%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%

\section{Algebraische Grundbegriffe}
Auf der Schule versteht man unter einer \glqq reellen Zahl\grqq\  meist
einen unendlichen Dezimalbruch, wobei man noch aufpassen mu"s,
da"s verschiedene unendliche Dezimalbr"uche durchaus dieselbe reelle Zahl
darstellen k"onnen, zum Beispiel gilt in den reellen Zahlen ja
$$0,999\ldots = 1,000\ldots$$
Diese reellen Zahlen werden dann addiert, subtrahiert,
multipliziert und dividiert ohne tiefes Nachdenken dar"uber, wie
man denn zum Beispiel mit den eventuell unendlich vielen
"Ubertr"agen bei der Addition und Subtraktion 
umgehen soll, und warum dann Formeln
wie $(a+b)-c = a+(b -c)$ wirklich gelten, zum Beispiel f"ur
$a=b=c=0,999\ldots.$
Dieses tiefe Nachdenken wollen wir im Folgenden vom Rest der
Vorlesung abkoppeln 
und m"ussen dazu sehr pr"azise formulieren, welche Eigenschaften
f"ur die Addition, Multiplikation und Anordnung in \glqq unseren\grqq\ 
reellen Zahlen gelten sollen:
In der Terminologie, die in den folgenden Abschnitten eingef"uhrt wird,
werden wir die reellen Zahlen charakterisieren als einen angeordneten K"orper,
in dem jede nichtleere Teilmenge mit einer unteren Schranke sogar eine
gr"o"ste untere Schranke besitzt. Von dieser Charakterisierung ausgehend
erkl"aren wir dann, welche reelle Zahl ein gegebener unendlicher Dezimalbruch 
darstellt, und errichten das Geb"aude der Analysis.
Um die Charakterisierung verst"andlich zu machen,
f"uhren wir zun"achst einige grundlegende algebraische Konzepte
ein, die Ihnen im ganzen Studium noch oft begegnen
werden.





\subsection{Mengen mit Verkn"upfung}\label{MVk}
\begin{Definition}
Eine {\bf Verkn"upfung $\top$ auf einer Menge $A$}\index{Verkn"upfung auf einer Menge}
ist eine Abbildung
$$\begin{array}{cccc}
\top :& A \times A&\ra& A\\
 &(a,b) &\mapsto& a \top b
\end{array}$$
die also jedem geordneten Paar $(a,b)$ mit $a,b\in A$ ein weiteres
Element $(a\top b)\in A$ zuordnet.
\end{Definition}
\begin{Beispiele}\label{Verk}
\begin{enumerate}
\item
Die Addition auf den ganzen Zahlen ist eine Verkn"upfung
$$\begin{array}{cccc}
+ :& \DZ \times \DZ&\ra&  \DZ\\
 &(a,b) &\mapsto& a + b
\end{array}$$
\item
Die Multiplikation auf den ganzen Zahlen ist eine Verkn"upfung
$$\begin{array}{cccc}
\cdot :& \DZ \times \DZ&\ra&  \DZ\\
 &(a,b) &\mapsto& a \cdot b
\end{array}$$
\item
Die Zuordnung $\min,$ die jedem Paar von nat"urlichen Zahlen die kleinere
zuordnet (wenn sie verschieden sind, man setzt sonst $\min(a,a)=a$), ist eine
Verkn"upfung
$$\begin{array}{cccc}
\min :& \DN \times \DN&\ra& \DN\\
 &(a,b) &\mapsto& \min(a , b)
\end{array}$$
\item
Sei $X$ eine Menge. Die Verkn"upfung von Abbildungen liefert eine
Verkn"upfung auf der Menge $\op{Ens} (X,X)$ aller Abbildungen von
$X$ in sich selber
$$\begin{array}{cccc}
\circ :& \op{Ens}(X,X) \times \op{Ens}(X,X)&\ra& \op{Ens}(X,X)\\
 &(f,g) &\mapsto& f\circ g
\end{array}$$
\item
Bezeichne  $\DQ^\times=\DQ\backslash\{0\}$ die Menge der von Null
verschiedenen rationalen Zahlen. So ist das Teilen eine Verkn"upfung
$$\begin{array}{cccc}
/ :& \DQ^\times \times \DQ^\times&\ra& \DQ^\times\\
 &(a,b) &\mapsto& a / b
\end{array}$$
\item
Jede Verkn"upfung $\top$  auf einer Menge induziert eine
Verkn"upfung auf ihrer Potenzmenge vermittels der Vorschrift
$$U\top V=\{u\top v\mid u\in U,\;v\in V\}$$
\end{enumerate}
\end{Beispiele}
\begin{Definition}
Eine Verkn"upfung $\top$ auf einer Menge $A$ hei"st
{\bf assoziativ}\index{assoziativ} genau dann, wenn gilt
$a \top (b\top c) = (a \top b) \top c \quad \forall a,b,c \in A.$
Sie hei"st {\bf kommutativ}\index{kommutativ} genau dann, wenn gilt
$a \top b = b \top a \quad \forall a,b\in A.$
\end{Definition}
\begin{Beispiele}
Von unseren Beispielen sind die ersten drei
assoziativ und kommutativ, das vierte ist assoziativ aber nicht
kommutativ falls $X$ mehr als ein Element hat, das f"unfte ist weder
assoziativ noch kommutativ.  
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkung}
Ist eine Verkn"upfung assoziativ, so liefern Ausdr"ucke der
Form $a_1\top a_2 \ldots \top a_n$  wohlbestimmte Elemente von
$A,$ das Resultat ist genauer unabh"angig davon, wie wir
die Klammern setzen.
Um diese Erkenntnis zu formalisieren,
vereinbaren wir f"ur so einen Ausdruck die Interpretation
$$a_{1} \top a_{2} \ldots \top a_{n} = a_{1} \top (a_{2} \top
(\ldots (a_{n-1} \top a_{n})\ldots ))$$
und zeigen  
\end{Bemerkung}

