichen Arguments war "Ubung \eref{JUI}{LA1}.
\end{Beispiel}

\begin{Proposition}\label{ae}
Sei $L/K$ eine K"orpererweiterung. F"ur $\al \in L$ sind
gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item
Das Element $\al$ ist algebraisch "uber $K$;
\item
$[K(\al):K] < \infty$;
\item
Es gibt einen Zwischenk"orper $K\subset L' \subset L$ mit $
[L^{\prime}:K] < \infty$ und $\al \in L^{\prime}$.
\end{enumerate}
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
$1 \Rightarrow 2$ folgt unmittelbar aus \ref{Irr}.
Die Implikation $ 2 \Rightarrow 3$ ist offensichtlich.
Aber falls gilt $\dim_{K}
L^{\prime} < \infty$, k"onnen die Potenzen $\al^{\nu}$ von $\al$ f"ur $\nu =
0,1,2, \ldots$
nicht $K$-linear unabh"angig sein, also $3 \Rightarrow 1$.
\end{proof}
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
%%%%%%%%%%%% *Q
\begin{Definition}
  Eine K"orpererweiterung vom Grad $2$ hei"st eine {\bf quadratische
    K"orpererweiterung}.
  \index{K"orpererweiterung!quadratische}
\index{quadratisch!K"orpererweiterung}
\end{Definition}

\begin{Proposition}[\textbf{Quadratische K"orpererweiterungen}]
  In Charakteristik $\neq 2$
  sind f"ur eine K"or\-per\-er\-wei\-te\-rung\label{QK} $L/K$
gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item
$L/K$ ist eine quadratische K"orpererweiterung, in Formeln
$[L:K] =2$.
\item
$L$ entsteht aus $K$ durch Adjunktion einer Quadratwurzel, in
Formeln $L = K (\al)$ f"ur ein $\al \in L \backslash K$ mit $\al^{2} \in
K$.
\end{enumerate}
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
2 $\Rightarrow$ 1 ist klar.
F"ur die andere Richtung 1 $ \Rightarrow$ 2 beachte man, da"s
jedes $\beta \in L \backslash K$ ja notwendig ein Minimalpolynom $P(X) =
X^{2} + aX +b$ vom Grad zwei hat. Schreiben wir das um zu $P(X) =
(X + \frac{a}{2})^{2} + (b - \frac{a^{2}}{4})$, so finden wir
$(\beta + \frac{a}{2})^{2} = \frac{a^{2}}{4} - b$ und das gesuchte
$\al$ ist $\al = \beta +\frac{a}{2}$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungw}
Wir werden in \ref{KeK} 
sehen, da"s auch der K"orper $\Bbb{F}_2$ eine Erweiterung
vom Grad $2$ besitzt. Diese Erweiterung entsteht jedoch sicher nicht
durch Adjunktion einer Quadratwurzel, da jedes Element von $\Bbb{F}_2$
seine eigene Quadratwurzel ist.
\end{Bemerkungw}


\begin{Satz}[\textbf{Turmregel}\index{Turmregel}]
Gegeben K"orper $M \supset L \supset K$ alias ein  \emph{\bf K"orperturm}\index{K"orperturm} gilt\label{et} $$[M : K] = [M : L] [L : K]$$ 
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
  Wir betrachten nur den endlichen Fall,
  die anderen F"alle mag sich der Leser selbst "uberlegen.
Sei $m_1,\ldots ,m_r$ eine Basis von $M$ "uber $L$ und $l_1,\ldots,l_s$
eine Basis von $L$ "uber $K$.
Wir behaupten, da"s dann die Produkte $l_i m_j$ eine Basis von $M$
"uber $K$ bilden. Nat"urlich sind sie ein Erzeugendensystem.
Gilt andererseits $\sum_{i,j}k_{ij}l_i m_j=0$ mit $k_{ij}\in K$,
so folgt zun"achst $\sum_{i}k_{ij}l_i=0$ f"ur alle $j$ aufgrund der
linearen Unabh"angigkeit der $m_j$ "uber $L$ und dann
$k_{ij}=0$ f"ur alle $i,j$ aufgrund der
linearen Unabh"angigkeit der $l_i$ "uber $K$.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Grade von Elementen in K"orpererweiterungen}] 
Gegeben eine endliche K"orpererweiterung
ist jedes Element des Oberk"orpers algebraisch "uber
dem Unterk"orper und sein Grad  "uber dem Unterk"orper teilt den Grad
 unserer K"or\-per\-erweiterung.\label{KG}
\end{Korollar}

\begin{proof}[Beweis]
Sei $L/K$ unsere K"orpererweiterung und $\al \in L$ unser Element.
Die Kette $L\supset K(\al)\supset K$ zeigt
$[L:K]=[L:K(\al)][K(\al):K]$ mit der Turmregel
  \ref{et}.
\end{proof}

\begin{Beispiel} 
Es gilt $\sqrt{2} \not\in \DQ (\sqrt[3]{2})$. In der Tat sind nach
\ref{IPo} die Polynome $X^{2}-2$ und $X^{3}-2$ irreduzibel in $\DQ
[X]$, nach \ref{MipI} sind sie also
bereits die Minimalpolynome von
$\sqrt{2}$ beziehungsweise $\sqrt[3]{2}$ und
folglich hat $\sqrt{2}$ den Grad $2$ "uber $\DQ$ und $\sqrt[3]{2}$
den Grad $3$. Die Annahme $\sqrt{2} \in \DQ (\sqrt[3]{2})$
impliziert aber $\DQ (\sqrt[3]{2})\supset \DQ (\sqrt{2})\supset \DQ$
und so mit der Turmregel $[\DQ (\sqrt[3]{2}):\DQ (\sqrt{2})]\cdot 2=3$, 
 Widerspruch.
\end{Beispiel}

\begin{Korollar}
  Seien $L/K$ eine K"orpererweiterung 
  und $\alpha_1,\ldots,\alpha_n\in L$ algebraisch "uber $K$.
  So ist $K(\alpha_1,\ldots,\alpha_n)$ endlich "uber $K$
  und insbesondere sind alle Elemente dieser K"orpererweiterung auch
  algebraisch "uber $K$.\label{AlA} 
\end{Korollar}
\begin{proof}
  Im K"orperturm $K\subset K(\alpha_1)\subset K(\alpha_1,\alpha_2)\subset
  \ldots\subset K(\alpha_1,\ldots,\alpha_n)$ sind alle Schritte endliche
  K"orpererweiterungen. Nach der Turmregel
  \ref{et} ist also auch die ganze Erweiterung
  endlich.
\end{proof}


\subsubsection*{"Ubungen}




\begin{Ubunge}
Ist $\sqrt{2}+\sqrt{3}$ algebraisch "uber $\DQ$?
Wenn ja, was 
  ist sein Minimalpolynom "uber $\DQ$?
Liegt $\sqrt{2}$ in $\DQ(\sqrt{2}+\sqrt{3})?$
\end{Ubunge}



\begin{Ubunge}
Sei $K$ ein K"orper und seien $P, Q\in K[X]$ irreduzibel mit $\op{grad} P$ und 
$\op{grad} Q$
  teilerfremd.  Sei $L=K(\alpha)$ eine K\"orpererweiterung 
von $K$, wobei
  $\alpha\in L$ eine Nullstelle von $P$ ist.  
Dann ist $Q$ auch irreduzibel in
  $L[X]$. 
Hinweis: W"are sonst $\beta$ Nullstelle eines irreduziblen
Faktors von $Q$
in $L[X]$, so h"atte
 $K(\alpha,\beta)$ zu kleinen Grad "uber $K$,
 denn es umfa"st $K(\alpha)$ und $K(\beta)$.
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}
Die durch den Funktionenk"orper $K(X)$ "uber einem vorgegebenen K"orper
$K$ gegebene K"orpererweiterung $K(X)/K$  ist stets k"orperendlich, aber
nie endlich. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{KOII} 
Man zeige f"ur jede K"orpererweiterung $L/K$, da"s ihr
Grad "ubereinstimmt mit dem Grad der auf den Funktionenk"orpern induzierten
Erweiterung, in Formeln $[L:K]=[L(X):K(X)]$. Hinweis: Man ziehe sich auf
den Fall primitiver Erweiterungen zur"uck und verwende \ref{Ipou} und
\ref{Algt}. 
\end{Ubung}





\subsection{Notationen f"ur Erzeugung**}
\begin{Bemerkungl}\label{NfE}
Im  folgenden sollen die folgenden Konventionen  befolgt werden:
  \begin{description}
  \item[$|\;\rangle$] Unsymmetrische Klammern\index{)5>@$\mid\;\rangle$ 
Erzeugung als Monoid}
     verwenden wir, um {\bf Erzeugung als Monoid} anzudeuten,
    manchmal in der Form $|\;\;;\top\rangle$ im Fall der Verkn"upfung $\top$;
  \item[$\langle\;\rangle$] Spitze Klammern\index{)5>@$\langle\;\rangle$ 
Erzeugung als Gruppe oder
      Modul} verwenden wir, um {\bf Erzeugung als Modul} oder
    {\bf Erzeugung als Gruppe} anzudeuten, manchmal in der Form
    $\langle\;\rangle_k$ im Fall von Moduln "uber einem Ring $k$;
  \item[${[\;]}$] Eckige Klammern  verwenden wir,\index{)5]@$[\;]$
      Erzeugung als Kring} um {\bf Erzeugung als Kring} anzudeuten,
  allgemeiner auch Erzeugung als Ring "uber einem
nicht notwendig kommutativen Ring, aber mit paarweise kommutierenden
Erzeugern;
\item[$\lfloor\;\rfloor$] Oben offene eckige Klammern  
verwenden wir, um {\bf Erzeugung als Ring} anzudeuten, insbesondere
  im Fall von nicht kommutierenden Erzeugern;\index{)5floor@$\lfloor\;\rfloor$
      Erzeugung als Ring}
  \item[$(\;)$] Runde Klammern \index{)5)@$(\;)$ Erzeugung als K"orper} 
 verwenden wir, um {\bf Erzeugung als K"orper} anzudeuten;
\item[$|_!\;\rangle, \langle_!\;\rangle, {[_!\;  ]} ,\lfloor_!\;\rfloor,
 (_!\;) $]
Steht\index{)0b@$(_{~!}\;)$ Mengenanzeiger} 
zwischen den Klammern nur ein Symbol und meint dies Symbol
eine Menge von Erzeugern und nicht einen einzigen Erzeuger, so kann das
aber mu"s nicht durch ein Ausrufezeichen  unten an der er"offnenden Klammer
  angezeigt werden, den {\bf Mengenanzeiger};\index{Mengenanzeiger} 
\item[$|'\;\rangle, \langle'\;\rangle,  {['\;   ]}, \lfloor'\;\rfloor$] 
Freies Erzeugen\index{)0d@$ {['\;   ]},\langle'\;\rangle,\ldots$ Freiheitsstrichlein} 
als Monoid oder Modul oder Kring oder Kringerweiterung kann aber mu"s nicht
  durch ein kleines {\bf Freiheits\-strichlein}\index{Freiheitsstrichlein}
 oben an der er"offnenden Klammer
  angezeigt werden;
\item[$('\;)$] 
Im Fall einer K"orpererweiterung  
meint das {\bf Freiheits\-strichlein},
da"s zwischen den Klammer algebraisch unabh"angige Erzeuger stehen.
\end{description}
\end{Bemerkungl}
  \begin{Beispiele}
 Wir schreiben 
$k['x_1,\ldots,x_n]=k[ x_1,\ldots,x_n]$ f"ur Polynomring "uber $k$ in den
Variablen $x_1,\ldots,x_n$.  Der freie  $k$-Vektorraum
 "uber einer Menge $X$ aus \eref{kX}{LA1} kann bezeichnet werden  mit
$k\langle'_! X\rangle=k\langle X\rangle=kX$.
Ist ein $k$-Vektorraum $M$ bereits gegeben und $X\subset M$ eine Teilmenge, so
schreiben wir $\langle_! X\rangle_k= \langle X\rangle_k
=\langle kX\rangle\subset M$ f"ur den von
$X$ erzeugten Untervektorraum. Wir k"urzen $\langle \{x_1,\ldots,x_n\}\rangle_k
=\langle x_1,\ldots,x_n\rangle_k=k\langle x_1,\ldots,x_n\rangle$ ab und lassen
$k$ ganz weg, wenn wir hoffen, da"s es aus dem Kontext hervorgeht oder wenn
die Erzeugung als Untergruppe gemeint ist.  Allerdings setzen wir nur dann ein
Freiheitsstrichlein, wenn die Erzeuger linear unabh"angig sind. 
 Sind weiter
$ R\supset k$ ein Kring mit einem Teilring
 und sind $x_1,\ldots, x_n$ Elemente von
$R$, so notieren wir $k[x_1,\ldots,x_n]\subset R$ den von den $x_i$ "uber $k$
in $R$ erzeugten Teilring und erlauben uns das Freiheitsstrichlein nur, wenn
die Erzeuger "uber $k$ algebraisch unabh"angig sind. 
\end{Beispiele}

 %  \begin{Beispiele}
%     Mit der Notation $\cal{C}{^\uparrow}X$ aus \eref{FrO}{TF} schreiben wir
%     also
% $$k\op{-Mod}{^\uparrow} \{ x_1,\ldots,x_n\}
% =k\langle'x_1,\ldots,x_n\rangle=k\langle x_1,\ldots,x_n\rangle$$ f"ur den
% freien $k$-Modul mit Erzeugern $x_1,\ldots,x_n$ und
% $$\op{Kring}^{k}{^\uparrow}  \{ x_1,\ldots,x_n\}
% =k['x_1,\ldots,x_n]=k[ x_1,\ldots,x_n]$$ f"ur Polynomring "uber $k$ in den
% Variablen $x_1,\ldots,x_n.$ Bezeichnet weiter $\op{K"orper}^k$ die Kategorie
% aller K"orpererweiterungen eines gegebenen K"orpers $k,$ so schreiben wir
% $$\op{K"orper}^{k}{^\uparrow}\{ x_1,\ldots ,x_n\}=k('x_1,\ldots ,x_n)
% =k(x_1,\ldots ,x_n)$$ f"ur den Funktionenk"orper "uber $k$ in den algebraisch
% unabh"angigen Ver"anderlichen $x_1,\ldots ,x_n$.  Steht nur ein Symbol
% zwischen den Erzeugungsklammern, so gilt es aus dem Kontext zu erschlie"sen,
% ob dies Symbol f"ur einen einzigen Erzeuger steht oder vielmehr f"ur eine
% Menge von Erzeugern. Letzteres kann, mu"s aber nicht durch ein Ausrufezeichen
% unten an der er"offnenden Klammer angezeigt werden.  F"ur den freien $k$-Modul
% "uber einer Menge $X$ benutzen wir meist noch k"urzer die Notation $kX,$ so
% da"s er also bezeichnet werden kann mit
% $$k\op{-Mod}{^\uparrow} X=k\langle'_! X\rangle=k\langle X\rangle=kX$$
% Ist ein $k$-Modul $M$ bereits gegeben und $X\subset M$ eine Teilmenge, so
% schreiben wir $\langle_! X\rangle_k= \langle X\rangle_k\subset M$ f"ur den von
% $X$ erzeugten Untermodul, k"urzen $\langle \{x_1,\ldots,x_n\}\rangle_k
% =\langle x_1,\ldots,x_n\rangle_k=k\langle x_1,\ldots,x_n\rangle$ ab und lassen
% $k$ ganz weg, wenn wir hoffen, da"s es aus dem Kontext hervorgeht oder wenn
% Erzeugung "uber $\DZ$ gemeint ist.  Allerdings setzen wir nur dann ein
% Freiheitsstrichlein, wenn die Erzeuger linear unabh"angig sind.  Ist weiter
% $R\in \op{Kring}^k$ bereits gegeben und sind $x_1,\ldots, x_n$ Elemente von
% $R,$ so notieren wir $k[x_1,\ldots,x_n]\subset R$ den von den $x_i$ "uber $k$
% in $R$ erzeugten Teilring und erlauben uns das Freiheitsstrichlein nur, wenn
% die Erzeuger "uber $k$ algebraisch unabh"angig sind.  Bei der Erzeugung als
% K"orper verwenden wir analoge Notationen.
% \end{Beispiele}

\subsection{Konstruktionen mit Zirkel und Lineal}
\begin{Definition}
Sei $E \subset \Bbb{C}$ eine Teilmenge der komplexen Zahlenebene.
\begin{enumerate}
\item
Eine reelle affine Gerade durch zwei verschiedene Punkte von $E$ hei"st eine
\glqq aus $E$ elementar konstruierbare Gerade\grqq;
\item
Ein Kreis durch einen Punkt von $E$ mit Mittelpunkt in einem
anderen Punkt von $E$ hei"st ein \glqq aus $E$ elementar konstruierbarer Kreis\grqq\ ;
\item
Alle aus $E$ elementar konstruierbaren Geraden und 
Kreise fassen wir zusammen unter dem Oberbegriff
der \glqq aus $E$ elementar konstruierbaren Figuren\grqq;
\item
Ein Punkt $z \in \Bbb{C}$ hei"st {\bf elementar konstruierbar aus $E$},
 wenn er im Schnitt von zwei verschiedenen aus $E$ elementar
konstruierbaren Figuren liegt.
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Satz}[\defnoind{Konstruierbarkeit und quadratische Erweiterungen}\index{Konstruierbarkeit}]
Die folgenden beiden Teilmengen $K$ und $Q$ von $\Bbb{C}$ stimmen 
"uberein:\label{Kons}
\begin{enumerate}
\item
Die kleinste Teilmenge $K \subset \Bbb{C}$, die $0$ und $1$
enth"alt und stabil ist unter elementaren Konstruktionen, also 
die Eigenschaft hat, da"s jede aus $K$ elementar konstruierbare 
komplexe Zahl wieder in $K$ liegt.
Wir nennen die Elemente von $K$   die
\emph{\bf konstruierbaren Zahlen};\index{konstruierbare Zahlen}
\item
Die kleinste Teilmenge $Q\subset \Bbb{C}$, die sowohl ein
Teilk"orper ist als auch stabil unter
dem Bilden von Quadratwurzeln.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Als allererstes und eigentlich noch vor
der Formulierung des Satzes sollten wir uns hier "uberlegen, 
da"s es solche kleinsten Teilmengen "uberhaupt gibt. Das ist aber
klar: Wir k"onnen jeweils den Schnitt aller 
Teilmengen mit besagter Eigenschaft nehmen, und 
der hat  wieder besagte Eigenschaft.
\end{Bemerkungl}




\begin{proof}[Beweis]
  Wir beginnen mit der Inklusion $Q\subset K$.
  Dazu reicht es zu zeigen, da"s die Menge $K\subset \DC$
  der konstruierbaren Zahlen
  ein Teilk"orper ist und stabil unter dem Bilden von Quadratwurzeln.
Zun"achst beachten wir, da"s f"ur $a \in \Bbb{C}^{\times}$ 
gleichbedeutend
sind:
\begin{enumerate}
\item
$a$ liegt in $K$;
\item
$|a|$ und $\frac{a}{|a|}$ liegen in $K$;
\item
$\op{Re} (a)$ und $\op{Im} (a)$ liegen in $K$.
\end{enumerate}
Die "Aquivalenz $(1\IFF 2)$ ist offensichtlich.
F"ur die "Aquivalenz $(1\IFF 3)$ gilt es, Lote durch vorgegebene Punkte
auf Geraden durch zwei vorgegebene Punkte
zu konstruieren, was auch nicht schwer ist.
Weiter ist $K$ stabil unter Addition, denn mit Loten k"onnen wir auch Parallelen
zu konstruierten Geraden durch konstruierte Punkte konstruieren.
Um die Stabilit"at unter Multiplikation und Inversenbildung zu
zeigen, bemerken wir zun"achst, da"s es unproblematisch ist,
Punkte auf dem Einheitskreis
mithilfe von Zirkel und Lineal zu invertieren und zu
multiplizieren. Da"s das auch f"ur reelle Zahlen
m"oglich ist, zeigen die nebenstehenden Abbildungen.
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/GP}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Zur Konstruktion von Produkten  reeller Zahlen
mit Zirkel und Lineal
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/GI}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Zur Konstruktion von  Inversen reeller Zahlen
mit Zirkel und Lineal
\end{minipage}
\end{figure}
Also ist $K $ ein Teilk"orper von $\Bbb{C}$.
Nun zeigen wir, da"s er   stabil ist unter dem Bilden von Quadratwurzeln.
In der Tat  ist klar, wie wir die Wurzeln von Punkten auf dem Einheitskreis
mit Zirkel und Lineal bestimmen k"onnen, und da"s das
Wurzelziehen mit Zirkel und Lineal  aus einer
positiven reellen Zahl m"oglich ist, zeigt das nebenstehende Bild,
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/QW}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Zur Konstruktion der Wurzel aus einer positiven reellen Zahl mit Zirkel und Lineal
\end{minipage}
\end{figure}
in dem ja gilt $(h^{2} +a^{2}) + (h^{2}+1^{2}) =(a+1)^{2}$, also $h^{2}
=a$.
Mithin ist $K \subset \Bbb{C}$ ein Teilk"orper, der stabil ist unter
dem Bilden von Quadratwurzeln, und wir haben $Q\subset K$ gezeigt.
Wir zeigen nun umgekehrt $K\subset Q$. Daf"ur m"ussen wir nur zeigen, da"s
$Q$ stabil ist unter elementaren Konstruktionen.
Sicher ist $Q$ stabil unter der komplexen
Konjugation, denn mit $Q$ ist auch $Q\cap \bar{Q}$ ein 
unter dem Bilden von Quadratwurzeln stabiler Unterk"orper 
von $\DC$.
Eine komplexe Zahl $z$ geh"ort folglich zu $Q$ genau dann,
wenn ihr Real- und Imagin"arteil zu $Q$ geh"oren.
Mit $z= x+{\op{i}}y$ werden unsere aus $Q$ elementar konstruierbaren Figuren
nun aber beschrieben durch Gleichungen der Gestalt
$$\begin{array}{ccl}
(x-a)^{2} + (y-b)^{2}& =& c\\
ax + by & =& c
\end{array}$$
f"ur geeignete $a,b, c \in Q \cap \DR$, und simultane
L"osungen zweier verschiedener derartiger Gleichungen
sind in der Tat L"osungen von linearen oder quadratischen
Gleichungen mit Koeffizienten aus $Q$, ja sogar aus $Q \cap \DR$.
Im kompliziertesten Fall des Schnitts zweier Kreise bildet man hierzu
zun"achst die Differenz beider Gleichungen und erh"alt so eine
lineare Gleichung in $x$ und $y$, die man anschlie"send nach einer Variable
aufl"ost und in eine der Kreisgleichungen einsetzt. 
Das zeigt, da"s $Q\subset \Bbb{C}$ stabil ist
unter elementaren Konstruktionen.
Da auch $0$ und $1$ zu $Q$ geh"oren, folgt $K\subset Q$.
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Notwendige Bedingung f"ur Konstruierbarkeit}] 
Jede konstruierbare Zahl ist algebraisch 
und ihr Grad "uber $\DQ$ ist eine Zweierpotenz.\label{ZP} 
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungw}
 Das Umgekehrte gilt nicht. Es gibt durchaus algebraische komplexe Zahlen,
deren Grad "uber $\DQ$ eine Zweierpotenz ist, die aber keineswegs 
konstruierbar sind. Ein hinreichendes und notwendiges Kriterium
lernen Sie in \ref{HNKo} kennen: Eine  komplexe Zahl
ist konstruierbar genau dann, wenn sie algebraisch ist und
der Grad des Zerf"allungsk"orpers ihres
Minimalpolynoms als K"orpererweiterung von $\DQ$ eine Zweierpotenz
ist.
\end{Bemerkungw}

