\section{Galoistheorie}\label{GalT}
\subsection{Galoiserweiterungen}
\begin{Definition}
Ein Isomorphismus von einem K"orper zu sich selbst hei"st auch ein
{\bf Automorphismus} unseres K"orpers.\index{Automorphismus!eines K"orpers} 
Gegeben eine K"orpererweiterung $L/K$ hei"st die Gruppe aller
K"or\-per\-automorphismen von $L$, die $K$ punktweise festhalten,
die {\bf Galoisgruppe}\index{Galoisgruppe} $\op{Gal} (L/K)$
der K"orpererweiterung $L/K$.
\end{Definition}
%\begin{Bemerkungl}
%  Sprechen wir von der {\bf Galoisgruppe eines Polynoms}\index{Galoisgruppe!eines Polynoms} oder genauer von der
%  Galoisgruppe "uber einem K"orper $K$ eines Polynoms $P\in K[T]$,\index{Gal@$\op{Gal}
%    (L/K)$ Galoisgruppe} so meinen wir die Galoisgruppe seines
%  Zerf"allungsk"orpers $L/K$.
%\end{Bemerkungl}


  \begin{Bemerkunge}
  Bezeichnet $\op{Ring}$ die Kategorie der Ringe und
$\op{Ring}^K$  die Kategorie der  Ringe unter $K$, 
so k"onnen wir die Galoisgruppe in kategorientheoretischer 
Notation schreiben als 
$\op{Gal} (L/K)=(\op{Kring}^K)^\times(L)$ und im Fall einer endlichen
Erweiterung als $\op{Gal} (L/K)=\op{Kring}^K(L,L)$, da dann alle
K"orperhomomorphismen "uber $K$ von $L$ in sich selber
bereits injektiv und durch Vergleich der $K$-Dimensionen sogar
Isomorphismen sind.  
  \end{Bemerkunge}



\begin{Beispiele}
$\op{Gal} (\Bbb{C} /\DR)$ ist eine Gruppe mit zwei Elementen, der
Identit"at und der komplexen Konjugation.
Betrachten wir in $\DR$ die dritte Wurzel $\sqrt[3]{2}$ von $2$, 
so besteht
$\op{Gal} (\DQ (\sqrt[3]{2})/\DQ)$  nur aus der Identit"at, denn
jeder K"orperhomomorphismus $\DQ (\sqrt[3]{2}) \ra \DQ
(\sqrt[3]{2})$ mu"s die einzige L"osung der Gleichung $x^{3} =2$
in diesem K"orper auf sich selbst abbilden.
\end{Beispiele}
\begin{Lemma}
Der Grad einer K"orpererweiterung ist eine obere Schranke
f"ur die Kardinalit"at\label{GAB} 
ihrer Galoisgruppe. Ist also  in Formeln $L/K$
unsere  K"orpererweiterung, so gilt in $\DN\sqcup\{\infty\}$ die Ungleichung
$$|\op{Gal} (L/K)| \leq [L:K]$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt sofort aus Satz \ref{ZFK}, nach dem sogar die Zahl der
K"orperhomomorphismen "uber $K$ von $L$ in einen beliebigen
weiteren K"orper $M$ "uber $K$ beschr"ankt ist durch der Erweiterunggrad
$|\op{Ring}^K(L,M)|\leq [L:K]$.
\end{proof}




\begin{Proposition}\label{GaFq}
Ist $q$ eine echte Primzahlpotenz und $r \geq 1$, so ist die Galoisgruppe 
 $\op{Gal} (\Bbb{F}_{q^{r}}
/\Bbb{F}_{q})$ eine zyklische Gruppe der Ordnung $r$,
erzeugt vom  {\bf\em Fro\-be\-nius-Ho\-mo\-mor\-phis\-mus} oder kurz {\bf\em Frobenius}
\index{Frobenius}\index{Frobeniushomomorphismus} $$F : \Bbb{F}_{q^{r}}
\sira \Bbb{F}_{q^{r}},\;\; a \mapsto a^{q}$$
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
In \eref{Frob}{LA1} hatten wir 
bereits einen Frobeniushomomorphismus   eingef"uhrt.
Der Frobeniushomomorphismus hier ist seine $l$-te Potenz
f"ur $l$ gegeben durch $q=p^l$ mit $p$ prim.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Sicher erzeugt $F$ in der Galoisgruppe eine zyklische Untergruppe der Ordnung
$r$. Nach dem vorhergehenden Satz \ref{GAB} 
hat die Galoisgruppe jedoch h"ochstens
$r$ Elemente.
\end{proof}
% \begin{Bemerkungl}
% Wir w"ahlen zur Entwicklung  der Galoistheorie 
% einen Zugang, der auf dem folgenden recht unscheinbar
% wirkenden
% Lemma aufbaut.
% \end{Bemerkungl}


\begin{Definition}
Eine K"orpererweiterung $L/K$ hei"st eine 
{\bf Galoiserweiterung}\index{Galoiserweiterung}
oder kurz {\bf Galois},
wenn sie \hyperref[normal]{normal}  
und \hyperref[DefS]{separabel}  ist.\label{DeGA} 
\end{Definition}





  \begin{Bemerkungl}
    Operiert eine Gruppe $G$ auf einer Menge $X$, so schreiben wir ganz
    allgemein $X^G$ f"ur die Menge der Fixpunkte. Ist speziell $X$ ein K"orper
    $L$ und $G$ eine Gruppe von K"orperautomorphismen von $L$, so ist
    $L^G\subset L$ offensichtlich ein Unterk"orper von $L$. Er hei"st der {\bf
      Fixk"orper\index{Fixk"orper} von $G$}.
  \end{Bemerkungl}



\begin{Satz}[\textbf{Galoiserweiterungen durch Gruppenoperationen}]
Seien $L$ ein K"or\-per, $G$ eine endliche Gruppe\label{ZH}
von Automorphismen von $L$ und $ L^G$ der Fixk"orper von $G$. 
So gilt:
\begin{enumerate}
\item
Jedes Element $\al \in L$  ist algebraisch "uber $L^G$ und 
sein Minimalpolynom   "uber $L^G$ wird 
gegeben durch die Formel
$$\op{Irr}(\alpha,L^G)=\prod_{\beta \in G\al} (X - \beta)$$
\item Die K"orpererweiterung  
$L/L^G$ ist eine endliche Galoiserweiterung vom Grad 
$[L:L^G]=|G|$
mit  Galoisgruppe
$\op{Gal}(L/L^G)=G$.
\end{enumerate}
\end{Satz}

\begin{proof}
Wir setzen $K\pdef L^G$. Schreiben wir 
 $\prod_{\beta \in G\al} (X - \beta)=\sum a_iX^i$, so gilt f"ur jedes
Element $\sigma\in G$ die von der Mitte her zu entwickelnde Gleichungskette
$$\sum \sigma(a_i)X^i= \prod_{\beta \in G\al} (X - \sigma(\beta))   
= \prod_{\beta \in G\al} (X - \beta)=\sum a_iX^i$$
Also  geh"ort unser Produkt zu $K[X]$. Es
  teilt  das Minimalpolynom $\op{Irr}(\al, K)$, da
mit $\al$ auch alle
  $\sigma (\al)$ f"ur $\sigma \in G$ Nullstellen des besagten 
Minimalpolynoms sein
  m"ussen. Es wird aber auch vom fraglichen
Minimalpolynom geteilt, da 
es bei $\alpha$ verschwindet. Da 
unser Produkt und das Minimalpolynom beide normiert sind, m"ussen diese beiden 
Polynome "ubereinstimmen und der erste Punkt ist erledigt. 
Per definitionem ist
dann $L/K$  normal und separabel,
also
  Galois. 
Als n"achstes zeigen wir die Identit"at
 $$
[L:K]= |G |$$
Wir bemerken dazu, da"s es nach Proposition
 \ref{OKLI}  "uber die Unterscheidung von K"orperhomomorphismen
ein $\alpha\in L$ gibt mit
$|G\alpha|=|G|$. Unsere Beschreibung des Minimalpolynoms 
von $\alpha$ "uber $K$ zeigt dann $[ K(\alpha):K]=|G|$.
F"ur $\beta\in L$ ist aber auch $K(\alpha,\beta)$ eine endliche separable Erweiterung von
$K$ und nach dem Satz vom primitiven Element \ref{PE} gibt es $\gamma$ mit
$K(\alpha,\beta)=K(\gamma)$. Aus $\op{grad}(\op{Irr}(\gamma,K))\leq |G|$
folgt dann $K(\gamma)=K(\alpha)$ und damit $\beta\in  K(\alpha)$.
Insgesamt folgt $K(\alpha)=L$ und 
$[L:K]=[K(\alpha):K]= |G |$.
Mit dieser Erkenntnis
bewaffnet folgern wir schlie"slich 
die Gleichheit $G=\op{Gal}(L/K)$ mit der Absch"atzung
$\op{Gal}(L/K)|\leq[ L:K]$ nach \ref{GAB}  aus der 
Ungleichungskette
\begin{equation*}
|G|\leq|\op{Gal}(L/K)|\leq[ L:K]= |G|\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}
\begin{proof}[Alternative zum Beweis der Absch"atzung ${[ L:L^G]\leq |G|}$]
 Wir k"onnen hier alternativ auch durch Widerspruch mit dem Satz "uber 
die lineare Unabh"angigkeit von Charakteren argumentieren.
Nehmen wir an, die Elemente von $G$ seien
$\sigma_1,\ldots,\sigma_r$ und es gebe in $L$ 
eine um  Eins gr"o"sere "uber $K\pdef L^G$ linear
unabh"angige Familie
$x_0,\ldots, x_r$.
In der Matrix der $\sigma_i(x_j)$ sind dann notwendig die
Spalten $\sigma_\ast(x_j)$ 
linear abh"angig, wir finden also $y_0, \ldots, y_r$ in $L$
nicht alle Null mit $\sum_j y_j\sigma_i(x_j)=0 \;\forall i$.
Durch Umnummerieren der $x_j$ d"urfen wir hier 
ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit  $y_0\neq 0$ annehmen, und
indem wir 
von $y_0, \ldots, y_r$ zu $yy_0, \ldots, yy_r$ 
"ubergehen, finden wir sogar eine lineare Relation 
unserer Spaltenvektoren f"ur 
beliebig vorgegebenes $y_0=z\in L$.
Schreiben wir das um zu $\sum_j \sigma_i^{-1}(y_j)x_j=0 \;\forall i$
und summieren diese Gleichungen, so ergibt sich
$$\sum_j \lambda_j x_j=0$$ f"ur $\lambda_j=\sum_i\sigma_i^{-1}(y_j)$.
Sicher gilt auch $\lambda_j\in K$ f"ur alle $j$,
und aus der linearen 
Unabh"angigkeit der $x_j$ folgt so $\lambda_j=0$ f"ur alle $j$ und
insbesondere $\lambda_0=0$.
Nach der linearen Unabh"angigkeit von 
Charakteren \ref{LUC}, angewandt auf die Homomorphismen
$\sigma_i:L^\times\ra L^\times$, gibt es jedoch ein $z\in L^\times$ mit 
$\sum_i\sigma_i^{-1}(z)\neq 0$. Das ist der gesuchte  Widerspruch.
\end{proof}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verfeinerung der
      Absch"atzung \ref{GAB}}]
  Aus  Satz \ref{ZH} "uber Galoiserweiterungen durch Gruppenoperationen
  folgt,
da"s bei einer endlichen K"orpererweiterung
die Kardinalit"at
der Galoisgruppe stets den Grad der K"orpererweiterung teilen mu"s, 
in Formeln 
$$|\op{Gal} (L/K)| \;|\; [L:K]$$
In der Tat folgt f"ur $G\pdef \op{Gal} (L/K)$ sowohl
$|G|=[L:L^G]$ als auch $L^G\supset K$, also $|G|[L^G: K]=[L:K]$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungw}
Ist $L/K$ eine endliche Galois-Erweiterung, so ist $\alpha\in L$   
nach dem ersten Beweis von \ref{ZH} 
ein primitives Element genau dann, wenn es von
keinem Element der Galoisgruppe  festgehalten
wird. Wir k"onnen   sogar stets ein $\alpha\in L$ so
w"ahlen, da"s es mit seinen Galois-Konjugierten eine $K$-Basis
von $L$ bildet: Das sagt uns der {\bf Satz von der 
Normalbasis} \ref{SNB}.
Diese sch"arfere Aussage stimmt keineswegs f"ur jedes
primitive Element, wie das Beispiel $L=\DC$, $K=\DR$,
$\alpha=\op{i}$ zeigt.
\end{Bemerkungw}


\begin{Satz}[\defnoind{Charakterisierung endlicher Galoiserweiterungen}]
Seien $L/K$ eine endliche K"orpererweiterung\label{CG} und 
$G =\op{Gal} (L/K)$ ihre Galoisgruppe. So sind gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item
$L/K$ ist eine Galoiserweiterung;
\item
Die Ordnung der Galoisgruppe stimmt "uberein mit dem 
Grad der K"or\-per\-erweiterung,
in Formeln $|G|=[L:K]$;
\item
Der Unterk"orper $K$ stimmt  "uberein mit  dem Fixk"orper der
Galoisgruppe, in Formeln  $K =L^G$.
%% \item
%% F"ur alle $\al \in L$ wird das Minimalpolynom von $\al$ "uber $K$ gegeben
%% durch die Formel
%% $$\op{Irr}(\al,K)=\prod_{\beta \in G \al} (X -
%% \beta)$$
\end{enumerate}
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
Wir beginnen mit  1$ \Rightarrow $2. Nach 
\ref{Kose} gibt es f"ur $L$ endlich, separabel und normal 
"uber $K$ genau $[L:K]$  K"orperhomomorphismen 
$L\ra L$ "uber $K$. Als K"orperhomomorphismen sind 
diese nat"urlich injektiv und wegen der Gleichheit der $K$-Dimensionen
sind sie dann auch surjektiv, also Elemente der Galoisgruppe. Zur Implikation 
 2$ \Rightarrow $3 erinnern wir die Gleichheit
$|G|=  [L:L^G]$  aus \ref{ZH}.
Gilt  au"serdem $|G|=  [L:K]$ f"ur einen Unterk"orper $K\subset L^G$,
so erhalten wir aus der Turmregel  $[L^G:K]=1$ und damit $L^G=K$.
Zur Implikation 3$\Rightarrow $1 m"ussen wir nur aus  \ref{ZH}
erinnern, da"s $L/L^G$ stets eine endliche Galoiserweiterung ist.
\end{proof}


\begin{Bemerkunge}
  Auch f"ur eine beliebige algebraische K"orpererweiterung 
gilt noch, da"s sie genau dann Galois ist, wenn der Unterk"orper
der Fixk"orper der Galoisgruppe ist. Hier folgt die eine Implikation
aus \ref{EGGP}, und die andere aus \ref{AdVV}.\label{LCGa} 
\end{Bemerkunge}




\begin{Beispiel}\label{GaQa}
Unter der Voraussetzung
$\op{char} K \neq 2$  ist jede quadratische K"or\-per\-er\-wei\-te\-rung $L$ von
$K$ Galois mit Galoisgruppe $\DZ /2\DZ$ und die Elemente $\alpha\in
L\backslash K$ mit $\alpha^2\in K$ sind genau diejenigen von Null 
verschiedenen Elemente von $L$, die vom nichttrivialen Element der
Galoisgruppe auf ihr Negatives geschickt werden. 
\end{Beispiel}
\begin{Definition}
  Eine Operation einer Gruppe auf einer Menge hei"st 
{\bf treu},\index{treu!Gruppenwirkung} englisch {\bf
  faithful}\index{faithful},
franz"osisch {\bf fid\`ele},\index{fid\`ele} 
  wenn nur das neutrale Element jedes Element der Menge festh"alt.
\end{Definition}
\begin{Definition}
  Eine Operation einer Gruppe auf einer Menge hei"st 
{\bf transitiv},\index{transitiv!Gruppenwirkung} 
 wenn unsere Menge nicht leer ist und je zwei
    ihrer Elemente durch ein geeignetes Gruppenelement ineinander "uberf"uhrt
    werden k"onnen. %\eref{DGWb}{LA2}
  \end{Definition}
  



\begin{Satz}[\defnoind{Operation der Galoisgruppe auf Nullstellen}]
Gegeben $L/K$ eine  K"orpererweiterung und
$P \in K [X]$ ein Polynom\label{TO} 
 betrachte man die Operation der Galoisgruppe $\op{Gal}
(L/K)$ auf der Menge $\{ \al \in L \mid P (\al)
  =0\}$ der Nullstellen von $P$ in $L$.
\begin{enumerate}
\item
  Ist $P$ ein $K$-irreduzibles Polynom, das in $L$ zerf"allt,
  und ist $L/K$ endlich und normal, so ist die
  Operation der Galoisgruppe auf den $L$-Nullstellen von $P$ transitiv; 
\item
   Ist $P\in K[X]$ ein von Null verschiedenes Polynom und $L$ sein Zerf"allungsk"orper, so 
   ist die Operation der Galoisgruppe auf den $L$-Null\-stel\-len von $P$ treu;
 \item Ist $L$ der Zerf"allungsk"orper
   eines $K$-irreduziblen Polynoms $P\in K[X]$,
   so operiert die Galoisgruppe $\op{Gal}(L/K)$ treu und transitiv auf
   der Menge der Nullstellen von $P$ in $L$.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkunge}
  Die erste Aussage gilt auch ohne da"s wir $[L:K]<\infty$ annehmen. 
 In diesem 
  Fall folgt sie unmittelbar aus \ref{AdVV}.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur je zwei  Nullstellen $\alpha,\beta\in L$ von $P$ gibt es
nach unserer Proposition \ref{AuuD} "uber das Ausdehnen auf primitive 
Erweiterungen  einen K"orperhomomorphismus $K(\alpha)\ra L$ 
"uber $K$ 
mit $\alpha\mapsto\beta$, der sich dann nach  
 Proposition \ref{FSS} zur Ausdehnbarkeit bei zerfallenden Minimalpolynomen
 weiter  ausdehnen l"a"st
zu einem K"orperhomomorphismus $L\ra L$ 
"uber $K$.
Treu ist die Operation in Teil 2,
da der Zerf"allungsk"orper eines Polynoms
per definitionem  bereits 
 von den Nullstellen des besagten Polynoms erzeugt wird.
 Die dritte Aussage folgt aus den beiden anderen. 
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Grundfrage der Galoistheorie}] 
Die Grundfrage der Galoistheorie ist, welche Permutationen der 
Nullstellenmenge eines vorgegebenen $K$-irreduziblen Polynoms denn nun 
von einem Automorphismus seines Zerf"allungsk"orpers $L/K$
herkommen. Man nennt die 
Galoisgruppe $\op{Gal}(L/K)$ die
{\bf Galoisgruppe unseres irreduziblen Polynoms}.
\index{Galoisgruppe!eines Polynoms} 
Hierzu gebe ich gleich drei Beispiele.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Ein kubisches Polynom mit Galoisgruppe $\mathcal S_3$}]
Ist $L$ der Zerf"allungsk"orper von $X^3-2$ "uber $\DQ$,
so kommen alle Permutationen der 
Nullstellenmenge unseres Polynoms von Elementen der Galoisgruppe her
und wir haben folglich 
$\op{Gal}(L/\DQ)\cong\cal{S}_3$.
In der Tat ist $L/\DQ$ normal als Zerf"allungsk"orper und sogar Galois,
da in Charakteristik Null jede K"orpererweiterung separabel ist.
Damit folgt insbesondere $[L:\DQ]=|\op{Gal}(L/\DQ)|$.
Jetzt realisieren wir $L$ als einen
Teilk"orper
$$L=\DQ(\sqrt[3]{2},\zeta \sqrt[3]{2},\zeta^2 \sqrt[3]{2})\subset \Bbb{C}$$
der komplexen Zahlen
mit $\sqrt[3]{2}\in\DR$ der reellen dritten Wurzel von $2$
und $\zeta=\exp(2\pi\op{i}/3)$ einer dritten Einheitswurzel.
Diese Darstellung zeigt $L\neq \DQ(\sqrt[3]{2})$,
da ja  $L$ nicht in $\DR$ enthalten ist. In $\DQ(\sqrt[3]{2})[X]$
zerf"allt unser Polynom $X^3-2$ also in einen linearen und einen
irreduziblen quadratischen\label{GQW2} 
Faktor, folglich ist  $L$  eine quadratische Erweiterung
von $\DQ(\sqrt[3]{2})$.
Zusammen ergibt sich $[L:\DQ]=6$ und mithin $|\op{Gal}(L/\DQ)|= 6$.
Die Operation von $\op{Gal}(L/\DQ)$ auf der Menge
$\{\sqrt[3]{2},\zeta \sqrt[3]{2},\zeta^2 \sqrt[3]{2}\}$
liefert nun nach der Treue  \ref{TO} der Operation
eine Einbettung $\op{Gal}(L/\DQ)\hra\cal{S}_3$.
Da beide Seiten gleichviele Elemente haben, mu"s diese
Einbettung ein Isomorphismus sein.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Ein kubisches Polynom mit 
zyklischer Galoisgruppe}] 
Ist $L$ der Zerf"allungsk"orper von $X^3+X^2-2X-1$ "uber $\DQ$,
so kommen genau die zyklischen Permutationen der\label{bsS}  
Nullstellenmenge unseres Polynoms von Elementen der Galoisgruppe her
und wir haben folglich 
$\op{Gal}(L/\DQ)\cong\DZ/3\DZ$.
In der Tat k"onnen wir mit $\zeta=\exp(2\pi{\op{i}}/7)$ einer siebten 
Einheitswurzel die drei komplexen Nullstellen unseres Polynoms
schreiben als $\alpha=\zeta+\bar{\zeta}$, $\beta=\zeta^2+\bar{\zeta}^2$ sowie
$\gamma=\zeta^3+\bar{\zeta}^3$, wie man leicht nachrechnet. 
Ich bin im "ubrigen den umgekehrten Weg gegangen und habe 
mein Polynom aus den Linearfaktoren zu diesen drei Nullstellen 
zusammenmultipliziert.
Wie dem auch sei
besitzt unser Polynom keine ganzzahligen
Nullstellen,  $\alpha,\beta,\gamma\not\in \DZ$ pr"uft man leicht,
also nach \eref{NUQ}{LA1} auch keine Nullstellen in $\DQ$,
 und ist als Polynom vom Grad $3$ folglich irreduzibel "uber $\DQ$.
Unsere Nullstellen  erf"ullen nun jedoch die
Relationen $\alpha^2=\beta+2$, $\beta^2=\gamma+2$ und $\gamma^2=\alpha+2$,
woraus unmittelbar die Behauptung folgt.
In \ref{MeGa} geben wir im "ubrigen ein Kriterium an, das es 
erlaubt, 
die Galoisgruppe einer kubischen Gleichung ganz mechanisch
zu bestimmen.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Ein kubisches Polynom mit trivialer Galoisgruppe}]
Man betrachte den Funktionenk"orper 
$\mathbb F_3(T)$ "uber dem K"orper mit
drei Elementen und dar"uber das Polynom 
$X^3-T$. Es  hat
nur eine einzige Nullstelle in seinem 
Zerf"allungsk"orper, die aber eben eine dreifache Nullstelle ist. Seine Galoisgruppe
ist folglich trivial. Im "ubrigen ist ein Zerf"allungsk"orper hier
die K"orpererweiterung $\mathbb F_3(T)\hra \mathbb F_3(U)$ mit $T\mapsto U^3$
und darin zerf"allt unser Polynom als $X^3-T=X^3-U^3=(X-U)^3$. 
\end{Beispiel}

\begin{Proposition}[\textbf{Bruchk"orper eines Invariantenrings}] 
Operiert eine endliche Gruppe $G$ auf einem 
kommutativen Integrit"atsbereich $R$,\label{PIU} 
so liefert die offensichtliche Einbettung einen Isomorphismus
$$\op{Frac} (R^{G}) \sira (\op{Frac} R)^{G}$$
des Bruchk"orpers seines Invariantenrings mit den
Invarianten seines Bruchk"orpers.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Jeden Bruch $f/h \in (\op{Frac} R)^{G}$ k"onnen wir mit $\prod_{\sigma \in
  G\setminus 1} \sigma (h)$ erweitern zu einem Bruch, dessen Nenner im
Invariantenring $R^{G}$
liegt, da er ja das Produkt aller $\sigma (h)$ mit $\sigma\in G$ ist 
und bei diesem Produkt  die Gruppenoperation
nur die Faktoren  permutiert.
So ein Bruch kann aber
nur dann $G$-invariant sein, wenn auch sein Z"ahler in $R^{G}$
liegt.
\end{proof}

  \begin{Beispiel}\label{StU}
    F"ur jeden K"orper $k$ ist  nach \ref{ZH} und \ref{PIU} 
in den Notationen von
    \ref{SyP} die Erweiterung
$$k('s_{1}, \ldots, s_{n}) = k ('X_{1},\ldots, X_{n})^{\cal{S}_{n}}
\subset k ('X_{1}, \ldots, X_{n})$$ eine Galoiserweiterung mit Galoisgruppe
$\cal{S}_{n}$. Unsere Erweiterung ist nat"urlich auch ein Zerf"allungsk"orper
der \defnoind{allgemeinen Gleichung}\index{allgemeine Gleichung}
$$T^{n} + s_{1}T^{n-1}
+ \ldots + s_{n-1}T + s_{n}$$ Hier fassen wir die $s_i$ schlicht als algebraisch
unabh"angige Variablen des Funktionenk"orpers $k('s_{1}, \ldots, s_{n})$ "uber
$k$ auf. Nach unserer Konvention sollten wir hier vielleicht sogar
gro"se Buchstaben vom Ende des Alphabets benutzen, zum Beispiel $Y_i$ statt
$s_i$. Insbesondere ist die allgemeine Gleichung nach \ref{ZH}
irreduzibel, da ja alle ihre
Wurzeln einfach sind und 
zueinander konjugiert  unter der Galoisgruppe.  Die Irreduzibilit"at
dieses Polynoms kann
aber auch bereits aus "Ubung \ref{GPi} abgeleitet werden.
\end{Beispiel}
  \subsubsection*{"Ubungen}
  \begin{Ubung}
    Gegeben eine endliche separable K"orpererweiterung\label{nhg} ist ihre normale H"ulle
    Galois. Mutigere zeigen dasselbe, ohne die Endlichkeit vorauszusetzen.
  \end{Ubung}
  
