\section{Die reellen Zahlen}
\subsection{Rationale Wurzeln rationaler Zahlen}
\begin{Satz}\label{QQWE}
Es gibt keine rationale Zahl $x\in \DQ$ mit $x^{2}=2$.
\end{Satz}
\begin{figure}[htbp]
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}
    \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0006}
 \end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}
   \centering
   Die Diagonal im Einheitsquadrat hat eine irrational L"ange.
 \end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}
Dieser Satz erkl"art, warum wir uns mit den
rationalen Zahlen nicht zufrieden geben.
In der Tat suchen wir nach einem Zahlbereich,
in dem jeder \glqq anschaulichen  L"ange\grqq, 
wie zum Beispiel der L"ange der Diagonale eines Quadrats der Kantenl"ange Eins,
auch tats"achlich eine Zahl entspricht. Wir zeigen in \ref{qW}, 
da"s im Zahlbereich  der reellen Zahlen immerhin aus
allen nichtnegativen Zahlen Quadratwurzeln gezogen werden k"onnen, 
und diskutieren in \ref{DP}, wie sich sogar unsere
anschauliche Vorstellung von der L"ange des Einheitskreises zur
Definition einer reellen Zahl pr"azisieren l"a"st.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Erster Beweis]
Setzen wir die in 
\eref{EPFE}{LA1} 
 bewiesene Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung
als bekannt voraus,
so folgt unmittelbar, da"s das Quadrat eines unk"urzbaren Bruches 
mit Nenner $\neq \pm 1$ wieder
ein unk"urzbarer Bruch mit Nenner $\neq \pm 1$
sein mu"s. 
F"ur eine rationale Zahl $x\in\DQ$ folgt aus 
$x\not\in \DZ$ also $x^2\not\in \DZ$.
% Aus $x\in\DQ\backslash \DZ$ folgt also 
% $x^2\in\DQ\backslash\DZ$.
G"abe es mithin eine rationale Zahl 
$x\in\DQ$ mit $x^2=2,$
so m"u"ste $x$ bereits selbst eine ganze Zahl sein.
Offensichtlich gibt es jedoch keine ganze Zahl $x\in\DZ$ mit $x^2=2$.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
  Ohne die Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung als bekannt vorauszusetzen
  k"onnen wir in unserer speziellen Situation auch elementarer mit dem
  Primfaktor $2$ durch Widerspruch argumentieren: Nehmen wir an, wir f"anden
  ganze Zahlen $p,q \in \DZ$ mit $q \neq 0$ derart, da"s $x=p/q$ ein
  unk"urzbarer Bruch w"are mit $x^{2}=2$. Es folgte $p^{2}=2q^{2},$ 
also $p^{2}$
  gerade, also $p$ gerade, also $p^{2}$ durch $4$ teilbar, also $q^{2}$
  gerade, also $q$ gerade.  Dann w"are unser Bruch aber doch k"urzbar gewesen,
  n"amlich durch $2$.
\end{proof}




\subsection{Angeordnete K"orper}


\begin{Definition}\label{REE}
Eine {\bf Relation}\index{Relation!auf einer Menge} $T$ auf einer Menge $X$ 
ist eine Teilmenge $T \subset
X \times X$ des kartesischen Produkts von $X$ mit sich selbst, also eine
Menge von Paaren von Elementen von $X$.
Statt $(x,y)\in T$ schreiben wir in diesem Zusammenhang  meist $xTy$.
\end{Definition}
\begin{Definition} Eine Relation $T$ auf
  einer Menge $X$ hei"st eine {\bf Ordnungsrelation}\index{Ordnungsrelation} 
oder eine
{\bf Teilordnung}\index{Teilordnung}
oder eine 
{\bf partielle Ordnung},\index{Ordnung!partielle}\index{partiell!Ordnung} 
 wenn
f"ur alle $x,y,z\in X$ gilt:
\begin{enumerate}
\item
{\bf Transitivit"at:}\index{transitiv!Relation} 
$(x Ty$ und $yT z) \Rightarrow x Tz$;
\item
{\bf Antisymmetrie:}\index{antisymmetrisch!Relation} 
$(xTy $ und $y T x) \Rightarrow x = y;$
\item
{\bf Reflexivit"at:}\index{reflexiv!Relation} 
 $xTx$ f"ur alle $x\in X$.
\end{enumerate}
Eine Teilordnung hei"st eine \defind{Ordnung} oder \defind{Anordnung},
 wenn wir zus"atzlich
 haben
 \begin{enumerate}
\item[4.] {\bf Totalit"at:}\index{Totalit"at!f"ur Relation} 
F"ur alle $x,y \in X$ gilt $x Ty \text{ oder }y T x$.
\end{enumerate}
 \end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
 In der Literatur hei"st eine Teilordnung auch eine
 {\bf Halbordnung}\index{Halbordnung@{\it Halbordnung}} oder kurz eine \glqq Ordnung\grqq.\index{Ordnung!{\it f"ur Teilordnung}}
Wir verstehen jedoch unter einer Ordnung stets eine Ordnungsrelation, die auch
die Eigenschaft der Totalit"at besitzt.
Auf Englisch benutzt man f"ur eine teilgeordnete Menge alias  \glqq partially ordered set\grqq\  
gerne die Abk"urzung \defind{poset}.
Eine Ordnung in unserem Sinne hei"st in der Literatur auch eine
 {\bf totale Ordnung}\index{Ordnung!totale} 
oder eine {\bf lineare Ordnung}.\index{Ordnung!lineare}
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl} Gegeben teilgeordnete Mengen $(X,\leq)$ und $(Y,\leq)$
  versteht man unter einem {\bf Ordnungshomomorphismus} eine
  Abbildung $\varphi:X\ra Y$ mit $a\leq b\RA \varphi(a)\leq\varphi(b)$.
  In dieser Situation mu"s ein bjektiver Homomorphismus keineswegs ein
  Isomorphismus sein, als da hei"st, seine Umkehrabbildung mu"s\label{htM} 
  keineswegs wieder ein Ordnungshomomorphismus sein.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungw}
Allgemeiner versteht man unter einer 
{\bf Relation\index{Relation!zwischen zwei Mengen} $T$
zwischen einer Menge $X$ und einer Menge $Y$} eine Teilmenge 
$T\subset X\times Y$. In diesem Sinne sind dann 
auch unsere Abbildungen aus \ref{DFAa} spezielle Relationen. 
In Teilen der Literatur hei"sen derartige Relationen auch 
\glqq Korrespondenzen\grqq.\index{Korrespondenz} 
Noch allgemeiner 
 betrachtet man\label{AlRep} 
auch f"ur $n\geq 0$ und Mengen
$X_1,\ldots, X_n$  Teilmengen $T\subset X_1\times\ldots\times X_n$
und nennt sie {\bf $n$-stellige Relationen},\index{Relation!mehrstellige} 
aber das ist f"ur uns vorerst noch
nicht relevant.
\end{Bemerkungw}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Notationen zu teilgeordneten Mengen}]
Bei einer Ordnungsrelation $T$ schreiben wir stets $x \leq y$ statt $xTy$ und
statt $x\leq y$
schreiben wir dann oft auch 
$y\geq x$.\index{)8c@$\geq$, $>$, $\leq $, $<$ bei Ordnungsrelation} 
Weiter 
k"urzt man ($x\leq y$ und $x\neq y$) ab mit
$x<y$  und
ebenso ($x\geq y$ und $x\neq y$) mit $x>y$.
Auf jeder angeordneten Menge definieren wir Verkn"upfungen 
$\op{max}$\index{max@$\op{max}$} und $\op{min}$\index{min@$\op{min}$} in offensichtlicher 
Verallgemeinerung von \ref{Verka}.
\end{Bemerkungl}




