%\section{Umkehrsatz und Anwendungen}
\subsection{Untermannigfaltigkeiten reeller R"aume}\label{EMF}
\begin{Bemerkungl}
Im weiteren Verlauf der Vorlesung  werden wir Formeln
herleiten  f"ur die Oberfl"ache einer Kugel oder 
eines Ellipsoids oder eines Torus alias Schwimmrings im $\DR^3$ und 
allgemeiner Maxima und Minima von Funktionen auf derartigen
Gebilden untersuchen. Sp"ater werden wir
dar"uber hinaus   Funktionen 
"uber derartige Gebilde integrieren. 
Um alle diese Formeln
in angemessener Allgemeinheit diskutieren zu k"onnen,
f"uhren wir hier den Begriff der Untermannigfaltigkeit 
einer endlichdimensionalen reellen Raums ein und
erkl"aren, wie man mit diesem Begriff umgeht.
Anschlie"send diskutieren wir dann 
Extremwertaufgaben. 
% Die Integration
% "uber Untermannigfaltigkeiten
% besprechen wir erst in \ref{OFLM} folgende.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildLPK}\\[4mm]
\noindent 
Der Einheitskreis ist eine eindimensionale Untermannigfaltigkeit der
Ebene $M\subset \DR^2$. Eine Pl"attung um beliebige Punkte 
aus der oberen Halbebene $U$ wird etwa gegeben durch 
$g(x,y)=(x,\sqrt{x^2+y^2}-1)$. In diesem Fall besteht $g(U)$ aus
dem schraffierten Bereich, also aus
allen Punkten oberhalb des Graphen der Funktion
$x\mapsto |x|-1$.
\end{figure}
\begin{Definition}\label{MFoR}
Sei $X$ ein  reeller Raum endlicher
Dimension und $k\geq 0$ eine nat"urliche Zahl.
Eine Teilmenge $M \subset X$ hei"st eine 
{\bf $k$-dimensionale 
${\cal{C}}^1$-Unter\-man\-nig\-fal\-tig\-keit}\index{Mannigfaltigkeit!Untermannigfaltigkeit von affinem Raum} 
oder kurz  
{\bf Untermannigfaltigkeit}\index{Untermannigfaltigkeit!von affinem Raum}
 von  $X$ 
genau dann, wenn es
f"ur jeden Punkt $p\in M$ ein
Paar $(U,g)$  gibt bestehend aus einer offenen Umgebung $U\co X$ 
von $p$  und einem ${\cal{C}}^1$-Diffeomorphismus $g: U\sira g(U)$ von $U$ auf
eine offene Teilmenge $g(U) \co \Bbb{R}^{n}$ derart, da"s 
gilt:
$$
g(U\cap M)=\{z\in g(U) \mid z_{k+1}=\ldots=z_n=0\} 
$$
Ein derartiges Paar $(U,g)$ hei"st eine 
\defind{Pl"attung} von
$M$ um $p$. Na\-t"ur\-lich gilt hier  notwendig
$n=\dim_{\Bbb{R}} X$.
Auf der rechten Seite unserer Gleichung h"atte ich auch k"urzer 
$g(U)\cap (\Bbb{R}^{k}\times 0^{n-k})$ schreiben k"onnen, wobei die $0^{n-k}$ f"ur
die einelemen\-tige Menge $\{0\}\subset \Bbb{R}^{n-k}$ steht. 
In vergleichbaren Situationen werde ich
von nun an diese abgek"urzte Darstellung bevorzugen. 
Im Grenzfall $k=n=\dim_{\Bbb{R}} X$ ist insbesondere eine 
Untermannigfaltigkeit dasselbe wie eine offene Teilmenge.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
Manche Autoren fordern von Mannigfaltigkeiten zus"atzlich, da"s sie
zusammenh"angend sein sollen. Andere Autoren, zum Beispiel
Warner \cite{Warner}, verwenden den Begriff einer Untermannigfaltigkeit
in einer anderen Bedeutung: Unsere Untermannigfaltigkeiten 
im Sinne der vorhergehenden Definition  w"urden
diese Autoren als \glqq eingebettete Untermannigfaltigkeiten\grqq\  bezeichnen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{LoKorr}
Sei $X$ ein reeller Raum endlicher
Dimension.
