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\label{GGrund}


\section{Naive Mengenlehre und Kombinatorik}
\nichtfinal{Es w"are vielleicht eine zus"atzliche Motivation
  durch Anwendungen in der elementaren
  Wahrscheinlichkeitstheorie sinnvoll.} 
\subsection{Mengen}\label{Meng}
\begin{Bemerkungl}
  Beim Arbeiten mit reellen Zahlen oder r"aumlichen
Gebilden reicht auf der Schule ein intuitives
  Verst"andnis meist aus, und wenn die Intuition in die Irre f"uhrt, ist ein
  Lehrer zur Stelle.  Wenn Sie jedoch selbst unterrichten oder etwas beweisen
  wollen, reicht dieses intuitive Verst"andnis nicht mehr aus.  Im
    folgenden werden deshalb zun"achst der Begriff der reellen Zahlen
und der Begriff des Raums
    zur"uckgef"uhrt auf Grundbegriffe der Mengenlehre, den Begriff der
    rationalen Zahlen und elementare Logik.  Bei der Arbeit mit diesen
  Begriffen f"uhrt uns die Intuition nicht so leicht in die Irre, wir geben uns
  deshalb mit einem intuitiven Verst"andnis zufrieden und verweisen jeden, der
  es noch genauer wissen will, auf eine Vorlesung "uber Logik.  
Wir beginnen mit
  etwas naiver Mengenlehre, wie sie von Georg Cantor in den Jahren
1874 bis 1897 begr"undet wurde und von der der ber"uhmte Mathematiker 
David Hilbert einmal sagte:
\glqq Aus dem Paradies, das Cantor uns geschaffen, 
soll uns niemand vertreiben k"onnen\grqq. Nat"urlich gab es auch vor der 
Mengenlehre schon hoch entwickelte Mathematik: Beim Tod 
von Carl Friedrich Gau"s im Jahre 1855 gab es diese Theorie noch gar 
nicht und Fourier fand
seine \glqq Fourierentwicklung\grqq\  sogar bereits zu Beginn des 19.-ten Jahrhunderts. 
Er behauptete auch gleich in seiner \glqq Th\'{e}orie analytique de la chaleur\grqq,
da"s sich jede beliebige periodische Funktion durch eine  
Fouriereihe darstellen lasse, aber diese Behauptung stie"s
bei anderen ber"uhmten Mathematikern seiner Zeit auf Ablehnung
und es entstand dar"uber ein heftiger Disput. Erst in besagtem \glqq Paradies der
Mengenlehre\grqq\  konnten die Fourier's Behauptung 
zugrundeliegenden Begriffe soweit
 gekl"art werden, da"s dieser Disput nun  endg"ultig beigelegt ist.
"Ahnlich verh"alt es sich auch mit vielen anderen Fragestellungen.
Da die Mengenlehre dar"uber hinaus auch 
vom didaktischen Standpunkt aus eine "au"serst klare 
und durchsichtige Darstellung mathematischer Sachverhalte erm"oglicht,
hat sie sich als Grundlage der h"oheren Mathematik und der 
Ausbildung von Mathematikern an Universit"aten 
schnell durchgesetzt
und ist nun weltweit das \glqq Alphabet
der Sprache der Mathematik\grqq.
Man wird  an Universit"aten sogar 
geradezu dazu erzogen, alle Mathematik in der Sprache der
Mengenlehre zu fassen und geometrischen Argumenten
keine Beweiskraft zuzugestehen. Ich halte das bei der Ausbildung von
Mathematikern auch f"ur angemessen.
Bei der Mathematik-Ausbildung  im allgemeinen scheint mir 
dieses Vorgehen dahingegen nicht zielf"uhrend: 
In diesem Kontext
 sollte man
meines Erachtens nicht mit demselben Ma"s messen,
auch ohne alle Mengenlehre geometrisch erkl"arte Begriffe
wie Gerade und Kreis, Ebene und Raum,
als wohldefinierte Objekte der Mathematik zulassen und
geometrischen Argumenten
Beweiskraft zugestehen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Im Wortlaut der ersten Zeilen des Artikels 
\glqq Beitr"age zur Begr"undung der transfiniten Mengenlehre (Erster Aufsatz)\grqq\ 
von Georg Cantor, erschienen im Jahre 1895, h"ort sich 
die Definition einer Menge so an:
\begin{quote} Unter einer {\bf Menge}\index{Menge} verstehen wir jede
  Zusammenfassung $M$ von bestimmten wohlunterschiedenen Objekten $m$  
unserer Anschauung oder  unseres Denkens 
(welche die {\bf Elemente}\index{Element} von $M$
genannt werden) zu einem Ganzen.
\end{quote} 
Verbinden
wir mit einer Menge eine geometrische Vorstellung, so nennen wir ihre Elemente
auch {\bf Punkte}\index{Punkt} und die Menge selbst einen
\defind{Raum}.  Ein derartiges Herumgerede ist nat"urlich keine formale
Definition und birgt durchaus verschiedene Fallstricke, vergleiche \ref{WHK}. 
Das Ziel dieser Vorlesung ist aber auch nicht eine formale
Begr"undung der Mengenlehre, wie  Sie sie 
in der Logik kennenlernen k"onnen.
Sie sollen vielmehr die Bedeutung dieser Worte intuitiv erfassen wie ein
Kleinkind, das Sprechen lernt: Indem sie mir und anderen 
Mathematikern zuh"oren,
wie wir mit diesen Worten sinnvolle S"atze bilden, uns nachahmen, und
beobachten, welchen Effekt Sie damit hervorrufen.  Unter anderem dazu sind die
"Ubungsgruppen da. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
Bei der Entwicklung der Mathematik aus der Umgangssprache durch
fortgesetztes Zuspitzen und Umwidmen des Wortschatzes mu"s ich 
an den Baron von M"unchhausen denken, wie er sich an seinen eigenen
Haaren aus dem Sumpf zieht. Schon verbl"uffend, da"s es klappt.
Aber bei Kleinkindern, die Sprechen lernen, ist es ja noch viel 
verbl"uffender, wie sie die Bedeutung von Worten erfassen,
ohne da"s man sie ihnen  in Worten erkl"aren kann.
\end{Bemerkunge}

\begin{Beispiele}
Endliche Mengen kann man  durch eine vollst"andige Liste ihrer Elemente
in geschweiften Klammern angeben, zum Beispiel in der Form\index{)5@$\{\;\}$ Mengenklammern}  
$$X = \{x_{1},x_{2}, \ldots, x_{n} \}$$
Diese geschweiften Klammern hei"sen 
auch {\bf Mengenklammern}.\index{Mengenklammern}
Die Elemente d"urfen mehrfach
genannt werden und es kommt nicht auf die Reihenfolge an,
in der sie genannt werden.
Wir haben also $\{1,1,2\} = \{2,1\}$.\index{)0lm@$\in$  Element von}\index{)0lm@$\not\in$ nicht Element von} 
Die Aussage \glqq $x$ ist Element von $X$\grqq\  wird mit $x\in X$ abgek"urzt, ihre
Verneinung \glqq $x$ ist nicht Element von $X$\grqq\  mit $x \not\in X$.
Zum Beispiel gilt $1\in \{2,1\}$ und $3\not\in \{2,1\}$.  
Es gibt auch die sogenannte 
{\bf leere Menge}\index{Menge!leere Menge}\index{leer!Menge} $\emptyset=\{\;\}$,
die gar kein\index{)0lm@$\emptyset$ leere Menge}
Element enth"alt.
Andere Beispiele sind die Mengen
\begin{description}
\item[$\DN$]$\pdef \{0,1,2,\ldots \}$\index{N@$\DN$ nat"urliche
  Zahlen} der {\bf nat"urlichen
Zahlen},\index{Zahl!nat"urliche}\index{nat"urliche Zahlen} 
\index{N@$\DN$ nat"urliche
  Zahlen} 
\item[$\DZ$]$\pdef\{0,1,-1,2,-2, \ldots\}$ 
 der {\bf ganzen Zahlen} und\index{Zahl!ganze}\index{ganze Zahlen} 
\index{Z@$\DZ$ ganze Zahlen}
\item[$\DQ$]$\pdef\{p/q \mid p,q \in \DZ,\; q \neq 0\}$
der {\bf rationalen 
Zahlen}.\index{Zahl!rationale}\index{rationale Zahlen}\index{Q@$\DQ$ rationale Zahlen}
\end{description}      
Der Name letzterer Menge kommt von lateinisch 
\glqq ratio\grqq\  f"ur
\glqq Verh"altnis\grqq, der Buchstabe $\DQ$ steht f"ur \glqq Quotient\grqq. 
Man beachte, da"s wir auch hier Elemente mehrfach genannt haben,
es gilt ja $p/q = p^{\prime}/q^{\prime}$ genau dann,
wenn $pq^{\prime} = p^{\prime}q$.  Auf Deutsch bezeichnet man die 
rationalen Zahlen
 auch als
\defind{Bruchzahlen}, da man sich etwa ein Viertel eines Kekses 
 als den Anteil denken kann,
der entsteht, wenn man besagten Keks in vier gleiche Teile zerbricht.
Einen Leitfaden zu einem formaleren Aufbau des Zahlensystems k"onnen Sie
in \ref{AuZ} finden.
\end{Beispiele}
%\nichtfinal{\begin{Bemerkungl}[\textbf{Mehrdeutigkeiten mit dem Komma als Trenner}]
%  Die Verwendung des Kommas als Trenner zwischen den Elementen einer Menge
%ist
%insofern problematisch, als $\{1,2\}$ nun einerseits als
%die Menge mit den beiden Elementen $1$ und $2$ verstanden werden kann,
%andererseits aber auch als
%die Menge mit  dem Dezimalbruch  $1,\!2$ als  einzigem Element.
%Was im Einzelfall gemeint ist, gilt es durch genaues Pr"ufen des Freiraums 
%%nach dem Komma zu erschlie"sen,
% oder noch besser aus dem
%Kontext. In diesem Text
%werden Dezimalbr"uche nur selten vorkommen.
%Es wird dahingegen  oft vorkommen, da"s sich 
%die Bedeutung einer Formel erst aus dem Kontext erschlie"st.
%\end{Bemerkungl}}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Herkunft des Gleichheitszeichens}] 
  Das Gleichheitszeichen\index{)8@$=$ Gleichheitszeichen} $=$ 
scheint auf ein 1557 von Robert Recorde
  publiziertes Buch zur"uckzugehen und soll andeuten, da"s das, was auf der
  linken und rechten Seite dieses Zeichens steht, so gleich ist wie die beiden
  Strichlein, die das uns heute so selbstverst"andliche Gleichheitszeichen
  bilden. Davor schrieb man statt einem Gleichheitszeichen meist $a\!\!\;e$
  f"ur \glqq "aquivalent\grqq.
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkunge}[\textbf{Diskussion der Notation}]
In  Texten, in deren Konventionen die Null
keine nat"urliche Zahl ist, verwendet man meist die
abweichenden Notationen $\DN$ f"ur die Menge  $\{1,2,\ldots \}$
und $\DN_0$\index{N@$\DN_0$} f"ur die Menge $\{0,1,2,\ldots \}$. 
Die in diesem Text verwendete Notation $\DN=\{0,1,2,\ldots \}$
stimmt mit 
der internationalen Norm ISO 31-11 "uberein. 
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}
  Die Bedeutung der Symbole $\DZ$ und $\DQ$ 
ist in der Mathematik weitgehend einheitlich. Man verwendet diesen
Schrifttypus auch sonst 
gerne f"ur  Symbole, die 
in ihrer Bedeutung "uber gro"se Teile der Mathematik
hinweg einheitlich verwendet werden. Bei der Bedeutung von $\DN$ ist man
allerdings nie ganz sicher, ob die Null mitgemeint ist. In den Konventionen dieses Textes gilt $0\in\DN$. 
\end{Bemerkungl}