\begin{Lemma} Gegeben $(A,\top)$ eine Menge mit einer assoziativen
Vern"upfung und $a_{1}, \ldots, a_{n}, b_{1}, \ldots , b_{m}
\in A$ gilt
$$(a_{1} \top \ldots \top a_{n})\top (b_{1}\top \ldots \top b_{m})=
a_{1} \top \ldots \top a_{n} \top b_{1}\top  \ldots \top b_{m}$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wir folgern aus dem Assoziativgesetz $(a_{1}\top\ldots \top
a_{n})\top (b_{1}\top \ldots \top b_{m})= a_{1}\top ((a_{2}\top
\ldots \top a_{n})\top (b_{1}\top \ldots \top b_{m}))$ und sind
fertig mit vollst"andiger Induktion "uber $n.$
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
Das Wort Lemma, im Plural Lemmata, \index{Lemma} kommt
wohl von griechisch $\lambda \alpha \mu \beta\alpha \nu\epsilon\iota\nu$
\glqq nehmen\grqq\  und 
bezeichnet in der Mathematik meist kleinere Resultate 
oder auch Zwischenschritte von gr"o"seren Beweisen, denen 
der Author
au"serhalb
ihres engeren Kontexts keine gro"se Bedeutung zumi"st.  
\end{Bemerkung}
\begin{Definition}
Sei $(A,\top)$ eine Menge mit Verkn"upfung.
Ist $n \in \{1,2,\ldots \}$ eine von Null verschiedene nat"urliche Zahl
und $a\in A,$
so schreiben wir
$$\underset{\text{n-mal}}{\underbrace{a\top a\top \ldots\top a}} 
= n^{\top}a$$  \end{Definition}
\begin{Bemerkung}\label{muln}
Ist $m$ eine zweite von Null verschiedene nat"urliche Zahl, 
so erhalten wir f"ur assoziative
Verkn"upfungen mithilfe unseres Lemmas die Regeln
$(n+m)^{\top}a = (n^{\top} a) \top (m^{\top}a)$ und
$(nm)^{\top}a = n^{\top}(m^{\top}a).$  Ist unsere Verkn"upfung auch noch
kommutativ, so gilt zus"atzlich $n^\top(a\top b)=(n^\top a)\top(n^\top b).$
\end{Bemerkung}


