
\section{Potenzreihen und h"ohere Ableitungen}

\subsection{Funktionenfolgen und Potenzreihen}

\label{FuPo}
\begin{Satz}\label{KR}
Sei $(a_{\nu})_{\nu\in\DN}$ eine Folge reeller Zahlen.
Konvergiert f"ur eine reelle Zahl $z$
die Reihe $\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}z^{\nu}$, 
 so konvergiert die Reihe 
$\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}x^{\nu}$ absolut
f"ur alle reellen Zahlen $x$ mit $|x| < |z|$ .
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw}
Dieser Satz gilt ganz genauso und 
mit demselben Beweis, wenn wir 
darin "uberall \glqq reell\grqq\  
durch \glqq komplex\grqq\  ersetzen. Wir konzentrieren uns 
hier auf den Fall reeller Potenzreihen.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Die Glieder einer konvergenten Reihe sind  
beschr"ankt, unter unseren Annahmen gibt es 
also eine endliche Schranke $B$ mit $|a_{\nu}z^{\nu}|\leq B$ f"ur alle
$\nu$. Aus
$|x| < |z|$ folgt mithilfe der Konvergenz der geometrischen Reihe \ref{GR} dann
\begin{equation*}
\sum^{\infty}_{\nu =0} |a_{\nu}x^{\nu}| 
\leq\sum^{\infty}_{\nu =0}|a_{\nu}z^{\nu}| \left|{x}/{z}\right|^{\nu}
\leq \sum^{\infty}_{\nu =0}
B \left|{x}/{z}\right|^{\nu} < \infty\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}\label{KRp}
  Ein Ausdruck der Gestalt $\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}x^{\nu}$ hei"st
  eine {\bf Potenzreihe}\index{Potenzreihe}. 
Eine Potenzreihe anzugeben bedeutet
  also nichts anderes, als die Folge $(a_\nu)_{\nu\in\DN}$ 
ihrer Koeffizienten anzugeben.
Der {\bf Konvergenzradius}\index{Konvergenzradius!im Reellen} 
$r\in [0,\infty]$ einer Potenzreihe $\sum a_{\nu}
x^{\nu}$ ist per definitionem das Supremum
$$\textstyle r \pdef \sup \{\;|z|\; \mid \sum a_{\nu} z^{\nu} \text{ konvergiert}
\}$$ Die Bezeichnung  als \glqq Radius\grqq\  
 kommt vom Kontext komplexer 
Potenzreihen her.
Nach \ref{KR} definiert jede Potenzreihe mit Konvergenzradius 
$r$ vermittels der Abbildungsvorschrift 
$x\mapsto \sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}x^{\nu}$ eine reellwertige Funktion auf
dem Intervall $(-r,r)$ sowie eine komplexwertige Funktion auf
der Kreisscheibe  $|z|<r$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Stetigkeit und gliedweises Ableiten von Potenzreihen}]
Die durch eine Potenzreihe $\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}x^{\nu}$
mit positivem Konvergenzradius\label{PR} 
$r>0$  gegebene Funktion $s:(-r,r)\ra\DR$ ist
stetig, ja sogar differenzierbar, und ihre Ableitung wird 
an jeder Stelle $x\in (-r,r)$ gegeben durch 
die Potenzreihe $$s'(x)=\sum^{\infty}_{\nu =1} \nu a_{\nu}x^{\nu-1}$$
\end{Satz}
\begin{Beispiel}
Dieser Satz liefert einen zweiten Beweis f"ur die bereits
in \ref{Aex} bewiesene Tatsache, da"s die Exponentialfunktion ihre 
eigene Ableitung ist.\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungw} Obiger Satz gilt auch f"ur komplexe Potenzreihen und die
komplexe Ableitung. Er braucht dann aber einen anderen Beweis, den Sie in
der Funktionentheorie kennenlernen k"onnen.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}
Der Beweis dieses Satzes wird den gr"o"sten Teil dieses Abschnitts 
einnehmen. Wir zeigen in \ref{StPo}, da"s jede durch eine Potenzreihe 
definierte Funktion stetig ist, und zeigen die 
weitergehenden Aussagen in  \ref{PRD}.
Zun"achst jedoch m"ussen wir einige technische Hilfsmittel
bereitstellen.
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}\label{DGKon}
Seien $D$ eine Menge, $(f_{n})_{n\in\DN}$ eine Folge von auf $D$ definierten Funktionen
$f_{n}:D \ra \Bbb{R}$ und $f:D \ra \Bbb{R}$ eine weitere Funktion.
\begin{enumerate}
\item
Wir sagen, die Folge $f_{n}$ {\bf konvergiert 
punktweise}\index{Konvergenz!punktweise!reeller Funktionen}
gegen die Funktion
$f$, wenn  f"ur alle $x\in D$ gilt 
$\lim_{n\ra \infty}f_{n}(x)=f(x)$;
\item
Wir sagen, die Folge $f_{n}$ {\bf konvergiert 
gleichm"a"sig}\index{Konvergenz!gleichm"a"sige!reeller Funktionen} 
gegen die Funktion
$f$ und schreiben $\lim_{n\ra \infty} f_{n} =f$,
wenn es f"ur beliebiges $\varepsilon  >0$ 
ein $N =N_{\varepsilon } \in \DN$ gibt derart, da"s f"ur alle $n\geq N$ und
alle $x\in D$ gilt
$|f_{n}(x) - f(x)|<\varepsilon$.
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/BildPuG}
\\[4mm]
\noindent
Bei gleichm"a"siger Konvergenz m"ussen f"ur jedes $\varepsilon >0$ 
fast alle $f_n$ auf dem
ganzen Definitionsbereich $D$ im \glqq $\varepsilon$-Schlauch um $f$\grqq\  bleiben.
\end{figure}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/BildPuK}\\[4mm]
\noindent
Die punktweise aber nicht gleichm"a"sig konvergente Funktionenfolge 
der Funktionen $x\mapsto x^n$ aus \ref{PNG}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}\label{PNG}
Aus gleichm"a"siger Konvergenz  folgt sicher
punktweise Konvergenz. Das Umgekehrte gilt nicht:
Die Funktionenfolge $f_{n}:[0,1]\ra \Bbb{R}$, $f_{n}(x)=x^{n}$ konvergiert
punktweise aber nicht gleichm"a"sig gegen die Grenzfunktion
$f:[0,1]\ra\Bbb{R}$ mit $f(x)=0$ f"ur $x\neq 1$ und  $f(1)=1$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Stetigkeit bleibt erhalten unter gleichm"a"siger Konvergenz}]
Konvergiert eine Folge von stetigen\label{GLS} 
reellwertigen Funktionen gleichm"a"sig
gegen eine %reellwertige
Grenzfunktion, so ist auch diese Grenzfunktion 
stetig.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $D\subset\Bbb{R}$ der gemeinsame Definitionsbereich
und seien 
$f_n:D\ra\Bbb{R}$ die Funktionen unserer gleich\-m"a"sig
konvergenten Folge und $f:D\ra\Bbb{R}$ ihre Grenzfunktion.
Es gilt, die Stetigkeit von $f$ in jedem Punkt 
 $p \in D$ zu zeigen.
Sei also $\varepsilon  > 0$  vorgegeben. Sicher finden wir 
ein $n$ derart,
  da"s
f"ur alle $x\in D$ gilt
$$|f_{n}(x) -f(x)|<\frac{\varepsilon }{3}$$
Da $f_{n}$ stetig ist in $p$, finden wir weiter $\delta > 0$ 
derart, da"s f"ur alle $x \in D$ mit
$|x-p|<\delta$ gilt
$$|f_{n}(x)-f_{n}(p)|<\frac{\varepsilon }{3}$$
Es folgt f"ur alle $x \in D$ mit $|x-p|<\delta$ unmittelbar
\begin{equation*}
\begin{array}[b]{ccl}
|f(x)-f(p)| &\leq& |f(x)-f_{n}(x)|\\
&&\hspace{2mm}+ |f_{n}(x)-f_{n}(p)|\\
&&\hspace{7mm}+ |f_{n}(p)-f(p)|\;<\;\varepsilon\end{array}\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}