\label{AnKoe} 
\begin{Definition}
Ein {\bf angeordneter Kring}\index{Kring!angeordneter} 
ist ein Kring $(R,+,\cdot)$ mit einer\index{angeordnet!Ring} 
Anordnung $\leq$ derart, da"s f"ur
beliebige Elemente $x,y,z\in R$ gilt:\label{AKoo} 
\begin{enumerate}
\item
$x \geq y \;\Rightarrow\; x + z \geq y + z$;
\item
$(x \geq 0 $ und $y\geq 0)  \;\Rightarrow\; xy \geq 0$.
\end{enumerate}
Eine Anordnung  eines Krings mit diesen Eigenschaften nennen wir eine {\bf Kringanordnung}.\index{Kringanordnung} Die Elemente $x\in R$ mit $x>0$ beziehungsweise $x<0$ nennen wir \defind{positiv}
beziehungsweise \defind{negativ}.
Die Elemente mit $x\geq 0$ beziehungsweise $x\leq 0$ nennen wir 
\defind{nichtnegativ}
beziehungsweise \defind{nichtpositiv}. Ein {\bf angeordneter K"orper} ist
ein K"orper mit einer Kringanordnung. 
\end{Definition}

\begin{Beispiel}
  Der Ring $\DZ$ der ganzen Zahlen ist mit seiner "ublichen
  Anordnung ein angeordneter Kring.
  Der K"orper $\DQ$ der rationalen Zahlen ist mit seiner "ublichen
Anordnung ein angeordneter K"orper. Dasselbe wird auch f"ur den K"orper 
$\DR$ der\label{ARI} 
\glqq reellen Zahlen\grqq\ gelten, den wir demn"achst einf"uhren. 
\end{Beispiel}
 \begin{Bemerkungl}[\textbf{Eigenschaften angeordneter Kringe}]
Wir listen einige Tatsachen auf, die in beliebigen angeordneten Kringen $R$ gelten.\label{Lak}
\begin{enumerate}
\item
  $(x \leq y \text{ und } a \leq b) \Rightarrow (x+a \leq y+b)$

  In der Tat folgt aus den Annahmen 
$x + a \leq y +a \leq y + b$.
\item
  $(x\leq y \text{ und } a \geq 0) \Rightarrow (a x \leq a y )$
  
In der Tat folgt $0\leq y-x,$ also $0\leq a (y-x)=ay - ax$ und
damit dann
$a x \leq ay$.
\item
  $(0 \leq x \leq y \text { und } 0\leq a \leq b) \Rightarrow (0\leq x a \leq yb)$\label{kMu}
  
In der Tat erhalten wir $0 \leq x a \leq ya  \leq yb$.
\item
  $(x \leq y )\Rightarrow (-y \leq -x)$
  
  Das folgt durch Addition von $(-y-x)$ auf beiden Seiten.
\item
$(x \geq y \text{ und } a\leq 0) \Rightarrow (ax \leq ay)$

  In der Tat folgern wir
  $x \geq y \Rightarrow (-a)x \geq (-a)y \Rightarrow ax \leq ay$.
\item
  $x^{2}\geq 0$

  In der Tat ist $x^{2}=(-x)^{2}$ und wir haben
  $x \geq 0 \Leftrightarrow (-x) \leq 0$.
\item
  $1 \geq 0$

  In der Tat gilt $1=1^2$.
\item
  $(x \geq 0 \text{ und $x$ invertierbar})\Rightarrow (x^{-1}\geq 0)$

  Das folgt durch Multiplikation mit $(x^{-1})^{2}$.
\item
  $(0\leq x \leq y \text{ und $x,y$ invertierbar})\Rightarrow (0 \leq y^{-1}\leq x^{-1})$

  Das folgt durch Multiplikation mit
$y^{-1}x^{-1}$.\qedhere
\end{enumerate}
 \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Einbettung von $\DZ$  in angeordnete Kringe}] 
Schreiben wir zur besonderen Betonung wieder $0_R$ und $1_R$, so gelten 
nach\label{CAb} dem vorhergehenden in jedem angeordneten Kring $R$ mit $0_R\neq 1_R$ die Ungleichungen
$$\ldots < (-1_{R})+ (-1_{R}) < (-1_{R})<0_{R}<1_{R}<1_{R}+1_{R} < \ldots $$
Insbesondere folgt aus
$m1_{R}=n1_{R}$ f"ur $m,n \in \DZ$ schon $m =n$.
Unser eindeutig bestimmter Ringhomomorphismus $\DZ\ra R,m\mapsto m1_R$ ist in diesem Fall mithin eine Injektion
$$\DZ\hra R$$
und diese Injektion ist zus"atzlich auch ein Ordnungshomomorphismus.
Das Bild dieser Injektion k"onnte einen
eigenen Namen kriegen, zum Beispiel $\DZ_R$,
aber wir k"urzen unsere Notation ab, bezeichnen dieses
Bild auch mit $\DZ$ und schreiben k"urzer $m$ statt $m1_R$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Einbettung von $\DQ$ in angeordnete K"orper}] 
  Ist $K$ ein angeordneter K"orper, so erhalten wir  einen
  K"orperhomomorphismus $\DQ\ra K$  durch
  die Vorschrift $m/n\mapsto m1_K/n1_K$. Es ist leicht zu sehen, da"s er
  der einzige K"orperhomomorphismus $\DQ\ra K$ ist. Wie jeder
  K"orperhomomorphismus ist auch er eine Injektion
  $$\DQ\hra K$$
  und man pr"uft leicht, da"s auch diese Injektion ein Ordnungshomomorphismus ist.  
Wir k"onnten diese Injektion zum Beispiel $q\mapsto q_K$ notieren,
 sind aber etwas nachl"assig, bezeichnen das Bild unserer Injektion
$\DQ\ra K$ meist kurzerhand mit demselben 
Buchstaben $\DQ$ statt genauer  $\DQ_K$
 und h"angen auch den Elementen 
von $\DQ$ meist keinen Index an, wenn wir eigentlich ihr Bild in $K$ meinen.
  \end{Bemerkungl}












  \begin{Definition}
   F"ur jeden angeordneten Kring $R$ definieren wir eine Abbildung $R \ra
R,$ $x \mapsto |x|,$ genannt der 
{\bf Absolutbetrag}\index{Absolutbetrag} oder 
k"urzer {\bf Betrag},\index{Betrag}\index{)5@${\mid}\;{\mid}$ Absolutbetrag}
 durch die Vorschrift\label{AbsB} 
$$|x|\pdef\left\{\begin{array}{rl} x &\text{falls } x\geq 0;
\\ -x &\text{falls } x<0. \end{array}\right.$$
  \end{Definition}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Eigenschaften des Absolutbetrags}]
Wir listen einige Eigenschaften des Absolutbetrags auf.
Der Beweis der ersten f"unf sei dem Leser "uberlassen.
\begin{enumerate}
\item
 $ x\leq |x|$
\item
$|x| =0 \Leftrightarrow x =0$
\item
$|{-}x| = |x|$
\item
$|x  y| = |x| |y|$
\item
$|x^{-1}|=|x|^{-1}$ f"ur $x$ invertierbar.
\item
Es gilt die sogenannte {\bf
Dreiecksungleichung}\index{Dreiecksungleichung!f"ur Absolutbetrag eines
angeordneten K"orpers}
$$|x +y|\leq |x| + |y| \quad \forall x,y\in R$$
In Worten ist also der Betrag einer Summe stets 
kleinergleich der Summe der Betr"age der Summanden.
In der Tat gilt ja $x+y \leq |x| + |y|$
und ebenso auch $-(x+y)\leq |x|+|y|$.
Unsere Ungleichung hei"st deshalb Dreiecksungleichung,
weil sie
in einem allgemeineren Kontext sagt,
da"s in einem Dreieck zwei Seiten zusammen stets l"anger
sind als die Dritte.
\item
$\left ||a|-|b|\right| \leq |a+b| \quad \forall a,b \in R$.

