\section{Ma"s und Integral}
Es mag nahe liegen zu versuchen,\label{MaInm} 
jeder Teilmenge des $\DR^n$  ein \glqq Volumen\grqq\  
in $[0,\infty]$ so zuordnen, da"s (1) das Verschieben oder Verdrehen von
Mengen ihr Volumen nicht "andert, da"s (2) bei beliebigen disjunkten 
Vereinigungen das Volumen der Vereinigung die
Summe der Volumina ist, und da"s (3) dem Einheitsw"urfel $[0,1]^n$
das Volumen Eins zugeordnet wird.
Kurzes Nachdenken zeigt jedoch, da"s 
das unm"oglich gelingen kann:
F"ur solch
ein Volumen m"u"ste n"amlich jeder Punkt Volumen Null haben, da ja
unendlich viele Punkte im Einheitsw"urfel liegen, 
und dann m"u"ste
auch der ganze Einheitsw"urfel Volumen Null haben als disjunkte Vereinigung 
einpunktiger Teilmengen. Um diesen Widerspruch zu
vermeiden, 
mag man  etwas schw"acher statt (2) nur noch bei 
\emph{abz"ahlbaren} oder noch schw"acher \emph{endlichen} disjunkten 
Vereinigungen fordern wollen, da"s das Volumen der Vereinigung die
Summe der Volumina ist, aber auch solch einen Volumenbegriff 
kann es f"ur beliebige Teilmengen des $\DR^n$  nicht geben, wie 
im abz"ahlbaren Fall in \ref{ViLe} bereits f"ur $n=1$ ausgef"uhrt wird und
im endlichen Fall f"ur $n\geq 3$ aus dem
sogenannten  \glqq Banach-Tarski-Paradoxon\grqq\ \ref{BaTan} 
oder auch schon aus seinem Vorl"aufer, dem sogenannten
\glqq Hausdorff-Paradoxon\grqq\ folgt. 
Hausdorff zeigte in seinem Buch "uber  Mengenlehre aus dem Jahre 1914 auch,
da"s es in den Dimensionen $n\leq 2$ durchaus
 endlich additive Volumenbegriffe 
der oben beschriebenen Art gibt, aber diese haben in der Mathematik
wenig Relevanz. 
Es ist jedoch m"oglich, f"ur beliebiges $n\in \DN$ 
gewisse Teilmengen des $\DR^n$ als
\glqq me"sbar\grqq\  auszuzeichnen derart,
da"s alle \glqq einigerma"sen vern"unftigen\grqq\  Teilmengen
me"sbar sind, und jeder dieser me"sbaren Mengen ein Volumen 
so zuzuordnen, da"s Bedingung (1), die abz"ahlbare Variante von 
(2) sowie  (3) entsprechend gelten. 
Im folgenden will ich  das ausf"uhren 
 und auch zeigen, wie davon ausgehend eine sehr 
allgemeine Integra\-tions\-theorie entwickelt werden kann, die
sich sowohl in der weiteren Entwicklung der
 Analysis als auch bei der mathematischen
Modellierung der Wahrscheinlichkeit als 
au"serordentlich n"utzlich erweisen wird: Das Lebesgue-Integral.

\subsection{Ma"sr"aume und Ma"se}
\label{MaMa} 

\begin{Bemerkungl}
  Gegeben eine Menge $X$ erinnere ich daran, da"s wir nach \eref{MeKo}{GR} 
 die Menge aller ihrer Teilmengen bilden d"urfen und da"s 
diese Menge die  {\bf Potenzmenge}\index{Potenzmenge} $\cal{P} (X)$ von $X$ hei"st.
Weiter erinnere ich daran, da"s in diesem Text 
aus rein didaktischen Erw"agungen heraus
Teilmengen der Potenzmenge $\cal{P} (X)$  einer Menge $X$  
vorzugsweise als {\bf Systeme von Teilmengen von $X$}\index{System von Teilmengen}  oder
{\bf Mengensysteme}\index{Mengensystem}  angesprochen werden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
  Ein System $\cal{A}$ von Teilmengen
 einer Menge  $X$ alias eine Teilmenge  $\cal{A}\subset \cal{P} (X)$  hei"st eine 
\defind{Mengenalgebra},\label{MeAlg} 
wenn gilt:
\begin{enumerate}
\item
 $\emptyset \in \cal{A};$ 
\item 
$A,B\in \cal{A}\;\RA\;(A\cup B)\in \cal{A};$ 
\item 
$A\in\cal{A}\;\RA\; (X\backslash A)\in \cal{A}$. 
\end{enumerate}
In Worten ist ein System von Teilmengen
einer Menge $X$ also eine 
Mengenalgebra, wenn es stabil ist unter 
dem Bilden von endlichen Vereinigungen und  unter 
dem Bilden von  Komplementen bez"uglich $X$. 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
Ich will kurz diskutieren, warum unsere Definition in Formeln 
zu unserer Definition in Worten\label{UNGm} 
gleichbedeutend ist. Bei der Definition in Worten ist
mitgemeint, da"s eine 
Mengenalgebra 
die leere Menge enthalten soll als 
\glqq die Vereinigung "uber "uberhaupt keine Teilmenge von $X$\grqq,
vergleiche \eref{VSMS}{LA1}.
Bei der Definition in Formeln folgt umgekehrt  die
Stabilit"at von $\mathcal A$ unter endlichen Vereinigungen 
von  mehr als zwei Mengen induktiv.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Eine Mengenalgebra ist nach den de Morgan'schen Regeln \eref{VMR}{GR} 
auch stabil unter dem Bilden von
endlichen Schnitten und von Differenzmengen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{Mess}
Eine Mengenalgebra, die sogar stabil ist unter 
abz"ahlbaren Vereinigungen,
hei"st eine {\bf $\sigma$-Algebra}.\index{Algebra!$\sigma$-Algebra}
\index{sAlgebra@$\sigma$-Algebra} Ein Paar $(X,\cal{M})$ 
bestehend aus einer Menge $X$ und einer $\sigma$-Algebra 
$\cal{M}\subset\cal{P} (X)$  hei"st  ein \defind{Me"sraum}. 
Die Mengen aus $\cal{M}$ hei"sen dann die  
{\bf me"sbaren\index{me"sbar!Menge} Mengen}
von $(X,\cal{M})$ oder kurz die 
{\bf me"sbaren Teilmengen von $X$}.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
In Formeln ist eine $\sigma$-Algebra
also eine Mengenalgebra $\cal{M}\subset\cal{P} (X)$ derart,  
da"s f"ur jede Folge  $(A_n)_{n\in\DN}$ mit $A_n \in \cal{M}\;\forall n\in\DN$ gilt
 $\bigcup_{n\in\DN}A_n\in \cal{M}$. 
Gegeben ein Me"sraum $(X,\cal{M})$  ist  nat"urlich auch ganz $X$ 
me"sbar und
abz"ahlbare Schnitte me"sbarer Mengen sind wieder me"sbar
nach den de Morgan'schen Regeln in ihrer etwas allgemeineren Form 
\eref{dmM}{AN2}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} Auf Franz"osisch hei"st eine $\sigma$-Algebra 
{\bf tribu}.\index{tribu}
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
In jeder Menge bilden die endlichen Teilmengen mitsamt ihren
Komplementen eine Mengenalgebra, die jedoch nur dann eine $\sigma$-Algebra
ist, wenn wir unsere Konstruktion in einer endlichen Menge durchf"uhren.
In jeder Menge bilden die abz"ahlbaren Teilmengen mitsamt ihren
Komplementen eine $\sigma$-Algebra.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Alle endlichen Vereinigungen von Intervallen bilden eine Mengenalgebra
von Teilmengen von $\DR$. Die abz"ahlbaren Vereinigungen von Intervallen 
bilden \emph{keine} $\sigma$-Algebra
von Teilmengen von $\DR$, da dieses Mengensystem nicht unter dem Bilden von
Komplementen stabil ist: Zum Beispiel ist die Menge der
rationalen Zahlen $\DQ\subset\DR$ eine abz"ahlbare 
Vereinigung von Intervallen, genauer von einpunktigen Intervallen, 
aber ihr Komplement $\DR\backslash \DQ$ ist keine abz"ahlbare 
Vereinigung von Intervallen.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}
Ich benutze gerne wie in \eref{dVV}{LA2} erkl"art
f"ur Vereinigungen  das Symbol
$\sqcup$  statt $\cup$, wenn ich andeuten will, da"s die zu vereinigenden
Teilmengen paarweise 
disjunkt sein sollen. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{DeMas} 
Sei $X =(X,\cal{M})$ ein Me"sraum. 
Ein   \defind{Ma"s} 
oder genauer ein 
\defnoind{nichtnegatives Ma"s}\index{Ma"s!nichtnegatives} 
auf $X$ ist
eine Abbildung $\mu :\cal{M} \ra [0,\infty]$ derart, da"s gilt
$\mu(\emptyset)=0$ und 
  $$\mu \left(\bigsqcup_{n\in \DN}A_n\right)= \sum_{n\in \DN} \mu (A_{n})$$ f"ur jede  Folge $(A_{n})_{n\in \DN}$
  von paarweise disjunkten me"sbaren Mengen,  
in Formeln Mengen mit $A_i\cap A_j=\emptyset$ f"ur $i\neq j$.
Diese  Gleichheit ist  in $[0,\infty]$ zu verstehen. Die Summe auf der rechten Seite
 ist dabei zu verstehen als das Supremum "uber alle $\sum_{n=0}^N \mu (A_{n})$ mit $N\in\DN$ und diese  endlichen Summen hinwiederum sind zu verstehen
 im offensichtlichen Monoid  $([0,\infty], +)$.
\end{Definition}




\begin{Lemma} Sei $X =(X,\cal{M})$ ein Me"sraum.
  Eine Abbildung $\mu:\cal{M}\ra [0,\infty]$ ist genau dann ein Ma"s, 
wenn f"ur jede abz"ahlbare Familie 
$(A_i)_{i\in N}$ von paarweise disjunkten me"sbaren Mengen\label{LCM} 
gilt $$\mu \left(\bigsqcup_{i\in N}A_i\right)= \sum_{i\in N} \mu (A_{i})$$
mit der Summe auf der rechten Seite
 zu verstehen als das Supremum "uber alle
  Teilsummen $\sum_{i\in E} \mu (A_{i})$ f"ur $E\subset N$ endlich.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl} Die durch dieses Lemma gegebene "aquivalente Charakterisierung von
  Ma"sen scheint mir konzeptionell richtiger.
  Sie verwendet aber verschiedene 
  weniger vertraute Konventionen und ist deshalb vielleicht weniger
  verst"andlich.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Erf"ullt eine Abbildung $\mu$ also die Bedingungen des Lemmas, so ist sie ein Ma"s.  In der Tat sind sowohl $N=\DN$ als auch $N=\emptyset$ abz"ahlbare Mengen.
Genauer ist die leere Menge
in unseren Konventionen zwar nicht abz"ahlbar unendlich, aber wie jede andere
endliche Menge durchaus abz"ahlbar. Weiter ist in unseren Konventionen die Summe "uber eine die Familie von Elementen von $([0,\infty],+)$  stets Null.  Andererseits erf"ullt auch jedes Ma"s $\mu$ die Bedingungen des Lemmas.
Wir k"onnen n"amlich ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $N\subset\DN$ annehmen und unsere Mengenfamilie $(A_i)_{i\in N}$ zu einer Mengenfolge $(A_n)_{n\in\DN}$ erg"anzen durch
die Bedingung $n\not\in N\RA A_n=\emptyset$ dann gilt 
 $$\mu \left(\bigsqcup_{i\in N}A_i\right)= \mu \left(\bigsqcup_{n\in \DN}A_n\right)= \sum_{n\in \DN} \mu (A_{n})=\sum_{i\in N} \mu (A_{i})$$
wegen
$\bigsqcup_{i\in N}A_i=\bigsqcup_{n\in \DN}A_n$ und 
 den Eigenschaften  eines Ma"ses.\end{proof}




















\begin{Definition}
Ein \defind{Ma"sraum} ist 
ein Tripel $X=(X,\cal{M},\mu)$
bestehend aus einer Menge $X$, einer $\sigma$-Algebra 
$\cal{M}\subset\mathcal P(X)$ und einem Ma"s $\mu: \mathcal M\ra
[0,\infty]$. 
\end{Definition}



\begin{Bemerkunge}
Ein Ma"sraum, bei dem die ganze Menge Ma"s Eins hat, hei"st ein
  \defind{Wahrscheinlichkeitsraum}. Mit diesem Wort geht meist
eine eigene Motivation, Intuition und Buchstabenwahl einher:
Das Ziel ist dann nicht mehr ein begrifflicher Rahmen zur Berechnung 
von Volumina\label{WahR} 
und dergleichen,  sondern  die mathematische Modellierung 
des Zufalls.
Man notiert Wahrscheinlichkeitsr"aume statt $(X,\cal{M},\mu)$ 
meist $(\Omega, \cal{A}, P)$ und
denkt sich dabei $\Omega$ als eine v"ollig unstrukturierte 
und von der speziell untersuchten Fragestellung unabh"angige Menge 
 von \glqq sich paarweise ausschlie"senden
M"oglichkeiten\grqq. 
Das Ma"s $P(A)$ mit $P$ wie
\glqq Probability\grqq\ denkt man sich dann
als die {\bf Wahrscheinlichkeit} f"ur das Eintreten 
einer M"oglichkeit aus $A$. 
Die me"sbaren Teilmengen von $\Omega$ 
hei"sen auch {\bf Ereignisse}.\index{Ereignis}
Ist jede einelementige Teilmenge von $\Omega$ 
me"sbar, so mag man die 
 Elemente 
der Menge $\Omega$  {\bf Elementar-Ereignisse}\index{Elementar-Ereignis}
nennen. 
\end{Bemerkunge}


\begin{Beispiele}
Einfache Beispiele f"ur Ma"se  auf der gesamten Potenzmenge einer
beliebigen Menge $X$ 
sind das  \defind{Dirac-Ma"s} 
$\delta_{x}$ an einem
Punkt $x \in X$, gegeben durch
$$\begin{array}{ccc}
\delta_{x} (A) & = & \left\{ \begin{array}{lcl}
1 & & x \in A;\\ 0& & \text{ sonst}. \end{array} \right.
\end{array}$$
Des weiteren das  \defind{Z"ahlma"s} $\zeta (A) = |A| \in \Bbb{N} \cup \{\infty\}$,
das jeder Teilmenge die Zahl ihrer Elemente zuordnet.
Allgemeiner kann man f"ur jede Menge $X$ und jede Abbildung
$f:X\ra[0,\infty] $ wieder auf der gesamten Potenzmenge von $X$ das Ma"s 
$A\mapsto \sum_{x\in A} f(x)$ betrachten, bei dem
in gewisser Weise \glqq jeder Punkt $x\in X$ mit 
dem Faktor $f(x)$ gewichtet wird\grqq. 
Das vielleicht 
wichtigste Beispiel f"ur ein Ma"s ist das \glqq Lebesgue-Ma"s\grqq\  auf den
\glqq topologisch me"sbaren Mengen\grqq\  oder  \glqq Borelmengen\grqq\ 
des $\DR^n$, dessen
Konstruktion noch aussteht.
\end{Beispiele}




\begin{Bemerkungl}
Sei $X$ eine feste Menge. Sind $\cal{M}, \cal{N} \subset \cal{P} (X)$ 
zwei $\sigma$-Algebren, so ist
auch ihr Schnitt $\cal{M} \cap \cal{N}$ eine $\sigma$-Algebra.
Sogar ein beliebiger Schnitt von $\sigma$-Algebren in $X$
ist wieder eine $\sigma$-Algebra in $X$.    
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Ist $\cal{E} \subset \cal{P} (X)$ irgendein System von Teilmengen einer Menge
$X$, so betrachten wir den Schnitt aller $\sigma$-Algebren,
die $\cal{E}$ umfa"sen. Dieser Schnitt ist offensichtlich die kleinste
$\sigma$-Algebra in $X$, die $\cal{E}$ umfa"st. Er hei"st 
die\index{erzeugt!$\sigma$-Algebra}
{\bf von $\cal{E}$ erzeugte
$\sigma$-Algebra}\index{s@$\sigma$-Algebra!erzeugt von Mengensystem}
und wird $\sigma(\cal{E})$ 
notiert.\index{s@$\sigma(\cal{E})$ von $\cal{E}$ erzeugte $\sigma$-Algebra}  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion des Konzepts einer $\sigma$-Algebra}] 
Eine umgangssprachlich \glqq explizite\grqq\ Beschreibung f"ur die von
einem Mengensystem erzeugte $\sigma$-Algebra zu geben,
ist salopp gesprochen unm"oglich, aber f"ur uns im 
weiteren Verlauf dieser Vorlesung auch nicht relevant. 
 Um Ihnen die 
Schwierigkeiten einer expliziten  Beschreibung
zu zeigen, will ich erst einmal andeuten, wie es \emph{nicht} geht.
Man k"onnte versucht sein, unser Mengensystem zun"achst einmal zu erg"anzen
durch das Hinzunehmen aller abz"ahlbaren Vereinigungen. 
Dann durch Hinzunehmen aller
Komplementmengen solcher abz"ahlbaren Vereinigungen. Dann wieder 
durch  Hinzunehmen aller abz"ahlbaren Vereinigungen, und immer so weiter.
Kriegt man so jede Menge der
von unserem  Mengensystem erzeugten $\sigma$-Algebra
 in endlich vielen Schritten? Eben nicht: Denn nun
mu"s  man auch noch die Vereinigungsmengen  aller Mengenfolgen dazunehmen,
bei denen die erste Menge nach einem Schritt erhalten wurde, die zweite nach 
zwei Schritten und so weiter. Um  die ganze $\sigma$-Algebra zu beschreiben, 
mu"s man stattdessen mit
transfiniter Induktion arbeiten, wie etwa
im Beweis von Lemma \eref{KSAl}{AL} ausgef"uhrt wird, und expliziter wird's nicht mehr. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine Menge $X$ und ein Mengensystem $\mathcal E\subset\mathcal P(X)$\label{ezTO}  
gibt es  stets eine kleinste Topologie  $\mathcal T\subset\mathcal P(X)$,
die $\mathcal E$ umfa"st, n"amlich den Schnitt aller Topologien,
die $\mathcal E$ umfassen. Dieser Schnitt hei"st die 
{\bf von $\mathcal E$ erzeugte Topologie}.\index{Topologie!erzeugt von Mengensystem}
Man kann diese Topologie  explizit beschreiben, indem man
erst die Gesamtheit $\mathcal S$
aller endlichen Schnitte von Mengen 
aus $\mathcal E$ betrachtet und dann 
beliebige Vereinigungen von  Mengen aus $\mathcal S$  
bildet. In der Tat ist das so entstehende Mengensystem 
schon automatisch stabil unter endlichen Schnitten und beliebigen 
Vereinigungen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Man beachte den Kontrast zwischen der von einem Mengensystem 
erzeugten Topologie, die recht explizit angegeben werden kann, 
und der von einem Mengensystem 
erzeugten $\sigma$-Algebra. Der Ursprung dieser Diskrepanz liegt
darin, da"s die Potenzmenge einer endlichen Menge stets wieder
endlich ist, die Potenzmenge einer abz"ahlbaren Menge aber 
im allgemeinen nicht abz"ahlbar. Man k"onnte aber das
kleinste Mengensystem, das ein vogegebenes Mengensystem umfa"st und 
stabil ist unter abz"ahlbaren Schnitten und beliebigen 
Vereinigungen, 
ebenso explizit angeben
wie die von einem Mengensystem erzeugte Topologie. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{BoMa}
Die von den offenen Mengen eines metrischen oder allgemeiner eines
topologischen Raums $X$ erzeugte $\sigma$-Algebra nennen 
wir die $\sigma$-Alge\-bra der {\bf topologisch me"sbaren Teilmengen}
\index{topologisch!me"sbar} oder auch der 
\defnoind{Borelmengen}\index{Borelmenge}
von $X$ oder auch die 
{\bf borelsche $\sigma$-Alge\-bra}\index{borelsche $\sigma$-Alge\-bra} 
und notieren sie\index{Borel@$\op{Borel}(X)$ Borelmengen von $X$}  
$$\op{Borel}(X)$$
Unter einem
\defnoind{topologischen 
Ma"s}\index{Ma"s!topologisches}\index{topologisch!Ma"s}  
verstehen wir ein Ma"s auf der $\sigma$-Algebra
aller 
topologisch me"sbaren Mengen 
eines
topologischen Raums. Ein \defind{Borelma"s} 
auf einem topologischen 
Raum definieren  wir als ein
topologisches Ma"s, das auf allen abgeschlossenen Kompakta 
endliche Werte annimmt. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
In einem Hausdorffraum ist nach \eref{HKA}{AN2} 
jedes Kompaktum abgeschlossen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Das Z"ahlma"s auf $\DR$  ist in unserem Sinne ein topologisches
Ma"s, aber  kein Borelma"s. 
F"ur den Begriff  eines Borelma"ses sind jedoch 
auch viele andere Bedeutungen in der Literatur verbreitet.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
Auch ohne die Kontinuumshypothese vorauszusetzen kann man zeigen, 
da"s jede "uberabz"ahlbare Borelmenge in $\DR$ bereits in Bijektion
zu ganz $\DR$ ist. Wie das genau geht, k"onnen Sie etwa in der
Mengenlehre lernen.
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}
Nat"urlich sind mit unserer Definition auch 
alle abgeschlossenen Mengen topologisch me"sbar. F"ur jede Borelmenge $A\subset\Bbb{R}^n$ und beliebiges $a\in\Bbb{R}^n$ 
ist weiter auch die verschobene Menge $a+A$ 
eine Borelmenge. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
  Ein topologisches Ma"s auf $\DR^n$ hei"st 
{\bf translationsinvariant},\index{translationsinvariant} 
 wenn f"ur beliebiges $a \in \Bbb{R}^{n}$ und jede 
Borelmenge $A \subset \Bbb{R}^n$
gilt $\lambda (a+ A) = \lambda (A)$.
\end{Definition}

\begin{Satz}[\textbf{Charakterisierung des Lebesguema"ses}]
Es gibt  auf dem $\DR^n$ genau 
ein translationsinvariantes topologisches\label{Lee} %\label{Le} 
Ma"s $\lambda$, 
das dem Einheitsw"urfel das Ma"s Eins zuordnet $\lambda ([0,1]^{n}) =1$. 
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Dieses Ma"s $\lambda$ hei"st
das {\bf Lebesgue-Ma"s}
auf dem $\Bbb{R}^n$. Wenn wir zum Ausdruck bringen wollen, 
welches $n$ gemeint ist, notieren wir es auch 
$\lambda^n$.\index{l@$\lambda,\lambda^n$ Lebesguema"s auf $\DR^n$} 
 Die zweite Bedingung an unser Lebesguema"s
nennen wir seine \defind{Normierung}.
In dieser Terminologie k"onnen wir also das 
Lebesguema"s charakterisieren als das eindeutig bestimmte 
normierte translationsinvariante Ma"s auf den Borelmengen des $\DR^n$. 
Anschaulich ordnet $\lambda$ jeder Borelmenge $A \subset
\Bbb{R}^{n}$ ihr {\bf Volumen} oder {\bf Ma"s} 
$\lambda (A) \in [0,\infty]$ zu. 
Der Nachweis der Eindeutigkeit wird dem Leser als
"Ubung \ref{EDIM} und \ref{EDIMn} "uberlassen.
Die Existenz zeigen wir f"ur $n=1$ im
folgenden Abschnitt in Bemerkung \ref{ELes}
und  f"ur beliebiges $n$  in \ref{LeB}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
Viele Autoren verstehen unter dem Lebesguema"s 
abweichend die \glqq Vervollst"andigung\grqq\   im
Sinne von \ref{VvM} 
des
hier beschriebenen Ma"ses.
Wenn es auf derlei Feinheiten ankommt,
mag man  das in Satz \ref{Lee}  beschriebene Ma"s 
genauer  das
\glqq Lebesguema"s auf den Borelmengen\grqq\   nennen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Regularit"at des Lebesguema"ses}]
F"ur das Lebes\-guema"s  $\lambda$ auf dem $\Bbb{R}^n$ und
jede Borelmenge $A \subset \Bbb{R}^{n}$ gilt\label{RlE} 
$$ \lambda (A)=\inf_{\substack{
U\supset A\\ U {\mbox{ \scriptsize{\em offen in} }}\Bbb{R}^n}} \lambda
(U)=\sup_{\substack{ K \subset A
\\ K\mbox{ \scriptsize{\em kompakt}} }} \lambda (K)$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Dieser Satz wird in \ref{REL} gezeigt. Er deutet
eine m"ogliche Konstruktion 
des Le\-bes\-gue-Ma"ses $\lambda$ auf dem $\Bbb{R}^n$ an:
Um das Lebesguema"s einer 
Borelmenge $A\subset\Bbb{R}^n$ zu bestimmen
k"onnen, wir beginnen 
mit dem Fall endlicher disjunkter Vereinigungen von Produkten von
Intervallen. Solche \glqq Quadermengen\grqq\  haben noch ein anschauliches Volumen.
Dann wird f"ur $U$ offen der Wert $\lambda(U)$ definiert als das Supremum "uber
die Volumina aller in $U$ enthaltenen Quadermengen, und schlie"slich 
erh"alt man das Ma"s $\lambda(A)$ einer beliebigen Borelmenge 
$A\subset\Bbb{R}^n$
 als Infimum von $\lambda(U)$ "uber alle  offenen $U$, 
die $A$ umfassen.
Diese Beschreibung von $\lambda(A)$ "ahnelt  unserer
definitiven Konstruktion des Lebesguema"ses. Die wesentliche Schwierigkeit
 ist,  zu zeigen, da"s die so konstruierte Abbildung 
von den Borelmengen in die um $\infty$ erweiterten nichtnegativen 
reellen Zahlen auch tats"achlich
ein Ma"s ist. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Wir
wollen uns zur besseren Motivation sofort "uberlegen, da"s
es schon im Fall $n=1$ keinen vern"unftigen Volumenbegriff 
f"ur {\em beliebige} Teilmengen des $\Bbb{R}^n$
geben kann.
\end{Bemerkungl}



\begin{Lemma}\label{ViLe}
Es gibt kein Ma"s $\lambda : \cal{P}
(\Bbb{R}) \ra [0,\infty]$ auf der $\sigma$-Algebra aller Teilmengen von $\DR$,
das
translationsinvariant und normiert ist.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Erster Beweis, mit etwas Algebra]
  Wir argumentieren durch Widerspruch.
  G"abe es solch ein Ma"s, so f"anden wir auch ein  \glqq rotationsinvariantes\grqq\ Wahrscheinlichkeitsma"s auf der Kreislinie
  mit allen Teilmengen als me"sbaren Mengen, in Formeln 
 $$\mu : \cal{P}
  (S^1) \ra [0,\infty]$$ mit  $\mu(zB)=\mu(B)$ f"ur alle $z\in S^1,B\subset S^1$ und mit $\mu(S^1)=1$. Wir k"onnen etwa $\mu(B)\pdef \lambda (\varphi^{-1}B)$ setzen f"ur $\varphi:[0,1)\sira S^1$ gegeben durch $\varphi(t)\pdef \op{exp}(2\pi{\op{i}}t)$. Ist nun $z\in S^1$ keine Einheitswurzel, so sind
    seine Potenzen $z^n$ f"ur $n\in \DZ$ paarweise verschieden. Ist dann $B\subset S^1$ ein Repr"asentantensystem f"ur die Nebenklassen der
    von $z$ erzeugten Untergruppe $\langle z\rangle\subset S^1$, so liefert
    die Multiplikation eine Bijektion $\langle z\rangle\times B\sira S^1$.
    In andern Worten haben  wir eine disjunkte Zerlegung
    $$S^1=\bigsqcup_{n\in\DZ} z^nB$$
    Es folgt $1=\mu(S^1)=\sum_{n\in\DZ} \mu(z^nB)=\sum_{n\in\DZ} \mu(B)$ und
   das kann weder f"ur $\mu(B)=0$ noch f"ur $\mu(B)>0$ gelten. Widerspruch!
\end{proof}

\begin{proof}[Zweiter Beweis, mit wenig  Algebra]
Wir werden eine Teilmenge $A\subset\Bbb{R}$ und 
Folgen $r_n$ und $q_n$ reeller Zahlen konstruieren derart, da"s gilt:
\begin{enumerate}
\item
Die Mengen $r_n+A$ sind paarweise disjunkt und alle
in $[0,3]$ enthalten.
\item
Die Mengen $q_n+A$ "uberdecken $\Bbb{R}$.
\end{enumerate}
F"ur unsere Menge $A$ m"u"ste also gleichzeitig gelten 
$$
\begin{array}{lll}
\sum_{n=0}^\infty\lambda(A)&
=\sum_{n=0}^\infty\lambda(r_n+A)&\leq \lambda([0,3])\leq 
3\lambda([0,1])
=
3\\[2mm]
\sum_{n=0}^\infty\lambda(A)&
=\sum_{n=0}^\infty\lambda(q_n+A)&\geq \lambda(\Bbb{R})
\geq \sum_{n=0}^\infty \lambda(2n+[0,1])=\infty
\end{array}$$ 
und dieser Widerspruch zeigt dann das Lemma.
Um unsere Menge $A$ zu konstruieren, w"ahlen wir mithilfe von
\eref{VB}{LA1} eine Teilmenge
$I \subset \Bbb{R}$ derart, da"s $\{1\} \cup I$ eine
$\DQ$-Basis von $\Bbb{R}$ ist, und betrachten den von
$I$ erzeugten $\DQ$-Untervektorraum
$\langle I\rangle_{\DQ}\subset\DR$ und die Menge
$A= \langle I\rangle_{\DQ} \cap [0,2]$.
F"ur jede Folge $r_n$ von paarweise verschiedenen 
rationalen Zahlen aus $[0,1]$ sind dann die $r_n+A$ paarweise disjunkt
und in $[0,3]$ enthalten. 
Andererseits finden wir auch f"ur alle $n\in\DZ$ ein
$b_n\in\langle I\rangle_{\DQ}\cap [n-1,n]$, es 
folgt $\langle I\rangle_{\DQ}=\bigcup b_n+A$ und dann
\begin{equation*}
\Bbb{R}=\bigcup_{q\in\DQ,\; n\in\DZ} q+b_n+A\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}


\begin{Bemerkunge}\label{BaTan} 
Es kommt sogar noch schlimmer:
Nach Banach und Tarski ist es m"oglich, die abgeschlossene 
Einheitskugel im $\DR^3$ 
so in sechs paarweise disjunkte Teilmengen zu zerlegen, 
da"s sich diese Teilmengen geeignet verschoben und im Raum
gedreht ohne "Uberlappungen  
zu \emph{zwei}  Einheitskugeln zusammenf"ugen lassen.  
Das ist das sogenannte \defind{Banach-Tarski-Paradoxon}.
Die fraglichen sechs Teilmengen sind dann  nat"urlich nicht 
alle me"sbar.  
\end{Bemerkunge}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Man zeige, da"s die offenen Intervalle mit rationalen Endpunkten
die $\sigma$-Algebra aller Borelmengen der
reellen Zahlengeraden erzeugen.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
 Gegeben ein Ma"sraum und darin eine 
aufsteigende Folge  me"sbarer Mengen 
 $A_{0} \subset A_{1}\subset\ldots$
zeige man\label{AVMM}  
$$\mu \left(\bigcup^{\infty}_{n =0} A_{n}\right) 
= \lim_{n\ra \infty} \mu (A_{n})$$
Hinweis: Man schreibe die fragliche Vereinigung als die 
disjunkte Vereinigung der $A_{n+1}\backslash A_n$. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
 Gegeben ein Ma"sraum und darin eine 
absteigende Folge  me"sbarer Mengen
endlichen Ma"ses\label{NASD}  
 $A_{0} \supset A_{1}\supset\ldots$
zeige man 
$$\mu \left(\bigcap^{\infty}_{n =0} A_{n}\right) 
= \lim_{n\ra \infty} \mu (A_{n})$$
Man zeige auch durch ein Gegenbeispiel, da"s das nicht mehr gelten mu"s, wenn alle Mengen unserer Folge unendliches Ma"s haben.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Vorbereitungen zum Beweis des Satzes von Fubini}]
Seien $X$ eine Menge und $\cal{A} \subset \cal{P} (X)$ eine
Mengenalgebra. Man zeige: (1) Genau dann ist $\cal{A}$\label{SA}  
eine $\sigma$-Algebra, wenn
$\cal{A}$ stabil ist unter 
abz"ahlbaren {\em disjunkten} Vereinigungen.
(2) Genau dann ist $\cal{A}$ eine $\sigma$-Algebra, wenn
$\cal{A}$ stabil ist unter 
abz"ahlbaren {\em aufsteigenden} Vereinigungen im Sinne von \ref{AVM}.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
  Konstruieren Sie in $\DR$ eine offene dichte Teilmenge von endlichem 
Lebesguema"s.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Restriktion von Ma"sen}]
Ist $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum und 
$A\subset X$ eine me"sbare Teilmenge, so bilden die
in $A$ enthaltenen me"sbaren Mengen von $X$ eine 
$\sigma$-Algebra $\cal{M}|_A\subset \mathcal P(A)$ 
und die Einschr"ankung von $\mu$ ist ein Ma"s\label{ResMM} 
$\mu:\cal{M}|_A\ra [0,\infty]$,\index{\mid@$\mu{\mid}_A$ 
Restriktion eines Ma"ses} das wir je nach Kontext auch
ausf"uhrlicher $\mu|_A$ oder $\mu|A$ oder $i^!\mu$ notieren f"ur
$i:A\hra X$ die Einbettung.
Wir nennen $(A,\cal{M}|_A,\mu|_A)$ den {\bf induzierten Ma"sraum}.
\index{induziert!Ma"sraum} 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Verkleben von Ma"sen}]
 Sei ein Me"sraum $X$ 
die Vereinigung einer Folge $X_n$ me"sbarer Teilmengen.
Sei auf jeder unserer\label{VkMM} 
Teilmengen $X_n$ ein Ma"s $\mu_n$ gegeben derart,
da"s gilt $\mu_n|(X_n\cap X_m)=\mu_m|(X_n\cap X_m)$ f"ur alle 
$m,n$. Man zeige, da"s es dann genau ein Ma"s $\mu$ auf $X$ gibt
mit $\mu_n=\mu|X_n$ f"ur alle $n$.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}\label{MGrM}
  Seien $X$ ein Me"sraum und $\mu_i$ eine Folge von endlichen Ma"sen derart,
da"s f"ur jedes me"sbare $A\subset X$ die Folge 
der $\mu_i(A)$ monoton wachsend und beschr"ankt ist. 
So wird durch die Formel $\mu(A)\pdef\lim_{i\ra\infty}\mu_i(A)$ ein weiteres 
Ma"s auf $X$ erkl"art.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}
Ist $A_0, A_1, \ldots$ eine Folge von Mengen aus einer $\sigma$-Algebra,
so geh"ort auch die Menge\index{lim@$\limsup$ limes superior!einer Mengenfolge}\label{lss}  
$$
\limsup A_n \pdef \left\{ 
x \mid  x \in A_n \text{ f"ur unendlich viele } n \right\}
$$
zu unserer $\sigma$-Algebra.
Man nennt sie den {\bf Limes superior}\index{limes superior!einer Mengenfolge} 
unserer Mengenfolge.
\end{Ubung}