\begin{Proposition}[\textbf{Gleichm"a"sige Konvergenz bei Potenzreihen}] 
Ist $\sum a_{\nu}x^{\nu}$ eine Potenzreihe mit
Konvergenzradius $r$, so konvergiert\label{PR1} 
die Folge ihrer Partialsummen $
s_{n}(x) = \sum^{n}_{\nu=0} a_{\nu}x^{\nu}$ f"ur alle $\rho \in[0, r)$  
gleichm"a"sig auf dem Kompaktum $D=[-\rho,\rho]$.
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
  Eine Potenzreihe mit
Konvergenzradius $r$ konvergiert im allgemeinen keineswegs
gleichm"a"sig auf dem ganzen Intervall $(-r,r)$. Ein Gegenbeispiel 
w"are etwa die Exponentialfunktion, ein anderes die geometrische Reihe. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur alle $x \in [-\rho,\rho]$ gilt $|a_{\nu}x^{\nu}| \leq |a_{\nu}\rho^{\nu}|$
und folglich $$|s_{n}(x)-s(x)|\leq \sum^{\infty}_{\nu=n+1}|a_{\nu}\rho^{\nu}|$$
Da $\sum^{\infty}_{\nu=0}|a_{\nu}\rho^{\nu}|$ konvergiert, gibt es
f"ur jedes $\varepsilon  > 0$ ein $N\in\DN$ mit
$$\sum^{\infty}_{\nu =N+1} |a_{\nu}
\rho^{\nu}|<\varepsilon $$
F"ur $n\geq N$ und beliebiges $x\in[-\rho,\rho]$ gilt 
dann $|s_{n}(x)-s(x)|<\varepsilon$.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Stetigkeit von Potenzreihen}]
Die durch eine Potenzreihe mit positivem Konvergenzradius $r>0$  auf
$(-r,r)$ definierte\label{StPo}  
Funktion ist
  stetig.
\end{Korollar}
\begin{proof}
  Nach Proposition \ref{PR1} und Satz \ref{GLS} ist unsere Funktion
 f"ur alle $\rho \in[0, r)$ stetig auf $[-\rho,\rho]$
als gleichm"a"siger Grenzwert stetiger Funktionen.
Da Stetigkeit eine lokale Eigenschaft ist, mu"s sie damit stetig sein auf
 ganz $(-r,r)$.
\end{proof}


\begin{Satz}
[\textbf{Vertauschen von Integral und Grenz"ubergang}] 
Ist eine\label{gli} 
Funktion $f:[a,b] \ra \Bbb{R}$ gleich\-m"a\-"siger Grenzwert einer Folge von
stetigen Funktionen $f_{n}:[a,b]\ra \Bbb{R}$, 
so gilt $$\int^{b}_{a}f =
\lim_{n\ra \infty} \int^{b}_{a} f_{n}$$ \end{Satz}




\begin{Bemerkungw}
  Sehr viel st"arkere S"atze in dieser Richtung
werden wir im Rahmen der 
Integrationstheorie von Lebesgue als Satz "uber monotone Konvergenz 
\eref{MKo}{AN3} und Satz "uber dominierte Konvergenz \eref{DoKo}{AN3} 
kennenlernen. 
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur alle $\varepsilon  > 0$ gibt es $N \in \DN$ derart,  da"s
gilt $|f(x)-f_{n}(x)|<\varepsilon$ f"ur alle $n \geq N$ und alle $x \in [a,b]$.
Es folgt
$$\left| \int^{b}_{a}f - \int^{b}_{a}f_n\right|= \left| \int^{b}_{a}(f-f_{n})\right|
\leq \int^{b}_{a}|f-f_{n}| \leq (b-a) \varepsilon $$
f"ur alle $n \geq N$.
\end{proof}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildGII}\\[4mm]
\noindent 
Einige Glieder einer Funktionenfolge,\label{BildGII} 
die punktweise gegen die Nullfunktion konvergiert, deren Integrale
jedoch nicht  gegen das Integral der 
Nullfunktion konvergieren. Sp"ater m"ogen Sie lernen, da"s unsere Funktionenfolge im Raum der  \glqq verallgemeinerten Funktionen\grqq\
gegen die \glqq Dirac'sche $\delta$-Funktion bei Null\grqq\ konvergiert. 
\end{figure}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/BildGKA}\\[4mm]
\noindent 
Einige Glieder einer Funktionenfolge vom Typ $f_n=\frac{1}{n}\op{sin}(nx)$,
die gleichm"a"sig gegen die Nullfunktion konvergiert, deren Ableitungen
jedoch nicht gleichm"a"sig gegen die Ableitung der 
Nullfunktion konvergieren.
\end{figure}

\begin{Satz}[\textbf{Integration und Ableiten von Potenzreihen}]
\begin{enumerate}
\item
Ist eine Funktion $f:(-r,r)\ra\Bbb{R}$
gegeben durch die
Potenzreihe $f(x)=\sum^{\infty}_{\nu=0} a_{\nu}x^{\nu}$, so konvergiert auch
die Potenzreihe
$$\sum^{\infty}_{\nu =0}{ \textstyle\frac{1}{\nu +1}} a_{\nu}x^{\nu +1}$$
auf $(-r,r)$,
und zwar gegen eine Stammfunktion von $f$;
\item
Ist eine Funktion $g:(-r,r)\ra\Bbb{R}$
gegeben durch die
Potenzreihe $g(x)=\sum^{\infty}_{\nu=0} b_{\nu}x^{\nu}$, so ist $g$
differenzierbar und die Potenzreihe 
$$\sum^{\infty}_{\nu =1} \nu{b_{\nu}}x^{\nu -1}$$
konvergiert auf $(-r,r)$ gegen die Ableitung $g'$ unserer Funktion $g$.
\end{enumerate}\label{PRD} 
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
1. Man wende den vorhergehenden Satz \ref{gli} auf die 
Folge $f_{n}(x) = \sum^{n}_{\nu=0} a_{\nu}x^{\nu}$
der Partialsummen an.
\\[2mm]\noindent
2.
Wir zeigen zun"achst, da"s die Potenzreihe $\sum^{\infty}_{\nu =1} \nu
b_{\nu} x^{\nu-1}$ auch auf $(-r,r)$ konvergiert. Nach dem Quotientenkriterium
\ref{QuK} 
konvergiert schon mal die Reihe
$\sum^{\infty}_{\nu =1} \nu z^{\nu -1}$ f"ur $|z| < 1$.
F"ur $|x|<r$ w"ahlen wir nun ein $\rho$ mit $|x|<\rho< r$ und dazu
eine Schranke $B$ mit $|b_{\nu}\rho^{\nu -1}|\leq B$ f"ur alle $\nu$.
Dann k"onnen wir absch"atzen
$$|\nu b_{\nu}x^{\nu -1}| = \left|\nu b_{\nu}\rho^{\nu -1}
({x}/{\rho})^{\nu -1}\right| \leq \nu B  z^{\nu -1}$$
f"ur $z = \left| {x}/{\rho}\right| <1$.
Nach dem Majorantenkriterium \ref{MajK} konvergiert also die 
Reihe $\sum^{\infty}_{\nu=1}\nu
b_{\nu} x^{\nu-1}$.
Dann wissen wir aber nach Teil 1, da"s f"ur
die Funktion $f(x)=\sum^{\infty}_{\nu =1} \nu b_{\nu}x^{\nu -1}$
unser $g(x)=\sum^{\infty}_{\nu=0} b_{\nu}x^{\nu}$ eine Stammfunktion ist.
\end{proof}

