\subsection{Rechnen mit Approximationen}
\begin{Definition}
Eine Abbildung $P:\Bbb{R}^n\ra\Bbb{R}^m$ hei"st {\bf
polynomial}\index{polynomial!Abbildung $\Bbb{R}^n\ra\Bbb{R}^m$}
oder auch {\bf regul"ar}\index{regul"ar!Abbildung $\Bbb{R}^n\ra\Bbb{R}^m$}
genau dann, wenn sie die Gestalt $P=(P_1,\ldots,P_m)$ hat,
f"ur geeignete Polynome $P_1,\ldots,P_m$ in $n$ Ver"anderlichen.
Haben alle unsere $P_j$ Grad $\leq d,$ so sagen wir auch, 
die polynomiale Abbildung $P$ habe
{\bf Grad}\index{Grad!einer polynomialen Abbildung} $\leq d.$
\end{Definition}



\begin{Definition}\label{ReAp}
Seien
$f,g : D\ra \Bbb{R}^m$ zwei auf einer Teilmenge 
$D\subset\Bbb{R}^n$ definierte Abbildungen.
Sei $p \in D$ ein Punkt und
$d \in\DN$ eine nat"urliche Zahl.
Wir sagen, $f$ und $g$ {\bf stimmen bei $p$ "uberein bis zur Ordnung $d$}
\index{stimmen ueberein bis zur Ordnung $d$}
und schreiben
$$f\sim^d_p\; g$$ genau dann, wenn gilt
$f(p+h)-g(p+h)=|h|^d\varepsilon(h)$
f"ur eine Funktion $\varepsilon,$ die stetig ist bei $h=0$ mit
Funktionswert $\varepsilon(0)=0.$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
% Nat"urlich k"onnen wir gleichbedeutend auch fordern,
% da"s gilt $f(x)=g(x)+|x-p|^d\varphi(x)$ f"ur
% eine eine Funktion $\varphi,$ die stetig ist bei $p$ mit
% Funktionswert $\varphi(p)=0.$ 
Ist
$p \in D$ ein H"aufungspunkt von $D,$ so k"onnen wir das  
umschreiben zur Forderung, da"s gilt
$f(p)=g(p)$ und
$$\lim_{x\ra p}\frac{f(x)-g(x)}{|x-p|^d}=0$$
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Nat"urlich stimmen zwei $\DR^m$-wertige Funktionen bis zu einer gewissen
Ordnung "uberein genau dann, wenn alle ihre Komponenten 
bis zu der entsprechenden Ordnung "ubereinstimmen.
Schreiben wir also $f=(f_1,\ldots,f_m)$ und $g=(g_1,\ldots,g_m),$ so gilt 
$$f\sim^d_p g\;\;\IFF\;\; \left( f_j\sim^d_p g_j \;\;\forall j\right)$$
Offensichtlich folgt auch aus $f\sim^d_p g$
und $g\sim^d_p h $ schon
$f\sim^d_p h .$
Sind weiter 
$P,Q:\Bbb{R}^n\ra\Bbb{R}^m$ polynomiale Abbildungen vom Grad $\leq d$
und ist $D\co \Bbb{R}^n$ offen, so folgt aus $P
\sim^d_p Q$ schon $P=Q.$
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Der Satz "uber die Taylorentwicklung \ref{TaEn} liefert uns f"ur
$d$-mal stetig partiell differenzierbares
$f$ die eindeutig bestimmte polynomiale Abbildung $P$ vom Grad $\leq d$ mit $P
\sim^d_p f.$ Genauer besagt unser Satz,
da"s diese polynomiale Abbildung $P=(P_1,\ldots,P_m)$ 
dadurch 
charakterisiert wird, da"s die 
partiellen Ableitungen der Polynome $P_j$ bis zur Ordnung $d$
bei $p$ denselben Wert annehmen wie die entsprechenden
partiellen Ableitungen der Funktionen $f_j.$
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Rechnen mit Approximationen}]\label{RApp}
Seien $D\subset\Bbb{R}^n,$ $E\subset\Bbb{R}^m$ Teilmengen
und $f: D\ra \Bbb{R}^m,$ $g: E\ra \Bbb{R}^l$
Abbildungen mit $f(D) \subset
E.$ Gegeben $p \in D$  und polynomiale Abbildungen
$P,Q$  mit $f \sim^d_p
 P$ und $g \sim^d_{f(p)} Q $
folgt $$g \circ f\;\sim^d_p \;Q\circ P$$
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Im Fall $d=1$ ist die Aussage 
des Satzes "aquivalent zur Kettenregel in mehreren Ver"anderlichen.  
Im Fall $d=0$ bedeutet sie schlicht die Stetigkeit der Verkn"upfung
bei $p$, es reicht also, den Satz f"ur $d\geq 1$ zu beweisen.