\subsection{Konstruktion des Lebesguema"ses auf ${\Bbb{R}}$}
\label{KLR} 
\begin{Definition}
Ein System von Teilmengen
einer gegebenen Menge  hei"st ein 
\defind{Mengenring},
 wenn es stabil ist unter 
dem Bilden von endlichen Vereinigungen und  von 
Differenzmengen.
In Formeln ausgedr"uckt ist ein
   System von Teilmengen
$\cal{I} \subset \cal{P} (X)$ einer Menge  $X$  also ein 
Mengenring, wenn gilt:
\begin{enumerate}
\item
 $\emptyset \in \cal{I};$ 
\item $A,B\in \cal{I}\;\RA\;(A\cup B)\in \cal{I};$ 
\item $A, B\in\cal{I}\;\RA\; (B\backslash A)\in \cal{I}$. 
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Da"s unsere Definition in Worten und unsere 
Definition in Formeln gleichbedeutend sind,
erkennt man wie in \ref{UNGm}.
Ein Mengensystem $\cal{A} \subset \cal{P} (X)$ ist eine Mengenalgebra
genau dann, wenn $\cal{A}$
ein Mengenring ist mit $X\in \cal{A}$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
  Identifiziert man  $\cal{P} (X)$ mit der Menge
  $\op{Ens}(X,\Bbb{F}_2)$ aller Abbildungen von $X$ in den zweielementigen
  K"orper, indem man jeder Menge 
ihre Indikatorfunktion zuordnet,  
so entsprechen unsere Mengenringe $\cal{I}\subset \cal{P} (X)$
  genau den \glqq nicht-unit"aren Teilringen\grqq\  oder in unserer Terminologie
  den $\mathbb Z$-Unteralgebren 
von $\op{Ens}(X,\Bbb{F}_2)$. Unsere Mengenalgebren $\cal{A}\subset \cal{P} (X)$ dahingegen entsprechen 
den \glqq unit"aren Teilringen\grqq, die
  wir in unserer Terminologie \eref{TeRi}{AL} schlicht Teilringe nennen.
Ich komme nicht umhin, hier einen Zusammensto"s kollidierender Begriffswelten zu konstatieren. 
\end{Bemerkungl}








\begin{Definition}
Seien $X$ eine Menge und 
$\cal{I}\subset\cal{P}(X)$ ein Mengenring.
Eine  Abbildung $\mu :\cal{I} \ra [0,\infty]$ hei"st ein 
{\bf Pr"ama"s\index{Pr"ama"s} auf 
$\cal{I}$} oder gleichbedeutend 
{\bf $\sigma$-additiv},\index{additiv!$\sigma$-additiv!auf
  Mengenring}\index{sadditiv@$\sigma$-additiv!auf Mengenring} 
wenn gilt $\mu(\emptyset)=0$ und wenn f"ur jede Folge
$(A_n)_{n\in \DN}$ paarweise disjunkter 
Mengen aus unserem Mengenring mit der Eigenschaft, 
da"s ihre Vereinigung wieder zu unserem Mengenring geh"ort $\bigsqcup_{n\in \DN}A_n\in\mathcal I$, gilt
$$\mu \left(\bigsqcup_{n\in \DN}A_n\right)=
\sum_{n\in \DN} \mu (A_{n})$$ 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Alternative Definition der $\sigma$-Additivit"at}]
Unsere Forderungen an ein Pr"ama"s auf einem Mengenring $\mathcal I$ 
sind gleichbedeutend zur Bedingung, da"s
f"ur jede abz"ahlbare Familie
$(A_n)_{n\in N}$ von
paarweise disjunkten Mengen aus $\cal{I}$,
deren  Vereinigung  wieder zu  $\cal{I}$
geh"ort, gilt
$$\mu \left(\bigsqcup_{n\in N}A_n\right)=
\sum_{n\in N} \mu (A_{n})$$
Man zeigt das wie im Fall von Ma"sen \ref{LCM}. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Eigenschaften von Pr"ama"sen}]
  Seien $X$ eine Menge und 
  $\cal{I}\subset\cal{P}(X)$ ein Mengenring und $\mu:\cal{I}\ra [0,\infty]$
  ein Pr"ama"s. Gegeben $A,B\in \mathcal I$ mit $B\supset A$ folgt
  $\mu(B)\geq \mu(A)$, es gilt ja sogar genauer
  $\mu(B)= \mu(A)+\mu(B\backslash A)$. Gegeben $A_0,\ldots,A_n\in \mathcal I$
  nicht notwendig paarweise disjunkt gilt weiter\label{paus}  
  $$\mu \left(\bigcup_{i=0}^nA_i\right)\leq 
  \sum_{i=0}^n \mu (A_{i})$$
  In der Tat k"onnen wir $B_i\pdef A_i\backslash (A_{i-1}\cup\ldots\cup A_0)$
  betrachten und finden damit $\bigcup_{i=0}^nA_i=\bigsqcup_{i=0}^nB_i$. Ist schlie"slich $(A_i)_{i\in \DN}$ ein Folge in $\mathcal I$ mit
  $\bigcup_{i=0}^\infty A_i$ in $\mathcal I$, so folgt in derselben Weise
  $$\mu \left(\bigcup_{i=0}^\infty A_i\right)= 
  \sum_{i=0}^\infty  \mu (B_{i})\leq \sum_{i=0}^\infty  \mu (A_{i})$$
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\textbf{Ein Pr"ama"s zum Lebesguema"s}] 
Auf dem Mengenring
aller endlichen Vereinigungen von beschr"ankten Intervallen  $\cal{I} \subset \cal{P} (\Bbb{R}) $ gibt es genau\label{MaII} 
ein Pr"ama"s $\lambda$ derart, da"s f"ur jedes nichtleere beschr"ankte
Intervall $I \subset \Bbb{R}$ gilt
$$ \lambda(I) = \sup I - \inf I $$
\end{Lemma}

\begin{proof}
Gegeben $A\in\cal{I}$  betrachten
wir die bis auf Reihenfolge eindeutige Darstellung $A = I_{1} \cup
\ldots \cup I_{r}$ von $A$ als disjunkte Vereinigung der 
maximalen in $A$ enthaltenen Intervalle und m"ussen setzen 
$$\lambda (A) = \lambda (I_{1}) + \ldots + \lambda
(I_{r})$$
Das zeigt die Eindeutigkeit. 
Es gilt  nur noch zu zeigen, da"s 
f"ur $A \pdef \coprod_{n\in\Bbb{N}} A_{n}$ eine disjunkte Vereinigung 
mit $A, A_{n}\in\cal{I}$ gilt 
$$\lambda (A) = \sum_{n\in \Bbb{N}} \lambda (A_{n})$$
Offensichtlich gilt schon einmal
$\lambda (B \sqcup C) = \lambda (B) + \lambda(C) $ f"ur 
$B, C \in\cal{I}$ disjunkt.
Wir setzen nun $B_{n}\pdef A{\setminus} (A_{0}\sqcup \ldots \sqcup A_{n})$.
Dann gilt $B_{n}\in\mathcal I$  und 
$B_0\supset B_1\supset \ldots$ sowie
$\bigcap_{n\in\Bbb{N}} B_{n} =
\emptyset$. Es reicht, wenn wir folgern
$$\lim_{n\ra \infty} \lambda (B_{n})=0$$
W"aren unsere $B_n$ kompakt, so folgte mit \eref{Skoa}{AN2} bereits
$B_n=\emptyset$ f"ur fast alle $n$ und wir w"aren fertig. Der Rest des Beweises
besteht darin, zu zeigen, da"s wir salopp gesprochen beliebig nah an dieser
Situation sind.
Sei genauer $\varepsilon > 0$ beliebig. Wir finden 
f"ur jedes $n$ ein kompaktes $C_n\in\mathcal I$ mit 
 $C_{n} \subset B_{n}$ und
$$\lambda (B_{n}{\setminus} C_{n})\leq 2^{-n} \varepsilon$$
Jetzt betrachten wir $D_{n} \pdef C_{0} \cap \ldots \cap C_{n}$.
Auch die $D_{n}$ sind  kompakt, es gilt $D_n\subset C_n\subset B_n$ und zus"atzlich haben wir nach Konstruktion 
$D_{0} \supset D_{1}\supset\ldots$ Wir zeigen nun  
$\lambda (B_{n}{\setminus} D_{n})\leq 2\varepsilon$ f"ur alle $n$.
In der Tat gilt ja
$$B_{n}{\setminus} D_{n} = \bigcup^{n}_{k=0} B_{n} {\setminus}  C_{k} \subset
\bigcup^{n}_{k=0} B_{k} {\setminus}  C_{k}$$ und folglich
$$\lambda (B_{n}{\setminus} D_{n})\leq \sum^{n}_{k=0} \lambda (B_{k} {\setminus}  C_{k})
\leq \sum^{n}_{k=0} 2^{-k} \varepsilon \leq 2
\varepsilon$$
Nun folgt aber aus $\bigcap_{n\in\Bbb{N}}D_{n} = \emptyset$
und der Kompaktheit der $D_n$ und \eref{Skoa}{AN2} bereits
$D_{N} = \emptyset$ f"ur ein $N$. Damit ergibt sich  
$\lambda (B_{n}) \leq 2
\varepsilon$ f"ur $n\geq N$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl} Eine Funktion $f:\DR\ra\DR$ 
hei"st {\bf linksseitig 
stetig},\index{stetig!linksseitig}\index{linksseitig stetig} 
wenn  f"ur alle $x\in \DR$ gilt $\lim_{y\nearrow x}f(y)=f(x)$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}[\textbf{Stieltjes-Pr"ama"se}] 
Sei $f:\DR\ra\DR$ monoton wachsend und linksseitig 
stetig. 
So gibt  es auf dem Mengenring $\mathcal I$\label{dFf} 
aller
endlichen Vereinigungen beschr"ankter  Intervalle der Gestalt 
$[a,b)$ genau ein Pr"ama"s $\lambda=\diff f$  mit
$\lambda([a,b))=f(b)-f(a)$ f"ur alle $a,b\in\DR$ mit $a<b$.
\end{Lemma}
\begin{proof}
Wir k"onnen den Beweis des vorhergehenden Lemmas
\ref{MaII} im wesentlichen "ubernehmen. Im hier betrachteten Mengenring
ist allerdings $\emptyset$ das einzige Kompaktum.
Stattdessen suchen wir nun 
Elemente $C_n\in \mathcal I$ mit $\bar C_n\subset B_n$ 
und $\lambda(B_n\backslash C_n)\leq 2^{-n}\varepsilon$.
Wir finden solche $C_n$  aufgrund unserer Annahme, 
da"s $f$ linksseitig stetig sein soll.
Dann argumentieren wir wie zuvor und folgern 
$D_{N} = \emptyset$ f"ur hinreichend gro"ses $N$ aus 
$\bigcap_{n\in\Bbb{N}}\bar{C}_{n} = \emptyset$. Die
$\bar{C}_{n}$ sind ja schlie"slich kompakt und wir k"onnen 
wieder \eref{Skoa}{AN2} anwenden.
\end{proof}

% \begin{Bemerkunge}\label{dFfA}
% Ist noch allgemeiner $f:\DR^n\ra\DR$ monoton wachsend und linksseitig 
% stetig in jeder Variablen,
% so zeigt man in derselben Weise, da"s es auf dem Mengenring 
% aller
% endlichen Vereinigungen beschr"ankter  Quader der Gestalt 
% $[a_1,b_1)\times\ldots \times[a_n,b_n)$ genau ein Pr"ama"s $\mu_f$ gibt 
% derart, da"s f"ur $a_i,b_i\in\DR$ mit $a_i<b_i$ der Wert
% $\mu_f([a_1,b_1)\times\ldots \times[a_n,b_n))
% $ auf dem Quader die \glqq alternierende Summe der Werte von $f$ auf
% den Ecken\grqq\  ist. Die Vorzeichen sind
% hierbei in der Weise zu w"ahlen, da"s f"ur keine zwei
% durch eine Kante verbundenen Ecken dasselbe Vorzeichen
% gew"ahlt wird und da"s der Wert an der Ecke $(b_1,\ldots ,b_n)$ mit
% positivem Vorzeichen eingeht. 
% \end{Bemerkunge}
  \begin{Definition}
    Eine Teilmenge eines Raums mit Pr"ama"s hei"st 
{\bf $\sigma$-endlich},\index{sendlich@$\sigma$-endlich}
wenn sie sich durch eine abz"ahlbare Familie
von Mengen endlichen Ma"ses aus
    dem entsprechenden Mengenring "uberdecken l"a"st. Ein Pr"ama"s hei"st
    {\bf $\sigma$-endlich}, wenn der ganze Raum in diesem Sinne
    $\sigma$-endlich ist. 
\end{Definition}

\begin{Satz}[\textbf{Ma"sfortsetzung nach Caratheodory}]
Gegeben eine Menge $X$, ein Mengenring 
$\cal{I} \subset \cal{P} (X)$\label{MHa} 
 und  ein $\sigma$-endliches Pr"ama"s $\mu : \cal{I} \ra [0,\infty]$ existiert
genau eine Fortsetzung von $\mu$ zu einem Ma"s auf der
von $\cal{I}$ erzeugten $\sigma$-Algebra $\sigma (\cal{I})$. 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
 Sowohl die Existenz als auch die Eindeutigkeit
von Ma"sfortsetzungen unter den gegebenen Voraussetzungen 
sind  zentrale Aussagen der Ma"stheorie. Der Beweis des
  Ma"sfortsetzungssatzes wird nach einigen Vorbereitungen direkt vor 
 \ref{VerTn} gef"uhrt werden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Lebesguema"s auf $\DR$}] 
In \ref{MaII} haben wir auf dem Mengenring aller endlichen Vereinigungen\label{ELes}  
beschr"ankter reeller Intervalle ein translationsinvariantes 
Pr"ama"s konstruiert, das dem
abgeschlossenen Einheitsintervall den Wert Eins zuweist.
Mit dem Satz "uber Ma"sfortsetzungen
  \ref{MHa} folgt sofort die in \ref{Lee} behauptete Existenz eines normierten
  translationsinvarianten topologischen Ma"ses auf  der
  reellen Zahlengeraden. Den Nachweis der Eindeutigkeit in \ref{Lee}
  "uberlassen wir dem Leser als "Ubung \ref{EDIM}.  
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}
Gegeben Ma"se $\mu,\nu$ auf demselben Me"sraum 
$(X,\mathcal M)$ sagen wir, $\mu$ sei {\bf gr"o"sergleich} $\nu$
und schreiben $\mu\geq\nu$, wenn gilt 
$\mu(A)\geq\nu(A)\;\forall A\in\mathcal M$. Unter einer
{\bf gr"o"sten Ma"sfortsetzung} eines Pr"ama"ses auf einem Mengenring verstehen
wir das in dieser Teilordnung gr"o"ste Ma"s auf der von unserem Mengenring erzeugten $\sigma$-Algebra, das unser Pr"ama"s fortsetzt. Als gr"o"stes Element einer teilgeordneten Menge ist so
eine gr"o"ste Ma"sfortsetzung eindeutig, wenn sie existiert. 
\end{Bemerkungl}

 

  \begin{Proposition}[\textbf{Konstruktion der gr"o"sten Ma"sfortsetzung}]
Gegeben eine Menge $X$, ein Mengenring\label{KaEw} 
$\cal{I} \subset \cal{P} (X)$ 
 und  ein  Pr"ama"s $\mu : \cal{I} \ra [0,\infty]$
existiert eine gr"o"ste Fortsetzung
von $\mu$ zu einem Ma"s $\mu^\ast$ auf der
von $\cal{I}$ erzeugten $\sigma$-Algebra $\sigma (\cal{I})$ und
der Wert dieser gr"o"sten Ma"sfortsetzung wird
f"ur alle $M\in \sigma (\cal{I})$ gegeben durch
    $$  \mu^\ast (M) = \inf \left\{\left.\sum^{\infty}_{n=0} \mu (A_{n})\right|
  (A_n)_{n\in \DN}  \text{ ist eine Folge in $\cal{I}$ mit }M\subset
    \bigcup A_{n}     
 \right\}$$\index{gr"o"ste Fortsetzung!von Pr"ama"s}
\end{Proposition}




  \begin{Bemerkungl}
Ich erinnere hier an unsere Konvention, 
nach der das Infimum der leeren Menge
das Element $\infty\in\bar \DR$ ist. 
Der Beweis der Proposition 
wird im Anschlu"s an den Beweis des 
Zerlegerlemmas \ref{LC} gegeben.
Wir zeigen darin nur noch, da"s die Formel in der
Proposition auch wirklich eine  Ma"sfortsetzung liefert.
Da"s diese Ma"sfortsetzung die gr"o"ste Ma"sfortsetzung
sein mu"s, ist dann eh klar.
\end{Bemerkungl}


 \begin{Bemerkungl}\label{HaWWm} 
Ist unser Pr"ama"s nicht $\sigma$-endlich, 
so mu"s 
die gr"o"ste Ma"sfortsetzung nicht die einzige Ma"sfortsetzung
sein.
Als erstes Beispiel betrachte man in einer nichtleeren Menge 
den Mengenring, der nur aus der leeren Menge besteht. 
Als etwas feineres Beispiel betrachte man den Mengenring   
aller endlichen Teilmengen von $\DR$ und darauf 
das Pr"ama"s, das jeder endlichen Menge die Null zuordnet. 
Die von unserem Mengenring erzeugte $\sigma$-Algebra besteht aus
    allen Teilmengen von $\DR$, 
die entweder abz"ahlbar sind oder abz"ahlbares
    Komplement haben, und die 
m"oglichen Fortsetzungen unseres Pr"ama"ses 
    sind alle 
die Abbildungen, die allen abz"ahlbaren 
Mengen die Null zuordnen und
    allen Komplementen abz"ahlbarer 
Mengen ein beliebiges aber festes Element
    von $[0,\infty]$. 
Die gr"o"ste Fortsetzung  kann im
"ubrigen auch charakterisiert werden als 
die eindeutig bestimmte Fortsetzung, die
allen den Mengen von $\sigma (\cal{I})$ das Ma"s
Unendlich zuordnet, die nicht in einer
abz"ahlbaren Vereinigung von Mengen endlichen Ma"ses aus $\cal{I}$
enthalten sind. 
\end{Bemerkungl}




\begin{Definition}
Seien $X$ eine Menge und 
$\cal{N}\subset\cal{P}(X)$ eine $\sigma$-Algebra.
Ein {\bf "au"seres Ma"s auf}\index{"au"seres Ma"s}\index{Ma"s!"au"seres} 
$\cal{N}$ ist eine Abbildung
$\alpha  : \cal{N} \ra [0,\infty]$ derart, da"s 
aus $Y\subset Z$ folgt $\alpha (Y)\leq\alpha (Z)$ und 
da"s gilt $\alpha(\emptyset )=0$ und da"s f"ur 
 jede 
Folge $(Y_{n})_{n\in \DN}$ von Mengen aus unserer $\sigma$-Algebra
$\cal{N}$ gilt $$\alpha 
\left(\bigcup_{n\in \DN}Y_{n}\right) \leq \sum_{n\in \DN}
\alpha (Y_{n})$$
Die erste Bedingung nennen wir die {\bf Monotonie}, die
zweite 
die\index{s-Subadditivit"at@$\sigma$-Subadditivit"at} 
{\bf $\sigma$-Subadditivit"at}.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Wir werden in diesem Text  "au"sere Ma"se fast nur  auf der
gesamten Potenzmenge einer vorgegebenen Menge betrachten. Nach den in
\ref{paus} sogar f"ur Pr"ama"se gezeigten Absch"atzungen 
ist jedes Ma"s auch ein "au"seres Ma"s.\label{AVM}
\end{Bemerkungl}



\begin{Lemma}[\textbf{Konstruktion "au"serer Ma"se}]
Gegeben eine Menge $X$, ein Mengensystem
 $\cal{E} \subset \cal{P} (X)$ mit $\emptyset\in \mathcal E$
und  eine Abbildung
 $\mu : \cal{E} \ra [0,\infty]$ mit $\mu(\emptyset) =0$ erhalten\label{LHha}  wir ein
"au"seres Ma"s $\mu^{\ast}:\cal{P}(X)\ra [0,\infty]$ durch die Vorschrift
 $$\mu^{\ast} (Y) \pdef \inf \left\{\left.\sum_{n\in \DN} \mu (A_{n})\right|
  (A_n)_{n\in \DN}  \text{ ist Folge in $\cal{E}$ mit }Y\subset
    \bigcup A_{n}      
 \right\}$$
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
Die Bedingungen $\emptyset\in\mathcal E$ und $\mu(\emptyset)=0$ 
 k"onnten unterdr"uckt werden, wenn
wir statt mit Folgen allgemeiner mit abz"ahlbaren Familien
arbeiten w"urden, was ja nach unseren
Konventionen die leere Familie mit einschlie"st. Mir schien aber  hier das Arbeiten
mit Folgen vom didaktischen Standpunkt aus so viel g"unstiger,
da"s ich diese Unnat"urlichkeit der Darstellung daf"ur 
in Kauf genommen habe.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
  Es ist klar, da"s $\mu^\ast$ die von einem  "au"seren Ma"s
  geforderte Monotonie hat.  
Es bleibt, die $\sigma$-Subadditivit"at zu zeigen. 
Es reicht, die fragliche Absch"atzung f"ur jede 
Folge $(Y_n)_{n\in \DN}$ 
von Teilmengen $Y_n\subset X$ 
mit $\mu^\ast(Y_n)<\infty\;\forall n\in \DN$ 
nachzuweisen. Sei dazu
  $\varepsilon > 0$ beliebig.  Wir finden f"ur jedes $n\in \DN$ 
eine Folge 
  $(A^{i}_{n})_{i\in \DN}$ in $\cal{E}$ mit 
$Y_{n} \subset \bigcup_{i\in \DN}
  A^{i}_{n}$ und
$$\mu^{\ast} (Y_{n}) \leq \sum_{i\in \DN} \mu (A^{i}_{n}) \leq
\mu^{\ast} (Y_{n}) + \varepsilon/2^{n}$$ Dann gilt aber $\bigcup Y_{n} \subset
\bigcup_{i,n} A^{i}_{n}$ und aus der Definition von $\mu^{\ast}$ folgern wir
$$\mu^{\ast} \left(\bigcup
  Y_{n}\right) \leq \sum_{i,n} \mu (A^{i}_{n}) \leq \sum_{n\in \DN}
\mu^{\ast} (Y_{n}) \;+ 2 \varepsilon$$ Da das nun gilt f"ur alle $\varepsilon
>0$, ist $\mu^{\ast}$ auch $\sigma$-subadditiv.
\end{proof}

\begin{Lemma}[\textbf{Ausdehnen von Pr"ama"s zu  "au"serem Ma"s}] 
Gegeben eine Menge $X$,  ein Mengenring\label{LHh} 
$\cal{I} \subset \cal{P} (X)$ und ein Pr"ama"s $\mu : \cal{I} \ra [0,\infty]$
stimmt das in \ref{LHha} konstruierte 
"au"sere Ma"s $\mu^{\ast}$  auf dem vorgegebenen Mengenring 
$\cal{I}$ mit dem vorgegebenen Pr"ama"s $\mu$ "uberein,
in Formeln $$\mu^{\ast}
(A) = \mu (A) \quad  \forall A \in \cal{I}$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
  Die Absch"atzungen $\mu^{\ast} (A) \leq \mu (A)\;  \forall A \in \cal{I}$
  folgen daraus, da"s jede Menge $A$ sich selber "uberdeckt.
Wir m"ussen also nur noch $\mu (A) \leq\mu^{\ast} (A)\;  \forall A \in \cal{I} $ zeigen. Es reicht zu zeigen $\mu (A) \leq\mu^{\ast} (A)
+\varepsilon \; \forall \varepsilon > 0$.
F"ur jedes $\varepsilon >0$ finden wir aber eine
Folge $A_{n}$ in $\cal{I}$ mit $A \subset \bigcup A_{n}$ und
$\sum^{\infty}_{n=0} \mu (A_{n}) \leq\mu^{\ast} (A) +\varepsilon$.
Indem wir $A_n$ verkleinern zu $A_n{\setminus}(A_{n-1}\cup\ldots\cup A_0)$,
d"urfen wir hier sogar die Fogenglieder paarweise disjunkt annehmen.
Wegen $A = \coprod_{n\in\DN} (A \cap A_{n})$ erhalten wir 
dann wie gew"unscht 
\begin{equation*}
\mu (A) = \sum
\mu (A \cap A_{n})\leq \sum \mu (A_{n}) \leq\mu^{\ast} (A) +
\varepsilon\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine feste Menge $X$ und eine Teilmenge 
$A \subset X$ verwenden wir im folgenden
f"ur das Komplement von $A$ 
die Abk"urzung  $ A^{c}\pdef X {\setminus} A $.
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}
Seien $X$ eine Menge und $\alpha $ ein "au"seres Ma"s auf 
$\cal{P} (X)$. Eine Teilmenge
$A \subset X$ hei"st 
{\bf $\alpha $-me"sbar}\index{me"sbar!$\alpha $-me"sbar, Menge} 
oder
auch ein {\bf $\alpha $-Zerleger},\index{Zerleger, in der Ma"stheorie} 
 wenn
f"ur jede Teilmenge $Y \subset X$ gilt $$\alpha  (Y) =
\alpha  (Y \cap A) + \alpha  (Y \cap A^{c})$$
\end{Definition}
\begin{Lemma}[\textbf{Zerleger-Lemma}]
Gegeben eine Menge  $X$ und 
ein "au"seres Ma"s $\alpha:\cal{P}(X)\ra [0,\infty]$ auf ihrer Potenzmenge
ist das System $\cal{Z}\subset\cal{P}(X)$ 
aller $\alpha $-Zerleger eine\label{LC} 
$\sigma$-Algebra und $\alpha $ ist ein Ma"s auf $\cal{Z}$.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkunge}
Ist allgemeiner $X$ eine Menge und $\alpha $ ein "au"seres Ma"s
auf einer $\sigma$-Algebra $\mathcal N \subset \cal{P}(X)$,
so definieren wir analog das System $\mathcal Z\subset \mathcal N$ der 
$\mathcal N$-$\alpha$-Zerleger. Derselbe Beweis zeigt,
da"s auch diese Zerleger eine $\sigma$-Algebra bilden und da"s unser 
"au"seres Ma"s zu einem Ma"s auf $\mathcal Z$ einschr"ankt.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
Zun"achst einmal zeigen wir, da"s $\cal{Z}$ eine Mengenalgebra ist.
Sicher gilt $\emptyset \in \cal{Z}$, und aus $A \in \cal{Z}$ folgt $A^{c}
\in \cal{Z}$.
Wir m"ussen nun noch zeigen, da"s aus $A,B \in \cal{Z}$ folgt $A\cap B
\in \cal{Z}$.
Sei dazu $Y \subset X$ beliebig.
Es gilt, f"ur $\alpha$-Zerleger $A$ und $B$ zu zeigen
$$\alpha  (Y) = \alpha  (Y \cap (A \cap B)) + \alpha  (Y
\cap (A \cap B)^{c})$$
Da $A$ und $B$ schon $\alpha$-Zerleger sind, finden wir aber in der Tat
% $$\begin{array}{lcl}
% \alpha (Y \cap(A \cap B)^{c})& = &\alpha  (Y \cap (A\cap
% B)^{c} \cap A) + \alpha  (Y \cap (A \cap B)^{c} \cap A^c)\\
% &=& \hspace{1cm}\alpha  (Y \cap B^{c}\cap A ) \hspace{1cm}+ 
% \alpha (Y \cap A^{c})\\
% &=& \alpha  (Y \cap A) - \alpha  (Y \cap A \cap B) +
% \alpha  (Y \cap A^{c})\\
% &=& \alpha  (Y) - \alpha  (Y \cap (A \cap B))
% \end{array}$$
$$\begin{array}{lcl}
\alpha (Y \cap(A \cap B)^{c})+ \alpha  (Y \cap A \cap B)& = &\alpha  (Y \cap (A\cap
B)^{c} \cap A) \\&&+ \;\alpha  (Y \cap (A \cap B)^{c} \cap A^c)\\
&&\;\;+\; \alpha  (Y \cap A \cap B)\\[2mm]
& = &\alpha  (Y \cap 
B^{c} \cap A) \\&&+ \;\alpha  (Y \cap  A^c)\\
&&\;\;+\; \alpha  (Y \cap A \cap B)\\[2mm]
&=& \alpha  (Y \cap A)  +
\alpha  (Y \cap A^{c})= \alpha  (Y)
\end{array}$$
Also ist $\cal{Z}$ schon mal eine Mengenalgebra.
Als n"achstes zeigen wir, da"s $\cal{Z}$ auch stabil ist unter
abz"ahlbaren disjunkten Vereinigungen und damit eine
$\sigma$-Algebra.
Sind zun"achst einmal
$A, B \in \cal{Z}$ disjunkt, so gilt 
 $$\alpha  (Y \cap (A \sqcup B)) 
= \alpha (Y \cap A) +
\alpha  (Y \cap B)$$ f"ur beliebiges $Y \subset
X$, denn unter der Voraussetzung $A\cap B =
\emptyset$ k"onnen wir schreiben $Y \cap A = Y \cap (A\sqcup B) \cap A$ und $Y
\cap B = Y \cap (A\sqcup B) \cap A^{c}$.
Induktiv folgt f"ur $A_{0}, \ldots, A_{n} \in \cal{Z}$ paarweise
disjunkt und $Y \subset X$ beliebig die Gleichheit
$$\alpha  (Y \cap (A_{0} \sqcup \ldots \sqcup A_{n})) =
\sum^{n}_{\nu=0} \alpha  (Y \cap A_{\nu})$$
Haben wir also  eine Folge $(A_{\nu})$ von paarweise
disjunkten Zerlegern mit Vereinigung $A
\pdef \bigsqcup_{\nu\in\DN}A_{\nu}$ gegeben, so gilt f"ur
jede Teilmenge $Y \subset X$ aufgrund der
Monotonie unseres "au"seren Ma"ses die Absch"atzung 
$$\begin{array}{ccl}
\alpha  (Y) &=&
\alpha (Y
\cap (A_{0} \sqcup \ldots \sqcup A_{n})^{c}) + 
\alpha  (Y \cap (A_{0}\sqcup \ldots \sqcup A_{n})) \\[2mm]
&\geq &\alpha  (Y \cap A^{c}) +\sum^{n}_{\nu=0}
\alpha  (Y \cap A_{\nu}) 
\end{array}$$
Im Grenzwert $n\ra\infty$ ergibt  sich so
die erste Ungleichung der Ungleichungskette 
$$\alpha  (Y) \;\geq \;
 \alpha  (Y \cap
A^{c})+ \sum^{\infty}_{\nu=0}
\alpha  (Y \cap A_{\nu}) \;\geq \;
\alpha  (Y \cap A^{c}) + \alpha  (Y \cap
A)\;\geq\; \alpha  (Y)$$
Die anderen beiden Ungleichungen folgen aus der 
$\sigma$-Subadditivit"at unseres
"au"seren Ma"ses.
Damit haben wir "uberall Gleichheit und $A$ ist auch
ein Zerleger und $\cal{Z}$ eine $\sigma$-Algebra.
Setzen wir in unserer Ungleichungskette $Y=A$, so folgt
hinwiederum die $\sigma$-Additivit"at von $\alpha:\cal{Z}\ra[0,1]$. Also ist
$\alpha$ in der Tat ein Ma"s auf der $\sigma$-Algebra $\cal{Z}$
aller Zerleger.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis zur gr"o"sten Ma"sfortsetzung]
Seien $\cal{I}$ ein Mengenring, $\mu:\cal{I}\ra [0,\infty]$ ein
Pr"ama"s auf $\cal{I}$ und
$\mu^{\ast} : \cal{P} (X) \ra [0,\infty]$ das in \ref{LHh} konstruierte 
"au"sere
Ma"s. Um Proposition \ref{KaEw} zur Konstruktion der gr"o"sten
Ma"sfortsetzung aus dem Zerlegerlemma \ref{LC}
abzuleiten, 
m"ussen wir nur noch zeigen, da"s $\cal{I}$ aus $\mu^{\ast}$-Zerlegern besteht.
F"ur jedes "au"sere Ma"s auf $\cal{P}(X)$ und beliebige $A,Y\subset X$ 
gilt per definitionem
$$\mu^{\ast} (Y) \leq \mu^{\ast} (Y
\cap A) + \mu^{\ast} (Y \cap A^{c})$$ 
Wir m"ussen f"ur $A\in\cal{I}$ und beliebiges $Y\subset X$ auch
die andere Ungleichung zeigen. 
Das ist nur
im Fall $\mu^\ast(Y)<\infty$ problematisch.
Unter dieser Voraussetzung finden wir aber
f"ur beliebiges $\varepsilon > 0$ eine Folge
$(B_{n})$ in $\cal{I}$ mit $Y \subset \bigcup_{n} B_{n}$ und 
$$\begin{array}{ccl}
\mu^{\ast}
(Y) + \varepsilon &\geq& \sum^{\infty}_{n=0} \mu (B_{n})\\[2mm]
&\geq&
\sum^{\infty}_{n=0} \mu (B_{n}\cap A) + \mu (B_{n}\cap A^{c}) \\[2mm]
&\geq&
\mu^{\ast} (Y \cap A)+ \mu^{\ast} (Y \cap A^{c})
\end{array}$$ Da das f"ur
alle $\varepsilon >0$ gilt, folgt die andere Ungleichung $$\mu^{\ast}
(Y) \geq \mu^{\ast} (Y \cap A)+ \mu^{\ast} (Y \cap A^{c})$$ und
damit die Gleichheit. Also besteht $\cal{I}$ in der Tat aus
$\mu^{\ast}$-me"sbaren Mengen und die Proposition \ref{KaEw} ist bewiesen.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis des Ma"sfortsetzungssatzes von Caratheodory \ref{MHa}]
Die Existenz einer Ma"sfortsetzung haben wir
bereits als Proposition \ref{KaEw} gezeigt 
und nur die  Eindeutigkeit ist noch zu zeigen.
Sei dazu $\nu$ eine zweite
Fortsetzung.
Es gilt zu zeigen $\mu (C) = \nu (C)$ f"ur alle $C\in\cal{M}$. 
Aus der Konstruktion von $\mu$ in \ref{KaEw} folgt bereits 
$\nu(C)\leq \mu(C)$. 
Da wir unser Pr"ama"s $\sigma$-endlich angenommen hatten,
gibt es jedoch  eine 
aufsteigende Folge $A_{0}\subset A_1\subset A_2 \subset\ldots$ 
in $\cal{I}$ mit $\bigcup A_{n} =X$ und
$\mu (A_{n}) < \infty \; \forall n$.
Wir m"ussen nur f"ur alle 
$n$ die Gleichungen
$$\mu (C \cap A_{n})= \nu (C\cap A_{n})$$ zeigen,
dann ergibt sich $\mu (C )= \nu (C)$ im Grenzwert $n\ra\infty$.
Wie bereits erw"ahnt gilt jedoch $\nu (C\cap
A_{n}) \leq\mu (C \cap A_{n})$ und  ganz genauso auch $\nu (C^{c}\cap
A_{n})\leq\mu (C^{c} \cap A_{n})$, und da die Summe dieser
Ungleichungen die Gleichung $\nu (A_{n}) = \mu (A_{n})$ liefert,
m"ussen unsere Ungleichungen beide schon Gleichungen gewesen sein.
\end{proof}