\begin{Definition}
Die \defnoind{$n$-te Ableitung}\index{Ableitung!
$n$-te Ableitung} einer Funktion $f$ 
bezeichnen wir, falls sie existiert,
mit $f^{(n)}$. Es ist also $f^{(0)}=f$, $f^{(1)}=f'$, $f^{(2)}=f'' $ und
allgemein $f^{(n+1)}=(f^{(n)})'$. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Koeffizienten konvergenter Potenzreihen und h"ohere Ableitungen}] 
Ist eine Funktion $f:(-r,r)\ra\DR$ gegeben durch die
f"ur $x\in(-r,r)$  konvergente Potenzreihe\label{KoP}  
$f(x)=\sum^{\infty}_{\nu=0} a_{\nu}x^{\nu}$,
so folgt mit gliedweisem Ableiten nach \ref{PRD} 
sofort
$$f^{(n)}(0) = n!\; a_n$$
Wenn also in anderen Worten 
eine  Funktion $f$ in einer Umgebung des
Nullpunkts durch eine Potenzreihe dargestellt werden kann, 
so mu"s unsere Funktion dort beliebig oft differenzierbar sein 
und die fragliche Potenzreihe ist notwendig 
$$\sum^{\infty}_{\nu=0} \frac{f^{(\nu)}(0)}{\nu!}x^{\nu}$$
Diese Potenzreihe hinwiederum kann man  ganz 
allgemein f"ur jede 
in einer Umgebung des
Nullpunkts beliebig oft differenzierbare Funktion betrachten. 
Sie hei"st dann  die 
{\bf Taylorreihe}\index{Taylorreihe!in einer Ver"anderlichen} besagter Funktion
oder genauer ihre {\bf Taylorreihe am Nullpunkt},
mu"s aber keineswegs positiven Konvergenzradius haben
und  mu"s, selbst wenn sie  positiven Konvergenzradius haben sollte,
keineswegs gegen besagte Funktion konvergieren. Zum
Beispiel hat nach \ref{e1x} die Funktion
$$\begin{array}{ccl}
f(x) &= &\left\{\begin{array}{lr} \op{e}^{-1/x} & x>0, \\
0 & x\leq 0; \end{array}\right.
\end{array}$$
im Nullpunkt die Ableitungen $f^{(\nu)}(0) =0 \; \forall \nu\geq 0$, aber
dennoch gilt  $f(x) > 0$ f"ur $x>0$. 
Inwiefern die Taylorreihe dennoch unsere Funktion recht gut approximiert,
diskutieren wir in \ref{TE}.
\end{Bemerkungl}





\begin{Beispiel}\label{BPR}
Die Darstellung
$$\log(1+x) = x - \frac{x^2}{2}+ \frac{x^3}{3}-
\ldots\quad\forall x \in (-1,1)$$
ergibt sich, indem wir die geometrische Reihe
$(1+x)^{-1}=1-x+x^2-x^3\ldots$ gliedweise integrieren.
\end{Beispiel}





\begin{Beispiel}
Mit unserer Formel 
$\arctan^{\prime} (t) = 1/(1+t^{2})$
f"ur die Ableitung des Arcustangens aus
\ref{AbAr} erhalten wir durch gliedweises Integrieren der 
geometrischen Reihe \ref{GR} f"ur den Arcustangens f"ur $|t|<1$ die 
Reihenentwicklung
$$\arctan (t) = t-\frac{t^3}{3}+\frac{t^5}{5}-\frac{t^7}{7}\ldots$$
und mit dem Abel'schen Grenzwertsatz \ref{ABG} ergibt sich
$$\frac{\pi}{4}=1-\frac{1}{3}+\frac{1}{5}-\frac{1}{7}\ldots$$
Es scheint, da"s diese Formel bereits in dem 1530 erschienenen Analysis-Buch 
\glqq Ganita Yuktibhasa\grqq\  des Autors Jyesthadeva
zu finden ist, eines Mathematikers aus Kerala in Indien, und 
da"s sie auf den
indischen Mathematiker Madhava zur"uckgeht.
\end{Beispiel}


\begin{Beispiel}
Um  die f"unfte Ableitung bei 
$x=0$ von $(\op{e}^{x^{2}}
\op{sinh} x )$ bestimmen, rechnen wir
$$\begin{array}{rcl}
\op{e}^{x^{2}} &=& 1 + x^{2} + \frac{x^{4}}{2} + 
\frac{x^{6}}{3!} + \ldots \\[2mm]
\op{sinh} x &=& x+ \frac{x^{3}}{3!} + \frac{x^{5}}{5!} + \ldots \\[2mm]
\op{e}^{x^{2}} \op{sinh} x &=& x + x^{3} (\frac{1}{3!}+1) + x^{5} 
\left( \frac{1}{5!}+
\frac{1}{3!} + \frac{1}{2}\right) + \ldots
\end{array}$$
Hier haben wir 
einmal unsere Erkenntnisse 
"uber das Produkt absolut konvergenter Reihen verwendet.
Die gesuchte f"unfte Ableitung bei $x=0$ ergibt sich mit \ref{KoP} zu
$$5! \left( \frac{1}{5!} + \frac{1}{3!} + \frac{1}{2} \right) =1 +20 +60 =81$$
\end{Beispiel}




\begin{Definition}[\textbf{Verallgemeinerte Binomialkoeffizienten}]
F"ur $\al \in \Bbb{R}$ und $k\in \DN$ setzen wir
$${\al \choose k} \pdef \frac{\al (\al-1) \ldots (\al - k+1)}
{k(k-1) \ldots 1}\text{ falls $k\geq 1$ und } {\al \choose 0} \pdef 1.$$  
\end{Definition}

