

\section{Inzidenzgeometrie}


\subsection{Axiomatik der euklidischen Ebene}
\begin{Definition}
 Eine
 {\bf Inzidenzgeometrie}\index{Inzidenzgeometrie}\label{IzGG}
 ist ein Paar $(X,G)$  bestehend aus einer Menge $X$ mit einem
  System von Teilmengen
  $ G \subset \mathcal P (X)$ derart, da"s 
  jedes $g\in G$ mindestens zwei Elemente hat und da"s es f"ur je zwei Elemente $x,y\in X$ mit $x\neq y$ genau ein $g\in G$ gibt
  mit $x,y\in g$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Wir nennen die Elemente von $X$ die
  {\bf Punkte} unserer Inzidenzgeometrie und die Elemente von $G$
  ihre {\bf Geraden}.\index{Gerade!von Inzidenzgeometrie} Wir notieren
  $\overline{xy}$ die eindeutig bestimmte Gerade durch
  zwei verschiedene Punkte $x$ und $y$.
  In der damit frisch eingef"uhrten Terminologie ausgedr"uckt
  fordern wir in unserer Definition einer Inzidenzgeometrie 
  also,
  da"s auf jeder Gerade mindestens zwei Punkte liegen und da"s durch
  je zwei verschiedene Punkte genau eine Gerade geht.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ursprung der Terminologie}]
  Bei der Diskussion der \glqq Punkt-Geraden-Dualit"at projektiver
  Inzidenzebenen\grqq\ in \ref{PGD}, die Punkte zu Geraden macht und Geraden zu Punkten,  ist es geschickt und "ublich, statt
  ein Punkt \glqq liegt auf einer Geraden\grqq\
   zu sagen, der Punkt \glqq indiziere mit 
  der Geraden\grqq.
 Daher r"uhrt die Bezeichnung als \glqq Inzidenzgeometrie\grqq.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  Gegeben ein K"orper oder auch  ein \hyperref[DsKn]{Schiefk\"orper} $L$ wird $X\pdef L^n$ eine Inzidenzgeometrie,\label{BspIG} 
  wenn wir als Geraden alle Teilmengen der Gestalt
  $g=p+ L v$ auszeichnen f"ur $p, v\in L^n$ mit $v\neq 0$.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}\label{AffSKm}
Diejenigen unter Ihnen, die die Terminologie affiner R"aume
  bereits kennen, sehen unmittelbar:
  Jeder affine Raum $X$ "uber einem K"orper
  $L$ wird eine Inzidenzgeometrie,
  wenn wir als Geraden alle affinen Geraden auszeichnen. Das ist im wesentlichen auch nur das vorangegangene Beispiel, aber in koordinatenfreier Terminologie.
\end{Beispiel}


\begin{Bemerkungl}
 Eine Menge von Punkten einer  Inzidenzgeometrie,
  die auf einer gemeinsamen Geraden liegen, hei"st
{\bf kollinear}.\index{kollinear} 
 Eine Menge von Geraden einer Inzidenzgeometrie,
  die  einen Punkt gemeinsam haben, hei"st\label{Dreieck} 
  {\bf konfluent}.\index{konfluent}
 Eine Menge von drei nicht kollinearen Punkten hei"st
  ein {\bf Dreieck}.\index{Dreieck!in Inzidenzgeometrie} 
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}
Eine
{\bf Zwischenrelation}\index{Zwischenrelation} 
auf einer \hyperref[IzGG]{Inzidenzgeometrie} $(X,G)$ ist eine 
Teilmenge  $Z\subset X^3$, die
aus kollinearen Tripeln besteht und die die beiden 
im folgenden erkl"arten Eigenschaften  \glqq vertr"agliche Anordnungen\grqq\ und
 \glqq Axiom von Pasch\grqq\ hat.
\begin{description}
\item[Vertr"agliche Anordnungen:]
  Auf jeder Gerade $g\in G$ gibt es
eine Anordnung $\leq$ derart, da"s f"ur $x,y,z\in g$
gilt $(x,y,z)\in Z$ genau dann, wenn  $x\leq y\leq z$
oder $x\geq y\geq z$.
\end{description}
So eine Anordnung auf einer Gerade 
hei"st {\bf mit der Zwischenrelation vertr"aglich}. Wir
bilden weiter f"ur $p,q\in X$ die Menge $[p,q]\pdef\{x\in X\mid (p,x,q)\in Z\}$
und nennen sie die {\bf Strecke mit Endpunkten $p,q$}. Es gibt in
unserer Terminologie also auch Strecken, die nur aus einem einzigen Punkt
bestehen.
In dieser Begrifflichkeit fordern wir dann weiter:
\begin{description}
\item[Axiom von Pasch:]
  Gegeben Punkte $p,q,r\in X$ trifft jede Gerade $g\in G$ von den drei Strecken
  $[p,q]$, $[q,r]$ und $[r,p]$  entweder keine oder mindestens zwei.
\end{description}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Manche Quellen nennen eine Inzidenzgeometrie mit ausgezeichneter Zwischenrelation eine \glqq angeordnete Inzidenzgeometrie\grqq.\index{Inzidenzgeometrie!{\it angeordnete}}
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Zwischenrelation auf affiner Ebene zu angeordnetem K"orper}] 
  Es ist  leicht zu sehen,
da"s wir f"ur jeden angeordneten K"orper $L$ eine
Zwischenrelation auf $L^2$ erhalten durch die Vorschrift,
da"s $(x,y,z)\in Z$ gleichbedeutend ist zu $y=\lambda x+\mu z$
mit $0\leq\lambda,\mu\leq 1$ und $\lambda+\mu=1$.\label{ZAA} 
Weiter erhalten wir die Anordnung auf unserem K"orper $L$ zur"uck,
indem wir einen affinen Isomorphismus von $L$ mit irgendeiner Gerade von $L^2$
w"ahlen und diejenige mit der Zwischenrelation vertr"agliche Anordnung
auf besagter Gerade zur"uckziehen, f"ur die die zur"uckgezogene Anordnung die
Eigenschaft $0<1$ hat. 
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben eine \hyperref[IzGG]{Inzidenzgeometrie} $(X,G)$ 
  mit \hyperref[GCR]{Zwischenrelation} $Z$
 hei"se eine Teilmenge $A\subset X$ eine {\bf Halbgerade}, wenn es eine Gerade $g\in G$ gibt und einen Punkt $p\in g$ und
    eine \hyperref[GCR]{mit unserer Zwischenrelation vertr\"agliche Anordnung} $\leq$ auf $g$\label{NEAx} 
    mit $A=\{x\in g\mid x\leq p\}$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
    Gegeben eine Inzidenzgeometrie $X$ mit Zwischenrelation $Z$ verstehen
    wir unter einer {\bf Kongruenzgruppe
    von   $(X,Z)$} eine Gruppe $K$
    von Automorphismen von $(X,Z)$ derart, da"s je zwei \hyperref[NEAx]{Halbgeraden} von $X$
    durch genau zwei Automorphismen aus $K$ 
    ineinander "uberf"uhrt werden.
    In Formeln fordern wir also, da"s es f"ur je zwei Halbgeraden $A,B\subset X$ genau zwei Elemente $h,k\in K$ gibt mit $$h(A)=B=k(A)$$
    Die Automorphismen aus $K$ nennen wir in diesem Zusammenhang
    {\bf Kongruenzen}\index{Kongruenz}\label{IZK} und das
    Tripel $(X,Z,K)$ eine {\bf Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation und Kongruenzen}.  
  \end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Wir sagen, eine \hyperref[GCR]{Zwischenrelation} auf einer
  \hyperref[IzGG]{Inzidenzgeometrie} habe die
{\bf Supremumseigenschaft}, wenn f"ur jede Anordnung einer Gerade, die
  mit der Zwischenrelation vertr"aglich ist,  jede\label{supP} 
  nichtleere nach oben beschr"ankte Teilmenge ein Supremum besitzt.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
  Eine Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation und \hyperref[IZK]{Kongruenzen},
  in der es eine Gerade gibt und in der die Supremumseigenschaft
  erf"ullt ist, nennen
  wir eine {\bf fasteuklidische Geometrie}.\index{fasteuklidisch!Geometrie}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Wir sagen, eine fasteuklidische Geometrie erf"ulle das 
  {\bf Parallelenaxiom},\index{Parallelenaxiom} wenn es zu jeder Gerade $g$ und
  jedem Punkt $p\not\in g$ h"ochstens eine Gerade $h$ durch $p$ gibt
  mit $h\cap g=\emptyset$.\label{feP}  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
  In einer allgemeinen Inzidenzgeometrie nenne ich Geraden,
  die sich nicht schneiden, {\bf disjunkt}. In speziellen Situationen
  wie etwa unserer Inzidenzgeometrie
  $L^2$ und erst recht $\DR^2$ sind zwei Geraden
  genau dann disjunkt, wenn sie parallel sind im Sinne
  von \eref{paral}{LA1}. Daher r"uhrt oben die Bezeichnung als Parallelenaxiom.
  In  Inzidenzgeometrien mit Zwischenrelation erlaube ich mir dieselbe
  Terminologie und nenne zwei
  Geraden {\bf parallel},\index{parallel!in Inzidenzgeometrie}
  wenn sie disjunkt sind.
\end{Bemerkungl}


\begin{Beispiel}
  Der $\DR^2$ ist eine fasteuklidische Geometrie, wenn wir als
  Kongruenzen alle Abbildungen der Gestalt $v\mapsto Av +b$ nehmen
  mit $A\in {\op{O}}(2)$ und $b\in\DR^2$. Dieses Beispiel ist unser Standardmodell f"ur
  eine fasteuklidische Geometrie mit Parallelenaxiom.
\end{Beispiel}
  \begin{Satz}[\textbf{Charakterisierung der euklidischen Ebene}]
     Je zwei fasteuklidische Geometrien mit Parallelenaxiom
     sind zueinander isomorph und sind insbesondere isomorph zu
     unserem Standardmodell $\DR^2$.\label{CeEx} 
   \end{Satz} 
  \begin{Bemerkungl}
    Der Beweis f"ullt diesen Abschnitt und wird in \ref{CeE} zum
    Abschlu"s gebracht. Genauer zeigen wir, da"s unsere Inzidenzgeometrie
    der $\DR^2$ sein mu"s und st"utzen uns f"ur den Rest des Beweises
    auf S"atze, die wir
    bereits in der linearen Algebra bewiesen hatten. Die hier gegebene
    Axiomatik f"ur die euklidische Ebene ist eine Variante der Hilbert-Axiomatik. Sie ist recht "ahnlich
    zu einer Variante der Hilbert-Axiomatik aus einer
    unver"offentlichten Arbeit von Maximilian
    Gerhards und zu den Anmerkungen in \cite{Filler},
    Abschnitt 2.7.2, Bewegungsaxiome B1 bis B4. 
  \end{Bemerkungl}
  \begin{Beispiel}
  Gegeben ein echter
    Teilk"orper $L\subsetneq\DR$, in dem jedes positive Element eine Wurzel
    besitzt,  erf"ullt die Inzidenzgeometrie $L^2$ aus \ref{ZAA} 
    mit der offensichtlichen Zwischenrelation
    und als Kongruenzen allen affinen Automorphismen, deren Richtungsanteil das Standardskalarprodukt erh"alt, alle unsere Axiome mit Ausnahme der Supremumseigenschaft.
  \end{Beispiel}
\begin{Lemma}[\textbf{Geraden,  keine Ecke eines Dreiecks treffen}]
  Gegeben  ein Dreieck in einer Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation
  trifft jede Gerade, die durch
  keine Ecke unseres Dreiecks geht,  von unserem Dreieck
  entweder genau
  zwei Kanten oder gar keine Kante.\label{LeV} 
\end{Lemma}

\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildZRZ}\\[4mm]
 \noindent Illustration zu Lemma \ref{LeV}
\end{Bild}

\begin{proof}
  Sei $\{x,y,z\}$ unser Dreieck.
  Unsere Gerade $g$ treffe $[x,y]$ in $p$ und $[x,z]$ in $q$.
  Die Gerade $\overline{zp}$ trifft $[x,y]$ in $p$ und trifft $[x,q]$ nicht,
  folglich trifft sie $[y,q]$, und dieser Schnittpunkt kann
  offensichtlich nicht $q$ sein. Ebenso trifft die Gerade $\overline{yq}$ das Segment 
  $[z,p]$ , und dieser Schnittpunkt kann
  offensichtlich nicht $p$ sein. Damit treffen sich $[z,p]$ und $[y,q]$, sagen wir in $r$ mit $r\neq p$ und $r\neq q$.
  Tr"afe $g$ die dritte Kante $[y,z]$ unseres urspr"unglichen Dreiecks,
  so tr"afe $g$ auch $[r,y]$ oder $[r,z]$. Das steht aber im Widerspruch zu
  $q\not\in [r,y]$ und $p\not\in [r,z]$.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Halbebenen in Inzidenzgeometrien mit Zwischenrelation}]
  In einer Inzidenzgeometrie $X$ mit Zwischenrelation erhalten wir auf
  dem Komplement jeder Gerade $g$ eine "Aquivalenzrelation durch
  die Vorschrift $(x\sim y)\IFF [x,y]\subset X\backslash g$.
  Deren "Aquivalenzklassen nennen wir die {\bf Halbebenenalkoven} $g$.\index{Halbebenenalkove!bei Inzidenzgeometrie} 
  Nach Lemma \ref{LeV} "uber Geraden, die keine Ecke eines Dreiecks treffen, gibt es zu jeder Gerade h"ochstens zwei Halbebenenalkoven.\label{haeb}   Die Vereinigung eines Halbebenenalkoven
  zu einer Gerade $g$ mit der Gerade selbst nennen wir eine {\bf Halbebene} zu $g$.\index{Halbebene!bei Inzidenzgeometrie} \nichtfinal{Randgerade einf"uhren?} 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Konvexit"at in Inzidenzgeometrien mit Zwischenrelation}]
  In einer Inzidenzgeometrie $X$ mit Zwischenrelation
  nennen wir eine Teilmenge $T\subset X$ {\bf konvex},\index{konvex!in Inzidenzgeometrie}
  wenn gilt $x,y\in T\RA [x,y]\subset T$.
  Offensichtlich ist jeder Schnitt von konvexen Teilmengen konvex.
  Gegeben eine Gerade $g\subset X$ sind die Halbebenenalkoven
  zu $g$ genau die\label{KiI} 
  maximalen konvexen Teilmengen von $X\backslash g$.
\end{Bemerkungl}

