\section{Gew"ohnliche Differentialgleichungen}

\subsection{Grundlegende Definitionen und Eigenschaften}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Unterscheidung in gew"ohnliche und partielle Differentialgleichungen}]
  Ganz allgemein versteht man unter einer {\bf gew"ohnlichen
    Differentialgleichung}\index{Differentialgleichung!gew"ohnliche} eine
  Gleichung,\label{DGLg} in der die Ableitungen einer zu bestimmenden Funktion
  \emph{einer} Ver"anderlichen zueinander und mit der Ver"anderlichen selbst
  in Beziehung gesetzt werden. Ein Beispiel ist die Gleichung
$$(f'' (t))^2f'(t) + tf(t)=t^2$$
  f"ur eine zu bestimmende zweimal differenzierbare Funktion $f:\DR\ra\DR$.
  Im
Gegensatz dazu steht terminologisch der allgemeinere Fall der  {\bf partiellen
  Differentialgleichungen},\index{Differentialgleichung!partielle} bei denen
die partiellen Ableitungen einer Funktion \emph{mehrerer} Ver"anderlichen
auftreten. Ein  Beispiel ist die Gleichung
$$\frac{\partial^2 f}{\partial x^2}+\frac{\partial^2 f}{\partial y^2}=0$$
f"ur eine zweimal partiell differenzierbare Funktion $f:\DR^2\ra\DR.$ Auf Englisch benutzt man die Abk"urzungen
{\bf ODE}\index{ODE ordinary differential equation} f"ur {\bf ordinary
  differential equation}\index{differential equation!ordinary} und {\bf
  PDE}\index{PDE partial differential equation} f"ur {\bf partial differential
  equation}.\index{differential equation!partial}
Wir besprechen  in diesem Abschnitt nur 
gew"ohnliche 
Differentialgleichungen. Rein formal ist dieser Abschnitt 
unabh"angig
von der
Behandlung linearer gew"ohlicher Differentialgleichungen mit
konstanten Koeffizienten in \eref{EKD}{AN1} 
folgende. Ich  
denke jedoch, da"s eine gewisse Vertrautheit mit diesen einfachsten
und wichtigsten Spezialf"allen es sehr erleichtern kann, 
 die im folgenden zu entwickelnde allgemeine Theorie 
zu verstehen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Unterscheidung in explizite und implizite Differentialgleichungen}] 
  Die Ordnung der h"ochsten in einer gew"ohnlichen 
Differentialgleichung
 auftretenden Ableitung\label{KJH} hei"st die {\bf
    Ordnung}\index{Ordnung!einer gew"ohnlichen Differentialgleichung} unserer
  Differentialgleichung.  Von einer {\bf
    expliziten}\index{explizit!gew"ohnliche Differentialgleichung} Gleichung
  spricht man, wenn in unserer Gleichung die Ableitung h"ochster Ordnung
  \glqq explizit durch die tieferen Ableitungen ausgedr"uckt wird\grqq.  Andernfalls
  spricht man von einer {\bf impliziten}\index{implizit!gew"ohnliche
    Differentialgleichung} Gleichung. Bei unserem obigen Beispiel handelt es
  sich also  um eine implizite Gleichung.  
Wir werden uns im folgenden jedoch nur mit 
expliziten gew"ohnlichen Differentialgleichungen besch"aftigen.
Eine derartige explizite Gleichung der
  Ordnung $n$ hat, wenn wir von der Spezifikation
  allgemeinstm"oglicher Definitionsbereiche einmal absehen, die Gestalt
  \begin{equation*}
    f^{(n)} (t) = C (t, f(t), f^\prime (t), \ldots, f^{(n-1)} (t))
  \end{equation*}
  mit einer Abbildung $ C : \mathbb R^{n+1} \rightarrow \mathbb R $.  Gesucht
  sind  alle Funktionen $f : \mathbb R\supset I \rightarrow \mathbb R$ auf mehrpunktigen reellen Intervallen $I$, die
  $n$-mal differenzierbar sind und eben  diese Gleichung
  erf"ullen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Reduktion auf Systeme erster Ordnung}] Etwas allgemeiner betrachten wir zugleich auch
{\bf Systeme von gew"ohnlichen Differentialgleichungen},
bei denen vektorwertige 
Funktionen $f=(f_1,\ldots, f_k):\DR\supset I\ra \DR^k$ gesucht werden derart, da"s
eine Gleichung der obigen Gestalt gilt, die nun aber eine
vektorwertige Gleichung   meint
 mit einer fest vorgegebenen vektorwertigen  Abbildung
$C: \mathbb R^{kn+1} \rightarrow \mathbb R^k $,
die auf  $(n+1)$-Tupeln bestehend aus einer reellen Zahl
und $n$ Vektoren  definiert ist.
Die Betrachtung von \emph{Systemen} gew"ohnlicher Differentialgleichungen
erlaubt  uns zumindest f"ur Fragen des allgemeinen L"osungsverhaltens
die Beschr"ankung auf den Fall erster Ordnung.\label{REO} 
Um  zu zeigen, wie diese Reduktion funktioniert, 
betrachten wir beispielhaft den Fall einer Gleichung dritter
  Ordnung
  \begin{equation*}
    f^{\prime\prime\prime} (t) = C (t, f(t), f^\prime (t), f^{\prime\prime} (t))
  \end{equation*}
 mit $C:\DR^4\ra \DR$. Jede  L"osung $f:\DR\supset I\ra\DR $  liefert sicher eine Abbildung $\phi : \mathbb R
  \rightarrow \mathbb R^{3}$ vermittels der Vorschrift 
 $\phi (t) = ( f(t), f^\prime (t),
  f^{\prime\prime}(t))$  und nat"urlich gilt dann
  \begin{eqnarray*}
    \phi_1^\prime (t) &=& \phi_2(t)\\
    \phi_2^\prime (t) &=& \phi_3 (t)\\
    \phi_3^\prime (t) &=& 
     C (t, \phi_1 (t) , \phi_2 (t), \phi_3 (t))
  \end{eqnarray*}
  Erkl"aren wir nun 
also  eine neue Abbildung $B : \mathbb R^4 \rightarrow \mathbb R^3$
  durch die Vorschrift $B(t, x,y,z) = (y,z,C(t,x,y,z)),$ so ist unser
  $\phi$ eine L"osung des Systems von  Differentialgleichungen 
  \begin{equation*}
    \phi' (t) = B (t, \phi (t))
  \end{equation*}
  Umgekehrt zeigt man leicht,
  da"s  f"ur jede L"osung $\phi:\DR\ra\DR^3$ 
dieses Systems von  Differentialgleichungen erster Ordnung 
 die erste Komponente $\phi_1 (t) = f(t)$ eine L"osung
  unserer urspr"unglichen Gleichung dritter Ordnung liefert.  
In derselben Weise  kann auch im Allgemeinen 
die Frage nach der
  Existenz und Eindeutigkeit der L"osungen von Systemen gew"ohnlicher
  Differentialgleichungen h"oherer Ordnung  auf den 
Fall von Systemen erster Ordnung zur"uckgef"uhrt werden.
Anschaulich mag man sich dann $B$ als ein
zeitabh"angiges Vektorfeld auf dem $\DR^n$ denken, 
das jedem Ort $x\in \DR^n$ zu jedem Zeitpunkt $t\in\DR$ einen
Vektor $B(t,x)\in\DR^n$ zuordnet. In dieser Anschauung beschreibt  eine 
L"osung $\phi:\DR\ra\DR^n$ die Bewegung eines Teilchens, das 
zu jedem Zeitpunkt $t$ die f"ur seinen Ort $\phi(t)$ zu diesem Zeitpunkt
durch unser zeitabh"angiges Vektorfeld $B$ vorgegebene Geschwindigkeit   $\phi'(t)=B(t,\phi(t))$ hat.
\end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Reduktion auf den zeitunabh"angigen Fall}]
Gegeben $B: \DR^{n+1}\ra \DR^n$ l"ost eine differenzierbare 
Abbildung $ \phi:\DR\ra\DR^n$ unsere Differentialgleichung 
\begin{equation*}
    \phi' (t) = B (t, \phi (t))
  \end{equation*}
genau dann, wenn die Abbildung $ \gamma:\DR\ra\DR^{n+1},$ 
$t\mapsto (t,\phi(t))$ die Differen\-tialgleichung
\begin{equation*}
    \gamma' (t) = A ( \gamma (t))
  \end{equation*}
l"ost f"ur $A:\DR^{n+1}\ra \DR^{n+1}$ gegeben durch
$A(t,x)\pdef(1,B(t,x)).$ In diesem Sinne k"onnen wir uns also stets auf 
den Fall zeitunabh"angiger Felder 
zur"uckziehen. Eine graphische Darstellung dieser Erkenntnis geben wir in \ref{DGSF}. Allerdings erh"alt man f"ur zeitabh"angige
Felder bei einer eigenst"andigen Betrachtung etwas sch"arfere 
Existenz- und Eindeutigkeitsaussagen,
weshalb  dieser Fall insbesondere in 
einigen Erg"anzungen weiter betrachtet werden wird.
Zun"achst konzentrieren wir uns nun jedoch auf den
zeitunabh"angigen Fall und besprechen seine geometrische Bedeutung in
einer koordinatenfreien Sprache.
\end{Bemerkungl}





  \begin{Bemerkungl}\label{VFKFn}
 Unter einem {\bf Vektorfeld}\index{Vektorfeld!auf affinem Raum}  auf
  einer Teilmenge  $U\subset X$  eines
  affinen Raums $ X$ verstehen wir  eine Abbildung
  $A:U\ra\vec X$ 
  von $U$ in den Richtungsraum  von $X$. Statt $A(p)$ schreiben wir in diesem
  Kontext auch oft $A_p$. 
\end{Bemerkungl}




\begin{Definition}\label{InKk}
Seien $X$ ein normierter reeller Raum und $A:X\supset U \rightarrow \vec{X}$ ein Vektorfeld.
Ein \defind{Flu"sweg} unseres Vektorfelds ist eine
differenzierbare Abbildung $\gamma:\Bbb{R}\supset I \rightarrow U$ von einem 
mehrpunktigen reellen
Intervall $I$ nach $U$ mit der Eigenschaft,
da"s physikalisch gesprochen
zu jedem Zeitpunkt $t\in I$ die Geschwindigkeit unseres Flu"swegs
zum Zeitpunkt $t$ 
der durch das Vektorfeld  vorgegebene Richtungsvektor an der Stelle
$\gamma(t)$ ist, in Formeln
\begin{equation*}
\gamma' (t) = A (\gamma (t)) \quad \forall t \in I
\end{equation*}
Ist $p \in U$ gegeben, so verstehen wir unter einem 
\defnoind{Flu"sweg mit 
Anfangswert $p$}\index{Anfangswert!von Flu"sweg} oder kurz einem
\defnoind{Flu"sweg zu $p$} einen
Flu"sweg $(\gamma, I)$ mit
$0\in I$  und  $\gamma (0) =p$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Auf der Menge aller Flu"swege eines Vektorfelds
erkl"aren wir eine Teilordnung durch die Vorschrift,
da"s ein Flu"sweg kleinergleich einem anderen ist, wenn er aus ihm durch
Einschr"ankung des Definitionsbereichs hervorgeht.
Die  maximalen Elemente dieser Menge nennen wir
{\bf maximale 
Flu"swege}.\index{maximal!Flu"sweg}\index{Flu"sweg!maximaler} 
Ein maximaler 
Flu"sweg 
ist also ein Flu"sweg, 
der nicht zu einem auf einem
echt gr"o"seren reellen  Intervall definierten 
Flu"sweg
erweitert werden kann. Mit dem Zorn'schen Lemma sieht man unmittelbar,
da"s jeder Flu"sweg zu einem maximalen Flu"sweg erweitert werden kann.
Das gr"o"ste Element in der Menge aller Flu"swege zu  einem vorgegebenem Anfangswert nennen wir dahingegen, wenn es denn existiert, den 
{\bf gr"o"sten Flu"sweg}\index{Flu"sweg!gr"o"ster} zu dem vorgegebenen Anfangswert. Das ist dann nat"urlich auch ein 
maximaler Flu"sweg unseres  Vektorfelds und sogar der einzige
maximale Flu"sweg zum vorgegebenen
Anfangswert. Es kann aber durchaus vorkommen, da"s es
zu einem vorgegebenen Anfangswert zwar Flu"swege gibt, aber keinen gr"o"sten
Flu"sweg,  sondern stattdessen mehrere
maximale Flu"swege. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
  In der Literatur hei"sen unsere Flu"swege meist {\bf Integralkurven}.\index{Integralkurve} 
   Das pa"st aber schlecht
   zu unserer Terminologie, nach der  Kurven gewisse Teilmengen endlichdimensionaler reeller R"aume und allgemeiner eindimensionale
   Mannigfaltigkeiten bezeichnen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
Ist unser Vektorfeld konstant, so laufen seine Flu"swege 
auf den Geraden mit diesem konstanten Vektor als Richtungsvektor und
mit der durch diesen Vektor vorgegebenen konstanten
Geschwindigkeit. Ist unser Vektorfeld auf einem endlichdimensionalen
reellen Vektorraum $X=V$ gegeben  durch eine lineare Abbildung $A\in\op{End}V$
oder genauer durch $\op{trans}\circ A$, 
so haben wir bereits in \eref{dg}{AN1}
 gezeigt, da"s seine maximalen Flu"swege
genau die Abbildungen $\DR\ra V, t\mapsto \op{exp}(tA)c$ sind mit  $c\in V$.
\end{Beispiel}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Geometrische Interpretation im zeitabh"angigen Fall}]
Gegeben ein normierter reeller Raum $X$ fassen wir
eine Abbildung $A:(\DR\times X)\supset W\ra \vec{X}$\label{DGSF}
gerne als ein {\bf zeitabh"angiges Vektorfeld} auf
und  veranschaulichen uns die L"osungen der Differentialgleichung 
$$\gamma'(t)=A(t,\gamma(t))$$
in dieser Weise. Unter einem {\bf Flu"sweg} verstehen wir in diesem Fall eine
differenzierbare Abbildung $\gamma:\DR\supset I\ra X$ von einem
mehrpunktigen reellen Intervall $I$ nach $X$ mit $(t,\gamma(t))\in W\;\forall t\in I$ derart, da"s obige Gleichung erf"ullt ist f"ur alle $t\in I$.
Gegeben $(s,p)\in W$  verstehen wir unter einem 
\defnoind{Flu"sweg mit 
Anfangswert $p$ zum Startzeitpunkt $s$}\index{Anfangswert!von Flu"sweg} einen
Flu"sweg $(\gamma, I)$ mit
$s\in I$  und  $\gamma (s) =p$. Dieselbe Terminologie verwenden wir auch
f"ur zeitunabh"angige Vektorfelder $A:X\supset U\ra\vec X$,
die wir  als
Spezialfall mit $W=\DR\times U$ auffassen und bei denen wir a priori 
den Startzeitpunkt $s=0$ w"ahlen.
\end{Bemerkungl}
%\begin{Bemerkungl} \nichtfinal{Wohin? Wie?} 
%Der Fall eines zeitabh"angigen Vektorfelds $A$ kann  leicht 
%auf den Fall des zeitunabh"angigen Vektorfelds
%$(1,A):W\ra \DR\times \vec{X}$ zur"uckgef"uhrt werden:
%In der Tat ist $\gamma$ ein Flu"sweg unseres zeitabh"angigen 
%Vektorfelds genau dann, wenn $(\op{id},\gamma)$ 
%ein Flu"sweg des zeitunabh"angigen Vektorfelds
%$(1,A)$  ist, und jede Flu"sweg von $(1,A)$ 
%ist etwa nach \ref{VhD} bis auf eine Zeitverschiebung von dieser  Gestalt.
%Allerdings gelingt es im Fall zeitabh"angiger Felder, 
% die
%Existenz und Eindeutigkeit der L"osung bei einer direkten Betrachtung
%unter schw"acheren Annahmen
%zu zeigen, und das f"uhrt insbesondere bei der Behandlung linearer 
%Differentialgleichungen zu einfacheren Aussagen.  
%\end{Bemerkungl}











