%\section{Umkehrsatz und Anwendungen}
\subsection{Karten und Koordinatensysteme}

\begin{Proposition}[\textbf{Untermannigfaltigkeiten als Bilder}]
Seien ein 
endlichdimensionaler\label{KKR} reeller Raum $X$ der
Dimension $\dim_{\Bbb{R}} X =n$ und  $k\geq 0$ gegeben.
Eine
Teilmenge $M \subset X$ ist  eine $k$-dimensionale 
Untermannigfaltigkeit genau dann, wenn es f"ur jeden Punkt
$p\in M$ eine stetig differenzierbare Abbildung $\varphi : W \ra X$ von einer
offenen Teilmenge   $W \co 
\Bbb{R}^{k}$ nach $X$ gibt derart, da"s
gilt:
\begin{enumerate}
\item
$\varphi (W)$ ist enthalten in $M$ und  offen in $M$ und  enth"alt $p$;
\item
$\diff _{x} \varphi$ ist injektiv f"ur alle $x\in W$;
\item
$\varphi$ ist injektiv und
$\varphi^{-1}:\varphi (W) \ra W$ ist stetig.
\end{enumerate}
\end{Proposition}

\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGbK}\\[4mm]
\noindent Ein Beispiel einer Teilmenge $M$ der Papierebene,
die keine Untermannigfaltigkeit ist und f"ur die die Bedingung
aus \ref{KKR} erf"ullt w"are, wenn wir von unseren Karten nicht
auch noch fordern w"urden, da"s ihre Umkehrabbildungen stetig sind.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}\label{Karte} 
Ein Paar $(W,\varphi)$ wie in der Proposition
nenne ich eine  {\bf Karte}\index{Karte} der %berandeten 
Untermannigfaltigkeit
$M$. Eine Karte der Stadt Freiburg kann als eine Variante 
dieses Begriffs verstanden werden,
bei der $W$ ein Rechteck aus Papier ist und das Bild einiger Punkte
des Papiers unter der Abbildung 
$\varphi$ in  das wirkliche Freiburg  durch bildliche Symbole angezeigt wird.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Im Fall $k=0$ stellt bereits die erste Bedingung sicher, da"s jeder Punkt von
$M$ offen ist in $M$, so da"s $M$ in der Tat eine
nulldimensionale Untermannigfaltigkeit von $X$ ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Ist $M\subset X$ eine  
Untermannigfaltigkeit der Dimension $k$ 
und $( U ,g)$ eine Pl"attung von $M$, 
so liefert die Einschr"ankung von
$g^{-1}$ auf 
$W=g (U) \cap (\Bbb{R}^{k}\times 0^{n-k} )$ 
eine Karte von
$M$. Folglich hat eine Untermannigfaltigkeit um
jeden Punkt mindestens eine Karte.
Ist andererseits $\varphi : W \ra M\subset X$ eine Karte von $M$
um $p$ mit $W \co 
\Bbb{R}^{k}$, so k"onnen wir
Vektoren $v_{1}, \ldots , v_{n-k}
\in \vec{X}$ finden derart, da"s das Differential von
$$\begin{array}{cccl}
\tilde{\varphi} : &W\times \Bbb{R}^{n-k} & \ra & X\\
&(w,t_{1}, \ldots , t_{n-k}) & \mapsto & \varphi (w) + t_{1} v_{1} +
\ldots + t_{n-k} v_{n-k}
\end{array}$$
im Punkt $(\varphi^{-1}(p),0^{n-k})$ bijektiv ist.
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKarte}\\
\noindent Ein Bild zum Beweis von \ref{KKR} im Fall $n=k=1$
\end{figure}
Nach dem Umkehrsatz \ref{UKA} induziert $\tilde{\varphi}$ dann einen
${\cal{C}}^1$-Diffeomorphismus von einer offenen Umgebung $G \co W
\times \Bbb{R}^{n-k}$ von $(\varphi^{-1} (p), 0^{n-k})$ auf eine offene
Umgebung $\tilde{U}\co X$ von $p$.
K"urzen wir in etwas gewagter Notation
$$\{ w\in W\mid (w,0^{n-k})\in G\}= W\cap G$$ ab, so ist
$W\cap G$ offen in $W$ und damit $\varphi(W\cap G)$ offen in $\varphi(W)$
und damit in $M$.
Also gibt es $U_1\co X$ mit $\varphi(W\cap G)=M\cap U_1$.
Dann setzen wir $U=\tilde{U}\cap U_1$ und
$g= \tilde{\varphi}^{-1} : U \ra \Bbb{R}^{n}$
ist die gesuchte Pl"attung von $M$ um $p$.
\end{proof}




