


 \section{Mehrfache Integrale und Ableitungen}
\subsection{Integration "uber  Quader}\label{IntQQ} 
\begin{Satz}[\textbf{"uber Integrale mit Parametern}]
Gegeben ein Kompaktum
$X\subset \DR^n$ 
und
 eine stetige Funktion $f: X \times [a,b] \ra \Bbb{R}$
 ist auch die Funktion\label{SSkPI} $ X \ra \Bbb{R}$,  $x\mapsto \int^{b}_{a}
f(x,t) \diff t $ stetig.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Der Satz gilt allgemeiner f"ur einen beliebigen metrischen
  Raum $X$, ja sogar in noch gr"o"serer Allgemeinheit, aber die
  Formulierung und der Beweis
  in dieser  Allgemeinheit brauchen Begriffe und  Hilfsmittel, die uns
  hier noch nicht zur Verf"ugung stehen.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Mit $X$  ist auch $X\times [a,b]$ kompakt nach \eref{prk}{AN1} und
nach \eref{glst}{AN1} ist $f$ dort 
gleichm"a"sig stetig. F"ur alle $\varepsilon >0$ gibt
es insbesondere $\delta >0$ mit $$|x-y|<\delta\;\RA \;
|f(x,t)-f(y,t)|<\varepsilon\text{ f"ur alle }t\in[a,b].$$
Aus $|x-y|<\delta$ folgt mithin 
$$
\left|\int^{b}_{a} f(x,t)\diff t -\int^{b}_{a}f(y,t)\diff t \right|
\leq \int^{b}_{a} |f(x,t) -f(y,t)|\diff t\leq(b-a)\varepsilon
$$
und das zeigt die Behauptung.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Ein Produkt von $n$ Intervallen in $\DR^n$ nennen wir einen 
{\bf Quader}\index{Quader}.
Ein kompakter Quader in $\DR^2$ ist eine
Rechtecksfl"ache der Gestalt $[a,b]\times [c,d]$.
 Beispiele f"ur nichtkompakte
Quader
$H\subset \DR^n$  sind etwa  ganz 
$\DR^n$ oder im Fall $n> 0$ der Halbraum\label{IntHQ} 
$\DR_{\leq 0}\times \DR^{n-1}$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{RiMV}
Gegeben $Q =[a_{1},b_{1}]\times \ldots \times[a_{n},b_{n}]\subset \Bbb{R}^{n}$
ein  kompakter 
Quader in $\DR^n$  und $f:Q \ra \Bbb{R}$ stetig erkl"aren wir das 
{\bf Integral\index{Integral!stetige reelle Funktion!"uber kompakten Quader} 
von $f$ "uber $Q$}, eine reelle Zahl $\int_{Q}f\in\Bbb{R}$, durch die Formel
$$\int f= \int_{Q} f \pdef \int^{b_{n}}_{a_{n}} \left( \ldots \left(
\int^{b_{1}}_{a_{1}} f(x_{1},\ldots, x_{n}) \diff x_{1}\right) \ldots
\right) \diff x_{n}$$
im Fall $Q\neq\emptyset$ und  durch $\int_{Q} f=0$ im Fall $Q=\emptyset$.
Im Fall $n=0$ interpretieren wir unsere Definition dahingehend, da"s das
Integral 
der Funktionswert am einzigen Punkt 
des leeren Produkts sein soll.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Satz \ref{SSkPI} zeigt, da"s in dieser Definition
alle Integranden stetig vom Integrationsparameter abh"angen,
so da"s alle unsere Integrale definiert sind.  Aus den
Eigenschaften des Integrals von Funktionen einer reellen Ver"an\-derlichen
folgt sofort die Linearit"at $\int (f+g) = \int f+\int g$, $\int (\lambda f)= \lambda \int f$
f"ur $\lambda \in \Bbb{R}$ sowie die Monotonie  $f \leq g \Rightarrow \int f \leq \int g$ und 
insbesondere auch $|\int f| \leq \int |f|$.
F"ur das Integral der konstanten Funktion $1$ "uber einen nichtleeren
kompakten Quader 
$Q =[a_{1},b_{1}]\times \ldots \times[a_{n},b_{n}]$ erhalten wir
 $\int_{Q} 1 = (b_{1}-a_{1}) \ldots
(b_{n}-a_{n})$. Wir nennen diese Zahl das
{\bf Volumen} des Quaders $Q$ und notieren sie
$\op{vol} Q$. Anschaulich bedeutet $\op{vol} Q$ ein Volumen im
Fall $n=3$, eine  Fl"ache im
Fall $n=2$, eine  L"ange im
Fall $n=1$ und die Zahl $1$ im Fall $n=0$.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htbp]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildRiSuR}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die vierte Riemannsumme der Funktion $f(x,y)=(x+y)/2$ auf
dem Einheitsquadrat mag man sich als das Volumen des hier
gezeichneten r"aumlichen Gebildes denken.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}
F"ur $n=2$ bedeutet
$\int_Q f$ anschaulich den Rauminhalt zwischen dem Graphen der Funktion $f:Q\ra\DR$
und der $xy$-Ebene, wobei Rauminhalte unterhalb der $xy$-Ebene
negativ zu z"ahlen sind. Diese Anschauung wird im folgenden
formal gerechtfertigt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Sei $Q =[a,b]\times [c,d] \subset \Bbb{R}^{2}$ ein nichtleerer 
kompakter
zweidimensionaler
Quader alias  ein \defind{Rechteck} und $f: Q
\ra \Bbb{R}$ eine stetige Funktion. Bezeichne $\op{vol} Q =(b-a) (d-c)$ die
Fl"ache von $Q$. F"ur $r\geq 1$ definieren wir die $r$-te
{\bf Riemannsumme}\index{Riemannsumme!f"ur Funktion auf Rechteck} 
$S^{r}(f)$ von $f$ wie folgt:
Wir betrachten die "aquidistanten Unterteilungen
$$a=a_{0} \leq a_{1}\leq \ldots \leq a_{r} =b$$
$$c= c_{0} \leq c_{1}\leq \ldots \leq c_{r}=d$$
der Kanten unseres Rechtecks, erhalten eine
Unterteilung unseres Rechtecks  in $r^{2}$ kleine Rechtecke
$Q_{i,j}=[a_{i},a_{i+1}]\times [c_{j},c_{j+1}]$ mit
Fl"acheninhalt $({\op{vol} Q})/{r^{2}}$, und setzen
$$S^{r} (f) \pdef \sum^{r-1}_{i,j=0} f(a_{i},c_{j}) \frac{\op{vol} Q}{r^{2}}
$$
\end{Definition}
\begin{Proposition}[\textbf{Integral durch Riemannsummen}]
Gegeben $Q \subset \Bbb{R}^{2}$ ein Rechteck und $f:Q \ra\Bbb{R}$ 
 stetig
 ist das Integral\label{IVQp}  von $f$ "uber $Q$ der Grenzwert unserer
Riemannsummen, in Formeln $$\int_{Q}f = \lim_{r\ra \infty} S^{r}(f)$$
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Wir definieren Unter- und Obersummen durch
$$\underline{S}^{r} (f) = \sum^{r-1}_{i,j=0} \inf f (Q_{i,j})\;
{ \frac{\op{vol} Q}{r^{2}}}\;\;\text{ und }\;\;
\bar{S}^{r}(f) = \sum^{r-1}_{i,j=0} \sup f (Q_{i,j}) \;
 \frac{\op{vol} Q}{r^{2}}$$
Bei den Untersummen lassen wir etwa auf unseren kleinen 
Quadern $Q_{i,j}$ T"urmchen hochwachsen, bis sie am
Graphen unserer Funktion ansto"sen, und bilden die
Summe der  Volumina aller dieser T"urmchen. Bei den 
Obersummen nehmen wir entsprechend die kleinstm"oglichen T"urmchen,
aus denen unsere Funktion nicht mehr oben herausguckt.
Nun behaupten wir die Ungleichungen
$$\underline{S}^{r} (f) \leq S^{r}(f) \leq\bar{S}^{r} (f)$$
$$\underline{S}^{r} (f) \leq\int_{Q} f \leq \bar{S}^{r} (f)$$
Die Ungleichungen der ersten Zeile sind offensichtlich. Um die
Ungleichungen der zweiten Zeile
einzusehen, benutzen wir zun"achst die Regeln f"ur Integrale einer
Ver"anderlichen und erkennen
%\int_{Q} f= \sum^{r-1}_{i,j=0}
$$ \inf f(Q_{i,j})\;\frac{\op{vol} Q}{r^{2}}
\leq\;\;
\int_{Q_{i,j}} f
\leq\;\;
\sup f(Q_{i,j})\;\frac{\op{vol} Q}{r^{2}}$$
Aus unseren Regeln f"ur Integrale einer Ver"anderlichen folgt
zus"atzlich auch noch
$\int_Q f=\sum_{i,j}\int_{Q_{i,j}}f$.
Summieren wir dann  f"ur
$0\leq i,j \leq r-1$ alle unsere Ungleichungen auf, 
so ergibt sich die zweite Zeile oben.
F"ur alle $\varepsilon > 0$ gibt es nun wegen der gleichm"a"sigen Stetigkeit
unserer Funktion auf unserem kompakten Rechteck ein 
$\delta=\delta_\varepsilon>0$ mit
$$|(x_{1},y_{1}) - (x,y)| < \delta \quad \Rightarrow \quad
|f(x_{1},y_{1})-f(x,y)|<\varepsilon $$
Ist $R=R_\varepsilon$ so gro"s, da"s alle Kantenl"angen unserer kleinen
Rechtecke $Q_{i,j}$ bei "aquidistanter Unterteilung in $R$ St"ucke
unter $\delta$ sinken, so folgt aus $r\geq R$ damit
$|\bar{S}^{r} (f) - \underline{S}^{r} (f) | < (\op{vol} Q)\varepsilon$ und
mit unseren beiden Zeilen von Ungleichungen ergibt sich
$|\int_{Q}f- S^{r} (f) | < (\op{vol} Q)\varepsilon$.
Das zeigt
$\int_{Q}f=\lim_{r\ra \infty} S^{r} (f)$ wie 
 behauptet.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Vertauschen  partieller Integrationen}]
Gegeben ein  Rechteck
$Q =[a,b] \times [c,d] \subset \Bbb{R}^{2}$ 
und $f : Q \ra \Bbb{R}$ 
stetig\index{Vertauschen!von partiellen Integrationen}\label{VI}
 gilt $$\int^{d}_{c}\left( \int^{b}_{a} f(x,y)\;\diff x\right) \diff y =
\int^{b}_{a}\left( \int^{d}_{c} f(x,y)\;\diff y \right) \diff x$$
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Beide Seiten sind Grenzwert 
derselben Folge von Riemannsummen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Den gemeinsamen Wert dieses Integrals notieren wir dann k"urzer auch
$\int_Q f(x,y)\op{d}(x,y)$ und benutzen analoge Notationen
im Fall von noch mehr Ver\-"an\-der\-li\-chen.
Steht dahingegen $x$ f"ur eine Ver"anderliche des $\DR^k$, so
benutzen wir die Notation $\int f(x)\;\diff^k x$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}
Da das Differenzieren so in etwa der inverse Prozess zum Integrieren 
ist, m"ussen mit den partiellen Integralen auch die partiellen 
Ableitungen sowie partielle Ableitung und partielles Integral vertauschen. 
Diese Idee wird im Folgenden ausgef"uhrt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}[\textbf{Vertauschen partieller
    Ableitungen}\index{Vertauschen!von partiellen Ableitungen}]
  Seien $Q \subset \Bbb{R}^{2}$ ein Rechteck mit beiden Seiten von positiver
  L"ange\label{VPAb} 
und $f:Q\ra \Bbb{R}$ eine
Funktion. Existiert die gemischte partielle 
Ableitung $\partial_y  \partial_x f$ auf $Q$ und ist dort stetig und existiert 
dar"uber hinaus  die partielle 
Ableitung
$\partial_y f$ auf $Q$,
so existiert sogar die umgekehrte gemischte partielle 
Ableitung
$\partial_x \partial_y  f$ auf $Q$ und es gilt
$$\frac{\partial}{\partial x} \left( \frac{\partial f}{\partial
y}\right) = \frac{\partial}{\partial y} \left( \frac{\partial
f}{\partial x}\right)$$
\end{Korollar}


