
\section{Folgen und Reihen, ALTE FASSUNG}\label{FoR}



\subsection{Konvergenz von Folgen}

\begin{Definition}
Wir erweitern die reellen Zahlen  durch die zwei
zus"atzlichen 
Punkte $-\infty$ und $\infty$ 
zu der in hoffentlich offensichtlicher 
Weise angeordneten Menge
der sogenannten {\bf erweiterten 
reellen Zahlen}\index{erweiterte reelle Zahlen} $$\overline{\Bbb{R}}
\pdef\Bbb{R} \cup \{-\infty, \infty\}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Reelle Intervalle}] 
Jede Teilmenge von $\overline{\Bbb{R}}$\label{KlInalt} besitzt in $\overline{\Bbb{R}}$
ein
Supremum und ein Infimum.
F"ur ein  \hyperref[Inter]{Intervall} 
$I \subset \overline{\Bbb{R}}$ mit Supremum $a = \sup
I$ und Infimum $b = \inf I$ gibt es die Alternativen $a \in I$ oder
$a \not\in I$ und  $b \in I$ oder $b \not\in I$.
Es gibt damit vier Typen von  Intervallen in
$\overline{\Bbb{R}}$,  
f"ur die die beiden folgenden Notationen gebr"auchlich sind:
$$\begin{array}{llcll}
[a,b]&=&[a,b]&=&\{x \in \overline{\Bbb{R}} \mid a\leq x\leq b\}\\
\left]a,b\right[&=&(a,b)&=&\{x \in \overline{\Bbb{R}} \mid a<x<b\}\\
\left[a,b\right[ &=&[a,b)&=& \{x \in \overline{\Bbb{R}}\mid a \leq x < b\}\\
\left] a,b\right] &=&(a,b]&=& \{x \in \overline{\Bbb{R}} \mid a<x\leq b\}
\end{array}$$
W"ahlen wir hier  $a,b \in \overline{\Bbb{R}}$ beliebig 
mit $a<b$, so erhalten wir
genau alle  Intervalle in
$\overline{\Bbb{R}}$ mit mehr als einem Element, die
{\bf mehrpunktigen Intervalle}.\index{mehrpunktig!Intervall} 
Wir\index{Intervall!mehrpunktiges}
 benutzen die eben erkl"arten Notationen  jedoch  auch
im Fall $a\geq b$, sie bezeichnen dann manchmal eine
einpunktige Menge und meist die leere Menge.
Ein Intervall in $\DR$ nennen wir ein {\bf reelles Intervall}.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
Ich hoffe, da"s der 
Leser aus dem Kontext erschlie"sen kann,
wann mit $(a,b)$ ein Intervall gemeint ist 
und wann ein Paar aus $\DR^2$.
Sind $a$ und $b$ konkrete Zahlen, etwa
 $a=1$ und $b=27$, so w"are zu allem "Uberflu"s auch noch eine
dritte Lesart von $(1,27)$ als die in Klammern 
notierte Dezimalzahl $1,\!27$ denkbar. Ich hoffe, da"s der 
Leser aus dem Kontext erschlie"sen kann, was jeweils gemeint ist.
Wenn man genau hinguckt, sollte auch im letzteren Fall der Abstand nach
dem Komma etwas kleiner sein.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{ORIalt}
Ein Intervall in $\overline{\Bbb{R}}$  hei"st  
{\bf kompakt},\index{kompakt!Intervall in $\overline{\Bbb{R}}$}
 wenn es eines unserer Intervalle  $[a,b]$ 
ist. Der Begriff \glqq kompakt\grqq\  wird in 
\ref{Komp} auf beliebige Teilmengen von $\overline{\DR}$ verallgemeinert.
Ein reelles Intervall hei"st 
{\bf offen},\index{offen!reelles Intervall}
wenn es eines unserer Intervalle
$(a,b)$ 
ist. Der Begriff \glqq offen\grqq\  wird in 
\ref{Roff} auf beliebige Teilmengen von $\overline{\DR}$ verallgemeinert.
% Wir nennen ein reelles Intervall 
% \defnoind{halboffen}\index{halboffen!reelles Intervall} genau dann, 
% wenn es nicht aus  einem einzigen Punkt besteht, und verallgemeinern den
% Begriff \glqq halboffen\grqq\  in 
% \ref{dhoR} auf beliebige Teilmengen von $\DR$.
% In der in diesem Text verwendeten Terminologie 
% sind mithin  alle offenen Intervalle auch halboffen.
% In der Literatur wird der Begriff halboffen 
% meist abweichend davon verwendet als
% Bezeichnung f"ur  reelle Intervalle, die weder offen noch kompakt sind.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{eUalt}
Gegeben ein Punkt $x\in \overline{\Bbb{R}}$ 
vereinbaren wir nun, welche Teilmengen von $\overline{\Bbb{R}}$
wir {\bf Umgebungen von $x$} nennen wollen.
Wir geben diese Defini\-tion separat f"ur reelle Zahlen und f"ur
die beiden Punkte $\pm \infty$. 
\begin{enumerate}
\item 
Gegeben $x\in\DR$ hei"st
eine Teilmenge
$W\subset \overline{\Bbb{R}}$ 
eine \defnoind{Umgebung}\index{Umgebung!in $\overline{\DR}$} 
{\bf von} $x$, wenn
sie ein Intervall $(a,b)$ umfa"st mit
$a<x<b$;
\item
F"ur $x=\infty$ hei"st eine Teilmenge 
$W\subset \overline{\Bbb{R}}$ 
eine \defnoind{Umgebung}\index{Umgebung!in $\overline{\DR}$} 
{\bf von} $x$, wenn
sie ein Intervall $(a,\infty]$ umfa"st mit
$a<\infty$;
\item
F"ur $x=-\infty$ hei"st eine Teilmenge 
$W\subset \overline{\Bbb{R}}$ 
eine \defnoind{Umgebung}\index{Umgebung!in $\overline{\DR}$} 
{\bf von} $x$, wenn
sie ein Intervall $[-\infty,b)$ umfa"st mit
$\infty<b$.
\end{enumerate}
\end{Definition}

% \begin{Definition}\label{eU}
% Gegeben ein Punkt $x\in \DR$ hei"st 
% eine Teilmenge
% $W\subset \overline{\Bbb{R}}$ 
% eine \defnoind{Umgebung}\index{Umgebung!in $\overline{\DR}$} 
% {\bf von} $x$ genau dann, wenn
% sie ein Intervall $(a,b)$ umfa"st mit
% $a<x<b$. 
% Eine Teilmenge
% $W\subset \overline{\Bbb{R}}$ 
% hei"st eine \defind{Umgebung} {\bf von} $\infty$ genau dann, wenn
% sie ein Intervall $(a,\infty]$ 
% umfa"st mit $a<\infty$. Eine Teilmenge
% $W\subset \overline{\Bbb{R}}$ 
% hei"st eine \defind{Umgebung} {\bf von} $-\infty$ genau dann, wenn
% sie ein Intervall $[-\infty, b)$ 
% umfa"st mit $-\infty<b$. 
% \end{Definition}

\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUmg}\\[4mm]
\noindent 
Versuch der graphischen Darstellung einer Umgebung sowie einer 
$\varepsilon$-Umgebung eines hier fett eingezeichneten Punktes
der reellen Zahlengeraden. Die obere Umgebung besteht aus zwei 
Intervallen und einem einzelnen Punkt.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
  Die Aufspaltung der Definition in drei F"alle ist 
 nicht besonders
  befriedigend. Sie erm"oglicht es uns jedoch im 
weiteren, viele noch
  viel weiter gehende Fallunterscheidungen zu vermeiden.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Gegeben $x\in\DR$ und $\varepsilon  > 0$ nennen wir 
das offene Intervall  $(x-\varepsilon,x+\varepsilon)$ die
$\varepsilon$-{\bf Umgebung von $x$}. Eine Umgebung von 
$x\in\DR$  k"onnen wir auch
charakterisieren als eine Teilmenge
$W\subset \overline{\Bbb{R}}$, die f"ur mindestens ein 
reelles $\varepsilon  > 0$ 
das  Intervall  $(x-\varepsilon,x+\varepsilon)$ umfa"st, oder 
"aquivalent als eine Teilmenge, die f"ur mindestens ein 
reelles $\varepsilon  > 0$ das 
Intervall
 $[x-\varepsilon,x+\varepsilon]$ umfa"st. 
Eine der Motivationen f"ur unsere gro"sz"ugige Definition des
Umgebungsbegriffs ist, da"s er  uns 
durch seine gro"se Allgemeinheit dabei helfen kann, 
die Diskussion, ja  die blo"se Erw"ahnung 
derartiger Nebens"achlichkeiten weitgehend zu vermeiden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
Das kompakte Intervall
$[0,1]$ ist eine Umgebung von jedem Punkt aus dem offenen
Intervall $(0,1)$, aber von
keinem anderen Punkt der erweiterten reellen Zahlengeraden. 
 $\DQ$ ist f"ur keinen
Punkt der erweiterten reellen Zahlengeraden eine Umgebung. 
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}\label{REHalt}
Offensichtlich besitzen je zwei verschiedene Punkte 
der erweiterten reellen Zahlengeraden 
zueinander  disjunkte Umgebungen.
Offensichtlich ist der Schnitt von je zwei Umgebungen ein-
und desselben
Punktes ist wieder eine Umgebung des besagten Punktes.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkunge}
Bei der Vor- und Nachbereitung dieser Vorlesung ist mir
erst richtig klar geworden,  ein wie gro"ser Teil der Diskussion der
Begriffe
Grenzwert und Stetigkeit  
im Rahmen der Analysis einer reellen Ver"anderlichen 
nur die Struktur der reellen Zahlen als angeordnete Menge 
betrifft. Die Resultate dieses Abschnitts 
mit Ausnahme der Beschreibung aller Intervalle \ref{KlIn}
gelten im "Ubrigen mit 
unver"andertem Beweis auch allgemeiner f"ur einen beliebigen
archimedisch angeordneten K"orper und zu einem guten Teil sogar
f"ur einen beliebigen angeordneten K"orper.
\end{Bemerkunge}

\begin{Definition}
Eine Abbildung $\DN \ra X$, $n\mapsto x_{n}$
von den nat"urlichen Zahlen in eine Menge $X$
nennen wir eine
{\bf Folge\index{Folge} in $X$}.
Wir schreiben eine Folge meist $(x_{n})_{n\in \DN}$ oder $x_{0},
x_{1},x_{2}, \ldots $ oder auch einfach nur $x_{n}$. Die $x_{i}$
hei"sen die {\bf Folgenglieder}. Manchmal
nennen wir allerdings 
auch Abbildungen Folgen, die erst ab $n=1$ definiert sind.
\end{Definition}

\begin{Definition}\label{ffFalt}
Sagen wir, eine Aussage gelte f"ur
{\bf fast alle Elemente}\index{fast alle!Menge} 
einer Menge, so soll das bedeuten, da"s
sie gilt f"ur alle Elemente bis auf h"ochstens endlich
viele Ausnahmen.
Sagen wir, eine Aussage gelte f"ur
{\bf fast alle Glieder} einer Folge, so soll das bedeuten, da"s  
f"ur fast alle Indizes $n$ unsere Aussage 
f"ur das $n$-te Folgenglied gilt.
\end{Definition}