\begin{Proposition}[\textbf{Binomische Reihe}\index{Binomische Reihe}]\label{BiRe}
F"ur $|x| < 1$ und  $\al\in\Bbb{R}$ gilt $$(1+x)^{\al} 
= \sum^{\infty}_{k=0} {\al \choose k}
x^{k}$$
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungw}
Die Proposition  gilt mit demselben Beweis 
auch f"ur $x,\alpha\in\DC$, vergleiche \eref{UBC}{FT1}.
Aus unseren "Uberlegungen in \ref{KoP} zu den Koeffizienten 
konvergenter Potenzreihen folgt auch unmittelbar, da"s
die Koeffizienten einer Potenzreihenentwicklung von $(1+x)^{\al}$, wenn
es sie denn gibt, notwendig die verallgemeinerten Binomialkoeffizienten
sein m"ussen. Da"s es aber eine derartige Entwicklung auch wirklich
gibt, mu"s noch gezeigt werden. Also an die Arbeit!
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur $\al\in\DZ_{\geq -1}$  kennen wir diese Formel schon:
Im Fall $\al\in\DN$ gilt ${\al \choose k}=0$ falls $k>\al$ und wir
erhalten einen Spezialfall der binomischen Formel \ref{BiFoa}.
Im Fall $\al=-1$ gilt ${\al \choose k}=(-1)^k$ und wir
erhalten die geometrische Reihe \ref{GR} f"ur $-x$.
Unter der Annahme $\alpha\not\in \DN$ sagt uns
das Quotientenkriterium, da"s die Potenzreihe rechts
f"ur $|x|<1$ konvergiert, sagen wir gegen die Funktion
$f: (-1,1) \ra \Bbb{R}$.
Ich behaupte $(1+x) f^{\prime}(x) = \al f(x)$.
Das pr"uft man durch gliedweises Differenzieren der binomischen Reihe
mithilfe der
Beziehung $${\al -1 \choose k}+{\al -1 \choose k-1} =
{\al \choose k}$$
Diese Beziehung kann  durch eine kurze Rechnung gezeigt werden.
Rechenfaule k"onnen sie auch als eine 
Gleichheit von Polynomen in $\alpha$ verstehen, von der wir
bereits wissen, da"s sie nach Einsetzen 
von $\alpha\in \DN_{\geq 1}$ gilt, und die folglich  als
Gleichheit von Polynomen gelten mu"s, da ja Polynome nur endlich viele 
Nullstellen haben. 
Aus $(1+x) f^{\prime}(x) = \al f(x)$ und $f(0)=1$ 
folgt aber schon $f(x) = (1+x)^{\al}$,
denn setzt man
$\varphi (x) = {f(x)}/{(1+x)^{\al}}$, so gilt $\varphi (0) =1$
und 
\begin{equation*}
\varphi^{\prime}(x) = \frac{f^{\prime} (x) (1+x)^{\al} -
\al(1+x)^{\al-1} f(x)}{(1+x)^{2\al}} =0\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}
\begin{Beispiel}
Aus unserer Formel $\arcsin'(x)= 1/\sqrt{1-x^2}$ nach 
\ref{abarcs}  ergibt sich die Reihenentwicklung
$$\arcsin (x) = x + \frac{1\cdot x^{3}}{2\cdot 3} + \frac{1\cdot
3\cdot x^{5}}{2 \cdot
4 \cdot 5}+ \ldots\quad\forall x \in (-1,1)$$
In der Tat gilt $\arcsin (x) = \int^{x}_{0}(1-t^{2})^{-1/2} \;\diff t$,
und nach der binomischen Reihe \ref{BiRe}
haben wir 
$$(1-t^{2})^{-(1/2)} = \sum^{\infty}_{k=0} {-1/2\choose k} (-t^{2})^{k}
= 1 + \frac{1}{2}\;t^{2} + \frac{1\cdot 3}{2\cdot 4}\; t^{4} + \ldots$$
"Ahnlich ergibt sich die Entwicklung von 
$\op{arsinh}(x)$ in eine Potenzreihe, indem wir in der binomischen Reihe f"ur
$(1+y)^{-1/2}$ "uberall $y$ durch $x^2$ ersetzen und die so entstehende
Potenzreihe f"ur $(1+x^2)^{-1/2}$ gliedweise integrieren.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}
Die Formel f"ur die binomische Reihe kann umgeschrieben werden
zur nun f"ur alle $y\in(0,2)$ g"ultigen Darstellung
$$y^{\al} 
= \sum^{\infty}_{k=0} {\al \choose k}
(y-1)^{k}$$
Geh"ort  allgemeiner ein Punkt $p$ zum  Definitionsbereich einer Funktion
$f$, so bezeichnen wir eine Darstellung von $f$ der Gestalt
$$f(p+h)=\sum^{\infty}_{\nu=0} a_\nu h^\nu \qquad\text{alias}\qquad
f(y)=\sum^{\infty}_{\nu=0} a_\nu (y-p)^\nu$$
als eine {\bf Entwicklung von $f$ in eine Potenzreihe um den 
Punkt $p$}. Mit denselben
Argumenten wie zuvor gilt dann  $a_\nu= f^{(\nu)}(p)/\nu!$. 
Ist allgemeiner $f$  beliebig oft differenzierbar bei $p$, so
erkl"aren wir
die  {\bf Taylorreihe\index{Taylorreihe!in einer Ver"anderlichen} von $f$ 
zum Entwicklungspunkt $p$} als die Potenzreihe
$$\sum^{\infty}_{\nu=0} \frac{f^{(\nu)}(p)}{\nu!}h^{\nu}$$
Auch wenn  die Partialsummen dieser Reihe nicht gegen 
$f(p+h)$ konvergieren m"ussen, liefern sie doch die
\glqq bestm"oglichen\grqq\  Approximationen von $f(p+h)$ durch
Polynome in $h$ von einem 
vorgegebenen maximalen Grad, 
wie wir im folgenden Abschnitt \ref{TE} ausf"uhren werden.
\end{Bemerkungl}



\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Ist $(a_{\nu})_{\nu\in\DN}$ eine Folge von von Null verschiedenen 
reellen Zahlen und existiert der Grenzwert 
$\lim_{\nu\ra\infty}|a_\nu/a_{\nu+1}|$ in $[0,\infty]$,
so ist dieser Grenzwert der
Konvergenzradius der Potenzreihe $\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}x^{\nu}$. 
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
Eine Funktion, die f"ur
 jeden Punkt  ihres Definitionsbereichs in einer Umgebung 
besagten Punktes
durch eine Potenzreihe
dargestellt werden kann, hei"st 
\defnoind{analytisch}.\index{analytisch!auf $\DR$}
Wir werden erst in \eref{CHFu}{FT1} im Rahmen der Funktionentheorie 
zeigen, da"s Potenzreihen analytische
Funktionen liefern: Dort geht es mit den Tricks der 
Funktionentheorie sehr elegant, wir k"onnten es aber 
etwas weniger elegant auch hier schon zeigen.
Man zeige:
Stimmen zwei auf demselbem  reellen 
Intervall definierte analytische Funktionen 
auf der Umgebung eines Punktes aus unserem Intervall 
"uberein, so sind sie gleich.
Hinweis: Man betrachte das Supremum der Menge aller Punkte, an denen 
unsere beiden Funktionen
"ubereinstimmen.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
Wie lauten die ersten vier Koeffizienten der 
Potenzreihenentwicklung von $\sqrt{1+x}$ ?
Wie lauten die ersten vier Koeffizienten der 
Potenzreihenentwicklung von $\sqrt{2+x}$ ?
Gemeint ist jeweils die Entwicklung um $x=0$.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
Wir w"urfeln mit einem W"urfel eine unendlich lange Zahlenreihe.
Anschaulich ist klar, da"s der durchschnittliche Abstand zwischen 
zwei aufeinanderfolgenden Einsen gerade Sechs sein mu"s. 
Betrachtet man nun die Wahrscheinlichkeiten, da"s die n"achste Eins beim
n"achsten
Wurf, beim "ubern"achsten Wurf etc.\ kommt, multipliziert sie jeweils
mit Eins, Zwei etc.\ und summiert diese Produkte auf, 
so sollte sich auch dieser 
dieser 
durchschnittliche Abstand ergeben.
Die Aufgabe ist nun, zu beweisen, da"s die Reihe
$$\sum_{n=1}^\infty n\left(\frac{5}{6}\right)^{n-1}\frac{1}{6}$$
 auch
tats"achlich gegen $6$ konvergiert.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{BP}
Mithilfe der Relation $\op{tan}(\pi/6)=1/2$ berechne man 
$\pi$ auf drei sichere Stellen hinter dem Komma.
Es gibt im "ubrigen wesentlich effizientere Verfahren zur Berechnung von
$\pi$, vergleiche \cite{Cou}.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
[\textbf{Vertauschen von Ableitung und Grenz"ubergang}] 
Ist eine 
Funktion $f:[a,b] \ra \Bbb{R}$ gleich\-m"a\-"si\-ger Grenzwert einer Folge
stetig\label{VtAG}
differenzierbarer Funktionen $f_{n}:[a,b]\ra \Bbb{R}$ und konvergieren
deren Ableitungen $f_n':[a,b]\ra\DR$ gleichm"a"sig gegen eine Funktion $g$,
so ist $f$ differenzierbar auf $[a,b]$ mit Ableitung $f'=g$. Hinweis: \ref{gli}. 
\end{Ubung}
\subsection{Taylorentwicklung}\label{TE}