\begin{Bemerkungw}
 Eine  anschauliche Interpretation dieses Korollars 
wird der Satz "uber die Taylorentwicklung \ref{TMV} geben:
Geeignet differenzierbare reelle Funktionen von zwei Variablen
besitzen lokal an jeder Stelle
eine \glqq beste\grqq\  Approximation durch ein Polynom vom Grad 
h"ochstens zwei, in Formeln ausgedr"uckt
$f(p+x,q+y)\sim f(p,q)+ \alpha x+\beta y+\gamma x^2+\delta xy+
\theta  y^2$, und die gemischte partielle Ableitung 
unserer Funktion an besagter Stelle ist dann genau der Koeffizient $\delta$
des \glqq gemischten Terms\grqq. 
\end{Bemerkungw}

\begin{Beispiel}
Die Funktion $f(x,y)=xy(x^2-y^2)/(x^2+y^2)$ kann durch $f(0,0)=0$ stetig auf
ganz $\DR^2$ fortgesetzt werden und ist "uberall zweimal partiell
differenzierbar, aber ihre beiden gemischten partiellen Ableitungen 
stimmen im Ursprung nicht "uberein. Das zeigt, da"s unsere Forderung der
Stetigkeit an eine gemischte partielle Ableitung im
vorhergehenden Korollar \ref{VPAb}  notwendig ist.
\end{Beispiel}

\begin{proof}
Wir verwenden f"ur die partiellen Ableitungen nach der ersten beziehungsweise
zweiten Variablen
die Abk"urzungen $f_1$ und $f_2$ und schreiben $f_{12}=(f_1)_2$ f"ur 
die gemischte partielle Ableitung \glqq erst nach $x$, dann
nach $y$\grqq. 
F"ur $(a,c)$ die untere linke Ecke unseres Rechtecks und $(x,y)\in Q$ beliebig
finden wir 
$$
\begin{array}{lll}
\int_a^x \int_c^y f_{12}(s,t) \;\diff t \;\diff s
&=& \int_a^x  f_{1}(s,y)- f_{1}(s,c) \;\diff s \\[2mm] & =&
f(x,y)- f(x,c)-f(a,y)+ f(a,c)
\end{array}
$$
Jetzt vertauschen wir vorne die Integrationsreihenfolge,
bringen hinten die drei letzten Summanden auf die
andere Seite und erhalten
$$\left(\int_c^y \int_a^x f_{12}(s,t) 
\;\diff s \;\diff t \right) + f(x,c)+f(a,y)- f(a,c)=
f(x,y)$$
Die linke Seite ist hier ganz offensichtlich partiell differenzierbar
erst nach $y$ und dann nach $x$ und ihre gemischte partielle
Ableitung ergibt sich zu $f_{12}$ wie gew"unscht.
\end{proof}