\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKoF}\\[4mm]
\noindent 
Graphische Darstellung der Folge $x_n=3^{3-n}-(-2)^{4-n}$, die
gegen Null konvergiert, wie Sie bald werden zeigen k"onnen.
Die Folgenglieder sind die kleinen Kreuzchen auf der reellen 
Achse, ihre Indizes tragen sie an
unterschiedlich
langen gestrichelt eingezeichneten Stangen.
\end{figure}
\begin{Definition}\label{altGDK}
Seien $x_{0},x_{1},\ldots$ eine Folge in $\overline{\DR}$ und 
$x\in\overline{\DR}$ ein  Punkt.
Wir sagen, {\bf die Folge $x_{n}$ konvergiere gegen}
\index{Konvergenz!von Folgen!in $\overline{\DR}$} $x$, 
wenn jede Umgebung von $x$ fast alle Glieder der Folge enth"alt.
Wir schreiben in diesem Fall 
auch $$\lim_{n\ra \infty} x_{n} =x$$ und nennen $x$
einen
{\bf Grenzwert}\index{Grenzwert!von Folge} oder lateinisierend
{\bf Limes}\index{Limes!von Folge}\index{lim@$\lim_{n\ra\infty}$ Grenzwert von
Folge!in $\overline{\mathbb R}$} 
der Folge. 
Nach der im folgenden bewiesenen
Eindeutigkeit des Grenzwerts \ref{EGr}  d"urfen wir uns sogar den
bestimmten Artikel erlauben und von \emph{dem} Grenzwert reden.  
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
Die  {\bf konstante Folge}
$x_{n} = x \;
\forall n$ konvergiert gegen $x$. 
In der Tat liegen bei dieser Folge in jeder Umgebung von $x$ nicht nur fast
alle, sondern sogar alle Folgenglieder.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}\label{ErBsa}
Die Folge $x_n=n$ konvergiert 
gegen plus Unendlich, in Formeln
$$\lim_{n\ra \infty} n =\infty$$ In der Tat umfa"st jede Umgebung $U$
von $\infty$ per definitionem ein Intervall der Gestalt
$(a,\infty]$ f"ur $a\in\DR$. Bereits in jedem 
derartigen 
Intervall liegen 
nach \ref{ArA}
aber fast alle 
Folgenglieder.
\end{Beispiel}

\begin{Definition}
Eine {\bf Nullfolge}\index{Nullfolge} ist eine 
Folge, die gegen Null konvergiert.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}\label{ErBs}
Die Folge $x_n=1/n$ ist eine Nullfolge, in Formeln
$$\lim_{n\ra \infty} \frac{1}{n} =0$$ In der Tat umfa"st jede Umgebung $U$
von $0$ per definitionem ein Intervall der Gestalt
$(-\varepsilon,\varepsilon)$ f"ur $\varepsilon>0$, 
und  in einem derartigen 
Intervall liegen alle 
Folgenglieder mit $n>(1/\varepsilon)$, 
nach \ref{ArA}
also jeweils fast alle Folgenglieder.
\end{Beispiel}
\begin{Lemma}[\textbf{Eindeutigkeit des Grenzwerts}]
\label{EGr}
Ein- und dieselbe Folge kann nicht gegen zwei 
verschiedene Punkte konvergieren, in
Formeln
$$(\lim_{n\ra \infty} x_{n} = x \text{ und } \lim_{n\ra \infty} x_{n}=y)
\Rightarrow (x =y)$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis] Durch Widerspruch.
Sind unsere Punkte $x$ und $y$ verschieden,
so besitzen sie auch disjunkte Umgebungen
$U$ und $V$. 
Dann k"onnen aber von
unseren unendlich vielen Folgengliedern 
nicht fast alle
in der Umgebung $U$ von $x$ und fast alle in  der Umgebung $V$ 
von $y$ liegen, also kann unsere
Folge nicht gleichzeitig gegen $x$ und gegen $y$ konvergieren.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Man beachte, wie  unser Umgebungsbegriff uns bereits an
dieser Stelle dabei hilft,
den Beweis kurz und pr"agnant zu halten und die Diskussion von
Sonderf"allen f"ur $\{x,y\}\cap \{-\infty,\infty\}\neq\emptyset$ zu
vermeiden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{AZU}
  Unter einer {\bf Umgebungsbasis}
\index{Umgebungsbasis!in $\overline{\DR}$} 
eines Punktes versteht
  man ein System alias eine 
Menge von Umgebungen besagten Punktes derart, da"s jede Umgebung
unseres Punktes
  mindestens eine Umgebung unseres Systems umfa"st.
\end{Definition}


\begin{Beispiele}
Sei $x$ eine reelle Zahl. Die $\varepsilon$-Umgebungen eines 
Punktes $x\in\DR$ bilden eine Umgebungsbasis 
von $x$. Alle 
  Intervalle $[x-3\varepsilon, x+4\varepsilon)$ mit $\varepsilon>0$  bilden eine Umgebungsbasis 
von $x$. 
  Alle Intervalle $[x-1/n, x+1/n]$ mit $n\in \DN_{\geq 1}$  bilden eine Umgebungsbasis 
von $x$.  Eine
   Umgebungsbasis von $\infty$ bilden etwa die
  Intervalle $[K,\infty]$ mit $K\in\DR$ oder auch mit $K\in\DN$. 
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{$\varepsilon$-Kriterium f"ur Konvergenz}] 
  Um die Konvergenz einer Folge gegen einen Punkt nachzuweisen, m"ussen wir
  offensichtlich nur f"ur jede Umgebung aus einer fest gew"ahlten
Umgebungsbasis
   pr"ufen, da"s fast alle Folgenglieder darin
  liegen.   Konvergenz gegen einen Punkt 
$x\in\DR$ etwa ist  gleichbedeutend dazu, da"s f"ur jedes
  $\varepsilon >0$ die $\varepsilon$-Umgebung von $x$ fast alle Glieder der
  Folge enth"alt. Im Fall einer reellen Folge $(x_n)$ ist 
das weiter gleichbedeutend dazu, da"s es 
  \begin{quote}
    f"ur jedes $\varepsilon >0$ ein $N=N_\varepsilon\in\DN$ 
gibt mit $n\geq N\RA
    |x_n-x|<\varepsilon$.
\end{quote}
Dahingegen ist $\lim_{n\ra \infty}
  x_{n}=\infty$ gleichbedeutend dazu, da"s f"ur jedes $K \in \DN$ fast alle
  Folgenglieder oberhalb von $K$ liegen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Konventionen zu $\varepsilon$}] 
Wenn Sie in der Analysis die Formulierung
\glqq f"ur alle  
$\varepsilon>0$ gilt was auch immer\grqq\   antreffen,  so d"urfen
Sie erwarten, da"s dieses \glqq was auch immer\grqq, wenn es denn f"ur ein
gegebenes $\varepsilon>0$ gilt, 
f"ur alle gr"o"seren  $\varepsilon>0$ eh gilt.
Salopp gesprochen besteht also  die unausgesprochene 
"Ubereinkunft, durch die 
Verwendung des Buchstabens $\varepsilon$ 
das anzudeuten, was man umgangsprachlich 
vielleicht mit \glqq f"ur jedes auch noch so kleine 
$\varepsilon>0$\grqq\  ausdr"ucken w"urde. 
Sie m"ussen nur einmal versuchen, beim Vorrechnen einer "Ubungsaufgabe
statt $\varepsilon$ den Buchstaben $M$ zu verwenden:
Auch wenn formal alles richtig sein sollte,  
wird Ihr Tutor deutlich  l"anger dar"uber nachdenken m"ussen,
ob Ihre Formulierung auch wirklich stimmt!  \glqq Sei $\varepsilon<0$\grqq\  
schlie"slich ist
ein mathematischer Witz.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Ich will versuchen, in der Vorlesung einem Farbencode zu folgen,
nach dem vorgegebene Umgebungen von Grenzwerten und dergleichen 
in gelber Farbe  dargestellt werden, dazu 
zu findende $N$ und dergleichen dahingegen in  blauer Farbe.
Rote Farbe ist an gr"unen Tafeln f"ur nicht wenige Menschen kaum zu lesen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Mit unserer Konvention f"ur die
\glqq Konvergenz gegen $\pm\infty$\grqq\  bewegen wir uns zwar im 
Rahmen des allgemeinen Begriffs 
der \glqq Konvergenz  in topologischen R"aumen\grqq\  \ref{GFMt}, aber 
au"serhalb der in der einf"uhrenden Literatur zur Analysis 
"ublichen Konventionen. "Ublicherweise wird stattdessen
die Terminologie 
\defind{bestimmte Divergenz} {\bf gegen $\pm\infty$}
verwendet. "Ublicherweise bleibt in 
anderen Worten der Begriff der konvergenten Folge
reserviert f"ur Folgen, die gegen eine reelle Zahl konvergieren.
Wir nennen solche Folgen   \defind{reell konvergent}.
Falls eine Folge nicht konvergiert,
auch nicht gegen $\infty$ oder $-\infty$, so
nennt man sie {\bf unbestimmt divergent}\index{unbestimmt divergent}.
Wir verlieren mit unserer Terminologie zwar etwas an
terminologischer Koh"arenz, da wir im weiteren \glqq Reihen\grqq\  
aus wieder anderen Gr"unden nur dann
konvergent nennen werden, wenn die Folge ihrer Partialsummeen
\emph{reell} konvergent ist. Das schien mir jedoch ein kleineres "Ubel,
als es eine unn"otig einschr"ankende oder in F"alle
aufspaltende Formulierung von Aussagen wie \ref{QeLe} oder
\ref{TeFo} w"are.
\end{Bemerkungl}









\begin{Proposition}\label{ou}
F"ur jede Folge $x_n$ von von Null verschiedenen reellen Zahlen
gilt
$$\begin{array}{c}
\lim_{n\ra \infty} x_{n} =0 
\;\Leftrightarrow \;\lim_{n\ra \infty}
|x_{n}^{-1}| = \infty
\end{array}$$
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur alle $K  >0$ gilt 
$|x_{n}^{-1}|
\in (K,\infty]\;
  \IFF \;x_{n}\in(-K^{-1},K^{-1})$.
Gilt also die rechte Seite bei vorgegebenem $K>0$ f"ur fast alle 
Folgenglieder, so auch die Linke.
Ebenso gilt f"ur alle $\varepsilon  >0$ offensichtlich
$x_{n}\in(-\varepsilon,\varepsilon)\;
  \IFF \;|x_{n}^{-1}|
\in ({\varepsilon }^{-1},\infty]$.
Gilt also die rechte Seite bei vorgegebenem $\varepsilon>0$ f"ur fast alle 
Folgenglieder, so auch die Linke.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Vereinbaren wir $1/|\infty|=1/|{-\infty}|=0$ und $|1/0|=\infty$, 
so gilt diese Proposition mit demselben Beweis sogar f"ur jede
Folge in $\overline{\DR}$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Proposition}\label{Pot}
Die folgende Tabelle beschreibt das Konvergenzverhalten
der Folge $(x^{n})_{n\in \DN}$ der Potenzen von $x$ in Abh"angigkeit von $x$:
$$\begin{array}{r@{\extracolsep{4mm}}l}
x > 1 & \lim_{n\ra \infty}x^{n} = \infty;\\
x=1 & \lim_{n\ra \infty}x^{n} =1 ;\\
|x| < 1 & \lim_{n\ra \infty}x^{n} =0 ;\\
x\leq -1 & \text{Die Folge $x^{n}$ divergiert unbestimmt.}
\end{array}$$
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Im Fall $x > 1$ schreiben wir $x = 1 + y$ mit $y >0$ und erhalten
mit der binomischen Formel
$$x^{n} = (1+y)^{n} \geq 1 + ny$$
Aber nat"urlich gilt $1 + ny \geq K$ genau dann, wenn gilt $n \geq 
(K-1)/y$, und das gilt bei festem $K$ f"ur fast alle $n$.
Im Fall $x =1$ ist die Folge konstant $1$ und es ist nichts zu zeigen.
Falls $0<|x| < 1$ gilt nach dem Vorhergehenden $\lim_{n\ra \infty}
|{1}/{x^{n}}|=\infty$ und daraus folgt mit 
Proposition \ref{ou} $\lim_{n\ra \infty} x^{n}=0$. 
F"ur $x=0$ gilt das nat"urlich eh.
Im Fall $x\leq -1$ gilt $|x^{n}-x^{n+1}|
\geq 2$ f"ur alle $n$. Also kann die Folge nicht 
gegen eine reelle Zahl $a$ konvergieren, denn
dann m"u"ste
gelten $|a-x^n|<1$ f"ur fast alle $n$ und dann nach der Dreiecksungleichung 
$|x^{n}-x^{n+1}|
< 2$ f"ur fast alle $n$.
Die Folge kann in diesem Fall aber auch nicht gegen
$\pm\infty$ konvergieren,
da die Folgenglieder immer abwechselnd positiv und negativ sind.
\end{proof}

\begin{Lemma}[\defind{Quetschlemma}]\label{QeLe}
Sind in $\overline{\DR}$ drei Folgen $a_n, b_n, c_n$ gegeben mit 
$a_n\leq b_n\leq c_n$ f"ur alle $n$,
und konvergieren $a_n$ und $c_n$ gegen denselben Grenzwert, so
konvergiert auch $b_n$ gegen diesen Grenzwert.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkunge}
In der  franz"osischen Literatur tr"agt dieses Lemma
die hintersinnige Bezeichnung  
\glqq th\'eor\`eme des gendarmes\grqq.\index{gendarmes!th\'eor\`eme des}
\end{Bemerkunge}

\begin{proof}[Beweis]
Das folgt aus den Definitionen mit der Erkenntnis,
da"s sich jede Umgebung eines Punktes  verkleinern l"a"st zu
einer Umgebung desselben Punktes, die ein Intervall ist.
Es reicht ja, f"ur jede solche \glqq Intervallumgebung\grqq\  $I$ des gemeinsamen
Grenzwerts von $a_n$ und $c_n$ zu zeigen, da"s fast alle $b_n$ darinliegen.
Das ist aber klar, da fast  alle $a_n$ und fast alle $c_n$ darinliegen.
\end{proof}
\begin{Beispiel}\label{AQL}
Konvergiert eine  Folge reeller Zahlen  $a_n$ 
gegen $\infty$, so konvergiert jede 
Folge reeller Zahlen  $b_n$ mit 
$a_n\leq b_n$ f"ur alle $n$ auch gegen $\infty$. Das folgt 
zum Beispiel, indem wir
als $c_n$ die konstante Folge $\infty$ nehmen und das Quetschlemma anwenden.
\end{Beispiel}