\begin{Proposition}[\textbf{Ma"se und ihre Integrale}]
  Gegeben Intervall $I\subset\bar\DR$ mit $(\op{sup}I)\not \in I$ alias ein
  \glqq nach oben offenes Intervall\grqq\ und ein Punkt $p\in I$ erhalten wir eine Bijektion\label{VerTn} 
$$\begin{array}{ccc}
\{\text{Borelma"se auf }I
\}
 & \sira &
\left\{\begin{array}{c}\text{Monoton wachsende}\\
\text{linksseitig stetige Funktionen}\\
\text{$f:I\ra\DR$ mit $f(p)=0$}\end{array}\right\}
\\&&\\
\mu&\mapsto&\left(f_\mu:x\mapsto \left\{
\begin{array}{rl}\mu[p,x)&\text{falls }x\geq p;\\
-\mu[x,p)&\text{falls }x\leq p.\\
\end{array}\right\}\right)
\end{array}$$
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
Die Umkehrabbildung zur Bijektion aus unserer Proposition
 notieren wir $f\mapsto \diff f$. Das Ma"s $\diff f$ hei"st auch das
 {\bf Stieltjes-Ma"s zu $f$}.\index{Stieltjes-Ma"s}\label{Stielt}
 Insbesondere notieren wir das Lebesguema"s auf $\DR$ auch  $\diff x$
 f"ur $x=\op{id}:\DR\ra\DR$.  
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Man pr"uft leicht, da"s  unsere Abbildungsvorschrift
$\mu\mapsto f_\mu$ in der Tat eine Abbildung zwischen den
im Satz beschriebenen Mengen liefert.
Es gilt, eine Umkehrabbildung zu konstruieren. Zun"achst nehmen wir
$I=\DR$ an, betrachten  zu $f$ monoton wachsend linksseitig stetig
das in \ref{dFf} konstruierte  Pr"ama"s $\diff f$ und 
erweitern es mit dem Ma"sfortsetzungssatz zu einem Ma"s $\diff f$ auf den 
Borelmengen. Das so konstruierte Ma"s $\mu=\mu_f$ hat 
offensichtlich die Eigenschaft $f=f_\mu + f(p)$. 
Gehen wir andererseits von $\mu$ aus, so stimmt das Ma"s
$\diff f_\mu$ auf einem erzeugenden Mengenring der borelschen $\sigma$-Algebra
mit $\mu$ "uberein und wir haben folglich $\mu=\diff f_\mu$. Es bleibt, den Fall
$I=[0,\infty)$ zu diskutieren. In diesem Fall setzen wir $f$ konstant
  durch $f(0)$ zu einer linksseitig stetigen Funktion auf $\DR$ fort und schr"anken das zugeh"orige Stieltjes-Ma"s $\diff f$ auf $[0,\infty)$ ein.  
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Es gibt also f"ur jede linksseitig stetige 
monoton wachsende Funktion $f:\Bbb{R}\ra\Bbb{R}$ genau ein topologisches Ma"s
$\diff f$ auf 
 $\Bbb{R}$  mit $(\diff f)([a,b))= f( b)- f(a)$
f"ur beliebige $a,b\in\DR$ mit $a< b$. 
Unser Lebesguema"s kann man 
in dieser Notation auch schreiben als das Ma"s $\diff x$, mit
$x$ als alternativer Bezeichnung 
f"ur die Identit"at $\op{id}_\Bbb{R}:\Bbb{R}\ra\Bbb{R}$,
$x\mapsto x$ auf der reellen Zahlengeraden. 
Etwas allgemeiner kann man so auch f"ur jeden orientierten eindimensionalen
reellen affinen Raum $X$ und
jede linksseitig stetige 
monoton wachsende Funktion $f:X\ra\Bbb{R}$ in nat"urlicher Weise  ein 
 topologisches Ma"s $\diff f$ auf $X$ erkl"aren.
Die Beziehung zu unseren Kovektorfeldern $\diff f$ f"ur
 differenzierbare Funktionen $f$ diskutieren wir  in \ref{Ldfxx}.
\end{Bemerkungl}


\begin{Korollar}[\textbf{Wahrscheinlichkeitsma"se und Verteilungsfunktionen}]
Wir erhalten eine Bijektion\label{VerTnn} 
$$\begin{array}{ccc}
\{\text{Wahrscheinlichkeitsma"se auf }\DR
\}
 & \sira &
\left\{\begin{array}{c}\text{Monoton wachsende}\\
\text{linksseitig stetige Funktionen}\\
\text{$V:\DR\ra [0,1]$ mit}\\
\text{$\inf V(\DR)=0$ und $\sup V(\DR)=1$}\end{array}\right\}
\\&&\\
\mu&\mapsto&\big(V_\mu:x\mapsto \mu(-\infty,x)\big)
\end{array}$$
\end{Korollar}



% \begin{Bemerkunge}\label{VerTnA}%{VerT}
% Die Zuordnung $f\mapsto \mu_f$ aus \ref{dFfA} zusammen mit dem Satz 
% "uber Ma"sfortsetzungen
% liefert allgemeiner als \ref{VerTn} formuliert 
%  eine eineindeutige Entsprechung 
% zwischen der Menge aller in jeder Variablen monoton wachsenden
% und linksseitig stetigen 
%  Funktionen $f:\Bbb{R}^n\ra\Bbb{R}$, die auf allen Koordinatenhyperebenen
% verschwinden, 
% und der
% Menge aller  Borelma"se auf $\DR^n$. 
% \end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkunge}\label{VTF}
  Im Fall von Wahrscheinlichkeitsma"sen
$\mu$ auf $\DR$ mit seiner $\sigma$-Algebra der topologisch me"sbaren
Mengen ist es "ublich,
  eine Variante der Konstruktion aus Satz
\ref{VerTn} zu betrachten und  die 
{\bf Verteilungsfunktion}\index{Verteilungsfunktion!eines Wahrscheinlichkeitsma"ses} 
des
  Wahrscheinlichkeitsma"ses $\mu$ zu definieren durch die Vorschrift
$V_\mu(x)=\mu(-\infty,x)$ und allgemeiner 
$V_\mu(x_1,\ldots,x_n)=\mu((-\infty,x_1)\times\ldots \times(-\infty,x_n))$
f"ur  Wahrscheinlichkeitsma"se auf $\DR^n$.
 Damit erhalten wir dann, wie oben formuliert, eine eineindeutige
  Entsprechung zwischen der Menge aller Wahrscheinlichkeitsma"se auf $\DR$ und
der Menge  aller linksseitig stetigen monoton wachsenden 
Funktionen $V:\Bbb{R}\ra\DR$
  mit Infimum Null und Supremum Eins, in Formeln
$\op{inf}(V(\DR))=0$ und $\op{sup}(V(\DR))=1$,
oder allgemeiner 
zwischen der Menge aller Wahrscheinlichkeitsma"se auf $\DR^n$ und
der Menge  aller in jeder Variablen linksseitig stetigen monoton wachsenden 
Funktionen $V:\Bbb{R}^n\ra\DR$
  mit Infimum Null und Supremum Eins.
Andere Quellen erkl"aren die Verteilungsfunktion abweichend als 
$F_\mu(x)=\mu(-\infty,x]$ und erhalten  dann analog eine eineindeutige
  Entsprechung zwischen der Menge aller Wahrscheinlichkeitsma"se auf $\DR$ und
der Menge  aller \emph{rechts}seitig stetigen monoton wachsenden 
Funktionen $F:\Bbb{R}\ra\DR$
  mit Infimum Null und Supremum Eins.
\end{Bemerkunge}



\subsubsection*{"Ubungen} 

\begin{Ubung}\label{PMRi}
Gegeben Mengen $X$ und $Y$ sowie Mengenringe 
  $\cal{I} \subset \cal{P} (X)$ und $\cal{J} \subset \cal{P} (X)$ 
ist auch das System aller endlichen Vereinigungen von paarweise disjunkten
Mengen der Gestalt $A\times B$ mit $A\in \cal{I}$ und $B\in \cal{J}$
ein Mengenring in $\cal{P} (X\times Y)$. Diese "Ubung 
ist wichtig zur Vorbereitung der Diskussion von Produktma"sen.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Mengenalgebra oder -ring erzeugt von Mengensystem}]
Seien $X$ eine Menge und  $\cal{E} \subset \cal{P} (X)$ 
ein System von Teilmengen. Der Schnitt aller Mengenalgebren,
die $\cal{E}$ umfassen,  hei"st 
die\index{erzeugt!Mengenalgebra}
{\bf von $\cal{E}$ erzeugte
Mengenalgebra}.\index{Mengenalgebra!erzeugt von Mengensystem} 
Weiter hei"st der Schnitt aller Mengenringe,
die $\cal{E}$ umfassen, 
der\index{erzeugt!Mengenring}
{\bf von $\cal{E}$ erzeugte
Mengenring}.\index{Mengenring!erzeugt von Mengensystem} 
 Man zeige:
Die von einem endlichen System $(A_{\lambda})_{\lambda \in \Lambda}$
von Teilmengen einer gegebenen Menge $X$ erzeugte\label{MREe} 
Mengenalgebra kann  beschrieben werden
als das System aller Mengen, die man erh"alt, 
wenn man erst f"ur alle $I \subset \Lambda$
die paarweise disjunkten Mengen 
$$A_{(I)} = \bigcap_{\lambda \in I} A_{\lambda} 
\cap \bigcap_{\lambda \not\in I}
(X \backslash A_{\lambda})=\bigcap_{\lambda \in I} A_{\lambda} 
\backslash \bigcup_{\lambda \not\in I}
 A_{\lambda}$$ bildet und dann Vereinigungen derartiger 
$A_{(I)}$ nimmt.
Nimmt man Vereinigungen derartiger $A_{(I)}$ mit $I \neq 
\emptyset$, so ergibt sich der von den
$A_{\lambda}$ erzeugte Mengenring.
Die von einem beliebigen System von Teilmengen einer 
gegebenen Menge  erzeugte 
Mengenalgebra ist die Vereinigung der von allen endlichen 
Teilsystemen erzeugten 
Mengenalgebren. Der von einem beliebigen 
System von Teilmengen einer 
gegebenen Menge  erzeugte 
Mengenring ist die Vereinigung der von allen endlichen 
Teilsystemen erzeugten 
Mengenringe. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Vergleich von Ma"sen}] 
Gegeben eine Menge $X$ hei"st ein Mengensystem $\cal{S} \subset \cal{P} (X)$ 
{\bf zweischnittstabil},\index{zweischnittstabil}
wenn gilt  $A,B\in \cal{S} \RA A\cap B\in \cal{S}$.  Man zeige, da"s zwei Ma"se auf ein- und derselben
$\sigma$-Algebra "ubereinstimmen, sobald sie auf einem 
zweischnittstabilen Erzeugendensystem
unserer $\sigma$-Algebra "ubereinstimmen,
das dar"uber hinaus f"ur beide Ma"se {\bf $\sigma$-endlich}\index{s@$\sigma$-endlich}
 ist in dem Sinne,\label{zschs} 
da"s die ganze Menge durch eine Folge 
von Mengen endlichen Ma"ses aus besagtem 
Erzeugendensystem "uberdeckt werden kann.
 Hinweis:
Man zeige, da"s die beiden Ma"se auf dem von $\cal{S}$ erzeugten Mengenring
"ubereinstimmen, und wende dann Caratheodory an. In der Literatur sagt man meist einfacher \glqq schnittstabil\grqq,\index{schnittstabil!f"ur zweischnittstabil} aber das k"onnte dahingehend mi"sverstanden werden, da"s m"oglicherweise
die Stabilit"at unter endlichen Schnitten, also zus"atzlich Schnitten "uber die
leere Familie, oder gar
unter beliebigen Schnitten gefordert w"urde. 
\end{Ubung}







\begin{Ubung}\label{EDIM}
  Zeigen Sie, da"s es h"ochstens ein normiertes translationsinvariantes
  topologisches Ma"s $\lambda$ auf $\DR$ geben kann.
  Hinweis: 
Zeigen Sie zun"achst $\lambda(\{a\})=0$ 
f"ur alle $a \in
  \DR$; Zeigen Sie anschlie"send, da"s f\"ur alle $n \in \DN$ gilt: 
$\lambda ([0,1/n])
  =1/n$. Erweitern Sie als n"achstes die Aussage 
auf Intervalle mit
  rationalen Endpunkten und schlie"slich auf beliebige 
Intervalle.  Wenden Sie
  dann den Satz  "uber Ma"sfortsetzungen an.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{EDIMn}
 Zeigen Sie, da"s es h"ochstens ein normiertes translationsinvariantes
  topologisches Ma"s $\lambda$ auf $\DR^n$ geben kann. Hinweis: 
\ref{EDIM}.
\end{Ubung}




\begin{Ubunge}[\textbf{Benford's Gesetz}]
  Zeigen Sie, da"s es auf jedem nichtleeren 
kompakten Intervall $I=[a,b]$ genau ein topologisches Ma"s $\mu$ gibt,
das dem ganzen Intervall das Ma"s Eins zuweist und das\label{ExPT}  
\glqq partiell translationsinvariant\grqq\  ist in dem Sinne, da"s  f"ur
jede Borelmenge $A\subset I$ und jedes $a\in \DR$ mit $a+A\subset I$
gilt $ \mu(A)=\mu(a+A)$.  Zeigen Sie, da"s es auf jedem nichtleeren 
kompakten Intervall $I=[\alpha,\beta]\subset\DR_{>0}$ 
genau ein topologisches Ma"s $\mu$ gibt,
das dem ganzen Intervall das Ma"s Eins zuweist und das 
\glqq partiell skaleninvariant\grqq\  ist in dem Sinne, da"s  f"ur
jede Borelmenge $A\subset I$ und jedes $c\in \DR_{>0}$ mit $cA\subset I$
gilt $ \mu(A)=\mu(cA)$. Zeigen Sie weiter,
 da"s dieses Ma"s, wenn unser Intervall nicht nur aus
einem Punkt besteht, von der Gestalt
$a \op{d}\log$ ist mit $a>0$. 
Gegeben ein derartiges Ma"s 
und $I$ so gro"s, da"s 
gilt $\beta >10^n \alpha$ f"ur  $n\geq 1$, wird dann 
f"ur jede Ziffer $i\in\{1,\ldots ,9\}$
das Ma"s
der Menge $M_i$ aller $x\in I$, 
die als Dezimalbruch
mit erster von Null verschiedener 
Ziffer $i$ geschrieben werden k"onnen,
von $(\op{log}(i+1)-\op{log}(i))/\op{log}(10)$ um weniger als  
$1/(n+1)$ abweichen. Diese Verteilung der Anfangsziffern 
\glqq zuf"alliger\grqq\  Zahlenreihen
tritt
in der Wirklichkeit  h"aufig auf  und hei"st 
{\bf Benford's Gesetz}.\index{Benford's Gesetz}
Benford fand es beim Nachdenken "uber die Tatsache, da"s 
bei gut gebrauchten B"uchern mit Logarithmentafeln die Seiten mit den 
Logarithmen zu kleinen Anfangsziffern am Rand viel schw"arzer sind
als die Seiten mit den 
Logarithmen zu gro"sen Anfangsziffern.
Benford's Gesetz wird unter anderem eingesetzt, um Steuerbetrug zu entlarven, 
da von Menschen willk"urlich hingeschriebene Zahlenreihen
typischerweise eine andere Verteilung von Anfangsziffern haben.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}[\textbf{Gleichverteilung im Folgenraum}]
Auf dem  Raum $\op{Ens}(\DN,\{W,Z\})$ aller 
Folgen in der zweielementigen Menge  $ \{W,Z\}$ mit der in  \eref{FRo}{AN2}
erkl"arten Metrik gibt es genau ein Borelma"s,
das\label{GVF}
f"ur jeden $n$-glied\-ri\-gen Folgenanfang
der Menge aller Folgen mit diesem Anfang das Ma"s $2^{-n}$ zuordnet. 
Man zeige weiter, da"s die durch die dyadische Entwicklung gegebene
Surjektion $\op{Ens}(\DN,\{W,Z\})\sra [0,1]$ stetig ist und da"s hier
das Ma"s des Urbilds einer Borelmenge gerade das Lebesguema"s der
urspr"unglichen Menge ist.
Hinweis:
Man mag eine Teilmenge unseres Folgenraums \glqq $n$-vern"unftig\grqq\  
nennen, wenn
sie mit einer Folge auch alle anderen Folgen enth"alt, die sich von 
dieser fr"uhestens im $n$-ten Folgenglied unterscheiden. Man mag 
eine Teilmenge unseres Folgenraums
 \glqq vern"unftig\grqq\  nennen, wenn 
sie $n$-vern"unftig ist f"ur mindestens ein $n$.
Man mag von der Erkenntnis ausgehen, da"s die vern"unftigen Teilmengen 
einen Mengenring bilden, und verwenden, da"s alle vern"unftigen Teilmengen 
sowohl offen als auch abgeschlossen und damit nach  \eref{FRo}{AN2} kompakt
sind. Jede "Uberdeckung einer vern"unftigen Teilmenge durch 
vern"unftige Teilmengen besitzt folglich eine endliche
Teil"uberdeckung.
\end{Ubunge}






\begin{Ubunge}\label{CaMe}
Wir betrachten die \defind{Cantor-Menge} $C$, die aus dem Einheitsintervall 
$C_0=[0,1]$ entsteht, indem wir das mittlere Drittel $(1/3,2/3)$ 
herausnehmen, dann aus den beiden so 
entstehenden kompakten Intervallen wieder 
\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildCa}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Illustration zur Cantor-Menge
 \end{minipage}
\end{figure}
jeweils das offene mittlere Drittel und so weiter, und
schlie"slich als 
$C$  den Schnitt "uber alle Mengen $C_n$ nehmen, die wir in dieser Weise in
$n$ Schritten erhalten. 
Man zeige, da"s die Cantor-Menge das Lebesguema"s 
$\lambda(C)=0$ Null hat und "uberabz"ahlbar ist.
Hinweis: Man kann die Cantor-Menge auch beschreiben 
als die Menge aller Zahlen, die sich in der Basis Drei mit einer Null vor
dem Komma und ohne die Ziffer Eins ausdr"ucken lassen, in Formeln
$$C=\left.\left\{\sum_{i=1}^\infty a_i 3^{-i}\right| a_i\in \{0,2\}\right\}$$
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
Die Menge aller reellen Zahlen, die sich darstellen lassen 
durch  einen unendlichen Dezimalbruch, in dem die Ziffer 6 nicht vorkommt,
bilden eine abgeschlossene Teilmenge von $\DR$ vom Lebesguema"s Null.  
\end{Ubunge}


\subsection{Vervollst"andigung von Ma"sr"aumen*}
\begin{Definition}\label{Nullm} 
Eine Teilmenge eines Ma"sraums, die in einer
me"sbaren Menge vom Ma"s Null enthalten ist, hei"st eine 
\defind{Nullmenge} unseres Ma"sraums.
Ein Ma"sraum $X=(X,\cal{M},\mu)$ hei"st
 \defnoind{vollst"andig},\index{vollst"andig!Ma"sraum} 
 wenn jede Nullmenge 
bereits me"sbar ist alias zu $\cal{M}$ geh"ort.
\end{Definition}
 


\begin{Proposition}[\textbf{Vervollst"andigung von Ma"sr"aumen}]
\begin{enumerate} \item Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M}, \mu)$ 
gibt es genau eine
  Fortsetzung von $\mu$ zu einem Ma"s $\mu^{\ast}$ auf der von $\cal{M}$ und
  den $\mu$-Nullmengen erzeugten $\sigma$-Algebra $\cal{M}^{\ast}$ und der
  so entstehende Ma"sraum $(X, \cal{M}^{\ast}, \mu^{\ast})$ ist vollst"andig;
\item
 Die $\sigma$-Algebra $\cal{M}^{\ast}$  besteht aus allen  $E \subset X$  
derart, da"s es $A, B \in \cal{M}$ gibt mit $A\subset E \subset B$ und
$\mu (B{\setminus} A) =0$. 
\end{enumerate}\label{VvM} 
\end{Proposition}

\begin{proof}[Beweis]
Erweitern wir $\mu$ zu einem "au"seren Ma"s $\mu^\ast$ auf $\cal{P}(X)$ wie
in Lemma \ref{LHh} 
und wenden
auf dieses "au"sere Ma"s das Zerlegerlemma \ref{LC} an, so folgt,
da"s alle $\mu$-Nullmengen bereits $\mu^\ast$-me"sbar sind und
da"s mithin 
$\mu^{\ast}$ ein Ma"s ist auf $\cal{M}^{\ast}$.
Das zeigt die Existenz von $\mu^{\ast}$.
F"ur die Eindeutigkeit pr"uft man, da"s $\cal{M}^\ast$ genau aus allen
 Teilmengen $E \subset X$ besteht 
derart, da"s es $A, B \in \cal{M}$ gibt mit $A\subset E \subset B$ und
$\mu (B{\setminus} A) =0$. In der Tat bilden n"amlich alle diese $E$
eine $\sigma$-Algebra, wie Sie als "Ubung \ref{sANM} selbst pr"ufen m"ogen.
Jedes erweiterte Ma"s $\mu^\ast$ nimmt aber auf
einer solchen Teilmenge $E$ notwendig den Wert $\mu^\ast(E)=\mu(A)$ an.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Der Ma"sraum $(X,\cal{M}^{\ast},\mu^{\ast})$ hei"st die
  \defnoind{Vervollst"andigung}\index{Vervollst"andigung!von Ma"sraum}
des Ma"sraums $(X,\cal{M}, \mu)$. Die bez"uglich
  der Vervollst"andigung des Lebesguema"ses me"sbaren Teilmengen  von
  $\Bbb{R}$ oder auch $\Bbb{R}^n$ nennt man die
  \defind{Lebesgue-me"sbaren} Teilmengen oder kurz \defind{Lebesgue-Mengen}.
 Es ist nicht 
ganz einfach, eine Lebesgue-Menge in
  $\Bbb{R}$ explizit anzugeben, die nicht topologisch me"sbar ist.
Genauer gesagt w"u"ste ich selbst nicht, wie ich das machen sollte,
und m"u"ste einen Logiker um Hilfe bitten.  
Man kann jedoch zeigen, da"s es im Sinne der Mengenlehre 
\glqq mehr\grqq\  Lebesgue-Mengen in $\DR$ gibt als topologisch me"sbare Teilmengen,
vergleiche etwa \eref{EZSI}{AL}.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Man arbeite den Schlu"s des  Beweises von \ref{VvM} aus und zeige,
da"s gegeben ein Ma"sraum  $(X, \cal{M}, \mu)$ das Mengensystem
aller $E \subset X$\label{sANM}  
derart, da"s es $A, B \in \cal{M}$ gibt mit $A\subset E \subset B$ und
$\mu (B{\setminus} A) =0$, eine $\sigma$-Algebra ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Zeigen Sie, da"s es in $\DR$ Teilmengen gibt, die nicht Borel-me"sbar 
und noch nicht einmal Lebesgue-me"sbar\label{nmTM} sind. Hinweis: \ref{ViLe}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung} Man zeige: 
Eine Teilmenge der reellen Zahlengeraden ist eine Nullmenge
in Bezug auf das Lebesguema"s genau dann, wenn 
sie sich  f"ur jedes $\varepsilon >0$
durch eine Folge von kompakten Intervallen $[a_n,b_n]$ "uberdecken l"a"st
derart, da"s gilt  $\sum_{n=0}^\infty (b_n-a_n)<\varepsilon$. 
Hinweis: \ref{MHa} und \ref{KaEw}.
\end{Ubung}



\subsection{Me"sbare Abbildungen} 

\begin{Bemerkungl}
Bis jetzt haben wir uns nur mit dem Messen von Mengen besch"aftigt.
Wir haben gesehen, da"s das Messen ganz beliebiger Teilmengen der 
reellen Zahlengerade problematisch ist, konnten jedoch gewisse Mengen
als me"sbar auszeichnen und solchen Mengen sinnvoll ein Ma"s zuordnen.
Nun wollen wir 
reellwertigen Funktionen auf Ma"sr"aumen ein Integral zuordnen.
Wieder ist das  f"ur ganz beliebige Funktionen problematisch, und
wieder k"onnen wir gewisse Funktionen
als \glqq me"sbar\grqq\  auszeichnen und zumindest allen nichtnegativen 
me"sbaren Funktionen sinnvoll ein Integral zuordnen. In einem zweiten
Schritt geben wir dann auch eine Definition f"ur das Integral
beliebiger
me"sbarer reellwertiger Funktionen,
wann immer ihr Betrag ein endliches Integral hat.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Seien $(X,\cal{M})$ und $(Y,\cal{N})$ Me"sr"aume. Eine 
Abbildung $f: X \ra Y$ hei"st  
{\bf me"sbar},\index{me"sbar!Abbildung} wenn
das Urbild jeder me"sbaren Menge me"sbar ist, in Formeln $V \in
\cal{N} \Rightarrow f^{-1} (V) \in \cal{M}$.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
Nach "Ubung \ref{nmTM} sind nicht alle Teilmengen von $\DR$ 
borelme"sbar. Die charakteristische Funktion einer nicht borelme"sbaren
Teilmenge ist dann eine nicht borelme"sbare Abbildung
$\DR\ra\DR$.  
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkunge}
Eine me"sbare Abbildung von einem Wahrscheinlichkeitsraum 
$(\Omega,\mathcal A,P)$ in
einen  Me"sraum  hei"st  eine \defind{Zufallsvariable} auf unserem
Wahrscheinlichkeitsraum mit Werten in besagtem Me"sraum oder
ein 
{\bf zuf"alliges Element}\index{zuf"alliges
  Element}\index{Element!zuf"alliges}  von besagtem Me"sraum.
So w"urde etwa ein gerechter W"urfel 
modelliert durch eine Abbildung $W:\Omega\ra \{1,\ldots,6\}$
mit $W^{-1}(i)$ me"sbar und  $P(W^{-1}(i))=1/6$ f"ur $1\leq i\leq 6$.
Das Interesse konzentriert sich in
diesem Zusammenhang auf das Studium der Beziehungen zwischen 
derartigen Zufallsvariablen.
\end{Bemerkunge}

  \begin{Lemma}
    Jede Verkn"upfung me"sbarer Abbildungen ist me"sbar.
  \end{Lemma}
  \begin{proof}
    Das folgt unmittelbar aus der Definition.
  \end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{BoMe}
Wenn nichts anderes gesagt ist, denken wir uns metrische
oder allgemeiner topologische R"aume stets mit der durch die 
Borel'sche $\sigma$-Algebra
gegebenen
Struktur eines
Me"sraums versehen. 
Wir machen unsere erweiterten reellen Zahlen $\bar{\Bbb{R}}
=[-\infty, \infty]$ zu einem Me"sraum, indem wir darauf die von
allen Intervallen erzeugte $\sigma$-Algebra betrachten.
F"ur die nat"urliche Topologie auf $\bar{\Bbb{R}}$ 
im Sinne von  \eref{NaTr}{AN2} ist das auch genau die
Borel'sche $\sigma$-Algebra.
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}
  Alle stetigen Abbildungen sind me"sbar.
\end{Proposition}
\begin{proof}
  Da die Urbilder offener Mengen unter stetigen Abbildungen 
nach \eref{SATR}{AN2} offen sind, folgt das  aus dem
anschlie"senden
Lemma \ref{KM}.
\end{proof}

\begin{Definition}\label{ISAL} 
Sei $f: X \ra Y$ eine Abbildung.
\begin{enumerate}
\item
Ist $\cal{M}\subset \mathcal P(X)$ eine $\sigma$-Algebra, so ist 
offensichtlich auch
das Mengensystem $f_{\ast} \cal{M} \pdef \{ V\subset Y \mid f^{-1} (V) \in
\cal{M}\}$
eine $\sigma$-Algebra. Es hei"st das {\bf Bild unter $f$} der 
$\sigma$-Algebra $ \cal{M}$;\index{Bild!von $\sigma$-Algebra}
\item
Ist $\cal{N}\subset \mathcal P(Y)$ eine $\sigma$-Algebra, so ist 
offensichtlich auch
das Mengensystem $f^{\ast} \cal{N} \pdef \{ f^{-1} (V) \mid  V\in
\cal{N}\}$
eine $\sigma$-Algebra. Sie hei"st das {\bf Urbild unter $f$} der 
$\sigma$-Algebra $ \cal{N}$;\index{Urbild!von $\sigma$-Algebra}
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
  Ist $i:B \hra Y$ die Einbettung einer Teilmenge $B\subset Y$
eines Me"sraums $(Y,\cal{N})$,  so  erkl"aren wir die {\bf auf $B$ induzierte
$\sigma$-Algebra} durch 
$$\cal{N}|_{B}\pdef i^{\ast} \cal{N}$$
Die auf $B$ induzierte $\sigma$-Algebra besteht also gerade aus allen Schnitten mit $B$
von me"sbaren Mengen in $Y$, in Formeln $\cal{N}|_{B} = \{Z \cap B\mid Z
\in \cal{N}\}$.
\end{Beispiel}