 





  \begin{Lemma}[\textbf{Unendlichkeit von Halbgeraden}]
    Gegeben eine Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation und
    Kongruenzen hat jede Halbgerade unendlich viele Punkte und 
    jede Kongruenz, die eine Halbgerade bijektiv  auf sich selber abbildet, h"alt besagte
    Halbgerade sogar punktweise fest.\label{spHG} 
  \end{Lemma}
  \begin{Bemerkungl}
    Insbesondere gibt es zu jeder Halbgerade $A$ genau eine nichttriviale Kongruenz $s_A$, die sie festh"alt und damit auch punktweise festh"alt.
    Wir nennen sie die {\bf Spiegelung von $A$}.
    Damit gibt es auch zu jeder Gerade $g$ genau eine nichttriviale Kongruenz $s_g$, die sie punktweise festh"alt, n"amlich $s_A=s_g$ f"ur jede Halbgerade $A\subset g$. Wir nennen sie die {\bf Spiegelung an $g$}. Diejenigen
    Kongruenzen $k$, f"ur die es eine Gerade $g$ gibt mit $k=s_g$, hei"sen
    {\bf Spiegelungen}.  
  \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Existenz eines Dreiecks}] 
  Da Spiegelungen nach Annahme nie die Identit"at sind,
    impliziert in einer Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation und
    Kongruenzen die Existenz einer Gerade bereits die
    Existenz eines Tripels nicht kollinearer Punkte alias 
    eines Dreiecks. Ebenso sehen wir, da"s es zu jeder Gerade genau
    zwei Halbebenen geben mu"s.\label{zHe} 
  \end{Bemerkungl}
  \begin{proof}
     Nach unserer Definition einer Inzidenzgeometrie
  hat jede Gerade mindestens zwei Punkte.
 Gibt es eine Gerade, so gibt es folglich auch eine Halbgerade mit mindestens zwei Punkten. Also hat jede Halbgerade mindestens
  zwei Punkte. Es folgt, da"s eine und damit jede Halbgerade eine weitere Halbgerade
  als echte Teilmenge enth"alt. Daraus folgt weiter, da"s jede Halbgerade unendlich viele
  Punkte haben mu"s und da"s davon nur einer nicht zwischen zwei anderen liegt. 
 Seien nun $g$ eine Gerade und $\leq$   eine
 mit der Zwischenrelation vertr"agliche Anordnung auf $g$.
Seien weiter $x\in g$ ein Punkt
  und $A\pdef\{z\in g\mid z\geq x\}$ eine der beiden  zugeh"origen 
  Halbgeraden. Sei schlie"slich $k\in K\backslash {\op{id}}$ die
  nichttriviale Kongruenz
  mit $k(A)=A$. Nat"urlich gilt $k(x)=x$ und $k^2={\op{id}}$ und $k$ ist streng
  monoton wachsend auf $g$. G"abe es einen Punkt $z\in A$ mit $k(z)\neq z$, so k"onnten wir $k(z)>z$
  annehmen 
  und es folgte $k(k(z))>k(z)>z$ im Widerspruch zu $k^2={\op{id}}$.
  Folglich gilt $k(z)=z\;\forall z\in A$.
  \end{proof}
\begin{Bemerkungl}
    Gegeben eine Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation und Kongruenzen
    gibt es insbesondere auf jeder Halbgerade nur genau einen Punkt, der
    nicht zwischen zwei anderen Punkten unserer Halbgerade liegt. Er hei"se der  {\bf Endpunkt} unserer Halbgerade. 
  \end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}[\textbf{Unendlichkeit von Geradensegmenten}]
     Gegeben eine Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation und Kongruenzen liegt auf der Strecke $[p,q]$ zwischen je zwei verschiedenen Punkten $p\neq q$ stets  ein weiterer
    Punkt, der von beiden verschieden ist.\label{zwre} 
 \end{Lemma}

 \begin{proof}
   Aus der Existenz eines Dreiecks \ref{zHe} folgt,
   da"s es eine Halbgerade $A$ mit Endpunkt $p$
   gibt, die nicht kollinear ist mit der Halbgerade $B$ mit Endpunkt $p$,
   auf der $q$ liegt. Auf $A$ finden wir von $p$ verschiedene und untereinander
   verschiedene Punkte $x\neq y$  mit $(x,y,p)$ in unserer Zwischenrelation.
   Auf der Gerade
   $\overline{xq}$ finden wir einen Punkt $r$, der nicht zur Kante
   $[x,q]$ des Dreiecks $\{p,q,x\}$ geh"ort. Die Gerade
   $\overline{ry}$ mu"s dann $[p,q]$ treffen, kann aber weder $p$ noch $q$
   enthalten.
 \end{proof}
  \begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSvH}\\[4mm]
 \noindent Illustration zu Lemma \ref{SvH}
\end{Bild}
 \begin{Lemma}[\textbf{Spiegelungen vertauschen Halbebenen}] 
    In einer Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation und
    Kongruenzen\label{SvH} 
    werden von der Spiegelung $s_g$ an einer Gerade $g$
    die beiden nach \ref{zHe} zugeh"origen Halbebenen 
    vertauscht.
 \end{Lemma}
 \begin{proof}
    Wir argumentieren durch Widerspruch.
    Wir finden sicher
    $x\in X\backslash g$
    mit $y\pdef s_g(x)\neq x$. Werden die beiden Halbebenen nicht
    vertauscht, so kann die Gerade $h\pdef \overline{xy}$ unsere Gerade $g$
    nicht treffen, da mit einem eventuellen Schnittpunkt $z$
    nur genau eine 
    der     Zwischenrelationen $(z,x,y)$ und $(z,y,x)$
    gelten k"onnte im Widerspruch dazu, da"s $s_g$
    unsere Zwischenrelation erh"alt.
    Das Komplement unserer beiden Geraden  zerf"allt also in
    die disjunkte Vereinigung 
    $$X\backslash(g\cup h)= H_g\sqcup S\sqcup H_h$$
    eines Halbebenenalkoven zu $g$, des Streifens zwischen unseren beiden Geraden
    alias dem Schnitt des anderen Halbebenenalkoven zu $g$ mit einem Halbebenenalkoven zu $h$
    sowie dem anderen Halbebenenalkoven zu $h$.
    Gegeben  $p\in g$ k"onnen wir sicher
    $q\in g\backslash p$ so w"ahlen, da"s $x$ und
    $q$ auf verschiedenen Seiten von
    $\overline{py}$ liegen. Dann trifft $[q,x]$ die Gerade $\overline{py}$
    notwendig in einem Punkt $z$
    des Streifens $S$, da dieser Schnittpunkt ja weder
    $q$ noch $x$ sein kann. Es folgt $z\in [p,y]$.
    Nun ist $s_g(z)$ notwendig im Schnitt von
    $[p,x]$ mit $[q,y]$. Dieser Schnitt ist aber leer,
    da $[q,y]\backslash y$ und $[p,x]\backslash p$
    in verschiedenen Halbebenenalkoven 
    zu $\overline{py}$ liegen. Widerspruch!
  \end{proof}

 \begin{Bemerkungl}
    In einer Inzidenzgeometrie $X$ mit Zwischenrelation und
    Kongruenzen sagen wir, die
    {\bf Gerade $h$ stehe senkrecht
      auf der Geraden $g$} und schreiben in Formeln
    $h\perp g$,\index{senkrecht!Geraden}
    wenn gilt $h\neq g$ und 
    $s_g(h)=h$. Weil Spiegelungen nach \ref{SvH} Halbebenen vertauschen,
    m"ussen sich unsere Geraden dann schneiden.
 \end{Bemerkungl}
 \begin{Bemerkungl} 
   In einer Inzidenzgeometrie $X$ mit Zwischenrelation und Kongruenzen
   seien  zwei verschiedene sich schneidende Geraden $g\neq h, g\cap h\neq\emptyset$ gegeben.
   Wir betrachten die
   gr"obste Partition von $X$, die die beiden Partitionen in die jeweilige
   Gerade und ihre beiden Halbebenenalkoven verfeinert. Sie hat neun St"ucke:
   Den Schnittpunkt, die vier davon ausgehenden Halbgeraden l"angs $g$ und $h$
   vermindert um ihren Endpunkt, die wir {\bf Halbgeradenfacetten} nennen, sowie vier weitere St"ucke, die wir
   {\bf Winkelalkoven}\index{Winkelalkoven} nennen. 
   Da"s diese St"ucke auch in der Tat alle nicht leer sind, wie wir es von einer Partition stets fordern, folgt aus der Unendlichkeit von Halbgeraden \ref{spHG} und Geradensegmenten \ref{zwre}. Alle diese
   St"ucke sind konvex. Wir nennen zwei St"ucke {\bf benachbart}, wenn ihre
   Vereinigung auch konvex ist.\label{WiSe}  
Der kombinatorische Graph im Sinne von \eref{komG}{LA2}
 mit den St"ucken unserer Partition als Ecken und jeweils einer
 Kante zwischen zwei benachbarten St"ucken
 hat die Gestalt eines \glqq Rades mit $8$ Speichen\grqq,
 die das einelementige St"uck abwechselnd verbinden mit einer
 Halbgeradenfacette und einem Winkelalkoven.
 \end{Bemerkungl}

 
 \begin{Lemma}[\textbf{Eigenschaften des Senkrechtstehens}] 
Gegeben eine Inzidenzgeometrie  $X$ mit Zwischenrelation und
    Kongruenzen gilt:\label{EigSS} 
    \begin{enumerate}
    \item
      Zu jeder Gerade $g\subset X$ und jedem
      Punkt $x\in X$ gibt es genau eine Gerade $h$ durch $x$
      mit $h\perp g$, das \emph{\bf Lot durch $x$ auf $g$};\index{Lot} 
    \item
      Gegeben Geraden $g\neq h$ in $X$ gilt $h\perp g$ genau dann,
      wenn die zugeh"origen Spiegelungen kommutieren,
      in Formeln $s_hs_g=s_gs_h$; 
  \item
     Gegeben Geraden $g,h$ in $X$ gilt  $(h\perp g)\IFF(g\perp h)$;
  \item
    Stehen Geraden  $h_1$ und $h_2$ senkrecht auf einer Geraden $g$ in verschiedenen Punkten $x_1\neq x_2$ von $g$, so gilt $h_1\cap h_2=\emptyset$.
    \end{enumerate}
 \end{Lemma}

 \begin{proof}
   F"ur $x\not\in g$ ist offensichtlich die Gerade durch $x$ und $s_g(x)$
   die einzige zu $g$ senkrechte Gerade durch $x$. Mit Kongruenzen folgt,
   da"s es auch durch jeden Punkt $x\in g$ mindestens eine zu $g$ senkrechte
   Gerade $h$ gibt. Jede weitere 
   Gerade durch $x$ mu"s durch zwei
   im kombinatorischen Graphen aus \ref{WiSe} gegen"uberliegende
   Winkelalkoven zu $g,h$ gehen
   und kann folglich nicht unter $s_g$ stabil sein.
   Das zeigt die erste Aussage. 
    Es folgt weiter $s_g s_h s_g=s_h$, da beide Kongruenzen die Halbebenen
    von $h$ vertauschen und die Halbgeraden
    auf $h$ mit Endpunkt $x$ stabilisieren.
    Umgekehrt folgt aus $s_g s_h s_g=s_h$ aber auch, da"s
    $s_g$ die Menge der Fixpunkte von $s_h$ stabilisiert, also $s_g(h)=h$, 
    und somit die zweite Aussage. Die dritte Aussage
    folgt unmittelbar aus der zweiten Aussage. Die letzte Aussage folgt,
    da f"ur
    jeden Schnittpunkt auch sein Bild unter der Spiegelung $s_g$ an $g$ ein
    Schnittpunkt sein m"u"ste.
 \end{proof}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Existenz von Parallelen und Paralellogramme}]
   Insbesondere gibt es in
   jeder Inzidenzgeometrie  $X$ mit Zwischenrelation und
   Kongruenzen zu jeder Gerade $g$ durch jeden Punkt $x$ au"serhalb dieser
   Gerade stets mindestens eine Parallele: Wir f"allen 
   mit \ref{EigSS} das Lot $h$ von unserem Punkt $x$ auf unsere Gerade $g$ und
   errichten dann wieder mit \ref{EigSS}
   auf diesem Lot die Senkrechte $g'$ durch
   besagten Punkt $x$. Die so erhaltene Gerade $g'$ ist nach \ref{EigSS} parallel
   zu unserer urspr"unglichen Gerade.
   Das Parallelenaxiom fordert,
   da"s es in dieser Situation auch nicht mehr als eine Parallele gibt.
   Nehmen wir zus"atzlich auch noch das Parallelenaxiom an,
   so ist unsere eben konstruierte Parallele
   sogar die einzige Parallele zu $g$ durch $x$. Das bedeutet, da"s wenn wir
   zwei parallele Geraden gegeben haben und von einem beliebigen 
   Punkt der einen das Lot auf die andere f"allen, da"s dieses Lot dann
   auf unseren beiden parallelen Geraden
   senkrecht stehen mu"s.\label{ppP} 
 \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verschiebungen l"angs Geraden}]
    Sei $(X,K)$ eine Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation und
    Kongruenzen.  Gegeben eine Gerade $g$ untersuchen wir 
    die Gruppe $K_{|g}\subset K$ aller Kongruenzen, die sowohl $g$ als auch die
    beiden Halbebenen zu $g$ nach \ref{zHe} stabilisieren. Wir nennen sie
    {\bf halbebenenerhaltend}. 
  Diejenigen halbebenenerhaltenden Kongruenzen $v$, die beide mit der Zwischenrelation  vertr"aglichen Anordnungen auf $g$ erhalten, in Formeln $x\leq y\RA v(x)\leq v(y)$, bilden eine Untergruppe\label{vTra} $$\vec g\subset K_{|g}$$
  vom Index Zwei.
  Offensichtlich operiert $\vec g$ frei und transitiv auf $g$.
  Wir nennen die Elemente dieser Gruppe {\bf Verschiebungen l"angs $g$}.\index{Verschiebung}
\end{Bemerkungl}




