\section{Stetigkeit, ALTE FASSUNG}
\subsection{Definition und erste Beispiele}
\begin{Bemerkungl}\label{VSTE}
Abbildungen mit Werten in irgendeiner Art von Zahlen nennen wir 
{\bf Funktionen}.\index{Funktion}  
Wir erlauben hier auch Werte in $\overline{\DR}$. 
Wollen wir besonders betonen, da"s nur reelle Zahlen als Werte 
angenommen werden, so sprechen wir von 
{\bf reellwertigen Funktionen}.  
Reellwertige Funktionen auf der reellen Zahlengeraden kann man sich
auf mindestens vier verschiedene Arten vorstellen:
\begin{enumerate}
\item
In der Schule ist es "ublich, 
eine 
Funktion $f:\DR\ra\Bbb{R}$ durch ihren 
Graphen
$\Gamma(f)=\{(x,y)\in\Bbb{R}^2\mid  y=f(x)\}$
zu veranschaulichen, also durch eine Teilmenge der Ebene $\Bbb{R}^2$.
\item
In der Physik ist es "ublich, sich eine Abbildung $f:\Bbb{R}\ra X$,
$t\mapsto f(t)$ von $\Bbb{R}$  in irgendeine Menge $X$ vorzustellen
als ein Teilchen, das sich im Raum $X$ bewegt und sich zur
Zeit $t$ f"ur lateinisch \glqq tempus\grqq\ am Punkt $f(t)$ befindet. 
In unserem Fall
h"atten wir uns also ein Teilchen vorzustellen, das sich auf der 
Zahlengerade $X=\Bbb{R}$ bewegt.
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAA}
\\[5mm] \noindent Vier verschiedene Anschauungen f"ur eine reellwertige
Funktion einer reellen Ver"anderlichen am Beispiel des Absolutbetrags
$x\mapsto |x|$
\end{figure}
\item
Eine reellwertige Funktion auf 
einer beliebigen Menge  kann man sich
als eine Temperaturverteilung auf besagter Menge vorstellen,
im vorliegenden Fall  also als eine Temperaturverteilung auf 
der reellen Zahlengeraden.
\item
In der Mathematik ist es auch n"utzlich, 
sich eine Funktion $f:\DR\ra\Bbb{R}$
wirklich als Abbildung   der Zahlengerade auf 
sich selber vorzustellen. 
Als Beispiel betrachten wir den Absolutbetrag, der als Abbildung aufgefa"st
den negativen Teil der Zahlengerade auf den positiven Teil her"uberklappt.
\end{enumerate}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Beliebige Abbildungen $\DR\ra\DR$ k"onnen wild aussehen,
man denke nur etwa an die Abbildung, die jeder rationalen Zahl den Betrag 
ihres Nenners nach vollst"andigem K"urzen zuordnet und jeder irrationalen Zahl
ihre f"unfte Nachkommastelle.
Wir f"uhren nun die  \glqq stetigen Funktionen\grqq\  ein und
zeigen insbesondere, da"s f"ur stetige auf einem Intervall definierte und
injektive Funktionen auch  ihr Bild ein Intervall ist und die Umkehrfunktion
stetig. Das liefert uns dann viele neue Funktionen als Umkehrfunktionen
bereits bekannter Funktionen.
Anschaulich ist eine reellwertige Funktion auf einem reellen Intervall 
stetig genau dann, wenn man \glqq ihren Graphen zeichnen kann ohne den
Stift abzusetzen\grqq. Diese Anschauung werden wir im
Folgenden  pr"azisieren. Wir erinnern an den
Umgebungsbegriff aus \ref{eU}.
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}%\label{DeSta}
Seien $D \subset \overline{\Bbb{R}}$ eine Teilmenge 
und $f :D \ra \overline{\Bbb{R}}$ eine Funktion.
Gegeben ein Punkt $p\in D$ hei"st unsere Funktion
{\bf stetig bei} $p$, wenn es f"ur\label{DeSt} 
jede Umgebung $U$ von $f(p)$ eine Umgebung $U'$ von $p$ gibt mit
$f(U'\cap D)\subset U$.
Unsere Abbildung hei"st 
{\bf stetig}\index{stetig!f"ur Funktion auf $D\subset\overline{\DR}$} 
(englisch \defind{continuous}, franz"osisch \defind{continue}), 
wenn sie stetig ist bei jedem
Punkt $p\in D$. 
\end{Definition}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSTE}\\[4mm]
\noindent 
In diesem Bild habe ich f"ur \emph{eine} Umgebung $U$ von $f(p)$ mal
eine m"ogliche Umgebung $U'$ von $p$ eingezeichnet. 
Stetigkeit bei $p$ bedeutet jedoch sehr viel st"arker, da"s 
wir f"ur \emph{jede} Umgebung $U$ von $f(p)$ eine in der in \ref{DeSt} 
pr"azisierten Weise m"ogliche Umgebung $U'$ von $p$ finden k"onnen.
Fett eingezeichnet ist auf der $x$-Achse der Definitionsbereich $D$ unserer
Funktion $f$, der Punkt $p$ ist sein kleinstes Element. 
Auf dem Graphen von $f$ habe ich den Teil "uber $U'\cap D$ fett eingezeichnet,
damit man gut sehen kann, da"s in der Tat gilt $f(U'\cap D)\subset U$.
Unsere eigentlichen $U$ und $U'$ sind die Projektionen 
der so bezeichneten \glqq freischwebenden Intervalle\grqq\  auf die
jeweiligen Koordinatenachsen, was ich versucht habe, 
durch die gestrichelten Linien 
anzudeuten.
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}\label{DeSF}
Wir vereinbaren diese Definition gleich im Fall
einer Teilmenge $D \subset \overline{\Bbb{R}}$ 
und einer Funktion $f :D \ra \overline{\Bbb{R}}$,  
weil so der Zusammenhang mit dem Grenzwertbegriff 
in  \ref{UER} in voller Allgemeinheit dargestellt werden kann.
Wie bei Folgen reicht es 
auch hier, die Existenz von $U'$ f"ur alle Umgebungen $U$ einer
Umgebungsbasis von $f(p)$ zu zeigen.
\end{Bemerkungl}




\begin{Beispiele}\label{SSt}
F"ur alle $D\subset\overline{\Bbb{R}}$ ist die Einbettung
  $i:D \hra \overline{\Bbb{R}}$, 
$x \mapsto x$ stetig. 
Der Absolutbetrag $\op{abs}: {\Bbb{R}} \ra {\Bbb{R}}$, 
$x \mapsto
|x|$ ist stetig.
F"ur jedes $c \in \overline{\Bbb{R}}$ ist die  
konstante Funktion $c: \overline{\Bbb{R}} \ra \overline{\Bbb{R}}$,
$x \mapsto c$ stetig. Die Funktion $f:\DR\ra\DR$ gegeben durch 
$f(x)=1$ f"ur $x\geq 0$ und $f(x)=0$ f"ur $x<0$ ist nicht stetig bei 
$p=0$, ihre Einschr"ankung auf $D=\DR^\times$ ist jedoch stetig.
Die Funktion $f:\DR\ra\DR$ mit $f(x)=x$ f"ur $x\in\DQ$ und 
$f(x)=0$ f"ur $x\not\in\DQ$ ist nur an der Stelle $p=0$  stetig.
\end{Beispiele}

\begin{Satz}
[\textbf{Die Verkn"upfung stetiger Funktionen ist stetig}]
Seien genauer\label{VSte} $D,E\subset \overline{\DR}$ 
Teilmengen, $f: D\ra  \overline{\DR}$, $g: E \ra
\overline{\DR}$ Funktionen, und es gelte $f(D) \subset E$. 
Ist $f$ stetig bei einem
Punkt $p\in D$ und $g$ stetig bei seinem Bild 
$f(p)$, so ist auch $g\circ f : D \ra
\overline{\DR}$, $x \mapsto g(f(x))$ stetig bei $p$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Genau genommen ist die Notation $g\circ f$ 
in der Formulierung von Satz \ref{VSte} im Sinne 
von \eref{VStea}{GR} nicht ganz korrekt:
Wir m"u"sten
eigentlich erst eine Abbildung $\tilde{f}:D\ra E$ 
definieren durch $\tilde{f}(x) = f(x)$ f"ur alle $x \in D$ und
dann die Abbildung $g \circ \tilde{f}$ betrachten. Das ist nun jedoch 
meiner Ansicht nach ein Fall, in dem gr"o"sere Pr"azision 
nicht zur besseren Verst"andlichkeit beitr"agt.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Da $g$ stetig ist bei $f(p)$, finden wir f"ur 
jede Umgebung $U$ von $g(f(p))$ eine Umgebung $U'$ von $f(p)$ mit
$g(U'\cap E)\subset U$. Da $f$ stetig ist bei $p$, finden wir f"ur 
diese Umgebung $U'$ von $f(p)$ eine Umgebung $U'' $ von $p$ mit
$f(U'' \cap D)\subset U'$. Damit 
finden wir in der Tat f"ur 
jede Umgebung $U$ von $(g\circ f)(p)$ eine Umgebung $U'' $ von $p$  mit
$(g\circ f)(U'' \cap D)\subset U$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Einschr"ankungen stetiger  Funktionen sind  stetig.
Ist genauer $D\subset\overline{\DR}$ eine Teilmenge 
und $f: D \ra \overline{\DR}$ stetig bei $p\in D$ und 
$E \subset D$ eine Teilmenge mit $p\in E$, 
so ist auch die Einschr"ankung
$f|_{E} : E \ra \overline{\DR}$ stetig bei $p$. 
Das folgt einerseits sofort aus der Definition und andererseits auch
aus dem vorhergehenden Satz \ref{VSte}, indem wir die Einschr"ankung 
als Verkn"upfung mit der nach \ref{SSt} stetigen Einbettung von $E$ schreiben.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Stetigkeit ist eine lokale Eigenschaft}]
Wird eine Funktion stetig bei einem Punkt 
nach Einschr"ankung auf eine Umgebung des besagten Punktes,
so war sie dort schon selbst stetig. Ist genauer und in Formeln
$D\subset\overline{\DR}$ eine Teilmenge 
und
$f: D \ra \overline{\DR}$ eine 
Funktion  und $p\in D$ ein Punkt und
gibt es eine Umgebung $U$ von $p$ 
derart, da"s die Einschr"ankung  von  $f$ auf  $D \cap U$
stetig ist bei $p$,
so ist  auch $f: D \ra \overline{\DR}$ bereits stetig bei $p$.   
Um das zum Ausdruck zu bringen, sagt man dann etwas vage,
die \glqq Stetigkeit sei eine lokale Eigenschaft\grqq.
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\textbf{$\varepsilon$-$\delta$-Kriterium 
f"ur die Stetigkeit}]
Sei $D\subset\DR$ eine Teilmenge, $f:D\ra\DR$ eine reellwertige Funktion
und $p \in D$ ein Punkt.\label{ede}
Genau dann ist $f$ stetig bei $p$, 
wenn es f"ur
jedes $\varepsilon >0$ ein $\delta=\delta({\varepsilon }) >0$ gibt 
derart, da"s f"ur alle $x\in D$
mit $|x-p| < \delta$ gilt $|f(x) - f(p)| < \varepsilon $.
\end{Lemma}
\begin{proof}
Das folgt sofort aus der Definition der Stetigkeit
\ref{DeSt} und der Definition des Umgebungsbegriffs \ref{eU}. 
\end{proof}




\begin{Lemma}\label{SK}
Die Funktion $\Bbb{R}^{\times} \ra \Bbb{R}$, 
$x \mapsto \frac{1}{x}$ ist stetig.
\end{Lemma}
\begin{proof}
 Das ist gerade die Aussage von \ref{SAMM}.\ref{SAM3}.
\end{proof}


%\begin{proof}[Beweis]
%F"ur $p,x \in \Bbb{R}^{\times}$ gilt
%$$\left| \frac{1}{x}-\frac{1}{p}\right| = \frac{|p-x|}{|xp|} <
%\frac{2\delta}{p^{2}}$$ falls $|p-x|< \delta < |p/2|$, denn
%$|p-x| < |p/2|$ impliziert insbesondere $|x|>|p/2|$.
%Gegeben $p\neq 0$ und $\varepsilon  >0$ finden wir also $\delta =
%\min (|p/2|, \varepsilon |p|^{2}/2 )$ derart, da"s aus $|x-p|<\delta$
%folgt $\left| \frac{1}{x} - \frac{1}{p}\right| < \varepsilon $.
%\end{proof}

\begin{Lemma}\label{StE}
Die Exponentialfunktion $\exp : \Bbb{R} \ra \Bbb{R}$ ist stetig.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungw}
Die Stetigkeit der Exponentialfunktion k"onnen wir sp"ater
auch aus dem allgemeinen Satz \ref{PR} folgern: Potenzreihen
stellen auf ihrem Konvergenzbereich immer stetige Funktionen dar.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Wir wenden das $\varepsilon$-$\delta$-Kriterium \ref{ede} an.
Mit der Funktionalgleichung finden wir
$$|\exp (x) - \exp (p) | = |\exp (p)| \cdot |\exp (x -p) - \exp (0)|$$
Nun beachten wir, da"s f"ur $|y| \leq 1$ gilt
$$|\exp (y) -\exp (0)|=|y| \cdot \left| \sum^{\infty}_{i=1} \frac{y^{i-1}}
{i!} \right| \leq|y| \cdot  \sum^{\infty}_{i=1} \frac{|y|^{i-1}}
{(i-1)!}  \leq  |y| \op{exp}(1)$$
wo wir im zweiten Schritt die Dreiecksungleichung sowie die Erhaltung von 
Ungleichungen im Grenzwert verwenden und 
die Nenner verkleinern. 
Aus $|x-p| \leq 1$ folgt also $|\exp (x) - \exp (p)| 
\leq \exp(p)|x-p| \op{e}$ und
f"ur gegebenes $\varepsilon > 0$ k"onnen wir 
mithin
$\delta=\op{inf}\{1, \varepsilon/(\exp(p)\op{e})\}$ nehmen.
\end{proof}

\begin{Definition}
Gegeben reellwertige Funktionen $f,g:D\ra\Bbb{R}$ definieren wir die Funktionen
$f+g, fg:D\ra\Bbb{R}$ durch $(f+g)(x)\pdef f(x)+g(x)$, $(fg)(x)\pdef f(x)\cdot g(x)$
$\forall x\in D$.  
\end{Definition}