Einen ${\cal{C}}^1$-Diffeomorphis\-mus $g$ von einer offenen
Umgebung $U$ eines Punktes $p\in X$ auf eine offene Teilmenge
$g(U)$ eines $\DR^n$ nennt man auch ein {\bf lokales} 
\defind{Koordinatensystem}
um den Punkt $p$ und die Komponenten $g_1,\ldots ,g_n$ von $g$ hei"sen die
\defind{Koordinaten} $g_i:U\ra \DR$ unseres Koordinatensystems. Ein typisches 
Beispiel sind etwa die Polarkoordinaten auf offenen Teilmengen von 
$X=\DR^2$, bei denen   man statt  $(g_1,g_2)$ 
meist $(r, \vartheta)$ schreibt.
In dieser Terminologie kann  etwa eine Untermannigfaltigkeit von $X$ 
der Dimension Eins beschrieben werden als eine Teilmenge $M\subset X$ 
derart, da"s es um jeden Punkt $p\in M$ ein lokales Koordinatensystem 
von $X$ gibt, unter dem $M$ einer Koordinatenachse entspricht. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
Jeder  affine Teilraum 
$Y\subset X$ ist eine Untermannigfaltigkeit
der Dimension $\op{dim}Y$. Der Graph jeder $\cal{C}^1$-Funktion 
$f:\DR^2\ra\DR$ ist eine zweidimensionale Untermannigfaltigkeit 
des $\DR^3$, als Pl"attung mag man $g :\DR^3\sira \DR^3$ mit
$g(x,y,z)=(x,y,z-f(x,y))$ nehmen. 
Der Einheitskreis  ist eine eindimensionale Untermannigfaltigkeit  des
$\DR^2$.  Eine Untermannigfaltigkeit 
der Dimension Null ist dasselbe wie eine diskrete
  Teilmenge im Sinne von \ref{DiTMm}. 
\end{Beispiele}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=6cm]{SkriptenBilder/BildBorr}\hfill
\includegraphics[width=6cm]{SkriptenBilder/BildKno}\\[4mm]
\noindent Die links abgebildete Verschlingung ist besonders bemerkenswert 
dadurch, da"s je zwei der Ringe  getrennt werden
k"onnten, wenn eben der Dritte nicht w"are. Sie hei"st
die Verschlingung der 
\defnoind{Borrom"aischen Ringe}\index{Borrom"aische Ringe} nach
einer italienischen Familie, die diese
Ringe  in ihrem Wappen f"uhrte. Rechts ein Beispiel f"ur einen Knoten.
\end{figure}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=8cm]{SkriptenBilder/BildMUB}\\[4mm]
\noindent 
Illustration zum Beweis des Satzes \ref{MN} "uber Mannigfaltigkeiten als
Urbilder. Dick gezackelt eine Niveaulinie einer Funktion $f:U\ra\DR$
mit $U\co\DR^2$. Liegt $p$ auf dieser Niveaulinie und ist
$\diff_pf$ surjektiv alias nicht null, so l"a"st sich $f$ durch eine
lineare Abbildung, im Bild die Abbildung $y$, zu einem 
lokalen Koordinatensystem erg"anzen, und der Umkekrsatz
\ref{UKA}  liefert dann die gesuchte 
lokale Pl"attung unserer Niveaulinie.
\end{figure}


\begin{Bemerkunge}\label{VeSC}
Eine kompakte Untermannigfaltigkeit  
 der Dimension Eins in  $\DR^3$ hei"st
eine \defind{Verschlingung} und, wenn sie zus"atzlich wegzusammenh"angend ist,
ein \defind{Knoten}. Zwei Verschlingungen hei"sen 
\defnoind{isotop}\index{isotop!Verschlingungen}
genau dann, wenn sie durch einen ${\cal{C}}^1$-Diffeomorphismus 
$\DR^3\sira \DR^3$ mit "uberall positiver Funktionaldeterminante
ineinander "uberf"uhrt werden k"onnen.
Die \glqq Knotentheorie\grqq\  versucht, Kriterien daf"ur zu entwickeln,
wann zwei gegebene Verschlingungen isotop sind. 
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}\label{DimI}
Sei $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum.
Sp"atestens mit \ref{KaWe} wird klar, da"s f"ur $k,l\in\DN$ eine Teilmenge 
$M\subset X$ nur dann sowohl eine $k$-di\-men\-sio\-na\-le 
als auch eine $l$-dimensionale Untermannigfaltigkeit sein kann, 
wenn entweder gilt $k=l$ oder aber $M=\emptyset$.
Jede nichtleere Untermannigfaltigkeit hat also eine wohlbestimmte 
Dimension.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{Rand}
Sei $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum.
Eine Untermannigfaltigkeit der Dimension Eins von $X$
hei"st  eine {\bf Kurve}\index{Kurve!in reellem Raum} 
in $X$ und eine
Untermannigfaltigkeit der Dimension Zwei eine \defind{Fl"ache}.