\begin{Korollar}[\textbf{Differenzieren unter dem Integral}]
\index{Differenzieren unter dem Integral}
Seien $[a,b]\subset \Bbb{R}$ ein kompaktes Intervall, $I \subset
 \Bbb{R}$ ein mehrpunktiges Intervall\label{DUIn} 
und $f:[a,b]\times I\ra \Bbb{R}$, $(x,y) \mapsto f(x,y)$ stetig mit
stetiger partieller Ableitung nach der zweiten Variablen.
So ist die Funktion $y\mapsto \int^{b}_{a} f(x,y) \diff x$
differenzierbar und man  
darf die Integration "uber die erste Variable 
mit der partiellen Ableitung nach der zweiten Variablen 
vertauschen, in Formeln 
$$\frac{\diff}{\diff y} \left( \int^{b}_{a} f(x,y) \diff x\right)
= \int^{b}_{a} \frac{\partial f}{\partial y} (x,y) \diff x$$
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungw}
Einen allgemeineren Satz zum Differenzieren unter dem Integral 
werden Sie  in "Ubung 
\eref{VIPA}{AN3} im Rahmen der Lebesgue'schen 
Integrationstheorie herleiten.
\end{Bemerkungw}

\begin{proof}
 Wir k"urzen wieder die partielle Ableitung von $f$ nach der
zweiten Variablen mit $f_2$ ab. 
Dann w"ahlen wir $c\in   I$ beliebig und finden
$$
\int^{b}_{a} \int^{y}_{c} f_2 (x,t) \diff t \diff x=
\int^{b}_{a}  f (x,y) - f (x,c) \diff x$$
Vertauschen wir vorne die Integrationsreihenfolge und
bringen den letzten Summanden auf die andere Seite, so ergibt sich
$$\int^{y}_{c} \int^{b}_{a} f_2 (x,t)\diff x \diff t 
- \int^{b}_{a} f (x,c) \diff x
=
\int^{b}_{a}  f (x,y) \diff x$$
Die linke Seite ist aber offensichtlich partiell 
differenzierbar nach $y$ mit
Ableitung $\int^{b}_{a} f_2 (x,t)\diff x$.
\end{proof}


\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[{\bf L"osungen der linearen Wellengleichung}]
Sei $f:\DR^2\ra \DR$ eine zweimal stetig partiell differenzierbare 
Funktion, es sollen also $\partial^2_xf, \partial_x\partial_tf, \partial_t\partial_xf$ und $\partial^2_tf$ alle auf ganz $\DR^2$ existieren
und stetig sein. Es gelte weiter
$$\partial^2_xf(x,t)=\partial^2_tf(x,t)$$ Man zeige, da"s 
es dann zweimal stetig  differenzierbare 
Funktionen $u,v:\DR\ra \DR$ gibt mit $$f(x,t)=u(x-t)+v(x+t)$$
und da"s diese Funktionen $u,v$ durch $f$ eindeutig bestimmt sind bis auf den
"Ubergang zu $u+c, v-c$ mit einer Konstante $c\in \DR$. 
Hinweis: Man untersuche zun"achst\label{LlW} 
  zweimal stetig partiell differenzierbare 
Funktionen  $g:\DR^2\ra \DR$ mit $\partial_y\partial_zg(y,z)=0$ und zeige,
 da"s es zweimal stetig  differenzierbare 
Funktionen $h,k:\DR\ra \DR$ gibt mit $g(y,z)=h(y)+k(z)$.
\end{Ubung}
\begin{Bemerkunge}[{\bf Motivation f"ur die lineare Wellengleichung}]
Wir denken uns eine waagerechte Kette von reibungslos rutschenden 
W"urfeln der Masse $M$, die
\begin{figure}[htbp] 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildWeGe}\\[4mm]
 \centering Illustration zur Motivation der linearen Wellengleichung
mit Platten statt W"urfeln.
\end{figure}
durch Federn verbunden sind und einen Abstand von jeweils einem Meter haben.
St"oren wir dieses System und bezeichnet $f(n,t)$ die Auslenkung der 
$n$-ten Kugel zum
Zeitpunkt $t$, so erf"ullen die Funktionen $f(n,t)$  nach den Newton'schen Bewegungsgleichungen
ein System von Differentialgleichungen der Gestalt
\begin{eqnarray*}
M \partial^2_t f(n,t) & = & C \big((f(n+1,t) - f(n,t)) - (f(n,t)-f(n-1,t))\big)\\
& =& C\big(f(n+1,t) + f(n-1,t) -2 f(n,t)\big)
\end{eqnarray*}
mit einer Konstante $C$, die von der Federkonstante abh"angt.
Teilen wir die Abst"ande zwischen unseren W"urfeln 
und die Masse unserer W"urfel durch $N$, so werden die Federn entsprechend k"urzer und  die entsprechende
Gleichung lautet
\begin{eqnarray*}
\frac{M}{N} \partial^2_t (x,t) = NC (f(x + \frac{1}{N},t) + f(x - \frac{1}{N}, t) - 2f(x,t))
\end{eqnarray*}
f"ur $x\in (1/N)\DZ$.
Setzen wir stattdessen $h = 1/N$, so ergibt sich
\begin{eqnarray*}
M \partial^2_t f(x,t) = C \frac{f(x+h,t) + f(x-h,t) - 2 f(x,t)}{h^2}
\end{eqnarray*}
f"ur alle $x \in h \mathbb Z$. Gehen wir schlie"slich zum Grenzwert f"ur $N \rightarrow \infty$ alias
$h \rightarrow 0$ "uber, so erhalten wir nach \eref{ZAb}{AN1} 
die Wellengleichung
\begin{eqnarray*}
M \partial_t^2 f(x,t) = C \partial_x^2 f (x,t)
\end{eqnarray*}
\end{Bemerkunge}
\begin{Ubunge}\label{ADEx}
Gegeben ein Vektorraum $V$ und $A\in \op{End}V$
erkl"art man die lineare Abbildung $\op{ad}A: \op{End}V \ra \op{End}V$
durch die Vorschrift $\op{ad}A:B\mapsto (AB-BA)$. Man zeige, da"s
f"ur $V$ endlichdimensional und reell 
das Differential von $\exp : \op{End} V \rightarrow \op{End}V$
bei $A \in \op{End} V$\index{Differential!von  $\exp$ auf Matrizen} 
gegeben wird durch die Formel
\begin{displaymath}
\tiff_A \op{exp} = (\cdot \op{exp} A) 
\circ \left( \frac{\op{exp}(\op{ad} A) -1}{
\op{ad} A} \right)
\end{displaymath}
Beim letzten Faktor ist gemeint, da"s $\op{ad}A$ in die Potenzreihe
$\sum_{\nu \geq 0} z^\nu / (\nu +1)!$ der Funktion $(\op{exp} (z) -1) /z$
eingesetzt werden soll.
Hinweis:
Man wende $\partial^2 / \partial s \partial t = \partial^2 / 
\partial t\partial s$
an auf $\op{exp} (s (A + t B)) \exp (-sA)$, setze $t =0$ 
und integriere "uber $s$.
\end{Ubunge}