  \begin{Ubung}\label{GZE}
    Gegeben $n\geq 1$ zeige man, da"s $\DC(X^n)\subset \DC(X)$
eine Galoiserweiterung vom Grad $n$ ist mit zyklischer Galoisgruppe. 
  \end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{JZV}
Man zeige, da"s sich jede endliche Erweiterung eines vollkommenen K"orpers
zu einer endlichen Galoiserweiterung vergr"o"sern l"a"st. 
Man zeige, da"s sich wie in \eref{jzv}{LA2} behauptet 
jeder Endomorphismus  $x$
eines endlichdimensionalen Vektorraums "uber einem 
vollkommenen  K"orper auf genau eine Weise zerlegen l"a"st 
als $x = x_{\op{s}} + x_{\op{n}}$ mit
     $x_{\op{s}}$ halbeinfach, $x_{\op{n}}$ nilpotent und $x_{\op{s}}
     x_{\op{n}} = x_{\op{n}} x_{\op{s}}$.
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}
Man zeige: 
 Gegeben eine K"orpererweiterung $L/K$ und zwei verschiedene normierte
irreduzible Polynome in $K[X]$ kann kein Element der Galoisgruppe
eine Nullstelle des einen Polynoms in eine Nullstelle des anderen Polynoms
"uberf"uhren.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Seien $k$ ein K"orper der Charakteristik $p>0$ und $\lambda\in k^\times$
und $t=t_\lambda:k(X)\sira k(X)$ der K"orperautomorphismus "uber $k$ mit
$X\mapsto X+\lambda$. Man zeige, da"s der K"orper der Invarianten 
genau das Bild derjenigen  Einbettung $k(Y)\hra k(X)$ ist, die durch
$Y\mapsto X^p-\lambda^{p-1}X$ gegeben wird. Man zeige, da"s 
auch die induzierte Einbettung $k[Y]\hra k[X]$ einen Isomorphismus auf den
Ring der $t$-Invarianten von $k[X]$  induziert.  
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{NGre} 
  Jede normale K"orpererweiterung mit trivialer Galoisgruppe ist
rein inseparabel im Sinne von \ref{reii}. 
F"ur jede normale K"orpererweiterung $K/k$ mit Galoisgruppe $G$ ist
$K^G/k$ rein inseparabel.
Hinweis: \ref{PP}. Im Fall unendlicher
Erweiterungen  verwende man \ref{Ad}.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}[\textbf{Satz von Gilmer}] 
  Man zeige,\index{Gilmer!Satz von} 
 da"s eine algebraische K"orpererweiterung $L/K$ derart,
da"s jedes Polynom aus $K[X]$ in $L$ eine Nullstelle hat, 
ein algebraischer Abschlu"s von $K$ sein mu"s. 
Hinweis: Man beginne mit dem Fall der Charakteristik Null.
Jede endliche K"orpererweiterung von $K$ besitzt dann nach \ref{PE}
ein primitives Element und l"a"st sich folglich in $L$ einbetten.
Gegeben ein Polynom $P\in L[X]$ gilt das insbesondere f"ur
seinen Zerf"allungsk"orper "uber dem von seinen Koeffizienten
in $L$ erzeugten Teilk"orper  "uber $K$. Im Fall positiver
Charakteristik argumentiere man erst mit dem separablen Abschlu"s von
$K$ in unserem Zerf"allungsk"orper und dann mit \ref{reii}.
%Jedes Polynom aus $L[X]$ kann man mit seinen Galoiskonjugierten
%multiplizieren und zu einer geeigneten Potenz erheben und landet dann 
%nach \ref{NGre} und \ref{reii} bei einem Polynom in $K[X]$. 
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}
  Man bestimme die Galoisgruppe des Zerf"allungsk"orpers des Polynoms
$X^4-5$ "uber $\DQ$ und "uber $\DQ[\op{i}]$. %Adjungiere reelle vierte Wurzel aus 5, Grad vier. Dann noch $\op{i}$, Grad acht.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{EGGP}
  Ist $L/K$ eine algebraische, aber nicht 
notwendig endliche K"orpererweiterung und 
$G\subset\op{Gal}(L/K)$ eine beliebige, nicht notwendig endliche
 Untergruppe, so ist
$L/L^G$ immer noch eine Galoiserweiterung, deren Galoisgruppe
 jedoch nicht  mit $G$ "ubereinzustimmen braucht.
Zum Beispiel erzeugt der Frobenius-Homomor\-phis\-mus
nicht die Galoisgruppe $\op{Gal}(\bar{\mathbb F}_p/\mathbb F_p)$,
aber der Fixk"orper seines Erzeugnisses ist dennoch $\mathbb F_p$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}[\textbf{Galoistheorie quadratischer Erweiterungen}]
  Man zeige: Jede K"orpererweiterung $L/K$
  von Grad zwei in Charakteristik zwei ist Galois
  mit Galoisgruppe $\Gamma\cong \DZ/2\DZ$
  und f"ur $\gamma\in \Gamma$ das nichttriviale Element der Galoisgruppe 
  gilt
  $$\{\alpha\in L\backslash 0\mid \gamma(\alpha)=-\alpha\}
  =\{\alpha\in L\backslash K\mid \alpha^2\in K\}$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Gegeben eine K"orpererweiterung $L/K$ in Charakteristik ungleich zwei
  und $\alpha,\beta\in L\backslash K$ mit $\alpha^2,\beta^2\in K$ zeige man
  $\alpha\in K(\beta)\IFF\alpha\in K\beta$. Hinweis: \ref{GaQa} oder \ref{uaWu}.
  Gegeben paarweise teilerfremde\label{QaWN}  
  quadratfreie nat"urliche Zahlen $a_1,\ldots,a_n$ zeige man, da"s $a_n$ kein
  Quadrat ist in 
$\DQ (\sqrt{a_1},\ldots,\sqrt{a_{n-1}})$. Hinweis:
  Andernfalls g"abe es ein k"urzestm"ogliches Gegenbeispiel, und dann w"are
  $\DQ (\sqrt{a_1},\ldots,\sqrt{a_{n-2}})$ mit $a_{n-1}a_n$ ein noch k"urzeres
  Gegenbeispiel. 
 Schlie"slich zeige man, da"s  die K"orpererweiterung 
$\DQ (\sqrt{a_1},\ldots,\sqrt{a_n})$ "uber $\DQ$ 
Galois ist mit Galoisgruppe 
$(\DZ/2\DZ)^n$. Diese Aussage kann auch als Spezialfall der sogenannten
Kummertheorie \ref{KuTe} verstanden werden. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Artin-Schreier-Erweiterungen}] 
  Gegeben ein K"orper $F$ positiver Charakteristik $p>0$ betrachten wir
  f"ur $a\in F$ das Polynom $X^p-X-a$. Ist $\beta$ eine Nullstelle dieses
  Polynoms in einer K"orpererweiterung $L/K$, so sind die
  anderen Nullstellen $\beta+\lambda$ f"ur $\lambda\in\mathbb F_p$.
  Insbesondere ist $F(\beta)$ bereits der Zerf"allungsk"orper von $X^p-X-a$
  und alle irreduziblen Faktoren von $X^p-X-a$ in $F[X]$ haben denselben Grad,
  a forteriori den Grad Eins oder den Grad  $p$. Hat unser Polynom keine Nullstelle
  in $F$, so ist $F(\beta)/F$ mithin eine Galoiserweiterung vom Grad $p$
mit  zyklischer  Galoisgruppe.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
 Man zeige: Gegeben eine endliche Galoiserweiterung $L/K$ ist
  die {\bf Spurabbildung}\index{Spurabbildung}
  $\op{S}_L^K:L\ra K$ gegeben durch $$ x\mapsto
  \sum_{\sigma\in \op{Gal}(L/K)}\sigma(x)$$ eine $K$-lineare von Null verschiedene
  Abbildung\label{SpurA1}
  und die  {\bf Spurform}\index{Spurform} $L\times L\ra K$ 
  gegeben durch $(x,y)\mapsto \op{S}_L^K(xy)$ ist eine
  nichtausgeartete Bilinearform auf dem $K$-Vektorraum $L$.
  Hinweis: Lineare Unabh"angigkeit von
  Charakteren \ref{LUC}. In \eref{Dns}{KAG} wird die Spur auf beliebige endliche
  K"orperwerweiterungen verallgemeinert. 
\end{Ubung}




\subsection{Anschauung f"ur die Galoisgruppe*}

\begin{Bemerkungl}
 Formal ist der nun folgende Abschnitt
f"ur die logische Koh"arenz  dieser Vorlesung nicht von Belang.
Es wird darin auch nichts bewiesen.
Ich denke jedoch, da"s die im folgenden erkl"arten Ideen
 bei der historischen 
Entwicklung der Theorie von zentraler Bedeutung
waren und hoffe, da"s sie  Ihnen beim  Verst"andnis helfen.
\end{Bemerkungl}
 
 

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Reelle Nullstellen einer Familie reeller Polynome}]
  Zum Aufw"armen betrachten wir 
zun"achst einmal ein normiertes Polynom $P \in \mathbb R (t) [X]$ mit
  Koeffizienten im Funktionenk"orper $\mathbb R (t) = \op{Frac} \mathbb R [t]$
  "uber dem K"orper der reellen Zahlen.  Sei $E=E_P \subset \mathbb R$ die 
endliche Menge
der Polstellen der  Koeffizienten von $P$.
An jeder anderen Stelle $\lambda \in \mathbb R \backslash E$ k"onnen
  wir die Koeffizienten von $P$ bei $t = \lambda$ auswerten und erhalten so
  ein Polynom $P_\lambda \in \mathbb R [X]$. Die Punkte $\lambda\in \DR\backslash E$
  nennen wir \glqq die Parameter $\lambda$, f"ur die $P_\lambda$ definiert ist\grqq.
  Die reellen Nullstellen der Polynome 
  $P_\lambda$ h"angen dann vom Parameter $\lambda$ ab. Ein Bild  
der {\bf  simultanen Nullstellenmenge}
  $$\mathcal Z\pdef \{(\lambda, \alpha) 
\in \mathbb R^2 \mid \lambda \not\in E, \;P_\lambda
(\alpha) =0\}$$ als Teilmenge der Ebene $\DR^2$ 
vermittelt  eine gewisse Anschauung f"ur diese
Abh"angigkeit.
Ist etwa $P=X^2-(1/t)$, so ist $P_\lambda$ definiert f"ur $\lambda\neq 0$
und wir haben $\mathcal Z=\{(\lambda, \alpha)\mid
\lambda\neq 0,\; \alpha^2-(1/\lambda)=0\}$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAaT}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Graphische Darstellung der Menge $$\{(\lambda, \alpha)\in\DR^2\mid
 \lambda\neq 0,\; \alpha^2-1/\lambda=0\}$$
 Das Bild ist noch falsch, die linke H"alfte mu"s weg. 
\end{minipage}
 \end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Komplexe Nullstellen einer Familie komplexer Polynome}]
  Nun betrachten wir  analog
 ein normiertes Polynom $P \in \mathbb C (z) [X]$ mit
  Koeffizienten im Funktionenk"orper $\mathbb C (z) = \op{Frac} \mathbb C [z]$
  "uber dem K"orper der komplexen Zahlen.  Sei wieder
  $E =E_P\subset \mathbb C$ die 
endliche Menge
der Polstellen der Koeffizienten von $P$.
An jeder anderen Stelle $\lambda \in \mathbb C \backslash E$ k"onnen
  wir die Koeffizienten von $P$ bei $z = \lambda$ auswerten und erhalten so
  ein Polynom $P_\lambda \in \mathbb C [X]$.  Die Punkte  $\lambda\in \DC\backslash E$
  nennen wir die  \glqq Parameter $\lambda$, f"ur die $P_\lambda$ definiert ist\grqq. Die komplexen Nullstellen der Polynome
  $P_\lambda$ h"angen dann vom Parameter $\lambda$ ab und wir betrachten 
analog die  {\bf  simultane Nullstellenmenge}
  $$\mathcal Z\pdef \{(\lambda, \alpha) 
\in \mathbb C^2 \mid \lambda \not\in E, \;P_\lambda
  (\alpha) =0\}$$
Ist etwa zur Abwechslung diesmal 
$P=X^2-z$, so ist $P_\lambda$ definiert f"ur alle $\lambda$ 
 und wir haben $\mathcal Z=\{(\lambda, \alpha)\mid
\alpha^2-\lambda=0\}$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauung im komplexen Fall}]
  Um  eine gewisse
  Anschauung f"ur derartige simultane Nullstellenmengen
  im komplexen Fall zu erhalten, zeichnen
  wir in der komplexen Zahlenebene einen kleinen Kreis um 
  jeden Punkt $\lambda$, an dem unser Polynom $P_\lambda$ nicht definiert ist
  oder mehrfache Nullstellen hat, 
  w"ahlen au"serdem einen festen zus"atzlichen Punkt und\label{BIGAnn} 
  zeichnen einen Weg von jedem unserer Kreise zu diesem festen Punkt.
  Das Urbild des so entstehenden {\bf Kreisgebildes}
  $C\subset \DC\backslash E$ unter
  der Projektion der simultanen Nullstellenmenge auf die $\lambda$-Koordinate
  l"a"st sich in einfachen F"allen gut  bildlich darstellen. 
\end{Bemerkungl}
  
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUSKK}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
   Das normierte Polynom $X^2-z\in \DC(z)[X]$ ist "uberall definiert und
   nur bei $\lambda=0$ hat $P_0$ eine mehrfache Nullstelle.
   Unser Kreisgebilde $C$ ist also ein Kreis um
   die Null und dessen Urbild $\pi^{-1}(C)$ unter der Projektion
   $\pi:\mathcal Z\ra \DC$
   ist hier bildlich darsgestellt. 
\end{minipage}
 \end{figure}




\begin{Bemerkungl}
  Gegeben eine stetige Abbildung $p:Z\ra C$ von metrischen oder
 topologischen R"aumen verstehen wir unter einer
{\bf stetigen Selbstabbildung "uber $C$} eine
stetige Abbildung $f:Z\ra Z$ mit $p\circ f=p$.  Das Monoid der
 Selbstabbildungen von $Z$ "uber $C$  notieren wir abk"urzend 
 $$\op{Top}_{C}(Z)= \op{Top}_{C}(Z,p)$$
\end{Bemerkungl}


\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUSKK}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
   Es gibt im Fall dieser stetigen Abbildung $Z\ra C$
   genau zwei stetige Selbstabbildungen von $Z$ "uber $C$,
    die Identit"at und die Abbildunng, die in jeder
   Faser die beiden Punkte der jeweiligen Faser vertauscht.
\end{minipage}
 \end{figure}

  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Galoisgruppe und stetige Selbstabbildungen}]
  Sei $P\in \mathbb C (z)[X]$ ein 
normiertes irreduzibles Polynom.\label{GsSe} 
Der  K"orper $L\pdef \DC(z)[X]/\langle P(X)\rangle$
ist dann mit dem offensichtlichen Homomorphismus $\DC(z)\ra L$
eine primitive K"orpererweiterung
$$L/\DC(z)$$
und entsteht durch formale  Adjunktion einer Nullstelle $\alpha$ des
Polynoms $P$.
Die versprochene Anschauung f"ur die Galoisgruppe leistet nun ein
Monoidisomorphismus
$$\op{Gal}(L/\DC(z))\;\sira \; \op{Top}_{C}(\pi^{-1}(C))$$
f"ur $C$ ein zum parameterabh"angigen Polynom
$P$ geh"origes Kreisgebilde und $\pi:\mathcal Z\ra \DC$
die Projektion der simultanen Nullstellenmenge auf die Parameterkoordinate.
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUSKK}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
   Im Fall des irreduziblen Polynoms $P(X)=X^2-z$
   in $\DC(z)[X]$ entsteht durch Adjunktion einer
   formalen Wurzel dieses Polynoms zu $\DC(z)$ eine
   quadratische Erweiterung $L/\DC(z)$ und deren
   Galoisgruppe ist $\DZ/2\DZ$ und stimmt mit
   der Gruppe der stetigen Selbstabbildungen von $Z\ra C$
   im Bild links "uberein. 
\end{minipage}
\end{figure}
Ich erkl"are im folgenden nur, wie man den fraglichen Monoidhomomorphismus
konstruiert. 
Die Nebenklassen der Potenzen $\bar X^n$ f"ur $0\leq n<\op{grad}(P)$ bilden
eine $\DC(z)$-Basis von $L$ und die Elemente der Galoisgruppe $\Gamma$
werden in dieser
Basis durch Matrizen dargestellt. Sicher finden wir $u\in \DC(z)\backslash 0$
derart, da"s alle diese Matrizen bereits
Eintr"age in $\DC[z, u^{-1}]\subset \DC(z)$ haben. Dann stabilisiert  
$\Gamma$ das Bild $L_0\subset L$
von $\DC[z, u^{-1}][X]$. Nehmen wir zus"atzlich an, da"s auch
$P$ Koeffizienten in $\DC[z, u^{-1}]$ hat, so ist $L_0\subset L$ ein Teilring
und 
der offensichtliche Ringhomomorphismus induziert sogar einen
Isomorphismus 
$$\DC[z, u^{-1}][X]/\langle P(X)\rangle \sira L_0$$
mit  $\langle P(X)\rangle$ das von $P(X)$ in diesem
kleineren Ring erzeugte Ideal.
Dann erhalten wir nach der universellen Eigenschaft von Faktorringen 
eine Bijektion
$$\op{Kring}^\DC(L_0,\DC) \;\sira \;\mathcal Z_u\pdef
\{(\lambda,\alpha)\in\DC^2\mid u(\lambda)\neq 0, P_\lambda(\alpha)=0\}$$
durch die Vorschrift $\varphi\mapsto (\varphi(z),\varphi(\bar X))$.
Die Operation von $\Gamma$ auf $L_0$ induziert
durch Vorschalten eine Rechtsoperation von $\Gamma$ auf $\op{Kring}^\DC(L_0,\DC)$ und vermittels unserer Bijektion eine Rechtsoperation von $\Gamma$ auf
$\mathcal Z_u$. Diese Operation h"alt die erste Koordinate fest und
geschieht durch stetige Selbstabbildungen und liefert so einen
Homomorphismus $\Gamma\ra \op{Top}_{C}(\pi^{-1}(C))$.
Den Nachweis, da"s das sogar ein Isomorphismus ist, kann ich hier
nicht f"uhren und verweise dazu auf Vorlesungen
"uber Riemann'sche Fl"achen.
  \end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildZyk}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Im Fall des irreduziblen Polynoms $P(X)=X^3-z$
   in $\DC(z)[X]$ entsteht durch Adjunktion einer
   formalen Wurzel dieses Polynoms zu $\DC(z)$ eine
   Galoiserweiterung $L/\DC(z)$ vom Grad Drei,
   das normal und separabel. Die
   Galoisgruppe ist $\DZ/3\DZ$  und das ist auch
   der Gruppe der stetigen Selbstabbildungen von $Z\ra C$
   im Bild. Anschaulich ist die
Erweiterung  Galois, da je zwei Punkte ein- und derselben Faser durch eine
stetige Selbstabbildung von $Z$
"uber $C$ ineinander "uberf"uhrt werden k"onnen.
\end{minipage}
 \end{figure}
  \begin{Bemerkungl}
    Wenn wir versuchen,  f"ur ein allgemeines normiertes Polynom
    $P\in \DC(z)[X]$ die obigen Konstruktionen durchf"uhren,
    so scheitern wir zun"achst daran, da"s die Menge der Parameter $\lambda$,
    bei denen $P_\lambda$ definiert ist und keine mehrfachen Nullstellen hat,
    keine endliche Menge zu sein braucht. Und selbst wenn diese Menge doch
    endlich ist, so braucht doch $\pi^{-1}(C)$ nicht zusammenh"angend zu sein
    und $L$ kein K"orper und unsere Aussage gilt so nicht mehr. 
    Es ist aber bereits eine nichttriviale Erkenntnis, da"s f"ur $P$
    irreduzibel unser 
    $\pi^{-1}(C)$ stets zusammenh"angend sein mu"s. 
  \end{Bemerkungl}


  
  \begin{Bemerkungl}
    Wir beweisen den oben behaupteten Satz hier nicht.
    Ich h"atte gerne einmal einen Studenten, der mir einen Beweis
     ausschreibt. Feinere Aussagen
    der algebraischen Geometrie  \cite[Théorème 10.11]{SGA1}
    zeigen, da"s f"ur $u$ das Produkt des
    Hauptnenners der Koeffizienten von $P$ mit dem Z"ahler der Diskriminante
    von $P$ der Teilring  $L_0\subset L$ bereits
    unter der Galoisgruppe stabil sein mu"s.
  \end{Bemerkungl}

  
 \begin{figure}[htb]\label{DBL}
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUPK}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Bildliche Darstellung einer
K"orpererweiterung vom Grad $3$ mit trivialer Galoisgruppe,
die also insbesondere nicht normal und nicht Galois ist.
\end{minipage}
 \end{figure}
  \begin{Bemerkunge} 
Wir zeigen im folgenden noch, da"s unsere Rechtsoperation
durch stetige Abbildungen "uber $\DC$
geschieht, aber nicht, da"s sie einen Isomorphismus
liefert. Gegeben $\gamma \in\Gamma$
haben wir sicher
$\gamma(\bar X)= c_0 + c_1 \bar X + \ldots + c_{n-1} \bar X^{n-1}$
f"ur gewisse $c_\nu\in \DC[z, u^{-1}]$. 
Bezeichnet $(\lambda,\alpha)\mapsto \varphi_{(\lambda,\alpha)}$
die  Umkehrabbildung unserer Bijektion
$\varphi\mapsto (\varphi(z),\varphi(\bar X))$, so finden wir 
$(\varphi_{(\lambda,\alpha)}\circ \gamma)(\bar X)=  c_0(\lambda) + c_1(\lambda) \alpha + \ldots + c_{n-1}(\lambda) \alpha^{n-1}$.
Die Rechtsoperation von $\gamma\in \Gamma$ auf $\mathcal Z_u$
wird also in Formeln gegeben durch die Vorschrift
$$(\lambda,\alpha)\mapsto (\lambda, c_0(\lambda) + c_1(\lambda) \alpha + \ldots + c_{n-1}(\lambda) \alpha^{n-1})$$
und geschieht insbesondere durch stetige Selbstabbildungen "uber  $\DC$.\label{AffG}  
Das l"ost unser Versprechen ein.
  \end{Bemerkunge}









\begin{Bemerkungw}
  Statt \glqq Funktionen mit Parametern\grqq\ betrachtet man auch
  in der Algebra besser \glqq Funktionen in mehreren Variablen\grqq.
  Diese Sichtweise k"onnen Sie in der Algebraischen Geometrie
  kennenlernen. Der dort als \eref{FKKn}{KAG} bewiesene Satz "uber
  \glqq K"orper und ihre Kurven\grqq\ ist eine Variante der obigen
  Aussagen f"ur einen beliebigen algebraischen Grundk"orper statt $\DC$.
  Einen Beweis der oben gegebenen Behauptungen wird man jedoch eher
  in einer Vorlesung "uber Riemann'sche Fl"achen finden, die sich an
  eine Vorlesung zur Funktionentheorie anschlie"st. 
\end{Bemerkungw}












\subsection{Zwischenk"orper durch Untergruppen}


\begin{Satz}[\defind{Galoiskorrespondenz}]
Gegeben eine endliche Galoiser\-wei\-te\-rung $L/K$  
mit Galoisgruppe $G=\op{Gal} (L/K)$ 
liefern das Bilden der
Galoisgruppe $M\mapsto \op{Gal}(L/M)$
und das Bilden des Fixk"orpers
$H\mapsto L^H$  zueinander inverse\label{GK}
inklusionsumkehrende Bijektionen
$$\begin{array}{ccc}
\left\{ \begin{array}{c} \text{Zwischenk"orper $M$}\\
\text{unserer K"orpererweiterung}\\ K \subset M
\subset L \end{array} \right\} & \overset{\sim}{\leftrightarrow} &
\left\{ \begin{array}{c} \text{Untergruppen $H$}\\
\text{ihrer Galoisgruppe}\\ H \subset G
\end{array} \right\}\\[8mm]
M &\overset{\phi}{\mapsto} & H\pdef \op{Gal}(L/M)\\
M\pdef L^{H} & \overset{\psi}{\mapsfrom}  & H
\end{array}$$
Unter dieser Bijektion entsprechen die Normalteiler $H$ von 
$G$
genau denjenigen Zwischenk"orpern $M$, die normal sind "uber $K$.
In diesen F"allen liefert das Einschr"anken von Elementen
der Galoisgruppe einen
Isomomorphismus von Gruppen
$G/H \sira \op{Gal} (L^{H}/K)$ alias eine kurze exakte Sequenz
$$\op{Gal}(L/M)\hra \op{Gal}(L/K)\sra \op{Gal}(M/K)$$
\end{Satz}



\begin{Bemerkungw}[\textbf{Galoiskorrespondenz als "Aquivalenz von Kategorien}]
  In der Sprache der Kategorientheorie ausgedr"uckt liefert  f"ur
  $L/K$ eine endliche Gal\-ois\-er\-wei\-te\-rung
mit Galoisgruppe $G$ der
  Funktor $\op{Kring}^{K}(\;,L)$ der $K$-linearen
  K\"{o}rperhomomorphismen nach $L$ eine \"{A}quivalenz von
  Kategorien
$$
\left\{ \begin{array}{c}\text{K"orpererweiterungen von }K,\\
    \text{die sich in $L$ einbetten lassen } \end{array}\right\}
\;\sirra\; \left\{ \begin{array}{c}\text{transitive}\\
    \text{$G$-Mengen} \end{array}\right\}^{\op{opp}}
$$
Das folgt aus obigem Satz mit einfachen Zusatz"uberlegungen, sobald man
die Sprache der Kategorientheorie gelernt hat.
Umgekehrt kann man  obigen Satz auch leicht aus dieser
 Aussage folgern.
\end{Bemerkungw}




\begin{proof}[Beweis]
Nach der Definition der Normalit"at  und
 Separabilit"at 
 ist f"ur jeden Zwischenk"orper
$M$ auch $L/M$ normal und separabel, also Galois. 
Damit folgt $\psi \circ \phi =\op{id}$ aus unserer Erkenntnis \ref{CG},
da"s bei jeder endlichen Galoiserweiterung der Grundk"orper der
Fixk"orper der Galoisgruppe ist.
Ohne alle Schwierigkeiten folgt umgekehrt $\phi \circ
\psi =\op{id}$ aus unserer Erkenntnis \ref{ZH}, da"s das Bilden des
Fixk"orpers zu einer endlichen Gruppe von K"orperautomorphismen stets eine
Galoiserweiterung mit besagter Gruppe als Galoisgruppe liefert.
Das zeigt die erste Behauptung.
Man pr"uft nun  leicht
$g (L^{H}) = L^{gHg^{-1}}$ f"ur alle $g \in G$ und $H\subset G$,
das gilt sogar f"ur eine
beliebige Operation einer beliebigen Gruppe $G$ auf einer beliebigen Menge $L$.
%In Worten entspricht unter unserer Galoiskorrespondenz also das
%Verschieben von Zwischenk"orpern 
%mit einem Element der Galoisgruppe $g\in G$ der Konjugation von Untergruppen
%mit besagtem Element $g\in G$.
Insbesondere ist $L^{H}$ invariant unter $G$ alias $g(L^H)=L^H\;\forall g\in G$
genau dann, wenn $H$
in $G$ ein Normalteiler ist alias $gHg^{-1}=H\;\forall g\in G$.
%Da aber $G$ nach \ref{TO} transitiv operiert auf den Wurzeln der Minimalpolynome
%aller Elemente von $L$, ist $L^{H}$ invariant unter $G$ genau
%dann, wenn es normal ist "uber $K$.
%Schlie"slich faktorisiert dann die durch Einschr"anken von
%K"orperhomomorphismen gegebene  Abbildung
%$G \ra \op{Gal} (L^{H}/K)$ "uber $G/H$ und liefert eine Injektion $G/H
%\hookrightarrow \op{Gal} (L^{H}/K)$, die mit einem Abz"ahlargument
%bijektiv sein mu"s.
Nach Proposition \ref{biNE} "uber Bilder normaler K"orpererweiterungen
haben wir f"ur $M/K$ normal stets $g(M)=M\;\forall g\in G$, also gilt
dann $M=L^H$ f"ur $H$ ein Normalteiler von $G$. Ist umgekehrt $H\subset G$ ein
Normalteiler, so stabilisiert $G$ den Unterk"orper $L^H$ und
die Einschr"ankung der Operation $G=  \op{Gal}(L/K)\ra \op{Gal}(L^H/K)$ hat den
Kern $H$, weil ja keine gr"o"sere Untergruppe von $G$ denselben Fixk"orper
haben kann. Unsere Verkn"upfung faktorisiert mithin "uber einen
injektiven Gruppenhomomorphismus
$$G/H\hra \op{Gal}(L^H/K)$$
Offensichtlich ist hierbei aber auch $K$ der Fixk"orper des Bildes von $G/H$,
also ist nach Satz \ref{ZH} "uber Galoiserweiterungen durch
Gruppenoperationen einerseits unsere Inklusion
ein Isomorphismus $G/H\sira \op{Gal}(L^H/K)$ und andererseits 
$L^H/K$ Galois und insbesondere normal.
\end{proof}