\begin{Lemma}[\textbf{Richtung einer Verschiebung}]
 Seien $X$ eine fasteuklidische Geometrie
  und $g\subset X$ eine Gerade und $\leq$ eine mit\label{ReV} 
  der Zwischenrelation vertr"agliche Anordnung auf $g$.  Gegeben eine nichttriviale Verschiebung $v\neq \op{id}$ l"angs $g$ gilt dann entweder $v(x)>x \;\forall x\in g$
  oder $v(x)<x  \;\forall x\in g$. 
\end{Lemma}
\begin{proof}
In der Tat seien
  sonst $p,q\in g$ gegeben mit  $v(p)>p$ und $v(q)<q$.
  Indem wir andernfalls $v$ durch $v^{-1}$ ersetzen, d"urfen wir $p<q$ annehmen
  und finden also $p<v(p)<v(q)<q$. Induktiv sehen wir, da"s die $v^n(p)$
  streng monoton wachsen und die $v^n(q)$
  streng monoton fallen, wobei aber stets gilt $v^n(p)<v^n(q)$. Dann besitzen
  die $v^n(p)$ aber nach der Supremumseigenschaft eine kleinste obere Schranke
  $z\pdef \op{sup}\{v^n(p)\mid n\in\DN\}$ und $z$ ist ein Fixpunkt von $v$ im Widerspruch
  dazu, da"s wir $v$ nichttrivial angenommen hatten.
\end{proof}
 


\begin{Lemma}[\textbf{Halbebenenerhaltende Nichtverschiebungen}]
Gegeben eine fast\-eu\-kli\-di\-sche Geometrie $X$
und eine Gerade $g\subset X$ sind alle\label{nlg} 
Nichtverschiebungen aus $K_{|g}$ ihre eigenen Inversen.
\end{Lemma}
\begin{proof}
  Gegeben $k\in K_{|g}\backslash \vec g$ gilt es, $k^2=\op{id}$ zu zeigen.
  Klar ist, da"s $k$ jede vertr"agliche Anordnung auf $g$ umkehrt und
  da"s $k^2$ jede vertr"agliche Anordnung auf $g$ erh"alt, in Formeln
  $k^2\in\vec g$. 
  Es reicht damit zu zeigen, da"s $k^2$ als die
  Identit"at auf $g$ operiert.
  Sonst g"abe es aber $x\in g$ mit $k^2(x)\neq x$. Sei $\leq$ diejenige mit der
  Zwischenrelation vertr"agliche Anordnung auf $g$ mit $x<k(x)$.
   Dann folgt $k(x)>k^2(x)$ und indem wir notfalls zu
  $k^{-1}$ "ubergehen, d"urfen wir zus"atzlich $k^2(x)<x$ annehmen.
  Dann folgt $k^3(x)>k(x)$
  und insgesamt 
  $$k^2(x)<x<k(x)<k^3(x)$$
  Das Anwenden der Verschiebung $k^2$ verkleinert also $x$ und vergr"o"sert $k(x)$ und
  dieser Widerspruch zu \ref{ReV} beendet den Beweis.
%  Ist nun $v\in\vec g$ die Verschiebung l"angs $g$ mit $v:k^2(x)\mapsto x$, so
%  ist  $v$ nach \ref{ReV} vergr"o"sernd und es folgt  $k(x)<vk(x) 
%  <vk^3(x)$. 
%  Andererseits gilt aber nach Konstruktion  $vk^2=\op{id}$ und
%  dieser Widerspruch beendet den Beweis.
\end{proof}

\begin{Lemma}[\textbf{Vertauschen von Punkten durch Spiegelungen}] 
  Sei $X$ eine fasteuklidische Geometrie.
  Gegeben zwei verschiedene Punkte $x\neq y$  gibt es stets genau
  eine Spiegelung $s\in K$, die $x$ und $y$ vertauscht, und diese
  stabilisiert beide Halbebenen zu $\overline{xy}$.\label{vPS} 
\end{Lemma}
\begin{proof}
  Wir setzen $g\pdef \overline{xy}$.
  Es gibt in $K_{|g}$ genau eine  Nichtverschiebung $s$ mit $s:x\mapsto y$,
  n"amlich eine der beiden Kongruenzen, die die Halbgerade durch $y$ mit Endpunkt $x$ auf die Halbgerade durch $x$ mit Endpunkt $y$ abbildet. Es reicht zu zeigen, da"s $s$ eine Spiegelung ist.
  Nach \ref{nlg} gilt schon mal
  $s^2=\op{id}$ und insbesondere $s:y\mapsto x$. 
Sei $z$ ein Punkt au"serhalb von $g$. 
 Bezeichne $T\pdef \Delta(x,y,z)\subset X$ die
   Dreiecksfl"ache zu unserem Dreieck, einen Schnitt von drei  Halbebenen und gleichbedeutend die konvexe H"ulle von $\{x,y,z\}$.
   Aus dieser Teilmenge k"onnen wir die Ecken unseres Dreiecks
   zur"uckgewinnen als die
   eindeutig bestimmten Punkte, bei deren Entfernung unsere Teilmenge
   jeweils konvex bleibt. Wegen $s^2=\op{id}$ gilt entweder $s(T)=T$ und damit
   $s(z)=z$ oder  $s(T)\not\subset T$ und damit $s(z)\not\in T$.
   Dann mu"s aber $s(z)$ entweder auf der falschen Seite von $\overline{xz}$
   liegen und $\overline{ys(z)}$ trifft $\overline{xz}$, oder
   $s(z)$ mu"s auf der falschen Seite von $\overline{yz}$
   liegen und $\overline{xs(z)}$ trifft $\overline{yz}$.
   In beiden F"allen ist so ein Schnittpunkt $w$
   ein Fixpunkt unserer Kongruenz $s$ au"serhalb von $g$.
   Nach \ref{EigSS} gibt es eine Gerade $h$ durch $w$ mit
   $h\perp g$ und dann gilt offensichtlich $s(h)=h$. Weiter
   h"alt $s$ eine Halbgerade $A$ von $h$ mit dem Schnittpunkt
   von $g$ und $h$ als Endpunkt fest, in Formeln $s(A)=A$, und es folgt $s=s_h$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{vhgm} 
  Gegeben  eine
   Gerade $g$ in  einer fasteuklidischen Geometrie $(X,K)$ und dazu eine ausgezeichnete Halbebene $H$
  liefert das Bilden des Endpunkts  eine Bijektion
  zwischen $g$ und der Menge $g_H^\perp$ aller Halbgeraden mit Endpunkt in $g$, die
  auf $g$ senkrecht stehen und in $H$ enthalten sind.
  Zu je zwei Halbgeraden $A,B\in g_H^\perp $ 
  sind die beiden Kongruenzen $k\in K$ mit $k(A)=B$ nach \ref{vPS} mithin
  (1) eine Verschiebung aus $\vec g$ und (2) eine Spiegelung 
  aus $K_{|g}$, die ihrerseits die Gestalt $k=s_C$ hat f"ur genau
  ein $C\in g_H^\perp $.
\end{Bemerkungl}
  

\begin{Lemma}[\textbf{Gruppe halbebenenerhaltender Kongruenzen}]
  Seien eine fasteuklidische Geometrie $(X,K)$ und
  eine Gerade $g\subset X$
  gegeben.\label{SGH} So gilt:
\begin{enumerate}
\item
  Alle Nichtverschiebungen aus $K_{|g}$ sind Spiegelungen und
  diese Spiegelungen erzeugen $K_{|g}$; 
\item
  Jede Verschiebung aus $\vec g$ ist das Quadrat einer weiteren
  Verschiebung aus $\vec g$ und konjugieren wir eine Verschiebung mit
  einer Spiegelung aus $K_{|g}$, so erhalten wir die inverse Verschiebung;
\item
  Die Gruppe der Verschiebungen l"angs einer
  Gerade ist kommutativ.
\end{enumerate}
\end{Lemma}
\begin{proof}
1.  Nach \ref{vhgm} werden je zwei  Halbgeraden $A,B\in g_H^\perp $
  von einer
  Spiegelung $s\in K_{|g}$ vertauscht. 
  Die zweite Kongruenz, die $A$ in $B$ "uberf"uhrt,
  ist $ss_A=s_Bs$ und ist offensichtlich eine Verschiebung. Nach \ref{vhgm}
  haben wir damit alle Elemente von $K_{|g}$ untersucht. 
\\[2mm]\noindent
2.
Sei $v\in \vec g$ eine Verschiebung 
und sei $A\in g_H^\perp $ beliebig.
Sei $s$ die Spiegelung, die $A$ und $v(A)$ vertauscht, und sei  $B\in g_H^\perp $
bestimmt durch $s=s_B$. F"ur die Verschiebung $\varphi\in \vec g$ mit
$\varphi(A)=B$ behaupten wir dann $\varphi^2=v$.
Um das zu sehen betrachten wir die
Spiegelung $\sigma$, die $A$ und $B$ vertauscht. Nat"urlich ist
dann $\tau\pdef s_B\sigma s_B$ die Spiegelung, die $v(A)$ und $B$
vertauscht. Aus $\varphi=s_B\sigma$ folgt so $\varphi=\tau s_B$ und
$\varphi^2(A)=v(A)$. Das zeigt $\varphi^2=v$.
Aus $\varphi=\sigma s_A$ folgt weiter
$s_A\varphi s_A=s_A\sigma=\sigma s_B=\varphi^{-1}$ und damit auch $s_A v s_A=v^{-1}$. 
 \\[2mm]\noindent
 3. Die Konjugation mit einer beliebigen Spiegelung aus $K_{|g}$ 
 ist ein Automorphismus von $\vec g$ und bildet jedes Element auf sein
 Inverses ab. Das zeigt, da"s $\vec g$ kommutativ sein mu"s. 
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Wir nennen zwei Halbebenen in einer fasteuklidischen Geometrie
  {\bf zwischen"aquivalent},\index{zwischen"aquivalent} wenn die eine
  in der anderen enthalten ist oder umgekehrt.
  Der Leser mag zur "Ubung zeigen,
  da"s das in der Tat eine "Aquivalenzrelation ist.
\end{Bemerkungl}