\begin{Bemerkungl}[\textbf{Zeitverschiebung}]
Gegeben ein Vektorfeld auf einer halboffenen Teilmenge
eines normierten reellen 
Raums und ein Flu"sweg $(\gamma, I)$ ist 
f"ur alle $c\in\DR$ 
auch die Abbildung $t\mapsto \gamma(t+c)$ ein Flu"sweg,
der nun eben definiert ist auf dem verschobenen Intervall
$I-c.$ Das gilt im Fall zeitabh"angiger Vektorfelder
allerdings nicht mehr.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verwandtschaft von Vektorfeldern}]
  Gegeben halboffene Teilmengen normierter affiner R"aume
  $U\subset X$ und $ V\subset Y$ sowie Vektorfelder $A:U\ra\vec X$ und $ B:V\ra \vec Y$ sowie eine differenzierbare Abbildung
  $\phi:U\ra V$ schreiben wir
  $$\phi:A\leadsto B$$
  und sagen, unsere Vektorfelder seien {\bf verwandt unter $\phi$}, wenn
  f"ur alle $p\in U$ gilt $\tiff_p\phi:A(p)\mapsto B(\phi(p))$.
  Ist $\phi$ ein Diffeomorphismus, so hat jedes Vektorfeld $A$ auf $U$
  genau einen
  Vorw"artsverwandten $B$  auf $V$ und  jedes Vektorfeld $B$ auf $V$ genau einen
  R"uckw"artsverwandten $A$ auf $U$. Im allgemeinen m"ussen weder Vorw"artsverwandte noch 
  R"uckw"artsverwandte existieren und wenn sie existieren, m"ussen sie im allgemeinen nicht
  eindeutig bestimmt sein.\label{VhD}  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verwandtschaftsvertr"aglichkeit von Flu"swegen}]
Offensichtlich haben 
verwandte Vektorfelder 
verwandte Flu"swege. 
Ist genauer unter einer differenzierbaren Abbildung $\phi$
ein Vektorfeld  $A$ verwandt zu einem Vektorfeld
$B$, so ist f"ur jeden Flu"sweg $\gamma$ von
$A$ auch $\phi\circ\gamma$ ein Flu"sweg von $B$.
Ist insbesondere 
ein Vektorfeld $A$ unter einer stetig differenzierbaren Abbildung
$\phi $ verwandt zum Nullfeld, in Formeln $\phi :A\leadsto 0$, 
und ist $\gamma$ ein Flu"sweg von $A$,
so ist 
$\phi \circ \gamma$ ein Flu"sweg des Nullfelds und
mithin konstant. In anderen Worten ist dann
die Funktion $\phi $ konstant auf jedem
Flu"sweg von $A$. Eine reellwertige derartige Funktion $\phi $ hei"st  ein 
{\bf erstes Integral}\index{Integral!erstes, einer Differentialgleichung} 
unserer 
Differentialgleichung. In physikalischen Modellen liefern oft
Energie,  Impuls und 
Drehimpuls solche ersten Integrale. 
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung} Man gebe ein glattes Vektorfeld auf $\DR$ an, das keine auf ganz $\DR$ definierten Flu"swege besitzt.
\end{Ubung}
\begin{Ubung} Man zeige f"ur jedes Vektorfeld $A:\DR^n\ra \DR^n$ mit
 der Eigenschaft $A(p)\perp p\;\forall p\in\DR^n$, da"s seine Flu"swege $\gamma$ auf Sph"aren mit Zentrum im
  Ursprung verlaufen m"ussen, in Formeln $\|\gamma(t)\|$ konstant.
\end{Ubung}
\begin{Ubung} Seien $A:X\lco U\ra\vec X$ ein Vektorfeld auf einer
  offenen Teilmenge eines affinen Raums und $f:U\ra\DR$ differenzierbar.
  Man zeige: Gilt f"ur die Richtungsableitungen
  $({\op{D}}_{A(p)}f)(p)\geq 0\;\forall p\in U$,
  so ist $f(\gamma(t))$ monoton wachsend f"ur alle Flu"swege $\gamma$ unseres
  Vektorfelds.  Gilt
  $({\op{D}}_{A(p)}f)(p)> 0\;\forall p\in U$,
  so ist $f(\gamma(t))$ analog streng
  monoton wachsend.
\end{Ubung}
\begin{Ubung} Seien $A:X\lco U\ra\vec X$ ein Vektorfeld auf einer
  offenen Teilmenge eines affinen Raums und $f:U\ra\DR$ differenzierbar
  und sei die Null ein regul"arer Wert von $f$, so da"s $M\pdef f^{-1}(0)$ eine
  Hyperfl"ache ist. Gilt $(\tiff_pf)(A(p))<0\;\forall p\in M$ und ist
  $\gamma:\DR\supset I\ra U$
  ein Flu"sweg von $A$, so folgt aus $f(\gamma(t))\leq 0$ f"ur ein $t\in I$ bereits
  $f(\gamma(s))<0$ f"ur alle $s\in I$ mit $s\geq t$. Anschaulich gesprochen kann
  also ein Flu"sweg die Hyperfl"ache $M$ nur h"ochstens einmal kreuzen und
  mu"s dabei von der Seite $f>0$ auf die Seite $f<0$ wechseln. Hinweis: \eref{NSTa}{AN1}. 
\end{Ubung}
\subsection{Beispiele und Gegenbeispiele}
\begin{Satz}[\textbf{Picard-Lindel"of}]
  \begin{enumerate}\item 
    Gegeben ein stetig differenzierbares Vektorfeld auf einer offenen
    Teilmenge eines  reellen Raums endlicher Dimension gibt es zu
    jedem Anfangswert einen gr"o"sten Flu"sweg;
\item Dieser gr"o"ste Flu"sweg hat als
    Defini\-tions\-bereich ein offenes Intervall, und ist dieses Intervall
    nach oben beschr"ankt, so verl"a"st der fragliche Flu"sweg f"ur
    positive Zeiten jedes Kompaktum aus unserer offenen Teilmenge irgendwann
    einmal endg"ultig.
  \end{enumerate}
\label{PiLi}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Wir zeigen diesen Satz als \ref{PiLin} sogar unter noch etwas schw"acheren
  Voraussetzungen.
Der letzte Teil der zweiten Aussage besagt salopp formuliert, da"s 
der Grund daf"ur, da"s  sich ein 
Flu"sweg nicht beliebig weit in Richtung positiver Zeiten fortsetzen 
l"a"st, 
nur darin liegen kann, 
da"s er bereits in endlicher Zeit 
\glqq aus dem Definitionsbereich des Vektorfeldes 
hinausl"auft\grqq. Entsprechendes gilt 
in Richtung negativer Zeiten,
was man
durch Betrachtung des mit $(-1)$ multiplizierten Vektorfelds 
 auch  formal leicht folgern kann.
\end{Bemerkungl} 



\begin{figure}[bth]
  \begin{center}
    \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildIKL}
    \\
    \noindent Das ebene stetige aber 
nicht stetig differenzierbare Vektorfeld aus Beispiel 
\ref{NEIK} mit einem seiner Flu"swege
\end{center}
\end{figure}

\begin{Beispiel}[\textbf{Ein Fall mit nicht eindeutigen 
Flu"swegen}]
Bei Vektorfeldern,\label{NEIK} die nicht stetig differenzierbar sind,
kann es durchaus  vorkommen, da"s  zu einem vorgegebenen
Anfangswert kein gr"o"ster Flu"sweg existiert,
weil etwa mehrere maximale
Flu"swege mit ein und demselben Anfangswert existieren,
die  auf dem Schnitt ihrer 
Definitionsbereiche nicht "ubereinstimmen.
Betrachten wir zum Beispiel auf $\Bbb{R}^2$ das Vektorfeld $A$, f"ur 
das s"amtliche  verschobenen
Kubiken $\gamma_c (t) = (t +c, t^3)$  Flu"swege sind.
Wir haben $\gamma'_c(t) = (1,3t^2)$ und damit
$A(x,y) = (1,3|y|^{2/3})$.
Maximale Flu"swege sind in diesem Fall nicht nur die verschobenen 
Kubiken $\gamma_c$, sondern
auch alle Wege, die l"angs einer verschobenen Kubik auf die 
$x$-Achse hochsteigen und dann
eine Weile auf der $x$-Achse entlanglaufen bevor sie auf einer
anderen verschobenen Kubik weitersteigen. In diesem Fall existieren zwar
maximale Flu"swege zu jedem Punkt, von Eindeutigkeit kann aber keine
Rede sein.
\end{Beispiel}


\begin{Beispiel}[\textbf{Der Fall eindimensionaler 
Felder ohne Nullstellen}]
Gegeben ein stetiges Vektorfeld\label{EXPp} ohne Nullstellen auf einer offenen
Teilmenge eines eindimensionalen Raums gibt es zu jedem Anfangswert
genau einen maximalen Flu"sweg. 
In diesem Fall brauchen wir also von unserem Vektorfeld nicht einmal 
stetige Differenzierbarkeit zu fordern.
In der Tat sei
ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $U \co \Bbb{R}$ ein Intervall
und unser stetiges Vektorfeld ohne Nullstellen
zeige in Richtung der positiven $x$-Achse, 
als da hei"st, es werde gegeben durch $a: U \rightarrow \Bbb{R}_{>0} .$
Flu"swege sind auf mehrpunktigen Intervallen $I \subset \Bbb{R}$ definierte
differenzierbare Funktionen $\gamma : \Bbb{R}\supset I \rightarrow U$ mit
\begin{equation*}
\gamma' (t) = a (\gamma (t)) \quad \forall t \in I
\end{equation*}
Aus dieser Gleichung folgt f"ur alle $s,t \in I$ sofort
\begin{equation*}
t - s = \int^t_s \frac{\gamma' (\tau)\diff \tau}{a (\gamma (\tau))}  =
\int^{\gamma (t)}_{\gamma(s)} \frac{ \diff x}{a(x)} 
= G(\gamma (t)) - G(\gamma (s))
\end{equation*}
f"ur $G: U \rightarrow \Bbb{R}$ eine Stammfunktion von $1/a$.
Nun w"achst $G$  sicher streng monoton und hat folglich als Bild
ein offenes  Intervall $J \co \Bbb{R}$ und f"ur unsere Flu"swege folgt
$
\gamma (t) = G^{-1} (t+c)
$
mit der Konstanten $c = G (\gamma (s)) -s$.
In anderen Worten ist $$G^{-1} : J \sira U$$
bis auf  Zeitverschiebung  der einzige maximale Flu"sweg.
So ist etwa $a(x) =x$ ein stetiges Vektorfeld ohne Nullstellen auf 
$U\pdef \Bbb{R}_{>0}$ und $G(x) = \log x$ ist eine Stammfunktion von $1/x$ und
jeder maximale Flu"sweg ist von der Gestalt $\gamma : \Bbb{R} \rightarrow
\Bbb{R}_{>0}$, $\gamma (t) = \exp (t+c)$ mit einer Konstanten $c \in \Bbb{R}$.
\end{Beispiel}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildStF}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Im Fall eindimensionaler Felder mag man sich die L"osung der
entsprechenden Differentialgleichung durch ihren 
im Bild gestrichelt eingezeichneten Graphen 
veranschaulichen und das Vektorfeld als eine Vorschrift, die 
diesem Graphen in jeder H"ohe $x$ eine Steigung $a(x)$ vorschreibt. \nichtfinal{Ich sollte das Steigungsfeld
  erg"anzen um die vorgeschriebenen
  Punkte auf den vorgegebenen Tangentenst"ucken.}
\end{minipage}
\end{figure}
%\begin{figure}[htb]
%  \begin{center}
 %   \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildStF}
 %   \\
 %   \noindent 
%Im Fall eindimensionaler Felder mag man sich die L"osung der
%entsprechenden Differentialgleichung durch ihren 
%im Bild gestrichelt eingezeichneten Graphen 
%veranschaulichen und das Vektorfeld als eine Vorschrift, die 
%diesem Graphen in jeder H"ohe $x$ eine Steigung $a(x)$ vorschreibt. \nichtfinal{Ich sollte das Steigungsfeld
 % erg"anzen um die vorgeschriebenen
 % Punkte auf den vorgegebenen Tangentenst"ucken.}
%\end{center}
%\end{figure}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildxalpha}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
M"ogliche L"osungsfunktionen mit positiven Werten der Differentialgleichung 
$\dot{\gamma} (t) = (\gamma (t))^{\alpha}$ 
f"ur verschiedene Werte von $\alpha\in\DR.$
Alle anderen L"osungsfunktionen mit positiven Werten erh"alt man 
durch horizontales Verschieben der entsprechenden Graphen.
Im Fall $\alpha>1$ \glqq l"auft unsere L"osung in endlicher Zeit nach Unendlich\grqq,
was die gestrichelt eingezeichnete vertikale Asymptote 
andeuten soll.
Im Fall $1>\alpha>0$ kann man, wie gestrichelt angedeutet, die L"osung
zu einer L"osung von $\dot{\gamma} (t) = |\gamma (t)|^{\alpha}$
ins Negative fortsetzen, aber eben auf vielerlei Weisen. Das war
im wesentlichen auch unser Gegenbeispiel \ref{NEIK}.
\end{minipage}
\end{figure}