\begin{Beispiel}[\textbf{Unterk"orper endlicher K"orper mit Galoistheorie}]
 Nach \ref{GaFq} ist f"ur jede Potenz $q=p^r$ mit $r\geq 1$ einer Primzahl
$p$ die Galoisgruppe $\op{Gal}(\Bbb{F}_{q}
/\Bbb{F}_{p})$ eine zyklische Gruppe der Ordnung $r$,\label{EKGa} 
erzeugt vom Frobenius-Homomor\-phis\-mus $a\mapsto a^p$. 
Die Untergruppen dieser Gruppe $\DZ/\DZ r$ sind nach \eref{EO9}{LA2} genau
die Gruppen $\DZ d/\DZ r$ f"ur Teiler $d$ von $r$. Das liefert 
im Licht der Galoiskorrespondenz \ref{GK} einen neuen Beweis unserer 
Klassifikation \ref{EEK} aller Unterk"orper eines endlichen K"orpers.
\end{Beispiel}



\begin{Definition}
Eine K"orpererweiterung $L/K$ hei"st \defind{biquadratisch},
wenn sie den Grad $[L:K] =4$ hat und erzeugt wird von zwei Elementen
 $\al,
\beta \in L$ mit $\al^{2}, \beta^{2} \in K$.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
$\DQ (\sqrt{3},\sqrt{5})$ ist biquadratisch "uber $\DQ$, denn $(a+
b \sqrt{5})^{2} = a^{2} + 2ab \sqrt{5} + 5b^{2}$ kann nie 3 sein,
weder f"ur $a =0$ noch f"ur $b=0$ und erst recht nicht f"ur $a
\neq 0$, $b\neq 0$. 
\end{Beispiel}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildBiQ}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Dies Bild ist wie in \ref{BIGAnn} zu 
verstehen und stellt  eine biquadratische Erweiterung 
des Funktionenk"orpers $\DC(z)$ dar, etwa durch die Adjunktion von
Quadratwurzeln aus $(z\pm 1)$, wo die beiden Punkte $\pm 1$ in den beiden
Kreisen unten zu denken sind.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{figure}[htb]
\includegraphics[height=0.2\textheight]{SkriptenBilder/BildGaKo}\\[4mm]
\noindent \centering
Links die f"unf Untergruppen der Klein'schen Vierergruppe,
rechts die ihnen unter der Galoiskorrespondenz entsprechenden 
f"unf Zwischenk"orper einer biquadratischen Erweiterung im Fall einer von Zwei verschiedenen Charakteristik.
\end{figure}
\begin{Lemma}\label{BiQ}
  Jede biquadratische Erweiterung in einer
  von Zwei verschiedenen Charakteristik 
ist Galois und ihre Galoisgruppe
ist die Klein'sche Vierergruppe $\DZ/2\DZ \times \DZ/ 2 \DZ$.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $L=K(\alpha,\beta)$ mit $\alpha^2,\beta^2\in K$  unsere biquadratische Erweiterung. F"ur die nichttrivialen Elemente $\sigma \in \op{Gal} (L/K (\al))$ ,
$\tau \in \op{Gal} (L/K(\beta))$ haben wir
$$\begin{array}{ccc}
\sigma : \left\{ \begin{array}{lcr} \al &\mapsto &\al\\ \beta&
\mapsto&
-\beta \end{array}\right. &  &\tau : \left\{ \begin{array}{lcr} \al&
\mapsto &-\al \\ \beta &\mapsto &
\beta \end{array} \right.
\end{array}$$
In der Tat kann etwa $\beta$ unter $\sigma$ nicht auch noch festgelten werden
und mu"s mithin auf die andere Nullstelle seines Minimalpolynoms gehen. Wir
finden so eine vierelementige Teilmenge $\{ \op{id}, \sigma , \tau , \sigma \tau\} \subset \op{Gal}
(L/K)$.
Das mu"s dann aber schon die ganze Galoisgruppe sein, denn unsere Erweiterung hat Grad vier.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}\label{PrQ}
Die Klein'sche Vierergruppe $\DZ/2\DZ \times \DZ/ 2 \DZ\cong 
\Bbb{F}^{2}_{2}$ hat f"unf Untergruppen: Den
Nullpunkt, drei Geraden, und die ganze Gruppe.
Sie entsprechen in unserer biquadratischen Erweiterung 
aus \ref{BiQ} den Unterk"orpern
$$L \supset K (\al), K(\beta),
K(\al\beta) \supset K$$
Eine $K$-Basis von $L$ besteht aus $1,\al, \beta, \al\beta$, wie
die simultane Eigenraumzerlegung von $L$ unter $\sigma$ und $\tau$
zeigt.
Ein primitives Element  ist zum Beispiel $\al + \beta$, da es von keinem
nichttrivialen Element der Galoisgruppe festgehalten wird.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Fundamentalsatz der Algebra}]
Der K"orper der komplexen Zahlen ist algebraisch abgeschlossen.\label{FSAA}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Alternative Beweise diskutieren wir in \eref{KCAA}{LA1}.
  Als "Ubung d"urfen Sie zeigen, da"s aus einem beliebigen
  angeordneten
  K"orper $R$, in dem jedes Polynom ungerader Ordnung eine Nullstelle hat und jedes positive Element eine Quadratwurzel,
  durch Adjunktion einer Quadratwurzel von $(-1)$ bereits ein
  algebraisch abgeschlossener K"orper entsteht.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
  Sei $L/\DR$ eine endliche normale K"orpererweiterung von $\DR$. Sei
  $G \pdef \op{Gal}
(L/\DR)$ ihre Galoisgruppe und $S \subset G$ eine $2$-Sylow von
$G$, die in unseren Konventionen
 auch die triviale Gruppe sein darf. 
So haben wir $[L:\DR]=|G|$ und $[L:L^S]=|S|$. Folglich
ist $L^{S}/\DR$ eine Erweiterung von ungeradem Grad. Da
jedes Polynom aus $\DR [X]$ von ungeradem Grad nach dem Zwischenwertsatz 
\eref{ZWS}{AN1} eine reelle
Nullstelle hat, folgt $L^{S} = \DR$.
Mithin haben wir $S = G$ 
und $G$ 
ist eine
$2$-Gruppe.
Nach Satz \ref{AL} "uber die Struktur von $p$-Gruppen
besitzt sie Folge von
Untergruppen, bei der jede Index Zwei in der n"achsten hat.
Nach der Galoiskorrespondenz entsteht die
K"orpererweiterung $L$ aus $\DR$ durch sukzessive
K"orpererweiterungen vom Grad $2$, also nach
\ref{QK} durch sukzessive
 Adjunktion
 von Quadratwurzeln.
 Haben wir $L\neq \DR$, so gibt es insbesondere einen
 Zwischenk"oper $M/\DR$  vom Grad zwei, der also durch Adjunktion einer
 Quadratwurzel entsteht.
 Es folgt
 $\op{Ring}^{\DR}(M,\DC)\neq\emptyset$, denn jede reelle Zahl hat bereits eine
Quadratwurzel in $\DC$. Jeder solche Homomorphismus ist ein Isomorphismus
$M\sira \DC$, denn wir wissen $[\DC:\DR]=2$.
In $\Bbb{C}$ hinwiederum und damit auch in $M$ hat jedes Element schon eine
Quadratwurzel und daraus folgt $L=M$.
Also kann $M$ keine  keine nichttrivialen
algebraischen K"orpererweiterungen besitzen.
\end{proof}







\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}\label{GrZK}
  Gegeben eine endliche Galoiserweiterung $L/K$ und zwei Untergruppen
$I\subset H$ ihrer Galoisgruppe zeige man 
f"ur den Grad der Erweiterung der zugeh"origen Fixk"orper
die Formel $$[L^I:L^H]=|H/I|$$
Hinweise: \ref{CG}, Turmregel \ref{et}, \eref{UGL}{LA2}, \ref{GK}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man dr"ucke $\sqrt{3}$ aus als Polynom in $\sqrt{3} + \sqrt{5}$
mit rationalen Koeffizienten: Das mu"s m"oglich sein, da dies Element nach
\ref{PrQ} primitiv ist in $\DQ(\sqrt{3},\sqrt{5})$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Seien $L/K$ eine endliche K"orpererweiterung und $K_{1}, K_{2} \subset L$
zwei Zwischen\-k"or\-per mit $K_{i}/K$ Galois und $K_{1} \cap K_{2} =
K$.
So ist auch der von $K_{1}$ und $K_{2}$ erzeugte Unterk"orper
$K_{1}K_{2} \subset L$ Galois "uber $K$ und es gilt $\op{Gal}
(K_{1}K_{2}/K) \sira \op{Gal} (K_{1}/K) \times \op{Gal} (K_{2}/K)$
vermittels der Restriktionen.
\end{Ubung}


%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%5
%\begin{Ubung}
%Man zeige, da"s jede endliche separable K"orpererweiterung nur endlich
%viele Zwischenk"orper besitzen kann. Man gebe des weiteren auch
%eine endliche K"orpererweiterung
%mit unendlich vielen Zwischenk"orpern an.
%\end{Ubung}

\begin{Ubunge}\label{DefNo} 
  Sei $L/K$ eine endliche Galoiserweiterung mit Galoisgruppe $G$ und
sei $H\subset G$ eine Untergruppe. Man konstruiere einen Isomorphismus 
zwischen $\op{Gal}(L^H/K)$ und dem Quotienten $N/H$ nach $H$ des 
{\bf Normalisators}\index{Normalisator!von Untergruppe}\index{N@${\op{N}}_G(H)$ Normalisator} 
 $N={\op{N}}_G(H)\pdef\{g\in G\mid gHg^{-1}=H\}$ von $H$ in $G$.
\end{Ubunge}






\begin{Ubung}\label{GRA}
  Man zeige:
  F"ur jeden K"orper $k$, dessen Charakteristik kein Teiler von $n$ ist,
hat der Zerf"allungsk"orper des Polynoms  $$T^{n} + a_{2}T^{n-2}
+ \ldots + a_{n-1}T + a_{n}$$
mit Koeffizienten im Funktionenk"orper $k('a_{2}, \ldots, a_{n})$
in $n-1$ algebraisch unabh"angigen Ver"anderlichen 
als
Galoisgruppe  die volle
symmetrische Gruppe $\cal{S}_{n}$. Hinweis: Man gehe aus von 
\ref{StU}; Die Galoisgruppe eines
Polynoms "uber einem K"orper $K$ "andert sich nicht 
unter Substitutionen des Typs
$T=Y+\lambda$ f"ur $\lambda\in K;$ die Galoisgruppe
"andert sich nicht beim "Ubergang zu Funktionenk"orpern
$\op{Gal}(L/K)=\op{Gal}(L(X)/K(X))$. 
Die Irreduzibilit"at folgt bereits aus \ref{GPi}.
\end{Ubung}
\begin{Bemerkunge}
Bei der Behandlung kubischer Gleichungen in   \ref{CaHe} 
werden wir sehen, da"s auch im Fall eines K"orpers $k$ der Charakteristik
Drei das Polynom $T^3+pT+q$ "uber $k('p,q)$  die
volle symmetrische Gruppe  als Galoisgruppe hat. 
Andererseits ist im Fall eines K"orpers $k$ der Charakteristik
Zwei das Polynom $T^2+p$ "uber $k('p)$ inseparabel und seine Galoisgruppe
ist trivial und ist nicht die volle symmetrische Gruppe.
\end{Bemerkunge}


\subsection{Galoisgruppen von Kreisteilungsk"orpern}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben $n\geq 1$ interessieren wir uns nun f"ur den
Zerf"al\-lungsk"orper "uber $\DQ$ des Polynoms $X^{n}-1$.
Dieser Zerf"al\-lungsk"oper hei"st der $n$-te {\bf
Kreisteilungsk"orper}\index{Kreisteilungsk"orper}
 und wird unter Mi"sbrauch der Notation bezeichnet mit 
$\DQ (\sqrt[n]{1})$.\index{Q@$\DQ (\sqrt[n]{1})$ Kreisteilungsk"orper}
Er ist  normal als Zerf"allungsk"orper und separabel "uber $\DQ$ wegen
Charakteristik Null und mithin eine 
Galois-Erweiterung von $\DQ$.
Ich stelle mir als $n$-ten Kreisteilungsk"orper meist
konkret den Unterk"orper $\DQ (\zeta) \subset
\Bbb{C}$ vor mit $\zeta = \op{e}^{2\pi{\op{i}}/n}$.
Auch ohne R"uckgriff auf den K"orper der komplexen Zahlen wissen
wir nach \eref{MZ}{LA2}, da"s die $n$-ten Einheitswurzeln in $\DQ
(\sqrt[n]{1})$ eine zyklische Gruppe der Ordnung $n$ bilden. Die
Erzeuger dieser Gruppe hei"sen die \defnoind{primitiven $n$-ten
Einheitswurzeln}\index{primitive Einheitswurzel}. 
Nach unserer  Definition
der Kreisteilungspolynome in
 \ref{DKTr} sind sie gerade die
Nullstellen des $n$-ten Kreisteilungspolynoms
$$\Phi_{n} = \prod_{\op{ord} \zeta =n} (X - \zeta)$$
Wir hatten schon in \ref{DKTr} mit Induktion "uber $n$ gezeigt, da"s
dieses Polynom Koeffizienten in $\DQ$ und sogar in $\DZ$ hat, und \ref{EKP}
besagte, da"s 
f"ur $n=p$
prim das $p$-te Kreisteilungspolynom
$\Phi_{p}$ irreduzibel ist in $\DQ [X]$.
Nun zeigen wir ganz allgemein, da"s f"ur alle $n\geq 1$
das $n$-te Kreisteilungspolynom
$\Phi_{n}$ irreduzibel ist 
in $\DQ [X]$. Nach \ref{PFR} ist das ganz allgemein f"ur normierte 
Polynome in $\DZ[X]$ gleichbedeutend dazu, 
irreduzibel zu sein
in $\DZ [X]$.
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\defnoind{Galoisgruppen der Kreisteilungsk"orper}]
\begin{enumerate}
\item
Die Kreis\-tei\-lungs\-po\-ly\-no\-me
$\Phi_{n} (X)$ sind  irreduzibel in $\DQ [X]$;
\item
Bezeichnet $\mu_n$ die Gruppe der $n$-ten Einheitswurzeln im
$n$-ten Kreisteilungsk"orper
$\DQ (\sqrt[n]{1})$ und $\op{Aut}(\mu_n)$ ihre 
Automorphismengruppe, so liefern
die offensichtichen Abbildungen Isomorphismen
$$\op{Gal}(\DQ (\sqrt[n]{1})/\DQ)\sira\op{Aut}(\mu_n)
\stackrel{\sim}{\leftarrow} (\DZ /n\DZ)^{\times}$$
Auf diese Weise erhalten wir einen  Isomorphismus
zwischen der Galoisgruppe des $n$-ten Kreisteilungsk"orpers
und der Einheitengruppe des Restklassenrings $\DZ/n\DZ$; 
\item
Gegeben zwei primitive $n$-te Einheitswurzeln $\zeta, \xi \in \DQ
(\sqrt[n]{1})$ existiert genau ein K"orperhomomorphismus $\sigma :
\DQ (\sqrt[n]{1}) \ra \DQ (\sqrt[n]{1})$ mit $\sigma (\zeta) = \xi$.
\end{enumerate}\label{GKT}
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/ZEW}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die zw"olften Einheitswurzeln in $\DC$,
eingekringelt die vier primitiven zw"olften Einheitswurzeln
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
  Die Irreduzibilit"at der Kreisteilungspolynome f"ur
  prime Einheitswurzeln haben wir bereits in \ref{EKP} gezeigt.
  In diesem Fall vereinfacht sich der Beweis entsprechend.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{SFCu}
W"ahlt man eine Einbettung des $n$-ten Kreisteilungsk"orpers
$\DQ (\sqrt[n]{1})$ nach $\DC$, so ist das Bild stets 
der  von $\DQ$ und $\op{e}^{2\pi{\op{i}}/n}$ in $\DC$ erzeugte 
Teilk"orper. Von den Automorphismen unseres Kreisteilungsk"orpers
l"a"st sich jedoch au"ser der Identit"at nur ein
einziger stetig auf
$\DC$ fortsetzen, und dieser  Automorphismus ist f"ur jede Wahl der
Einbettung derselbe und kann beschrieben werden als der  Automorphismus,
der jede Einheitswurzel auf ihr multiplikatives Inverses wirft.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Ich schicke dem Beweis einige allgemeine Betrachtungen zu zyklischen
Gruppen voraus. F"ur $n\geq 1$ liefert ja sicher die
Multiplikation einen Isomorphismus
$(\DZ/n\DZ)^\times\sira \op{Aut}(\DZ/n\DZ)$ zwischen 
der Einheitengruppe unseres Restklassenrings und der Automorphismengruppe
seiner zyklischen Gruppe.
Die Umkehrabbildung kann angegeben werden durch 
die Abbildungsvorschrift $\psi\mapsto \psi(1)$ f"ur jeden Automorphismus 
$\psi$. Ist allgemeiner $C$ irgendeine additiv notierte zyklische
Gruppe der Ordnung $n$, so erhalten wir folglich einen  
Isomorphismus
$(\DZ/n\DZ)^\times\sira \op{Aut}(C)$ durch die Abbildungsvorschrift
$a\mapsto (c\mapsto ac)$, und ist $\mu$ irgendeine multiplikativ
 notierte zyklische
Gruppe der Ordnung $n$, so erhalten wir ebenso einen  
Isomorphismus
$(\DZ/n\DZ)^\times\sira \op{Aut}(\mu)$ durch die Abbildungsvorschrift
$a\mapsto (\zeta\mapsto \zeta^a)$. Des weiteren gibt es f"ur je zwei
Erzeuger einer zyklischen Gruppe genau einen Automorphismus,
der den einen in den anderen "uberf"uhrt. 
\end{Bemerkungl}



\begin{proof}[Beweis]
1. 
Ist $\zeta$ eine primitive $n$-te Einheitswurzel, so sind alle
anderen primitiven $n$-ten Einheitswurzeln von der Form $\zeta^{a}$
f"ur $a \in \DZ$ mit $a$ teilerfremd zu $n$ alias mit
$\langle a,n\rangle =\langle 1\rangle$.
Sei nun $\Phi_{n} = fg$ eine Zerlegung in $\DZ [X]$ mit $f$
dem Minimalpolynom von $\zeta$. Sicher sind dann alle Nullstellen von
$f$ auch primtive $n$-te Einheitswurzeln. Sicher ist  auch $g$ normiert. Es reicht zu zeigen, da"s f"ur jede Nullstelle
$\zeta\in\DC$ von $f$ und $p\in\DN$ prim mit $p\nmid n$ auch $\zeta^{p}$ eine
Nullstelle von $f$ ist,
denn dann sind alle Wurzeln von $\Phi_{n}$ schon
Wurzeln von $f$ und es folgt $\Phi_{n}=f$.
Aber sei sonst  $p$ prim
mit $p\nmid n$ und $g(\zeta^{p})=0$. Nach Annahme 
teilt dann $f$ das Polynom
$g(X^{p})$ in $\DQ[X]$ und nach Gau"s sogar in
$\DZ[X]$ und nach "Ubergang zu $\Bbb{F}_{p} [X]$ ist $\bar{f}$
Teiler von $\bar{g} (X^{p})={\bar g}^{p}$.
Dann haben aber $\bar{f}$ und $\bar{g}$ eine gemeinsame
Nullstelle im Zerf"allungsk"orper von $X^{n}-1$ "uber $\Bbb{F}_{p}$
und das steht im Widerspruch dazu, da"s nach \ref{VN} das Polynom
$X^{n}-1$ "uber $\Bbb{F}_{p}$ f"ur $p\nmid n$ keine mehrfachen Nullstellen
in seinem Zerf"allungsk"orper hat, da seine Ableitung
nur bei $X=0$ verschwindet.
\\[2mm]\noindent
2.
Sicher wird $\Bbb{Q}(\sqrt[n]{1})$ erzeugt von jeder
primitiven $n$-ten Einheitswurzel $\zeta$, und da $\Phi_{n}$ nach
Teil 1 ihr Minimalpolynom ist und da der Grad des Minimalpolynoms
nach \ref{Irr} der Grad der von einer Nullstelle erzeugten K"orpererweiterung ist, 
folgt 
$$[\Bbb{Q} (\sqrt[n]{1}) : \Bbb{Q}]=\op{deg}\Phi_{n} =
|(\Bbb{Z}/n\Bbb{Z})^{\times}|$$
Sicher liefert die Operation der Galoisgruppe
auf den
$n$-ten Einheitswurzeln weiter eine 
Einbettung 
$\op{Gal} (\DQ (\sqrt[n]{1})/\DQ) \hookrightarrow \op{Aut}(\mu_{n})$
und nach  \eref{MuI}{LA2}  erhalten wir einen  Isomorphismus
$(\DZ /n\DZ)^{\times} \sira \op{Aut} (\mu_{n})$ durch $a\mapsto (\zeta\mapsto \zeta^a)$.
Da diese drei Gruppen alle gleichviele Elemente haben, folgt der Satz.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Man erkl"art die 
{\bf Euler'sche $\varphi$-Funktion}
\index{f@$\varphi$, Euler'sche $\varphi$-Funktion} 
$\varphi : \DZ_{\geq 1}\ra \DZ_{\geq 1}$  durch\label{BGRj}
 die Vorschrift
$$\begin{array}{rcl}
\varphi (n) & =& \text{Zahl der zu $n$ teilerfremden $d \in \DN$
mit $1\leq d \leq n$}\\
& =& \text{Zahl der Erzeuger der Gruppe $\DZ/n\DZ$}\\
& =& |\{x \in \DZ/n\DZ \mid \op{ord} (x) = n\}|\\
&=& |(\DZ / n \DZ)^{\times}|
\end{array}$$
Wir haben etwa $\varphi(1)=\varphi(2)=1$, 
$\varphi(3)=\varphi(4)=2$, 
$\varphi(5)=4$, $\varphi(6)=2$ und so weiter.
Nach \ref{GKT} haben wir auch $\varphi (n) = \deg  \Phi_{n}= [\Bbb{Q}
(\sqrt[n]{1}) : \Bbb{Q}]$.
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\defnoind{Konstruierbarkeit regelm"a"siger $n$-Ecke}]
Genau\index{Konstruierbarkeit  regelm"a"siger $n$-Ecke}
 dann ist das regelm"a"sige $n$-Eck konstruierbar\label{KRN}
 mit Zirkel
und Lineal, wenn der Wert  der 
Euler'schen $\varphi$-Funktion $\varphi (n)=|(\DZ / n \DZ)^{\times}|$
an der Stelle $n$ eine
Zweierpotenz ist.
\end{Satz}
%\begin{Bemerkungl} Wir werden im folgenden sehen, da"s
%die Zahlen $n$ mit 
%\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $\zeta$ eine primitive $n$-te Einheitswurzel. Ist $\varphi (n) =
[\DQ (\zeta) : \DQ]$ keine Zweierpotenz, so kann $\zeta$ nicht
konstruierbar sein nach \ref{ZP}.
Ist $\varphi (n)$ eine Zweierpotenz, so ist $G = \op{Gal} (\DQ
(\zeta)/\DQ)$ eine $2$-Gruppe.
Nach \ref{AL} oder einfacher  induktiv nach  \eref{ZABc}{LA2} 
gibt es dann in $G$ eine Kette von Normalteilern von
$G$ der Gestalt
$$G = G_{r} \supset G_{r-1}\supset \ldots \supset G_{0} =1$$
mit $G_{i}/G_{i-1} \cong \DZ/2\DZ \text{ f"ur } 1 \leq i\leq r$.
Deren Fixk"orper bilden  eine Kette
$$\;\;\;\;\;\;\DQ = K_{r} \subset K_{r-1} \subset \ldots \subset K_{0} = \DQ
(\zeta)$$ von Teilk"orpern
mit $[K_{i-1} : K_{i}] =2 \text{ f"ur } 1 \leq i \leq r$.
Diese Kette hinwiederum zeigt mit dem Konstruierbarkeitskriterium
\ref{Kons}, da"s $\zeta$ konstruierbar ist.
\end{proof}
\begin{Lemma}[\textbf{Rechenregeln f"ur die Euler'sche $\varphi$-Funktion}]
\begin{enumerate}
\item
Sind positive nat"urliche Zahlen
$n$ und $m$ teilerfremd, so gilt $\varphi (nm) = \varphi (n)
\varphi (m)$;
\item
F"ur $p $ eine Primzahl und $r\geq 1$ beliebig
 gilt $\varphi (p^{r}) = p^{r-1}(p-1)$.
\end{enumerate}\label{BEFI} 
\end{Lemma}

\begin{proof}[Beweis]
1.
Der Isomorphismus $\DZ / n m \DZ \cong \DZ / n \DZ \times \DZ/ m
\DZ$ von Ringen induziert einen Isomorphismus
$(\DZ/ n m \DZ)^{\times} \cong (\DZ/ n \DZ)^{\times} \times (\DZ/ m
\DZ)^{\times}$ der zugeh"origen Einheitengruppen.
\\[2mm]\noindent
2.
Es gibt  $p^{r-1}$ Vielfache $n$ von $p$ mit $1 \leq n \leq
p^{r}$, also gilt
\begin{equation*}
\varphi (p^{r}) = p^{r}-p^{r-1} = p^{r-1} (p-1)\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Zahlen $n$ 
mit $\varphi (n)$ eine Zweierpotenz}]
  Damit $\varphi (n)$ eine Zweierpotenz ist, darf nach
  den eben erkl"arten Rechenregeln \ref{BEFI}
  nur der
Primfaktor $2$ in $n$ mehrfach vorkommen und alle anderen
Primfaktoren m"ussen die Gestalt $2^{r}+1$ haben.
Nur dann kann aber $2^{r}+1$ eine Primzahl sein, wenn $r$ selbst
eine Zweierpotenz ist, denn sonst w"are $r =st$ mit $t > 1$
ungerade und wir k"onnten die Gleichung
$$(1-X^{t})= (1-X) (1+X + \ldots + X^{t-1})$$ spezialisieren zu
$X =-2^{s}$ und so $1+2^{r}$ nichttrivial
faktorisieren. Genau dann ist also $\varphi (n)$ eine 
Zweierpotenz, wenn alle Primfaktoren von $n$ 
Fermat'sche Primzahlen im
Sinne der folgenden Bemerkung sind und keine
Primfaktoren au"ser der
Zwei mehrfach vorkommen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
Die Zahlen $F_{k}\pdef 1 + 2^{2^{k}}$ hei"sen \defind{Fermat'sche
Zahlen}.
$F_{0}$, $F_{1}$, $F_{2}$, $F_{3}$, $F_{4}$ sind prim, aber $F_{5} = 1 +
2^{32} = 641\cdot 6700417$ ist nach Euler nicht prim. Es ist nicht
bekannt, ob es au"ser den $5$ Ersten noch weitere Fermat'sche Zahlen
gibt, die prim sind. Bekannt ist, da"s die Fermat'schen Zahlen
$F_{k}$ f"ur $5 \leq
k\leq 32$ nicht prim sind, 
 jedenfalls habe ich  das 2020 mit Zitat in Wikipedia gelesen.  
\end{Bemerkunge}