\begin{proof}[Beweis]
Es scheint mir offensichtlich, da"s $Q$ auch beschrieben werden kann als
die Vereinigung aller Teilk"orper von $\DC$ der Gestalt
$\DQ(\alpha_1,\alpha_2,\ldots,\alpha_r)$ f"ur Folgen 
$\alpha_1,\alpha_2,\ldots,\alpha_r$ komplexer Zahlen mit der Eigenschaft
$\alpha_i^2\in \DQ(\alpha_1,\alpha_2,\ldots,\alpha_{i-1})$ f"ur alle $i$. In der
Tat ist die Vereinigung aller derartigen Teilk"orper  offensichtlich selbst
ein
Teilk"orper von $\DC$ und damit sicher der Kleinste unter dem Ziehen von
Quadratwurzeln stabile Teilk"orper von $\DC$.
Sei nun $z$ unsere konstruierbare Zahl.
Nach dem Satz gibt es eine Kette von K"orpererweiterungen
$$\DQ=K_0\subset K_1\subset\ldots\subset K_r$$
mit $[K_i:K_{i-1}]=2$ und $z\in K_r$. Es folgt
$[K_r:\DQ]=2^r$ und   der Grad von $z$ "uber $\DQ$ 
ist nach \ref{KG} ein Teiler von
$[K_r:\DQ]$. 
\end{proof}



\begin{Korollar}[\textbf{Klassische unl"osbare Konstruktionsaufgaben}] 
\begin{enumerate}
\item
Das regelm"a"sige Siebeneck ist nicht konstruierbar mit Zirkel und
Lineal;
\item
Die Seitenl"ange eines W"urfels mit Volumen Zwei ist nicht
konstruierbar mit Zirkel und Lineal;
\item
Es gibt keine Konstruktion mit Zirkel und Lineal, die es erlaubt,
einen beliebig vorgegebenen Winkel zu dritteln.
\end{enumerate}
\end{Korollar}
\begin{Bemerkunge}
Wir werden in \ref{KRN} allgemeiner zeigen, da"s sich f"ur $n\geq 3$
das regelm"a"sige
$n$-Eck mit Zirkel und Lineal konstruieren l"a"st genau dann, 
wenn die Anzahl 
$\varphi(n)=|\{a\mid 1\leq a\leq n, \; \langle a,n\rangle=1\}|$ 
der zu $n$ teilerfremden Zahlen unter $n$ eine
Zweierpotenz ist. Zum Beispiel
 ist das regelm"a"sige Dreieck konstruierbar, aber nicht das
regelm"a"sige Neuneck. Das hei"st, da"s der Winkel $2\pi/3$ nicht
mit Zirkel und Lineal gedrittelt werden  kann.
Hier geben wir f"ur diese beiden
Aussagen schon mal direkte Argumente.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkunge}
Die Griechen scheinen in der hellenistischen Hochkultur Konstruktionen mit
Zirkel und Lineal auf Papyrus in derselben Weise eingesetzt zu haben, wie bei
uns bis etwa 1960 Rechenschieber, dann Taschenrechner, und mittlerweile
Laptops eingesetzt wurden
und werden: Als unverzichtbare Hilfsmittel des Ingenieurs. Das Ziehen von
Kubikwurzeln etwa  war wichtig, um gem"a"s der Formel eines 
gewissen  Philon die
Dicke des Spannseils einer Wurfmaschine so zu berechnen, 
da"s sie ein vorgegebenes
Gewicht "uber eine vorgegebene Entfernung schleuderte. 
Mehr dazu findet man
in \cite{Russo} in Abschnitt 2.3 und zu Ende des Abschnitts 4.3.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkunge}
Die Frage der {\bf W"urfelverdopplung},\index{W"urfelverdopplung}   
also die Frage, mit Zirkel und Lineal aus einer gegebenen Strecke eine
weitere Strecke zu konstruieren derart, da"s das L"angenverh"altnis 
der beiden Strecken gerade $\sqrt[3]{2}$ ist, hei"st das
{\bf Deli'sche Problem}.\index{Deli'sches Problem}
Diese Bezeichnung geht auf eine Geschichte zur"uck, 
nach der das Orakel in Delphi den Deliern aufgab,
zur Abwehr einer Pest den w"urfelf"ormigen Altar ihres Tempels zu
verdoppeln. 
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
  1. Nach der Bestimmung des siebten Kreisteilungspolynoms in
  \ref{EKP} und der Gleichheit \ref{MipI} vom Grad einer primitiven K"orpererweiterung und dem Grad des Minimalpolynoms eines jeden Erzeugers 
hat $\exp (2\pi {\op{i}}/7)$ den Grad $6$ "uber
$\DQ$ und ist nach \ref{ZP} nicht konstruierbar, denn $6$
ist keine Potenz von $2$.
\\[2mm]\noindent
2. Nach \ref{MipI} hat die gesuchte L"ange $\sqrt[3]{2}$ als algebraische Zahl
den Grad $3$ "uber 
$\DQ$ und ist nach \ref{ZP} nicht konstruierbar,
denn $3$ ist keine Potenz von $2$.
\\[2mm]\noindent
3.
Sicher gilt $\exp (2\pi {\op{i}}/3) \in K$. Es reicht,
$\exp (2\pi {\op{i}}/ 9 ) \not\in K$ zu zeigen.
Sicher ist $\exp (2\pi {\op{i}}/9)=\zeta$ eine Nullstelle des Polynoms $X^{9}
-1$. Nat"urlich zerf"allt dieses Polynom in
$$X^{9} -1 = (X^{3}-1)(X^{6} + X^{3} +1)$$
und $\zeta$ ist Nullstelle des zweiten Faktors,
unseres neunten Kreisteilungspolynom
aus \ref{KTP}. Es reicht zu zeigen,
da"s dieses Polynom irreduzibel ist "uber $\DQ$,
denn dann hat $\zeta$ den Grad
$6$ "uber $\DQ$ und kann nach \ref{ZP} nicht konstruierbar sein.
In \ref{GKT}  werden wir zeigen, da"s alle
Kreisteilungspolynome irreduzibel sind. Hier basteln wir
nur ein schnelles Argument f"ur unseren speziellen Fall zusammen,
vergleiche auch \ref{NKTT}.
In $\Bbb{F}_{3}[X]$ gilt sicher $(X^{9}-1) =(X-1)^{9}$ und $(X^{3}-1) =
(X-1)^{3}$ und folglich $X^{6} + X^{3} +1 = (X-1)^{6}$.
Substituieren wir in $X^{6} + X^{3} +1$ nun $X = Y +1$, so
erhalten wir in $\Bbb{F}_{3} [Y]$ also das Polynom $Y^{6}$.
Gehen wir wieder "uber zu $\DQ [Y]$, so hat $(Y+1)^{6} + (Y+1)^{3} +1$
den konstanten Term $3$. Damit k"onnen wir aus dem
Eisenstein-Kriterium \ref{EisK} folgern, da"s unser Polynom irreduzibel ist.
\\[2mm]\noindent
3. Als Variante mag man den Winkel $\vartheta$ mit $\cos\vartheta =3/4$
betrachten. Beide zugeh"origen Punkte $z$
auf dem Einheitskreis sind konstruierbar.
Aus der Eulerformel folgt leicht
$\cos 3\alpha= 4\cos^3\alpha-3\cos\alpha$. Die reelle Zahl
$x\pdef \cos(\vartheta/3)$
l"ost mithin die kubische Gleichung $3/4= 4x^3-3x$ und ist nach Eisenstein
Nullstelle eines irreduziblen rationalen Polynoms von Grad $3$.
Also ist sie nicht konstruierbar und
der zugeh"orige Punkt $w$ auf dem Einheitskreis mit $w^3=z$ ist auch nicht
konstruierbar. Das zeigt, da"s der Winkel $\vartheta$
nicht mit Zirkel und Lineal dreigeteilt werden kann. 
\end{proof}
\begin{Satz}[\defnoind{Konstruierbarkeit, Variante}\index{Konstruierbarkeit}]
Gegeben eine Teilmenge $A\subset \DC$\label{KonsA}
stimmen die folgenden beiden Teilmengen $K_A$ und $Q_A$ von $\Bbb{C}$ "uberein:
\begin{enumerate}
\item
Die kleinste Teilmenge $K_A \subset \Bbb{C}$, die $0$ und $1$
enth"alt und $A$ umfa"st und stabil ist unter elementaren Konstruktionen;
\item
  Die kleinste Teilmenge $Q_A\subset \Bbb{C}$, die ein Teilk"orper ist
  und  $A$ sowie $\bar{A}$ 
umfa"st und 
stabil ist unter
dem Bilden von Quadratwurzeln.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine Teilmenge $A\subset \DC$ 
 nennen wir die Elemente der Menge $K_A$  aus \ref{KonsA}
die {\bf aus $A$ konstruierbaren
    Zahlen}.\index{konstruierbare Zahlen!aus Teilmenge}
Der Beweis unserer Variante ist vollst"andig  analog zum Beweis 
von \ref{Kons} und bleibe dem Leser "uberlassen. 
Durch Anwendung auf die einelementige Menge $A=\{a\}$ und Beachtung 
der Formel 
$a\bar a=1$ f"ur Punkte auf dem Einheitskreis  
 erkennt man daraus, da"s
ein Winkel genau dann mit Zirkel und Lineal gedrittelt werden kann,
wenn f"ur den zugeh"origen Punkt $a$ auf dem Einheitskreis das Polynom
$X^3-a$ "uber $\DQ(a)$ nicht irreduzibel ist alias eine
Nullstelle hat. Zum Beispiel lassen sich $360^\circ$ und $180^\circ$
mit Zirkel und Lineal dritteln,  denn
$X^3-1$  und  $X^3+1$ haben rationale Nullstellen.
Ebenso l"a"st sich $135^\circ=3\times 45^\circ$ mit Zirkel und Lineal dritteln,
denn f"ur die primitive achte Einheitswurzel 
$a=(\op{i}-1)/\sqrt{2}$ ist $a^3$ eine Nullstelle von  $X^3-a$. 
Andererseits l"a"st sich ein durch einen tranzendenten Punkt
$a$ auf dem Einheitskreis gegebener Winkel nie mit Zirkel und Lineal dritteln,
denn im Funktionenk"orper $\DQ(X)\cong\DQ(a)$ besitzt die Variable $X$ 
offensichtlich keine
dritte Wurzel.  
\end{Bemerkungl}
\subsection{Endliche K"orper}
\begin{Satz}[\textbf{Klassifikation  
endlicher K"orper}]
Die Kardinalit"at\index{endliche K"orper} 
eines endlichen K"orpers\label{KeK} ist stets eine
echte Primzahlpotenz und zu jeder echten Primzahlpotenz gibt es 
bis auf nichteindeutigen
Isomorphismus genau einen endlichen K"orper mit dieser 
Kardinalit"at. In Formelsprache liefert die Kardinalit"at also eine
Bijektion $$\begin{array}{ccc}
\left\{ \text{endliche K"orper} \right\}_{/\cong}
 & \sira &
\{\text{echte Primzahlpotenzen}\}
\end{array}$$
\end{Satz}


\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine echte Primzahlpotenz $q$ notiert man \glqq den\grqq\ 
K"orper mit $q$ Elementen meist $\Bbb{F}_{q}$. Ich wei"s nicht,
ob $\Bbb{F}$  in diesem Zusammenhang 
f"ur \glqq finite\grqq\  oder f"ur \glqq field\grqq, die englische
Bezeichnung f"ur K"orper, steht. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}
Man kann zeigen, da"s jeder endliche Schiefk"orper schon ein
K"orper ist, siehe zum Beispiel \cite{BNT}, I, \S 1.
\end{Bemerkungw}


\begin{proof}[Beweis]
Ein endlicher K"orper $\Bbb{F}$ hat notwendig eine positive Charakteristik
$p = \op{char} \Bbb{F}>0$. Nach \ref{Char} ist diese Charakteristik
$p$ eine Primzahl und wir haben
eine
Einbettung $\Bbb{F}_{p} \hra \Bbb{F}$. Damit wird $\Bbb{F}$  ein
endlichdimensionaler $\Bbb{F}_{p}$-Vektorraum. F"ur $r=\dim_{\Bbb{F}_{p}}
\Bbb{F}=[\Bbb{F}:\Bbb{F}_p]$ gilt dann offensichtlich $|\Bbb{F}| = p^{r}$.
Das zeigt, da"s die Kardinalit"at eines endlichen K"orpers stets
eine Primzahlpotenz ist. Es gibt keine K"orper mit nur einem Element,
also liefert die Kardinalit"at schon mal eine Abbildung wie behauptet.
Es gilt nun noch zu zeigen, da"s sie injektiv und surjektiv ist. 
An dieser Stelle unterbrechen wir  den Beweis durch einen Satz und zwei Lemmata,
um die n"otigen Hilfsmittel bereitzustellen.
\end{proof}

\begin{Satz}[\defnoind{Zerf"allung von Polynomen in
K"orpererweiterungen}]
Gegeben ein K"orper $K$ \label{ZPK} und  ein von Null verschiedenes 
Polynom $P \in K[X]$
gibt es eine endliche K"orpererweiterung $L$ von $K$ derart, da"s $P$
als Element von $L[X]$ in Linearfaktoren zerf"allt.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
  Das folgt mit Induktion aus dem anschlie"senden
  Lemma \ref{AdNs} zur Adjunktion von Nullstellen.
 \end{proof}

\begin{Bemerkungw}
  Nat"urlich folgt obiger Satz auch unmittelbar aus der Existenz eines
algebraischen Abschlusses \ref{AaA}. Diese Argumentation ist jedoch
zumindest im Rahmen der hier gegebenen Darstellung 
unzul"assig, da unser Satz selbst einen wesentlichen  Baustein beim Beweis der
Existenz algebraischer Abschl"usse darstellt. Zumindest um 
das folgende Lemma
kommt meines Wissens kein Beweis f"ur die
Existenz algebraischer Abschl"usse herum.
\end{Bemerkungw}
\begin{Lemma}[\textbf{Adjunktion von Nullstellen}]
  Gegeben ein K"orper  $K$ und  ein nichtkonstantes Polynom
  $P \in K[X]\backslash K$ gibt
 es stets einen\label{AdNs} K"orperhomomorphismus $i:K\ra L$
derart, da"s
unter der von $i$ auf den Polynomringen 
induzierten Abbildung $ i_{[X]}:K[X]\ra L[X]$
 sein Bild $i_{[X]}(P)$  
 eine Nullstelle in $L$ hat. 
\end{Lemma}





\begin{Bemerkungl} Ich erinnere daran, da"s  nach \eref{RHKI}{LA1}
  jeder K"orperhomomorphismus
injektiv ist.
Die Adjunktion von Quadratwurzeln haben Sie
m"oglicherweise bereits sozusagen
zu Fu"s als "Ubung \eref{KK2}{GR} ausgearbeitet, um die komplexen Zahlen
aus den reellen Zahlen zu gewinnen. Das Verfahren aus dem Beweis unseres 
Lemmas wird in manchen Quellen als die {\bf Kronecker-Konstruktion}
bezeichnet.\index{Kronecker-Konstruktion} Es ist eine gute "Ubung,  im Fall
der Adjunktion einer Quadratwurzel einen expliziten Isomorphismus
zwischen der hier konstruierten und der in \eref{KK2}{GR} 
beschriebenen  K"orpererweiterung anzugeben.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Sei ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $P$ irreduzibel
in $K[X]$. 
Dann ist $L \pdef K [X]/\langle P\rangle$ als Faktorring eines Hauptidealrings nach einem irreduziblen Element 
ein K"orper, vergleiche \ref{Ubb}.
Wir notieren $\bar{Q}\in L=K [X]/\langle P\rangle$ die Nebenklasse eines Polynoms
 $Q\in K [X]$. Jetzt
betrachten wir den offensichtlichen K"orperhomomorphismus
$$i : K \rightarrow L = K [X]/\langle P\rangle$$
mit $i(a)=\bar{a}$ der Nebenklasse des konstanten Polynoms $a$ 
und behaupten, da"s die Nebenklasse $\bar{X} \in L$ von $X\in
K [X]$ eine Nullstelle des Polynoms $i_{[X]}(P)\in L[X]$ ist. 
In der Tat finden wir f"ur unser Polynom
$P = a_{n} X^{n} + \ldots + a_1 X+ a_{0}$ mit Koeffizienten $a_{\nu} \in K$
erst $i_{[X]}(P)=\bar{a}_{n} {{X}}^{n} + \ldots +\bar{a}_{1}{{X}}+
\bar{a}_{0}$ und dann
\begin{displaymath}
  \begin{array}[b]{lllllll}
(i_{[X]}(P)) (\bar{X}) 
&=& \bar{a}_{n} {\bar{X}}^{n} + \ldots +\bar{a}_{1}{\bar{X}}+
    \bar{a}_{0}&&&&\\[2mm]
    &=& \overline{a_{n}X^{n}+\ldots +a_1 X+ a_{0}}&=&\bar P&=&0
  \end{array}
 \qedhere
\end{displaymath}
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ein K"orper $K$ und ein Polynom $P\in K[X]$ und eine
K"orpererweiterung $K\subset L$ und eine Nullstelle $\alpha\in L$ 
unseres Polynoms $P$ sagen wir auch, der K"orper $K(\alpha)\subset L$
entstehe aus $K$ durch {\bf Adjunktion einer Nullstelle von $P$}. 
\index{Adjunktion!einer Nullstelle} 
Ist 
    $P\in K[X]$ irreduzibel, so
induziert das Einsetzen von $\alpha$ f"ur $X$ einen K"orperisomorphismus
$$K [X]/\langle P\rangle\sira K(\alpha)$$
In diesem Sinne darf man also auch an die linke Seite denken,
wenn von der \glqq Adjunktion einer Nullstelle eines Polynoms zu einem
K"orper\grqq\  die Rede ist, sofern besagtes Polynom irreduzibel ist. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  In $\mathbb F_5$ sind $0$ und $\pm 1$ die einzigen Quadrate.
Wir erhalten also einen K"orper $\mathbb F_{25}$ mit $25$ Elementen, indem wir
zu $\mathbb F_5$ eine Wurzel aus $2$ adjungieren, und k"onnen alle
Elemente dieses K"orpers dann eindeutig schreiben in der Form
$a+b\sqrt{2}$ mit $a,b\in \mathbb F_5$. 
\end{Beispiel}