  \begin{Proposition}[\textbf{Verschiebungsgruppe bei Parallelenaxiom}]
    Sei $(X,K)$ eine fasteuklidische Geometrie mit Parallelenaxiom. So gilt:
    \begin{enumerate}
    \item
      Die Verschiebungen l"angs paralleler Geraden sind dieselben,
      in Formeln $g\|h\RA \vec g=\vec h$;
    \item
      Alle Verschiebungen l"angs irgendwelcher Geraden bilden eine
      kommutative Untergruppe $\vec X\subset K$,
      die frei und transitiv auf der Menge $X$ der
     Punkte unserer Geometrie operiert.
    \end{enumerate}
  \end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
 Wir notieren 
  die Gruppe $\vec X$ der Verschiebungen einer fasteuklidischen Geometrie $X$ mit
     Parallelenaxiom  additiv. Wir
     setzen weiter  $v+x\pdef v(x)$
     f"ur $v\in\vec X$ und $x\in X$.  
\end{Bemerkungl}
   \begin{proof} Nach \ref{SGH} 
     besteht $\vec g$ genau aus allen Kongruenzen,
     die wir als Verkn"upfung von zwei Spiegelungen an zu $g$ senkrechten
     Geraden schreiben k"onnen. Unter der Annahme des Parallelenaxioms
     sind nach \ref{ppP} die zu $g$ senkrechten Geraden dieselben wie die
     zu $h$ senkrechten Geraden. Das zeigt Teil 1. 
     In einer fasteuklidischen Geometrie mit Parallelenaxiom
     kann man die Verschiebungen
     beschreiben als die Gesamtheit aller Kongruenzen,
     die jede  Halbebene in eine dazu
     zwischen"aquivalente Halbebene "uberf"uhren. Es dann klar,
     da"s es f"ur jedes Paar von Punkten nur genau eine Verschiebung gibt, die
     den einen in den anderen "uberf"uhrt. Daraus hinwiederum
     folgt die Kommutativit"at mit
     unseren Erkenntnissen \ref{ppP} zu Parallelogrammen beziehungsweise
     der Kommutativit"at der Gruppe der Verschiebungen l"angs einer Geraden.
   \end{proof}
\begin{Lemma}[\textbf{Angeordnete Gruppen als Untergruppen der reellen Zahlen}]
Sei $A$ eine angeordnete  Gruppe,
  in der keine nichttriviale zyklische Untergruppe
  eine obere Schranke hat und in der jedes Element das Quadrat
  eines weiteren Elements ist. So gibt es f"ur jedes 
  $a\in A$ oberhalb des neutralen Elements genau einen ordnungserhaltenden Gruppenhomomorphismus  $A\ra (\DR,+)$ mit $a\mapsto 1$, und dieser Gruppenhomomorphismus ist injektiv.\label{SvHe}  
 \end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Die Bedingung, da"s jedes Element das Quadrat eines anderen sein soll,
  ist nach einem Satz von H"older hier "uberfl"ussig. Allerdings wird
  der Beweis dann schwieriger.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
  Wir setzen $A$ nicht als abelsch voraus, notieren es aber dennoch additiv,
 um das Kleingedruckte klein zu halten.
  Gegeben $x\in A$ und $b\in A_{> 0}$ positiv erkl"aren wir 
  $\lfloor x:b\rfloor\in\DZ$ als die gr"o"ste ganze Zahl $n\in \DZ$ mit
  $x\geq nb$. Sicher gilt $\lfloor x+y:b\rfloor\in \lfloor x:b\rfloor+ \lfloor y:b\rfloor +\{0,1\}$ sowie $\lfloor x:b\rfloor\in 2\lfloor x:2b\rfloor +\{0,1\}$.
F"ur unser ausgezeichnetes
 Element $a=a_0\in A_{>0}$ finden wir nach Annahme genau eine
Folge
  $(a_n)$ in $A$ mit $2a_n=a_{n-1}$ f"ur $n\geq 1$.
     Jetzt erkl"aren wir eine Abbildung  $\varphi:A\ra \DR$ durch
     $$\varphi(x)=[x:a]\pdef \lim_{n\ra\infty}\frac{\lfloor x:a_n\rfloor}{2^n}$$
     Der Grenzwert existiert, da der Abstand vom $n$-ten zum vorhergehenden Folgenglied entweder Null oder $1/2^n$ ist. Die Abbildung ist nach dem Vorhergehenden offensichtlich ein mit den jeweiligen Anordnungen
     vertr"aglicher Gruppenhomomorphismus und offensichtlich der Einzige, der
     das Element $a\in A_{>0}$
     auf $1\in \DR$ wirft. W"are ihr Kern nicht trivial,
     so m"u"ste er ein nichttriviales Element $x>0$ enthalten, und dann
     g"abe es ein $n$ mit $2^nx\geq a$ und a forteriori $x\geq a_n$ und $\varphi(x)\geq 1/2^n$ im Widerspruch zu $\varphi(x)=0$.
Also ist $\varphi$ ein injektiver ordnungserhaltender Gruppenhomomorphismus.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Vektorraumstruktur der Verschiebungsgruppe l"angs einer Gerade}]
  Gegeben eine Gerade $g$ in einer fasteuklidischen Geometrie
  induziert jede mit der Zwischenordnung vertr"agliche Anordnung
  unserer Gerade eine Anordnung auf der Gruppe $\vec g$ der Verschiebungen
  l"angs unserer Gerade.
  Eine zyklische Untergruppe $H\subset \vec g$
  mit oberer Schranke m"u"ste eine kleinste
  obere Schranke $s$ haben und f"ur jedes $h\in H$ w"are dann auch
  $s+h$ eine kleinste obere Schranke, also $s+h=s$ und $h=\op{id}$.  Das vorhergehende Lemma \ref{SvHe} zeigt somit,
  da"s unsere  Gruppe $\vec g$  als angeordnete Gruppe isomorph ist zu $\DR$\label{Bemr} und  da"s es auf $\vec g$ genau eine
  Struktur als $\DR$-Vektorraum gibt, f"ur die alle diese Isomorphismen
  lineare Abbildungen sind. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Proposition}[\textbf{Vektorraumstruktur der Verschiebungsgruppe}]
  Gegeben eine fasteuklidische Geometrie $X$ mit Parallelenaxiom
 besitzt die Gruppe der Verschiebungen $\vec X$ genau
     eine Struktur als reeller Vektorraum derart, da"s f"ur jede Gerade
     $g$ die Einbettung der
     Untergruppe $\vec g\subset \vec X$   linear
     ist in Bezug auf die in \ref{Bemr} auf $\vec g$ erkl"arte  Struktur als reeller Vektorraum.\label{VVR} In Bezug auf diese Struktur gilt $\op{dim}_\DR\vec X=2$. 
\end{Proposition}
 \begin{proof} Um die behauptete Vektorraumstruktur auf $\vec X$ zu erhalten, m"ussen wir nur noch f"ur je
     zwei Verschiebungen $v,w\in \vec X$ und $\lambda\in \DR$ zeigen
     $$\lambda (v + w)=\lambda v + \lambda w$$
     Das ist klar f"ur $\lambda\in\DZ$. Da jede Verschiebung genau eine Wurzel
     alias H"alfte hat, folgt es f"ur 
     jeden Bruch $\lambda\in\DZ[2^{-1}]$ mit einer Zweierpotenz im Nenner.
     Um es im allgemeinen zu zeigen, d"urfen wir ohne Beschr"ankung der
     Allgemeinheit annehmen, da"s $v$ und $w$ nicht zu derselben
     Untergruppe $\vec g$ geh"oren. Dann erhalten wir f"ur jeden Punkt
     $p\in X$ eine Bijektion
     $\DR^2\sira X$
     durch die Vorschrift $(\mu,\nu)\mapsto p+\mu v+\nu w$.
     Unter dieser Bijektion werden Halbebenen zu Parallelen der
     Koordinatenachsen auf Halbebenen abgebildet und zwischen"aquivalente
     Halbebenen  zu Parallelen der
     Koordinatenachsen auf zwischen"aquivalente
     Halbebenen. Damit werden auch abgeschlossene Quader in $\DR^2$
     auf konvexe Teilmengen von $X$ abgebildet.
     F"ur $\lambda\in [2^{-n}a,2^{-n}(a+1)]$ mit $a\in \DZ$ liegen dann sowohl
     $p+\lambda (v + w)$ als auch $p+\lambda v + \lambda w$ im
     Bild des Quaders $[2^{-n}a,2^{-n}(a+1)]^2$. Da das f"ur alle $n\in\DN$ gilt,
     folgt die behauptete Gleichheit.
 \end{proof}
   \begin{Satz}[\textbf{Charakterisierung der euklidischen Ebene}]
     Je zwei fasteuklidische Geometrien mit Parallelenaxiom
     sind zueinander isomorph und sind insbesondere isomorph zu
     unserem Standardmodell $\DR^2$.\label{CeE} 
   \end{Satz}
   \begin{proof}
Nach \ref{VVR} ist unsere Inzidenzgeometrie  eine
reelle affine Ebene. Nach Annahme bilden die Elemente unserer
Kongruenzgruppe Geraden auf Geraden ab, 
     sind nach  \eref{IAGe}{LA1} also
     Affinit"aten. Folglich kommt unsere Struktur
    von einer Kongruenzebene im Sinne
    von \eref{euE}{LA2} her. Wir wissen aber bereits,
    etwa aus \eref{EDKE}{LA2},
     da"s je zwei Kongruenzebenen isomorph sind. 
     \end{proof}

   \begin{Bemerkungw}
     In \ref{EnG} konstruieren wir
     eine fasteuklidische Geometrie,
     in der das  Parallelenaxiom nicht gilt, die sogenannte
     \glqq hyperbolische Geometrie\grqq. Die Frage nach der
     Existenz solcher \glqq nichteuklidischer Geometrien\grqq\
     hat die Mathematik lange umgetrieben.
     \nichtfinal{Ich vermute, da"s
     auch je zwei fasteuklidische Geometrien,
     in denen das  Parallelenaxiom nicht gilt, isomorph sind.  Versuche
     zum Beweis werden in \ref{Ednuk} folgende niedergelegt.}
   \end{Bemerkungw}

 %  \nichtfinal{\subsection{Alternative}
%\begin{Definition}  
%  Wir nennen zwei (abgeschlossene)  Halbebenen $L,M$ {\bf parallel} und schreiben
 %      $L\parallel M$, wenn gilt
%       $L\subset M$ oder $M\subset L$. Wir zeigen,
%       da"s das eine "Aquivalenzrelation ist. 
%\end{Definition}
%  \begin{Definition}  
%  Wir nennen zwei  Halbgeraden $A,B$ {\bf parallel} und schreiben
%  $A\parallel B$, wenn die zugeh"origen Geraden parallel sind
%  und sie beide in einer gemeinsamen Halbebene liegen, die die
%  zugeh"origen Geraden nicht umfa"st.  
%\end{Definition}  
     
%     \end{Lemma}
 %    \begin{Lemma}
 %      Gegeben eine Halbebene $L$ erkl"aren wir in $K$ die Untergruppe
 %      $T_L\pdef \{k\in K\mid kL\parallel L\}$. 
  %   \end{Lemma}
 %    Gegeben eine weitere nicht zu $L$ parallele Halbebene $M$ betrachten wir
 %    $T\pdef T_L\cap T_M$. Gegeben $p,q\in E$ gibt es genau ein $t\in T$ mit
  %   $t(p)=q$. 
     
 %    Sei $g$ eine Gerade und  $H$ eine Halbebene zu $g$.
 %    Alle Kongruenzen mit $gH\cap H$ ist eine Halbebene von zu $g$
  %   paralleler Gerade bilden eine Untergruppe,
  %   die frei und transitiv operiert. Ihre Elemente machen also Geraden zu
 %    parallelen Geraden und h"angen nicht von der zuvor ausgezeichneten Geraden ab. Verschiebungen in verschiedene Richtungen kommutieren wegen Parallelogrammen. Verschiebungen in dieselbe Richtung dann auch, in dem eine als
 %  Verkn"upfung geschrieben wird.}

\subsection{Affine Inzidenzebenen}\label{IzG}


\begin{Definition}
Eine {\bf affine Inzidenzebene}\index{Inzidenzebene!affine konkrete} ist eine Inzidenzgeometrie $(X,G)$ mit den beiden\label{afie} folgenden zus"atzlichen Eigenschaften:
\begin{enumerate}
\item (\textbf{Parallelenaxiom})  Gegeben $g \in  G$ und $x \in X \backslash g$ gibt es genau ein
  $h \in  G$ mit $x \in h$
  und $h \cap g = \emptyset$;
\item (\textbf{Dreieck}) Es gibt in unserer Inzidenzgeometrie  ein Dreieck,
  also eine Menge von drei nicht kollinearen Punkten.
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Im Kontext fasteuklidischer Ebenen konnten wir
  das zugeh"orige Parallelenaxiom schw"acher fassen als die Forderung  \ref{feP} nach der Existenz von h"ochstens einer
  Parallele. Diese sch"achere Forderung liefert jedoch im Kontext allgemeiner
  Inzidenzgeometrien keine interessante Theorie mehr.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} Geraden in einer
 affinen Inzidenzebene, die sich nicht schneiden, nennt man
 {\bf parallel}.\index{parallel!in Inzidenzebene} Mit diesen Worten
 k"onnen wir die erste Bedingung dahingehend umformulieren, da"s es 
gegeben eine Gerade und ein Punkt
 au"serhalb besagter Geraden  genau eine Parallele durch besagten Punkt
 zu
 besagter Gerade gibt. Unsere affinen Inzidenzebenen hei"sen \glqq affin\grqq,
 um sie von den  \glqq projektiven\grqq\  In\-zi\-denz\-ebe\-nen zu unterscheiden,
 von denen wir  in dieser Vorlesung einige Beispiele, aber keine  
 formale Definition sehen werden.
 Wir  besch"aftigen uns im folgenden  mit
 der Frage, unter welchen Zusatzannahmen
 eine affine Inzidenzebene sogar eine affine Ebene im
 Sinne der linearen Algebra ist. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  Gegeben ein K"orper oder auch  ein Schiefk"orper $K$ ist
  unsere Inzidenzgeometrie $X= K^2$ aus
  \ref{BspIG} eine affine Inzidenzebene. Wir nennen diese Struktur die {\bf affine Standardinzidenz\-ebene "uber
dem Schiefk"orper $K$}.\index{Inzidenzebene!"uber Schiefk"orper} 
\end{Beispiel}



\begin{Definition}
Unter einem {\bf Isomorphismus von Inzidenzgeometrien}
  oder gleichbedeutend einer {\bf Kollineation}\index{Kollineation} 
versteht man eine Bijektion der zugrundeliegenden Punktmengen,\label{Kolli} 
die eine Bijektion zwischen den jeweiligen Mengen von Geraden induziert.
Zwei Inzidenzgeometrien hei"sen {\bf isomorph}, wenn 
es zwischen ihnen einen Isomorphismus gibt. Ein Isomorphismus einer Inzidenzgeometrie mit sich selber hei"st ein {\bf Automorphismus} unserer Inzidenzgeometrie.
\end{Definition}