\begin{Definition}
Sei $(A,\top)$ eine Menge mit Verkn"upfung.
Ein Element $e\in A$ hei"st \defind{neutrales Element} von $(A,\top)$
genau dann,
wenn gilt $$e \top a=a \top e = a \quad
\forall a \in A$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
In einer Menge mit Verkn"upfung $(A,\top)$ kann
es h"och\-stens ein neutrales Element $e$ geben, denn f"ur jedes weitere
Element $e'$ mit $e' \top a=a \top e' = a \quad \forall a \in A$
haben wir $e'=e'\top e=e.$ Wir d"urfen also den bestimmten Artikel verwenden
und in einer Menge mit Verkn"upfung
von {\bf dem} neutralen Element reden.  
\end{Bemerkung}

\begin{Definition}\label{KNeu}
Ein \defind{Monoid}
ist eine Menge mit einer assoziativen Verkn"upfung,
in der es ein neutrales Element gibt.
Ist $(A,\top)$ ein Monoid, so erweitern wir unsere Notation $n^{\top}a$
auf alle nat"urlichen Zahlen $n\in\DN,$ indem wir 
$0^\top a$ als das neutrale Element von $A$ verstehen, f"ur alle $a\in A.$
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}\label{Moin} In  Monoiden gelten die
Regeln \ref{muln}  f"ur alle $n,m\in\DN.$  
Die nat"urlichen Zahlen
bilden mit der Addition ein Monoid $(\DN,+)$
mit neutralem Element $0.$ Sie bilden 
auch unter der Multiplikation ein Monoid $(\DN,\cdot)$
mit neutralem Element $1.$
\end{Bemerkung}
\subsection{Gruppen}\label{Gr}
\begin{Bemerkung}
Ich empfehle, bei der Lekt"ure dieses Abschnitts die gleich anschlie"sende
Tabelle mitzulesen, die die Bedeutungen der nun folgenden Formalit"aten in
den zwei gebr"auchlichsten Notationssystemen angibt. In diesen
Notationssystemen sollten alle
Formeln aus der Schulzeit vertraut sein.
\end{Bemerkung}
\begin{Definition}\label{DeGr}
\begin{enumerate}
\item
Ist $(A,\top)$ ein Monoid und $a\in A$ ein Element,
so nennen wir ein weiteres Element $\bar{a} \in A$ 
\defind{invers} zu $a$ genau dann, wenn gilt 
$a \top \bar{a}=\bar{a} \top a=e$ f"ur $e\in A$ das neutrale Element.
\item
Eine \defind{Gruppe}
ist ein Monoid, in dem jedes Element 
ein Inverses besitzt.
\item
Eine \defnoind{kommutative Gruppe} oder  
\defnoind{abelsche Gruppe} ist eine Gruppe,
deren Verkn"upfung kommutativ ist. 
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
Diese Terminologie \glqq abelsche Gruppe\grqq\  wurde zu 
Ehren des norwegischen Mathematikers
Niels Hendrik Abel eingef"uhrt und ist sehr gebr"auchlich.
\end{Bemerkung}
\begin{Lemma}
Jedes Element eines Monoids besitzt h"ochstens ein Inverses.  
\end{Lemma}
\begin{proof}
Aus $a \top \bar{a}=\bar{a}\top a=e$
und $b \top a=a \top b=e$  folgt durch Anwenden von $b\top$ auf die
erste Gleichung mit dem Assoziativgesetz schon $\bar{a}=b.$
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
Wir d"urfen also den bestimmten Artikel benutzen und von 
 {\bf dem} Inversen eines Elements einer Gruppe reden.  
Offensichtlich ist das Inverse des Inversen stets das
urspr"ungliche Element, in Formeln $\bar{\bar{a}}=a.$   
\end{Bemerkung}

\begin{Lemma}
Sind $a$ und $b$ Elemente einer Gruppe, so wird 
das Inverse von $a\top b$ wird gegeben durch die
Formel $\overline{(a\top b)}=\bar{b}\top\bar{a}.$ 
\end{Lemma}
\begin{proof}
In der Tat rechnen wir
schnell
$(a\top b)\top(\bar{b}\top\bar{a})=e.$ Diese Formel ist auch aus dem t"aglichen
Leben vertraut:
Wenn man morgends zuerst die Str"umpfe anzieht und dann die Schuhe,
so mu"s man abends zuerst die Schuhe ausziehen und dann die Str"umpfe.
\end{proof}