\begin{Lemma}\label{ZFke}
Seien $p$ eine Primzahl, $q=p^r$ mit $r\geq 1$ eine echte Potenz von $p$ 
und
$L$ ein K"orper der Charakteristik $p$. 
Zerf"allt das Polynom $X^{q} -X$ "uber dem K"orper $L$
vollst"andig in Linearfaktoren,
so bilden die Nullstellen unseres Polynoms in $L$ einen
Unterk"orper  der Kardinalit"at $q$.
\end{Lemma}
\begin{proof}
Nach \eref{Frob}{LA1} ist die Abbildung $F: L \ra L$, $a\mapsto a^q$
ein K"orperhomomorphismus, eben unser Frobeniushomomorphismus.
Ist $L$ endlich, so mu"s er ein K"orperautomorphismus sein. Die Nullstellen
unseres Polynoms sind nun genau die
Fixpunkte dieses K"orperautomorphismus,
und als Fixpunkte eines K"orperautomorphismus bilden sie damit
einen Unterk"orper $\Bbb{F}$ von $L$. 
Um zu zeigen, da"s dieser Unterk"orper
$\Bbb{F}$ genau $q$ Elemente hat, m"ussen wir nachweisen, da"s 
das Polynom $X^q-X$ nur einfache Nullstellen hat.
Ist aber $a$ eine Nullstelle, so gilt im Polynomring
$\Bbb{F}_p[X]$ die Gleichheit
$X^q-X=(X-a)^q-(X-a)=\left((X-a)^{q-1}-1\right)(X-a)$. Also ist jede Nullstelle 
unseres Polynoms einfach.  
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis von \ref{KeK}, Fortsetzung]
Jetzt k"onnen  wir zeigen, da"s es zu jeder echten
Potenz $q$ einer Primzahl $p$ auch tats"achlich einen K"orper mit genau $q$
Elementen gibt. 
Wir finden ja nach \ref{ZPK} eine
K"orpererweiterung $L$ von $\Bbb{F}_p$, in der
das Polynom $X^{q} -X \in \Bbb{F}_{p} [X]$
vollst"andig in Linearfaktoren zerf"allt,
und nach \ref{ZFke} bilden die Nullstellen dieses Polynoms  in
$L$ dann einen Unterk"orper der Kardinalit"at $q$.
Schlie"slich m"ussen wir, um unsere Klassifikation
der endlichen K"orper abzuschlie"sen,   
noch zeigen, da"s je zwei endliche K"orper 
derselben Kardinalit"at isomorph sind. 
% Wir st"utzen uns dabei auf die Erkenntnis \ref{MZ}, da"s
% die multiplikative Gruppe $\Bbb{F}^{\times}$ 
% eines endlichen K"orpers $\Bbb{F}$
% stets zyklisch ist.
Ist 
$\Bbb{F}$ ein endlicher K"orper mit $|\Bbb{F}|=q =p^{r}$ Elementen, so
gilt $a^{q-1} =1$ f"ur alle $a \in \Bbb{F}^{\times}$ nach \eref{GOL}{LA2}, also
haben wir
$a^{q} -a=0$ f"ur alle $a \in \Bbb{F}$. Insbesondere sind die Minimalpolynome
der Elemente von $\Bbb{F}$ "uber $\Bbb{F}_p$ genau die 
$\Bbb{F}_p$-irreduziblen Faktoren
des Polynoms $X^{q} -X \in \Bbb{F}_{p} [X]$.
Die Erzeuger der K"orpererweiterung $ \Bbb{F}$  sind damit
 genau die Nullstellen
der $\Bbb{F}_p$-irreduziblen Faktoren $P$
vom Grad $r$ unseres Polynoms $X^{q} -X$.
Da nach \eref{MZ}{LA2} die multiplikative Gruppe
eines endlichen K"orpers zyklisch ist, gibt es solche Erzeuger  und damit auch
solche Faktoren und mit \ref{Irr} folgt 
$$\Bbb{F}\cong \Bbb{F}_p[X]/\langle P\rangle $$
f"ur einen und jeden 
$\Bbb{F}_p$-irreduziblen Faktor $P$ 
vom Grad $r$ des Polynoms $X^q-X$. 
Das zeigt, da"s ein endlicher K"orper durch die Zahl seiner Elemente
bis auf Isomorphismus eindeutig bestimmt ist. Das Argument
zeigt nebenbei bemerkt
auch, wie man in endlichen K"orpern explizit rechnen
kann.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Teile dieses Beweises lassen sich mithilfe der allgemeinen Theorie, sobald
wir sie einmal entwickelt haben, 
auch schneller erledigen: Die Eindeutigkeit erh"alt man
aus dem Satz \ref{EZK} "uber die Eindeutigkeit von Zerf"allungsk"orpern.
Die Existenz folgt wie oben daraus, da"s $X^q-X$ keine mehrfachen Nullstellen
hat, aber das kann man nach \ref{VN} auch
daraus folgern, da"s die Ableitung dieses Polynoms
keine Nullstellen hat.
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Unterk"orper endlicher K"orper}]
Gegeben ein endlicher K"orper $ F$ liefert die Kardinalit"at eine
Bijektion\label{EEK} 
$$\begin{array}{ccc}
\{ \text{Unterk"orper } K\subset F\}
 & \sira &
\{q\in\DN\mid\exists d\in\DN\text{ mit }q^d=| F|\}\\[2mm]
K&\mapsto&|K|
\end{array}$$
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Gegeben zwei endliche K"orper l"a"st sich insbesondere der eine in den anderen
einbetten genau dann, wenn die Kardinalit"at des einen
eine Potenz der Kardinalit"at des anderen ist.
Mit den Methoden der Galois-Theorie  werden wir dies Resultat 
in \ref{EKGa} sehr viel m"uheloser einsehen k"onnen als im folgenden Beweis.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur den Grad $d=[F:K]$ unserer K"orpererweiterung  gilt 
sicher $|F| = |K|^{d}$, also liefert die Kardinalit"at jedenfalls
eine Abbildung zwischen den im Satz beschriebenen Mengen.
Weiter mu"s unser Unterk"orper $K$, wenn es ihn denn gibt, genau aus den
$(|K|-1)$-ten Einheitswurzeln von $F$ mitsamt der Null bestehen. Das
zeigt die Injektivit"at unserer Abbildung.
F"ur den Nachweis ihrer Surjektivit"at
"uberlegen wir uns zun"achst, da"s es in $\mathbb F_{q^d}$ stets genau $(q-1)$
Elemente der Ordnung $q-1$ gibt. Das ist klar, da $\mathbb F_{q^d}^\times$
eine zyklische Gruppe der Ordnung $q^d-1$ ist und da gilt $(q-1)|(q^d-1)$,
genauer  $(q-1)(q^{d-1}+q^{d-2}+\ldots+q+1)=(q^d-1)$. 
Also gibt es in $\mathbb F_{q^d}$ genau $q$ L"osungen der Gleichung $X^q-X$
und nach \ref{ZFke}
bilden diese einen 
Unterk"orper von $\Bbb{F}_{q^{d}}$ mit $q$ Elementen.
\end{proof}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Ein endlicher K"orper kann nie algebraisch abgeschlossen sein.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Geben Sie einen K"orperisomorphismus $\mathbb F_5(\sqrt{2})\sira \mathbb F_5(\sqrt{3})$ an als $\mathbb F_5$-lineare Abbildung in Bezug auf die Basen
  $1,\sqrt{2}$ links und $1,\sqrt{3}$ rechts. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}[\textbf{Partialbruchzerlegung}] 
Ist $k$ ein K"orper, so wird
eine $k$-Basis des Funktionenk"orpers $k(X)$ gebildet\label{pbzz} 
von erstens den $(X^n)_{n\geq 1}$ mitsamt zweitens den 
$$(X^dP^{-n})_{n\geq 1,\; \op{grad}P>d\geq 0}$$ f"ur $P\in k[X]$ normiert 
und irreduzibel % und $0\leq d<\op{grad}P$ 
zuz"uglich drittens der $1$ aus $k(X)$. F"ur den Fall $k$ algebraisch
abgeschlossen  vergleiche
man \eref{PBZ}{LA1}. Sonst ziehe man sich f"ur den Beweis der linearen
Unabh"angigkeit mit \ref{ZPK} auf den Fall von in
Linearfaktoren zerfallenden Nennern zur"uck. 
%Hierbei mag \ref{KEPP} helfen. ????????????
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
  Man bestimme die Partialbruchzerlegung, also die Darstellung in der
Basis aus \ref{pbzz},  von $(1+x^4)^{-1}$  in
$\DR(X)$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s es im Polynomring "uber einem endlichen K"orper
irreduzible Polynome von jedem positiven Grad gibt. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Geben Sie  Verkn"upfungstafeln f"ur die Addition
und die Multiplikation eines K"orpers
mit vier Elementen an. 
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s gegeben eine Primzahl $p$ und $r\geq 1$ 
  das Produkt der irreduziblen normierten Polynome in $\mathbb F_p[X]$,
  deren Grad $r$ teilt, gerade $X^{q}-X$ ist f"ur $q\pdef p^r$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s es gegeben eine Primzahl $p>2$ und $r\geq 1$ 
  stets einen endlichen K"orper der Charakteristik $p$ gibt,
  dessen multiplikative Gruppe ein Element der Ordnung $2^r$ hat.
\end{Ubung}
\subsection{Zerf"allungsk"orper}

\begin{Definition}
Seien $K$ ein K"orper und $P\in K[X]\backslash 0$ ein von
Null verschiedenes Polynom.
Unter einem \defnoind{minimalen 
Zerf"allungsk"orper}\index{minimaler Zerf"allungsk"orper} oder k"urzer
{\bf Zerf"allungsk"orper\index{Zerf"allungsk"orper!eines Polynoms} 
von $P$} verstehen
wir eine K"orpererweiterung
$M/K$ derart, da"s (1) das Polynom $P$ in $M [X]$ vollst"andig
in Linearfaktoren zerf"allt und da"s (2) der K"orper $M$ "uber
$K$ erzeugt wird von den Nullstellen von $P$.
Mit einem Zerf"allungsk"orper meint man also eigentlich eine
 K"orpererweiterung und sollte deshalb besser von einer 
{\bf Zerf"allungserweiterung}\index{Zerf"allungserweiterung!eines Polynoms} 
reden, aber das tut kein Mensch.
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl} F"ur den Extremfall eines konstanten von Null
  verschiedenen Polynoms vereinbaren wir explizit, die Eigenschaft des
  \glqq Zerfallens in Linearfaktoren\grqq\ als erf"ullt anzusehen. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Existenz und Eindeutigkeit von Zerf"allungsk"orpern}]
Seien $K$ ein K"orper und $P\in K[X]\backslash 0$ ein von
Null verschiedenes Polynom. So existieren 
Zerf"allungsk"orper von $P$, und 
sind $M/K$ und $M'/K$ zwei Zerf"allungsk"orper von $P$,\label{EZK} 
so gibt es einen K"orperisomorphismus $M\sira M'$, der auf $K$
die Identit"at induziert.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis der Existenz]
Die Existenz eines Zerf"allungsk"orpers 
folgt leicht aus Satz \ref{ZPK},
nach dem es f"ur jedes Polynom eine K"orpererweiterung gibt, in der es
in Linearfaktoren zerf"allt: Wir m"ussen darin dann nur noch den von besagten
Nullstellen erzeugten Teilk"orper betrachten.
Die Eindeutigkeit zeigen wir erst nach den Beweis von \ref{FSS}.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Fragen
      der Eindeutigkeit und Terminologie}]
Da ein Zerf"allungsk"orper f"ur ein
Polynom damit in gewisser Weise eindeutig ist,
spricht man auch oft von \emph{dem} Zerf"allungsk"orper eines
Polynoms. Das ist jedoch auch wieder  irref"uhrend:
Im allgemeinen gibt es n"amlich zwischen zwei
Zerf"allungsk"orpern $M,M'$ desselben Polynoms durchaus verschiedene
Isomorphismen $M \sira M^{\prime}$,
und das auch dann noch, wenn wir die naheliegende
Forderung stellen, da"s unsere Isomorphismen auf $K$ die Identit"at induzieren
sollen.
Zerf"allungsk"orper eines 
vorgegebenen Polynoms sind in diesem Sinne
\glqq wohlbestimmt bis auf nicht eindeutigen Isomorphismus\grqq.
Sie sollten bereits einige Strukturen kennen, die wohlbestimmt 
sind bis auf nicht eindeutigen Isomorphismus: Mengen mit zwei Elementen,
Gruppen mit drei Elementen, eindimensionale Vektorr"aume "uber einem
gegebenen K"orper, etc.  Beispiele f"ur Strukturen, die wohlbestimmt 
sind bis auf  eindeutigen Isomorphismus, w"aren dahingegen:
Mengen mit einem Element, Gruppen mit zwei Elementen, 
der Ring der ganzen Zahlen, der K"orper der rationalen Zahlen, 
der K"orper der reellen Zahlen.
Eigentlich br"auchte man eben zum Schreiben "uber Mathematik au"ser dem
bestimmten und dem unbestimmten Artikel noch ein Zwischending f"ur
\glqq wohlbestimmt bis auf nicht eindeutigen Isomorphismus\grqq, aber 
es w"are wohl vermessen, die deutsche Grammatik dahingehend
erweitern zu wollen. Wir sind mit unseren beiden Arten von Artikeln verglichen 
etwa mit dem Russischen sogar schon gut bedient. 
Sie werden das merken, sobald Sie
mathematische Artikel lesen, die aus dieser Sprache "ubersetzt sind: 
Oft sind dann in der "Ubersetzung ohne Verstand
bestimmte oder unbestimmte Artikel  gew"ahlt worden, was 
man dann beim Lesen erst im Geiste korrigieren mu"s, damit sich ein sinnvoller
Text ergibt.
Um diese Ph"anomene 
der \glqq Wohlbestimmtheit bis auf nicht eindeutigen Isomorphismus\grqq\ 
im vorliegenden Fall
begrifflich zu fassen, f"uhren wir 
zun"achst einmal eine geeignete Terminologie ein.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{HHKE}
Sei $K$ ein Kring. Unter einem {\bf $K$-Kring}\index{Kring@$K$-Kring|main} 
verstehen wir
ein Paar $(L,i)$ bestehend aus einem Kring $L$ und einem
Ringhomomorphismus $i:K\ra L$.
Ist $(M,j)$ ein weiterer
$K$-Kring, so verstehen wir unter einem 
{\bf Homomorphismus von $K$-Kringen}\index{Homomorphismus!von $K$-Kringen}
$L\ra M$ einen
Kringhomomorphismus ${\varphi}:L\ra M$
mit ${\varphi}\circ i=j$. 
Alternativ sprechen wir auch von einem \defnoind{Homomorphismus
"uber $K$}.\index{Homomorphismus!"uber Grundring} 
Die Menge aller solchen Homomorphismen
notieren wir\index{Kring@$\op{Kring}^{K}$}
$$\op{Kring}^{K}(L,M)$$
Einen bijektiven Ringhomomorphismus "uber $K$  nennen wir
auch einen \defnoind{Isomorphismus von $K$-Kringen}
oder einen \defnoind{Isomorphismus 
  "uber $K$}.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
  Satz \eref{EiP}{LA1} "uber das Einsetzen in Polynome kann in dieser 
Terminologie dahingehend formuliert werden,
da"s f"ur jeden Kring $K$ und jeden $K$-Kring $(R,i)$ das Auswerten
$\varphi\mapsto \varphi(X)$ bei $X$ eine
Bijektion\label{EinHj} 
$$\op{Kring}^K(K[X],R)\;\sira \; R$$
liefert. Die Umkehrabbildung ordnet  jedem Element $b\in R$ den
durch das Einsetzen von $b$ %nach \eref{EiPv}{LA1}
erkl"arten Ringhomomorphismus 
$K[X]\ra R$ zu. Dasselbe gilt allgemeiner f"ur jede $K$-Ringalgebra $R$.
\end{Beispiel}
  \begin{Definition}\label{KEnn}
    Ist $K$ ein K"orper, so bezeichnen wir   einen $K$-Kring, der seinerseits ein K"orper ist, auch als eine
    {\bf K"orpererweiterung von $K$}.
    Das hatten wir bereits in \ref{KEAH} angedeutet.
  Wenn
  wir pedantisch sein wollen, sprechen wir  von einer
  \glqq K"orpererweiterung im
      verallgemeinerten Sinne\grqq.\index{K"orpererweiterung!im verallgemeinerten Sinne} Unsere Homomorphismen und Isomorphismen von
    $K$-Kringen nennen wir in diesem Kontext {\bf Homomorphismen} beziehungsweise  {\bf
      Isomorphismen von K"orpererweiterungen}.\index{Homomorphismus!von
  K"orpererweiterungen}\index{Isomorphismus!von K"orpererweiterungen} Fassen wir
    $i:K\hra L$ auf als die Einbettung eines Unterk"orpers $K\subset L$ und ist
    $j:K\ra M$ ein weiterer K"orperhomomorphismus, so nennen wir einen
    K"orperhomomorphismus $L\ra M$ "uber $K$ auch eine \defind{Ausdehnung} von
    $j$ auf $L$ und benutzen Notationen wie zum Beispiel $\tilde{\jmath}:L\ra
    M$.
\end{Definition}

  \begin{Bemerkunge}[\textbf{Terminologische Kompatibilit"aten}]
    Wir erinnern daran, da"s wir in \eref{RAlg}{LA2}
    eine  $K$-Kringalgebra erkl"art hatten als einen $K$-Vektorraum $A$ mit
    einer $K$-bilinearen Abbildung $A\times A\ra A$ derart, da"s
    $(A,+)$ mit dieser Abbildung als Multiplikation eine Kring ist.
Gegeben ein K"orper $K$ wird jeder  $K$-Kring $(A,i)$ im Sinne der
vorhergehenden
Definition \ref{HHKE} 
eine $K$-Kringalgebra in diesem Sinne, wenn wir die abelsche Gruppe $(A,+)$
durch die Abbildung $K\times A\ra A, (\lambda,a)\mapsto i(\lambda)a$ zu einem
$K$-Vektorraum machen. 
Jede  $K$-Kring\-al\-ge\-bra $A$ wird 
umgekehrt durch den einzigen Homomorphismus $K\ra A$ von $K$-Kring\-al\-ge\-bren
zu einem  $K$-Kring. Diese beiden Konzepte sind also
"aquivalent.
\end{Bemerkunge}

\begin{Proposition}[\textbf{Ausdehnungen auf primitive Erweiterungen}] 
Gegeben eine K"orpererweiterung  $j:K\hra
M$ und eine primitive algebraische
Erweiterung $K(\al)$ von   $K$\label{AuuD}
 liefert
das Auswerten an $\al$ eine Bijektion
$$\begin{array}{rcl}\op{Kring}^{\!K}(K(\al),M)&\sira& \{\beta\in M\mid
\op{Irr} (\al,K)(\beta)=0\}\\
\varphi\;\;\;\;&\mapsto&\;\;\;\;\varphi(\al)\end{array}$$
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
In Worten werden also die Ausdehnungen
von $j:K\hra M$ zu einer Einbettung ${\tilde{\jmath}}:K (\al) \hookrightarrow M$
parametrisiert durch die Nullstellen in $M$
des Minimalpolynoms von $\al$ "uber $K$.
In der Formulierung dieser Proposition
haben wir beim Auswerten des Polynoms $ \op{Irr} (\al,K)\in K[X]$ auf
$\beta\in M$ stillschweigend die Elemente von $K$ 
mit ihren Bildern in $M$ unter $j$ identifiziert,
in der Notation aus \eref{EiPv}{LA1} ist also
$\op{Irr} (\al,K)(\beta)\pdef {\op{E}}_{j,\beta}(\op{Irr} (\al,K))$ gemeint. 
Die Proposition gilt unver"andert und mit demselben Beweis
 f"ur jeden $K$-Kring $M$,
ja f"ur jede $K$-Ringalgebra $M$.
\end{Bemerkungl}





\begin{Beispiel} Wir haben im Fall $K=\DQ$, $M=\DC$, $\alpha=\op{i}$ 
etwa
  $$\begin{array}{rcl}\op{Kring}^{\!\DQ}(\DQ(\op{i}),\DC)
&\sira& \{\beta\in \DC\mid
\beta^2+1=0\}\\
\varphi\;\;\;\;&\mapsto&\;\;\;\;\varphi(\op{i})\end{array}$$
\end{Beispiel}

\begin{proof}[Beweis]
  Wir setzen $P\pdef \op{Irr}(\al,K)$ und etablieren der Reihe nach die Bijektionen
  \begin{displaymath}\begin{array}{lll ll}
\op{Kring}^K(K[X],M)&\sira
  & M  &\;\;\;\;\varphi\mapsto \varphi(X)\\[1mm]
  \op{Kring}^K(K[X]/\langle P\rangle,M)&\sira
  & \{\beta\in M\mid P(\beta)=0\}&\;\;\;\;\varphi\mapsto \varphi(\bar X)\\[1mm]
    \op{Kring}^K(K(\alpha),M)&\sira
  & \{\beta\in M\mid P(\beta)=0\}&\;\;\;\;\varphi\mapsto \varphi(\alpha)
    \end{array}
\end{displaymath}
  Die erste Bijektion  gilt f"ur jeden Kring $K$ und jeden
  $K$-Kring $M$ und wurde eben in \ref{EinHj} wiederholt.
  Die zweite Bijektion gilt f"ur jeden Kring $K$ und jeden
  $K$-Kring $M$ und jedes Polynom $P\in K[X]$ und
  folgt aus der universellen Eigenschaft des Faktorrings, da
  f"ur $\varphi$ gegeben durch  $\varphi(X)=\beta$ die Bedingung 
  $\varphi(P)=0$ gleichbedeutend ist zu $P(\beta)=0$. 
  Die dritte Bijektion folgt, da unter den Annahmen der Proposition
  das Einsetzen von $\alpha$ einen Isomorphismus 
$ K [X]/\langle P\rangle
\sira K (\alpha) $ induziert.
\end{proof}


\begin{Proposition}[\defind{Ausdehnen bei zerfallenden Minimalpolynomen}]
  Seien  $M/K$ sowie $L/K$  K"orpererweiterungen\label{FSS}
  und seien $\alpha_1,\ldots, \alpha_n\in L$ algebraisch "uber $K$ derart, da"s alle ihre
Minimalpolynome
$\op{Irr}(\al_i,K)$ in $M[X]$ vollst"andig in Linearfaktoren zerfallen.
So la"st sich der K"orperhomomorphismus $K\ra M$ zu einem K"orperhomomorphismus $K(\al_1,\ldots,\al_n)\ra M$ ausdehnen wie angedeutet durch den gestrichelten
Pfeil im Diagramm 
%\begin{displaymath}
%\xymatrix{
% K \ar[r]\ar[d]&K(\al_1,\ldots,\al_n)\ar@{-->}[dl]\\
% M&
%}
%\end{displaymath}
\begin{displaymath}
\xymatrix{L&\\
 K(\al_1,\ldots,\al_n)\ar[u] \ar@{-->}[r]&M\\
 K\ar[u]\ar[ur]&
}
\end{displaymath}
\end{Proposition}

\begin{proof}[Beweis]
  Das folgt induktiv aus dem  Ausdehnen 
  aus primitive Erweiterungen \ref{AuuD}, wenn wir wissen,
  da"s das Minimalpolynom 
  $\op{Irr}(\alpha_1;K)$ in $M$ eine Nullstelle $\beta_1\in M$ hat und
  $\op{Irr}(\alpha_2;K(\alpha_1))$ in $M$ eine Nullstelle $\beta_2\in M$ und 
  $\op{Irr}(\alpha_3;K(\alpha_1,\alpha_2))$ in $M$
  eine Nullstelle $\beta_3\in M$
  et cetera. Weil aber alle diese Minimalpolynome Teiler der jeweiligen
  Minimalpolynome $\op{Irr}(\alpha_\rho;K)$ sind, folgt das aus unserer Annahme
  des vollst"andigen Zerfallens aller dieser Polynome in $M[X]$. 
\end{proof}

\begin{Bemerkunge} Die Proposition gilt genauso f"ur eine beliebige
  Familie $(\alpha_i)_{i\in I}$ von Elementen von $L$ oder, einfacher
  gesagt, eine beliebige Teilmenge  $A\subset L$ von $L$ bestehend
  aus Elementen mit
  zerfallenden Minimalpolynomen. In dieser Allgemeinheit
  findet man mit dem Zorn'schen Lemma unter allen Paaren $(B,\varphi)$
  mit $B\subset A$ und $\varphi\in \op{Kring}^K(K(B),M)$ und der
  offensichtlichen Teilordnung auf der Menge dieser Paare
  ein maximales Paar und zeigt mit
  dem Ausdehnen auf primitive Erweiterungen, da"s f"ur maximales Paar 
  bereits $B=A$ gelten mu"s.\label{ADZM} 
\end{Bemerkunge}
  

\begin{proof}[Beweis der Eindeutigkeit von Zerf"allungsk"orpern \ref{EZK}]
  Seien $K$ ein K"orper und
  $K\hra M$ und $K\hra M'$ Zerf"allungsk"orper desselben Polynoms
  $P\in K[X]$, also $M=K(\alpha_1,\ldots,\alpha_n)$
  f"ur die Nullstellen $\alpha_i$
  einer Faktorisierung von $P$ in Linearfaktoren und analog f"ur $M'$.
  Proposition \ref{FSS} "uber das Ausdehnen bei zerfallenden Minimalpolynomen 
 liefert uns  Injektionen
$M\hra M'$ und $M'\hra M$ "uber $K$.
Da  beide Seiten endlichdimensionale Vektorr"aume sind
"uber $K$ und da unsere Injektionen beide $K$-linear sind,
m"ussen sie beide Isomorphismen sein.
\end{proof}