\noindent
In der Tat folgt aus der Dreiecksungleichung
$|a| =|(a+b) +(-b)|
\leq |a+b| +|-b| = |a +b|+|b|,$
also $|a|-|b| \leq |a +b|$.
Ebenso folgert man aber auch $|b|-|a| \leq |a+b|$.
\end{enumerate}   
  \end{Bemerkungl}




 \begin{Bemerkunge} Unter einer {\bf angeordneten abelschen Gruppe}
    versteht man eine abelsche Gruppe $(A,+)$ mit einer Anordnung $\leq$ derart, da"s f"ur
beliebige Elemente $x,y,z\in A$ gilt\label{AKoog} 
$$x \geq y \;\Rightarrow\; x + z \geq y + z$$
Alle in diesem Abchnitt f"ur angeordnete Kringe bewiesenen
Aussagen, in denen die multiplikative Struktur keine
Rolle spielt, gelten genauso f"ur angeordnete abelsche Gruppen.
 \end{Bemerkunge}

 
    
  
\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubung}\label{unGG} In jedem angeordneten K"orper gilt:
\begin{enumerate}
\item
Aus $|x-a|\leq \eta$ und $|y-b|\leq\eta$ folgt
$|(x+y)-(a+b)|\leq 2\eta$;
\item
Aus $|x-a|\leq\eta\leq 1$ und $|y-b|\leq\eta\leq 1$ folgt
$|xy - ab| \leq \eta (|b|+1+|a|)$;
\item
Aus  $|y-b|\leq \eta \leq |b|/2$ und $b\neq 0$ folgt $y\neq 0$ und
$\left| {1}/{y} - {1}/{b}\right| \leq {2\eta}/{|b|^{2}}$.
\end{enumerate}
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
In jedem angeordneten Ring gilt f"ur $x\geq -1$ und $n\in\DN$
die sogenannte \defind{Bernoulli-Ungleichung} $(1+x)^n\geq 1+nx$.
Hinweis: Vollst"andige Induktion.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}
Seien $K$ ein angeordneter K"orper und $I\subset K$ ein
\hyperref[Inter]{Intervall}, in Formeln $(x<y<z$ und $x,z\in I)\RA y\in I$.
Wir nennen eine Funktion $\phi:I\ra K$ 
 {\bf konvex},\index{konvex!Funktion}   wenn
\glqq ihr Graph unter  jeder seiner Sekanten liegt\grqq, wenn also in Formeln
f"ur alle $x<y<z$ aus $I$ gilt\label{kokaU} 
$$
\frac{\phi(x)-\phi(y)}{x-y}\leq \frac{\phi(y)-\phi(z)}{y-z}$$
Man zeige in dieser Situation f"ur beliebige $x_1,\ldots, x_n\in I$
und beliebige nichtnegative $\mu_1,\ldots,\mu_n\in K_{\geq 0}$ 
mit $\sum_{i=1}^n \mu_i=1$ 
die\label{JenD}  
{\bf Jensen'sche Ungleichung}\index{Jensen'sche Ungleichung!diskrete}  
$$\phi\left(\sum_{i=1}^n \mu_i x_i\right)\leq \sum_{i=1}^n \mu_i \phi(x_i)$$
In Worten ist also  \glqq der Funktionswert
beim gewichteten Mittel der $x_i$  beschr"ankt durch
das gewichtete Mittel der Funktionswerte\grqq. Hinweis: Die Voraussetzung l"a"st
sich als der Fall $n=2$ verstehen. Davon ausgehend f"uhrt Induktion ans Ziel.
\end{Ubung}



\subsection{Maximum und Supremum}\label{OM}

\begin{Definition}\label{MiMa}
Sei $(Y,\leq)$ eine teilgeordnete Menge.
\begin{enumerate}
\item
Ein Element $g \in Y$ hei"st ein 
{\bf gr"o"stes Element},\index{gr"o"stes Element} wenn gilt
$g \geq y \; \forall y\in Y$. Ein Element $g \in Y$ hei"st ein 
{\bf maximales Element}\index{maximal!Element}, wenn 
es kein $y\in Y$ gibt mit 
$y > g$.
\item
Ein Element $k \in Y$ hei"st ein {\bf kleinstes 
Element}\index{kleinstes!Element}, wenn gilt
$k \leq y \; \forall y\in Y$.
Ein Element $k \in Y$ hei"st ein {\bf minimales 
Element}\index{minimales!Element}, wenn 
es kein $y\in Y$ gibt mit 
$y < k$.
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{figure}[htbp]
 \begin{minipage}{0.1\textwidth}
    \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0005}
 \end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.8\textwidth}
\centering Eine teilgeordnete Menge mit zwei minimalen
und einem maximalen Element, die weder ein kleinstes noch
ein gr"o"stes Element besitzt. Die Darstellung ist in der 
Weise zu verstehen, da"s die fetten Punkte 
die Elemente unserer Menge bedeuten und da"s ein Element  gr"o"ser
ist als ein anderers genau dann, wenn es von diesem  \glqq durch einen
aufsteigenden Weg erreicht werden kann\grqq.
 \end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Jede  teilgeordnete Menge 
besitzt h"ochstens ein gr"o"s\-tes und h"ochstens ein kleinstes Element.
Wir d"urfen deshalb den bestimmten Artikel verwenden und
von {\bf dem} gr"o"sten beziehungsweise kleinsten Element reden.
Besitzt eine teilgeordnete Menge  
ein gr"o"s\-tes beziehungsweise ein kleinstes Element, so ist dies auch ihr
einziges maximales beziehungsweise minimales Element. Im allgemeinen
kann es jedoch
maximale beziehungsweise  minimale Elemente  in gro"ser Zahl geben,
zumindest dann, wenn unsere Teilordnung keine Anordnung ist. Es kann auch durchaus passieren, da"s es "uberhaupt kein minimales oder maximales Element gibt, und zwar selbst dann, wenn unsere teilgeordnete Menge nicht die leere Menge ist.
\end{Bemerkungl}









\begin{Definition}
Seien $(X,\leq)$ eine  teilgeordnete Menge  und  $Y\subset X$ eine
Teilmenge.
\begin{enumerate}
\item
Ein Element $o \in X$ hei"st eine {\bf obere Schranke}
\index{Schranke!obere} von $Y$ in $X$, wenn gilt $o \geq y
\; \forall y \in Y$.
\item
Ein Element $u \in X$ hei"st eine {\bf untere Schranke}\index{Schranke!untere} 
 von $Y$  in $X$, wenn gilt $u \leq y
\; \forall y \in Y$.
 \end{enumerate}
\end{Definition}