\subsection{Taylorentwicklung in mehreren Ver"anderlichen}

\begin{Satz}[\textbf{Taylorentwicklung in zwei Ver"anderlichen}]
Gegeben  eine $d$-mal stetig partiell
differenzierbare\label{TMV}\index{Taylorentwicklung!in mehreren Ver"anderlichen} Funktion   $f: \Bbb{R}^{2}\lco A \ra \Bbb{R}$ 
mit $(0,0)\in A$  gibt es genau ein Polynom in zwei Ver"anderlichen
$P (x,y) = \sum_{i+j\leq d} c_{i,j} x^{i} y^{j}$
vom Grad $\leq d$ mit $$\lim_{(x,y)\ra (0,0)} \frac{f(x,y) - P(x,y)}
{| (x,y) |^{d}} = 0$$ und die Koeffizienten
$c_{i,j}$ dieses Polynoms $P$ werden  gegeben durch die Formel
$$c_{i,j} = \frac{1}{i!j!} \frac{\partial^{i+j}f}{\partial x^{i}\partial
y^{j}} (0,0)$$
\end{Satz}
\begin{proof}
  Wir zeigen das gleich in mehreren Ver"anderlichen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Ist $f(x,y) = \sum_{i,j} a_{i,j} x^{i}y^{j}$ selbst eine Polynomfunktion,
so erkennt man leicht, da"s gilt
$$a_{i,j} = \frac{1}{i!j!} \frac{\partial^{i+j}f}{\partial x^{i}\partial
y^{j}} (0,0)$$
In diesem Fall liefert unsere Formel also
$P(x,y) = \sum_{i+j \leq d} a_{i,j} x^{i}y^{j}$
und man sieht sofort, da"s dieses $P$
die geforderte Eigenschaft hat.
\end{Bemerkungl}







  \begin{Bemerkungl}
    Um unseren Satz auch in mehr als zwei Ver"anderlichen "ubersichtlich
    formulieren zu k"onnen,\label{MuIn}
    f"uhren wir geeignete Notationen ein.  Gegeben ein {\bf
      Multiindex}\index{Multiindex} $\al = (\al_{1}, \ldots , \al_{m}) \in
    \DN^{m}$ setzen wir 
$$\begin{array}{lcl}
  |\al| &\pdef& \al_{1} + \ldots + \al_{m}\\
  \al ! & \pdef& \al_{1}! \ldots \al_{m}!\\
  x^{\al} &\pdef& x^{\al_{1}}_{1} \ldots x^{\al_{m}}_{m}\\
  \partial^{\al}f &\pdef& \frac{\partial^{|\al|}f}{\partial x_{1}^{\al_{1}}\ldots
    \partial x_{m}^{\al_{m}}}
\end{array}$$
F"ur die letzte Notation nehmen wir dabei an, da"s $f: \Bbb{R}^{m}\lco A\ra \Bbb{R}$ eine
$|\al|$-mal stetig partiell differenzierbare Funktion  ist, so da"s es  beim partiellen Ableiten nicht
auf die Reihenfolge ankommt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Unter einem \defind{Polynom} {\bf in mehreren Ver"anderlichen} 
$x_1,x_2,\ldots,x_m$ mit reellen Koeffizienten
versteht man eine \glqq endliche  formale Summe\grqq\  der Gestalt
$$\sum_{\alpha}
c_\alpha x^\alpha=\sum_{\alpha}
c_\alpha x_1^{\alpha_1}x_2^{\alpha_2}\ldots x_m^{\alpha_m} $$
Dabei l"auft die Summe "uber  Multiindizes
$\alpha\in\DN^m$ und alle Koeffizienten $c_\alpha$
 sind reelle Zahlen, die dar"uber hinaus fast alle verschwinden m"ussen,
wir lassen also nur endliche formale Summen zu.
Mit dem {\bf Grad}\index{Grad!eines Polynoms!in mehreren Ver"anderlichen} 
oder genauer dem 
{\bf Totalgrad}\index{Totalgrad} 
eines Polynoms
in mehreren Ver"anderlichen meint man 
$\op{sup}\{|\alpha|\mid c_\alpha\neq 0\}$.
Das Nullpolynom hat also den Grad $-\infty$, konstante Polynome
haben den Grad $0$ und
$$x^4y^3-z^5y+3z^2x^2y^2$$
ist ein Polynom in den drei Ver"anderlichen $x,y,z$ vom Grad $7$.
Wir werden in \ref{EDPF} zeigen, da"s verschiedene polynomiale Ausdr"ucke
auch verschiedene Funktionen liefern, so da"s wir im Fall reeller
Koeffizienten nicht so genau zu hinterfragen brauchen, was wir unter solch 
einem
\glqq formalen Ausdruck\grqq\   genau verstehen wollen.
Den Fall beliebiger Koeffizienten diskutieren wir 
 in \eref{PoRi}{LA1} im Fall einer Variablen und in
\eref{PoRiMV}{LA1} im allgemeinen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Taylorentwicklung}]\label{TaEn}
Gegeben  $f: \DR^m\lco A \ra \Bbb{R}$ eine $d$-mal stetig
partiell differenzierbare Funktion und $p \in A$ ein Punkt
gibt es genau ein Polynom $P$ vom Grad $\;\leq \! d$ mit
$$ f(p+h) = P(h) + |h|^{d}\varepsilon(h)$$
f"ur eine Funktion $\varepsilon$ mit $\varepsilon(0)=\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0$  
und dieses Polynom wird gegeben durch die Formel
$$P(h) = \sum_{|\al| \leq d} \frac{(\partial^{\al}f) (p)}{\al!} h^{\al}
$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Dieser Satz ist schw"acher als unsere verschiedenen Versionen
im Fall einer Variablen in \eref{TEe}{AN1} folgende. Ich denke jedoch, da"s
es an dieser Stelle 
den Aufwand nicht  wert ist, entsprechend st"arkere Versionen zu zeigen.
Ich habe  in einer
Variablen den Aufwand auch nur getrieben, um den Aspekt der
\glqq Verallgemeinerung der Ableitung durch die Taylorentwicklung\grqq\  
herauszuarbeiten. In \ref{koft} deute ich an, wie der vorhergehende Satz 
koordinatenfrei formuliert werden kann. Ich schicke dem 
Beweis ein Lemma voraus.
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}\label{EDPF}
Sei $R$ ein Polynom in $m$ Ver"anderlichen mit reellen Koeffizienten 
vom Grad $\leq d$.
Gilt $\lim_{h\ra 0} {R(h)}/{|h|^{d}} =0$, so folgt $R=0$.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wir zeigen das durch Widerspruch.
W"are $R \neq 0$, so g"abe es $v\neq 0$ mit $R (v) \neq
0$, und $t \mapsto R(tv)$ w"are ein von Null verschiedenes Polynom in einer
Ver"anderlichen $t \in \Bbb{R}$ vom Grad $\leq d$ mit $\lim_{t\ra 0}
{R(tv)}/{|t|^{d}} = 0$.
Wir wissen aber aus \eref{PFKO}{AN1},
da"s es solch ein Polynom in einer Variablen nicht gibt.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis des Satzes]
Aus unserem Lemma folgt sofort die Eindeutigkeit von $P$,
denn ist $\hat{P}$ ein anderes m"ogliches Approximationspolynom,
so k"onnen wir das Lemma auf $R=P-\hat{P}$ anwenden.
Um die Existenz der Taylorentwicklung nachzuweisen,
nehmen wir ein $h\in \Bbb{R}^m$, das so klein ist,
da"s sogar das ganze Geradensegment $[p,p+h]=\{p + th \mid t \in [0,1]\}$
in $A$ enthalten ist, und betrachten die Taylorentwicklung der Funktion
$g=g_h:[0,1]\ra \Bbb{R}$, $t \mapsto f(p+ th)$.
Wir behaupten zun"achst, da"s
die h"oheren Ableitungen von $g$ gegeben werden durch
$$g^{(\nu)}(t) =
\sum_{|\al| = \nu}\frac{\nu !}{\al !}\;(\partial^{\al}f)(p + t h)\;{h^{\al}}$$
In der Tat gilt nach der Kettenregel in mehreren Ver"anderlichen \ref{GPa}
schon mal
$$g^{\prime} (t) = \frac{\partial f}{\partial x_{1}} (p + t h)\cdot
h_{1} + \ldots + \frac{\partial f}{\partial x_{m}} (p+ t h) \cdot
h_{m}$$ und wir folgern induktiv
$$g^{(\nu)} (t) = \sum_{i_{1},\ldots ,i_{\nu}}
\frac{\partial^{\nu} f}{\partial x_{i_{1}} \ldots \partial x_{i_{\nu}}}
(p+ t h)\cdot h_{i_{1}} \ldots h_{i_{\nu}}$$
wobei die Summe "uber alle m"oglichen $\nu$-Tupel aus 
$\{1, \ldots , m\}$ laufen soll.
Nach dem anschlie"senden Lemma \ref{Zaehl}
gibt es aber genau $\nu !/\al !$ M"oglichkeiten,
ein $\nu$-Tupel $(i_{1},\ldots , i_{\nu}) \in \{1, \ldots , m\}^{\nu}$ 
so zu w"ahlen,
da"s unter den $i_{1},\ldots , i_{\nu}$ jedes $j$ genau $\al_{j}$-mal vorkommt.
Fassen wir also gleiche Summanden zusammen, so ergibt sich die behauptete
Formel f"ur die $\nu$-te Ableitung $g^{(\nu)}$ von $g$.
Jetzt schreiben wir zur Funktion $g(t)$ die Taylorreihe
mit der Lagrange'schen Form des
Restglieds \eref{LFR}{AN1} um den Entwicklungspunkt
$t=0$ hin
und erhalten an der Stelle $t=1$ mit einer kleinen
Umformung die Gleichung
$$f(p+h)
= \sum_{|\al| \leq d}\frac{(\partial^{\al}f)(p )}{\al!} {h^{\al}}
 + \sum_{|\al| = d}\frac{(\partial^{\al}f)(p+\xi_h h )-(\partial^{\al}f)(p
   )}{\al!} {h^{\al}}$$
f"ur geeignetes $\xi_h\in (0,1)$.
Es reicht also, wenn wir f"ur $|\alpha|=d$ zeigen, da"s gilt 
$\lim_{h\ra 0} (\partial^{\al}f)(p+\xi_h h )-(\partial^{\al}f)(p
   )=0$, und das folgt sofort aus der Stetigkeit der partiellen Ableitungen.
\end{proof}