\begin{Beispiel}
Im Fall des K"orpers mit
 zwei Elementen besteht die zugeh"orige affine
Standardinzidenzbene aus vier Punkten und ihre Geraden sind alle zweielementigen 
Teilmengen, so da"s es insgesamt genau sechs Geraden gibt. 
Man "uberlegt sich leicht, da"s jede affine Inzidenzebene, in der
es eine Gerade mit nur einer einzigen Parallele gibt, zu dieser
vierelementigen Inzidenzebene isomorph sein mu"s.\label{nzPG} 
\end{Beispiel}

  \begin{Beispiel} 
 F"ur diejenigen unter Ihnen, die die Terminologie affiner R"aume
 bereits kennen, sei bemerkt, da"s\label{AffSK}
 f"ur jeden zweidimensionalen affinen Raum $X$ "uber einem K"orper $K$
 unsere Inzidenzgeometrie aus
 \ref{AffSKm}  eine affine Inzidenz\-ebene ist und da"s jede Wahl eines
 Koordinatensystems bestehend aus einem ausgezeichneten Punkt und
 zwei linear unabh"angigen Richtungsvektoren eine Kollineation
 $K^2\sira X$ liefert.
\end{Beispiel}


\begin{Bild} 
 \includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildDesargues}\\[4mm]
 \noindent Die Desargueseigenschaft besagt, da"s in jeder Situation der
 hier dargestellten Art die Parallelit"at der beiden
 eingestrichenen und der beiden zweigestrichenen Geraden die Parallelit"at der beiden dreigestrichenen Geraden impliziert. 
\end{Bild}
 
\begin{Bemerkungl}
Sei $(X,G)$ eine affine Inzidenzebene.
Wir  "uberlegen uns, da"s die Relation \glqq gleich oder parallel\grqq\ eine \hyperref[deaq]{\"{A}quivalenzrelation} auf $G$ ist.\label{gop}\index{)8@$\parallel$ gleich oder parallel}
 In der Tat, haben zwei Parallelen zu einer gegebenen Geraden einen
Schnittpunkt, so m"ussen sie beide die eindeutig bestimmte Parallele durch
diesen Schnittpunkt sein.  Wir  notieren diese
"Aquivalenzrelation im folgenden
 $$\parallel$$
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
  Wir  sagen, eine affine Inzidenzebene habe
 die {\bf Des\-ar\-gues-Ei\-gen\-schaft},\index{Desargues-Eigenschaft!affine} 
wenn gegeben drei paarweise verschiedene Geraden 
$g_1,g_2,g_3$ mit einem gemeinsamen Punkt $z$ und f"ur $i\in\{1,2,3\}$ Punkte
$x_i,y_i\in g_i\backslash z$ stets gilt\label{DesEi} 
$$(\overline{x_1x_2}\parallel \overline{y_1y_2}
\text{ und }\overline{x_2x_3}\parallel \overline{y_2y_3})
\RA \overline{x_1x_3}\parallel \overline{y_1y_3}$$
\end{Definition}



\begin{Satz}[\textbf{Desargueseigenschaft und Koordinatisierung}] 
 Eine \hyperref[afie]{affine Inzidenzebene} hat genau dann die  Desargueseigenschaft, 
 wenn sie isomorph ist\label{DEKo} zur affinen Standardinzidenzebene $K^2$ "uber einem Schiefk"orper $K$.
\end{Satz}


\begin{Bemerkungl}
  Dieser  Satz  ist in meinen Augen eine besonders sch"one
  Illustration der innigen Beziehung 
  zwischen Geometrie und Algebra. Wir schicken dem Beweis 
ein Lemma voraus.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildabc}\\[4mm]
 \noindent Skizze zur ausgearteten Desargueseigenschaft \ref{Pdes} 
\end{Bild}
\begin{Lemma}[\textbf{Ausgeartete Desargueseigenschaft}]
Sei $X$ eine  affine In\-zi\-denz\-ebe\-ne mit der Des\-arguesei\-gen\-schaft.
Gegeben drei paarweise verschiedene parallele Geraden
$g_1, g_2, g_3$ und Punkte $x_i,y_i\in g_i$\label{Pdes} 
gilt dann
$$(\overline{x_1x_2}\parallel \overline{y_1y_2}
\text{ und }\overline{x_2x_3}\parallel \overline{y_2y_3})
\RA \overline{x_1x_3}\parallel \overline{y_1y_3}$$
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungw}
Die Aussage des Lemmas kann als ein Analogon der Desargueseigenschaft 
verstanden werden, bei der der Punkt $z$ ein \glqq unendlich ferner Punkt\grqq\
ist. Im Rahmen des Studiums projektiver Ebenen
werden wir diese Intuition zu einer 
pr"azisen Aussage machen und sie als eine Konsequenz der sehr viel st"arkeren
\glqq projektiven Desargueseigenschaft\grqq\ verstehen lernen.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildABC}\\[4mm]
 \noindent Skizze zum Beweis der ausgearteten Desargueseigenschaft \ref{Pdes} 
\end{Bild}
\begin{proof}
Sind die $x_i$ kollinear, so ist das eh klar. 
Anderfalls k"onnen wir
$y_{(3)}$ erkl"aren durch $\overline{x_1x_3}{\parallel}  
\overline{y_1y_{(3)}}$ und $y_{(3)}\in\overline{y_2y_3}$.
Die Gerade $g_{(3)}\pdef\overline{x_3y_{(3)}}$ schneidet 
$g_2$ in einem Punkt $z$, und dann m"u"ste $g_1$ auch durch $z$
gehen im Widerspruch zu unseren Annahmen.
\end{proof}