\begin{Definition}
Seien $(X, \leq)$ eine teilgeordnete Menge  und $Y\subset X$ eine Teilmenge.
\begin{enumerate}
\item
Ein Element $s \in X$ hei"st die {\bf kleinste obere Schranke}
oder lateinischer  das\index{Schranke!kleinste obere} 
{\bf Supremum}\index{Supremum}\index{sup@$\op{sup}$, Supremum} von $Y$ in $X$, wenn $s$ das kleinste Element ist in der Menge $\{o \in X \mid
o \text{ ist obere Schranke von } Y\}$.
Wir schreiben dann $s = \sup Y = \sup_X Y$.
\item
Ein Element $i \in X$ hei"st die {\bf gr"o"ste untere
  Schranke} oder\index{Schranke!gr"o"ste untere} 
 lateinischer das {\bf Infimum}\index{Infimum}\index{inf@$\op{inf}$, Infimum} von $Y$ in $X$,
 wenn $i$ das gr"o"ste Element ist in der Menge $\{u \in X \mid
u \text{ ist untere Schranke von } Y\}$.
Wir schreiben dann $i = \inf Y= \inf_X Y$.
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildinfi}\\[4mm]
\noindent 
Die Menge $Y=\{1/n\mid n\in\DN_{\geq 1}\}$ 
besitzt  
in $\DQ$ eine gr"o"ste untere Schranke, n"amlich die Null,
in Formeln $\op{inf}Y=0$. Sie besitzt  
in $\DQ$ auch eine  kleinste obere Schranke,
n"amlich die Eins, in Formeln $\op{sup}Y=1$.
\end{Bild}

\begin{Beispiel}
  Die Teilmenge $Y=\{q\in\DQ\mid q<1\}\subset \DQ$ 
hat kein gr"o"stes Element, besitzt jedoch in $\DQ$ eine
kleinste obere Schranke, n"amlich $\op{sup}Y=1$.
Die Teilmenge $Z=\{q\in\DQ\mid q\leq 1\}\subset \DQ$ 
hat ein gr"o"stes Element, n"amlich die $1$, und das ist dann nat"urlich auch
gleichzeitig ihre kleinste obere Schranke in $\DQ$,
also haben wir auch $\op{sup}Z=1$.
  Die Teilmenge $Y=\{q\in\DQ\mid q<1\}\subset \DQ$ 
hat in $\DQ$ keine untere Schranke und dann nat"urlich erst
recht keine gr"o"ste untere Schranke.
\end{Beispiel}




\begin{Beispielg}
Auf der Potenzmenge einer beliebigen Menge ist 
die Inklusionsrelation eine Teilordnung. Bez"uglich dieser
Teilordnung ist 
die Vereinigungsmenge im Sinne von  \eref{VSMS}{LA1} eines Mengensystems 
sein Supremum und die Schnittmenge sein
Infimum.
\end{Beispielg}


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{sQr}
  Die Menge
  $\{x\in\DQ\mid x^2\leq 2\}$ besitzt in $\DQ$  
  keine gr"o"ste untere Schranke.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $X$ eine teilgeordnete Menge.
Besitzt eine Teilmenge $Y\subset X$ ein 
gr"o"stes Element $g \in Y$, so gilt $g = \sup Y$.
Besitzt eine Teilmenge $Y\subset X$ ein 
kleinstes Element $k \in Y$, so gilt $k = \inf Y$.
Sind Teilmengen $Z\subset Y\subset X$ gegeben 
und besitzen $Z$ und $Y$
ein Supremum in $X$, so gilt $\sup Z\leq \sup Y$.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}[\textbf{Teilordnungen und Verbandsstrukturen}]
  Erkl"aren wir auf  einer teilgeordneten Menge $B$, in der jede zweielementige Teilmenge ein Supremum und ein Infimum hat,
  die beiden Verkn"upfungen $\vee$ und $\wedge$ 
  durch $a\vee b\pdef \op{sup}\{a,b\}$ und $a\wedge b\pdef \op{inf}\{a,b\}$,
  so erhalten wir einen\label{Ubbv} 
  Verband im Sinne von \eref{Verband}{GR}.
  Erkl"aren wir umgekehrt auf einem Verband $(B,\vee,\wedge)$
  eine Relation $R$ durch $aRb$ genau dann, wenn $a\vee b=b$ oder gleichbedeutend $a=a\wedge b$, so ist $R$ ein Teilordnung und jede
  zweielementige Teilmenge hat ein Supremum und ein Infimum. Schlie"slich
  sind diese beiden Konstruktionen zueinander inverse Bijektionen zwischen
  Verbandsstrukturen und Teilordnungen mit der fraglichen Eigenschaft auf jeder
  festen Menge $B$.
\end{Ubunge}