\begin{Lemma}\label{Zaehl}
Seien $\al_{1},\ldots,\al_m\in \DN$ gegeben und sei 
$\nu = \al_{1} + \ldots + \al_{m}$
ihre Summe.
So gibt es genau $\nu !/\al_{1} ! \ldots \alpha_{m}!$ 
Abbildungen von einer Menge $X$ mit $\nu$ Elementen nach 
$\{1,\ldots ,m\}$ derart, da"s der Wert $j$ jeweils genau $\al_{j}$-mal
angenommen wird.
\end{Lemma}
\begin{Beispiel}
Wollen wir $10$ nummerierte B"alle so anmalen, da"s $5$ B"alle blau,
$3$ B"alle rot und $2$ B"alle gelb werden, so gibt es 
daf"ur also $10!/(5! 3! 2!)=2520$
M"oglichkeiten. 
\end{Beispiel}

\begin{proof}[Beweis]
Es gibt genau $\nu !$ M"oglichkeiten, unsere Menge $X$ anzuordnen.
Jede dieser M"oglichkeiten liefert eine Abbildung $i$ wie folgt: Wir
bilden die ersten $\al_{1}$ Zahlen auf $1$ ab, die n"achsten $\al_{2}$
Zahlen auf $2$, und so weiter, bis wir zum Schlu"s die letzten $\al_{m}$
Zahlen auf $m$ abbilden.
So erhalten wir nur Abbildungen der gew"unschten Form, genauer erhalten
wir so jede der gew"unschten Abbildungen genau $(\al_{1}! \cdots
\al_{m}!)$-mal. Das Lemma ist bewiesen.
\end{proof}







\subsection{Rechnen mit Approximationen}
\begin{Definition}
Eine Abbildung $P:\Bbb{R}^m\ra\Bbb{R}^n$ hei"st {\bf
polynomial}\index{polynomial!Abbildung $\Bbb{R}^m\ra\Bbb{R}^n$}
oder auch {\bf regul"ar},\index{regul"ar!Abbildung $\Bbb{R}^m\ra\Bbb{R}^n$}
 wenn sie die Gestalt $P=(P_1,\ldots,P_n)$ hat
f"ur Polynome $P_1,\ldots,P_n$ in $m$ Ver"anderlichen.
Haben alle unsere $P_j$ Grad $\leq d$, so sagen wir, 
die polynomiale Abbildung $P$ habe
{\bf Grad}\index{Grad!einer polynomialen Abbildung} $\leq d$.
\end{Definition}