\begin{Bemerkungl}\label{LoKoM}
Sei $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum und $M\subset X$ eine
Untermannigfaltigkeit.
Die Umkehrabbildung  $\varphi^{-1}:\varphi(W)\ra \DR^k$ zu einer Karte 
$\varphi:W\ra M$ von $M$ nennen
wir 
in Verallgemeinerung von \ref{LoKorr}
ein {\bf lokales Koordinatensystem von}\index{lokales Koordinatensystem} 
 $M$ und seine
Komponenten $\op{pr}_{i} \circ \varphi^{-1} :\varphi (W) \ra \Bbb{R}$ f"ur
$1 \leq i \leq k$ nennen wir
{\bf lokale Koordinaten auf}\index{lokale Koordinaten} $M$.
Viele Autoren verwenden allerdings auch eine andere Terminologie und verstehen
unter einer Karte das, was wir  ein Koordinatensystem genannt haben.
Lokale Koordinaten um einen  Punkt der Erdoberfl"ache, der nicht gerade auf
dem
sogenannten \glqq Nullmeridian\grqq\  liegt, 
sind etwa die L"angen- und  Breitengrade.
Bilden Funktionen $x_1,\ldots, x_k:U\ra\DR$ ein System von lokalen
Koordinaten auf einer offenen Teilmenge $U\co M$ einer 
Mannigfaltigkeit, und ist $f:U\ra \DR$ eine Funktion,
so bezeichnen wir  mit $$\frac{\partial f}{\partial x_i}$$ auch die Funktion
$U\ra\DR$, die unter der zugeh"origen Karte $\varphi:W\sira U$ verwandt 
ist zu $\frac{\partial (f\circ \varphi)}{\partial x_i}$, wenn denn
$f\circ \varphi$ partiell differenzierbar ist nach der $i$-ten
Variablen. Auch hier 
gilt es zu beachten, da"s $\frac{\partial f}{\partial x_i}$
von der Wahl aller 
Koordinaten abh"angt, und keineswegs nur von der $i$-ten Koordinate.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{DKWe}
Sind $( W_{\al},\varphi_{\al})$ und $(W_{\beta},\varphi_{\beta})$
zwei  Karten einer 
Untermannigfaltigkeit $M$, so
setzen wir $W_{\al\beta} = \varphi^{-1}_{\al}(
\varphi_{\beta} (W_{\beta}))$ und nennen die Abbildung
$$\varphi_{\beta\al} \pdef \varphi^{-1}_{\beta} \circ \varphi_{\al} :
W_{\al\beta} \ra W_{\beta\al}$$
den {\bf Kartenwechsel}\index{Kartenwechsel} zwischen unseren
beiden Karten.
\end{Definition}
\begin{Proposition}\label{KaWe}
Kartenwechsel
sind stets ${\cal{C}}^1$-Diffeomorphismen.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Nach dem Beweis von
\ref{KKR} kann man f"ur
$(W,\varphi)$ eine Karte und $p\in \varphi(W)$ einen 
Punkt aus ihrem Bild
stets eine offene Umgebung $U$ von $p$ in $X$ finden
derart, da"s 
$\varphi^{-1}:U\cap \varphi(W)\ra W$ die
Restriktion  einer Pl"attung $g:U\ra \DR^n$ 
unserer Mannigfaltigkeit ist. 
\end{proof}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{AusDK}
Man zeige:  Gegeben eine Karte $(W,\varphi)$ einer Untermannigfaltigkeit
$M\subset X$ und ein Punkt $p\in W$ gibt es stets ein Paar 
$(U,g)$ bestehend aus einer 
offenen Umgebung $U\co X$ von $\varphi(p)$ und einer $\mathcal C^1$-Abbildung
$g:U\ra W$ derart, da"s gilt  $g(\varphi(y))=y$ f"ur alle 
$y\in\varphi^{-1}(U)$. 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
  Der Doppelkegel $\{(x,y,z)\mid x^2+y^2=z^2\}$ ist keine
  Untermanngigfaltigkeit
des $\DR^3$. Auch die Teilmenge aller seiner Punkte mit nichtnegativer
$z$-Koordinate ist keine
  Untermanngigfaltigkeit
des $\DR^3$. Entfernen wir aus dem Doppelkegel jedoch den Ursprung,
so erhalten wir eine Untermanngigfaltigkeit
des $\DR^3$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{EBM}
Seien $X\subset Y$ ein endlichdimensionaler  reeller Raum
mit einem affinen Teilraum.
So ist eine Teilmenge $M\subset X$  als Teilmenge von $Y$ eine
Untermannigfaltigkeit genau dann, wenn $M$  als Teilmenge von $X$ eine
Untermannigfaltigkeit ist.
\end{Ubung}