Dem eigentlichen Beweis  geht ein Lemma voraus.
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}\label{HiLL}
Seien $D\subset\Bbb{R}^n$ eine Teilmenge und $f_1, f_2  : 
D\ra \Bbb{R}$ Funktionen.
Gegeben $p \in D$ und Polynome $P_1,P_2$  mit $f_i \sim^d_p
 P_i$  folgt $$f_1+ f_2 \sim^d_p  P_1+P_2\;\;\text{
und }\;\; f_1 f_2 \sim^d_p  P_1P_2 $$
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Dies Lemma besteht in der Tat aus zwei Spezialf"allen des Satzes, man kann
  n"amlich die Addition $(+):\Bbb{R}^2\ra\Bbb{R}$ betrachten und rechnen $f_1+
  f_2 =(+)\circ (f_1, f_2 )\sim^d_p(+)\circ (P_1,P_2)=P_1+P_2$ und "ahnlich
  f"ur die Multiplikation.  Wir brauchen jedoch einen unabh"angigen Beweis,
  damit wir das Lemma beim Beweis des Satzes verwenden d"urfen.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis des Lemmas]
Dem Leser "uberlassen.
Statt $P_i$ polynomial reicht es auch,
$P_i$ stetig bei $p$ anzunehmen.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis des Satzes]
Wir zeigen nun zun"achst $g \circ f\sim^d_p Q\circ f$
und dann $Q \circ f\sim^d_p Q \circ P.$
F"ur die erste Ausage schreiben wir 
$g(y) = Q(y) + |y - f(p)|^{d}  \varepsilon (y- f(p))$
und erhalten durch Einsetzen von $y=f(x)$ und Erweitern des rechtesten Terms
$$(g \circ f) (x) = (Q \circ f)(x) + |x-p|^{d}
\left[ \left( \frac{|f(x) - f(p)|}{|x-p|} \right)^{d}
\varepsilon (f(x)- f(p))\right]$$ f"ur alle $x \neq p.$
Wir hatten uns ja bereits auf den Fall  $d\geq 1$ 
zur"uckgezogen. In diesem Fall 
stimmt $f$ bei $p$ bis mindestens zur Ordnung $1$ "uberein
mit der polynomialen Abbildung
$P,$ folglich ist $f$ differenzierbar bei $p,$ die vordere Klammer in
den eckigen Klammern bleibt beschr"ankt f"ur f"ur $x \ra p$
und der Ausdruck in eckigen Klammern
strebt
f"ur $x \ra p$ gegen Null. 
% Falls $d=0$ stimmt $f$ bei $p$ bis  zur Ordnung 0 "uberein
% mit dem Polynom $P,$ also ist $f$ zumindest stetig bei $p$ und der
% Ausdruck in eckigen Klammern
% strebt f"ur $x \ra p$ wieder gegen Null.
Wir m"ussen also nur noch f"ur jede polynomiale Abbildung $Q$ zeigen
$$Q \circ f\sim^d_p Q \circ P$$
Es reicht sicher, das im Fall $l=1$ zu zeigen, also f"ur
$Q$ ein Polynom.
In diesem Fall folgt sie aber sofort aus dem vorhergehenden 
Lemma \ref{HiLL}.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
Wollen wir f"ur die Funktion
$f(x,y)=\sin (x\op{e}^y)$ die partielle Ableitung
$\frac{\partial^3f}{\partial x (\partial y)^2}$ im Nullpunkt bestimmen,
so benutzen wir unseren Satz \ref{RApp} und rechnen
$$\begin{array}{rcl}
\sin t    &=& t- \frac{t^{3}}{3!} +  \ldots \\[2mm]
x\op{e}^{y}   &=& x +xy +  \frac{xy^2}{2} + \ldots\\[2mm]
\sin (x\op{e}^y)&=& x +xy +  \frac{xy^2}{2} - \frac{x^{3}}{3!} +  \ldots
\end{array}$$
und die gesuchte partielle Ableitung bei $x=y=0$ ergibt sich mit der
Taylorreihe zu $1.$
\end{Beispiel}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{glPR}
Eine Potenzreihe in mehreren Ver"anderlichen, die an allen
Stellen einer offenen Menge punktweise absolut konvergiert,
stellt auf dieser offenen Menge eine beliebig oft partiell differenzierbare
Funktion dar.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}\label{LFP} 
  Man zeige die Identit"at $\log ((1 + u) (1+v)) = \log (1+u) + \log (1 + v)$
im Ring der formalen Potenzreihen in zwei kommutierenden
Variablen $u,v$ mit rationalen Koeffizienten.
\end{Ubunge}







%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AAANA2"
%%% End: 
