\begin{Definition}\label{ReAp}
Seien
$f,g : \Bbb{R}^m\supset D \ra \Bbb{R}^n$ Abbildungen, $p \in D$ ein Punkt und
$d \in\DN$ eine nat"urliche Zahl.
Wir sagen, $f$ und $g$ {\bf stimmen bei $p$ "uberein bis zur Ordnung $d$}
\index{stimmen "uberein bis zur Ordnung} 
und schreiben
$$f\sim^d_p\; g$$
als Abk"urzung daf"ur, da"s gilt
$f(p+h)-g(p+h)=|h|^d\varepsilon(h)$
f"ur eine Funktion $\varepsilon$, die stetig ist bei $h=0$ mit
Funktionswert $\varepsilon(0)=0$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Ist
$p \in D$ ein H"aufungspunkt von $D$, so ist das gleichbedeutend
zur Forderung, da"s gilt
$f(p)=g(p)$ und
$$\lim_{x\ra p}\frac{f(x)-g(x)}{|x-p|^d}=0$$
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Nat"urlich stimmen zwei $\DR^n$-wertige Funktionen bis zu einer gewissen
Ordnung "uberein genau dann, wenn alle ihre Komponenten 
bis zu der entsprechenden Ordnung "ubereinstimmen.
Schreiben wir also $f=(f_1,\ldots,f_n)$ und $g=(g_1,\ldots,g_n)$, so gilt 
$$f\sim^d_p g\;\;\IFF\;\; \left( f_i\sim^d_p g_i \;\;\forall i\right)$$
Offensichtlich folgt auch aus $f\sim^d_p g$
und $g\sim^d_p h $ schon
$f\sim^d_p h $.
Sind weiter 
$P,Q:\Bbb{R}^m\lco D\ra\Bbb{R}^n$ polynomiale Abbildungen vom Grad $\leq d$, so folgt nach \ref{EDPF}
aus $P\sim^d_p Q$ schon $P=Q$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Approximation und Taylorentwicklung}]
Der Satz "uber die Taylorentwicklung \ref{TaEn} liefert uns f"ur
$d$-mal stetig partiell differenzierbares
$f$ die eindeutig bestimmte polynomiale Abbildung $P$ vom Grad $\leq d$ mit $P
\sim^d_p f$. Genauer besagt unser Satz,
da"s diese polynomiale Abbildung $P=(P_1,\ldots,P_n)$ 
dadurch 
charakterisiert wird, da"s die 
partiellen Ableitungen der Polynome $P_i$ bis zur Ordnung $d$
bei $p$ denselben Wert annehmen wie die entsprechenden
partiellen Ableitungen der Funktionen $f_i$. Im Fall $n=1$ w"urde in den
 unser Polynom $P=P_1$ hier gegeben durch
$P(p+h)
= \sum_{|\al| \leq d}\frac{(\partial^{\al}f)(p )}{\al!} {h^{\al}}$
alias $$P(x)=\sum_{|\al| \leq d}\frac{(\partial^{\al}f)(p )}{\al!} {(x-p)^{\al}}$$ 
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Rechnen mit Approximationen}]\label{RApp}
Seien $f: \DR^m\supset D\ra \Bbb{R}^n$, $g: \Bbb{R}^n\supset E\ra \Bbb{R}^l$
Abbildungen mit $f(D) \subset
E$. Gegeben $p \in D$  und polynomiale Abbildungen
$P,Q$  mit $f \sim^d_p
 P$ und $g \sim^d_{f(p)} Q $
folgt $$g \circ f\;\sim^d_p \;Q\circ P$$
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}\label{dgeq1} 
Im Fall $d=0$ bedeutet die Aussage schlicht die Stetigkeit der Verkn"upfung
bei $p$ von punktweise stetigen Abbildungen. Es reicht also, den Satz f"ur $d\geq 1$ zu beweisen.
Im Fall $d=1$ ist die Aussage 
des Satzes im "ubrigen "aquivalent zur Kettenregel in mehreren Ver"anderlichen.  
Dem eigentlichen Beweis  schicken wir ein Lemma voraus.
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}\label{HiLL}
Seien  $f_1, f_2  :\DR^m\supset  
D\ra \Bbb{R}$ Funktionen.
Gegeben $p \in D$ und Polynome $P_1,P_2$  mit $f_i \sim^d_p
 P_i$  folgt $$f_1+ f_2 \sim^d_p  P_1+P_2\;\;\text{
und }\;\; f_1 f_2 \sim^d_p  P_1P_2 $$
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Dies Lemma besteht in der Tat aus zwei Spezialf"allen des Satzes, man kann
  n"amlich die Addition $(+):\Bbb{R}^2\ra\Bbb{R}$ betrachten und rechnen $f_1+
  f_2 =(+)\circ (f_1, f_2 )\sim^d_p(+)\circ (P_1,P_2)=P_1+P_2$ und "ahnlich
  f"ur die Multiplikation.  Wir brauchen jedoch einen unabh"angigen Beweis,
  damit wir das Lemma beim Beweis des Satzes verwenden d"urfen.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis des Lemmas]
Dem Leser "uberlassen.
Statt $P_i$ polynomial reicht es auch,
$P_i$ stetig bei $p$ anzunehmen.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis des Satzes]
Wir zeigen nun zun"achst $g \circ f\sim^d_p Q\circ f$
und dann $Q \circ f\sim^d_p Q \circ P$.
F"ur die erste Ausage schreiben wir 
$g(y) = Q(y) + |y - f(p)|^{d}  \varepsilon (y- f(p))$
und erhalten durch Einsetzen von $y=f(x)$ und Erweitern des rechtesten Terms
$$(g \circ f) (x) = (Q \circ f)(x) + |x-p|^{d}
\left[ \left( \frac{|f(x) - f(p)|}{|x-p|} \right)^{d}
\varepsilon (f(x)- f(p))\right]$$ f"ur alle $x \neq p$.
Wir hatten uns ja bereits in \ref{dgeq1} auf den Fall  $d\geq 1$ 
zur"uckgezogen. In diesem Fall 
stimmt $f$ bei $p$ bis mindestens zur Ordnung $1$ "uberein
mit der polynomialen Abbildung
$P$, folglich ist $f$ differenzierbar bei $p$, die vordere Klammer in
den eckigen Klammern bleibt mithin beschr"ankt f"ur $x \ra p$
und der Ausdruck in eckigen Klammern
strebt
f"ur $x \ra p$ gegen Null. 
% Falls $d=0$ stimmt $f$ bei $p$ bis  zur Ordnung 0 "uberein
% mit dem Polynom $P$, also ist $f$ zumindest stetig bei $p$ und der
% Ausdruck in eckigen Klammern
% strebt f"ur $x \ra p$ wieder gegen Null.
Wir m"ussen also nur noch f"ur jede polynomiale Abbildung $Q$ zeigen
$$Q \circ f\sim^d_p Q \circ P$$
Es reicht sicher, das im Fall $l=1$ zu zeigen, also f"ur
$Q$ ein Polynom.
In diesem Fall folgt es aber sofort aus dem vorhergehenden 
Lemma \ref{HiLL}.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
Wollen wir f"ur die Funktion
$f(x,y)=\sin (x\op{e}^y)$ die partielle Ableitung
$\frac{\partial^3f}{\partial x (\partial y)^2}$ im Nullpunkt bestimmen,
so benutzen wir unseren Satz \ref{RApp} und rechnen
$$\begin{array}{rcl}
\sin t    &=& t- \frac{t^{3}}{3!} +  \ldots \\[2mm]
x\op{e}^{y}   &=& x +xy +  \frac{xy^2}{2} + \ldots\\[2mm]
\sin (x\op{e}^y)&=& x +xy +  \frac{xy^2}{2} - \frac{x^{3}}{3!} +  \ldots
\end{array}$$
und die gesuchte partielle Ableitung bei $x=y=0$ ergibt sich mit der
Taylorreihe zu $1$.
\end{Beispiel}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{glPR}
Eine Potenzreihe in mehreren Ver"anderlichen, die an allen
Stellen einer offenen Menge punktweise absolut konvergiert,
stellt auf dieser offenen Menge eine beliebig oft partiell differenzierbare
Funktion dar.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{LFP} 
  Man zeige die Identit"at $\log ((1 - u) (1-v)) = \log (1-u) + \log (1 - v)$
im Ring der formalen Potenzreihen in zwei kommutierenden
Variablen $u,v$ mit rationalen Koeffizienten.
\end{Ubung}





\subsection{Maxima und Minima in mehreren Ver"anderlichen}%\label{MMMV}
\begin{Definition}\index{Extrema!in mehreren Ver"anderlichen}
Seien $A$ ein topologischer Raum, $f: A \ra \Bbb{R}$ eine Funktion
und $p \in A$ ein Punkt.
\begin{enumerate}
\item
  Wir sagen, $f$ hat bei $p$ ein {\bf lokales Minimum},\index{Minimum!lokales}
 wenn es eine Umgebung $U$ von $p$ gibt mit 
$f(x) \geq f(p)\;\forall x\in U$;
\item
Wir sagen, $f$ hat bei $p$ ein {\bf isoliertes lokales Minimum},
\index{Minimum!isoliertes lokales}
 wenn es st"arker eine Umgebung $U$ von $p$ gibt mit 
$f(x) > f(p)\;\forall x\in U\backslash p$;
\end{enumerate} Analog erkl"aren wir {\bf lokale Maxima}\index{Maximum!lokales} und
{\bf isolierte lokale Maxima}.
\index{Maximum!isoliertes lokales}
\end{Definition}


