\subsection{Maxima und Minima in mehreren Ver"anderlichen}%\label{MMMV}
\begin{Definition}\index{Extrema!in mehreren Ver"anderlichen}
Sei $A$ ein metrischer Raum, $f: A \ra \Bbb{R}$ eine Funktion
und $p \in A$ ein Punkt.
Wir sagen, $f$ hat bei $p$ ein {\bf lokales Minimum}\index{Minimum!lokales}
(bzw.\ {\bf Maximum}\index{Maximum!lokales}) genau
dann, wenn gilt
$f(x) \geq f(p)$ (bzw.\  $f(x) \leq f(p)$)
f"ur alle $x$ in einer
hinreichend kleinen Umgebung von $p.$
Wir sagen, $f$ hat bei $p$ ein {\bf isoliertes lokales Minimum}
\index{Minimum!isoliertes lokales} (bzw.\ {\bf Maximum})
\index{Maximum!isoliertes lokales} genau
dann, wenn gilt
$f(x) > f(p)$ (bzw.\  $f(x) < f(p)$)
f"ur alle von $p$ verschiedenen $x$ in einer
hinreichend kleinen  Umgebung von $p.$
\end{Definition}

\begin{Proposition}
Sei $A \co \Bbb{R}^n$ offen, $f:A \ra \Bbb{R}$
differenzierbar und $p \in A$ ein Punkt.
Besitzt $f$ bei $p$ ein lokales Minimum oder 
Maximum, so gilt $\frac{\partial f}{\partial x_{i}}(p)=0$ f"ur alle $i.$
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
  Die Bedingung, $A$ sei offen, ist in diesem Zusammenhang wesentlich,
wie wir bereits im Fall einer Ver"anderlichen in 
\eref{OBWe}{AN1} diskutiert haben.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur beliebiges $i$ und 
hinreichend kleines $\varepsilon>0$ betrachten wir
das parametrisierte Geradensegment $g : (-\varepsilon,\varepsilon) \ra A,$
$t \mapsto p+ t\op{e}_i.$ Nat"urlich mu"s auch $f \circ g : (-\varepsilon,
\varepsilon)\ra \Bbb{R}$ ein lokales Minimum oder Maximum bei $t =0$ haben,
also gilt $(f\circ g)^{\prime} (0) = \frac{\partial f}{\partial x_{i}}(p)=0.$
\end{proof}

  \begin{Definition}
    Sei $A\co\DR^n$ eine offene Teilmenge und $f:A\ra \DR$ eine reellwertige
    Funktion.  Verschwinden alle ersten partiellen Ableitungen unserer
    Funktion an einer Stelle $p\in A,$ so sagt man, die Funktion habe bei $p$
    eine {\bf kritische Stelle}\index{kritische Stelle}.  Ist allgemeiner $A$
    eine halboffene Teilmenge eines normierten reellen Vektorraums und $f:A\ra
    \DR$ eine reellwertige Funktion und verschwindet ihr Differential an einem
    Punkt $p\in A,$ in Formeln $\diff_pf=0,$ so sagt man auch, die Funktion
    habe bei $p$ eine {\bf kritische Stelle}\index{kritische Stelle}.
\end{Definition}




\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildpqr}\\[4mm]
\noindent 
Die Summe der Abst"ande zu drei vorgegebenen Punkten,
die nicht auf einer Gerade liegen und ein Dreieck bilden,
in dem kein Winkel gr"osergleich $120^\circ$ ist,  
wird minimal an der Stelle, an der die Halbgeraden zu den Ecken 
jeweils den Winkel $120^\circ$ einschlie"sen.
Ist dahingegen ein Winkel gr"osergleich $120^\circ,$ so liegt
das Minimum bei der fraglichen Ecke selbst.