\begin{Bemerkungl}
  Um im folgenden auch den Fall $n=0$ zulassen zu d"urfen, vereinbaren wir, 
da"s
  \glqq $0$-mal differenzierbar bei $p$\grqq\  zu verstehen sein soll als \glqq stetig bei
  $p$\grqq.
\end{Bemerkungl}
% \begin{Satz}[\textbf{Taylorentwicklung}\index{Taylorentwicklung}]\label{TEe}
% Sei $I\subset\Bbb{R}$ ein halboffenes Intervall, $p\in I$ ein Punkt und
% $f: I \ra \Bbb{R}$ eine Funktion, deren 
% $(n-1)$-te Ableitung $f^{(n-1)}$ auf ganz $I$ existiert  
% und deren $n$-te Ableitung $f^{(n)}(p)$ bei $p$  existiert.  So gilt:
% \begin{enumerate}
% \item Es gibt genau ein Polynom $Q$ vom Grad $\;\leq \! n$ mit der Eigenschaft
%   $$\lim_{x\ra p} \frac{f(x)-Q(x)}{(x-p)^{n} } = 0$$
% \item Dieses Polynom $Q$ kann auch 
% charakterisiert werden als das eindeutig
% bestimmte Polynom  vom Grad $\;\leq \! n$ mit  $f^{(\nu)}(p)=Q^{(\nu)}(p)$
%   f"ur $0\leq\nu\leq n$.
% \end{enumerate}
% \end{Satz}
\begin{Satz}[\textbf{Taylorentwicklung}]
Seien $I\subset\Bbb{R}$ ein mehrpunktiges Intervall und
$f: I \ra \Bbb{R}$ eine Funktion,\label{TEe} 
deren\index{Taylorentwicklung!in einer Ver"anderlichen} 
$(n-1)$-te Ableitung $f^{(n-1)}$ auf ganz $I$ existiert  
und deren $n$-te Ableitung $f^{(n)}(p)$  an einer Stelle
  $p\in I$  existiert.  So gilt:
\begin{enumerate}
\item Es gibt genau ein Polynom $Q$ vom Grad $\;\leq \! n$ mit der Eigenschaft
  $$f(x)=Q(x)+(x-p)^{n}\varepsilon(x-p)$$
  f"ur eine Funktion  $\varepsilon$ mit $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=\varepsilon(0)=0$, die also in Worten stetig ist bei Null mit
  Funktionswert Null;
\item Dieses Polynom ist das eindeutig
  bestimmte Polynom $Q$  vom Grad $\leq \! n$ mit
  $Q^{(\nu)}(p)=f^{(\nu)}(p)$
  f"ur $0\leq\nu\leq n$, 
  dessen Funktionswert und Ableitungen bei $p$ also
  bis zur $n$-ten Ableitung einschlie"slich mit den
entsprechenden Ableitungen bei $p$ unserer Funktion $f$ "ubereinstimmen.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSchP}\\[4mm]
\noindent 
Eine  unvollkommene Darstellung der Tangente $y=x+1$ und 
Schmiegeparabel $y=x^2/2+x+1$ an den Graph der Exponentialfunktion 
im Punkt $(0,1)$.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Wir nennen $Q$ das \defind{Approximationspolynom} {\bf bis zur Ordnung $n$ an
  die Funktion $f$ bei der Stelle $p$}.
\begin{enumerate}
\item
Der Graph des  Approximationspolynoms bis zur nullten
Ordnung ist die Parallele zur $x$-Achse durch $(p,f(p))$;
\item Der Graph des  Approximationspolynoms bis zur ersten
Ordnung hei"st die \defind{Tangente} an den Graphen von $f$ im Punkt
$(p,f(p))$;
\item Der Graph des  Approximationspolynoms bis zur zweiten
Ordnung hei"st die \defind{Schmiegeparabel} an den Graphen von $f$ im Punkt
$(p,f(p))$.  
\end{enumerate}
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
Sicher gibt es genau ein Polynom $Q$, das die Bedingung aus Teil 2 
erf"ullt, n"amlich 
das Polynom $$Q(x) = f(p) + f^{\prime} (p) (x-p) +
\frac{f^{(2)}(p)}{2!}(x-p)^{2}+ \ldots +
\frac{f^{(n)}(p)}{n!}(x-p)^{n}$$
Es  besteht genau aus den ersten $n+1$ Termen 
der Taylorreihe von $f$ zum Entwicklungspunkt $p$.
Betrachten wir f"ur dieses Polynom $Q$ die Differenz $r=f-Q$,  
so verschwinden der Funktionswert und die ersten $n$ Ableitungen von
$r$ bei $x=p$ und wir erhalten
durch wiederholte
Anwendung der Regeln von de
l'Hospital \ref{RHo} und mit der Definition von $r^{(n)}(p)$ im letzten Schritt  in der Tat
$$\lim_{x\ra p} \frac{r(x)}{(x-p)^{n} } =\ldots=
\lim_{x\ra p} \frac{r^{(n-1)}(x)}{n!\;(x-p) }=
\frac{r^{(n)}(p)}{n!}= 0 $$
Damit bleibt nur noch zu zeigen, da"s kein anderes Polynom
$\hat{Q}$ die Bedingung aus Teil 1 erf"ullen kann.
In der Tat folgt aber f"ur zwei Polynome vom Grad $\;\leq \! n$  aus
$$\lim_{x\ra p} \frac{\hat{Q}(x)-Q(x)}{(x-p)^{n} } = 0$$
nach "Ubung \ref{PFKO} bereits $\hat{Q}(x)=Q(x)$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Wir k"onnen die Aussage des Satzes  dahingehend umformulieren,
da"s f"ur jede auf einem mehrpunktigen Intervall $I$ definierte $(n-1)$-mal differenzierbare Funktion $f$ und jeden Punkt $p\in I$, an dem sie sogar $n$-mal
differenzierbar ist, gilt
$$ f(p+h) = f(p) + f^{\prime} (p) h +
\frac{f^{(2)}(p)}{2!}h^{2}+ \ldots +
\frac{f^{(n)}(p)}{n!}h^{n} + h^{n}\varepsilon(h)\qquad\qquad$$
f"ur eine Funktion $\varepsilon$ 
mit $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=\varepsilon(0)=0$. 
Sch"arfere Absch"atzungen f"ur das Restglied
unter st"arkeren Annahmen an die zu approximierende Funktion 
liefert die gleich folgende Proposition.
\end{Bemerkungl}



\begin{Proposition}[\textbf{Restglieddarstellungen zur Taylorentwicklung}]
Gegeben $I\subset\Bbb{R}$ ein mehrpunktiges Intervall, 
$f: I \ra \Bbb{R}$ eine $n$-mal differenzierbare
Funktion\label{LFR} und $p\in I$ ein Punkt gilt:
\begin{description}
 \item[Umformulierung der Taylorentwicklung:]
   Ist $f$ bei $p$ sogar $(n+1)$-mal differenzierbar,  so gibt es
   eine Funktion $\varepsilon$ mit
   $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=\varepsilon(0)=0$ und
$$f(x) = \sum_{\nu=0}^{n}\frac{f^{(\nu)}(p)}{\nu!}(x-p)^\nu \;\;+\left(\frac{f^{(n+1)}(p)}{(n+1)!}+\varepsilon(x-p)\right)(x-p)^{n+1} 
\qquad$$ 
\item[Lagrange'sche Form des Restglieds:]\index{Restglied!Lagrange'sche Form}
Ist $f$  sogar $(n+1)$-mal differenzierbar auf dem ganzen Intervall $I$,  so gibt es f"ur alle
$x \in I$ ein $\xi$ zwischen $p$ und $x$ mit 
$$f(x) = \sum_{\nu=0}^{n}\frac{f^{(\nu)}(p)}{\nu!}(x-p)^\nu \;\;+
\frac{f^{(n+1)}(\xi)}{(n+1)!} (x-p)^{n+1}\qquad\qquad\qquad\qquad$$
Das gilt zus"atzlich f"ur jeden reellen Punkt $x$ im Abschlu"s von $I$,
auf den die Funktion  $f$ stetig  fortgesetzt werden kann.
\item[Integraldarstellung des Restglieds:]\index{Restglied!Integraldarstellung}
Ist $f^{(n+1)} $ zus"atzlich auch noch stetig auf ganz $I$, so gilt
f"ur alle $x\in I$ die Formel
$$f(x) = \sum_{\nu=0}^{n}\frac{f^{(\nu)}(p)}{\nu!}(x-p)^\nu  
\;\;+ \frac{1}{n!} \int^{x}_{p} (x-t)^{n}f^{(n+1)} (t)
\diff t\qquad\qquad\qquad$$
\end{description}
\end{Proposition}