\begin{Lemma}[\textbf{Erhaltung von Ungleichungen}]
Seien $a_{n}, b_{n}$ Folgen in $\overline{\DR}$  mit \label{GAA2}%\label{GA2} 
Grenzwerten  $\lim_{n\ra \infty}
a_{n} = a$ und $\lim_{n\ra \infty}b_n =b$. 
Gilt $a_n\leq b_n$ f"ur alle $n$, so folgt $a\leq b$.  
\end{Lemma}
\begin{proof}
W"are hier $b<a$, so 
f"anden wir $k$ mit $b<k<a$. Dann w"are $[-\infty,k)$ eine Umgebung von $b$
und $(k,\infty]$ eine Umgebung von $a$. 
Fast alle $a_n$ m"ussten also in $(k,\infty]$ liegen
und fast alle $b_n$ in  $[-\infty,k)$ und es folgte
$a_n>b_n$ f"ur fast alle $n$ im Widerspruch zu unserer Annahme.  
\end{proof}



\begin{Satz}[\textbf{Rechenregeln f"ur Grenzwerte}]\label{GA}
Seien $a_{n}, b_{n}$ Folgen reeller Zahlen mit  reellen 
Grenzwerten $\lim_{n\ra \infty}
a_{n} = a$, $\lim_{n\ra \infty}b_n =b$.
\begin{enumerate}
\item\label{GA1} Die Summe bzw.\ das Produkt unserer Folgen konvergieren gegen
die Summe bzw.\ das Produkt ihrer Grenzwerte, in Formeln
$$\begin{array}{lcl}
\lim_{n\ra \infty}(a_{n}+b_{n})& = &a +b \\
\lim_{n\ra \infty}
(a_{n}b_{n}) &= &ab
\end{array}$$
\item\label{GA2}%vielleicht auch {GAA2}, war doppelt
Sind alle Glieder der Folge $b_n$ sowie ihr
Grenzwert $b$ von Null verschieden, so gilt f"ur die Folge der
Kehrwerte 
$$\lim_{n\ra \infty} \frac{1}{b_n}=\frac{1}{b}$$
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}
Wir beginnen den Beweis mit einem Lemma.
\begin{Lemma}\label{SAMM}
\begin{enumerate}
\item
Gegeben $a,b\in\DR$ und eine Umgebung $W$ von $a+b$ gibt
es Umgebungen $U$ von $a$ und $V$ von 
$b$ mit $U+V\subset W$.
\item
Gegeben $a,b\in\DR$ und eine Umgebung $W$ von $a\cdot b$ gibt
es Umgebungen $U$ von $a$ und $V$ von 
$b$ mit $U\cdot V\subset W$.  
\item\label{SAM3}
Gegeben $b\in\DR^\times$ und eine Umgebung $W$ von $b^{-1}$ gibt
es eine Umgebung $V\subset\DR^\times$ von $b$ mit $V^{-1}\subset W$.  
\end{enumerate}
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
In Erinnerung an \eref{Verk}{GR} 
verstehen wir hier $U+ V=\{x+ y\mid x\in U, \;y\in V\}$
und $U\cdot V=\{x\cdot y\mid x\in U, \;y\in V\}$.
In Anlehnung an  \eref{BiMe}{GR} verstehen wir weiter
$V^{-1}=\{x^{-1}\mid x\in V\}$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis des Lemmas]
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir annehmen,
da"s $W$ sogar eine  $\varepsilon$-Umgebung von $a+b$ ist.
Nehmen wir dann f"ur $U$ bzw.\ $V$ die $\varepsilon/2$-Umgebung von
$a$ bzw.\ $b$, so gilt in der Tat $U+V\subset W$. 
F"ur die zweite Formel beginnen wir mit der Absch"atzung
$$\begin{array}{lcl}
|xy-ab| &=& |(x-a)y + a(y-b)| \\
& \leq & |x-a\|y|+|a\|y-b|
\end{array}$$
Aus den beiden Ungleichungen $|x-a|< \eta$ und $|y-b|< \eta$ 
folgt zun"achst  $|y|< |b|+\eta $
und dann 
$$|xy - ab| \leq \eta (|b|+ \eta + |a|)$$
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir nun wieder annehmen,
da"s $W$  eine  $\varepsilon$-Umgebung von $a\cdot b$ ist.
W"ahlen wir dann ein $\eta\in (0,1)$ mit
$\varepsilon >\eta (|b|+1 + |a|)$ und nehmen als $U$ bzw.\  $V$ die
$\eta$-Umgebungen von $a$ bzw.\ $b$, so gilt folglich in der Tat 
$U\cdot V\subset W$.
Um die letzte Aussage zu zeigen, 
nehmen wir der Einfachkeit halber $b>0$ an.
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir nun
$W=(a,d)$ mit $0<a<b<d<\infty$ annehmen, und dann 
betrachten  wir schlicht
$V=(d^{-1},a^{-1})$ und sind fertig. 
\end{proof}\noindent
Jetzt zeigen wir unsere Rechenregeln f"ur Grenzwerte \ref{GA}.
Wir m"ussen f"ur jede Umgebung $W$ von $a+b$ zeigen, da"s fast alle
Glieder der Folge $a_n+b_n$ darinliegen.
Nach dem vorhergehenden Lemma \ref{SAMM} finden wir jedoch Umgebungen $U$ von
$a$ und $V$ von $b$ mit $U+V\subset W$. Da nach Annahme fast alle Glieder
der ersten Folge in $U$ liegen und fast alle Glieder
der zweiten Folge in $V$, liegen damit in der Tat fast alle
Glieder der Folge $a_n+b_n$ in $W$. Ganz genauso 
folgt aus den anderen Teilen von Lemma \ref{SAMM},
da"s der Grenzwert des Produktes zweier Folgen das Produkt der 
Grenzwerte ist, und "ahnlich aber einfacher, da"s der Grenzwert der 
Kehrwerte der Kehrtwert des Grenzwerts ist.
\end{proof}


\begin{Beispiel}
$$\lim_{n\ra\infty}\frac{5n^3+n}{3n^3+n^2}=
\lim_{n\ra\infty}\frac{5+(1/n)^2}{3+(1/n)}=\frac{5+0^2}{3+0}=\frac{5}{3}$$
\end{Beispiel}







\begin{Bemerkungl}\label{GWU}
Die Addition und die Multiplikation $\Bbb{R}\times \DR\ra\DR$ lassen sich 
nicht so zu Abbildungen von
ganz $\overline{\Bbb{R}}\times\overline{\Bbb{R}}$ nach $
\overline{\Bbb{R}}$ fortsetzen, da"s die ersten beiden Teile von 
\ref{SAMM} entsprechend gelten. Alle derartigen Fortsetzungen auf Teilmengen
von $\overline{\Bbb{R}}\times\overline{\Bbb{R}}$ stimmen jedoch auf dem 
Schnitt der jeweiligen Definitionsbereiche "uberein, so da"s es sowohl 
f"ur die Addition als auch f"ur die Multiplikation jeweils 
eine gr"o"stm"ogliche
\glqq sinnvolle Fortsetzung\grqq\  gibt, die wir im Rahmen der Topologie \eref{PrTo}{ML}
als die gr"o"stm"ogliche \glqq stetige Fortsetzung\grqq\  werden verstehen k"onnen. 
Wir beschreiben diese Fortsetzungen 
von Addition und Multiplikation 
durch Abbildungen $+, \cdot : \overline{\Bbb{R}} 
\times \overline{\Bbb{R}} \ra
\overline{\Bbb{R}} \cup \{\ast\}$ mit einem eigenen
Symbol $\ast$ f"ur \glqq nicht sinnvoll in $\overline{\Bbb{R}}$ zu definieren\grqq.
Unsere Fortsetzungen werden mit dieser Konvention gegeben durch die Formeln
$$\begin{array}{rcrcrcl}
a+\infty & =& \infty +a & =& \infty & & \forall a \in \Bbb{R} \cup \{\infty\}\\
a+(-\infty) & =& -\infty +a &=& -\infty & & \forall a \in \Bbb{R} \cup \{-\infty\}\\
\infty +(-\infty) &=& -\infty + \infty &=& \ast & &
\end{array}$$
und
$$\begin{array}{rcrcrcl}
a\infty &=& \infty a &=& \infty & & \forall a \in \overline{\Bbb{R}}, a>0\\
a \infty &=& \infty a &=& -\infty & & \forall a \in \overline{\Bbb{R}}, a<0\\
a(-\infty) &=& (-\infty) a &=& -\infty & & \forall a \in \overline{\Bbb{R}}, a>0\\
a (-\infty) &=& (-\infty) a &=& \infty & & \forall a \in \overline{\Bbb{R}}, a<0\\
0 \infty &=& \infty 0& =& \ast &&\\
0 (-\infty) &=& (-\infty) 0& =& \ast & &
\end{array}$$
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{SCFR} 
Man zeige: 
Die Regeln \ref{GA}.\ref{GA1} zum Vertauschen von Grenzwertbildung mit
Addition und Multiplikation 
gelten auch noch, wenn wir $a,b \in \overline{\Bbb{R}}$
zulassen und $a+b$ beziehungsweise $ a\cdot b$ sinnvoll definiert sind
im Sinne der vorhergehenden Bemerkung \ref{GWU}. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{AbFun}
  F"ur jedes $x\in \overline{\DR}$ gibt es eine absteigende
  Folge von Umgebungen $U_0\supset U_1\supset U_2\supset\ldots$ derart, da"s
  jede Umgebung von $x$ fast alle der $U_n$ umfa"st.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Ist $A\subset \overline{\DR}$ eine nichtleere  Teilmenge, so
ist $\sup A$ das gr"o"ste Element in der Menge $G$ 
aller Punkte aus den erweiterten 
reellen Zahlen, die Grenzwerte von Folgen aus $A$ sind.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{absG}
Aus $\lim_{n \ra \infty} a_{n} = a$ folgt $\lim_{n \ra \infty} |a_{n}| = |a|$.
Umgekehrt folgt aus $\lim_{n \ra \infty} |a_{n}|=0$  bereits
$\lim_{n \ra \infty} a_{n}=0$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{RFNu}
Ist $(a_n)$ eine  Folge reeller Zahlen, die gegen eine reelle
Zahl  konvergiert, so gilt
$\lim_{n\ra\infty}(a_{n+1}-a_n)=0$.
\end{Ubung}




\subsection{Vollst"andigkeit der reellen Zahlen}
\begin{Definition}
Eine Menge von reellen Zahlen hei"st 
{\bf beschr"ankt},\index{beschr"ankt!Menge reeller Zahlen} 
 wenn sie in $\DR$ eine obere und eine untere
Schranke  besitzt. Eine Folge reeller Zahlen 
hei"st beschr"ankt, wenn die Menge der 
Folgenglieder beschr"ankt ist.
\end{Definition}
\begin{Lemma}
Jede reell konvergente Folge von reellen Zahlen 
ist beschr"ankt.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Ist $x\in\DR$ der Grenzwert unserer Folge, so liegen fast alle Folgenglieder
in $[x-1, x+1]$. Die endlich vielen Ausnahmen k"onnen wir durch 
eine hinreichend gro"se obere und untere Schranke
 auch noch einfangen.
\end{proof}
\begin{Definition}\label{MFol} %\label{MFoll} multikategorisch 
Eine Folge $x_n$ in einer
Menge mit Ordnungsrelation hei"st: 

{\bf monoton wachsend}, wenn gilt
$x_{0}\leq x_{1}\leq x_{2} \leq \ldots$

{\bf streng monoton wachsend}, wenn gilt
$x_{0}< x_{1}< x_{2} < \ldots$

{\bf monoton fallend}, wenn gilt 
$x_{0}\geq x_{1}\geq x_{2}\geq \ldots$

{\bf streng monoton fallend}, wenn gilt 
$x_{0}> x_{1}> x_{2}> \ldots$
\\[3mm]
\noindent Eine Folge hei"st
{\bf monoton},\index{monoton}  
wenn sie  monoton w"achst
oder 
monoton f"allt. Eine Folge hei"st
{\bf streng monoton},\index{monoton!streng}  
wenn sie streng monoton w"achst
oder 
streng monoton f"allt. Diese Begriffe werden in \ref{MoAb} auf Abbildungen
zwischen beliebigen angeordneten Mengen verallgemeinert.
\end{Definition}

\begin{Lemma}\label{mk}
Jede monoton wachsende Folge in $\overline{\DR}$ konvergiert
gegen das Supremum der Menge ihrer Folgenglieder.
Jede monoton fallende Folge in $\overline{\DR}$ konvergiert
gegen das Infimum der Menge ihrer Folgenglieder.
Jede monotone beschr"ankte Folge von reellen Zahlen konvergiert
gegen eine reelle Zahl.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
 Wir zeigen nur die erste Aussage, die Zweite zeigt man analog und die
Dritte ist eine offensichtliche Konsequenz.
Sei  $s$ das Supremum alias 
die kleinste obere Schranke der Menge aller Folgenglieder.
Kein $p$ mit $p<s$ ist dann  eine obere Schranke der Menge aller Folgenglieder,
folglich liegen f"ur jedes $p<s$ ein und damit
wegen der Monotonie fast alle $x_n$ in $(p,s]$.
Damit liegen in jeder Umgebung von $s$ fast alle
Folgenglieder.
\end{proof}