\begin{Satz}
{\bf\em Summe und Produkt stetiger Funktionen sind stetig}.\label{SPSF}
Ist genauer $D\subset \overline{\DR}$ gegeben 
und $p\in D$ ein Punkt und sind
$f,g : D \ra \Bbb{R}$ stetig bei $p$,
so sind auch $f+g$ und $ f g$ stetig bei $p$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkunge}
Nehmen $f$ und $g$ allgemeiner Werte in $\overline{\DR}$ an und
sind an jeder Stelle $x\in D$ die Summe $f(x)+ g(x)$ bzw.\
das Produkt $f(x)\cdot g(x)$ sinnvoll definiert im Sinne von
\ref{GWU}, so gilt der Satz entsprechend mit fast demselben Beweis.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}
Wir zeigen das nur f"ur die Multiplikation, der Fall
der Addition geht analog.
Ist $W$ eine Umgebung von $f(p)g(p)$, so gibt es nach 
\ref{SAMM} Umgebungen $U$ von $f(p)$ und
$V$ von $g(p)$ mit $U\cdot V\subset W$. Da sowohl $f$ als auch 
$g$ stetig sind 
bei $p$, 
gibt es weiter Umgebungen $U'$ und $V'$ von $p$
mit $f(U'\cap D)\subset U$ und $g(V'\cap D)\subset V$.
Ihr Schnitt $U'\cap V'$ ist dann eine  Umgebung $W'$ von $p$ 
mit $(fg)(W'\cap D)\subset W$.
\end{proof}
%\begin{proof}[Beweis]
%Sei $\varepsilon  >0$ beliebig vorgegeben.
%Da $f$ und $g$ stetig sind bei $p$, finden wir $\delta >0$ derart, da"s gilt
%$$\{ x \in D \text{ und } |x-p| < \delta\} \Rightarrow
%\{ |f(x)-f(p)| < \varepsilon  \text{ und } |g(x)-g(p)| < \varepsilon \}$$
%Aus $\{ x \in D \text{ und } |x-p| <\delta\}$ folgt dann weiter
%$$\begin{array}{rcl}
%|(f+g) (x) - (f+g)(p)| &=& |f(x)-f(p) + g(x)-g(p)|\\
%&\leq & |f(x)-f(p)|+ |g(x)-g(p)|\\
%&<& 2\varepsilon  \\[4mm]
%
%|(fg) (x) - (fg)(p)| &=& |f(x)g(x)-f(p) g(p)|\\[2mm]
%&=&|f(x)(g(x)-g(p))+(f(x)-f(p))g(p)|\\[2mm]
%&\leq &|f(x)\|g(x)-g(p)|+|f(x)-f(p)\|g(p)|\\[2mm]
%&<& (|f(p)|+1)\varepsilon  +\varepsilon  
%|g(p)| \text{ falls } 0<\varepsilon  <1\\[2mm]
%&<& \varepsilon(|f(p)|+|g(p)|+1)   \text{ falls } 0<\varepsilon  <1
%\end{array}$$
%Man "uberlegt sich leicht, da"s diese Absch"atzungen die Stetigkeit von
%$(f+g)$ und $fg$ bei $p$ implizieren.
%\end{proof}
\begin{Definition}\label{PolF}
Wir nennen eine Funktion $\Bbb{R}\ra\Bbb{R}$ eine
\defind{Polynomfunktion}, wenn es
$a_0,a_{1},\ldots, a_n\in\Bbb{R}$ gibt derart, da"s unsere Funktion
gegeben wird durch die Abbildungsvorschrift
$x\mapsto a_n x^n+a_{n-1}x^{n-1}+\ldots +a_0$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
Jede Folge reeller Zahlen $(a_n)_{n\in\DN}$, in der 
fast alle Folgenglieder Null sind,
liefert uns eine Polynomfunktion. Nach  \eref{PoFu}{LA1}
%\ref{ZNP}
liefern verschiedene Folgen  auch stets
verschiedene Funktionen.
Im Licht dieser Tatsache werden wir unsere Polynomfunktionen meist k"urzer
Polynome nennen, obwohl eigentlich der Begriff Polynom eher den formalen
Ausdruck meint. 
Diese Unterscheidung ist aber erst in der Algebra
wirklich von Belang. Wenn man zum Beispiel mit endlichen
K"orpern arbeitet,so k"onnen verschiedene Folgen  dieselbe Funktion
liefern, vergleiche \eref{PoRi}{LA1}.    
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkung}\label{WBPb}
Das Wort \glqq Polynom\grqq\  kommt von der griechischen Vorsilbe \glqq poly\grqq\  f"ur
\glqq viele\grqq\  und dem lateinischen Wort \glqq nomen\grqq\  f"ur \glqq Namen\grqq.
Allgemeiner betrachtet man auch Polynome in mehreren Ver"anderlichen
und meint damit Ausdr"ucke wie etwa $xyz+7x^2y^4 -12z+1$. 
Dieses Polynom ist die Summe der vier {\bf Monome}\index{Monom} 
$xyz$, $7x^2y^4$, $-12z$
und $1$, wobei das Wort \glqq Monom\grqq\ 
diesmal mit der griechischen Vorsilbe \glqq mono\grqq\  f"ur
\glqq allein\grqq\  gebildet ist. 
Einen Ausdruck wie $xyz+7x^2y^4$ w"urde man als 
{\bf Binom}\index{Binom} bezeichnen,
diesmal mit der griechischen Vorsilbe \glqq bi\grqq\  f"ur
\glqq Zwei\grqq. Ein anderes Binom w"are der Ausdruck $(x+y)$, dessen Potenzen
die \glqq binomische\grqq\  Formel \eref{BiFoA}{GR} 
explizit angibt. Es sollte  klar sein,
wie man aus unserer binomischen Formel auch  Formeln f"ur 
die Potenzen eines beliebigen Binoms erh"alt.
\end{Bemerkung}

\begin{Korollar}
Polynomfunktionen sind stetig.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis] Das folgt induktiv aus dem vorhergehenden Satz \ref{SPSF}.
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Quotienten stetiger Funktionen sind stetig}]
Ist genauer $D\subset \overline{\DR}$ eine Teilmenge und sind
$f,g:D\ra\Bbb{R}$ stetig und
hat $g$ keine Nullstelle in $D$, so ist auch die Funktion
${f}/{g}:D\ra\Bbb{R}$, $ x\mapsto {f(x)}/{g(x)}$ stetig.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Bezeichne $i:\Bbb{R}^{\times}\ra\Bbb{R}$ die Funktion $x\mapsto {1}/{x}$.
Sie ist stetig nach \ref{SK}. Also ist auch $i\circ g:D\ra \Bbb{R},\; x\mapsto
{1}/{g(x)}$ stetig, und dann auch das Produkt dieser Funktion mit
der stetigen Funktion $f$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Eine Funktion, die sich als der Quotient eines  Polynoms durch ein 
von Null verschiedenes Polynom darstellen l"a"st, hei"st  eine
{\bf rationale Funktion}.\index{Funktion!rationale}
So eine Funktion ist a priori nat"ur\-lich nur da definiert, 
wo der Nenner nicht verschwindet, und ist nach dem vorhergehenden Korollar
auf dem Komplement der Nullstellenmenge ihres Nenners stetig.  
Betrachten wir unsere rationale Funktion jedoch nicht als
Abbildung, sondern als formalen Ausdruck, so verstehen wir unter
ihrem Definitionsbereich die etwas gr"o"sere Menge, auf der 
\glqq nach maximalem K"urzen\grqq\  der Nenner keine Nullstellen hat,
vergleiche \eref{DRF}{LA1}. 
Man beachte jedoch, da"s die hier gegebene etwas unscharfe 
Formulierung \glqq nach maximalem K"urzen\grqq\  eigentlich erst in 
\eref{PReF}{AL} gerechtfertigt wird, wo wir die 
Eindeutigkeit der \glqq Primfaktorzerlegung\grqq\  in Polynomringen diskutieren.
Bleibt auch nach maximalem K"urzen noch
ein nichtkonstantes Polynom im Nenner stehen, so spricht man von einer
{\bf gebrochen rationalen Funktion}.\index{Funktion!gebrochen rationale}
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{SAS}
Seien $I,J\subset \overline{\DR}$ Intervalle mit nichtleerem Schnitt
und sei $f:(I\cup J)\ra\overline{\DR}$ eine Funktion. Man zeige:
Sind die Einschr"ankungen $f|_I$ und $f|_J$ stetig,
so ist auch $f$ selbst stetig. Im "ubrigen wird sich der \glqq schwierige\grqq\  Fall
dieser "Ubung als Spezialfall von \ref{AbgSM} erweisen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige, da"s auf einem offenen Intervall jede
konvexe Funktion stetig ist. 
Hinweis: Die graphische Darstellung 
zum Beweis von \ref{ZAK} mag helfen.\label{koste}   
\end{Ubung}




\subsection{Umkehrfunktionen und Zwischenwertsatz}
\begin{Definition}\label{MoAb}
Eine  Abbildung $f$ zwischen geordneten Mengen hei"st
$$\begin{array}{lrrrl}
\text{\bf monoton wachsend,}\index{monoton}& \text{wenn gilt} & x\leq y & \Rightarrow & f(x) \leq f(y)\\
\text{\bf streng monoton wachsend,}& \text{wenn gilt}& x< y& \Rightarrow & f(x)<f(y)\\
\text{\bf monoton fallend,}& \text{wenn gilt}&x\leq y& \Rightarrow & f(x) \geq f(y)\\
\text{\bf streng monoton fallend,}& \text{wenn gilt}&x<y&\Rightarrow &f(x)>f(y)
\end{array}$$
Eine Abbildung 
hei"st {\bf (streng) monoton}, wenn sie (streng) monoton
wachsend oder fallend ist. Das verallgemeinert unsere Begriffe f"ur 
Folgen aus \ref{MFol}.
\end{Definition}
\begin{Proposition}\label{SUn}
Seien $T\subset \overline{\Bbb{R}}$ eine Teilmenge und
$g:T  \ra \overline{\Bbb{R}}$ eine monotone Abbildung.
Ist $g(T)$ ein Intervall, so ist $g$ stetig.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
  Sei ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $g$ monoton wachsend.
 Gegeben $s\in T$ m"ussen wir f"ur jede Umgebung $U$ von $g(s)$
eine Umgebung $U'$ von $t$ finden mit der 
Eigenschaft $g(U'\cap T)\subset U$.
Wir unterscheiden vier F"alle.
  \begin{enumerate}
    \item
 Ist $g(s)\in g(T)$ weder das gr"o"ste
    noch das kleinste Element,
    so umfa"st jede Umgebung $U$ von $g(s)$ ein Intervall
der Gestalt $[y,z]$ mit $y<g(s)<z$ und $y,z\in g(T)$, also $y=g(r)$  und $z=g(t)$ mit $r,t\in T$ und $r<s<t$, und 
wir k"onnen $U'=[r,t]$ nehmen;
\item
Ist $g(s)\in g(T)$ das gr"o"ste aber nicht das kleinste Element,
so umfa"st jede Umgebung $U$ von $g(s)$ ein Intervall
der Gestalt $[y,g(s)]$ mit $y<g(s)$ und $y\in g(T)$ , also $y=g(r)$ mit $r\in T$ und $r<s$, und wir k"onnen 
$U'=[r,\infty]$ nehmen;
\item
  Ist $g(s)\in g(T)$ das kleinste  aber nicht das gr"o"ste Element,
  so argumentieren wir analog;
  \item
  Ist $g(s)\in g(T)$ das kleinste  und  das gr"o"ste alias das einzige Element,
  so ist $g$ konstant und wir k"onnen $U'=[-\infty,\infty]$ nehmen.
  \end{enumerate}
  Die Proposition ist bewiesen. 
\end{proof}
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildZwS}\\[4mm]
\noindent 
Illustration zum Zwischenwertsatz. Im vorliegenden Fall wir 
der gegebene Zwischenwert $z$ sogar dreimal 
als Funktionswert angenommen.
Unser erster Beweis f"uhrt stets zum hier eingezeichneten 
gr"o"sten $p\in [a,b]$, an dem 
$z$ als Funktionswert angenommen wird.
\end{Bild}
\begin{Satz}[\textbf{Zwischenwertsatz}\index{Zwischenwertsatz}]\label{ZWS}
F"ur $a\leq b$ aus $\overline{\Bbb{R}}$ nimmt
eine stetige Funktion $f:[a,b]\ra \overline{\Bbb{R}}$ 
jeden Wert zwischen
$f(a)$ und $f(b)$ an.
\end{Satz}
\begin{proof}[Erster Beweis]
Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $f(a) \leq f(b)$ annehmen.
Gegeben $z \in [f(a), f(b)]$ suchen wir $p \in [a,b]$ mit $f(p) =
z$.
Wir betrachten dazu
$$p=\sup\{ x\in[a,b]\mid f(x)\leq z\}$$ und behaupten
$f(p)=z$.
Um das zu zeigen f"uhren wir die Annahmen $f(p) < z$ und $  z<f (p)$
beide zum Widerspruch:
Aus $f(p)< z$ folgte zun"achst $p <b$, und dann g"abe es
aufgrund der Stetigkeit ein $p'$ mit $p<p' <b$ und
 $f(p')\leq z$ und $p$ w"are
gar keine obere Schranke unserer Menge gewesen.
Aus $z<f(p) $ folgte zun"achst $a<p$, und dann
g"abe es aufgrund der Stetigkeit ein $p'$ mit
$a<p'<p$ und
$z<f(x)$ f"ur alle $x\in[p',p]$.
Also w"are auch $p'$ schon
eine obere Schranke unserer Menge und $p$ k"onnte nicht ihre kleinste obere
Schranke gewesen sein.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis f"ur den Fall $a,b\in\DR$]
Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $f(a) \leq f(b)$ annehmen.
Gegeben $z \in [f(a), f(b)]$ suchen wir $p \in [a,b]$ mit $f(p) =
z$.
Dazu nehmen wir den Mittelpunkt $m_0$ unseres Intervalls
her und werten unsere Funktion dort aus.
Gilt $f (m_0) \geq z$, so setzen wir $a_1= a$ und $b_1 =m_0$.
Sonst setzen wir $a_1 =m_0$ und $b_1 = b$. In jedem Fall
gilt $f(a_1) \leq z \leq f (b_1)$. Anschlie"send nehmen wir den Mittelpunkt
$m_1$ des nur noch halb so gro"sen Intervalls $[a_1, b_1]$ her und 
verfahren genauso. Auf diese Weise erhalten wir eine monoton wachsende
Folge $a=a_0, a_1, \ldots$ und eine monoton fallende Folge
$b=b_0, b_1, \ldots$ mit $b_n -a_n = 2^{-n} (b-a)$ 
und $f(a_n) \leq z \leq f(b_n)$
und  f"ur alle $n$.
Unsere beiden Folgen m"ussen also konvergieren, und zwar gegen denselben
Grenzwert $p\in [a,b]$. Aus der Stetigkeit von $f$ und der Erhaltung von
Ungleichungen im Grenzwert nach \ref{VSTF} folgt dann
\begin{equation*}
f(p) = \lim_{n\rightarrow \infty} f (a_n) \;\;\leq \;\; z \;\;\leq\;\; 
\lim_{n \rightarrow \infty} f(b_n)
= f(p)
\end{equation*}
und damit $z = f(p)$ wie gew"unscht. Dieser Beweis hat den Nachteil,
nur f"ur $a,b \in \mathbb R$ zu funktionieren und bereits im Vorgriff
die in diesem Text erst in \ref{VSTF} bewiesenen S"atze "uber
die Vertauschbarkeit von Grenzwertbildung und dem Anwenden stetiger 
Funktionen
zu verwenden. Daf"ur hat er den Vorteil, 
einen auch in der Praxis gangbaren L"osungsalgorithmus zu beschreiben, das
sogenannte \defind{Intervallhalbierungsverfahren}.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Abstrakter Zwischenwertsatz}]
Das Bild eines Intervalls unter einer stetigen Funktion
ist  ein Intervall. Ist 
also in Formeln $I\subset\overline{\DR}$ ein Intervall und\label{BI}  
$f:I\ra \overline{\DR}$ stetig, so ist auch $f(I)$ ein Intervall.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt sofort aus \ref{ZWS}.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{"uber die Umkehrfunktion}]
Ist $I \subset \overline{\DR}$ ein Intervall und 
$f: I\ra \overline{\DR}$ streng monoton und
stetig, so ist auch $f(I)\subset \overline{\DR}$\label{USS}  
ein Intervall und die Umkehrfunktion
$f^{-1}:f(I)\ra\overline{\DR}$ ist streng monoton und stetig.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}\label{SUa}
Hier ist unsere Notation wieder nicht ganz korrekt: Wir m"u"sten
genau genommen 
eigentlich die Bijektion $\tilde{f}:I\sira f(I)$, $x\mapsto f(x)$ betrachten,
dazu die inverse Abbildung $\tilde{f}^{-1}:f(I) \sira I$ nehmen, 
und unser $f^{-1}
:f(I)\ra\overline{\Bbb{R}}$ definieren als die 
Verkn"upfung von $\tilde{f}^{-1}$ mit
der Einbettung $I\hra \overline{\Bbb{R}}$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Die Umkehrfunktion $f^{-1}$ darf nicht verwechselt werden mit
der Funktion $x\mapsto 1/f(x):$ Ist zum Beispiel $f:(0,\infty)\ra\DR$
gegeben durch $f(x)=x^2$, so haben wir $1/f(x)=x^{-2}$, aber
die Umkehrabbildung ist gegeben durch
$f^{-1}(y)=\sqrt{y}$. Die Notation ist hier leider
nicht ganz eindeutig.
Oft mu"s man aus dem Kontext erschlie"sen,
ob mit $f^{-1}$ die Umkehrfunktion von $f$
oder vielmehr die \glqq Kehrwertfunktion\grqq\  $x\mapsto 1/f(x)$ 
gemeint ist.\index{$f^{-1}$!Kehrwertfunktion}
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
  Die Umkehrfunktion $g\pdef f^{-1}$ ist
  offensichtlich monoton und ihr Bild ist ein Intervall, also ist sie 
  nach \ref{SUn} stetig.
  Da"s $f(I)$ ein Intervall ist, war gerade die Aussage des 
 abstrakten Zwischenwertsatzes
 \ref{BI}.
\end{proof}



\begin{Definition}
F"ur $q \in \DN$, $q\geq 1$ definieren wir  die {\bf $q$-te
Wurzel}\index{Wurzel!$q$-te
Wurzel}
$$ \sqrt[q]{\rule[0mm]{0mm}{0mm}\;} : [0,\infty)\ra \Bbb{R}$$
als die Umkehrfunktion zur $q$-ten Potenzfunktion $x\mapsto x^q$.
Nach \ref{USS} ist $x\mapsto  \sqrt[q]{x}$ stetig.
\end{Definition}