% \begin{Satz}[\textbf{Maximalzahl von Ausdehnungen}]%\label{ZF}
% Ist  $L/K$ eine endliche K"or\-per\-erweiterung und $j : K
% \hookrightarrow M$ eine Einbettung von $K$ in einen weiteren K"orper $M$,
% so gibt es h"ochstens $[L:K]$ Fortsetzungen unserer Einbettung $j$ zu einer
% Einbettung $\tilde{\jmath} : L \hookrightarrow M$, in Formeln\label{ZFK} 
% $$|\op{Ring}^{\!K}(L,M)|\leq [L:K]$$
% \end{Satz}

\begin{Satz}[\textbf{Maximalzahl von Ausdehnungen}]%\label{ZF}
Gegeben eine K"orpererweiterung ist die Zahl der Ausdehnungen
auf den Erweiterungsk"orper  
eines Homomorphismus des Grundk"orpers in irgendeinen weiteren K"orper
beschr"ankt durch den Grad unserer K"orpererweiterung.
Ist also in Formeln $L/K$ eine endliche K"or\-per\-erweiterung und $j : K
\hookrightarrow M$ ein K"orperhomomorphismus,
so gilt\label{ZFK} 
$$|\op{Kring}^{\!K}(L,M)|\leq [L:K]$$
\end{Satz}
\begin{proof}[Erster Beweis]
Gibt es einen Zwischenk"orper $L^{\prime}$ mit
$K \subset  L^{\prime}  \subset L$ aber $K \neq  L^{\prime}  \neq L$,
so folgt der Satz mit vollst"andiger Induktion "uber den Grad
unserer K"orpererweiterung.
Sonst gilt $L= K(\al)$ f"ur ein $\al \in L$, und die
Erweiterungen von $j$ zu einer Einbettung von $K(\al)$ in $M$
werden nach \ref{AuuD} parametrisiert durch die Nullstellen in $M$
des Minimalpolynoms von $\al$ "uber $K$.
Dieses Polynom hat aber den Grad $[K(\al):K]$ und
h"ochstens ebensoviele Nullstellen in $M$.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
Seien $\sigma_1,\ldots,  \sigma_r$ paarweise verschiedene $K$-lineare 
K"orperhomomorphismen $L\ra M$.
Nach Satz \ref{LUC} 
"uber die lineare Unabh"angigkeit von Charakteren, den wir im Anschlu"s beweisen, sind
sie linear unabh"angig im $M$-Vektorraum $\op{Ens}_K(L^\times, M)$ und
a forteriori im $M$-Vektorraum $\op{Hom}_K(L, M)$.
Gegeben eine $K$-Basis $B\subset L$ von $L$ bleiben ihre Restriktionen offensichtlich 
linear unabh"angig im $M$-Vektorraum $\op{Ens}(B, M)$   und es
folgt $r\leq |B|$.
\end{proof}


\begin{Satz}[\textbf{Lineare Unabh"angigkeit von Charakteren}]
Die Menge aller Homomorphismen von einer Gruppe\label{LUC} 
in die multiplikative Gruppe eines
K"orpers ist stets linear unabh"angig im Vektorraum aller Abbildungen
von besagter Gruppe in besagten K"orper.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Dasselbe gilt mit demselben Beweis allgemeiner  auch f"ur 
die Menge aller Homomorphismen von einem Monoid 
in die multiplikative Gruppe eines
K"orpers.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
Bezeichnen wir unsere Gruppe mit $G$ und unserem K"orper mit $M$, so
behaupten wir in Formeln, da"s $\op{Grp} (G,M^{\times})$ eine 
linear unabh"angige Teilmenge
des $M$-Vektorraums $\op{Ens}(G,M)$ ist. Sei in der Tat sonst
$$a_{1}\chi_{1} + a_{2}\chi_{2} + \ldots + a_{n}\chi_{n}=0$$
eine nichttriviale lineare Relation  k"urzestm"oglicher L"ange
mit $a_i\in M$ und $\chi_i:G\ra M^\times$ 
paarweise verschiedenen Gruppenhomomorphismen.
Wegen $\chi (1) =1$ f"ur alle Charaktere $\chi$ haben wir notwendig $n\geq 2$.
Wegen $\chi_{1} \neq \chi_{2}$ finden wir $g \in G$ 
mit $\chi_{1} (g) \neq \chi_{2}
(g)$.
Unsere Gleichung impliziert nun aber f"ur jedes
und insbesondere auch f"ur dieses $g\in G$ durch Substituieren
von $gh$ f"ur $h$ beziehungsweise Multiplizieren mit $\chi_1(g)$
die Gleichungen
$$
\begin{array}{c}
a_{1}\chi_{1} (g) \chi_{1} + a_{2} \chi_{2} (g) 
\chi_{2} + a_{n} \chi_{n} (g) \chi_{n} =0\\
a_{1} \chi_{1} (g) \chi_{1} + a_{2}\chi_{1}(g)
\chi_{2} + a_{n} \chi_{1}(g) \chi_{n} =0
\end{array}
$$
Deren Differenz w"are dann eine k"urzere und wegen 
$\chi_{1} (g) \neq \chi_{2}
(g)$ nichttriviale 
Linearkombination im Widerspruch
zu unserer Annahme.
\end{proof}


\begin{Definition}
    Eine K"orpererweiterung hei"st {\bf
      algebraisch},\index{algebraisch!K"orpererweiterung}
     wenn\index{K"orpererweiterung!algebraische} alle Elemente der
    Erweiterung algebraisch sind "uber dem Grundk"orper.\label{AlKE} 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
  Jede endliche K"orpererweiterung ist also nach \ref{ae} auch algebraisch.
Genauer ist nach \ref{ae} eine K"orpererweiterung algebraisch genau dann, wenn
sie eine Vereinigung von Teilerweiterungen ist, die jeweils endlich sind "uber
dem Grundk"orper. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Eine K"orpererweiterung $N/K$ hei"st 
{\bf normal},\index{normal!K"orpererweiterung}
wenn\index{K"orpererweiterung!normale} sie algebraisch ist und wenn
f"ur alle Elemente $\alpha\in N$ das Minimalpolynom
$\op{Irr}(\alpha,K)$ in
$N[X]$ bereits vollst"andig in Linearfaktoren zerf"allt.\label{normal} 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
In der "alteren Literatur, zum Beispiel in \cite{Artin}, wird der
Begriff \glqq normal\grqq\  manchmal auch abweichend definiert als diejenige 
Eigenschaft
einer K"orpererweiterung, die wir sp"ater mit \glqq Galois\grqq\ 
bezeichnen werden. Ich finde die Begriffsbildung in beiden
Varianten ungeschickt: Normalerweise ist eine K"orpererweiterung
n"amlich keineswegs normal im mathematischen Sinne, oder um es 
anders auszudr"ucken: Normal zu sein ist f"ur K"orpererweiterungen
etwas ganz Besonderes. 
Aber gut, ein Psychologe ist vermutlich 
durchaus auch der Ansicht,
da"s es f"ur einen Menschen etwas ganz Besonderes ist, normal zu sein,
und f"ur eine K"orpererweiterung erst recht:
So fern vom umgangssprachlichen Wortsinn ist unsere mathematische Terminologie
also auch wieder nicht. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
$\DQ (\sqrt{2})$ ist normal "uber $\DQ$, aber $\DQ (\sqrt[3]{2})$
ist nicht normal "uber $\DQ$, denn wir k"onnen $\DQ (\sqrt[3]{2})$
einbetten in $\DR$ und die beiden anderen Wurzeln des in $\DQ[X]$
irreduziblen Polynoms $X^{3}-2$ sind nicht reell.
\end{Beispiele}


\begin{Proposition}[\textbf{Bilder normaler Erweiterungen}]
  Gegeben eine normale K"orpererweiterung $N/K$ und eine beliebige
  K"orpererweiterung $L/K$\label{biNE}  
  haben alle K"orperhomomorphismen $\varphi,\psi\in \op{Kring}^K(N,L)$
  dasselbe Bild $$\varphi(N)=\psi(N)$$
\end{Proposition}
\begin{proof}
Wir k"onnen diese  Unterk"orper von $L$
  beide beschreiben als die
  Menge aller Nullstellen in $L$ von Minimalpolynomen "uber $K$
  von Elementen von $N$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl} Besonders oft wird obige Proposition \ref{biNE}
  "uber Bilder normaler Erweiterungen im Fall eines
  K"orperturms $K\subset N\subset L$ angewandt. Dann liefert  sie
  f"ur $N/K$ normal
  und $\varphi\in \op{Kring}^K(N,L)$ beliebig
  $\varphi(N)=N$. In der Tat k"onnen wir ja dann als $\psi$ die Einbettung
  $\psi:N\hra L$ mit $\psi(N)=N$ w"ahlen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\defnoind{Charakterisierung normaler Erweiterungen}]
F"ur eine endliche K"orpererweiterung $N/K$
sind gleichbedeutend:\label{CaNo}
\begin{enumerate}
\item
$N/K$ ist normal;
\item
$N$ ist der Zerf"allungsk"orper eines Polynoms $P\in K[X]$.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
1$\Rightarrow$2. Ist $N$ normal "uber $K$ und erzeugt von
$\al_1,\ldots,\al_r$, so ist $N$ ein Zerf"allungsk"orper
f"ur das Produkt der
Minimalpolynome $\op{Irr}(\al_i,K)$ der $\al_i$ "uber $K$.
F"ur die andere Implikation machen wir einen Umweg und zeigen
zus"atzlich die "Aquivalenz zu der
folgenden technischen Aussage:

{\em
\begin{enumerate}
\item[3.] F"ur jede beliebige K"orpererweiterung $L/K$ 
  %ein Polynom $Q\in K[X]$ und ein Zerf"allungsk"orper $L$ von $Q$
  haben alle K"orperhomomorphismen $\varphi,\psi\in\op{Ring}^K(N,L)$
   dasselbe Bild $\varphi(N)=\psi(N)$.
\end{enumerate}}
\noindent
%Die Implikation
Um 2$\Rightarrow $3 zu zeigen bemerken wir, 
die Teilk"orper $\varphi(N), \psi(N)$  beide 
von allen Nullstellen von $P$ in $L$ erzeugt werden.
Schlie"slich zeigen wir noch 3$ \Rightarrow $1.
Sei dazu  $\al \in N$ gegeben.
Wir erg"anzen $\al$ zu einem endlichen Erzeugendensystem von
$N$ "uber $K$, sagen wir $N=K(\al, \alpha_1,\ldots,\alpha_r)$, 
und betrachten das Produkt $Q$ der Minimalpolynome "uber $K$ unserer
Erzeuger und dessen Zerf"allungsk"orper $L/K$. 
F"ur jede Nullstelle $\beta \in L$ von $\op{Irr}(\alpha,K)$ k"onnen wir unsere
Einbettung $K \hookrightarrow L$ zun"achst nach dem Ausdehnen auf primitive
Erweiterungen \ref{AuuD} 
fortsetzen zu einer
Einbettung $K(\al) \hookrightarrow L$ mit $\al \mapsto \beta$
und dann nach Proposition \ref{FSS} "uber das Ausdehnen bei zerfallenden Minimalpolynomen 
weiter zu einer
Einbettung $\varphi:N \hookrightarrow L$.
Jede Nullstelle von $\op{Irr}(\alpha,K)$ in $L$
liegt also in $\varphi (N)$ f"ur
ein und damit nach Annahme  f"ur jedes $\varphi\in\op{Kring}^K(N,L)$. 
Also 
zerf"allt unser Polynom $\op{Irr}(\alpha,K)$ bereits in $\varphi(N)$
und a forteriori in $N$ vollst"andig in Linearfaktoren.
\end{proof}

\begin{Bemerkunge} Es ist von der Logik her im Prinzip fragw"urdig, wie
  in der technischen Aussage oben etwas
  f"ur alle K"orper zu fordern, weil es ja etwa die Menge aller Mengen gar
  nicht gibt. Wir k"onnten uns bei unserer technischen Aussage
  aber auch auf Zerf"allungsk"orper
  von Polynomen aus $K[X]$ beschr"anken, damit halten wir sicheren Abstand
  zu den Abgr"unden der Mengenlehre.
\end{Bemerkunge}


\begin{Proposition}[\defnoind{Vergr"o"sern zu normaler Erweiterung}]
Jede endliche K"or\-per\-er\-wei\-te\-rung  \label{VNE}
l"a"st sich zu einer endlichen normalen K"orpererweiterung 
vergr"o"sern.  
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Gegeben eine endliche K"orpererweiterung
$L/K$ behaupten wir in Formeln, da"s es stets  eine endliche
Erweiterung $N/L$ gibt, f"ur die $N/K$ normal ist. Um das zu zeigen, 
nehmen wir Erzeuger $\al_1,\ldots,\al_r$ von $L$ "uber $K$
und konstruieren $N$ als  Zerf"allungsk"orper
"uber $L$ des Produkts ihrer Minimalpolynome.
Dies $N$ ist dann nat"urlich auch Zerf"allungsk"orper
des besagten Produkts
"uber $K$ und damit normal "uber $K$.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Man zeige, da"s eine algebraische K"orpererweiterung  eines
unendlichen K"orpers stets dieselbe Kardinalit"at hat wie der
Ausgangsk"orper.\label{KAKo} Diese Erkenntnis wird bei der 
Konstruktion des algebraischen Abschlusses ben"otigt werden. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Es sei $K$ ein K\"orper, $P\in K[X]$ ein Polynom vom Grad $n$ und $L/K$ der
  Zerf\"allungsk\"orper von $P$.  Zeigen Sie die Absch"atzung $[L{:}K]\leq n!$.
  Mutige zeigen st"arker $[L{:}K]| n!$. Hinweise:
  Induktion "uber den Grad $n$ von $P$.
  Man beachte $n!m!|(n+m)!$ nach der Formel f"ur die Binomialkoeffizienten
  im Fall eines nicht irreduziblen Polynoms.
  Im Fall eines irreduziblen Polynoms entsteht durch Adjunktion einer Nullstelle
  eine K"orpererweiterung vom Grad $n$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{NTKo}
  Es seien $M/L$ und $L/K$ endliche oder allgemeiner 
algebraische K\"orpererweiterungen. Man zeige: Ist $M/K$
  normal, so ist auch $M/L$ normal. Sind $L_1$ und $L_2$ normale
  K\"orpererweiterungen von $K$ und $L_1, L_2 \subset M$, so ist $L_1\cap L_2$
  normal \"uber $K$.  Geben Sie ein Beispiel f"ur K"orper
$M\supset L\supset K$ an, bei dem $M/L$ und $L/K$ jeweils
  normal sind,  $M/K$ jedoch nicht normal ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man formuliere pr"azise und zeige, da"s es bis auf 
nichteindeutigen Isomorphismus
genau ein minimales $N$ wie in  Proposition \ref{VNE}
gibt. Dies $N$ hei"st die\label{NoNu} 
{\bf normale H"ulle\index{normal!normale H"ulle} von $L$ "uber} $K$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{KERe}
Jede endliche K"orpererweiterung von $\DR$ ist isomorph 
als $\DR$-Kring zu
$\DR$ oder $\DC$. Hinweis: $\DC$ ist bekanntlich 
algebraisch abgeschlossen.
\end{Ubung}






\begin{Ubunge}
Seien $k$ ein K"orper und $a\in k^\times$ und $n\geq 1$.
  Man zeige, da"s im Zerf"allungsk"orper des Polynoms $X^n-a$ auch
das Polynom $X^n-1$ stets in Linearfaktoren zerf"allt, da"s aber umgekehrt 
im Zerf"allungsk"orper des Polynoms $X^n-1$ ein Polynom $X^n-a$
nicht notwendig in Linearfaktoren zerfallen mu"s.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
  Gegeben eine endliche K"orpererweiterung $K\subset L$ zeige man,
da"s jedes Polynom aus dem Polynomring $L[X]$ Teiler eines
Polynoms aus dem Polynomring $K[X]$ ist.\label{TPRK}  
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{GKTv} 
Man zeige:  Gegeben eine Primzahl $p$ und zwei primitive $p$-te Einheitswurzeln
  $\zeta,\xi\in \DC$ gilt $\DQ(\zeta)=\DQ(\xi)$ und es gibt genau einen
  K"orperhomomorphismus $\DQ(\zeta)\ra \DQ(\zeta)$ mit $\zeta\mapsto\xi$.
  Hinweis: Irreduzibilit"at des $p$-ten Kreisteilungspolynoms \ref{EKP}.
\end{Ubung}
\subsection{Vielfachheit von Nullstellen}

\begin{Bemerkungl}
  Ist $K$ ein K"orper,
  $P \in K [X]$ ein Polynom
und $\lambda\in K$ eine Nullstelle von $P$, so nennen wir das Supremum
"uber alle $n\in\DN $ mit $(X-\lambda)^n|P$ 
die \defnoind{Vielfachheit der Nullstelle 
$\lambda$}\index{Vielfachheit!einer Nullstelle}
oder auch ihre {\bf Ordnung}.\index{Ordnung!einer Nullstelle}
In der Notation aus \ref{pBew} ist diese Ordnung die Bewertung 
$$v_{(X-\lambda)}(P)$$
Das Nullpolynom hat insbesondere an jeder Stelle eine Nullstelle der
Vielfachheit $\infty$ und gar keine Nullstelle bei $\lambda$ ist
dasselbe wie eine 
\glqq Nullstelle der Vielfachheit Null\grqq.
\end{Bemerkungl}
  
    \begin{Bemerkungl}
      Unter einer {\bf mehrfachen Nullstelle}\index{mehrfache
        Nullstelle}\index{Nullstelle!mehrfache} eines Polynoms mit
      Koeffizienten in einem K"orper oder allgemeiner einem kommutativen
      Integrit"atsbereich verstehen wir eine Nullstelle der Vielfachheit
      mindestens Zwei. Sagen wir, unser Polynom habe
      \glqq mehrfache Nullstellen\grqq,
so ist gemeint, da"s es mindestens eine
mehrfache Nullstelle haben soll. Eigentlich w"are es
gem"a"s unserer allgemeinen Konventionen \eref{SPR}{GR}  
pr"aziser, zu sagen, 
es habe \glqq eine mehrfache Nullstelle\grqq, aber das ist un"ublich.  M"oglicherweise r"uhrt das
 daher, da"s man sich eine mehrfache Nullstelle gerne 
denkt als
\glqq mehrere Nullstellen, die  zusammenfallen\grqq.
Das Nullpolynom hat stets
mehrfache Nullstellen, bei ihm haben ja sogar alle 
Nullstellen die Vielfachheit $\infty$.
    \end{Bemerkungl}