\begin{Definition}
Sei $x_{0},x_{1},x_{2},\ldots$ eine Folge.
Ist $0\leq n_{0}<n_{1}<n_{2} < \ldots$ eine streng monoton wachsende Folge nat"urlicher Zahlen, so nennen
wir die Folge $(x_{n_{k}})_{k\in \DN}$ mit Gliedern $$x_{n_{0}}, x_{n_{1}},
x_{n_{2}}, \ldots$$ eine {\bf Teilfolge}\index{Teilfolge} 
der Folge $x_{n}$.
Schreiben wir eine Folge  als eine Abbildung $x :\DN \ra X$, $ x \mapsto
x(n)=x_{n}$, so ist eine Teilfolge von $x$ demnach eine Abbildung der Gestalt
$x\circ f$ f"ur eine streng monoton wachsende 
Folge  $f:\DN \ra \DN$. 
\end{Definition}
\begin{Lemma}\label{TeFo}
Jede Teilfolge einer konvergenten Folge konvergiert, und zwar gegen
denselben Grenzwert wie die urspr"ungliche Folge.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Das ist klar nach den Definitionen.
\end{proof}
\begin{Lemma}\label{MT}
Jede Folge in einer angeordneten Menge besitzt eine monotone
Teilfolge.
\end{Lemma}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildAuP}\\[4mm]
\noindent 
Bei der Folge $(-1)^n 6/n$ ist jedes zweite Folgenglied ein
Ausichtspunkt im Sinne des Beweises von Lemma \ref{MT}.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Hier m"ogen Sie sich an unsere Sprachregelung \eref{SPR}{GR}
erinnern. Gemeint ist demnach: Jede  
Folge in einer angeordneten Menge besitzt mindestens eine monotone
Teilfolge.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Wir nennen ein Folgenglied $x_n$ oder pr"aziser seinen Index $n$
einen \glqq Aussichtspunkt\grqq\  der Folge,
wenn alle sp"ateren Folgenglieder kleiner sind,
in Formeln $x_n>x_m$ f"ur alle $m>n$.
Besitzt unsere Folge unendlich viele Aussichtspunkte, so bilden diese 
eine streng monoton fallende Teilfolge.
Sonst gibt es einen letzten Aussichtspunkt $x_n$. Dann
finden wir aber
eine monoton wachsende Teilfolge, die mit $x_{n+1}$
beginnt, denn ab dem Index $n+1$ kommt dann nach jedem Folgenglied
noch ein anderes, das mindestens ebenso gro"s ist.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Bolzano-Weierstra"s}\index{Bolzano-Weierstra"s}]\label{HB}
Jede Folge in 
$\overline{\DR}$ besitzt eine in $\overline{\DR}$  
konvergente Teilfolge. 
Jede beschr"ankte Folge von reellen Zahlen besitzt eine reell
konvergente Teilfolge.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Jede Folge in 
$\overline{\DR}$ besitzt nach \ref{MT} 
eine monotone Teilfolge, und diese ist nach \ref{mk} konvergent
in $\overline{\DR}$. 
Ist unsere Folge beschr"ankt,
so ist auch jede solche Teilfolge beschr"ankt und konvergiert folglich
gegen eine reelle Zahl. 
\end{proof}

\begin{Definition}\label{CF}
Eine Folge $(x_{n})_{n\in \DN}$ von reellen Zahlen 
hei"st eine {\bf Cauchy-Folge},\index{Cauchy-Folge} 
wenn es f"ur jedes $\varepsilon  >0$ ein
$N = N_{\varepsilon } \in \DN$ gibt derart, da"s gilt
$|x_{n}-x_{m} | < \varepsilon  $ falls $n,m \geq N$.
Analog erkl"art man Cauchy-Folgen in beliebigen angeordneten K"orpern.
\end{Definition}
\begin{Satz}\label{CFB}
Eine Folge reeller Zahlen  konvergiert gegen eine reelle Zahl genau dann,
wenn sie
eine Cauchy-Folge ist.
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
Da"s jede reell konvergente Folge Cauchy sein mu"s,
ist leicht zu sehen: Aus $\lim_{n\ra \infty} x_{n} =x$ folgt, da"s es
f"ur alle $\varepsilon  > 0$  ein $N \in \DN$ gibt mit
$|x_{n}-x| < \varepsilon /2$ f"ur $n\geq N$.
Daraus folgt dann $|x_{n}-x_{m}| < \varepsilon $ f"ur
$n,m \geq N$.
Wir zeigen nun umgekehrt, da"s auch jede 
Cauchy-Folge gegen eine reelle Zahl konvergiert.
Eine Cauchy-Folge $x_{n}$ ist sicher  beschr"ankt, 
denn w"ahlen wir f"ur $\varepsilon=1$
ein $N=N_\varepsilon$, so liegen fast alle Folgenglieder im Intervall
$(x_N-1,x_N+1)$, und die endlich vielen Ausnahmen
k"onnen wir durch eine hinreichend gro"se Schranke auch noch einfangen.
Unsere Cauchy-Folge besitzt
daher nach \ref{HB} eine reell konvergente Teilfolge $x_{n_{k}}$, sagen
wir $\lim_{k\ra \infty} x_{n_{k}} =x$.
Wir behaupten, da"s dann auch die Folge $x_{n}$ selbst gegen $x$
konvergiert.
In der Tat gibt es f"ur alle $\varepsilon > 0$ 
ein $N_\varepsilon$ mit $n,m \geq
N_\varepsilon \Rightarrow |x_{n} -x_{m}| < \varepsilon$.
Aus $n\geq N_\varepsilon$ folgt damit
insbesondere $|x_{n}-x_{n_{k}}| < \varepsilon$ f"ur
fast alle $k$ und dann  im Grenzwert $|x_{n}-x|\leq \varepsilon$
, da ja die Ungleichungen $-\varepsilon \leq x_{n}-
x_{n_{k}} \leq \varepsilon$ bestehen bleiben beim Grenz"ubergang
$k\ra\infty$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Ein angeordneter K"orper, in dem jede Cauchy-Folge konvergiert,
hei"st {\bf vollst"andig}\index{vollst"andig!angeordneter K"orper}. 
Dieser Begriff ist Teil einer
alternativen Charakterisierung der reellen Zahlen,
die wir im folgenden als "Ubung formulieren.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Gegeben ein angeordneter K"orper sind gleichbedeutend:
(1)
Jede nichtleere Teilmenge mit einer unteren Schranke besitzt eine
gr"o"ste untere Schranke;
(2)
Der K"orper ist archimedisch angeordnet und vollst"andig.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[{\bf
Intervallschachtelungsprinzip}]
Gegeben eine absteigende Folge von nichtleeren kompakten
Intervallen\index{Intervallschachtelungsprinzip}
 $I_0\supset I_1\supset I_2\ldots$ ist auch ihr Schnitt
$\bigcap_{\nu\in \DN} I_\nu$ nicht leer.\label{ISP}  
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Konvergiert eine Teilfolge einer Cauchyfolge, 
so konvergiert bereits die ganze Cauchyfolge, 
und zwar gegen denselben Grenzwert.
\end{Ubung}
\subsection{Vergleich von $\Bbb{Q}$ und $\Bbb{R}$}

\begin{Satz}
F"ur jede nichtnegative reelle Zahl $a\geq 0$
gibt es genau eine nichtnegative reelle Zahl $x\geq 0$
mit $x^{2}=a$.\label{QWE} Man bezeichnet diese Zahl $x$  mit $\sqrt{a}$ und nennt
sie die {\bf\em Wurzel}\index{Wurzel!Quadratwurzel} oder genauer
{\bf\em Quadratwurzel}\index{Quadratwurzel}
von $a$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Ich  erinnere daran, da"s es nach \ref{QQWE} keine rationale Zahl mit
Quadrat Zwei gibt. Dieser Satz zeigt also bereits, da"s es reelle Zahlen gibt,
die nicht rational sind.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPK}\\[4mm]
\noindent
Graphische Darstellung unserer induktiven Formel f"ur die
Glieder der Folge $x_n$ mit Grenzwert $\sqrt{a}$ aus dem Beweis von \ref{QWE}
\end{figure}
\begin{proof}[Beweis]
Haben wir  eine L"osung $X=b$ der Gleichung $X^2-a=0$ gefunden, 
so gilt $X^{2}-a=(X+b) (X-b)$. In einem K"orper ist 
nun aber ein Produkt nur  Null, wenn einer der
Faktoren Null ist. Folglich ist $X=-b$ dann die einzige andere
L"osung.
Die Eindeutigkeit der nichtnegativen L"osung ist damit klar und nur
deren Existenz mu"s noch gezeigt werden.
Wir konstruieren dazu eine Folge und beginnen mit
$x_{0}\pdef\max (1,a)$. Dann gilt sicherlich schon einmal $x^{2}_{0} \geq a$.
Gegeben $x_{n}>0$ mit $x^{2}_{n} \geq a$ machen wir den Ansatz
$(x_{n}-\varepsilon )^{2}=a$ und erhalten
$\varepsilon  = ({x^{2}_{n}+\varepsilon ^{2}-a})/{2x_{n}}.
$
Nun vernachl"assigen wir  $\varepsilon^2/2x_n$, vergessen unseren Ansatz 
und setzen 
$$x_{n+1} = x_{n} - \frac{x^{2}_{n}-a}{2x_{n}}=\frac{x^{2}_{n}+a}{2x_{n}} $$
Man sieht sofort, da"s aus 
 $x^{2}_{n} \geq a$ und $x_{n}>0$ folgt
$x^{2}_{n+1} \geq a$ und  $x_{n} \geq x_{n+1}> 0$. 
Da die Folge der $x_n$ monoton f"allt und durch 
Null nach unten beschr"ankt ist,
besitzt sie einen Grenzwert $x\geq 0$.
Aus der Gleichung
$$2x_{n} x_{n+1} =  x^{2}_{n} +a$$
folgt dann $x^{2}=a$ durch "Ubergang zum Grenzwert 
f"ur $n\ra\infty$ auf beiden Seiten.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}\label{NTV}
Die Ungleichungen ${a}/{x_{n}} \leq \sqrt{a}
<x_{n}$ erlauben uns sogar abzusch"atzen, wie gut unsere Approximation
$x_{n}$ mindestens sein mu"s.
Machen wir f"ur den Fehler den Ansatz
$x_n=\sqrt{a}(1+f_n)$, so ergibt sich mit etwas Rechnen
$$f_{n+1}=\frac{f_n^2}{2(1+f_n)}$$
und indem wir im Nenner die 1 beziehungsweise $f_n$ verkleinern zu Null
erhalten wir die Absch"atzung $f_{n+1}\leq \frac{1}{2}\min(f_n,f_n^2)$.
Sobald also $x_n$ so nah bei $\sqrt{a}$ ist, da"s gilt $f_n<1$, \glqq verdoppelt
sich die Anzahl der richtigen Stellen beim "Ubergang von $x_n$ zu $x_{n+1}$\grqq.
Man spricht unter diesen Umst"anden auch von
{\bf quadratischer Konvergenz}.
Anschaulich erh"alt man $x_{n+1}$, indem man von $x_n$ senkrecht
hochgeht zum Graph der Funktion $y=x^{2}-a$ und dann auf der Tangente
an diesen Graphen wieder herunter auf die $x$-Achse.
Es ist damit auch anschaulich klar, da"s unser Verfahren sehr
schnell konvergieren sollte. 
Dieses Verfahren kann auch zur Bestimmung der Nullstellen 
allgemeinerer Funktionen anwenden. 
Es hei"st das \defind{Newton-Verfahren}. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}
Eine Menge hei"st \defind{abz"ahlbar}, wenn es eine
Bijektion unserer Menge mit einer Teilmenge der Menge $\DN$ aller
nat"urlichen Zahlen gibt. Gleichbedeutend k"onnen wir auch fordern, da"s unsere
Menge entweder leer ist oder es eine Surjektion von $\DN$ darauf gibt.
Eine Menge hei"st 
\defind{abz"ahlbar unendlich}, wenn sie abz"ahlbar 
aber nicht endlich ist. Eine Menge hei"st 
\defind{"uberabz"ahlbar}, wenn sie nicht abz"ahlbar ist.
\end{Definition}
\begin{Satz}\label{QR}
\begin{enumerate}
\item
Es gibt eine Bijektion $\DN \sira \DQ$, in Worten: Die Menge der rationalen
Zahlen ist {\bf\em abz"ahlbar unendlich};\index{abz"ahlbar unendlich}
\item
Es gibt keine Surjektion $\DN \sra \Bbb{R}$, in Worten: 
Die Menge der reellen Zahlen
ist {\bf\em "uberabz"ahlbar}\index{"uberabz"ahlbar}.
\end{enumerate}
\end{Satz} 
\begin{figure}[p]
  \centering
  