\begin{proof}[Beweis des Koordinatisierungssatzes \ref{DEKo}]
  Um zu sehen, da"s die  Standardinzidenzebene
  "uber einem Schiefk"orper 
  stets die Des\-ar\-gueseigenschaft hat, d"urfen wir als Schnittpunkt $z$ unserer drei Geraden den Ursprung $(0,0)\in K^2$ annehmen.
  Weiter beachten wir $\lambda g\parallel g$ f"ur jede Gerade $g$ und alle
  $\lambda\in K^\times$. 
  F"ur das
  $\lambda\in K$ mit $\lambda x_1=y_1$ folgt dann aus $\overline{x_1x_2}\parallel \overline{y_1y_2}$
  sofort  $\lambda x_2=y_2$ und aus $\overline{x_2x_3}\parallel \overline{y_2y_3}$
  weiter $\lambda x_3=y_3$ und so schlie"slich 
  $\overline{x_1x_3}\parallel \overline{y_1y_3}$.
  Um umgekehrt  zu zeigen, da"s jede affine Inzidenzebene
mit der Des\-ar\-gueseigenschaft isomorph ist zur 
Stan\-dard\-in\-zi\-denz\-ebe\-ne
  "uber einem Schiefk"orper, gehen wir in mehreren Schritten vor. 
\\[3mm]\noindent 1.a.
Unter einem {\bf Parallelogramm} 
in einer affinen Inzidenzebene $X$ verstehen
wir ein Quadrupel von Punkten
$(x_{11}, x_{12},x_{21}, x_{22})\in X^4$ derart, da"s 
es Paare von Geraden $g_1\parallel g_2$ und $h_1\parallel h_2$ gibt mit $h_i\not\hspace{1.5pt}\parallel g_j$
und $h_i\cap g_j=x_{ij}$. Hier verwenden wir unsere
Notation $\parallel$ f"ur \glqq gleich
oder parallel\grqq.
 Gegeben eine affine Inzidenzebene $X$ 
betrachten wir auf der Menge
$X^2$ aller Punktpaare aus $X$ die {\bf Parallelogrammrelation} $\sim$ 
mit $(x, y) \sim (x', y')$,
 wenn 
unsere vier Punkte 
 ein Parallelogramm $(x,y,x', y')$ bilden.
Die Parallelogrammrelation ist sicher symmetrisch und reflexiv. 
Bezeichne $\approx$ die davon erzeugte "Aquivalenzrelation, die {\bf Parallelogramm\-"aquivalenz}. 
Per definitionem gilt also
$(x, y) \approx (x',y')$ genau dann, wenn es eine endliche Folge
von Punktpaaren $(x_i,y_i)$ gibt mit
$$(x, y) = (x_0,y_0)\sim\ldots\sim(x_n,y_n)=(x',y')$$
\\[3mm]\noindent 1.b.
Wir
"uberlegen uns, da"s sich unter der Annahme der 
Desargueseigenschaft  je zwei parallelogramm"aquivalente Punktpaare  $(x, y) \approx (x',y')$ auch durch einen \glqq Zweisprung von Parallelogrammen\grqq\  verbinden lassen, als da hei"st
durch eine  Folge wie oben der L"ange $n\leq 2$.
Dazu vereinbaren wir die Notation
$g_i\pdef \overline{x_iy_i}$. 
Gilt $g_i=g_{i+1}$, so folgt 
 $(x_i,y_i)= (x_{i+1},y_{i+1})$ und wir k"onnen unsere Folge  verk"urzen.
Sind die Geraden 
$g_i,g_{i+1},g_{i+2}$ 
paarweise verschieden, so folgt aus Lemma \ref{Pdes} bereits 
$(x_i,y_i)\sim (x_{i+2},y_{i+2})$ und wir k"onnen unsere Folge auch verk"urzen.
Haben wir schlie"slich 
$g_i=g_{i+2}\neq g_{i+1}=g_{i+3}$, so k"onnen wir, 
da der Fall der vierelementigen Ebene eh unproblematisch ist,
mit
\ref{nzPG} annehmen, da"s es eine weitere Gerade $g$ gibt mit
$g\parallel g_i$ aber $g_i\neq g\neq g_{i+1}$. Es gibt dann 
nach Lemma \ref{Pdes} Punkte 
$x''', y'''\in g$ mit $(x_\nu,y_\nu)\sim (x''', y''')$ f"ur $i\leq \nu
\leq i+3$ und wir k"onnen  unsere Folge auch wieder verk"urzen.
Damit ist klar, da"s wie behauptet je zwei "aquivalente Paare durch eine
Folge mit h"ochstens einem Zwischenschritt verbunden werden k"onnen.  
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAEQ}\\[4mm]
 \noindent Skizze zur Parallelogramm"aquivalenz 
\end{Bild}
\\[3mm]\noindent 1.c.
Es folgt, da"s die "Aquivalenzklassen unserer "Aquivalenzrelation
 Graphen 
von Abbildungen $X \rightarrow X$ sind. 
Die Abbildung zu einem Punktepaar $(x,y)$ notiere ich $\overrightarrow{xy}=\overleftarrow{yx}$
und nenne sie die {\bf Verschiebung}\index{Verschiebung}
zu unserem Punktepaar.
Ich behaupte, da"s unsere Verschiebungen eine Untergruppe
der Automorphismengruppe unserer Inzidenzebene bilden.
Es ist klar, da"s 
$\overleftarrow{yx}\circ \overleftarrow{xy}=\op{id}_X$ die Identit"at auf $X$  sein mu"s. Es ist auch klar, da"s jede Verschiebung Geraden in Geraden "uberf"uhrt.
Folglich sind alle unsere Verschiebungen Automorphismen unserer Inzidenzebene.
Die Identit"at ist die Verschiebung $\overleftarrow{xx}$ und so bleibt nur
zu zeigen, da"s die Verkn"upfung von zwei Verschiebungen stets wieder
eine Verschiebung ist. Sind $x,y,z$ kollinear, so folgt
$\overleftarrow{zy}\circ \overleftarrow{yx}=\overleftarrow{zx}$
direkt aus den Definitionen. Andernfalls folgt
$$(\overleftarrow{zy}\circ \overleftarrow{yx})(p)=\overleftarrow{zx}(p)$$
f"ur jeden Punkt $p$  auf keiner der drei Geraden $\overline{zy},\overline{yx},\overline{zx}$ aus der ausgearteten
Desargues-Eigenschaft \ref{Pdes} und f"ur 
jeden Punkt  $p\in \overline{zy}$ aus den Definitionen und
f"ur jeden Punkt auf einer der beiden anderen Geraden
aus dieser Erkenntnis zusammen mit $\overleftarrow{yx}\circ \overleftarrow{xy}=\op{id}_X$. Unsere Verschiebungen bilden folglich
in der Tat eine Gruppe von Automorphismen unserer Inzidenzebene.
\\[3mm]\noindent 1.d.
Wir zeigen, da"s unsere Gruppe von Verschiebungen kommutativ ist. 
Liegen $x,y, z \in X$ nicht auf einer Geraden, so erg"anzen wir sie
zu einem Parallelogramm $(x,y,z,w)$ und die Definitionen zeigen
$ \overleftarrow{zy}\circ \overleftarrow{yx}=\overleftarrow{zx}=
\overleftarrow{zw}\circ \overleftarrow{wx}$ und 
$\overleftarrow{zy}=\overleftarrow{wx}$ und 
 $\overleftarrow{zw}=\overleftarrow{yx}$ und  die Kommutativit"at $ \overleftarrow{zy}\circ \overleftarrow{yx}=\overleftarrow{yx}\circ \overleftarrow{zy}$ folgt.
Liegen alle drei Punkte auf einer Geraden, so finden wir $w$ au"serhalb
und schreiben $\overleftarrow{yx}=\overleftarrow{yw}\circ \overleftarrow{wx}$
und beide Verschiebungen rechts kommutieren mit $\overleftarrow{yz}$, also
auch ihre Verkn"upfung.
So sehen wir, da"s unsere Gruppe kommutativ sein mu"s. 
Wir schreiben ihre Verkn"upfung von nun an $+$ und notieren unsere Gruppe 
 $\vec X$.
\\[3mm]\noindent 1.e. Wir bemerken, da"s 
jeder Isomorphismus $\varphi:X\sira Y$ von affinen Inzidenzebenen mit 
Desargueseigenschaft
  einen Isomorphismus $\vec \varphi:\vec X\sira \vec Y$
zwischen den zugeh"origen Gruppen von Verschiebungen induziert mit
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAET}\\[4mm]
 \noindent Skizze zur "Aquivalenzrelation durch iterierte $o$-Trapeze 
\end{Bild}
$$\vec \varphi: \overrightarrow{xy}\mapsto 
\overrightarrow{\varphi(x)\varphi(y)}$$ %^{-1}
\\[3mm]\noindent 2. 
Sei weiter $X$ eine affine Inzidenzebene. Wir halten 
einen Punkt $o \in X$ willk"urlich
  fest. Unter einem {\bf $o$-Trapez} 
in $X$  verstehen
wir dann ein Quadrupel von Punkten
$(x_{11}, x_{12},x_{21}, x_{22})\in (X\backslash o)^4$ derart, da"s 
es Geraden $h_1, h_2$ durch $o$ und Geraden $g_1\parallel g_2$ 
gibt mit  $h_i\cap g_j=x_{ij}$.
Nun betrachten wir auf der Menge
$P\pdef\{(x,y)\in (X\backslash o)^2\mid x,y,o\text{ sind kollinear}\}$  die Relation $\sim$ 
mit $(x, y) \sim (x', y')$, wenn 
unsere vier Punkte 
  $(x,y,x', y')$ ein $o$-Trapez bilden.
Diese Relation ist sicher symmetrisch und reflexiv. 
Bezeichne $\approx$ die davon erzeugte "Aquivalenzrelation. 
Genau wie zuvor zeigen wir, da"s unter der 
Annahme der Desargueseigenschaft ihre "Aquivalenzklassen
die Graphen von bijektiven Abbildungen $(X\backslash o)\sira (X\backslash o)$
sind, und da"s die Fortsetzungen dieser Bijektionen
durch die Vorschrift $o\mapsto o$
die einzigen Automorphismen $\psi$ unserer Inzidenzebene sind mit Fixpunkt
$o$  und $\psi(g)\parallel g$ f"ur jede Gerade $g$. Diese 
Automorphismen bilden dann nat"urlich auch eine Gruppe von 
Automorphismen unserer affinen Ebene, die wir die 
{\bf Homothetien mit Zentrum $o$}\index{Homothetie} nennen
und  $\mathcal H_o=\mathcal H$ notieren.
\\[3mm]\noindent 3.
Sei  $X$ eine affine Inzidenzebene mit der Desargueseigenschaft.
Gegeben ein Punkt $o\in X$ erhalten wir eine Bijektion $X\sira \vec X$  durch die Vorschrift $x\mapsto \overrightarrow{ox}$. 
Wir erkl"aren  eine  Verkn"upfung $+_o$ auf $X$
durch die Vorschrift, da"s sie unter unserer Injektion 
der Addition in $\vec X$ entsprechen soll. So wird  $(X,+_o)$ eine
abelsche Gruppe mit neutralem Element $o$. 
Jede  Gerade $K\subset X$ mit $o\in K$
ist  offensichtlich eine Untergruppe und
jeder
Isomorphismus $\varphi:X\sira Y$  von
Inzidenzebenen 
ein Gruppenisomorphismus $$\varphi:(X,+_o)\sira (Y,+_{\varphi(o)})$$
\\[3mm]\noindent 4. 
Sei  $X$ eine affine Inzidenzebene mit der Desargueseigenschaft.
Gegeben eine  Gerade $K\subset X$ und zwei Punkte $\imath \neq o$
in $K$ 
liefert das Anwenden auf $\imath \in K$ offensichtlich eine Bijektion
$$\begin{array}{ccc}
  \mathcal H_o &\sira &K \backslash o\\
  \psi&\mapsto&\psi(\imath)
\end{array}
$$
zwischen unserer Gruppe von Homothetien und 
dem Komplement des Punktes $o$ in unserer Geraden $K$.
Die Umkehrabbildung notieren wir $\lambda\mapsto (\lambda\ast)=(\lambda\ast_{\imath,o})$.
Vereinbaren wir zus"atzlich $o\ast x=o$ f"ur alle $x\in X$,
so erhalten wir eine Verkn"upfung $$\ast: K\times X\ra X$$
mit $\imath\ast x=x$. F"ur diese Verkn"upfung gilt $\lambda\ast(\mu\ast x)=
(\lambda\ast\mu)\ast x$
f"ur alle $\lambda,\mu\in K$ und  alle $x\in X$, was wir
nur f"ur $x=\imath$ pr"ufen m"ussen und dann f"ur alle $x$ folgern k"onnen.
Unsere Verkn"upfung induziert eine Verkn"upfung
$K\times K\ra K$ und darunter ist 
 $K\backslash o$ abgeschlossen und wird offensichtlich  eine Gruppe mit 
neutralem Element $\imath$. 
Da alle Homothetien Automorphismen unserer Inzidenzebene sind, 
die  $o$ festhalten, 
liefern sie Gruppenhomomorphismen $\lambda\ast:(X,+_o)\sira (X,+_{o})$ und es folgt 
\begin{equation*}
 \lambda \ast (x +_o y) = (\lambda  \ast x) +_o (\lambda  \ast y)
\end{equation*}
f"ur alle $x,y \in X$ und $\lambda \in K \backslash o$ und
dann offensichtlich sogar f"ur alle $\lambda  \in K$. Um zu zeigen, da"s $K$ mit diesen Verkn"upfungen  ein Schiefk"orper wird, m"ussen wir
nur noch die Distributivit"at f"ur die Multiplikation von rechts auf $K$ zeigen.
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildDis}\\[4mm]
 \noindent Skizze zum Beweis einer Distributivit"at beim Beweis der Koordinatisierbarkeit 
von affinen Ebenen mit der Desargueseigenschaft
\end{Bild}
\\[3mm]\noindent 5.
Seien  $X$ eine affine Inzidenzebene mit der Desargueseigenschaft,
$K\subset X$ eine  Gerade und $\imath \neq o$ zwei Punkte 
aus $K$. Wir k"urzen $+_o=+$ und $\ast_{\imath,o}=\ast$ ab.
Das nebenstehende Bild zeigt $(\imath +\lambda)\ast x=x +\lambda\ast x$ f"ur
alle $x\in X\backslash K$ und $\lambda\in K\backslash \{o,-\imath\}$.
Indem wir in derselben Weise \glqq von unseren drei Punkten
 auf der Gerade $\overline{ox}$ ausgehen und
mit Parallelen auf die Gerade $K$ zur"uckgehen\grqq, folgt dasselbe f"ur alle
$x\in X\backslash o$. Mit explizitem Pr"ufen der zus"atzlichen F"alle, das dem Leser zur "Ubung "uberlassen sei, folgt es 
f"ur alle $x\in X$ und $\lambda\in K$.
 Zusammen mit der Assoziativit"at erhalten wir so die Distributivit"at 
 $$(\mu +\lambda)\ast x=\mu\ast x +\lambda\ast x$$
  f"ur alle $x\in X$ und $\lambda,\mu\in K$.
Insbesondere wird unsere Gerade $K$ mit $+$ als Addition und $\ast$ als
Multiplikation ein Schiefk"orper.
\\[3mm]\noindent 6.
Seien weiter  $X$ eine affine Inzidenzebene mit der Desargueseigenschaft und
 $K\subset X$ eine Gerade mit  zwei ausgezeichneten Punkten  $\imath \neq o$
und der zugeh"origen Struktur als Schiefk"orper.
F"ur $x\neq o$ liefert sicher $\lambda\mapsto \lambda\ast x$ eine
Bijektion $K\sira \overline{ox}$. 
Gegeben $x,y\in X$ derart, da"s $x,y,o$ nicht kollinear ist,
erhalten wir damit eine Bijektion und sogar einen
Gruppenisomorphismus
$$\begin{array}{ccl}
  K^2&\sira&X\\
  (\lambda,\mu)&\mapsto&\lambda\ast x\; +\;  \mu\ast y
\end{array}$$
Offensichtlich entsprechen unter $\varphi$ die
eindimensionalen Untervektorr"aume von $K^2$ eineindeutig
den Geraden durch $o$ in $X$. Verschiebung zeigt dann,
da"s unter dieser Bijektion 
die Geraden von $X$ den affinen Geraden von $K^2$ entsprechen.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Gegeben Schiefk"orper  $K,L$
  und eine Kollineation $\varphi:K^2\sira L^2$
  induziert die Abbildung $\op{Ens}^\times(K^2)\sira \op{Ens}^\times(L^2)$
  gegeben durch $\pi\mapsto \varphi\circ \pi\circ \varphi^{-1}$ einen
  Gruppenisomorphismus $\vec{\varphi}$
  zwischen den jeweiligen Richtungsr"aumen
  und es gibt genau einen  Ringisomorphismus
  alias Schiefk"orperisomorphismus $$\tilde\varphi:K\sira L$$
  mit $\vec{\varphi}(\lambda \vec v)=\tilde\varphi(\lambda) \vec{\varphi}(\vec v)$ f"ur alle $\lambda \in K$.\label{kop}
  Diese Aussage ist in den Konstruktionen des obigen Beweises
  enthalten und erlaubt uns, mit einem bestimmten Artikel von
  {\bf dem Koordinatenschiefk"orper}\index{Koordinatenschiefk"orper}
  einer affinen Inzidenzebene mit der Desargueseigenschaft zu reden.
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}
Wir  sagen, eine affine Inzidenzebene habe 
die {\bf Pappos-Ei\-gen\-schaft},\index{Pappos-Eigenschaft!affine}
 wenn\label{DesDea} 
 gegeben  %sich schneidende
 Geraden $g, h$ 
 und f"ur $i\in\{1,2,3\}$
 Punkte
$x_i\in g\backslash h$ und $y_i\in h\backslash g$ stets gilt
$$(\overline{x_1y_2}\parallel\overline{x_2y_1} \text{ und }
\overline{x_2y_3}\parallel\overline{x_3y_2}) \RA \overline{x_1y_3}\parallel\overline{x_3y_1}$$ 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Sie d"urfen als "Ubung \ref{Papns} zeigen, da"s diese Eigenschaft f"ur
  beliebige Geraden $g,h$ bereits folgt, wenn wir sie nur f"ur
  sich schneidende Geraden fordern.
\end{Bemerkungl}


 \begin{Bild} 
 \includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildPappus}\\[4mm]
 \noindent Die Papposeigenschaft besagt, da"s in jeder Situation der
 hier dargestellten Art die Parallelit"at der beiden
 eingestrichenen und der beiden zweigestrichenen Geraden die Parallelit"at der beiden dreigestrichenen Geraden impliziert. 
\end{Bild}
\begin{Bemerkungl}
  Unter einer {\bf Papposebene}\index{Papposebene} verstehen wir eine
  affine Inzidenzebene mit der Papposeigenschaft\label{Papp}  und der Desargueseigenschaft.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Es ist nicht schwer zu sehen, da"s eine affine Inzidenzebene 
mit der  Desargueseigenschaft genau dann die
 Papposeigenschaft hat, wenn ihr 
nach \ref{kop} bis auf Isomorphismus wohlbestimmter
Koordinatenschiefk"orper kommutativ ist. 
Hierf"ur mu"s man nur die Streckfaktoren der Streckungen untersuchen, 
die die verschiedenen Parallelen in der Papposeigenschaft  
ineinander "uberf"uhren.
Der im folgenden bewiesene Satz von Hessenberg \ref{DEHE}
zeigt sogar, da"s die
Papposeigenschaft bereits die Desargueseigenschaft impliziert. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz*}[\textbf{Hessenberg}] Jede
  affine Inzidenzebene mit
  der
  Papposeigen\-schaft hat auch\label{DEHE} die Desargueseigenschaft.
\end{Satz*}