\subsection{Reelle Zahlen}\label{ReZ}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Geometrische und algorithmische Zahlbegriffe}]
Der folgende Satz \ref{ER} enth"alt die Charakterisierung 
eines gewissen angeordneten K"orpers von \glqq reellen
Zahlen\grqq, auf der wir die Analysis aufbauen werden.
Dieser K"orper bildet einen wesentlichen Teil des 
Begriffsgeb"audes,  das  es uns erm"oglicht,
unsere geometrischen Vorstellungen
in der heute gebr"auchlichen aus den Symbolen
der Mengenlehre 
aufgebauten Sprache der h"oheren Mathematik
wiederzufinden.  
Bereits im vierten Jahrhundert vor Christus 
erkl"arte der griechische Mathematiker
Eudoxos  eine  \glqq Zahl\grqq\  als
das \glqq Verh"altnis zweier L"angen\grqq\  und gab
damit eine geometrische Beschreibung dessen, was 
wir heute \glqq positive reelle Zahlen\grqq\  nennen w"urden.
Die logischen Feinheiten der Beziehung dieses \glqq geometrischen\grqq\  
Zahlbegriffs zum 
 \glqq algorithmischen\grqq\  Zahlbegriff, der vom Proze"s des Z"ahlens herkommt,
wurden erst nach und nach verstanden. Den folgenden Satz \ref{ER} 
und seinen Beweis
mag man als den Schlu"spunkt dieser Entwicklung ansehen. Der
Zwischenwertsatz \ref{ZWS} und st"arker der Satz "uber die Gruppenwege in der Kreisgruppe \ref{EplOO} und seine Beziehung zu Winkelma"sen \eref{WinM}{LA2} illustrieren, wie gut die bei diesem Beweis 
im Reich der abstrakten Logik und Mengenlehre
konstruierten reellen Zahlen unsere geometrische 
Anschauung modellieren.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Der Beweis der Existenz eines 
angordneten K"orpers 
mit den im folgenden Satz \ref{ER} pr"azisierten Eigenschaften
ist f"ur das weitere Verst"andnis
der Vorlesung belanglos. Ich gebe hier nur eine
Beweisskizze, als da hei"st einen Beweis f"ur h"ohere Semester,
um Sie zu "uberzeugen, da"s wir nicht w"ahrend des n"achsten halben Jahres
Folgerungen ziehen aus Grundannahmen, die "uberhaupt
nie erf"ullt sind. Ich rate  dazu, 
bei der ersten Lekt"ure auf das genauere Studium des
Existenzbeweises zu verzichten, der sich bis \ref{IQQ} hinzieht. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Charakterisierung der reellen Zahlen}]
\begin{enumerate}
\item
Es gibt an\-ge\-ord\-ne\-te K"orper $(\DR, +,\cdot , \leq)$ derart, da"s
in der angeordneten Menge $\DR$ \label{11}
jede nichtleere Teilmenge mit einer unteren
Schranke auch eine gr"o"ste untere Schranke besitzt;
\item\label{22h}
Solch ein angeordneter K"orper ist im wesentlichen eindeutig bestimmt.
Ist genauer $(\DR ^{\prime}, +, \cdot, \leq)$ ein weiterer derartiger
angeordneter K"orper, so gibt es genau einen K"orperisomorphismus
$\varphi : \DR  \sira \DR ^{\prime}$ und f"ur diesen 
K"orper\-isomorphismus gilt zus"atzlich 
$\al \leq \beta \Leftrightarrow \varphi
(\al) \leq \varphi (\beta)$. 
\end{enumerate}
\label{ER}\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}\label{AB}
  Durch Multiplikation mit $(-1)$ sehen wir, da"s die
  im Satz formulierte \glqq Infimumseigenschaft\grqq\ im Fall
  eines angeordneten K"orpers gleichbedeutend
  ist zur {\bf Supremumseigenschaft}, da"s  jede nichtleere Teilmenge 
 mit einer oberen Schranke
auch eine kleinste obere Schranke besitzt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Die im Satz gegebene Charakterisierung trifft auf 
den angeordneten K"orper der rationalen Zahlen nicht zu.
Zum Beispiel wissen wir nach \ref{sQr}, da"s die Menge
$\{x\in\DQ\mid x^2\leq 2\}$ in $\DQ$ 
 keine
gr"o"ste untere Schranke besitzt. Sie ist jedoch nicht leer und besitzt
 in $\DQ$ durchaus untere Schranken, nur eben keine gr"o"ste.
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}[Beweis von \ref{ER}.\ref{11}]
Wir konstruieren einen derartigen 
K"orper $\DR=\DR_{\op{D}}$ als eine Menge $\DR\subset \cal{P}(\DQ)$ 
von Teilmengen der Menge $\DQ$
aller rationalen Zahlen,
$$\begin{array}{ccc}
\DR  & \pdef & {\left\{ \al \subset \DQ \left| \begin{array}{l}
\text{$\al$ ist nicht leer,}\\
\text{$\al$ hat eine untere Schranke,}\\
\text{$\al$ hat kein kleinstes Element,}\\
\al \text{ enth"alt mit $x$ auch jedes $y> x$.}\end{array}\right.
\right\}}
\end{array}$$
Man nennt solch ein $\al$ einen {\bf Dedekind'schen Schnitt}
\index{Dedekind'scher Schnitt}
und bezeichnet die so konstruierte Menge 
$\DR$ als das \glqq Dedekind'sche Modell
der reellen Zahlen\grqq.
Auf unserer Menge $\DR $ von Teilmengen von $\DQ$
ist die Inklusionsrelation eine Anordnung und wir schreiben
$\al \leq \beta$ statt $\al \supset \beta$.
Ist $Y \subset \DR $ eine nichtleere Teilmenge mit unterer Schranke, so liegt
offensichtlich auch die Vereinigung
$$\bigcup_{\al \in Y} \al=\{q\in\DQ\mid \text{Es gibt }\alpha\in Y\text{ mit }q\in \alpha\}$$ aller
Teilmengen aus $Y$ in $\DR $ und ist das Infimum von $Y$.
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0027}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Zum Infimum in $\DR$
\end{minipage}
\end{figure}
Damit haben wir bereits eine angeordnete Menge mit der geforderten
Eigenschaft konstruiert.
Wir m"ussen darauf nur noch eine Addition und eine
Multiplikation erkl"aren derart, da"s unsere Struktur zu einem angeordneten
K"orper wird.
Die Addition ist unproblematisch: Wir setzen
$$\al + \beta \pdef \{ x + y\mid x \in \al, \;y \in \beta \}$$
und pr"ufen m"uhelos, da"s aus $\al, \beta \in \DR $ schon folgt $\al + \beta \in
\DR $, da"s $\DR $ so zu einer kommutativen Gruppe wird mit neutralem Element
$0_{\DR } = \{x \in \DQ\mid x > 0\},$ und da"s gilt $\al \leq \beta \Rightarrow
\al + \gamma \leq \beta + \gamma$ f"ur alle $\al ,\beta, \gamma \in \DR $.
Das Negative zu $\alpha$ kann man etwa erhalten, indem man
die Menge $\{y\in\DQ\mid y+x>0\;\forall x\in \alpha\}$ betrachtet und
ihr f"ur den Fall, da"s sie ein kleinstes Element haben sollte, das noch wegnimmt.  
Wir erlauben uns nun die Abk"urzung $0_{\DR }=0$.
Die Multiplikation positiver Elemente ist ebenfalls
unproblematisch: F"ur $\al, \beta \in \DR $ mit $\al > 0,$ $\beta
>0$ setzen wir
$$\al \beta \pdef\{ xy \mid x \in \al, \; y \in \beta \}$$
und pr"ufen m"uhelos, da"s aus $\al, \beta \in \DR _{>0}$ schon
folgt $\al \beta \in \DR _{>0}$ und da"s $\DR _{>0}$ so zu einer
kommutativen Gruppe mit neutralem Element $1_{\DR } = \{ x \in
\DQ \mid x > 1\}$ wird.
Das Distributivgesetz in $\DQ$ impliziert mit diesen Definitionen
auch sofort die Regel
$$\al (\beta +\gamma) = \al \beta + \al \gamma$$
f"ur alle $\al, \beta , \gamma \in \DR _{>0}$.
Um unsere
Multiplikation so auf ganz $\DR $ auszudehnen, da"s $\DR $ ein
angeordneter K"orper wird, verwenden wir das anschlie"sende technische
Lemma \ref{TLl}. Eine Beweisskizze f"ur die in Teil 2 behauptete Eindeutigkeit
geben wir zu Ende dieses Abschnitts.
\end{proof}


\begin{Lemma}\label{TLl}
Sei $(R,+)$ eine kommutative Gruppe mit einer Anordnung $\leq$
derart, da"s gilt $\al \leq\beta \Rightarrow \al + \gamma \leq
\beta +\gamma \;\; \forall \al , \beta , \gamma \in R$.
Sei auf $R_{>0}$ eine Verkn"upfung $(\al, \beta ) \mapsto\al
 \cdot\beta= \al
 \beta$ gegeben, die $R_{>0}$ zu einem kommutativen
Monoid macht.
Es gelte  au"serdem die Regel
$$\al (\beta +\gamma)= \al \beta +\al \gamma \quad \forall \al ,
\beta, \gamma \in R_{>0}$$ So gibt es genau eine Fortsetzung
unserer Verkn"upfung $(\al, \beta) \mapsto \al  \beta$ 
zu einer  Verkn"upfung auf
ganz $R$ derart, da"s $(R,+,\cdot)$ ein Kring wird,
und f"ur diesen Kring ist $\leq$ eine Kringanordnung.
War $(R_{>0},\cdot)$ eine Gruppe, ist unser Kring $R$ sogar ein K"orper.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wenn die Fortsetzung unserer Multiplikation auf ganz $R$ das
Distributivgesetz erf"ullen soll, m"ussen wir notwendig setzen
$$\al  \beta \pdef \left\{ \begin{array}{cl}
0 & \al = 0 \text{ oder } \beta =0;\\
-((-\al)\beta) & \al <0,\; \beta >0;\\
-(\al (-\beta)) & \al >0,\; \beta <0;\\
(-\al)(-\beta) & \al < 0,\;\beta <0. \end{array} \right. $$
Es gilt nun, f"ur diese Multiplikation Kommutativit"at und die Ringaxiome
nachzuweisen.
Unsere Multiplikation auf $R$ ist offensichtlich kommutativ und
assoziativ und macht $R \backslash \{0\}$ zu einem Monoid. Wir
m"ussen also nur noch das Distributivgesetz
$$\al (\beta+\gamma) = \al \beta +\al \gamma \quad \forall \al,
\beta , \gamma \in R$$ nachweisen. Ohne Beschr"ankung der
Allgemeinheit d"urfen wir hierbei $\al > 0$ und $\beta + \gamma >0$
annehmen. Die einzigen nicht offensichtlichen F"alle sind dann
$\beta >0,$ $\gamma < 0$ beziehungsweise $\beta <0,$ $\gamma >0$.
Sei ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $\beta >0,$ $\gamma <0$.
Nach unseren Annahmen gilt ja die Regel
$$\al \beta = \al ((\beta +\gamma) + (-\gamma)) = \al (\beta
+\gamma) + \al (-\gamma)$$ und daraus folgt sofort $\al
(\beta +\gamma)= \al \beta +\al \gamma $ auch in diesem letzten
Fall. 
\end{proof}