%\begin{figure}[htb]
%  \begin{center}
%    \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildxalpha}
%    \\
%    \noindent 
%M"ogliche L"osungsfunktionen mit positiven Werten der Differentialgleichung 
%$\dot{\gamma} (t) = (\gamma (t))^{\alpha}$ 
%f"ur verschiedene Werte von $\alpha\in\DR.$
%Alle anderen L"osungsfunktionen mit positiven Werten erh"alt man 
%durch horizontales Verschieben der entsprechenden Graphen.
%Im Fall $\alpha>1$ \glqq l"auft unsere L"osung in endlicher Zeit nach Unendlich\grqq,
%was die gestrichelt eingezeichnete vertikale Asymptote 
%andeuten soll.
%Im Fall $1>\alpha>0$ kann man, wie gestrichelt angedeutet, die L"osung
%zu einer L"osung von $\dot{\gamma} (t) = |\gamma (t)|^{\alpha}$
%ins Negative fortsetzen, aber eben auf vielerlei Weisen. Das war
%im wesentlichen auch unser Gegenbeispiel \ref{NEIK}.
%\end{center}
%\end{figure}
\begin{Beispiel}[\textbf{Spezielle eindimensionale Felder mit Nullstellen}]
Gegeben ein stetiges Vektorfeld mit Nullstellen auf einer offenen
Teilmenge eines eindimensionalen Raums liegen  die Verh"altnisse
komplizierter als im Fall ohne Nullstellen  \ref{EXPp}.
Wir suchen etwa f"ur $\alpha \in \Bbb{R}$ Flu"swege des 
Vektorfelds $a(x) = x^\alpha$
auf $\Bbb{R}_{>0}$ alias auf einem mehrpunktigen Intervall $I \subset \Bbb{R}$
definierte Funktionen
$\gamma : \DR\supset I \rightarrow \Bbb{R}_{>0} $ mit
\begin{equation*}
\gamma' (t) = (\gamma (t))^{\alpha} \quad \forall t \in I
\end{equation*}
Auf $\DR_{>0}$ hat unser Feld keine Nullstellen und die
in \ref{EXPp}  entwickelte Theorie
sagt uns, da"s unsere Flu"swege gerade die Umkehrfunktionen zu
Stammfunktionen von $x^{-\alpha} $ sind. Den Fall $\alpha =1$ kennen wir
bereits aus \ref{EXPp}. Im Fall $\alpha \neq 1$ erhalten wir als Stammfunktion
$G(x) =x^{1-\alpha}/(1-\alpha)$.
Im Unterfall $\alpha > 1$ induziert nun $G$ eine Bijektion $G:\Bbb{R}_{>0} 
\sira \Bbb{R}_{<0}$ und im Unterfall $\alpha <1$
eine Bijektion $G: \Bbb{R}_{>0} \sira \Bbb{R}_{>0}$,
aber die Umkehrfunktion wird jedesmal durch dieselbe Formel gegeben
und wir erhalten die Flu"swege
\begin{equation*}
\gamma (t) = ((1-\alpha)t)^{(1-\alpha)^{-1}}
\end{equation*}
Im Fall $\alpha =2$ etwa ergibt sich $\gamma (t) = -1/t$ und unser
Flu"swege \glqq laufen in endlicher Zeit nach $+\infty$, brauchen aber, wenn
wir die Zeit r"uckw"arts laufen lassen, unendlich lange bis zum
Ursprung\grqq.
Dasselbe gilt in allen F"allen mit $\alpha >1$.
Im Fall $\alpha =0$ dahingegen ergibt sich $\gamma (t) =t$ und
unser Flu"sweg \glqq l"auft f"ur alle positiven Zeiten, braucht
aber, wenn wir die Zeit r"uckw"arts laufen lassen, nur endlich viel
Zeit bis zum Ursprung\grqq. Dasselbe gilt in allen F"allen
mit $\alpha <1$.
In den F"allen mit $0\leq \alpha$ k"onnen wir unser Vektorfeld 
stetig auf $\DR$ fortsetzen durch die Vorschrift $a(x)=|x|^\alpha$
und f"ur $0<\alpha$ hat diese Fortsetzung eine Nullstelle bei Null.
In den  F"allen $0<\alpha<1$ gibt es nun auch Flu"swege, die
in endlicher Zeit aus dem Negativen nach Null laufen und dort eine
Weile stehenbleiben, bevor sie ins Positive weiterlaufen.
Erkl"aren wir etwa auf 
$\DR$ ein stetiges Vektorfeld 
durch $a(x) = \sqrt[3]{x^2}$, so ist $\gamma
(t) = t^3/27$ ein Flu"sweg, aber 
auch die Abbildung $\psi:\DR\ra\DR,$
die gegeben wird durch die Vorschrift
\begin{eqnarray*}
\psi (t) & =& \left\{
\begin{array}{rl}
t^3/27 & t \leq 0;\\
0\;\;\; & 0\leq t\leq 1;\\
(t-1)^3/27 &  1\leq t;
\end{array}\right.
\end{eqnarray*} ist ein  Flu"sweg.
Im R"uckblick ist  unser Beispiel \ref{NEIK} im
wesentlichen dasselbe, nur in trivialer Weise um eine Dimension erweitert,
damit es besser bildlich dargestellt werden kann.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Verhalten unter L"angen"anderungen}]
"Andern wir bei einem Vektorfeld ohne 
Nullstellen nur die L"angen seiner Vektoren,\label{Lae} 
durchaus auch in Abh"angigkeit vom Ort, so bleiben
die Flu"swege offensichtlich bis auf Reparametrisierung dieselben.
Ist also in Formeln $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum, $U \co
X$ offen, $A :U \rightarrow \vec{X}$ ein Vektorfeld  ohne 
Nullstellen und $c : U \rightarrow
\Bbb{R}$ eine stetige Funktion ohne Nullstellen und ist
$\gamma : I \rightarrow U$ ein Flu"sweg von $A$, so finden wir mit dem
Ansatz $\psi (t) =\gamma (r(t))$ eine L"osung der Differentialgleichung
%
\begin{equation*}
\psi' (t) = c (\psi (t)) A (\psi (t))
\end{equation*}
%
In der Tat liefert diese Gleichung n"amlich f"ur die Reparametrisierung $r$ die
Gleichung
%
\begin{equation*}
r' (t) \gamma' (r(t)) = c (\gamma (r(t))) A (\gamma (r(t)))
\end{equation*}
%
und damit $r'(t) = (c \circ \gamma)(r(t))$. Diese Gleichung aber haben wir
bereits in \ref{EXPp} l"osen gelernt.
\end{Beispiel}

  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Felder mit separierten Variablen}]
    Gegeben endlichdimensionale reelle R"aume $X,Y$ und\label{SeVar}
offene Teilmengen $U \co
    X$ sowie $V\co Y$ und Vektorfelder 
$A:U \rightarrow \vec{X}$ sowie $B:V \rightarrow
    \vec{Y}$ sind die Flu"swege des Vektorfelds $(A \times B): U\times V
    \rightarrow \vec{X} \times \vec{Y}$ genau die Abbildungen $(\gamma,\psi)$
    mit $\gamma :I \rightarrow U$ einem Flu"sweg von $A$ und $\psi: I
    \rightarrow V$ einem Flu"sweg von $B$ mit demselben Definitionsbereich.  
In dieser Situation spricht man
    von einer Differentialgleichung mit getrennten 
Ver"anderlichen oder lateinisierend
{\bf separierten Variablen}.\index{Separation der Variablen} 
Man beachte die enge Beziehung zur \glqq Verwandtschaftsvertr"aglichkeit
von Flu"swegen\grqq\ \ref{VhD}.
Die in \ref{SepV} erl"auterte Methode der \glqq Separation der Variablen\grqq\  mag
man auffassen als das "Uberf"uhren einer Differentialgleichung
in eine Gleichung mit separierten Variablen.
\end{Bemerkungl}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildStFZ}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Im Fall zeitabh"angiger eindimensionaler Felder mag man sich 
ein Vektorfeld als  ein \glqq Steigungsfeld\grqq\  veranschaulichen, bei dem
die jeweils vorgeschriebene Steigung $a(t,y)$ von 
beiden Koordinaten abh"angen darf, und 
die L"osung der
entsprechenden Differentialgleichung durch ihren 
im Bild gestrichelt eingezeichneten Graphen,
der dann eben an jeder Stelle tangential an das dort vorgegebene 
Steigungsfeld sein soll. \nichtfinal{Ich sollte das Steigungsfeld
  erg"anzen um die vorgeschriebenen
  Punkte auf den vorgegebenen Tangentenst"ucken.}
\end{minipage}
\end{figure}


%\begin{figure}[htb]
%  \begin{center}
 %   \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildStFZ}
%    \\
%    \noindent 
%Im Fall zeitabh"angiger eindimensionaler Felder mag man sich 
%ein Vektorfeld als  ein \glqq Steigungsfeld\grqq\  veranschaulichen, bei dem
%die jeweils vorgeschriebene Steigung $a(t,y)$ von 
%beiden Koordinaten abh"angen darf, und 
%die L"osung der
%entsprechenden Differentialgleichung durch ihren 
%im Bild gestrichelt eingezeichneten Graphen,
%der dann eben an jeder Stelle tangential an das dort vorgegebene 
%Steigungsfeld sein soll. \nichtfinal{Ich sollte das Steigungsfeld
%  erg"anzen um die vorgeschriebenen
%  Punkte auf den vorgegebenen Tangentenst"ucken.}
%\end{center}
%\end{figure}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildStFZP}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
In \ref{DGSF} habe ich ausgef"uhrt, wie 
die Untersuchung der Flu"swege zeitabh"angiger Felder auf 
einem Raum $X$
auf die  Untersuchung der Flu"swege zeitunabh"angiger Felder 
auf 
dem Raum $\DR\times X$ zur"uckgef"uhrt werden kann.
Dieses Bild zeigt im Spezialfall $X=\DR$ 
 das zeitunabh"angige Vektorfeld auf $\DR^2,$ dessen
Flu"swege den Flu"swegen  des durch das Bild dar"uber
dargestellten zeitabh"angigen Feldes auf $\DR$ entsprechen.
\end{minipage}
\end{figure}
%\begin{figure}[htb]
 % \begin{center}
%    \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildStFZP}
%    \\
%    \noindent 
%In \ref{DGSF} habe ich ausgef"uhrt, wie 
%die Untersuchung der Flu"swege zeitabh"angiger Felder auf 
%einem Raum $X$
%auf die  Untersuchung der Flu"swege zeitunabh"angiger Felder 
%auf 
%dem Raum $\DR\times X$ zur"uckgef"uhrt werden kann.
%Dieses Bild zeigt im Spezialfall $X=\DR$ 
% das zeitunabh"angige Vektorfeld auf $\DR^2,$ dessen
%Flu"swege den Flu"swegen  des durch das Bild dar"uber
%dargestellten zeitabh"angigen Feldes auf $\DR$ entsprechen.
%\end{center}
%\end{figure}
\begin{Beispiel}[\textbf{Eindimensionale zeitabh"angige Felder}]
Gegeben eine Funktion  $a:\DR^2\lco W\ra\DR$  interessieren wir uns 
f"ur L"osungen der Gleichung
 $$y'=a(t,y)$$
  Unter einer \glqq L"osung\grqq\  versteht man hierbei ein Paar $(\gamma,I)$
  mit $I\subset \DR$ einem mehrpunktigen Intervall und $\gamma:I\ra \DR$ einer
  differenzierbaren Funktion, deren Graph in $U$ enthalten 
ist und f"ur die gilt
  $$\;\;\;\;\;\;\;\gamma'(t) = a (t,\gamma(t)) \quad\forall t\in I$$
  Ich habe hier L"osungen als $\gamma(t)$
  und nicht als $y(t)$ geschrieben, wie es  die Gleichung suggeriert,
  in der Hoffnung, da"s das zum besseren Verst"andnis beitr"agt. 
H"angt
  $a(t,y)$ gar nicht von $y$ ab, also $a(t,y)=a(t)$, so sind die L"osungen
  unserer Differentialgleichung nat"urlich genau die Stammfunktionen von $a$.
  H"angt  $a(t,y)$ dahingegen nicht von $t$ ab, also
  $a(t,y)=a(y)$, so sind die L"osungen unserer Differentialgleichung nichts
  anderes als die Flu"swege des auf einer geeigneten Teilmenge von $\DR$
  definierten Vektorfelds $a(y)$, die wir bereits in
\ref{EXPp} diskutiert
  hatten.
\end{Beispiel}