% \begin{Bemerkungl}\label{BGRj}
%  Allgemeiner bezeichnet man f"ur $m\geq 1$ mit
%   $\varphi(m)$ die Zahl der zu $m$ teilerfremden Zahlen $i$ mit 
%   $1\leq i\leq m$ und nennt die so definierte Funktion $\varphi$
%  die {\bf Euler'sche $\varphi$-Funktion}.\index{Euler'sche $\varphi$-Funktion}
%  \index{f@$\varphi$-Funktion, Euler'sche} 
%  Wir haben etwa $\varphi(1)=\varphi(2)=1$, $\varphi(3)=\varphi(4)=2$, 
%  $\varphi(5)=4$, $\varphi(6)=2$ und so weiter.
%  \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
Wie gesagt kann
$\varphi(m)$ auch interpretiert werden als die Ordnung der
Einheitengruppe des Restklassenrings $\DZ/m\DZ$, in Formeln 
$$\varphi(m) =|(\DZ/m\DZ)^\times|$$ Wenden wir auf diese
Gruppe unsere Erkenntnis  \eref{GOL}{LA2} an, 
da"s die Ordnung jedes 
Elements einer endlichen Gruppe die 
Gruppenordnung teilt,  so erhalten wir 
f"ur $b$ teilerfremd zu $m$ insbesondere
die sogenannte 
{\bf Euler'sche Kongruenz}\index{Euler'sche Kongruenz} 
$$b^{\varphi(m)}\equiv 1\pmod m$$
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkunge}
Wenn man die Eulersche $\varphi$-Funktion einf"uhrt, so darf
die witzige Identit"at
$$n = \sum_{d\mid n} \varphi (d)$$
nicht fehlen. Um sie zu zeigen bemerke man, da"s
auch f"ur jedes Vielfache $n=cd$ einer Zahl $d$ schon gilt
$\varphi (d) =|\{x \in \DZ/n\DZ \mid \op{ord} (x) = d\}|$.
In der Tat liefert n"amlich die Multiplikation mit $c$
eine Einbettung $\DZ / d\DZ\hra  \DZ / n\DZ$,  deren Bild
genau aus allen $x \in \DZ / n\DZ$  besteht, 
deren Ordnung $d$ teilt.
\end{Bemerkunge}

\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s man aus einem regelm"a"sigen $7$-Eck mit Zirkel und 
Lineal ein regelm"a"siges $35$-Eck konstruieren kann. Hinweis: Man verwende
\ref{KonsA}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Wieviele zu $140000$ teilerfremde Zahlen $a$ mit
$1\leq a\leq 140000$ gibt es?
\end{Ubung}
  \begin{Ubung}[\textbf{Konstruierbarkeitskriterium}]
    Man zeige: Eine komplexe algebraische Zahl ist
    konstruierbar genau dann,\label{HNKo}
    wenn der Grad des Zerf"allungsk"orpers ihres
    Minimalpolynoms "uber $\DQ$ eine Zweierpotenz ist.
  \end{Ubung}
 \begin{Ubung}
   Man zeige, da"s  die Einheitswurzeln des $n$-ten Kreisteilungsk"orpers
   f"ur gerades $n$ genau die $n$-ten Einheitswurzeln sind
   und f"ur ungerades $n$ genau die $2n$-ten Einheitswurzeln.  
  \end{Ubung}
\begin{Ubung}
   Man zeige f"ur die Euler'sche $\varphi$-Funktion und alle $n\geq 1$ die Identit"at $\varphi(n^2)=n\varphi(n)$.  
  \end{Ubung}
  \begin{Ubung}
    Seien $m,n\geq 1$ nat"urliche Zahlen und $k$ ihr kleinstes gemeinsames
    Vielfaches. Man zeige $\DQ(\sqrt[n]{1},\sqrt[m]{1}) =
    \DQ(\sqrt[k]{1})$ f"ur beliebige entsprechende primitive Einheitswurzeln
    Hinweis: Ist $k=an=bm$ mit $(a,b)=1$, so gibt es $x,y$ mit $ax+by=1$
    alias $\zeta_k=(\zeta_k^a)^x(\zeta_k^b)^y$. 
  \end{Ubung}
 
 \begin{Ubung}
   Gegeben $n>2$ zeige man, da"s im Kreisteilungsk"orper $\DQ(\sqrt[n]{1})=\DQ(\zeta)$
   f"ur $\zeta$ eine primitive $n$-te Einheitswurzel gilt
   $[\DQ(\zeta):\DQ(\zeta + \zeta^{-1})]=2$
   und $[\DQ(\zeta + \zeta^{-1}):\DQ]=\varphi(n)/2$.
   Man folgere $\Phi_n(X)=X^{\varphi(n)}\Phi_n(X^{-1})$. 
  \end{Ubung}

\subsection{Quadratisches Reziprozit"atsgesetz}

\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ganze Zahlen $a,b \in \mathbb Z$ stellen 
wir uns nun die Frage, ob es ganze Zahlen 
  $x,y \in \mathbb Z$ gibt mit
\begin{equation*}
a = x^2 + by
\end{equation*}
Ist das der Fall, so nennt man $a$ einen 
{\bf quadratischen Rest modulo
  $b$}.\index{quadratischer Rest}  
Gleichbedeutend k"onnen wir auch fragen, 
ob eine Restklasse  $\bar x \in \mathbb Z /
b \mathbb Z$ existiert mit $\bar a = \bar x^2$, ob also $\bar a$
ein Quadrat ist in $\mathbb Z / b \mathbb Z$.
Es mag a priori nicht klar sein, ob diese Frage derart
wichtig ist, da"s ihre Behandlung einen eigenen Abschnitt verdient. 
A  posteriori hat sich die Untersuchung dieser  Frage 
und ihrer Verallgemeinerungen jedoch als derart fruchtbar erwiesen,
da"s es mir angemessen scheint, sie  hier zu diskutieren.
Zun"achst reduzieren wir unsere Frage im folgenden auf den Fall $b$ prim
und erkl"aren dann, wie sie in diesem Fall durch das sogenannte 
\glqq quadratische Reziprozit"atsgesetz\grqq\  gel"ost wird.
Es gibt verschiedene Beweise des quadratischen Reziprozit"atsgesetzes,
dessen verbl"uffende Aussage viele Mathematiker 
fasziniert hat. Wir geben  hier einen Beweis 
mit den
Methoden der Galoistheorie.
Er ist vielleicht nicht der elementarste Beweis,
aber in meinen Augen doch der Beweis, bei dem am wenigsten \glqq gezaubert\grqq\  wird.
Dar"uber hinaus weist er eine Richtung, 
in der es interessante Verallgemeinerungen
gibt.
\end{Bemerkungl}
 
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Reduktion auf $b=p^n$ eine Primzahlpotenz}] 
Gegeben $b_1, b_2 \in \mathbb Z$ teilerfremd ist 
$a$ ein Quadrat modulo $b_1b_2$ 
genau dann, wenn es ein Quadrat ist modulo $b_1$ 
und ein Quadrat modulo $b_2$.
Das folgt unmittelbar aus unserem Ring\-isomorphismus 
$$\mathbb Z / b_1b_2 \mathbb Z
\overset{\sim}{\rightarrow} 
\mathbb Z / b_1 \mathbb Z \times \mathbb Z/b_2 \mathbb Z$$
alias dem chinesischen Restsatz \eref{CDR}{LA2}.
Nach dieser Bemerkung werden wir uns bei der Untersuchung 
unserer urspr"unglichen Frage auf den Fall
be\-schr"an\-ken, da"s $b$ eine echte Primzahlpotenz ist.
F"ur Zahlen $b$, deren Primfaktorzerlegung wir nicht kennen,
ist uns damit  zwar wenig geholfen, aber f"ur
diese $b$ ist nun einmal schlicht  kein schnelles Verfahren bekannt, mit dem  
die Frage entschieden werden k"onnte, ob ein gegebenes $a$ 
quadratischer Rest modulo $b$ ist oder nicht.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Reduktion auf $a$ teilerfremd zu $b=p^n$}] 
Sei nun also $b$ eine echte Primzahlpotenz,  sagen wir $b=p^n$.
Ist dann $a= p^r \alpha$ die Darstellung von $a$
als Produkt mit $\alpha$ 
teilerfremd zu $p$, so ist die Gleichung
\begin{equation*}
a = p^r \alpha = x^2 + y p^n
\end{equation*}
f"ur $  r\geq n$ bereits mit $x=0$  l"osbar.
Haben wir dahingegen $ r+t = n$ mit $t >0$, so folgt aus der Identit"at
$
p^r \alpha = x^2 + y p^r p^t
$,
da"s 
die maximale $p$-Potenz, die die rechte Seite teilt, entweder gerade ist oder
mindestens $p^{r+1}$.
Diese Gleichung  ist also f"ur $t>0$
nur unter der Annahme $r$ gerade  
l"osbar und  unter dieser Annahme 
genau dann, wenn die Gleichung $$\alpha=
\tilde x^2 + y p^t$$ l"osbar ist alias 
wenn $\alpha$ ein Quadrat ist modulo $p^t$.
Auf diese Weise k"onnen wir uns bei der Untersuchung 
unserer urspr"unglichen Frage  auf den Fall zur"uckziehen,
da"s $b$ eine echte Primzahlpotenz ist und  zus"atzlich $a$ teilerfremd 
zu $b$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Reduktion von $b=p^n$ auf $b=p$ f"ur $p\neq 2$}]
Ist $p$ eine ungerade Primzahl und $a$ 
teilerfremd zu $p$, so ist $a$ ein Quadrat modulo
$p^n$ f"ur $n \geq 2$ genau dann, wenn $a$ 
ein Quadrat ist modulo $p$. 
Das folgt leicht aus \eref{RKII}{LA2} oder besser
seinem Beweis, wo Sie gezeigt haben, 
da"s die Projektion 
$(\DZ/p^n\DZ)^\times\sra (\DZ/p\DZ)^\times$ faktorisiert "uber einen
Isomorphismus mit der Projektion als zweitem Pfeil in der Form
$$(\DZ/p^n\DZ)^\times       \sira \DZ/p^{n-1}\DZ \times
(\DZ/p\DZ)^\times\sra (\DZ/p\DZ)^\times$$
Da die Zwei teilerfremd ist zu $p$,
ist nun jedes Element von $\DZ/p^{n-1}\DZ$ das Doppelte von einem anderen,
und das beendet auch bereits unsere Reduktion.
Durch  
Induktion "uber $n$ kann man sogar 
explizit eine L"osung finden: Gegeben $\tilde x, 
\tilde y \in \mathbb Z$ mit $a = \tilde x^2 +
\tilde y p^n$ machen wir zur L"osung der 
Gleichung $a= x^2 + yp^{n+1} $ den
Ansatz $x = \tilde x + \lambda p^n$ und 
finden f"ur $\lambda $ die Gleichung
\begin{equation*}
a = \tilde x^2 + 2\lambda p^n \tilde x 
+ \lambda^2p^{2n} + y p^{n+1}
\end{equation*}
Wegen $a - \tilde x^2 = \tilde y p^n$ 
kann sie umgeschrieben werden zu
\begin{equation*}
2 \lambda \tilde x = \tilde y - \lambda^2 p^n - yp
\end{equation*}
Da nun nach Annahme $ 2$ und $ a$ und damit  auch $\tilde x$ 
invertierbar 
sind in $\mathbb Z / p \mathbb Z$,
hat diese Gleichung stets eine L"osung $\lambda$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Reduktion von $b=2^n$ auf $b=8$}]
  Eine ungerade Zahl ist ein quadratischer Rest modulo 
$2^n$ f"ur $n\geq 3$ genau dann, wenn sie  ein quadratischer Rest 
ist modulo 
$8$ alias kongruent zu $1$ modulo $8$. 
Da"s diese 
Bedingung notwendig ist, scheint mir offensichtlich. 
Um zu zeigen, da"s
sie auch hinreichend ist, 
erinnern wir wieder aus \eref{RKII}{LA2} oder besser
seinem Beweis, da"s sich die offensichtliche Surjektion
$(\DZ/2^n\DZ)^\times\sra (\DZ/8\DZ)^\times$ 
 als rechte Vertikale in ein kommutatives Diagramm 
$$
\begin{array}{ccccc}
(\DZ/2^n\DZ)^\times    &   \sira& \DZ/2^{n-2}\DZ \times
(\DZ/4\DZ)^\times&\sira& \DZ/2^{n-2}\DZ \times\DZ/2\DZ\\
\da&&\da&&\da\\
(\DZ/8\DZ)^\times    &   \sira& \DZ/2\DZ \times
(\DZ/4\DZ)^\times&\sira &\DZ/2\DZ \times\DZ/2\DZ
\end{array}
$$
mit den offensichtlichen Surjektionen in den
Vertikalen 
 einbetten l"a"st. Aus diesem Diagramm ist
die Behauptung dann unmittelbar ersichtlich.
Um eine explizite L"osung zu finden, machen wir wieder Induktion 
"uber $s$ und gehen also aus von
einer L"osung der Gleichung
$
a = x^2 + y2^s $ mit $ s \geq 3.
$
Ist $y$ gerade, also $y = 2 \tilde y$, so steht unsere 
L"osung f"ur $s + 1$ schon da.
Sonst ersetzen wir $x$ durch $x+ 2^{s-1}$ und finden so 
auch eine L"osung mit $y$ gerade.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Mit diesen "Uberlegungen haben wir also unsere urspr"ungliche Frage
  zur"uckgef"uhrt auf die  Frage, welche Zahlen quadratische Reste sind
  modulo ungerader Primzahlen und modulo $8$. 
Ganz allgemein wissen wir seit \eref{QuDr}{LA1}, wiewiele Elemente eines
endlichen K"orpers $\mathbb F$ Quadrate sind, n"amlich im Fall
der Charakteristik Zwei alle und im Fall einer 
von $2$ verschiedenen Charakteristik knapp "uber die H"alfte,
genauer $(|\mathbb F|+1)/2$ Elemente. Aber welche?
In \ref{JacSy} erkl"aren wir, wie diese Frage 
f"ur endliche Primk"orper
durch das Zusammenwirken von
quadratischem Reziprozit"atsgesetz \ref{QuR}
und  Erg"anzungssatz \ref{ErgS} 
effizient gel"ost werden kann. 
\end{Bemerkungl}

  



%   \begin{Bemerkungl}
%  Zur Erinnerung:
%    Gegeben  $a, b \in \DZ$  ganze Zahlen
% sagen wir, 
% $a$ sei ein Quadrat
%       modulo $b$ genau dann, 
% wenn die Gleichung $a=x^2+by$
%     eine L"osung in ganzen Zahlen 
% $x,y \in \DZ$ besitzt. Der zentrale Satz in diesem
% Zusammenhang lautet wie folgt: 
% \end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Quadratisches 
Reziprozit"atsgesetz}\index{Reziprozit"atsgesetz!quadratisches}]
Seien $p$ und $q$  verschiedene ungerade Primzahlen.\label{QuR}
\begin{enumerate}
\item
Ist $p$ oder $q$ kongruent zu $1$ modulo $4$, so ist $p$ ein Quadrat
modulo $q$ genau dann, wenn $q$ ein Quadrat ist modulo $p$;
\item
Sind $p
$ und $q$ kongruent zu $3$ modulo $4$, so ist $p$ ein Quadrat modulo
$q$ genau dann, wenn $q$ kein Quadrat ist modulo $p$.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl} Hier werden die Buchstaben $p,q$
  anders verwendet als  im Zusammenhang mit endlichen K"orpern
  "ublich. Dort bezeichnet meist $q$ eine Potenz von $p$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  Wir betrachten $p=7$ und $q=103$. Wir finden
$103\equiv 5\pmod 7$ und durch Ausprobieren sehen wir,
da"s  $0,1,2,4$ die einzigen Quadrate im K"orper mit $7$ Elementen
sind. Insbesondere ist $103$ kein Quadrat modulo $7$.
Unsere Primzahlen sind nun beide kongruent zu $3$ modulo $4$,
und  Teil zwei des quadratischen Reziprozit"atsgesetzes sagt uns dann,
da"s $7$ notwendig ein Quadrat   modulo $103$ sein mu"s.  Ausprobieren liefert
in der Tat $25^2=625=6\times 103 +7$.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Allgemeines zu zyklischen Gruppen}]
  Wir schicken dem Beweis einige allgemeine "Uberlegungen
  zu zyklischen Gruppen voraus.
\label{ghff}
Ich erinnere zun"achst daran, da"s nach \eref{GHFF}{LA2} 
jede nichttriviale zyklische Gruppe $G$ gerader Ordnung $2n$
genau eine Untergruppe der Ordnung $2$ und genau eine
Untergruppe vom Index $2$ hat. F"ur den
in additiver Notation geschriebenen Gruppenhomomorphismus
$$(n\cdot):G\ra G$$
ist das
Bild die einzige Untergruppe der Ordnung $2$ und
der Kern die einzige Untergruppe vom Index $2$. F"ur den
in additiver Notation geschriebenen Gruppenhomomorphismus
$$(2\cdot):G\ra G$$
ist dahingegen das
Bild die einzige Untergruppe vom Index $2$ und
der Kern die einzige Untergruppe der Ordnung $2$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
Im Fall der additiven Gruppe $\mathbb Z/2n \mathbb Z$ ist 
$\{\bar 0, \bar n\}
=n \mathbb Z / 2n \mathbb Z$ die einzige zweielementige 
Untergruppe und
$2 \mathbb Z / 2n \mathbb Z$  die einzige 
Untergruppe vom Index $2$.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
  Wir erinnern daran, da"s die multiplikative Gruppe eines endlichen K"orpers
  stets zyklisch ist. Im Fall der multiplikativen Gruppe $\mathbb F^\times_p$ 
f"ur $p$ eine ungerade Primzahl ist entsprechend
$\{1,-1\}$ die einzige zweielementige Untergruppe\label{LeSS} 
und $(\mathbb F_p^\times)^2$ die einzige  Untergruppe
vom Index $2$ und
das Potenzieren mit $(p-1)/2$ ist ein
surjektiver Gruppenhomomorphismus 
$\mathbb F_p^\times \twoheadrightarrow \{1,-1\}$
mit Kern $(\mathbb F_p^\times)^2$.
Wir f"uhren nun f"ur $p$ prim und $a \in \DZ$ 
das sogenannte 
{\bf Legendre-Symbol}\index{Legendre-Symbol}
\index{)5)@$(\frac{a}{p})$ Legendre-Symbol} 
 ein durch die Vorschrift
$$
\left(\frac{a}{p}\right) \pdef \left\{\begin{array}{rl} 0 & a \text{
ist ein Vielfaches von } p;\\ 1 & a \text{ ist ein Quadrat modulo $p$, aber kein Vielfaches von $p$}
;\\
-1 & \text{sonst.}
\end{array} \right.
$$
F"ur $p$ eine ungerade 
Primzahl erhalten wir damit  die Kongruenz
\begin{equation*}
\left(\frac{a}{p}\right) \equiv a^{\frac{p-1}{2}} \pmod{p}
\end{equation*}
In der Tat folgt das f"ur  $ a$ teilerfremd zu $p$ aus den vorhergehenden
"Uberlegungen dieses Unterpunktes
und in den anderen F"allen ist es eh klar. Des weiteren h"angt
auch f"ur beliebige Primzahlen $p$ 
das Legendresymbol nur von der Restklasse modulo $p$ ab und es gilt
die Multiplikativit"at
\begin{equation*}
\left(\frac{ab}{p}\right) =\left(\frac{a}{p}\right) \left(\frac{b}{p}\right) 
\end{equation*}
In der Tat folgt das f"ur  $ a$ und $b$ teilerfremd zu $p$
aus den vorhergehenden
"Uberlegungen dieses Unterpunktes und in den anderen F"allen ist es eh klar.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Quadratische Teilerweiterungen in Galoiserweiterungen}]  Seien $L/K$ eine endliche Galoiserweiterung
  und $G\pdef \op{Gal}(L/K)$ ihre Galoisgruppe.
  Gegeben eine Untergruppe $H\subset G$ der Galoisgruppe 
  vom Index $2$ ist nach  der Galoiskorrespondenz oder auch bereits nach
  \ref{ZH} ihr\label{QTGm} 
  Fixk"orper $L^H$
  eine quadratische Erweiterung von $K$. Ist
  die Charakteristik kein Teiler von $|H|$, so
  kann dieser Fixk"orper offensichtlich beschrieben
  werden durch die Formel
  $$L^{H}=\left.\left\{\sum_{\sigma\in H} \sigma(\gamma)\right| \gamma\in L\right\}$$
  Die Bedingung an die Charakteristik wird dabei f"ur die Inklusion
  $\subset$ ben"otigt, weil man damit $\alpha\in L^H$ schreiben kann als
  $\alpha=|H|^{-1}\sum_{\sigma\in H} \sigma(\alpha)$. 
Gilt zus"atzlich $\op{char}K\neq 2$, so sind die Elemente $\alpha\in L^{H}\backslash K$ mit $\alpha^2\in K$ genau die Eigenvektoren zum Eigenwert
$(-1)$ des nichttrivialen Elements $\tau$ 
der zweielementigen Gruppe $\op{Gal}(L^{H}/K)\cong G/H$. Man
  "uberlegt sich leicht, da"s dieser Eigenraum beschrieben werden kann als
   $$\op{Eig}(\tau|L^{H};-1)=\left.\left\{\sum_{\sigma\in H} \sigma(\gamma)- \sum_{\sigma\ \in G\backslash H} \sigma(\gamma)\right| \gamma\in L\right\}$$
Gegeben $\gamma\in L$ gilt f"ur $\alpha\pdef \sum_{\sigma\in H} \sigma(\gamma)- \sum_{\sigma\ \in G\backslash H} \sigma(\gamma)$  auch ohne Vorausetzungen an die
Charakteristik stets $\alpha\in L^H$ und $\tau(\alpha)=-\alpha$ f"ur $\tau\in G\backslash H$ und damit 
$\alpha^2\in K$ sowie unter
den zus"atzlichen Annahmen $\alpha\neq 0$ und
$\op{char}(K)\neq 2$ zus"atzlich $L^{H}=K(\alpha)=K+K\alpha$.\label{alGA} 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Quadratwurzeln in primen Kreisteilungsk"orpern}]
  Gegeben  $p$  eine ungerade Primzahl gilt
  $$\begin{array}{rll}\pm\sqrt{ p}\in\DQ(\sqrt[p]{1})&\text{falls}&p\equiv 1\pmod{4}\\[1mm]
  \pm\sqrt{ -p}\in\DQ(\sqrt[p]{1})&\text{falls}&p\equiv 3\pmod{4}
  \end{array}$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Explizit pr"uft man
f"ur eine von Null verschiedene dritte Einheitswurzel
$\zeta$ leicht $(\zeta-\zeta^2)^2=-3$ und damit
$\pm\sqrt{-3}\in \DQ(\sqrt[3]{1})$. Die Beziehung zwischen
regelm"a"sigem F"unfeck und  goldenem Schnitt \eref{RFE}{AN1} liefert 
$\sqrt{5}\in \DQ(\sqrt[5]{1})$.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof} Wir erinnern unseren Isomorphismus
  $\mathbb F_p^\times\sira \op{Gal}(\DQ(\sqrt[p]{1}),\DQ)$ aus
  \ref{GKT} und die Erkenntnis aus \eref{MZ}{LA2}, da"s $\mathbb F_p^\times$
  eine zyklische Gruppe ist. Nach \ref{ghff} hat die Galoisgruppe genau eine
  Untergruppe vom Index Zwei. Nach der Galoiskorrespondenz
  liegt damit in $\DQ(\sqrt[p]{1})$
  genau eine quadratische Erweiterung von $\DQ$
  und nach \ref{QTGm} und \ref{LeSS} 
 hat f"ur 
   $\zeta\in \DQ
  (\sqrt[p]{1})$ eine primitive $p$-te Einheitswurzel
  das Element $$\al
\pdef\sum_{a \in
  \mathbb F_p^\times} \left(\frac{a}{p}\right) \zeta^a$$
die Eigenschaft $\alpha^2\in\DQ$. Dies Element $\alpha$ erzeugt folglich, wenn es nicht Null ist, die fragliche quadratische Erweiterung. Wir zeigen nun  genauer
durch explizite Rechnung die Formel\label{QaK} 
$$\al^2=(-1)^{\frac{p-1}{2}} p$$ 
In der Tat,
beachten wir
$(\frac{ab^2}{p})= (\frac{a}{p})$ f"ur $b\in \mathbb F_p^\times$,
so ergibt sich  durch
Substitution von $ab$ f"ur $a$ die zweite Gleichung der Kette
$$
\al^{2} = \sum_{a,b \in \Bbb{F}_{p}^{\times}} 
\left(\frac{ab}{p}\right)%\chi (ab) 
\zeta^{a+b}
= \sum_{a \in
\Bbb{F}^{\times}_{p}} \left(\frac{a}{p}\right)%\chi (a) 
\sum_{b \in \Bbb{F}_{p}^{\times}} 
(\zeta^{a+1})^{b}
$$
Bei $a = -1$ ergibt sich ganz rechts 
der Beitrag $(\frac{-1}{p}) (p-1)$. Bei $a \neq -1$
beachten wir, da"s f"ur
$\eta= \zeta^{a+1}$ wie f"ur jede von Eins verschiedene
$p$-te Einheitswurzel die Relation
$$1+ \eta + \eta^{2} + \ldots +\eta^{p-1} =
0$$
erf"ullt ist, so da"s die Summanden mit $a \neq -1$ jeweils den Beitrag
$-(\frac{a}{p})%\chi (a)
$ liefern.
Da nun die Summe der  $(\frac{a}{p})
$ "uber alle
$a \in \Bbb{F}^{\times}_{p}$ verschwindet, und erst
daf"ur brauchen wir $p\neq 2$,
liefern alle Summanden mit $a \neq -1$ zusammen den Beitrag 
$(\frac{-1}{p})
$ und mit \ref{LeSS}
 folgern wir $$\textstyle \al^{2} = (\frac{-1}{p}) (p-1) + (\frac{-1}{p})=(\frac{-1}{p})p=
 (-1)^{\frac{p-1}{2}}p\qedhere$$
\end{proof}
\begin{Bemerkunge} Im "ubrigen folgt  im vorhergehenden Beweis 
$\alpha^2\in \DZ$ auch  ohne alle Rechnung aus der Identit"at
  $\DQ\cap\DZ[\zeta]=\DZ$. Um sie einzusehen, bemerkt man, da"s  $\DZ[\zeta]$ eine endlich
  erzeugte abelsche Gruppe ist, der Schnitt ist mithin nach \eref{ee}{LA2} auch eine endlich erzeugte
  abelsche Gruppe. Andererseits aber ist er auch ein Teilring von $\DQ$, und
  diese beiden Eigenschaften zusammen zeigen nach "Ubung
  \ref{ZEQ} bereits, da"s unser Schnitt
  $\DZ$ sein mu"s.  
\end{Bemerkunge}