\begin{Lemma}\label{KM} 
Seien $(X,\cal{M})$ und $(Y,\cal{N})$ Me"sr"aume und sei die
$\sigma$-Algebra $\cal{N}$ erzeugt von einem Teilsystem
$\cal{E} \subset \cal{N}$, in Formln $\sigma(\mathcal E)=\mathcal N$.
Genau dann ist $f: X \ra Y$ me"sbar, wenn die Urbilder 
aller Mengen aus $\mathcal E$ me"sbar sind, wenn also in Formeln gilt
$$V \in \cal{E} \Rightarrow f^{-1} (V) \in \cal{M}$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wir verwenden unsere Notation $f_\ast\mathcal M$ f"ur das Bild einer 
$\sigma$-Algebra und insbesondere die Erkenntnis \ref{ISAL}, da"s  $f_\ast\mathcal M$ auch selbst  wieder eine $\sigma$-Algebra ist. 
Aus  $\mathcal E\subset f_{\ast} \cal{M}$ folgt also
$\sigma(\mathcal E)\subset f_{\ast} \cal{M}$ und damit
$\mathcal N\subset f_{\ast} \cal{M}$.  Das aber 
bedeutet gerade
die Me"sbarkeit von $f$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Weil die Beweise vollst"andig analog sind und die Terminologie
sich als n"utzlich erweisen wird, formulieren 
wir auch  gleich noch die Analoga dieser Aussagen f"ur topologische R"aume.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{ISALt} 
Sei $f: X \ra Y$ eine Abbildung.
\begin{enumerate}
\item
Ist $\cal{T}\subset \mathcal P(X)$ eine Topologie, so ist 
offensichtlich auch
das Mengensystem $f_{\ast} \cal{T} \pdef \{ V\subset Y \mid f^{-1} (V) \in
\cal{T}\}$
eine Topologie, die {\bf Finaltopologie};
\index{Finaltopologie}
\item
Ist $\cal{S}\subset \mathcal P(Y)$ eine  Topologie, so ist 
offensichtlich auch
das Mengensystem $f^{\ast} \cal{S} \pdef \{ f^{-1} (V) \mid  V\in
\cal{S}\}$
eine Topologie auf $X$, die {\bf Initialtopologie};\index{Initialtopologie}
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
Ist $i:B \hra Y$ die Einbettung einer Teilmenge
in einen topologischen Raum,  
so ist die Initialtopologie unsere 
 induzierte
Topologie aus \eref{SSIDT}{AN2}.
\end{Beispiel}


\begin{Lemma}\label{KMt}
Seien $(X,\cal{T})$ und $(Y,\cal{S})$ zwei topologische
R"aume und sei die
Topologie $\cal{S}$ erzeugt im Sinne von \ref{ezTO} von einem Teilsystem
$\cal{E} \subset \cal{S}$.
Genau dann ist $f: X \ra Y$ stetig, wenn die Urbilder 
aller Mengen aus $\mathcal E$ offen sind, wenn also in Formeln gilt
$$V \in \cal{E} \Rightarrow f^{-1} (V) \in \cal{T}$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Vollst"andig analog zum Beweis von \ref{KM}.
\end{proof}
\begin{Definition} Gegeben 
Me"sr"aume $(X, \cal{M})$ und 
$(Y,\cal{N})$ hei"st die  von allen
Produkten $A \times B$ mit $A \in \cal{M}$ und $B \in \cal{N}$ erzeugte
$\sigma$-Algebra
$\cal{M} \boxtimes \cal{N} \subset \cal{P} (X\times Y)$
die\label{ProSa} 
{\bf Produkt-$\sigma$-Algebra} oder auch das
{\bf "au"sere Produkt} unserer $\sigma$-Algebren. \index{Produkt-$\sigma$-Algebra}\index{)xbox@$\boxtimes$ "au"seres Produkt!von $\sigma$-Algebren}\index{"au"seres Produkt!von $\sigma$-Algebren}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Die Projektionen eines Produkts von Me"sr"aumen auf
seine Faktoren sind me"sbar nach \ref{KM}. 
Sind  $X,Y,Z$  Me"sr"aume und $f:Z\ra X$ sowie $g:Z\ra Y$
Abbildungen, so sind weiter nach \ref{KM} Abbildungen
$f$ und $g$ me"sbar genau dann,
wenn $(f,g):Z\ra X\times Y$ me"sbar ist. In der Sprache der
Kategorientheorie \eref{PrKao}{LA2} bedeutet das, da"s wir
so ein \glqq Produkt\label{PrMMn} 
in der Kategorie der Me"sr"aume\grqq\ erhalten, mit Me"sr"aumen als Objekten
und me"sbaren Abbildungen als Morphismen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Gegeben topologische R"aume $X,Y$ erkl"art man auf
$X\times Y$ die {\bf Produkttopologie}\index{Produkttopologie}
 als die Topologie, die erzeugt wird\label{ProTo}  
von allen $U\times V$ mit $U\co X$ und $V\co Y$.   
\end{Definition}
\begin{Bemerkungw} Mehr zur Produkttopologie, insbesondere im Fall unendlicher
  Produkte, findet man in \eref{PrTo}{TM}.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}
Die Projektionen eines Produkts topologischer R"aume auf
seine Faktoren sind stetig nach \ref{KMt}. 
Sind  $X,Y,Z$  topologische R"aume und $f:Z\ra X$ sowie $g:Z\ra Y$
Abbildungen, so sind weiter nach \ref{KMt} Abbildungen
$f$ und $g$ stetig genau dann,
wenn $(f,g):Z\ra X\times Y$ stetig ist. In der Sprache der
Kategorientheorie \eref{PrKao}{LA2} bedeutet das, da"s wir
so ein \glqq Produkt\label{PrMMn} 
in der Kategorie der topologischen R"aume\grqq\ erhalten, mit topologischen R"aumen als Objekten
und stetigen Abbildungen als Morphismen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Man  sieht zus"atzlich  leicht ein, da"s gegeben zwei metrische R"aume
die Topologie zur Produktmetrik mit der Produkttopologie
zusammenf"allt. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition} 
Gegeben ein topologischer Raum $X$\label{sep}  
hei"st ein Mengensystem ${\cal E} \subset
{\cal P}(X)$
 eine
{\bf Basis\index{Basis einer Topologie} 
der Topologie}, wenn die offenen Mengen
unseres topologischen Raums $X$  alle beliebigen Vereinigungen von
Mengen aus ${\cal E}$ sind. 
Ein topologischer Raum hei"st 
{\bf abz"ahlbar basiert},\index{abz"ahlbar basiert} 
wenn er eine abz"ahlbare Basis der Topologie besitzt.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}[\textbf{Basis der Produkttopologie}]
Gegeben  $X,Y$ topologische R"au\-me bilden die Produkte $U\times V$
mit $U\co X$ und $V\co Y$ eine Basis der Produkttopologie.
In der Tat ist das System all dieser Produkte stabil unter
endlichen Schnitten und nun m"ussen wir nur unsere explizite 
Beschreibung \ref{ezTO} der von einem Mengensystem erzeugten 
Topologie erinnern. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Basis der Produkttopologie, Variante}]
Gegeben topologische R"aume $X,Y$ 
und $\mathcal E,\mathcal F$ 
jeweils eine Basis der Topologie 
bilden die Produkte $U\times V$
mit $U\in \mathcal E$ und $V\in \mathcal F$ 
eine Basis der Produkttopologie.\label{BPZT} 
In der Tat folgt das sofort aus dem vorhergehenden Beispiel. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Beispiele zur Eigenschaft \glqq abz"ahlbar basiert\grqq}]
Ein "uberabz"ahlbarer diskreter Raum ist nicht abz"ahlbar 
basiert. Der $\DR^n$ ist abz"ahlbar basiert, wie man 
leicht einsieht und auch aus der anschlie"senden Bemerkung
folgern kann.\label{TMAB} 
 Jede Teilmenge eines abz"ahlbar basierten
Raums ist abz"ahlbar basiert in Bezug auf ihre Spurtopologie.
\end{Beispiel}

\begin{Lemma}[\textbf{Abz"ahlbar basierte metrische R"aume}]
Ein metrischer Raum ist genau dann abz"ahlbar basiert, wenn
 er eine abz"ahlbare dichte Teilmenge besitzt.
\end{Lemma}
\begin{proof}
 W"ahlen wir aus jeder Menge einer Basis der
Topologie einen Punkt aus, so erhalten wir sicher eine
dichte Teilmenge. Ist umgekehrt $(x_n)_{n\in\DN}$
dicht in einem metrischen Raum, so bilden die offenen  
B"alle $\op{B}(x_n;1/m)$  eine abz"ahlbare Basis der Topologie.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Man nennt  metrische R"aume, die 
eine abz"ahlbare dichte Teilmenge besitzen, auch 
 {\bf separabel}.\index{separabel!metrischer Raum}
Statt \glqq abz"ahlbar basiert\grqq\ sagt 
man in der Literatur meist, der
Raum \glqq besitze eine abz"ahlbare Basis\grqq\ oder er
\glqq gehorche dem zweiten  
Abz"ahlbarkeitsaxiom\grqq.\index{Abz"ahlbarkeitsaxiom@{\it Abz"ahlbarkeitsaxiom, zweites}}   
Weiter nennen viele Autoren auch einen 
allgemeinen topologischen Raum
 \glqq  separabel\grqq,\index{separabel@{\it separabel, topologischer Raum}}   wenn
er eine abz"ahlbare dichte Teilmenge besitzt.\label{sepm} 
Das gef"allt mir
nicht, da dies Konzept
meines Erachtens  in dieser Allgemeinheit 
nicht relevant genug ist, um
 eine eigene Bezeichnung zu verdienen. 
 Im Buch von Halmos zur Ma"stheorie wird der 
Begriff \glqq separabel\grqq\ f"ur allgemeine topologische R"aume als
Synonym f"ur unser \glqq abz"ahlbar basiert\grqq\ verwendet,
aber damit steht er alleine da. 
 \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{EZSi} 
Besitzt ein topologischer  Raum eine abz"ahlbare
Basis der Topologie, so erzeugen die 
offenen Mengen aus dieser Basis 
die Borel'sche $\sigma$-Algebra.
\end{Bemerkungl}


\begin{Proposition}\label{PrBS} 
Gegeben abz"ahlbar basierte topologische R"aume
$X,Y$ ist die Borel'sche $\sigma$-Algebra ihres Produkts
die Produkt-$\sigma$-Algebra  der
Borel'schen $\sigma$-Algebren der Faktoren, in Formeln
$$\op{Borel}(X)\boxtimes \op{Borel}(Y)=\op{Borel}(X\times Y)$$
\end{Proposition}
\begin{proof}
Die Projektionen auf die Faktoren sind stetig, also
sind die Urbilder von Borelmengen wieder Borelmengen. 
Gegeben $A\in\op{Borel}(X)$ und $B\in\op{Borel}(Y)$
folgt so $A\times Y, X\times B\in\op{Borel}(X\times Y)$.
Dann gilt  aber auch f"ur den Schnitt 
$A\times B\in\op{Borel}(X\times Y)$ und es 
folgt $$\op{Borel}(X)\boxtimes \op{Borel}(Y)\subset \op{Borel}(X\times Y)$$
sogar f"ur beliebige topologische R"aume $X,Y$. 
Um die Gegenrichtung zu zeigen, w"ahlen wir 
zu $X$ und $Y$ jeweils eine abz"ahlbare 
Basis $\mathcal E,\mathcal F$ der Topologie. 
Nach \ref{BPZT} bilden dann die Produkte
$U\times V$ mit  $U\in \mathcal E$ und $V\in \mathcal F$ 
eine Basis der Produkttopologie.
Nach \ref{EZSi} erzeugen aber 
diese Produkte bereits die Borel'sche 
$\sigma$-Algebra von $X\times Y$ und so folgt 
die umgekehrte Inklusion 
$\op{Borel}(X)\boxtimes \op{Borel}(Y)\supset
\op{Borel}(X\times Y)$.
\end{proof}


\begin{Korollar}\label{PMF}
Die Summe und das Produkt reellwertiger me"sbarer Funktionen
sind wieder me"sbar.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $X$ ein Me"sraum und seien $f,g:X\ra\Bbb{R}$ me"sbare Funktionen.
Nach \ref{PrMMn}  ist dann $(f,g):X\ra\Bbb{R}^2$ me"sbar
in Bezug auf die Produkt-$\sigma$-Algebra 
$\op{Borel}(\DR)\boxtimes \op{Borel}(\DR)$  in $\DR^2$.
Andererseits sind  Addition und
ebenso die Multiplikation $\Bbb{R}^2\ra\Bbb{R}$
stetig und folglich me"sbar f"ur die $\sigma$-Algebra 
$\op{Borel}(\DR^2)$. Da $\DR$
abz"ahlbar basiert ist, stimmen diese $\sigma$-Algebren
nach \ref{PrBS} "uberein.
Folglich sind $f+g$ und $fg$  als  
Verkn"upfungen
me"sbarer Abbildungen auch wieder me"sbar.  
\end{proof}



\begin{Satz}[\textbf{Me"sbarkeit von Grenzwerten von Funktionenfolgen}]
Sei ein Me"sraum $(X,\cal{M})$ gegeben.\label{MG3}
\begin{enumerate}
\item
Eine Funktion $f:X \ra \bar{\Bbb{R}}$ ist genau dann me"sbar,
wenn f"ur jedes $a \in \Bbb{R}$ die Menge $\{x\mid f(x) > a \}=
f^{-1}(a,\infty]$
me"sbar ist in $X$;
\item
F"ur jede Folge me"sbarer Funktionen $f_n:X\ra\bar{\Bbb{R}}$ sind auch ihr
Supremum und ihr Infimum $s,i:X\ra\bar{\Bbb{R}}$, $s(x)=\sup_n f_n(x)$ beziehungsweise
$i(x)=\inf_n f_n(x)$ me"sbar;
\item
Konvergiert eine Folge me"sbarer Funktionen $f_{n}: X \ra
\bar{\Bbb{R}}$ punktweise gegen $f:X \ra \bar{\Bbb{R}}$, so ist
auch $f$ me"sbar.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
1.
Die Intervalle der Form $\left( a, \infty\right]$ erzeugen die
$\sigma$-Algebra der Borel-Mengen in $\bar{\Bbb{R}}$ und wir k"onnen
\ref{KM} anwenden.
\\[2mm]\noindent
2.
Es gilt $s^{-1}( a, \infty]=
\bigcup^{\infty}_{n=0} f^{-1}_{n} ( a,\infty]$ und
$i^{-1}[-\infty, a)=
  \bigcup^{\infty}_{n=0} f^{-1}_{n} [-\infty, a)$ und
    wir k"onnen wieder \ref{KM} anwenden.
\\[2mm]\noindent
3.
Nach 2 sind auch die Funktionen
$s_{N} (x) = \sup_{n\geq N} f_{n}(x)$
me"sbar, und dann auch die Funktion
$g:X \ra \bar{\Bbb{R}}$, $ g(x) = \inf_{N} s_{N}(x)$.
Diese Funktion bezeichnet man auch mit $g=\lim \sup f_{n}$ und wir habn gezeigt, da"s sie me"sbar ist f"ur eine beliebige Folge me"sbarer Funktionen.
Falls die $f_{n}$ nun sogar punktweise gegen eine Grenzfunktion $f$
konvergieren, so gilt  $f=\lim\sup f_{n}$ und 
mithin ist dann auch $f$ me"sbar.
\end{proof}

\begin{Lemma*}[\textbf{Me"sbarkeit punktweiser Grenzwerte, Variante}]   
Ist $X$ ein Me"sraum und $Y$ ein  metrischer Raum 
%Hausdorff-Raum 
und
konvergiert eine Folge me"sbarer Funktionen $f_{n}: X \ra
Y$ punktweise gegen eine Grenzfunktion $f:X \ra Y$, so ist
auch die  Grenzfunktion $f$ me"sbar.
\end{Lemma*}
\begin{Bemerkungl}
Wir k"onnen   den dritten Teil von Satz \ref{MG3} alternativ als
Spezialfall dieses Lemmas erhalten, wenn wir etwa beachten, da"s unsere
Topologie auf $\bar{\DR}$
auch als eine metrische Topologie 
erhalten werden kann. Das Lemma gilt im "ubrigen mit demselben Beweis
f"ur einen beliebigen Hausdorffraum mit der Eigenschaft, da"s jede seiner 
abgeschlossenen Mengen
als der
Schnitt einer abz"ahlbaren Familie offener Mengen geschrieben
werden kann. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Nach \ref{KM} reicht es, f"ur alle abgeschlossenen
Teilmengen $A \As Y$ zu zeigen, da"s ihr Urbild $f^{-1}(A)$ 
unter $f$ me"sbar ist. Nun 
gibt es jedoch eine absteigende Folge offener Mengen 
$U_0\supset U_1\supset \ldots$ mit Schnitt $A$. 
Dann
ist 
$f(x)\in A$ gleichbedeutend dazu, da"s es 
f"ur jedes $i\in\DN$ 
ein $N=N(x,i)$ gibt mit
$f_n(x)\in U_i$ f"ur $n\geq N(x,i)$. Damit k"onnen wir $f^{-1}(A)$ 
wie folgt
beschreiben: Wir bilden zun"achst f"ur jedes $i$ die Menge
$$V_i\pdef\{ x\in X\mid \exists N \text{ mit } n\geq N\RA f_n(x)\in U_i\}
=\bigcup_{N\geq 0}\bigcap_{n\geq N}f_n^{-1}(U_i)$$
und erhalten  $f^{-1}(A)=\bigcap_{i\geq 0} V_i$.
Diese Darstellung zeigt, da"s mit den $f_n^{-1}(U_i)$ auch
$f^{-1}(A)$ me"sbar sein mu"s.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}\label{muM}
Eine Funktion auf einem Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$, die me"sbar ist auf dem 
in Bezug auf das Ma"s $\mu$ vervollst"andigten 
Ma"sraum $(X,\cal{M}^\ast,\mu^\ast)$, 
nennen
wir  \defnoind{$\mu$-me"sbar}.\index{me"sbar!$\mu$-me"sbar, Funktion}
 Insbesondere hei"st eine
Abbildung $\DR\ra\bar{\DR}$ \defind{Lebesgue-me"sbar},
wenn sie \defnoind{$\lambda$-me"sbar} ist f"ur $\lambda$ das Lebesguema"s.
Wir werden nach M"oglichkeit versuchen,
ohne diese Begrifflichkeit auszukommen. Die Beziehung 
dieses Begriffs zur Me"sbarkeit in Bezug auf $\mathcal M$ kl"art
\ref{MI}.
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}
Geht man von diskreten Mengen zu allgemeineren \glqq R"aumen\grqq\  "uber, 
so gibt es zwei besonders nat"urliche Verallgemeinerungen
f"ur das Konzept einer  Funktion:
Funktionen und  Ma"se. Gegeben eine Abbildung $X\ra Y$ k"onnen 
Funktionen auf $Y$ zu Funktionen auf $X$ zur"uckgezogen werden,
Ma"se auf $X$ jedoch liefern in der Gegenrichtung Bildma"se auf $Y$. 
Diese zugegebenerma"sen  vagen Andeu\-tung\-en werden im folgenden
in speziellen Situationen ausgef"uhrt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{BiMaU}
Gegeben eine me"sbare Abbildung $\phi:X\ra Y$ von Me"sr"aumen und
ein Ma"s $\mu $ auf $X$ erkl"art man das \defind{Bildma"s}
$\phi_\ast \mu$ auf $Y$ dadurch, da"s man f"ur jede
me"sbare Menge $A\subset Y$ setzt
$$(\phi_\ast \mu)(A)\pdef\mu(\phi^{-1}A)$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Offensichtlich liefert diese Vorschrift in der Tat ein Ma"s auf $Y$. 
Zus"atzlich gilt f"ur jede weitere me"sbare Abbildung $\psi:Y\ra Z$
von Me"sr"aumen die Formel $\psi_\ast(\phi_\ast \mu)=(\psi\circ \phi)_\ast \mu$
und f"ur die Identit"at auf $X$ die Formel
$\op{id}_\ast \mu=\mu$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Diracma"s als Bildma"s}]
Das
  Bildma"s des Diracma"ses $\delta$ auf dem {\bf einpunktigen Me"sraum}  $\op{me"s}$ unter einer
me"sbaren Abbildung
in einen Me"sraum $X$ ist das Diracma"s am Bildpunkt, in Formeln gilt also
f"ur jeden Punkt $x\in X$ und $\op{em}_x:\op{me"s}\ra X$ die
Abbildung  mit Bild $\{x\}$  die Identit"at
$$\delta_x=\op{em}_{x*}\delta$$
\end{Beispiel}

\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildBM}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Versuch der graphischen Darstellung
eines Bildma"ses. Das Ma"s einer Teilmenge ist hier so in etwa zu verstehen
als die Zahl der Strichle in besagter Teilmenge.
 \end{minipage}
\end{figure}


\begin{Bemerkungl}
Gegeben ein Wahrscheinlichkeitsraum $(\Omega,\mathcal A,P)$
 hei"st das Bildma"s des
  Wahrscheinlichkeitsma"ses unter einer Zufallsvariable 
$X:\Omega\ra Y$ die {\bf
    Verteilung der Zufallsvariable}\index{Verteilung!einer Zufallsvariable} 
und wird $P^X\pdef X_\ast P$ notiert.\index{)8bb@$P^X$ Verteilung von $X$} 
Im Fall einer reellwertigen Zufallsvariable $Y=\DR$ ist also
$P^X$ ein Wahrscheinlichkeitsma"s 
auf $\DR$. Seine Verteilungsfunktion im Sinne
von \ref{VTF} hei"st  die {\bf Verteilungsfunk\-tion} oder 
pr"aziser die {\bf kumulative Verteilungsfunktion}
\index{Verteilungsfunktion!von Zufallsvariable}
unserer Zufallsvariablen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}
 Die {\bf geometrische Verteilung}\index{Verteilung!geometrische}  
 mit Parameter $p \in [0,1)$ auf
   $\mathbb N_{\geq 1}$
   ist das Wahrscheinlichkeitsma"s $\mu = \mu_p$ auf $\mathbb N_{\geq 1}$ 
mit $\mu (i) = p^{i-1} (1-p)$.
 Die Wahrscheinlichkeit, mit einem gerechten W"urfel beim 
$i$-ten Wurf zum ersten
Mal eine Sechs zu w"urfeln, ist zum Beispiel 
$\mu_{5/6} (i) = (5/6)^{i-1}  (1/6)$.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
 Manchmal scheint mir die "aquivalente 
 Terminologie der {\bf Verwandtschaft}
 transparenter, die ich nun einf"uhre.
Gegeben eine me"sbare Abbildung $\phi:X\ra Y$ von Me"sr"aumen und
ein Ma"s $\mu $ auf $X$ und ein Ma"s $\nu $ auf $Y$ hei"sen die beiden
Ma"se {\bf $\phi$-verwandt}\index{verwandt!Ma"se} 
und wir schreiben\index{)4@$\leadsto$ verwandt!Ma"se}
$$\phi:\mu\leadsto\nu$$
wenn gilt $\nu(A)=\mu(\phi^{-1}A)$ f"ur jede me"sbare Teilmenge $A\subset Y$. 
Gleichbedeutend ist per definitionem  $\nu=\phi_\ast \mu$. 
Jedes Ma"s hat also unter jeder me"sbaren Abbildung genau einen
\glqq Vorw"artsverwandten\grqq. Das mag den konzeptionellen Unterschied zwischen
Ma"sen und
Funktionen deutlich machen, die im Gegensatz dazu stets genau
einen \glqq R"uckw"artsverwandten\grqq\  haben.
Die Verwandtschaft von Ma"sen erf"ullt 
offensichtlich die f"ur Verwandtschaften gewohnten Regeln, genauer gilt
$\op{id}:\mu\leadsto\mu$ und  aus $\psi:\lambda\leadsto \mu$
sowie $\phi:\mu\leadsto\nu$
 folgt $(\phi\circ\psi):\lambda\leadsto\nu$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Unter einer 
\defnoind{Verfeinerung}\index{Verfeinerung!von Wahrscheinlichkeitsraum} 
eines Wahrscheinlichkeitsraums $(\Omega, \cal{A}, P)$ verstehe ich eine
 me"sbare Abbildung $\Omega'\ra \Omega$ von einem weiteren 
Wahrscheinlichkeitsraum 
$(\Omega', \cal{A}', P')$ nach $\Omega$ 
derart, da"s $P$ das Bildma"s von $P'$ ist.
Ganz allgemein interessieren in der Wahrscheinlichkeitstheorie
 nur diejenigen Konstruktionen und Definitionen, 
die 
vetr"aglich sind mit dem Zur"uckholen unter einer beliebigen Verfeinerung.
Im Fall eines W"urfels 
 k"onnte die Menge $\Omega$ etwa aus den sechs m"oglichen Ausg"angen eines
W"urfelexperiments bestehen,
sie k"onnte jedoch auch viel gr"o"ser sein und etwa aus
allen m"oglichen Ausg"angen eines einmaligen W"urfelns mit
hundert W"urfeln bestehen, von denen unser W"urfel nur einer ist,
oder  aus allen 
Paaren in $\{1,\ldots,6\}\times \{\text{an, aus}\}$
bestehen, bei denen der zweite Eintrag erinnert, ob das Licht in dem
Raum, in dem gew"urfelt wurde, nun an oder aus war.
 Man beachte, da"s bei Verfeinerungen
neue Ereignisse hinzukommen k"onnen und  Elementarereignisse
im allgemeinen keine Elementarereignisse bleiben werden.
Insofern ist der Begriff eines Elementarereignisses 
der Wahrscheinlichkeitstheorie fremd.
\end{Bemerkungl}











\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s jede linksseitig stetige Funktion $f:\DR\ra\DR$ me"sbar ist.
Hinweis: Man schreibe $f$ als punktweisen Grenzwert st"uckweise
konstanter Funktionen. Man zeige, da"s jede in jeder Variablen monoton 
wachsende und linksseitig stetige Funktion $f:\DR^n\ra\DR$ me"sbar ist.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Alle monotonen Abbildungen $\DR\ra\bar{\DR}$ sind me"sbar.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}  Jeder kompakte metrische 
Raum ist abz"ahlbar basiert.
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}\label{abz}
Jede offene "Uberdeckung eines
abz"ahlbar basierten Raums 
besitzt eine abz"ahlbare Teil"uberdeckung.
In einem abz"ahlbar basierten Raum
ist jede  diskrete Teilmenge  abz"ahlbar.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{final} 
  Eine stetige Abbildung $f:X\ra Y$ hei"st
  {\bf final}\index{final!stetige Abbildung},
  wenn $Y$ die \hyperref[ISALt]{Finaltopologie}
  in Bezug auf $f$ tr"agt. Man zeige:
  Gegeben $f:X\ra Y$  final und ein weiterer topologischer Raum $Z$
  ist eine Abbildung $g:Y\ra Z$ genau dann stetig, wenn $g\circ f$ stetig ist. 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}\label{PrKoo} 
  Das Produkt von zwei kompakten topologischen R"aumen ist wieder
  kompakt. Hinweis: Es reicht zu zeigen, da"s jede "Ubderdeckung durch
  \glqq offene Quader\grqq\ eine endliche Teil"uberdeckung hat.
\end{Ubung}



\subsection{Integral von nichtnegativen  Funktionen}
\begin{Definition}
Eine Funktion, die nur endlich viele Werte annimmt, nenne ich
eine   {\bf Stufenfunktion}\index{Stufenfunktion}.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben $X$ eine Menge und $A\subset X$ eine Teilmenge
 ist   
die  {\bf charakteristische 
Funktion\index{charakteristische Funktion!einer Menge}
$\chi_A=[A]:X\ra \{0,1\}$} $A$ eine Stufenfunktion.
Ich erinnere daran, da"s sie erkl"art 
wird\index{chi@$\chi_A$ charakteristische Funktion}
durch 
die Vorschrift\index{)5]@$[A]$ charakteristische Funktion} 
$$
[A](x)\pdef\left\{\begin{array}{ll}
1&x\in A;\\ 0&x\not\in A.\end{array}\right.$$
Sie hei"st auch die
{\bf Indikatorfunktion\index{Indikatorfunktion} von} $A$
und wird oft alternativ $1_A$ 
notiert.\index{)0@$1_A$ Indikatorfunktion von $A$} 
Ich ziehe jedoch in meinem Kampf gegen den Index 
die Notation $[A]$ vor.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
Gegeben  ein Me"sraum $(X,\cal{M})$ ist jede 
reellwertige me"sbare Stufenfunktion $s : X \ra\Bbb{R}$
von der Form $$s=\sum_{i=1}^n c_i [A_i]$$ f"ur eine
Zerlegung $X=\coprod_{i=1}^n A_i$ von $X$ in endlich viele paarweise disjunkte
me"sbare Teilmengen und geeignete $c_i\in{\Bbb{R}}$. 
Offensichtlich bilden  die reellwertigen me"sbaren 
Stufenfunktionen auf einem  Me"sraum $(X,\cal{M})$
einen Untervektorraum im 
Raum aller reellwertigen Funktionen auf $X$.
\end{Beispiele}