\begin{Bemerkungl}\label{SepV}
Seien
$a: \Bbb{R}\lco U \rightarrow \Bbb{R}$ und  $\alpha :\Bbb{R}\lco J \rightarrow
\Bbb{R}$ stetig.
Differentialgleichungen der Gestalt
\begin{equation*}
y'(t) =  \alpha(t) a (y(t))
\end{equation*}
f"ur Funktionen $y=y(t)$
bedeuten geometrisch die Suche nach Flu"swegen eines
zeitabh"angigen Vektorfelds auf $U\co\DR$, das die spezielle Gestalt
$A(t,y)=\alpha(t) a(y)$ hat. Ich schreibe $y(t)$ statt $\gamma(t)$, weil
wir ja nur eine reellwertige Funktion suchen, also $X=\DR$.  
Sie lassen sich oft mit der Methode der 
\defind{Separation der Variablen} 
oder auf deutsch \defind{Variablentrennung}  l"osen.
Ich f"uhre zun"achst dieses Verfahren vor und erkl"are dann,
inwiefern wir dabei implizit
unsere Gleichung in eine Gleichung 
mit separierten Variablen im Sinne von \ref{SeVar} transformieren.
Wir nehmen an,  $a$ habe keine Nullstelle und $U$ sei ein Intervall. 
Gegeben eine L"osung 
$y : I \rightarrow \Bbb{R}$ kann die Gleichung $y'(t) 
= \alpha(t) a (y (t)) $ dann auch geschrieben werden als
\begin{equation*}
\frac{y'(t)}{a(y (t))} = \alpha(t)
\end{equation*}
Ist nun $G$ eine Stammfunktion von $1/a$ und $B$ eine Stammfunktion von
$\alpha$, so folgt f"ur alle $s,t \in I$ sofort
\begin{equation*}
G(y (t)) - G(y (s)) 
= \int^{y (t)}_{y (s)} \frac{\diff y}{a(y)} 
= \int^t_s \frac{y'(\tau)}
{a(y (\tau))}\diff \tau = \int^t_s \alpha(\tau) \diff \tau = B(t) - B(s)
\end{equation*}
Hier ist $G$ sicher streng monoton. Folglich hat es offenes Bild
$G(U) \co \Bbb{R}$. F"ur die Umkehrabbildung
$G^{-1} : G(U) \rightarrow \Bbb{R}$ folgt
\begin{equation*}
y (t) = G^{-1} (B(t) +c) \qquad \forall t \in I
\end{equation*}
mit der Konstante $c = G (y (s)) - B (s)$.
Umgekehrt pr"uft man auch ohne Schwierigkeiten, da"s f"ur 
$(s,u) \in J \times U$
die obige Formel f"ur $c = G(u) - B(s)$ und $t \in I + B^{-1} (G(U) -c)$ die
gr"o"ste L"osung unserer Differentialgleichung mit
$y (s) =u$ liefert.
Um den Zusammenhang mit der Situation separierter Variablen
im Sinne von \ref{SeVar} herzustellen, 
interpretieren wir unsere Gleichung
wie in \ref{DGSF} als die Suche nach Flu"swegen des ebenen 
Vektorfelds $(x,y)
\mapsto (1,\alpha(x)a(y))$ und kommen unter der 
zus"atzlichen Annahme, da"s auch $\alpha$ keine Nullstelle hat,
mit der in \ref{Lae} erl"auterten 
L"angen"anderung um $c (x,y)\pdef \alpha(x)^{-1}$ zum Vektorfeld 
$(x,y) \mapsto (\alpha(x)^{-1}, a(y))$. In dieser Weise  landen wir dann
bei der Suche nach den Flu"swegen 
eines Vektorfelds mit separierten Variablen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Proposition}[\textbf{Strikte differentielle Ungleichungen}]
  Sei eine Funktion  $K:\DR^2\supset U\ra \DR$ gegeben
  und seien $f,g:[a,b)\ra \DR$ 
 differenzierbare Funktionen
mit Graph in $U$ derart, da"s\label{ABLo}  
an jeder Stelle 
$t\in [a,b)$ gilt 
$$f'(t)\geq K(t,f(t))\quad\text{und}\quad g'(t)<K(t,g(t)).$$
Haben wir au"serdem $g(a)\leq f(a)$, so folgt
$g(t)< f(t)$ f"ur alle $t\in (a,b)$.  
\end{Proposition}
\begin{Bild}
\includegraphics[height=0.6\textheight]{SkriptenBilder/BildStFe}\\[4mm]
\noindent 
Illustration zur Proposition "uber strikte differentielle Ungleichungen.
Ich denke mir $K$ als ein \glqq Steigungsfeld\grqq.
Eine L"osung der entsprechenden Differentialgleichung 
mu"s nun offensichtlich stets "uber einer L"osung der 
der entsprechenden differentiellen Ungleichung bleiben, wenn sie 
zum Anfangszeitpunkt
dar"uber liegt. Das ist die anschauliche Bedeutung der Proposition. 
\end{Bild}
\begin{Bemerkungl}
Fordern wir hier statt der strikten Ungleichung auch f"ur $g$ nur 
die nichtstrikte
 Ungleichung $g'(t)\leq K(t,g(t))$, so gilt
  die Aussage nur noch unter zus"atzlichen Annahmen an die Funktion $K$ und
  ich kenne keinen so einfachen Beweis mehr.  Ich diskutiere eine Variante
  f"ur nicht-strikte Ungleichungen in \ref{GrVVm}.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
  Die Funktion $h\pdef g-f$ ist differenzierbar mit $h(a)\leq 0$ und 
$h(t)=0\RA h'(t)<0$. Damit folgt leicht $h(t)<0$ f"ur alle $t\in (a,b)$,
wie Sie auch  in  \eref{NSTa}{AN1} schon zur "Ubung selbst zeigen durften.
\end{proof}

\begin{Beispiel}[\textbf{Funktionen, die echt gr"o"ser sind als ihre eigene Ableitung}]
  Gegeben eine differenzierbare Funktion $g:[0,b)\ra \DR$ mit
    $g'(t)<g(t)$ f"ur alle $t\in [0,b)$ gilt $g(t)< g(0){\op{e}}^t$
      f"ur alle $t\in (0,b)$. Das folgt, indem wir unsere Proposition
      "uber differentielle Ungleichungen  mit $K(x,y)=y$ anwenden. Alternativ
      k"onnen wir bemerken, da"s $g(t){\op{e}}^{-t}$ negative Ableitung hat.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Funktionen, die gr"o"sergleich ihrer eigenen Ableitung sind}]
  Gegeben eine differenzierbare Funktion $g:[0,b)\ra \DR$ mit
    $g'(t)\leq g(t)$ f"ur alle $t\in [0,b)$ gilt $g(t)\leq g(0){\op{e}}^t$
      f"ur alle $t\in [0,b)$.  Das k"onnen wir zeigen, indem 
         wir bemerken, da"s $g(t){\op{e}}^{-t}$ nichtpositive Ableitung hat, vergleiche "Ubung \eref{fmeA}{AN1}.
 Alternativ k"onnen wir unsere Proposition
     "uber differentielle Ungleichungen  mit $K(x,y)=y+\varepsilon$ anwenden f"ur alle $\varepsilon>0$.
      Eine L"osung der Differentialgleichung $f'(t)=f(t)+\varepsilon$
      mit Anfangswert $f(0)=g(0)$ ist $f(t)=(g(0)+\varepsilon){\op{e}}^t -\varepsilon$ und wir folgern 
      $$g(t)< (g(0)+\varepsilon){\op{e}}^t -\varepsilon\quad \forall t\in (0,b)$$
      Im Grenzwert f"ur $\varepsilon\ra 0$ folgt dann die Behauptung. Das ist
      auch schon fast das Lemma von Gronwall, wie es im Anschlu"s bewiesen wird. 
\end{Beispiel}

\begin{Korollar}[\textbf{Lemma von Gronwall}]
  \begin{enumerate}
  \item Gegeben Konstanten $L>0$ und $C$\index{Gronwall!Lemma von} 
sowie $b>0$ und eine differenzierbare Funktion 
$g:[0,b)\ra\DR$ mit $g(0)\leq 0$ und $g'(t)\leq Lg(t)+C$ f"ur 
alle $t\in [0,b)$ gelten f"ur alle $t\in (0,b)$
die Absch"atzungen $$g(t)\leq (C/L){\op{e}}^{Lt}-(C/L)
\quad\text{und}\quad g'(t)\leq C{\op{e}}^{Lt}.$$
\item
  Ist $b \in \Bbb{R}_{> 0}$ und $h :[0,b)\rightarrow \DR$ stetig
und gibt es  Konstanten $L,C$ mit $L\geq 0$ und
\begin{equation*}
h(t) \leq L \int^t_0 h(\tau) \diff \tau + C
\end{equation*}
f"ur alle $t\in [0,b)$, so erf"ullt $h$ die Absch"atzung
$
h(t) \leq C \op{e}^{Lt}
$.
  \end{enumerate}\label{Gronwall}
\end{Korollar}
\begin{proof}
  Man beachte, da"s die Differentialgleichung
  $f'(t)=Lf(t)+C$ f"ur $L\neq 0$ die L"osung $f(t)=(C/L){\op{e}}^{Lt}-(C/L)$
  mit Anfangswert $f(0)=0$ hat.
F"ur jedes $\varepsilon >0$ folgt aus unseren Annahmen  $g'(t)<Lg(t)+C+\varepsilon$. 
Damit folgt die erste Ungleichung im ersten Teil 
sogar f"ur beliebiges $L\neq 0$
 sofort aus unseren Erkenntnissen "uber differentielle Ungleichungen
\ref{ABLo}.  Die zweite Ungleichung im ersten Teil folgt durch Einsetzen der
ersten Ungleichung in die Annahme. Hierbei brauchen wir $L>0$, damit
sich die erste Ungleichung bei der Multiplikation mit $L$ nicht umdreht.
Da"s die zweite Ungleichung im ersten Teil auch noch f"ur $L=0$ gilt, ist eh
klar.
Wenden wir sie auf $g(t)\pdef\int_0^t h(\tau)\diff \tau$ an, ergibt sich der zweite
Teil.
\end{proof}



\begin{Bemerkungl}
Eine F"ulle an weiteren Beispielen und 
L"osungsmethoden zu gew"ohnlichen Differentialgleichungen findet man 
etwa in \cite{MV2}.
\end{Bemerkungl}


\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubung}[\textbf{Gr"o"sere Felder haben schnellere Flu"swege}]
Gegeben  $U\subset \DR$ halboffen und $a,b:U\ra\DR$ stetig ohne 
Nullstelle mit $a\leq b$ und $I\subset \DR$ ein mehrpunktiges Intervall 
und $\gamma, \kappa:I\ra U$ differenzierbar mit $\dot{\gamma}(t)=a(\gamma(t))$
und $\dot{\kappa}(t)=b(\kappa(t))$ f"ur alle $t\in I$ folgt aus 
$\gamma(t_0)\leq \kappa(t_0)$ f"ur ein $t_0\in I$ bereits dieselbe Aussage 
f"ur alle  $t\in I$ mit $t\geq t_0.$
\end{Ubung}





\subsection{Integration von vektorwertigen Funktionen}\label{IvwF} 
\begin{Bemerkungl}
Wir zimmern  in diesem
Abschnitt einen begrifflichen Rahmen, der nicht nur
das Integrieren komplexwertiger Funktionen als Spezialfall umfa"st,
sondern auch in nat"urlicher Weise unsere "Uberlegungen zum Differenzieren
vektorwertiger Funktionen erg"anzt.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Seien $[a,b]\subset \Bbb{R}$ ein nichtleeres
kompaktes Intervall, $V$ ein reeller Vektorraum
und $f:[a,b] \ra V$ eine Abbildung.
Wir betrachten f"ur  $ r \geq 1$ die "aquidistante Unterteilung
$a = t_{0} \leq t_{1} \leq \ldots \leq t_{r} = b$ und definieren die 
{\bf $r$-te Riemannsumme}\index{Riemannsumme!f"ur vektorwertige Funktion} 
$S^r (f)\in V$ durch
$$S^{r} (f) \pdef \sum^{r-1}_{i=0} (t_{i+1}-t_{i}) f(t_{i}) = \left(\frac{b-a}
{r}\right) \sum^{r-1}_{i=0} f(t_{i})$$  
\end{Definition}

\begin{Satz}[\textbf{Integration vektorwertiger Funktionen}]
Gegeben eine stetige Abbildung von einem\label{IVb}
nichtleeren 
kompakten Intervall in einen endlichdimensionalen reellen Vektorraum  $f:[a,b]\ra V$ existiert der Grenzwert
der zugeh"origen Riemannsummen.  Das als dieser
Grenzwert erkl"arte
\emph{\bf Integral}\index{Integral!stetige vektorwertige Funktion!"uber kompaktes Intervall} 
$$\int f = \int^{b}_{a} f = \int^{b}_{a} f(t) \;\diff t \pdef \lim_{r\ra \infty}
S^{r} (f)$$
ordnet jedem $f$  einen Vektor $(\int f)\in V$ zu und hat
 die folgenden Eigenschaften:
\begin{enumerate}
\item
F"ur alle $c\in [a,b]$ gilt $\int^{b}_{a} f=\int^{c}_{a}f + \int^{b}_{c}f$;
\item
Ist $f=v$ konstant ein $v \in V,$
so gilt $\int^{b}_{a} f(t)  \;\diff t = \int^{b}_{a} v \; \diff t= (b-a)v$;
\item
Ist  $\Lambda : V \ra W$
eine lineare Abbildung in einen weiteren endlichdimensionalen reellen Vektorraum $W$, so gilt
$$\int (\Lambda \circ f) = \Lambda \left(\int f\right)$$
\item\label{No}
Gegeben eine Norm $\|\;\|$ auf $V$ gilt f"ur die Norm des Integrals  die Absch"atzung $\|\int f\| \leq \int \|f\|$;
\item
Im Fall $V=\DR$ reellwertiger Funktionen erhalten wir
unser Integral aus \eref{DefII}{AN1} zur"uck.   
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw}
  Dieser Satz gilt genauso f"ur Banachr"aume $V,W$. Der Beweis braucht dann aber
  zus"atzliche Argumente.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Linearit"at des Integrals}] 
Sie m"ogen in diesem Satz die Regeln $\int \lambda f=\lambda\int f$ sowie
$\int(f+g)=\int f+\int g$ f"ur stetige vektorwertige Funktionen
$f,g$ und $\lambda\in\DR$ vermi"st haben. Sie folgen jedoch formal
aus Teil 3. In der Tat d"urfen wir dort $\Lambda=(\lambda\cdot):V\ra V$
nehmen und auch $\Lambda:V\times V\ra V$ die Addition sowie die 
beiden Projektionen. So ergibt sich f"ur die $V\times V$-wertige 
Funktion $(f,g)$ zun"achst\label{lII}  
$\op{pr}_1 \int (f,g)=\int f$ und $\op{pr}_2 \int (f,g)=\int g$
und damit 
$\int (f,g)=(\int f,\int g)$ und durch Anwenden der
Addition dann $\int(f+g)=\int f+\int g$. Etwas allgemeiner folgt die \glqq Komponentenregel\grqq\ 
$\int (f,g)=(\int f,\int g)$ auch f"ur $f,g$ mit Werten in verschiedenen
endlichdimensionalen reellen Vektorr"aumen.
\end{Bemerkungl}
%\begin{Bemerkunge}
%  Sind  allgemein $\mathcal A$ eine additive Kategorie und
%  $F,G:\mathcal A\ra \op{Ab}$ additive Funktoren
%  und $v:\op{Ab}\ra\op{Ens}$ der Vergi"sfunktor 
%  und $\tau:vF\RA vG$ eine Transformation, so m"ussen alle
%  $\tau_M:vFM\ra vGM$ bereits Gruppenhomomorphismen sein,
%  als da hei"st, wir haben $\tau=v\tilde\tau$ f"ur eine  wohlbestimmte
%  Transformation $\tilde\tau:F\RA G$. Sind zus"atzlich $k$ ein Kring
%  und $\mathcal A$ eine additive $k$-lineare Kategorie
%  und $F,G:\mathcal A\ra \op{Mod}_k$ additive  $k$-lineare Funktoren  und $v:\op{Mod}_k\ra\op{Ens}$ der Vergi"sfunktor, so
% haben wir analog $\tau=v\tilde\tau$ f"ur eine  wohlbestimmte
% Transformation $\tilde\tau:F\RA G$. Das Argument ist dasselbe
% wie oben im Spezialfall $\mathcal A=\op{Mod}_k$ und $F:V\mapsto \mathcal C([a,b],V)$ und $G:V\mapsto V$
% und $\tau=\int$.
%\end{Bemerkunge}
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGrFr}\\[4mm]
\noindent Der Graph einer reellwertigen Treppenfunktion.
\end{Bild}
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGrfr}\\[4mm]
\noindent Der Graph einer reellwertigen Funktion $f$ und
der zugeh"origen Treppenfunktion $f_7$ aus dem nebenstehenden Beweis,
mit $I(f_7)$ der siebten Riemannsumme von $f$. 
\end{Bild}
\begin{proof}[Beweis]
  Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $V=\DR^n$. Dann erweist sich unser
  Integral schlicht das \glqq komponentenweise Integral\grqq\ und alle Aussagen
  des Satzes sind offensichtlich mit Ausnahme der Absch"atzung $\|\int f\| \leq \int \|f\|$. Diese Absch"atzung ist jedoch offensichtlich f"ur die Riemannsummen und folgt im Grenzwert. 
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Wie im Fall reellwertiger Funktionen verwenden wir auch
im Fall vektorwertiger Funktionen die Konvention
$\int_{b}^{a} f=-\int^{b}_{a} f$. Ist dann
$f:I\ra V$ eine stetige Abbildung von einem reellen Intervall 
in einen endlichdimensionalen reellen Vektorraum, so gilt 
f"ur beliebige $a,b,c \in I$ die Formel
$\int^{b}_{a} f=\int^{c}_{a}f + \int^{b}_{c}f$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Vektorwertige Variante des Hauptsatzes}]
Gegeben ein mehrpunktiges Intervall $I\subset \Bbb{R}$,
ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum $V$,
eine stetige Funktion  $f:I\ra V$ und\label{VHSS}
 ein Punkt $a\in I$
 ist die Funktion
$$\begin{array}{cccl}
F : &I &\ra & V\\
&x & \mapsto & \int^{x}_{a} f(t) \;\diff t
\end{array}$$
die einzige differenzierbare Funktion
$F:I\ra V$ mit $F^{\prime}= f$ und 
$F (a) =0$.  
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis] Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir
  $V=\DR^n$ annehmen und k"onnen uns so auf den Fall reellwertiger Funktionen
  zur"uckziehen.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
"Ahnlich zum Beweis f"ur reellwertige Funktionen \eref{HSS}{AN1} und dem Leser
zur "Ubung "uberlassen. Man verwende die Absch"atzung aus \ref{IVb} f"ur
die Norm des Integrals und den Schrankensatz \eref{MWSn}{AN1}.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Integrieren mit Stammfunktionen}]
  Seien $V$ ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum
  und $a<b$ reelle Zahlen und $f:[a,b] \ra
V$ stetig. Ist $G:[a,b]\ra V$ eine\label{SFvv} 
\emph{\bf Stammfunktion}\index{Stammfunktion} von $f$, als da hei"st
eine differenzierbare Funktion mit
Ableitung ${G'} (t) = f (t)$, so gilt 
$$\int^{b}_{a} f(t) \diff t = G(b) - G(a)$$
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt sofort aus dem vorhergehenden Satz \ref{VHSS}.
\end{proof}