\begin{Beispiele}
Von unseren Beispielen \ref{Verk} f"ur Verkn"upfungen oben ist nur
$(\DZ,+)$ eine Gruppe, und diese Gruppe ist kommutativ.
Ein anderes Beispiel f"ur eine kommutative 
Gruppe ist die Menge $\DQ^\times$ der
von Null verschiedenen rationalen Zahlen mit der Multiplikation als
Verkn"upfung.
F"ur jede Menge $X$ ist auch die Menge $\op{Ens}^\times( X)$ aller
Bijektionen von $X$ auf sich selbst eine Gruppe,
mit der Komposition von Abbildungen als Verkn"upfung. Diese Gruppe
ist f"ur $|X|>2$ nicht kommutativ und das Inverse einer Bijektion 
ist ihre Umkehrabbildung.
Die leere Menge ist {\em keine} Gruppe, ihr fehlt ein neutrales Element.
\end{Beispiele}
\begin{Definition}
Ist $(A,\top)$ eine Gruppe, so erweitern wir unsere
Notation $n^\top a$ auf alle $n \in \DZ,$
indem wir setzen 
$ n^{\top} a = (-n)^{\top} \bar{a}$ f"ur $n \in \{-1,-2,\ldots\}.$  
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
In einer Gruppe  
gelten  f"ur alle ganzen Zahlen $n \in \DZ$ die Regeln 
$(n+m)^{\top}a = (n^{\top} a) \top (m^{\top}a)$ und
$(nm)^{\top}a = n^{\top}(m^{\top}a).$
Ist die Gruppe kommutativ, so gilt zus"atzlich
$n^\top(a\top b)=(n^\top a)\top(n^\top b)$ f"ur alle $n \in \DZ.$ 
\end{Bemerkung}

\begin{Bemerkung}
Verkn"upfungen werden meist additiv oder multiplikativ geschrieben,
wobei die additive Schreibweise kommutativen Verkn"upfungen
vorbehalten ist und ebenso die Bruchnotation $1/a$ und $b/a$
bei multiplikativer Schreibweise.
Bei additiv geschriebenen Gruppen nennt man das Inverse von $a$
meist das {\bf Negative}\index{Negatives} von $a.$ 
Bei nichtkommutativen und folglich
multiplikativ notierten Gruppen benutzt man 
f"ur das 
Inverse von $a$ nur die von der 
allgemeinen Notation $a^n$ abgeleitete Notation  $a^{-1}.$ 
Die 
Tabelle fasst die "ublichen Notationen f"ur 
unsere abstrakten Begriffsbildungen
in diesem Kontext zusammen und gibt unsere allgemeinen Resultate und
Konventionen 
in diesen Notationen wieder. 
\end{Bemerkung}
\begin{Ubung}
Sei $A$ ein Monoid und $1$ sein neutrales Element. 
Unser Monoid ist genau dann eine Gruppe,
wenn es f"ur jedes $a \in A$ ein $\bar{a} \in A$ gibt mit
$a\top  \bar{a}=1,$ 
und dies
Element $\bar{a}$ ist dann notwendig das Inverse von $a$ in $A.$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{KGr}
Sind $a,b,c$ Elemente einer Gruppe, so folgt aus
$a\top b=a\top c$ bereits $b=c.$ Ebenso folgt auch aus 
$b\top a=c\top a$ bereits $b=c.$
\end{Ubung}