\begin{Definition}\label{DRZ}
Wir w"ahlen f"ur den weiteren Verlauf der Vorlesung
einen festen angeordneten K"orper
$(\DR ,+,\cdot, \leq)$, der die Supremumseigenschaft hat, 
erlauben uns wegen der in \ref{ER}.\ref{22h} formulierten
\glqq Eindeutigkeit bis auf eindeutigen Isomorphismus\grqq\  
den bestimmten Artikel,  
und nennen ihn\index{R@$\DR$ reelle Zahlen} {\bf den 
 K"orper
$\DR $ der reellen Zahlen}\index{reelle Zahl}.\index{Zahl!reelle}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}\label{aa}
Ein angeordneter K"orper hei"st 
{\bf archimedisch angeordnet}\index{archimedisch!angeordnet},
wenn es zu jedem Element $x$ des K"orpers eine nat"urliche Zahl $n\in\DN$
gibt mit $n >x$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Archimedizit"at der reellen Zahlen}]
Die nat"urlichen Zahlen besitzen keine obere Schranke in den reellen Zahlen,
als da hei"st, f"ur alle $x \in \DR $\label{ArA} gibt es ein  $n \in \DN$ mit $n> x$.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Wir argumentieren
durch Widerspruch. 
H"atte die Teilmenge $\DN
\subset \DR $ eine obere Schranke, so h"atte sie
nach \ref{AB} auch eine kleinste obere Schranke
$a$. Dann w"are aber $a-1<a$ keine obere Schranke von $\DN,$ also g"abe es
$n \in \DN$ mit $n>(a-1)$. Es folgte
$(n+1)>a,$ und bereits $a$ selbst w"are  
keine obere Schranke von $\DN$ gewesen.
\end{proof}


\begin{Korollar}\label{Kop}
\begin{enumerate}
\item
Die ganzen Zahlen besitzen keine untere Schranke in den reellen Zahlen;
\item
F"ur jede positive reelle Zahl  $\varepsilon  > 0$ gibt es 
eine positive nat"urliche Zahl $n \geq 1$
mit $0 < \frac{1}{n} < \varepsilon $;
\item
  Es gilt $0=\op{inf}_\DR\left\{\frac{1}{n}\mid n\in \DN_{\geq 1}\right\}$;
\item
Zwischen  zwei verschiedenen reellen Zahlen liegt stets noch
eine rationale Zahl, in Formeln:
Gegeben $x< y$ in $\DR $ gibt es $r \in \DQ$ mit $x<r<y$.
\end{enumerate}
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
  Dies Korollar  gilt mit demselben Beweis
f"ur jeden archimedisch angeordneten K"orper.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Die erste Aussage folgt aus \ref{ArA}. 
Um die Zweite zu zeigen, suche man $n>1/\varepsilon $.
Die dritte Aussage folgt unmittelbar aus der zweiten.
Um die vierte Aussage zu zeigen, suchen wir zun"achst
$n \in \DN,$ $n\geq 1$ mit $0 < \frac{1}{n} < y -x,$ also
$1 < ny-nx,$ das hei"st $1+n x <ny$.
Nun gibt es $a,b\in \DZ$ mit $a<ny <b,$ also gibt es eine gr"o"ste ganze
Zahl $m$ mit $m<ny$ und folglich $ny\leq m+1,$ woraus hinwiederum folgt
$n x < m$ und dann $x < \frac{m}{n}<y$.
\end{proof}



\begin{Definition}\label{IUB}
Mit einem endlichen Dezimalausdruck wie $3,\!141$ bezeichnet man wie 
auf der Schule die rationale Zahl $3141/1000$.
Die durch einen {\bf unendlichen Dezimalausdruck}\index{unendlicher
Dezimalausdruck} wie $3,\!1415\ldots$
dargestellte reelle Zahl erkl"aren wir als
das Supremum der Menge  ihrer endlichen Teilausdr"ucke 
beziehungsweise das Infimum, wenn ein Minus davorsteht.
Wir setzen also zum Beispiel
$$\begin{array}{cccl}
3,\!1415\ldots & \pdef & \op{sup}&\left\{\begin{array}{l}
3\\3,\!1\\3,\!14\\3,\!141\\3,\!1415\\\ldots\end{array}\right\}\end{array}$$
Die Elemente der Menge aller
endlichen
Teilausdr"ucke haben wir hier nur der "Ubersichtlichkeit halber untereinander
geschrieben,  statt sie durch Kommata zu trennen, und rationale
Zahlen  haben wir stillschweigend mit ihren Bildern in $\DR$ identifiziert.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}\label{IUB9}
  Ich zeige $1=0,99999\ldots$ Nach unserer Konvention \ref{IUB} gilt es
  zu zeigen $1=\op{sup}\{1-10^{-n}\mid n\in \DN_{\geq 1}\}$. Eine evidente
  Rechnung zeigt, da"s es "aquivalent ist, $0=\op{inf}\{10^{-n}\mid n\in \DN_{\geq 1}\}$ zu zeigen, und das folgt unmittelbar aus Korollar \ref{Kop},
  in dem wir  $0=\op{inf}\{1/k\mid k\in \DN_{\geq 1}\}$ gezeigt hatten.
\end{Beispiel}