\begin{proof}[Beweis]
  Nur die zweite und dritte Darstellung des Restglieds sind noch zu zeigen.
  Wir k"urzen die Summe wie zuvor mit $\sum=Q(x)$ ab.
F"ur den Rest $r(x)=f(x)-Q(x)$ 
verschwinden, wie wir bereits wissen, die ersten $n$ Ableitungen
bei $x=p$, und
unter unseren zus"atzlichen
Voraussetzungen ist $r$
sogar $(n+1)$-mal differenzierbar auf
ganz $I$ mit
$r^{(n+1)} = f^{(n+1)}$. 
Um daraus die beiden
Darstellungen des Restglieds zu erhalten, brauchen wir 
zwei Rechnungen.
\\[2mm]\noindent
2.
Mit dem verallgemeinerten Mittelwertsatz \ref{AMSl} und der Erkenntnis,
da"s Nenner und Z"ahler bei $x=p$ verschwinden,
erhalten wir unter der Annahme $p\neq x$ sofort
$$\frac{r(x)}{(x-p)^{n+1}} =
\frac{r^{\prime}(\xi_{1})}{(n+1)(\xi_{1}-p)^{n}}
= \frac{r^{\prime\prime}(\xi_{2})}{n(n+1)(\xi_{2}-p)^{n-1}} =
\ldots = \frac{r^{(n+1)}(\xi)}{(n+1)!}$$
mit $\xi_1,\ldots,\xi$ im offenen Intervall zwischen $p$ und $x$. 
\\[2mm]\noindent
3.
Durch wiederholtes partielles Integrieren erhalten wir
$$\begin{array}[b]{lll}
r(x) =\int^{x}_{p}r^{\prime}(t) \diff t = \int^{x}_{p} (x-t)
r^{\prime\prime} (t) \diff t &=&\frac{1}{2} \int^{x}_{p} (x-t)^{2}
r^{\prime\prime\prime} (t) \diff t \\
&=& \ldots\\
&=& \frac{1}{n!} \int^{x}_{p}
(x-t)^{n}r^{(n+1)} (t) \diff t
\end{array}\qedhere$$
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Diese Absch"atzungen liefern umgekehrt auch alternative
Beweise f"ur den Satz \ref{TEe} "uber die Taylorentwicklung,
aber eben nur unter st"arkeren Voraussetzungen an die zu entwickelnde Funktion.
\end{Bemerkungl}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Hinreichende Kriterien f"ur lokale Extrema}]
  Seien $I\subset\DR$ ein mehrpunktiges Intervall und
   $f:I\ra \DR$ eine $n$-mal differenzierbare  Funktion 
   und sei $p\in I$ gegeben mit
  $f^{(1)}(p)=\ldots =f^{(n)}(p)=0$. Sei weiter 
  und $f^{(n)}$ differenzierbar an der Stelle $p$.
  Man zeige: Ist $n$ ungerade und $f^{(n+1)}(p)> 0$
  beziehungsweise $f^{(n+1)}(p)< 0$, so hat
  $f$ ein isoliertes  lokales Minimum beziehungsweise Maximum bei $p$.
  Ist $I$ offen und $n$ gerade und $f^{(n+1)}(p)\neq 0$, so hat  $f$ weder
  ein isoliertes  lokales Minimum noch ein isoliertes  lokales Maximum bei $p$.
  Hinweis: Taylorentwicklung.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Gegeben eine differenzierbare Funktion $f$ auf einem offenen 
reellen Intervall $I\co\DR$, deren Ableitung bei $p\in I$ 
differenzierbar ist, zeige man\label{ZAb} 
$$f''(p)=\lim_{h\ra 0} \frac{f(p+h)+f(p-h)-2f(p)}{h^2}$$
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Spezielles zu Potenzreihen mit nichtnegativen Koeffizienten}] 
  Sei $\sum_{k=0}^\infty a_k x^k$ eine Potenzreihe mit nichtnegativen
  Koeffizienten $a_k\geq 0$ und sei $r\in\DR_{\geq 0}$ echt kleiner als ihr
  Konvergenzradius. Hat die Taylorreihe um den Entwickungspunkt $r$ der
  durch unsere ursprüngliche Reihe gegebenen Funktion $f$ den Konvergenzradius
  $\rho$, so hat unsere urspr"ungliche Reihe mindestens den Konvergenzradius
  $r+\rho$. Hinweis: Man dr"ucke $f^{(\nu)}(r)$ durch die urspr"ungliche Reihe
  aus und folgere $\sum a_k(r+\varepsilon)^k<\infty$ f"ur $0\leq \varepsilon<\rho$.\label{Kovre}  
\end{Ubung}
  

\subsection{Rechnen mit Approximationen}
\label{ReMiA} 
\begin{Definition}
Seien
$f,g : \Bbb{R}\supset D\ra \Bbb{R}$ Funktionen und $p \in D$ ein Punkt und
$n \in\DN$ eine nat"urliche Zahl.
Wir sagen, {\bf $f$ und $g$  stimmen bei $p$ "uberein bis zur Ordnung $n$}
\index{stimmen "uberein bis zur Ordnung}
und schreiben
$$f\sim^n_p\;g \qquad \text{oder genauer}\qquad
f(x)\sim^n_{x=p}\;g(x) $$
wenn gilt
$f(p+h)=g(p+h)+h^n\varepsilon(h)$
f"ur eine Funktion $\varepsilon$, die stetig ist bei Null mit
Funktionswert $\varepsilon(0)=0$ 
und die definiert ist auf der Menge aller $h$ mit $p+h\in D$.
\end{Definition}


 \begin{Bemerkungl}
 Die Notation $f\sim^n_p\; g $ scheint mir bequem und suggestiv,
 sie ist aber nicht "ublich.
 H"aufig nennt man eine Funktion,
 die bei $x=0$ mit der Nullfunktion "ubereinstimmt bis zur
 Ordnung $n$, auch ein \defind{kleines o von $x^n$} und bezeichnet
 so eine Funktion mit $\op{o}(x^n)$. In dieser Notation w"urde man
 statt $f\sim^n_{p}\;  g $ schreiben $f(x)=g(x)+\op{o}((x-p)^n)$.
 \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
 Nat"urlich folgt aus $f\sim^n_{p}\;  g $
 und $g\sim^n_{p}\;  h  $ schon
 $f\sim^n_{p}\;  h  $.
 Sind $P$ und $Q$ Polynome vom Grad $\leq n$ und
 ist $p$ ein H"aufungspunkt von $D$, so folgt aus $P
 \sim^n_{p}\;  Q $ schon $P=Q$.
Der Satz "uber die Taylorentwicklung \ref{TEe} liefert uns f"ur
eine $n$-mal stetig differenzierbare Funktion
$f$ auf einem mehrpunktigen 
Intervall  $D$ das eindeutig bestimmte Polynom $Q$ vom Grad $\leq n$,
das bei $p$  mit $f
$ "ubereinstimmt bis zur Ordnung $n$. Genauer besagt dieser Satz, da"s
dieses Polynom $Q$ charakterisiert werden kann durch die Bedingungen
$Q^{(\nu)}(p)=f^{(\nu)}(p)$ f"ur $0\leq\nu\leq n$.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}
\begin{enumerate}
\item\emph{\bf (H"ohere Summen- und Produktregel).}
Seien $f,g: D\ra \Bbb{R}$ zwei auf einer Teilmenge $D\subset\Bbb{R}$
definierte Funktionen. Sei $p \in D$ ein
Punkt und seien $P,Q$ Polynome mit $f \sim^n_{p}\; 
 P $ und $g\sim^n_{p}\;  Q  $.
So folgt $$f+g\sim^n_{p}\;   P +Q \;\;\;\;\;\text{
und }\;\;\;\;\; fg\sim^n_{p}\;  PQ  $$
\item\emph{\bf (H"ohere Kettenregel).}\index{Kettenregel!h"ohere} 
Seien $f: D\ra \Bbb{R}$ und $g: E\ra \Bbb{R}$
auf Teilmengen $D,E\subset\Bbb{R}$
definierte Funktionen mit $f(D) \subset
E$. Sei $p \in D$ ein Punkt und seien
$P,Q$ Polynome mit $f \sim^n_{p}\; 
 P $ und $g \sim^n_{f(p)}\;  Q $.
So folgt $$g \circ f\sim^n_{p}\;  Q\circ P $$
\end{enumerate}\label{RAP}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Im Fall $n=0$ spezialisiert dieser Satz zur Stetigkeit von
Summen und 
Produkten \ref{stAF} sowie Verkn"upfungen \ref{VSte}.
Im Fall $n=1$ spezialisiert er zur Summenregel \ref{APSu}, 
Produktregel  \ref{APSu} und Kettenregel \ref{KeRe}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}
Alle Aussagen dieses Satzes werden sich  als Konsequenzen des
Approximationssatzes in mehreren Ver"anderlichen \eref{RApp}{AN2} erweisen.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
1.
Das bleibt dem Leser "uberlassen. Im Fall der Summe 
gilt das sogar f"ur beliebige Funktionen $P$ und $Q$.
Im Fall des Produkts reicht anstelle der Polynomialit"at
die schw"achere Annahme, da"s $P$ und $Q$ in einer
Umgebung von $p$ beschr"ankt sind. 
\\[2mm]\noindent
2.
Wir zeigen zun"achst $g \circ f\sim^n_{p}\;  Q\circ f$
und dann $Q \circ f\sim^n_{p}\;  Q \circ P$.
Zum Beweis der ersten Aussage schreiben wir $g(y) = Q(y) + (y - f(p))^{n}  
\varepsilon (y- f(p))$
f"ur $\varepsilon$ stetig bei Null mit Funktionswert Null.
Durch Einsetzen von $y=f(x)$ und Erweitern des letzten Terms mit $(x-p)^n$ 
erhalten wir
$$(g \circ f) (x) = (Q \circ f)(x) + (x-p)^{n}
\left[ \left( \frac{f(x) - f(p)}{x-p} \right)^{n}
\varepsilon (f(x)- f(p))\right]$$ f"ur alle $x \neq p$.
Im Fall $n\geq 1$ stimmt $f$ bei $p$ bis mindestens zur Ordnung $1$ "uberein
mit dem Polynom
$P$, folglich ist $f$ differenzierbar bei $p$ und der 
Ausdruck in eckigen Klammern
strebt f"ur $x \ra p$ gegen Null. Im Fall $n=0$ stimmt 
$f$ bei $p$ bis  zur Ordnung $0$ "uberein
mit dem Polynom $P$, also ist $f$ zumindest stetig in $p$ und der
Ausdruck in eckigen Klammern
strebt f"ur $x \ra p$ wieder gegen Null.
Wir m"ussen also nur noch f"ur jedes Polynom $Q$ zeigen
$$Q \circ f\sim^n_{p}\;  Q \circ P$$
Das hinwiederum folgt sofort aus Teil 1.
\end{proof}