\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubung}\label{VSWnnc}
Gegeben ein mehrpunktiges kompaktes Intervall 
 $I\subset \DR$ und ein endlichdimensionaler normierter reeller Vektorraum  $V$ 
ist  der Raum $\cal{C}^{1}(I,V)$ aller  stetig
differenzierbaren Abbildungen
von $I$ nach $V$  
vollst"andig f"ur die Norm
$\|\varphi\|_1=\|\varphi\|+\|\varphi'\|$
der gleichm"a"sigen
Konvergenz der Funktionen und ihrer ersten Ableitungen. 
Hinweis: Man ziehe sich auf den Fall $V=\DR$ zur"uck und erinnere das
Vertauschen des Integrals mit gleichm"a"siger Konvergenz \eref{gli}{AN1}.
\end{Ubung}



\subsection{Existenz und Eindeutigkeit von L"osungen}
\begin{Bemerkungl} Gegeben ein   auf einer offenen Teilmenge eines endlichdimensionalen reellen Raums definiertes
  Vektorfeld $A:X\lco U\ra\vec X$ verstehen wir
unter einem  {\bf Flu"sweg von $A$  mit Anfangswert $p$}
wie in \ref{InKk} ein Paar $(I,\gamma)$  mit $I\subset \DR$ einem 
mehrpunktigen Intervall, das die  Null enth"alt, und
einer differenzierbaren Abbildung  $\gamma:I\ra U$ 
 mit $\gamma(0)=p$ und $\gamma'(t)=A(\gamma(t))$ f"ur alle $t\in I$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Eine Abbildung $f$ zwischen metrischen R"aumen 
hei"st {\bf lipschitzstetig} wie in \ref{LiSt},
wenn es eine Konstante $L>0$ gibt mit
    $d(f(x),f(y))\leq L d(x,y)$ 
f"ur alle $x,y$ im Ausgangsraum.  
Eine Abbildung  zwischen metrischen R"aumen
hei"st {\bf lokal lipschitzstetig},\index{lipschitzstetig!lokal}
 wenn jeder Punkt des Ausgangsraums eine 
Umgebung besitzt, auf der unsere 
Funktion lipschitzstetig ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildLiSt}
\end{minipage}\hfill
\begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die Restriktion auf die negative $x$-Achse 
der hier  dargestellten Funktion ist 
lipschitzstetig mit Lipschitzkonstante $1$, da sie an jeder
Stelle den schraffierten  Bereich des entsprechend verschobenen 
Doppelkegels vermeidet. 
\end{minipage}
\end{figure}


\begin{Bemerkungl}\label{SDLi}
Nach \ref{Asc} ist jedes stetig differenzierbare Vektorfeld auf
einer offenen Teilmenge eines  normierten Raums 
lokal lipschitzstetig, deshalb folgt 
der Satz "uber die Existenz und Eindeutigkeit im Fall
stetig differenzierbarer Vektorfelder
\ref{PiLi} unmittelbar aus der 
Fassung f"ur lokal lipschitzstetige
Vektorfelder, die wir im folgenden als \ref{PiLin} beweisen.
Die Hauptlast des Beweises  
tr"agt das folgende Lemma \ref{HlLll}.
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\textbf{Lokale Existenz und Eindeutigkeit}]
Gegeben ein endlichdimensionaler normierter reeller
Raum $X$ und 
ein beschr"anktes lipschitzstetiges  Vektorfeld $A: X\lco U \rightarrow \vec{X}$\label{HlLll} 
  existieren zu jedem Anfangswert $p\in U$ Flu"swege von $A$
mit offenem Definitionsbereich und je zwei
Flu"swege $\gamma : I \rightarrow U$ sowie 
$\phi : J \ra U$ mit demselben Anfangswert
stimmen f"ur hinreichend kleines $\varepsilon>0$ auf  
$I \cap J\cap [-\varepsilon,\varepsilon]$ 
"uberein.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben metrische R"aume $X,Y,Z$ hei"st eine Abbildung $f:X\times Y\ra Z$
  {\bf partiell lipschitzstetig in der  zweiten
    Variable},\index{lipschitzstetig!partiell} wenn es $L\in \DR$ gibt mit
  $$d(f(x,y_1),f(x,y_2))\leq Ld(y_1,y_2)\;\forall x\in X, y_1,y_2\in Y$$
  Das ist st"arker, als nur zu fordern, da"s f"ur jedes $x\in X$ die Abbildung
  $y\mapsto f(x,y)$ lipschitzstetig sein soll, denn dann br"auchten wir nur
  f"ur jedes $x\in X$ jeweils eine Konstante $L_x$ mit der entsprechenden
  Eigenschaft zu finden.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{plp}
  Allgemeiner gilt der Satz "uber die lokale Existenz und Eindeutigkeit
  auch f"ur stetige
beschr"ankte 
zeitabh"angige Vektorfelder $A: (-a,a)\times U \rightarrow \vec{X}$, 
die  partiell lipschitzstetig 
 sind
im Ort.  
Der Beweis ist mutatis mutandis derselbe.
Diese Variante ist insofern st"arker, als unser Lemma
beim "Ubergang \ref{DGSF} von zeitabh"angigen  zu 
zeit\-un\-ab\-h"an\-gi\-gen Vektorfeldern dieselbe Folgerung nur liefert
 unter der st"arkeren Annahme, da"s  
$A: (-a,a)\times U \rightarrow \vec{X}$ 
voll lipschitzstetig ist.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
Wir betrachten f"ur ein beliebiges 
mehrpunktiges kompaktes reelles Intervall $K \subset
\Bbb{R}$ mit $0\in K$ den affinen Raum $$\mathcal{C}_p (K,X)$$ aller
stetigen Wege $\gamma : K \rightarrow X$ mit
$\gamma (0) =p$ und versehen seinen Richtungsraum 
$\mathcal{C}_0 (K,\vec{X})$ mit der Norm
$ \|\; \|_\infty $
der gleichm"a"sigen Konvergenz.
Nach "Ubung \ref{VSuN} erhalten wir so einen vollst"andigen normierten
Vektorraum.
Nun betrachten wir in unserem affinen Raum 
die offene Teilmenge $\mathcal{C}_p (K,U)$ aller
 in $U$ verlaufenden Wege und die Abbildung
$$\begin{array}{cccc}
F:& \Bbb{R}\times \mathcal{C}_p (K,U) & \rightarrow 
& \Bbb{R}\times \mathcal{C}_p(K,X)\\
&(\rho\;,\; \gamma) \;\;\;&\mapsto 
& \left(\rho, \gamma - \rho \int (A\circ \gamma)\right)
\end{array}$$
Hierbei sei $\int:\mathcal{C}(K,\vec{X})\ra \mathcal{C}_0(K,\vec{X})$
gegeben  durch $(\int \psi)(t)\pdef\int_0^t\psi(\tau)\diff \tau$
mit unserem vektorwertigen Integral aus \ref{IVb}.
Bezeichne $\kappa$ den konstanten Weg bei $p.$
Unter unserer Abbildung 
geht aufgrund der vektorwertigen Variante 
\ref{VHSS} des  Hauptsatzes der Differential- und Integralrechnung
 $(\rho, \gamma)$ nach $(\rho,\kappa )$  genau dann, 
wenn $\gamma : K\rightarrow
U$ ein Flu"sweg des reskalierten Feldes $\rho A$ ist.
Insbesondere haben wir $(0,\kappa) \mapsto (0,\kappa)$. 
Wir wenden nun den Umkehrsatz f"ur stetige Abbildungen  \ref{VHBa} an und 
zeigen genauer, da"s f"ur $\eta>0$ hinreichend klein
und $K\subset [-1/4S,1/4S]$ mit $S>0$ einer oberen Schranke 
der Normen der Vektoren unseres Vektorfelds $A$
 die
Restriktion von $F\!-\!\op{id}$ auf $(-\eta,\eta)\times \mathcal{C}_p (K,U)$ 
kontrahierend ist. 
Dazu rechnen wir 
\begin{eqnarray*}
 \| (F\! -\!\op{id}) (\sigma,\psi) - (F\!-\! \op{id}) (\rho,\gamma)\| 
& =& \left\| \sigma
\int A  \psi - \rho \int A  \gamma \right\|_\infty\\
&\leq & |\sigma - \rho | \left\| \int A  \psi \right\|_\infty \!+ |\rho | \left\|\int A\psi - A \gamma \right\|_\infty\\
&\leq & |\sigma - \rho | (S/4S) + (\eta L /4S) \| \psi - \gamma \|_\infty\\[2mm]
&\leq & |\sigma - \rho|/4 + \| \psi -\gamma\|_{\infty}/4\\[2mm]
&\leq & (1/2) \| (\rho - \sigma, \gamma - \psi)\|
\end{eqnarray*}
falls im vorletzten Schritt 
$\eta > 0$ so klein ist, da"s gilt $\eta L / S < 1$. 
% In der Tat haben wir wegen der Absch"atzung
% $\|A(\gamma(s))-A(\psi(s))\|\leq L\|\gamma(s)-\psi(s)\|$
% n"amlich
% $$\left\|\rho\int(A\circ\gamma)-\rho\int(A\circ\psi)\right\|_\infty
% \leq \rho L k \|\gamma-\psi\|_\infty$$
% f"ur $L$ die Lipschitzkonstante von $A$ und $k$ dem Supremum der
% Betr"age der Elemente von $K,$ und wir m"ussen folglich
% nur $\eta$ so klein w"ahlen, da"s gilt $\eta L k<1.$
Dann liefert uns der Umkehrsatz f"ur stetige Abbildungen 
\ref{VHBa} wegen $F:(0, \kappa) \mapsto(0, \kappa) ,$ da"s  es f"ur
 $\rho>0$ hinreichend klein genau ein Urbild $(\rho, \gamma_\rho)$ von
$(\rho, \kappa)$ unter $F$ gibt,  also genau einen Flu"sweg 
$\gamma_\rho:K\ra U$ des reskalierten Vektorfelds $\rho A$.
Gehen wir etwa von $K=[-\beta,\beta]$ aus,
 so ist dann $\gamma(t)\pdef\gamma_\rho(\rho^{-1}t)$ 
ein auf $(-\rho\beta,\rho\beta)$ definierter 
Flu"sweg des Vektorfelds $A$ zu 
$p$ und die Existenzaussage des Lemmas ist gezeigt.
Seien andererseits $\gamma : I \rightarrow U$ und 
$\phi : J \ra U$ Flu"swege mit demselben Anfangswert.
Besteht $I\cap J$ nur aus dem Nullpunkt, so ist 
die Behauptung eh klar.
Sonst 
 gibt es $\alpha>0$ mit $I\cap J\cap[-\alpha,\alpha]$ 
mehrpunktig und kompakt und in $[-1/4S,1/4S]$ enthalten. F"ur alle $\rho\in[0,1]$
sind dann die Abbildungen $t\mapsto \gamma(\rho t)$ und $t\mapsto \phi(\rho t)$
auf $I\cap J\cap[-\alpha,\alpha]$ 
definierte Flu"swege
mit Anfangswert $p$ des reskalierten Vektorfelds $\rho A$. F"ur hinreichend kleines 
$\rho>0$ gibt es aber nach dem, was wir gezeigt haben, nur einen
derartigen Flu"sweg, und damit folgt auch die zweite Behauptung
des Lemmas.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  Beim Beweis des Umkehrsatzes f"ur eine stetige Abbildung $f$ hatten wir Urbilder von $y$ unter $f$ konstruiert als Fixpunkte der
  kontrahierenden Abbildung $k_y :x  \mapsto x - f(x)  + y$. Hier bedeutet das, da"s wir  L"osungen auf $K$ f"ur das mit betragsm"a"sig hinreichend kleinem $\sigma$ reskalierte Feld konstruieren als
   Fixpunkte der
   kontrahierenden Abbildung $$\textstyle k_{(\sigma,\kappa)} :(\rho,\gamma)  \mapsto \left(\sigma, \kappa+ \rho \int A\circ \gamma\right)$$
   und, wenn wir den ersten Term der Iteration weglassen und das $\sigma$
   vorne in der Klammer desgleichen, als Fixpunkte der
   kontrahierenden Abbildung
   $$\textstyle \gamma  \mapsto  \kappa+ \sigma \int A\circ \gamma$$
   Das hei"st die {\bf Picard-Iteration}. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
  Die allgemeinere Aussage 
\ref{plp} "uber lokale Existenz und Eindeutigkeit der
Flu"swege f"ur stetige beschr"ankte im Ort  partiell
lipschitzstetige zeitabh"angige Vektorfelder folgt analog mithilfe der 
Abbildung $$\textstyle F:(\rho,\gamma)\mapsto 
(\rho, \gamma - \rho \int A(\rho \tau,\gamma(\tau))\diff \tau)$$
mit dem Integral als  Abk"urzung f"ur die Abbildung $t\mapsto \int_0^t A(\rho \tau,\gamma(\tau))\diff \tau$. 
\end{Bemerkunge}