\begin{Proposition}
  \begin{enumerate}
\item
Jede reelle Zahl l"a"st sich durch einen unendlichen Dezimalausdruck darstellen;
\item
Genau dann stellen zwei verschiedene
unendliche Dezimalausdr"ucke dieselbe reelle Zahl dar,
wenn es eine Stelle vor oder nach dem Komma 
gibt und eine von Neun verschiedene Ziffer $z$ derart,
da"s die beiden Dezimalausdr"ucke bis zu dieser Stelle "ubereinstimmen, ab dieser
Stelle jedoch 
der eine die Form $z99999\ldots$ hat und der andere die Form
$(z+1)00000\ldots$
\end{enumerate}\label{DzoN} 
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur den ersten Teil reicht es 
zu zeigen, da"s sich jede nichtnegative reelle Zahl $y\geq 0$
als ein unendlicher Dezimalausdruck darstellen l"a"st.
Nehmen wir zu jedem $s\in\DN$ die gr"o"ste reelle Zahl $r_s\leq y$ unter $y$
mit
h"ochstens $s$ Stellen nach dem Komma, so gilt
$$y=\sup\{r_0,r_1,r_2,\ldots\}$$
In der Tat ist $y$ eine obere Schranke dieser 
Menge, aber jede reelle Zahl $x<y$ ist keine obere Schranke dieser Menge:
Nach \ref{Kop} oder, genauer, seinem Beweis gibt es n"amlich
f"ur jedes $x\in\DR $ mit $x<y$ ein
$s\in\DN$ und ein $m\in\DZ$ mit $x<m\cdot 10^{-s}<y,$ als da hei"st, es gibt
 ein
$s$ mit $x<r_s$.
 Um den zweiten Teil zu zeigen, d"urfen wir uns weiter auf nichtnegative
 Zahlen beschr"anken. Wir sehen wie in \ref{IUB9}, da"s jeder
 Dezimalausdruck mit einer Neunerperiode
 dieselbe reelle Zahl darstellt wie ein geeigneter anderer Dezimalausdruck
 ohne Neunerperiode. 
 Betrachten wir nun zwei verschiedene Dezimalausdr"ucke ohne Neunerperiode
 und zeigen, da"s sie  verschiedene reelle Zahlen darstellen.
 Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit seien sie gleich vor dem Komma, aber
 verschieden in der ersten Nachkommastelle.  Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit m"ogen sie sogar beide nur eine Null vor dem Komma haben.
 Nach dem Komma habe der
 Dezimalausdruck $a$ die Ziffern $a_1, a_2, \ldots$ und  der
 Dezimalausdruck $b$   die Ziffern $b_1, b_2, \ldots$ und ohne
 Beschr"ankung der Allgemeinheit gelte $a_1>b_1$. Wir finden
 nach Annahme  ein $r\geq 1$ mit  $b_r\neq 9$.
 Bezeichne $\alpha,\beta\in\DR$ die durch unsere beiden Dezimalausdr"ucke
 dargestellten reellen Zahlen. Dann
 gilt offensichtlich
\begin{displaymath}\alpha\geq \frac{a_1}{10} > \frac{a_1}{10} - \frac{1}{10^r}\geq \beta\qedhere
\end{displaymath}
\end{proof}


\begin{proof}[Beweisskizze f"ur \ref{ER}.\ref{22h}]
 Wir gehen von der Bijektion zwischen einem beliebigen angeordneten K"orper $\DR$ mit der Supremumseigenschaft und der Menge aller \glqq Dezimalausdr"ucken ohne Neunerperiode\grqq\
  aus \ref{DzoN} aus. verwendet zusammen mit der in den "Ubungen \ref{ABC}, \ref{ABD} und \ref{ABc} gegebenen Beschreibung von Addition und Multiplikation
  von Dezimalausdr"ucken. Dieser Beweis
  ist zwar vom h"oheren Standpunkt aus nicht
  besonders
  geschickt oder nat"urlich, aber daf"ur vielleicht vom
  Schulstoff aus besser zug"anglich. Ein Zugang
  \glqq vom h"oheren Standpunkt\grqq\
  wird in "Ubung \ref{EnR} skizziert. Da"s jeder K"orperhomomorphismus
  zwischen zwei K"orpern $\DR, \DR'$ mit der Supremumseigenschaft die Anordnung erhalten mu"s,
  wird in \ref{QWE} klar werden, wo wir zeigen, da"s f"ur jeden angeordneten
  K"orper $\DR$ mit der  Supremumseigenschaft
  die nichtnegativen Elemente genau alle Quadrate sind, in Formeln
  $\DR_{\geq 0}=\{x^2\mid x\in\DR\}$. 
\end{proof}




\begin{Bemerkunge}
Es  ist durchaus m"oglich, die Menge $D$ aller
\glqq Dezimalausdr"ucke\grqq\ ohne jegliche Identifizierungen zu betrachten.
Wenn wir diese Menge $D$  mit der Struktur einer angeordneten Menge zu versehen, ist auch durchaus
die Supremumseigenschaft erf"ullt. 
Es ist jedoch nicht m"oglich, diese angeordnete
Menge  zu einem 
angeordneten K"orper zu machen. Der naive Ansatz scheitert 
daran, da"s nicht klar ist,
wie man mit den eventuell unendlich vielen "Ubertr"agen bei der Addition 
und Multiplikation umgehen soll. Da"s "uberhaupt jeder Ansatz zum Scheitern
verurteilt ist, erkennt man etwa daran, da"s es in $D$ Elemente gibt
 mit $d=\op{sup}_DX\RA d\in X$ f"ur Teilmengen $X\subset D$, wie etwa $d\pdef 1,0000\ldots$, und andere
Elemente wie etwa $d=0,99999\ldots$, f"ur die diese Implikation nicht gilt.
F"ur jeden angeordneten K"orper $K$ mu"s jedoch die Addition eines beliebigen
Elements $k\in K$ ein Ordnungsisomorphismus $(k+):K\sira K$ sein.  
\end{Bemerkunge}

\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Man zeige, da"s es f"ur je zwei nichtleere Teilmengen $M,N\subset \DR$ 
mit $x\leq y$ f"ur alle $x\in M$ und $y\in N$ stets ein $a\in \DR$ gibt
mit $x\leq a\leq y$ f"ur alle $x\in M$ und $y\in N$. Man zeige weiter, da"s
diese Bedingung an eine angeordnete Menge sogar gleichbedeutend 
ist zur Forderung, jede nichtleere Teilmenge mit einer unteren
Schranke m"oge auch eine gr"o"ste untere Schranke besitzen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{IQQ}
Bezeichne 
$\DR=\DR_{\op{D}}$ das Dedekind'sche Modell der reellen Zahlen. 
Man zeige, da"s
die durch die Struktur eines angeordneten K"orpers auf $\DR$
nach \ref{CAb} 
definierte Injektion $\DQ\hra \DR$ auch beschrieben werden kann durch
die Vorschrift $p\mapsto p_\DR\pdef\{q\in\DQ\mid q>p\}$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Summe nichtnegativer 
      Zahlen in Dezimaldarstellung}]
Seien $X$ und $Y$ nichtleere nach oben beschr"ankte Teilmengen von $\DR $.
Mit der Notation $X+Y\subset \DR $ f"ur\label{ABC} 
die Menge $\{x+y\mid x\in X,\; y\in Y\}$
 zeige man $\sup(X+Y)=\sup X + \sup Y$.
Damit ist klar, wie man zu zwei durch Dezimalausdr"ucke dargestellten nichtnegativen reellen
Zahlen einen Dezimalausdruck f"ur ihre Summe bestimmen kann: Man betrachtet die
Menge $S$ 
aller Summen endlicher Teilausdr"ucke und nimmt den
lexikographisch gr"o"sten Dezimalausdruck, dessen s"amtliche
Anfangsst"ucke mit Anfangsst"ucken von Dezimalausdr"ucken aus
unserer Menge $S$ "ubereinstimmen. Da der "Ubertrag beim Addieren jeweils
h"ochstens Eins sein kann, ist an jeder Stelle, an der nicht zwei Neuner
"ubereinanderstehen, schon klar, welche Ziffer in unserem  Dezimalausdruck
f"ur die Summe an der Stelle davor stehen mu"s.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Differenz nichtnegativer Zahlen in Dezimaldarstellung}]
  Man "uberlegt sich, da"s man sich mit \ref{ABC} darauf zur"uckziehen kann zu erkl"aren, wie man f"ur jede durch einen Dezimalausdruck\label{ABD} 
  $a$ mit einer Null vor dem Komma gegebene reelle Zahl $\alpha$ einen
  Dezimalausdruck f"ur $\beta\pdef 1-\alpha$  bestimmt. Sind aber
  $a_1,a_2,\ldots $ die Nachkommastellen  unseres Dezimalausdrucks $a$, 
  so sind die Ziffern $b_i$ gegeben durch $a_i+b_i=9$ 
  nach
  \ref{ABC} offensichtlich Nachkommastellen,
  die zusammen mit einer Null vor dem Komma
  einen Dezimalausdruck f"ur $\beta$ bilden.
\end{Ubung}