\begin{Proposition}
Sei  $f:\Bbb{R}^n\lco A \ra \Bbb{R}$
differenzierbar und $p \in A$ ein Punkt.
Besitzt $f$ bei $p$ ein lokales Minimum oder 
Maximum, so gilt $\frac{\partial f}{\partial x_{i}}(p)=0$ f"ur alle $i$.
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
  Die Bedingung, $A$ sei offen, ist in diesem Zusammenhang wesentlich,
wie wir bereits im Fall einer Ver"anderlichen in 
\eref{OBWe}{AN1} diskutiert hatten.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur beliebiges $i$ und 
hinreichend kleines $\varepsilon>0$ betrachten wir
das parametrisierte Geradensegment $g : (-\varepsilon,\varepsilon) \ra A$,
$t \mapsto p+ t\op{e}_i$. Nat"urlich mu"s auch $f \circ g : (-\varepsilon,
\varepsilon)\ra \Bbb{R}$ ein lokales Minimum oder Maximum bei $t =0$ haben,
also gilt $(f\circ g)^{\prime} (0) = \frac{\partial f}{\partial x_{i}}(p)=0$.
\end{proof}

  \begin{Definition}
    Sei $f:\Bbb{R}^n\lco A \ra \Bbb{R}$ eine reellwertige
    Funktion.  Verschwinden alle ersten partiellen Ableitungen unserer
    Funktion an einer Stelle $p\in A$, so sagt man, die Funktion habe bei $p$
    eine {\bf kritische Stelle}\index{kritische Stelle}. 
  \end{Definition}

  \begin{Bemerkunge} Ist allgemeiner $A$
    eine halboffene Teilmenge eines normierten reellen Vektorraums und $f:A\ra
    \DR$ eine reellwertige Funktion und verschwindet ihr Differential an einem
    Punkt $p\in A$, in Formeln $\diff_pf=0$, so sagt man auch, die Funktion
    habe bei $p$ eine {\bf kritische Stelle}\index{kritische Stelle}.
  \end{Bemerkunge}


\begin{figure}[htbp]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildpqr}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die Summe der Abst"ande zu drei vorgegebenen Punkten,
die nicht auf einer Gerade liegen und ein Dreieck bilden,
in dem kein Winkel gr"osergleich $120^\circ$ ist,  
wird minimal an der Stelle, an der die Halbgeraden zu den Ecken 
jeweils den Winkel $120^\circ$ einschlie"sen.
Ist dahingegen ein Winkel gr"o"sergleich $120^\circ$, so liegt
das Minimum bei der fraglichen Ecke selbst.
\end{minipage}
\end{figure}