\end{Bild}
\begin{Beispiel}
Gegeben drei Punkte $p, q, r \in \mathbb R^2$ suchen wir die
Punkte $x \in \mathbb R^2$, f"ur die die Summe der Abst"ande
\begin{equation*}
S(x) = \| x - p \| + \| x - q\| + \| x-r\|
\end{equation*}
kleinstm"oglich wird. Sicher gilt $\lim_{\|x\| \rightarrow \infty} S(x) 
= \infty$, folglich
existiert ein Kompaktum $K \subset \mathbb R^2$ mit
\begin{equation*}
\inf_{x \in \mathbb R^2} S(x) = \inf_{x \in K} S(x)
\end{equation*}
und damit nimmt unsere Funktion nach \eref{FKM}{AN1} ihr Infimum auch wirklich 
als Funktionswert an.
Unsere Funktion ist auf $\mathbb R^2 \backslash
\{p,q,r\}$ stetig differenzierbar 
und ihr Gradient bei $x$ ergibt sich nach kurzer Rechnung zu
\begin{equation*}
(\op{grad} S)(x) = \frac{x-p}{\|x-p\|} 
+ \frac{x-q}{\| x-q\|} + \frac{x-r}{\|x-r\|}
\end{equation*}
F"ur das Minimum kommen nach unseren Erkenntnissen
nur unsere drei Punkte $p,q,r$ sowie die Nullstellen
des Gradienten in Frage. Die weiteren "Uberlegungen f"uhren
wir nicht mehr in formaler Strenge durch, da das von unseren
formalen Kenntnissen ausgehend 
einen unangemessenen Aufwand bedeuten w"urde. 
Anschaulich scheint es mir klar, da"s 
unser Gradient  nur dann verschwinden kann, 
wenn nicht alle drei Punkte $p,q,r$ auf einer
Geraden liegen und $x$ im Inneren der zugeh"origen Dreiecksfl"ache 
alias ihrer konvexen H"ulle liegt
und wenn die drei Vektoren $x-p$, $x-q$ und $x-r$ jeweils
einen Winkel von $120^\circ $ alias $2\pi/3$ einschlie"sen.
Das ist f"ur einen Punkt im Innern der Dreiecksfl"ache  jedoch 
 nur dann
m"oglich, wenn jeder der Winkel unseres Ausgangsdreiecks 
kleiner ist als $120^\circ $.
Nur unter den Voraussetzungen, da"s unsere drei Punkte $p,q,r$ nicht auf einer
Geraden liegen und jeder der Winkel des 
Dreiecks mit den Ecken $p,q,r$ kleiner ist als $120^\circ $, kann also
das Minimum au"serhalb der drei Punkte $\{p,q,r\}$ angenommen werden.
Sind sie erf"ullt, so kann das Minimum hinwiederum 
nicht an einem dieser Punkte
angenommen werden, da der Wert von $S(x)$ dann 
abnimmt, wenn wir auf einer Winkelhalbierenden ins Dreieck
hineinlaufen, wie man etwa an unserer Beschreibung 
des Gradienten sehen kann.
Folglich mu"s dann das Minimum bei der 
kritischen Stelle angenommen werden, die eben dadurch
charakterisiert ist, da"s die Vektoren 
$x-p$, $x-q$ und $x-r$ jeweils einen Winkel von
$120^\circ  = 2\pi/3$
einschlie"sen.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
Um eine hinreichende Bedingung f"ur ein lokales Minimum oder
Maximum zu erhalten,
m"ussen wir wie im Fall einer Ver"anderlichen die zweiten
Ableitungen
untersuchen. Am Beispiel der Funktionen
$(x,y)\mapsto x^{2} +y^{2}$ bzw.\ $x^{2}$ bzw.\ $x^{2} - y^{2}$
kann man sehen, was lokal um $(0,0) \in \Bbb{R}^{2}$ so alles passieren kann.