    \includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildZZ}
\\[4mm]
\noindent
$\DN\times\DN$ ist abz"ahlbar und damit nat"urlich auch allgemeiner
das Produkt von je zwei und dann auch von endlich 
vielen abz"ahlbaren Mengen.
\end{figure}
\begin{figure}[p]
  \centering
    \includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildCaD}
\\[4mm]
\noindent
Illustration zum Cantor'schen Diagonalverfahren. "Ahnlich zeigt man, da"s die 
Menge $\op{Ens}(\DN,E)$ aller Abbildungen von $\DN$ in eine Menge $E$ 
mit mindestens zwei Elementen   nicht
abz"ahlbar ist.
\end{figure}
\begin{proof}[Beweis]
1.
F"ur jede nat"urliche Zahl  
$N$ gibt es nur endlich viele Br"uche $p/q \in \DQ$ mit
$p,q \in \DZ$, $ q\neq 0$ und $|p| \leq N$, $|q| \leq N$.
Wir beginnen unser Abz"ahlen von $\DQ$ mit den Br"uchen f"ur
$N = 1$, dann nehmen wir die Br"uche hinzu mit $N=2$, und indem wir 
so weitermachen
z"ahlen wir ganz $\DQ$ ab.
\\[2mm]\noindent
2.
Hierzu verwenden wir das 
{\bf Cantor'sche Diagonalverfahren}.\index{Cantor'sches Diagonalverfahren}
Man beachte zun"achst, da"s ein unendlicher Dezimalbruch,
in dem die Ziffern Null und Neun nicht vorkommen, nur dann dieselbe reelle Zahl
darstellt wie ein beliebiger 
anderer unendlicher Dezimalbruch, wenn die beiden in jeder
Stelle "ubereinstimmen.
Wir betrachten 
nun eine beliebige Abbildung $\DN_{\geq 1} \ra \Bbb{R}$, $i \mapsto r_{i}$,
und zeigen, da"s sie keine Surjektion sein kann. Wir schreiben dazu
jedes $r_{i}$ als unendlichen Dezimalbruch. Dann finden wir einen unendlichen
Dezimalbruch $r$, bei dem die Ziffern
Null und Neun nicht vorkommen und so, da"s $r$ f"ur an der $i$-ten Stelle
nach dem Komma verschieden ist von $r_{i}$.
Dies $r$ ist dann verschieden von allen $r_{i}$  und unsere Abbildung
$i\mapsto r_{i}$ kann keine Surjektion gewesen sein.
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
Man kann sich fragen, ob jede  Teilmenge der reellen Zahlen
entweder abz"ahlbar ist oder in Bijektion zu den reellen Zahlen selber.
Die schon auf Cantor zur"uckgehende Vermutung, das k"onnte gelten,  
ist bekannt als die  \defind{Kontinuumshypothese}. Sie  wurde 
1963 von Paul Cohen  in sehr merkw"urdiger
Weise gekl"art:  Er zeigte, da"s unsere Frage
in dem axiomatischen Rahmen, in
dem man die Mengenlehre "ublicherweise 
formalisiert, nicht entscheidbar ist.
Cohen wurde f"ur diese Leistung 
auf dem internationalen Mathematikerkongress
1966 mit der Fields-Medaille ausgezeichnet.
Die Kontinuumshypothese ist "ubrigends die erste Frage einer 
ber"uhmten Liste von 23
Fragestellungen, den sogenannten \defnoind{Hilbert'schen 
Problemen},\index{Hilbert'sche Probleme}\index{Hilbert'sche Probleme!Nummer 1}
die David Hilbert in seiner Ansprache 
auf dem internationalen Mathematikerkongress 1900 
in Paris vorstellte in seinem Bem"uhen, \glqq aus 
verschiedenen mathematischen Disziplinen einzelne 
bestimmte Probleme zu nennen,
von deren Behandlung eine F"orderung der Wissenschaft sich 
erwarten l"a"st\grqq.
\end{Bemerkung}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{UGF}
Ich erinnere an
 die Fibonacci-Folge und den goldenen Schnitt aus \eref{FiFo}{GR}.
  Man zeige, da"s der Quotient zweier aufeinanderfolgender
  Fibonacci-Zahlen gegen den goldenen
  Schnitt strebt, da"s also in Formeln gilt 
  $$\lim_{i\ra\infty}\frac{x_{i+1}}{x_i}=\frac{1 + \sqrt{5}}{2}$$
f"ur unsere Fibonacci-Folge
  $x_0,x_1,x_2,\ldots$ aus \eref{FiFo}{GR}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Gegeben zwei reelle Zahlen $a,b\in \DR$ definiert man ihr
{\bf arithmetisches Mittel}\index{arithmetisches Mittel} als
die Zahl $(a+b)/2$. Gegeben zwei nichtnegative reelle 
Zahlen $a,b\in \DR_{\geq 0}$ 
definiert man ihr\label{GeoM}  
{\bf geometrisches Mittel}\index{geometrisches Mittel} 
als
die Zahl $\sqrt{ab}$. 
Anschaulich ist das die Kantenl"ange eines Quadrats, das dieselbe Fl"ache
hat wie das Rechteck mit den Seitenl"angen $a$ und $b$, 
und daher kommt vermutlich auch die Terminologie. 
Man zeige f"ur je zwei positive
reelle Zahlen die Ungleichung $\sqrt{ab}\leq (a+b)/2$ zwischen
geometrischem und arithmetischen Mittel und zeige, da"s Gleichheit 
nur gilt im Fall $a=b=0$. 
\end{Ubung}
\subsection{Die Kreiszahl $\pi$}
\begin{Bemerkungl}\label{DP}\index{p@$\pi$ Kreiszahl}
Bekanntlich bezeichnet $\pi$, ein kleines griechisches P f"ur 
Perimeter, das Verh"altnis zwischen Umfang und Durchmesser eines Kreises.
Um diese Anschauung zu formalisieren zur Definition einer reellen
Zahl im Sinne von $\ref{DRZ}$  gehen wir aus von der
anschaulichen Bedeutung von $\pi$ als
L"ange des Halbkreises $H$ mit Radius Eins 
$$H \pdef \{ (a,b) \in \Bbb{R}^{2} \mid a^{2} +b^{2} =1, \;b \geq 0\}$$
Seien  $x,y : \Bbb{R}^{2} \ra
\Bbb{R}$ die beiden Abbildungen,
die jedem Punkt der Ebene seine erste bzw.\ zweite Koordinate
zuordnen, also $v = (x (v), y(v)) \quad \forall v \in
\Bbb{R}^{2}$. Die Distanz $d(v,w)\in \DR$
zwischen zwei Punkten $v,w \in \Bbb{R}^{2}$ der Ebene erkl"aren wir
in Erinnerung an den Satz des Pythagoras
durch die Formel
$$d(v,w) \pdef \sqrt{(x(v) - x(w))^{2} + (y(v) - y(w))^{2}}$$
Die  {\bf Kreiszahl} $\pi\in \DR$ definieren  wir dann als das Supremum "uber
die \glqq L"angen aller in unseren Halbkreis 
$H$ einbeschriebenen Polygonz"uge\grqq, in
Formeln
$$\pi  \pdef  \op{sup}\left\{ \sum^{n}_{i=1} d(v_{i-1}, v_{i}) \left|
\begin{array}{l} n \in \Bbb{N}, \; v_{0},v_{1}, \ldots, v_{n} \in H,\\
x (v_{0}) < x (v_{1}) < \ldots < x(v_{n})
\end{array} \right\}\right. $$
Mithilfe der Absch"atzung $\sqrt{a^{2}+b^{2}} \leq |a| + |b|$
erkennt man, 
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPa}\\[4mm]
Ein einbeschriebener 
Polygonzug
\end{figure}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKA}\\[4mm]
Diese Abbildung soll veranschaulichen,
warum $4$ eine obere Schranke f"ur die L"angen einbeschriebener 
Polygonz"uge ist: Die horizontalen  St"ucke und die vertikalen St"ucke
haben jeweils zusammengenommen eine Gesamtl"ange  $\leq 2$. 
\end{figure}
da"s die Zahl $4$ eine obere Schranke ist f"ur unsere
Menge von L"angen von Polygonz"ugen, mithin haben wir hier in der Tat
eine reelle Zahl $\pi \in \Bbb{R}$ definiert.
Wir werden in \ref{BP} sehen, wie man diese Zahl im Prinzip bis zu einer
beliebig vorgegebenen Stelle nach dem Komma berechnen kann.
Die  Definition selbst ist sehr einfach. Ich habe sie nur
deshalb nicht gleich im
Zusammenhang mit der Definition der reellen Zahlen gegeben, 
weil sie die Existenz von Quadratwurzeln ben"otigt, 
die erst in \ref{QWE} gezeigt wurde.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}\label{PiTr}
Die Zahl $\pi$ ist nicht rational, in Formeln $\pi \not\in \Bbb{Q}$,
wie Lambert bereits 1766 zeigen konnte.
Anders ausgedr"uckt l"a"st sich $\pi$ nicht durch einen periodischen
Dezimalbruch darstellen. Wir geben einen Beweis in \ref{pinr}.
Unsere Kreiszahl $\pi$ ist noch nicht einmal 
\defnoind{algebraisch},\index{algebraisch!reelle Zahl}
als da hei"st Nullstelle eines nichttrivialen
Polynoms mit rationalen Koeffizienten, d.h.\ es gilt keine
Gleichung der Gestalt
$$\pi^{n} + q_{n-1}\pi^{n-1} + \ldots + q_{1}\pi + q_{0}= 0\;\;\;
\text{ mit } q_{n-1},\ldots, q_{0}\in \Bbb{Q} \text{ und } n\geq 1.$$
Reelle Zahlen, die nicht algebraisch sind, hei"sen
{\bf transzendent}\index{transzendent!reelle Zahl}, 
lateinisch f"ur \glqq "uberschreitend\grqq,
da ihre Behandlung  \glqq die Grenzen der Algebra "uberschreitet\grqq.
Die Transzendenz von $\pi$ wurde 1882 von Lindemann
in Freiburg
bewiesen. Seine  B"uste steht
im vierten Stock des Mathematischen Instituts.
Er war "ubrigends Hilbert's Doktorvater.
\end{Bemerkunge}
\subsection{Grenzwerte von Reihen}\label{GVR}
\begin{Definition}
Sei $(a_{k})_{k\in \DN}$ eine Folge reeller Zahlen. Der Ausdruck
$$\sum^{\infty}_{k=0} a_{k}$$ bezeichnet die Folge der {\bf
Partialsummen}\index{Partialsumme}
$s_{n}=\sum^{n}_{k=0} a_{k}$ und, falls die Folge dieser
Partialsummen konvergiert, auch ihren Grenzwert $\lim_{n\ra \infty} s_{n}=s$.
Wir sagen dann, die {\bf Reihe} $\sum^{\infty}_{k=0} a_{k}$ 
{\bf konvergiere gegen}\index{Konvergenz!von reellen Reihen} $s$. 
Nennen wir eine Reihe {\bf konvergent},\index{konvergent!reelle Reihe} 
so meinen wir stets,
da"s unsere Reihe gegen eine reelle Zahl
konvergiert und nicht etwa gegen $\pm\infty$. 
Die $a_k$ hei"sen die
{\bf Reihenglieder}\index{Reihenglieder}.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{"Andern endlich vieler Reihenglieder}] 
 Es spielt  f"ur das Konvergenzverhalten einer Reihe offensichtlich keine
Rolle, wenn wir  endlich viele ihrer Glieder ab"andern. Das beinflu"st
nur den Grenzwert und "andert ihn eben um die Summe unserer 
endlich vielen "Anderungen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Es w"are terminologisch koh"arenter gewesen, wie bei Folgen
auch bei Reihen 
von \glqq reell konvergenten Reihen\grqq\  zu sprechen.
Das schien mir jedoch ungeschickt,
da man den Begriff dann nicht als Verb verwenden kann:
 \glqq Die Reihe reell-konvergiert\grqq\  klingt einfach zu holprig,
und Sprechweisen wie 
\glqq die Reihe konvergiert absolut\grqq\  sind oft praktisch.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel} Dies Beispiel illustriert den oft n"utzlichen
{\bf Teleskopsummentrick}:\index{Teleskopsumme} 
$$\begin{array}{ccl}
\sum^{\infty}_{k=1} \frac{1}{k(k+1)}& =&\lim_{n\ra \infty} \sum^{n}_{k=1} (\frac{1}{k}-\frac{1}{k+1})\\[2mm]
&=& \lim_{n\ra \infty} (1-\frac{1}{n+1})\\[2mm]
&=& 1
\end{array}$$  
\end{Beispiel}

\begin{Satz}[\textbf{Geometrische Reihe}\index{Geometrische Reihe}]\label{GRalt}
Sei  $|x|<1$. So gilt $$\sum^{\infty}_{k=0}x^{k}= \frac{1}{1-x}$$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Sicher gilt $(1-x)(1+x+\ldots + x^{n}) =1 -x^{n+1}$, die Partialsummen
unserer Reihe ergeben sich also zu
$$ 1 + x + \ldots +x^{n} = \frac{1-x^{n+1}}{1-x\;\;}$$ und streben f"ur
$n \ra \infty$ wie gew"unscht gegen $\frac{1}{1-x}$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Herkunft der Terminologie}]
  Die Folgen der Gestalt $ax^n$ hei"sen 
{\bf geometrische Folgen},\index{geometrische Folge}\index{Folge!geometrische} 
da bei ihnen zumindest im Fall $a>0, x>0$ jedes Folgenglied nach dem ersten 
das geometrische Mittel im Sinne von \ref{GeoM} seines Vorg"angers und seines
Nachfolgers ist. Die geometrische Reihe hinwiederum erbt ihren Namen von der
geometrischen Folge. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
Es gilt $1+\frac{1}{2}+\frac{1}{4}+ \frac{1}{8} + \ldots = 2$
und
$$0,\!999\ldots = \frac{9}{10} \sum^{\infty}_{k=0}  \frac{1}{10^k}
  =1$$  
\end{Beispiel}