\begin{Beispiel}
  Beim konkreten Rechnen wird man sich nach M"oglichkeit die Funktionen
    so zurechtlegen, da"s wir nur Approximationen an der Stelle Null
    zu betrachten haben.
  Um etwa die sechste Ableitung bei $x=0$ von $1/\op{cosh}(x)$ zu berechnen,
  schreiben wir das als $g\circ f$ mit $f(x)=\op{cosh}(x)-1$ und
  $g(y)=(1+y)^{-1}$, da dann gilt $f(0)=0$. 
Nun erinnern wir uns an
$$\begin{array}{rcl}
\op{cosh} (x) -1 &=& \frac{x^{2}}{2} + \frac{x^{4}}{4!} 
+ \frac{x^{6}}{6!}+\ldots \\[2mm]
(1+y)^{-1}&=&1-y+y^2-y^3+y^4-y^5+y^6\ldots
\end{array}$$
wo wir Gleichheitszeichen und P"unktchen geschrieben haben
statt $\sim^6$ mit entsprechenden Spezifikationen. 
Mit unserer \glqq h"oheren Kettenregel\grqq\  \ref{RAP} erhalten wir wegen $f(0)=0$ dann sofort
$$\begin{array}{rcl}1/\op{cosh}(x)&=&1-(\frac{x^{2}}{2} + \frac{x^{4}}{4!} 
+ \frac{x^{6}}{6!}) \\[2mm]
&&\;\;\;\;\;\;+(\frac{x^{2}}{2} + \frac{x^{4}}{4!} 
+ \frac{x^{6}}{6!})^2\\[2mm]
&&\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;-(\frac{x^{2}}{2} + \frac{x^{4}}{4!} 
+ \frac{x^{6}}{6!})^3 +\ldots
\end{array}$$
Als Koeffizient von $x^6$ ergibt sich
$$-\frac{1}{6!}+\frac{1}{4!}-\frac{1}{8}
=\frac{1}{6!}(-1+30-90)=-\frac{61}{6!}$$
Die fragliche sechste Ableitung bei $x=0$ ist mithin $-61$.
Eine andere M"oglichkeit w"are, 
das 
Approximationspolynom sechsten Grades an $1/\op{cosh}(x)$ in $x=0$
als $a_0+ a_1x+ \ldots +a_6x^6$ anzusetzen und aus der 
\glqq h"oheren Produktregel\grqq\  die Gleichung
$$\left(1+ \frac{x^{2}}{2} + \frac{x^{4}}{4!} 
+ \frac{x^{6}}{6!}\right)\left(a_0+ a_1x+ \ldots +a_6x^6\right)
=1+bx^8+\ldots$$
zu folgern, die es uns hinwiederum erlaubt,
induktiv die $a_\nu$ zu bestimmen.
Diese Rechnung kann im vorliegenden Fall zus"atzlich vereinfacht werden durch
die Erkenntnis, da"s eh gilt $0=a_1=a_3=a_5=\ldots$,
da unsere Funktion  gerade ist.
\end{Beispiel}




\begin{Bemerkunge}[\textbf{Geschlossene Formel f"ur die Catalan-Zahlen}]
Wir zeigen nun die in \eref{CatZa}{GR}
versprochene Formel  $$C_n=\frac{1}{n+1} {2n\choose n}$$
f"ur die ebendort  eingef"uhrten Catalan-Zahlen $C_n$, die die Zahl
der m"oglichen Verklammerungen eines\label{BCZ}
 Wortes in $(n+1)$ Symbolen angeben.
Diese Zahlen\index{Catalan-Zahlen!Herleitung der Formel} 
 erf"ullen offensichtlich die Rekursion
\begin{equation*}
C_{n+1} =\sum_{k=0}^n C_k C_{n-k}
\end{equation*}
Die {\bf erzeugende Funktion}\index{erzeugende Funktion!der Catalan-Zahlen}
der Folge der Catalan-Zahlen alias die
formale Potenzreihe $P = \sum_{n\geq 0} C_n x^n$
erf"ullt demnach  im Ring der formalen Laurent\-reihen aus \eref{FRL}{LA1}
die Formel $x P^2 = P-1$ alias $P^2 - \frac{1}{x}
P + \frac{1}{x} =0$.
Damit folgt, immer im Ring der formalen Laurentreihen, eine
 Identit"at der Form
\begin{equation*}
P= \frac{1}{2x} \pm\sqrt{\frac{1}{4x^2} -\frac{1}{x}} =
\frac{1 \pm\sqrt{1-4x}}{2x}
\end{equation*}
falls die fragliche Wurzel im Ring der formalen Laurentreihen existieren
sollte,
wobei das Vorzeichen noch zu bestimmen ist.
Nach \ref{TAPr} existiert diese Wurzel jedoch in der Tat
und kann beschrieben werden durch die binomische Reihe
\begin{equation*}
\sqrt{1-4x} = \sum^\infty_{n=0} \begin{pmatrix}
1/2\\n \end{pmatrix} (-4x)^n
\end{equation*}
Deren konstanter Term ist Eins, so da"s 
f"ur unser Vorzeichen nur das Minus in Frage kommt.
Damit mu"s notwendig gelten 
$$
P= \frac{1-\sqrt{1-4x}}{2x}
$$
Die Koeffizienten unserer binomischen Reihe lassen sich vereinfachen zu
\begin{eqnarray*}
\begin{pmatrix} 1/2\\ n\end{pmatrix} (-1)^n 4^n &=& \frac{1}{n!} 
\left( \frac{1}{2}\right) \left(\frac{-1}{2}\right) \left(\frac{-3}{2}\right)
\ldots \left( \frac{-2n+3}{2} \right) (-1)^n 4^n\\[2mm]
&=& -\frac{1}{n!} (1\cdot 3 \ldots (2n-3))2^n\\[2mm]
&=& \frac{-2 (2(n-1))!}{(n-1)!(n-1)!}
\end{eqnarray*}
Die letzte Identit"at  stimmt dabei nur f"ur $n \geq 1$. Setzen wir alles
zusammen, so ergibt sich wie gew"unscht
\begin{equation*}
C_n = \frac{1}{n+1} \begin{pmatrix}
2n \\ n\end{pmatrix}
\end{equation*}
\end{Bemerkunge}