Gegeben $k\leq \op{dim}X$ 
versteht man unter einer Untermannigfaltigkeit der 
{\bf Kodimension}\index{Kodimension!einer Untermannigfaltigkeit} $k$ 
eine Untermannigfaltigkeit 
der Dimension 
$(\op{dim}X) -k$.
Eine Untermannigfaltigkeit
der 
Kodimension Eins hei"st eine 
{\bf Hyperfl"ache}.\index{Hyperfl"ache!Untermannigfaltigkeit}
Jede offene Teilmenge einer 
Untermannigfaltigkeit ist
selbst eine 
Untermannigfaltigkeit  derselben Dimension.
\end{Bemerkungl}





\begin{Proposition}[\textbf{Untermannigfaltigkeiten als Urbilder}]
Seien $X$ und $Y$  endlichdi\-mensionale\label{MN}
reelle R"aume,  $U\co X$ eine offene Teilmenge und
$f:U\ra Y$ eine stetig differenzierbare Abbildung 
mit
"uberall surjektivem
Differential.
So ist f"ur alle $c\in Y$ das Urbild
$M=f^{-1}(c)$ eine 
Untermannigfaltigkeit  von $X$ der Dimension $\op{dim}X-\op{dim}Y$.
\end{Proposition}


\begin{proof}[Beweis]
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir $X=\DR^n$
und $Y=\DR^m$
annehmen  und haben dann
 $f= (f_{1}, \ldots, f_{m})$. 
F"ur jedes $p\in M$ finden wir sicher  lineare
Abbildungen $l_{m+1}, \ldots, l_{n} : X \ra \Bbb{R}$
derart, da"s das Differential von $g = 
( f_{1}, \ldots, f_{m},l_{m+1}, \ldots ,
l_{n})$ in $p$ bijektiv ist.
Nach dem Umkehrsatz \ref{UKA} gibt es dann $U^{\prime} \co U$ mit $p \in
U^{\prime}$ derart, da"s $g$ einen ${\cal{C}}^1$-Diffeomorphismus
$U^{\prime} \sira g(U^{\prime}) \co \Bbb{R}^{n}$
induziert, und nach Konstruktion gilt 
$g(U^{\prime} \cap M) =
g (U^{\prime}) \cap ( \{c\}\times\Bbb{R}^{n-m}   )$.
Damit erh"alt man dann leicht die gesuchte Pl"attung von $M$ um $p$.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
Die {\bf Sph"aren}\index{S@$S^{n}$ die $n$-Sph"are}
$S^{n} = \{ x \in \Bbb{R}^{n+1}\mid x^{2}_{1} + \ldots + x^{2}_{n+1}
= 1 \}$
sind $n$-dimensionale 
Untermannigfaltigkeiten  in $\Bbb{R}^{n+1}$, denn
das Differential von $x \mapsto x_1^2+\ldots +x_{n+1}^2$ verschwindet 
nirgends auf
der Sph"are $S^{n}$.  
\end{Beispiel}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[\textbf{Jede Untermannigfaltigkeit ist lokal ein Graph}]
  Gegeben eine $k$-dimensionale Untermanngifaltigkeit $M\subset\DR^n$ 
gibt es f"ur jeden Punkt $p\in M$ eine offene Umgebung $U\co \DR^n$
und eine Permutation $\sigma\in\cal S_n$ 
derart, 
da"s  $M\cap U$ unter der entsprechenden Permutation der
Koordinaten dem Graph einer $\cal C^1$-Abbildung $V\ra \DR^{n-k}$ entspricht,
die auf einer offenen Teilmenge $V\co \DR^k$ definiert ist.
Zum Beispiel ist jede eindimensionale Untermannigfaltigkeit der Ebene
$\DR^2$ lokal entweder Graph einer reellwertigen 
$\cal C^1$-Funktion der $x$-Koordinate
oder der an der Hauptdiagonalen gespiegelte Graph  einer reellwertigen 
$\cal C^1$-Funktion der $y$-Koordinate.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{UBOR}
In der Situation von \ref{MN} ist allgemeiner auch f"ur jede
 Untermannigfaltigkeit $C\subset Y$ ihr Urbild $M=f^{-1}(C)$
eine   Untermannigfaltigkeit von $X$
der Dimension $\op{dim}X-\op{dim}Y+\op{dim}C$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Man zeige:  Ist $V$ ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum und
 $\langle\;,\;\rangle$ eine symmetrische Bilinearform auf $V$ und
$c\neq 0$ eine reelle Konstante, so ist
$\{v\in V\mid \langle v,v\rangle=c$ eine Hyperfl"ache in $V$.
\end{Ubung}