\begin{proof}
  Gegeben eine Konstellation aus drei paarweise verschiedene Geraden 
$g_1,g_2,g_3$ mit einem gemeinsamen Punkt $z$ und f"ur $i\in\{1,2,3\}$ Punkte
$x_i,y_i\in g_i\backslash z$ mit
$\overline{x_1x_2}\parallel \overline{y_1y_2}$
 und $\overline{x_2x_3}\parallel \overline{y_2y_3}$ gilt es, aus der Papposeigenschaft 
 $$\overline{x_1x_3}\parallel \overline{y_1y_3}$$
 zu folgern.
Wir sagen dann, \glqq Desargues gelte f"ur diese Konstellation\grqq.
 Wenn die $x_i$ kollinear sind, so folgt auch ohne
 Pappos bereits, da"s die $y_i$ kollinear sind und damit gilt Desargues
 f"ur die gegebene Konstellation.
 Wir d"urfen also zus"atzlich annehmen, da"s die $x_i$ und dann auch die
 $y_i$ jeweils nicht kollinear sind.
 Gilt  $\overline{x_1x_3}\parallel g_2$ und $\overline{y_1y_3}\parallel g_2$,
 so folgt wieder Desargues f"ur die gegebene Konstellation auch ohne
 Pappos.  Wir d"urfen also zus"atzlich auch noch annehmen,
 da"s $\overline{y_1y_3}$ nicht zu $ g_2$
 parallel ist. Jetzt betrachten wir die zu $g_2$ parallele Gerade $g$
 durch $x_3$ und setzen
 \begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildHes}\\[4mm]
 \noindent Skizze zum Beweis des Satzes von Hessenberg 
\end{Bild}
 $$p\pdef g\cap g_1\qquad q\pdef g\cap\overline{y_1y_3}\qquad\text{und}\quad
 r\pdef \overline{qy_2}\cap\overline{x_2x_3}$$
 und holen das Argument daf"ur nach, da"s auch $r$ sinnvoll definiert ist.
 Wir haben n"amlich
 $q\not\in\overline{y_2y_3}$, da die $y_i$ nicht kollinear sind
 und damit andernfalls $q= y_3$ folgern w"urde im Widerspruch dazu,
 da"s $y_3$ nicht auf $g$ liegen kann.
 Damit gilt schon mal $q\neq y_2$  und $\overline{qy_2}$ ist eine wohldefinierte
 Gerade. Diese Gerade schlie"slich ist nicht parallel zu $\overline{x_2x_3}$,
 da sie nicht parallel ist zu $\overline{y_2y_3}$, da eben gilt $q\not\in\overline{y_2y_3}$.
 Damit ist also auch $r$ sinnvoll definiert.
 Jetzt wenden wir dreimal Pappos an.
 \begin{enumerate}
 \item
 Wir betrachten die Geraden
 $\overline{rq}$ sowie $g_3$ und darauf die 
 Punkte $r,y_2,q$ sowie $y_3, x_3, z$.  Wir bemerken
 $r\neq x_3$, da sonst $x_3,q$ und $y_2$ kollinear w"aren und
 wir $g=g_2$ folgern k"onnten im Widerspruch zu $x_3\not\in g_2$.
 Wir haben nun $r\not\in g_3$ wegen $x_2\not\in g_3$ und
 $y_2\not\in g_3$ nach Annahme und $q\not\in g_3$, da sonst folgte
 $q=x_3$ und wieder $x_3,q$ und $y_2$ kollinear w"aren, was ja nicht sein kann.
 Andererseits haben wir $y_3\not\in \overline{rq}$, weil die $y_i$ nicht
 kollinear sind, und $x_3\not\in \overline{rq}$, weil $x_3\neq q$, und
 $z\not\in \overline{rq}$, weil $g_2$ nicht parallel ist zu $\overline{rq}$.
 Nun haben wir
  $\overline{rx_3}\parallel\overline{y_2y_3}$ und
$\overline{y_2z}\parallel\overline{qx_3}$
und mit Pappos folgt
$$\overline{rz}\parallel\overline{qy_3}$$
\item
   Wir betrachten die Geraden
 $\overline{ry_2}$ sowie $g_1$ und darauf die 
   Punkte $r,q,y_2 $ sowie $y_1 , z,p$. Wir haben
   $r\not\in g_1$ wegen
   $\overline{rz}\parallel\overline{qy_3}=\overline{y_1y_3}$. Wir haben  $q\not\in g_1$, da sonst folgte
   $q=y_1$ und dann die $y_i$ kollinear w"aren. Wir haben $y_2\not\in g_1$ nach Annahme.
   Wir haben weiter
   $z\not\in \overline{ry_2}$, weil $g_2$ nicht parallel ist zu
   $\overline{ry_2}=\overline{qy_2}$. Haben wir au"serdem
   $y_1,p\not\in \overline{ry_2}$, so k"onnen wir aus
   $\overline{rz}\parallel\overline{qy_1}$ und $\overline{qp}\parallel\overline{y_2z}$ mit Pappos folgern
   $$\overline{rp}\parallel\overline{y_2y_1}$$
   Haben wir andererseits $p\in \overline{ry_2}$
   oder  $y_1\in \overline{ry_2}$, so folgt
   $p=q=y_1$.  Auch in diesem Fall haben wir  jedoch $r\neq p$, da sonst g"alte
   $r\in g$ und folglich $r=x_3$. Auch in diesem Fall ist also $\overline{rp}$
   eine wohlbestimmte Gerade und wir haben sogar $\overline{rp}=\overline{y_2y_1}$ und a forteriori $\overline{rp}\parallel\overline{y_2y_1}$.
 \item
   Wir betrachten die Geraden $\overline{x_2x_3}$ sowie $g_1$
   und darauf die Punkte $x_3,x_2,r$ sowie $z,p,x_1$.
   Nach Annahme gilt $x_3,x_2\not\in g_1$ und $r\not\in g_1$ hatten wir bereits
   gepr"uft. Unsere Annahmen zeigen auch unmittelbar
   $z,x_1\not\in \overline{x_2x_3}$. Aus $p\in \overline{x_2x_3}$ schlie"slich
   folgte $p=x_3$ und das ist unm"oglich wegen  $x_3\not\in g_1$.
   Wegen $\overline{x_3p}\parallel\overline{x_2z}$ und $\overline{x_2x_1}\parallel\overline{rp}$, letzeres nach dem vorhergehenden,
   folgern wir mit Pappos
    $$\overline{x_3x_1}\parallel\overline{rz}$$
 \end{enumerate}
 Zusammen zeigen der erste und dritte Teil $\overline{x_3x_1}\parallel\overline{rz}\parallel \overline{qy_3}=\overline{y_1y_3}$.
\end{proof}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anordnung des Koordinatenk"orpers und Geometrie}]
\nichtfinal{Wohin?} Sei  $X$ eine 
Papposebene mit  Zwischenrelation $Z$. 
Es ist zun"achst einmal
klar, da"s f"ur jede Verschiebung $\varphi$
und jede Gerade $g$\label{GCR} mit $\varphi(g)\neq g$ und $x,y,z\in g$ mit
$(x,y,z)\in Z$ auch gilt $(\varphi(x),\varphi(y),\varphi(z))\in Z$.
Daraus folgt dieselbe Aussage auch im Fall $\varphi(g)= g$ und wir sehen,
da"s jede Verschiebung die Zwischenrelation erh"alt.
Insbesondere mu"s jede Verschiebung, die eine Gerade stabilisiert,
die beiden Anordnungen auf unserer Gerade, die mit der Zwischenrelation vertr"aglich
sind, entweder festhalten oder vertauschen. Diejenigen Verschiebungen,
die sie festhalten, bilden eine Untergruppe vom Index h"ochstens Zwei.
Haben also Geraden mehr als zwei Punkte, so gibt es eine von der
Identit"at verschiedene Verschiebung, die unsere Gerade und
beide Anordnungen festh"alt. Es folgt, da"s unser Koordinatenk"orper,
wenn er denn mehr als zwei Elemente hat, die Charakteristik Null haben mu"s. 
Dann aber ist jede Verschiebung, die eine Gerade stabilisiert,
das Quadrat einer weiteren Verschiebung, die dieselbe Gerade stabilisiert,
und h"alt folglich jede der beiden mit unserer Zwischenrelation
vertr"aglichen Anordnungen fest.
Ebenso ist f"ur
jede Homothetie $\psi$ mit Zentrum $o$ klar, da"s 
aus $(o,x,\psi(x))\in Z$ f"ur ein $x\in X\backslash o$ folgt
$(o,y,\psi(y))\in Z$ f"ur alle $y\in X\backslash o$ und da"s ebenso aus
$(o,\psi(x),x)\in Z$ f"ur ein $x\in X\backslash o$ folgt
$(o,\psi(y),y)\in Z$ f"ur alle $y\in X\backslash o$.
Die Homothethien $\psi\in \mathcal H_o$
mit $(x,o,\psi(x))\in Z\RA x=o$ bilden also eine Untergruppe. 
Halten wir also eine Gerade $K$ fest und zeichnen auf ihr zwei verschiedene
Punkte $o\neq\iota$ aus und versehen $K$ mit der beim Beweis des
Koordinatisierungssatzes konstruierten Struktur eines K"orpers,
so macht diejenige mit der Zwischenrelation vertr"agliche Anordnung von $K$,
f"ur die zus"atzlich gilt $o<\iota$, unser $K$ zu einem angeordneten K"orper,
wenn $K$ mehr als zwei Elemente hat. Erg"anzen wir nun $o$ zu einem nicht
kollinearen Tripel $x,y,o$ und betrachten die zugeh"orige Bijektion 
$K^2\sira X$ aus dem Beweis des Koordinatisierungssatzes, so sieht man leicht,
da"s die durch unsere Anordnung auf $K$ gegebene Zwischenordnung auf $K^2$ der Zwischenordnung auf $X$
entsprechen mu"s. Wir erhalten also eine Bijektion auf Isomorphieklassen
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccc}
 \left\{ \begin{array}{c}
          \text{Angeordnete}\\
\text{K"orper}
         \end{array}\right\} & \sira &
\left\{ \begin{array}{c}
         \text{Papposebenen mit Zwischenrelation}
\\
\text{und mehr als zwei Punkten auf jeder Gerade}   \end{array}
\right\}\\[8mm]
K & \mapsto & K^2
\end{array}
\end{displaymath}
Schlie"slich pr"uft man, da"s gegeben angeordnete K"orper $K,L$
eine Kollineation $K^2\sira L^2$ genau dann die
jeweiligen Zwischenrelationen ineinander "uberf"uhrt,
wenn der ihr nach \ref{kop}
zugeordnete K"orperisomorphismus die
jeweiligen Anordnungen  ineinander "uberf"uhrt. So erh"alt man auch
f"ur jeden K"orper $K$ mit mehr als zwei Elementen
eine Bijektion 
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccc}
 \left\{ \begin{array}{c}
          \text{Anordnungen}\\
\text{auf dem  K"orper $K$}
         \end{array}\right\} & \sira &
\left\{ \begin{array}{c}
         \text{Zwischenrelationen}
\\
\text{auf der Papposebene $K^2$}   \end{array}
\right\}
\end{array}
\end{displaymath}
\end{Bemerkungl}



\begin{Satz}[\textbf{Geometrische Charakterisierung
      reeller Inzidenzebenen}]
  \nichtfinal{Wohin?}
  Genau dann kann  eine  \hyperref[Papp]{Papposebene}, deren Geraden mehr als zwei Punkte haben, 
mit einer \hyperref[GCR]{Zwischenrelation} versehen werden,
die die  \hyperref[supP]{Supremumseigenschaft} hat, wenn sie
isomorph ist zu $\DR^2$. Des weiteren ist in diesem Fall die fragliche
Zwischenrelation bereits eindeutig bestimmt.
\end{Satz}
\begin{proof}
  Nach dem Vorhergehenden finden wir einen
  Isomorphismus von In\-zi\-denz\-ebe\-nen $X\sira K^2$ f"ur
  einen K"orper $K$ und unserer Zwischenrelation
  entspricht eineindeutig eine Anordnung auf $K$.
  Hat unsere Zwischenrelation zus"atzlich die Supremumseigenschaft,
  so erf"ullt die fragliche Anordnung auf $K$ alle Axiome \eref{ER}{AN1},
  die den K"orper der reellen Zahlen charakterisieren.
Unsere affine Inzidenzebene
ist folglich isomorph zu $\DR^2$, und da es auf dem K"orper
$\DR$ nur eine einzige K"orperanordnung gibt, ist die fragliche Zwischenrelation bereits durch die Struktur als
Inzidenzgeometrie eindeutig bestimmt.
\end{proof}


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s eine affine Inzidenzebene, in der es
  eine Gerade mit nur einer einzigen Parallele gibt, isomorph
  sein mu"s zu $\mathbb F_2^2$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s
  f"ur jeden Schiefk"orper $K$ die Punktmenge $K^2$ mit den
  in \ref{AffSK} beschriebenen Geraden eine affine Inzidenzebene ist und da"s
  diese affine Inzidenzebene die affine Desargues-Eigenschaft hat.
\end{Ubung}








\begin{Ubung}
  Man pr"ufe die Formel $(-\imath)\ast x +_ox=o$, deren Nachweis
  im Beweis des Koordinatisierungssatzes noch offen geblieben war.
\end{Ubung}
  

%\begin{Ubung}
 %  Man zeige, da"s in einer affinen 
%Inzidenzebene jede Gerade mindestens
%  zwei Punkte hat. 
%\end{Ubung}
\begin{Ubung}
   Man zeige, da"s es in einer affinen 
   Inzidenzebene zwischen je zwei Geraden eine Bijektion gibt.
   Salopp gesprochen haben also \glqq je zwei Geraden gleich viele Punkte\grqq. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
   Gibt  es in einer affinen 
   Inzidenzebene
   eine endliche Gerade mit genau $n$ Punkten, so hat unsere affine 
   Inzidenzebene genau $n^2$ Punkte und $n^2+n$ Geraden. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s die Papposeigenschaft f"ur
   parallele Geraden bereits folgt,\label{Papns} wenn wir sie nur f"ur
  sich schneidende Geraden fordern. Hinweis: Man mag sich am
  Beweis der analogen Aussage \ref{Pdes} in Bezug auf die Desargueseigenschaft
  orientieren.
\end{Ubung}




\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/BildPPa}\\[4mm]
\noindent 
Eine Parallelprojektion
\end{figure}