\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildExLo}\\[4mm]
\noindent 
Die Graphen von Logarithmus und Exponentialfunktion gehen wie
immer bei Umkehrfunktionen durch Spiegelung an der Hauptdiagonalen
$x=y$ auseinander hervor.
\end{figure}

\begin{Definition}\label{SurE}
Aus dem Zwischenwertsatz folgt $\exp (\Bbb{R}) = (0,\infty)$, denn wir
haben offensichtlich $\lim_{n\ra \infty} \exp (n) = \infty$ und
damit $\lim_{n\ra -\infty} \exp (n) =0$  nach \ref{ou}.
Wir k"onnen also den 
{\bf (nat"urlichen) Logarithmus}\index{Logarithmus}
einf"uhren als
die Umkehrfunktion\index{log@$\log$}
$$\log : (0,\infty) \ra \Bbb{R}$$
der Exponentialfunktion, $\log (\exp (x))=x$, und erhalten aus
Satz \ref{USS} die Stetigkeit des Logarithmus. In der franz"osischen Literatur 
bezeichnet man diese Funktion auch als 
{\bf logarithme 
n\'{e}p\'{e}rien}\index{logarithme
n\'{e}p\'{e}rien}\index{n\'{e}p\'{e}rien!logarithme} in Erinnerung an
den schottischen Mathematiker John Napier, der die ersten 
Logarithmentafeln aufstellte. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Die Exponentialfunktion liefert nach \ref{FdE} und 
\ref{SurE} 
einen Isomomorphismus zwischen der additiven Gruppe der
  reellen Zahlen und der multiplikativen Gruppe aller positiven reellen Zahlen.
Daraus  folgt sofort\label{fglo}
$$
\log (xy) = \log x + \log y \text{ und }
\log (\op{e})  = 1$$
Die erste Formel mag man die 
{\bf Funktionalgleichung des 
Logarithmus}\index{Funktionalgleichung!des Logarithmus} nennen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Die Notation \glqq $\op{log}$\grqq\  ist leider nicht universell. Auf vielen
Taschenrechnern und auch in "alteren B"uchern wird unsere Funktion
\glqq $\log$\grqq\  notiert als \glqq $\op{ln}$\grqq\ \index{ln@$\op{ln}$}  f"ur
\glqq logarithmus naturalis\grqq\  oder 
\glqq logarithme N\'eperien\grqq\  und das K"urzel \glqq $\log$\grqq\  
steht f"ur den \glqq Logarithmus zur Basis $10$\grqq, den wir in \ref{LoB} 
einf"uhren und
mit $\log_{10}$ bezeichnen werden.
Der Logarithmus zur Basis $10$ wird 
in manchen Quellen auch der 
\glqq Brigg'sche Logarithmus\grqq\  genannt und mit \glqq $\op{lg}$\grqq\ \index{lg@$\op{lg}$}
bezeichnet. 
Die Norm ISO 31-11 empfiehlt die Notationen \glqq $\op{ln}$\grqq\  und \glqq $\op{lg}$\grqq,
wir verwenden jedoch $\log$ statt $\op{ln}$, weil das in der
reinen Mathematik so "ublich ist und wir damit der 
Konvention folgen, spezielle Funktionen nach M"oglichkeit mit
K"urzeln aus drei Buchstaben zu notieren.
\glqq Logarithmus\grqq\  ist das griechische Wort f"ur
\glqq Rechnung\grqq, und f"ur das Rechnen waren die Logarithmentafeln, in denen 
die Werte des Logarithmus zur Basis Zehn aufgelistet wurden,
auch au"serordentlich praktisch: Mit ihrer Hilfe konnte man n"amlich
Divisionen in Subtraktionen verwandeln und Wurzelziehen in Divisionen,
wie wir gleich n"aher ausf"uhren. Die Entdeckung der Logarithmen und
die ersten Logarithmentafeln von Napier bedeuteten f"ur die 
damalige Wissenschaft eine ungeheure Arbeitserleichterung und  wurden 
 begeistert begr"u"st.
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}[\defind{Allgemeine Potenzen}]\label{APo}
Gegeben $a,x\in \DR $ mit $a>0$ setzen 
wir\index{^@$a^x$ allgemeine Potenz} 
$$a^x \pdef \exp (x \log a)$$
Im Fall $x>0$ vereinbart man zus"atzlich $0^x=0$. Das f"uhrt dazu, da"s
f"ur $x>0$ die Funktion $a\mapsto a^x$ sogar stetig ist auf $[0, \infty)$. 
Es f"uhrt allerdings auch dazu, da"s die Funktion
$x\mapsto 0^x$ mit unserer  Konvention
$0^0=1$ zwar auf $[0, \infty)$ definiert aber bei $x=0$ \emph{nicht} stetig ist.
Damit m"ussen wir nun weiterleben.
\end{Definition}
 \begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildDefeax}\\[4mm]
 \noindent 
Dieses Bild stellt den unangenehm verzwickelten
 Bereich aller $(x,a)\in\DR^2$ dar, f"ur die
$a^x$ definiert ist: Bei  $x\in \DN$ sind das 
jeweils alle $a\in\DR$, bei ganzzahligem $x\in\DZ_{<0}$ 
nur alle $a\in \DR^\times$,
bei reellem nichtganzen $x>0$ alle $a\geq 0$,
bei reellem nichtganzen $x<0$ alle $a> 0$. 
Unangenehm ist die Unstetigkeitsstelle am Ursprung,
auf der senkrechten Koordinatenachse ist ja nun unsere Funktion konstant Eins
und auf der positiven waagerechten Koordinatenachse konstant Null. 
Diese Unstetigkeitsstelle ist aber auch die Einzige.
\end{Bild}

\begin{Bemerkungl}
Man pr"uft ohne Schwierigkeiten die
Formeln $a^0=1$, $a^{1}=a$ und $ a^{x+y} = a^{x}a^{y}$ und 
folgert insbesondere,
da"s im Fall $a>0$ und $n\in\DZ$ 
oder $a\geq 0$ und $n\in \DZ_{\geq 1}$ 
das hier definierte $a^n$ "ubereinstimmt
mit unserem $a^n$ aus der Tabelle am Ende von Abschnitt
\eref{KFt}{GR}. 
F"ur beliebige $a,b>0$ und $ x,y\in\DR$ 
pr"uft man leicht die Rechenregeln
$ a^{xy}=(a^{x})^{y}$,
$(ab)^{x}=a^{x}b^{x}$ und $\log(a^x)=x\log a$.
Ist speziell $a=\op{e}$ die Euler'sche Zahl, so gilt $\log\op{e} =1$
und folglich $\exp (x)=\op{e}^x$.  
F"ur beliebige $a,b\geq 0$, $ x,y\in\DR_{>0}$ und $q\in\DN$, $q\geq 1$ 
pr"uft man ebensoleicht  die Rechenregeln
$ a^{xy}=(a^{x})^{y}$,
$(ab)^{x}=a^{x}b^{x}$ und 
$\sqrt[q]{a} = a^{1/q}$. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}\label{LoB}
Gegeben  $a>0$ nennt man
die Umkehrabbildung der Abbildung $x\mapsto a^x$ auch
den {\bf Logarithmus zur Basis $a$} $$\log_a:(0,\infty)\ra\Bbb{R}$$ 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Der nat"urliche Logarithmus ist also der
Logarithmus mit der Euler'schen Zahl $\op{e}$ als Basis, 
in Formeln $\log=\log_{\op{e}}$.
Der Logarithmus zur Basis $a$ l"a"st sich durch den nat"urlichen Logarithmus
ausdr"ucken vermittels der Formel $\log_a x=\frac{\log x}{\log a}$. Man kommt
deshalb meist mit dem nat"urlichen Logarithmus aus. Die Notation
$\log_a$ ist konform mit der Norm ISO 31-11, in der zus"atzlich 
auch noch die 
Abk"urzung $\log_2=\op{lb}$\index{lb@$\op{lb}$} 
f"ur den {\bf bin"aren Logarithmus}\index{bin"arer Logarithmus}
\index{Logarithmus!bin"arer} empfohlen wird.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubunge}
Sei $\sum a_{k}$ eine Reihe.
Man zeige das {\bf Wurzelkriterium}:\index{Wurzelkriterium!f"ur 
Reihenkonvergenz}
Gilt $\lim_{k\ra \infty} \sqrt[k]{|a_{k}|}
<1$, so konvergiert die Reihe $\sum a_{k}$ absolut. Hinweis:
Analog zum Beweis des Quotientenkriteriums. Meiner Erfahrung nach ist 
dies Kriterium in der Praxis selten von Nutzen, da es meist auf 
schwer zu bestimmende Grenzwerte f"uhrt.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung} Man folgere aus der Funktionalgleichung \ref{fglo} des 
Logarithmus die Formeln 
$\log (1)  = 0$,
$\log (x^{-1})  = -\log (x)$,
$\log (x^{n})  = n\log (x)$
und $\log (\sqrt[q]{x})  = \frac{1}{q}\log (x)$.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
Seien $a\leq b$ aus $\overline{\DR}$ gegeben und
sei $f:[a,b]\ra\Bbb{R}$ stetig mit $f(b)=0$. Man zeige, da"s dann
$f$ eine kleinste Nullstelle
in $[a,b]$ hat.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{NUge}
Jede Polynomfunktion  $x\mapsto a_nx^n+\ldots + a_0$ 
mit $a_n\neq 0$ und $n$ ungerade besitzt mindestens eine reelle
Nullstelle. Ist $a_n>0$ und $a_0>0$, so besitzt sie sogar 
mindestens eine negative Nullstelle. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige f"ur $a>0$ die Identit"at $\lim_{n\ra \infty} n(1-\sqrt[n]{a})=
\log a$.
\end{Ubung}
\begin{Beispiel}
Bei einem radiokativen Material wird nach einem Tag nur noch $90\%$ der 
Strahlungsaktivit"at gemessen.
Wie lange dauert es, bis die Aktivit"at auf die H"alfte abgeklungen ist?
Nun, halten wir einen Referenzzeitpunkt beliebig fest, so wird
die Aktivit"at nach Vergehen einer Zeitspanne $\tau$ gem"a"s
"Uberlegungen wie in \ref{EEEb} gegeben
durch eine Formel der Gestalt
$M \op{e}^{c\tau}$ mit unbekannten $M$ und $c$. 
Wir k"urzen die Zeiteinheit 
\glqq Stunde\grqq\  ab mit dem Buchstaben  $\op{h}$ f"ur lateinisch \glqq hora\grqq.
Formal ist  $\op{h}$ eine Basis des in \eref{ZSV}{GR} angedachten eindimensionalen reellen 
Vektorraums \glqq aller Zeitspannen\grqq, und formal ist auch $M$ ein Element
eines gedachten eindimensionalen reellen 
Vektorraums \glqq aller Strahlungsaktivit"aten\grqq\  und $c$ 
liegt im Raum der Linearformen
auf dem Raum aller Zeitspannen, in dem wir mit
 $\op{h}^{-1}$ dasjenige Element bezeichnen werden, das auf $\op{h}$ den
Wert Eins annimmt.
So formal will ich hier aber eigentlich gar nicht werden
und schreibe das Auswerten solch einer Linearform auf einer 
Zeitspanne schlicht als Produkt.
F"ur $\tau=24 \op{h}$ wissen wir nun nach unserer Messung
$M \op{e}^{c \cdot 24\op{h}} = \frac{90}{100} M$
und damit $c = ((\log 9/10) / 24)\op{h}^{-1}$.
Bezeichnet $t$ die Zeitspanne, nach der die 
Aktivit"at auf die H"alfte abgeklungen
ist, so haben wir also 
$M \op{e}^{c  t} =  M/2$ alias $
c  t  =- \log 2 $ und damit
$$t = -\frac{\log 2}{c } = \frac{-\log (2) \cdot 24}{\log (9/10)}\op{h}
$$
\end{Beispiel}

\begin{Ubunge}
Das eingestrichene A liegt bei $440$ Herz. Bei wieviel
Herz  etwa liegt das eingestrichene F? Hinweis: Die
L"osung dieser Aufgabe
ben"otigt zus"atzlich zu mathematischen Kenntnissen
auch  physikalische und musikalische
Vorkenntnisse.
\end{Ubunge}
\begin{Bemerkunge}
Versteht man eine positive reelle Zahl als das Verh"altnis zweier 
gleichartiger Gr"o"sen, so sagt man f"ur den
Zehnerlogarithmus besagter Zahl auch, er \glqq dr"ucke das Verh"altnis in
{\bf Bel}\index{Bel} aus\grqq. 
Diese Sprechweise ehrt Alexander Graham Bell, der das Telephon 
einf"uhrte.
So k"onnte man etwa sagen,
das Verh"altnis von Gramm zu Kilo betrage
$3$ Bel, statt von einem Verh"altnis von Eins zu Tausend alias $1$
zu $10^3$ zu reden. 
Das  Verh"altnis von Kilo zu Tonne  betr"agt 
nat"urlich auch $3$ Bel, und das Verh"altnis von Gramm zu Tonne
folglich $6$ Bel. H"aufig redet man 
auch von  {\bf Dezibel}\index{Dezibel} alias \glqq zehntel Bel\grqq.
Das ist jedoch \glqq multiplikativ\grqq\  zu verstehen,
ein Verh"altnis von $1$ Dezibel meint also ein 
Verh"altnis von Eins zu $\sqrt[10]{10} \approx 1,\!26$.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkunge}
  Physikalisch beschreibt man eine Lautst"arke durch die Leistung, die sie
  etwa an einer Membran verrichtet. Gibt man eine Lautst"arke in Dezibel an,
  so ist allerdings das Verh"altnis des Quadrats dieser Leistung zum Quadrat
  der Leistung einer Standardlautst"arke gemeint. Diese Standardlautst"arke
  ist so vereinbart, da"s sie etwa bei der H"orschwelle eines menschliches
  Ohrs liegt.  Eine Lautst"arke von Null Dezibel bedeutet also, da"s ein
  gesunder Mensch das Ger"ausch so gerade noch h"oren kann, und jede Erh"ohung
  einer Lautst"arke um zwanzig Dezibel bedeutet, da"s das Ohr zehnmal soviel
  Leistung aufnehmen wird. Bei einer Erh"ohung um zehn Dezibel wird das Ohr
  also $\sqrt{10}\approx 3$ mal soviel Leistung aufnehmen.
\end{Bemerkunge}

\subsection{Grenzwerte von Funktionen}\label{UER}




\begin{Definition}\label{HaP}
Sei $D \subset {\overline{\Bbb{R}}}$ eine Teilmenge. 
Ein Punkt $p \in{\overline{\Bbb{R}}}
$ hei"st ein 
{\bf H"aufungspunkt}\index{H"aufungspunkt!von $D$ in $\overline{\Bbb{R}}$} 
{\bf von $D$ in ${\overline{\Bbb{R}}}$}, wenn  jede Umgebung von $p$ 
mindestens einen von $p$ verschiedenen Punkt mit $D$ gemeinsam hat.
Diejenigen 
Punkte von
  $D$, die keine H"aufungspunkte von $D$ sind, hei"sen  {\bf isolierte
    Punkte von} $D$.\index{isolierter Punkt}
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
Ich finde es  verwirrend, da"s ein H"aufungpunkt 
von $D$ in  $\overline{\Bbb{R}}$
nicht notwendig ein Punkt von $D$ zu sein braucht. 
Ich will jedoch unter einem  {\bf H"aufungpunkt 
von $D$} stets einen  H"aufungpunkt 
von $D$ in $\overline{\Bbb{R}}$ verstehen, der auch tats"achlich in $D$
liegt. Wenn ich das besonders betonen will, rede ich von einem
 {\bf internen H"aufungpunkt 
von $D$}.\index{H"aufungspunkt!interner} 
Manche Autoren erkl"aren zus"atzlich noch
die \glqq H"aufungspunkte
einer Folge\grqq\  
als die Punkte aus ${\overline{\Bbb{R}}}$
mit der Eigenschaft, da"s
in jeder ihrer
Umgebungen
unendlich viele Folgenglieder liegen.
\end{Bemerkunge}
\begin{Beispiele}
Die Menge der ganzen Zahlen $\DZ$ besteht aus isolierten Punkten und
hat in $\Bbb{R}$ keine H"aufungspunkte.
In ${\overline{\Bbb{R}}}$ hat sie jedoch  die
beiden H"aufungspunkte $\pm \infty$. 
In einem halboffenen, d.h. nicht aus einem einzigen
Punkt bestehenden Intervall von ${\overline{\Bbb{R}}}$ ist jeder 
Punkt ein H"aufungspunkt. 
\end{Beispiele}

\begin{Bemerkungl}
Wir vereinbaren  f"ur die Differenz
einer Menge $X$ und einer einpunktigen Menge $\{p\}$ die abk"urzende
Schreibweise $X\backslash\{ p\} =X\backslash p$.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl} Sei $D \subset {\overline{\Bbb{R}}}$ eine Teilmenge. 
Genau dann ist $p\in {\overline{\Bbb{R}}}$ H"aufungspunkt von $D$, 
wenn es eine Folge reeller Zahlen
$x_{n}$ in $D\backslash p$ gibt mit $\lim_{n\ra \infty} x_{n} =p$.
In der Tat finden wir f"ur jedes $p\in\overline\DR$ eine 
absteigende Folge\label{HPGW}  
$U_0\supset U_1\supset\ldots$ von Umgebungen von $p$
derart, da"s jede Umgebung von $p$ eine dieser Umgebungen umfa"st.
Gibt es in $D\cap U_n$ jeweils einen von $p$ verschiedenen Punkt $x_n$,
so bilden diese eine gegen $p$ konvergierende Folge aus $D\backslash p$. 
Gibt es umgekehrt eine derartige Folge, so mu"s jede Umgebung von $p$ fast alle
Folgenglieder und damit mindestens einen von $p$ verschiedenen Punkt aus $D$ 
enthalten.
\end{Bemerkungl}