\subsubsection*{"Ubungen} 

\begin{Ubung}\label{TAPr}
Gegeben zwei beliebig oft differenzierbare Funktionen auf einem
Intervall ist die Taylorreihe ihrer Summe die Summe 
der Taylorreihen und die Taylorreihe des Produkts das Produkt
der Taylorreihen. Hier verstehen wir Produkt und Summe von Potenzreihen 
im formalen Sinn, vergleiche \eref{FPR}{LA1}.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Man zeige, da"s die Identit"aten $\op{exp}(\op{log}(x+1))=x+1$ 
und $\op{log}((\op{e}^x-1)+1)=x$ auch als\label{RAEP}  
formale Identit"aten von Potenzreihen gelten, da"s also 
etwa im ersten Fall f"ur $k\geq 2$ gilt
$$\sum_{j(1)+\ldots+j(i)=k}\frac{1}{i!}
\left(\frac{-(-1)^{j(1)}}{j(1)}\right)
\ldots\left(\frac{-(-1)^{j(i)}}{j(i)} \right)=0$$
wo die Summe "uber alle $i\geq 1$ und alle Abbildungen
$j:\{1,\ldots,i\}\ra\DN_{\geq 1}$ l"auft, bei denen $k$ 
die Summe der Werte ist,
wohingegen dieselbe Summe f"ur $k=1$ 
gerade den Wert Eins ergibt. Allgemeiner f"uhre man aus,
inwiefern  die Taylorreihe der Verkn"upfung 
zweier unendlich oft differenzierbarer Funktionen gerade die
Verkn"upfung ihrer Taylorreihen ist.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
  Gegeben ein Kring $k$, f"ur den ein
  Ringhomomorphismus $\DQ\ra k$ existiert, 
liefert das formale Einsetzen in formale 
Potenzreihen\label{logf}  
eine Bijektion  
$\op{exp}:tk\llbracket t\rrbracket\sira 1+tk\llbracket t\rrbracket$
mit der Inversen $\op{log}$ gegeben durch die Potenzreihe von
$\op{log}(1+x)$. Diese Bijektion ist ein
Gruppenisomorphismus
zwischen der  additiven Gruppe $tk\llbracket t\rrbracket$ und der
multiplikativen Gruppe $1+tk\llbracket t\rrbracket$. 
\end{Ubunge}


\subsection{Der Abel'sche Grenzwertsatz*}
\label{AbGr} 
\begin{Bemerkungl}\label{AbK}
In diesem Abschnitt will ich mein Versprechen einl"osen und
die Formel
$$ 1 - \frac{1}{2} + \frac{1}{3}-\frac{1}{4} + \ldots = \log 2$$
zeigen. Wenn wir $x=1$ in die Reihenentwicklung von $\log(1+x)$
einsetzen d"urften, so folgte das sofort.
Die Schwierigkeit liegt darin, 
da"s wir bisher nur f"ur $|x|<1$ nachgewiesen haben,
da"s unsere Potenzreihe aus \ref{BPR} gegen $\log(1+x)$ konvergiert.
Der folgende Satz hilft uns,
 diese Schwierigkeit zu "uberwinden, und wird auch in 
\ref{AbAr} bei der Herleitung der wunderbaren Formel
$$1-\frac{1}{3}+\frac{1}{5}-\frac{1}{7}\ldots=\frac{\pi}{4}$$
ben"otigt. In beiden Formeln sehe aber eher sch"one Bl"uten
als zentrale Inhalte. Davon abgesehen spielt der 
abelsche Grenzwertsatz
im weiteren Verlauf dieser Vorlesung keine Rolle.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Abel'scher 
Grenzwertsatz}\index{Abel'scher Grenzwertsatz}]
Konvergiert eine reelle Potenzreihe auch noch auf einem 
Randpunkt ihres Konvergenzbereichs,\label{ABG} 
so stellt sie bis in diesen Randpunkt hinein
eine stetige Funktion dar.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw}
F"ur diejenigen Leser, die bereits mit komplexen Potenzreihen vertraut sind,
sei bemerkt, da"s die entsprechende Aussage im Komplexen in 
dieser Form nicht mehr gilt. Mehr dazu
finden Sie etwa in \eref{ABCo}{FT1}.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit annehmen, da"s $x=1$
der besagte Randpunkt des Konvergenzbereichs ist.
Sei also $\sum^{\infty}_{k=0} a_{k}$ eine konvergente Reihe reeller Zahlen. Wir
m"ussen zeigen, da"s die Reihe $f(x) = \sum^{\infty}_{k=0}
a_{k}x^{k}$ f"ur
$x \in [0,1]$ eine stetige Funktion darstellt.
Dazu schreiben wir die Differenzen der Partialsummen in der Form
\begin{displaymath}
\begin{array}{llcrl}\sum^m_{k=n} a_k x^k &=& &(x^n -x^{n+1} )& (a_n)\\
&&+& (x^{n+1} - x^{n+2} )&(a_n + a_{n+1}) \\
&&+& (x^{n+2}-x^{n+3} )& (a_n +a_{n+1} + a_{n+2})\\
&&&\ldots & \ldots\\
&&+& (x^{m-1} -x^m)& (a_n + \ldots\ldots\ldots + a_{m-1})\\
&&+ & x^m\;& (a_n + \ldots\ldots\ldots + a_{m-1}+ a_m)
\end{array}
\end{displaymath}
F"ur alle $\varepsilon >0$ finden wir nun wegen der Konvergenz 
unserer Reihe ein 
$N$ derart, da"s f"ur alle $n,m$ mit $N \leq n \leq m$ gilt
$|a_n + \ldots + a_m | \leq \varepsilon$.
F"ur alle   $n,m$ mit $N \leq n \leq m$  und alle $x\in [0,1]$
folgt daraus die
Absch"atzung
\begin{displaymath}\textstyle
\left| \sum^m_{k=n} a_k x^k 
\right|  \leq   \left( x^n
-x^m \right) \varepsilon
 + x^m \varepsilon\leq \varepsilon
\end{displaymath}
Diese  Absch"atzung zeigt die gleichm"a"sige Konvergenz der Folge der
Partialsummen auf $[0,1]$ und damit die Stetigkeit der 
Grenzfunktion.
\end{proof}
\begin{Bemerkungw}\label{Tau}
L"a"st sich die durch eine Potenzreihe im Inneren
des Kon\-ver\-genz\-in\-ter\-valls definierte Funktion stetig auf einen 
Randpunkt fortsetzen, so mu"s die Potenzreihe an besagtem Randpunkt
keineswegs konvergieren. Nehmen wir der Einfachkeit halber 
an, da"s das Konvergenzintervall $(-1,1)$ ist und der 
fragliche Randpunkt die $1$, so folgt die Konvergenz
von $\sum a_n$ jedoch aus der stetigen Fortsetzbarkeit der Funktion
$\sum a_n x^n$ von $x\in [0,1)$ auf $[0,1]$ zusammen mit der
\defind{Tauber-Bedingung}, da"s die Folge $na_n$ betragsm"a"sig
beschr"ankt sein  m"oge. 
Unter der st"arkeren Annahme $\lim_{n\ra\infty}na_n=0$ wurde das
bereits von Tauber gezeigt.
\end{Bemerkungw}


%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAN1"
%%% End: 