\begin{table}
\begin{tabular}{lll}
$a\top b$ & $a + b$ &  $a\cdot b,$  $ab$ \\[8mm]
$e$ & $0$ &  $1$ \\[2mm]
$\bar{b}$ &  $-b$ &  $1/b$ \\[2mm]
$a\top\bar{b}$ & $a-b$ & $a/b$ \\[2mm]
$n^{\top}a$ &  $na$ & $a^{n}$\\[8mm]
$e\top a=a\top e=a$& $0+a =a+0=a$ & $1\cdot a = a \cdot 1 =a$\\[2mm]
$a\top \bar{a}=e$& $a+(-a) =0$ & $ a/a=1$\\[2mm]
$\bar{\bar{a}}=a$ &$-(-a)=a$&$ 1/(1/a)=a$\\[2mm]
$(-1)^{\top}a=\bar{a}$ &$(-1)a=-a$&$a^{-1} =1/a$ \\[2mm]
$\overline{(a\top b)}=\bar{b}\top\bar{a}$ & $-(a+b)=(-b)+(-a)$&
  $(ab)^{-1}=b^{-1}a^{-1},$\\&& ${1}/{ab}=({1}/{b})({1}/{a})$\\[2mm]
$\overline{(a\top \bar{b})}={b}\top\bar{a}$ & $-(a-b)=b-a$&
  $1/(a/b)=b/a$\\[2mm]
$n^{\top}(m^{\top}a)=(nm)^{\top}a$ & $n(ma )=(nm)a$ &
$(a^{m})^{n}=a^{nm}$\\[2mm]
$(m+n)^{\top}a=(m^{\top}a)\top(n^{\top}a)$ & $(m+n)a =(ma)+(na) $ &
$a^{(m+n)} =(a^{m})(a^{n})$\\[2mm]
$\overline{n^{\top}a}=(-n)^\top a$&$-(na)=(-n)a$&$(a^n)^{-1}=a^{-n}$\\[2mm]
$0^{\top}a=e$&$0a=0$&$a^0=1$\\[2mm]
$n^\top(a\top b)=(n^\top a)\top(n^\top b)$ &
$n(a+b)=(na)+(nb)$ &
$(ab)^n=(a^n)(b^n)$
\end{tabular}\label{KFt}
\caption{Konventionen und Formeln in verschiedenen Notationssystemen}
\end{table}

\newpage

\subsection{K"orper}
\begin{Definition}\label{KAx}
Ein {\bf K"orper}\index{K"orper} $(K,+, \cdot)$ ist eine 
Menge $K$ mit zwei
assoziativen und
kommutativen Verkn"upfungen derart, da"s gilt
\begin{enumerate}
\item
$(K,+)$ ist eine Gruppe, die {\bf additive Gruppe} des K"orpers.
\item
Bezeichnet $0_K\in K$ das neutrale Element der Gruppe $(K,+),$ so folgt
aus $a\neq 0_K\neq  b$ schon $a b\neq 0_K$ und
$(K \backslash\{0_K\},\cdot)$ ist eine Gruppe,
die {\bf multiplikative Gruppe} des K"orpers.
\item
Es gilt das {\bf Distributivgesetz}\index{Distributivgesetz}
$$a\cdot (b+c)=(a\cdot b) + (a\cdot c) \quad \forall
a,b,c \in K$$
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
Wenn wir 
mit Buchstaben rechnen,werden wir meist $a\cdot b=ab$ abk"urzen. 
Zus"atzlich vereinbaren wir
zur Vermeidung von Klammern die Regel
\glqq Punkt vor Strich\grqq, so da"s also zum Beispiel das Distributivgesetz
k"urzer in der Form $a(b+c)=ab + ac$ geschrieben werden kann.
Die multiplikative Gruppe eines K"orpers $K$ notieren wir $K^{\times}=
K\backslash\{0_K\}.$
Es bezeichne $1_K \in K^{\times}$ das neutrale Element der Multiplikation.
Wir k"urzen meist $0_{K}$ ab durch $0$ und $1_{K}$
durch $1$ in der Erwartung, da"s man aus dem Kontext erschlie"st,
ob mit $0$ und $1$ nat"urliche Zahlen oder Elemente eines speziellen 
K"orpers 
gemeint sind. Meistens kommt es darauf im "Ubrigen gar nicht an.
\end{Bemerkung}