\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildLim}\\[4mm]
\noindent 
Der Grenzwert oder Limes einer Funktion
mit einer \glqq Fehlstelle\grqq\  in ihrem Definitionsbereich
 ist, wenn er existiert, 
der Wert  an der fraglichen Fehlstelle der einzig m"oglichen 
dort stetigen Fortsetzung.
\end{figure}


\begin{Definition}[\textbf{Grenzwerte von Funktionen}]\label{GeFu}
Sei $D\subset {\overline{\Bbb{R}}}$ eine Teilmenge, $p\in{\overline{\Bbb{R}}}
$ ein H"aufungspunkt von $D$ 
und $f: D\backslash p \ra
{\overline{\Bbb{R}}}$ eine Funktion. Sei $b$ ein 
weiterer Punkt aus ${\overline{\Bbb{R}}}$.
Wir sagen, 
{\bf $f(x)$ strebt gegen $b$ f"ur} $x\ra
p$ und schreiben
$$\lim_{x\ra p} f(x) = b$$
genau dann, wenn 
es\index{lim@$\lim_{x\ra p}$ Grenzwert von Abbildung!von Teilmengen von
  $\overline{\mathbb R}$}
f"ur jede Umgebung $W$ des Grenzwerts $b$  eine Umgebung $W'$
des Punktes $p$ gibt mit $f(W' \cap D\backslash p)\subset W$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Man beachte, wie elegant es gelingt, hier die F"alle $\pm\infty$ mithilfe
des Umgebungsbegriffs einzubinden.
Nat"urlich reicht es auch hier wieder, die Existenz von $W'$ f"ur jedes
$W$ aus einer Umgebungsbasis  
des Grenzwerts $b$ nachzuweisen.
Ist $f$ auf ganz $D$ definiert, so meinen wir mit obiger Notation
stets implizit den Grenzwert der Einschr"ankung von $f$ auf $D\backslash p$.
Der Grund daf"ur, da"s wir Grenzwerte nur an H"aufungspunkten erkl"aren,
ist das folgende Lemma.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
Es gilt $\lim_{x\ra \infty} x =\infty$, wir k"onnen ja in diesem
Fall schlicht $W'=W$ nehmen. 
F"ur eine konstante Funktion $f(x)=c$ gilt
$\lim_{x\ra p} c =c$, hier k"onnen wir f"ur jedes $W$ 
einfach $W'=\overline{\DR}$
nehmen. F"ur $D =\DN$ und $p=\infty$ 
spezialisiert der eben eingef"uhrte
Grenzwertbegriff zu unserem Grenzwertbegriff f"ur Folgen aus \ref{GDK}.
\end{Beispiele}




\begin{Lemma}[\textbf{Eindeutigkeit des Grenzwerts}]
Seien $D\subset {\overline{\Bbb{R}}}$ eine Teilmenge,\label{EGU} $p\in
{\overline{\Bbb{R}}}$ ein H"aufungspunkt von $D$ und $f: D\backslash p \ra
{\overline{\Bbb{R}}}$ eine Funktion.
So folgt aus
$\lim_{x\ra p} f(x) = a$ und $\lim_{x\ra p} f(x) =b$
bereits $a=b$.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Durch Widerspruch.
W"are $a\neq b$, so g"abe es Umgebungen $V$ von $a$ und
$W$ von $b$ mit $V\cap W = \emptyset$.
Wir f"anden Umgebungen $V'$ und $W'$ von $p$ mit
$f(V'\cap D\backslash p)\subset V$ und $f(W'\cap D\backslash p)\subset W$,
mithin g"alte
$$f(V'\cap W'\cap D\backslash p) =
\emptyset$$
Da aber $V'\cap W'$ eine Umgebung von $p$ ist und $p$ ein
H"aufungspunkt von $D$ gilt notwendig $V'\cap W'\cap D\backslash p
\neq \emptyset$.
Dieser Widerspruch beendet den Beweis.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Der Grenzwert einer Funktion f"ur $x\ra p$ h"angt nur von ihrem Verhalten
in einer Umgebung von $p$ ab. Ist genauer 
$p\in {\overline{\DR}}$  H"aufungspunkt einer Teilmenge
$D\subset{\overline{\DR}} $ und  
$f:D\backslash p\ra{\overline{\DR}}$ 
eine Funktion und $U$ eine Umgebung von $p$, so existiert 
$\lim_{x\ra p} f $ genau dann, wenn $\lim_{x\ra p} f|_{U\cap D\backslash p} $
existiert, und unter diesen Umst"anden 
stimmen die beiden Grenzwerte "uberein.
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}[\textbf{Grenzwerte und Stetigkeit}]\label{LS}
Sei $D\subset{\overline{\DR}} $
eine Teilmenge und $p\in D$  ein H"aufungspunkt von $D$
 und  
$f:D\backslash p\ra{\overline{\DR}}$ 
eine Funktion. Genau dann gilt 
$\lim_{x\ra p} f (x) = b$ f"ur ein $b\in{\overline{\DR}}$,
wenn die Fortsetzung von $f$ auf  $D$  durch $f (p) =b$ 
stetig ist bei $p$.
\end{Proposition}

\begin{proof}[Beweis]
Das folgt sofort aus unseren Definitionen \ref{DeSt} und \ref{GeFu}.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{GSS}
In anderen Worten ist eine Funktion $f:D\ra \overline{\DR}$
stetig bei einem H"aufungspunkt $p\in D$ von $D$ genau dann,
wenn gilt 
$\lim_{x\ra p} f (x) = f(p)$. 
Salopp gesprochen verh"alt es sich demnach so, da"s eine Funktion mit 
einer einpunktigen Definitionsl"ucke 
an einem H"aufungspunkt ihres Definitionsbereichs 
 auf h"ochstens eine Weise stetig in diese 
Definitionsl"ucke hinein  fortgesetzt werden kann. 
Der Wert  dieser an besagter Stelle
 stetigen Fortsetzung hei"st dann der Grenzwert
unserer Funktion an besagter Stelle.
\end{Bemerkungl}





\begin{Beispiel}
Wir zeigen $\lim_{x\ra \infty} 1/x =0$.
In der Tat, f"ur jede Umgebung $W$ von $0$ gibt es $\varepsilon >0$
mit $(-\varepsilon, \varepsilon) \subset W$, und nehmen wir als Umgebung
$W'$ von $\infty$ die Menge $W' =
({1}/{\varepsilon},\infty]$, so gilt offensichtlich $x \in W'
\Rightarrow {1}/{x} \in W$. Alternativ k"onnen wir auch wie folgt 
argumentieren: Die Funktion $[0,\infty]\ra [0,\infty]$ mit 
$x\mapsto 1/x$ f"ur $0<x<\infty$ und $0\mapsto\infty$ und $\infty\mapsto 0$
ist streng monoton, deshalb ist nach \ref{SUn} ihre Umkehrfunktion stetig. 
Die Umkehrfunktion f"allt aber in diesem Fall mit der Funktion selbst
zusammen. Also ist unsere Funktion stetig und mit \ref{LS} folgt
$\lim_{x\ra \infty} 1/x =0$.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Auswerten stetiger Funktionen auf Grenzwerten}] 
Das Anwenden einer stetigen Funktion vertauscht mit
der Grenzwertbildung. Ist genauer $E\subset \overline{\DR}$ 
und\label{VSTF}  
ist $q\in E$ ein 
H"aufungspunkt von $E$ und $g:E\backslash q\ra \overline{\DR}$ 
eine Funktion mit Bild in $D\subset\overline{\DR}$ 
und existiert $\lim_{x\ra q} g (x)=p$
und liegt auch in $D$ und ist $f:D\ra \overline{\DR}$ stetig bei $p$, so gilt
$$\lim_{x\ra q} f(g (x))=f\left(\lim_{x\ra q} g (x)\right)$$ 
Wir erhalten
diese Aussage mithilfe von \ref{LS} als
direkte Konsequenz aus der Stetigkeit der Verkn"upfung stetiger
Funktionen \ref{VSte}. Speziell folgt 
f"ur jede Funktion $f:D\ra \overline{\DR}$, die stetig
ist bei einer Stelle 
 $p\in D$, und jede Folge $a_n$ in $D$ mit  $\lim_{n\ra \infty} a_n=p$
bereits   $\lim_{n\ra \infty} f(a_n)=f(p)$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Man folgert so zum Beispiel die
Vertauschbarkeit \ref{absG} von Grenzwertbildung und Absolutbetrag
aus der Stetigkeit des Absolutbetrags und
die
Vertauschbarkeit \ref{GA}.\ref{GA2} von Grenzwertbildung mit Kehrwerten
aus der Stetigkeit der Abbildung $x\mapsto 1/x$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
F"ur alle $a >0$ folgt aus der Stetigkeit der Exponentialfunktion und 
indem man f"ur ein logisch vollst"andiges Argument die folgende
Gleichungskette von hinten nach vorne liest
$$\begin{array}{ccl}
\lim_{n\ra \infty}\sqrt[n]{a} &=& \lim_{n\ra \infty} \exp \left(\frac{1}{n}
\log a \right)\\[2mm]
&=& \exp \left( \lim_{n\ra \infty} \frac{1}{n} \log a\right)\\[2mm]
&=& \exp (0) \\[2mm]
&=& 1
\end{array}$$
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}\label{GWSt}
Es gibt noch weitere M"oglichkeiten, aus dem
Zusammenhang zwischen Grenzwert und Stetigkeit \ref{LS}
sowie der Stetigkeit der Verkn"upfung stetiger Funktionen \ref{VSte}
"ahnliche Aussagen abzuleiten. Zusammen mit der bereits als \ref{VSTF}
ausf"uhrlicher besprochenen Aussage 
erh"alt man so insbesondere die drei Implikationen
\begin{displaymath}
\begin{array}{lcl}
\left( \lim_{x \rightarrow q} g(x) =p \text{ und $f$  stetig bei }p \right) 
& \Rightarrow  &\lim_{x \rightarrow q} f(g(x)) =f(p)\\[2mm]
\left(g \text{ stetig bei } q \text{ und } \lim_{y\rightarrow g(q)} 
f(y) =b\right) &
\Rightarrow & \lim_{x \rightarrow q} f(g(x)) =b\\[2mm]
\left( \lim_{x \rightarrow q} g(x) =p \text{ und } \lim_{y\rightarrow p}
f(y) =b \right) & \Rightarrow  &\lim_{x \rightarrow q} f(g(x)) =b
\end{array}
\end{displaymath}
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}\label{LRGr}
  Gegeben eine Teilmenge $D\subset\DR$, die
  ein nichtleeres offenes Intervall  $(a,b)$ umfa"st, und eine Funktion $f:D\ra\overline{\Bbb{R}}$ verwenden wir eine spezielle Notation,
wenn wir den Grenzwert f"ur $x\ra a$ oder $x\ra b$ ihrer
Restriktion auf $(a,b)$ untersuchen wollen.
Wir sprechen dann vom 
{\bf linksseitigen}\index{Grenzwert!linksseitiger Grenzwert} beziehungsweise vom 
{\bf rechtsseitigen Grenzwert}
\index{Grenzwert!rechtsseitiger Grenzwert} 
und notieren diese Grenzwerte 
\index{lim@$\lim_{x \searrow p}$ rechtsseitiger Grenzwert}  
\index{lim@$\lim_{x \nearrow p}$ linksseitiger Grenzwert}
$$\lim_{x\ra b}f|_{(a,b)}\pdef\lim_{x \nearrow b} f (x)\;\;\;\text{ und }
\;\;\;\lim_{x\ra a}f|_{(a,b)}\pdef\lim_{x \searrow a} f (x)$$
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
Es gilt $\lim_{x \searrow 0} 1/x = \infty$ und $\lim_{x\nearrow 0}
{1}/{x} = - \infty$.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}
 Gegeben ein
 ein nichtleeres offenes Intervall $(c,d)$ und ein Punkt $p\in (c,d)$
 und eine Funktion $f:(c,d)\backslash p\ra\overline{\Bbb{R}}$
 existiert der Grenzwert bei $p$ genau dann, wenn dort der linkseitige
Grenzwert und der rechtseitige Grenzwert existieren und "ubereinstimmen.
\end{Bemerkungl}







\begin{Satz}[\textbf{Gruppenwege in 
$\DR$}]\index{Gruppenweg!in 
$\DR$}
Die stetigen Gruppenhomomorphismen\label{SRR} $\DR\ra\DR$ 
von der additiven Gruppe der reellen Zahlen
  in sich selber sind genau die Abbildungen 
$x\mapsto \lambda x$ f"ur beliebiges aber festes 
  $\lambda \in \Bbb{R}$. 
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
Sei $F : \Bbb{R} \ra \Bbb{R}$ ein stetiger
Gruppenhomomorphismus, als da hei"st eine stetige Abbildung
mit $F (x+y) = F(x) + F(y) \quad
\forall x,y \in \Bbb{R}$.
Es reicht zu zeigen, da"s $F$ die Gleichung $F(x) = x F(1)$
erf"ullt.
Auch ohne die Stetigkeit von $F$ zu benutzen, folgern wir $F (q) =
q F (1)$ zun"achst f"ur alle $q \in \DN$, dann f"ur alle $q \in
\DZ$, dann f"ur alle $q \in \DQ$.
Um unsere Gleichung $F(x) = x F (1)$ sogar f"ur alle $x \in \Bbb{R}$
zu zeigen, w"ahlen wir eine Folge $q_{n}$ von rationalen Zahlen
mit
$\lim_{n\ra \infty} q_{n} = x $ und erhalten $F(x) = \lim_{n\ra
\infty} F(q_{n}) = \lim_{n\ra \infty} q_{n} F(1) = x F(1)$,
also $F(x)=\lambda x$ f"ur $\lambda=F(1)$.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Gruppenwege in 
$\DR^\times$}]\index{Gruppenweg!in $\DR^\times$}
Die stetigen Gruppenhomomorphismen\label{SRR1alt} 
$\DR\ra\DR^\times$ von der additiven
  Gruppe der reellen Zahlen in die multiplikative Gruppe der von Null
  verschiedenen reellen Zahlen sind genau die Abbildungen $x\mapsto a^x$  
f"ur beliebiges aber festes $a\in \DR_{>0}$.
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
Ist $G : \Bbb{R} \ra \Bbb{R}^\times$ ein stetiger
Gruppenhomomorphismus, als da hei"st eine stetige Abbildung 
mit $G(x+y) = G (x) G(y) \quad \forall x,y
\in \Bbb{R}$, so 
bildet $G$ nach \eref{BNE} {GR}
notwendig das neutrale Element auf das neutrale
Element ab, in Formeln  $G(0)=1$. 
Mit dem Zwischenwertsatz folgt $G(x) > 0 \quad \forall x \in \Bbb{R}$.
Damit k"onnen wir den
Gruppenhomomorphismus $F = \log \circ G:\DR\ra\DR$ bilden und aus
\ref{SRR} folgt sofort
$F(x) = x F(1)$, also $G(x) = \exp (F(x))= \exp (xF(1))=\exp (x \log G(1))$.
\end{proof}