\begin{Satz}[\textbf{Picard-Lindel"of}]
  \begin{enumerate}\item 
    Gegeben  ein lokal lipschitzstetiges Vektorfeld auf einer
    offenen Teilmenge eines endlichdimensionalen normierten reellen Raums
    gibt es zu
    jedem Anfangswert einen gr"o"sten Flu"sweg;
\item Dieser gr"o"ste Flu"sweg hat als
    Definitionsbereich ein offenes Intervall, und ist besagtes Intervall nach
    oben beschr"ankt, so verl"a"st er f"ur positive
    Zeiten jedes Kompaktum aus unserer offenen Teilmenge irgendwann
    endg"ultig.
  \end{enumerate}
\label{PiLin}
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildIK}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Ein gr"o"ster Flu"sweg, dessen Definitionsbereich nach oben beschr"ankt
ist und die so jedes Kompaktum wie etwa $K$ oder $L$ 
irgendwann einmal endg"ultig verl"a"st. In diesem Fall w"are der
Definitionsbereich nach unten unbeschr"ankt und unser Flu"sweg
w"urde f"ur negative Zeiten gegen eine Nullstelle unseres Vektorfeldes
konvergieren, die im Zentrum der Spirale liegt.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Fl"usse von Vektorfeldern mit kompaktem Tr"ager}]
Ein Flu"sweg eines lokal lipschitzstetigen Vektorfelds, der durch eine Nullstelle unseres Feldes geht, ist offensichtlich konstant.
Jeder Flu"sweg, der durch eine Nichtnullstelle
unseres Feldes geht,  bleibt also
  f"ur alle Zeiten seines Definitionsbereichs in den Nichtnullstellen.
Jeder Flu"sweg, der durch einen Punkt im Tr"ager
unseres Feldes geht,  bleibt mithin
f"ur alle Zeiten seines Definitionsbereichs im Tr"ager unseres Feldes.
Verschwindet speziell unser Vektorfeld au"serhalb von einem Kompaktum, so ist jeder maximale Flu"sweg 
  auf
  ganz $\DR$ definiert. 
 \end{Bemerkungl}
  \begin{Bemerkungl}\label{VfVf}
 Beim Beweis zeigen wir st"arker als in Teil 2 formuliert:  Ist das 
Defini\-tionsintervall unseres gr"o"sten Flu"swegs nach oben beschr"ankt,
so kann er nicht ab irgendeinem  Zeitpunkt ganz innerhalb irgendeiner
in unserem 
affinen Raum abgeschlossenen Teilmenge bleiben, die im Definitionsbereich
unseres Vektorfelds enthalten ist und auf der unser Vektorfeld beschr"ankt ist.
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}
Zun"achst zeigen wir, da"s je
zwei Flu"swege $\gamma,\psi$  mit demselben
Anfangswert $p$ und demselben Definitionsintervall $I$ "ubereinstimmen.
Wir zeigen nur, da"s sie auf $I\cap [0,\infty)$ "ubereinstimmen,
f"ur $I\cap (-\infty,0]$ argumentiert man analog.
Stimmen aber unsere Wege auf $I\cap [0,\infty)$ 
nicht "uberein, so w"are das Supremum $s$ "uber alle $t\in I$ 
mit $\gamma|[0,t]=\psi|[0,t]$ nicht das Supremum von $I.$ 
Wir h"atten also $s\in I$ und wegen der Stetigkeit der Flu"swege g"alte $\gamma(s)=\psi(s),$ 
und nach der Eindeutigkeitsaussage in Lemma \ref{HlLll} mu"s dann 
auch gelten $\gamma|[0,s+\eta]=\psi|[0,s+\eta]$ f"ur ein positives $\eta$
im Widerspruch zur Wahl von $s$. 
Folglich stimmen je zwei Flu"swege mit Anfangswert $p$ auf
dem Schnitt ihrer Definitionsbereiche "uberein 
und es gibt unter allen Flu"swegen mit Anfangswert  $p$  einen gr"o"sten, 
dessen Definitionsbereich 
eben die Vereinigung der Definitionsbereiche aller Flu"swege zu $p$
ist. W"are dieser Definitionsbereich nicht offen, so enthielte er sein 
Supremum oder sein Infimum. Dann k"onnten wir jedoch um die Bilder
dieser Grenzpunkte auch wieder Flu"swege mit offenem 
Definitionsbereich finden und \glqq ankleben\grqq\  und unser Flu"sweg w"are nicht
maximal gewesen. 
Dieser Widerspruch zeigt, da"s unser gr"o"ster Flu"sweg offenen 
Definitionsbereich hat.
Bezeichne schlie"slich $A$ unser Vektorfeld und $U\co X$ 
seinen Definitionsbereich.
Ist $\gamma : [0,b) \rightarrow U$
ein Flu"sweg von $A$, dessen Bild in einem Kompaktum
$M \subset U$ landet, so ist 
wegen $\dot{\gamma} (t) = A(\gamma (t))$ seine Geschwindigkeit 
$\| \dot{\gamma} (t)\|$
beschr"ankt auf $[0,b)$, mithin ist $\gamma$ lipschitzstetig und besitzt
nach \ref{GSFo}  
eine stetige Fortsetzung $\tilde{\gamma} : [0,b]
\rightarrow M$.
Die Integralform unserer Differentialgleichung zeigt dann sofort, da"s
 auch $\tilde{\gamma}$ ein Flu"sweg von $A$ sein mu"s.
Mithin kann ein Flu"sweg mit nach oben beschr"anktem 
Definitionsbereich, der ganz in einem Kompaktum  $M\subset U$ 
verl"auft, schon einmal nicht maximal sein. Wir erkl"aren nun noch, warum 
ein maximaler Flu"sweg  mit nach oben beschr"anktem 
Definitionsbereich
ab einem gewissen Zeitpunkt auch nicht mehr  in
ein vorgegebenes
  Kompaktum $M\subset U$ 
  zur"uckkehren darf.
  Dazu bemerken wir zun"achst, da"s wir $r>0$ finden k"onnen derart, da"s f"ur
  $$N\pdef \{x\in X\mid d_M(x)\leq r\}$$
  gilt $N\subset U$. In der Tat ist das klar im Fall $U=X$ und folgt sonst,
  indem wir $2r=\op{inf}d_{X\backslash U}(M)$ setzen. Nun ist aber 
  auch $N$ kompakt und die Norm unseres Vektorfelds
  ist folglich beschr"ankt auf $N$ und wir finden mit derselben Argumentation wie zuvor  $\varepsilon >0$ derart,
  da"s f"ur jeden Flu"sweg $\gamma:I\ra U$
  und $t<s$ aus $I$ mit $\gamma(t)\in M$ und $\gamma(s)\not\in N$
  folgt $s-t>\varepsilon$.
  Es ist deshalb nicht m"oglich, da"s ein maximaler Flu"sweg mit nach oben
  beschr"anktem Definitionsbereich unendlich oft abwechselnd
  einen Punkt aus $M$ und dann wieder
  einen Punkt aus $U\backslash N$ durchl"auft. Da wir aber bereits wissen,
  da"s er oberhalb jedes Zeitpunkts einmal $N$ verlassen mu"s,
  kann er dann nicht
  oberhalb jedes Zeitpunkts auch wieder nach $M$ zur"uckkehren.
\end{proof}



\begin{Satz}[\textbf{Picard-Lindel"of, zeitabh"angiger Fall}]
  \begin{enumerate}\item 
    Gegeben ein endlichdimensionaler reeller Raum $X$ und
    $A:(\DR\times X)\lco W\ra \vec X$
    ein stetiges und im Ort lokal partiell lipschitzstetiges zeitabh"angiges Vektorfeld gibt es f"ur
    jedes $(s,p)\in W$ unter allen  Flu"swegen  unseres Feldes
    mit Anfangswert $p$ zum Startzeitpunkt $s$  einen gr"o"sten;
\item Dieser gr"o"ste Flu"sweg $\gamma$  hat als
    Definitionsbereich ein offenes Intervall, und ist besagtes Intervall nach
    oben beschr"ankt, so verl"a"st $(t,\gamma(t))$ 
    f"ur positive
    Zeiten jedes Kompaktum aus  $W$
    irgendwann
    endg"ultig.
  \end{enumerate}
\label{plpp}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl} Mit {\bf lokal partiell lipschitzstetig} ist gemeint, da"s jeder Punkt von $W$ eine
offene Umgebung in $W$ besitzen soll, auf der $A$  
im Sinne von \ref{plp} partiell lipschitzstetig ist.\label{lppp}  
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Mutatis mutandis derselbe wie f"ur zeitunabh"angige Vektorfelder \ref{PiLin}, man mu"s sich nur abweichend auf die Variante 
\ref{plp} des lokalen Existenz-und Eindeutigkeitssatzes  st"utzen.
\end{proof}


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Gegeben ein stetig differenzierbares Vektorfeld $A:\DR^3\ra \DR^3$
  mit $A(p)\in \DR^2\times 0\;\forall p\in \DR^2\times 0$ liegt jede Flu"skurve,
  die die $xy$-Ebene $\DR^2\times 0$ trifft, bereits ganz in der $xy$-Ebene. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Gegeben ein stetig differenzierbares Vektorfeld $A:X\lco U\ra \vec X$
  auf einer offenen Teilmenge eines endlichdimensionalen reellen Raums
  und eine Mannigfaltigkeit $M\subset X$ mit $M\As U$
  und $A(p)\in{\op{T}}_pM\;\forall p\in M$ verl"auft jeder
  Flu"sweg von $A$, der $M$ trifft, bereits ganz in $M$. 
\end{Ubung}
\subsection{Lineare Differentialgleichungen}
\begin{Satz}[\textbf{Homogene
lineare Differentialgleichungen}]
Gegeben ein mehrpunktiges Intervall $I\subset \Bbb{R}$, 
ein endlichdimensionaler\label{LLDa}
reeller Vektorraum $ V $  und eine  stetige Abbildung 
$M: I \rightarrow \op{End}  V $
bilden die differenzierbaren Abbildungen $\gamma : I \rightarrow
 V $ mit 
\begin{equation*}
\gamma' (t) = M(t) \gamma (t) \quad \forall t \in I
\end{equation*}
einen Untervektorraum $\mathcal{L} \subset \op{Ens} (I,  V )$,
den \emph{\bf L"osungsraum}\index{L"osungsraum!einer linearen Differentialgleichung!allgemeiner Fall} unserer 
Differentialgleichung. Weiter ist f"ur
jedes $t_0 \in I$ das Auswerten bei $t_0$ 
ein Vektorraumisomorphismus $\mathcal{L}
\overset{\sim} {\rightarrow}  V ,$ $ \gamma \mapsto \gamma (t_0)$,
der \emph{\bf Anfangswertisomorphismus}.\index{Anfangswertisomorphismus}
\end{Satz}
\begin{Bemerkunge}
  Es ist unmittelbar klar, da"s unter der Annahme, $M$ sei $k$-mal
  stetig differenzierbar, unsere L"osungen $\gamma$ sogar
  $(k+1)$-mal
  stetig differenzierbar sein m"ussen.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkunge}
  Der Satz gilt mit fast demselben Beweis auch im Fall
eines beliebigen Banachraums $V,$ wenn man statt 
dem Raum  $\op{End}  V$ aller Endomorphismen von $V$ 
den normierten  Raum  $\cal{B}(V)$ aller stetigen Endomorphismen von $V$
betrachtet. Wir m"ussen dann nur am Schlu"s des Beweises
 etwas sorgf"altiger argumentieren,
etwa in dem Sinne, da"s ein auf $[0,b)$ definierter Flu"sweg 
nach den Absch"atzungen im Beweis gleichm"a"sig stetig w"are und sich
nach \ref{GSFo} stetig auf $[0,b]$ fortsetzen lie"se.
Das Bild dieser stetigen Fortsetzung  ist in diesem Fall
wieder das gesuchte Kompaktum,
das nicht verlassen wird, im Widerspruch zu \ref{plpp}.
\end{Bemerkunge}


  \begin{Beispiel}[\textbf{Explizite L"osung im eindimensionalen Fall}] 
    Im eindimensionalen Fall $\op{dim}V=1$ oder der Einfachkeit halber
noch besser $V=\DR$ haben wir in \ref{SepV} schon
    allgemeinere
Differentialgleichungen explizit gel"ost. In diesem Fall ist
$M$ eine reellwertige Funktion. Bezeichnen wir sie statt mit $M$ mit
$h:I\ra\DR$ und bezeichnet $H:I\ra\DR$ eine Stammfunktion von $h$,
so sind die L"osungen unserer Differentialgleichung 
$\gamma'(t)=h(t)\gamma(t)$ insbesondere schlicht die Funktionen 
$\gamma(t)=c\op{exp}(H(t))$ f"ur $c\in \DR$. 
  \end{Beispiel}





\begin{proof}[Beweis]
Da"s unser L"osungsraum $\mathcal{L} \subset \op{Ens} (I,  V )$
ein Untervektorraum ist und das Auswerten bei
$t_0$  linear scheint mir beides offensichtlich.
Es bleibt nur, Injektivit"at und Surjektivit"at des
Auswertens zu zeigen.
%Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir dazu $t_0 =0$ annehmen.
Falls $I$ nicht offen ist, w"ahlen  wir 
eine stetige Fortsetzung von $M$ auf ein offenes Intervall
$J\supset I.$ 
Nun erf"ullt $\gamma : J\rightarrow  V $ 
nach \ref{DGSF} unsere Differentialgleichung
genau dann, wenn 
es ein
Flu"sweg des 
zeitabh"angigen 
Vektorfelds $(t,v) \mapsto  M(t) v$ auf $J \times
 V $ ist.
Dies zeitabh"angige
Vektorfeld ist lokal partiell lipschitzstetig
im Sinne von \ref{lppp},  also gibt es 
nach \ref{plpp}
zu jedem $(t_0,v_0)$ mit $t_0\in J$ und $v_0\in V$ unter allen Flu"swegen $\gamma$ mit
$\gamma(t_0)=v_0$ einen gr"o"sten und insbesondere im Fall $t_0\in I$ 
 h"ochstens einen derartigen auf $I$ definierten Flu"sweg.
Das zeigt die Injektivit"at. 
F"ur den Beweis der Surjektivit"at 
reicht es
zu zeigen, da"s der gr"o"ste Flu"sweg des 
zeitabh"angigen Vektorfelds $(t,v)\mapsto
M (t) v$ mit  $\gamma(t_0)=v_0$
auf ganz $J$ definiert ist.
Sicher reicht es zu zeigen, da"s er bis zum oberen Ende von $J$ definiert
ist. Sonst g"abe es aber $b \in J$ derart, da"s die L"osung nicht 
in positiver Richtung "uber $[t_0,b)$
hinaus fortgesetzt werden k"onnte.
Es gibt  jedoch $L$ mit $\| M(t)\| \leq L$ f"ur alle $t \in
[t_0,b],$ daraus folgt f"ur $t\in [t_0,b)$ erst
\begin{equation*}
\| \gamma (t)\| = \left\| v_0 + \int_{t_0}^t M (\tau) \gamma (\tau) \diff \tau
\right\| \leq \| v_0\| + L \int^t_{t_0} \|\gamma (\tau)\| \diff\tau
\end{equation*}
und dann $\| \gamma (t)\| \leq \| v_0\| \op{e}^{L(t-t_0)}$
nach dem Lemma von Gronwall \ref{Gronwall}.
Dann 
w"are aber $\| \gamma (t)\|$ beschr"ankt auf $t\in [t_0,b)$, 
n"amlich durch $\|v_0\| \op{e}^{L(b-t_0)}$,
im Widerspruch zur letzten Aussage im Satz "uber die Existenz und
Eindeutigkeit  \ref{PiLin}  
oder genauer ihrer Verallgemeinerung \ref{plpp} auf den  Fall zeitabh"angiger Vektorfelder.
\end{proof}