 


\begin{Satz}[\textbf{Mehrfache Nullstellen bei Irreduzibilit"at "uber Teilk"orper}] 
Seien $K \subset L$ K"orper. Gilt $\op{char} K =0$ oder ist $K$ endlich, 
so hat  ein  $K$-irreduzibles\label{MNS} 
Polynom $P \in K[X]$  keine mehrfachen Nullstellen in $L$.
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Wir werden in \ref{PP} und \ref{S} sogar
noch etwas allgemeinere Aussagen zeigen. 
Das braucht jedoch einige Vorbereitungen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Ein $K$-irreduzibles  Polynom mit mehrfachen $L$-Nullstellen}]
In positiver Charakteristik\label{Wcp} 
k"onnen irreduzible Polynome "uber einem K"orper
durchaus mehrfache Nullstellen in einem Erweiterungsk"orper haben.
Um ein Beispiel anzugeben, beachten wir zun"achst, da"s 
f"ur $K$ ein K"orper  positiver Charakteristik $\op{char} K = p>0$ jedes Element
  $a \in K$ h"ochstens eine $p$-te Wurzel in $K$ hat. 
 In der Tat folgt aus $b^{p} =a$
leicht
  $(X^{p}-a) = (X-b)^{p}$, mithin ist $b$ die einzige Nullstelle
  des Polynoms $X^p-a$. 
  Wir betrachten nun den K"orper $K \pdef\Bbb{F}_{p} (T)$.
  Nach dem Eisensteinkriterium \ref{EisKF} sind die Polynome
  $X^n-T$ f"ur $n\geq 1$ irreduzibel in $K[X]$. 
Das Polynom $X^p-T\in K[X]$ ist also $K$-irreduziblel und  
  hat  in seinem Zerf"allungsk"orper 
mehrfache Nullstellen, genauer eine einzige Nullstelle $\sqrt[p]{T}$
der Vielfachheit $p$. 
\end{Beispiel}

\begin{Definition}
F"ur
ein Polynom $P =a_{n} X^{n} + \ldots + a_2 X^2 + a_1 X+ a_{0}$ 
mit Koeffizienten in
einem beliebigen Ring $R$ erkl"aren wir seine \defnoind{
  Ableitung}\index{Ableitung!formale} oder genauer
 \defnoind{formale
Ableitung}\index{Ableitung!formale}
$P^{\prime} \in R[X]$ durch die Vorschrift\label{FoAb}
$$P^{\prime} \pdef n a_{n} X^{n-1} + \ldots + 2a_2 X + a_{1}$$
\end{Definition}


\begin{Lemma}[\defnoind{Ableitungsregeln}]
Auch f"ur das formale Ableiten gelten
die Summenregel\label{ABre} $(P+Q)^{\prime} = P^{\prime} + Q^{\prime}$  
und die Produktregel
$(PQ)^{\prime} = P^{\prime} Q + PQ^{\prime}$.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Die Summenregel ist offensichtlich.
Bei der Produktregel sind mithin beide
Seiten additiv in $P$ und $Q$ und wir d"urfen uns deshalb auf
den Fall $P=aX^i$ und $Q=bX^j$ zur"uckziehen. In diesem Fall  pr"uft man
die Formel leicht explizit.
\end{proof}



\begin{Lemma}[\textbf{Ableitung und mehrfache Nullstellen}]
Gegeben $K$ ein K"orper, $g \in K [X]$ ein\label{AVN} 
Polynom und $\al \in K$ eine Nullstelle von $g$ ist
$\al$ genau dann eine mehrfache Nullstelle von $g$, wenn
auch die Ableitung $g'$ von $g$ bei $\al$ verschwindet.
\end{Lemma}
\begin{Beispiel}
Sei $p$ eine Primzahl. Unser Polynom  $P\pdef X^{p}-T$ mit Koeffizienten in
$\Bbb{F}_{p} (T)$ hat, wie in  \ref{Wcp} diskutiert,
in seinem Zerf"allungsk"orper
$\Bbb{F}_{p} (\sqrt[p]{T})$ nur eine einzige Nullstelle
$\alpha=\sqrt[p]{T}$ der Vielfachheit $p$. Nach unserem Lemma
mu"s also gelten $P'(\alpha)=0$. In unserem Fall ist sogar st"arker 
 $P'=0$ selbst das
Nullpolynom.
\end{Beispiel}
\begin{proof}[Beweis]
Aus $g= (x -\al)^{2}f$ folgt mit der Produktregel
\ref{ABre} leicht $g^{\prime} (\al) =0$.
Gilt umgekehrt $g (\al) = g^{\prime} (\al) =0$ und schreiben wir
$g = (x-\al)h$, so folgt wieder mit der Produktregel
\ref{ABre} aus $g^{\prime} (\al) =0$ unmittelbar $h(\al)
=0$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ein K"orper $K$ und Polynome $f,g\in K[X]$, die nicht beide Null sind,
  gibt es genau ein normiertes Polynom $d\in K[X]$, das das von $f$ und $g$
  erzeugte Ideal erzeugt, in Formeln
  $$\langle f,g\rangle=\langle d\rangle$$
  Per definitionem gilt $d|f$ und $d|g$ und es gibt $a,b\in K[X]$ mit
  $d=af+bg$. Insbesondere folgt f"ur ein Polynom $c$ aus
  $c|f$ und $c|g$ bereits $c|d$. Mithin ist $d$ der eindeutig bestimmte
  normierte gemeinsame Teiler gr"o"stm"oglichen Grades von $f$ und $g$.
  Wir nennen $d$ den {\bf gr"o"stgradigen gemeinsamen normierten Teiler}
\index{normiert!gr"o"stgradiger gemeinsamer Teiler} von $f$ und $g$\label{ggtP}
und notieren ihn\index{ggnT@$\op{ggnT}$ gr"o"stgradiger gemeinsamer normierter Teiler}
$$d=\op{ggnT}(f,g)=\op{ggnT}_K(f,g)$$
Man kann ihn, analog wie in \eref{EukA}{LA1} 
im Fall der ganzen Zahlen erkl"art, mit dem euklidischen
Algorithmus unschwer explizit berechnen. Der Index $K$ zeigt im Fall einer
K"orpererweiterung $K\subset L$ an, ob unser $\op{ggnT}$ in $K[X]$ oder in
$L[X]$ zu verstehen ist. Wir zeigen als n"achstes, da"s dieser Index
"uberfl"ussig ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge} Analog finden wir, da"s  jede 
 Menge von Polynomen in einer Ver"anderlichen mit Koeffizienten
 einem K"orper, die mindestens ein von  Null verschiedenes Polynom enth"alt,
genau  einen 
gr"o"stgradigen gemeinsamen normierten Teiler besitzt. 
\end{Bemerkunge}

\begin{Proposition}[\textbf{K"orpererweiterungen und Polynomdivision}]
Seien $K \subset L$ K"orper und $f,g\in K[X]$ Polynome
mit $g\neq 0$. So gilt:\label{ggTP}
\begin{enumerate}
\item 
Das Teilen
mit Rest von $f$ durch $g$ f"uhrt
zum selben Resultat unabh"angig davon, ob wir es in $K
[X]$ oder in $L[X]$ durchf"uhren;
\item
Genau dann ist $g$ ein Teiler von $f$ in $L[X]$, wenn
dasselbe gilt in $K[X]$;
\item
Der gr"o"stgradige gemeinsame  normierte Teiler von $f$ und $g$ in
$K[X]$ ist auch
der gr"o"stgradige gemeinsame normierte Teiler von $f$ und $g$ in $L[X]$,
in Formeln $$\op{ggnT}_K(f,g)=\op{ggnT}_L(f,g)$$
\end{enumerate}
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
1. Schreiben wir $f = q g + r$ mit $\op{grad} r < \op{grad} g$, so sind $q$ und
$r$ schon eindeutig bestimmt. Insbesondere ist die
L"osung in $K[X]$ auch
die einzig m"ogliche L"osung in $L[X]$.
\\[2mm]\noindent
2. Das ist der Spezialfall von Teil 1 mit Rest $r=0$.
\\[2mm]\noindent
3.
Seien dazu $d_{K}$ beziehungsweise $d_{L}$ der gr"o"stgradige gemeinsame normierte Teiler
von $f$ und  $g$ in $K[X]$ beziehungsweise in $L[X]$ nach \ref{ggtP}. Nat"urlich ist
$d_K$ auch ein gemeinsamer Teiler in $L[X]$, also gilt $d_{K} | d_{L}$ nach \ref{ggtP}.
Andererseits haben wir eine Darstellung $d_{K} = q f + pg$ mit $q, p \in K
[X]$, also gilt auch umgekehrt
$d_{L}|d_{K}$. Zusammen folgt $d_{L} =d_{K}$.
\\[2mm]\noindent
3. Alternativ kann man argumentieren, da"s der $\op{ggnT}$ mit dem euklidischen
Algorithmus berechnet werden kann und da"s nach Teil 1 bei diesem Algorithmus
dasselbe herauskommt, egal ob wir ihn in $K[X]$ oder $L[X]$ durchf"uhren.
\end{proof}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Teilerfremde Polynome}]
Ich erinnere an unsere Definition \eref{DeEi}{LA1}:
  Zwei Elemente eines Krings oder allgemeiner die Elemente einer beliebigen
  Teilmenge eines Krings hei"sen  {\bf teilerfremd},\index{teilerfremd}
 wenn sie au"ser Einheiten keine gemeinsamen
 Teiler haben. Im Fall eines Hauptidealrings ist das offensichtlich gleichbedeutend dazu, da"s das von unseren Elementen erzeugte Ideal der
 ganze Ring ist. Gegeben eine K"orpererweiterung $K\subset L$
 und Polynome $f,g\in K[X]$ sind unsere Polynome nach \ref{ggTP}
 teilerfremd in $K[X]$ genau dann, wenn  sie   teilerfremd sind in $L[X]$, denn sind sie beide Null, so sind sie nicht teilerfremd,
 und andernfalls gilt\label{tfp} nach \ref{ggTP} insbesondere    
  $$\op{ggnT}_K(f,g)=1 \;\;\IFF \;\;\op{ggnT}_L(f,g)=1$$ 
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\textbf{Gemeinsame Nullstellen und gemeinsame Teiler}] 
  Gegeben ein K"orper $K$ haben zwei Polynome $f,g\in K[X]$ genau dann
  eine gemeinsame Nullstelle in mindestens einem Erweiterungsk"orper $L/K$,
  wenn sie nicht teilerfremd sind als Elemente von $K[X]$.
\end{Lemma}
\begin{proof}
 Gibt es  eine
  K"orpererweiterung $L/K$ und $\alpha\in L$
  mit $f(\alpha)=g(\alpha)=0$, so folgt $(X-\alpha)|f$ und $(X-\alpha)|g$
  und $f$ und $g$ sind nicht teilerfremd in $L[X]$ und dann nach \ref{tfp}
   auch nicht in $K[X]$. Haben umgekehrt $f$ und $g$ einen
  gemeinsamen Teiler positiven Grades, so hat dieser Teiler in
  mindestens einer K"orpererweiterung $L/K$ eine Nullstelle und diese ist dann
  auch  eine gemeinsame Nullstelle von $f$ und  $g$ in $L$.
\end{proof}

\begin{Lemma}[\textbf{Ableitung und Existenz mehrfacher Nullstellen}]
F"ur   ein nicht konstantes %von Null verschiedenes 
Polynom mit Koeffizienten in einem K"orper 
sind gleichbedeutend:\label{VN} 
\begin{enumerate}
\item
Das Polynom hat
mehrfache Nullstellen  in seinem Zerf"allungsk"orper;
\item
Das Polynom hat
mehrfache Nullstellen  in mindestens einer Erweiterung
seines Koeffizientenk"orpers;
\item
Das Polynom  und seine Ableitung sind nicht teilerfremd.
\end{enumerate}
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
Bei der Bedingung \glqq teilerfremd\grqq\  
kommt es wegen \ref{tfp} nicht
darauf an, ob wir sie in unserem urspr"unglichen Polynomring oder im 
Polynomring mit Koeffizienten in einem 
beliebigen Erweiterungsk"orper verstehen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Seien $K$ unser K"orper und $P\in K[X]\backslash K$ unser Polynom.
\\[2mm]\noindent
1 $\RA$ 2. Das ist offensichtlich.
\\[2mm]\noindent
2 $\Rightarrow$ 3. Ist $\al$ eine mehrfache Nullstelle
des Polynoms $P$ in einer K"orpererweiterung $L$ von $K$, so
ist $\alpha$ eine gemeinsame Nullstelle von $P$ und $P^{\prime}$ in $L$.
Damit sind $P$ und $P'$ nicht teilerfremd, da sie  beide von $(X-\alpha)$
geteilt werden.
\\[2mm]\noindent
3 $\Rightarrow$ 2. Es gibt eine K"orpererweiterung $M/K$, in der 
sowohl $P$ als auch $P'$, falls es nicht eh verschwindet,
 in Linearfaktoren
zerfallen.
Sind $P$ und $P'$ nicht teilerfremd,
 haben sie in  $M$ 
eine gemeinsame Nullstelle $\al$ und damit ist $\al$ eine
mehrfache Nullstelle von $P$ in $M$ nach \ref{AVN}. Dann ist $\al$ auch eine
mehrfache Nullstelle im von den Nullstellen von $P$ erzeugten Teilk"orper von
$M$, und der ist ein Zerf"allungsk"orper von $P$ und damit, wie in \ref{EZK}
diskutiert,  der bis auf nichteindeutigen Isomorphismus "uber $K$ eindeutig
bestimmte Zerf"allungsk"orper. 
\end{proof}

  \begin{Definition}[\textbf{Separable Polynome}] 
    Ein Polynom mit Koeffizienten in einem K"orper, das in
    keiner K"orpererweiterung seines Koeffizientenk"orpers mehrfache
    Nullstellen hat, hei"st  {\bf separabel}.\index{separabel!Polynom}
    Offensichtlich gleichbedeutend ist die Bedingung, da"s unser Polynom
    in seinem Zer\-f"al\-lungs\-k"or\-per 
keine mehrfachen\label{sepP} 
    Nullstellen hat. 
  \end{Definition}


\begin{Satz}[\textbf{Separabilit"at irreduzibler Polynome}]
Seien $K$ ein K"orper und $P \in K [X]$ ein $K$-irreduzibles
Polynom. So sind gleichbedeutend:\label{PP}
\begin{enumerate}
\item
Das Polynom $P$ ist nicht separabel;
\item
Die Ableitung $P^{\prime}$ von $P$ ist das Nullpolynom;
\item
Es gilt $\op{char} K = p >0$ und es gibt $Q \in K [X]$ mit $P (X) = Q
(X^{p})$;
\item
Jede Nullstelle unseres Polynoms in einer beliebigen Erweiterung
seines Koeffizientenk"orpers ist ein mehrfache Nullstelle. 
\end{enumerate}
\end{Satz}

 
\begin{proof}[Beweis] 
1 $\Rightarrow$ 2. Hat $P$ mehrfache Nullstellen,
so ist es nach \ref{VN} nicht teilerfremd zu seiner Ableitung.
Wenn aber ein irreduzibles Polynom nicht teilerfremd ist
zu einem weiteren Polynom echt kleineren Grades, mu"s dieses 
weitere Polynom das Nullpolynom sein.
\\[2mm]\noindent
2 $\IFF$ 3. Das scheint mir offensichtlich f"ur ein beliebiges Polynom mit
Koeffizienten in einem K"orper $K$.
\\[2mm]\noindent
2 $\Rightarrow$ 4. 
Ist die Ableitung das Nullpolynom, so ist jede Nullstelle unseres
Polynoms auch eine Nullstelle seiner Ableitung, mithin nach 
\ref{AVN} eine mehrfache Nullstelle unseres Polynoms.
\\[2mm]\noindent
4 $\RA$ 1. Das scheint mir offensichtlich.
 \end{proof}

  \begin{Definition}[\textbf{Separable K"orpererweiterungen}]
  Eine K"orpererweiterung $L/K$ hei"st 
{\bf separabel},\index{separabel!K"orpererweiterung}
wenn\index{K"orpererweiterung!separable}
sie algebraisch ist und wenn f"ur alle $\alpha\in L$ das Minimalpolynom
$\op{Irr}(\alpha,K)$ bei $\alpha$ keine mehrfache Nullstelle
hat.\label{DefSep}
  \end{Definition}
  
\begin{Definition}[\textbf{Separable Elemente von K"orpererweiterungen}]
Ein Element  $\al\in L$  einer K"orpererweiterung $L/K$  hei"st 
{\bf separabel\index{separabel!K"orpererweiterung!Element von} 
 "uber} $K$,\label{DefS} 
 wenn es  algebraisch ist  und
   eine einfache Nullstelle
seines  Minimalpolynoms $\op{Irr}(\alpha,K)$.
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl} Per definitionem ist also eine K"orpererweiterung 
  $L/K$ separabel genau dann, wenn alle ihre Elemente separabel sind "uber
  dem Unterk"orper $K$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} Gegeben eine K"orpererweiterung 
  $L/K$ ist ein Element $\al\in L$ separabel "uber $K$ genau dann,
  wenn sein Minimalpolynom $\op{Irr}(\alpha,K)$ separabel ist "uber $K$
  im Sinne von \ref{sepP}. In der Tat ist ja das Minimalpolynom irreduzibel
  und ein $K$-irreduzibles Polynom hat nach \ref{PP} eine mehrfache Nullstelle
  in einer Erweiterung von $K$ genau dann, wenn jede seiner Nullstellen
  in einer beliebigen Erweiterung von $K$ eine mehrfache Nullstelle ist.
\end{Bemerkungl}




\begin{Beispiel}\label{bser} 
In Charakteristik Null ist jede algebraische K"orpererweiterung
separabel nach Satz \ref{PP} zur Separabilit"at irreduzibler Polynome.
Nicht separabel ist  $\Bbb{F}_{p}
(\sqrt[p]{T})$ "uber
$\Bbb{F}_{p} (T)$, denn  nach \ref{Wcp} ist $(X-\sqrt[p]{T})^p=X^p-T$ ein
$\Bbb{F}_{p}
(T)$-irreduzibles Polynom.
\end{Beispiel}


\begin{Definition}
Ein K"orper hei"st {\bf vollkommen},\index{vollkommen!K"orper}
 wenn er entweder\label{voKO} 
die Charakteristik Null hat oder aber 
f"ur $p\pdef\op{char} K>0$ die Abbildung $x\mapsto
x^p$
eine Surjektion $K\sra K$ ist.
\end{Definition}\begin{Bemerkunge}
  F"ur \glqq vollkommen\grqq\ sagt man in diesem
  Zusammenhang auf Englisch {\bf perfect}\index{perfect field}\index{K"orper!vollkommener} und auf
Fran\-z"o\-sisch {\bf parfait}.\index{parfait, corps}
\end{Bemerkunge}
\begin{Beispiel}[\textbf{Endliche K"orper sind vollkommen}] 
  Jeder endliche K"orper vollkommen, denn jeder\label{EKV}  
K"orperhomomorphismus und damit insbesondere der Frobeniushomomorphismus
ist  injektiv und folglich im Fall eines endlichen K"or\-pers auch surjektiv.
\end{Beispiel}