\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubung}[\textbf{Rechenregeln f"ur Grenzwerte}]\label{BL}
Sei $D\subset\overline{\DR}$ eine Teilmenge 
und $p\in D$ ein H"aufungspunkt
 und seien 
$f, g : D\backslash p  \ra \Bbb{R}$ reellwertige Funktionen mit 
reellen Grenzwerten
$\lim_{x\ra p}
f (x) = b$ und $\lim_{x\ra p}
g (x) = c$.
So gilt $\lim_{x\ra p}(f + g)(x) = b +c$ und
$ \lim_{x\ra p} (f  g) (x) =bc$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Quetschlemma}]\index{Quetschlemma}
\label{BL2}
Sei $D\subset\overline{\DR}$ eine Teilmenge 
und $p\in D$ ein H"aufungspunkt
und seien $f,g,h : D\backslash p  \ra \overline{\DR}$ 
Funktionen mit $f(x)\leq g(x)\leq h(x)$ f"ur alle $ x\in D\backslash p $.
So folgt aus $\lim_{x\ra p}f(x) =b= \lim_{x\ra p}h(x)$ schon 
$\lim_{x\ra p}g(x) = b$.
\end{Ubung}
\begin{Beispiel}
Aus dem Quetschlemma \ref{BL2} und der 
Darstellung von $\op{e}^x$ durch die Exponentialreihe
folgt
$\lim_{x \rightarrow \infty} \op{e}^x = \infty$.
Aus \ref{LS} und \ref{SU} folgt dann 
$\lim_{y\rightarrow \infty} \log y = \infty$.
Das Quetschlemma mit der Darstellung von $\op{e}^x$ 
duch die Exponentialreihe liefert auch 
$\lim_{x \rightarrow \infty} (x/\op{e}^x) =0$ und durch 
Substitution $x =\log y$ und \ref{LS}
und \ref{VSte} folgt dann $\lim_{y \rightarrow \infty} (\log y/y)=0$.
\end{Beispiel}




\begin{Ubung}\label{lWU}
Man zeige $\lim_{x\ra\infty}(x^a/b^x)=0$ f"ur alle $a\in \DR$
und $b>1$.
Man zeige $\lim_{x\ra\infty}(\log x/ x^c)=0$ f"ur alle $c>0$.
Man zeige $\lim_{n\ra\infty}\sqrt[n]{n}=1$. Man zeige
$$\lim_{n\ra\infty}\sqrt[n]{\frac{(5n)!}{(n!)^5}}=5^5$$
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Erhaltung von Ungleichungen im Grenzwert}]
Sei $D\subset\overline{\DR}$  
eine Teilmenge 
und $p\in D$ ein H"aufungspunkt\label{EUGA}
 und seien 
$f, g : D\backslash p  \ra \overline{\DR}$ zwei Funktionen,
die Grenzwerte besitzen f"ur $x\ra p$.
Gilt $f(x)\leq g(x)$ f"ur alle $x\in D\backslash p$, so folgt
$\lim_{x\ra p}
f (x) \leq\lim_{x\ra p}
g (x) $.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{PFKO}
Gilt f"ur
eine durch ein Polynom vom Grad $\leq n$ 
gegebene Funktion $f(x)=a_n x^n+ \ldots + a_1 x+a_0$
und ein $p\in\DR$ die Formel $\lim_{x\ra p}f(x)/(x-p)^n=0$,
so folgt $a_0=a_1=\ldots =a_n=0$. Hinweis: Durch Verschieben kann man 
sich auf den Fall $p=0$ zur"uckziehen.
\end{Ubung}



\begin{Ubunge}\label{SRR2} 
Die monotonen Gruppenhomomorphismen
$\DR\ra\DR^\times$ von der additiven
  Gruppe der reellen Zahlen in die multiplikative Gruppe der von Null
  verschiedenen reellen Zahlen sind genau die 
stetigen Gruppenhomomorphismen, also genau
die Abbildungen $x\mapsto a^x$  
f"ur  festes $a\in \DR_{>0}$. 
\end{Ubunge}


\begin{Ubunge}
Man finde alle stetigen Funktionen $G:\Bbb{R}^\times\ra\Bbb{R}$ mit
$G(xy)=G(x)+G(y)\;\;\forall x,y\in\Bbb{R}^\times$, also alle stetigen 
Gruppenhomomorphismen von der multiplikativen Gruppe der von Null
verschiedenen reellen Zahlen in die additive Gruppe aller reellen Zahlen.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
Man zeige, da"s die Aussage der vorhergehenden S"atze
\ref{SRR} und \ref{SRR1}  sogar folgt, wenn
wir von unseren Gruppenhomomorphismen nur die Stetigkeit bei Null fordern.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
Sei $L\subset\DR$ eine Untergruppe der additiven Gruppe
der reellen Zahlen ohne reelle H"aufungspunkte. So gibt es 
$\alpha\in\DR$ mit $L=\DZ\alpha$.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}[\textbf{Folgenkriterium f"ur Grenzwerte von Funktionen}]
Sei $D\subset {\overline{\Bbb{R}}}$ eine Teilmenge, $p\in
D$ ein H"aufungspunkt\label{GeFuU} 
und $f: D\backslash p \ra
{\overline{\Bbb{R}}}$ eine Funktion. So gilt
$\lim_{x\ra p} f(x) = b$
genau dann, wenn f"ur jede Folge $x_n$ in $D\backslash p$ mit $x_n\ra p$ gilt
$f(x_n)\ra b$.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Cauchy-Kriterium f"ur Grenzwerte von Funktionen}] 
Sei $D\subset {\overline{\Bbb{R}}}$ eine Teilmenge, $p\in
D$ ein H"aufungspunkt 
und $f: D\backslash p \ra
{{\Bbb{R}}}$ eine reellwertige Funktion.\label{GWQ} 
 Genau dann  existiert 
der Grenzwert $\lim_{x\ra p} f(x)$ und ist eine reelle Zahl, 
wenn es f"ur alle $\varepsilon >0$ eine Umgebung 
$U=U_\varepsilon$ von $p$ gibt mit 
$(a,b\in U\cap D\backslash p)\RA  |f(a)-f(b)|<\varepsilon$.
\end{Ubung}