  \begin{Bemerkungl}\label{Kard}
    Eine Menge, die nur endlich viele Elemente hat, nennen wir eine {\bf
      endliche Menge}.\index{endlich!Menge} Eine pr"azisere Definition dieses
    Konzepts wird in \eref{eue}{LA1} gegeben.  Wir vereinbaren
bereits hier, da"s wir
  auch  die leere Menge 
    endlich nennen. 
 Die Zahl der Elemente einer endlichen Menge $X$
    nennen wir ihre {\bf Kardinalit"at}\index{Kardinalit"at} oder {\bf
      M"achtigkeit}\index{M"achtigkeit}\index{card@$\op{card}$} und notieren
    sie $$|X|$$ oder $\op{card}(X)$.\index{)5@${\mid}\;{\mid}$ Kardinalit"at} In
    der Literatur findet man auch die Notation $\sharp X$.\index{)0a@$\sharp$
      Kardinalit"at} F"ur endliche Mengen 
$X$ ist demnach ihre Kardinalit"at stets eine
    nat"urliche Zahl $|X|\in\DN$ und $|X|=0$ ist gleichbedeutend zu $
    X=\emptyset$.
Ist $X$ unendlich, so schreiben wir bis auf weiteres
kurzerhand $|X|=\infty$ und
    ignorieren in unserer Notation, da"s auch unendliche Mengen \glqq verschieden
    gro"s\grqq\  sein k"onnen. F"ur ein Beispiel f"ur
    \glqq verschieden gro"se unendliche Mengen\grqq\ siehe \eref{QR}{AN1} und f"ur
    eine genauere Diskussion des Begriffs der Kardinalit"at vergleiche  \eref{KaZa}{AL}.
      \end{Bemerkungl}





\subsection{Teilmengen}
\label{Tm} 
\begin{Definition}
  Eine Menge $Y$ hei"st
  {\bf Teilmenge}\index{Menge!Teilmenge}\index{Teilmenge}
  einer Menge $X$, wenn jedes Element
von $Y$ auch ein Element von $X$ ist. Man schreibt daf"ur $Y\subset  X$
oder $X \supset Y$.
\end{Definition}
\begin{Beispiel} Die leere Menge Teilmenge jeder Menge,
in Formeln  $\emptyset \subset X$. 
$\{x\} \subset X $ ist gleichbedeutend zu $ x \in X$.
 Es gilt $\emptyset\subset \{2,1\}\subset\DZ\subset\DQ$.
\end{Beispiel}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Elemente und Teilmengen}]
  Es ist im Kontext der Mengenlehre wichtig, bei einer Menge $X$ sorgf"altig zu unterscheiden zwischen ihren Elementen und ihren Teilmengen. Gegeben ein Element $x\in X$ ist f"ur uns das Element $x\in X$ etwas anderes als
  die Teilmenge $\{x\}\subset X$, die nur aus dem einzigen Element $x$ besteht.
 Gegeben eine Menge $X$ mit einer 
Teilmenge $Y\subset X$ sage ich 
auch, $X$ {\bf umfa"st} $Y$. Gegeben ein Element $x\in X$ sage ich,
$x$ {\bf geh"ort zu} $X$.\label{geho}  
Andere Sprechweisen m"ochte ich ungern auf eine so pr"azise Bedeutung festlegen.
Gegeben eine Teilmenge $Y\subset X$ kann man sagen, \glqq $Y$ sei enthalten in
$X$\grqq\  oder \glqq $Y$ liege in $X$\grqq, 
und gegeben ein Element $x\in X$ kann man auch sagen,
\glqq $x$ sei enthalten in
$X$\grqq\  oder \glqq $x$ liege in $X$\grqq. 
Was genau gemeint ist, gilt es dann aus dem Kontext zu erschlie"sen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}]
  Gegeben eine Menge $X$ verwenden wir die Schreibweise $Y\subsetneq X$
  als Abk"urzung f"ur $(Y\subset X$ und $Y\neq X)$. Eine von der ganzen
  Menge verschiedene Teilmenge $Y$ einer Menge $X$ nennen wir auch eine
  {\bf echte\index{Teilmenge!echte}\index{echt!Teilmenge}
    Teilmenge von $X$}. Bei diesen Notationen folgen wir Cantor und Bourbaki,
  die sehr viel sp"ater festgelegte  internationalen Norm ISO 31-11 weicht jedoch davon ab. In der
  folgenden Tabelle stellen wir diese beiden Konventionen einander
  gegen"uber.
 \begin{center} \begin{tabular}{c|c|c}
Cantor und Bourbaki &  Norm ISO 31-11&  Bedeutung\\[1mm] \hline
&\\
$\subset$ & $\subseteq$ & ist Teilmenge von\\[1mm]
$\subsetneq$ & $\subset$ & ist echte Teilmenge von\\[1mm]
\end{tabular}
 \end{center}
Ich ziehe die Konvention von Cantor und Bourbaki vor,
weil ich sie gewohnt bin und weil man sehr oft
Teilmengen zu betrachten hat und nur vergleichsweise selten echte Teilmengen.
Ich  mu"s jedoch zugeben, da"s die in diesem Text gew"ahlte Notation
$\subset, \subsetneq$ mit den "ublichen  Notationen $\leq,<$ f"ur Ungleichungen 
 weniger gut zusammenpa"st als die Konvention nach ISO 31-11.
\end{Bemerkungl}






  \begin{Bemerkungl}
    Oft bildet man neue  Mengen als Teilmengen bestehender Mengen.
    Gebr"auchlich ist dazu eine Notation\index{)0a@$\mid$ Notation bei
      Teilmengen}, bei der man zwischen den
    Mengenklammern hinter einem senkrechten
    Strich dazuschreibt, welche zus"atzliche Eigenschaft die Elemente einer
    Teilmenge haben sollte, so da"s man Teilmengen $Y$ einer Menge
    $X$ angeben kann in der Form 
    $$Y= \{x\in X \mid x \text{ hat eine zus"atzlich noch gewisse Eigenschaft}\}$$
  Zum Beispiel
    gilt $\DN = \{a \in \DZ \mid a \geq 0\}$, lies \glqq die Menge der nat"urlichen Zahlen ist die Teilmenge der Menge der ganzen Zahlen bestehend aus allen ganzen Zahlen, die $\geq 0$ sind\grqq, und $\{0,1\} = \{a \in \DN \mid
    a^{2}=a\}$.
  \end{Bemerkungl}


% \begin{Bemerkungl}
%   Bereits an dieser Stelle ist unsere Notation nicht 
% eindeutig: Ich wollte mit $\{0,1\}$ die zweielementige Menge mit
% den beiden Elementen Null und Eins andeuten,
% das  k"onnte jedoch auch als die Menge mit
% der Dezimalzahl $0,\!1$ als einzigem Element interpretiert 
% werden. Es wird noch oft vorkommen, da"s sich 
% die Bedeutung einer Formel erst aus dem Kontext erschlie"st.
% Im folgenden werden Kommas fast 
% nie als Kommas einer Dezimalzahl zu verstehen sein.
% Beim genauen Hinsehen kann man am Abstand hinter dem Komma 
% erkennen, wann doch eine Dezimalzahl gemeint ist.
% \end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{MeKo}
Es ist auch erlaubt, die \glqq Menge aller Teilmengen\grqq\  einer gegebenen Menge
$X$ zu bilden. Sie hei"st die {\bf Potenzmenge\index{Menge!Potenzmenge}
 von}\index{Potenzmenge}\index{P@$\cal{P}(X)$ Potenzmenge} $X$ und wird 
$\cal{P}(X)$ oder $\op{Pot}(X)$ 
notiert.\index{Pot@$\op{Pot}(X)$ Potenzmenge} 
\end{Definition}

\begin{Beispiel} Die Potenzmenge $\cal{P}(\{1,2,3\})$ kann man als die Menge
  aller m"oglichen Ausg"ange einer Versuchsanordnung interpretieren, bei der
  man dreimal eine M"unze wirft. Dazu mag man etwa jedem
  Ausgang die Menge der Wurfnummern zuordnet, bei denen
  Wappen herauskam. So w"urde  etwa
  dem Ausgang WZW die Teilmenge $\{1,3\}$ zugeordnet.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Kardinalit"at der Potenzmenge}] 
Ist $X$ eine endliche Menge, so ist auch ihre
Potenzmenge endlich und es gilt die Formel  $|\cal{P}(X)|=2^{|X|}$. F"ur
die drei-ele\-men\-ti\-ge Menge 
$X=\{1,2,3\}$ besteht ihre Potenzmenge $\cal{P}(X)$  zum Beispiel 
aus $8=2^3$  Elementen und wir haben genauer
$$\cal{P}(X)=\big\{\emptyset,\{1\},\{2\},\{3\},\{1,2\},
\{1,3\},\{2,3\},\{1,2,3\}\big\}$$
Die Teilmenge $\{1\}\subset \{1,2,3\}$, die nur aus dem Element $1$ besteht, ist also
ein Element der Potenzmenge $\{1\}\in \cal{P}(\{1,2,3\})$.
Das Element $1$ ist dahingegen kein Element der Potenzmenge, sondern
ein Element der ursprünglichen Menge $1\in \{1,2,3\}$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Satz}[\textbf{Bedeutung der Binomialkoeffizienten}]
Gegeben nat"urliche Zahlen 
$n,k\in \DN$ gibt der 
\hyperref[BiKoe]{Binomialkoeffizient} ${n\choose k}$ 
die Zahl der $k$-elementigen Teilmengen 
einer $n$-ele\-men\-tigen Menge an.\label{BK}  
In Formeln ausgedr"uckt haben wir unter der Annahme $|X|=n$ also
$$ |\{ Y\subset X\mid |Y|=k\}|=\textstyle{{n\choose k}}$$
\end{Satz}