\begin{Satz}[\textbf{Irreduzible Polynome "uber vollkommenen K"orpern}]
Jedes irreduzible Polynom\label{S}
"uber einem vollkommenen K"orper
ist separabel.
Jede algebraische Erweiterung eines vollkommenen K"orpers ist
separabel.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $K$ unser vollkommener K"orper.
Im Fall $\op{char} K=0$ ist nach \ref{PP}
jedes $K$-irreduzible Polynom separabel.
Sei also ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $\op{char} K=p>0$
und  $P\in K[X]$ irreduzibel. W"are $P$ nicht separabel,
so h"atte $P$ nach \ref{PP} die Form $P = b_{n}
(X^{p})^{n} + \ldots+b_{1}X^{p} + b_{0}$.
Nehmen wir aber nun $a_{n}, \ldots, a_{0} \in K$ mit
$a^{p}_{i}=b_{i}$ und betrachten $Q = a_{n}X^{n} + \ldots +
a_{0}$, so folgt $P = Q^{p}$ im Widerspruch zur Irreduzibilit"at von
$P$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Algebraische K"orpererweiterungen
endlicher K"orper sind separabel}] 
Jede algebraische K"orpererweiterung eines
endlichen K"orpers ist separabel, da jeder
endliche K"orper vollkommen ist nach  \ref{EKV}
und folglich jede algebraische K"orpererweiterung
dar"uber separabel ist nach 
\ref{S}. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Charakterisierung separabler K"orpererweiterungen}]
F"ur eine K"orpererweiterung $L/K$ sind\label{SE} gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item
$L/K$ ist separabel;
\item
$L$ wird erzeugt "uber $K$ von Elementen, die separabel sind "uber $K$.
\end{enumerate}
Ist $L/K$ endlich, so sind auch gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item[3.]
F"ur jede Vergr"o"serung $N/L$ von $L$ zu einer normalen
Erweiterung von $K$  gilt
$|\!\op{Kring}^{\!K}(L,N)|=[L:K]$;
\item[4.] Es gibt mindestens eine K"orpererweiterung $N/K$ von $K$ mit 
der Eigenschaft 
$|\!\op{Kring}^{\!K}(L,N)|=[L:K]$.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSep}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Beweis von \ref{SE}, Implikation $2\RA 3$.
Die durchgezogenen Pfeile ganz oben sollen 
m"ogliche Erweiterungen des durchgezogenen Pfeils
in der Mitte andeuten.
Jeder andere der $[K(\alpha):K]$ Pfeile in der Mitte
besitzt genauso $[L:K(\alpha)]$ Erweiterungen nach ganz oben,
nur sind diese nicht eingezeichnet.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis]
Zeigen wir $1\IFF 2$ f"ur endliche Erweiterungen, so folgt
es leicht im allgemeinen. 
Wir d"urfen uns  also f"ur den Rest des Beweises
auf den Fall $L/K$ endlich beschr"anken.
$1 \Rightarrow 2$ ist klar.
F"ur
$ 2 \Rightarrow 3$ d"urfen
wir mit Induktion "uber den Grad $[L:K]$  annehmen $L = K (\al)$.
Da $\al$ separabel ist, sind die $[L:K]$ Nullstellen seines
Minimalpolynoms in $N$ paarweise verschieden und liefern 
mit \ref{AuuD} paarweise
verschiedene Erweiterungen der Einbettung
 $K \hookrightarrow N$ zu K"orperhomomorphismen $K(\al)
\hookrightarrow N$.
Die Implikation $3 \Rightarrow 4$ ist klar.
F"ur $4 \Rightarrow 1$ argumentieren wir durch Widerspruch:
W"are ein $\al \in L$ nicht separabel "uber $K$, so g"abe es  nach \ref{AuuD}
f"ur jedes $N$ weniger als
$[K(\al):K]$ Ausdehnungen von $K\hra N$ zu einer Einbettung $K (\al)
\hookrightarrow N$
und damit nach
Satz \ref{ZFK} "uber die maximal m"ogliche Zahl von Ausdehnungen 
notwendig auch weniger als $[L : K]$ Ausdehnungen von
$K\hra N$ zu einer Einbettung $L\hra N$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl} Seien $K$ ein K"orper,
  $L/K$ eine endliche separable Erweiterung und
  $N/K$ eine normale Erweiterung. So gilt\label{Kose} 
  $$\op{Ring}^K(L,N)\neq\emptyset \;\;\RA\;\; |\op{Ring}^K(L,N)|=[L:K]$$
  Das ist nur eine Umformulierung der Implikation $(1)\RA(3)$ aus dem
  vorhergehenden Satz. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Diskriminante als Determinante}]
  Ich erkl"are noch eine alternative Beschreibung der Diskriminante,
  deren Herleitung \ref{VN} verwendet. 
  Ich  behaupte genauer
  f"ur die $a_i \in \mathbb Z ['\zeta_1, \ldots, \zeta_n]$,
die gegeben werden\label{FoDis}  
durch die Identit"at $T^n + a_1 T^{n-1} + \ldots + a_n = (T+\zeta_1) 
\ldots (T +\zeta_n)$,
da"s die Determinante der nebenstehenden Matrix $M$ 
gegeben wird durch die Formel
\begin{equation*}
\det M = \prod_{i\neq j} (\zeta_i - \zeta_j)
\end{equation*}
und folglich genau unsere Diskriminante aus \ref{DeDia} ist.
Um das zu zeigen, beachten wir zun"achst, 
da"s beide Seiten symmetrische Polynome sind und da"s
zumindest in $\mathbb Q ['\zeta_1, \ldots , \zeta_n]$ 
alle $(\zeta_i -\zeta_j)$
nach \ref{VN} und \eref{HYT}{LA1} und \ref{EFRe} das Polynom $(\det M)$ 
teilen. Dann aber wechselt der Ausdruck $(\det M) / (\zeta_i
-\zeta_j)$ unter der Vertauschung von $\zeta_i$ und $\zeta_j$ 
sein Vorzeichen und mu"s nach \eref{HYT}{LA1}
folglich  ein weiteres Mal durch 
$(\zeta_i - \zeta_j)$ teilbar sein.
Mithin ist $\det M$ in 
$\mathbb Q [ '\zeta_1,\ldots , \zeta_n]$ durch $\prod_{i \neq j} (\zeta_i
-\zeta_j)$ teilbar.
Sicher ergibt das Wegteilen ein symmetrisches Polynom, 
das h"ochstens auf den Hyperebenen $\zeta_i =
\zeta_j$ verschwindet. W"are dies Polynom nicht konstant, 
so k"onnten wir mit denselben Argumenten
ein weiteres Mal einen Faktor $\prod_{i \neq j} (\zeta_i-\zeta_j)$ 
herausziehen. Das f"uhrt jedoch zu einem
Widerspruch, wenn wir etwa erst durch $\zeta_1^{2(n-1)}$ 
teilen, f"ur $\zeta_2, \ldots,\zeta_n$ paarweise
verschiedene rationale Zahlen einsetzen,  und $\zeta_1\in\DQ$ gegen $\infty$
streben lassen:
$(\det M)/\zeta_1^{2(n-1)}$ bleibt dann n"amlich  beschr"ankt,
wie wir sehen, indem wir alle Spalten au"ser der Ersten mit $ \zeta_1^{-1}$ 
multiplizieren, und  
$(\prod_{i \neq j} (\zeta_i-\zeta_j))/\zeta_1^{2(n-1)}$ 
strebt gegen eine von Null verschiedene Zahl,
aber $(\prod_{i \neq j} (\zeta_i-\zeta_j))^r/\zeta_1^{2(n-1)}$
 strebt f"ur $r\geq 2$ stets nach Unendlich.
Es gilt also nur noch, die Konstante $c \in \mathbb Q$ zu bestimmen mit
\begin{equation*}
\det M = c \prod_{i\neq j} (\zeta_i - \zeta_j)
\end{equation*}
Dazu setzen wir $\zeta_i = -\zeta^i$ mit $\zeta$ einer 
primitiven $n$-ten Einheitswurzel.
Dann folgt $(T + \zeta_1) \ldots (T+\zeta_n) = T^n -1$ 
und $(\det M) =  n^n (-1)^{n-1}$
und andererseits
\begin{equation*}
\prod_{i\neq j} (\zeta_i - \zeta_j) 
= %(-1)^{n(n-1)}
\prod^n_{i=1} \left(\zeta^i \prod_{j\neq i}
(1 - \zeta^{j-i})\right)
\end{equation*}
Das Produkt aller $n$-ten Einheitswurzeln ist nun 
sicher $(-1)^{n-1}$ und das zweite Produkt kann
berechnet werden als der Wert an der Stelle $t=1$ des Polynoms
$(t^n -1) /(t-1) = t^{n-1} + \ldots + t+1$.
So erhalten wir f"ur die gesuchte Konstante $c$ schlie"slich 
$
 (-1)^{n-1} n^n = (-1)^{n-1} n^n c
$
und damit $c =1$ wie gew"unscht.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildDisk}\\[4mm]
\noindent 
Die Determinante dieser Matrix stimmt "uberein mit der
Diskriminante des Polynoms $T^n+a_1T^{n-1}+\ldots+a_n$,
wie sie in \ref{Diskk} f"ur jedes normierte Polynom erkl"art wird.
In der in \ref{DResb} eingef"uhrten Terminologie
ist die Diskriminante eines normierten Polynoms $f$ vom Grad $n$ 
also genau die Resultante $\op{Disk}_n(f)=\op{Res}_{n,n-1}(f,f')$ 
unseres Polynoms mit seiner Ableitung. Das sei von nun ab auch unsere Definition
der Diskriminante $\op{Disk}_n(f)$\index{Disk@$\op{Disk}_n$ Diskriminante} eines beliebigen Polynoms $f$ vom Grad $\leq n$. Man kann, wie obige Formel zeigt, von diesem Polynom $\op{Disk}_n$ sogar  noch einen Faktor $a_0$ abspalten.
\end{Bild}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Wie oft nehmen rationale
      Funktionen vorgegebene Werte an}]  
Ist $K$ ein algebraisch abgeschlossener K"orper, so nimmt
 eine von Null verschiedene rationale Funktion $f\in K(X)^\times$
auf ihrem Definitionsbereich fast jeden Wert an gleichviel Stellen an. 
Im Fall der Charakteristik Null nimmt sie fast jeden Wert 
an genau $n=\op{max}(\op{grad}g,\op{grad}h)$ Stellen an\label{FRFFm}  
f"ur $f=g/h$ eine unk"urzbare Darstellung als Bruch zweier Polynome.
In anderen Worten haben unter $f:D(f)\ra K$ fast alle Punkte $a\in K$ 
genau $n$ Urbilder. Hinweis: Man "uberlege sich, da"s $g-\lambda h$
f"ur beliebiges $\lambda$ nur dann
eine mehrfache Nullstelle bei einem vorgegebenen $\mu\in D(f)$ haben kann,
wenn $\mu$ eine Nullstelle der formalen Ableitung von $f$
oder gleichbedeutend von $g'h-h'g$ ist. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Diskriminante eines Produkts}]
  Gegeben normierte Polynome $f,g$ zeige man $$\op{Disk}(fg)=\op{Disk}(f)\op{Res}(f,g)\op{Res}(g,f)\op{Disk}(g)$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung} Man bestimme den normierten gr"o"stgradigen
  gemeinsamen Teiler der beiden Polynome $X^4+X^3-2X^2+3X-15$ und
  $X^3-6X^2-12X+35$ in $\DQ[X]$. Haben diese Polynome in
  einer K"orperwerweiterung von $\DQ$ eine gemeinsame Nullstelle?
\end{Ubung}
\begin{Ubung}  Finden Sie alle komplexen mehrfachen Nullstellen  
  des Polynoms $X^4-4X^3+5X^2-4X+4$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}  Man zeige nocheinmal mit Sonderbetrachtungen in kleiner Charakteristik, da"s gegeben ein K"orper $k$ und $p,q\in k$ das
  Polynom $X^3+pX+q$ genau dann nicht separabel ist, wenn gilt $27q^2+4p^3=0$.
  %Man berechnet $\op{ggnT}(X^3+pX+q, 3X^2 +p)$ etc. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Ableitung und logarithmische Ableitung von Reihen}] 
  Gegeben ein Ring $R$ erkl"art man die formale Ableitung einer Laurentreihe
$f=\sum a_nt^n\in R(\!(t)\!)$ durch $f'\pdef \sum na_nt^{n-1}$. Wieder zeige man
Summenregel und Produktregel. F"ur $f\in 1+tR\llbracket t\rrbracket$ 
und $\DQ\subset R$ zeige man
zus"atzlich $(\op{log}f)'=f'/f$ f"ur $\op{log}f$ wie in \eref{logf}{AN1}. 
\index{logarithmische Ableitung!formale} 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Seien $P,Q$  nicht konstante Polynome mit Koeffizienten in einem 
algebraisch abgeschlossenen K"orper
$k$ der Charakteristik Null. 
Man zeige: Haben unsere beiden Polynome dieselben Nullstellen und dieselben 
\glqq Einsstellen\grqq,
gelten also in Formeln f"ur die zugeh"origen Abbildungen
$P,Q:k\ra k$ die Gleichheiten $P^{-1}(0)=Q^{-1}(0)$ und
$P^{-1}(1)=Q^{-1}(1)$ von Teilmengen von $k$,
so folgt $P=Q$. Hinweis: W"are $P\neq Q$, so w"are $ P-Q$
ein von Null verschiedenes Polynom mit $|P^{-1}(1)\cup P^{-1}(0)|$
Nullstellen und folglich mindestens diesem Grad. 
F"ur $d$ das Maximum der Grade unserer Polynome
folgt $d\geq |P^{-1}(1)\cup P^{-1}(0)|$.
F"ur $P$ vom Grad $d$
folgt, da"s $P'$ mit Vielfachheiten gerechnet
zu viele Nullstellen haben mu"s und deshalb Null ist.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{QuaF} 
Man zeige: Ein Polynom mit Koeffizienten in einem K"orper der Charakteristik Null
ist separabel genau dann, wenn es von keinem Quadrat eines 
irreduziblen Polynoms geteilt wird.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{MSZ}
Man zeige: Seien $M \supset L \supset K$ K"orper.
 Ist $M / L$ separabel und $L/K$ separabel, so ist $M/K$ separabel.
Hinweis: Man ziehe sich zun"achst auf den Fall
endlicher Erweiterungen zur"uck und 
verwende dann \ref{SE}, insbesondere $4\RA 1$, mit $N$ einer Vergr"o"serung
von $M$ zu einer normalen Erweiterung von $K$.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
   In jeder K"orpererweiterung $M / K$ gibt es unter allen
  Zwischenk"orpern $L\subset M $, die separabel sind "uber $K$, einen
  gr"o"sten.  Er hei"st der {\bf separable Abschlu"s von $K$ in
    $M$}.\index{separabler Abschlu"s!in K"orpererweiterung}
Hinweis: Man verwende \ref{MSZ}.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
Eine algebraische K"orpererweiterung derart, da"s 
nur die Elemente des kleinen K"orpers "uber diesem separabel sind,
hei"st 
{\bf rein inseparabel}.\index{rein inseparabel}\index{inseparabel!rein, K"orpererweiterung} 
Man zeige, da"s eine algebraische\label{reii}  
Erweiterung $L/K$ eines K"orpers $K$ der Charakteristik $p>0$
rein inseparabel ist genau dann, wenn f"ur jedes Element von $L$ 
die $p^r$-te Potenz f"ur hinreichend gro"ses $r$  
in $K$ liegt. Salopp gesprochen  sind also rein inseparable Erweiterungen
genau die Erweiterungen, die durch die sukzessive
Adjunktion $p$-ter Wurzeln 
in Charakteristik $p$ entstehen. Hinweis: \ref{PP}.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{riSS}
  Man zeige: Ist  $M / K$ eine 
algebraische K"orpererweiterung und
 $L\subset M $ der  separable Abschlu"s von $K$ in
    $M$, so ist die K"orpererweiterung $M/L$ rein inseparabel.
Hinweis: Man verwende \ref{MSZ}. 
\end{Ubunge}


\begin{Bemerkungw}
  Man kann im Fall positiver Charakteristik
$p>0$  auch f"ur jede K"orpererweiterung $L/K$
die Menge $L_{\op{i}}$ 
aller Elemente von $L$ betrachten, die unter wiederholtem
Anwenden des Frobenius, also unter wiederholtem Bilden der
$p$-ten Potenz irgendwann einmal in $K$ landen. 
Dann ist $L_{\op{i}}$ der gr"o"ste 
"uber $K$ rein inseparable algebraische 
Unterk"orper von $L$. Auch wenn $L/K$ algebraisch oder sogar endlich
ist, mu"s hier $L/L_{\op{i}}$ nicht separabel sein. Das gilt jedoch,
wenn zus"atzlich $L/K$ eine normale algebraische K"orpererweiterung ist,
vergleiche \ref{NGre}. 
\end{Bemerkungw}


\begin{Ubung}\label{KHiS}
  Man zeige f"ur jede rein inseparable algebraische K"orpererweiterung
$L/K$ und jede weitere K"orpererweiterung $N/K$ die Absch"atzung
$$|\!\op{Kring}^{\!K}(L,N)|\leq 1$$
\end{Ubung}


\begin{Ubunge}
  Gegeben eine algebraische K"orpererweiterung $L/K$ erkl"art man 
ihren {\bf Separabilit"atsgrad}\index{Separabilit"atsgrad}
als\index{)5]@$[L:K]_{\op{s}}$ Separabilit"atsgrad}  
$[L:K]_{\op{s}}\pdef[S:K]$
 f"ur $S\subset L$ den separablen Abschlu"s von $K$ in $L$.
 \begin{enumerate}
 \item 
Gegeben eine endliche K"orpererweiterung $L/K$ zeige man 
$$[L:K]_{\op{s}}\pdef \op{sup}_{N/K}|\!\op{Kring}^{\!K}(L,N)|$$
Das Supremum der Zahl m"oglicher Homomorphismen 
ist dabei "uber alle K"orpererweiterungen $N/K$ zu bilden
und alle Werte in $\DN\amalg\{\infty\}$  sind erlaubt.
Hinweis:  \ref{riSS} und \ref{KHiS}.
\item
Man zeige, da"s der Separabilit"atsgrad im
Fall endlicher K"orpererweiterungen multiplikativ ist,
da"s also f"ur $M/L/K$ endliche Erweiterungen gilt
$$[M:K]_{\op{s}}=[M:L]_{\op{s}}[L:K]_{\op{s}}$$ 
 \end{enumerate}
Die beiden  Identit"aten aus der vorhergehenden "Ubung gelten auch
f"ur beliebige algebraische K"orpererweiterungen. Um das zu zeigen,
mu"s man nur wissen, da"s sich jeder K"orper in einen algebraisch 
abgeschlossenen K"orper einbetten l"a"st,  und 
mu"s sich "uberlegen, da"s f"ur jede algebraische K"orpererweiterung $L/K$ 
und jede algebraisch
abgeschlossene  K"orpererweiterung $N/K$ gilt
$[L:K]_{\op{s}}= |\!\op{Kring}^{\!K}(L,N)|$.\label{SepG}
\end{Ubunge}



\begin{Ubung}[\textbf{Rein inseparable Erweiterungen eines Funktionenk"orpers}]
  Sei $k$ ein vollkommener K"orper positiver Charakteristik $p>0$
und $L/k(T)$ eine endliche rein inseparable Erweiterung seines
Funktionenk"orpers. So ist unsere K"orpererweiterung  f"ur 
genau ein $r\in\DN$ zur
K"orpererweiterung $k(X)/k(T)$ gegeben durch $X\mapsto T^{p^r}$ isomorph.
Hinweis: Man mag ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $[L:k(T)]=p$
annehmen. Dann "uberlegt man sich, da"s in\label{RIS} 
$k(\sqrt[p]{T})$ bereits alle Elemente von $k(T)$ eine $p$-te Wurzel haben.
\end{Ubung}


\begin{Ubunge}
 Gegeben ein K"orper $k$ induzieren die Einbettungen 
$k[X]\hra  k\llbracket X\rrbracket\hra k(\!(X)\!)$
 einen Ringhomomorphismus und nach 
\eref{UEQ}{LA1}
eine  Einbettung 
$k(X)\hra k(\!(X)\!)$. Man zeige, da"s im Fall $\op{char}k=0$  diese Einbettung 
f"ur rationale Funktionen, die bei
$X=0$ keinen  Pol
haben, durch ein formales Analogon der Taylorformel 
beschrieben werden kann. Hierbei gilt es zun"achst, die Ableitung eines
Bruchs vermittels der Bruchregel zu erkl"aren.
\end{Ubunge}

\subsection{Satz vom primitiven Element}

\begin{Lemma}[\textbf{"Uberdeckung durch affine Teilr"aume}] 
Ein  affiner Raum 
"uber einem unendlichen K"orper kann  nicht durch endlich viele echte affine
Teilr"aume "uberdeckt werden.\label{EU} 
\end{Lemma}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAFGU}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Beweis von \ref{EU}
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis]
  Wir argumentieren durch Widerspruch
  und gehen von einer "Uberdeckung durch m"oglichst wenige
  Teilr"aume aus. 
  Wir finden also einen Punkt, der im ersten Teilraum liegt, aber
  nicht in den anderen. Weiter finden wir  eine Gerade durch diesen Punkt,
  die nicht im ersten Teilraum enthalten ist.
Sie trifft dann jeden unserer
Teilr"aume in h"ochstens einem Punkt, hat aber selbst
unendlich viele Punkte.
\end{proof}
\begin{Lemma}[\textbf{"Uberdeckung durch Untervektorr"aume}] 
Ein  Vektorraum
 kann  nicht durch endlich viele Untervektorr"aume von unendlicher Kodimension "uberdeckt werden.\label{EUV} 
\end{Lemma}

\begin{proof}
 Seien sonst $K$ ein K"orper und $V=U_1\cup\ldots\cup U_r$ ein
 Gegenbeispiel "uber $K$. Im Dualraum $V^*$ sind nach Annahme die
 Teilr"aume $U_i^\perp$ der auf einem $U_i$ verschwindenden Linearformen
 unendlichdimensional. Wir finden also induktiv $f_i\in U_i^\perp$
 derart, da"s die Familie  $f_1,\ldots, f_r$ linear unabh"angig ist.
 Das bedeutet, da"s die lineare Abbildung $V\ra K^r$ gegeben durch
 $v\mapsto (f_1(v),\ldots, f_r(v))$ surjektiv ist. Auf der Vereinigung der
 $U_i$ ist sie jedoch nicht surjektiv, diese Vereinigung
 wird ja nach Konstruktion
 in die Teilmenge aller Tupel von $K^r$ abgebildet, bei denen mindestens
 eine Koordinate Null ist.
\end{proof}

\begin{Bemerkunge} Hier einige  Erg"anzungen, die
  in dieser Vorlesung keine Rolle spielen.
  Aus \ref{EUV} folgert man leicht, da"s auch ein affiner Raum nicht 
  durch endlich viele affine Teilr"aume unendlicher Kodimension
  "uberdeckt werden kann. 
  Unser Argument beim Beweis von Lemma \ref{EU}
  zeigt feiner, da"s ein  affiner Raum 
  "uber einem  K"orper $\mathbb F$ mit
  mehr als $n$ Elementen $|\mathbb F|>n$
  nie die Vereinigung von nur 
  $n$  echten affinen Teilr"aumen sein kann.
  Unser Argument beim Beweis von Lemma \ref{EUV}
  zeigt feiner, da"s ein Vektorraum $V$ nicht von
  Untervektorr"aumen $U_1,\ldots, U_r$ mit $\op{dim}(V/U_\rho)\geq \rho$ 
  "uberdeckt werden kann. All das ist aber wie gesagt
  f"ur uns hier nicht wichtig.
  \end{Bemerkunge}



\begin{Satz}[\textbf{"Uberdeckung durch Teilk"orper}]
 Ein K"orper kann nicht durch endlich viele echte 
Teilk"orper "uberdeckt werden.\label{UTKoe} 
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis im Fall von Charakteristik Null]
  Jeder Unterk"orper ist in diesem Fall ein $\DQ$-Untervektorraum. Die Behauptung folgt so  aus Lemma \ref{EU}, nach dem ein insbesondere
  ein Vek\-tor\-raum "uber einem unendlichen K"orper
  nicht durch endlich viele echte Untervektorr"aume "uberdeckt werden kann.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis im Fall eines endlichen K"orpers]
 Ein endlicher K"orper
 kann nicht durch echte Teilk"orper "uberdeckt werden, 
da seine multiplikative Gruppe nach \eref{MZ}{LA2} zyklisch ist.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis im Fall eines unendlichen K"orpers positiver Charakteristik]
  Seien nun $L$ ein unendlicher K"orper positiver
  Charakteristik $p>0$ und $K\subsetneq L$ ein echter Teilk"orper.
  Ist $K$ endlich, so ist der Gruppenquotient
  $L/K$ unendlich. Ist $K$ unendlich, so ist  der
  Gruppenquotient $L/K$ ein nichttrivialer $K$-Vektorraum und
  mithin auch unendlich. Also ist $L/K$ in jedem Fall unendlich 
  und hat damit als 
  $\mathbb F_p$-Vektorraum unendliche Dimension. 
  Die Behauptung folgt so aus  Lemma \ref{EUV}, nach dem
  ein Vektorraum nicht durch endlich viele Untervektorr"aume
  unendlicher Kodimension "uberdeckt werden kann.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Unterscheidung von K"orperhomomorphismen}] 
  Gegeben ein  K"or\-per $L,M$ 
  und  paarweise verschiedene K"orperhomomorphismen  
$\sigma_1,\ldots,\sigma_r\in\op{Kring}(L,M)$   gibt es
stets  ein Element $\alpha\in L$,\label{OKLI}  
auf dem unsere K"orperhomomorphismen paarweise verschiedene Werte
annehmen, in Formeln 
$$i\neq j\;\RA \; \sigma_i(\alpha)\neq\sigma_j(\alpha)$$
\end{Korollar}