\subsection{Trigonometrische Funktionen}\label{eC}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildExC}
\\ \noindent
Auch f"ur komplexes $z$ zeigt man wie in \ref{EEE}
die Formel $$\exp (z) = \lim_{n\ra \infty} \left(1+ \frac{z}{n}
\right)^{n}$$ Das obige Bild stellt unter anderem den vierten Term 
dieser Folge im Fall $z=\op{i}$ dar. Ich finde, man kann recht gut
erkennen, wie diese Folge bei wachsendem $n$ gegen den Punkt
auf der Kreislinie konvergiert, f"ur den das Segment der Kreislinie,
das von ihm  zur reellen Achse herunterl"auft, die L"ange Eins hat.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
  Ich erinnere an den K"orper
$\DC=\{x+{\op{i}}y\mid x,y\in\DR\}$
  der komplexen Zahlen aus
  \eref{CCZ}{LA1} oder \eref{KRCC}{GR}.
  Ich erinnere an die
  komplexe Konjugation, den durch  $z=x+{\op{i}}y\mapsto \bar z=x-{\op{i}}y$ gegebenen K"orperautomorphismus von $\DC$, 
  und die Norm $|z|=\sqrt{z\bar z}=\sqrt{x^2+y^2}$.
  Ich erinnere an Realteil $\op{Re}(x+{\op{i}}y)=x$ und
  Imagin"arteil $\op{Im}(x+{\op{i}}y)=y$.
  Ich erinnere schlie"slich an
  die Kreisgruppe $S^1\pdef \{x+{\op{i}}y\mid x^2+y^2=1\}$ aller
  komplexen Zahlen der Norm Eins.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
F"ur jede komplexe Zahl $z \in \DC$ 
definieren wir eine weitere komplexe Zahl $\exp z
\in \DC$ durch die Vorschrift
$$\exp z \pdef \sum^{\infty}_{k=0} \frac{1}{k!} z^{k}$$  
Aufgrund der Absch"atzungen $|\op{Re} z^{k}|,|\op{Im} z^{k}| \leq |z^{k}| =
|z|^{k}$  konvergiert diese Reihe f"ur alle $z \in \DC$
nach dem Majorantenkriterium mit der reellen Exponen\-tialreihe
als Majorante
absolut in Real- und Imagin"arteil und wir erhalten folglich
eine Abbildung $\exp : \DC \ra \DC,$ die {\bf komplexe
Exponentialfunktion}\index{komplexe Exponentialfunktion}. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Eigenschaften der komplexen
Exponentialfunktion}] 
Man
pr"uft genau wie in 
    \ref{FdE}  %\ref{APB} 
im Reellen auch im Komplexen\label{EKEm}  
die Funktionalgleichung
$$\exp (z+w)
= (\exp z) (\exp w)$$ 
In der Sprache der Algebra ausgedr"uckt ist die Exponentialabbildung
also ein Gruppenhomomorphismus von der additiven Gruppe der komplexen
Zahlen in die multiplikative  Gruppe der von Null verschiedenen 
komplexen
Zahlen und man erh"alt insbesondere  
$\exp (-z) = (\exp
z)^{-1}$.
% Wie im Reellen \ref{StE} 
% zeigt man auch die Stetigkeit von $\exp : \DC \ra \DC$
% zun"achst im Nullpunkt "uber die Reihenentwicklung und dann
% an jeder Stelle $z\in\DC$ mithilfe der Funktionalgleichung.
Aus der Vertauschbarkeit der komplexen Konjugation
mit Summe und Produkt  folgern wir auch noch
$$\exp ({\overline z}) =\overline{\exp z}\quad \forall z \in \DC$$
F"ur den Betrag von $\exp z$ erhalten wir dann
$$\begin{array}{lcl}
|\exp z|^{2} &=& \exp z \;{\overline{\exp z}}\\
&=& \exp z \;\exp \overline{z}\\
&=& \exp (z+\overline{z})\\
&=& \exp (2\op{Re} z)
\end{array}$$ Folglich gilt $|\exp z| = \exp (\op{Re} z)$ und
speziell  $|\exp (\op{i}t)| =1$ f"ur alle $t\in\Bbb{R}$.   
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Gruppenwege in der Kreisgruppe}] 
Die  Gruppenhomomorphismen  $\DR\ra S^1$
mit stetigem Real- und Imagin"arteil von der additiven Gruppe
der reellen Zahlen in die \hyperref[KrGr]{Kreisgruppe} sind genau die 
Abbildungen der Gestalt $t\mapsto \op{exp}(a{\op{i}}t)$
mit $a\in \DR$.\label{EplOO}    
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw}
  In \ref{Metrik} definieren wir den Begriff einer
  stetigen Abbildung $\DR\ra\DC$, ja einer stetigen Abbildung zwischen beliebigen
  metrischen R"aumen. In dieser Terminologie bestimmt unser Satz 
  alle stetigen Gruppenhomomorphismen von der reellen Zahlengeraden in die Kreisgruppe.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}
Aus \ref{EKEm}   folgt unmittelbar,
da"s  $\gamma:t\mapsto \op{exp}({\op{i}}t)$
ein Gruppenhomomorphismus mit Bild in der Kreisgruppe $S^1$ ist.
Aus der Absch"atzung
$$|\op{exp}({\op{i}}t)-\op{exp}({\op{i}}s)|
=|\op{exp}({\op{i}}(t-s))-1|\leq \op{exp}(|s-t|)-1$$ 
folgt, da"s $\gamma$
stetigen Real- und Imagin"arteil hat.
Unser Gruppenhomomorphismus  ist auch nicht konstant,
aus der Reihenentwicklung folgt etwa die Absch"atzung 
$\op{Re}(\op{exp}({\op{i}}))<1$.   
Aufgrund der Stetigkeit des Realteils 
 gibt es folglich $c>0$ mit $\op{Re}\gamma(c)<1$ und 
$|t|\leq c \RA\op{Re}\gamma(t)>0$.
Ist
$\beta:\DR\ra S^1$ ein weiterer 
Gruppenhomomorphismus mit
stetigem
Realteil, so gibt es auch $b>0$ mit
$|t|\leq b \RA\op{Re}\beta(t)\geq \op{Re}\gamma(c)$.
Es folgt, da"s wir $g\in [-c,c]$ finden mit
$\op{Re}\beta(b)=\op{Re}\gamma(g)$. Indem wir notfalls
$g$ durch $-g$ ersetzen, d"urfen wir zus"atzlich 
$\op{Im}\beta(b)=\op{Im}\gamma(g)$ und damit 
$$\beta(b)=\gamma(g)$$ annehmen. 
Daraus aber folgt 
$\varphi(b/2)=\gamma(g/2)$, denn beide Seiten sind die 
 eindeutig bestimmte Quadratwurzel
aus $\beta(b)=\gamma(g)$ mit
positivem Realteil. Induktiv folgt erst
$\beta(b/2^n)=\gamma(g/2^n)$ f"ur alle $n\in\DN$ 
und dann $\beta(mb/2^n)=\gamma(mg/2^n)$ f"ur alle
$m\in \DZ$ und dann  aufgrund der Stetigkeit $\beta(tb)=\gamma(tg)$
f"ur alle $t\in\DR$.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Bezug der komplexen Exponentialfunktion zur Kreiszahl}] 
Die  Abbildung $\gamma:t\mapsto \op{exp}({\op{i}}t)$
ist ein surjektiver Gruppenhomomorphismus $\DR\sra S^1$\label{BezK} 
mit Kern $\op{ker}\gamma=2\pi\DZ$ f"ur unsere Kreiszahl $\pi$ aus \ref{DP}.  
\end{Satz}
\begin{proof}
Beim Beweis von \ref{EplOO} haben wir bereits gesehen,
da"s alle Elemente mit Realteil nah bei Eins im Bild
liegen m"ussen. Nach 
\eref{WeKr}{LA1} sind aber alle Elemente von
$S^1$ Potenzen von Elementen mit Realteil beliebig nah bei Eins.
Folglich ist
$\gamma$  eine Surjektion. Setzen wir
nun $\tilde\pi\pdef\op{inf}\{t>0\mid \gamma(t)=-1\}$, 
so gilt offensichtlich $\gamma(\tilde\pi)=\gamma(-\tilde\pi)=-1$, aber
$\gamma$ nimmt auf dem offenen Intervall $(-\tilde\pi,\tilde\pi)$ den Wert
$(-1)$ nicht an. So folgt 
$\op{ker}\gamma\cap (0,2\tilde\pi)=\emptyset$ und 
$2\tilde\pi\DZ\subset \op{ker}\gamma$. 
H"atten wir in $\op{ker}\gamma$ noch 
Elemente au"serhalb von $2\tilde\pi\DZ$,
so m"u"sten wir darin auch Elemente aus $(0,2\tilde\pi)$ finden und
erhielten einen Widerspruch.
So folgt $\op{ker}\gamma=2\tilde\pi\DZ$ und es bleibt nur noch zu zeigen,
da"s $\tilde\pi$ mit unserer Kreiszahl $\pi$ aus \ref{DP}
"ubereinstimmt. Nun gilt sicher $\gamma(0)=1$  und
$\gamma$ induziert eine Bijektion $\gamma:(-\tilde\pi,\tilde\pi]\sira S^1$.
Der Imagin"arteil von $\gamma$ hat auf diesem Intervall also nur die beiden
Nullstellen $0$ und $\tilde\pi$. Man "uberzeugt sich anhand der 
Reihenentwicklung, da"s gilt $\op{Im}(\gamma(t))>0$ f"ur $0<t<1$.
Also induziert $\gamma$ eine Bijektion 
$$\gamma:[0,\tilde\pi]\sira \{z\in S^1\mid \op{Im}(z)\geq 0\}$$ 
und $\op{Re}\gamma$ mu"s auf diesem Intervall streng monoton fallen.
Diese Erkenntnis liefert f"ur unsere Kreiszahl $\pi$ aus \ref{DP}
die alternative Beschreibung
 $$\pi  = \op{sup}\left.\left\{\sum^{n}_{i=1} |\gamma(t_i)-\gamma(t_{i-1})| \; \right|
0\leq t_{0} < t_{1} < \ldots < t_{n}\leq\tilde\pi
 \right\} $$
Nun erhalten wir
f"ur $|t|\leq 1$ leicht die Absch"atzung 
$$|\gamma(t)-1|^{2}=2-2\op{Re}\gamma(t)=t^{2}-2t^{4}/4!+2t^{6}/6!-
\ldots\quad\leq t^{2}$$ 
und so  $|\gamma(t)-1|\leq |t|$ und dann auch 
$|\gamma(t)-\gamma(s)|\leq |t-s|$ erst f"ur $|t-s|\leq 1$, dann aber unter
Verwendung der Dreiecksungleichung sogar f"ur alle $t,s\in\DR$. 
Das zeigt schon mal $\pi\leq\tilde \pi$. Andererseits zeigt die 
Reihenentwicklung auch die untere Absch"atzung
$|\gamma(t)-1|\geq t-t^{2}$, erst f"ur $t\in [0, 1]$
 wegen  $1=\sum_{\nu=2}^\infty 1/2^{\nu-1}\geq \sum_{\nu=2}^\infty 1/\nu!$, dann
aber aus offensichtlichen Gr"unden sogar f"ur alle $t$.
Verwenden wir 
f"ur $n\geq\tilde\pi$ die "aquidistante Unterteilung 
mit $0=t_0$ und $t_n=\tilde\pi$, so gilt mithin
$$\pi\geq \sum^{n}_{i=1} |\gamma(t_i)-\gamma(t_{i-1})|\geq \tilde\pi -n(\tilde\pi/n)^{2}$$
Im Grenzwert $n\ra\infty$ folgt
die umgekehrte Absch"atzung $\pi\geq\tilde \pi$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungw}
  Die zweite H"alfte dieses Beweises
  wird sich als ein Spezialfall unserer S"atze "uber die sogenannte
  \glqq Bogenl"ange
  \grqq\ erweisen.
  Unsere Definition der Kreiszahl $\pi$ aus \ref{DP} k"onnen wir
  in dieser Terminologie auffassen  als die L"ange
$\pi = {\op{L}} (\gamma)$ des Weges  $\gamma : [-1,1] \ra \Bbb{R}^{2}$, $x
\mapsto (x, \sqrt{1-x^{2}})$. Die Abbildung $\beta: [0,\tilde\pi]\ra \Bbb{C}$, $t
\mapsto \kappa(\op{exp}({\op{i}}t))$ mit  $\kappa:\DC\sira\DR^2$
der kanonischen
Identifikation erweist sich 
als eine monotone Umparametrisierung dieses Weges und hat nach
\ref{ILRP} dieselbe L"ange ${\op{L}} (\beta)={\op{L}} (\gamma)$, die schlie"slich nach \ref{BoL}
wegen der konstanten absoluten Geschwindigkeit $\|\beta'(t)\|=1$
des Weges $\beta$ berechnet werden kann als
$$\op{L}(\beta)=\int_0^{\tilde\pi}\|\beta'(t)\|\diff t=\int_0^{\tilde\pi}\diff t=\tilde\pi$$
\end{Bemerkungw}
\begin{Definition}\label{dsc}
Wir nennen den Real- und Imagin"arteil der
Abbildung $t\mapsto \exp ({\op{i}}t)$ 
 den \defind{Cosinus} und den \defind{Sinus}
und notieren sie $\cos, \sin : \Bbb{R} \ra \Bbb{R}$.
In Formeln sind die Funktionen Sinus und Cosinus also definiert durch die
sogenannte {\bf Euler'sche Gleichung}\index{Euler'sche Gleichung} 
$$\exp ({\op{i}}t) = \cos t +  {\op{i}}\sin t$$
\end{Definition}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0008}
\\ \noindent Sinus und Cosinus am Einheitskreis
\end{figure}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildsinB}
\\ \noindent Die Graphen vom Sinus als durchgezogene Linie
 und vom Cosinus als gestrichelte Linie. 
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Die Bezeichnung \defind{Trigonometrie} bedeutet
\glqq Dreiecksmessung\grqq. Die 
Wurzel \glqq gon\grqq\  taucht auch im deutschen Wort \glqq Knie\grqq\ 
auf und bedeutet im Griechischen 
sowohl \glqq Knie\grqq\  als auch im "ubertragenen Sinne 
\glqq Winkel\grqq.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bezug zum Bogenma"s}] 
Dieselbe Argumentation wie beim vorhergehenden Beweis zeigt
f"ur alle $ t\geq 0$ die Formel\label{Bsin} 
$$t  = 
\op{sup}\left.\left\{\sum^{n}_{i=1} |\gamma(t_i)-\gamma(t_{i-1})| \; \right|
0\leq t_{0} < t_{1} < \ldots < t_{n}\leq t
 \right\} $$
Anschaulich bedeutet mithin $t$ die L"ange des 
Kreisbogens von $1$ bis $\gamma(t)$.
Auf Taschenrechnern mu"s man, um die 
hier definierten Funktionen $\sin$ und $\cos$
zu erhalten, meist noch spezifizieren, da"s  die Eingabe im
Bogenma"s, auf 
englisch  \glqq Radians\grqq\  oder 
abgek"urzt \glqq rad\grqq,\index{rad!Radian} 
zu verstehen sein soll. 
Auf lateinisch bedeutet 
Sinus "ubrigends \glqq Bodenwelle\grqq\  und  \glqq Busen\grqq, wortverwandt 
ist franz"osisch \glqq le sein\grqq.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Eigenschaften von Sinus und Cosinus}]
Aus der Definition von Sinus und Cosinus folgen unmittelbar 
eine ganze Reihe von Eigenschaften.
\begin{enumerate}
\item
Aus der Definition \ref{dsc}  wissen wir $\sin^2+\cos^2=1$.
Diese Formel wird oft {\bf Pythagoras} genannt. Hier  haben wir
$(\sin t)^2=\sin^2 t$  und $(\cos t)^2=\cos^2 t$  abgek"urzt.
Diese Abk"urzungen sind auch "ublich f"ur alle anderen
trigonometrischen bzw. hyperbolischen trigonometrischen Funktionen, 
denn
das spart Klammern und die
alternativ m"oglichen Bedeutungen $\sin^2 t=\sin(\sin t)$ etc.\ 
kommen
nie vor. 
\item  
Die {\bf Symmetrie-Eigenschaften} $\sin(-t)=-\sin t$ und 
$\cos(-t)=\cos t$ folgen aus $\exp(\bar z)=\overline{\exp z}$.
\item
F"ur alle $a,b\in\Bbb{R}$\index{Additionsformeln!f"ur 
$\sin$ und $\cos$}\label{AdFF} 
folgen die {\bf Additionsformeln}
$$\begin{array}{ccccc}
\cos (a+b) &=& \cos a \cos b &-& \sin a \sin b\\
\sin (a+b) &=& \cos a \sin b &+& \sin a \cos b
\end{array}$$
  aus der Funktionalgleichung
$\op{exp}({\op{i}}(a+b))=\op{exp}({\op{i}}a)\op{exp}({\op{i}}b)$.
\item
Die {\bf Periodizit"aten} $\sin(t)=\sin(t+2\pi)$ und $\cos(t)=\cos(t+2\pi)$
folgen unmittelbar aus der Beschreibung des Kerns \ref{BezK}.
\item
Da"s der Cosinus eine streng monoton fallende 
Bijektion  $\cos:[0,\pi]\sira [-1,1]$ ist, wissen wir bereits aus dem Beweis 
von \ref{BezK}. Pythagoras zeigt dann, da"s $\pi$ die kleinste positive
Nullstelle von $\sin$ ist. Zusammen mit $\sin(0)=0$ und der Periodizit"at
folgt, da"s die {\bf Nullstellen des Sinus} genau die ganzzahligen
Vielfachen von $\pi$ sind. 
\item
Mit den Additionsformeln folgt $\sin(t+\pi)=-\sin t$ und %ebenso auch 
$\cos(t+\pi)=-\cos t$ und damit $\cos(\pi/2)=0$ und 
$\cos t=\sin (t+\pi/2)$ und $\sin t=-\cos (t+\pi/2)$.
Die {\bf Nullstellen des Cosinus} sind folglich genau die Elemente von
$2\pi\DZ+\pi/2$.
\item
Unsere Funktionen $\cos$ und $\sin$ werden per definitionem 
dargestellt durch die
absolut konvergenten Reihen\label{RESC} 
$$\begin{array}{lclcl}
\cos t & =& \sum^{\infty}_{k=0} (-1)^{k} \frac{t^{2k}}{(2k)!}&=&
1-\frac{t^{2}}{2!} + \frac{t^{4}}{4!}- \ldots\\[2mm]
\sin t &=& \sum^{\infty}_{k =0}(-1)^{k}\frac{t^{2k+1}}{(2k +1)!}&
=& t-\frac{t^{3}}{3!} + \frac{t^{5}}{5!}-\ldots
\end{array}$$
\end{enumerate}
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}
Der Sinus w"achst streng monoton auf $[-\pi/2, \pi/2]$ und
definiert folglich eine Bijektion $\sin :[-\pi/2, \pi/2] \ra
[-1,1]$, deren Umkehrabbildung man den {\bf Arcussinus}\index{Arcussinus}
nennt und notiert als
$$\arcsin : [-1,1] \ra [-\pi/2,\pi/2]$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Die Bezeichnung \glqq arcussinus\grqq\  kommt von lateinisch \glqq arcus\grqq\  f"ur \glqq Bogen\grqq.
In der Tat bedeutet $\arcsin b$ f"ur $b\in[0,1]$
die L"ange des Kreisbogens,
der vom Punkt $(1,0)$ bis zum Punkt $(\sqrt{1-b^{2}},b)$
der H"ohe $b$ auf dem Einheitskreis reicht, wie der Leser
zur "Ubung nachrechnen mag. 
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0016}
\\[3mm] \noindent
Der Arcussinus
\end{figure}
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{arcc}
Analog f"allt der Cosinus streng monoton auf dem Intervall
$[0,\pi]$ und definiert folglich eine Bijektion
$\op{cos}:[0,\pi]\sira [-1,1]$, deren Umkehrabbildung der 
\defind{Arcuscosinus} hei"st und $\op{arccos}$ notiert wird.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
F"ur alle $x \in \Bbb{R}$ mit $\cos x \neq 0$ definieren wir den
{\bf Tangens}\index{Tangens} von $x$ durch $$\tan x \pdef
 \frac{\sin x}{\cos x}$$ 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Anschaulich bedeutet $\tan(x)$  f"ur $x\in (0,\pi/2)$
die H"ohe, in der der Strahl durch den Nullpunkt
und den Punkt des Einheitskreises, der mit dem Punkt 
$(1,0)$ ein Kreissegment der L"ange $x$ begrenzt, die 
Tangente an unseren Einheitskreis im Punkt $(1,0)$ trifft.
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0019}
\\ \noindent Der Tangens
\end{figure}
Man benutzt auch den {\bf Cotangens}\index{Cotangens}
$\cot(x)\pdef\cos(x)/\sin(x)$ und eher selten den 
\defind{Secans} $\sec(x)\pdef 1/\cos(x)$ und
 \defind{Cosecans} $\op{cosec}(x)\pdef 1/\sin(x)$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Der Tangens streng monoton wachsend auf dem Intervall 
$(-\pi/2,
\pi/2)$. Wegen $\tan (-t)=-\tan(t)$  reicht es, das auf
$[0,\pi/2)$ zu pr"ufen, und dort sind  Sinus und Cosinus 
nichtnegativ und der Sinus  w"achst streng monoton, wohingegen der
Cosinus streng monoton f"allt.   
Da der Tangens an den Grenzen sogar gegen $\pm \infty$ strebt, liefert
der Tangens eine Bijektion $\tan : (-\pi/2, \pi/2)\ra \Bbb{R}$.
Die Umkehrfunktion hei"st der 
{\bf
Arcustangens}\index{Arcustangens}
$$\arctan : \Bbb{R} \ra (-\pi/2, \pi/2)$$
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]
\includegraphics[width=7cm]{SkriptenBilder/Bild0021}
\hfill\includegraphics[width=6cm]{SkriptenBilder/Bild0020}
\\[2mm] 
\noindent
Die Bilder ausgew"ahlter Teile der komplexen Zahlenebene unter 
der komplexen Exponentialfunktion. Die Vertikalen werden zu Kreislinien
aufgewickelt, die Horizontalen in vom Nullpunkt ausgehende Strahlen
transformiert. Anschaulich mag man sich die komplexe Exponentialfunktion
denken als Abbildung, bei der die komplexe Zahlenebene zun"achst in 
horizontaler Richtung verzerrt und ganz
auf die Halbebene mit positivem Realteil her"ubergeschoben wird 
mit $x+{\op{i}}y\mapsto \op{exp}(x)+{\op{i}}y$, gefolgt von einer 
Aufwicklung dieser Halbebene zu einer Wendeltreppe 
$a+ {\op{i}}y\mapsto (a\op{cos}y,a\op{sin}y,y) $ in den Raum 
gefolgt von einer 
senkrechten Projektion dieser Wendeltreppe auf die Ebene alias dem
Weglassen der letzten Koordinate.
\end{figure}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Kern und Bild der komplexen Exponentialfunktion}] 
Nach \ref{BezK} induziert die Exponentialfunktion eine Surjektion
der imagin"aren Geraden ${\op{i}}\DR$ auf den Einheitskreis
$S^1=\{ z\in\DC\mid |z|=1\}$.  Da"s die Exponentialfunk\-tion\label{SurCE} 
eine Bijektion $\DR\sira \DR_{>0}$ 
induziert, wissen wir bereits aus \ref{SurE}. Da nun jede von Null 
verschiedene komplexe Zahl $w$ sich schreiben l"a"st als Produkt 
$w=(w/|w|)|w|$
mit $w/|w|$ auf dem Einheitskreis und $|w|$ positiv, ist
die Exponentialfunktion nach der Funktionalgleichung sogar ein 
surjektiver  Gruppenhomomorphismus $\op{exp}:\DC\sra \DC^\times$. 
Der Kern dieses Gruppenhomomorphismus, als da hei"st das Urbild
des neutralen Elements $1\in \DC^\times$  besteht aufgrund unserer
Gleichung  $|\exp z| = \exp (\op{Re} z)$ 
genau aus allen ganzzahligen Vielfachen von $2\pi{\op{i}}$, in Formeln
$$\op{ker}(\exp)=2\pi{\op{i}}\DZ$$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Wir bestimmen mit dieser Erkenntnis die
{\bf $n$-ten} {\bf Einheitswurzeln}\index{Einheitswurzel!in $\DC$}, 
als da hei"st die
komplexen L"osungen der Gleichung $z^n=1$.  Nach \ref{SurCE} hat
jede L"osung die Gestalt $z=\op{e}^b$ f"ur geeignetes $b\in\DC$
und so ein $z$ l"ost unsere Gleichung genau dann, wenn gilt
$z^n=\op{e}^{nb}=1$ alias $nb\in 2\pi\op{i}\DZ$.  Wir erhalten so 
die  L"osungen $\exp(2\pi\op{i}\nu/n)$ f"ur $\nu=0,1,\ldots, n-1$ 
und erkennen auch, da"s sie paarweise verschieden sind und es 
keine anderen L"osungen geben kann. 
In der komplexen Zahlenebene kann man sich  die  $n$-ten Einheitswurzeln
veranschaulichen als die Ecken desjenigen
in den Einheitskreis einbeschriebenen regelm"a"sigen $n$-Ecks, das
als eine Ecke die $1$ hat.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}\label{SHL}
Der Satz von \defind{Hermite-Lindemann} sagt, da"s f"ur 
eine von Null verschiedene im Sinne von \ref{PiTr} algebraische
komplexe Zahl $\alpha$
der Wert der Exponentialfunktion $\op{exp}(\alpha)$ stets transzendent ist. 
Daraus folgt sowohl, da"s die Euler'sche Zahl $\op{e}=\op{exp}(1)$ 
transzendent ist,
als auch, da"s $2\pi\op{i}$ 
und damit nat"urlich 
auch $\pi$ transzendent sind, da n"amlich  $\op{exp}( 2\pi\op{i})=1$
nicht transzendent ist. 
In etwas allgemeinerer Form sagt der Satz, da"s gegeben komplexe 
algebraische Zahlen
$\alpha_1,\ldots, \alpha_n$, die linear unabh"angig sind "uber $\DQ,$
die Werte der Exponentialfunktion 
$\op{exp}(\alpha_1),\ldots, \op{exp}(\alpha_n)$
algebraisch unabh"angig sind "uber $\DQ$ im Sinne von \eref{AlUU}{KAG}.
Mehr dazu findet man etwa in \cite{Lor}.
Schanuels Vermutung, wie das zu verallgemeinern sein sollte, 
findet man in \eref{VVS}{KAG}.
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}
F"ur eine reelle Zahl $a>0$ und $z\in \DC$ definieren\label{EoFoUNF} 
wir wieder $$a^z\pdef\exp(z\log a)$$ und schreiben insbesondere
auch $\exp z=\op{e}^z$ f"ur $z\in\DC$. 
Mit dieser Notation liest sich die  Euler'sche
Formel dann als 
$$\op{e}^{{\op{i}}t} = \cos t + {\op{i}}\sin t$$
Insbesondere 
erf"ullen unsere Hauptdarsteller
die bemerkenswerte Identit"at
$$\op{e}^{{\op{i}}\pi} =-1$$
Aus $\exp (-{\op{i}}t)= \overline{\exp ({\op{i}}t)}$ 
folgern wir umgekehrt f"ur alle $t\in\Bbb{R}$
die Formeln
$$\cos t = \frac{\op{e}^{{\op{i}}t}+ \op{e}^{-{\op{i}}t}}{2}
\quad\text{und}\quad \sin t = \frac{\op{e}^{{\op{i}}t}-
\op{e}^{-{\op{i}}t}}{2{\op{i}}}$$
Diese Formeln verwenden wir, um den Sinus und Cosinus zu Funktionen
$\DC\ra\DC$ auszudehnen.\index{sin@$\op{sin}$ Sinus!komplexer}\index{cos@$\op{cos}$ Cosinus!komplexer}  
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkunge}
In der angels"achsischen  
Literatur wird manchmal auch die Abk"urzung $\op{exp}({\op{i}}z)=
\op{cis}(z)$ verwendet, die wohl auf die Euler'sche Formel
$\op{exp}({\op{i}}z)=c\!\op{os}z+i\;
s\!\op{in}z$ zur"uckzuf"uhren ist.\index{cis@$\op{cis}$}
\end{Bemerkunge}







\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{KoWu}
Sei $n\in\DN$.  F"ur jede komplexe Zahl $a\neq 0$ besitzt
die Gleichung $z^n=a$ genau $n$ L"osungen $z\in\DC$. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{GHCC}
Man zeige: Jeder Gruppenhomomorphismus 
$\DR\ra \DC^\times$ mit stetigem Real- und Imagin"arteil
hat die Gestalt $t\mapsto \exp(at)$ f"ur genau eine komplexe Zahl $a\in \DC$.
Hinweis: Man wiederhole den Beweis  von \ref{EplOO} 
und beachte \ref{SurCE}.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}[\textbf{Nichtexistenz globaler komplexer Wurzeln}]
Man zeige, da"s es nicht m"oglich ist, in stetiger Weise zu
jeder komplexen Zahl eine Wurzel zu w"ahlen, da"s es also keine
stetige Abbildung $w : \Bbb{C} \rightarrow \Bbb{C}$ gibt mit
$w (z)^2 = z \quad \forall z \in \Bbb{C}$.\label{steW} 
Hinweis: Man pr"ufe, da"s die Funktion $w (\exp (z)) \exp (-z/2)$ einerseits 
konstant sein m"u"ste, aber andererseits nicht denselben Wert bei $0$ und 
$2\pi {\op{i}}$ annehmen w"urde. Die anschauliche 
Bedeutung der Aussage mag aus der graphischen Darstellung der Abbildung 
$z\mapsto z^2$ in \eref{BKOM}{LA1} klar werden. Im Rahmen der
"Uberlagerungstheorie wird das der Einzeiler \eref{KWU}{TF}.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}[\textbf{Der goldene Schnitt im regelm"a"sigen F"unfeck}]
In einem regelm"a"sigen F"unfeck stehen die L"angen der Diagonalen
zu den L"angen der Seiten im Verh"altnis des goldenen Schnitts.
Man pr"ufe diese elementargeometrisch leicht einzusehende Behauptung
durch algebraische Rechnung.\label{RFE} 
Hinweis: Der  goldene Schnitt
ist die positive L"osung der Gleichung
$a/1 = (1+a) /a$ alias $a^{2}-a-1 =0,$
seine geometrische Bedeutung wurde in \eref{FiFo}{GR} erkl"art.
Es gilt zu zeigen, da"s f"ur
$\zeta = \op{e}^{2\pi {\op{i}}/5}$ der Ausdruck $a =|1-\zeta^{2}|/|1-\zeta|=
|1+\zeta|$ 
die fragliche Gleichung l"ost.
Man verwende $\zeta^4=\bar{\zeta}$. 
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
In einem regelm"a"sigen Siebeneck sei $a$ der Abstand von einer Ecke zur n"achsten Ecke, $b$ der Abstand
zur "ubern"achsten Ecke, und $c$ der Abstand zur "uber"ubern"achsten Ecke.
Man zeige
\begin{equation*}
\frac{1}{a} = \frac{1}{b}+ \frac{1}{c}
\end{equation*}
In Formeln zeige man f"ur $\zeta  = \op{e}^{2\pi {\op{i}}/7}$ die Identit"at
$|1 - \zeta |^{-1} = |1-\zeta ^2|^{-1} + |1 - \zeta ^3|^{-1}$.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{AExp} \emph{Verlegen!}
F"ur alle $\lambda \in \Bbb{C}$ hat die Abbildung $\Bbb{R}\ra
\Bbb{C},$ $ t\mapsto \op{e}^{\lambda t}$ die Ableitung $t \mapsto \lambda
\op{e}^{\lambda t}$.  Sp"ater kann das auch mit \ref{KRc} und \ref{AKEc}
sehr schnell erledigt werden.
\end{Ubung}