\begin{proof}[Beweis]
Vollst"andige Induktion "uber $n$. F"ur $n=0$ gilt die Aussage, denn eine
nullelementige Menge hat genau eine $k$-elementige Teilmenge falls
$k=0$ und keine $k$-elementige Teilmenge falls $k\geq 1$.
Nehmen wir nun an, die Aussage sei f"ur ein $n$ schon bewiesen.
Eine $(n+1)$-elementige Menge $X$ schreiben wir als $X=M\cup \{x\}$ mit dem
gleich in \ref{MGKK} formal eingef"uhrten Vereingungszeichen $\cup$, wo
$M$ eine $n$-elementige Menge ist und $x \not\in M$.
Ist $k=0$, so gibt es genau eine $k$-elementige Teilmenge von $M\cup \{x\}$,
n"amlich die leere Menge.
Ist $k\geq 1$, so gibt es in $M \cup \{x\}$ nach 
Induktionsannahme genau ${n\choose k} $
$k$-elementige Teilmengen, die $x$ nicht enthalten.
Die $k$-elementigen Teilmengen dahingegen, die $x$ enthalten,
ergeben sich durch Hinzunehmen von $x$ aus den
$(k-1)$-elementigen Teilmengen von $M$, von denen es gerade ${n\choose k-1}$
gibt. Insgesamt hat $M \cup \{x\}$ damit  also genau
${n\choose k} + {n\choose k-1} ={n+1\choose k}$ 
Teilmengen mit genau $k$ Elementen.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Wieder scheint mir dieser Beweis in der f"ur vollst"andige
Induktion typischen Weise undurchsichtig. Ich ziehe deshalb den
in \eref{BBK}{EIN} gegebenen weniger formellen 
Beweis vor. Man kann auch diesen Beweis  formalisieren und
verstehen als Spezialfall der sogenannten 
\glqq\hyperref[BF]{Bahnformel}\grqq, 
vergleiche \eref{BIKON}{LA2}.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Variante zum Beweis der binomischen Formel}] 
Wir geben nun die versprochene pr"azise 
Formulierung unseres ersten Beweises der binomischen Formel \eref{BiFoA}{EIN}.
Wir rechnen dazu\label{PFB}
$$(a+b)^n=\sum_{Y\subset\{1,2,\ldots,n\}} a^{|Y|} b^{n-|Y|}$$
Die rechte Seite  soll hier in Verallgemeinerung der in 
 \eref{Summ}{EIN} eingef"uhrten
Notation bedeuten, da"s wir f"ur jede Teilmenge
$Y$ von $\{1,2,\ldots,n\}$ den angegebenen Ausdruck $a^{|Y|} b^{n-|Y|}$
nehmen und alle diese Ausdr"ucke aufsummieren.
Dann fassen wir gleiche Summanden
zusammen und erhalten mit \ref{BK} die binomische Formel.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}
Es gilt $\sum_k{n\choose k}=2^n$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige $(a+b+c)^n=\sum_{i+j+k=n}\frac{n!}{i!j!k!} a^{i} b^{j}c^k$.
\end{Ubung}
\subsection{Mengenoperationen}
\label{Mop} 
\begin{Definition}
Wir erinnern, da"s wir $\pdef$ als Abk"urzung f"ur \glqq ist definiert als\grqq\ verwenden und da"s \glqq oder\grqq\ in der Mathematik stets das \glqq nichtausschlie"sende oder\grqq\ meint. Gegeben zwei Mengen $X,Y$ k"onnen  wir 
unter anderem auf folgende  Weisen neue Mengen
bilden:\label{MGKK} 
\begin{enumerate}
\item
Die {\bf Vereinigung}\index{Vereinigung} 
$X\cup Y \pdef \{z \mid z \in X \text{ oder } 
z \in Y\}$,\index{)ucup@$\cup$ Vereinigung}
zum Beispiel ist $\{1,2\} \cup \{2,3\} = \{1,2,3\}$;
\item
Den {\bf Schnitt}\index{Schnitt!zweier Mengen} oder 
auch {\bf Durchschnitt}\index{Durchschnitt!zweier Mengen} 
$X\cap Y \pdef \{z \mid z \in X \text{ und } z \in Y\}$, 
zum\index{)9cap@$\cap$ Schnitt} Beispiel ist
$\{1,2\}\cap \{2,3\} = \{2\}$;
\begin{figure}[h]
  \centering
    \includegraphics[height=0.25\textheight]{SkriptenBilder/BildMop}
\\
\noindent
Van-de-Ven-Diagramme f"ur Vereinigung, Schnitt und Differenz
\end{figure}
\item
Die {\bf Differenz}\index{Differenz!von Mengen}
$X \backslash Y \pdef \{z \in X \mid z \not\in Y\}$, 
zum\index{)2@$X \backslash Y$ Differenz von Mengen} 
Beispiel haben wir
$\{1,2\}\backslash \{2,3\} = \{1\}$. Man schreibt statt $X \backslash Y$
auch $X{-}Y$.\index{)8a@${-}$ Differenz von Mengen} 
Ist $Y$ eine Teilmenge von $X$, so hei"st $X \backslash Y$
das {\bf Komplement}\index{Komplement} von $Y$ in $X$
oder ausf"uhrlicher die {\bf Komplementmenge};\index{Komplementmenge}
\item
Das {\bf Produkt}\index{kartesisch!Produkt!von zwei Mengen} 
$X \times Y \pdef\{(x,y)\mid x \in X,\; y\in Y\}$
oder ausf"uhrlicher  {\bf kartesische Produkt}.\index{)x@$\times$!kartesisches Produkt}
Es gilt also $(x,y)= (x^{\prime},
y^{\prime})$ genau dann, wenn gilt $x=x^{\prime}$ und $y=y^{\prime}$.
Zum Beispiel haben wir
$$\{1,2\} \times \{1,2,3\} = \{(1,1),(1,2),(1,3),(2,1),(2,2),(2,3)\}$$
Oft benutzt man f"ur das Produkt $X\times X$ 
einer Menge $X$ mit sich
selbst die Abk"urzung 
$X^2 \pdef X\times X$\index{)6\2@$X^2 =X\times X$} und nennt das
die Menge aller
{\bf angeordneten Paare}\index{Paar!angeordnetes} von
Elementen von $X$.
\end{enumerate} 
 \begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPe}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschauliche Darstellung des Produkts einer Menge mit f"unf und einer
Menge mit drei Elementen.
Hier  wird ein Paar $(x,y)$ dargestellt durch einen
fetten Punkt, der "uber $x\in X$ und neben $y\in Y$ liegt.
\end{minipage}
 \end{figure}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKar}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Dies Bild mu"s anders interpretiert werden als das vorherige. 
Die Mengen $X$ und $Y$ sind nun zu verstehen als die 
Mengen der Punkte der
vertikalen und horizontalen Geradensegmente und ein Punkt
des Quadrats meint das Element $(x,y)\in X\times Y$, das
in derselben H"ohe wie $y\in Y$ senkrecht "uber $x\in X$ liegt. 
\end{minipage}
 \end{figure}

\end{Definition}




\begin{Bemerkungl}
  Eine gute Anschauung f"ur die ersten drei Operationen liefern
die sogenannten {\bf van-de-Ven-Dia\-gram\-me},\index{van-de-Ven-Dia\-gramm} wie sie die
nebenstehenden Bilder
zeigen.
Sie sind allerdings nicht zu genau zu hinterfragen,
denn ob die Punkte auf einem Blatt Papier 
im Sinne von Cantor \glqq bestimmte wohlunterschiedene
Objekte unserer Anschauung\grqq\  
sind, scheint mir nicht ohne weiteres so klar.
Wenn man jedoch jedes der schraffierten Gebiete im Bild
als die Menge aller darin liegenden 
Kreuzungspunkte auf einem dazugedachten
Millimeterpapier auffa"st und keine dieser Kreuzungspunkte auf
den Begrenzungslinien liegen, 
so k"onnen sie wohl schon als eine Menge im Cantor'schen
Sinne angesehen werden. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Zwei Teilmengen einer gegebenen Menge, 
die kein gemeinsames Element haben, hei"sen 
{\bf disjunkt}\index{disjunkt}.\index{)c@$\subset$ 
  Teilmenge} "Aquivalent dazu ist die Bedingung, da"s ihr Schnitt
die leere Menge ist.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Mehrdeutigkeiten mit dem Komma als Trenner}] 
  Die Verwendung des Kommas als Trenner ist hier
problematisch, da $(1,2)$ nun 
zweierlei bedeuten kann: Zum einen
ein Element des kartesischen Produkts $\DN\times\DN$,
zum anderen aber auch den eingeklammerten Dezimalbruch  $1,\!2$.
Was im Einzelfall gemeint ist, gilt es aus dem
Kontext zu erschlie"sen. In diesem Text
werden Dezimalbr"uche nur selten vorkommen.
In deutschen Schulb"uchern verwendet man f"ur angeordnete Paare meist
die abweichende Notation $(x|y)$, um auch Paare von Dezimalbr"uchen
unmi"sverst"andlich notieren zu k"onnen.\index{\mid@$(x{\mid} y)$ Notation f"ur Paare}\index{)5)@$(x{\mid} y)$ Notation f"ur Paare}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
  Die Bezeichnung als \glqq Schnitt\grqq\ kommt wohl
  her von der Vorstellung des Schnitts zweier Geraden, wenn
  man sie als Teilmengen der Ebene denkt und diese
  hinwiederum als ein Blatt Papier, das man l"angs der einen
  Gerade entzweischneiden kann. Der Punkt, an dem die
  andere Gerade entzweigeschnitten wird, ist dann der Schnittpunkt
  und der Schnitt unserer beiden Geraden besteht genau aus diesem
  einen Punkt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Mengenlehre und das Bilden von Begriffen}] 
  Wir werden in unserer naiven Mengenlehre die ersten 
drei Operationen \glqq Vereinigung\grqq, \glqq Schnitt\grqq\
und \glqq Differenz\grqq\
aus \ref{MGKK} nur
 auf Teilmengen einer gemeinsamen 
Obermenge anwenden, die uns in der einen oder anderen
  Weise bereits zur Verf"ugung steht.
Die Potenzmenge und das kartesische Produkt dahingegen 
benutzen wir, um dar"uber hinaus neue Mengen zu erschaffen. 
Diese Konstruktionen erlauben es, im Rahmen  der Mengenlehre 
so etwas wie Abstraktionen zu bilden: Wenn wir uns etwa
die Menge $T$ aller an mindestens einem Tag der Weltgeschichte lebenden
oder gelebt habenden
Tiere als eine Menge im Cantor'schen Sinne denken, 
so w"urden wir Konzepte wie
\glqq m"annlich\grqq\  oder \glqq Hund\grqq\  oder \glqq Fleischfresser\grqq\  
formal als Teilmengen dieser Menge
 alias als Elemente
von $\cal{P}(T)$ formalisieren.
Das Konzept \glqq ist Kind von\grqq\  w"urde dahingegen formalisiert
als eine Teilmenge $K\subset T\times T$ des kartesischen Produkts 
unserer Menge $T$ mit sich selbst alias
als ein Element  $K\in \cal{P}(T\times T)$, n"amlich als die Teilmenge
$$K\pdef \{(x,y)\in T\times T\mid x\text{ ist Kind von }y\}$$
\end{Bemerkungl}