\begin{Bemerkung}
F"ur alle $a,b$ in 
einem K"orper und alle $n\geq 0$ gilt
die binomische Formel
$$(a+b)^{n} = \sum^{n}_{\nu =0} {n\choose \nu} a^{\nu} b^{n-\nu}$$ \\
Um das einzusehen pr"uft man, da"s wir bei der Herleitung
nur K"orperaxiome verwandt haben. Man beachte hierbei unsere Konvention 
$0_K^0=1_K$ aus \ref{KNeu}.
\end{Bemerkung}
\begin{Beispiele}
Ein Beispiel f"ur einen K"orper ist der K"orper der
rationalen Zahlen $(\DQ,+,\cdot).$
Ein anderes Beispiel ist der zweielementige K"orper mit den
durch die Axiome erzwungenen Rechenregeln, der fundamental ist in
der Informatik.
Die ganzen Zahlen $(\DZ,+,\cdot)$ bilden keinen K"orper, da
$(\DZ\setminus\{ 0\},\cdot)$  keine Gruppe ist, da es 
n"amlich in $\DZ\setminus\{ 0\}$ 
nur f"ur $1$ und $-1$ ein multiplikatives Inverses gibt.  
\end{Beispiele}

\newpage

\begin{Lemma}[Folgerungen aus den K"orperaxiomen]
Sei $K$ ein K"orper. So gilt
 \begin{enumerate}
  \item $a  0 = 0 \quad \forall a \in K.$
\item
$a  b =0 \Rightarrow a = 0 \text{ oder } b=0.$
\item
$-a = (-1)  a \quad \forall a \in K.$
\item
$(-1)  (-1) =1.$
\item
$(-a)(-b)=ab\quad\forall a,b\in K.$
\item
$\frac{a}{b}  \frac{c}{d} = \frac{ac}{bd}$ f"ur alle 
$a,c\in K$ und $ b,d\in K^\times.$
\item
$\frac{ac}{bc} = \frac{a}{b}$ f"ur alle 
$ a\in K$ und $ b,c\in K^\times.$
\item
$\frac{a}{b} + \frac{c}{d} = 
\frac{ad + bc}{bd}$ f"ur alle 
$ a,c \in K$ und $ b,d\in K^\times.$
\item
$m(ab)=(ma)b\;$ f"ur alle 
$m\in\DZ$ und $ a,b\in K.$
  \end{enumerate}
\end{Lemma}

\begin{proof}[Beweis]
\begin{enumerate}
\item
Man folgert das aus $a  0
+ a 0 = a  (0+0) = a  0$ durch Hinzuaddieren von
$-(a  0)$ auf beiden Seiten.
\item
In der Tat folgt aus
$(a \neq 0 \text{ und } b \neq 0)$ schon $(a  b \neq 0)$ nach den
K"orperaxiomen.
\item
In der Tat gilt
$a + (-1) a = 1  a + (-1) a = (1+(-1)) a = 0
a =0,$
und $-a$ ist ja gerade definiert als das eindeutig bestimmte
Element von $K$ so da"s $a+ (-a) =0.$
\item
In der Tat gilt nach dem Vorhergehenden
$(-1) (-1) = - (-1) =1.$
\item
Um das nachzuweisen ersetzen wir einfach $(-a) = (-1)  a$ und
$(-b) = (-1) b$ und verwenden $(-1) (-1) =1.$
\item
Das ist klar.
\item
Das ist klar.
\item
Das wird bewiesen, indem man die Br"uche auf einen Hauptnenner bringt
und das Distributivgesetz anwendet.
\item
Das folgt durch wiederholtes Anwenden des Distributivgesetzes. 
\end{enumerate}
\end{proof}
\begin{Ubung}
Ist $K$ ein K"orper derart, da"s es kein $x \in K$ gibt mit
$x^{2} = -1,$ so kann man die Menge $K\times K=K^{2}$ zu einem K"orper machen, indem man
die Addition und Multiplikation definiert durch
$$\begin{array}{ccc}
(a,b) + (c,d) & =& (a+c, b+d)\\
(a,b) \cdot (c,d) &=& (ac -bd, ad + bc)
\end{array}$$
Die Abbildung $K \ra K^{2},$ $a \mapsto (a,0)$ ist dann vertr"aglich
mit Addition und Multiplikation.
K"urzen wir $(a,0)$ mit $a$ ab und setzen $(0,1)=\op{i},$ so gilt
$\op{i}^{2} = -1$ und $(a,b) = a + b\op{i}.$
\end{Ubung}  
\begin{Definition}\label{HIS}
Gegeben Mengen mit Verkn"upfung $(A,\top)$ und $(B,\perp)$ 
verstehen wir unter einem \defind{Homomorphismus}
von $A$ nach $B$  eine Abbildung
$\varphi:A\ra B$ derart, da"s gilt 
$\varphi(a\top a')=\varphi(a)\perp \varphi(a')$ f"ur alle $a,a'\in A.$
Sind unsere beiden Mengen mit Verkn"upfung Gruppen, so sprechen wir von einem
\defind{Gruppenhomomorphismus}.
Einen bijektiven Homomorphismus nennen wir einen \defind{Isomorphismus}.
\end{Definition}
  \begin{Bemerkung}
Dieselben Definitionen verwenden wir auch bei Mengen mit mehr als
einer Verkn"upfung. Zum Beispiel ist ein \defind{K"orperhomomorphismus}
$\varphi$  von einem K"orper $K$ in einen K"orper $L$ 
eine Abbildung  $\varphi:K\ra L$  derart, da"s gilt 
$\varphi(a+b)=\varphi(a)+\varphi(b)$ und $\varphi(ab)=\varphi(a)\varphi(b)$
f"ur alle $a,b\in K,$ und ein \defind{K"orperisomorphismus}
ist ein bijektiver K"orperhomomorphismus.
  \end{Bemerkung}