\begin{proof}[Beweis des quadratischen Reziprozit"atsgesetzes]
    Sei wie zuvor $p$ eine ungerade Primzahl. Wir betrachten die eindeutige quadratische Teilerweiterung unseres
$p$-ten  Kreisteilungsk"orpers, die wir in \ref{QaK} bestimmt hatten zu 
  $\DQ(\zeta)\supset \DQ(\alpha)\supset\DQ$
  mit $\alpha^2=(-1)^{\frac{p-1}{2}} p$.
  Die Teilringe
  $$\DZ[\zeta]\supset \DZ[\alpha]\supset\DZ$$
  sind offensichtlich stabil unter der Galoisgruppe $\op{Gal}(\DQ(\zeta)/\DQ)$
  und $\DZ[\zeta]$ ist eine endlich erzeugte torsionsfreie abelsche Gruppe.
  Jede Primzahl $q\neq p$ liefert unter $\DZ\backslash p\DZ\sra \mathbb F_p^\times \sira \op{Gal}(\DQ(\zeta)/\DQ)$ ein Element
  $\sigma_q$ der Galoisgruppe mit $\sigma_q(\zeta)=\zeta^q$.
  Sicher ist $$R\pdef \DZ[\zeta]/q\DZ[\zeta]$$ nicht der Nullring und
  der von diesem Element $\sigma_q$  auf $R$ induzierte Ringautomorphismus
  $\sigma_q:R\ra R$ ist
   der Frobenius $r\mapsto r^q$ zur Primzahl $q$, die in diesem
   Fall die Charakteristik unseres Rings ist, denn $\sigma_q$ stimmt auf $\zeta$
   und $\mathbb F_q$ mit dem Frobenius "uberein und zusammen erzeugen diese
   Elemente unseren Ring.
   Das Bild von $\alpha$ in $R$ notieren wir $$\bar \alpha\in R$$
  % und sehen $\sigma_q(\bar\alpha)=(\frac{q}{p})\bar\alpha$. 
   Das Bild der offensichtlichen Einbettung $\mathbb F_q\hra R$
   notieren wir  kurz  $\mathbb F_q\subset R$.
 Wir haben also $\bar \alpha^2= (-1)^{\frac{p-1}{2}} \bar p$.
 Das Auswerten an $\bar\alpha$ induziert mithin einen
 surjektiven Ringhomomorphismus
 $\mathbb F_q[X]/\langle X^2-\bar\alpha^2\rangle\sra
 \mathbb F_q[\bar\alpha]\subset R$. 
Wir sind dann  in genau einem der beiden folgenden F"alle:
  \begin{enumerate}
  \item
    $X^2-\bar\alpha^2$ ist nicht irreduzibel in $\mathbb F_q[X]$ und
    $\bar\alpha^2= (-1)^{\frac{p-1}{2}} \bar p$ ist  ein Quadrat in  $\mathbb F_q$ und es gibt, falls $q\neq 2$,  nach dem chinesischen Restsatz   einen
 surjektiven Ringhomomorphismus $\mathbb F_q\times\mathbb F_q\sra \mathbb F_q[\bar\alpha]$ und es gilt $\sigma_q(\bar\alpha)=\bar\alpha$;
  \item $X^2-\bar\alpha^2$ ist irreduzibel in $\mathbb F_q[X]$ und
    $\bar\alpha^2= (-1)^{\frac{p-1}{2}} \bar p$ ist  kein Quadrat
    in  $\mathbb F_q$ 
    und $\mathbb F_q[\bar\alpha]$ ist eine quadratische K"orpererweiterung
    von $\mathbb F_q$ und es gilt $\sigma_q(\bar\alpha)=-\bar\alpha$.
  \end{enumerate}
  Nun haben wir $\bar \alpha^2= (-1)^{\frac{p-1}{2}} \bar p$
  und zusammen mit   unserer vergleichsweise banalen Erkenntnis  $\sigma_q(\alpha)=(\frac{q}{p})\alpha$ und damit
  auch $\sigma_q(\bar\alpha)=(\frac{q}{p})\bar\alpha$ folgt unter der Annahme $q\neq 2$ unmittelbar 
$$\left(\frac{-1}{q}\right)^{\frac{p-1}{2}}\left(\frac{p}{q}\right)=\left(\frac{q}{p}\right)$$
Zusammen mit unserer Erkenntnis
$(\frac{-1}{q}) = (-1)^{\frac{q-1}{2}}$ aus \ref{LeSS} folgt  das
quadratische Reziprozit"atsgesetz.
\end{proof}


\begin{Proposition}[\textbf{Erg"anzungssatz}]
F"ur jede ungerade Primzahl $p$ 
gilt\label{ErgS}\index{Erg"anzungssatz!zum Reziprozit"atsgesetz}
$$\left( \frac{2}{p}\right) = (-1)^{\frac{p^{2}-1}{8}} = \left\{
\begin{array}{rl}
1 & \text{f"ur } p \equiv \pm 1 \pmod 8;\\
-1 & \text{f"ur } p \equiv \pm 3 \pmod 8.
\end{array}\right.
$$
\end{Proposition}
\begin{proof}
  Wir beginnen wie beim Beweis des Reziprozit"atsgesetzes und betrachten feiner
  $$\beta\pdef (\alpha - 1)/2=\sum_{a\in (\mathbb F_p^\times)^2}\zeta^a$$
  Dann haben wir wieder $\DZ[\zeta]\supset \DZ[\beta]\supset \DZ$ und
  diese Teilringe sind stabil unter der Galoisgruppe $\op{Gal}(\DQ(\zeta)/\DQ)$
und f"ur alle zu $p$ teilerfremden ganzen Zahlen $q$ finden wir
 $$\sigma_q(\beta)=\left\{
 \begin{array}{ll}
   \beta&\text{falls }(\frac{q}{p})=1;\\
   \beta -\alpha&\text{falls }(\frac{q}{p})=-1.
 \end{array}
 \right.$$
Wie zuvor ist $R\pdef \DZ[\zeta]/q\DZ[\zeta]$ nicht der Nullring und
  der von diesem Element $\sigma_q$  auf $R$ induzierte Ringautomorphismus
  $\sigma_q:R\ra R$ ist
  im Fall einer Primzahl $q\neq p$ der Frobenius $r\mapsto r^q$.
  Das Bild der offensichtlichen Einbettung $\mathbb F_q\hra R$
  notieren wir von nun an kurzerhand  $\mathbb F_q\subset R$.
  Das Bild von $\beta$ in $R$ notieren wir $$\bar \beta\in R$$
  Weiter finden wir $\beta^2=(\alpha^2 -2\alpha +1)/4$. Da wir stets
  $\alpha^2=(-1)^{\frac{p-1}{2}}p=4u +1$ schreiben k"onnen mit $u\in\DZ$, 
  ergibt sich $\beta^2=u-\beta$ und das Einsetzen von $\bar\beta$ f"ur $X$
  induziert einen surjektiven Ringhomomorphismus
  $$\mathbb F_q[X]/\langle X^2+X-u\rangle\sra \mathbb F_q[\bar\beta]$$ 
  Wir pr"ufen weiter, da"s unsere Polynome $X^2+X-u$ haben f"ur
  $q\neq p$ prim nie mehrfache Nullstellen haben.
  Im Fall $q=2$ hat die Ableitung "uberhaupt keine Nullstelle, im Fall $q\neq 2$
  ist die einzige Nullstelle der Ableitung $-1/2$ und der Wert dort multipliziert mit $4$ ist $1-2-4u=-(4u+1)$ und das ist nicht Null wegen $q\neq p$.
Weiter gilt auch $\bar\alpha\neq 0$ f"ur alle  $q \neq p$ wegen 
  $\bar\alpha^2=\pm \bar p\neq 0$.
  Wir sind also in genau einem der folgenden zwei F"alle:
  \begin{enumerate}
    \item
      Das Polynom $X^2+X-u$ ist reduzibel in $\mathbb F_q[X]$,
      es gibt einen surjektiven Ringhomomorphismus
      $\mathbb F_q\times \mathbb F_q\sra \mathbb F_q[\bar\beta]$,
      es gilt
      $\sigma_q(\bar\beta)= \bar\beta$ und damit gilt $\sigma_q(\beta)= \beta$
      wegen $\bar\alpha\neq 0$;
   \item
    Das Polynom $X^2+X-u$ ist irreduzibel in $\mathbb F_q[X]$ und es gilt
    $\sigma_q(\bar\beta)\neq \bar\beta$ und damit $\sigma_q(\beta)\neq \beta$.
 \end{enumerate}
  F"ur $q\neq 2$ fallen wir von hier aus auf die bereits beim Beweis des
  Reziprozit"atsgesetzes angestellten "Uberlegungen zur"uck.
  F"ur $q=2$ jedoch sind wir im ersten Fall
  f"ur $u$ gerade und im zweiten Fall f"ur $u$ ungerade und haben folglich 
  $$(-1)^u=\left(\frac{2}{p}\right)$$ Die Parit"at von $u$ h"angt nun offensichtlich nur
  von der Restklasse von $p$ modulo $8$ ab und kurzes Durchprobieren zeigt,
  da"s wir so genau den Erg"anzungssatz erhalten.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl} Ich erinnere an unsere Untersuchungen zu Summen von zwei
  Quadraten \ref{eqP}.
  Dort war das Scharnier unserer Argumentation die Frage:
  \begin{quote}
    Ist $(X^2+1)$ irreduzibel
  in $\mathbb F_q[X]$ f"ur eine vorgegebene Primzahl $q$? 
  \end{quote}
  Die Antwort war, da"s das  genau dann gilt, wenn $q\equiv 3\pmod{4}$.
  Beim Beweis des quadratischen Reziprozit"atsgesetzes
  hinwiederum waren  das Scharnier unserer Argumentation die Fragen:
 \begin{quote}
   Ist $(X^2-p)$ irreduzibel in $\mathbb F_q[X]$,
   f"ur eine Primzahl $p\equiv 1\pmod{4}$ und
   eine vorgegebene  Primzahl $q$? 
 \end{quote}
 \begin{quote}
   Ist $(X^2+p)$ irreduzibel in $\mathbb F_q[X]$,
   f"ur eine Primzahl $p\equiv 3\pmod{4}$ und
   eine vorgegebene  Primzahl $q$?  
 \end{quote}
 Beide hatten f"ur $q\neq 2$ die Antwort  \glqq Ja\grqq\ genau dann,  wenn
 gilt $(\frac{q}{p})=-1$, wenn also $q$ kein Quadrat ist modulo $p$.
 Im Fall $q=2$ ist die Antwort dahingegen immer \glqq Ja\grqq, denn
 dort haben wir $(X^2-1)=(X^2+1)=(X+1)^2$, aber diese Antwort hat
 nichts mehr mit $(\frac{2}{p})$ zu tun. Wenn wir aber stattdessen fragen
 \begin{quote}
   Ist $(X^2+X-u)$ irreduzibel in $\mathbb F_q[X]$,
   f"ur eine ungerade Primzahl $p$ und $4u+1=(-1)^{\frac{p-1}{2}}p$ und 
   eine vorgegebene  Primzahl $q$?  
 \end{quote}
 so ist die Antwort \glqq Ja\grqq genau dann, wenn gilt $(\frac{q}{p})=-1$,
 wenn also $q$ kein Quadrat ist modulo $p$, und das f"ur alle Primzahlen $q$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw} 
  In der \glqq algebraischen Zahlentheorie\grqq\ werden gewisse Tricks der vorhergehenden
  Argumentation zu einer Theorie ausgebaut. Gegeben ein
  {\bf Zahlk"orper}\index{Zahlk"orper} alias eine endliche
  K"orpererweiterung $L/\DQ$
  kann man ganz allgemein in $L$ einen ausgezeichneten Teilring 
  konstruieren, der als abelsche Gruppe endlich erzeugt ist und der stabil ist
  unter der Galoisgruppe $G\pdef \op{Gal}(L/\DQ)$, n"amlich den 
sogenannten {\bf Ganzheitsring}\index{Ganzheitsring} oder {\bf Ganzzahlenring}\index{Ganzzahlenring}
$$\mathfrak o_L\pdef\{ r\in L\mid r \text{ ist Nullstelle eines normierten
  Polynoms  aus }\DZ[X]\}$$
Da"s diese Teilmenge $\mathfrak o_L\subset L$ in der Tat ein Teilring ist,
zeigen wir in \eref{gAbk}{KAG}. In unserem Beispiel
$\DQ(\zeta)\supset \DQ(\alpha)\supset \DQ$ sind
die Ganzheitsringe gerade die  Teilringe
$\DZ[\zeta]\supset \DZ[\beta]\supset \DZ$, die wir beim Beweis des
Erg"anzungssatzes haben vom Himmel fallen lassen.
Ganz allgemein zeigt man dann,
da"s f"ur $q$ eine Primzahl der Quotient
$\mathfrak o_L/q\mathfrak o_L$ als $\mathbb F_q$-Vektorraum
die Dimension $[L:\DQ]$ hat. Im Fall  $[L:\DQ]=2$
mu"s es einen Isomorphismus $$\mathbb F_q[X]/\langle X^2+aX+b\rangle\sira
\mathfrak o_L/q\mathfrak o_L$$ geben. Je nachdem, ob unser quadratisches
Polynom irreduzibel ist, zwei verschiedene Nullstellen hat oder
eine doppelte Nullstelle, ist die $\mathbb F_q$-Kringalgebra
$\mathfrak o_L/q\mathfrak o_L$ isomorph zu  $\mathbb F_{q^2}, \mathbb F_{q}\times \mathbb F_{q}$ oder $\mathbb F_{q}[T]/\langle T^2\rangle$.
Das ist, was wir oben mit $\mathfrak o_L=\DZ[\beta]$ schemenhaft gesehen
haben, ohne die Theorie voll zu entwickeln.
\end{Bemerkungw}










% \begin{proof}[Beweis des quadratischen Reziprozit"atsgesetzes, ALT]
% Wir betrachten  den $p$-ten Kreisteilungsk"orper $\DQ
% (\sqrt[p]{1})$ und  $\zeta\in \DQ
% (\sqrt[p]{1})$ eine primitive $p$-te Einheitswurzel und in  $\DQ
% (\sqrt[p]{1})$
%  den Teilring $\DZ[\zeta]$ und darin das Element $$\al
% \pdef\sum_{a \in
%   \mathbb F_p^\times} \left(\frac{a}{p}\right) \zeta^a$$
% Nach \ref{alGA} haben wir $\alpha^2\in\DQ$.  Wir haben sogar
% $\alpha^2\in \DZ$ aufgrund der Identit"at
%   $\DQ\cap\DZ[\zeta]=\DZ$. In der Tat ist $\DZ[\zeta]$ eine endlich
%   erzeugte abelsche Gruppe, der Schnitt ist also nach \eref{ee}{LA2} auch eine % endlich erzeugte
%   abelsche Gruppe, andererseits aber auch ein Teilring von $\DQ$, und
%   diese beiden Eigenschaften zusammen zeigen nach "Ubung
%   \ref{ZEQ} bereits, da"s unser Schnitt
%   $\DZ$ sein mu"s. Diese Vor"uberlegungen sind jedoch
%   formal gesehen f"ur den Beweis unerheblich, vielmehr 
% machen wir hier eine explizite Rechnung
% und behaupten sogar genauer die Formel
% $$\al^2=(-1)^{\frac{p-1}{2}} p$$ 
% In der Tat,
% beachten wir
% $(\frac{ab^2}{p})= (\frac{a}{p})$,       so ergibt sich  durch
% Substitution von $ab$ f"ur $a$ die zweite Gleichung der Kette
% $$
% \al^{2} = \sum_{a,b \in \Bbb{F}_{p}^{\times}} 
% \left(\frac{ab}{p}\right)%\chi (ab) 
% \zeta^{a+b}
% = \sum_{a \in
% \Bbb{F}^{\times}_{p}} \left(\frac{a}{p}\right)%\chi (a) 
% \sum_{b \in \Bbb{F}_{p}^{\times}} 
% (\zeta^{a+1})^{b}
% $$
% Bei $a = -1$ ergibt sich ganz rechts 
% der Beitrag $(\frac{-1}{p}) (p-1)$. Bei $a \neq -1$
% beachten wir, da"s f"ur
% $\eta= \zeta^{a+1}$ wie f"ur jede primitive $p$-te Einheitswurzel die Relation
% $$1+ \eta + \eta^{2} + \ldots +\eta^{p-1} =
% 0$$
% erf"ullt ist, so da"s die Summanden mit $a \neq -1$ jeweils den Beitrag
% $-(\frac{a}{p})%\chi (a)
% $ liefern.
% Da nun die Summe der  $(\frac{a}{p})
% $ "uber alle
% $a \in \Bbb{F}^{\times}_{p}$ verschwindet, und erst
% daf"ur brauchen wir $p\neq 2$,
% liefern alle Summanden mit $a \neq -1$ zusammen den Beitrag 
% $(\frac{-1}{p})
% $ und mit \ref{LeSS}
%  folgern wir $$\al^{2} = \left(\frac{-1}{p}\right)p=
% (-1)^{\frac{p-1}{2}}p$$ Ist $p$ eine ungerade Primzahl und
% $\zeta$ eine primitive
% $p$-te Einheitswurzel, so besitzt demnach $ (-1)^{\frac{p-1}{2}} p$
% die Quadratwurzel $\alpha=\sum_{a \in
%   \mathbb F_p^\times} \left(\frac{a}{p}\right) \zeta^a$ in $ \DZ[\zeta]$.
% Das quadratische Reziprozit"atsgesetz ergibt sich nun,
% indem wir f"ur unsere zweite Primzahl $q$ den
% K"orperhomomorphismus $\sigma_q:\DQ(\zeta)\ra \DQ(\zeta)$ mit
% $\zeta\mapsto \zeta^q$ aus \ref{GKTv} oder alternativ  \ref{GKT} betrachten 
% und das Vorzeichen, mit dem er auf $\alpha$ wirkt,
% auf zwei Weisen berechnen. Ein Vergleich der
% Resultate zeigt dann das Reziprozit"atsgesetz.
% Einerseits erhalten wir  durch Umsummieren 
% $$\sigma_q(\alpha)=\left(\frac{q}{p}\right)\alpha$$
% Andererseits erhalten f"ur beliebiges $\alpha=\sum c_{i} \zeta^{i}\in % \DZ[\zeta]\pdef R$ mit der Notation $\equiv$ f"ur die Gleichheit 
% im Restklassenring $R/qR$ unter Verwendung der Fermat'schen Kongruenz und des % Frobeniushomomorphismus
% $$\sigma_q(\alpha)=\sigma_q\left(\sum c_{i} \zeta^{i}\right)=\sum c_{i} \zeta^{qi}\equiv
% \sum c_{i}^q \zeta^{qi}\equiv\alpha^q\pmod{qR}$$
% Beide Formeln zusammen liefern f"ur unser spezielles $\alpha$ dann
% $$\left(\frac{q}{p}\right)\alpha \equiv \alpha^q \pmod{qR}$$
% Unser Ring $R$ ist nun offensichtlich
% eine endlich erzeugte torsionsfreie abelsche Gruppe. Insbesondere
% gilt f"ur unsere 
% Primzahl $q$ notwendig 
% $qR\neq R$ und damit $1\not\in qR$ und
% damit $qR\cap \DZ=q \DZ$. 
% Da $\alpha^2=(-1)^{\frac{p-1}{2}} p$ und damit auch $\alpha$  invertierbar sind
% in $R/qR$,  folgt
% $$\left(\frac{q}{p}\right) \equiv (\alpha^2)^{\frac{q-1}{2}}
% \equiv p^{\frac{q-1}{2}} (-1)^{\frac{p-1}{2} \frac{q-1}{2}} 
%  \equiv \left(\frac{p}{q}\right) (-1)^{\frac{p-1}{2} \frac{q-1}{2}} \pmod{qR}$$
% mit \ref{LeSS} im letzten Schritt.
% Hier sind jedoch beide Seiten ganze Zahlen, also
% gilt diese Kongruenz auch modulo $q
% \DZ$. Am Anfang und am Ende dieser Kette von
% Kongruenzen stehen weiter nur die Zahlen $\pm1$ zur Auswahl,
% folglich gilt dort sogar Gleichheit.
% Auch wenn wir den Ausdruck $\frac{q-1}{2}$ bis hierher h"atten vermeiden % k"onnen, w"aren wir im Fall $q=2$ mit unserer Argumentation an dieser Stelle
% gescheitert.
% Man "uberzeugt sich nun
% m"uhelos anhand der 
% Definitionen, da"s obige Gleichheit  gerade
% bedeutet, was wir in Worten als quadratisches Reziprozit"atsgesetz 
% formuliert hatten. 
% \end{proof}


% \begin{Proposition}[\textbf{Erg"anzungssatz, ALT}]
% F"ur jede ungerade Primzahl $q$ 
% gilt\label{ErgS}\index{Erg"anzungssatz!zum Reziprozit"atsgesetz}
% $$\left( \frac{2}{q}\right) = (-1)^{\frac{q^{2}-1}{8}} = \left\{
% \begin{array}{rl}
% 1 & \text{f"ur } q \equiv \pm 1 \pmod 8;\\
% -1 & \text{f"ur } q \equiv \pm 3 \pmod 8.
% \end{array}\right.
% $$
% \end{Proposition}
% \begin{Bemerkungl}
 %  Im Fall der Primzahl $p=2$ geht die obige Argumentation
 %  ziemlich daneben. Adjungieren wir zu $\DQ$ eine primitive
 %  zweite Einheitswurzel, so bleiben wir bei $\DQ$. Adjungieren wir
 %  eine  primitive
%   vierte Einheitswurzel, so erhalten wir die quadratische Erwiterung
%   $\DQ(\op{i})$ und jede ungerade Primzahl liefert das nichttriviale
 %  Element ihrer Galoisgruppe.  Adjungieren wir
%   eine  primitive
%   achte Einheitswurzel $\zeta= \exp (\pi
% {\op{i}}/4)$, so ergibt sich als Galoisgruppe
%   $(\DZ/8\DZ)^\times\cong \mathbb F_2^2$ die nicht-zyklische Gruppe der
%   Ordnung $4$ und $\DQ(\sqrt[8]{1})/\DQ$ erweist sich als eine biquadratische
%   Erweiterung. Die drei quadratischen Teilerweiterungen werden erzeugt von
%   $\op{i}$, $\sqrt{2}=\zeta+\zeta^{-1}$ und  ${\op{i}}\sqrt{2}$. Der Trick ist
%   diesmal, auf zwei Weisen zu berechnen, durch welches Vorzeichen $\sigma_q$
%   f"ur eine ungerade Primzahl $q$ auf $\sqrt{2}$
%   oder alternativ auf ${\op{i}}\sqrt{2}$ operiert. Wir w"ahlen der Einfachkeit % halber die erste Alternative. Ein Vergleich dieser beiden
%   Vorzeichen liefert dann unseren Erg"anzungssatz.
% \end{Bemerkungl}
% \begin{proof}[Beweis]
% Wir betrachten die primitive achte Einheitswurzel $\zeta = \exp (\pi
% {\op{i}}/4)$.
% Wir pr"ufen $\zeta + \zeta^{-1} = \sqrt{2}$.
% Bezeichne $\sigma_q$ das Element der Galoisgruppe $\op{Gal}(\DQ(\zeta)/\DQ)$ % % mit $\zeta\mapsto \zeta^q$.
% Sei $\varepsilon_{q}$ das Vorzeichen mit $\sigma_{q}(\sqrt{2}) =
% \varepsilon_{q}\sqrt{2}$.
%  Wir rechnen im Ring $R \pdef \DZ [\zeta]$ und erhalten
% $$\varepsilon_{q} \sqrt{2}=\sigma_{q}(\sqrt{2})= \zeta^{q}+\zeta^{-q}
% \equiv
% (\zeta + \zeta^{-1})^{q} \equiv (\sqrt{2})^{q} \pmod {qR} $$
% Es folgt $\varepsilon_{q}\equiv (\sqrt{2})^{q-1} \equiv 2^{\frac{q-1}{2}}
% \pmod q $ und damit $\varepsilon_{q} = (\frac{2}{q})$.
% F"ur das Vorzeichen $\varepsilon_{q}$ pr"uft man andererseits
% anhand der Formel $\varepsilon_{q} (\zeta+\zeta^{-1})= \zeta^{q}+\zeta^{-q}$ % leicht explizit,
% da"s es durch die im Erg"anzungssatz behauptete Formel
% gegeben wird.
% \end{proof}
\begin{Bemerkungl} Die Abbildung $n\mapsto (-1)^{\frac{n-1}{2}}$ von der Menge
  der ungeraden ganzen Zahlen in das Monoid der Vorzeichen ist die
  Verkn"upfung der Restklassenabbildung mit dem einzigen Gruppenisomorphismus
  $$2\DZ+1 \ra (\DZ/4\DZ)^\times\sira \DZ^\times$$
  Insbesondere ist sie multiplikativ alias ein Monoidhomomorphismus.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} Die Abbildung $n\mapsto (-1)^{\frac{n^2-1}{8}}$ von der Menge
  der ungeraden ganzen Zahlen in das Monoid der Vorzeichen ist die
  Verkn"upfung der Restklassenabbildung mit einem surjektiven
  Gruppenhomomorphismus
  $$2\DZ+1 \ra (\DZ/8\DZ)^\times\sra \DZ^\times$$
  Insbesondere ist sie multiplikativ alias ein Monoidhomomorphismus.
  In diesem Fall beachte man, da"s es sogar vier
  Gruppenhomomorphismen $ (\DZ/8\DZ)^\times\ra \DZ^\times$ alias
  $\mathbb F_2^2\ra\mathbb F_2$ gibt, von denen drei surjektiv sind.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}\label{JacSy}
  Will man Legendre-Symbole tats"achlich ausrechnen, so erweist sich
deren Erweiterung zu den sogenannten 
{\bf Jacobi-Symbolen}\index{Jacobi-Symbol} als
praktisch.
Man definiert genauer f"ur $a\in\DZ$ beliebig und $n\in\DN_{\geq 1}$
mit Primfaktorzerlegung $n=p_1p_2\ldots p_r$ 
das Jacobi-Symbol als  Produkt von Legendre-Symbolen
\index{)5)@$(\frac{a}{n})$ Jacobi-Symbol}  
$$\left( \frac{a}{n}\right) \pdef\left( \frac{a}{p_1}\right)
\left( \frac{a}{p_2}\right)\cdots \left( \frac{a}{p_r}\right)$$
Aus den entsprechenden Eigenschaften des Legendre-Symbols folgt,
da"s auch das Jacobi-Symbol nur von der Restklasse von $a$ modulo
$n$ abh"angt und da"s gilt 
$$\left( \frac{ab}{n}\right) =\left( \frac{a}{n}\right)
\left( \frac{b}{n}\right)\quad \text{und  f"ur $n$ ungerade}\quad \left( \frac{-1}{n}\right)=(-1)^{\frac{n-1}{2}}.$$
Schlie"slich folgt aus dem quadratischen Reziprozit"atsgesetz 
\ref{QuR}, da"s allgemeiner f"ur je zwei ungerade Zahlen $m,n\geq 1$  
das {\bf Reziprozit"atsgesetz f"ur Jacobi-Symbole} 
\index{Reziprozit"atsgesetz!f"ur Jacobi-Symbole} 
\begin{equation*}
\left( \frac{m}{n}\right) = (-1)^{\frac{n-1}{2} \frac{m-1}{2}}
\left(\frac{n}{m}\right)
\end{equation*}
gilt, denn auch die Vorzeichen sind multiplikativ in ungeraden $m$ und $n$, wie
man  durch Fallunterscheidung pr"uft. 
F"ur jede ungerade Zahl $n\geq 1$ folgt schlie"slich aus dem Erg"anzungssatz 
\ref{ErgS} m"uhelos der {\bf Erg"anzungssatz f"ur Jacobi-Symbole} 
\index{Erg"anzungssatz!f"ur Jacobi-Symbole}
$$\left( \frac{2}{n}\right) = (-1)^{\frac{n^{2}-1}{8}} = \left\{
\begin{array}{rl}
1 & \text{f"ur } n \equiv \pm 1 \pmod 8;\\
-1 & \text{f"ur } n \equiv \pm 3 \pmod 8.
\end{array}\right.
$$
F"ur die Primzahlen
$1231$ und $1549$ finden wir so etwa
$$
\begin{array}{l}
\left( \frac{1231}{1549}\right)=
\left( \frac{1549}{1231}\right)=\left( \frac{318}{1231}\right)=
\left( \frac{2}{1231}\right)\left( \frac{159}{1231}\right)=
\left( \frac{159}{1231}\right)=
-\left( \frac{1231}{159}\right)=
-\left( \frac{118}{159}\right)=\\[2mm]=
-\left( \frac{2}{159}\right)\left( \frac{59}{159}\right)=
-\left( \frac{59}{159}\right)=-\left( \frac{159}{59}\right)
=-\left( \frac{41}{59}\right)=-\left( \frac{59}{41}\right)=
-\left( \frac{18}{41}\right)=\\[2mm]=-\left( \frac{2}{41}\right)
\left( \frac{9}{41}\right)=-\left( \frac{9}{41}\right)=
-\left( \frac{41}{9}\right)=-\left( \frac{5}{9}\right)
=-\left( \frac{9}{5}\right)=-\left( \frac{4}{5}\right)=
-\left( \frac{2}{5}\right)^2=-1
\end{array}
$$
mit unserem Reziprozit"atsgesetz und  Erg"anzungssatz f"ur Jacobi-Symbole.
Die Zahl $1231$ ist demnach kein quadratischer Rest modulo $1549$.
Alternativ h"atten wir auch den Rest von 
$1231^{1548/2}=1231^{774}$ modulo $1548$ ausrechnen k"onnen. Das
dauert so lange auch wieder nicht, da wir zur Beschleunigung der Rechnung
$774$ in eine Summe von Zweierpotenzen entwickeln k"onnen als
$774=512+256+4+2$, und dann m"ussen wir nur noch 
neun Quadrate in $\DZ/1549\DZ$ berechnen und vier dieser Quadrate
in  $\DZ/1549\DZ$ multiplizieren. Ganz so schnell wie obige Rechnung 
geht das dann aber doch nicht.
\end{Bemerkunge}