\begin{proof}
 Sicher ist $L_{ij}\pdef \{\beta\in L\mid\sigma_i(\beta)
 = \sigma_j(\beta)\}$  f"ur $i\neq j$  ein echter Teilk"orper
 $L_{ij}\subsetneq L$.
Da ein K"orper nach \ref{UTKoe} nicht durch endlich viele echte Teilk"orper
"uberdeckt werden kann, gibt es stets ein 
$\alpha\in L\backslash \bigcup_{i\neq j}L_{ij}$. 
\end{proof}
%\begin{proof}[Zweiter Beweis]
%  Die Teilmenge   $\op{Grp}(L^\times, M^\times)\subset \op{Ens}(L^\times, M)$ der Gruppenhomomorphismen ist
%  linear unabh"angig "uber $M$  nach dem Satz
%  "uber die lineare Unabh"angigkeit von Charakteren \ref{LUC}.
%\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Teilk"orper und Primitivit"at}]
 Eine K"orpererweiterung ist genau dann endlich und primitiv,
wenn sie nur endlich viele Zwischenk"orper hat.
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl} Eine endliche K"orpererweiterung, bei der es
  unendlich viele
  Zwischenk"orper gibt, beschreibt "Ubung \ref{UvZw}.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
  L"a"st eine K"orpererweiterung $L/K$ nur endlich viele Zwischenk"orper zu,
so kann sie von ihren echten Zwischenk"orpern nach \ref{UTKoe} nicht
"uberdeckt werden. Also gibt es ein $\alpha\in L$, das in keinem echten
Zwischenk"orper liegt. Dann gilt notwendig $L=K(\alpha)$ und dabei kann 
$\alpha$  nicht transzendent sein, da sonst die $K(\alpha^n)$
eine unendliche Familie paarweise verschiedener Zwischenk"orper w"aren. 
Ist umgekehrt $L=K(\alpha)$ eine primitive endliche K"orpererweiterung,
so betrachten wir die Abbildung
\begin{displaymath}
  \begin{array}{ccc}
 \left\{ \begin{array}{c}
          \text{Zwischenk"orper } M,\\
 K\subset M\subset L
         \end{array}\right\} & \rightarrow &
\left\{ \begin{array}{c}
         \text{Normierte Teiler in }L[X]\\
\text{des Minimalpolynoms }\op{Irr}(\alpha,K)
 \end{array}\right\}\\[6mm]
M & \mapsto & \op{Irr}(\alpha, M)
\end{array}
\end{displaymath}
Es reicht zu zeigen, da"s sie injektiv ist. 
In der Tat wird aber $M$ "uber $K$ bereits von den Koeffizienten
des Minimalpolynoms $\op{Irr}(\alpha, M)$ erzeugt, denn
f"ur den von diesen Koeffizienten "uber $K$
erzeugten Teilk"orper $M'\subset M$ gilt 
 $[L:M']=\op{grad}(\op{Irr}(\alpha,M))=[L:M]$. Da jedes Polynom nur endliche viele normierte Teiler besitzt, folgt die Behauptung.
\end{proof}




\begin{Satz}[\defnoind{vom primitiven Element}\index{primitives Element}]
Ist $L/K$ eine endliche  separable K"or\-per\-er\-weiterung,
so gibt es ein Element $\al \in L$ mit $L = K
(\al)$.\label{PE} 
\end{Satz}
% \begin{proof}[Beweis mit Galoiskorrespondenz]
% Da die multiplikative Gruppe
% jedes endlichen K"orpers nach \eref{MZ}{LA2} zyklisch ist,
% d"urfen wir ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit
% $K$ unendlich annehmen.
% Indem wir $L$ vergr"o"sern zum Zerf"allungsk"orper $N$
% der Minimalpolynome von endlich vielen Erzeugern unserer 
% K"orpererweiterung, k"onnen  wir $L$ als Zwischenk"orper
% einer endlichen Galoiserweiterung 
% $N/K$ realisieren. Da diese nur endlich viele Zwischenk"orper hat,
% hat auch die K"orpererweiterung $L/K$ nur endlich viele Zwischenk"orper.
% Die von $L$ verschiedenen Zwischenk"orper dieser K"orpererweiterung
% k"onnen aber nach \ref{EU} nicht
% ganz $L$ "uberdecken.
%   F"ur jedes Element $\alpha$ aus dem Komplement ihrer Vereinigung
% gilt dann $L=K(\alpha)$.
% \end{proof}
\begin{proof} 
Nach \ref{VNE} k"onnen wir $L$ vergr"o"sern zu einer normalen
Erweiterung $N$ von $K$. Wegen der Separabilit"at
von $L/K$ gibt es dann nach \ref{Kose}  genau
$[L:K]$ K"orperhomomorphismen "uber $K$ von $L$ nach $N$,  in 
Formeln
$$|\!\op{Kring}^K(L,N)|=[L:K]$$
Nach Korollar \ref{OKLI} "uber die Unterscheidung von K"orperhomomorphismen 
gibt es Elemente $\alpha\in L$ derart,
da"s die $\sigma(\alpha)$ f"ur  $\sigma\in\op{Kring}^K(L,N)$ paarweise
verschieden sind. 
Gegeben solch ein $\alpha$ liefert die Restriktion  
eine
Injektion $$\op{Kring}^K(L,N)\hra\op{Kring}^K(K(\alpha),N)$$
und folglich $[L:K]=|\op{Kring}^K(L,N)|\leq [K(\alpha):K]$
und damit $L=K(\alpha)$.
%Die Identit"at 
%$L=K(\alpha)$ folgt dann unmittelbar 
%aus der Kette von Gleichungen und Ungleichungen
%\begin{displaymath}
%  [L:K]=|\!\op{Kring}^K(L,N)|\leq |\!\op{Kring}^K(K(\alpha),N)|\leq[K (\al):K]\leq [L:K]\qedhere
%\end{displaymath}
\end{proof}


\begin{Lemma*}[\textbf{"Uberdeckung durch Nebenklassen}]
Eine abelsche 
Gruppe kann nicht durch endlich viele Nebenklassen zu Untergruppen
von unendlichem Index "uberdeckt werden.\label{UGN} 
 \end{Lemma*}
\begin{Bemerkunge}
  Dies Lemma ist eine gemeinsame Verallgemeinerung unserer
  beiden Lemmata \ref{EU} und \ref{EUV} vom Beginn dieses
  Abschnitts, aber abgesehen davon f"ur uns nicht von Belang.
Noch st"arker gilt sogar:  Eine  "Uberdeckung einer
Gruppe  durch endlich viele Linksnebenklassen bleibt eine "Uberdeckung,
wenn wir daraus alle Linksnebenklassen zu Untergruppen
von unendlichem Index weglassen. Diese Aussage wird als
{\bf Neumann's Lemma}\index{Neumann!Lemma} zitiert. Bernhard Neumann 
studierte in den drei"siger Jahren Mathematik in Freiburg und Berlin. Die 
Macht"ubernahme durch die Nationalsozialisten trieb ihn in die Emigration. 
 \end{Bemerkunge}
 \begin{proof}
   Wir argumentieren durch Widerspruch und gehen von einem
    Gegenbeispiel einer "Uberdeckung durch m"oglichst wenige Nebenklassen aus. Bezeichne bei so einem
   Gegenbeispiel
  $G$ unsere abelsche Gruppe und  $H_0, H_1, \ldots , H_n \subset G$ unsere "uberdeckenden Nebenklassen. 
Die zugeh"origen Untergruppen 
notieren wir $\vec H_0, \vec H_1, \ldots , \vec H_n$.
F"ur alle
$i$ d"urfen wir $|(\vec H_0+\vec H_i)/\vec H_i|\in\{1,\infty\}$  annehmen, indem wir andernfalls
f"ur alle  $i$ mit $|(\vec H_0+\vec H_i)/\vec H_i|<\infty$ die
Nebenklasse $H_i$ von $\vec H_i$ zur Nebenklasse $\vec H_0+ H_i$
von $\vec H_0+\vec H_i$ vergr"o"sern und beachten, da"s die Untergruppe
$\vec H_0+\vec H_i$ in diesem Fall 
immer noch unendlichen Index in $G$ hat. 
Weiter k"onnen unsere Nebenklassen nicht alle Nebenklassen
unter derselben Untergruppe sein, wir d"urfen also $\vec H_0\not\subset \vec H_1$ annehmen.  Da wir von einem kleinsten Gegenbeispiel ausgegangen waren,
finden wir $g \in H_1 \backslash \bigcup_{i\neq 1} H_i$. Wegen $g\not\in H_0$
gilt 
$g + \vec H_0\subset   H_1\cup H_2\cup\ldots\cup H_n$ alias
$$\vec H_0\subset  \bigcup_{i=1}^n \left(( H_i-g)\cap \vec H_0\right)$$
Hier sind aber die $( H_i-g)\cap \vec H_0$ entweder leer oder
Nebenklassen unter $\vec H_i\cap \vec H_0$, das wegen
$|(\vec H_0+\vec H_i)/\vec H_i|=|\vec H_0/(\vec H_i\cap \vec H_0)|\in \{1,\infty\}$ jeweils entweder ganz $\vec H_0$ ist oder eine Untergruppe von unendlichem Index. Ersteres kann nicht passieren, da $g + \vec H_0$
in keinem der $H_i$ enthalten ist. Wir h"atten also ein noch k"urzeres
Gegenbeispiel konstruiert. Dieser Widerspruch zeigt das Lemma.
\end{proof}

 \subsubsection*{"Ubungen}
 \begin{Ubung}[\textbf{Unendlich viele Zwischenk"orper}]
   Sei $k$ ein K"orper positiver Charkteristik $\op{char}k=p>0$.
   Man zeige, da"s die K"orpererweiterung $k(X,Y)\supset k(X^p,Y^p)$ den
   Grad $p^2$ hat und da"s die von $aX+bY$ beziehungsweise 
   $cX+dY$ erzeugten Zwischenk"orper nur dann gleich sind, wenn
   $(a,b)$ und $(c,d)$ denselben Untervektorraum von $k^2$
   erzeugen.\label{UvZw}
 \end{Ubung}


\subsection{Algebraischer Abschlu"s*}
\begin{Bemerkungl}
  In der Literatur ist es "ublich, sich bei der Entwicklung der 
K"orpertheorie stark auf den Satz von 
der Existenz eines algebraischen Abschlusses 
zu st"utzen. 
Das hat  meines Erachtens den Nachteil, da"s der Beweis dieses
Satzes eher mengentheoretischer Natur ist
und zu den anderen Themen der Vorlesung nicht recht passen will. 
Um die Entwicklung der Grundlagen der Algebra  
von den Schwierigkeiten bei der Formalisierung der Mengenlehre 
zu entlasten,
entwickle ich  in diesem Text 
die Grundz"uge der K"orpertheorie unabh"angig vom
 Satz "uber
die Existenz eines algebraischen Abschlusses.
Ich 
diskutiere den Satz und seinen Beweis hier nur,
damit 
weiterf"uhrende Vorlesungen darauf zur"uckgreifen k"onnen.
Der  folgende Abschnitt ist also f"ur die weitere Entwicklung dieser
Vorlesung unerheblich und kann 
ohne Schaden "ubersprungen werden.
\end{Bemerkungl}
  \begin{Bemerkungl}
  Ich erinnere daran, da"s eine K"orpererweiterung  nach \ref{AlKE} 
      algebraisch hei"st, wenn alle Elemente der
    Erweiterung algebraisch sind "uber dem Grundk"orper. 
Ich erinnere daran, da"s  eine K"orpererweiterung $L/K$ 
  k"orperendlich hei"st, wenn der Erweiterungsk"orper "uber dem
Grundk"orper als K"orper endlich erzeugt ist.
  \end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{"uber algebraische K"orpererweiterungen}]
\begin{enumerate}
\item
Jede k"orper\-end\-li\-che algebraische K"orpererweiterung ist endlich;
\item \label{ea2}
Sei $L/K$ eine K"orpererweiterung.
Diejenigen Elemente von $L$, die algebraisch sind "uber $K$, bilden einen
Unterk"orper von $L$;
\item\label{ea3}
Seien $M\supset L \supset K$ K"orper. Ist $M$ algebraisch "uber
$L$ und $L$ algebraisch "uber $K$, so ist $M$ algebraisch "uber
$K$.
\end{enumerate}\label{ea}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
1.
Sei $L=K(\al_1,\ldots,\al_n)$.
Sind alle $\al_i$ algebraisch "uber $K$, so sind sie erst recht
algebraisch "uber $K(\al_1,\ldots,\al_{i-1})$.
Wir betrachten die K"orperkette
$$K\subset K(\al_1)\subset K(\al_1,\al_2)\subset\ldots \subset
K(\al_1,\ldots,\al_n)=L$$
Da hier alle Schritte endlich sind nach \ref{ae}, ist auch $L/K$
endlich nach der Turmregel \ref{et}.
\\[2mm]\noindent 2.
Sind $\al$ und $\beta\in L$ algebraisch "uber $K$,
so haben wir 
$[K(\al,\beta):K]<\infty$ nach Teil 1.
Mithin sind alle Elemente von $K(\al,\beta)$ algebraisch "uber $K$
nach \ref{ae}. 
\\[2mm]\noindent 3.
F"ur $\al\in M$ betrachten wir die Koeffizienten
$\beta_0,\ldots,\beta_r\in L$ seines Minimalpolynoms "uber $L$.
Dann ist $\al$ sogar algebraisch "uber $K(\beta_0,\ldots,\beta_r)$.
Der Turm von endlichen K"orpererweiterungen
$$K\subset K(\beta_0,\ldots,\beta_r) \subset K(\beta_0,\ldots,\beta_r,\al)$$
zeigt damit, da"s $\al$ algebraisch ist "uber $K$.
\end{proof}



\begin{Definition}
Ein \defnoind{algebraischer Abschlu"s}\index{algebraisch!Abschlu"s} 
\index{Abschlu"s!algebraischer, von K"orper} eines K"orpers  ist eine
algebraische Erweiterung 
durch einen algebraisch abgeschlossenen K"orper. 
\end{Definition}


\begin{Satz}[\textbf{"uber den algebraischen Abschlu"s}]
Jeder K"orper besitzt einen algebraischen Abschlu"s und dieser
algebraische Abschlu"s ist eindeutig bis auf im 
allgemeinen nicht eindeutigen\label{AaA} 
Isomorphismus von K"orpererweiterungen.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Wegen dieser partiellen Eindeutigkeit erlaubt man sich meist
den bestimmten Artikel und eine Notation und spricht von \emph{dem}
algebraischen Abschlu"s eines K"orpers $K$ und notiert ihn
\index{)6a@$\bar{K}$ algebraischer Abschlu"s}$$\bar{K}$$
 Ein algebraischer Abschlu"s von $\DR$ w"are etwa
der K"orper $\DC$, wie wir ihn in \eref{DDC}{LA1} 
als Teilring des Rings der reellen $(2\times 2)$-Matrizen 
eingef"uhrt haben, mit der dort konstruierten Einbettung von $\DR$. 
Ein weiterer algebraischer Abschlu"s w"are der wie in \eref{KK2}{GR}  zu $K=\DR$
durch das explizite Erkl"aren einer Multiplikation auf $\DR^2$
konstruierte K"orper, wieder mit der dort konstruierten 
Einbettung von $\DR$.  Sicher sind diese beiden K"orpererweiterungen 
von $\DR$ isomorph, aber es gibt zwischen ihnen sogar  genau zwei Isomorphismen,
von  denen  keiner \glqq besser\grqq\  ist  als der andere.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
  Die gr"o"ste separable Teilerweiterung in einem algebraischen Abschlu"s 
eines K"orpers nennt man seinen 
{\bf separablen Abschlu"s}.\index{separabler Abschlu"s!eines K"orpers}
\end{Bemerkunge}

\begin{proof}
Gegeben ein K"orper $K$ konstruiert man ohne Schwierigkeiten eine
 Einbettung $K\hra \Omega$ in eine Menge $\Omega$ derart, da"s es f"ur keine algebraische Erweiterung von $K$
eine surjektive Abbildung nach  $\Omega$ gibt.
Die Menge $\Omega=\cal{P}(K[X]\times\DN)$ w"are etwa eine M"oglichkeit:
Jedes Element einer algebraischen
Erweiterung  $L$ von $K$ ist ja eine von endlich vielen Nullstellen 
eines Polynoms aus $K[X]$, so da"s wir
unter Zuhilfenahme des Auswahlaxioms eine injektive Abbildung
$L\hra K[X]\times\DN$ finden k"onnen. Die Existenz einer Surjektion
$L\sra \Omega$ st"unde damit im Widerspruch zu \eref{KaPo}{GR},
wonach es keine 
Surjektion
$K[X]\times\DN\sra \cal{P}(K[X]\times\DN)$ geben kann.
Jetzt betrachte man die Menge aller Tripel
$(M,s, \varphi)$ bestehend aus einer Teilmenge $M \subset \Omega$, einer
Struktur $s$ eines K"orpers darauf und einem K"operhomomorphismus $\varphi
: K \rightarrow M$, bez"uglich dessen $M$ algebraisch ist "uber $K$.
Nach dem Zorn'schen Lemma \eref{ZLl}{LA1} existiert bez"uglich der 
offensichtlichen Teilordnung
ein maximales derartiges Tripel. Wir zeigen nun,
bei solch einem maximalen Tripel
$M$ notwendig algebraisch abgeschlossen ist, und damit ist der
Beweis der Existenz auch schon fertig.
Andernfalls k"onnten wir n"amlich mit der Kroneckerkonstruktion 
\ref{AdNs} eine echte endliche Erweiterung $L/M$ von $M$ finden und die
Einbettung $M\hra \Omega$ zu einer Einbettung von Mengen $L\hra\Omega$ 
ausdehnen -- hier verwenden wir implizit nocheinmal das Zorn'sche Lemma, 
nach dem es eine maximale Ausdehnung auf eine Teilmenge von $L$ geben mu"s,
die aber nicht surjektiv sein kann und deshalb bereits auf ganz $L$ definiert
sein mu"s. So erhielten wir ein noch gr"o"seres Tripel und dieser
Widerspruch zeigt die Existenz.
Seien nun $K \hra \bar{K}$ und $K \hra E$ zwei algebraische
Abschl"usse von $K$. Nach Proposition \ref{Ad}
"uber Ausdehnungen von K"orpereinbettungen, die wir im Anschlu"s beweisen,
 l"a"st sich die Identit"at auf
$K$ fortsetzen zu einem K"orperhomomorphismus $\varphi :
\bar{K} \ra E$. Er ist wie jeder K"orperhomomorphismus  injektiv und 
liefert f"ur jedes  Polynom $P \in K[X]$ 
eine Bijektion zwischen  den Nullstellen
von $P$ in $\bar{K}$ und den Nullstellen von $P$ in $E$.
Folglich mu"s er auch  surjektiv sein.
\end{proof}
\begin{proof}[Alternativer Beweis f"ur die Existenz
eines algebraischen Abschlusses]%\label{AaE}
Dieser Beweis basiert auf Grundkenntnissen "uber maximale Ideale,
die in dieser Vorlesung nicht behandelt wurden,
genauer auf \eref{EMI}{KAG} und \eref{RMI}{KAG}.
Sei $K$ unser K"orper.
Wir betrachten die Menge $S = K[X] \backslash K$ aller nicht
konstanten Polynome mit Koeffizienten in $K$ und bilden den riesigen
Polynomring $$R = K[X_{f}]_{f
\in S}$$
Hier gibt es
 also f"ur jedes nichtkonstante Polynom $f$ aus $K[X]$ eine
eigene Variable $X_f$.
In diesem riesigen Polynomring
betrachten wir das Ideal $\frak{a} \subset R$,
das von allen $f(X_{f})$ erzeugt wird,
und zeigen $\frak{a} \neq R$. Sonst k"onnten wir n"amlich $1 \in R$
schreiben als eine endliche Summe
$$ 1 = \sum_{f \in E} g_{f} f(X_{f})$$
f"ur $E \subset S$ endlich und geeignete $g_{f} \in R$.
Nun gibt es nach \ref{ZPK}, angewandt auf das Produkt der $f$ aus $E$, eine
K"orpererweiterung $L$ von $K$ derart, da"s alle $f$ aus $E$ in $L$ eine
Nullstelle $\al_{f} \in L$ haben. F"ur die "ubrigen $f \in S$ w"ahlen wir
Elemente $\al_{f} \in L$ beliebig und betrachten den Einsetzungshomomorphismus
$$\begin{array}{cccc}
\varphi :& R & \ra &L\\
&X_{f} & \mapsto &\al_{f}
\end{array}$$
Dieser Ringhomomorphismus m"u"ste nun die Eins in $ R$ auf die Null in $L$
abbilden und das kann nicht sein. Folglich gilt $\frak{a} \neq R$ und es gibt
nach \eref{EMI}{KAG}, bei dessen Beweis das Zorn'sche Lemma eingeht, 
ein maximales Ideal $\frak{m} \supset\frak{a}$.
Dann ist $K_{1} = R /\frak{m}$ nach \eref{RMI}{KAG} 
ein K"orper und jedes nichtkonstante
Polynom $f \in K [X] \backslash K$ hat eine Nullstelle in $K_{1}$,
n"amlich die Nebenklasse von $X_{f}$.
Iterieren wir diese Konstruktion, so erhalten wir ein Kette von
K"orpern
$$ K = K_{0} \hra K_{1} \hra K_{2} \hra \ldots $$
derart, da"s jedes nichtkonstante Polynom mit Koeffizienten in
$K_{i}$ eine Nullstelle hat in $K_{i+1}$. Die aufsteigende Vereinigung
$\bigcup^{\infty}_{i=0} K_{i}$ ist dann ein algebraisch
abgeschlossener K"orper, der $K$ enth"alt.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}
  Eigentlich hatte ich versprochen, beliebige Vereinigungen nur
zu bilden von Systemen von Teilmengen einer bereits 
anderweitig bekannten Menge, und recht eigentlich m"ussen unsere Inklusionen 
auch keine Einbettungen von Teilmengen sein.
Wenn Sie es so genau nehmen, 
mu"s ich daran erinnern, da"s wir disjunkte
Vereinigungen von beliebigen Familien von Mengen erlaubt hatten.
Dann kann ich mich darauf zur"uckziehen, da"s hier eigentlich 
der Quotient der disjunkten Vereinigung $\coprod^{\infty}_{i=0} K_i$ 
nach derjenigen "Aquivalenzrelation 
 gemeint sein soll, die  erzeugt wird durch die Bedingung, da"s 
f"ur alle $i$ jedes  $x\in K_i$ 
"aquivalent sein soll zu seinem Bild in $K_{i+1}$. Formal ist diese 
Konstruktion ein Spezialfall der allgemeinen Konstruktion 
eines \glqq Kolimes in der Kategorie der Mengen\grqq, wie Sie ihn in 
\eref{Kolim}{TS} in voller Allgemeinheit kennenlernen k"onnen.
\end{Bemerkunge}

\begin{Proposition}[\textbf{Ausdehnung von K"orpereinbettungen}]
Eine Einbettung eines K"orpers in einen algebraisch\label{Ad} 
abgeschlossenen K"orper l"a"st sich auf jede algebraische Erweiterung unseres 
urspr"unglichen K"orpers ausdehnen.
\end{Proposition}