 \begin{Ubung}\label{BNE}
Ein Gruppenhomomorphismus $\varphi : G \rightarrow H$ bildet stets das neutrale
Element von $G$ auf das neutrale Element von $H$ ab und 
vertauscht mit Inversenbildung, in Formeln 
$\varphi(a^{-1})=(\varphi(a))^{-1}\;\forall a\in G.$
Ein K"orperhomomorphismus ist stets injektiv.
\end{Ubung} 
\subsection{Herkunft einiger Symbole}
Ich habe versucht, etwas "uber die Herkunft einiger 
mathematischer Symbole in Erfahrung 
zu bringen, die schon aus der Schule selbstverst"andlich sind.
Das Gleichheitszeichen $=$ scheint auf ein 1557 von 
Robert Recorde publiziertes Buch zur"uckzugehen
und soll andeuten, da"s das, was auf der linken und  rechten Seite  
dieses Zeichens steht, so gleich ist wie die beiden Strichlein,
die unser Gleichheitszeichen bilden. Davor schrieb man statt 
einem Gleichheitszeichen meist $a\!\!\;e$
f"ur \glqq "aquivalent\grqq.
Das Pluszeichen $+$ ist wohl ein Auschnitt
aus dem Symbol \&, das hinwiederum enstanden ist
durch Zusammenziehen der beiden Buchstaben im
lateinischen W"ortchen \emph{et}.

Die Dezimaldarstellung der nat"urlichen Zahlen kam 
Mitte des vorigen Jahrtausends aus Indien "uber
die Araber nach Italien. 
Bis dahin rechnete man in Europa in r"omischer Notation. Sie m"ussen
nur versuchen, in dieser Notation zwei gr"o"sere
Zahlen zu multiplizieren, um zu ermessen,
welchen wissenschaftlichen und auch wirtschaftlichen
Fortschritt der "Ubergang zur Dezimaldarstellung bedeutete.
Das Beispiel der Dezimaldarstellung zeigt in meinen Augen auch,
wie entscheidend das sorgf"altige Einbeziehen trivialer 
Spezialf"alle, manchmal
als die  \glqq Theorie der leeren Menge\grqq\  verspottet,
f"ur die Eleganz der Darstellung mathematischer Sachverhalte
sein kann: Sie wurde ja eben
dadurch erst erm"oglicht, da"s man ein eigenes Symbol
f"ur \glqq gar nichts\grqq\  erfand!
Ich denke, da"s der Aufbau eines effizienten Notationssystems,
obwohl er nat"urlich nicht denselben Stellenwert einnehmen
kann wie die Entwicklung mathematischer Inhalte, dennoch in der Lehre ein
wichtiges Ziel  sein mu"s.
In diesem Text habe ich mir die gr"o"ste
M"uhe gegeben, unter den gebr"auchlichen Notationen diejenigen
auszuw"ahlen, die mir am sinnvollsten schienen, und sie soweit
wie m"oglich aufzuschl"usseln.



%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AATOTAL"
%%% End: 