\begin{fBild}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0001}\\[4mm]
%\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0001}\\[4mm]
$X \cap (Y\cup Z)= (X\cap Y)\cup (X \cap Z)$ 
\end{fBild}
\begin{fBild}[p] 
\centering
\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0007}\\[4mm]
%\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0007}\\[4mm]
$X \setminus (Y\cap Z)= (X\setminus Y)\cup (X \setminus Z)$ 
\end{fBild}
\begin{Bemerkungl}\label{VMR}
F"ur das Rechnen mit Mengen "uberlegt man sich die folgenden
Regeln, die ich gleich mit ihren "ublichen Bezeichnungen angebe:
$$\begin{array}{lrcl}
\text{\bf Assoziativgesetze:}&X \cap (Y\cap Z)&=& (X\cap Y)\cap  Z\\
&X \cup (Y\cup Z)&=& (X\cup Y) \cup  Z\\[2mm]
\text{\bf Distributivgesetze:}&X \cup (Y\cap Z)&=& (X\cup Y)\cap (X \cup Z)\\
&X \cap (Y\cup Z)&=& (X\cap Y) \cup (X \cap Z)\\[2mm]
\text{\bf de Morgan'sche Regeln:\index{de Morgan'sche Regeln}}&X\backslash (Y\cup Z) & = & (X \backslash Y) \cap (X\backslash Z)\\
&X \backslash(Y\cap Z)&=& (X\backslash Y) \cup (X \backslash Z)\\[2mm]
\text{\bf Komplement der Differenzmenge:}&X \backslash (X\backslash Y)&=& X \cap Y
\end{array}$$  
Eine gute Anschauung f"ur diese Regeln liefern
die van-de-Ven-Dia\-gramme, wie  die
nebenstehenden Bilder
zeigen. Das liegt daran, da"s alle acht m"oglichen Lagen
in Bezug auf unsere drei Mengen in diesen Diagrammen als
Fl"achen zu sehen sind.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Ich zeige beispielhaft die Regel $X \cup (Y\cap Z)= (X\cup Y)\cap (X \cup Z)$.
Es reicht, statt der Gleichheit die beiden Inklusionen $\subset$ und
$\supset$ zu zeigen.
\\[2mm]\noindent
Ich beginne mit $\subset$.
Sicher gilt $(Y\cap Z)\subset Y$, also auch $X\cup (Y\cap Z)\subset X\cup Y$.
Ebenso zeigt man  $X\cup (Y\cap Z)\subset X\cup Z$ und damit folgt
schon mal $\subset $.
\\[2mm]\noindent
Bleibt noch $\supset$ zu zeigen. Das will mir nur durch 
Betrachtung von Elementen gelingen. Gegeben $a\in (X\cup Y)\cap (X \cup Z)$
gilt entweder $a\in X$ oder $a\not\in X$. Falls $a\in X$ haben wir eh
$a\in X\cup (Y\cap Z)$. Falls $a\not\in X$  folgt aus 
$a\in(X\cup Y)\cap (X \cup Z)$ erst  $a\in(X\cup Y)$ und
dann $a\in Y$ und weiter erst  $a\in(X\cup Z)$ und dann $a\in  Z$, 
also $a\in Y\cap Z\subset X \cup (Y\cap Z)$.
Wir haben somit gezeigt, da"s jedes Element $a$ von $(X\cup Y)\cap (X \cup Z)$
auch zu $X \cup (Y\cap Z)$ geh"ort. Damit folgt die behauptete Inklusion $\supset $.
\end{Bemerkungl}


\begin{fBild}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPro}\\
\noindent
Aus $X=X_1\cup X_2$ und $Y=Y_1\cup Y_2$ folgt noch lange nicht
$X\times Y=(X_1\times Y_1)\cup (X_2\times Y_2)$
\end{fBild}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Das Russell'sche Paradoxon}] 
Ich will nicht verschweigen, da"s der 
in diesem Abschnitt dargestellte
naive Zugang zur Mengenlehre\label{WHK} 
durchaus begriffliche Schwierigkeiten  mit 
sich\index{Russell'sches Paradoxon} 
bringt: Zum Beispiel darf die Gesamtheit $\cal{M}$ 
aller Mengen nicht als Menge angesehen werden, da wir sonst die 
\glqq Menge aller Mengen, die sich nicht selbst als Element enthalten\grqq,
 gegeben durch die formelhafte Beschreibung
$\cal{N}=\{A\in \cal{M}\mid A\not\in A\}$, 
bilden k"onnten. F"ur diese Menge kann aber weder $\cal{N}\in\cal{N}$
noch $\cal{N}\not\in\cal{N}$ gelten.
Diese Art von Schwierigkeiten kann erst ein formalerer
Zugang kl"aren und aufl"osen, bei dem man unsere naiven Vorstellungen
durch Ketten von Zeichen aus einem wohlbestimmten endlichen
Alphabet ersetzt und unsere Vorstellung von
Wahrheit durch die Verifizierbarkeit 
vermittels rein algebraischer \glqq erlaubter Manipulationen\grqq\  
solcher Zeichenketten, die in \glqq Axiomen\grqq\  festgelegt werden.
Diese Verifikationen kann
man dann durchaus 
auch einer Rechenmaschine "uberlassen, so da"s 
wirklich auf \glqq objektivem\grqq\  Wege entschieden werden kann, 
ob ein \glqq Beweis\grqq\  f"ur die \glqq Richtigkeit\grqq\  
einer unserer Zeichenketten in einem
vorgegebenen axiomatischen Rahmen stichhaltig ist.
Allerdings kann in derartigen Systemen von einer  
Zeichenkette algorithmisch nur entschieden werden, 
ob sie eine \glqq sinnvolle Aussage\grqq\ 
ist, nicht aber, ob sie \glqq bewiesen\grqq\  werden kann. 
Noch viel st"arker zeigt der Unvollst"andigkeitssatz von G"odel, 
da"s es in einem derartigen axiomatischen Rahmen, sobald er 
reichhaltig genug ist f"ur eine 
Beschreibung des Rechnens mit nat"urlichen Zahlen,
stets sinnvolle
Aussagen gibt derart, 
da"s entweder sowohl die Aussage als auch  ihre Verneinung oder aber
weder die Aussage noch ihre Verneinung bewiesen werden k"onnen.
Mit diesen und "ahnlichen Fragestellungen  
besch"aftigt sich die Logik. 
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungw}[\textbf{Weitere Konstruktionen der Mengenlehre}]
Um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, w"ahrend des Spiels die 
Spielregeln "andern zu wollen, sei bereits hier erw"ahnt, 
was noch hinzukommen soll.
Die einzigen grundlegenden Konstruktionen, die
noch fehlen, sind das Bilden der \glqq disjunkten Vereinigung\grqq\ 
und des \glqq kartesischen Produkts\grqq\  
zu einer \glqq beliebigen  Mengenfamilie\grqq\  in \eref{SPVb}{LA2} und \eref{SPVn}{LA2}. 
In  \eref{SVMF}{AN1} besprechen wir weiter Schnitt und Vereinigung 
einer \glqq beliebigen  Familie von Teilmengen einer gegebenen Menge\grqq. 
In \eref{ZoLe}{LA1} werden einige weniger offensichtliche
Argumentationen im Zusammenhang mit dem
sogenannten \glqq Zorn'schen Lemma\grqq\  erl"autert, die 
meines Erachtens bereits an den Rand dessen gehen,
was man in unserem informellen Rahmen 
der naiven Mengenlehre als Argumentation noch vertreten kann.
In \eref{NatZ}{LA1}  wird
die Konstruktion der nat"urlichen Zahlen im
Rahmen der Mengenlehre diskutiert, insbesondere geben wir erst dort
eine formale Definition des Begriffs einer endlichen Menge. 
 Sicher  ist es 
in gewisser Weise unbefriedigend, 
das Fundament des Hauses der Mathematik erst fertigzustellen, 
wenn  bereits  erste Stockwerke stehen und bewohnt sind.
Andererseits will ich aber auch vermeiden, da"s Sie mir  auf einem
gewaltigen Fundament, das die ganze Mathematik tragen kann,
 im ersten Winter(semester) j"ammerlich erfrieren. 
\end{Bemerkungw}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Der Sinn von Genauigkeit und sorgf"altiger Sprache}]
 Ich k"onnte mir gut vorstellen, da"s verschiedene meiner Leser denken,
diese ganze Pedanterie sei doch eigentlich "uberfl"ussig 
und jetzt sollten
wir doch einfach mal fr"ohlich losrechnen wie das in der 
Schule ja auch sehr gut ging. Ich will hier 
erkl"aren, warum  Pedanterie
in diesem Zusammenhang  wichtig ist. Viele von Ihnen werden wissen,
wie man mit einem einfachen Blatt Papier zum Mond kommt: $42$-mal
Falten und draufsteigen, das war's schon. So "ahnlich ist es in der
Mathematik: Etwas v"ollig Banales wie die naive Mengenlehre wird
in den etwa drei"sig Vorlesungsdoppelstunden des Wintersemesters 
jedes Mal von neuem gefaltet und wenn Sie dann am Ende des
Wintersemesters zur"uckblicken, kann Ihnen
schon leicht schwindlig werden. Das funktioniert mit wirklichem Papier 
nur eingeschr"ankt, aber wenn man sehr festes und glattes 
\glqq Gedankenpapier\grqq\ nimmt, und solches
Gedankenpapier ist eben gerade die Mengenlehre,
dann klappt es verbl"uffend gut.
 Man mu"s dazu aber mit der Herstellung dieses 
Gedankenpapiers ebenso wie beim Falten  sorgf"altig sein
bis zur Pedanterie, denn 
auch die kleinste Ungeschicklichkeit 
 vervielfacht sich bei diesem Vorgehen 
mit derselben Schnelligkeit wie die gedankliche H"ohe 
 und bringt, eh man sich's versieht, alles zum
Einsturz. 
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Sind $X$ und $Y$ endliche Mengen, so gilt f"ur die Kardinalit"aten
$|X\times Y|=|X|\cdot|Y|$ und $|X\cup Y|
=|X|+|Y|-|X\cap Y|$.\label{EFGl}
\end{Ubung}



\subsection{Abbildungen}
\label{AnB} 
\begin{Definition}
Seien $X,Y$ Mengen. Eine {\bf Abbildung}\index{Abbildung}
\index{)4@$\ra$ Abbildung}
$f: X \ra Y$ ist eine Zuordnung, die
jedem Element $x\in X$ genau ein Element $f(x)\in Y$ zuordnet, 
das {\bf Bild}\index{Bild}
von $x$ unter $f$, auch genannt der {\bf Wert}\index{Wert} 
von $f$ an der Stelle $x$. Man spricht dann auch vom
{\bf Auswerten}\index{Auswerten} der Funktion $f$ an der Stelle $x$
oder vom {\bf Einsetzen}\index{Einsetzen} von $x$ in $f$ und schreibt
manchmal abk"urzend $f(x)=fx$.
\end{Definition}
\begin{fBild}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/Bild0002}
\\ \noindent Eine  Abbildung einer Menge mit
f"unf in eine mit drei Elementen
\end{fBild}
\begin{fBild}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/Bildgr}\\
\noindent
Der Graph der oben angegebenen Abbildung, wobei das $X$ oben mit dem
$X$ hier identifiziert wurde durch \glqq Umkippen nach Rechts\grqq\ 
\end{fBild}
\begin{Bemerkungl}
 Wem das zu vage ist, der mag die alternative Definition vorziehen,
nach der
eine {\bf Abbildung}\index{Abbildung} 
$f:X \ra Y$  eine Teilmenge\label{DFA} 
$f\subset X \times Y$ ist derart, da"s es f"ur jedes $x \in X$ genau ein
$y \in Y$ gibt mit $(x,y) \in f$.
Dies eindeutig bestimmte $y$ schreiben wir dann $f(x)$ und sind
auf einem etwas formaleren Weg wieder
an demselben Punkt angelangt. 
In unseren Konventionen nennen wir besagte Teilmenge 
den {\bf Graphen von} $f$\index{Graph!einer Abbildung}
 und notieren sie mit 
dem Symbol
$\Gamma$ (sprich: Gamma),\index{G@$\Gamma(f)$ Graph von $f$}
einem gro"sen griechischen G, und schreiben
$$\Gamma(f)\pdef \{(x,f(x))\mid x\in X\}\subset X\times Y$$
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Ist $f:X \ra Y$ eine Abbildung, so nennen wir $X$ ihren {\bf
Definitionsbereich}\index{Definitionsbereich}
und $Y$ ihren {\bf Wertebereich}\index{Wertebereich}.
Zwei Abbildungen nennen wir gleich, wenn sie denselben
Definitionsbereich\label{EnSS} 
$X$, denselben Wertebereich $Y$ und dieselbe 
Abbildungsvorschrift $f\subset X \times
Y$ haben.
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Die Notationen $\ra$ und $\mapsto$}]
Wir notieren Abbildungen oft in der Form\index{)4@$\mapsto$ wird abgebildet auf}
$$\begin{array}{rccl}
f:&X & \ra & Y\\
&x & \mapsto & f(x)
\end{array}$$  
und in verschiedenen Verk"urzungen dieser Notation. Zum Beispiel sprechen wir
von \glqq einer Abbildung $\DN\ra \DN$ von
der Menge der nat"urlichen Zahlen in sich selber\grqq\  
oder \glqq der Abbildung $n\mapsto n^3$ von
der Menge der nat"urlichen Zahlen in sich selber\grqq.
Wir benutzen unsere zwei Arten von Pfeilen 
$\ra$ und $\mapsto$ auch 
im allgemeinen in derselben Weise.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
F"ur jede Menge $X$ haben wir 
die {\bf identische Abbildung}\index{Abbildung!identische} oder
{\bf Identit"at}\index{Identit"at}\index{id}
$$\begin{array}{rccc}
\op{id}=\op{id}_X :& X &\ra &X\\
&x & \mapsto& x
\end{array}\hspace{15mm}$$
Ein konkreteres Beispiel f"ur eine Abbildung ist das Quadrieren
$$\begin{array}{rccl}
q :& \DZ &  \ra & \DZ \\
&n& \mapsto & n^{2}
\end{array}$$  
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
Gegeben zwei Mengen $X,Y$ erkl"art man die 
{\bf Projektionsabbildungen}
oder {\bf Projektionen}\index{Projektion!bei zwei Mengen}
$\op{pr}_X:X\times Y\ra X$ beziehungsweise $\op{pr}_Y:X\times Y\ra Y$
durch\index{pr@$\op{pr}_X$!Projektion}
die Vorschrift $(x,y)\mapsto x$ beziehungsweise $(x,y)\mapsto y$.
In manchen Zusammenh"angen notiert man sie auch abweichend
$\op{pr}_1$ und $\op{pr}_2$ f"ur die \glqq Projektion
auf die erste beziehungsweise zweite
Komponente\grqq.
\end{Beispiel}