\begin{Satz}
Sind $\sum a_{k}$ und $\sum b_{k}$ konvergente Reihen, so konvergieren auch
die Reihen $\sum (a_{k}+b_{k})$ und $\sum \lambda a_{k}$ und es gilt:
$$\begin{array}{rcl}
\sum (a_{k}+b_{k}) &=& \sum a_{k} +\sum b_{k}\\
\sum \lambda a_{k} & =& \lambda \sum a_{k}
\end{array}$$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt sofort, wenn man die entsprechenden Aussagen f"ur Folgen 
\ref{GA} auf die Folgen der Partialsummen
anwendet.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Eine Reihe kann nur dann  konvergieren, wenn die Folge der Reihenglieder
gegen Null strebt.
In der Tat folgt das sofort, wenn wir \ref{RFNu} auf die Folge der 
Partialsummen anwenden.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}\label{bk}
Eine Reihe, die aus nichtnegativen Gliedern besteht, konvergiert genau dann,
wenn die Folge ihrer Partialsummen beschr"ankt ist. 
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Ist kein Reihenglied negativ, so w"achst die Folge der
Par\-tial\-summen monoton. Ist diese Folge auch noch beschr"ankt,
so mu"s sie  nach \ref{mk} reell konvergent sein. Die Umkehrung ist eh klar.
\end{proof}
\begin{Beispiel} \label{harm}
Die {\bf harmonische Reihe}\index{harmonische Reihe}
$\sum^{\infty}_{k=1} \frac{1}{k}$ konvergiert nicht,
da ja gilt
\begin{figure}[p]
  \centering
    \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildBau}
\\[4mm]\noindent
Die Divergenz der harmonischen Reihe \ref{harm} zeigt, da"s man
mit hinreichend vielen identischen Baukl"otzen einen beliebig weit
neben seinem Grundklotz endenden Turm bauen kann. Obiges Bild zeigt etwa,
wie weit man mit vier Kl"otzen so gerade eben mal kommen kann.
\end{figure}
$$\begin{array}{rcl}
\frac{1}{2} & \geq &\frac{1}{2}\\[2mm]
\frac{1}{3}+\frac{1}{4} &\geq & \frac{1}{2}\\[2mm]
\frac{1}{5}+\frac{1}{6}+\frac{1}{7}+ \frac{1}{8} &\geq & \frac{1}{2}\\[2mm]
\text{und}&\text{so} &\text{weiter.}
\end{array}$$
Jedoch konvergieren die Reihen
$\sum^{\infty}_{k=1}\frac{1}{k^{s}}$ f"ur $s=2,3,4, \ldots$, 
da f"ur jede dieser Reihen die Folge der Partialsummen beschr"ankt ist durch
$1 + \sum^{\infty}_{k=2} \frac{1}{k(k-1)}=2$.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungw} In der Funktionentheorie k"onnen Sie lernen, 
da"s diese Reihen sogar eine au"serordentlich
interessante Funktion $\zeta (s)$ definieren, die sogenannte {\bf Riemann'sche
$\zeta$-Funktion}\index{Riemann!$\zeta$-Funktion}.
Wir werden in \eref{WRZ}{FT1}  
zeigen, da"s zum Beispiel gilt $\zeta (2) = \frac{\pi^{2}}{6}$,
$\zeta (4) = \frac{\pi^{4}}{90}$, $\zeta (6) = \frac{\pi^{6}}{945}$ und nach
 \eref{WRZa}{FT1} haben wir 
sogar ganz allgemein $\zeta (2n)\in \DQ\pi^{2n}$ f"ur beliebige 
nat"urliche Zahlen $n\geq 1$. Alle diese Formeln sind ber"uhmte Resultate 
des 1707 in Basel geborenen Mathematikers {\bf Leonhard} \defind{Euler}.
Als "Ubung \ref{KWPZ} werden Sie im "ubrigen zeigen, da"s auch  die
Reihe der Kehrwerte aller Primzahlen bereits divergiert.
F"ur diejenigen unter Ihnen, die  die komplexen
Zahlen bereits kennen, sei erw"ahnt, da"s es
mit etwas gr"o"serem Aufwand sogar gelingt, $\zeta (s)$ zu definieren
f"ur jede komplexe Zahl $s\neq 1$, 
vergleiche etwa \eref{AZFc}{FT1}. Die
vielleicht ber"uhmteste Vermutung der
Mathematik, die sogenannte 
{\bf Riemann'sche Vermutung}\index{Riemann!Riemann'sche Vermutung} besagt,
da"s alle Nullstellen der Riemann'schen $\zeta$-Funktion, die nicht
auf der reellen Achse liegen,
Realteil $1/2$ haben
m"ussen. Ein Beweis dieser Vermutung h"atte weitreichende
Konsequenzen f"ur unser Verst"andnis der  Verteilung der Primzahlen,
wie der Beweis des Primzahlsatzes \eref{PZS}{FT1}  illustriert. 
Die Riemann'sche Vermutung ist "ubrigends
der Kern des {\bf achten Hilbert'schen 
Problems}.\index{Hilbert'sche Probleme!Nummer 8} 
\end{Bemerkungw}

\begin{Definition}
Wir sagen, eine Reihe $\sum^{\infty}_{k=0} a_{k}$ {\bf konvergiere
absolut},\index{absolut konvergente Reihe!reeller Zahlen} 
 wenn die Reihe der Absolutbetr"age ihrer Reihenglieder 
konvergiert, in Formeln $\sum^{\infty}_{k=0} |a_{k}|<\infty$.
\end{Definition}
\begin{Beispiel} Die sogenannte \defind{alternierende harmonische Reihe}
$$\sum^{\infty}_{k=1} (-1)^{k+1}\frac{1}{k}=1-\frac{1}{2}+ \frac{1}{3}-
\frac{1}{4}+ \ldots $$ konvergiert, aber nicht absolut.
Da"s die Reihe nicht absolut konvergiert, 
hatten wir schon in \ref{harm} gesehen.
Um zu zeigen, da"s unsere Reihe dennoch konvergiert, beachten wir, da"s
f"ur die Folge $s_{n}$ der Partialsummen gilt
$$s_{2}\leq s_{4} \leq s_6\leq \ldots s_{5} \leq s_{3} \leq s_{1}$$
Folglich existiert $S = \sup \{s_{2},s_{4},\ldots\}$.
Da aber gilt $s_{2k} \leq S \leq s_{2k +1}$ f"ur alle $k$ erhalten wir
$|S- s_{n}| \leq \frac{1}{n}$ und folglich $\lim_{n\ra \infty} s_{n}
=S$. Wir werden in \ref{AbK} sehen, da"s genauer gilt
$ 1 - \frac{1}{2} + \frac{1}{3}-\frac{1}{4} + \ldots = \log 2$.
\end{Beispiel}


\begin{Satz}
Jede absolut konvergente Reihe konvergiert.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $\sum^{\infty}_{k=0} a_{k}$ unsere absolut konvergente Reihe.
Seien
$$s_{n} = \sum^{n}_{k=0} a_{k},\;\; S_{n} = \sum^{n}_{k=0} |a_{k}|$$
die Partialsummen der Reihe selbst und der Reihe der Absolutbetr"age. Nach
Annahme konvergiert die Folge der $S_{n}$ in $\DR$  und
ist also eine Cauchy-Folge.
Da aber gilt $|s_{n}-s_{m}| =|\sum^{n}_{k=m+1} a_{k}|
\leq \sum^{n}_{k=m+1} |a_{k}|=S_{n}-S_{m} \quad \forall n>m$,
ist dann auch $s_{n}$ eine Cauchy-Folge und konvergiert 
in $\DR$ nach \ref{CFB}.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Umordnungssatz}\index{Umordnungssatz}]\label{US}
Ist $\sum^{\infty}_{k=0} a_{k}$ eine absolut konvergente Reihe
und $u:\DN \ra \DN$ eine Bijektion, so ist auch $\sum^{\infty}_{k=0}
a_{u(k)}$ eine absolut konvergente Reihe und es gilt
$$\sum^{\infty}_{k=0} a_{u(k)} = \sum^{\infty}_{k=0} a_{k}$$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Da $\sum |a_k|$ konvergiert, finden wir sicher
f"ur jedes $\varepsilon  > 0$ ein $N$ mit $\sum^{\infty}_{k=N+1}|a_{k}|
\leq \varepsilon $.
Ist $M$ so gro"s, da"s gilt $  u (\{1,\ldots ,
M\})\supset \{1,\ldots , N\}$, so erhalten wir daraus
f"ur alle $n\geq N$ die Absch"atzung
$$\left| \sum^{M}_{k=0} a_{u(k)} - 
\sum^{n}_{k=0} a_k\right| \leq \varepsilon $$
Diese Absch"atzung gilt nach \ref{GAA2}
und \ref{absG} dann auch im Grenzwert $n\ra\infty$
und zeigt, da"s die Folge der Partialsummen der umgeordneten Reihe
konvergiert und
denselben Grenzwert hat wie die Folge der Partialsummen der urspr"unglichen
Reihe. Wenden wir diese Erkenntnis an auf die Reihe der Absolutbetr"age,
so folgt auch die absolute Konvergenz der umgeordneten Reihe.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}
Ist $\sum a_k$ eine konvergente Reihe reeller Zahlen,
die nicht absolut konvergiert, so gibt es f"ur
jedes $x\in\Bbb{R}$ eine Umordnung $u:\DN\sira\DN$ 
mit $\sum_{k=0}^\infty a_{u(k)}=x$. 
In der Tat divergieren in diesem Fall die Reihen ihrer positiven und
ihrer negativen Terme jeweils f"ur sich genommen.
Die Strategie 
ist nun, erst nur positive Reihenglieder
zu nehmen, bis man
oberhalb von $x$ ist, dann nur negative, bis man wieder drunterrutscht,
und immer so weiter.
\end{Bemerkunge}





\begin{Proposition}[\textbf{Majorantenkriterium}\index{Majorantenkriterium}]
Sei $\sum a_{k}$ eine Reihe.\label{MajKalt} 
Gibt es f"ur unsere Reihe eine konvergente {\bf\em Majorante}\index{Majorante},
als da hei"st eine konvergente Reihe
$\sum b_{k}$ mit $|a_{k}| \leq b_{k}$ f"ur fast alle $k$, so konvergiert
unsere Reihe $\sum a_{k}$ absolut.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Indem wir endlich viele Glieder ab"andern, d"urfen wir ohne
Beschr"ankung der Allgemeinheit annehmen, da"s 
$|a_{k}| \leq b_{k} $ sogar f"ur alle $k$ gilt. 
Die Reihe $\sum |a_{k}|$ besteht nun aus nichtnegativen Gliedern und
die Folge ihrer Partialsummen ist  beschr"ankt durch $\sum b_{k}$.
Aus \ref{bk} folgt damit die Konvergenz der Reihe $\sum |a_{k}|$.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Quotientenkriterium}\index{Quotientenkriterium}]
Sei $\sum a_{k}$ eine Reihe mit nichtverschwindenden Gliedern. Gibt es
$\theta < 1$ mit $|a_{k+1}/a_{k}| \leq \theta$ f"ur\label{QuKalt}  
fast alle  $k$, so konvergiert
die Reihe $\sum a_{k}$ absolut.
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
Bei diesem Kriterium ist wesentlich, da"s $\theta$ nicht von $k$ abh"angt,
die Ungleichungen $|a_{k+1}/a_{k}| < 1$ gelten
ja auch f"ur die divergente harmonische Reihe.
Es gibt jedoch auch
Reihen wie $\sum\frac{1}{k^2}$,
die absolut konvergieren, obwohl sie unser Kriterium nicht
dazu zwingt.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Indem wir endlich viele Glieder ab"andern, d"urfen wir ohne
Beschr"ankung der Allgemeinheit annehmen, da"s 
$|a_{k+1}/a_{k}| \leq \theta$ sogar f"ur alle $k$ gilt. 
Daraus folgt induktiv $|a_{k}| \leq |a_{0}| \theta^{k}$ 
f"ur alle $k$, mithin ist die nach \ref{GR} konvergente
geometrische Reihe $\sum |a_{0}|\theta^{k}$ eine Majorante unserer Reihe
und wir k"onnen das Majorantenkriterium \ref{MajK} anwenden.
\end{proof}
\begin{Korollar}\label{KQK}
Sei $\sum a_{k}$ eine Reihe mit nichtverschwindenden Gliedern.
Gilt $\lim_{k\ra \infty} |a_{k+1}/a_{k}|
<1$, so konvergiert die Reihe $\sum a_{k}$ absolut.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Klar nach dem Quotientenkriterium \ref{QuK}.
\end{proof}