\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}\label{KQG}
Sei $a\in\DZ$ fest vorgegeben. Man zeige: Ob $a$ ein Quadrat ist modulo einer 
Primzahl $q$ h"angt nur von der Restklasse von $q$ modulo
$4a$ ab.
\end{Ubung} 

\begin{Bemerkunge}
  Im Fall $a=-1$ kennen  wir das 
das Resultat der vorhergehenden 
"Ubung \ref{KQG} im "Ubrigen bereits aus \ref{eqP}. In der
  Sprache der algebraischen Zahlentheorie ist das eine starke Aussage "uber
  die Beziehungen zwischen dem \glqq Verzweigungsverhalten der Erweiterung
  $\DQ(\sqrt{a})/\DQ$ an verschiedenen Primstellen\grqq.  Unser Beweis des
  Reziprozit"atsgesetzes, das erst mal den Fall $a$ prim liefert, geht aus vom
  explizit bekannten Verzweigungsverhalten bei Kreisteilungserweiterungen und
  folgert das Resultat daraus durch eine Art Galois-Abstieg.
\end{Bemerkunge}


\begin{Ubunge}
Ein ber"uhmter {\bf Satz von Kronecker-Weber}\index{Kronecker-Weber, Satz von}
besagt, da"s jede endliche Galoiserweiterung des K"orpers $\DQ$ der
rationalen Zahlen mit abelscher Galoisgruppe als Unterk"orper
eines Kreisteilungsk"orpers realisiert werden kann. 
Man zeige das f"ur alle quadratischen Erweiterungen von $\DQ$.
\end{Ubunge}
\begin{Bemerkunge}
Man mag den Satz von Kronecker-Weber interpretieren als 
eine explizite Beschreibung der \glqq maximalen abelschen Erweiterung\grqq\ 
von $\DQ:$ Sie entsteht durch die Adjunktion aller Einheitswurzeln.
{\bf Hilbert's zw"olftes Problem}\index{Hilbert'sche Probleme!Nummer 12} 
fragt nach einer "ahnlich expliziten 
Beschreibung der \glqq maximalen abelschen Erweiterung\grqq\  eines
beliebigen Zahlk"orpers, als da hei"st, eines 
beliebigen K"orpers der Charakteristik Null von endlichem
Grad "uber $\DQ$.
\end{Bemerkunge}
\begin{Ubung}
  Ist $283$ ein quadratischer Rest modulo $397$?
Hinweis: $397$ ist eine Primzahl. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Gibt es eine Quadratzahl, deren Darstellung im Dezimalsystem
mit der Ziffernfolge $39$ endet?
F"ur welche Ziffern $a,b\in \{0,1,\ldots,9\}$ gibt es eine 
Quadratzahl, die mit der Ziffernfolge $ab$ endet?
\end{Ubung}
\subsection{Radikalerweiterungen}\label{RadE}
\begin{Definition}
Eine Galoiserweiterung mit zyklischer Galoisgruppe hei"st
eine {\bf zyklische Erweiterung}.\index{zyklisch!K"orpererweiterung}
\index{K"orpererweiterung!zyklische}  
Eine Galoiserweiterung mit abelscher Galoisgruppe hei"st 
eine {\bf abelsche Erweiterung}.\index{abelsch!K"orpererweiterung}
\index{K"orpererweiterung!abelsche}  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Zerf"allt das Polynom $X^n-1$ in einem K"orper vollst"andig in
Linearfaktoren, so sagen wir, der besagte K"orper\label{eanE}  
\defnoind{enthalte alle $n$-ten Einheitswurzeln}. Wir sagen,
eine K"orpererweiterung $L/K$ 
{\bf entstehe durch Adjunk\-tion einer $n$-ten Wurzel},
wenn gilt $L=K (\al)$ f"ur ein  $\al \in L$ mit $\al^{n}\in K$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\defnoind{Zyklische Erweiterungen}]\label{ZEW}
Seien $K$ ein K"orper und $n\geq 1$ eine nat"urliche Zahl derart,
da"s unser K"orper alle $n$-ten Einheitswurzeln enth"alt
und da"s seine Charakteristik  $n$ nicht teilt.
So gilt:
\begin{enumerate}
\item 
Alle zyklischen Erweiterungen
von $K$ vom Grad $n$ entstehen durch die 
Adjunktion einer $n$-ten Wurzel; 
\item 
Adjungieren wir zu $K$ eine $n$-te Wurzel,
so erhalten wir eine zyklische Erweiterung, deren Grad  $n$ teilt.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildZyk}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschauung f"ur die durch Adjunktion einer dritten Wurzel aus
$T$ entstehenden K"orpererweiterung des Funktionenk"orpers
$\DC(T)$. In \ref{BIGAnn} wird erkl"art, wie  dies  Bild 
zu interpretieren ist. Ich finde,
man  sieht in diesem Fall auch recht anschaulich,  da"s die
Galoisgruppe zyklisch von der Ordnung drei sein mu"s.
\end{minipage}
\end{figure}


\begin{Bemerkungl}\label{DZEW}
Der Beweis des  ersten Teils  beschreibt die Elemente  sogar genauer, 
deren $n$-te Potenz im Grundk"orper liegt und die unsere
Erweiterung erzeugen:
Es handelt sich genau um die Eigenvektoren  eines beliebigen Erzeugers der
Galoisgruppe mit einer primitiven $n$-ten Einheitswurzel als Eigenwert. Im Fall einer quadratischen Erweiterung wissen wir das schon l"anger.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Adjunktion von Einheitswurzeln
und anderen Wurzeln im Vergleich}] 
Man beachte den fundamentalen Unterschied zwischen 
der Erweiterung eines K"orpers
durch  $n$-te Einheitswurzeln und der Erweiterung
eines K"orpers mit
$n$-ten Einheitswurzeln durch weitere $n$-te Wurzeln:
Setzen wir der Einfachkeit halber Charakteristik Null voraus,
so ist im ersten Fall  nach \ref{GKT} und \ref{TS} 
die Ordnung der Galois-Gruppe ein Teiler von 
$\varphi(n)=|(\DZ/n\DZ)^\times|$ und   
im zweiten Fall 
ein Teiler von $n$.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
2. Bezeichne $\mu_n\subset K^\times$ die Gruppe
der $n$-ten Einheitswurzeln. Unter unsere Annahme an die Charakteristik sind sie paarweise verschieden, denn die Null ist dann die einzige Nullstelle der
Ableitung von $X^n-1$. Entsteht $L=K(\al)$ durch 
Adjunktion einer $n$-ten Wurzel aus $a=\al^n\in K$, so sind die 
Wurzeln des Polynoms $X^n-a$ genau alle $\zeta \al$ mit
$\zeta$ den  $n$-ten Einheitswurzeln und unsere 
Erweiterung ist folglich Galois. Weiter erhalten wir eine
Injektion der Galoisgruppe in die Gruppe $\mu_n$ der
$n$-ten Einheitswurzeln, indem wir jedem $\sigma\in\op{Gal}(L/K)$
diejenige Einheitswurzel $\zeta$ zuordnen mit $\sigma(\al)=\zeta\al$,
also die Einheitswurzel $\sigma(\al)/\al$.
An dieser Stelle verwenden wir, da"s nicht nur $L$ sondern sogar
unser Grundk"orper $K$ alle $n$-ten
Einheitswurzeln enth"alt, um n"amlich zu zeigen, da"s
$\sigma\mapsto \sigma(\al)/\al$ ein Gruppenhomomorphismus
$\op{Gal}(L/K)\ra \mu_n$ ist.
Da nach \eref{MZ}{LA2} jede endliche Gruppe von Einheitswurzeln
zyklisch ist und da auch jede Untergruppe einer zyklischen Gruppe zyklisch ist,
 liefert die Adjunktion $n$-ter Wurzeln in der Tat zyklische 
 Erweiterungen. Da"s  deren Ordnung $n$ teilt,
 folgt aus dem injektiven Gruppenhomomorphismus  $\op{Gal}(L/K)\hra \mu_n$.
\\[2mm]\noindent
1. Sei  umgekehrt $L/K$ eine zyklische Erweiterung
vom Grad $n$. 
Sei $\sigma\neq\op{id}$ ein Erzeuger
der Galoisgruppe $\langle\sigma\rangle= \op{Gal}(L/K)$.
Wir fassen $\sigma$ auf als
eine
$K$-lineare Abbildung $\sigma:L \ra L$. Nach Voraussetzung gilt $\sigma^{n} = \op{id}$. Da $X^n-1$ in $K[X]$ vollst"andig in 
Linearfaktoren zerf"allt und paarweise verschiedene Nullstellen hat, 
ist $\sigma$ 
 nach der im Anschlu"s bewiesenen Proposition 
\ref{EWVNnA} diagonalisierbar
und seine Eigenwerte sind $n$-te Einheitswurzeln.
Da aus $\sigma(\al)=\zeta \al$ und $\sigma(\beta)=\xi \beta $
f"ur $n$-te Einheitswurzeln
$\zeta$ und $\xi$ folgt $\sigma(\al\beta)=\zeta\xi \al\beta$, 
bilden die Eigenwerte von $\sigma$ 
sogar eine Untergruppe $U\subset \mu_n$.
Enthielte  diese Untergruppe nicht alle $n$-ten Einheitswurzeln,
so g"abe es einen Teiler $d$ von $n$ mit $d\neq n$ derart, da"s $\sigma^d$
als einzigen Eigenwert die $1$ h"atte.
Dann m"u"ste aber
 $\sigma^d$ aufgrund seiner Diagonalisierbarkeit bereits selbst die Identit"at sein im Widerspruch zu unseren
Annahmen. 
Also besteht $U$ aus allen
$n$-ten Einheitswurzeln und es 
gibt ein von Null verschiedenes $\al \in L^\times$ mit $\sigma (\al)
= \zeta \al$ f"ur $\zeta$ eine primitive
$n$-te Einheitswurzel. Wir haben dann notwendig
$\sigma(\al^{n}) = \al^{n}$, also $\al^{n} \in L^\sigma=L^{\langle \sigma\rangle}=L^{\op{Gal}}=K$,
aber die Potenzen $\al,\al^2,\ldots ,\al^n$ sind linear unabh"angig "uber
$K$ als Eigenvektoren zu paarweise verschiedenen Eigenwerten
von $\sigma$.
Es folgt
$[K(\al):K]=n$ und damit $L = K (\al)$.
\end{proof}
 \begin{Proposition}
    Seien $f$ ein Endomorphismus eines Vektorraums $V$ "uber einem
    K"orper $K$ und $P\in K[X]$ ein Produkt von paarweise verschiedenen
    Linearfaktoren $(X-\lambda_i)$, das $f$ annulliert,
    in Formeln $P(f)=0$. So ist $f$ diagonalisierbar und 
    seine Eigenwerte  sind Nullstellen von $P$.\label{EWVNnA} 
  \end{Proposition}
  \begin{proof}
    Man w"ahle einen  Vektor
    $v\in V$ und suche dazu einen normierten Teiler
    $Q=(X-\lambda_1)\ldots(X-\lambda_r)$ von $P$ kleinstm"oglichen
    Grades $r$ mit $Q(f):v\mapsto 0$. Dann ist 
 $$E\pdef\langle v,
    f(v), f^2(v),\ldots f^{r-1}(v)\rangle$$ ein unter $f$ stabiler 
Untervektorraum von $V$.  Andererseits ist
    $(f-\lambda_2)\ldots(f-\lambda_r)v$ nach Annahme nicht Null 
und folglich ein Eigenvektor von $f$ zum
    Eigenwert $\lambda_1$ in $E$. In derselben Weise  finden wir 
auch Eigenvektoren
    zu den Eigenwerten $\lambda_2,\ldots,\lambda_r$.  Da Eigenvektoren zu
  paarweise
  verschiedenen Eigenwerten linear unabh"angig sind nach \eref{ewlu}{LA1}, ist
    damit $f|_E$ diagonalisierbar und $v$ eine Summe
von Eigenvektoren von $f$. Die Proposition folgt.
  \end{proof}
  \begin{proof}[Zweiter Beweis]
    Wenn man bereits wei"s, da"s ein Endomorphismus eines
    endlichdimensionalen Vektorraums genau dann diagonalisierbar ist,
    wenn sein Minimalpolynom vollst"andig in Linearfaktoren zerf"allt und
    keine mehrfachen Nullstellen hat, so bleibt im Fall eines
    endlichdimensionalen Raums nichts zu zeigen. Der Fall eines unendlichdimensionalen
    Raums ist f"ur uns aber eh nicht relevant, und man kann sich von dort
    auch unschwer auf den Fall eines endlichdimensionalen Raums zur"uckziehen.
  \end{proof}
    \begin{proof}[Dritter Beweis]
    Der chinesische Restsatz liefert einen Ringisomorphismus
    $$K[X]/\langle P\rangle\sira K[X]/\langle X-\lambda_1\rangle
    \times\ldots\times K[X]/\langle X-\lambda_n\rangle$$
    f"ur $\lambda_i$ die Nullstellen von $P$.
    Ist $1=e_1+\ldots+e_n$ die zugeh"orige Zerlegung der Eins in
    die Einselemente der Faktoren und vereinbaren wir 
    f"ur jeden Vektor
    $v\in V$ und  $Q\in K[X]/\langle P\rangle$ die Notation
    $Qv= (Q(f))(v)$, so wird $v=e_1v+\ldots+e_nv$ eine Zerlegung mit
    $e_iv\in\op{Eig}(f;\lambda_i)$. 
    \end{proof}

  

    
\begin{Korollar}[\defnoind{Galoiserweiterungen von Primzahlgrad}]
Seien $p$ eine Primzahl und $K$ ein K"orper einer\label{APW} 
Charakteristik $\op{char} K
\neq p$, der alle $p$-ten Einheitswurzeln enth"alt. 
Genau dann ist eine echte Erweiterung unseres K"orpers 
Galois vom Grad $p$,  wenn 
sie durch Adjunktion einer  $p$-ten Wurzel entsteht.
\end{Korollar}

\begin{proof}[Beweis]
Eine Galoiserweiterung von Primzahlgrad ist zyklisch,
denn jede Gruppe von Primzahlordnung ist zyklisch.
 Aus der Beschreibung zyklischer
 Erweiterungen \ref{ZEW} folgt so, da"s unsere
 Erweiterung durch Adjunktion einer $p$-ten Wurzel entsteht.
 Adjungieren wir umgekehrt eine $p$-Wurzel zu $K$, so erhalten wir
 immer noch nach \ref{ZEW} eine
 zyklische Erweiterung, deren Grad ein Teiler von $p$ ist,
 mithin eins oder $p$. Ist unsere Erweiterung eine echte Erweiterung,
 so mu"s ihr Grad mithin $p$ sein. 
\end{proof}





\begin{Definition}
Gegeben
in einem  K"orper $\Omega$ zwei Teilk"orper $K, L\subset \Omega$
 bezeichnet 
 $(KL)\subset \Omega$ den von $K$ und $L$ in $\Omega$ erzeugten
Teilk"orper. Man nennt diesen K"orper das 
{\bf Kompositum\index{Kompositum} von $K$ und $L$ in $\Omega$}.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
F"ur das Kompositum ist  die abk"urzende Notation
$(KL)=KL$ "ublich. Ich verwende etwas pedantisch die Notation
$(KL)$, da ja $KL$ in unseren Konventionen \eref{Verk}{GR} a priori
nur die Menge aller Produkte bedeutet und man oft runde Klammern
als Symbol f"ur die \glqq Erzeugung als K"orper\grqq\  verwendet.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Translationssatz der Galoistheorie}]
Seien\index{Translationssatz der Galoistheorie!endlicher Fall} 
in einem  K"orper $\Omega$ zwei Teilk"orper $K,L\subset\Omega$ gegeben.\label{TS} 
Ist $K/(K\cap L)$ eine endliche Galois\-er\-wei\-te\-rung, 
so ist auch $(KL) / L$ eine endliche 
Galoiserweiterung
und die
Restriktion liefert  einen Isomorphismus von Galoisgruppen
$$\op{Gal} ((KL) /L)\sira \op{Gal} (K/K\cap L)$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl} Graphisch dargestellt gehen wir also davon aus,
  da"s im Diagramm 
$$\xymatrix{&\Omega&\\
  &(KL)\ar@{-}[u]&\\
  K\ar@{-}[ur]&&L\ar@{--}[ul]\\
  &K\cap L\ar@{-}[ur]\ar@{--}[ul]&
  }$$
  die untere gestrichelte Linie eine endliche Galoiserweiterung ist, und folgern
  dasselbe f"ur die obere gestrichelte Linie und zeigen sogar,
  da"s die Galoisgruppen "ubereinstimmen. Eine Darstellung dieser Art
  k"onnte auch die Bezeichnung als \glqq Translationssatz\grqq\ motiviert haben.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Insbesondere gilt dieser Situation 
$[K : K \cap L] =[(KL) : L]$.
Ohne die Galois-Bedingung gilt das im Allgemeinen nicht. Als
Gegenbeispiel betrachte man  in $\Omega\pdef\DC$  die von
zwei verschiedenen dritten Wurzeln aus $2$ "uber $\DQ$ erzeugten Teilk"orper
$L$ und $K$. 
Da jeder von ihnen nur zwei Teilk"orper hat, 
mu"s hier gelten $K\cap L=\DQ$.
Ihr Kompositum $(KL)$ hat Grad $6$ "uber $\DQ$ und damit Grad $2$ "uber $K$
und "uber $L$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}
  Der obige Translationssatz gilt auch ohne die Annahme, 
unsere Erweiterung sei endlich.
Sogar wenn wir nur $  K \supset(K\cap L)$ normal annehmen, folgt 
bereits $(KL) \supset L$ normal und die Restriktion liefert einen
Isomorphismus von Galoisgruppen. Wir zeigen das in 
\ref{TSs}.
\end{Bemerkungw}

\begin{proof}[Beweis]
Mit $K/K\cap L$ ist auch $(KL)/L$ erzeugt von 
endlich vielen 
separablen Elementen beziehungsweise ein
Zer\-f"al\-lungsk"orper. Also ist $(KL)/L$ Galois
und $L$ ist nach  \ref{CG} der Fixk"orper der Galoisgruppe
 $G=\op{Gal}((KL)/L)$, in Formeln $L=(KL)^G$.
Da $K$ normal ist "uber $K\cap L$, stabilisieren alle
K"orperautomorphismen von
$(KL)$ "uber $L$ den Unterk"orper $K$. 
Die folglich 
durch Restriktion gegebene Abbildung
 zwischen den
 Galoisgruppen ist nun offensichtlich
 eine Injektion $$\rho:\op{Gal}((KL)/L)\hra \op{Gal}(K/K\cap L)$$
Der Fixk"orper des Bildes von $\rho$ ist aber genau $K^{\rho(G)}=K \cap L$. 
Das zeigt mit unserem Satz \ref{ZH}
"uber Galoiserweiterungen durch Gruppenoperationen $\rho(G)=\op{Gal}(K/K\cap L)$ und so auch die Surjektivit"at der Restriktionsabbildung $\rho$. 
\end{proof}


  \begin{Korollar}\label{TRGG}
    Sind in einem K"orper $\Omega$ Teilk"orper  $T\supset S$ sowie $M$ gegeben
    und ist $T\supset S$ endlich und Galois, so ist auch $(TM)\supset (SM)$
    endlich und Galois und die Restriktion liefert eine Inklusion
von Galoisgruppen
$$\op{Gal}((TM)/(SM))\hra \op{Gal}(T/S)$$
\end{Korollar}
  \begin{Bemerkungl} Der Fall $T=M$ zeigt, da"s wir hier im allgemeinen
    keine Gleichheit von Galoisgruppen erwarten d"urfen.
  \end{Bemerkungl}
\begin{proof}
  Wir wenden den Translationssatz an auf  $K\pdef T$ und
  $L\pdef (SM)$. Mit $T\supset S$ ist
ja erst recht $T\supset ( (SM)\cap T)$ Galois, etwa nach der
Ga\-lois\-kor\-res\-pon\-denz. Also ist nach dem Translationssatz \ref{TS} auch 
die K"orpererweiterung $(TM)=(T(SM))\supset
  (SM)$ Galois und letztere beiden Erweiterungen haben nach dem Translationssatz dieselbe Galoisgruppe. Graphisch dargestellt gehen wir also davon aus,
  da"s im Diagramm 
$$\xymatrix{&\Omega&\\
  &(TM)\ar@{-}[u]&\\
  T\ar@{-}[ur]&& (SM)\ar@{--}[ul]\\
    &T\cap (SM)\ar@{-}[ur]\ar@{--}[ul]&\\
    &S\ar@{--}[u]&
}$$ die Hinternanderschaltung der 
  unteren mit der mittleren  gestrichelten Linie
  eine endliche Galoiserweiterung ist.
  Dann folgern wir dasselbe erst f"ur die mittlere gestrichelte Line und
  mit dem Translationssatz schlie"slich auch f"ur die obere gestrichelte Linie.
\end{proof}