Wir betrachten nun allgemeiner eine beliebige {\bf quadratische
Form}\index{quadratisch!Form, reelle}
$q(x_{1},\ldots ,x_{n})= \sum a_{ij} x_{i}x_{j}$ mit
$a_{ij}\in \Bbb{R}$ wie in \eref{QuFo}{LA2}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{Defi}
Eine quadratische Form $q : \Bbb{R}^{n} \ra \Bbb{R}$ hei"st
$$\begin{array}{lll}
\text{\bf positiv definit}\index{positiv definit}&\text{genau dann, wenn gilt}& q(x) >0 \quad \forall x \neq 0;\\
\text{\bf positiv semidefinit}\index{positiv semidefinit}&\text{genau dann, wenn gilt}& q(x) \geq 0 \quad \forall x;\\
\text{\bf negativ definit}\index{negativ definit}& \text{genau dann, wenn gilt}& q(x) < 0 \quad \forall x \neq 0;\\
\text{\bf positiv semidefinit}\index{positiv semidefinit}&\text{genau dann, wenn gilt}& q(x) \leq 0 \quad \forall x ;\\
\text{\bf indefinit}\index{indefinit}&\text{genau dann, wenn gilt}& \text{es gibt } x,y \in \Bbb{R}^{n}
\text{ mit } \\
 && q(x) >0,\; q(y) <0.
\end{array}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Wir werden nachher erkl"aren, wie man f"ur eine gegebene quadratische
Form entscheiden kann, welche Definitheitseigenschaften sie hat.
Zun"achst diskutieren wir jedoch, inwieweit diese 
Eigenschaften f"ur den quadratischen
Approximationsterm das lokale Verhalten einer Funktion an einer kritischen Stelle bestimmen.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Maxima und Minima in mehreren Ver"anderlichen}]
Sei $A \co \Bbb{R}^{n}$ offen, 
$f: A \ra \Bbb{R}$ zweimal stetig partiell differenzierbar\label{MMMV}
und $p \in A$ eine kritische Stelle.
Wir bilden zu unserer Funktion die quadratische Form $$Q (h) =Q_p (h) =  \frac{1}{2} \sum
\frac{\partial^{2}f}{\partial x_{i}\partial x_{j}}(p)\; h_{i}h_{j}$$ die also 
gerade aus den quadratischen Termen der Taylorreihe besteht.
\begin{enumerate}
\item Ist unsere quadratische Form $Q$ positiv definit, so hat $f$ bei $p$ ein
  isoliertes lokales Minimum; 
\item Ist unsere quadratische Form $Q$  negativ definit, so hat $f$ bei $p$ 
ein isoliertes lokales
  Maximum;
\item Ist unsere quadratische Form $Q$  
indefinit, so hat $f$ bei $p$ weder ein lokales Minimum
  noch ein lokales Maximum.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Der Faktor $1/2$ stand  in der Taylorformel nur vor den reinen und
nicht vor den gemischten doppelten partiellen Ableitungen.
In der im Satz gegebenen Darstellung erstreckt sich die Summe daf"ur "uber
alle $i,j$ und nicht nur  "uber $i\leq j$. Man beachte, da"s der Satz 
keine Aussage f"ur die semidefiniten F"alle macht, in Verallgemeinerung
der Tatsache, da"s man auch
f"ur Funktionen einer Ver"anderlichen bei Verschwinden der ersten und
zweiten Ableitung an einer vorgegebenen Stelle
ohne weitere Informationen noch nichts "uber Maxima oder Minima 
aussagen kann.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Aus unseren Annahmen folgt mit der Taylor-Formel
$$f(p+h) = f(p) + Q(h) + \varepsilon (h) | h|^{2}$$ 
f"ur eine Funktion $\varepsilon$ mit $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0.$
Wir behandeln nun als erstes den Fall $Q$ positiv definit.
Sei $a$ das Minimum nach \eref{FKM}{AN1} von $Q$ auf der
Oberfl"ache des Einheitsw"urfels, $a = \inf \{Q(h) \mid | h| =1\}.$
Aus unserer Annahme folgt $a>0.$
Offensichtlich gilt $Q (h) \geq a | h|^2$ f"ur alle
$h \in \Bbb{R}^{n}.$
Wegen $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0$
finden wir $\delta >0$ derart, da"s
aus $|h| < \delta$ folgt $|\varepsilon (h)| \leq a/2.$ Damit ergibt sich 
f"ur $|h| < \delta$ aber
$$f(p+h) \geq f(p) + (a/2) |h|^{2}$$ und $f$ hat in der Tat ein
isoliertes lokales Minimum.