  \begin{Definition}\label{BAKo}%\label{BUS}
    Gegeben eine  Familie  von reellen Zahlen   $(a_i)_{i\in I}$ und
    $s\in\overline{\DR}$ schreiben wir
    $$\sum_{i\in I} a_i=s$$
    als Abk"urzung f"ur die Aussage, da"s es f"ur jede
    Umgebung $U$ von $s$ eine endliche 
Teilmenge $I_U\subset I$ gibt derart, 
   da"s f"ur jedes endliche $J$ mit 
$ I_U\subset J\subset I$ gilt
    $$\sum_{i\in J} a_i\in U$$
Es ist klar, da"s hier $s$ eindeutig bestimmt ist, wenn es existiert.
Ist zus"atzlich $s$ reell, so nennen wir unsere Familie von reellen Zahlen
{\bf summierbar}.\index{summierbar!Familie reeller Zahlen} 
\end{Definition} 
% \begin{Definition}\label{BAKo}%\label{BUS}
%     Eine  Familie  $(a_i)_{i\in I}$ von reellen Zahlen hei"st
% \defnoind{summierbar}\index{summierbar!Familie reeller Zahlen} 
% {\bf mit Summe} $s$
%      und man schreibt
%     $$\sum_{i\in I} a_i=s$$
%     genau dann, wenn es f"ur jede
%     Umgebung $U$ von $s$ eine endliche Teilmenge $I_U\subset I$ gibt derart, 
%    da"s f"ur jedes endliche $J$ mit 
% $ I_U\subset J\subset I$ gilt
%     $$\sum_{i\in J} a_i\in U$$
% Diese Definition ist durchaus f"ur $s\in\overline{\DR}$ sinnvoll,
% wir nennen unsere Familie jedoch nur im Fall $s\in \DR$ summierbar.
% \end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Mir gef"allt die letzte Definition besonders gut, da
darin von einer Reihenfolge der Summanden erst gar nicht 
die Rede ist. In der folgenden "Ubung d"urfen Sie zeigen, da"s 
die in der 
vorhergehenden Definition 
erkl"arte Summierbarkeit 
im wesentlichen gleichbedeutend zu absoluter 
Konvergenz ist. Sp"ater, wenn wir auch in Vektorr"aumen summieren,
sind jedoch Summierbarkeit und absolute Konvergenz nicht mehr
gleichbedeutend, und dann
erweist sich  das Analogon \ref{ABSB} der Summierbarkeit 
\ref{BAKo} als der
n"utzlichere Begriff.
\end{Bemerkungl}


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{RPP}
Genau dann l"a"st sich eine reelle Zahl durch einen periodischen
Dezimalbruch darstellen, wenn sie rational ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{LK}
Man zeige das  {\bf Leibniz'sche Konvergenzkriterium}\index{Leibniz'sches Konvergenzkriterium}:
Ist $a_{k}$ eine monoton fallende Nullfolge, so konvergiert die Reihe
$\sum^{\infty}_{k=0} (-1)^{k} a_{k}$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Ist $\sum a_k$ eine konvergente Reihe reeller Zahlen und $u:\DN\sira\DN$ 
eine Umordnung mit der Eigenschaft, da"s $|u(k)-k|$ beschr"ankt ist,
so konvergiert auch die umgeordnete Reihe $\sum a_{u(k)}$ und zwar
gegen denselben Grenzwert.
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}\label{SuFa}
Man zeige, da"s in einer summierbaren Familie von reellen Zahlen
nur f"ur  h"ochstens abz"ahlbar viele Indizes 
$i\in I$ das entsprechende
$a_i$ von Null verschieden sein kann. 
Hinweis: Sonst g"abe es ein $n\geq 1$ derart, 
da"s f"ur unendlich viele $i$ g"alte $|a_i|>1/n$.
Man zeige dann weiter,
eine Familie von reellen Zahlen summierbar ist genau dann, wenn
f"ur eine und jede Abz"ahlung ihrer von Null verschiedenen 
Glieder die so entstehende Reihe absolut konvergiert, und da"s dann
die Summe unserer Familie der Grenzwert der entsprechenden Reihe ist.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
  Gegeben eine summierbare Familie von reellen Zahlen $(a_i)_{i\in I}$ zeige
  man,\label{RMKo} da"s auch f"ur eine beliebige Teilmenge $J\subset I$ 
die Familie $(a_i)_{i\in J}$ summierbar ist, und da"s f"ur eine beliebige
  Zerlegung $I=\coprod_{k\in K}I(k)$ von $I$ in eine Vereinigung von paarweise
  disjunkten Teilmengen $I(k)$ gilt $\sum_{i\in I} a_i=\sum_{k\in
    K}(\sum_{i\in I(k)} a_i)$. Weiter zeige man f"ur jede aufsteigende Familie
  von Teilmengen $I_0\subset I_1\subset \ldots$ mit Vereinigung $I$ die Formel
  $\sum_{i\in I} a_i=\lim_{n\ra\infty}\sum_{i\in I_n}a_i$. Diese Aussagen
  werden sich
  im "ubrigen als Speziallf"alle des Satzes von Fubini \eref{Fuba}{AN3} und des Satzes
  "uber dominierte Konvergenz \eref{DoKo}{AN3} aus der Theorie des
  Lebesgue-Integrals erweisen.
\end{Ubunge}



\subsection{Wachstum und Zerfall}\label{Exp}

\begin{Definition}\label{DEx}
F"ur alle $x\in\DR$  setzen wir 
$$\exp (x) \pdef \sum^{\infty}_{k=0} \frac{x^{k}}{k!}
=1+x+\frac{x^{2}}{2}+\frac{x^{3}}{6}+
\ldots$$
und erhalten so eine Abbildung $\exp : \Bbb{R} \ra \Bbb{R}$, die
 {\bf Exponentialfunktion}\index{Exponentialfunktion}.  
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
Die fragliche Reihe konvergiert f"ur alle $x\in\DR$ 
nach dem Quotientenkriterium oder 
genauer seinem Korollar \ref{KQK}, und sie
konvergiert sogar au"serordentlich schnell. Von einem formalen
Standpunkt aus betrachtet ist
unsere Definition also v"ollig unproblematisch
und von einem rechentechnischen Standpunkt aus betrachtet ist
sie sogar ziemlich geschickt.
Sie hat nur den Nachteil, da"s aus der
Definition heraus weder klar wird, 
warum gerade diese Funktion den Namen
Exponentialfunktion verdienen sollte, noch warum sie 
"uberhaupt von Interesse ist.
Ich erl"autere das in den gleich anschlie"senden Bemerkungen \ref{EEED}
und \ref{EEEb}. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}\label{EEE}
Es gilt $\exp (x) = \lim_{n\ra \infty} \left(1+ \frac{x}{n}
\right)^{n}$.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Mit der binomischen Formel \eref{BiFoA}{GR} ergibt sich
$$
\left( 1+ \frac{x}{n}\right)^{n} = \sum^{n}_{k=0}{n \choose k}
\left(\frac{x}{n}\right)^{k}
 = \sum^{\infty}_{k=0} \frac{x^{k}}{k!} \frac{n(n-1)\ldots (n-k+1)}
 {n\;\cdot\; n\cdot\;\hfill\ldots\hfill \cdot\; n\;\;\;\;\;}
$$
F"ur beliebige $M,n\in\DN$ mit $n\geq 1$ gilt also
$$\begin{array}{cl}
\left|\exp (x) - \left( 1+\frac{x}{n}\right)^{n} \right| \leq &
\left| \exp (x) -\sum^{M}_{k=0} \frac{x^{k}}{k!} \right| \\[4mm]
& + \left|\sum^{M}_{k=0} \frac{x^{k}}{k!} - \sum^{M}_{k=0} \frac{x^{k}}
{k!} \frac{n(n-1)\ldots (n-k+1)}{n\;\cdot\; n\;\cdot\hfill\ldots\hfill\cdot\; n\;\;\;\;\;\;} \right| \\[4mm]
& + \left| \sum^{\infty}_{k=M+1} \frac{x^{k}}{k!} \frac{n(n-1) \ldots
(n-k+1)}{n\;\cdot\; n\;\cdot\hfill\ldots\hfill\cdot\; n\;\;\;\;\;\;} \right|
\end{array}$$
Da die Exponentialreihe f"ur vorgegebenes $x$ absolut konvergiert, 
gibt es f"ur jedes $\varepsilon
>0$ ein $M=M_\varepsilon$ derart, da"s f"ur jedes $n$ 
der erste und der letzte Term rechts beschr"ankt sind durch
$\varepsilon $. 
F"ur dies feste $M$ geht der mittlere Term bei $n \ra \infty$ gegen
Null,  es gibt also $N =N_{\varepsilon }$ derart, da"s er
f"ur dies feste $M$ 
kleiner wird als $\varepsilon $ falls $n\geq N$. Damit gilt
$\left| \exp (x) - \left(1+\frac{x}{n}\right)^{n}\right| \leq 3 \varepsilon $
falls $n \geq N$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Exponentialfunktion und Wachstum}] 
Unsere Proposition \ref{EEE} kann man dahingehend interpretieren,
da"s $\exp (x)$ das Kapital ist, das in $x$\label{EEEb} 
Jahren aus einem Euro entsteht bei einer \glqq kontinuierlichen Verzinsung
mit einem Zinssatz von $100\%$\grqq.
Legen wir das Geld zum Beispiel f"ur ein Jahr an, so haben wir bei j"ahrlicher
Verzinsung am Ende des Jahres zwei Euro auf dem Konto. 
Bei monatlicher Verzinsung
ergeben sich mit Zinseszinsen 
schon $(1+\frac{1}{12})^{12}$ Euro, und bei kontinuierlicher
Verzinsung $\op{e} \pdef \exp (1) = 2,\!781 \ldots$ Euro.
Man nennt $\op{e}$  
die {\bf Euler'sche Zahl}\index{Euler'sche Zahl}.
In der Schule haben Sie m"oglicherweise $\op{e}^{x}$ statt $\exp (x)$
geschrieben, aber wir erlauben uns das erst ab
\ref{APo}, wo wir f"ur beliebiges 
$a>0$  die Abbildung  $\DZ\ra\DR$, $n\mapsto a^n$
zu einer Abbildung $\DR\ra\DR$, $b\mapsto a^b$ fortsetzen und zwar nach
\ref{SRR2} auf die einzig m"ogliche Weise, bei der
die Funktion $b\mapsto a^b$ 
\glqq monoton\grqq\  ist im Sinne von 
\ref{MoAb} und die
\glqq Funktionalgleichung\grqq\  $a^{b+c}=a^b a^c$ erf"ullt.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]
  \centering
    \includegraphics[height=0.7\textheight]{SkriptenBilder/Bildexp}%Bild0013
\\ \noindent Der Graph der Exponentialfunktion in zwei Ma"sst"aben.
Man erkennt unschwer, da"s ein konstantes Wirtschaftswachstum "uber
l"angere Zeitr"aume in einer Katastrophe enden mu"s.
   In derselben Weise entwickelt sich im "Ubrigen auch 
die Geschwindigkeit einer Vorlesung unter der Annahme,
    da"s die Stoffmenge, die in einer Stunde vermittelt werden kann,
    proportional ist zur Menge des Stoffes, 
den die Zuh"orer bereits kennen$\ldots$
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}\label{EEED} 
In einem Ausdruck der Gestalt $a^b$ nennt man 
$a$ die {\bf Basis} und 
 $b$ den {\bf Exponenten}, weil er eben exponiert oben
an die Basis  geschrieben wird. Daher r"uhrt
auch die Bezeichnung  als \glqq Exponentialfunktion\grqq.
Ich w"urde unsere Funktion viel lieber ihrer Natur nach die
\glqq Funktion des nat"urlichen Wachstums\grqq\  oder 
die \glqq Wachstumsfunktion\grqq\  nennen, 
aber die aus der  Schreibweise abgeleitete
Bezeichnung hat sich nun einmal durchgesetzt,
mag sie auch aus historischen
Zuf"allen  entstanden sein: H"atte sich f"ur
die Bezeichnung des Quadrats einer Zahl $a$  statt der Notation $a^2$ 
die
Notation $a_2$ eingeb"urgert, so w"urde in Anbetracht
dieses Schemas der Begriffsbildung
unsere Exponentialfunktion heute 
vielleicht \glqq Pedestalfunktion\grqq\  
hei"sen$\ldots$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Didaktische Gedanken zur Einf"uhrung der Exponentialfunktion}] 
Eine infinitesimale Formulierung der in
\ref{EEEb} erl"auterten Bedeutung der
Exponentialfunktion gibt
Korollar \ref{KEe},  in dem die
 Exponentialfunktion charakterisiert wird als
die eindeutig bestimmte differenzierbare Funktion von den reellen
Zahlen in sich selber, die mit ihrer eigenen Ableitung 
"ubereinstimmt und  bei Null den Wert Eins annimmt.
Gehen wir von dieser Charakterisierung aus, so f"uhrt uns
der Formalismus der Taylorreihen
\ref{TEe} ganz nat"urlich zu der Reihe, die 
wir in 
\ref{DEx} haben vom Himmel fallen lassen,
um m"oglichst schnell erste substanzielle
Anwendungen unserer Betrachtungen zu Folgen und Reihen
geben zu k"onnen.   
Eigentlich will ich es ja nach M"oglichkeit vermeiden,
 Formeln vom Himmel fallen zu lassen. In diesem Fall
schienen mir  aber  die didaktischen Vorteile der 
dadurch erm"oglichten  fr"uhzeitigen Einf"uhrung dieser
au"serordentlich wichtigen Funktion
zu "uberwiegen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
 Die Exponentialfunktion w"achst ungeheuer schnell.
Eine gewisse Vorstellung davon mag die Erkenntnis \ref{GHK} geben,
nach der der Graph der Funktion $(\op{exp}(x)+\op{exp}(-x))/2$, 
in einem jeweils der speziellen Situation angepa"sten Ma"sstab
auf die Wand gemalt, genau
die Gestalt einer
zwischen zwei N"ageln durchh"angenden Kette hat. Ist die
Kette zwanzigmal so lang ist wie der Abstand der 
beiden N"agel, so  stellt sie unsere Funktion in etwa auf 
dem Intervall von $-2,\!3$ bis $2,\!3$ dar. Ist die Kette
zweihundertmal so lang wie der Abstand der 
beiden N"agel, so erhalten wir unsere Funktion in etwa auf dem Intervall
von $-4,\!6$ bis $4,\!6$. Und eine Zwei-Meter-Kette h"angt zwischen zwei im
Abstand von einem knappen Zentimeter eingeschlagenen N"ageln schon recht steil!
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Funktionalgleichung der Exponentialfunktion}]
Die Exponentialfunktion ist ein\label{FdE}
Gruppenhomomorphismus von der additiven Gruppe der reellen Zahlen
in die multiplikative Gruppe der von Null verschiedenen reellen Zahlen.
In Formeln ausgedr"uckt gilt
f"ur alle $x,y\in\DR$ also $\exp(x)\neq 0\neq \exp(y)$ und
$$\exp (x+y) = \exp (x) \exp(y)$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Stellen wir uns $\exp (x)$ vor als das Verm"ogen, da"s in $x$ Jahren
aus einem Euro entsteht bei kontinuierlicher 
Verzinsung mit $100\%$, so erhalten wir
offensichtlich gleichviel, ob wir unser Verm"ogen 
$\exp (x)$ nach $x$ Jahren gleich wieder f"ur
$y$ Jahre anlegen, oder ob wir unseren Euro gleich von Anfang an $x+y$ Jahre
arbeiten lassen. Das ist die Bedeutung der Funktionalgleichung.
In \ref{SRR2} werden Sie zeigen, da"s die Gruppenhomomorphismen
$\varphi:\DR\ra\DR^\times$ mit der Eigenschaft
 $x<y\RA \varphi(x)<\varphi(y)$ genau die Abbildungen
$\varphi(x)=\op{exp}(ax)$ sind mit $a>0$.
In \ref{SurE} werden wir zeigen,
da"s die Exponentialfunktion sogar einen Isomorphismus zwischen
der additiven Gruppe der reellen Zahlen und der 
multiplikativen Gruppe der positiven reellen Zahlen liefert.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
Der gleich folgende Beweis der Funktionalgleichung 
gef"allt mir nicht besonders. 
Ein anderer aber in seiner Weise auch etwas verwickelter
Beweis wird in \ref{FGEX} vorgestellt.
Ein mehr konzeptueller Zugang zur 
Exponentialfunktion und ihrer Funktionalgleichung
 wird in \ref{AAExp} und \ref{UAExp} 
skizziert. Er ben"otigt jedoch 
Hilfsmittel, die uns hier noch nicht zur Verf"ugung stehen,
und er l"a"st auch nicht so einfach auf den Fall von komplexen Zahlen 
verallgemeinern, der f"ur uns bei der 
Diskussion von Sinus und Cosinus eine wesentliche Rolle spielen
wird. 
Wir schicken dem eigentlichen Beweis einige
allgemeine Betrachtungen voraus.
\end{Bemerkunge}
\begin{Satz}[\textbf{Produkt von Reihen}\index{Produkt!von Reihen}]
Sind $\sum^{\infty}_{i=0} a_{i}$ und $\sum^{\infty}_{j=0} b_{j}$
absolut konvergente Reihen, so\label{PvR}
 konvergiert auch die Summe der Produkte
$a_ib_j$ f"ur $(i,j)\in \DN\times \DN$ im Sinne von \ref{BAKo}
und es gilt
 $$\sum_{(i,j)\in \DN\times \DN} a_{i}b_{j} = \left(\sum^{\infty}_{i=0}
a_{i}\right) \left( \sum^{\infty}_{j=0} b_{j}\right)
$$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Es reicht zu zeigen, da"s f"ur irgendeine Bijektion
$w : \DN \ra \DN \times \DN$, $
k \mapsto (u(k),v(k))$  die Reihe
$\sum^{\infty}_{k=0} a_{u(k)} b_{v(k)}$ absolut konvergiert und da"s gilt
$$\sum^{\infty}_{k=0} a_{u(k)}b_{v(k)} = \left(\sum^{\infty}_{i=0}
a_{i}\right) \left( \sum^{\infty}_{j=0} b_{j}\right)
$$
Nat"urlich haben wir
$$\sum^{n}_{k=0} |a_{u(k)} b_{v(k)}| \leq \left( \sum^{N}_{i=0} |a_{i}|
\right) \left( \sum^{M}_{j=0} |b_{j}| \right)$$
falls gilt
$
N \geq \max (u(0),\ldots ,u(n))$ und
$M \geq \max (v(0), \ldots, v(n))$.
Damit konvergiert unsere Reihe $\sum a_{u(k)}b_{v(k)}$ absolut.
Nach dem Umordnungssatz \ref{US} k"onnen wir also die
Bijektion $w: \DN\ra \DN \times \DN$
nehmen, die wir wollen, um den Grenzwert zu bestimmen.
Jetzt w"ahlen wir
unsere Bijektion $w=(u,v)$ so, da"s sie Bijektionen
$$\{0, \ldots , n^{2}-1\} \sira \{0,\ldots , n-1\} \times \{0,\ldots ,n-1\}$$
induziert, und erhalten Partialsummen
$$\sum^{n^{2}-1}_{k=0} a_{u(k)}b_{v(k)} = \left( \sum^{n-1}_{i=0}
a_{i}\right) \left( \sum^{n-1}_{j=0}b_{j}\right)$$
Der "Ubergang zum Grenzwert $n\ra \infty$ zeigt dann die Behauptung.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Beweisvariante}] 
Das Ende des Beweises h"atte sehr viel besser ausgesehen, wenn
wir unsere Reihen mit dem Index $k=1$ beginnen lie"sen, aber 
so sieht der Anfang des Beweises 
nat"urlicher aus. In Wirklichkeit zeigen wir eh
f"ur beliebige im Sinne von \ref{BAKo} summierbare Familien reeller Zahlen
$(a_i)_{i\in I}$ und $(b_j)_{j\in J}$, da"s auch die Familie
aller Produkte $(a_i b_j)_{(i,j)\in I\times
  J}$ summierbar ist und da"s gilt
$$\left(\sum_{i\in I}a_i\right)
\left(\sum_{j\in J}b_j\right)=\sum_{(i,j)\in I\times
  J}a_ib_j$$
\end{Bemerkungl}