\begin{Definition}
Sei $R/K$ eine K"orpererweiterung. Wir nennen $R$ eine
{\bf Ra\-di\-kal\-er\-wei\-te\-rung\index{Radikalerweiterung!eines K"orpers} 
von $K$}, wenn es eine
K"orperkette
$$R=R_{l} \supset \ldots \supset R_{1}\supset R_0 = K$$
gibt derart, da"s der n"achstgr"o"sere K"orper jeweils entsteht 
durch Adjunktion einer nicht notwendig quadratischen Wurzel, da"s es also in Formeln jeweils
$\al_i\in R_i$ und $n_i\geq 2$ gibt derart, da"s
gilt $\al_{i}^{n_{i}} \in R_{i-1}$ und
$R_{i}=R_{i-1} (\al_{i})$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Das Wort
  \glqq Radikal\grqq\  ist der lateinische Ausdruck f"ur \glqq Wurzel\grqq.
Unsere Radikalerweiterungen w"urde man also auf Deutsch bezeichnen als
\glqq Erweiterungen, die durch sukzessives Wurzelziehen entstehen\grqq.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Sei $M/K$ eine K"orpererweiterung. Wir sagen, ein Element $\al \in M$
l"a"st sich \defnoind{darstellen durch Radikale
  "uber $K$}\index{Darstellung durch Radikale},
wenn sich die Erweiterung $K(\al)/K$ zu einer 
eine Radikalerweiterung $R/K$ von $K$ vergr"o"sern l"a"st.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
Die folgende reelle Zahl l"a"st sich darstellen durch
Radikale "uber dem K"orper $\DQ$ der rationalen Zahlen:
$$\frac{\sqrt[7]{\sqrt[5]{6}+3}+13}{\sqrt[2]{3}+8}-
\sqrt[17]{19876}\;+\op{sin}(\pi/7)$$
\end{Beispiel}
\begin{Definition}
Seien $K$ ein K"orper und $P \in
K [X]\backslash 0$ ein von Null verschiedenes
Polynom. Wir sagen, die Gleichung $P(X)=0$
l"a"st sich \defnoind{aufl"osen durch Radikale}, wenn
sich alle Nullstellen des Polynoms $P$ in seinem Zerf"allungsk"orper
$\op{Z}(P,K)$ durch
Radikale "uber $K$ darstellen lassen.
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
Ist unser Polynom irreduzibel,
so l"a"st es sich offensichtlich genau dann aufl"osen durch Radikale, wenn
sich eine seiner 
Nullstellen durch
Radikale "uber $K$ darstellen l"a"st.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Eine Gruppe $G$ hei"st\label{AuF}
{\bf aufl"osbar}\index{aufl"osbar!Gruppe}, wenn es eine
Folge von Untergruppen $1 = G_{r} \subset 
\ldots \subset G_{1} \subset G_{0} =G$ gibt mit $G_{i}$ normal in $G_{i-1}$ und
$G_{i-1}/G_{i}$ abelsch f"ur $1 \leq i \leq r$.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Ist $G$ eine endliche aufl"osbare Gruppe, so gibt es
  offensichtlich auch eine Folge wie in der Definition mit $G_{i-1}/G_{i}$
  nicht nur abelsch, sondern sogar zyklisch von Primzahlordnung. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Proposition}[\textbf{Radikalerweiterungen und Galoiserweiterungen}]
Gegeben ein K"orper $K$ der Charakteristik
$\op{char} K =0$ gilt:\label{FEWW} 
\begin{enumerate}
\item
Jede endliche Galoiserweiterung von $L/K$ 
mit aufl"osbarer Galoisgruppe l"a"st
sich zu einer Radikalerweiterung $R/K$ vergr"o"sern;
\item
  Jede Radikalerweiterung  $R/K$ l"a"st
  sich zu einer endlichen Galoiserweiterung $L/K$
mit aufl"osbarer Galoisgruppe vergr"o"sern.
\end{enumerate}
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
% Nun, es gilt zu zeigen, da"s sich jede 
% Radikalerweiterung einbetten l"a"st in eine endliche 
% Galoiserweiterung
% mit aufl"osbarer Galoisgruppe und umgekehrt, da"s 
% sich jede endliche 
% Galoiserweiterung
% mit aufl"osbarer Galoisgruppe  
% einbetten l"a"st in eine Radikalerweiterung. 
% Wir beginnen mit letzterem.
% \\[2mm]\noindent
 1. 
Sei  $L/K$ eine endliche Galoiserweiterung
mit aufl"osbarer Galoisgruppe $G = \op{Gal} (L/K)$.
So gibt es 
eine Folge von Untergruppen
$$1 = G_{r} \subset 
\ldots \subset G_{1} \subset G_{0} =G$$ mit $G_{i}$ normal in $G_{i-1}$ und
$G_{i-1}/G_{i}$ 
 zyklisch von Primzahlordnung f"ur $1
\leq i \leq r$.
Die zugeh"orige Kette von Fixk"orpern ist eine Kette von Galoiserweiterungen
von Primzahlgrad 
$$L=K_{r} \supset \ldots \supset K_{1}\supset K_0 = K$$
Adjungieren wir eine primitive $|G|$-te Einheitswurzel $\zeta$,
so erhalten wir nach dem Translationssatz \ref{TS}
oder besser seinem Korollar \ref{TRGG} und zus"atzlich  unserer Diskussion von Kreisteilungserweiterungen f"ur den ersten
Schritt 
wieder eine Kette
$$L(\zeta)=K_{r}(\zeta) \supset \ldots \supset K_{1}(\zeta)\supset K_0(\zeta) \supset K$$
von Galoiserweiterungen und alle h"oheren Schritte
sind entweder von Primzahlordnung oder trivial. Nach Korollar \ref{APW} 
"uber Galoiserweiterungen von Primzahlgrad 
ensteht hier, da wir nun die entsprechenden Einheitswurzeln auch
mit im Boot haben,
jede h"ohere 
Stufe durch Adjunktion einer geeigneten Wurzel aus der vorherigen
Stufe. Mithin l"a"st sich $L/K$ 
zu einer Radikalerweiterung von $R/K$ vergr"o"sern, n"amlich der
Radikalerweiterung $ L(\zeta)/K$. 
\\[2mm]\noindent
 2.
Sei  $R/K$ eine
Radikalerweiterung. Offensichtlich k"onnen wir $R$
auch erhalten, indem wir sukzessive Wurzeln von Primzahlordnung
adjungieren.
Es gibt also eine
K"orperkette
$$R=R_{l} \supset \ldots \supset R_{1}\supset R_0 = K$$
sowie geeignete  $\al_i\in R_i$ und Primzahlen $p_i$ derart, da"s
f"ur alle $i\geq 1$ gilt
$R_{i}=R_{i-1} (\al_{i})$ und $\al_{i}^{p_{i}} \in R_{i-1}$.
Ist $n$ das Produkt dieser $p_i$ und
adjungieren wir zu $R$ eine primitive $n$-te Einheitswurzel $\zeta$,
so ist im K"orperturm
$$R(\zeta)=R_{r}(\zeta) \supset \ldots
\supset R_{1}(\zeta)\supset R_0(\zeta)=K(\zeta)
\supset K$$
jeder Schritt eine abelsche Erweiterung.
Das folgt im ersten Schritt aus dem
Translationssatz der Galoistheorie oder besser seinem Korollar \ref{TRGG},
da wir ja nach \ref{GKT} bereits wissen, da"s
$\DQ(\zeta)\supset \DQ$ eine abelsche Erweiterung ist. 
Andererseits wissen wir $ R_{i}(\zeta)= R_{i-1}(\zeta)(\alpha_i)$ mit
$\alpha_i^{p_i}\in R_{i-1}(\zeta)$
und damit ist nach Korollar \ref{APW} "uber
Galoiserweiterungen von Primzahlgrad
diese Erweiterung eine zyklische Galoiserweiterung  oder trivial. 
Vergr"o"sern wir nun $R(\zeta)$ zu einer normalen Erweiterung $N/K$
und betrachten darin das Kompositum $L\subset N$ aller
$\varphi(R(\zeta))$ mit $\varphi\in \op{Ring}^{K}(R(\zeta),N)$, betrachten 
also in anderer Terminologie die normale H"ulle $L$ von $R(\zeta)$, 
so ist $L$ eine Galoiserweiterung von $K$ 
und es gibt einen K"orperturm
$$L=L_{t} \supset \ldots \supset L_{1}\supset L_{0}= K$$
derart, da"s jede Stufe eine abelsche Erweiterung ist: Um 
solch einen K"orperturm anzugeben, 
z"ahlen wir unsere $\varphi$ auf als $\varphi_1,\ldots, \varphi_m$,
beginnen mit $L_1=L_0(\zeta)$ und adjungieren der Reihe nach
$\varphi_1(\alpha_1)$, $\varphi_1(\alpha_2)$, \dots, $ \varphi_1(\alpha_r)$, $
\varphi_2(\alpha_1)$, $\varphi_2(\alpha_2)$, \dots, 
$\varphi_2(\alpha_r)$, \dots,
 $\varphi_m(\alpha_1)$, $\varphi_m(\alpha_2)$, \dots, $ \varphi_m(\alpha_r)$.
Die Galoiskorrespondenz zeigt dann, da"s die Galoisgruppe
$\op{Gal}(L/K)$ aufl"osbar ist.
\end{proof}
% \begin{comment}
%   \begin{Kommentar}
%     Das Ende dieses Beweises mu"s noch etwas gepflegt werden.
%   \end{Kommentar}
% \end{comment}
\begin{Satz}[\textbf{Aufl"osbarkeit von 
Gleichungen durch Radikale}\index{Aufl"osbarkeit von Gleichungen}]
Seien $K$ ein K"orper der Charakteristik
$\op{char} K =0$ und $P \in K [X]\backslash 0$ ein von Null verschiedenes
Polynom. So sind
gleichbedeutend:\label{AUF} 
\begin{enumerate}
\item
Die Gleichung $P(X)=0$ l"a"st sich aufl"osen durch Radikale;
\item
Die Galoisgruppe des Zerf"allungsk"orpers von $P$ "uber $K$
ist aufl"osbar.
\end{enumerate}
\end{Satz}



\begin{proof}
Die Gleichung $P(X)=0$ l"a"st sich aufl"osen durch Radikale genau dann,
wenn sich der Zerf"allungsk"orper $\op{Z}(P,K)$ unseres 
Polynoms zu einer Radikalerweiterung von $K$ vergr"o"sern l"a"st.
Nach Proposition \ref{FEWW} ist das gleichbedeutend dazu,
da"s sich der Zerf"allungsk"orper
$\op{Z}(P,K)/K$ zu einer  endlichen Galoiserweiterung $L/K$
mit aufl"osbarer Galoisgruppe vergr"o"sern l"a"st. Da $\op{Z}(P,K)/K$
schon selbst Galois
ist und da seine Galoisgruppe $\op{Gal}(\op{Z}(P,K)/K)$ ein Quotient der
Galoisgruppe $\op{Gal}(L/K)$ ist und da nach \ref{AFF} Quotienten
aufl"osbarer
Gruppen aufl"osbar sind, ist das auch 
gleichbedeutend dazu,
da"s  $\op{Z}(P,K)$ selbst eine  aufl"osbare Galoisgruppe hat.
\end{proof}

\begin{Proposition}\label{pfg}
Hat ein irreduzibles Polynom f"unften Grades aus $\DQ [X]$ genau
drei reelle und zwei komplexe Nullstellen, so ist seine
Galoisgruppe die volle symmetrische Gruppe $\cal{S}_{5}$ und ist damit nicht
aufl"osbar. 
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Die komplexe Konjugation $\tau$ vertauscht zwei Nullstellen und
l"a"st die "ubrigen fest. Da die Galoisgruppe $G$ transitiv auf der 
$5$-elementigen Menge der Nullstellen operiert, teilt nach der
Bahnformel $5$ die Gruppenordnung und es gibt  nach \ref{PFGO} ein
$g\in G$ von der Ordnung $\op{ord}
g =5$. Man sieht etwa mit \eref{zyEE}{LA1}, da"s $g$ und $\tau$ schon
ganz $\cal{S}_{5}$ erzeugen.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
Das Polynom $X (X^{2} +4) (X^{2}-4) = X^{5} - 16 X$
hat genau drei reelle Nullstellen und Extrema bei $X= \pm 2/
\sqrt[4]{5}$ mit Werten $\pm 32 (\frac{1}{5}-1)
{1}/{\sqrt[4]{5}}$, die im Absolutbetrag gr"o"ser sind als
zwei. Das Polynom $X^{5} - 16 X+2$ hat also ebenfalls genau
drei reelle und zwei komplexe Nullstellen, und es ist dar"uber hinaus
irreduzibel in $\DQ[X]$ nach dem Eisensteinkriterium \ref{EisK}.
Seine Galoisgruppe ist nach \ref{pfg} folglich nicht aufl"osbar,
und damit kann nach \ref{AUF} die Gleichung $X^{5} - 16 X+2=0$ 
nicht durch Radikale gel"ost werden.\label{P5g} 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Das Polynom $X^5-2$ in $\DQ[X]$ ist irreduzibel
nach dem Eisensteinkriterium \ref{EisK}. Es ist jedoch durchaus 
aufl"osbar durch Radikale.  
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Adjunktion h"oherer Wurzeln}]
  Seien $K$ ein K"orper und $a\in K$ ein Element und $n\geq 1$.
  Ich will diskutieren, wie eine K"orpererweiterung $K(\alpha)$ mit
  $\alpha^n=a$ 
  und der Zerf"allungsk"orper von $X^n-a$ aussehen k"onnen.
  Zun"achst einmal mu"s ein Polynom der Gestalt $X^n-a$ nicht irreduzibel sein,
  wie bereits $X^2-1=(X+1)(X-1)$ zeigt.
  Im Zerf"allungsk"orper von $X^n-a$ m"ussen auch keineswegs alle $n$-ten
  Wurzeln von $a$ isomorphe Teilk"orper erzeugen, etwa haben wir 
  $X^4-9=(X^2+3)(X^2-3)$ und $\DQ({\op{i}} \sqrt{3})$ ist nicht
  isomoph zu $\DQ(\sqrt{3})$. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Beispiel}
Bemerkung \ref{A4Af} zeigt,
da"s die symmetrische Gruppe $\cal{S}_4$ aufl"osbar ist.
Eine nichtabelsche einfache Gruppe kann nie aufl"osbar sein.
Alle Gruppen mit weniger als $60$ Elementen sind aufl"osbar 
und\label{IkAk}  
die Ikosaedergruppe  alias die Gruppe der geraden Permutationen
von $5$ Elementen ist bis auf Isomorphismus die einzige
nichtaufl"osbare Gruppe mit
$60$ Elementen. 
Beides werden wir aber hier nicht zeigen.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkunge}
Jede Gruppe der Ordnung $18$ ist aufl"osbar.
In der Tat gibt es nur eine $3$-Sylow, die ist notwendig
normal und wir sind  fertig. 
\end{Bemerkunge}


\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubung}\label{AFF}%\label{AF}
Man zeige: Jede Untergruppe einer aufl"osbaren Gruppe ist aufl"osbar.
Gegeben $G\supset N$ eine Gruppe mit Normalteiler ist
die ganze Gruppe $G$
aufl"osbar genau dann, wenn $N$ und $G/N$ aufl"osbar sind.
Hinweis: \eref{AWNe}{LA2}. 
\end{Ubung}



\begin{Ubunge} Gegeben eine Gruppe $G$ erkl"art man
  ihre {\bf derivierte Gruppe}\index{deriviert!Gruppe} als
  das Untergruppenerzeugnis der Menge aller Kommutatoren
  $$\mathcal DG\pdef (G,G)$$ und setzt induktiv
  $\mathcal D^{i+1}G\pdef \mathcal D(\mathcal D^iG)$. 
  Man zeige, da"s eine Gruppe genau dann aufl"osbar ist, wenn ihre
  h"oheren derivierten Gruppen irgendwann trivial werden,
  wenn also in Formeln gilt $\mathcal D^iG=1$ f"ur $i\gg 0$.
  Man zeige weiter, da"s alle h"oheren Derivierten  $\mathcal D^iG$ einer
  Gruppe $G$ 
  Normalteiler
  von $G$ sind.\label{derGR}  
\end{Ubunge}


\begin{Ubung} Sei $k$ ein K"orper und $n\geq 1$. Man zeige,
  da"s die derivierte Gruppe der allgemeinen linearen Gruppe
  $\op{GL}(n;k)$ die spezielle lineare Gruppe 
  $$\mathcal D(\op{GL}(n;k))=\op{SL}(n;k)$$
  ist, wenn wir nicht im Fall $n=|k|=2$ sind.
  Man zeige,
  da"s die derivierte Gruppe der speziellen linearen Gruppe
  $\op{SL}(n;k)$ die spezielle lineare Gruppe\label{DlAA}  
  $$\mathcal D(\op{SL}(n;k))=\op{SL}(n;k)$$
  ist, wenn wir nicht im Fall $n=2, |k|\in\{2,3\}$ sind.
  Hinweis: Wir wissen aus \eref{QpEl}{LA1}, da"s die Elementarmatrizen
  mit Determinante Eins bereits $\op{SL}(n;k)$ erzeugen. Nach \ref{IkAk}
  sind alle Gruppen mit weniger als $60$ Elementen aufl"osbar. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
    Eine Gruppe $G$ hei"st \defind{"uberaufl"osbar}, wenn es eine
    Folge $G = G_{r} \supset G_{r-1} \supset G_{r-2}\supset \ldots \supset
    G_{0} =1$ von Normalteilern von $G$ gibt mit $G_{i}/G_{i-1}$ zyklisch f"ur
    $1 \leq i \leq r$. Man zeige: Jede endliche nilpotente Gruppe ist
    "uberaufl"osbar.
  \end{Ubung}



\begin{Ubung}
Gegeben  Primzahlen $p, q$ ist die Galoisgruppe des Zerf"allungsk"orpers $L$ von $X^p - q\in\DQ[X]$ isomorph zum semidirekten\label{GSP}
 Produkt $\mathbb F_p \rtimes \mathbb F_p^\times$ in Bezug auf die offensichtliche Wirkung von $\mathbb F^\times_p$ auf $\mathbb F_p$. Hinweis:
 Mit \ref{KNIU} kann man das sogar allgemeiner zeigen f"ur $q\in\DQ^\times\backslash (\DQ^\times)^p$. W"ahlt man zu einem Erzeuger
 von $\op{Gal}(\DQ(\sqrt[p]{1})/\DQ)$ ein Urbild $\rho\in \op{Gal}(L/\DQ)$,
 so ist $\sigma\pdef \rho^p$ von der Ordnung $p-1$ und
 restringiert zu einem Erzeuger
 von $\op{Gal}(\DQ(\sqrt[p]{1})/\DQ)$.  
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Seien\label{TSS} 
in einem  K"orper $\Omega$ zwei Teilk"orper $L,K\subset \Omega$ gegeben.
Sind $  L \supset(L\cap K)$ 
und $  K \supset(L\cap K)$ beide endliche Galois\-er\-wei\-te\-rungen, 
so ist auch $(LK) \supset (L\cap K)$ eine endliche 
Galoiserweiterung
und die
Restriktionen liefern einen Gruppenisomorphismus
$$\op{Gal} ((L K) /L\cap K)\sira 
\op{Gal} (L/L\cap K)\times \op{Gal} (K/L\cap K)$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $K$ ein K"orper mit $n$ paarweise verschiedenen $n$-ten Einheitswurzeln.
  Sei $L/K$ eine K"orpererweiterung und seien $\alpha,\beta\in L^\times $ gegeben
  mit $\alpha^n, \beta^n\in K$. Man zeige, da"s genau dann gilt
  $K(\alpha)=K(\beta)$, wenn $\alpha/\beta$ in $K$ liegt. Hinweis: Beweis
  von Satz \ref{ZEW} "uber zyklische Erweiterungen. 
\end{Ubung}





  \subsection{L"osung kubischer Gleichungen}\label{LKG}
\begin{Bemerkungl}
  Jetzt interessieren wir uns f"ur \defnoind{kubische
    Gleichungen}\index{kubische Gleichung}, also Gleichungen der Gestalt
$$x^{3}+ ax^{2} + bx+ c=0$$
Ihre Galoisgruppen sind aufl"osbar als Untergruppen von $\cal{S}_3$, also
m"ussen sich kubische  Gleichungen zumindest in Charakteristik Null
durch Radikale l"osen lassen.
Um explizite L"osungsformeln anzugeben, 
bringen wir zun"achst durch die Substitution $x \pdef y-{a}/{3}$
den
quadratischen Term zum Verschwinden und gehen "uber zu
einer Gleichung der Gestalt $y^{3} + py +q =0$.
F"ur die L"osungen derartiger Gleichungen gibt
der folgende Satz eine explizite Formel.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}
Gegeben komplexe Zahlen $p,q$
erh"alt man genau die L"osungen der Gleichung 
$y^{3} + py +q =0$, wenn man in der \emph{\bf Cardano'schen Formel}
\index{Cardano'sche Formeln}\label{Koko} 
$$y_{1/2/3} = \sqrt[3]{-\frac{q}{2} + 
\sqrt{\left(\frac{q}{2}\right)^{2} + \left(\frac{p}{3}\right)^{3}} }
+ \sqrt[3]{-\frac{q}{2} - 
\sqrt{\left(\frac{q}{2}\right)^{2} + \left(\frac{p}{3}\right)^{3}}}$$
bei beiden Summanden dieselbe  Quadratwurzel fest w"ahlt
und dann die beiden Kubikwurzeln
so zieht, da"s ihr Produkt gerade $-{p}/{3}$ ist.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}\label{CaCo}
Dasselbe gilt sogar f"ur jeden beliebigen algebraisch abgeschlossenen K"orper
einer von zwei und drei verschiedenen Charakteristik.
Dieser Trick war bei den Italienern schon im 16.-ten Jahrhundert bekannt
und wurde von den Experten sorgsam geheimgehalten.
Diese schlagende Anwendung der 
komplexen Zahlen war der Ausgangspunkt ihres Siegeszugs  
in der h"oheren Mathematik.  Selbst wenn alle drei
Nullstellen unserer kubischen Gleichung reell sind, ist es nicht m"oglich,
unser L"osungsverfahren ohne die Verwendung der komplexen   Zahlen
anzuwenden. Die Bemerkung \ref{nLRER} zeigt, da"s der "Ubergang zu komplexen
Zahlen hier wirklich notwendig  und nicht etwa nur unserer
Ungeschicklichkeit geschuldet ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Da"s wir auf diese Weise wirklich nur 
L"osungen unserer Gleichung erhalten, kann man unschwer
nachrechnen. Da"s wir alle L"osungen erhalten, folgt auch recht schnell:
Stimmen zwei derartige L"osungen "uberein, sagen wir 
$u+v=\zeta u+ \zeta^{-1} v$ f"ur vertr"agliche Wahlen $u$ und $v$ 
der beiden Kubikwurzeln und eine 
dritte Einheitswurzel $\zeta\neq 1$, so folgern wir 
$(1-\zeta)u=(\zeta^{-1}-1)v$, also
$\zeta u=v$, also $u^3=v^3$, 
damit das Verschwinden der Diskriminante $27q^2+4p^3$, und damit
gibt es auch nur h"ochstens zwei L"osungen nach \ref{DKu}.
Stimmen alle drei so konstruierten L"osungen "uberein,
so folgt zus"atzlich 
$\zeta^{-1} u=v$, also $u=v=0$ und $q=p=0$ und unsere Gleichung hat in der Tat
als einzige L"osung $y=0$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Wie wir sehen, ist es nicht schwer, die Cardano'sche Formel
nachzupr"ufen. 
Ich will nun erst erkl"aren, wie man durch 
Galoistheorie auf diese Formel
gef"uhrt wird, und anschlie"send in \ref{cfk}, warum man sie
dann auch in der Situation von Satz \ref{Koko} anwenden darf,
in denen diese Herleitung a priori nicht sinnvoll ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Plan zur Herleitung der Cardano'schen Formeln}]
  Wir gehen aus von einem K"orper $Z$ einer Charakteristik
  $\op{char}Z\neq 2,3$ mit einer treuen Operation der symmetrischen Gruppe
  $\mathcal S_3$ und einer nichttrivialen dritten Einheitswurzel $\zeta\neq 1$
  im Fixk"orper $K$.
  Die Gruppe $\mathcal S_3$ ist aufl"osbar,
  genauer ist das Signum eine Surjektion auf die zweielementige Gruppe
  und ihr Kern ist eine zyklische Gruppe $A_3$ der Ordnung drei.
   Nach der Galoiskorrespondenz bilden die
  Invarianten von
  $\langle \sigma\rangle=A_3$ also einen Zwischenk"orper $Q$
  und in der K"orperkette\label{PHC} 
  $$K\subset Q\subset Z$$
  ist die erste Erweiterung quadratisch und die zweite zyklisch von
  der Ordnung drei.  Sei $\sigma\in \mathcal S_3$ eine zyklische Permutation
  und die Bahn von  $\alpha\in Z$ habe die drei Elemente $\alpha,\beta, \gamma$
  mit $\sigma(\alpha)=\beta, \sigma(\beta)=\gamma,\sigma(\gamma)=\alpha$.
  Wir betrachten das Polynom
  $$(X-\alpha)(X-\beta)(X-\gamma)=X^3+rX^2+pX+q$$
  und finden $r,p,q\in K$ und wollen $\alpha,\beta,\gamma$ durch 
  durch Wurzelausdr"ucke in $r,p,q$ beschreiben. 
  Wir konzentrieren uns auf $\alpha$.  Nach dem Beweis des Satzes \ref{ZEW}
  "uber zyklische Erweiterungen, vergleiche auch \ref{DZEW},
  gilt es daf"ur  $\alpha$ zu zerlegen
  in Eigenvektoren unter $\sigma$ zu den Eigenwerten
  $1,\zeta,\zeta^2$, sagen wir
  $$\alpha=\alpha_1+ \alpha_\zeta + \alpha_{\zeta^2}$$
  mit $\sigma(\alpha_\xi)=\xi\alpha_\xi$.  Dazu brauchen wir 
  $\zeta\in K$ und $\op{char}K\neq 3$. Wir schreiben diese Eigenwertzerlegung
  in neuen Notationen
  als $$\alpha= t + u + v$$ und finden $t, a\pdef u^3, b\pdef v^3\in Q$.
  Nun induziert jede Transposition $\tau\in \mathcal S_3$ denselben
  Automorphismus $\tau$ von $Q$ und
  wir zerlegen unsere drei Elemente aus $Q$ weiter in Eigenvektoren
  unter $\tau$ zu den Eigenwerten $\pm 1$ als 
  $$t=t_+ + t_-\qquad a=a_++a_-\qquad b=b_++b_-$$ Dazu brauchen wir
  $\op{char}K\neq 2$. Dann gilt $t_+,a_+,b_+\in K$
  und $t_+^2,a_+^2,b_+^2\in K$. 
  Offensichtlich gilt f"ur das Produkt  
  $E\pdef (\alpha-\beta)(\beta-\gamma)(\gamma - \alpha)$ bereits $E\in Q^\times$ und
  $\tau (E)=-E$. Folglich ist $Q=K\oplus KE$ die Zerlegung
  von $Q$ in Eigenr"aume unter $\tau$ und es gilt $$D\pdef E^2\in K$$
  Jetzt gilt es nur noch,
  die Elemente $t_+, a_+, b_+\in K$ auszurechnen sowie die
  Konstanten $T,A,B\in K$ mit $t_-=TE$ und $a_-=AE$ und $b_-=BE$.
  Sobald das geleistet ist, finden wir als L"osungsformel
  $$\alpha=t + \sqrt[3]a+ \sqrt[3]b= t_+ +T\sqrt{D} +
  \sqrt[3]{a_+ + A\sqrt{D}} + \sqrt[3]{b_+ + B\sqrt{D}} $$
  Da wir bei der Herleitung keine Eigenschaft
  von $\alpha$ verwendet haben, die die beiden
  anderen Nullstellen $\beta,\gamma$ nicht
  genauso haben, k"onnen wir alle L"osungen in dieser Form
  schreiben, indem wir 
  eine Quadratwurzel $\sqrt{D}$ fest w"ahlen und 
  dann verschiedene dritte Wurzeln ziehen. Wir behaupten hier nicht,
  da"s alle m"oglichen Wahlen von dritten Wurzeln dann Nullstellen liefern,
   das ist auch im allgemeinen falsch. Um unseren
  Rechenplan umzusetzen, erkl"are ich in einem Einschub, wie man die
darin verwendeten  Eigenwertzerlegungen bestimmen kann.
\end{Bemerkungl}

 
 \begin{Bemerkungl}[\textbf{Eigenwertzerlegung unter Endomorphismus endlicher Ordnung}]
      Seien $K$ ein K"orper und $Z$ ein $K$-Vektorraum und $\sigma:Z\ra Z$
      eine $K$-lineare Abbildung und $n\in \DN$ mit $\sigma^n=\op{id}$.
      Die Charakteristik  $\op{char}K$ sei\label{ZEE} 
      kein Teiler von $n$ und das Polynom $X^n-1$ zerfalle
      vollst"andig in $K$.
      Wir wissen etwa aus \ref{EWVNnA}, da"s sich jeder Vektor $z\in Z$
      eindeutig als eine Summe von Elementen der Eigenr"aume von $\sigma$
      zu den verschiedenen Eigenwerten
      darstellen lassen mu"s. Hier geben wir nun diese
      Darstellung ganz explizit an. Gegeben
      eine $n$-te Einheitswurzel $\zeta\in K$ 
      setzen wir  dazu
      $$z_\zeta\pdef \frac{1}{n}\sum_{i=0}^{n-1} \zeta^{-i} \sigma^i(z)$$
      So gilt $\sigma(z_\zeta)=\zeta z_\zeta$
      alias $z_\zeta\in\op{Eig}(\sigma;\zeta)$. Dar"uberhinaus folgt
      $$z=\sum_{\zeta^n=1}z_\zeta$$
      aus der Erkenntnis $\sum_{i=0}^{n-1} \zeta^i=0$
      f"ur jede $n$-te Einheitswurzel
      $\zeta\neq 1$. 
      Damit haben wir die Eigenwertzerlegung von $z$ gefunden.
 \end{Bemerkungl}