\begin{Definition}[\textbf{Integral  nichtnegativer me"sbarer Stufenfunktionen}]
Gegeben ein Ma"sraum   $(X,\cal{M},\mu)$ und eine 
me"sbare\label{ISF} 
reellwertige nichtnegative Stufenfunktion $s : X \ra [0,\infty)$ 
erkl"art man das 
{\bf Integral
$\int {s} = \int_{X} {s} =
\int_{X}{s}\mu \in [ 0,\infty]$ von $s$ "uber $X$} 
durch die Formel
$$\int_{X}{s} \mu \pdef \sum_{c\in s(X){\setminus} 0} c \cdot \mu (s^{-1}
(c))$$  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Ich habe in dieser Formel den Summanden f"ur $c=0$ weggelassen,
um den Ausdruck $0\cdot\infty$ zu vermeiden. Im folgenden erweist es 
sich jedoch als bequemer, diesen Summanden zuzulassen und mit der
Konvention $0\cdot\infty=0$ zu arbeiten. Weiter habe ich nur $c\in s(X)$ 
statt $c\in \DR$ geschrieben, um eine endliche
Summe zu erhalten. Da aber die Summanden f"ur $c\not\in s(X)$ eh
Null sind, h"atten wir, ohne etwas am Resultat  zu
"andern, mit dem Begriff der Summierbarkeit beliebiger Familien
\eref{BAKo}{AN1} auch "uber alle $c\in\DR$ summieren k"onnen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Eigenschaften des Integrals reeller me"sbarer Stufenfunktionen}]
Nat"urlich gilt $\int \alpha s = \alpha \int s\; \forall  \alpha\in
(0,\infty)$. Ist $t : X \ra \left[ 0,\infty\right)$ eine
zweite me"sbare Stufenfunktion, so gilt weiter $$\int s + t = \int
s \;+ \int t$$ und mithin auch $s \leq  t \;\RA\; \int
s  \leq  \int t$.\label{ASt} 
In der Tat, schreiben wir $X_{a,b}  \pdef s^{-1} (a) \cap t^{-1} (b)$, so
ergibt sich mit der Additivit"at des Ma"ses unmittelbar
$$\begin{array}{rll}
\int s+t 
&= \sum_{c} c \cdot \mu \left(\bigcup_{c = a+b} X_{a,b}\right)
&=\sum_{a,b} (a+b) \cdot\mu (X_{a,b})
\\
\int s  
&= \sum_{a} a\cdot \mu \left(\bigcup_{b} X_{a,b}\right)  
&= \sum_{a,b} a \cdot\mu (X_{a,b})
\\
\int t 
&= \sum_{b}
b\cdot\mu \left(\bigcup_{a}X_{a,b}\right) 
&= \sum_{a,b} b\cdot\mu (X_{a,b})
\end{array}$$
F"ur $s\pdef\sum_{i=1}^n c_i [A_i]$ mit $c_i\in[0,\infty)$
wird also das Integral gegeben durch die Formel 
$\int {s}=\sum_{i} c_i \mu(A_i)$.    
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}[\textbf{Integral nichtnegativer  Funktionen}]
Gegeben  ein Ma"sraum $X=(X,\cal{M},\mu)$
und eine me"sbare Abbildung\label{Ipo} $f: X \ra [0,\infty]$
erkl"aren wir ein Element $\int f\mu$ aus $[0,\infty]$, 
das {\bf Integral  von $f$ "uber} $X$, als
das  Supremum  der Integrale aller reellwertigen
nichtnegativen me"sbaren Stufenfunktionen $s: X
\ra \left[ 0, \infty\right)$ mit $s(x) \leq f(x)$ f"ur alle $x\in X$, 
in Formeln\index{Integral!nichtnegative me"sbare Funktion!"uber Ma"sraum} 
$$\int f\mu\pdef \sup_{ s\leq f} \int_{X} s \mu$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}Ist $f$ bereits selbst eine reelle Stufenfunktion, so wird das
  fragliche Supremum  bei $s=f$ angenommen, da  ja dann gilt
  $s\leq f\RA \int s\leq \int f$, und wir erhalten
unser Integral von Stufenfunktionen \ref{ISF} f"ur $s=f$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{dIn}
Wir verwenden f"ur dies Integral auch die  Notationen
$$\int f=\int_{X}f\mu=\int_{X}f(x)\mu\langle x\rangle $$
Die eckigen Klammern sollen andeuten, da"s mit $\mu\langle x\rangle$
nicht der Wert einer etwaigen Funktion $\mu$ an einer Stelle $x$ gemeint ist.
Vielmehr wird dieser Ausdruck erst in Verbindung  
mit dem Integralzeichen 
sinnvoll.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}]
In der Literatur findet man meist die Notation
$\int_{X}f\diff\mu$. 
Diese leider allgemein "ubliche Notation scheint mir jedoch
im Lichte der urspr"unglichen Bedeutung 
des Symbols $\op{d}$ unter
dem Integralzeichen 
v"ollig abwegig, um nicht zu sagen irref"uhrend:
Das Differential $\op{d}$ kann aus einer Funktion ein Ma"s machen,
wie etwa in \ref{dFf}, aber wo bereits ein Ma"s steht,
hat das Differential nichts mehr zu suchen. Neuerdings sieht man vielfach  die
Notation $\int f(x)\mu(\diff x)$, die mich aber im Fall allgemeiner 
Ma"sr"aume auch nicht "uberzeugt: Man denke
nur einmal an das Z"ahlma"s auf einem diskreten Raum. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bedeutung der Me"sbarkeit}] 
Unsere Definition des Integrals \ref{Ipo} ist sogar
f"ur  beliebige nicht notwendig me"sbare 
Funktionen $f:X\ra[0,\infty]$ sinnvoll. Das Supremum hei"st dann das 
{\bf Unterintegral von $f$}.\index{Unterintegral} 
Der Beweis des folgenden Satzes "uber monotone Konvergenz zeigt, 
welche Rolle die
Me"sbarkeit von $f$ spielt. Der Beweis des gleich anschlie"senden Satzes
\ref{IANN} wird weiter zeigen, wie die Me"sbarkeit von $f$ und $g$ in den Beweis 
der Additivit"at $\int f+g=\int f+\int g$ eingeht, die  im allgemeinen nicht mehr gilt.
  \end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{"uber monotone 
Konvergenz}]\index{monotone Konvergenz}
Gegeben $(X,\cal{M}, \mu)$ ein Ma"sraum und $(f_{n})$ eine 
monoton wachsende \label{MKo} Folge  $0\leq f_{0} \leq f_{1}
\leq\ldots\;\!$ me"sbarer
Funktionen $f_{n} : X \ra [0,\infty]$ 
 ist auch der punktweise Grenzwert  $f(x)
\pdef \lim_{n\ra \infty} f_{n} (x)$ der $f_n$ eine me"sbare Funktion $f: X \ra [0,\infty]$ und es
gilt
$$\int_{X}f\mu = \lim_{n\ra \infty} \int_{X} f_{n} \mu$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Das Bild zu \eref{gli}{AN1} der immer spitzeren D"acher direkt rechts vom
  Ursprung zeigt eine Folge
stetiger Funktionen, die punktweise gegen die Nullfunktion
konvergieren, ohne da"s ihre Integrale  gegen Null streben.
Die Annahme der Monotonie unserer Folge ist also wesentlich.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
Die Me"sbarkeit von $f$ folgt aus \ref{MG3}. Die Absch"atzung
$\geq$ ist evident. Es gilt, $\leq$ zu zeigen.
Daf"ur reicht es, wenn wir f"ur jede me"sbare Stufenfunktion 
$s:X\ra [0,\infty)$ mit $s
\leq f$ und jedes $\eta \in (0,1)$ die Absch"atzung
$$\eta  \int s \leq
\lim_{n\ra \infty} \int f_{n}$$ zeigen.
Nun haben wir ja $s = \sum^{r}_{i=0} c_{i} [A_{i}]$ f"ur
geeignete paarweise disjunkte me"sbare Mengen $A_{i}$ und $c_{i}\in
(0,\infty)$.
Setzen wir $A^{n}_{i} = \{ x \in A_{i} \mid f_{n}(x) \geq\eta
c_{i}\}$, so sind auch die $A^{n}_{i}$ me"sbar und es gilt 
$A^{0}_{i}\subset A^{1}_{i}\subset A^{2}_{i}\subset\ldots $ sowie $\bigcup
A^{n}_{i} = A_{i}$. Nach \ref{AVMM} gilt  $$\lim_{n\ra \infty} \mu (A^{n}_{i}) =
\mu (A_{i})$$
Betrachten wir die Stufenfunktionen $s_{n} = \sum_{i} 
c_{i} [A_{i}^{n}]$, so gilt mithin
$$\lim_{n\ra\infty}\int\eta s_n=\int\eta s$$
Andererseits haben wir aber nach Konstruktion
$\eta s_{n} \leq f_{n}$ und folglich
$\int \eta s_{n} \leq \int f_{n}$.
Bilden wir nun auf beiden Seiten den Grenzwert f"ur $n \ra \infty$, so
ergibt sich zusammenfassend $\int\eta  s \leq \lim_{n\ra \infty} \int f_{n}$ wie
gew"unscht.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Eigenschaften des Integrals nichtnegativer Funktionen}]
Gegeben 
nichtnegative me"sbare Funktionen  $f,g$ mit\label{IANN}  
Werten in $[0,\infty]$  auf einem Ma"sraum
gilt
\begin{enumerate}
\item
$f \leq g \Rightarrow \int f \leq \int g$;
\item
$\int c f = c \int f \quad \forall c \in (0,\infty)$;
\item
$\int f + g = \int f + \int g$.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Nur der dritte Punkt braucht einen Beweis.
Sind $f$ und $g$ reelle Stufenfunktionen, so haben wir die Behauptung schon 
in \ref{ASt} gezeigt.
Um den allgemeinen Fall daraus abzuleiten, brauchen wir
ein Lemma.
\begin{Lemma}[\textbf{Monotone Approximation durch Stufenfunktionen}]  
Gegeben $(X,\cal{M})$ ein Me"sraum und $f:X \ra [0,\infty] $ eine me"sbare
Funktion existiert eine monotone Folge $0\leq\varphi_{0} \leq \varphi_{1} \leq \ldots$
von me"sbaren Stufenfunktionen\label{MM} 
 mit Werten in $[0,\infty)$,
die punktweise
gegen $f$ konvergiert.
\end{Lemma}

\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKST}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die ersten Glieder unserer monotonen Folge von nichtnegativen
Stufenfunktionen, die punktweise gegen eine gegebene nichtnegative
Funktion konvergieren. 
 \end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis]
Wir konstruieren $\varphi_{n}$ zum Beispiel wie folgt:
Sei $0 = a_{0} <a_{1}< \ldots <a_{r} = n $ die "aquidistante
Einteilung von $[0,n]$ in St"ucke der L"ange $2^{-n}$, also $r = n
2^{n}$ und $a_{i} = i2^{-n}$. Wir setzen
$
A_{i} = f^{-1} [a_{i},a_{i+1})$ f"ur $0 \leq i < r$ sowie
$A_{r}= f^{-1} [n,\infty]
$
und bilden $\varphi_{n} = \sum^{r}_{i=0} a_{i} [A_{i}]$.
Es ist offensichtlich, da"s wir so eine monotone Folge von
Stufenfunktionen erhalten, die punktweise gegen $f$ konvergiert.
\end{proof}\noindent
Jetzt schreiben wir $f$ und $g$ als punktweise Grenzwerte
von monotonen Folgen me"sbarer Stufenfunktionen 
$0\leq\varphi_{0} \leq \varphi_{1} \leq \ldots$ und
$0\leq\psi_{0} \leq \psi_{1} \leq \ldots\;\!$ nach \ref{MM} und folgern mit dem Satz
\ref{MKo} "uber monotone Konvergenz
\begin{equation*}
\int f+g=\lim_{n\ra\infty} \int \varphi_n+\psi_n=
\lim_{n\ra\infty}\int \varphi_n+\lim_{n\ra\infty}\int \psi_n
=\int f +\int g\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Integrale "uber 
Restriktionen von Ma"sen}]
Ist  $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum\label{IresM} 
und  $A\subset X$ eine me"sbare Teilmenge und
$(A,\cal{M}|_A,\mu|_A)$ der induzierte Ma"sraum nach \ref{ResMM}, so 
notieren wir Integrale in Bezug auf diesen
Ma"sraum  gerne
$\int_A f\mu$ oder auch $\int_A f$. 
Ist $f:X\ra [0,\infty]$ me"sbar, so haben wir offensichtlich
$$\int_A f=\int_X [A]f$$
Hier ist links das Integral der Restriktion von $f$ auf $A$ 
gemeint und rechts das Integral des Produkts von $f$
mit der charakteristischen Funktion von $A$, gebildet mit
der Konvention $0\cdot\infty=0$.
\end{Bemerkungl}







 \begin{Bemerkunge}\label{MI}
    Sei $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum.  F"ur jede $\mu$-me"sbare Funktion
    $f:X\ra\bar{\Bbb{R}}$
    im Sinne von \ref{muM} 
     gibt es eine me"sbare Funktion
    $\tilde{f}:X\ra\bar{\Bbb{R}}$, die au"serhalb einer $\mu$-Nullmenge
    mit $f$ "ubereinstimmt.
    In der Tat k"onnen wir $f$ 
    nach \ref{MM} schreiben als punktweisen Grenzwert einer
    Folge von $\mu$-me"sbaren Stufenfunktionen $f(x) = \lim s_{n}(x)$. Wir
    k"onnen nun nach \ref{VvM}
    die Grundfl"achen aller Stufen von $s_n$ zu me"sbaren Mengen
    verkleinern, indem wir jeweils eine $\mu$-Nullmenge wegnehmen.
    Die Vereinigung dieser Nullmengen ist eine me"sbare Nullmenge $A_n$ mit
    $[A_n]s_n$ me"sbar. 
    Die Vereinigung aller $A_n$ ist dann eine me"sbare
    Menge $A$ vom Ma"s Null mit $[A]s_n$ me"sbar f"ur alle $n$.
    Dann ist aber  $[A]f$  der punktweise Grenzwert der $ [A] s_{n}$
    und ist auch me"sbar.
  \end{Bemerkunge}
 \nichtfinal{\begin{Bemerkunge}
     Ich habe nicht durchdacht, ob f"ur $j:A\hra X$ eine
injektive me"sbare Abbildung von Me"sr"aumen mit der Eigenschaft, da"s die
Bilder me"sbarer Mengen wieder me"sbar sind, die Notation $j^!\mu$ f"ur
das vermittels $j$ eingeschr"ankte Ma"s sinnvoll sein k"onnte.
Es ist ja schon so, da"s derartige Abbildungen das me"sbare Analogon 
von \'etalen
Abbildungen sind, und in kartesischen Diagrammen in der Kategorie der
 Me"sr"aume gilt durchaus $\psi_* j^!\mu=i^!\phi_*\mu$.
   \end{Bemerkunge}}

 \nichtfinal{\begin{Bemerkungl} Gegeben ein lokal kompakter 
     Hausdorffraum $X$ betrachten wir auf dem reellen Vektorraum der
     kompakt getragenen reellwertigen Borelma"se $\op{M}_!(X;\DR)$
     die Topologie, die von den Seminormen $\|\mu\|_U\pdef |\mu|(U)$
     erzeugt wird f"ur $U\co X$ und $|\mu|$ die Variation von $\mu$ nach
     \ref{DCMaaa}. Nach \ref{DCMaa} ist bereits $\|\mu\|_X$ eine Norm auf
     $\op{M}_!(X;\DR)$. 
   \end{Bemerkungl}}

 
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Verwandtschaftsvertr"aglichkeit des Integrals}]
Sei $\phi:X\ra Y$ eine me"sbare Abbildung von Me"sr"aumen.
Seien $\mu$ und $\nu$ unter $\phi$ verwandte Ma"se auf $X$ beziehungsweise
 $Y$, in Formeln\label{VIV}  
$\phi:\mu\leadsto \nu$, 
und seien $f$ und $g$ unter  
$\phi$ verwandte me"sbare Funktionen  nach $[0,\infty]$, 
in Formeln $\phi:f\leadsto g$.
So gilt 
$$\int_X f\mu=\int_Y g\nu$$
 Ist gleichbedeutend in unserer alternativen Terminologie
 $\mu$ ein Ma"s auf $X$ und $g:Y\ra [0,\infty]$ me"sbar,
 so gilt $\int_X (g\circ \phi)\mu=\int_Y g(\phi_\ast\mu)$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{IntSM}
Sei $(X,\cal{M})$ ein Me"sraum. Man zeige: Die Summe zweier Ma"se $\mu,\nu$ auf
$\cal{M}$ ist wieder ein Ma"s $\mu+\nu$ auf $\cal{M}$ und 
f"ur jede  me"sbare Funktion $f: X \ra [0,\infty]$
gilt $\int f (\mu+\nu) = \int f  \mu +\int f \nu$.  
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{NullM}
Sei $(N,\mu)$ ein Ma"sraum mit dem Nullma"s $\mu(N)=0$.
So verschwindet f"ur jede me"sbare Funktion $f:N\ra[0,\infty]$ das Integral,
in Formeln
$$\int_Nf\mu=0$$ 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{ZerlM}
Sei $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum und $X=\bigsqcup_{n\in N} X_n$
eine Zerlegung in abz"ahlbar viele paarweise disjunkte 
me"sbare Teilmengen.
So gilt f"ur jede me"sbare Funktion $f:X\ra[0,\infty]$ die
Formel
$$\int_Xf=\sum_{n\in N}  \int_{X_n}f$$ 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{UAII}
Gegeben eine me"sbare nichtnegative Funktion $g$ auf einem Ma"sraum
$(X,\cal{M},\mu)$ mit $\int_X g\mu<\infty$ gibt es f"ur jedes 
$\varepsilon>0$ ein $\alpha=\alpha_\varepsilon>0$
derart, da"s f"ur alle $A\in \cal{M}$ gilt
$$\mu(A)<\alpha\;\;\RA \;\;\int_A g\mu<\varepsilon$$
Hinweis: Es gibt sicher eine me"sbare Stufenfunktion $h:X\ra [0,\infty)$ 
mit $h\leq g$ und $\int g\mu\leq \int h\mu \;+\varepsilon/2$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}\label{UAIy}
Gegeben eine me"sbare nichtnegative Funktion $g$ auf einem Ma"sraum
$(X,\cal{M},\mu)$ mit $\int_X g\mu<\infty$ gibt es f"ur jedes 
$\varepsilon>0$ ein $\beta=\beta_\varepsilon>0$
mit
$$\int \op{inf}(g,\beta)\mu<\varepsilon$$
Hinweis: Es gibt sicher eine me"sbare Stufenfunktion $h:X\ra [0,\infty)$ 
mit $h\leq g$ und $\int g\mu\leq \int h\mu \;+\varepsilon/2$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
 Man zeige:  Gegeben ein Ma"sraum $X$ und 
eine Folge $(f_n)$ nichtnegativer me"sbarer Funktionen 
$f_n:X\ra [0,\infty]$ ist auch ihre Summe $\sum f_n$ me"sbar und es gilt
$$\int \sum f_n =\sum \int f_n$$
Diese Aussage wird sich als ein Spezialfall des positiven Fubini \ref{pF}
erweisen. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Produkte von Ma"sen mit Funktionen}]
Man zeige: Ist $(X,\mu)$ ein Ma"sraum und $g:X\ra[0,\infty]$ me"sbar,\label{gmu}
so erhalten wir ein weiteres Ma"s $g\mu$ auf $X$  durch die Vorschrift
$(g\mu)(A)\pdef \int_A g\mu$. F"ur jede weitere 
me"sbare Funktion $f:X\ra[0,\infty]$
gilt mit der Konvention $0\cdot\infty=0=\infty \cdot 0$
die Identit"at von Ma"sen $f(g\mu)=(fg)\mu$.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Bildma"se zu Produkten von Ma"sen mit Funktionen}]
Sei $\phi:X\ra Y$ ein Isomorphismus von Me"sr"aumen.
Seien $f:X\ra [0,\infty]$ und $g:Y\ra [0,\infty]$ die dazu verwandte
me"sbare Funktion 
$\phi:f\leadsto g$. Seien $\mu$ ein Ma"s auf $X$ und $\nu$ das dazu verwandte Ma"s auf $Y$, also $\phi:\mu\leadsto \nu$. So sind auch die
Ma"se $f\mu$ und $g\nu$ verwandt, in Formeln\label{BPMF} 
$$\phi:f\mu\leadsto g\nu$$  
\end{Ubung}




\begin{Ubung}\label{MIFF}
Ist $(X,\mu)$  ein $\sigma$-endlicher Ma"sraum und sind
$f,g:X\ra[0,\infty]$ me"sbar, so gilt die Gleichheit von Ma"sen
$f\mu=g\mu$ genau dann, wenn $f$ und $g$ au"serhalb einer 
me"sbaren Menge vom Ma"s Null "ubereinstimmen. 
Man gebe auch ein Gegenbeispiel im Fall nicht $\sigma$-endlicher Ma"sr"aume.
Hinweis:
Man ziehe sich auf den Fall $\mu(X)<\infty$ zur"uck
und betrachte dann zun"achst die Mengen $\{x\mid n>f(x)>g(x)+1/n\}$.
\end{Ubung}



 


\begin{Ubunge}\label{Ldfxx}
Nach  \ref{VerTn}
gibt es f"ur jede linksseitig stetige 
monoton wachsende Funktion $f:\Bbb{R}\ra\Bbb{R}$ genau ein topologisches 
Ma"s $\diff f$ auf 
 $\Bbb{R}$ mit $(\diff f)([a,b))= f( b)- f(a)$
f"ur beliebige $a,b\in\DR$ mit $a< b$. 
Man zeige: Ist  unser $f$
zus"atzlich stetig differenzierbar, so stimmt
$\diff f$ "uberein mit dem Vielfachen $f'(x)\diff x$ des 
Lebesguema"ses im Sinne von \ref{gmu}.
\end{Ubunge}
% \begin{Ubunge}\label{dFfAxx}
% Ist  $f:\DR^n\ra\DR$ monoton wachsend und linksseitig 
% stetig in jeder Variablen,
% so wissen wir aus \ref{dFfA}, da"s es auf dem Mengenring 
% aller
% endlichen Vereinigungen beschr"ankter  Quader der Gestalt 
% $[a_1,b_1)\times\ldots \times[a_n,b_n)$ genau ein Pr"ama"s $\mu_f$ gibt 
% derart, da"s f"ur $a_i,b_i\in\DR$ mit $a_i<b_i$ der Wert
% $\mu_f([a_1,b_1)\times\ldots \times[a_n,b_n))
% $ auf dem Quader die \glqq alternierende Summe der Werte von $f$ auf
% den Ecken\grqq\  ist. Man zeige: Existiert die gemischte partielle 
% Ableitung
% $\partial_1\ldots\partial_n f$ und ist stetig,
% so stimmt  die Caratheodory-Fortsetzung $\mu_f$ unseres 
% Pr"ama"ses "uberein mit dem 
% % Vielfachen  $(\partial_1\ldots\partial_n f)\diff^n x$ des 
% Lebesguema"ses.
% \end{Ubunge}



\subsection{Integrierbare Funktionen und ihr Integral}
\begin{Definition}
Gegeben ein Ma"sraum $X=(X,\cal{M}, \mu)$ 
hei"st eine Funktion $f:X \ra \Bbb{R}$ \label{iIF} 
\defind{integrierbar},
wenn sie me"sbar ist und wenn zus"atzlich gilt $\int |f| < \infty$
im Sinne des   Integrals nichtnegativer Funktionen \ref{Ipo}.
Wir erkl"aren das {\bf Integral} $\int f \in \Bbb{R}$ einer
integrierbaren Funktion $f: X \ra \Bbb{R}$ durch die Vorschrift
$$\int f \pdef \int f^{+}- \int f^{-}$$
Hier  bezeichnet $f^{+},f^{-} : X \ra [0,\infty)$ den {\bf positiven} 
beziehungsweise  
{\bf negativen Anteil} von $f$, der gegeben wird durch 
$f^{\pm}(x)=\sup(\pm f(x),0)$.
Die Menge aller integrierbaren Funktionen $f: X \ra \Bbb{R}$
notieren wir  je nach der gew"unschten Pr"azision
$\cal{L}^{1}_{\Bbb{R}} (X)=\cal{L}^{1}_{\Bbb{R}} (X;\mu)=
\cal{L}^{1}_{\Bbb{R}} (X;\cal{M},\mu)$.\index{L@$\cal{L}^{1}_{\Bbb{R}} (X;\mu)$}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Beziehung unserer beiden Varianten des Integralbegriffs}]
Wir haben nun genau genommen f"ur jeden Ma"sraum $(X,\mathcal M,\mu)$ 
zwei Integrale definiert:
Ein Integral f"ur me"sbare nichtnegative Funktionen
mit Werten in $[0,\infty]$,
das Werte in $[0,\infty]$ annimmt,  und  ein
Integral f"ur integrierbare  Funktionen mit Werten in $\DR$, das Werte
in $\DR$ annimmt.
Offensichtlich stimmen im Fall einer nichtnegativen 
reellwertigen integrierbaren Funktion diese
beiden Integrale  "uberein,
auf dem Schnitt ihrer Definitionsbereiche liefern unsere beiden Varianten des
Integralbegriffs in anderen Worten dasselbe.
Es ist deshalb
sinnvoll, f"ur beide Konzepte dasselbe Symbol  zu verwenden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Erweiterungen des Integralbegriffs}]
Man kann in einer gemeinsamen Verallgemeinerung unserer beiden
Varianten des Integralbegriffs auch beliebigen
 me"sbaren Funktionen mit Werten in $(-\infty,\infty]$ 
und integrierbarem Negativteil $f_-$ 
noch sinnvoll ein Integral in $(-\infty,\infty]$ 
zuordnen. In dieser Allgemeinheit werde ich jedoch das Integral nie verwenden.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Erweiterungen
des Begriffs der Integrierbarkeit}]
Der Begriff der Integrierbarkeit wird in der Literatur oft
weiter gefa"st als in diesem Text, um alle Funktionen einzuschlie"sen, denen man
\glqq noch irgendwie in sinnvoller Weise ein Integral zuordnen kann\grqq.
 Eine so
abge"anderte Terminologie entspricht
m"oglicherweise  besser
unserem Sprachempfinden, sie schien mir jedoch f"ur die
pr"azise Formulierung der Theorie ungeschickt. Hier will ich die verschiedenen 
in der Literatur g"angigen Begriffsvarianten Revue passieren lassen.
Zun"achst  mag man auch solche
Funktionen $f:X \ra \Bbb{R}$ noch \glqq integrierbar\grqq\  nennen
wollen, die
im Sinne der vorhergehenden Definition  integrierbar 
sind in Bezug auf
den vervollst"andigten Ma"sraum. In einer anderen Richtung mag man 
auch solche  Funktionen $f:X \ra \bar{\Bbb{R}}$  
noch \glqq integrierbar\grqq\ 
nennen wollen, f"ur die
die Stellen, an denen sie einen der Werte $\pm\infty$ annimmt,
eine Nullmenge bilden, auf deren Komplement sie in dann unserem Sinne
integrierbar sind.  Weiter kann man diese beiden Erweiterungen auch noch kombinieren. Und schlie"slich versteht man oft
unter einer \glqq integrierbaren Funktion\grqq\ gewisse Objekte,
die im Sinne der Mengenlehre streng genommen gar keine Funktionen mehr sind
und die
 wir in \ref{QIFu}
als \glqq integrierbare fast "uberall definierte  Funktionen\grqq\ 
einf"uhren  werden. Diese Objekte h"angen dann nicht mehr davon ab,
mit Hilfe welcher der obigen Begriffsvarianten wir sie konstruieren.
\end{Bemerkunge}


\begin{Bemerkunge}\label{EWZu}
Gegeben eine reellwertige integrierbare Zufallsvariable $X$ auf einem 
Wahrscheinlichkeitsraum $(\Omega,\mathcal A, P)$ hei"st ihr  Integral der
\defnoind{Erwartungswert}\index{Erwartungswert!einer Zufallsvariable}
der Zufallsvariable und wird $\op{E}(X)\pdef \int_\Omega X(\omega)P\langle
\omega\rangle$ notiert.
\index{E@$\op{E}(X)$ Erwartungswert der Zufallsvariable $X$}
\end{Bemerkunge}
\begin{Beispiel}[\textbf{Integrierbarkeit und absolute Konvergenz}]
Ist $I$ eine abz"ahlbare Menge, so ist eine  Funktion 
$f:I\ra\DR$ integrierbar f"ur das Z"ahlma"s genau dann, wenn
f"ur eine oder gleichbedeutend jede \glqq Abz"ahlung\grqq\  von $I$ 
die Reihe $\sum_{i\in I}f(i)$ absolut konvergiert. 
Das Integral unserer Funktion ist in diesem Fall genau der
Grenzwert der Reihe. Ist $I$  eine beliebige Menge,
so ist eine  Funktion 
$f:I\ra\DR$ integrierbar f"ur das Z"ahlma"s genau dann,
wenn die Familie der $f(i)$ summierbar ist im Sinne von \eref{BAKo}{AN1},
was ja nach \eref{SuFa}{AN1} auch im Wesentlichen absolute Konvergenz bedeutet.
\end{Beispiel}




\begin{Bemerkungl}
Aus der Definition erhalten wir f"ur $f,g $ integrierbar sofort 
$|\int f| \leq \int |f|$ und $f\leq g\RA \int f\leq \int g$.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Linearit"at des Integrals}]
Gegeben ein Ma"sraum  $(X,\cal{M}, \mu)$  ist der Raum $\cal{L}^{1}_{\Bbb{R}}(X)$ aller integrierbaren Funktionen
ein Untervektorraum im Raum aller Funktionen $X\ra\Bbb{R}$ und das Integral
ist eine lineare Abbildung
$$\int : \cal{L}^{1}_{\Bbb{R}} (X) \ra \Bbb{R}$$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Wir "uberlassen den Nachweis der ersten Aussage dem Leser und
zeigen nur die Linearit"at des Integrals.
Man kann sie direkt aus "Ubung \eref{FoKe}{LA1} alias der anschlie"senden Erg"anzung \ref{FosT} folgern,
und im folgenden schreiben wir nur 
eine L"osung dieser "Ubung in unserem Spezialfall aus.
Zun"achst zeigen wir die Additivit"at
$$\int f + g = \int f + \int g$$
Seien $f= f^{+}-f^{-}$, $\; g=g^{+}-g^{-}$ und $f+g = h = h^{+}-h^{-}$
die Zerlegungen in den positiven und negativen Anteil.
Wir folgern durch Einsetzen $f^{+} + g^{+} +h^{-} =
f^{-}+g^{-}+h^{+}$ und mit \ref{IANN} ergibt sich
$\int f^{+} + \int g^{+} + \int h^{-} = \int f^{-}+\int g^{-} +
\int h^{+}$, woraus mit der Definition dann wieder
$\int f+ \int g = \int f+g$ folgt.
Nun zeigen wir noch die Vertr"aglichkeit mit der Multiplikation
mit Skalaren
$$\int c f =c \int f$$
F"ur $c=-1$ folgt das aus den Definitionen, f"ur $c \geq 0$
folgt es aus \ref{IANN}, und der allgemeine Fall ergibt sich aus diesen
beiden Spezialf"allen.
\end{proof}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Integral als lineare Fortsetzung}] 
    Gegeben Vektorr"aume $V,W$ "uber einem angeordneten
    K"orper und ein erzeugender Konvexkegel $C\subset V$
    erinnere ich daran, da"s man nach  "Ubung 
\eref{FoKe}{LA1} jede positivlineare 
Abbildung $\varphi:C\ra W$ 
eindeutig fortsetzen kann zu einer linearen Abbildung $V\ra W$.
Unser Raum $\mathcal L^1_{\DR}(X)$ ist quasi per definitionem der
vom Konvexkegel der nichtnegativen integrierbaren Funktionen erzeugte
Untervektorraum im Raum aller Funktionen.
Unser 
Lebesgueintegral  ist dann 
genau diese Fortsetzung des Lesbesgueintegrals auf nichtnegativen
integrierbaren Funktionen und unsere Argumentation
liefert allgemeiner auch eine L"osung der erw"ahnten
"Ubungsaufgabe aus der linearen Algebra. Allgemeiner zeigt man induktiv, da"s
gegeben Vektorr"aume $V_1,\ldots, V_r,W$ "uber einem angeordneten
K"orper und erzeugende Konvexkegel $C_i\subset V_i$ auch jede in jeder
Variablen positivlineare Abbildung\label{FosT}
$$\varphi:C_1\times\ldots\times C_r\ra W$$
auf genau eine Weise zu einer multilinearen Abbildung $\varphi:V_1\times\ldots\times V_r\ra W$ fortgesetzt werden kann.
Das wird sich im weiteren als hilfreich erweisen. 
  \end{Bemerkungl}



  
\begin{Satz}[\textbf{"uber dominierte 
Konvergenz}]\index{dominierte Konvergenz}
Seien $(X,\cal{M}, \mu)$ ein Ma"sraum 
und $f_{n} : X \ra \Bbb{R}$ eine Folge me"sbarer\label{DoKo} 
Funktionen, die punktweise gegen eine Funktion $f: X \ra \Bbb{R}$
konvergiert.
Gibt es eine integrierbare Funktion $g: X \ra \Bbb{R}$ mit $|f_{n}|
\leq g$ f"ur alle $n$, so sind alle $f_{n}$ und auch $f$ integrierbar und
es gilt
$$\int f = \lim_{n\ra \infty} \int f_{n}$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Eine  eher unwesentliche Verallgemeinerung erh"alt man, 
wenn man allgemeiner nur eine Domination der
Konvergenz durch eine me"sbare Funktion $g: X\ra [0,\infty]$
mit $\int g<\infty$ voraussetzt: Aus dieser Annahme folgt n"amlich, 
da"s $g$ au"serhalb einer
Nullmenge doch wieder reelle Werte annehmen mu"s, und so  finden wir uns 
dann unmittelbar in der Situation des Satzes wieder.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Andere Quellen sprechen gleichbedeutend vom
{\bf Satz "uber majorisierte 
Konvergenz}.\index{majorisierte Konvergenz}  
\nichtfinal{Versch"arfungen dieses Satzes zeigen wir in \eref{stod}{WB}, 
dort fordern wir statt punktweiser Konvergenz nur \glqq stochastische 
Konvergenz\grqq,  und noch weitergehend 
in \eref{glgrd}{WB}, dort fordern wir au"serdem statt
der Dominiertheit nur noch die \glqq gleichgradige Integrierbarkeit\grqq.}
\end{Bemerkungl}

\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildDo}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Eine Folge integrierbarer Funktionen
auf der reellen Zahlengeraden, die zwar punktweise gegen die Nullfunktion
konvergiert, deren Integrale jedoch keine Nullfolge bilden. 
In diesem Fall k"onnen wir auch offensichtlich keine 
alle Funktionen unserer Folge  dominierende integrierbare Funktion $g$ 
finden.
 \end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis]
Aus unseren Annahmen folgt $\int |f_{n}|\leq\int g <\infty$, also
sind die $f_{n}$ integrierbar. Weiter ist $f$ auch me"sbar als
punktweiser Grenzwert me"sbarer Funktionen und dann ist mit
demselben Argument auch $f$ integrierbar.
Um die Vertauschbarkeit des Grenzwerts mit dem Integral zu
zeigen, betrachten wir nun die Funktionenfolgen
$$\begin{array}{lcr}
i_{n} (x) &=& \inf \{f_{n}(x),f_{n+1}(x),\ldots \}\\
s_{n} (x) & =& \sup\{f_{n}(x),f_{n+1}(x),\ldots \}
\end{array}$$
Sie bestehen aus me"sbaren Funktionen, beide Folgen konvergieren
punktweise gegen $f$, und es gilt
$$-g\leq i_{0} \leq i_{1}\leq \ldots \leq f \leq \ldots
\leq s_{1}\leq s_{0}\leq g$$
Mit dem Satz "uber monotone Konvergenz erhalten wir also
$\lim_{n\ra \infty} \int g+i_{n} = \int g+f$
und $\lim_{n\ra \infty} \int g-s_{n} = \int g-f$, also
$$\lim_{n\ra \infty} \int i_{n} = \int f = \lim_{n\ra \infty} \int
s_{n}$$
Da aber nach Definition gilt $i_{n} \leq f_{n}\leq s_{n}$, folgt
die Behauptung aus dem Quetschlemma \eref{BL2}{AN1}.
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Riemannintegral als Lebesgueintegral}]
Jede stetige reellwertige Funktion auf einem kompakten
reellen Intervall ist integrierbar im Sinne der 
vorhergehenden Definition \ref{iIF} und ihr\label{RiLe} 
Riemannintegral  stimmt mit ihrem Lebesgueintegral "uberein.
\end{Korollar}
\begin{proof}
Jede stetige reellwertige  Funktion $f$ auf einem kompakten
reellen Intervall $[a,b]$ ist me"sbar und beschr"ankt.
Aus $|f|\leq M$ folgt dann sofort $\int |f|\leq M(b-a)<\infty$
und damit die Integrierbarkeit von $f$.
Bilden wir Stufenfunktionen $f_r$, indem wir $[a,b]$ 
"aquidistant unterteilen durch Zwischenpunkte  $a=a_0<a_1<\ldots <a_r=b$ und
$f_r$ auf $[a_{i-1},a_i)$ konstant den Wert $f(a_i)$ geben 
und bei $b$ den Wert $f(b)$, so konvergieren die $f_r$ 
wegen der gleichm"a"sigen Stetigkeit von $f$ punktweise 
gegen $f$. Andererseits sind ihre Integrale offensichtlich 
genau unsere Riemannsummen $S^r(f)$ aus \eref{RS}{AN1}, in Formeln 
$S^r(f)=\int f_r$, und f"ur $r\ra\infty$ strebt die linke Seite nach
\eref{RS}{AN1} gegen das Riemannintegral und die Rechte nach 
dem Satz "uber dominierte 
Konvergenz \ref{DoKo} gegen das Lebesgueintegral von $f$.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[\textbf{Produkte von Ma"sen mit Funktionen, Variante}]
Ist $(X,\mu)$ ein Ma"sraum und $g:X\ra[0,\infty]$ me"sbar\label{gmui}
und $f:X\ra\DR$ me"sbar, so ist $f$ integrierbar in Bezug das Ma"s $(g\mu)$
aus "Ubung \ref{gmu} 
genau dann, wenn unter der Konvention $0\cdot \infty=0$ die Funktion
$fg$ integrierbar ist in Bezug auf  $\mu$, und unter diesen Voraussetzungen
gilt $$\int (fg)\;\mu=\int f\;(g\mu)$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{InKoT}
Auf einem topologischen Raum mit einem Borelma"s ist jede stetige
reellwertige Funktion mit kompaktem Tr"ager integrierbar.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{Tif}
Man zeige, da"s f"ur jede  integrierbare Funktion die Menge
der Punkte, auf denen sie nicht den Wert Null annimmt,  
$\sigma$-endlich sein mu"s. %L"osung: \eref{IMT}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Vertauschen von Integration und Ableitung}]
Sei \label{VIPA} $(X,\mu)$ ein Ma"sraum und $I\subset \DR$ 
halboffen und $f:X\times I\ra\DR$ eine  Abbildung
derart, da"s $x\mapsto f(x,t)$ integrierbar ist f"ur alle $t\in I$
und  $t\mapsto f(x,t)$ differenzierbar  f"ur alle $x\in  X$.
Existiert eine integrierbare Abbildung $g:X\ra\DR$ mit
$g(x)\geq |\partial_tf(x,t)|$ f"ur alle $x$ und $t$, so 
ist $x\mapsto \partial_tf(x,t)$ integrierbar f"ur alle $t$ 
und es gilt
$$\partial_t\int f(x,t)\;\mu\langle x\rangle=\int 
\partial_tf(x,t)\;\mu\langle x\rangle$$
Hinweis: Dominierte Konvergenz \ref{DoKo} %  und \ref{FGW} 
und Mittelwertsatz. 
\end{Ubung}