\begin{Definition}
  Sei $f:X \ra Y$ eine Abbildung.\label{BiMeA}\begin{enumerate}
   \item Gegeben eine Teilmenge $A \subset X$
erkl"aren wir das {\bf Bild von $A$ unter $f$},\index{Bild!einer Teilmenge} 
eine Teilmenge  $f(A)\subset Y$, durch
$$f(A) \pdef \{y\in Y \mid \text{Es gibt }x \in A\text{ mit }f(x)=y\}$$
\item Gegeben eine Teilmenge $B \subset Y$
erkl"aren wir das
{\bf Urbild von $B$ unter $f$}\index{Urbild!von Menge}, eine Teilmenge von 
$ f^{-1}(B)\subset X$, durch
$$f^{-1} (B) \pdef \{ x \in X \mid f(x) \in B\}$$ 
  \end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Das Bild von ganz $X$ nennen wir das {\bf Bild von $f$} und notieren es
$\op{im}(f)\pdef f(X)$. Das K"urzel $\op{im}$ 
steht 
f"ur franz"osisch und\index{im@$\op{im}$!Bild von Abbildung}  
englisch 
{\bf image}. 
\end{Bemerkungl}


 \begin{Beispiel}
  F"ur unsere Abbildung $q:\DZ\ra\DZ$, $n\mapsto n^2$ 
des Quadrierens von eben 
k"onnten wir  die Menge aller Quadratzahlen schreiben als\label{Bq}
$$q (\DZ) = \{a^{2} \mid a \in \DZ\}$$%\subset \DN 
 Ebenso w"are 
$\{ 2a \mid a \in \DN\}$ eine m"ogliche formelm"a"sige 
Darstellung der 
Menge aller geraden nat"urlichen Zahlen, und
$\{ab \mid a,b \in \DN , a \geq 2, b \geq 2\}$ w"are eine formelm"a"sige 
Darstellung 
der Menge aller nat"urlichen Zahlen, die nicht prim und auch nicht
Null oder Eins sind. 
 \end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}
Eine Abbildung, deren Bild aus h"ochstens einem Element besteht,
nennen wir eine 
{\bf konstante Abbildung}.\index{konstant!Abbildung}\index{Abbildung!konstante}
Eine Abbildung, deren Bild aus genau einem Element besteht,
nennen wir eine\label{einw} 
\defind{einwertige Abbildung}.\index{Abbildung!einwertige}
Eine einwertige Abbildung  ist 
also eine konstante Abbildung mit
nichtleerem Definitionsbereich.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Konstanten und konstante Abbildungen}] 
 Gegeben 
ein festes $c\in Y$
schreiben wir oft auch  kurz 
$c$ f"ur die konstante
Abbildung $X\ra Y$ gegeben durch $x\mapsto c$ f"ur alle $ x\in X$. 
Damit verbunden ist die Hoffnung, da"s aus dem Kontext klar wird, ob 
im Einzelfall die
Abbildung $c:X\ra Y$ oder das Element $c\in Y$ gemeint sind.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine Abbildung $f:X\ra Y$ ist formal $f^{-1}$  eine Abbildung 
$f^{-1}:\mathcal P(Y)\ra  \mathcal P(X)$
in der Gegenrichtung auf den Potenzmengen.
Besteht $B$ nur aus einem Element $x$, so schreiben wir auch
$f^{-1} (x)$ statt $f^{-1}(\{x\})$ und nennen diese Menge die
{\bf Faser}\index{Faser!einer Abbildung}\index{)6aa@$f^{-1}$ Urbild von Menge}
{\bf von $f$ \"{u}ber} $x$ oder {\bf bei} $x$. 
Das Quadrieren $q$ aus \ref{Bq} 
hat etwa die Faser  $q^{-1}(1)=\{1,-1\}$ bei $1$ und die Faser 
$q^{-1}(-1)=\emptyset$\label{Faser} 
bei $-1$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
Die Notation $f^{-1}(B)$ f"ur das Urbild einer Menge unter einer Abbildung
f"uhrt leicht zu Verwirrung, da man $a^{-1}$ aus
der Schule als alternative Notation f"ur den Bruch $a^{-1}=1/a$
gewohnt ist. Diese beiden Notationen sind nur entfernt verwandt und
werden beide in der Mathematik durchgehend verwendet. Was im Einzelfall 
gemeint ist, gilt es aus dem Kontext zu erschlie"sen.
\end{Bemerkungl}
\subsection{Verkn"upfung von Abbildungen}
\label{VerAA} 
\begin{Definition}\label{KkA}
Sind drei Mengen $X,Y,Z$ gegeben und dazwischen Abbildungen $f : X \ra Y$
und $g:Y \ra Z$, so definieren wir die 
{\bf Verkn"upfung}\index{Verkn"upfung!von Abbildungen}
unserer\index{)8a@$\circ$ Verkn"upfung!von Abbildungen}  
Abbildungen $f$ und $g$, eine Abbildung $g\circ f:X \ra Z$,
durch
die Vorschrift
$$\begin{array}{rccl}
g \circ f:& X & \ra & Z\\
&x & \mapsto & g(f(x))
\end{array}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
Die Notation $g\circ f$, sprich \glqq $g$ nach $f$\grqq, 
f"ur \glqq erst $f$, dann $g$\grqq\ 
ist gew"ohnungsbed"urftig, erkl"art sich aber durch die offensichtliche Formel
$(g \circ f) (x) = g(f(x))$. Ich sage, $g\circ f$ entstehe aus $g$ durch
{\bf Vorschalten von $f$}\index{Vorschalten von Abbildung} und
 aus $f$ durch
{\bf Nachschalten von $g$}.\index{Nachschalten von Abbildung}
Oft k"urzt man auch $g\circ f$ mit $gf$ ab. Mit dieser Abk"urzung
mu"s man jedoch sorgsam umgehen, da  im Fall von zwei Abbildungen
$f,g$ von derselben Menge in einen Zahlbereich, etwa $f,g:X\ra \DQ$,  
der Ausdruck $fg$ vielmehr 
f"ur die Abbildung $x\mapsto f(x)g(x)$ reserviert ist,
das sogenannte \glqq punktweise Produkt\grqq\ unserer beiden Funktionen. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}
  Betrachten wir zus"atzlich zum Quadrieren $q:\DZ \ra \DZ$ die
  Abbildung $t: \DZ \ra \DZ$, $x \mapsto x +1$, so gilt $(q\circ t) (x) =
  (x+1)^{2}$ aber $(t\circ q)(x) = x^{2}+1$. 
\end{Beispiel}







% \begin{Ubunge}\label{BiuB}
%   Sei $X$ eine Menge und $f:X\ra X$ eine Abbildung.
% Bezeichne $f^n=f\circ f\circ \ldots\circ f:X\ra X$ das 
% \glqq $n$-malige Ausf"uhren von $f$\grqq. 
% Im Extremfall $n=0$ verstehen wir $f^0=\op{id}$.
% Sei nun $C\subset X$ eine Teilmenge.
% Man zeige: 
% Stimmen f"ur ein $n\in\DN$  die Bildmengen $f^n(C)$ und $f^{n+1}(C)$ 
% "uberein,
% so gilt bereits $f^n(C)=f^{n+1}(C)=f^{n+2}(C)\ldots $
% Stimmen f"ur ein $n\in\DN$  die Urbildmengen $(f^n)^{-1}(C)$ und 
% $(f^{n+1})^{-1}(C)$ 
% "uberein,
% so gilt bereits $(f^n)^{-1}(C)=(f^{n+1})^{-1}(C)=(f^{n+2})^{-1}(C)\ldots $
% \end{Ubunge}