\begin{Beispiel}
Gegeben drei Punkte $p, q, r \in \mathbb R^2$ suchen wir die
Punkte $x \in \mathbb R^2$, f"ur die die Summe der Abst"ande
\begin{equation*}
S(x) = \| x - p \| + \| x - q\| + \| x-r\|
\end{equation*}
kleinstm"oglich wird. Sicher gilt $\lim_{\|x\| \rightarrow \infty} S(x) 
= \infty$, folglich
existiert ein Kompaktum $K \subset \mathbb R^2$ mit
\begin{equation*}
\inf_{x \in \mathbb R^2} S(x) = \inf_{x \in K} S(x)
\end{equation*}
und damit nimmt unsere Funktion nach \eref{Mm}{AN1} ihr Infimum auch wirklich 
als Funktionswert an.
Unsere Funktion ist auf $\mathbb R^2 \backslash
\{p,q,r\}$ stetig differenzierbar 
und ihr Gradient bei $x$ ergibt sich nach kurzer Rechnung zu
\begin{equation*}
(\op{grad} S)(x) = \frac{x-p}{\|x-p\|} 
+ \frac{x-q}{\| x-q\|} + \frac{x-r}{\|x-r\|}
\end{equation*}
F"ur das Minimum kommen nach unseren Erkenntnissen
nur unsere drei Punkte $p,q,r$ sowie die Nullstellen
des Gradienten in Frage. Die weiteren "Uberlegungen f"uhren
wir nicht mehr in formaler Strenge durch, da das von unseren
formalen Kenntnissen ausgehend 
einen unangemessenen Aufwand bedeuten w"urde. 
Anschaulich scheint es mir klar, da"s 
unser Gradient  nur dann verschwinden kann, 
wenn nicht alle drei Punkte $p,q,r$ auf einer
Geraden liegen und $x$ im Inneren der zugeh"origen Dreiecksfl"ache 
alias ihrer konvexen H"ulle liegt
und wenn die drei Vektoren $x-p$, $x-q$ und $x-r$ jeweils
einen Winkel von $120^\circ $ alias $2\pi/3$ einschlie"sen.
Das ist f"ur einen Punkt im Innern der Dreiecksfl"ache  jedoch 
 nur dann
m"oglich, wenn jeder der Winkel unseres Ausgangsdreiecks 
kleiner ist als $120^\circ $.
Nur unter den Voraussetzungen, da"s unsere drei Punkte $p,q,r$ nicht auf einer
Geraden liegen und jeder der Winkel des 
Dreiecks mit den Ecken $p,q,r$ kleiner ist als $120^\circ $, kann also
das Minimum au"serhalb der drei Punkte $\{p,q,r\}$ angenommen werden.
Sind sie erf"ullt, so kann das Minimum hinwiederum 
nicht an einem dieser Punkte
angenommen werden, da der Wert von $S(x)$ dann 
abnimmt, wenn wir auf einer Winkelhalbierenden ins Dreieck
hineinlaufen, wie man etwa an unserer Beschreibung 
des Gradienten sehen kann.
Folglich mu"s dann das Minimum bei der 
kritischen Stelle angenommen werden, die eben dadurch
charakterisiert ist, da"s die Vektoren 
$x-p$, $x-q$ und $x-r$ jeweils einen Winkel von
$120^\circ  = 2\pi/3$
einschlie"sen.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
Um eine hinreichende Bedingung f"ur ein lokales Minimum oder
Maximum zu erhalten,
m"ussen wir wie im Fall einer Ver"anderlichen die zweiten
Ableitungen
untersuchen. Am Beispiel der Funktionen
$(x,y)\mapsto x^{2} +y^{2}$ beziehungsweise $x^{2}$ beziehungsweise
$x^{2} - y^{2}$
kann man sehen, was lokal um $(0,0) \in \Bbb{R}^{2}$ so alles passieren kann.
Wir betrachten nun allgemeiner eine beliebige {\bf quadratische
Form}\index{quadratische Form!reelle}
$Q(x_{1},\ldots ,x_{n})= \sum a_{ij} x_{i}x_{j}$ mit
$a_{ij}\in \Bbb{R}$ wie in \eref{QuFo}{LA2}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{Defi}
Eine quadratische Form $Q : \Bbb{R}^{n} \ra \Bbb{R}$ hei"st
$$\begin{array}{lll}
\text{\bf positiv definit},\index{positiv definit}&\text{wenn gilt}& Q(x) >0 \quad \forall x \neq 0;\\
\text{\bf positiv semidefinit},\index{positiv semidefinit}&\text{wenn gilt}& Q(x) \geq 0 \quad \forall x;\\
\text{\bf negativ definit},\index{negativ definit}& \text{wenn gilt}& Q(x) < 0 \quad \forall x \neq 0;\\
\text{\bf negativ semidefinit},\index{negaiv semidefinit}&\text{wenn gilt}& Q(x) \leq 0 \quad \forall x ;\\
\text{\bf indefinit},\index{indefinit}&\text{wenn gilt}& \text{es gibt } x,y \in \Bbb{R}^{n}
\text{ mit } \\
 && Q(x) >0,\; Q(y) <0.
\end{array}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Wir werden nachher erkl"aren, wie man f"ur eine gegebene quadratische
Form entscheiden kann, welche Definitheitseigenschaften sie hat.
Zun"achst diskutieren wir jedoch, inwieweit diese 
Eigenschaften f"ur den quadratischen
Approximationsterm das lokale Verhalten einer Funktion an einer kritischen Stelle bestimmen.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Maxima und Minima in mehreren Ver"anderlichen}]
Sei $A \co \Bbb{R}^{n}$ offen, 
$f: A \ra \Bbb{R}$ zweimal stetig partiell differenzierbar\label{MMMV}
und $p \in A$ eine kritische Stelle.
Wir bilden zu unserer Funktion eine quadratische Form 
$\tiff^{(2)}_p\! f$   als 
das Doppelte der quadratischen Terme der Taylorreihe, in Formeln 
$$(\tiff^{(2)}_p \!f) (h) = \sum_{i,j}
\frac{\partial^{2}f}{\partial x_{i}\partial x_{j}}(p)\; h_{i}h_{j}$$
\begin{enumerate}
\item Ist unsere quadratische Form $\tiff^{(2)}_p\! f$ positiv definit, so hat $f$ bei $p$ ein
  isoliertes lokales Minimum; 
\item Ist unsere quadratische Form $\tiff^{(2)}_p\! f$  negativ definit, so hat $f$ bei $p$ 
ein isoliertes lokales
  Maximum;
\item Ist unsere quadratische Form $\tiff^{(2)}_p\! f$  
indefinit, so hat $f$ bei $p$ weder ein lokales Minimum
  noch ein lokales Maximum.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Die Notation $\tiff^{(2)}_p\! f$ wird in \ref{stdd} auf
Ableitungen beliebigen Grades verallgemeinert.
 Man beachte, da"s der Satz 
keine Aussage f"ur die semidefiniten F"alle macht, 
in Verallgemeinerung
der Tatsache, da"s man auch
f"ur Funktionen einer Ver"anderlichen 
bei Verschwinden der ersten und
zweiten Ableitung an einer vorgegebenen Stelle
ohne weitere Informationen noch nichts "uber Maxima oder Minima 
aussagen kann.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Wir verwenden f"ur das folgende die Abk"urzung 
$Q\pdef\frac{1}{2}(\tiff^{(2)}_p\! f)$.
Aus unseren Annahmen folgt mit der Taylor-Formel
$$f(p+h) = f(p) + Q(h) + \varepsilon (h) | h|^{2}$$ 
f"ur eine Funktion $\varepsilon$ mit $\varepsilon(0)=\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0$.
Wir behandeln nun als erstes den Fall $Q$ positiv definit.
Sei $a$ das Minimum nach \eref{Mm}{AN1} von $Q$ auf der
Oberfl"ache des Einheitsw"urfels, $a = \inf \{Q(h) \mid | h| =1\}$.
Aus unserer Annahme folgt $a>0$.
Offensichtlich gilt $Q (h) \geq a | h|^2$ f"ur alle
$h \in \Bbb{R}^{n}$.
Wegen $\varepsilon(0)=\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0$
finden wir $\delta >0$ derart, da"s
aus $|h| < \delta$ folgt $|\varepsilon (h)| \leq a/2$. Damit ergibt sich 
f"ur $|h| < \delta$ aber
$$f(p+h) \geq f(p) + (a/2) |h|^{2}$$ und $f$ hat in der Tat ein
isoliertes lokales Minimum.
Ist $Q$ negativ definit, so argumentieren wir entsprechend.
Ist $Q$ indefinit, so finden wir zwei Geraden durch Null derart, da"s die
Einschr"ankung von $Q$ auf diese Geraden 
au"serhalb des Nullpunkts positiv beziehungsweise negativ
ist. Dann mu"s aber die Restriktion von $f$ auf die erste Gerade
ein isoliertes lokales Minimum haben bei $p$, und auf der zweiten Geraden ein
isoliertes lokales Maximum.
Folglich hat $f$ bei $p$ weder ein lokales Maximum noch ein lokales
Minimum.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Jeder reellen quadratischen Form
$Q(x_{1},\ldots ,x_{n})= \sum^{n}_{i,j=1} a_{ij} x_{i}x_{j}$
ordnen wir die symmetrische Matrix $S$ mit Eintr"agen
$(a_{ij}+a_{ji})/2$ zu, so da"s gilt $Q(x)=x^\top S x$. Nach den Definitionen hat die quadratische
Form $Q$ eine gewisse Definitheit im Sinne von
\ref{Defi} genau dann, wenn ihre Matrix $S$ 
die entsprechende Definitheit hat im Sinne der linearen Algebra.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{HM}
Die Matrix der zweiten partiellen Ableitungen, 
die zur quadratischen
Form $\tiff^{(2)}_p\! f$ aus unserem Satz geh"ort, hei"st 
die {\bf Hesse-Matrix}\index{Hesse-Matrix}\index{H@${\op{Hess}}(f)$ Hesse-Matrix}
 von $f$ bei $p$, in Formeln
$${\op{Hesse}}(f)\pdef [\tiff^{(2)}_p\! f]\pdef
\left(\frac{\partial^{2}f}{\partial x_{i}\partial x_{j}}\right)_{1\leq
  i,j\leq n}$$
\end{Definition}
\begin{Korollar}[\textbf{Maxima, Minima und Hessematrix}]
Sei $f:\DR^n\lco A  \ra \Bbb{R}$ zweimal stetig 
partiell differenzierbar
und $p \in A$ ein kritischer Punkt.
\begin{enumerate}
\item Ist die Hessematrix von $f$ bei $p$ 
positiv definit, so hat $f$ bei $p$ ein
  isoliertes lokales Minimum; 
\item Ist die Hessematrix von $f$ bei $p$  
negativ definit, ein isoliertes lokales
  Maximum;   
\item Ist die Hessematrix von $f$ bei $p$ 
indefinit, so hat $f$ bei $p$ weder ein lokales Minimum
  noch ein lokales Maximum.
\end{enumerate}
\end{Korollar}
\begin{proof}
Das ist nur eine offensichtliche Umformulierung von Satz \ref{MMMV}.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Um die Definitheitseigenschaften einer symmetrischen quadratischen Matrix
zu bestimmen, bringt man sie am einfachsten durch Basiswechsel in 
Diagonalgestalt, wie im Beweis von \eref{ExO}{LA2} erkl"art.
Bei kleineren Matrizen kann auch das Hauptminoren-Kriterium \eref{HuKr}{LA2}
ein guter Trick sein: Danach
ist eine symmetrische $(n\times n)$-Matrix  positiv definit genau dann, 
wenn f"ur alle $k<n$ die
quadratische Untermatrix, die man erh"alt durch Wegstreichen
der letzten $k$ Spalten und der untersten $k$ Zeilen, eine positive
Determinante hat. 
\end{Bemerkungl}



\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{MIKR}
Sei $V$ ein normierter Raum,  $f:V\lco A \ra \Bbb{R}$
differenzierbar und $p \in A$ ein Punkt.
Besitzt $f$ bei $p$ ein lokales Minimum oder Maximum, so folgt $\tiff _pf=0$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige in der Situation von Satz \ref{MMMV}: Ist $\tiff^{(2)} _p\!f$ positiv semidefinit und
verschieden von Null, so kann $f$ bei $p$ kein lokales Maximum haben.
\end{Ubung}


%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAN2"
%%% End: 
