 %  \begin{Ubung}
%     Die {\bf Fouriertransformierte}\index{Fouriertransformation!klassische}
%     einer integrierbaren Funktion $f\in \cal{L}^{1} (\Bbb{R}^n)$ ist die
%     Funktion $f^\wedge :\Bbb{R}^n \ra \Bbb{C}$, die gegeben wird durch die
%     Vorschrift
% $$f^\wedge  ( y) = (2\pi)^{-n/2} \int_{\Bbb{R}^n} f(x)
% \op{e}^{-\op{i} x \cdot y} \diff^n x$$ Hier bezeichnet $x \cdot y \in \Bbb{R}$
% das Standard-Skalarprodukt der Vektoren $x, y \in \Bbb{R}^n$.
% Wir werden die Bedeutung dieser Konstruktion in \ref{FouD} noch
% ausf"uhrlich diskutieren. 
% \end{Ubung}



\begin{Ubung}[\textbf{Integrale unter Bildma"sen}]
Man folgere aus \ref{VIV}, 
da"s das Integral auch in dieser Situation Verwandschaft respektiert. Sind
genauer $\phi:X\ra Y$ eine me"sbare Abbildung von Me"sr"aumen,\label{BmI} 
$\mu$ ein Ma"s auf $X$ und $g:Y\ra \DR$ 
eine me"sbare Abbildung, so ist $g:Y\ra \DR$ integrierbar
in Bezug auf $\phi _\ast\mu$ genau dann, wenn $g\circ \phi $ 
integrierbar ist in
Bezug auf $\mu$, und unter dieser Voraussetzung 
$$\int_Y g(\phi _\ast\mu)=\int_X (g\circ \phi) \mu$$
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Satz von Beppo Levi}]\index{Beppo Levi}
Sei $f_{n}$ eine monoton wachsende Folge integrierbarer
Funktionen. Ist die Folge ihrer Integrale beschr"ankt,
so ist die Menge $N$ aller $x\in X$ mit
$\lim_{n\ra \infty} f_{n} (x) = \infty$ 
me"sbar vom Ma"s Null
 und die
 Funktion $f = \lim_{n\ra \infty} f_{n}
: (X{\setminus} N) \ra \Bbb{R}$ ist integrierbar 
mit Integral $\int f = \lim_{n\ra
\infty} \int f_{n}$.
\end{Ubung}














\begin{Ubung}\label{RsLL}
Sei $Q =[a,b]\times [c,d] \subset \Bbb{R}^{2}$ ein nichtleerer 
kompakter
zweidimensionaler
Quader und $f: \Bbb{R}^{2}
\ra \Bbb{R}$ eine stetige Funktion
mit Tr"ager in $Q$.  Sei weiter $\mu$ ein Borelma"s auf $\Bbb{R}^{2}$.
F"ur $r\geq 1$ definieren wir dann die $r$-te
{\bf Riemannsumme}\index{Riemannsumme!f"ur Integral nach Ma"s} 
$S^{r}(f;\mu)$ von $f$ wie folgt:
Wir betrachten die "aquidistanten Unterteilungen
$$a=a_{0} \leq a_{1}\leq \ldots \leq a_{r} =b$$
$$c= c_{0} \leq c_{1}\leq \ldots \leq c_{r}=d$$
der Kanten unseres Rechtecks, erhalten auf diese Weise
 $r^{2}$ klitzekleine halboffene
Rechtecke
$Q^{\llcorner}_{i,j}=[a_{i},a_{i+1})\times [c_{j},c_{j+1})$  und setzen
$$S^{r} (f;\mu) = \sum^{r-1}_{i,j=0} f(a_{i},c_{j}) \mu(Q^{\llcorner}_{i,j}) $$
Man zeige, da"s unter unseren Annahmen diese Riemannsummen gegen das Integral
streben, in Formeln $$\int_{Q}f\mu = \lim_{r\ra \infty} S^{r}(f;\mu)$$
\end{Ubung}


\begin{Ubung}\label{gmub}
Ist $(X,\mu)$ ein Ma"sraum und $g:X\ra[0,\infty]$ me"sbar
und $g\mu$ das in \ref{gmu} konstruierte Ma"s, 
so zeige man f"ur
$f:X\ra\DR$ me"sbar, da"s $f$ integrierbar  ist in Bezug auf  $(g\mu)$ 
genau dann, wenn unter der "ublichen Konvention $0\cdot \infty=0$ die Funktion
$fg$ integrierbar ist in Bezug auf  $\mu$, und da"s unter diesen Voraussetzungen
gilt $$\int (fg)\;\mu=\int f\;(g\mu)$$
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Seien $I\subset\DR$ ein Intervall und 
 $(\Omega,\mu)$ ein Wahrscheinlichkeitsraum 
und $f:\Omega\ra I$ integrierbar.
Man zeige, da"s dann auch $\int_\Omega  f\mu$ in $I$ liegt.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Seien $I\subset\DR$ ein Intervall und $\phi:I\ra\DR$ konvex,
also nach \eref{koste}{AN1} stetig im Inneren von $I$.
Seien weiter $(\Omega,\mu)$ ein Wahrscheinlichkeitsraum 
und $f:\Omega\ra I$ integrierbar.
So gilt die\label{JenK}  
{\bf Jensen'sche Ungleichung}\index{Jensen'sche Ungleichung!kontinuierliche}  
$$\phi\left(\int_\Omega  f\mu\right)
\leq \int_\Omega  (\phi\circ f) \;\mu$$
Auf der rechten Seite ist die Formulierung etwas sorglos, man m"oge genauer
$\int_\Omega  (\phi\circ f)^- \;\mu<\infty$ zeigen und die
rechte Seite als $\int_\Omega  (\phi\circ f)^+ \;\mu-
\int_\Omega  (\phi\circ f)^- \;\mu$ verstehen.
Hinweis: Ist $t\pdef \int_\Omega  f\mu$ ein Randpunkt von $I$, so mu"s
$f$ au"serhalb einer Nullmenge konstant sein. Sonst liegt der
Graph von $\phi$ oberhalb einer Geraden durch $(t,\phi(t))$, es
gibt also in Formeln $c\in\DR$ mit $\phi(s)\geq \phi(t)+ c(s-t)$
f"ur alle $s\in I$. Nun setze man $s=f(\omega)$ ein und integriere.
Einen diskreten Spezialfall kennen Sie im "ubrigen 
bereits aus \eref{JenD}{AN1}.
\end{Ubung}





\begin{Ubung}
  Besitzt die nichtnegative reelle Zufallsvariable $X$ einen Erwartungswert
  ${\op{E}} (X)$, so gilt
f"ur alle $\varepsilon > 0$ die \defind{Markov-Ungleichung}
\begin{equation*}
{\op{P}} (X \geq \varepsilon)\; \leq\; {\varepsilon}^{-1} {\op{E}} (X)
\end{equation*}
% Ist in der Tat das Wahrscheinlichkeitsma"s $\mu$ auf $\mathbb R_{\geq 0}$ die Verteilung
% von $X$, so gilt $\underset{\epsilon}{{\overset{\infty}{S}} }\mu \langle x \rangle \leq \epsilon^{-1} \underset{0}{{\overset{\infty}{S}} } 
% x \mu \langle x \rangle$ wegen $\chi_{[\epsilon,\infty]}^{(x)} \leq \epsilon^{-1} x$
% f"ur alle $x \geq 0$.
\end{Ubung}

\subsection{Integration auf Produktr"aumen}

\begin{Satz}[\textbf{Produktma"s}]
F"ur $\sigma$-endliche Ma"sr"aume $(X, \cal{M}, \mu)$ und 
$(Y,\cal{N},\nu)$\label{PrMa} 
gibt es auf der \hyperref[ProSa]{Produkt-$\sigma$-Algebra} 
$\cal{M} \boxtimes \cal{N}$ 
genau ein Ma"s $\mu \boxtimes \nu$  
derart,
da"s
f"ur alle $ A \in \cal{M}$ und $
B \in \cal{N}$  gilt\index{)xbox@$\boxtimes$ "au"seres Produkt!von Ma"sen}  
$$(\mu \boxtimes \nu)(A \times B) = \mu (A) \nu (B)$$
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Die Produkte rechts 
sind im Sinne unserer Konvention $0\cdot\infty=\infty\cdot 0=0$
zu verstehen.
In der Literatur wird f"ur die Produkt-$\sigma$-Algebra und
Produktma"se
 meist\index{)8a@$\otimes$ {\it Produkt-$\sigma$-Algebra}}
 das Symbol $\otimes$ verwendet, aber mir gef"allt
das Symbol $\boxtimes$  hier besser, da es sich 
beim Produkt von Ma"sen eher um eine Art \glqq "au"seres Produkt\grqq\  
und jedenfalls nicht um ein Tensorprodukt handelt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Mit diesem Satz und der Erkenntnis $\op{Borel}(\DR^n)\boxtimes \op{Borel}(\DR)= \op{Borel}(\DR^{n+1})$ aus \ref{PrBS} 
  k"onnen wir durch Induktion "uber $n$\label{LeB} 
das Lebesguema"s auf dem $\Bbb{R}^n$ aus dem Lebesguema"s auf $\Bbb{R}$
konstruieren und so dessen in  \ref{Lee} behauptete  Existenz im allgemeinen zeigen.
\end{Bemerkungl}

\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPSA}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Illustration der Tatsache, da"s die Vereinigung 
zweier Quader auch als die disjunkte Vereinigung von 
sieben Quadern geschrieben werden
kann.
 \end{minipage}
\end{figure}


\begin{proof}[Beweis]
Die Gesamtheit  aller endlichen
disjunkten Vereinigungen von Quadern $A \times B$ mit $A \in
\cal{M}$ und  $B \in \cal{N}$ bildet nach "Ubung \ref{PMRi}
einen Mengenring, ja sie bildet 
offensichtlich sogar eine Mengenalgebra, die wir $[\mathcal M\times \mathcal N]$
notieren.
Wir zeigen, da"s es
auf dieser Mengenalgebra $[\mathcal M\times \mathcal N]$ genau ein 
Pr"ama"s $\mu \times \nu$ gibt
mit $(\mu \times \nu) (A\times B) = \mu (A) \nu (B) \;\forall A \in
\cal{M}, B \in \cal{N}$.
Dessen Eindeutigkeit ist klar. Um die Existenz zu zeigen, bemerken wir,
da"s f"ur $C \in [\mathcal M\times \mathcal N]$ und
beliebiges $y \in Y$ die Abbildung $x \mapsto [C] (x,y)$ eine
me"sbare Stufenfunktion $X\ra\{0,1\}$ ist und da"s wir weiter mit
$y\mapsto \int_{X} [C] (x,y) \mu\langle x\rangle$ eine me"sbare
Stufenfunktion  $Y\ra[0,\infty]$ erhalten.
Wir k"onnen also f"ur $C \in [\mathcal M\times \mathcal N]$ in
$[0,\infty]$ das Element 
$$(\mu \times \nu)(C) \pdef \int_{Y} 
\left(\int_{X} [C](x,y)\mu\langle x\rangle\right)
\nu\langle y\rangle$$
bilden. Die 
$\sigma$-Additivit"at von $\mu \times \nu$ folgt dann aus
der Additivit"at der Integrale \ref{IANN} zusammen mit dem Satz "uber
monotone Konvergenz \ref{MKo}.
Unser Satz zum Produktma"s folgt damit, und erst hier
wird die $\sigma$-Endlichkeit der beteiligten Ma"se ben"otigt, aus dem
Ma"sfortsetzungssatz  \ref{MHa}.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}
Bezeichnet  $\tau:X\times Y\ra Y\times X$
das Vertauschen der Komponenten in einem Produkt
$\sigma$-endlicher Ma"sr"aume, so haben wir 
offensichtlich eine
Verwandschaft von Ma"sen
$\tau:\mu\boxtimes\nu\leadsto \nu\boxtimes\mu$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Einschr"ankung und Produkt von Ma"sen}]
  Gegeben $A\subset X$ und $B\subset Y$ me"sbare Teilmengen $\sigma$-endlicher
  Ma"sr"aume  $(X, \cal{M}, \mu)$ und 
  $(Y,\cal{N},\nu)$ stimmt die Einschr"ankung des Produktma"ses "uberein mit dem Produktma"s der Einschr"ankungen, in Formeln   
  $$(\mu\boxtimes \nu)|(A\times B)=(\mu|A)\boxtimes (\nu| B)$$
  In der Tat stimmen beide Ma"se auf einem zweischnittstabilen Erzeugendensystem nach \ref{zschs} "uberein, das dar"uberhinaus f"ur beide Ma"se $\sigma$-endlich ist. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Satz}[\textbf{positiver Fubini}]
Gegeben
 $\sigma$-endliche Ma"s\-r"aume $(X, \mu)$ und $(Y,\nu)$ 
sowie eine me"sbare Funktion $f: X \times Y \ra [0,\infty]$ 
ist 
$x\mapsto f(x,y)$ f"ur alle $y\in Y$ eine me"sbare Funktion $X\ra[0,\infty]$ 
und das partielle Integral\label{pF} 
 $y \mapsto \int f(x,y) \mu\langle x\rangle$ ist eine me"sbare Funktion
$Y\ra[0,\infty]$ und es gilt
$$\int_{X\times Y} f(x,y)\;(\mu\boxtimes\nu)\langle x,y\rangle = \int_{Y} \left(
\int_{X} f(x,y)\mu\langle x\rangle\right) \nu\langle y\rangle$$
\end{Satz}


 \begin{Bemerkungl}
 Unser Satz impliziert, da"s unter den 
gegebenen Voraussetzungen 
die partiellen Integrale vertauscht werden d"urfen.
Bezeichnet genauer $\tau:X\times Y\ra Y\times X$
das Vertauschen, so haben wir die
Verwandschaft
$\tau:\mu\boxtimes\nu\leadsto \nu\boxtimes\mu$  von Ma"sen und 
die  Verwandschaft 
$\tau:f\leadsto \tilde{f}$ von Funktionen mit $\tilde{f}(y,x)\pdef f(x,y)$ 
und damit unmittelbar und formal nach \ref{VIV} die Gleichheit
$$\int_{X\times Y} f(x,y)\;(\mu\boxtimes\nu)\langle x,y\rangle =
\int_{Y\times X} \tilde{f}(y,x)\;(\nu\boxtimes\mu)\langle y,x\rangle $$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{KoBe}
Dieser Satz und verschiedene seiner Varianten werden auch oft als
{\bf Satz von Tonelli}\index{Tonelli, Satz von} zitiert. 
Da"s
die partiellen Integrale 
bei nicht notwendig $\sigma$-endlichen Ma"sr"aumen
im allgemeinen  nicht 
mehr vertauscht werden d"urfen, zeigt das folgende Beispiel.
  Seien  $X=Y=[0,1]$ versehen mit der borelschen  $\sigma$-Algebra $\mathcal{B}$
 und dem Lebesguema"s $\lambda$ beziehungsweise
  dem Z"ahlma"s $\zeta$. Die Diagonale $\Delta$ ist dann me"sbar, f"ur ihre
  charakteristische Funktion $[\Delta]$ gilt jedoch
\begin{eqnarray*}
\int_Y \left( \int_X [\Delta] (x,y) \lambda \langle x \rangle \right) \zeta
 \langle y \rangle =0\;\;\neq \;\;1
= \int_X \left( \int_Y [\Delta] (x,y) \zeta \langle y \rangle
 \right) \lambda \langle x \rangle
\end{eqnarray*}
F"ur das Produktma"s \ref{gMPo} h"atte  unsere
Diagonale im "ubrigen das Ma"s $\infty$ und w"are
noch nicht einmal $\sigma$-endlich. 
Das ist auch besser so, denn f"ur 
me"sbare Abbildungen $X\times Y\ra [0,\infty]$,
die 
au"serhalb einer $\sigma$-endlichen Menge
verschwinden, 
gilt der positive Fubini \ref{pF} analog und kann leicht aus \ref{pF} 
in der oben formulierten Gestalt abgeleitet werden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Korollar zum Satz "uber monotone Konvergenz}]
Gegeben  $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum\label{MKVa} 
  und  $A_0\subset A_1\subset \ldots$ eine aufsteigende Folge
  me"sbarer Teilmengen von $X$ mit Vereinigung $A\pdef \bigcup_n A_n$
  gilt f"ur jede me"sbare Funktion $f: X\ra [0,\infty]$
  die Identit"at
$$\int_Af\mu=\lim_{n\ra\infty}\int_{A_n}f\mu$$
  In der Tat k"onnen wir die Behauptung mit \ref{IresM} umschreiben zur
  Behauptung $\int_X[A]f\mu=\lim_{n\ra\infty}\int_X[A_n]f\mu$ und in dieser
  Gestalt folgt sie unmittelbar aus dem Satz "uber monotone Konvergenz \ref{MKo}.
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}[Beweis]
F"ur jedes $y\in Y$ ist die $y$-Horizontale $i_y:X \ra X \times Y$, $x
\mapsto (x,y)$ me"sbar nach Lemma \ref{KM}, da die Urbilder von
Erzeugern der $\sigma$-Algebra 
der me"sbaren Mengen des Produkts me"sbar sind.
Also ist auch $x\mapsto f(x,y)$ me"sbar auf $X$
als die Verkn"upfung $f\circ i_y$ 
von $f$ mit der $y$-Horizontalen.
Um die anderen Aussagen des Satzes zu zeigen, m"ussen wir weiter
ausholen.
Zun"achst einmal d"urfen wir annehmen, da"s $X$ und $Y$ endliches
Ma"s haben: Sonst schreiben wir $X$ beziehungsweise $Y$ als aufsteigende
Vereinigungen von me"sbaren
Teilmengen $X_{n}$ beziehungsweise $Y_{m}$ endlichen Ma"ses
und erhalten aus dem Fall, in dem die Gesamtr"aume endliches Ma"s haben,
die Me"sbarkeit des partiellen Integrals "uber $X_n$ und die Gleichheit 
$$\int_{X_{n}\times Y_{m}} f(x,y) \;(\mu\boxtimes\nu)\langle x,y\rangle =
\int_{Y_{m}} \left( \int_{X_{n}} f(x,y) \mu\langle x\rangle\right) 
\nu\langle y\rangle$$
Im Grenzwert $n\ra \infty$ ergibt sich dann auf der linken Seite
nach dem Korollar \ref{MKVa} zur monotonen Konvergenz $\int_{X\times Y_{m}}
f(x,y)  \;(\mu\boxtimes\nu)\langle x,y\rangle$  und auf der
rechten Seite streben die me"sbaren Funktionen $y\mapsto \int_{X_{n}}
f(x,y)  \mu\langle x\rangle$ ebenfalls nach dem Korollar \ref{MKVa} zur monotonen Konvergenz punktweise monoton gegen $y \mapsto \int_{X}f(x,y)
\mu\langle x\rangle$. 
Mithin ist diese Funktion auch me"sbar und wir finden im Grenzwert
$$\int_{X\times Y_{m}} f(x,y) \;(\mu\boxtimes\nu)\langle x,y\rangle =
\int_{Y_{m}} \left( \int_{X} f(x,y) \mu\langle x\rangle\right) 
\nu\langle y\rangle$$
Bilden wir dann  den Grenzwert f"ur $m \ra \infty$, so folgt
wieder nach dem Korollar \ref{MKVa} zur monotonen Konvergenz $\int_{X\times Y}f = \int_{Y}\int_{X}f$ wie gew"unscht.
Wir d"urfen also ohne Beschr"ankung
der Allgemeinheit voraussetzen, da"s $X$ und $Y$ endliches Ma"s haben.
Wir zeigen nun den Satz zun"achst f"ur
Funktionen der Gestalt $f=[C]$ mit $C \in \cal{M} \boxtimes
\cal{N}$. Dazu brauchen wir einen neuen Begriff.
\begin{Definition} Sei $Z$ eine Menge.
Ein System $\cal{O} \subset \cal{P} (Z)$ von Teilmengen von
$Z$  hei"st  {\bf monoton}, wenn 
%die leere und die ganze Menge dazugeh"oren und 
die beiden folgenden
Aussagen gelten:\label{MOSY} 
\begin{enumerate}
\item
Es gilt $\emptyset\in\mathcal O$ und 
liegen $A_{0} \subset A_{1} \subset A_{2} \subset \ldots$ alle in
$\cal{O}$, so auch $\bigcup A_{n};$
\item
Es gilt $Z\in\mathcal O$ und liegen $B_{0} \supset B_{1} \supset B_{2} \supset \ldots$
alle in $\cal{O}$, so auch $\bigcap B_{n}$.
\end{enumerate}
In Worten  fordern wir also, da"s die Vereinigung und der
 Schnitt "uber jedes abz"ahlbare angeordnete Teilsystem wieder zu
 unserem Mengensystem geh"oren sollen.
\end{Definition}
% \begin{Bemerkungl}
% Unsere Forderung an ein monotones System, 
% da"s die leere und die ganze Menge dazugeh"oren sollen, 
% ist f"ur das Folgende unerheblich, aber dennoch nat"urlich: 
%  und dann ist die leere Menge 
% eben  dabei als die
% Vereinigung "uber das leere System und die ganze Menge als der 
% Schnitt "uber das leere System.
% \end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}[\textbf{"uber monotone Systeme}] 
Gegeben eine Menge $Z$ und eine Mengenalgebra
$\cal{A} \subset \cal{P} (Z)$\label{Mosy} 
ist die von $\cal{A}$ erzeugte $\sigma$-Algebra $\sigma(\cal{A})$ das kleinste 
monotone System $\cal{O}\subset\cal{P}(Z)$, das
$\cal{A}$ umfa"st, alias als der Schnitt aller monotonen Systeme,
die $\cal{A}$ umfassen.
\end{Lemma}

% \begin{Bemerkungl}
%  Da"s es solch ein  kleinstes 
% monotones System "uberhaupt gibt, ist klar: Wir k"onnen es 
% etwa beschreiben als den Schnitt aller monotonen Systeme, die
% $\cal{R}$ umfassen.
% \end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
Offensichtlich gilt $\cal{A}\subset \cal{O} \subset \sigma(\cal{A})$.
Wir m"ussen also nur zeigen, da"s $\cal{O}$ eine $\sigma$-Algebra ist.
Dazu reicht es nach \ref{SA}  zu zeigen, da"s $\cal{O}$ eine Mengenalgebra ist.
Wir gehen in mehreren Schritten vor.
\\[2mm]\noindent 1.
Zun"achst zeigen wir, da"s $\cal{O}$ stabil ist unter dem Bilden von
Komplementen. Bezeichne f"ur $Y\subset Z$ wieder $Y^{c}\pdef Z\backslash Y$ sein
Komplement. Gegeben ein Mengensystem $\mathcal T$ 
setzen wir $\cal{T}^{c} \pdef \{
T^{c} \mid T \in \cal{T}\}$. Ist nun $\mathcal A$ ein beliebiges System
von Teilmengen von $Z$ 
und $\mathcal O\supset \mathcal A$ das kleinste monotone System
 "uber $\mathcal A$, so ist offensichtlich  $\mathcal O^{c}\supset \mathcal A^{c}$ das kleinste monotone System
 "uber $\mathcal A^{c}$. Insbesondere folgt aus 
$\mathcal A=\mathcal A^{c}$ sofort $\mathcal O=\mathcal O^{c}$ und
$\mathcal O$ ist in der Tat stabil unter dm Bilden von Komplementen.
\\[2mm]\noindent 2. Jetzt bemerken  wir eine Hilfsaussage, n"amlich da"s
 f"ur jede Teilmenge $Y \subset Z$ mit $\cal{O}$ auch
$\cal{O}_{Y} \pdef \{A \in \cal{O} \mid A \cap Y \in \cal{O}\}$ ein monotones
 System ist.
\\[2mm]\noindent 3.
F"ur $Y \in \cal{A}$  gilt, da unser $\mathcal A$ ja eine
Mengenalgebra ist,
stets 
$\cal{A} \subset \cal{O}_{Y}$. Daraus folgt mit der
Minimalit"at von  $\cal{O}$ sofort
 $\cal{O}
= \cal{O}_{Y}$.
Damit haben wir gezeigt:
$$A \in \cal{O} \text{ und } Y \in \cal{A} \Rightarrow A\cap Y \in \cal{O}.$$
 4.
Mit dieser Erkenntnis 
lassen wir nun dasselbe Argument nocheinmal laufen: Nicht nur f"ur
$Y\in\mathcal A$ sondern sogar f"ur $Y \in \cal{O}$
wissen wir nach dem vorhergehenden Schritt  n"amlich, 
da"s gilt $\cal{A} \subset \cal{O}_{Y}$. Daraus folgt wie zuvor 
$\cal{O} \subset \cal{O}_{Y}$ und sogar $\cal{O}
= \cal{O}_{Y}$ sogar f"ur alle $Y\in\mathcal O$. Damit
haben wir gezeigt
$$A \in \cal{O} \text{ und }Y \in \cal{O}\Rightarrow A \cap Y \in \cal{O}.$$
Also ist $\cal{O}$ eine Mengenalgebra. Da es
auch stabil ist unter abz"ahlbaren aufsteigenden Vereinigungen, 
ist es dann  wie bereits erw"ahnt 
sogar  eine $\sigma$-Algebra.
\end{proof}\noindent
Mit dem Lemma "uber monotone Systeme \ref{Mosy}
k"onnen wir nun den positiven Fubini im Fall $f=[C]$
f"ur $C\in\mathcal M\boxtimes \mathcal N$ zeigen.  
Da wir uns n"amlich bereits auf den Fall
$\mu(X),\nu(Y)<\infty$ zur"uckgezogen haben, ist die 
konstante Funktion $1=[X\times Y]$ integrierbar auf $X\times Y$. Nat"urlich 
dominiert diese
Funktion die charakteristischen Funktionen aller Teilmengen von $X\times Y$.
Aus dem Satz "uber dominierte Konvergenz \ref{DoKo} folgt also, da"s das
System $\mathcal O$ aller der $C \in \cal{M} \boxtimes \cal{N}$, f"ur deren charakteristische
Funktion der Satz gilt, ein monotones System ist. Dies monotone
System enth"alt aber offensichtlich alle $C \in [\cal{M} \times \cal{N}]$,
mithin besteht es nach dem Lemma "uber monotone Systeme \ref{Mosy}
aus allen me"sbaren Mengen $C\subset X\times Y$ des Produkts alias allen $C \in
\cal{M} \boxtimes \cal{N}$.
Damit ist der Satz f"ur $f=[C]$ mit $C\in \mathcal M\boxtimes\mathcal N$ bewiesen und folgt sofort f"ur me"sbare Stufenfunktion $f: X \times
Y \ra \left[0,\infty\right)$.
F"ur beliebiges me"sbares $f:X\times Y\ra [0,\infty]$ folgert man die Aussage, indem
man $f$ mithilfe von \ref{MM} 
als punktweisen Grenzwert einer monoton wachsenden Folge
me"sbarer Stufenfunktionen schreibt und beachtet, da"s 
nach dem Satz "uber monotone Konvergenz
\ref{MKo} 
auf beiden Seiten
Integral und Grenzwert vertauscht werden d"urfen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{PrC}
Nimmt  man im vorherigen Satz f"ur $f$ die
charakteristische Funktion einer $\sigma$-endlichen 
me"sbaren Menge $C \in
\cal{M}\boxtimes \cal{N}$, so ergibt sich, 
da"s f"ur $C_{x}= i^{-1}_{x}(C)$ das Urbild von $C$
unter der $x$-Vertikalen $i_{x}:Y \ra X\times Y$,
$y \mapsto (x,y)$ die Abbildung $X\ra[0,\infty]$,
$x\mapsto\mu(C_x)$ me"sbar ist  und da"s gilt
$$(\mu \boxtimes \nu)(C) = \int_{X}\nu (C_{x})\mu\langle x\rangle$$ 
Kippen wir das in unserer Vorstellung, so  folgt  das
\defind{Prinzip von Cavalieri},\index{Cavalieri}
nach dem zwei Borelmengen $C,D\subset \DR^3$ dasselbe Volumen
haben, wenn ihre horizontalen Schnitte in jeder H"ohe dieselbe 
Fl"ache haben, in Formeln
$$\lambda^{2}(i_z^{-1}(C))=\lambda^{2}(i_z^{-1}(D))\;\forall z\in \DR\quad \RA 
\quad\lambda^{3}(C)=\lambda^{3}(D)$$
mit $i_z:\DR^{2}\hra\DR^{3}$ gegeben durch $ i_z:(x,y)\mapsto (x,y,z)$.
Weiter  k"onnen wir so beweisen, da"s das Integral
einer nichtnegativen me"sbaren Funktion auf $\Bbb{R}$ tats"achlich die 
zwischen ihrem Graphen und der $x$-Achse eingeschlossene Fl"ache ist,
wie im folgenden Korollar ausgef"uhrt wird. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}[\textbf{Integral als Fl"ache unter dem Graphen}] 
Gegeben $(X, \mu)$ ein $\sigma$-endlicher Ma"sraum und $f: X \ra
[0,\infty]$ eine me"sbare Funktion ist auch die Teilmenge
$M_f \subset X \times \Bbb{R}$ gegeben durch\label{IFG}  
$M_f \pdef\{(x,y)\mid 0 \leq y <
f(x)\}$
me"sbar und es gilt $$(\mu\boxtimes \lambda)(M_f) = \int_{X} f \mu$$
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Um zu zeigen, da"s $M_f$ me"sbar ist, schreiben wir es als
abz"ahlbare Vereinigung von Quadern
$M_f = \bigcup_{q \in \DQ_{>0}} f^{-1}([q,\infty]) \times
\left[0,q\right)$.
Die Formel f"ur das Ma"s von $M_f$ folgt sofort aus 
dem positiven Fubini \ref{pF}.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}
  Im R"uckblick k"onnten wir das Integral "uber $\sigma$-endliche Ma"sr"aume auch mit Hilfe des Produktma"ses  als Fl"ache unter dem Graphen im Sinne von \ref{IFG}
einf"uhren. Wir m"u"sten dazu aber bei der Konstruktion des Produktma"ses
auf den Satz "uber monotone Konvergenz verzichten. Das w"are nun nicht weiter
schlimm,
wir brauchen ihn dabei nur f"ur me"sbare Stufenfunktionen, f"ur die er 
besonders leicht zu zeigen ist. Ich habe diesen Zugang dennoch nicht gew"ahlt,
weil mir die direkte Konstruktion des Integrals didaktisch
geschickter schien. Man kann so n"amlich 
 fr"uher einen Kontakt zu bekannten Konzepten
herstellen.   
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
Man findet  bei Lebesgue und auch in vielen anderen Texten 
die Bemerkung, das Lebesgue-Integral unterscheide sich 
vom Riemann-Integral
dadurch, da"s die Fl"ache unter dem Graphen der Funktion
in horizontale statt in vertikale Streifen aufgeschnitten
werde, deren Fl"achen man dann addiert. Ich kann das nur bedingt
nachvollziehen. Nach Cavalieri liefert ja beides dasselbe Integral.
Der wesentliche Schritt ist meines Erachtens vielmehr der 
"Ubergang vom Messen reeller Intervalle zum Messen
beliebiger \glqq me"sbarer Mengen\grqq. Ich gebe aber zu, da"s 
die horizontalen Streifen im 
Gegensatz zu den vertikalen Streifen eben keine Intervalle 
und dadurch n"aher an allgemeinen me"sbaren Mengen sind.
\end{Bemerkunge}



\begin{Satz}[\defind{Fubini}]\label{Fuba}
Gegeben  $\sigma$-endliche Ma"s\-r"aume $(X,\mu)$ und $(Y,\nu)$
und eine integrierbare
Funktion $f: X\times Y \ra \Bbb{R}$  ist die 
Menge $N$ aller $y \in Y$, f"ur die 
$x\mapsto f(x,y)$ nicht integrierbar ist, me"sbar vom
Ma"s $\nu(N)=0$,  und die Funktion $Y{\setminus} N\ra \DR$,
$y \mapsto \int_{X} f(x,y)  \mu\langle x\rangle$ ist
integrierbar mit  Integral 
$$\int_{Y{\setminus} N} \left(\int_{X}
f(x,y) \mu\langle x\rangle\right) \nu\langle y\rangle
=
\int_{X\times Y} f(x,y) \;(\mu\boxtimes\nu)\langle x, y\rangle $$
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Will man diesen Satz in der Praxis anwenden, so wird man in der Regel
zuerst den positiven
Fubini \ref{pF} benutzen, um die
Integrierbarkeit von $f$ nachzuweisen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Ist $f$ nichtnegativ, so
folgt die Behauptung aus dem positiven Fubini \ref{pF}, 
denn  aus $\int_{Y}
\left(\int_{X} f(x,y) \mu\langle x\rangle\right) \nu\langle y\rangle 
< \infty$ 
folgt, da"s die Menge $N$ aller $y \in Y$ mit
 $\int_{X} f(x,y) \mu\langle x\rangle
= \infty$ Ma"s Null hat.
Im allgemeinen folgt die
Behauptung dann mit der Zerlegung $f = f^{+}-f^{-}$ unsere Funktion in ihren
positiven und negativen Anteil wie bei der Definition des Integrals \ref{iIF}. 
\end{proof}
\begin{Beispiel}
Die Funktion $f:\DR^2\ra\DR$, die au"serhalb der $x$-Achse 
verschwindet und auf der $x$-Achse bei $(x,0)$ 
jeweils den Wert $x$ annimmt, ist integrierbar auf 
$\DR^2$. Jedoch ist $x\mapsto f(x,y)$ nur integrierbar f"ur $y\neq 0$.
\end{Beispiel}
\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildFu}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Eine me"sbare Funktion auf $\DR^2$ wie in  \ref{GBFU}
derart, 
da"s die partiellen Integrale existieren
und selbst wieder integrierbar sind, das Endresultat jedoch von der
Integrationsreihenfolge abh"angt.  
Der \glqq positive Fubini\grqq\  greift hier nicht, da unsere 
Funktion auch negative Werte annimmt, der \glqq Fubini\grqq\ 
greift  nicht, da unsere 
Funktion nicht integrierbar ist.
 \end{minipage}
\end{figure}


\begin{Beispiel}[\textbf{Probleme beim Vertauschen der Integrationsreihenfolge}]
Unser Satz sagt insbesondere, da"s wir unter gewissen
Umst"anden\label{GBFU} \glqq die Integrationsreihenfolge vertauschen d"urfen\grqq.
Das folgende Beispiel zeigt, welche Probleme
beim Vertauschen der
Integrationsreihenfolge  im allgemeinen  auftreten k"onnen.
Sei $\zeta$ das Z"ahlma"s auf $\Bbb{N}$.  Wir betrachten die
Funktion $f: \Bbb{N} \times \Bbb{N} \ra \Bbb{R}$ mit Tr"ager in der 
\glqq treppenf"ormigen\grqq\  Menge 
$\{(i,j) \mid 0 \leq i - j \leq 1\}$ mit
 $f(i,j) =(-1)^{i-j}$. 
Die beiden partiellen Integrale von $f$ existieren und sind
integrierbar. Ihre Integrale sind jedoch verschieden, genauer gilt 
$$\int\left(\int f(n,m) \zeta\langle n\rangle\right) \zeta\langle m\rangle
= 0 \;\;\neq \;\;1 = \int\left( \int
f(n,m) \zeta\langle m\rangle \right)\zeta\langle n\rangle$$
Indem wir unsere Funktion etwas \glqq verschmieren\grqq\  erhalten wir auch
eine stetige Funktion auf $\DR^2$ mit entsprechenden Eigenschaften, und
durch eine geeignete Transformation  sogar eine stetige reellwertige Funktion
auf dem offenen Einheitsquadrat derart, 
da"s die partiellen Integrale existieren
und selbst wieder integrierbar sind, das Endresultat jedoch von der
Integrationsreihenfolge abh"angt.  
\end{Beispiel}