  \begin{Ubung}[\textbf{Produkt in Dezimaldarstellung}]
Seien $X$ und $Y$ nichtleere nach oben beschr"ankte Teilmengen von $\DR_{>0} $.
Mit der Notation $XY\subset \DR $ f"ur\label{ABc} 
die Menge $\{xy\mid x\in X,\; y\in Y\}$
zeige man $\sup(XY)=(\sup X)(\sup Y)$.
Damit ist "ahnlich wie in \ref{ABC} klar, wie man zu je zwei durch Dezimalausdr"ucke dargestellten reellen
Zahlen einen Dezimalausdruck f"ur ihr Produkt bestimmen kann.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}[F"ur h"ohere Semester]
  Man zeige die in \ref{ER}.\ref{22h} behauptete Eindeutigkeit der reellen
  Zahlen bis auf eindeutigen Isomorphismus. Hinweis: Die gesuchte Bijektion\label{EnR}  
$\varphi$ kann zum Beispiel konstruiert werden durch die Vorschrift
$\varphi(\al)=\inf\{q_{\DR '}\mid q\in\DQ, q_\DR >\al\}$.
Man zeige allgemeiner  auch, da"s jeder K"orperhomomorphismus $\DR\ra\DR$ die
Identit"at ist. Hinweis: Nach \ref{QWE} sind die nichtnegativen reellen
Zahlen genau die Quadrate, jeder K"orperhomomorphismus $\DR\ra\DR$ erh"alt
also die Anordnung. Andererseits aber mu"s er auf $\DQ$ die Identit"at sein.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}[F"ur h"ohere Semester]
  Gegeben ein archimedisch angeordneter K"orper $k$
  gibt es genau einen ordnungserhaltenden K"orperhomomorphismus
  $k\ra\DR$.
  Hinweis: "Ahnlich wie \ref{EnR}, das man umgekehrt aus
  diesem Resultat ableiten kann,
  sobald man wei"s, da"s es zu jeder positiven reellen Zahl eine
  Quadratwurzel gibt.
\end{Ubunge}

\subsection{Rationale und reelle Zahlen im Vergleich}
\label{ReRq} 
\begin{Definition}
Eine Menge hei"st \defind{abz"ahlbar}, wenn es eine
Bijektion unserer Menge mit einer Teilmenge der Menge $\DN$ aller
nat"urlichen Zahlen gibt. Gleichbedeutend k"onnen wir auch fordern, da"s unsere
Menge entweder leer ist oder es eine Surjektion von $\DN$ darauf gibt.
Eine Menge hei"st 
\defind{abz"ahlbar unendlich}, wenn sie abz"ahlbar 
aber nicht endlich ist. Eine Menge hei"st 
\defind{"uberabz"ahlbar}, wenn sie nicht abz"ahlbar ist.
\end{Definition}
\begin{Satz}
\begin{enumerate}
\item
Es gibt eine Bijektion $\DN \sira \DQ$, in Worten: Die Menge der rationalen
Zahlen ist {\bf\em abz"ahlbar unendlich};\index{abz"ahlbar unendlich}
\item
Es gibt keine Surjektion $\DN \sra \Bbb{R}$, in Worten: 
Die Menge der reellen Zahlen
ist {\bf\em "uberabz"ahlbar}\index{"uberabz"ahlbar}.
\end{enumerate}\label{QR}
\end{Satz} 
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildZZ}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
$\DN\times\DN$ ist abz"ahlbar und damit auch allgemeiner
das Produkt von je zwei und dann auch von endlich 
vielen abz"ahlbaren Mengen.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis]
1.
F"ur jede nat"urliche Zahl  
$N$ gibt es nur endlich viele Br"uche $p/q \in \DQ$ mit
$p,q \in \DZ$, $ q\neq 0$ und $|p| \leq N$, $|q| \leq N$.
Wir beginnen unser Abz"ahlen von $\DQ$ mit den Br"uchen f"ur
$N = 1$, dann nehmen wir die Br"uche hinzu mit $N=2$, und indem wir 
so weitermachen
z"ahlen wir ganz $\DQ$ ab.
\\[2mm]\noindent
2.
Hierzu verwenden wir das 
{\bf Cantor'sche Diagonalverfahren}.\index{Cantor'sches Diagonalverfahren}
Man beachte zu\-n"achst, da"s ein unendlicher Dezimalbruch,
in dem die Ziffern Null und Neun nicht vorkommen, nur dann dieselbe reelle Zahl
darstellt wie ein beliebiger 
anderer unendlicher Dezimalbruch, wenn die beiden in jeder
Stelle "ubereinstimmen.
Wir betrachten 
nun eine beliebige Abbildung $\DN_{\geq 1} \ra \Bbb{R}$, $i \mapsto r_{i}$,
und zeigen, da"s sie keine Surjektion sein kann. Wir schreiben dazu
jedes $r_{i}$ als unendlichen Dezimalbruch. Dann finden wir einen unendlichen
Dezimalbruch $r$, bei dem die Ziffern
Null und Neun nicht vorkommen und so, da"s $r$ f"ur an der $i$-ten Stelle
nach dem Komma verschieden ist von $r_{i}$.
Dies $r$ ist dann verschieden von allen $r_{i}$  und unsere Abbildung
$i\mapsto r_{i}$ kann keine Surjektion gewesen sein.
\end{proof}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildCaD}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Cantor'schen Diagonalverfahren. "Ahnlich zeigt man, da"s die 
Menge $\op{Ens}(\DN,E)$ aller Abbildungen von $\DN$ in eine Menge $E$ 
mit mindestens zwei Elementen   nicht
abz"ahlbar ist.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkung}
Man kann sich fragen, ob jede  Teilmenge der reellen Zahlen
entweder abz"ahlbar ist oder in Bijektion zu den reellen Zahlen selber.
Die schon auf Cantor zur"uckgehende Vermutung, das k"onnte gelten,  
ist bekannt als die  \defind{Kontinuumshypothese}. Sie  wurde 
1963 von Paul Cohen  in sehr merkw"urdiger
Weise gekl"art:  Er zeigte, da"s unsere Frage
in dem axiomatischen Rahmen, in
dem man die Mengenlehre "ublicherweise 
formalisiert, nicht entscheidbar ist.
Cohen wurde f"ur diese Leistung 
auf dem internationalen Mathematikerkongress
1966 mit der Fields-Medaille ausgezeichnet.
Die Kontinuumshypothese ist "ubrigends die erste Frage einer 
ber"uhmten Liste von 23
Fragestellungen, den sogenannten \defnoind{Hilbert'schen 
Problemen},\index{Hilbert'sche Probleme}\index{Hilbert'sche Probleme!Nummer 1}
die David Hilbert in seiner Ansprache 
auf dem internationalen Mathematikerkongress 1900 
in Paris vorstellte in seinem Bem"uhen, \glqq aus 
verschiedenen mathematischen Disziplinen einzelne 
bestimmte Probleme zu nennen,
von deren Behandlung eine F"orderung der Wissenschaft sich 
erwarten l"a"st\grqq.
\end{Bemerkung}




%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAN1"
%%% End: 