\begin{fBild}[p]\centering
\includegraphics[height=0.2\textheight]{SkriptenBilder/BildSurv}\\[4mm]
\noindent Eine Surjektion
\end{fBild}
\begin{fBild}[p]\centering
\includegraphics[height=0.2\textheight]{SkriptenBilder/BildInjv}\\[4mm]
\noindent Eine Injektion
\end{fBild}
\begin{fBild}[p]\centering
\includegraphics[height=0.2\textheight]{SkriptenBilder/BildBij}\\[4mm]
\noindent Eine Bijektion
\end{fBild}
\begin{Definition}\label{ISB}
Sei $f:X\ra Y$ eine Abbildung.
\begin{enumerate}
\item
$f$ hei"st {\bf injektiv}\index{injektiv!Abbildung} 
oder eine {\bf Injektion}\index{Injektion}, wenn
aus $x \neq x^{\prime}$ folgt $f(x)\neq f(x^{\prime})$. 
Gleichbedeutend ist die Forderung, da"s es f"ur jedes $y\in Y$
h"ochstens ein $x\in X$ gibt mit $f(x)=y$. 
Injektionen
schreibt man oft $\hra$.\index{)4@$\hra$ Injektion}
\item
$f$ hei"st {\bf surjektiv}\index{surjektiv!Abbildung} oder 
eine {\bf Surjektion}\index{Surjektion}, wenn
es f"ur jedes $y\in Y$ mindestens 
ein $x \in X$ gibt mit $f(x) =y$. Surjektionen
schreibt man manchmal $\sra$.\index{)4@$\sra$ Surjektion}
\item
$f$ hei"st {\bf bijektiv}\index{bijektiv!Abbildung} 
oder eine {\bf Bijektion}\index{Bijektion}, wenn
$f$ injektiv und surjektiv ist. Gleichbedeutend ist die Forderung, 
da"s es f"ur jedes $y\in Y$
genau ein $x\in X$ gibt mit $f(x)=y$. 
Bijektionen schreibt man oft $\sira$.\index{)4@$\sira$ Bijektion}
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Ist $X \subset Y$ eine Teilmenge, 
so ist die {\bf Einbettung}\index{Einbettung!einer Teilmenge} oder
{\bf Inklusion}\index{Inklusion} $i:X \ra Y$, $x\mapsto x$ stets injektiv.
Ist $g:Y\ra Z$ eine Abbildung und $X\subset Y$ eine Teilmenge,
so nennen wir
die Verkn"upfung $g\circ i$ von $g$ mit der Inklusion
auch die {\bf Einschr"ankung}\index{Einschr"ankung} von
$g$ auf $X$ und notieren sie $$g\circ i\defp g|X=g|_X:X\ra Z$$
Oft\index{\mid@$f{\mid}X$ Einschr"ankung auf $X$}\index{\mid@$f{\mid}_X$ Einschr"ankung auf $X$}
bezeichnen wir eine Einschr"ankung aber auch einfach mit 
demselben Buchstaben $g$ in der
Hoffnung, da"s der Leser aus dem Kontext erschlie"sen kann, 
welche Abbildung genau gemeint ist.  Das ist  nicht ganz unproblematisch:
So ist etwa unsere Abbildung $q : \DZ \ra \DZ$, $n\mapsto n^{2}$
nicht injektiv, ihre Restriktion zu einer Abbildung $q : \DN \ra \DZ$
ist aber durchaus injektiv.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Surjektion auf das Bild}] 
Ist\label{VStea} 
$f:X \ra Y$ eine Abbildung, so ist die Abbildung $f:X \ra f(X)$, $x\mapsto
f(x)$ stets surjektiv. Der Leser m"oge entschuldigen, da"s wir hier
zwei verschiedene Abbildungen mit demselben Symbol $f$ bezeichnet haben.
Das wird noch "ofter vorkommen. "Uberhaupt ignorieren wir, gegeben Mengen $X,Y$
und
eine Teilmenge $Z\subset Y$, im folgenden meist den Unterschied zwischen
einer \glqq Abbildung von $X$ nach $Y$, deren Bild in $Z$ enthalten ist\grqq\  und einer
\glqq Abbildung von $X$ nach  $Z$\grqq. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
Unsere Abbildung $q : \DZ \ra \DZ$, $n\mapsto n^{2}$ ist weder injektiv
noch surjektiv. Die Identit"at $\op{id} : X \ra X$ ist stets bijektiv.
Sind $X$ und $Y$ endliche Mengen, so gibt es genau dann eine
Bijektion von $X$ nach $Y$, wenn $X$ und $Y$ dieselbe 
Kardinalit"at haben, in Formeln $|X|=|Y|$.  
\end{Beispiele}


\begin{Satz}\label{InSu}
Seien $f:X \ra Y$ und $g :Y \ra Z$ Abbildungen.
\begin{enumerate}
\item
Ist $g\circ f$ injektiv, so ist $f$ injektiv;
\item
Sind $g$ und $f$ injektiv, so auch $g \circ f$;
\item
Genau dann ist $g$ injektiv, wenn 
f"ur beliebige Abbildungen $f_1,f_2:X \ra Y$
 aus $g\circ f_1 = g\circ f_{2}$ schon
folgt $f_1 = f_{2}$.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
"Ubung. Besonders elegant ist es, zun"achst die letzte 
Aussage zu zeigen, und dann die vorderen Aussagen
ohne weitere Betrachtung von Elementen zu folgern. 
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Universelle Eigenschaft von Injektionen}] 
  Sei $i:Y\hra X$ eine injektive Abbildung und $\varphi:Z\ra X$
  eine beliebige Abbildung. Genau dann gibt es eine Abbildung 
  $\tilde\varphi:Z\ra Y$ mit $i\circ \tilde\varphi=\varphi$, wenn
  gilt $\op{im}(\varphi)\subset \op{im}(i)$.\label{UEI}
  Nach dem Vorhergehenden ist diese Abbildung $\tilde\varphi$ dann sogar eindeutig
  bestimmt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}\label{InSun}%\label{InSu}
Seien $f:X \ra Y$ und $g :Y \ra Z$ Abbildungen.
\begin{enumerate}
\item
Ist $g\circ f$ surjektiv, so ist $g$ surjektiv;
\item
Sind $g$ und $f$ surjektiv, so auch $g\circ f$;
\item
Genau dann ist $f$ surjektiv, wenn 
f"ur beliebige Abbildungen $g_1,g_2:Y\ra Z$ 
aus $g_1\circ f = g_{2}\circ f$ schon
folgt $g_1=g_{2}$.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
"Ubung. Besonders elegant ist es, zun"achst die letzte 
Aussage zu zeigen, und dann die vorderen Aussagen
ohne weitere Betrachtung von Elementen zu folgern. 
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Universelle Eigenschaft von Surjektionen}] 
  Sei $s:X\sra Y$ eine surjektive Abbildung und $\varphi:X\ra Z$
  eine beliebige Abbildung. Offensichtlich gibt es genau dann eine Abbildung 
  $\bar\varphi:Y\ra Z$ mit $\bar\varphi\circ s=\varphi$, wenn
  $\varphi$ auf den \hyperref[Faser]{Fasern} von $s$ konstant ist.\label{UES} Nach dem Vorhergehenden ist diese Abbildung $\bar\varphi$ dann sogar eindeutig
  bestimmt. Diese Erkenntnis ist insbesondere f"ur die Algebra relevant.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Usu}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Universelle Eigenschaft von Surjektionen in einem Beispiel
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Ist $f: X \sira Y$ eine bijektive Abbildung,
so ist offensichtlich die Menge  $\{(f(x),x)\in Y\times X\mid x\in X\}$ 
im Sinne von \ref{DFA} 
eine Abbildung oder, vielleicht klarer, der Graph einer
Abbildung $Y\ra X$.
Diese Abbildung in die Gegenrichtung  hei"st die
{\bf Umkehrabbildung}\index{Abbildung!Umkehrabbildung} oder 
\defind{Umkehrfunktion}\index{Funktion!Umkehrfunktion} 
auch die 
{\bf inverse Abbildung}\index{Abbildung!inverse} zu $f$
und wird mit $f^{-1} : Y \ra X$ bezeichnet. Offensichtlich ist
mit $f$ auch $f^{-1}$ eine Bijektion.\index{)6aa@$f^{-1}$ Umkehrabbildung} 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}]
Mit dem vorhergehenden haben wir schon eine dritte
m"ogliche Bedeutung f"ur das Symbol $f^{-1}$ kennengelernt. Was im Einzelfall 
 gemeint ist, gilt es aus dem Kontext zu erschlie"sen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
Die Umkehrabbildung unserer Bijektion
$t:\DZ\ra\DZ$, $x\mapsto x+1$ ist die Abbildung 
$t^{-1}:\DZ\ra\DZ$, $x\mapsto x-1$.
\end{Beispiel}

\begin{Satz}[\textbf{Bedeutung der Fakult"at}]
Sind $X$ und $Y$ zwei Mengen mit je $n$ Elementen, so gibt es genau $n!$
bijektive Abbildungen $f:X \sira Y$.\label{BdF}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $X =\{x_{1},\ldots , x_{n}\}$.
Wir haben $n$ M"oglichkeiten, ein Bild f"ur $x_{1}$ auszusuchen, dann
noch $(n-1)$ M"oglichkeiten, ein Bild f"ur $x_{2}$ auszusuchen, und so
weiter, bis schlie"slich nur noch $1$ Element von $Y$ als m"ogliches
Bild von $x_{n}$ in Frage kommt. Insgesamt gibt es also $n(n-1) \cdots
1 = n!$ M"oglichkeiten f"ur $f$. Da wir $0!=1$ vereinbart hatten, stimmt unser
Satz auch f"ur $n=0$.
\end{proof}




\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Gegeben eine Bijektion $f:X\ra Y$ ist $g=f^{-1}$ die einzige
Abbildung $g : Y \ra X$ mit $f\circ g = \op{id}_{Y}$.
Ebenso ist auch  $h=f^{-1}$ die einzige
Abbildung $h : Y \ra X$ mit $h\circ f = \op{id}_{X}$.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
Gegeben endliche Mengen $X,Y$  gibt es genau $|Y|^{|X|}$ Abbildungen von $X$ nach $Y$ und unter
diesen Abbildungen
sind genau $|Y|(|Y|-1)(|Y|-2)\ldots(|Y|-|X|+1)$ Injektionen.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}
Sind  Abbildungen $f : X \ra Y$
und $g:Y \ra Z$ gegeben, so haben wir  $(g \circ f)(A) = g(f(A))$ 
f"ur jede Teilmenge
  $A\subset X$ und umgekehrt auch $(g\circ f)^{-1}(C) =
  f^{-1}(g^{-1}(C))$ f"ur jede Teilmenge $C \subset Z$.
\end{Ubung}



\begin{Ubunge}\label{MnMK}
Sei $X$ eine Menge mit $n$ Elementen und seien 
nat"urliche Zahlen 
$\al_1,\ldots,\al_r\in\DN$
gegeben mit $n=\al_1+\ldots+\al_r$. Man zeige: Es gibt genau
$n!/(\al_1!\cdots\al_r!)$ Abbildungen $f:X\ra\{1,\ldots,r\}$, die  
jedes $i$ genau
$\al_i$-mal als Wert annehmen, in Formeln
$$\frac{n!}{\al_1!\cdots\al_r!}=\op{card} \{f\mid
|f^{-1}(i)|=\al_i\text{ f"ur }i=1,\ldots r\}$$
\end{Ubunge}
\begin{Bemerkunge}
Manche Autoren bezeichnen die Zahlen aus der vorherigen "Ubung 
\ref{MnMK} als
\defnoind{Multinomial\-koeffizienten}\index{Multinomialkoeffizient}
und verwenden die Notation 
$${n \choose {\al_1;\ldots;\al_r}}\pdef \frac{n!}{\al_1!\cdots\al_r!}$$
Mich "uberzeugt diese Notation nicht, da sie im Gegensatz zur
Notation f"ur Binomialkoeffizienten  nichts
k"urzer macht.
\end{Bemerkunge}