\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildParI}\\[4mm]
\noindent Illustration zur Anwendung des Satzes 
von Fubini in \ref{ParIm}.
\end{figure}
\begin{Beispiel}\label{ParIm}
Wir integrieren die Funktion $y$ "uber die durch eine Parabel
und die Gerade $y=0$ begrenzte Fl"ache
$P = \{ (x,y)\mid 0\leq y \leq 1-x^2\}$ und erhalten
\begin{eqnarray*}
\int_P y &=& \int^1_{-1} \left(\int_0^{1-x^2} y \diff y\right) \diff x
= \int^1_{-1} \frac{(1-x^2)^2}{2} \diff x \\
&=& \int^1_{-1} \frac{1}{2} - x^2 + \frac{x^4}{2} \diff x =
\left. \frac{x}{2}-\frac{x^3}{3}  +\frac{x^5}{10}\right|^1_{-1} = 1 -
\frac{2}{3} + \frac{1}{5}= \frac{8}{15} 
\end{eqnarray*}
Teilen wir noch durch die Gesamtfl"ache
$$\int_P 1 = \int^1_{-1} (1-x^2) \diff x = x - \left.
\frac{x^3}{3} \right|^1_{-1}=
2 - \frac{2}{3} = \frac{4}{3}$$ so ergibt sich die H"ohe des 
Schwerpunkts unserer
abgeschnittenen Parabelfl"ache zu ${2}/{5}$. Hier haben wir 
den Satz von Fubini in seiner positiven Variante \ref{pF}  
angewandt auf das Produkt der Funktion $y$ mit
der charakteristischen Funktion $[P]$ unserer Fl"ache $P$. 
Die Funktion $y$ ist me"sbar, weil sie stetig ist.  
Die Funktion $[P]$ ist me"sbar als charakteristische Funktion
einer me"sbaren da abgeschlossenen Menge. Das 
 Produkt dieser beiden me"sbaren Funktionen
ist damit auch me"sbar nach \ref{PMF}.
\end{Beispiel}










\begin{Proposition}[\textbf{Partielle Integration}\index{partiell!Integration}]
Gegeben reelle Zahlen $a<b$ und  integrierbare Funktionen
$f,g: [a,b] \ra \Bbb{R} $\index{Integration!partielle!}
mit \glqq Stammfunktionen\grqq\  $F,G: [a,b] \ra \Bbb{R} $ gegeben durch
$F(y)=\int_a^yf(x)\diff x$ und $G(x)=\int_a^xg(y)\diff y$ gilt\label{puio}
$$\int^{b}_{a} Fg = \left. 
FG \right|^{b}_{a}- \int^{b}_{a} fG$$
Dieselbe Formel gilt allgemeiner auch dann noch,   
wenn wir $F$ oder $G$ jeweils um eine additive Konstante
ab"andern.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Die zweite Aussage folgt leicht aus der ersten.
Um die erste Aussage zu zeigen, berechnen wir
das Integral der Funktion $f(x)g(y)$ "uber das Quadrat
$[a,b]^2$ und finden mit Fubini $F(b)G(b)$. 
Andererseits k"onnen wir dies Integral auch schreiben als
das Integral "uber das dreieckige Gebiet unterhalb der 
Diagonalen plus das Integral "uber das dreieckige Gebiet oberhalb der 
Diagonalen. Diese Integrale ergeben sich aber wieder mit Fubini leicht zu
$\int^{b}_{a} Fg$ und $\int^{b}_{a} fG$.
\end{proof}



\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubunge}[\textbf{Gitterpunkte und Volumen}] 
Gegeben eine kompakte konvexe Teilmenge $K\subset \DR^n$ 
 zeige man $$\lambda(K)=\lim_{l\searrow 0}l^n|K\cap l\DZ^n|=
\lim_{l\searrow 0}l^n|\{q\in l\DZ^n\mid K\cap (q+[0,l]^n)\neq\emptyset\}|$$
In Worten h"angt das Ma"s von $K$ also eng zusammen mit der Zahl 
der Gitterpunkte in $K$, und je feiner das Gitter wird, desto besser wird
diese Approximation. Hinweis: Liegt $K$ nicht in einem 
echten affinen Teilraum von $\DR^n$, so umfa"st es einen offenen Ball,
ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit einen offenen Ball um den Ursprung. 
Dann versuche man, $K$ auf Rechenpapier zu zeichnen und zwischen $K$
und eine gestreckte Kopie $(1+\varepsilon)K$ 
eine Vereinigung von Rechenk"astchen 
einzuschachteln.  
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
  Hat $T\subset \DR^n$ Minkowskidimension $\op{mdim}(T)<n$ im Sinne von
  \eref{dMid}{AN2}, so hat der
  Abschlu"s von $T$ 
  Lebesguema"s $\lambda(\bar T)=0$.\label{ANL}
\end{Ubung}



\begin{Ubunge}
Gegeben zwei Mengen $X,Y$ erhalten wir eine Bijektion 
$$\op{Ens}(X,\mathcal P(Y))\sira \mathcal P(X\times Y)$$ 
durch die Vorschrift $f\mapsto \{(x,y)\mid y\in f(x)\}$.
Die Gesamtheit aller Abbildungen, die nur abz"ahlbar viele Werte 
annehmen, entspricht dann sicher einer $\sigma$-Algebra 
$\mathcal A\subset\mathcal P(X\times Y)$.
Diese f"allt zusammen mit der
 von allen Produkten $A\times B$ mit $A\subset X$ und $B\subset Y$
in $\mathcal P(X\times Y)$ erzeugten $\sigma$-Algebra.
F"ur zwei "uberabz"ahlbare diskrete metrische R"aume
 ist mithin das Produkt der borelschen $\sigma$-Algebren
eine echte Teilmenge der borelschen $\sigma$-Algebra des Produkts.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}[\textbf{Formelsammlung f"ur Produktma"se}]
  F"ur Produktma"se gelten die folgenden Identit"aten:\label{FSPM}
  \begin{description}
    \item[\textbf{Nat"urlichkeit:}]
Gegeben me"sbare Abbildungen  $f : X \ra A$ und $g: Y \ra B$
von Me"sr"aumen gilt f"ur  Ma"se $\mu$ auf $ X$ und $\nu$ auf $ Y$ 
mit $\sigma$-endlichen Vorsch"uben  $f_\ast \mu, g_\ast \nu$  im Raum der Ma"se auf  $A\times B$
die Gleichheit
$$(f_\ast \mu) \boxtimes (g_\ast \nu)=
(f\times g)_\ast (\mu \boxtimes \nu)$$
\item[\textbf{Eins:}]
Gegeben ein Me"sraum $X$ und ein Ma"s $\mu$ auf $ X$  und  das Diracma"s  $\delta$ auf dem einpunktigen Me"sraum  gilt
$$(\op{pr}_X)_*(\mu\boxtimes \delta)=\mu$$
\item[\textbf{Assoziativit"at:}]
  Gegeben $X,Y,Z$ Me"sr"aume
und $\mu,\nu,\lambda$ jeweils $\sigma$-endliche Ma"se
ist die offensichtliche Bijektion  $\op{ass}:(X\times Y)\times Z\sira X\times (Y\times Z)$ me"sbar und es gilt 
$$\op{ass}_*((\mu\boxtimes \nu)\boxtimes \lambda)=\mu\boxtimes (\nu\boxtimes \lambda)$$
\item[\textbf{Kommutativit"at:}]
  Gegeben $\tau : X \times Y \sira
Y \times X$ die Vertauschungsabbildung f"ur Me"sr"aume $X,Y$
und $\sigma$-endliche Ma"se $\mu$ auf $X$ und $\nu$ auf $Y$
gilt 
$$\tau_\ast (\mu \boxtimes \nu)=  \nu\boxtimes \mu$$
  \end{description}
  Ich will schlage f"ur die obigen Formeln
  die zusammenfassende
  Bezeichnung als \glqq Verschmelzungsidentit"aten\grqq\ vor.
  Der Hintergrund daf"ur wird in der folgenden Bemerkung erkl"art.
\end{Ubung}

\begin{Bemerkungw}
  Sei $\mathcal C$ eine Kategorie mit ausgezeichnetem Produkt
  $X\times Y$ f"ur
  jedes Paar $(X,Y)$ von Objekten
  und ausgezeichnetem finalen Objekt $\op{pt}$.
  Sei weiter ein Tripel
  $$(M,\boxtimes,\delta)$$ gegeben bestehend aus einem Funktor $M:\mathcal C\ra \op{Ens}$, den wir auf Morphismen $M(f)=f_*$ notieren, sowie Abbildungen $M(X)\times M(Y)\ra M(X\times Y)$, $(a,b)\mapsto a\boxtimes b$ und einem ausgezeichneten
  Element $\delta\in M(\op{pt})$.
  In diesem Kontext bleiben die in der obigen "Ubung \ref{FSPM}
  durchdeklinierten Eigenschaften Nat"urlichkeit, Eins, Assoziativit"at
  und Kommutativit"at sinnvoll und wir fassen sie zusammen
  unter der Bezeichnung
  {\bf Verschmelzungsidentit"aten}.\index{Verschmelzungsidentit"aten}
 In  \eref{kSchn}{TSK} wird erkl"art, inwiefern Daten $(M,\boxtimes,\delta)$, f"ur die die Verschmelzungsidentit"aten gelten,
eineindeutig sogenannten \glqq Schmelzfunktoren\grqq\  $M:{\op{kart}}(\mathcal C)\ra \op{kart}(\op{Ens})$ entsprechen.
\end{Bemerkungw}







\begin{Bemerkungl}
  Im Spezialfall der Kategorie $\op{Me"s}$ der Me"sr"aume erhalten wir so
  einen \glqq Schmelzfunktor\grqq\ ${\op{M}}:\op{kart}(\op{Me"s})\ra \op{kart}(\op{Ens})$
  von der kartesischen Schmelzkategorie der Me"sr"aume in die kartesische Schmelzkategorie der
  Mengen, der jedem Me"sraum $X$ die Menge ${\op{M}}(X;[0,\infty))$ aller
 endlichen  Ma"se auf $X$ zuordnet und jeder Verschmelzung $X\curlyvee Y\ra Z$ alias
  me"sbaren Abbildung $f:X\times Y\ra Z$ die Abbildung
  $(\mu,\nu)\mapsto f_*(\mu\boxtimes\nu)$. Das Diracma"s $\delta$ auf dem
 einpunktigen Me"sraum ist in diesem Kontext zu verstehen als das
   Produktma"s mit "uberhaupt keinem Faktor auf dem
  kartesischen Produkt "uber die leere Familie von Me"sr"aumen. Die Assoziativit"at zeigt, da"s man auch f"ur drei Faktoren sinnvoll
  Produktma"se
  $\lambda\boxtimes\mu\boxtimes\nu$ auf $X\times Y\times Z$  und\label{PrASS}
  allgemeiner sinnvoll Produktma"se mit endlich vielen Faktoren erkl"aren kann.
\end{Bemerkungl}

\begin{Ubung}[\textbf{Bildma"s unter Projektion und partielle Integration}]
  Gegeben $\sigma$-endliche Ma"sr"aume $(X,\mu),(Y,\nu)$
  und eine me"sbare Funktion $f:X\times Y\ra [0,\infty]$ gilt f"ur das Bildma"s
  unter der Projektion auf die zweite Komponente\label{bmpi} 
  $$\op{pr}_{Y*} \big(f(x,y)\;\mu\boxtimes\nu\big)  = \left(\int_X f(x,y)\mu\langle x\rangle\right)\nu$$
\end{Ubung}





\begin{Ubunge}\label{TIBM}
Gegeben ein endlichdimensionaler Raum $X$ induziert 
das Bilden des Produkts mit dem 
Lebesguema"s eine Bijektion zwischen der Menge aller 
Borelma"se auf $X$ und der Menge derjenigen
Borelma"se auf $X\times \DR$, die invariant sind unter allen Translationen in der
zweiten Komponente. Hinweis: Gegeben ein in dieser Weise 
translationsinvariantes Borelma"s $\mu$ auf $X\times \DR$ 
beachte man, da"s f"ur $A\subset X$ mit kompaktem Abschlu"s die Vorschrift 
$B\mapsto \mu(A\times B)$ ein translationsinvariantes 
Borelma"s auf $\DR$ definiert.
\end{Ubunge}










\begin{Ubung}
Jede stetige reellwertige Funktion auf einem kompakten Quader 
im $\DR^n$ ist
integrierbar und ihr Riemannintegral 
nach \eref{RiMV} {AN2} stimmt mit ihrem Lebesgueintegral
"uberein. Hinweis: \ref{RiLe}.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}
Zeige: Die Menge
$\{ x \in\DR^n\mid 0 \leq x_{1} \leq 
\ldots \leq x_{n} \leq 1\}$ hat das
Volumen $(n!)^{-1}$.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
Man diskutiere den Zusammenhang zwischen dem Satz von Fubini
und dem Satz "uber das Produkt von Reihen \eref{PvR}{AN1}.
\end{Ubung}
















\begin{Ubung}[\textbf{Partielle Integration, Variante}] 
   Proposition \ref{puio}  gilt  noch etwas
allgemeiner. Ist $G:[a,b]\ra\DR$ monoton wachsend und linksseitig stetig
und $\diff G$ das zugeh"orige Ma"s auf $[a,b)$ nach \ref{dFf} und 
$f:[a,b)\ra\DR$ integrierbar nach dem Lebesguema"s $\lambda$
und $F$ eine Stammfunktion wie in der Proposition, so gilt
$$\int_{[a,b)} F\diff G = \left. 
FG \right|^{b}_{a}- \int^{b}_{a} fG \lambda$$
Dieselbe Formel gilt  auch allgemeiner,\label{piVV}  
wenn wir $F$  noch um eine additive Konstante
ab"andern. Hinweis: Man berechne $\int_{[a,b)^2}f(x)(\lambda\boxtimes \diff
G)\langle x,y\rangle$ auf zwei Weisen wie im Beweis der Proposition.
\end{Ubung}

\subsection{Rechnen mit dem Lebesgueintegral}
\begin{Satz}[\textbf{Transformationsformel}]\index{Transformationsformel!f"ur das Lebesgueintegral}
Gegeben $U, V \co \Bbb{R}^{n}$ offene Teilmengen\label{TFL} 
und  $\phi : U \ra V$
ein $\cal{C}^{1}$-Diffeomorphismus gilt in $[0,\infty]$ 
f"ur jede me"sbare Funktion $f:V \ra [0,\infty]$   
  die Gleichheit $$\int_{V} f   =
\int_{U} (f \circ \phi) \;|\!\det \diff \phi| \; $$
 Ist stattdessen $f:V \ra \DR$ eine integrierbare Funktion, 
so ist auch die Funktion $
(f\circ \phi)\;|\!\det \diff \phi| : U\ra \DR$ 
integrierbar und dieselbe Formel gilt in $\DR$.  
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Wir kennen unsere Formel aus \eref{TF}{AN2}
bereits f"ur stetige Funktionen $f$ mit
kompaktem Tr"ager. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Steht  $x$ f"ur eine Ver"anderliche des $\DR^n$, so
benutzen wir  auch f"ur Integrale
bez"uglich des Lebesguema"ses die Notation $\int f(x)\diff^n x$. In diesem
Zusammenhang  hat also $\diff^n x$ dieselbe
Bedeutung wie $\lambda^n \langle x\rangle$. Wir k"onnen die Aussage 
des Satzes mit dieser Notation 
interpretieren als die Verwandtschaft von Ma"sen
$$\phi:|\!\det \diff \phi|\diff^n x\leadsto \diff^n y$$
\end{Bemerkungl}


\begin{Lemma}\label{KOo}
Gegeben  eine offene Teilmenge $W\co\Bbb{R}^n$ gibt es eine monoton
wachsende Folge von stetigen, ja sogar von
glatten nichtnegativen  Funktionen mit kompaktem
Tr"ager, die punktweise gegen die charakteristische Funktion $[W]$
von $W$ strebt.
\end{Lemma}

\begin{proof}[Beweis]
Man schreibe   $W$ als Vereinigung einer Folge offener Quader $Q_k$
mit kompaktem Abschlu"s. Man 
w"ahle etwa mithilfe von \eref{e1x} {AN1}
f"ur jeden Quader $Q_k$ eine glatte Funktion $g_k$
auf $\DR^n$, die auf $Q_k$ positiv ist und au"serhalb von $Q_k$ verschwindet, 
und betrachte die Folge der Funktionen $f_k=g_1+\ldots + g_k$. 
Des weiteren w"ahle man eine Folge von glatten Funktionen $h_k:\DR\ra [0,1]$ 
derart, da"s $h_k$ unterhalb von $1/(k+1)$ verschwindet und oberhalb von
$1/k$ konstant den Wert $1$ annimmt. Die Verkn"upfungen
$h_k\circ f_k$ bilden dann 
eine
Folge von Funktionen der gew"unschten Art.
\end{proof}

\begin{proof}[Beweis der Transformationsformel \ref{TFL}]
Es gilt, die Gleichheit
von Ma"sen
$$\phi_\ast(|\!\det \diff \phi|\diff^n x)= \diff^n y$$
zu zeigen.
Mit  Lemma \ref{KOo} folgt unsere Transformationsformel  
schon einmal f"ur die charakteristischen
Funktionen $f=[W]$ von offenen Teilmengen $W\co V$,
indem wir
$[W]$ als  punktweisen  Grenzwert einer monoton wachsenden Folge 
aus $\cal{C}_{!}(V,[0,\infty])$ schreiben 
und den Satz "uber monotone Konvergenz
\ref{MKo} verwenden und erinnern, da"s wir die 
Transformationsformel f"ur stetige Funktionen mit 
kompaktem Tr"ager bereits als
\eref{TF}{AN2} gezeigt haben. 
Folglich nehmen unsere beiden Ma"se auf allen offenen Mengen 
dieselben Werte an.
Andererseits bilden die offenen Mengen im Sinne von "Ubung \ref{zschs}
ein zweischnittstabiles Erzeugendensystem der $\sigma$-Algebra der
Borelmengen von $V$, das $\sigma$-endlich ist f"ur unsere beiden Ma"se,  
deshalb stimmen sie dann nach "Ubung \ref{zschs} bereits "uberein. 
Alternativ sind unsere Ma"se beide Borelma"se und 
damit nach 
\ref{RE}  regul"ar.
Folglich m"ussen unsere beiden Ma"se, wenn sie auf allen offenen Mengen
dieselben Werte annehmen, bereits auf allen
Borelmengen dieselben Werte annehmen.
\end{proof}

\begin{Proposition}[\textbf{N"utzliche Nullmengen}]
Gegeben $U \co \Bbb{R}^{k}$ offen,  $k<n$ und   $\varphi : U \ra \Bbb{R}^{n}$
stetig differenzierbar\label{NML} 
ist $\varphi (U)$ eine Nullmenge in $\DR^n$.
\end{Proposition}
\begin{Bemerkunge}
Der \defnoind{Satz von Sard}\index{Sard!Satz von} besagt, da"s 
auch f"ur $k\geq n$ und $\varphi$ mindestens $(k-n+1)$-mal stetig
partiell differenzierbar auf $U$ das Bild 
unter $\varphi$ der Menge aller Stellen $p\in U$,
an denen $\diff_p\varphi$ nicht surjektiv ist,  eine 
Lebesgue-Nullmenge sein mu"s. Wir werden das nicht zeigen.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
Nach "Ubung \ref{abz}
k"onnen wir $U$ schreiben als abz"ahlbare Vereinigung
"uber eine Folge von offenen
Quadern $Q_{\nu}$ mit $\bar{Q}_{\nu}$ kompakt und
$\bar{Q}_{\nu} \subset U$. Folglich d"urfen wir ohne
Beschr"ankung der Allgemeinheit voraussetzen, da"s $\bar{U}$
selbst ein kompakter Quader ist und da"s $|{\op{d}}\varphi|$ beschr"ankt
ist auf $U$.
Von hier ausgehend k"onnen wir  mit der
Minkowski-Dimension argumentieren und \eref{mdiB}{AN2} sowie
"Ubung \ref{ANL} verwenden. Wir k"onnen aber
auch mit weniger Begrifflichkeit auskommen und  die Argumentation
explizit ausschreiben. 
Nach einer affinen Koordinatentransformation d"urfen wir
zus"atzlich sogar $U = (0,1)^{k}$ annehmen.
Wir arbeiten wie immer mit der 
Maximumsnorm auf $\Bbb{R}^n$ und $\Bbb{R}^k$,
die B"alle
$\op{B}(x,\delta)$ sind also offene W"urfel
und ihre Abschl"usse $\bar{\op{B}}(x;\delta)$ abgeschlossene W"urfel.
Ist $C$ eine Schranke f"ur $|{\op{d}}\varphi |$, so gilt nach dem
Schrankensatz $\varphi ( U \cap {\bar{\op{B}} (x;\delta)}) \subset
{\bar{\op{B}} (\varphi (x); C \delta)} $ f"ur alle $x \in U$.
F"ur $r \in\DN$, $r\geq 1$ finden wir nun eine "Uberdeckung von $(
0,1)^{k}$ durch $r^{k}$ abgeschlossene W"urfelchen der
Gestalt ${\bar{\op{B}}(x;1/r)}$, also finden wir eine "Uberdeckung
von $\varphi (U)$ durch $r^{k}$ abgeschlossene W"urfelchen der Gestalt
${\bar{\op{B}}(y;C/r)}$ mit Gesamtvolumen $r^{k} (2C/r)^{n}$.
Dies Gesamtvolumen strebt aber gegen Null f"ur $r \ra \infty$,
mithin ist $\varphi (U)$ eine Nullmenge.
\end{proof}




\begin{Satz}[\textbf{Fl"ache unter der Gau"s'schen
Glockenkurve}]\index{Gau"s'sche Glockenkurve}
F"ur die Fl"ache unter der  Gau"s'schen
Glockenkurve
 gilt\label{FGG} die Formel 
$\int_{-\infty}^{\infty}\exp (-x^{2})\diff x = \sqrt{\pi}$.
\end{Satz}
\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGaGl}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Skizze der Gau"s'schen Glockenkurve alias dem Graphen von
$x\mapsto \op{exp}(-x^2)$ mit zus"atzlich
eingezeichnetem Kl"oppel.
 \end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungw}
  Als {\bf Gau"s'sche Glockenkurve}\index{Gau"s!Glockenkurve}\index{Glockenkurve}
  bezeichnet man den Graphen
  de Funktion $x\mapsto \exp(-x^2)$. Diese Funktion
  spielt eine zentrale Rolle in der 
Wahrscheinlichkeitstheorie, wie wir in \ref{AzG} noch sehen werden. 
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Wir rechnen das Integral "uber die Ebene der nichtnegativen Funktion 
$\exp (-(x^{2}+y^{2}))$ 
auf zwei Weisen aus, einmal direkt 
mit dem positiven Fubini und ein zweites Mal, indem wir
mithilfe von \ref{NML} die Ebene
l"angs der negativen $x$-Achse aufschneiden und 
mit \ref{TFL} zu Polarkoordinaten "ubergehen.
Ein Vergleich der Resultate liefert die Behauptung.
Genauer rechnen wir
$$\begin{array}[b]{ccl}
\int_{\Bbb{R}^{2}} \exp (-(x^{2}+y^{2})) &= &
\int_{\Bbb{R}}\int_{\Bbb{R}} 
\exp (-x^{2})\exp (-y^{2}) \diff x \diff y\\[2mm]
&=& \left( \int_{-\infty}^{\infty} \exp (-x^{2}) \diff x\right)^{2}\\[5mm]
\int_{\Bbb{R}^{2}}\exp (-(x^{2}+y^2))
&=& \int_{\Bbb{R}^{2}{\setminus}\{(x,0)\mid x\leq 0\}} \exp
(-(x^{2}+y^{2}))\diff x \diff y\\[2mm]
&=& \int_{( 0,\infty)\times(-\pi,\pi)} \exp (-r^{2})\; r \diff r
\diff \theta\\[2mm]
&=&  \int^{\infty}_{0} \int^{\pi}_{-\pi} \exp
(-r^{2})\; r \diff r \diff \theta\\[2mm]
&=& - \pi \exp (-r^{2}) |^{\infty}_{0}\\[2mm]
&=& \pi
\end{array}\qedhere$$
\end{proof}

\begin{Bemerkungl} Wir h"atten dies Ergebnis
  auch mit unseren Resultaten zur Integration "uber Fastfaltigkeiten
  \eref{IUMac}{AN2} erzwingen k"onnen,
  indem wir geeignete Integrationskarten verwenden,
  um  $\op{sup}_h\int_{\DR^2} h(x,y)\exp (-(x^{2}+y^2))$
  mit dem Supremum "uber alle kompakt getragenen stetigen Funktionen
  $h:\DR^2\ra [0,1]$ auf zwei Weisen ausrechnen. So ist es zwar
  viel transparenter, aber die Frage ist dennoch berechtigt,
  ob  das den Aufbau von so viel  Theorie rechtfertigen kann.
  Sobald wir aber zur Fouriertheorie kommen, 
   werden aber hoffentlich auch die letzten Zweifler von der Sinnhaftigkeit der
  Lebesgue'schen Integrationstheorie "uberzeugt werden.
  \end{Bemerkungl}


\begin{Beispiel}[\textbf{Beweisvariante zur Integration "uber Fastfaltigkeiten}]
  Ich will nochmal auf unseren Beweis zur Integration
  "uber Fastfaltigkeiten \eref{IUMac}{AN2} zur"uckgehen und ausf"uhren, wie
  einfach er sich im Rahmen der Lebesgue'schen Integrationstheorie
  zu Ende bringen l"a"st. Ich gebe zu, da"s das ziemlich "uberfl"ussig ist,
  da das in \ref{OFLM} eingef"uhrte Fl"achenma"s einer Fastfaltigkeit
  ein viel st"arkeres
  Hilfsmittel ist, aber sei's drum.  
  Wir hatten beim Beweis von \eref{IUMac}{AN2} eine
  endliche disjunkte Vereinigung kompakter Quader $Q\subset \DR^k$ betrachtet,  in unserer Anwendung den Definitionsbereich einer Integrationskarte.\label{FaLeb} 
  Wir hatten sie
  zerlegt als $Q=A\sqcup S\sqcup U$  mit
  $S\As Q$ und $A,U\co Q$ und so, da"s $S$ eine abz"ahlbare Vereinigung
  von Teilmengen einer Minkowskidimension $\op{mdim}S<k$ ist, nach
  \ref{ANL} also eine Nullmenge. 
  Wir hatten ein zweites Datum 
  $P= B\sqcup T\sqcup V$ derselben Art zu unserer zweiten Karte konstruiert
  und es galt,
  die Gleichheit $$\int_Qg=\int_P h$$ von Integralen
  stetiger Funktionen $g:Q\ra\DR$ und $h:P\ra\DR$ zu zeigen
  unter der Annahme, da"s gilt 
$g|_A=0$ und $h|_B=0$ und da"s es  einen $\mathcal C^1$-Diffeomorphismus $$\kappa: Q^\circ\cap U\sira P^\circ \cap V$$ gibt mit
  $g=(h\circ\kappa)|\det \diff\kappa|$ auf $Q^\circ\cap U$,  in unserer Anwendung den Kartenwechsel. Hier bezeichnet $Q^\circ, P^\circ$ das jeweilige Innere.
  Um das im Rahmen der Lebesgue-Theorie zu zeigen, bemerken wir zun"achst, da"s $g$  als stetige
  Funktion auf einem Kompaktum integrierbar ist. Damit ist auch die
  Einschr"ankung von $g$ auf jede me"sbare Teilmenge von $Q$ 
   integrierbar. Da der Rand $\partial Q$ eine Nullmenge
  ist, gilt  f"ur die Integrale $\int_{Q}g=\int_{Q^\circ}g$.
  Nun zerlegen wir $Q^\circ$ in die me"sbaren Teilmengen 
  $$Q^\circ=(Q^\circ\cap A)\sqcup (Q^\circ\cap  S)\sqcup (Q^\circ \cap  U)$$
  Wieder ist
  das Integral die Summe der Integrale der Einschr"ankungen. Wegen
  $g|A=0$ und $\lambda(S)=0$ finden wir also weiter 
  $\int_{Q^\circ}g= \int_{Q^\circ\cap U}g$. In derselben Weise finden wir,
  da"s $h|(P^\circ\cap V)$ integrierbar ist und da"s gilt $\int_{P}h= \int_{P^\circ\cap V}h$. Die Gleichheit $\int_{Q^\circ\cap U}g= \int_{P^\circ\cap V}h$ folgt dann mit der Transformationsformel \ref{TFL} direkt aus unseren Annahmen. 
\end{Beispiel}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildMink}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Skizze zum Gitterpunktsatz einer konvexen
zum Ursprung punktsymmetrischen Teilmenge der Ebene, die
fast die Fl"ache $4$ hat und dennoch au"ser dem Ursprung
keinen Punkt des Gitters $\DZ^2$ trifft. Der Gitterpunktsatz besagt,
da"s das ab einer Fl"ache $>4$ 
nicht mehr m"oglich ist.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Ubung}[\textbf{Gitterpunktsatz von Minkowski}]
  F"ur jede offene konvexe Teilmenge $K$ eines $\DR^n$ mit $x\in K\RA (-x)\in K$
  und Lebesguema"s $\lambda(K)>1$ enth"alt $2K$ au"ser dem Ursprung noch weitere
  Punkte aus $\DZ^n$.\index{Gitterpunktsatz}\index{Minkowski!Gitterpunktsatz} 
  Hinweis: Wir schreiben $K$ als disjunkte Vereinigung
  der $K\cap (x+[0,1)^n)$ f"ur $x\in \DZ^n$.
    Aus Volumengr"unden gibt es $x\neq y\in \DZ^n$ mit
    $x+K\cap y+K\neq\emptyset$, also $k,h\in K$ mit $k-h=x-y$, also
    $(x-y)\in 2K$. Die Bedingung $K$ offen ist hier
    sogar unn"otig nach \ref{kol}. Ist $K$ kompakt, so reicht sogar die Annahme
    $\lambda(K)\geq 1$, denn dann ist das Bild von $K$ in $\DR^n/\DZ^n$
    abgeschlossen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{BOMAn}
Sei $A\As\DR^n$ eine abgeschlossene Teilmenge. 
Man zeige: Liefern zwei Borelma"se auf  $A$
dasselbe Integral f"ur alle
stetigen Funktionen auf $A$ mit kompaktem Tr"ager, so
stimmen sie "uberein. Hinweis: Man verwende 
\ref{KOo} und die Regularit"at \ref{RE}. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{BOMA}
Sei $W\co\DR^n$ eine offene Teilmenge. 
Man zeige: Liefern zwei Borelma"se auf  $W$
dasselbe Integral f"ur alle
glatten Funktionen auf $W$ mit kompaktem Tr"ager, so
stimmen sie "uberein. Hinweis: Man verwende 
\ref{KOo} und die Regularit"at \ref{RE} oder  "Ubung \ref{zschs} zum
Vergleich von Ma"sen. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
 Man zeige: Gegeben eine me"sbare Teilmenge $A\subset \DR^n$ und $c\in\DR$ gilt
$\lambda(cA)=|c|^n\lambda(A)$. Zum Beispiel hat eine Kugel vom doppelten
Radius das achtfache Volumen.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Gegeben ein  Polynom $P \in \mathbb R [x_1, \ldots,
x_n]$ mit $P\neq 0$ 
hat seine Nullstellenmenge $P^{-1} (0) \subset \mathbb R^n$ 
 Lebesguema"s Null.\label{NstN} 
Hinweis: Induktion "uber den Grad des Polynoms. Au"serhalb der kritischen
Stellen ist $P^{-1}(0)$ eine Untermannigfaltigkeit.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
 Jede konvexe Teilmenge $K$ eines $\DR^n$ ist Lebesgue-me"sbar,
  genauer ist $\bar K\backslash K^\circ$ eine Nullmenge.
  Hinweis: Man zeige zun"achst, da"s $K$ entweder in einem echten affinen
  Teilraum von $\DR^n$ enthalten ist oder aber einen inneren Punkt besitzt.
  Weiter  zeige man im Fall, da"s die Null ein innerer Punkt von $K$ ist,
  da"s gilt $\bar K\subset \lambda K^\circ$ f"ur alle $\lambda>1$.\label{kol} 
  Schlie"slich ziehe man sich auf den Fall von beschr"anktem $K$ zur"uck. 
\end{Ubung}