\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUbSin}\\[4mm]
\noindent 
Die "Uberlagerung zweier Sinuswellen mit nahe beieinanderliegender
Periode. Rechnerisch finden wir etwa die Identit"at
$$\op{e}^{\op{i}\omega_1 t} + \op{e}^{\op{i}\omega_2 t}=
\op{e}^{\op{i}(\omega_1-\omega_2)t/2}(\op{e}^{\op{i}(\omega_1+\omega_2)t/2}
+\op{e}^{-\op{i}(\omega_1+\omega_2)t/2})$$
und durch Betrachtung der Imagin"arteile beider Seiten
$$\sin(\omega_1 t) + \sin(\omega_2 t)=2\sin((\omega_1-\omega_2)t/2)
\cos((\omega_1+\omega_2)t/2)$$
Liegen hier $\omega_1$ und $\omega_2$ nah beieinander, so ergibt sich
f"ur diesen Ausdruck als Funktion von $t$ 
das obige Bild, in dem sich anschaulich gesprochen immer abwechselnd beide
Sinuswellen einmal gegenseitig ausl"oschen und dann wieder 
addieren. Man kann das auch mit eigenen Ohren 
erfahren, wenn man sich von zwei Kommilitonen
zwei nahe beieinanderliegende T"one vorsingen l"a"st: Es ist dann
so eine Art Wummern zu h"oren, das eben mit der Frequenz $\omega_1-\omega_2$
geschieht.
\end{figure}
\begin{Ubunge}\emph{Verlegen!} 
Die Nullstellen des komplexen Sinus liegen alle auf der reellen Achse.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}\label{WeSi}
Man leite einige Formeln der nachstehenden Tabelle her. 

\begin{center}
\begin{tabular}{c|c|c}
& $\sin$ & $\cos$ \\ \hline
$\pi$ & $0$ & $-1$ \\[2mm]
$\pi/2$ & $1$ & $0$ \\[2mm]
$\pi/3$ & $\sqrt{3}/2$ & $1/2$ \\[2mm]
$\pi/4$ & $1/\sqrt{2}$ & $1/\sqrt{2}$ \\[2mm]
$\pi/5$ & $\sqrt{5-\sqrt{5}}/2\sqrt{2}$ & $(\sqrt{5}+1)/4$ \\[2mm]
$\pi/6$ & $1/2$ & $\sqrt{3}/2$ \\[2mm]
$\pi/7$ & ? & ? \\[2mm]
$\pi/8$ & $\sqrt{\frac{1}{2} - \sqrt{2}}$ & 
$\sqrt{\frac{1}{2} + \sqrt{2}}$ \\[2mm]
$\pi/9$ & ? & ? \\[2mm]
$\pi/10$ & $(\sqrt{5}-1)/4$ & $\sqrt{5+\sqrt{5}}/2\sqrt{2}$ \\[2mm]
$\pi/11$ & ? & ? 
\end{tabular}
\end{center}
%\\
%\noindent
Man bemerkt, da"s sich f"ur $\op{cos}(\pi/5)$ gerade die
H"alfte unseres \glqq goldenen Schnitts\grqq\  aus \ref{RFE} ergibt.
Bei der Bestimmung der Werte f"ur $\pi/5$ und $\pi/10$ mag 
man von
nebenstehendem Bild ausgehen, das insbesondere bei der Bestimmung von 
$\sin(\pi/10)$ helfen sollte. 
Wir zeigen in \eref{SIUU}{AL}, warum 
es unm"oglich ist,
 Formeln derselben Bauart auch f"ur $\sin(\pi/7)$ oder $\sin(\pi/9)$
oder $\sin(\pi/11)$  anzugeben. 
\end{Ubunge}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildsin}\\[4mm]
\noindent 
Illustration zur Berechnung von $\sin(\pi/10)$
\end{figure}
\begin{Ubunge}\label{sin3}
  Man zeige mit der Euler'schen Gleichung \ref{dsc} die Identit"at
  $\sin^3\vartheta=\frac{3}{4}\sin\vartheta-\frac{1}{4}\sin(3\vartheta)$.  
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{sin3n}
  Man zeige, da"s der Sinus keine Polynomfunktion ist. 
\end{Ubunge}

\subsection{Stetige Funktionen auf Kompakta} \label{STK}
\begin{Definition}\label{Komp}
Man nennt eine Teilmenge $K \subset \overline{\DR}$ 
{\bf kompakt}\index{kompakt!Teilmenge von $\overline{\DR}$}
oder ein {\bf Kompaktum},\index{Kompaktum} wenn
jede Folge in $K$ eine Teilfolge besitzt, die gegen einen Punkt aus $K$
konvergiert. Eine kompakte Teilmenge $K \subset \DR$
hei"st ein {\bf reelles  Kompaktum}.\index{Kompaktum}
\end{Definition} 
\begin{Bemerkungl}
Mit dem Satz von Bolzano-Weierstra"s \ref{HB} sieht man leicht, da"s die 
kompakten Intervalle in $\overline{\DR}$ 
genau die Intervalle der Gestalt $[a,b]$ mit $a,b\in\overline{\DR}$  sind.
\end{Bemerkungl}
 
\begin{Bemerkungw}
Der Begriff der \glqq Kompaktheit\grqq\ ist f"ur weite Teile der
Mathematik grundlegend. Sie werden sp"ater sehen, wie er 
im Fall allgemeiner \glqq topologischer R"aume\grqq\ 
 in die beiden Begriffe
\glqq folgenkompakt\grqq\ und \glqq "uberdeckungskompakt\grqq\ 
aufspaltet. Sie werden auch sehen,
 da"s es letzterer Begriff ist, der weiter
tr"agt und zu \glqq kompakt\grqq\ abgek"urzt wird, obwohl 
ersterer Begriff die nat"urlichere Verallgemeinerung unserer
obigen Definition scheint. Aber alles zu seiner Zeit!
\end{Bemerkungw}

\begin{Satz}[\textbf{Extremwerte auf Kompakta}]
Jede stetige Funktion auf einem nichtleeren Kompaktum nimmt das 
Supremum und das Infimum der Menge 
ihrer Funktionswerte als Funktionswert an.\label{Mm}  
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Ist  in Formeln  $K\neq \emptyset$ kompakt und
$f:K \ra \overline{\DR}$ stetig,
so gibt es demnach $p,q\in K$ mit
$f(p) \leq f(x)\leq f(q) \;\;\forall x\in K$. 
Ist die Funktion $f$ reellwertig, so ist insbesondere ihr Bild beschr"ankt.
Salopp gesprochen kann also eine  stetige reellwertige Funktion
auf einem Kompaktum nicht nach Unendlich streben.
Man beachte, eine wie wichtige Rolle im Falle eines kompakten Itervalls die Endpunkte 
eines Intervalls hierbei spielen: Eine stetige reellwertige Funktion auf
einem offenen Intervall kann ja durchaus nach Unendlich streben, wie etwa
die Funktion $x\mapsto (1/x)$ auf dem Intervall $(0,1)$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Da $K$ nicht leer ist,  finden wir eine  Folge 
 $x_{n}$ in $K$ mit $\lim_{n\ra \infty} f(x_{n}) = \sup  f(K)$.
Diese Folge besitzt nun
nach Annahme eine Teilfolge, die gegen einen Punkt $q$
aus $K$ konvergiert. Indem wir zu dieser Teilfolge
"ubergehen d"urfen wir sogar annehmen, unsere Folge sei selbst schon
konvergent mit
$\lim_{n\ra \infty} x_{n} = q$.
Mit \ref{FGW} folgt dann
$$f(q) = \lim_{n\ra \infty} f(x_{n}) = \sup  f(K)$$
Die Existenz von $p \in K$ mit $f(p) = \inf
f(K)$ zeigt man analog.
\end{proof}


\begin{Definition} Sei $D\subset\DR$ eine Menge von reellen Zahlen.
Eine reellwertige Funktion $f: D \ra \Bbb{R}$ hei"st {\bf gleichm"a"sig
stetig}\index{gleichm"a"sig stetig!reelle Funktion einer Variablen}
genau dann, wenn
folgende Aussage richtig ist:
F"ur beliebiges $\varepsilon  >0$ gibt es $\delta >0$ derart, da"s f"ur alle
$x,y\in D$ mit $|x-y|<\delta$  gilt $|f(x) - f(y)|<\varepsilon $.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Bei der Definition der gleichm"a"sigen Stetigkeit kommt es
wesentlich auf den Definitionsbereich $D$ an.
Da wir Funktionen vielfach angeben, ohne ihren Definitionsbereich
explizit festzulegen, ist es in diesem Zusammenhang  oft sinnvoll, 
den jeweils gemeinten
Definitionsbereich zu pr"azisieren. 
Dazu benutzen wir die Sprechweise
{\bf $f$ ist gleichm"a"sig
stetig auf $D$}.
\end{Bemerkungl} 
 \begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGeSe}\\[4mm]
 \includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildGeSp}\\[4mm]
\noindent 
Gleichm"a"sige Stetigkeit f"ur stetige Funktionen
auf Intervallen  kann man sich anschaulich wie folgt denken:
F"ur eine beliebig f"ur ein Rechteck  vorgegebene H"ohe
$2\varepsilon>0$ findet man bei gleichm"a"siger 
Stetigkeit  immer eine Breite $2\delta>0$ derart,
da"s an welchen Punkt des Graphen meiner Funktion ich das Zentrum meines
Rechtecks auch verschiebe, der Graph das Rechteck nie durch
die Ober- oder Unterkante verl"a"st. So ist etwa
 die Wurzelfunktion  gleichm"a"sig
stetig auf $\DR_{\geq 0}$, die Quadratfunktion jedoch nicht.
\end{Bild}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Unterschied zwischen Stetigkeit und gleichm"a"siger Stetigkeit}] 
Ich will nun den Unterschied zur Stetigkeit diskutieren.
Eine reellwertige Funktion $f: D \ra \Bbb{R}$ mit Definitionsbereich
$D\subset\DR$ 
 hei"st
ja stetig bei $p\in D$ genau dann, 
wenn es f"ur
jedes $\varepsilon >0$ ein $\delta=\delta({\varepsilon },p) >0$ gibt 
derart, da"s f"ur alle $x\in D$
mit $|x-p| < \delta({\varepsilon },p)$ gilt $|f(x) - f(p)| < \varepsilon $.
Des weiteren hei"st sie stetig, wenn sie an jeder Stelle $p\in D$ stetig ist. 
Gleichm"a"sige Stetigkeit bedeutet nun, da"s 
f"ur jedes $\varepsilon >0$
ein $\delta=\delta({\varepsilon })$ gew"ahlt werden kann, das 
es als $\delta({\varepsilon })=\delta({\varepsilon },p)$ 
f"ur alle $p\in D$ gleichzeitig tut.
\end{Bemerkungl}
% \begin{Bemerkungl}
% Auf die Frage nach der anschaulichen Bedeutung der
% gleichm"a"sigen Stetigkeit kenne ich  keine "uberzeugende Antwort.
% Funktionen, deren Graph \glqq nicht  beliebig steil wird\grqq,
% sind stets gleichm"a"sig
% stetig nach \ref{ABbb}, aber auch die Wurzelfunktion 
% ist nach \ref{glst}
% gleichm"a"sig stetig auf $[0,1]$, obwohl ihr Graph  beim Ursprung 
% durchaus \glqq beliebig steil wird\grqq. Eine Kombination beider Argumente wird dann
% sogar zeigen, da"s die Wurzelfunktion auf ganz $[0,\infty)$
% gleichm"a"sig stetig ist.
% \end{Bemerkungl}