\begin{Ubunge}
Man zeige die Formel
$$(x_1+\ldots +x_r)^n=
\sum_{\al_1+\ldots+\al_r=n}\frac{n!}{\al_1!\cdots\al_r!}
x_1^{\al_1}\cdots x_r^{\al_r}$$
Hier ist zu verstehen, da"s wir f"ur alle $\al_1,\ldots,\al_r\in\DN$
mit $\al_1+\ldots+\al_r=n$ den angegebenen Ausdruck nehmen und alle diese
Ausdr"ucke aufsummieren.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{zyA}
Eine \defnoind{zyklische Anordnung}\index{zyklisch!Anordnung}
einer endlichen Menge
$M$ ist eine Abbildung $z: M \rightarrow M$ derart, da"s wir 
durch mehrmaliges
Anwenden von $z$ auf ein beliebiges Element $x\in M$
jedes  Element  $y\in M$ erhalten k"onnen.
Man zeige, da"s es auf einer $n$-elementigen 
Menge mit $n \geq 1$ genau $(n-1)!$ zyklische
Anordnungen gibt.
Die Terminologie \glqq zyklische Anordnung\grqq\ ist etwas ungl"ucklich,
da unsere Struktur nun beim besten Willen keine Anordnung 
im Sinne von \eref{OM}{AN1} ist. 
Andererseits ist aber das Angeben einer 
Anordnung auf einer endlichen Menge $M$ schon auch etwas
"Ahnliches. 
\end{Ubunge}
\begin{fBild}[p]\centering
\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildZyA}\\[4mm]
\noindent
Versuch der graphischen Darstellung einer zyklischen Anordnung
auf der Menge $\{1,2,\ldots,7\}$. Die Pfeile $\mapsto$ sollen jeweils
den Effekt der Abbildung $z$ veranschaulichen.
\end{fBild}

\begin{fBild}[p]\centering
\includegraphics[height=0.25\textheight]{SkriptenBilder/BildKoKi}\\[4mm]
\noindent
Eine Abbildung $f:\{1,2,\ldots,n\}\ra \DN$ im Fall $n=6$ mit 
Wertesumme $m=10$ und die Veranschaulichung nach der Vorschrift aus "Ubung
\ref{MuMi} als Folge bestehend aus $m$ Punkten und $n-1$ Strichen.
\end{fBild}
\begin{Ubunge}\label{MuMi}
Sei $X$ eine Menge mit $n\geq 1$ Elementen und  sei $m$ eine nat"urliche Zahl.
Man zeige, da"s es genau ${n+m-1 \choose n-1}$ 
Abbildungen $f:X\ra \DN$ gibt mit 
$\sum_{x\in X}f(x)=m$. Hinweis: Man denke sich $X=\{1,2,\ldots,n\}$
und veranschauliche sich dann $f$ als eine Folge auf $f(1)$ Punkten gefolgt von
einem Strich gefolgt von $f(2)$ Punkten gefolgt von
einem Strich und so weiter, insgesamt also 
eine Folge aus $n+m-1$ Symbolen, davon $m$ Punkten und 
$n-1$ Strichen. 
\end{Ubunge}

\subsection{Erg"anzungen zur Mengenlehre*}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Kommutativit"at kartesischer Produkte}]
  Ich insistiere darauf, da"s gegeben Mengen $X,Y$ die kartesischen
  Produkte $X\times Y$ und $Y\times X$ f"ur uns verschiedene Mengen sind.
  Es gibt zwischen diesen kartesischen Produkten zwar die ausgezeichneten Bijektionen
  $\tau_{X,Y}:X\times Y\sira Y\times X$ mit $(x,y)\mapsto (y,x)$ und
  $\tau_{Y,X}$ ist stets
  die Umkehrabbildung zu $\tau_{X,Y}$, aber $\tau_{X,X}$ mu"s keineswegs die
  Identit"at auf $X^2$ sein, das gilt vielmehr nur f"ur $|X|\leq 1$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}
In \eref{SchB}{AL} zeigen wir den Satz von Schr"oder-Bernstein:
Sind $X$ und $Y$ Mengen und gibt es sowohl eine Injektion 
$f:X\hra Y$ als auch eine Injektion $g:Y\hra X$, so gibt es sogar eine
Bijektion $b:X\sira Y$.
\end{Bemerkungw}
\begin{Definition}
Die Menge aller Abbildungen von $X$ nach $Y$ bezeichne ich
mit\index{Ens@$\op{Ens}(X,Y)$ Abbildungen $X\ra Y$}  
$$\op{Ens}(X,Y)$$
nach der franz"osischen "Ubersetzung \defind{ensemble}
des deutschen Begriffs \glqq Menge\grqq. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
 "Ublicher ist  statt unserem $\op{Ens}(X,Y)$ die Notation
$Y^X$\index{)8bb@$Y^X$!statt $\op{Ens}(X,Y)$}.
Noch gebr"auchlicher ist in der deutschen Literatur  die Bezeichnung $\op{Abb}(X,Y)$\index{Abb@$\op{Abb}$} 
f"ur die Menge aller Abbildungen von $X$ nach $Y$. Ich will jedoch 
in \eref{UEns}{LA2} die \glqq Kategorie aller Mengen\grqq\ 
wie Gabriel \cite{Gabriel} mit $\op{Ens}$ 
bezeichnen und f"ur je zwei Objekte $X,Y$ einer Kategorie $\cal{C}$
die Menge aller \glqq Morphismen\grqq\  von $X$ nach $Y$ mit $\cal{C}(X,Y)$. 
Das erkl"art 
die hier gew"ahlte Bezeichnung f"ur Mengen von Abbildungen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Exponentialgesetz}] 
Gegeben drei Mengen $X,Y,Z$ erhalten wir eine\label{ABBK}  
Bijektion $$\op{Ens}(X\times Y,Z)\sira  \op{Ens}(X,\op{Ens}( Y,Z))$$ 
durch die Vorschrift $f\mapsto f(x,\;)$ mit der Notation $f(x,\;)$
f"ur die Abbildung $y\mapsto f(x,y)$. 
Etwas vage formuliert ist also eine Abbildung $X\times Y\ra Z$ 
von einem kartesischen Produkt $X\times Y$ in eine weitere Menge $Z$ 
dasselbe wie 
eine Abbildung, die jedem $x\in X$ eine Abbildung $Y\ra Z$ zuordnet,
und umgekehrt nat"urlich auch dasselbe wie 
eine Abbildung, die jedem $y\in Y$ eine Abbildung $X\ra Z$ zuordnet.
In der exponentiellen Notation liest sich das  besonders suggestiv 
als kanonische Bijektion
$Z^{(X\times Y)}\sira (Z^X)^Y$. Wegen dieser Notation zitiert
man diese Aussage auch als  das
{\bf Exponentialgesetz}.\index{Exponentialgesetz!f"ur Mengen} 
  In wieder anderen Worten sind also die in der 
Schule derzeit so beliebten 
\glqq Funktionen mit Parameter\grqq\  
nichts anderes als \glqq Funktionen von
zwei Variablen, bei denen eine der beiden 
Variablen als Parameter bezeichnet wird\grqq.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw} 
  Sp"ater bezeichnen wir
eine Abbildung $X\times Y\ra Z$ auch als
eine {\bf $2$-Multiabbildung}\index{Multiabbildung!$2$-Multiabbildung}
und notieren sie 
$X\curlyvee Y\ra Z$
mit dem als reinem Trenner zu verstehenden Symbol
$\curlyvee$\index{)8a@$\curlyvee$ Trenner!bei  Multiabbildungen} 
und erkl"aren allgemeiner
\glqq $r$-Mul\-ti\-ab\-bil\-dun\-gen\grqq\ f"ur beliebiges $r\in \DN$\label{Muabb} 
sowie deren \glqq Multiverkn"upfung\grqq, aber alles zu seiner Zeit.
\end{Bemerkungw}

\begin{Bemerkunge}[\textbf{Unm"ogliche Surjektionen}]
Eine Abbildung
$f : X \rightarrow \mathcal P (X)$ 
von einer Menge in ihre Potenzmenge kann nie surjektiv sein. In der 
Tat, betrachten wir in $X$ die Teilmenge\label{KaPo}  
 $A =\{ x \in X \mid x \not\in f (x) \}$, so
kann es kein $y \in X$ geben mit $f (y) = A$, denn f"ur solch ein
$y$ h"atten wir entweder $y \in A$ oder $y \not\in A$, und aus $y \in A$
alias $y \in f (y)$ folgte $y \not\in A$, wohingegen aus $y \not\in A$ alias
$y \not\in f(y)$ folgte $y\in A$. Ordnen wir etwa jedem Menschen die Menge 
aller der Menschen zu, die er liebt, und betrachten die Menge aller Menschen,
die sich nicht selbst lieben, so wird diese Menge f"ur keinen Menschen genau
aus all den Menschen bestehen, die er liebt.
\end{Bemerkunge}



\begin{Bemerkunge}\label{MuMe}
Gegeben eine Menge $X$ mag man sich eine Abbildung $X\ra \DN$
  veranschaulichen als eine \glqq Menge von Elementen 
von $X$, in der jedes Element
  mit einer wohlbestimmten Vielfachheit vorkommt\grqq.  
Aufgrund dieser Vorstellung
  nennen wir eine Abbildung $X\ra \DN$ auch eine \defind{Multimenge} von
  Elementen von  $X$. 
Unter der
  {\bf Kardinalit"at einer Multimenge}\index{Kardinalit"at!einer Multimenge}
 verstehen wir die Summe
"uber die Werte der entsprechenden Abbildung an allen Stellen $x\in X$, 
aufgefa"st als ein
Element von $\DN\amalg\{\infty\}$.
Ich notiere  Multimengen 
durch  Mengenklammern mit einem vorgestellten unteren Index $\mu$.
So w"are etwa $_\mu\{5,5,5,7,7,1\}$\index{)5@$_\mu\{\;\}$ Multimenge}
eine\index{m@$_\mu\{\;\}$ Multimenge} 
Multimenge von nat"urlichen Zahlen der Kardinalit"at $6$.
Diese Notation ist aber nicht gebr"auchlich. 
Die Gesamtheit aller endlichen Multimengen von Elementen einer 
Menge $X$ notiere ich auch $\mathbb N X$.
%oder $\op{Kmon}^\frei X$ f"ur \glqq freies kommutatives Monoid "uber $X$\grqq.
Eine Multimenge der Kardinalit"at
Zwei von Elementen
 einer 
 Menge $X$ nenne ich ein {\bf ungeordnetes Paar}\index{Paar!ungeordnetes}
 von Elementen von $X$. 
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben $S\supset T$ eine Menge mit einer Teilmenge und $f:S\ra S$ eine
  Selbstabbildung von $S$ sagen wir, $T$ sei {\bf stabil unter $f$} und {\bf $f$ stabilisiert $T$},\index{stabil!Teilmenge unter Selbstabbildung}
  wenn\index{stabilisiert} gilt $f(T)\subset T$.
  Gilt sogar $f(T)=T$, so sagen wir, $T$ {\bf werde von $f$ festgehalten}.\index{festgehalten!Teilmenge unter Selbstabbildung}
  Gilt noch st"arker $f(t)=t\;\forall t\in T$, so sagen wir, $T$ {\bf werde von $f$ punktweise festgehalten}.\index{festgehalten!Teilmenge unter Selbstabbildung!punktweise} 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  F"ur jede Menge $X$ mag man die {\bf Mengenabbildung}\index{Mengenabbildung}
  $X\hra \mathcal P(X)$,
  $x\mapsto \{x\}$ betrachten. Ihr Bild ist die Menge\index{P@$\mathcal P_1(X)$ einelementige Teilmengen von $X$} 
  $$\mathcal P_1(X)\subset \mathcal P(X)$$ aller
  einelementigen Teilmengen von $X$. Die Umkehrabbildung der so entstehenden
  Bijektion\label{P1M} 
  $X\sira \mathcal P_1(X)$ notieren wir
  $\op{elt}:\mathcal P_1(X)\ra X$\index{elt@$\op{elt}$ Elementabbildung}  und
  nennen sie die {\bf Elementabbildung}.\index{Elementabbildung}
  Sie ordnet jeder einelementigen Teilmenge von $X$ ihr einziges Element zu. 
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungw}[\textbf{Formalisierung des Begriffs der nat"urlichen Zahlen}]
Wir werden in \eref{NatZ}{LA1}  zeigen, 
da"s es Paare $(N,s)$ gibt bestehend aus einer\label{DNZZ} 
  Menge $N$ und einer injektiven Abbildung $s:N\ra N$
  derart,  da"s 
  $N\backslash s(N)$ aus genau einem Element $o$ besteht und da"s jede
  $s$-stabile Teilmenge von $N$, die $o$ enth"alt, bereits ganz $N$ sein mu"s.
Weiter werden wir zeigen, da"s solch ein Paar im Wesentlichen eindeutig 
bestimmt ist
in dem Sinne, da"s es f"ur jedes weitere derartige Paar
$(N',s')$ genau eine Bijektion $\varphi:N\sira N'$ gibt mit
 $s'\varphi=\varphi s$.  
Im Rahmen der ganz naiven Mengenlehre kann
man solch ein Paar unmittelbar angeben als $(\DN,  s)$
mit $s:n\mapsto (n+1)$.
Bei einem etwas formaleren Aufbau der Mathematik aus der Mengenlehre 
mag man umgekehrt von derartigen Paaren ausgehen
und so  zu einer Definition von $\DN$ 
und der Addition auf $\DN$ gelangen, vergleiche \eref{NatZ}{LA1} folgende.
 Hier liegt auch der 
Schl"ussel f"ur eine formale Rechtfertigung des Prinzips der
vollst"andigen Induktion. 
\end{Bemerkungw}