\begin{proof}[Beweis der Funktionalgleichung \ref{FdE}]
Wir rechnen
$$\begin{array}{ccl}
\hspace{0.5cm}\exp (x+y) &=& \sum^{\infty}_{k=0} \frac{1}{k!}(x+y)^{k}\\
&=& \sum^{\infty}_{k=0} \frac{1}{k!} \left(\sum_{i+j=k} \frac{k!}{i!j!}
x^{i}y^{j}\right)\\
&=& \sum^{\infty}_{k=0} \left( \sum_{i+j=k} \frac{x^{i}}{i!} \frac{x^{j}}
{j!}\right)
\end{array}$$
wo wir im zweiten Schritt die binomische Formel verwenden und der
Index $i+j=k$ an einer Summe bedeutet, da"s wir "uber alle
Paare $(i,j) \in \DN \times \DN$ mit $i+j =k$ summieren.
Andererseits erhalten wir mit unserem Satz "uber das Produkt von
Reihen bei einer geeigneten Wahl der Bijektion $w: \DN \sira \DN \times \DN$
und nach "Ubergang zu einer Teilfolge der Folge der Partialsummen auch
$$\begin{array}[b]{ccl}
\exp (x) \exp (y) & =& \left( \sum^{\infty}_{i=0} \frac{x^{i}}{i!}\right)
\left(\sum^{\infty}_{j=0} \frac{y^{j}}{j^{!}}\right)\\
 &=& \sum^{\infty}_{k=0} \left( \sum_{i+j =k} \frac{x^{i}}{i!}
 \frac{y^{j}}{j!}\right)
\end{array}$$
Da sicher gilt $\exp(0)=1$, folgt
$\exp(x)\exp(-x)=\exp(x+(-x))=1$ f"ur alle $x\in\DR$ und mithin
$\exp(x)\neq 0$ f"ur alle $x\in\DR$.
\end{proof}

\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Man folgere aus der Funktionalgleichung der Exponentialfunktion
\ref{FdE} die Formeln
$\exp(-x)=\exp(x)^{-1}$,
$\exp(x)>0\quad\forall x\in\Bbb{R}$, $\exp(n)=\op{e}^n$, 
$\exp(nx)=(\exp x)^n\;\forall n\in\DZ$ sowie
$\exp(x/2)=\sqrt{\exp(x)}$.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Der "Ubersichtlichkeit halber k"urzen wir hier im Vorgriff auf \ref{APo}
schon $\op{exp}(x)=\op{e}^x$ ab. Man zeige, da"s f"ur alle
$i, N \in \DN$ gilt
$$\lim_{n \ra \infty} {nN \choose i} \left( \frac{1}{n}\right)^i
\left( 1-\frac{1}{n}\right)^{Nn-i}= \frac{N^{i}\op{e}^{-N}}{i!} $$
Dieses Resultat ist in der Stochastik wichtig, wie ich im folgenden
ausf"uhren will.
Gegeben $\lambda \in \Bbb{R}$ hei"st die Funktion $i \mapsto
\lambda^{i}\op{e}^{-\lambda} /i!$ ganz allgemein 
die {\bf Poisson-Verteilung}\index{Poisson-Verteilung} mit
Parameter $\lambda$.
Sie hat die folgende Bedeutung: Knetet man in einen gro"sen Teig
genau $nN$ Rosinen ein und teilt ihn dann in $n$
Rosinenbr"otchen,
so ist $\left(
\frac{1}{n}\right)^{i}$ $ \left( 1-\frac{1}{n}\right)^{Nn-i}$ die
Wahrscheinlichkeit, da"s $i$ vorgegebene
Rosinen in einem fest gew"ahlten Br"otchen landen
und die
restlichen Rosinen in den anderen Br"otchen.
Mithin ist ${nN \choose i} \left( \frac{1}{n}\right)^{i}
\left(1-\frac{1}{n}\right)^{Nn-i}$ die Wahrscheinlichkeit,
da"s in einem  fest gew"ahlten Br"otchen
genau $i$ Rosinen landen.
Ist
unser Br"otchen klein im Vergleich zum ganzen Teig, so liegt diese
Wahrscheinlichkeit also nahe bei $N^{i}\op{e}^{-N}/i!$ oder allgemeiner bei
$\lambda^{i}\op{e}^{-\lambda}/i!$ mit $\lambda$ der durchschnittlichen Zahl von
Rosinen in dem Teigvolumen, das man f"ur ein Br"otchen braucht.
Genau genommen stimmt das allerdings nur f"ur punktf"ormige Rosinen, 
denn sonst liefert die Gr"o"se des Br"otchens eine obere Schranke f"ur
die m"oglichen Anzahlen der darin verbackenen Rosinen.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
Man berechne die Euler'sche Zahl $\op{e}$ bis auf $5$ sichere Stellen
hinter dem Komma.
\end{Ubunge}


\begin{Ubunge}\label{eNr}
Die Euler'sche Zahl $\op{e}$ ist nicht rational. Man zeige dies,
indem man von ihrer Darstellung als Reihe ausgeht und durch
geeignete Absch"atzungen nachweist, da"s $q!\!\op{e}$ 
f"ur $q\in \DN$ mit $q\geq 2$ nie eine ganze
Zahl sein kann.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{FGEX}
In dieser "Ubung sollen Sie einen anderen Zugang zur Funktionalgleichung der
Exponentialfunktion ausarbeiten, den ich in einer Arbeit von Martin Kneser
kennengelernt habe: Man zeige, indem man den Beweis
von \ref{EEE} verallgemeinert, da"s f"ur jede Folge reeller Zahlen
$x_n\in\DR$ aus
$\lim_{n \ra \infty}x_n= x$ folgt  
$ \lim_{n \ra \infty}  \left(1+ \frac{x_n}{n}
\right)^{n}= \exp (x)$. 
Mithilfe der  Identit"at 
$$\left(1+ \frac{x}{n}
\right)\left(1+ \frac{y}{n}
\right)=\left(1+ \frac{x+y+(xy/n)}{n}
\right)$$ folgere man dann die Funktionalgleichung.
\end{Ubunge}


\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPaa}
\\
\noindent
Die Parabel $y=x^2$ ist der Graph der Funktion $f(x)=x^2$.
\end{figure}




%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AAANA1"
%%% End: 