Ist $Q$ negativ definit, so argumentieren wir entsprechend.
Ist $Q$ indefinit, so finden wir zwei Geraden durch Null derart, da"s die
Einschr"ankung von $Q$ auf diese Geraden 
au"serhalb des Nullpunkts positiv bzw.\ negativ
ist. Dann mu"s aber die Restriktion von $f$ auf die erste Gerade
ein isoliertes lokales Minimum haben bei $p,$ und auf der zweiten Geraden ein
isoliertes lokales Maximum.
Folglich hat $f$ bei $p$ weder ein lokales Maximum noch ein lokales
Minimum.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Jeder reellen quadratischen Form
$Q(x_{1},\ldots ,x_{n})= \sum^{n}_{i,j=1} a_{ij} x_{i}x_{j}$
ordnen wir die symmetrische Matrix  zu mit Eintr"agen
$(a_{ij}+a_{ji})/2.$ Nach den Definitionen hat die quadratische
Form $Q$ eine gewisse Definitheit im Sinne unserer Definition
\ref{Defi} genau dann, wenn ihre Matrix
die entsprechende Definitheit hat im Sinne der linearen Algebra.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{HM}
Die Matrix der zweiten partiellen Ableitungen, 
die zum Doppelten der quadratischen
Form $Q$ aus unserem Satz geh"ort, hei"st 
die {\bf Hesse-Matrix}\index{Hesse-Matrix}\index{H@${\op{H}}(f)$ Hesse-Matrix}
 ${\op{H}}(f)$ von $f,$ in Formeln
$${\op{H}}(f)\pdef
\left(\frac{\partial^{2}f}{\partial x_{i}\partial x_{j}}\right)_{1\leq
  i,j\leq n}$$
\end{Definition}
\begin{Korollar}[\textbf{Maxima, Minima und Hesse-Matrix}]
Sei $A \co \Bbb{R}^{n}$ offen, $f: A \ra \Bbb{R}$ zweimal stetig 
partiell differenzierbar
und $p \in A$ ein kritischer Punkt.
\begin{enumerate}
\item Ist die Hesse-Matrix von $f$ bei $p$ 
positiv definit, so hat $f$ bei $p$ ein
  isoliertes lokales Minimum; 
\item Ist die Hesse-Matrix von $f$ bei $p$  
negativ definit, ein isoliertes lokales
  Maximum;   
\item Ist die Hesse-Matrix von $f$ bei $p$ 
indefinit, so hat $f$ bei $p$ weder ein lokales Minimum
  noch ein lokales Maximum.
\end{enumerate}
\end{Korollar}
\begin{proof}
Das ist nur eine Umformulierung von Satz \ref{MMMV}.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Um die Definitheitseigenschaften einer symmetrischen quadratischen Matrix
zu bestimmen, bringt man sie am einfachsten durch Basiswechsel in 
Diagonalgestalt, wie im Beweis von \eref{ExO}{LA2} erkl"art.
Bei kleineren Matrizen kann auch das Hurwitz-Kriterium \eref{HuKr}{LA2}
ein guter Trick sein: Danach
ist eine symmetrische $(n\times n)$-Matrix  positiv definit genau dann, 
wenn f"ur alle $k<n$ die
quadratische Untermatrix, die man erh"alt durch Wegstreichen
der letzten $k$ Spalten und der untersten $k$ Zeilen, eine positive
Determinante hat. 
\end{Bemerkungl}



\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{MIKR}
Sei $V$ ein normierter Raum, $A \co V$ offen, $f:A \ra \Bbb{R}$
differenzierbar und $p \in A$ ein Punkt.
Besitzt $f$ bei $p$ ein lokales Minimum oder Maximum, so folgt $\diff _pf=0.$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige in der Situation von Satz \ref{MMMV}: Ist $Q$ positiv semidefinit und
verschieden von Null, so kann $f$ bei $p$ kein lokales Maximum haben.
\end{Ubung}


%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AAANA2"
%%% End: 
