\begin{Bemerkungw}
  Sie sehen bereits an dieser Stelle,
  wie problematisch der Begriff der Gleichheit
  im Grunde genommen ist und wie nah er an der Wurzel mathematischen Denkens
  liegt. Um ein besonders einfaches Beispiel zu bem"uhen, mag man sich fragen,
  ob je zwei einelementige Mengen gleich sind. Unsere Antwort hier
  mu"s lauten: Nat"urlich nicht, zwei einelementige Teilmengen einer
  gegebenen Menge etwa sind genau dann gleich, wenn sie dasselbe
  Element enthalten. Allerdings gibt es andererseits zwischen je zwei
  einelementigen Mengen genau eine Bijektion, eine einelementige Menge ist
  also \glqq eindeutig bis auf eindeutige Bijektion\grqq. 
\end{Bemerkungw}




\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubunge}\label{EAD}
Gegeben eine fest gedachte Menge $Y$ k"onnen wir 
f"ur  jede weitere Menge $A$ eine 
Abbildung 
$\op{ev}_A: A\ra \op{Ens}(\op{Ens}(A,Y),Y)$,\index{ev@$\op{ev}$ Auswertungsabbildung} genannt die {\bf Evaluations-}\index{Evaluationsabbildung} oder
{\bf Auswertungsabbildung},\index{Auswertungsabbildung} 
 erkl"aren
durch die Vorschrift $\op{ev}_A:a\mapsto (f\mapsto f(a))$. Man zeige,
da"s f"ur jede Menge $X$ die Komposition
$$\op{Ens}(X,Y)\ra \op{Ens}(\op{Ens}(\op{Ens}(X,Y),Y),Y)\ra \op{Ens}(X,Y)$$
von $\op{ev}_{\op{Ens}(X,Y)}$ mit dem Vorschalten $(\circ\op{ev}_X)$ von
$\op{ev}_X$ die Identit"at auf $\op{Ens}(X,Y)$ ist. Sp"ater werden Sie 
diese Aussage
m"oglicherweise als die \glqq Dreiecksidentit"at\grqq\ im Kontext 
\glqq adjungierter Funktoren\grqq\ in \eref{FADJj}{TF} verstehen lernen.
\end{Ubunge}

\subsection{Logische Symbole und Konventionen}
\begin{Bemerkungl}
  In der mathematischen Fachsprache meint {\bf oder}\index{oder} 
immer, da"s auch beides erlaubt ist.  Wir
  haben diese Konvention schon benutzt bei der Definition der Vereinigung
in \ref{MGKK} durch die Vorschrift 
  $X\cup Y =\{z \mid z \in X \text{ oder } z \in Y\}$. Zum Beispiel 
haben wir $\{1,2\}
  \cup \{2,3\} = \{1,2,3\}$. In diesem Zusammenhang mu"s ich die sch"one
Geschichte erz"ahlen von dem Logiker, der seinem Freund erz"ahlt, er habe
ein Kind bekommen. Der Freund fragt: \glqq Ist es ein Junge oder ein M"adchen?\grqq\ 
worauf der Logiker antwortet: \glqq Ja!\grqq\ 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Herkunft des Vereinigungssymbols}] 
  In den \glqq Arithmetes principia\grqq\  von Guiseppe Peano scheint das Symbol $\cup$
  zum ersten Mal vorzukommen, allerdings als Symbol f"ur \glqq oder\grqq. Peano
  schreibt: \glqq Signum $\cup$ legitur \emph{vel}\grqq\  und \glqq vel\grqq\  hei"st \glqq oder\grqq\ 
  auf lateinisch. Der Kontext legt nahe, da"s $\cup$ an den Buchstaben $v$
  erinnern soll.  Das  Symbol $\vee$ hatte Peano schon als Symbol
  f"ur \glqq verum\grqq\  verbraucht. In der Bedeutung der Vereinigung zweier Mengen
  habe ich das Symbol zuerst bei Bourbaki gesehen.
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}\label{SPR}
Sagt man der  mathematischen Fachsprache, es gebe  ein Objekt mit diesen
und jenen Eigenschaften, so ist stets gemeint, da"s es 
\emph{mindestens  ein} derartiges Objekt geben soll.
H"atten wir diese Sprachregelung rechtzeitig vereinbart, so h"atten wir 
zum Beispiel 
das W"ortchen \glqq mindestens\grqq\  in Teil 2 von \ref{ISB} 
bereits
weglassen k"onnen. Sagt ihnen also ein 
Mathematiker, er habe einen Bruder, so kann  es auch durchaus sein, da"s
er noch weitere Br"uder  hat!
Will man in der mathematischen Fachsprache Existenz und Eindeutigkeit 
gleichzeitig ausdr"ucken, so 
sagt man, es gebe {\bf genau ein} Objekt mit diesen
und jenen Eigenschaften.  Sagt ihnen also ein 
Mathematiker, er habe genau einen Bruder, so k"onnen sie sicher  sein, da"s
er nicht noch weitere Br"uder  hat.
\end{Bemerkungl}





\begin{Bemerkungl}\label{abk}
  Die folgenden Abk"urzungen erweisen sich als bequem und werden  h"aufig
  verwendet:
  
  \vspace{0,5cm}
\noindent
\begin{tabular}{c@{\hspace{2cm}}l}
$\forall$&\index{)0aex@$\forall$ f"ur alle} f"ur alle (ein umgedrehtes A wie \glqq alle\grqq)\\
$\exists$&\index{)0aex@$\exists$ es existiert  ein} es gibt (ein umgedrehtes E wie \glqq existiert\grqq)\\
$\exists!$&\index{)0aex@${\exists\awq}$ es existiert genau ein} es gibt genau ein\\
$\ldots\RA\cdots$&\index{)4@$\Rightarrow$ impliziert} 
aus $\ldots$ folgt $\cdots$\\
$\ldots\Leftarrow\cdots$&\index{)4@$\Leftarrow$ folgt aus} 
$\ldots$ folgt aus $\cdots$\\
$\ldots\Leftrightarrow\cdots$&\index{)4@$\Leftrightarrow$ gleichbedeutend} 
$\ldots$ ist 
gleichbedeutend zu $\cdots$\\
\end{tabular}
\vspace{0,5cm}\\
Ist zum Beispiel $f:X\ra Y$ eine Abbildung, so k"onnen wir unsere Definitionen
injektiv, surjektiv, und bijektiv etwas formaler so schreiben:

\vspace{0,5cm}
\noindent
\begin{tabular}{lcl}
$f$ injektiv& $\Leftrightarrow$ & $((f(x)=f(z))\RA (x=z))$\\
$f$ surjektiv& $\Leftrightarrow$ & $\forall y\in Y\exists x\in X
\text{ mit } f(x)=y$\\
$f$ bijektiv& $\Leftrightarrow$ & $\forall y\in Y\exists ! x\in X
\text{ mit } f(x)=y$\\
\end{tabular}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  In den Zeiten des Bleisatzes war es nicht einfach, neue Symbole
in Druck zu bringen. Irgendwelche Buchstaben
verdreht zu setzen, war jedoch unproblematisch. So entstanden 
die Symbole $\forall$ und $\exists$.
Sie hei"sen  {\bf Quantoren}.\index{Quantor} 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Bei den \glqq f"ur alle\grqq\  und \glqq es gibt\grqq\  kommt es in der 
mathematischen Fachsprache, anders 
als in der weniger pr"azisen Umgangssprache, entscheidend auf die
  Reihenfolge an. Man
  betrachte zum Beispiel die beiden folgenden Aussagen:
\begin{quote}
  \glqq F"ur alle $n\in \DN$ gibt es $m \in \DN$ so da"s gilt $m \geq n$\grqq\ 
\end{quote}
\begin{quote}
  \glqq Es gibt $m \in \DN$ so da"s f"ur alle $n \in \DN$ gilt $m \geq n$\grqq\ 
\end{quote}
Offensichtlich ist die Erste richtig, die Zweite aber falsch.  Weiter mache man
sich klar, da"s die \glqq f"ur alle\grqq\  und \glqq es gibt\grqq\  bei Verneinung vertauscht
werden.  "Aquivalent sind zum Beispiel die beiden folgenden Aussagen
\begin{quote}
  \glqq Es gibt kein $n \in \DN$ mit $n^{2}=2$\grqq\ 
\end{quote}
\begin{quote}
  \glqq F"ur alle $n \in \DN$ gilt nicht $n^{2}= 2$\grqq\ 
\end{quote}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{BWD}
  Wollen wir zeigen, da"s aus einer Aussage $A$ eine weitere Aussage $B$ folgt,
  so k"onnen wir ebensogut zeigen: Gilt $B$ nicht, so gilt auch $A$ nicht.  In
  formelhafter Schreibweise haben wir also
  $$(A\RA B)\Leftrightarrow((\text{nicht } B)\RA (\text{nicht } A))$$
  Wollen wir zum Beispiel zeigen $(g\circ f \text{ surjektiv})\RA (g \text{
    surjektiv})$, so reicht es, wenn wir uns "uberlegen: Ist $g$ nicht
  surjektiv, so ist $g\circ f$ erst recht nicht surjektiv.
Oder ein Beispiel aus dem t"aglichen Leben: Die Aussage (Wenn ein Mensch ein
Kind gebiert, ist er eine Frau) ist gleichbedeutend zur Aussage
(Wenn ein Mensch keine Frau ist, gebiert er auch keine Kinder).
Nicht folgern kann man dahingegen die Aussage
 (Wenn ein Mensch kein Kind gebiert, ist er keine Frau).
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  In der Literatur findet man oft die Abk"urzung {\bf oBdA}
f"ur  \glqq ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit\grqq.
\index{oBdA ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit}
\end{Bemerkungl}


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%%% TeX-master: "XXGR"
%%% End: 


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