\begin{Beispiel}
Die Funktion $f:\Bbb{R} \ra \Bbb{R}$, $x \mapsto x^{2}$ 
ist {\em nicht} gleichm"a"sig
stetig auf $\DR$, denn $|x^{2}-y^{2}| = |x-y\|x+y|$ kann auch f"ur sehr kleines
$|x-y|$ noch gro"s sein, wenn nur $|x+y|$ hinreichend gro"s ist.
Die Einschr"ankung dieser Funktion auf 
ein beliebiges reelles Kompaktum ist aber daselbst
gleichm"a"sig stetig nach dem anschlie"senden Satz.
\end{Beispiel}
\begin{Satz}[\textbf{Gleichm"a"sige Stetigkeit auf Kompakta}]
Jede reellwertige 
stetige Funktion\label{glst} auf einem reellen Kompaktum ist auf 
besagtem Kompaktum gleich\-m"a"sig
stetig.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Wir argumentieren durch Widerspruch
und zeigen, da"s eine Funktion auf einem reellen Kompaktum, die
nicht gleichm"a"sig stetig ist, auch nicht stetig sein kann. 
Sei dazu $K \subset \Bbb{R}$ unser Kompaktum
und $f: K \ra \Bbb{R}$ unsere Funktion.
W"are $f$ nicht gleichm"a"sig stetig, so g"abe
es ein $\varepsilon > 0$, f"ur das wir kein $\delta >0$ finden k"onnten:
Wir probieren alle $\delta = \frac{1}{n}$ aus und finden
immer wieder Punkte $x_{n}$, $y_{n} \in K$ mit $|x_{n}-y_{n}| < \frac{1}{n}$,
f"ur die dennoch gilt $|f(x_{n}) - f(y_{n})| \geq \varepsilon$.
Gehen wir zu einer Teilfolge "uber, so d"urfen wir ohne Beschr"ankung
der Allgemeinheit annehmen, da"s die Folge der $x_{n}$ gegen einen
Punkt von $K$ konvergiert, in Formeln 
$\lim_{n\ra \infty}x_{n} =x$ mit $x\in K$.
Damit folgt nat"urlich auch $\lim_{n\ra \infty}y_{n} =x$.
W"are nun $f$ stetig bei $x$, so folgte
$$\lim_{n\ra \infty} f(x_{n})=f(x) = \lim_{n\ra \infty}f(y_{n})$$
und damit l"agen notwendig fast alle $f(x_{n})$ und fast alle $f(y_{n})$ im
offenen Intervall
$(f(x)-\varepsilon/2, f(x) + \varepsilon/2)$. Das steht jedoch
 im Widerspruch dazu, da"s ja nach Konstruktion gilt 
$|f(x_{n}) - f(y_{n})| \geq \varepsilon$ f"ur alle $n$.
Wir haben also gezeigt, da"s eine Funktion auf einem reellen 
Kompaktum, die
nicht gleichm"a"sig stetig ist, auch nicht stetig sein kann.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Jede endliche Vereinigung von Kompakta ist kompakt.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Das Bild eines  Kompaktums unter 
einer stetigen Abbildung  ist stets
auch wieder kompakt.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige: Jede beschr"ankte monotone 
stetige Funktion $f:\DR\ra\DR$ ist 
gleichm"a"sig stetig.\label{bmgs}  
\end{Ubung}
\subsection{Integration stetiger Funktionen}
\begin{Definition}
Sei $[a,b] \subset \Bbb{R}$ ein nichtleeres kompaktes reelles
Intervall und $f:[a,b]\ra \Bbb{R}$ 
eine stetige reellwertige Funktion.\label{DefII} 
Wir definieren die Menge $I (f)\subset\Bbb{R}$
aller \glqq naiven Integrale zu Treppen, die unter $f$ liegen\grqq\  durch
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildIu}
\\
\noindent
Die schraffierte Fl"ache stellt ein Element von $I(f)$ dar f"ur die
durch den geschwungenen  Graphen dargestellte Funktion $f$. 
\end{figure}
$$
I   (f)\pdef\left\{ \sum^{n-1}_{i=0} c_{i}(a_{i+1}-a_{i})\;
\begin{array}{|l}\text{ Alle m"oglichen
Wahlen von } n\in\DN \\
 \text{ und von Stellen }
a=a_{0}\leq a_{1}\leq \ldots \leq a_{n} =b\\
\text{ und von Werten  }
c_{0},\ldots , c_{n-1}\in\Bbb{R} \text{ derart,}\\
\text{ da"s gilt }\;f(x)\geq c_{i}\text{ f"ur alle } 
x\in [a_{i},a_{i+1}]\end{array}\right\}
$$
Da $f$ stetig ist, hat es
nach \ref{Mm} einen beschr"ankten Wertebereich, d.h.\ es 
gibt  $m,M\in \DR$ mit
$m \leq f(x) \leq M \quad \forall
x \in [a,b]$. Daraus folgt, da"s  $m (b-a)$ zu $ I   (f)$ geh"ort
und da"s 
$M(b-a)$ 
eine obere Schranke von $I   (f)$ ist. 
Als nichtleere nach oben beschr"ankte Teilmenge
von $\Bbb{R}$ hat $I   (f)$ nach \ref{AB} ein Supremum in $\Bbb{R}$. 
Wir nennen dies Supremum  das {\bf Integral
 der Funktion
$f$ "uber das Intervall 
$[a,b]$}\index{Integral!stetige reelle Funktion!"uber kompaktes Intervall} 
und schreiben
$$\sup I   (f)
\defp
\int^{b}_{a} f(x) \;\diff x = \int^{b}_{a} f=\int_{[a,b]}f$$  
Auf\index{S@$\int$ Integral} 
 die Bedeutung dieser Notationen gehen wir in \ref{NoIn} noch n"aher ein.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Anschaulich mi"st das Integral von $f$ die Fl"ache zwischen
dem Graphen von $f$ und der $x$-Achse, wobei Fl"achenst"ucke unterhalb
der $x$-Achse negativ zu rechnen sind.
Das Wort ist aus dem Lateinischen abgeleitet
und bedeutet so etwas wie \glqq Zusammenfassung\grqq.
Der folgende Satz listet einige Eigenschaften unseres Integrals
auf. Man kann leicht zeigen, da"s unser Integral sogar durch diese
Eigenschaften charakterisiert wird.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Integrationsregeln}]
Sei $[a,b]\subset \DR$ ein nichtleeres kompaktes Intervall.
\begin{enumerate}
\item
F"ur die konstante Funktion mit dem Wert $1 $ gilt
$\int^{b}_{a}1 =b-a$;
\item
F"ur $f : [a,b] \ra \Bbb{R}$ stetig und $ z \in [a,b]$ gilt
$\int^{b}_{a}f=\int^{z}_{a} f + \int^{b}_{z}f$;
\item
Seien $f,g:[a,b] \ra \Bbb{R}$ stetig. Gilt $f(x) \leq g(x) \quad \forall x \in
[a,b]$, in Kurzschreibweise $f\leq g$, so folgt
 $\int^{b}_{a}f \leq \int^{b}_{a}g$;
\item
F"ur $f,g :[a,b]\ra \Bbb{R}$ stetig
gilt $\int^{b}_{a} (f+g) = \int^{b}_{a} f + \int^{b}_{a} g$;
\item
F"ur $f:[a,b]\ra \Bbb{R}$ stetig und $\lambda \in \Bbb{R}$
gilt
$\int^{b}_{a} \lambda f = \lambda \int^{b}_{a} f$.
\end{enumerate}\label{InRe}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Die beiden letzten Punkte bedeuten in der Sprache der
linearen Algebra, da"s das Integral eine Linearform auf 
dem reellen Vektorraum aller stetigen reellwertigen Funktionen
auf unserem kompakten Intervall ist, als da hei"st, eine lineare Abbildung 
in den K"orper der reellen Zahlen.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
1. Wir wissen ja schon, da"s
aus $m=1\leq f(x)\leq 1=M$ folgt $b-a \leq \int^{b}_{a}f \leq b-a$.
\\[2mm]\noindent
2. F"ur Teilmengen $A,B\subset\Bbb{R}$ definiert man eine neue Teilmenge
$A+B\subset\Bbb{R}$ durch die Vorschrift $A+B=\{x+y\mid x\in A,\;y\in B\}$.
Offensichtlich gilt
$$I   (f) = I   (f|_{[a,z]})+I   (f|_{[z,b]})$$
F"ur beliebige nichtleere nach oben beschr"ankte Teilmengen $A,B \subset \Bbb{R}$
haben wir aber $\sup (A+B) = \sup A +\sup B$ nach "Ubung \ref{ABC}.
\\[2mm]\noindent
3. Aus $f\leq g$ folgt offensichtlich $I   (f) \subset I   (g)$.
\\[2mm]\noindent
4 \& 5. Um die letzten beiden Aussagen zu zeigen, m"ussen wir etwas weiter ausholen.
F"ur unsere stetige
Funktion $f:[a,b]\ra\Bbb{R}$ und beliebiges $r\in\DN$, $r\geq 1$
unterteilen wir unser Intervall 
\defnoind{"aquidistant},\index{"aquidistant, Unterteilung} 
lateinisierend f"ur
\glqq mit gleichen Abst"anden\grqq, durch
$$a = t_{0}\leq t_{1} \leq t_{2}\leq \ldots \leq t_{r}=b$$
Es gilt also $
t_{i} = a+ i(b-a)/r$. Wir  definieren nun die
{\bf $r$-te Riemann-Summe}\index{Riemannsumme!f"ur reelle Funktion} 
$S^{r}(f) \in
\Bbb{R}$ durch die Vorschrift
$$S^{r}(f) \pdef \sum_{i=0}^{r-1} f(t_{i}) (t_{i+1}-t_{i}) = \sum_{i=0}^{r-1} f(t_{i})
(\tfrac{b-a}{r})$$
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildRs}
\\
\noindent
Die schraffierte Fl"ache stellt die f"unfte Riemannsumme der
durch den geschwungenen Graphen beschriebenen Funktion dar.
\end{figure}
In der anschlie"senden Proposition \ref{RS} werden wir zeigen
$$\int^{b}_{a}f = \lim_{r\ra \infty} S^{r}(f)$$
Damit erhalten wir dann sofort
$$\begin{array}{ccl}
\int^{b}_{a} (f+g)& = &\underset{r\ra \infty}{\lim} S^{r} (f+g) \\
 &=& \underset{r\ra \infty}{\lim} (S^{r}(f)+S^{r}(g))\\
 &=& \underset{r\ra \infty}{\lim}S^{r}f +\underset{r\ra \infty}{\lim} S^{r}g\\
 &=& \int^{b}_{a}f + \int^{b}_{a}g
\end{array}$$
und "ahnlich folgt $\int^{b}_{a}\lambda f = \lambda \int^{b}_{a}f$.
\end{proof}

\begin{Proposition}\label{RS}
F"ur $a\leq b$ und 
$f: [a,b] \ra \Bbb{R}$ stetig gilt 
$\int^{b}_{a}f =\underset{r\ra \infty}{\lim} S^{r}
(f)$.
\end{Proposition}
\begin{Bemerkunge}\label{NoIn}
In der Notation $\int_a^b f(x)\diff x$, 
die auf den Philosophen und Mathematiker Leibniz zur"uckgeht,
bedeutet das Integralzeichen
$\int$ ein {\em S} wie \glqq Summe\grqq\ 
und $\diff x$ meint die \glqq Differenz im $x$-Wert\grqq. 
Manchmal verwendet man auch allgemeiner f"ur eine weitere 
Funktion $g: [a,b] \ra \Bbb{R}$ mit guten Eigenschaften, 
etwa f"ur $g$  die Differenz
zweier monoton wachsender Funktionen, die Notation
$\int f\diff g$, und meint damit 
den Grenzwert der Summen $\sum_{i=0}^{r-1} f(t_{i}) (g(t_{i+1})-g(t_{i}))$,
dessen Existenz  in \eref{WII1}{AN2} folgende in  gro"ser
Allgemeinheit  diskutiert wird.
\end{Bemerkunge}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildBeI}
\\
\noindent
In der Notation $\int_a^b f(x)\diff x$, 
die auf den Philosophen und Mathematiker Leibniz zur"uckgeht,
bedeutet das Integralzeichen
$\int$ ein {\em S} wie \glqq Summe\grqq\ 
und $\diff x$ meint die \glqq Differenz im $x$-Wert\grqq. 
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Man mag versucht sein, die in  Proposition \ref{RS} 
enthaltene Beschreibung 
gleich als Definition des Integrals zu nehmen. Ich rate davon jedoch ab, da die
Existenz des fraglichen Grenzwerts nicht so leicht zu zeigen ist, und 
da auch die Zweite unserer Integrationsregeln \ref{InRe} aus dieser Definition
sehr viel schlechter herzuleiten ist. Nun kommt das nat"urlich eigentlich
nicht darauf an, wenn unsere  Definitionen "aquivalent sind. 
Aber in Deutschland legt man ein zentrales Auslieferungslager auch 
besser nach Frankfurt als nach Freiburg!
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Wir definieren zus"atzlich zur $r$-ten Riemann-Summe die {\bf $r$-ten 
Untersummen}\index{Untersumme}
und {\bf Obersummen}\index{Obersumme}\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=7cm]{SkriptenBilder/BildOU}
\\
\noindent
Die  schraffierte Fl"ache stellt die vierte Obersumme der
durch den geschwungenen Graphen beschriebenen Funktion dar, der 
kreuzweise schraffierte Teil ihre Untersumme.
\end{figure} durch
$$\underline{S}^{r}(f) \pdef \sum^{r-1}_{i=0}(\inf f[t_{i},t_{i+1}])(
\tfrac{b-a}{r})
\quad\text{und}\quad
\overline{S}^{r} (f)\pdef \sum^{r-1}_{i=0} (\sup f[t_{i},t_{i+1}])
(\tfrac{b-a}{r})
$$
und behaupten die Ungleichungen
$$\begin{array}{ccccc}
\underline{S}^{r}(f) & \leq & S^{r}(f) &\leq&\overline{S}^{r}(f)\\
\underline{S}^{r}(f) &\leq & \int_{a}^{b} f&\leq & \overline{S}^{r}(f)
\end{array}$$
Die erste Zeile ist offensichtlich. Die zweite Zeile erhalten wir zum Beispiel,
indem wir aus den bereits bewiesenen Teilen 1 und 3 
des Satzes die Ungleichungen
$$(\inf f[t_{i},t_{i+1}])(\tfrac{b-a}{r})
\leq \int_{t_{i}}^{t_{i+1}} f\leq (\sup f[t_{i},t_{i+1}])
(\tfrac{b-a}{r})$$
folgern, diese Ungleichungen aufsummieren, 
und die Mitte mit dem auch bereits bewiesenen Teil 2
des Satzes zu $\int_a^b f$ zusammenfassen.
Damit sind beide Zeilen von Ungleichungen bewiesen.
Nun ist $f$ auf $[a,b]$ gleichm"a"sig stetig, 
f"ur beliebiges $\varepsilon  >0$ existiert also
$\delta =\delta_\varepsilon > 0$ mit $|x-y| 
< \delta \Rightarrow |f(x)-f(y)|<\varepsilon $.
W"ahlen wir $N$ mit
$(\frac{b-a}{N})<\delta$ und nehmen dann $r\geq N$, so schwankt unsere
Funktion $f$ auf jedem Teilintervall $[t_{i},t_{i+1}]$ 
h"ochstens um $\varepsilon $,
mithin gilt $0 \leq \overline{S}^{r}
(f) - \underline{S}^{r}(f) \leq \varepsilon  (b-a)$ und damit
$|S^{r}(f) - \int^{b}_{a}
f | \leq \varepsilon  (b-a)$.
Die Proposition ist gezeigt.
\end{proof}

\begin{Beispiel}
$\begin{array}[t]{ccl}
\int^{b}_{0} x \;\diff x& = &\lim_{r\ra \infty} \left(  \frac{0}{r} +\frac{b}{r} + \frac{2b}
{r} + \cdots \frac{(r-1)b}{r}\right) 
\frac{b}{r}\\[2mm]
 &=& \lim_{r\ra \infty} \frac{r(r-1)}{2} 
\cdot \frac{b^{2}}{r^{2}}
\quad\text{ nach \eref{ErF}{GR}}\\[2mm]
 &=& \frac{b^{2}}{2}
 \end{array}$
 \end{Beispiel}


\begin{Lemma}[\textbf{Standardabsch"atzung f"ur Integrale}]
Gegeben $a\leq b$ reelle Zahlen  und 
$f:[a,b]\ra\Bbb{R}$ stetig gilt die Absch"atzung
$$\left| \int^{b}_{a}f \right| \leq \int^{b}_{a} |f|$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Aus $-|f| \leq f\leq |f|$ folgt $-\int |f| \leq \int f \leq \int |f|$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Integrale mit vertauschten Grenzen}] 
Ist $I\subset\Bbb{R}$ ein Intervall und $f:I\ra\Bbb{R}$ eine stetige Funktion
und sind $a,b\in I$ gegeben mit $a>b$, so definieren\label{IGV} 
wir $\int_a^b f(x)\diff x$ durch die Vorschrift 
$$\int_a^b  f(x)\diff x\pdef -\int_b^a  f(x)\diff x$$
Mit dieser Konvention
gilt dann f"ur beliebige
$a,b,c$ in einem reellen Intervall $I$ und jede stetige Funktion 
$f:I\ra\Bbb{R}$ die Formel
$$\int^{c}_{a} f(x)\diff x
=\int^{b}_{a}  f(x)\diff x + \int^{c}_{b} f(x)\diff x$$  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildARiS}\\[4mm]
\noindent 
Darstellung einer Riemannsumme im Sinne von \ref{ARS}.
\end{Bild}

\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubunge}\label{ARS}
Sei $a=a_{0}\leq a_{1}\leq a_{2}\leq \ldots \leq a_{n} =b$
eine {\bf Unterteilung}\index{Unterteilung!von Intervall} 
des kompakten reellen
Intervalls $[a,b]$.
Gegeben eine Funktion $f:[a,b]\ra\Bbb{R}$
bezeichnet man die Summen
$$\sum_{i=0}^{n-1} f(\zeta_i)(a_{i+1}-a_{i})$$
mit beliebigen $\zeta_i\in [a_{i},a_{i+1}]$ als die {\bf
Riemann-Summen}\index{Riemannsumme!f"ur reelle Funktion}
von $f$ zur vorgegebenen Unterteilung.
Die maximale L"ange $\sup\{a_i-a_{i-1}\mid 1\leq i\leq n\}$ 
eines Teilintervalls
hei"st die {\bf Feinheit} der Unterteilung.
Man zeige: Ist $f:[a,b]\ra\Bbb{R}$ stetig, so gibt es zu 
jedem $\varepsilon>0$ ein $\delta>0$
derart, da"s alle Riemann-Summen von $f$ zu 
Unterteilungen der Feinheit $\leq\delta$
vom Integral $\int f$ einen Abstand $\leq \varepsilon$ haben.
\end{Ubunge}
\begin{Bemerkunge}
 Allgemeiner hei"st eine nicht notwendig stetige Funktion
auf einem kompakten reellen Intervall 
 $f:[a,b]\ra\Bbb{R}$ 
{\bf
  Riemann-integrierbar}\index{Riemann-integrierbar} 
{\bf mit Integral $\int f$}\index{integrierbar!Riemann-integrierbar}  
genau dann, wenn die Bedingung vom Ende der vorhergehenden 
"Ubung erf"ullt ist, da"s es n"amlich zu 
jedem $\varepsilon>0$ ein $\delta>0$
gibt derart, da"s alle Riemann-Summen von $f$ zu 
Unterteilungen der Feinheit $\leq\delta$
von $\int f$ einen Abstand $\leq \varepsilon$ haben. 
Wir  werden  in diesem Text den
Begriff der Riemann-Integrierbarkeit vermeiden: Sp"ater wird eh 
das sehr viel st"arkere Lebesgue-Inte\-gral eingef"uhrt, und bis dahin
reicht unser Integrationsbegriff f"ur stetige Funktionen
aus. F"ur ein vertieftes Studium  der Analysis
ist jedoch auch der Begriff der Riemann-Integrierbarkeit relevant.
\end{Bemerkunge}
\begin{Ubunge}
Man zeige den \defnoind{Mittelwertsatz der Integralrechnung}:
\index{Mittelwertsatz!der Integralrechnung} Gegeben 
ein nichtleeres kompaktes Intervall $[a,b] \subset \Bbb{R}$ und 
$f: [a,b] \ra \Bbb{R}$
stetig gibt es $\xi \in [a,b]$ mit $\int f = (b-a) f(\xi)$. 
Gegeben eine weitere stetige
Funktion $g: [a,b] \ra \Bbb{R}_{\geq 0}$ gibt es sogar $\xi \in [a,b]$ 
mit $\int fg = f(\xi) \int g$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
Eine Funktion $f:\DR\ra\DR$ hei"st {\bf gerade},\index{gerade!Funktion}
 wenn gilt $f(-x)=f(x)$ f"ur alle $x$, und
{\bf ungerade},\index{ungerade!Funktion}
 wenn gilt $f(-x)=-f(x)$ f"ur alle $x$.
Man zeige f"ur jede ungerade stetige Funktion und alle reellen $r$ die
Formel $\int_{-r}^{r}f=0$.
\end{Ubunge}
%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AAANA1"
%%% End: 