\begin{Korollar}[\textbf{Inhomogene lineare Differentialgleichungen}]
Gegeben  $I\subset \Bbb{R}$ ein mehrpunktiges Intervall\label{LLD},  $ V $ ein 
endlichdimensionaler
reeller Vektorraum sowie stetige Abbildungen
$M: I \rightarrow \op{End}  V $
und $f:I\ra V$ 
bilden die differenzierbaren Abbildungen $\gamma : I \rightarrow
 V $ mit 
\begin{equation*}
\gamma' (t) = M(t) \gamma (t) +f(t)\quad \forall t \in I
\end{equation*}
einen affinen Teilraum $\mathcal{L}_{\op{i}}\subset \op{Ens} (I,  V )$  
mit dem  L"osungsraum
der zugeh"origen linearen Gleichung als Raum von Richtungsvektoren.
F"ur
jedes $t_0 \in I$ definiert weiter das Auswerten bei $t_0$ eine Bijektion 
$\mathcal{L}_{\op{i}}
\overset{\sim}{\rightarrow}  V ,$ $ \gamma \mapsto \gamma (t_0)$,
den \emph{\bf Anfangs\-wert\-isomorphismus}.\index{Anfangswertisomorphismus}
\end{Korollar}
\begin{Bemerkunge}
Dies Korollar gilt wieder mit fast demselben Beweis auch  im Fall
eines beliebigen 
Banachraums $V$,  wenn man statt 
dem Raum  $\op{End}  V$ aller Endomorphismen von $V$ 
den normierten  Raum  $\cal{B}(V)$ aller stetigen Endomorphismen von $V$
betrachtet.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}
Die Differenz von je zwei L"osungen der 
inhomogenen Gleichung ist offensichtlich
eine L"osung der zugeh"origen homogenen Gleichung,
und die Summe einer L"osungen der homogenen und einer L"osung der
inhomogenen Gleichung
ist offensichtlich
eine L"osung der inhomogenen Gleichung.
Damit bleibt nur zu zeigen, da"s die inhomogene Gleichung "uberhaupt 
eine L"osung besitzt. Das folgt  "ahnlich wie
im homogenen Fall und ohne weitere
Schwierigkeiten aus unseren allgemeinen Prinzipien. 
Wir geben nun aber sogar eine L"osungsmethode an,
die Methode der \defind{Variation der Konstanten}.
Dazu w"ahlen wir eine Basis $ \gamma_1,\ldots ,\gamma_n$ des
L"osungsraums der homogenen Gleichung und fassen sie zusammen zu
einer L"osung $X: I\ra V^n=\op{Hom}(\DR^n,V)$ der homogenen linearen 
Differentialgleichung 
$$X' (t) = M(t) X (t)$$
f"ur Funktionen $I\ra \op{Hom}(\DR^n,V).$
Da die Werte von $ \gamma_1,\ldots ,\gamma_n$ an jeder Stelle
eine Basis von $V$ bilden, ist $X (t)$ an jeder Stelle
ein Vektorraumisomorphismus. Nun machen wir f"ur die L"osung
unserer inhomogenen Gleichung den Ansatz
$\gamma(t)=X (t)c(t)$ mit $c:I\ra \DR^n$ differenzierbar 
alias $\gamma(t)=c_1(t)\gamma_1(t)+\ldots +c_n(t)\gamma_n(t)$
und finden
$$
\begin{array}{lll}
\gamma' (t) &= &X' (t)c(t)+X (t)c'(t)\\[2mm]
&= &
M(t) X (t)c(t) +X (t)c'(t)\\[2mm]
&= &M(t)\gamma (t) +X (t)c'(t)
\end{array}
$$
Unser Ansatz f"uhrt also zu einer L"osung der inhomogenen Gleichung genau
dann, wenn gilt $X (t)c'(t)=f(t)$ alias 
$c'(t)=X^{-1} (t)f(t).$ Ein $c$ mit dieser Eigenschaft 
existiert aber ganz offensichtlich, eben das Integral der rechten Seite.
\end{proof}
% \begin{Ubung}
% Man berechne die Entwicklung um den Nullpunkt bis zu
% den Termen dritten Grades einschlie"slich f"ur die L"osung 
% mit Anfangswert ?? der Differentialgleichung ??.
% \end{Ubung}






\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verhalten benachbarter Flu"swege}]
Sei $A :X\lco  U \rightarrow \vec{X}$ 
ein lipschitzstetiges\label{VbeNN} 
Vektorfeld auf einer offenen Teilmenge eines endlichdimensionalen Raums
mit Lipschitzkonstante $L$. 
Sind $\gamma_p, \gamma_q :[0,b] \rightarrow U$
Flu"swege zu Anfangswerten $p, q \in U$, so finden wir f"ur
alle $t \in [0,b]$ die Absch"atzung
\begin{eqnarray*}
\| \gamma_p (t) - \gamma_q (t) \| &=& \left\| p+ 
\int^t_0 A (\gamma_p (\tau) ) \diff  \tau
\;-q - \int^t_0 A (\gamma_q (\tau)) \diff \tau \right\|\\
&\leq & \| p-q\| + L \int^t_0 \| \gamma_p (\tau)- 
\gamma_q (\tau)\| \diff \tau
\end{eqnarray*}
und das Lemma von Gronwall \ref{Gronwall} 
liefert f"ur alle $t \in [0,b]$
die Absch"atzung
\begin{equation*}
\| \gamma_p (t) - \gamma_q (t)\| \leq \| p-q\| \op{e}^{Lt} 
\end{equation*}
Salopp gesprochen besagt diese Absch"atzung, da"s zwei Flu"swege 
eines lipschitzstetigen
  Vektorfelds
 \glqq h"ochstens exponentiell 
auseinanderlaufen k"onnen\grqq.
Das Argument vom Schlu"s des  Beweises des Satzes 
"uber homogene lineare Differentialgleichungen \ref{LLDa}
 mag man vergr"obernd 
dahingehend zusammenfassen, da"s sich in diesem Fall eine beliebige L"osung 
h"ochstens exponentiell von der Null-L"osung entfernt und 
insbesondere nicht in endlicher Zeit ins Unendliche entweichen kann.
\end{Bemerkungl}



\begin{Proposition*}[\textbf{L"osungswachstum f"ur lineare
    Differentialgleichungen}] 
  Seien  $V$ ein endlichdimensionaler $\DR$-Vektorraum 
 und $M:[b,c)\ra \op{End}V$ stetig. Bezeichne $\|\;\|$
eine Norm auf $V$ und die\label{LwDD} 
 zugeh"orige Operatornorm auf $\op{End}V$.
Erf"ullt $M$ die Absch"atzung $\|M(t)\|\leq S(t)$ f"ur ein stetiges
$S: [b,c)\ra \DR_{>0}$ und ist $h:[b,c)\ra \DR$ eine L"osung der
Differentialgleichung
$h'(t)= S(t)h(t)$ zum Anfangswert  $h(b)=1$, 
 so gilt f"ur alle L"osungen $\gamma: [b,c)\ra V$ der Differentialgleichung 
$\gamma'(t)=M(t)\gamma(t)$  die Absch"atzung
$$\|\gamma(t)\|\leq h(t) \|\gamma(b)\| \quad\forall t\in [b,c)$$
\end{Proposition*}
\begin{Bemerkungl}
  Die Aussage gilt allgemeiner und mit demselben Beweis,
wenn $V$ ein beliebiger reeller Banachraum ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
 Unsere Differentialgleichung kann umgeschrieben werden zur Integralgleichung
\begin{equation*}
 \gamma (t) = \gamma (b) + \int^t_b M (\tau) \gamma (\tau) \diff \tau
\end{equation*}
So erhalten wir die Absch"atzung
\begin{equation*}
\| \gamma (t) \| < C + \int^t_b S(\tau)\| \gamma (\tau) \| \diff \tau
\end{equation*}
f"ur alle $t \in [b,c)$ und alle $C$ mit $ \| \gamma (b) \|<C$.
  Das Integral definiert eine Funktion $g(t)$
mit $ g^\prime (t)= S(t)\| \gamma (t) \|<S(t)C
 + S(t) g (t)$ und mit $g(b)=0$.
F"ur $f(t)=Ch(t)-C$ gilt nun sicher
$f^\prime (t) =  S(t)C + S(t) f (t)$ und  $f(b)=0$.
Nach unseren Erkenntnissen "uber strikte differentielle 
Ungleichheiten \ref{ABLo}
folgt $g(t)\leq f(t)$ f"ur alle $t\in [b,c)$ und damit
\begin{equation*}
\| \gamma (t) \| \leq Ch(t) \quad\forall t\in [b,c)
\end{equation*}
Da das f"ur alle $C$ mit $ \| \gamma (b) \|<C$ gilt, folgt die Proposition.
\end{proof}

\begin{Korollar*}\label{AbLw} 
  Seien $b>0$ und $V$ ein endlichdimensionaler $\DR$-Vektorraum 
 und $M:(0,b]\ra \op{End}V$ stetig. Bezeichne $\|\;\|$
eine Norm auf $V$ und die zugeh"orige Operatornorm auf $\op{End}V$.
Erf"ullt $M$ die Absch"atzung $\|M(t)\|<N/t$ f"ur ein $N\in \DR_{>0}$, 
 so gilt f"ur alle L"osungen $\gamma(t)$ der Differentialgleichung 
$\gamma'(t)=M(t)\gamma(t)$ die Absch"atzung
$$\|\gamma(t)\|\leq \|\gamma(b)\| (b/t)^N$$
\end{Korollar*}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Nahe lineare Differentialgleichungen haben nahe L"osungen}] 
  Seien  $V$ ein endlichdimensionaler normierter 
 $\DR$-Vektorraum und $b>0$.
Seien $A,B:[0,b]\ra \op{End}V$ stetig mit durch 
 $M>0$  beschr"ankter Operatornorm.
F"ur  L"osungen $\phi,\psi:[0,b]\ra V$  
der Differentialgleichungen
 $\phi'(t)=A(t)\phi(t)$ und $\psi'(t)=B(t)\psi(t)$
mit demselben Anfangswert $v=\phi(0)=\psi(0)$ 
zeige\label{NDGF} man die Absch"atzung
$$\|\phi(t)-\psi(t)\|\leq 
\op{exp}(t\|A-B\|_\infty\cdot \|v\| {\op{e}}^{Mb})$$
Hinweis: Man finde zun"achst mit \ref{VbeNN} Schranken f"ur die L"osungen
und dann durch nochmalige Anwendung eine Schranke f"ur ihre Differenz.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Bestimmen  Sie alle L"osungen der linearen Differentialgleichung  
$y' + y\sin (x)  = \cos (x)\sin (x)$.
\end{Ubung}



\subsection{L"osungen als Funktionen ihres Anfangswerts*}

\begin{Definition}
Ein stetig differenzierbares Vektorfeld 
auf einer offenen Teilmenge $U$ eines endlichdimensionalen
reellen Raums $X$ besitzt nach \ref{PiLi}
 zu jedem Anfangswert $q\in U$ einen\label{DFlu}  
gr"o"sten Flu"sweg $\gamma_q:I_q\ra U$. Wir erkl"aren
seinen {\bf Flu"s}\index{Flu"s!von Vektorfeld} als die Abbildung 
$$\Phi:(t,q)\mapsto \gamma_q(t)$$ von der Menge
$\tilde{U}\pdef\{(t,q)\in \DR\times U\mid t\in I_q\},$ dem 
{\bf Definitionsbereich des Flusses}, in den
Definitionsbereich $U$ unseres Vektorfelds.  Allgemeiner vereinbaren wir dieselbe Definition f"ur jedes 
Vektorfeld, das  zu jedem Anfangswert einen 
gr"o"sten Flu"sweg besitzt.
\end{Definition}



\begin{Satz}[\textbf{L"osungen als Funktionen ihres Anfangswerts}]
Gegeben ein glattes Vektorfeld\label{ALAW}
auf einer offenen Teilmenge eines 
%vollst"andigen normierten
endlichdimensionalen
reellen Raums hat sein Flu"s offenen Definitionsbereich und ist 
ebenfalls glatt. 
\end{Satz}