\subsection{Fl"achenma"s einer Fastfaltigkeit}
\begin{Bemerkungl}
Ich erinnere aus \eref{MFEmx}{AN2} an
die   Begriffe einer Fastfaltigkeit und
einer Integrationskarte.
\end{Bemerkungl}




\begin{Satz}
Auf jeder $k$-Fast\-fal\-tig\-keit 
$M \subset \Bbb{R}^{n}$ gibt es
genau ein topologisches Ma"s $\sigma=\sigma_M$  derart, da"s f"ur jede Integrationskarte\label{OFLM} 
$\varphi : Q \ra M$ und jede topologisch me"sbare Menge 
$A \subset \varphi (Q)$ gilt
$$\sigma(A) = \int_{\varphi^{-1}(A)} 
\sqrt{\op{det}(\diff_{x}\varphi)^{\top}(\diff_{x}\varphi)}
\;\diff^{k}x$$
mit dem Lebesgue-Integral 
"uber $\varphi^{-1}(A)\subset Q\subset \DR^k$ 
auf der rechten Seite.
Dieses Ma"s hei"st das 
\emph{\bf Fl"achenma"s\index{Fl"achenma"s} von $M$}.
Es ist ein Borelma"s. 
\end{Satz}


\begin{proof}[Beweis von Satz \ref{OFLM}]
  Wie bereits in \ref{TMAB} erw"ahnt ist jede Teilmenge eines abz"ahlbar basierten
  topologischen   Raums abz"ahlbar basiert f"ur die Spurtopologie.
  Insbesondere gilt das f"ur jede Teilmenge und a forteriori
  jede Fastfaltigkeit $M\subset \DR^n$.
  Nach \ref{abz} besitzt jede offene "Uberdeckung eines abz"ahlbar basierten
  Raums eine abz"ahlbare Teil"uberdeckung. 
Folglich 
existiert eine Folge von Integrationskarten 
$(Q_{n}, \varphi_{n})$,
deren Bilder unsere Fastfaltigkeit "uberdecken.
Auf dem Bild jeder dieser Integrationskarten $(Q,\varphi)$ liefert 
unsere Vorschrift ein topologisches 
Ma"s,  den Vorschub unter $\varphi$ des
Produkts nach \ref{gmu} des Lebesguema"ses $\diff^kx$ mit der stetigen Funktion
$\op{vol}(\diff_{x}\varphi)\pdef \sqrt{\op{det}(\diff_{x}\varphi)^{\top}(\diff_{x}\varphi)}$. Wir wollen diese Ma"se 
mit Hilfe von "Ubung \ref{VkMM} verkleben.  
Wir m"ussen dazu nur zeigen, da"s gegeben
zwei Integrationskarten $(Q,\varphi)$ und $(P,\psi)$ 
von $M$ und  
$A\subset \varphi(Q)\cap\psi(P)$
me"sbar gilt
$$\int_{\varphi^{-1}(A)} 
\op{vol}(\diff _{x}\varphi)\diff^{k}x=\int_{\psi^{-1}(A)}  
\op{vol}(\diff _{y}\psi)\diff^{k}y$$
Im Fall $A\subset \varphi(Q^\circ)\cap\psi(P^\circ)$
folgt das analog zu \eref{IUMa}{AN2} 
aus der Transformationsformel \ref{TFL}, angewandt auf
den Kartenwechsel. Es reicht also, 
im Fall $A= (\varphi(Q)\cap\psi(P))\backslash (\varphi(Q^\circ)\cap\psi(P^\circ))$ zu zeigen, da"s beide Seiten Null werden. 
Es reicht weiter, 
das f"ur die linke Seite zu zeigen. Daf"ur hinwiederum reicht
es 
zu zeigen, da"s f"ur die Restriktion $\varphi_\circ:Q^\circ\hra M$ 
 von $\varphi$ auf $Q^\circ$ das Urbild 
 $\varphi_\circ^{-1}(\psi(\partial P))$ von $\psi(\partial P)$ unter dieser
 Restriktion eine Nullmenge ist.
Nach \eref{KaWe}{AN2} angewandt auf die Mannigfaltigkeit
$\varphi(Q^\circ)$ ist aber 
$(\varphi_\circ^{-1}\circ \psi):\psi^{-1}(\varphi(Q^\circ))\ra 
Q^\circ$ stetig differenzierbar und nach \ref{NML}
wird darunter $\psi^{-1}(\varphi(Q^\circ))\cap \partial P$ 
in der Tat auf eine Nullmenge abgebildet.
Wir zeigen nun noch, da"s unser Fl"achenma"s ein Borelma"s ist.
Es ist sicher endlich auf dem Bild jeder Integrationskarte. Da sich nun jedes Kompaktum aus $M$ durch endlich viele Bilder von Integrationskarten
"uberdecken l"a"st, ist  unser Fl"achenma"s in der Tat endlich ist auf Kompakta
und damit ein Borelma"s.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{R"uckw"artskompatibilit"at zur Integration "uber Fastfaltigkeiten}] Gegeben eine $k$-Fastfaltigkeit $M$ und eine
  stetige Funktion mit kompaktem Tr"ager $f\in \mathcal C_!(M,\DR)$
  gilt die Gleichheit\label{RIK} 
  $$\int_Mf=\int_M f(x)\sigma\langle x\rangle$$
  des Integrals nach \eref{IUMac}{AN2} und des Integrals der
  Funktion $f$ "uber den Ma"sraum $(M,\op{Borel}(M),\sigma)$ in Bezug auf das
  Fl"achenma"s $\sigma$
  auf $M$ aus \ref{OFLM}. Unsere Funktion $f$ ist auf diesem
  Ma"sraum integrierbar,
  da sie me"sbar ist und
  betragsm"a"sig beschr"ankt durch die integrierbare Funktion
  $(\op{sup}|f|)[\op{supp}f]$. Folglich ist auch die
  rechte Seite eine wohldefinierte reelle Zahl. Die behauptete Gleichheit
  folgt f"ur $f$ mit Tr"ager im Bild einer Integrationskarte $(Q,\varphi)$
  unmittelbar
  aus der Erkenntnis $\sigma|_{\varphi(Q)}=\varphi_*\big((\op{vol}\diff_x\varphi)\diff^kx\big)$, denn damit finden wir
  $$\int_M f(x)\sigma\langle x\rangle=\int_{\varphi(Q)} f(x)\sigma\langle x\rangle=\int_{Q} (f\circ\varphi)(\op{vol}\diff_x\varphi)\diff^kx =\int_Mf$$
  Im allgemeinen folgt sie dann, da beide Seiten $\DR$-linear sind und
  wir jede Funktion $f\in \mathcal C_!(M,\DR)$ mithilfe einer Teilung der Eins
  als Summe endlich vieler Funktionen aus $ \mathcal C_!(M,\DR)$ schreiben
  k"onnen, deren Tr"ager jeweils im Bild nur einer Integrationskarte liegt. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
 Der Buchstabe $\sigma$ steht f"ur englisch und franz"osisch \glqq surface\grqq.
Die Bezeichnung suggeriert zwar die Vorstellung zweidimensionaler 
Fastfaltigkeiten, aber wir benutzen sie auch in anderen Dimensionen. 
Gegeben eine integrierbare Funktion $f:M\ra\DR$ notieren wir ihr 
Integral bez"uglich des Fl"achenma"ses 
$$\int_M f=\int_M f\sigma=\int_M f(x)\;\sigma\langle x\rangle$$
In der Literatur  ist es "ublich, stattdessen 
$\diff\sigma$ hinter das Integral zu schreiben. Man findet auch die Notationen $\diff S$ und in der deutschen 
Literatur $\diff\omega$ oder $\diff{\op{O}}$ mit 
$\omega$ oder $\op{O}$ wie \glqq Oberfl"ache\grqq.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{R"uckw"artskompatibilit"at zum Lebesguema"s}]
 Wie bereits beim Beweis des Satzes zum Fl"achenma"s
  \ref{OFLM} diskutiert\label{RkL} 
existiert f"ur jede Fastfaltigkeit eine Folge von Integrationskarten 
$(Q_{i}, \varphi_{i})$,
deren Bilder unsere Fastfaltigkeit "uberdecken. Insbesondere ist
 jede $k$-Fastfaltigkeit
$M\subset \DR^n$ eine abz"ahlbare Vereinigung von Kompakta und damit eine borelme"sbare Teilmenge.  Wir zeigen nun, da"s im Fall $k=n$ unser Fl"achenma"s aus \ref{OFLM} mit dem
auf $M$ eingeschr"ankten Lebesguema"s des $\DR^n$ "ubereinstimmt, in Formeln   
$$\sigma_M=\lambda|_M$$
Gegeben eine Folge von Integrationskarten wie
zuvor sind die Bilder der R"ander $\varphi_i(\partial Q_i)$ Nullmengen
f"ur beide Ma"se und dasselbe folgt f"ur ihre Vereinigung.
Damit ist a forteriori das Komplement in $M$  der Vereinigung
$U\pdef \bigcup_i\varphi_i(Q_i^\circ)$ eine Nullmenge f"ur beide Ma"se und es reicht $\sigma_M|_U=\lambda|_U$ zu zeigen. Nun haben wir sowohl $U\co M$
als auch $U\co\DR^n$. Insbesondere ist $U$ selbst eine $n$-Fastfaltigkeit
und jede Integrationskarte von $U$ ist auch eine Integrationskarte von $M$.
F"ur jeden kompakten Quader $Q\subset U$ haben wir also
$\sigma_M(Q)=\lambda(Q)$. Da nun diese kompakten Quader ein zweischnittstabiles
Erzeugendensystem der $\sigma$-Algebra $\op{Borel}(U)$ bilden und
unsere Ma"se $\sigma_M|_U$ und $\lambda|_U$ f"ur dieses Erzeugendensystem
beide $\sigma$-endlich sind,
folgt mit "Ubung \ref{zschs} wie gew"unscht $\sigma_M|_U=\lambda|_U$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel} 
 Man kriegt also salopp gesprochen  dasselbe 
Kugelvolumen heraus,
egal ob man wie in \eref{KuVo}{AN2} eine Integrationskarte
 zu Hilfe nimmt oder ob man vielmehr 
mit dem Prinzip von Cavalieri \ref{PrC} arbeitet.
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}
Es folgt sofort, da"s f"ur $k<n$ die Teilmenge $\DR^k\subset \DR^n$
eine Nullmenge ist. Es folgt weiter mit \eref{FEK}{AN1}, 
da"s das Lebesguema"s einer Kreisscheibe $D$ vom Radius $r$
in der Tat gegeben wird durch  
$\lambda^2(D)=\pi r^2$.  Ist schlie"slich $I\subset\DR$ ein
Intervall oder allgemeiner
eine me"sbare Teilmenge und $f:I\ra [0,\infty]$ stetig
oder allgemeiner me"sbar, so folgt f"ur das
 {\bf Volumen des Rotationsk"orpers}\index{Rotationsk"orper} 
$R\pdef \{(x,y,z)\in \DR^3\mid z\in I,\; x^2+y^2\leq f(z)^2\}$
 die Formel $$\lambda^3(R)=\pi \int_I f(z)^2\diff z$$
 Sie verallgemeinert unsere Formel aus \eref{VOR}{AN2} im Fall,
 da"s $I$ ein kompaktes Intervall ist und $f:I\ra (0,\infty)$
 stetig differenzierbar. Das ist ein Spezialfall der
 R"uckw"artskompatibilit"at zum
 Lebesguema"s \ref{RkL}.
\end{Beispiel}






\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung} Sei
$M \subset \Bbb{R}^{n}$ eine $k$-Fastfaltig\-keit. Man zeige: 
Ist $K\subset \Bbb{R}^{k-1}$ ein kompakter Quader und
$\varphi:K\ra \Bbb{R}^{n}$ stetig differenzierbar mit
Bild  $\varphi(K)\subset M$, so ist $\varphi(K)$ f"ur 
das Fl"achenma"s von $M$ eine
Nullmenge.%, in Formeln $\sigma_M(N)=0$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Seien $I\subset\DR$ ein mehrpunktiges Intervall\label{OFRv} 
und $f:I\ra (0,\infty)$ stetig
differenzierbar. So ist die 
{\bf Mantelfl"ache}\index{Mantelfl"ache}
$$M\pdef \{(x,y,z)\in\DR^2\times I\mid x^2+y^2= (f(z))^2\}$$ eine 
zweidimensionale Randfaltigkeit im $\DR^3$.
Man  zeige man f"ur das Bildma"s des Oberfl"achenma"ses 
unter der orthogonalen  Projektion $p:M\ra I$ 
unserer Mantelfl"ache auf die $z$-Achse 
die Formel
$p_\ast\sigma=2\pi f(z)\sqrt{1+(f'(z))^2}\diff z$. Ist speziell
$M$ die Einheitskugel, so zeige man $p_\ast\sigma=2\pi\diff z$ und
berechne nochmals die Oberfl"ache der Einheitskugel.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Zwiebelformel}]
Ist $S^{n-1} =\{x \in \Bbb{R}^n \mid \|x\| =1\}$ die Einheitssph"are mit ihrem
Fl"achenma"s $\sigma$, so ist unter der\label{PsM} 
Multiplikationsabbildung  
$\op{mult}:\Bbb{R}_{>0}  \times S^{n-1} \overset{\sim}{\rightarrow}
\Bbb{R}^n \backslash 0$ das Produktma"s $r^{n-1} \diff r  
\boxtimes \sigma$ verwandt zum Lebesguema"s auf $\Bbb{R}^n\backslash
0$, in Formeln
$$\op{mult}:r^{n-1} \diff r  
\boxtimes \sigma\leadsto \lambda^n$$
Hinweis: Man rechne mit einer beliebigen Integrationskarte von $S^{n-1}$ und erweitere
sie zu einer Integrationskarte von $\Bbb{R}^n \backslash 0$. Man beachte, da"s f"ur
eine differenzierbare Kurve, die ganz in der Einheitssph"are verl"auft,
der Geschwindigkeitsvektor stets auf dem Ortsvektor senkrecht steht.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{IPoo}
Genau dann ist die Funktion
$\Bbb{R}^n \ra [0,\infty]$, $ x \mapsto \|x\|^{\alpha}$ 
f"ur gegebenes $\alpha \in \Bbb{R}$ 
integrierbar
auf dem Komplement eines und jedes offenen 
Balls um den Ursprung, wenn gilt $\alpha<(-n)$.
Hinweis: Zwiebelformel \ref{PsM}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{KonGi}
Sei $\Gamma \subset \Bbb{R}^n$ ein Gitter, 
als da hei"st das Gruppenerzeugnis einer Basis von
$\Bbb{R}^n$ als $\DR$-Vektorraum.
Genau dann konvergiert $\sum_{\omega \in 
\Gamma \backslash 0} \|\omega\|^{\alpha}$, wenn
gilt $ \alpha<(-n)$. Hinweis: \ref{IPoo}.
\end{Ubung}




\subsection{Regularit"at von Borelma"sen}
\begin{Satz}[\textbf{Regularit"at des Lebesguema"ses}]
F"ur das Lebes\-guema"s  $\lambda$ auf dem $\Bbb{R}^n$ und
jede Borelmenge $A \subset \Bbb{R}^{n}$ gilt\label{REL} 
$$ \lambda (A)=\inf_{\substack{
U\supset A\\ U {\mbox{ \scriptsize{\em offen in} }}\Bbb{R}^n}} \lambda
(U)=\sup_{\substack{ K \subset A
\\ K\mbox{ \scriptsize{\em kompakt}} }} \lambda (K)$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Das \glqq umgekehrte\grqq\  Approximieren durch Kompakta 
von au"sen oder durch
offene Mengen von innen ist nicht m"oglich. Das  zeigen bereits die F"alle
der Mengen $M$ aller rationalen beziehungsweise aller 
irrationalen Punkte in $[0,1]$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel} Das Maß auf der Zahlengrade, das allen
   abz"ahlbaren Teilmengen Null zuordnet und allen "uberabz"ahlbaren
   Borelmengen unendlich, ist kein Borelma"s. In der Tat ist es nicht endlich auf allen  Kompakta. F"ur dieses Ma"s gilt die Aussage des Satzes auch nicht.  
\end{Beispiel}
\begin{proof}
Wir betrachten in $\DR^n$ das Mengensystem aller endlichen disjunkten
Vereinigungen von \glqq halboffenen Quadern\grqq, worunter wir
Teilmengen der Gestalt
$(a_1,b_1]\times \ldots\times(a_n,b_n]$ verstehen. 
Sie bilden einen Mengenring $\mathcal Q$, der die Borel'sche $\sigma$-Algebra erzeugt.
Nach dem Ma"sfortsetzungssatz von Caratheodory \ref{MHa} gibt es also f"ur jede Borelmenge $M\subset \DR^n$ mit $\lambda(M)<\infty$ und jedes  $\varepsilon>0$  eine "uberdeckende Folge $Q_\nu$ in $\mathcal Q$ mit 
$$\lambda (M) \leq  \sum^{\infty}_{\nu =0} \lambda
(Q_{\nu})\leq\lambda(M)+\varepsilon$$
Weiter finden wir f"ur jedes dieser $Q_\nu$ offensichtlich eine
offene Obermenge $U_\nu$ mit 
$\lambda(Q_\nu)\leq\lambda(U_\nu)\leq \lambda(Q_\nu)+2^{-\nu}\varepsilon$.
F"ur die offene Menge $U=\bigcup_\nu U_\nu$ folgt dann
$$\lambda (M) \leq  \lambda(U)\leq \sum^{\infty}_{\nu =0} \lambda
(U_{\nu})\leq\sum^{\infty}_{\nu =0} \lambda
(Q_{\nu})+2^{-\nu}\varepsilon\leq\lambda(M)+3\varepsilon$$ 
Da das f"ur alle $\varepsilon >0$ gilt, ist das Ma"s von $M$ in der Tat das
Infimum "uber die Ma"se aller offenen Mengen, die $M$ umfassen.
 Um die zweite Behauptung zu zeigen, w"ahlen wir eine Folge $L_{0} \subset
L_{1} \subset\ldots$ kompakter Teilmengen von
$X$ mit $\bigcup L_{i} = \DR^n$. 
Nach "Ubung \ref{AVMM} gilt $\lambda (M) = \lim_{i\ra \infty} \lambda (M \cap L_{i})$
und es reicht folglich, die zweite 
Behauptung f"ur alle $M \cap L_{i}$ zu zeigen.
In anderen Worten  d"urfen wir also annehmen, da"s es ein Kompaktum $L$
gibt mit $M \subset L$.
Nach dem schon bewiesenen Teil und mit der Notation $M^c\pdef L\backslash M$  gilt f"ur alle me"sbaren Teilmengen
$M\subset L$ a forteriori 
$$\lambda(M)=
\inf_{M\subset U,\; U\co L}\lambda(U)= \inf_{M^c\supset A,\; A\As L}\lambda(L)-\lambda(A)$$ und wir finden 
$\lambda(M^c)=\lambda(L)-\lambda(M)=
\op{sup}_{M^c\supset A,\; A\As L}\lambda(A)$ wie gew"unscht.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Im folgenden zeigen wir, da"s das vorhergehende analog
  f"ur beliebige Borelma"se auf abz"ahlbar basierten lokal kompakten
  Hausdorffr"aumen gilt. Das ist f"ur den Rest dieser Vorlesung
  allerdings nicht mehr relevant. 
  Wir beginnen mit topologischen Vorbereitungen. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Ein topologischer Raum hei"st 
{\bf lokal kompakt},\index{lokal kompakt!topologischer Raum} 
 wenn sich 
jede Umgebung  jedes Punktes zu einer kompakten 
Umgebung desselben Punktes\label{Loko}  verkleinern
l"a"st.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Diese Terminologie ist nicht unumstritten. Viele Autoren 
schreiben \glqq lokalkompakt\grqq\ zusammen und
nennen einen Raum \glqq lokalkompakt\grqq, wenn er Hausdorff ist und
jeder Punkt darin eine kompakte Umgebung besitzt. 
Nach "Ubung \ref{KLKAN} ist ein Raum \glqq lokalkompakt\grqq\ genau dann,
wenn er Hausdorff ist und lokal kompakt im Sinne unserer Definition \ref{Loko}. 
Ich befolge die Konvention, nach der f"ur jede Eigenschaft (E) topologischer
R"aume ein Raum \glqq lokal (E)\grqq\ hei"st, wenn sich jede Umgebung jedes Punktes zu einer Umgebung deeslben Punktes
mit der Eigenschaft (E) verkleinern l"a"st.
 \end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
Der $\DR^n$ ist lokal kompakt. Jede abgeschlossene Teilmenge
eines lokal kompakten Raums ist lokal kompakt.
Jede offene Teilmenge
eines lokal kompakten Raums ist lokal kompakt. Jeder kompakte Hausdorffraum ist
lokal kompakt nach "Ubung \ref{KLKAN}.\label{lKH} 
\end{Beispiele}



\begin{Bemerkungl} Wir erinnern aus \eref{HKA}{AN2}, da"s in einem Hausdorffraum
  jedes Kompaktum abgeschlossen ist. Wir erinnern aus \eref{evK}{AN2},
  da"s jede endliche Vereinigung von Kompakta kompakt ist.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl} In einem lokal kompakten Hausdorffraum liegt jede
  kompakte Menge in einer offenen Menge mit kompaktem Abschlu"s. In der
  Tat besitzt jeder Punkt eine offene Umgebung mit kompaktem Abschlu"s
  und endlich viele solcher offenen Umgebungen "uberdecken bereits unsere
  kompakte Menge.\label{ofuk} 
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Regularit"at von Borelma"sen}]
Gegeben ein Borelma"s $\lambda$ auf einem\label{RE}
abz"ahlbar basierten lokal
 kompakten Hausdorffraum $X$ gelten
f"ur jede 
Borelmenge  $M \subset X$ die Identit"aten
$$ \lambda (M)=\inf_{\substack{
U\supset M\\ U {\mbox{ \scriptsize{\em offen in} }}X}} \lambda
(U)=\sup_{\substack{ K \subset M
\\ K\mbox{ \scriptsize{\em kompakt}} }} \lambda (K)$$
\end{Satz} 

\begin{Bemerkungl}
Ein \hyperref[BoMa]{Borelma\ss} auf einem Hausdorffraum hei"st
{\bf regul"ar},\index{regul"ar!Borelma"s} wenn das Ma"s jeder offenen
Menge das Supremum "uber die Ma"se der in ihr enthaltenen Kompakta ist
und das Ma"s jeder \hyperref[BoMa]{Borelmenge} das Infimum "uber die Ma"se der sie
umfassenden offenen Mengen. Satz \ref{RE} zeigt insbesondere,
da"s auf einem abz"ahlbar basierten
lokal kompakten Hausdorffraum jedes Borelma"s
regul"ar ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
Der Beweis unseres Satzes \ref{RE} zeigt unter anderem auch, da"s 
gegeben ein regul"ares Borelma"s auf einem Hausdorffraum
das Ma"s jeder\label{rBm} 
$\sigma$-endlichen Borelmenge das Supremum 
"uber die Ma"se der in ihr enthaltenen Kompakta sein mu"s.
\end{Bemerkunge}

\begin{proof} Wir gehen in mehreren Schritten vor.
  \\[2mm]\noindent 1. 
   Der von den Kompakta eines 
Hausdorffraums erzeugte
Mengenring $\mathcal Q$ l"a"st sich nach "Ubung \ref{MREe}
beschreiben als das Mengensystem aller 
endlichen disjunkten Vereinigungen von
Komplementen eines Kompaktums in einem anderen.
\\[2mm]\noindent 2.
  In einem abz"ahlbar basierten lokal kompakten Hausdorffraum $X$ ist 
 jede offene Menge $U\co X$ die Vereinigung einer
 aufsteigenden Folge von Kompakta.
 Sei in der Tat $(U_n)_{n\in \DN}$ eine Basis der Topologie.
 F"ur jeden Punkt $p\in U$ finden wir eine offene Umgebung $V$
 von $p$ mit $\bar V\subset U$ und $\bar V$ kompakt. Da $V\co X$ eine
 Vereinigung von Mengen unserer Basis ist, finden wir ein
 $n$ mit $p\in U_n\subset V$ und folglich $\bar U_n$ kompakt und 
 $\bar U_n\subset U$. Die Vereinigung dieser $\bar U_n$ ist dann $U$. 
 \\[2mm]\noindent 3. Wir zeigen, da"s sich jede Menge $Q\in \mathcal Q$ als Schnitt einer absteigenden  Folge offener Mengen mit kompaktem Abschlu"s schreiben l"a"st. Es reicht offensichtlich, das f"ur jedes
 Komplement $Q$ eines Kompaktum  in einem anderen zu zeigen alias
 f"ur den Schnitt eines Kompaktums mit einer offenen Menge.   
 Es reicht dann  offensichtlich sogar, das f"ur jedes
  Kompaktum $Q$ zu zeigen. 
Nun liegt nach \ref{ofuk} jede kompakte Menge $Q$ in einer 
offenen Menge $U$ mit kompaktem Abschlu"s $\bar U$.
Dann ist $(U\backslash Q)$ nach Schritt 2 Vereinigung einer aufsteigenden Folge von Kompakta $L_0\subset L_1\subset \ldots$ und damit $Q$ der Schnitt   
der absteigenden Folge offener Mengen  $(U\backslash L_0)\supset (U\backslash L_1)\subset \ldots$
\\[2mm]\noindent 4. 
Gegeben ein Borelma"s $\lambda$ auf $X$ existiert nach \ref{NASD}
also f"ur jedes $Q\in \mathcal Q$ und jedes 
$\varepsilon >0$ eine offene Obermenge
$U$ mit $\lambda(Q)\leq\lambda(U)\leq \lambda(Q)+\varepsilon$. 
Nun erzeugt der Mengenring 
$\cal{Q} \subset \cal{P} (X)$ unter unseren Annahmen 
 die borelsche $\sigma$-Algebra. Indem wir 
 die Beschreibung der gr"o"sten
Ma"sfortsetzung \ref{KaEw} in Verbindung mit der
Eindeutigkeitsaussage aus dem Satz von Caratheodory \ref{MHa} 
auf diesen Mengenring anwenden, erhalten wir
f"ur jede
Borelmenge $M \subset X$ die Identit"at
$\lambda (M) = \inf \big( \sum^{\infty}_{\nu =0} \lambda
(Q_{\nu})\big)$
mit dem Infimum  "uber alle 
Folgen $Q_{\nu}$ in $\cal{Q}$ mit $M
\subset \bigcup_{\nu} Q_{\nu}$.
F"ur jedes $\varepsilon>0$ finden wir 
demnach eine "uberdeckende Folge $Q_\nu$ in $\mathcal Q$ mit 
$$\lambda (M) \leq  \sum^{\infty}_{\nu =0} \lambda
(Q_{\nu})\leq\lambda(M)+\varepsilon$$
Weiter finden wir f"ur jedes dieser $Q_\nu$ eine
offene Obermenge $U_\nu$ mit 
$\lambda(Q_\nu)\leq\lambda(U_\nu)\leq \lambda(Q_\nu)+2^{-\nu}\varepsilon$.
F"ur die offene Menge $U=\bigcup_\nu U_\nu$ folgt dann
$$\lambda (M) \leq  \lambda(U)\leq \sum^{\infty}_{\nu =0} \lambda
(U_{\nu})\leq\sum^{\infty}_{\nu =0} \lambda
(Q_{\nu})+2^{-\nu}\varepsilon\leq\lambda(M)+3\varepsilon$$ 
Da das f"ur alle $\varepsilon >0$ gilt, ist das Ma"s von $M$ in der Tat das
Infimum "uber die Ma"se aller offenen Mengen, die $M$ umfassen.
\\[2mm]\noindent 5. Um die zweite Behauptung zu zeigen, w"ahlen wir eine Folge $L_{0} \subset
L_{1} \subset\ldots$ kompakter Teilmengen von
$X$ mit $\bigcup L_{i} = X$. 
Nach "Ubung \ref{AVMM} gilt $\lambda (M) = \lim_{i\ra \infty} \lambda (M \cap L_{i})$
und es reicht folglich, die zweite 
Behauptung f"ur alle $M \cap L_{i}$ zu zeigen.
In anderen Worten  d"urfen wir also annehmen, da"s es ein Kompaktum $L$
gibt mit $M \subset L$.
Nun ist auch $L$ ein abz"ahlbar basierter lokal kompakter Hausdorffraum. 
Nach dem schon bewiesenen Teil und mit der Notation $M^c\pdef L\backslash M$  gilt f"ur alle me"sbaren Teilmengen
$M\subset L$  also 
$$\lambda(M)=
\inf_{M\subset U,\; U\co L}\lambda(U)= \inf_{M^c\supset A,\; A\As L}\lambda(L)-\lambda(A)$$ und wir finden 
$\lambda(M^c)=\lambda(L)-\lambda(M)=
\op{sup}_{M^c\supset A,\; A\As L}\lambda(A)$ wie gew"unscht.
\end{proof}






%Nach dem schon bewiesenen Teil gilt nun a forteriori
%$$\lambda (L{\setminus} M)=\inf_{\substack{U\supset L{\setminus} M\\ 
%U {\mbox{ \scriptsize{offen in} }}L}}
% \lambda(U)= \inf_{\substack{A\subset  M\\ 
%A {\mbox{ \scriptsize{abgeschlossen in} }}L}}
% \lambda(L\backslash A)= \inf_{\substack{K\subset  M\\ 
%K {\mbox{ \scriptsize{kompakt}}}}}
% \lambda(L\backslash K)$$
%Wegen $\lambda(L{\setminus} M)
%=\lambda(L)-\lambda(M)$ und
%$\lambda(L{\setminus} K)=\lambda(L)-\lambda(K)$ folgt 
%die Behauptung.


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Eine Teilmenge eines $\DR^n$ ist eine Nullmenge
in Bezug auf das Lebesguema"s genau dann, wenn 
sie sich  f"ur jedes $\varepsilon >0$
durch eine Folge von kompakten Quadern $Q_n$ "uberdecken l"a"st
mit $\sum_{n=0}^\infty \op{vol}Q_n<\varepsilon$. 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Disjunkte Umgebungen disjunkter Kompakta}]
Sind $A,B$ disjunkte kompakte Teilmengen eines  Hausdorff\-raums $X$,
so gibt es disjunkte offene Mengen $U,V\co X$ mit $A\subset U $ und 
 $B\subset V$.
Hinweis:\label{FSAN}
 Man beginne mit dem Fall, da"s $A$ nur aus einem Punkt besteht.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}\label{KLKAN}
In einem kompakten Hausdorffraum l"a"st sich jede Umgebung eines 
Punktes zu einer abgeschlossenen Umgebung desselben Punktes verkleinern. 
Hinweis: \ref{FSAN}. Man folgere, da"s ein Hausdorffraum, in dem jeder
Punkt eine kompakte Umgebung besitzt, bereits lokal kompakt ist. 
\end{Ubung}





%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAN3"
%%% End: 