\begin{Bemerkungl}\label{AdVV} 
Ist also in Formeln $K \hra L$ eine algebraische K"orpererweiterung, so l"a"st
sich jede Einbettung $K \hookrightarrow F$ von $K$ in einen
algebraisch abgeschlossenen K"orper $F$ ausdehnen zu einer Einbettung $L
\hookrightarrow F$. Es reicht hier sogar, wenn wir von $F$ nur fordern, da"s
die Minimalpolynome $\op{Irr}(\alpha,K)$ aller Elemente $\alpha$
irgendeines Erzeugendensystems von $L$ "uber $K$ vollst"andig in
Linearfaktoren zerfallen, sobald wir sie als 
Polynome in $F[X]$ betrachten.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir $K\subset L$ annehmen.
Nach dem Zorn'schen Lemma gibt es unter allen Zwischenk"orpern $M$
mit $K \subset M \subset L$, auf die sich unsere Einbettung $K
\hookrightarrow F$ fortsetzen l"a"st, mindestens einen Maximalen.
Ich behaupte $M = L$. Sonst g"abe es n"amlich $\al \in L \backslash M$, und
dies $\al$ w"are algebraisch "uber $M$, mit Minimalpolynom $f \in
M[X]$.
Die Minimalpolynom h"atte eine Nullstelle $\beta \in F$, und 
nach Proposition \ref{AuuD}
"uber das Ausdehnen auf primitive Erweiterungen
k"onnten wir dann
$M \hookrightarrow F$ fortsetzen zu einer Einbettung
$
M(\al)  \ra F$ durch $
\al  \mapsto \beta
$
im Widerspruch zur Maximalit"at von $M$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Der algebraische Abschlu"s des K"orpers $\DQ$ der rationalen Zahlen
ist abz"ahlbar nach \ref{KAKo}. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}[\textbf{Algebraischer Abschlu"s endlicher K"orper}]
  Einen algebraischen Abschlu"s eines endlichen
Primk"orpers $\mathbb F_p$ k"onnen wir wie folgt konstruieren:
Wir w"ahlen eine Folge $r(0),r(1),\ldots$ von nat"urlichen Zahlen 
so, da"s jeweils gilt $r(i)|r({i+1})$ und da"s jede nat"urliche Zahl
eines unserer Folgenglieder teilt.\label{AABF} 
Dann gibt es nach \ref{EEK} Einbettungen $\mathbb F_{p^{r(i)}}\hra \mathbb
F_{p^{r{(i+1)}}}$. Wir w"ahlen nun jeweils eine derartige  Einbettung 
und bilden mit ihrer Hilfe 
die aufsteigende Vereinigung
$$\bar{\mathbb F}_p=\bigcup_{i=0}^\infty \mathbb F_{p^{r(i)}}$$
Das ist dann offensichtlich  ein algebraischer Abschlu"s von $\mathbb F_p$.
Wie diese aufsteigende Vereinigung
 ganz genau zu verstehen ist, hatte ich bereits zu Ende des 
alternativen Beweises f"ur die Existenz eines algebraischen Abschlusses 
\ref{AaA} erl"autert. 
Der Nachweis, da"s wir so in der Tat einen algebraischen Abschlu"s
von $\mathbb F_{p}$ erhalten, ist nicht schwer und bleibe dem Leser "uberlassen.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
  Ich erinnere an dem K"orper $\DC(\!(t)\!)$ der formalen Laurentreihen mit
komplexen Koeffizienten aus \eref{FRL}{LA1}. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Algebraischer Abschlu"s des 
Laurentreihenk"orpers}]
Der in hoffentlich offensichtlicher\index{Puiseux!Satz von} 
Weise pr"azise zu definierende K"orper
$$\bigcup_{\gamma\in\DN_{\geq 1}}\DC(\!(t^{1/\gamma})\!)$$
der \emph{\bf Puiseux-Reihen mit komplexen Koeffizienten} 
ist algebraisch abgeschlossen und damit der algebraische Abschlu"s des 
K"orpers der formalen Laurentreihen 
$\DC(\!(t)\!)=\op{Frac}\DC\llbracket t\rrbracket$. 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Analoges gilt, wenn wir $\DC$ durch einen beliebigen algebraisch
  abgeschlossenen K"orper der Charakteristik Null ersetzen.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
  Das folgt sofort aus dem im Anschlu"s bewiesenen Lemma 
\ref{NPL}.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}
 Die obige  Konstruktion
   kann auch 
f"ur einen beliebigen Koeffizientenring $k$ durchgef"uhrt werden.
  Wir erhalten so den {\bf Ring der Puiseux-Reihen mit Koeffizienten in
    $k$}.\index{Puiseux-Reihe}
 F"ur eine formal befriedigende Definition mag man sich auf das
allgemeine Konzept eines \glqq Kolimes\grqq\  aus \eref{KolM}{TS}
st"utzen.    
\end{Bemerkunge}


\begin{Lemma}[\textbf{Nullstellen von Polynomen in Laurentreihen}]
  Seien $k=\bar k$ ein algebraisch abgeschlossener
K"orper, $P\in k\llbracket t\rrbracket[X]$ ein\label{NPL} 
Polynom mit Koeffizienten im Potenzreihenring "uber $k$ und 
$\lambda\in k$ eine $n$-fache Nullstelle von seinem Bild
$\bar P\in k[X]$.
Wird $n$ nicht von der Charakteristik unseres K"orpers geteilt,
so besitzt $P$ f"ur geeignetes $\gamma$ mit $1\leq \gamma\leq n$ 
eine Nullstelle in $
\lambda+ t^{1/\gamma}k\llbracket t^{1/\gamma}\rrbracket$.
\end{Lemma}
%\emph{Checke diese Proposition und ihren Beweis nochmal durch!}
\begin{Bemerkungl}
  Wir erlauben hier nur Nullstellen endlicher Ordnung
und machen insbesondere keine Aussage f"ur den Fall, da"s 
$\bar P\in k[X]$ das Nullpolynom ist. Mit dem Symbol
 $k\llbracket t^{1/\gamma}\rrbracket$
ist der Ring $k\llbracket s\rrbracket$ gemeint mit seiner
durch $t\mapsto s^\gamma$ gegebenen Einbettung von $k\llbracket t\rrbracket$.
 Ich bin verbl"ufft, da"s
mir der Beweis auch f"ur nicht notwendig normiertes $P$ zu gelingen
scheint.
\end{Bemerkungl}



\begin{proof}
Indem wir $X$ durch $X+\lambda$ substituieren, d"urfen
wir ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $\lambda=0$ annehmen.
Nach unseren Annahmen hat $P$ dann die Gestalt
$$P(X)=a_0+a_1X+\ldots+a_{n}X^n+\ldots+a_{N}X^N$$
mit $a_0,\ldots,a_{n-1}\in tk\llbracket t\rrbracket$ und
$a_n\in k^\times+  tk\llbracket t\rrbracket$.
Wir verwenden nun die Bewertung $v:k\llbracket t\rrbracket\ra
\DN\amalg\{\infty\}$, die jeder Potenzreihe $a$ 
den Grad ihres  Terms niedrigster Ordnung 
$v(a)\pdef\op{sup}\{\nu\mid t^\nu|a\}$ zuordnet.
Im Spezialfall $v(a_0)=1$ alias $a_0\in k^\times t+t^2k\llbracket t\rrbracket$
f"uhrt f"ur
unsere Nullstelle der Ansatz 
$$\mu_1t^{1/n} +\mu_2t^{2/n}+\ldots$$
mit $\mu_i\in k$ zum Ziel. 
Ist etwa $a_0\in \tilde a_0 t+t^2k\llbracket t\rrbracket$
und $a_n\in \tilde a_n +tk\llbracket t\rrbracket$, so  erhalten wir
die Gleichung $\tilde a_0 +\tilde a_n\mu_1^n=0$ und k"onnen
dazu eine  L"osung $\mu_1$ finden, die notwendig verschieden ist von
Null. Dann 
erhalten wir leicht induktiv eines unserer  $\mu_i$ aus den Vorhergehenden:
Der wesentliche Punkt ist dabei, da"s in einer Entwicklung
$$(\mu_1t^{1/n} + h)^n=\mu_^^nt+(n\mu_1^{n-1}t^{(n-1)/n})h+\ldots$$ 
der Koeffizient des 
linearen Terms nicht Null ist.
Im etwas allgemeineren Fall,
da"s f"ur das kleinste $k<n$ mit $a_k\neq 0$ auch die Bewertung 
$b\pdef v(a_k)$ minimal ist unter den Bewertungen 
der Koeffizienten $v(a_0),\ldots,v(a_{n-1})$,
m"ussen wir \glqq in erster N"aherung\grqq\  eine L"osung der
Gleichung $\tilde a_kt^b X^k+\tilde a_nX^n=0$ finden, mit der Notation
$\tilde a\in k^\times$  f"ur den Koeffizienten der
$t$-Potenz niedrigsten Grades in $a\in k\llbracket
t\rrbracket\backslash 0$. Solch eine L"osung finden wir
in der Form $\mu_1t^\alpha$ mit $\alpha=b/(n-k)$, und 
wir finden sogar eine von Null verschiedene L"osung mit $\mu_1\in k^\times$.
Dann f"uhrt "ahnlich der Ansatz
$$\mu_1t^{\alpha} +\mu_2t^{\alpha\; + 1/(n-k)}+\mu_3t^{\alpha \;+ 2/(n-k)}+\ldots$$
f"ur eine Nullstelle 
mit $\mu_2,\mu_3,\ldots \in k$ zum Erfolg. 
Um schlie"slich unser Problem in voller Allgemeinheit 
zu l"osen, d"urfen wir ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit
 $a_0\neq 0$ annehmen, da ja sonst  die Null von
$k\llbracket
t\rrbracket$ bereits eine L"osung ist. Dann
suchen wir das Minimum $\alpha$ der  $v(a_k)/(n-k)$ mit $0\leq k <n$, 
es werde etwa an den Stellen $i,j,\ldots,l$ angenommen,
und 
m"ussen \glqq in erster N"aherung\grqq\  eine L"osung der
Gleichung 
$$\tilde a_it^{v(a_i)} X^i+\tilde a_jt^{v(a_j)} X^j +\ldots +\tilde a_lt^{v(a_l)} X^l
+
\tilde a_nX^n=0$$ finden.
Wegen $v(a_i)+i\alpha=v(a_j)+j\alpha=\ldots =v(a_l)+l\alpha=n\alpha$
finden wir mit dem Ansatz $X=\mu_1t^\alpha$ eine L"osung dieser Gleichung,
und zwar sogar eine L"osung 
mit $\mu_1\in k^\times$. Ist nun $\gamma$ der 
Nenner von $\alpha$ in seiner maximal gek"urzten
Darstellung, so
f"uhrt wieder der Ansatz 
$$\mu_1t^{\alpha} +\mu_2t^{\alpha\; + 1/\gamma}+\mu_3t^{\alpha \;+
  2/\gamma}+\ldots$$
 und induktiv zu bestimmenden $\mu_2,\mu_3,\ldots \in k$ zum Erfolg.
\end{proof}


\begin{Definition}
Seien $K$ ein K"orper und $\cal{P}\subset K[X]\backslash 0$  
  ein Menge von von
Null verschiedenen Polynomen.
Unter einem 
{\bf Zerf"allungsk"orper\index{Zerf"allungsk"orper!einer Menge von Polynomen} 
von $\cal{P}$} verstehen
wir eine K"orpererweiterung
$L/K$ derart, da"s (1) jedes Polynom $P\in \cal{P}$ in $L [X]$ vollst"andig
in Linearfaktoren zerf"allt und da"s (2) der K"orper $L$ "uber
$K$ erzeugt wird von den Nullstellen der Polynome  $P\in \cal{P}$.
\end{Definition}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubunge}
  Man zeige, da"s eine K"orpererweiterung $L/K$ normal ist genau dann, 
wenn sie der Zerf"allungsk"orper einer Menge von Polynomen
$\cal{P}\subset K[X]\backslash 0$ ist. Hinweis: Man kopiere den Beweis 
von \ref{CaNo}. Bei Punkt 3 dort reicht es, f"ur $M$ einen
algebraischen Abschlu"s von $K$ zu betrachten.\label{zfk}
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
Gegeben ein endlicher K"orper ist die multiplikative
Gruppe  seines algebraischen Abschlusses
in unkanonischer Weise isomorph zur Gruppe aller Elemente von
$\Bbb{Q}/\Bbb{Z}$, deren Ordnung teilerfremd ist zur
Charakteristik unseres K"orpers.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Ist $L/K$ eine K"orpererweiterung durch einen algebraisch abgeschlossenen
K"orper, so bilden die "uber $K$ algebraischen Elemente von $L$ einen
algebraischen Abschlu"s von $K$. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Sei $L/K$  eine K"orpererweiterung durch einen algebraisch abgeschlossenen
  K"orper. Man zeige, da"s jede normale K"orpererweiterung von $K$ als
  K"orpererweiterung von $K$ isomorph ist zu genau einem
  Unterk"orper $M\subset L$ mit $M\supset K$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Unter der {\bf normalen H"ulle}\index{normale H"ulle}
  einer K"orpererweiterung $L/K$ versteht man eine K"orpererweiterung
  $N/L$ derart, da"s $N/K$ normal ist und da"s es f"ur jede weitere
  K"orpererweiterung $N_1/L$ mit dieser Eigenschaft einen
  K"orperhomomorphismus $N\ra N_1$ "uber $K$ gibt.
  Man zeige, da"s jede algebraische K"orpererweiterung eine normale H"ulle
  besitzt, und da"s jeder Homomorphismus "uber $K$ zwischen  zwei normalen H"ullen  ein Isomorphismus sein mu"s.  Das rechtfertigt dann zu einem
  gewissen Ma"se den bestimmten Artikel.
\end{Ubung}



\subsection{Schiefk"orper "uber den reellen Zahlen*}
\begin{Bemerkungl}
Der Inhalt des folgenden Abschnitts ist f"ur die weitere Entwicklung dieser 
Vorlesung nicht von Belang. Die Thematik schien mir jedoch 
zu interessant, um sie ganz auszulassen. Anwendungen 
ergeben sich insbesondere in der Darstellungstheorie endlicher Gruppen
und allgemeiner in der abstrakten Theorie nicht notwendig kommutativer
Ringe, in der Schiefk"orper eine wichtige Rolle spielen.
Unter einem Schiefk"orper verstehen wir wie in \eref{Schief}{LA1} einen 
Ring $R$, der nicht der Nullring ist,
und
in dem
alle von Null verschiedenen
Elemente Einheiten sind. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}[\textbf{Schiefk"orper "uber den reellen Zahlen}]
Jede endlichdimensionale $\DR$-Ringalgebra, die
ein Schiefk"orper ist,\label{Quat} 
ist  als 
$\DR$-Ringalgebra 
isomorph zu $\Bbb{R}$, $\Bbb{C}$, oder zum Schiefk"orper  $\Bbb{H}$  der
Quaternionen aus \eref{DQua}{LA1}. 
\end{Proposition}


\begin{Bemerkunge}
Statt endlicher Dimension "uber $\DR$ 
brauchen wir sogar nur anzunehmen,\label{Quatt} 
da"s unsere Ringalgebra  als $\Bbb{R}$-Vek\-tor\-raum abz"ahlbar erzeugt ist.
Derselbe Beweis funktioniert, da wir etwa nach
  \ref{UEC} wissen, da"s auch jede Erweiterung abz"ahlbarer
Dimension von $\DR$ bereits algebraisch ist.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}
Sei $K$ unsere $\DR$-Ringalgebra.
Die Struktur als $\DR$-Ringalgebra liefert uns einen eindeutig bestimmten
Homomorphismus von $\DR$-Ringalgebren $\Bbb{R} \ra K$,
der wegen $K\neq 0$ sogar injektiv sein mu"s. Wir fassen ihn von nun an zur 
Vereinfachung der Notation als die Inklusion einer Teilmenge 
$\Bbb{R} \subset K$ auf.
 Gegeben $\alpha\in K \backslash \Bbb{R}$ k"onnen wir unsere Einbettung 
$\Bbb{R}
  \hookrightarrow K$ zu einer Einbettung $ \Bbb{C}\hra K$ 
fortsetzen, deren Bild 
$\alpha$
  enth"alt: In der Tat ist die
$\DR$-Ringalgebra
$\DR[\alpha]$  ein Integrit"atsring und nach \ref{JHGb} notwendig eine echte algebraische
K"orpererweiterung von $\DR$ und mu"s 
nach \ref{KERe} also isomorph sein zu $\DC$. 
Um die Notation nicht unn"otig aufzubl"ahen, denken wir uns von nun an
vermittels dieser Einbettung $\DC$ als einen Teilk"orper $\DC\subset K$.
   Jetzt machen wir $K$ zu einem
  $\Bbb{C}$-Vektorraum durch Multiplikation von links. Die Multiplikation mit
  $\op{i} \in \Bbb{C}$ von rechts wird dann ein $\Bbb{C}$-linearer
  Endomorphismus $J \in \op{End}_{\Bbb{C}} K$ mit $J^{2} = -\op{id}_{K}$. Als
  Endomorphismus endlicher Ordnung 
  \eref{DEO}{LA2}  oder 
  einfacher als Endomorphismus der Ordnung Vier
  ist er diagonalisierbar nach 
\eref{diag2}{LA2} 
und
  liefert wegen $J^2=-\op{id}$ 
eine Zerlegung $K=K^+\oplus K^-$ mit 
$K^\pm=\{a\in K\mid \op{i}a=\pm a\op{i}\}$.
F"ur alle $\alpha\in K^+$ ist nun $\DC[\alpha]$  nach \ref{JHGb} ein K"orper und es folgt $K^+=\DC$. Gilt $K \neq \Bbb{C}$, so
gibt es nach dem Beginn des Beweises
  auch in $K^-\oplus \DR$ ein Element $\op{j}$ mit $\op{j}^2=-1$. 
Setzen wir $\op{j}=\beta+\alpha$ mit $\beta\in K^-$ und 
$\alpha\in\DR$, so folgt $-1=\op{j}^2=\beta^2+2\alpha\beta +\alpha^2$
mit dem ersten und letzten Term in $K^+$ und dem mittleren Term in $K^-$.
Damit folgt erst  $2\alpha\beta=0$ und dann $\alpha=0$
und man 
  erkennt $\op{j}\in K^-$. 
F"ur jedes von Null verschiedene $\op{j}\in K^-$  induziert aber die 
Multiplikation
mit $\op{j}$ von rechts einen Isomorphismus $K^+\sira K^-$.
Setzen wir ${\op{k}}\pdef {\op{i}}{\op{j}}$, so ist also $\{1,{\op{i}},{\op{j}},{\op{i}}{\op{j}}\}$ eine
$\DR$-Basis von $K$ und es gilt ${\op{i}}^2={\op{j}}^2=-1$ und
${\op{i}}{\op{j}}=-{\op{j}}{\op{i}}$. Daraus aber folgt sofort ${\op{k}}^2=-1
={\op{i}}{\op{j}}{\op{k}}$.
\end{proof}


\begin{Bemerkunge}\label{KoAl}
Eine \defind{Kompositionsalgebra} ist ein reeller 
endlichdimensionaler Skalarproduktraum
$V$  mit einer bilinearen Verkn"upfung 
$\mu : V \times V \ra V$ derart, da"s gilt $\|\mu (v,w)\| = \|v\|\cdot \|w\|
\; \forall v,w \in V$. Topologische Methoden zeigen, da"s
die Dimension eine Bijektion 
$$\left\{
\begin{array}[c]{c}
\text{Kompositionsalgebren mit Einselement,}\\
\text{bis auf Isomorphismus}
\end{array}
\right\} \sira
\{0,1,2,4,8\}$$
liefert. Genauer ist $\mu_v:w\ra \mu(v,w)$ f"ur jeden festen Vektor $v\in V$ der L"ange Eins
orthogonal und induziert folglich eine Permutation der Einheitssph"are von $V$.
F"ur jedes $w\in V$ gibt es mithin genau ein $\rho(w)=\rho_v(w)\in V$ mit
$\mu(v,\rho(w))=w$. Gilt also $\op{dim}V>1$ und halten  wir  einen weiteren Einheitsvektor $t$
mit $t\perp v$ fest, so ist $\mu(t,\rho(w))$ ein Einheitsvektor, der auf $w$ senkrecht steht. Man sieht leicht, da"s er stetig von $w$ abh"angt und so ein
stetiges tangentiales Vektorfeld ohne Nullstelle auf der Einheitsshp"are
in $V$ liefert. Mit topologischen Methoden kann man aber zeigen, da"s
es derartige Vektorfelder nur auf Sph"aren der Dimensionen $1,3,7$ geben kann, da"s das also in anderer Terminologie die einzigen {\bf parallelisierbaren Sph"aren} sind. 
Die fraglichen Kompositionsalgebren sind 
$0$, $\DR$, $\DC$, $\Bbb{H}$ und die sehr merkw"urdige 
Struktur der sogenannten \defind{Oktaven} $\Bbb{O}$,
auch genannt \defind{Oktonionen} oder 
{\bf Cayley'sche Zahlen},\index{Cayley'sche Zahlen}
bei denen die Multiplikation nicht mehr assoziativ ist.  
Zur Konstruktion dieser Struktur 
 erinnern wir  aus  
\eref{KQua}{LA1} den dort ausgezeichneten Isomorphismus
$\mathbb H\sira \mathbb H^{\op{opp}}$, $q\mapsto \bar q$ 
  und setzen 
$\mathbb O\pdef\mathbb H \times \mathbb H$ mit
der nicht assoziativen Multiplikation\label{Okta} 
$
\mu( (a,b), (x,y)) \pdef (ax - \bar y b, b \bar x + ya)
$. Das Skalarprodukt ist jeweils das \glqq offensichtliche\grqq. 
Mehr dazu findet man etwa bei \cite{Zahlen}.
\end{Bemerkunge}




  
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubunge}
  Explizit gilt f"ur das Skalarprodukt auf den Oktaven
  $\|(a,b)\|^2=a\bar a + b\bar b$. Man zeige, da"s die Oktaven in der Tat eine
  Kompositionsalgebra bilden. Ich empfehle, bei der Rechnung
  die "ubrigen gemischten Terme zu zwei Realteilen von Quaternionen zusammenzufassen, die sich dann zu Null addieren. Man zeige weiter: 
Sind zwei nat"urliche Zahlen jeweils eine Summe von acht
  Quadraten, so auch ihr Produkt.
\end{Ubunge}


%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAL"
%%% End: 