\begin{Bemerkunge}
  Auch dieser Satz gilt mit fast demselben Beweis 
allgemeiner f"ur jeden\label{ALAWk}  
Banachraum.
Beim Beweis zeigen wir sogar, da"s f"ur jedes
$\mathcal C^k$-Vektorfeld mit $k\geq 1$ sein Flu"s
einen offenen Definitionsbereich
hat und auch von der Klasse $\mathcal C^k$ ist.  
\end{Bemerkunge}
  \begin{proof}
   Gegeben ein %vollst"andiger normierter 
endlichdimensionaler reeller 
    Raum $X$, ein
    $\cal{C}^k$-Vektorfeld $A :X\lco U \rightarrow \vec{X}$ mit
 $k\geq 1$ und ein Punkt $p \in U$
    w"ahlen wir  zun"achst offene Umgebungen $V \co U$ von $p$ und $W
    \co \vec{X}$ von Null mit $V +W \subset U.$ 
Weiter w"ahlen wir eine Norm auf $\vec X$.
Dann betrachten wir f"ur ein mehrpunktiges kompaktes reelles Intervall $I \subset
\Bbb{R}$ mit $0\in I$ den affinen Raum $$\mathcal{C}^1_p (I,X)$$ aller
stetig differenzierbaren Wege $\gamma : I \rightarrow X$ mit
$\gamma (0) =p$. Seinen Richtungsraum 
$\mathcal{C}^1_0 (I,\vec{X})$  versehen wir mit der Norm
$ \|\varphi \|_\infty + \| \varphi'\|_\infty$
der gleichm"a"sigen Konvergenz von Funktion und erster Ableitung.
Nach \ref{VSWnnc} erhalten wir so einen reellen Banachraum.
Nun betrachten wir die Abbildung
    $$
\begin{array}{cccc}
F:& \Bbb{R} \times V \times \mathcal{C}^{1}_0 (I,W) 
&\rightarrow & \mathcal{C}
(I,\vec{X})\\
&(\tau\;,\;q\;,\;\psi)\;\;\;&\mapsto & \psi'-\tau (A\circ (q+\psi))
\end{array}
$$
Genau dann wird $(\tau,q,\psi)$ auf Null abgebildet, wenn $t\mapsto \gamma
(t) = q + \psi (t)$ ein Flu"sweg des reskalierten Vektorfelds $\tau
 A$  zum Anfangswert $\gamma (0) =q$ ist.  
Nach
Summenregel \ref{SuRe},
Produktregel
 \ref{PRm} und dem im Anschlu"s bewiesenen Lemma 
\ref{SFd} ist $F$ differenzierbar mit
 Differential
\begin{equation*}
(\tiff_{(\tau, q, \psi)} F) (h,v,\alpha) = \alpha' - h 
(A \circ (q +\psi)) - \tau  ((\tiff A) \circ (q + \psi, v +\alpha))
\end{equation*}
Insbesondere gilt
$(\tiff_{(0,p,0)} F) (0,0,\alpha) = \alpha'$, und da $\alpha \mapsto
\alpha'$ eine stetige und stetig umkehrbare Bijektion $\mathcal{C}^{1}_0
(I,\vec{X}) \overset{\sim}{\rightarrow} \mathcal{C} (I, \vec{X})$ definiert
und $F$ nach unserer Formel stetig differenzierbar ist,
d"urfen wir den Satz "uber implizite Funktionen \ref{IFBR} anwenden.  Er
liefert uns ein Paar $(A_1, B_1)$ mit $(0,p) \in A_1 \co \Bbb{R} \times V$ und
$0 \in B_1 \co \mathcal{C}^{1}_0 (I,W)$ derart, da"s es f"ur jedes $(\tau, q)
\in A_1$ genau ein $\psi_{\tau,q} \in B_1$ gibt, f"ur das $\gamma_{\tau,q} = q
+ \psi_{\tau,q}$ ein auf $I$ definierter Flu"sweg des reskalierten
Vektorfelds $\tau  A$ mit Anfangswert $q$ ist.  
W"ahlen wir also etwa $I=[-1,1],$ so finden wir in $A_1$ 
eine offene Umgebung von $(0,p)$ der Gestalt $(-\eta,\eta)\times D,$
und daselbst ist dann auch der Flu"s definiert. Da Flu"swege
unter Zeitverschiebung Flu"swege bleiben, zeigt das schon mal, 
da"s unser Flu"s einen offenen Definitionsbereich hat.
Weiter ist $F$ nach obiger Formel f"ur sein Differential sogar von der Klasse 
$\cal{C}^k$ im Sinne von \ref{stdd}. Damit  zeigt der
Satz "uber implizite Funktionen mit den Resultaten und 
Definitionen von \ref{Habl} aber auch, 
da"s die Zuordnung $(\tau,q) \mapsto
\gamma_{\tau,q}$ eine $\cal{C}^k$-Abbildung 
$(-\eta,\eta)\times D \rightarrow \mathcal{C}^{1}
(I,U)$ ist. Verkn"upfen wir diese mit dem Auswerten an einer festen Stelle
$t \in I\backslash 0,$ einer stetigen affinen Abbildung, 
und beachten $\gamma_{\tau,q}(t)= \gamma_{q}(\tau t)$, so folgt, da"s der
Flu"s selbst eine $\cal{C}^k$-Abbildung ist.
\end{proof}



\begin{Lemma}\label{SFd}
Seien $X,Y$ 
normierte R"aume und $A:X\lco U \rightarrow Y$ stetig
differenzierbar. F"ur jedes Kompaktum $K$ ist dann auch die Abbildung
$(A \circ) : \mathcal{C} (K,U) \rightarrow
\mathcal{C} (K,Y)$ differenzierbar und ihr Differential pa"st in ein
kommutatives Diagramm
\begin{displaymath}
\xymatrix{
\mathcal{C} (K,U) \times \mathcal{C} (K,\vec{X})\ar[d]^\wr 
\ar[r]^-{\tiff(A\circ)} & \mathcal{C} (K,\vec{Y})
\ar@{=}[d]\\
\mathcal{C}(K,U \times \vec{X}) \ar[r]^-{(\tiff A)\circ} & 
\mathcal{C} (K,\vec{Y})
}
\end{displaymath}
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
Hier verstehen wir f"ur jeden normierten Raum $Z$ den Abbildungsraum
$\mathcal{C} (K,Z)$ mit seiner Norm der gleichm"a"sigen Konvergenz
und identifizieren den Richtungsraum unseres Abbildungsraums in der
hoffentlich offensichtlichen Weise mit $\mathcal{C}(K,\vec{Z})$. 
In der oberen Horizontalen meinen wir die Abbildung
$(\gamma,\alpha)\mapsto (\tiff_\gamma(A\circ))(\alpha)$ und 
in der unteren Horizontalen  meint $\tiff A$ entsprechend die Abbildung
$\tiff A : U \times \vec{X} \rightarrow \vec{X}$, $(x,v) 
\mapsto (\tiff_x A)
(v)$.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Es reicht, an jeder Stelle 
$\gamma \in \mathcal{C}(K,U)$ die Differenzierbarkeit
zu untersuchen und das Differential $\tiff_\gamma (A \circ )$ zu bestimmen.
Gegeben $\varepsilon > 0$ gibt es 
f"ur alle $x\in\gamma( K)$ ein gr"o"stes 
$\eta(x)=\eta_\varepsilon(x)\in (0,1)$ derart, 
da"s gilt $\op{B}(x;\eta(x))\subset U$  und 
\begin{equation*}
\| x - z \| < \eta(x) \;\RA\; \| \tiff_x A - \tiff_z A\| 
\leq \varepsilon
\end{equation*}
Man erkennt unschwer, da"s $\eta:\gamma( K)\ra (0,1)$ stetig ist,
ja sogar lipschitzstetig mit Lipschitz-Konstante Zwei.
Sei $\delta=\delta_\varepsilon>0$ das Minimum von
$\eta$ auf unserem Kompaktum $\gamma( K).$
F"ur $x \in \gamma(K)$ und $h \in \vec{X}$ mit $\| h\| \leq \delta$ 
liefert dann
der Schrankensatz oder vielmehr sein Korollar \ref{Asc} die Absch"atzung
\begin{equation*}
\| A (x + h) - A(x) - (\tiff_x A)(h) \| \leq \| h \| \varepsilon
\end{equation*}
F"ur jedes $\alpha : K \rightarrow \vec{X}$ mit $\| \alpha \| \leq \delta$
gilt also
\begin{equation*}
\| A \circ (\gamma + \alpha) - A \circ \gamma - 
(\tiff A) \circ (\gamma , \alpha)\|\leq \|\alpha\|\varepsilon
\end{equation*}
Das war im wesentlichen die Behauptung.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Normalform eines Vektorfelds ohne Nullstelle}]
Gegeben ein glattes Vektorfeld\label{SFVV} auf
einer offenen Teilmenge eines endlichdimensionalen reellen 
Raums, 
das  an einer festen
Stelle nicht verschwindet,  ist unser Feld auf einer offenen Umgebung dieser
Stelle unter einem Diffeomorphismus verwandt zu einem konstanten Feld.
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildTLi}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Beweis von Satz \ref{SFVV} zur 
lokalen Normalform eines Vektorfelds ohne Nullstelle
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
In Koordinaten  gesprochen hat also jedes Vektorfeld, da"s an einer 
vorgegebenen Stelle
nicht verschwindet, in geeigneten lokalen Koordinaten 
$x_1,\ldots, x_n$ um diese Stelle die Gestalt $\frac{\partial}{\partial x_1}.$
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Sei 
$A:X\lco U\ra \vec{X}$ unser Vektorfeld und $p\in U$ die vorgegebene Stelle.
Wir w"ahlen $\vec{Y}\subset \vec{X}$ komplement"ar zur Geraden
mit Richtungsvektor $A_p$ und w"ahlen einen Isomorphismus
$L:\DR^{n-1}\sira \vec{Y}.$ 
Gegeben ein glattes Vektorfeld $A$ auf einer offenen Teilmenge $U$ eines
    endlichdimensionalen affinen Raums schreiben wir im folgenden $A^t q$
    f"ur die Stelle $A^t q\in U$, 
an der der Punkt $q\in U$ landet, wenn er sich f"ur die
    Zeitspanne $t$ mit dem Flu"s des Vektorfelds $A$ treiben l"a"st.
Man zeigt m"uhelos, da"s f"ur hinreichend kleines $\varepsilon>0$ und
eine hinreichend kleine Umgebung $W\co \DR^{n-1}$ des Ursprungs
die Abbildung $(-\varepsilon,\varepsilon)\times W\ra U,$
$(t,\vec w)\mapsto A^t(p+L\vec w)$ sinnvoll definiert und ein Diffeomorphismus
der gew"unschten Art ist.
\end{proof}


 
\subsection{Erg"anzung zu differentiellen Ungleichungen*} 

\begin{Lemma*}[\textbf{Nicht-strikte differentielle Ungleichungen}]
Seien eine stetig differenzierbare
    Funktion $K:\DR^2\lco U\ra \DR$ und $a<b$ gegeben und seien $f,g:[a,b)\ra \DR$
    differenzierbare Funktionen mit Graph in $U$ derart, da"s\label{GrVVm} an
    jeder Stelle $t\in [a,b)$ gilt
$$f'(t)\geq K(t,f(t))\quad\text{und}\quad g'(t)\leq K(t,g(t)).$$
      Haben wir au"serdem
      $g(0)\leq f(0)$, so folgt $g(t)\leq f(t)$ f"ur alle $t\in [a,b)$.
\end{Lemma*}

\begin{Bemerkungl}
Die analoge Aussage mit einer strikten Ungleichung in der Formelzeile 
ist leichter zu zeigen und gilt sogar f"ur beliebige Funktionen 
$K$, vergleiche 
\ref{ABLo}. 
 \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Ich erwarte, da"s die Aussage weiter gilt, wenn wir
  $K$ nur stetig und in Bezug auf die zweite Variable
  lokal partiell lipschitzstetig annehmen, kann es aber nicht beweisen.
  Am liebsten h"atte ich eh auch schon f"ur obige Aussage
  einen einfacheren Beweis. 
 \end{Bemerkungl}
 \begin{proof}
Die Beweisidee besteht darin, sich  durch einen geeigneten Koordinatenwechsel  
auf den Fall zur"uckzuziehen, da"s $K$ die Nullfunktion ist.
Wir argumentieren durch Widerspruch. W"are die Aussage des Lemmas
falsch, so geh"orte 
$$t\pdef \op{inf}\{s\in [a,b)\mid  g(s)>f(s)\}$$
zu $[a,b)$ und wir h"atten $g(t)=f(t)$.
Wir setzen $y\pdef g(t)=f(t)$.
  F"ur jedes $(t,y)\in U$ gibt  es nach
Satz \ref{ALAW} "uber den Flu"s, genauer seiner Variante \ref{ALAWk}
f"ur stetig differenzierbare Vektorfelder, positive 
$\varepsilon,\delta >0$ und
   $F:(t-\delta,t+\delta)\times (y-\varepsilon, y+\varepsilon)\ra \DR$
  stetig  differenzierbar mit $(s,F(s, z))\in U$ f"ur alle $(s,z)$ aus dem
   Definitionsbereich von $F$ und $k_z:s\mapsto F(s,z)$ einer L"osung der
   Differentialgleichung $k_z'(s)=K(s,k_z(s))$ mit Anfangswert $k_z(t)=z$
f"ur alle $z\in (y-\varepsilon, y+\varepsilon)$.
 Indem wir, um uns zus"atzliches Nachdenken
zu ersparen, m"oglicherweise $\varepsilon$ und $\delta$ 
noch verkleinern, d"urfen wir sogar annehmen, da"s 
die Abbildung $\bar F:(s,z)\mapsto (s, F(s,z))$ offenes
Bild $V\co U$ und eine stetig differenzierbare
  Umkehrfunktion $\bar H:V\sira (t-\delta,t+\delta)\times (y-\varepsilon,
  y+\varepsilon)$ hat, die wir nat"urlich als
$\bar H(s,u)=(s,H(s,u))$ schreiben k"onnen mit $H:V\ra\DR$. 
Nun k"onnen wir $\delta>0$ sogar so klein w"ahlen, da"s gilt
$(s,f(s)),(s,g(s))\in V$ f"ur alle $s\in [t,t+\delta)$.  
Offensichtlich gilt $\partial_uF>0$ und dann auch $\partial_u H>0$ auf den
jeweiligen Definitionsbereichen. Wir erreichen also bereits 
den gesuchten Widerspruch,  wenn wir 
$H(s, g(s))\leq H(s,k_y(s))\leq H(s,f(s))$ zeigen f"ur $s\in [t,t+\delta)$.
Es reicht, die erste Ungleichung zu zeigen.
Nach Konstruktion von $H$ gilt  $z=H(s,k_z(s))$ f"ur alle $(s,z)$.
Damit m"ussen wir einerseits nur noch $H(s, g(s))\leq y$ zeigen
f"ur $s\in [t,t+\delta)$,
und andererseits erhalten wir  
$$0=\frac{\diff}{\diff s}H(s,k_z(s)) =
\frac{\partial H}{\partial s}(s,k_z(s))+ 
\frac{\partial H}{\partial u}(s,k_z(s))k_z'(s)% =
$$
alias $0=\frac{\partial H}{\partial s}(s,u)+ 
\left(\frac{\partial H}{\partial u}(s,u)\right)K(s,u)$ f"ur alle $(s,u)\in V$. 
Insbesondere haben wir
$$
\begin{array}{lll}
\frac{\diff}{\diff s}H(s,g(s)) &=&
\frac{\partial H}{\partial s}(s,g(s))+ 
\frac{\partial H}{\partial u}(s,g(s))g'(s)
\\[2mm]&\leq& \frac{\partial H}{\partial s}(s,g(s))+ 
\left(\frac{\partial H}{\partial u}(s,g(s))\right)K(s,g(s))=0
\end{array}
$$
Daraus folgt aber sofort $H(s, g(s))\leq y$ f"ur $s\in [t,t+\delta)$.
 \end{proof}




%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAN2"
%%% End: 