 
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Herleitung der Cardano'schen Formeln}]
  Wir "ubernehmen die Notation aus unserem Plan \ref{PHC},
  ziehen uns aber auf den einfacher zu berechnenden Fall 
  $$Y^3+pY+q= (Y-\alpha)(Y-\beta)(Y-\gamma)$$
  mit $\alpha, \beta, \gamma \in Z$ zur"uck, was ja wie zuvor besprochen
  durch eine einfache Substitution gelingt. Das bedeutet, da"s  zus"atzlich
  gilt $\alpha+\beta+\gamma=0$. 
  Wir finden   $$
  \begin{array}{lllllll}\textstyle t&=&\alpha_1&=&\frac{1}{3}(\alpha+\sigma(\alpha)+ \sigma^2(\alpha))&=&\frac{1}{3}(\alpha + \beta + \gamma)  = 0\\[2mm]
    u&=&\alpha_\zeta&=&\frac{1}{3}(\alpha+\zeta^{-1}\sigma(\alpha)+ \zeta^{-2}\sigma^2(\alpha))&=&\frac{1}{3}(\alpha + \zeta^2\beta + \zeta\gamma)\\[2mm]
    v&=&\alpha_{\zeta^2}&=&\frac{1}{3}(\alpha+\zeta^{-2}\sigma(\alpha)+ \zeta^{-4}\sigma^2(\alpha))&=&\frac{1}{3}(\alpha + \zeta\beta + \zeta^2\gamma)
  \end{array}
$$
Wegen $\alpha+\beta+\gamma=0$ erhalten wir 
 $$\begin{array}{lll}
  3u&=&(1-\zeta)\alpha + (\zeta^2-\zeta)\beta\\
  3v&=&(1-\zeta^2)\alpha + (\zeta-\zeta^2)\beta\\\end{array}
  $$
 Um beim Ausmultiplizieren
 von $a\pdef u^3$ den Rechenaufwand zu verringern, formen wir um zu
  $3u/(1-\zeta)=\alpha -\zeta\beta$ und beachten $(1-\zeta)^3=1-3\zeta+3\zeta^2-1=3(\zeta^2-\zeta)$ und $q=-\alpha\beta \gamma=\alpha^{2} \beta + \beta^{2}\alpha$ und $(\zeta -\zeta^2)^2=-3$ und 
  finden  
  $$\begin{array}{clrcc}9a/(\zeta^2 -\zeta)& =&9u^3/(\zeta^2 -\zeta)& =&\alpha^3 -3\zeta\alpha^2\beta
    + 3\zeta^2\alpha\beta^2 -\beta^3\\
    9\tau(a)/(\zeta^2 -\zeta)&&& =&-\alpha^3 
    + 3\zeta^2\alpha^2\beta-3\zeta\alpha\beta^2 +\beta^3\\[2mm]
    18 a_+/(\zeta^2 -\zeta)&&& =& 3(\zeta^2 -\zeta)(\alpha^2\beta+ \alpha\beta^2)\\
    a_+&&& =& -q/2 \\[2mm]
    18 a_-/(\zeta^2 -\zeta)&&& =& 2\alpha^3 +3(\alpha^2\beta -\alpha\beta^2)-2\beta^3\\
    a_-&&& =&(\zeta^2 -\zeta)E/18
  \end{array}$$
wegen  $E\pdef (\alpha-\beta)(\beta -\gamma)(\gamma-\alpha)=2\alpha^3 +3\alpha^2\beta -3\alpha\beta^2-2\beta^3$. 
Indem wir $\zeta$ und $\zeta^2$ vertauschen, erhalten wir f"ur $b\pdef v^3$
ebenso
 $b_+= -q/2$ und  $b_-=(\zeta -\zeta^2)E/18$. 
In \ref{DKu} haben wir unter der Annahme $\alpha+\beta+\gamma=0$
bereits $$D\pdef E^2=-4p^3+-27q^2$$
  gefunden. So erhalten wir schlie"slich
  $$\begin{array}{lll}
   \alpha&=&u + v\\
   &=& \sqrt[3]{a_+ + a_-} +  \sqrt[3]{b_++b_-}\\[2mm]
   &=&\sqrt[3]{a_+ + A\sqrt{D}} + \sqrt[3]{b_+ + B\sqrt{D}}\\[3mm]
   &=&\sqrt[3]{-\frac{q}{2} + \frac{\zeta^2-\zeta}{18}\sqrt{-4p^3-27q^2}} + \sqrt[3]{-\frac{q}{2} +  \frac{\zeta-\zeta^2}{18}\sqrt{-4p^3-27q^2}}
   \\[4mm]&=&
 \sqrt[3]{-\frac{q}{2} + 
\sqrt{\left(\frac{q}{2}\right)^{2} + \left(\frac{p}{3}\right)^{3}} }
+ \sqrt[3]{-\frac{q}{2} - 
\sqrt{\left(\frac{q}{2}\right)^{2} + \left(\frac{p}{3}\right)^{3}}}\end{array}
 $$
 mit dem letzten Schritt wegen der bereits oben bemerkten
 Identit"at $(\zeta -\zeta^2)^2=-3$.\label{CaHe}
 Ich bemerke, da"s es hier von der Wahl der jeweiligen festen Quadratwurzel
 in der vorletzten und der letzten Zeile abh"angt, ob
 bei der letzten Gleichung der erste und zweite Summand
 jeweils f"ur sich genommen
 gleich bleiben oder ob sie vielmehr Pl"atze tauschen.
  Unsere Gleichungen f"ur $3u$ und $3v$ von oben liefern auch 
  $$\begin{array}{lll}9uv&=&\alpha^2+\beta^2+\gamma^2 +(\zeta +\zeta^2)(\alpha\beta +\alpha\gamma +\beta\gamma)\\
&=&(\alpha+\beta+\gamma)^2+(\zeta +\zeta^2-2)(\alpha\beta +\alpha\gamma +\beta\gamma)\\
&=&-3p
  \end{array}
  $$
 alias $uv=-p/3$.
 Unsere Formel liefert mithin alle L"osungen sogar
 unter  der zus"atzlichen Ma"sgabe,
 da"s  wir die dritten Wurzeln  so zu w"ahlen haben,
 da"s ihr Produkt  $-p/3$ ist. Unter dieser Bedingung ist auch leicht
 einzusehen, da"s wir stets L"osungen erhalten.
 \end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Die Cardano'schen Formeln f"ur Kringe}]
Ist unser Polynom  nicht irreduzibel  oder besteht  seine Galoisgruppe  nur aus den drei
geraden Permutationen der drei Nullstellen, so
funktioniert das obige Argument nur noch in mehr
oder weniger stark modifizierter Form.
Wir k"onnen aber ganz allgemein
den Kring $k\pdef \DZ[2^{-1},3^{-1},\zeta]$ betrachten
f"ur eine von Eins verschiedene dritte Einheitswurzel $\zeta$. Dann lassen wir
auf dem
Polynomring $$L\pdef k['\alpha,\beta,\gamma]$$ die Gruppe $\mathcal S_3$ der
Permutationen der drei Variablen operieren. Der
Invariantenring ist der Polynomring $K\pdef k['p,q,r]$ mit
$$(Y-\alpha)(Y-\beta)(Y-\gamma)=Y^3+rY^2 +pY+q$$
Die Injektion $K\hra L$ induziert auf den Faktorringen \nichtfinal{(Quotienten)}
beider Ringe
nach dem von $-r=\alpha+\beta+\gamma$ erzeugt
Ideal wieder eine Injektion $\bar K\hra \bar L$.  Die symmetrische Gruppe
$\mathcal S_3$
operiert auch auf den Faktorringen und  $\bar K$ ist der Invariantenring
und wir haben $\bar L=k['\alpha,\beta]$ sowie $\bar K=k'[p,q]$
mit der Bezeichnung $\alpha, \beta, \gamma, p,q$ f"ur die Bilder dieser
Elemente in den jeweiligen Faktorringen.
In diesem Kontext bleiben alle unsere Rechnungen a posteriori sinnvoll
und wir erhalten $\alpha=u+v$ mit $uv=-p/3$ und $u^3=-(q/2)+c$ sowie
$v^3=-(q/2)-c$ mit $c^2=(p/3)^3 + (q/2)^2$. Hierdurch sind  zwar $u$ und $v$
nicht eindeutig bestimmt, aber wenn wir eine Wahl fest treffen und
dann $\alpha\pdef  u+v$ sowie $\beta\pdef \zeta u+\zeta^{-1}v$ sowie $\gamma\pdef \zeta^{-1} u+\zeta v$ setzen, 
so pr"uft man in $\bar L$ der Tat 
$$(Y-\alpha)(Y-\beta)(Y-\gamma)=Y^3+pY+q$$
Alle diese Formeln
bleiben nun nat"urlich richtig unter jedem Homomorphismus
von $\bar L$ in einen beliebigen K"orper oder sogar beliebigen Ring
und bedeuten die Cardano'schen Formeln in gro"ser Allgemeinheit. Wir haben bei
der Herleitung sogar den Vorteil, da"s wir zus"atzlich den Ringautomorphismus
$\kappa:k\sira k$ mit $\kappa(\zeta)=\zeta^2$ und $\kappa^2=\op{id}$ zur Verf"ugung haben. Offensichtlich gilt dann
$\kappa(u)=v$  und das formalisiert die Beobachtung in obiger
Rechnung, da"s \glqq f"ur $v$ alles genauso geht wie f"ur $u$, nur
mit $\zeta$ und $\zeta^2$ vertauscht\grqq. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Proposition}[\textbf{Irreduzibilit"at primer Wurzelgleichungen}] 
Gegeben ein K"orper  $K$ und eine Primzahl $p$  ist f"ur
$a\in K$ das Polynom $X^p-a$ entweder irreduzibel oder
es besitzt eine Nullstelle.\label{KNIU} 
\end{Proposition}
\begin{proof} %Sei
  %ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $p$ eine ungerade Primzahl.
Sicher zerf"allt unser 
Polynom in seinem Zerf"allungsk"orper  f"ur eine geeignete $p$-te Einheitswurzel
$\zeta$ als 
$X^p- a=\prod_{\nu=1}^p(X- \zeta^\nu b)$
mit $a=b^p$ wegen $p$ ungerade.
Zerf"allt es nun in $K$  
als $X^p- a=fg$ mit $f,g$ normiert und $0<k\pdef \op{grad}f<p$,
so kann man aus dem konstanten Term von $f$ und $a$ und Vorzeichen eine
$p$-te Wurzel von $a$ zusammenmultiplizieren.
In der Tat hat der konstante Term $c$ von $f$ die Gestalt
$c=\pm \xi b^k$ f"ur eine $p$-te Einheitswurzel $\xi$.
F"ur $d\pdef \pm c=\xi b^k$ 
Es folgt $d^p=b^{kp}=a^k$.
Unter der Annahme $a\neq 0$  f"uhrt der Ansatz
$(d^na^m)^p=a$  zur Gleichung 
$a^{nk+mp}=a$ alias $nk+mp=1$ und jede L"osung $(m,n)\in\DZ^2$
liefert f"ur  $a\neq 0$  eine
$p$-te Wurzel $d^na^m$ von $a$ in $K$. Der Fall $a=0$,
in dem man keine negativen Potenzen von $d$ und $a$ bilden k"onnte,
ist eh unproblematisch.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Irreduzibilit"at allgemeiner Wurzelgleichungen}]
  In \cite[14.1.4]{SR} findet man ein hinreichendes und notwendiges
  Kriterium f"ur die Irreduzibilit"at des Polynoms $T^n-a\in K[T]$ gegeben
  $n\in\DN_{>0}$ beliebig und $K$ ein beliebiger K"orper und $a\in K$.
  Da"s es im allgemeinen nicht so einfach ist wie im primen Fall
    aus \ref{KNIU}, zeigt die Zerlegung
  $$X^{4}+4a^4=\big((X^{2}+2a^2)+ 2aX\big)\big((X^2+2a^2)- 2aX\big)$$
  Dort k"onnen wir nat"urlich
  noch $X=T^r$ substitutieren.
  Weiter ist $X^{m}-a^m$ offensichtlich durch $X-a$ teilbar und auch diese
  Teilbarkeit bleibt bei der Substitution $X=T^r$ erhalten.
  Gilt also $4|n$ und $a\in -4K^4$, so ist $T^n-a$ nicht irreduzibel,
  und gibt es $m>1$ mit $m|n$ und $a\in K^m$, so ist  $T^n-a$ auch
  nicht irreduzibel. Das Kriterium sagt nun, da"s wenn
  keine dieser beiden Bedingungen
  zutrifft, da"s dann unser Polynom $T^n-a$ auch in der Tat irreduzibel ist.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Notwendigkeit des 
Ausgreifens in die komplexen Zahlen}]
Sei eine kubische Gleichung  $X^3 + pX +q=0$  mit $p,q \in \mathbb R$
gegeben, die\label{nLRER}  
 drei reelle L"osungen besitzt, 
von denen jedoch keine zum Koeffizientenk"orper $K\pdef \mathbb Q
(p,q) \subset \mathbb R$ geh"ort, etwa $X^3-\frac{3}{4}X+ \frac{3}{16}$
nach dem Eisensteinkriterium.
Wir zeigen, da"s 
es dann nicht m"oglich ist, eine Kette
\begin{equation*}
 K = K_0 \subset K_1 \subset \ldots \subset K_r \subset \mathbb R
\end{equation*}
von Teilk"orpern von $\mathbb R$ so zu finden, da"s unser Polynom in $K_r$ vollst"andig zerf"allt und $K_{i+1}$ jeweils
durch Adjunktion der positiven $l_i$-ten Wurzel aus einem positiven Element $a_i \in K_i\cap\DR_{>0}$ entsteht, in Formeln
\begin{equation*}
 K_{i+1} = K_i ({\sqrt[l_i]{a_i}})
\end{equation*}
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir hier die $l_i$ als prim annehmen.
Weiter ist das Quadrat $\Delta = - 4 p^3 - 27 q^2$ 
des Produkts der Differenzen der Nullstellen aus \ref{DKu}
in unserem Fall notwendig positiv und wir d"urfen $K_1 = K (\sqrt{\Delta})$ annehmen.
Unser irreduzibles kubisches Polynom ist dann auch irreduzibel "uber $K_1$,
denn es kann erst in einer K"orpererweiterung vom Grad Drei
eine Nullstelle haben. Seinen Zerf"allungsk"orper $Z$
"uber $K$ k"onnen wir in eine
K"orperkette $K\subset K_1\subset Z\subset\DR$ einf"ugen und 
 $Z/K_1$ ist dann Galois vom Grad $[Z:K_1]=3$.
Gegeben eine Wurzel $\alpha\in \DR$ unseres kubischen Polynoms
mit $\alpha\not\in K_s$ ist f"ur $s\geq 1$ nach dem Translationssatz \ref{TRGG}
also $K_s(\alpha)/K_s$ Galois vom Grad Drei.
F"ur $r$ kleinstm"oglich mit $\alpha\in K_r$ mu"s damit
 $[K_r : K_{r-1}]$ ein Vielfaches von Drei sein.
Wegen $K_r = K_{r-1} (\sqrt[l]{a})$ mit $a=a_r$ und
$l=l_r$ prim mu"s aber nach \ref{KNIU} unser Polynom $X^l -a$ irreduzibel gewesen sein in
$K_{r-1} [X]$ und wir folgern $[K_r : K_{r-1}]=l$.
Zusammen zeigt das $l=3$ und  $K_r =K_{r-1}(\alpha)$ und damit
 $K_r / K_{r-1}$ Galois vom Grad drei. Dann hinwiederum mu"s
$X^3 -a$ in $K_r$ vollst"andig in Linearfaktoren zerfallen
und $K_r$ mu"s drei dritte Einheitswurzeln enthalten und das steht im
Widerspruch zu unserer Annahme $K_r \subset \mathbb R$.
Der "Ubergang ins Komplexe oder 
alternativ die Verwendung trigonometrischer Funktionen zu ihrer L"osung
\glqq durch Radikale\grqq\  ist in anderen Worten
unumg"anglich. Lateinisch spricht man bei reellen
Gleichungen dritten Grades dieser
Art
vom {\bf casus irreducibilis}.\index{casus irreducibilis} 
\end{Bemerkungl}

\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubunge}\label{irrW}
  Sei $n\geq 1$ und $K$ ein K"orper,
der alle $n$-ten Einheitswurzeln enth"alt und dessen %erg"anzt!
Charakteristik  $n$ nicht teilt. %erg"anzt!
Man zeige: Gegeben  $a\in K$
ist das Polynom $X^n-a$ irreduzibel in $K[X]$ genau dann, 
wenn $a$ f"ur keinen Teiler $d>1$ von $n$ eine
$d$-te Wurzel in $K$ besitzt. 
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{MeGa}
 Ein irreduzibles Polynom dritten Grades 
der Gestalt $Y^{3}+pY+q$ mit Koeffizienten in einem
K"orper $k$ der Charakteristik $\op{char}k\neq 2$ hat genau dann 
die Galoisgruppe $\cal{S}_3$ "uber $k$, wenn
$- 4 p^{3} - 27 q^{2}$ kein Quadrat in $k$ ist. 
In unserer Terminologie ist $- 4 p^{3} - 27 q^{2}$ das Negative
der  Diskriminante unseres Polynoms, aber hier sind auch andere 
Konventionen verbreitet. 
\end{Ubung}
\begin{Beispiel}\label{SADD}
Das Polynom $X^3-2$ hat nach \ref{GQW2} oder \ref{MeGa} die Galoisgruppe $\cal{S}_3$ "uber $\DQ$,
denn $-108=(-27)4$ ist kein Quadrat in $\DQ$.
Dasselbe Polynom hat jedoch Galoisgruppe $A_3$ "uber $\DQ(\sqrt[3]{1})$
nach unserem Satz "uber Radikalerweiterungen \ref{ZEW}. Damit alles 
zusammenpa"st, mu"s $-108$ ein Quadrat im dritten
Kreisteilungsk"orper  $\DQ(\sqrt[3]{1})$ sein. Zum Gl"uck stimmt das auch, 
f"ur $\zeta$ eine primitive dritte 
Einheitswurzel gilt n"amlich $(\zeta-\zeta^{-1})^2=-3$. 
\end{Beispiel}


\subsection{Einheitswurzeln und reelle Radikale*}
\begin{Bemerkungl}\label{NSGR}
Die Tabelle 
\begin{center}
\begin{tabular}{c|c|c}
& $\sin$ & $\cos$ \\ \hline
$\pi$ & $0$ & $-1$ \\[2mm]
$\pi/2$ & $1$ & $0$ \\[2mm]
$\pi/3$ & $\sqrt{3}/2$ & $1/2$ \\[2mm]
$\pi/4$ & $1/\sqrt{2}$ & $1/\sqrt{2}$ \\[2mm]
$\pi/5$ & $\sqrt{5-\sqrt{5}}/2\sqrt{2}$ & $(\sqrt{5}+1)/4$ \\[2mm]
$\pi/6$ & $1/2$ & $\sqrt{3}/2$ \\[2mm]
$\pi/7$ & ? & ? \\[2mm]
$\pi/8$ & $\sqrt{\frac{1}{2} - \sqrt{2}}$ & 
$\sqrt{\frac{1}{2} + \sqrt{2}}$ \\[2mm]
$\pi/9$ & ? & ? \\[2mm]
$\pi/10$ & $(\sqrt{5}-1)/4$ & $\sqrt{5+\sqrt{5}}/2\sqrt{2}$ \\[2mm]
$\pi/11$ & ? & ? 
\end{tabular}
\end{center}
aus \eref{WeSi}{AN1} zeigt einige $n\geq 1$, f"ur die
 $\sin (\pi/n)$ und $\cos (\pi/n)$
in geschlossener Form als \glqq reelle algebraische 
Ausdr"ucke\grqq\  dargestellt werden k"onnen, ohne da"s wir bei der Berechnung 
der besagten Ausdr"ucke den K"orper der
reellen Zahlen verlassen m"u"sten. Sie zeigt
 auch einige Fragezeichen f"ur F"alle,
in denen keine derartige Darstellung zur Verf"ugung steht.
Wir zeigen im Folgenden, da"s das nicht etwa an unserer Ungeschicklichkeit
liegt, sondern da"s es derartige reelle Darstellungen 
f"ur die meisten $n$ schlicht nicht gibt.
Diese Aussage gilt es zun"achst einmal zu pr"azisieren.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Gegeben  eine K"orpererweiterung $F \subset E$ definieren wir den
{\bf Radikalabschlu"s}\index{Radikalabschlu"s!in K"orpererweiterung} 
{\bf von $F$ in $E$} als
den kleinsten Zwischenk"orper 
$R \subset E$ derart, da"s f"ur alle $p\geq 1$ gilt $(x^p \in
    R) \Rightarrow (x \in R)$. Wir  notieren ihn   $$R=\op{rad} (F\subset E)$$
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
Die folgende reelle Zahl geh"ort zum Radikalabschlu"s 
des K"orpers $\DQ$ der rationalen Zahlen im K"orper $\DR$ der reellen Zahlen:
$$\frac{\sqrt[7]{\sqrt[5]{6}+3}+13}{\sqrt[2]{3}+8}-
\sqrt[17]{19876}$$
\end{Beispiel}









  
  

\begin{Definition}\label{QKEE}
 Gegeben  eine K"orpererweiterung $F \subset E$ definieren wir den
 {\bf Quadratwurzelabschlu"s}\index{Quadratwurzelabschlu"s} 
{\bf von $F$ in $E$} als den kleinsten Zwischenk"orper $Q \subset
    E$ derart, da"s gilt $(x^2 \in Q) \Rightarrow (x \in Q)$. Wir  
 notieren ihn $$Q=\op{quad} (F\subset E)$$
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
  Den Quadratwurzelabschlu"s $\op{quad} ( \DQ\subset \mathbb{C} )$
  der rationalen Zahlen in den komplexen Zahlen 
hatten wir bereits in \ref{Kons} betrachtet und gezeigt, da"s er genau aus
allen konstruierbaren Zahlen besteht.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Markus Rost}]\label{Rost}
Der Radikalabschlu"s der rationalen Zahlen in den reellen Zahlen
trifft jeden Kreisteilungsk"orper  nur innerhalb 
des Quadratwurzelabschlusses der rationalen Zahlen in den reellen Zahlen.
F"ur jedes $n \in \mathbb{N}$ gilt also in Formeln
\begin{equation*}
\op{rad} (\DQ\subset \mathbb{R}  ) \cap \DQ (\sqrt[n]{1})  
\;\;\subset \;\;\op{quad} ( \DQ\subset \mathbb{R} )
\end{equation*}
\end{Satz}

  \begin{Bemerkunge}
    F"ur jeden Teilk"orper $K \subset \mathbb{R}$ und 
jedes $n \geq 1$
    gilt allgemeiner
    $
      \op{rad} (K\subset \mathbb{R}  ) \cap K (\sqrt[n]{1})  
      \subset \op{quad} ( K\subset \mathbb{R} ).
    $
    Der Beweis ist im wesentlichen derselbe. 
  \end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}\label{LRER}
Der Satz von Rost zeigt, 
da"s  $\cos (2\pi/7)$
nicht zum Radikalab\-schlu"s von $\DQ$ in $\DR$ geh"oren kann.
In der Tat geh"ort  diese reelle Zahl zu einem Kreisteilungsk"orper
und m"u"ste 
nach dem Satz von Rost anderfalls
sogar zum Quadratwurzelabschlu"s von $\DQ$ in $\DR$ geh"oren. 
Das steht jedoch im
Widerspruch zu unserer Erkenntnis, da"s das regelm"a"sige
Siebeneck nicht mit Zirkel und Lineal konstruiert werden kann.
Weiter ist 
$\cos (2\pi/7)$ 
 nach \ref{bsS} auch eine von drei 
reellen Nullstellen des  Polynoms $X^3+X^2-2X-1$. 
 Wir sehen so ein weiteres Mal, da"s kubische Gleichungen mit rationalen
Koeffizienten, selbst wenn sie drei reelle Nullstellen
haben, im allgemeinen nicht durch \glqq algebraische Rechenoperationen im Rahmen
der
reellen Zahlen\grqq\  
gel"ost werden k"onnen.
Im "ubrigen ist $\cos (2\pi/7)$  ein Erzeuger des Schnitts des
siebten Kreisteilungsk"orpers mit der reellen Achse, 
dieser Schnitt mu"s Grad $6/2=3$ "uber $\DQ$ haben, und besagtes 
Polynom ist gerade das  Minimalpolynom von $\cos (2\pi/7)$ "uber $\DQ$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  \label{SIUU}
    Genau dann geh"ort $\sin (\pi/n)$ zum Radikalabschlu"s der rationalen
    Zahlen in den reellen Zahlen, wenn das regelm"a"sige $n$-Eck konstruierbar
    alias $\varphi (n)$ eine Zweierpotenz ist. In der Tat liegt
    $\sin (\pi/n)$ sicher in einem Kreisteilungsk"orper.  Liegt $\sin
    (\pi/n)$ auch im Radikalabschlu"s $\op{rad} (\mathbb{Q}\subset\DR)$ der
    rationalen in den reellen Zahlen, so folgt 
$\sin (\pi/n)\in \op{quad} (\mathbb{Q}\subset\DR)$  aus dem Satz \ref{Rost} von
    Rost. Damit ist
    $\sin (\pi/n)$ aber nach \ref{Kons} konstruierbar und damit dann unschwer
    auch das regelm"a"sige $n$-Eck.  Der Beweis der Gegenrichtung bleibe dem
    Leser "uberlassen.
\end{Bemerkungl}



\begin{proof}[Beweis des Satzes von Rost \ref{Rost}]
Wir halten eine nat"urliche Zahl $n\geq 1$ f"ur den folgenden Beweis fest
und vereinbaren die Abk"urzung $Q\pdef \op{quad} ( \DQ\subset \mathbb{R} )$
f"ur den Quadratwurzelabschlu"s der rationalen Zahlen in den reellen Zahlen
und $E\pdef \DQ (\sqrt[n]{1})$ f"ur den $n$-ten Kreisteilungsk"orper, mit
einem $E$ wie Einheitswurzel.
Um  den Satz zu zeigen, reicht es sicher nachzuweisen,
da"s f"ur jeden Teilk"orper $R\subset\DR$ mit der Eigenschaft 
$R \cap E  
\subset Q
$ 
auch der durch Adjunktion einer primen reellen Wurzel, 
also durch Adjunktion eines Elements $x\in\DR$ mit
$x^p\in R$ f"ur eine Primzahl $p$ 
entstehende Teilk"orper $R(x)\subset\DR$ diese Eigenschaft
hat. Im Fall $[R (x) : R]  < p$ 
folgt aus unseren Annahmen bereits $R(x)=R$. In der Tat haben wir 
f"ur $q=[R (x) : R]$
und $a=x^p$ ja
$$\op{det}_R(x|R(x))^p = \op{det}_R(x^p|R(x)) = a^q$$ 
Es gibt also
$c \in R$ mit $c^p = a^q$. Im Fall $q<p$ k"onnen
 wir $1 = \alpha p + \beta q$ schreiben, es folgt
$a = a^{\alpha p + \beta q} = (a^\alpha c^\beta )^p$
und $a$ hat bereits eine $p$-te Wurzel $y =a^\alpha c^\beta$ in $R$, woraus 
wegen $R\subset\DR$ und $x\in\DR$ folgt $y = \pm x$
und $R (x) = R$. 
 Es bleibt also nur noch, den Fall
$[R (x) : R] =  p$ zu diskutieren und in diesem Fall
die Implikation 
$$R\cap E\subset Q\;\;\RA\;\; R(x)\cap E\subset Q$$
 zu zeigen. Im Fall $R(x)\cap E=R\cap E$ ist das klar.
Sonst ist 
 $(R(x)\cap E)/(R\cap E)$  eine nichttriviale Galoiserweiterung,
denn das sind beides 
Zwischenk"orper einer endlichen abelschen Erweiterung.
Nach  dem Translationssatz \ref{TS} ist dann auch 
$((R(x)\cap E)R)/R$ 
eine 
nichttriviale  Galoiserweiterung.
Da $R(x)/R$ Primzahlgrad hat, folgt $((R(x)\cap E)R)=R(x)$,
und $R(x)/R$ ist mithin selbst eine Galoiserweiterung vom Grad $p$.
Das Polynom $X^p-a$ ist dann notwendig das Minimalpolynom von $x$ "uber 
$R$, und da 
jede Galoiserweiterung  normal ist, m"ussen alle seine Nullstellen 
auch zu $R(x)$ geh"oren, also alle
$\zeta x$ f"ur $\zeta$ eine beliebige $p$-te Einheitswurzel. 
Damit m"ussen aber alle
$p$-ten Einheitswurzeln zu $R(x)$ geh"oren, also zu $\DR$, 
und das gilt nur im Fall
$p=2$. Mithin sind wir in diesem Fall, und durch das R"uckverfolgen
unserer Argumente erhalten wir
$$[(R(x)\cap E):(R\cap E)]=2$$
Der K"orper $ R(x)\cap E$ entsteht also aus dem
Teilk"orper $R\cap E\subset Q$ durch Adjunktion einer
Quadratwurzel. Folglich liegt
$ R(x)\cap E$ in der Tat bereits selbst im Quadratwurzelabschlu"s $Q$ 
von $\DQ$ in $\DR$.
\end{proof}




%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAL"
%%% End: 