\subsection{Parallelprojektion und Zentralprojektion}\label{PZP} 
\begin{Bemerkungl}
  Je nach Vorkenntnissen m"ussen hier erst einmal affine R"aume
  und affine Teilr"aume etwa im Umfang von \eref{AfRa}{LA1},
  \eref{ATR}{LA1} besprochen werden. Die Annahme endlicher Dimension
  ist im folgenden meist "uberfl"ussig und dient nur dazu, die Darstellung zu
  vereinfachen. Besonders wichtig ist die Erkenntnis, da"s in einem affinen
  Raum der Schnitt einer
  Gerade mit einem weiteren affinen Teilraum entweder leer ist oder
  ein Punkt oder die ganze Gerade. Ist unser affiner Teilraum eine
  Hyperebene $H$ und $\vec v$ der Richtungsvektor unserer Gerade $g$, so
  folgt des weiteren aus $\vec v\not\in\vec H$ bereits $|g\cap H|=1$.
 \end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Gegeben $E\supset H$ ein endlichdimensionaler affiner Raum  mit  einer Hyperebene sowie
  ein Vektor $\vec v\in \vec E\backslash \vec H$
  erkl"aren wir die {\bf Parallelprojektion
  in Richtung $\vec v$}\index{Parallelprojektion} von $E$ auf $H$ als die
  eindeutig bestimmte Abbildung
  $$\pi=\pi_{\vec v}=\pi_{\vec v,H}: E\ra H$$ mit der Eigenschaft
  $\pi(e)\in e+\langle \vec v\rangle$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben $E\supset H$ ein endlichdimensionaler affiner Raum  mit einer Hyperebene  sowie
  ein Punkt $q\in E\backslash H$ erkl"aren wir die {\bf Zentralprojektion\index{Zentralprojektion}
    mit Zentrum $q$} von $E$ auf $H$ als die eindeutig
   bestimmte Abbildung
  $$\zeta=\zeta_q=\zeta_{q,H}: E\backslash(q+\vec H)\ra H$$
  mit  $q,e,\zeta(e)$ kollinear. Die Menge $E\backslash(q+\vec H)$ nennen wir
  den {\bf Definitionsbereich} unserer Zentralprojektion, die
  Hyperebene $H$ ihre
  {\bf Bildebene},\index{Bildebene!einer Zentralprojektion}
  das Zentrum $q$ auch den {\bf Augpunkt}.\index{Augpunkt!einer Zentralprojektion} 
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildZP}\\[4mm]
\noindent 
Eine Zentralprojektion
\end{figure}

\begin{Beispiel}[\textbf{Foto als Zentralprojektion}]
  Ein schmutziges Beispiel f"ur eine
  Zentralprojektion ist das Fotographieren mit einer Lochkamera
  und in erster N"aherung "uberhaupt jedes Foto.
  In diesem Fall ist die Linse oder besser das Loch der Augpunkt.
  Etwas genauer gesagt  erh"alt man beim Fotographieren  eine  auf die  \glqq Punkte vor der Linse\grqq\ eingeschr"ankte Zentralprojektion und unsere Kamera  projiziert auch von diesen Punkten nur einen Ausschnitt  
  auf einen
  Auschnitt der Hyperebene $H$, n"amlich auf
  die Bildplatte unseres Fotoapparats.
\end{Beispiel}



\begin{Satz}[\textbf{Bilder von Geraden unter Zentralprojektionen}]
  Als das Bild einer Gerade $g$
  unter einer Zentralprojektion $\zeta_{q,H}(g\backslash (q+\vec H))\subset H$ 
  k"onnen wir erhalten:\label{BiGeZ} 
 Eine Gerade, bei der ein Punkt fehlt,
   der \emph{\bf Fluchtpunkt};\index{Fluchtpunkt} 
 Eine Gerade;
  Einen Punkt;
 oder die leere Menge.
\end{Satz}
\begin{proof}
  Wie das Bild einer Gerade aussieht, h"angt nur davon ab, ob sie den Augpunkt
  trifft und ob sie die Bildebene in genau einem Punkt trifft, wie es
  die folgende
  Tabelle pr"azisiert.
  \begin{center}
  \begin{tabular}{c||c|c}
    &trifft Augpunkt&trifft Augpunkt nicht\\
    \hline\hline
    trifft Bildebene& Punkt&Gerade ohne einen Punkt\\
   in genau einem Punkt&&\\
      \hline
    trifft Bildebene nicht&leer&Gerade\\
   in genau einem Punkt&&\\
    \hline
 \end{tabular}
  \end{center}
Wir "uberlegen uns nun, da"s diese Tabelle korrekt ist.
  Seien dazu $E\supset H$ unser endlichdimensionaler
  affiner Raum mit der Bildebene  und
 $q\in E\backslash H$ der Augpunkt
  und  $\zeta_q: E\backslash(q+\vec H)\ra H$ die Zentralprojektion.
  Gegeben eine Gerade $g\subset E$ ist klar, da"s
  $\zeta_q(g\backslash(q+\vec H))$ im Schnitt
  $\langle g, q\rangle_{\op{aff}}\cap H$  des affinen Erzeugnisses
  von $q$ und $g$ mit der Bildebene $H$ enthalten sein mu"s.
  Indem wir $E$ durch $\langle g, q\rangle_{\op{aff}}$ ersetzen,
  ziehen wir uns darauf zur"uck, den Fall $\op{dim}E\leq 2$ zu betrachten.
  In diesem Fall aber kann man die  Aussage anhand einer Zeichnung m"uhelos einsehen.
\end{proof}
% \begin{Satz} Das ist eine "altere Formulierung.
% \begin{enumerate}
%  \item
%    Jede Gerade $g\subset E$ mit $g\cap (q+\vec H)=\emptyset$, die also
%    parallel ist zur in den Augpunkt verschobenen Bildebene,
%    wird von unserer Zentralprojektion $\zeta$ bijektiv auf eine Gerade in
%    der Bildebene mit demselben Richtungsvektor abgebildet;
%  \item  F"ur jede Gerade $g\subset E$ mit $g\cap (q+\vec H)=\{p\}\neq \{q\}$, die also nicht
 %   parallel ist zur  Bildebene und den Augpunkt nicht trifft,
 %   bildet unsere Zentralprojektion das Komplement $g\backslash p$
 %   des besagten Punktes  bijektiv auf
 %   das Komplement des Punktes $(q+\vec g)\cap H$ in einer
 %   Gerade von $H$ ab. Man nennt diesen Punkt den \emph{\bf Fluchtpunkt zu $g$};\index{Fluchtpunkt}
%  \item
  %  Jede  Gerade $g\subset E$ mit $|g\cap (q+\vec H)|>1$ hat leeren Schnitt mit dem Definitionsbereich unserer
 %   Zentralprojektion;
%  \item
  %  Gegeben eine affine Ebene $P\subset E$ mit $\op{dim}(\vec P\cap \vec H)=1$
 %   bilden die Fluchtpunkte aller Geraden in $P$, die "uberhaupt
 %   einen Fluchtpunkt haben, ihrerseits eine Gerade in $H$.
 %   Wir nennen diese Gerade
 %   den \emph{\bf Horizont}\index{Horizont} unserer Ebene $P$.
 % \end{enumerate}
% \end{Satz}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Fluchtpunkte in Fotographien}]
  Bei Fluchtpunkten in
  Fotographien etwa von Eisenbahngleisen sieht man als 
  Bild eines Gleises "ublicherweise nur
  eine Halbgerade, die im Fluchtpunkt endet.
  Das liegt daran, da"s wir mit der Kamera \glqq nur nach vorne fotographieren\grqq,
  w"ahrend unsere mathematische Zentralprojektion auch die
  \glqq Gleise hinter dem Betrachter\grqq\ noch ins Bild projiziert.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
  Der Satz gilt unver"andert auch ohne die Annahme endlicher
  Dimen\-sion. Ein mit Quotientenr"aumen ge"ubter Leser wird
  keine Schwierigkeiten haben, unseren Beweis auf diesen
  Fall zu verallgemeinern.
\end{Bemerkunge}
% \begin{proof}
%   Gegeben eine Gerade $g\subset E$, die $q$ nicht trifft,
%   ist das affine Erzeugnis $S_g\pdef \langle g\cup\{q\}\rangle_{\op{aff}}$
%   offensichtlich eine Ebene. Aus Dimensionsgr"unden ist dann
%   $L_g\pdef S_g\cap H$ entweder die leere Menge, wenn n"amlich unsere Zentralprojektion auf keinem Punkt von $g$ definiert ist, oder
%   eine Gerade, und unsere Zentralprojektion
%   $\zeta$ bildet den Schnitt von
%   $g$ mit ihrem Definitionsbereich offensichtlich in diese Gerade ab.
%   Damit k"onnen wir uns f"ur die Teile 1 bis 3 auf den zweidimensionalen Fall
%   $E=S_g$ beschr"anken. In diesem Fall denke ich,
%   da"s eine Zeichnung mehr Verst"andnis
%   vermittelt als ein formaler Aufschrieb, der dem Leser aber auch leicht
%   gelingen wird. F"ur den letzten Teil  bemerken wir,
%   da"s nach dem Vorhergehenden die Menge der fraglichen Fluchtpunkte
%   genau der Schnitt $(q+\vec P)\cap H$ ist.
% \end{proof}
  
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildFlP}\\[4mm]
\noindent 
Das Bild  unter einer Zentralprojektion einer zur Projektionsebene nicht
parallelen und mit dem Projektionszentrum nicht inzidenten
Gerade $g$ ist eine Gerade abz"uglich eines Punktes,
genauer abz"uglich des  Fluchtpunkts.
\end{figure}
  
  





\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ein Fu"sballfeld und seine Fotographie}]
  Jetzt denken wir uns einmal, wir fotographierten
  ein Fu"sballfeld.
Formal und in Koordinaten ausgedr"uckt betrachten 
wir Einbettungen $i,j:\DR^2\hra\DR^3$
  der Gestalt $i:(x,y)^\top\mapsto A(0,x,y)^\top+\vec v$ 
  und  $j:(x,y)^\top\mapsto B(0,x,y)^\top + \vec w$ f"ur
  $A,B\in\op{SO}(3)$  Drehmatrizen 
  und  $\vec v,\vec w\in\DR^3$  Vektoren und
  w"ahlen als Augpunkt  einen Punkt $q\in \DR^3$,
  der weder im Bild von $i$ noch im Bild von $j$ liegt, also weder in der
  Fotoplatte alias Bildebene $H\pdef j(\DR^2)$
  noch auf dem Fu"sballfeld alias
  der {\bf Urebene} $U\pdef i(\DR^2)$.\index{Urebene}\label{PrVin} 
  Die
\glqq partiell definierte Abbildung\grqq\ 
  $$\phi\pdef j^{-1}\zeta_{q,H} i: \DR^2 \dashrightarrow \DR^2 $$
beschreibt dann die 
  \glqq Umrechnung
  zwischen dem durch $i$ mit Koordinaten versehenen Fu"sballfeld 
  $i(\DR^2)$ und seiner durch $j$ mit Koordinaten versehenen Fotographie $j(\DR^2)$\grqq.  Ihr Definitionsbereich ist genauer 
  $i^{-1}(\DR^3\backslash (q+\vec H))$. Wir nennen sie eine
  {\bf Fototransformation}.\index{Fototransformation}
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  Betrachten wir etwa  $i:\DR^2\ra\DR^3$, $(x,y)\mapsto (x,y,1)$
  und $j:(x,y)\mapsto (1,x,y)$ und $q=(0,0,0)$,
  so wird die Zentralprojektion $\zeta_q=\zeta$  auf die Ebene $j(\DR^2)=\{(x,y,z)\mid x=1\}$ 
  gegeben durch $(x,y,z)\mapsto (1,y/x,z/x)$ und ist nicht
  definiert auf den Punkten \glqq neben der Linse\grqq, also
  den Punkten mit $x=0$.
So finden wir in diesem Fall $$\phi(x,y)=j^{-1}\zeta(x,y,1)=j^{-1}(1,y/x,1/x)=(y/x,1/x)$$
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungw}[\textbf{Umrechnen von Fotographien}] 
  Im folgenden wollen wir salopp gesagt zeigen, da"s die
 partiell definierten Abbildungen, die durch das
wiederholte Fotographieren von Fotographien entstehen,
genau alle partiell definierten
Abbildungen sind, die durch  Formeln der Gestalt
 $$\phi  \begin{pmatrix}
x\\ y
\end{pmatrix}= \begin{pmatrix}
     \frac{a_{11}x +a_{12}y+a_{13}}{a_{31}x +a_{32}y+a_{33}}
     \\[10pt] \frac{a_{21}x +a_{22}y+a_{23}}{a_{31}x +a_{32}y+a_{33}}
\end{pmatrix}$$
gegeben werden mit $(a_{ij})$ einer invertierbaren
$(3\times 3)$-Matrix. Um das korrekt formulieren zu k"onnen,
erweitern wir  unsere Ebene durch Hinzunahme
geeigneter \glqq unendlich ferner Punkte\grqq\ in der Weise,
da"s  unsere partiell definierten Abbildungen zu global definierten
Abbildungen werden, den sogenannten \glqq Projektivit"aten\grqq. Eine entsprechend pr"azisierte Aussage zeigen wir
dann als Satz \ref{URF}.
\end{Bemerkungw}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildbir}\\[4mm]
\noindent 
Die von einer Zentralprojektion von einer Geraden auf eine
andere Gerade induzierte Abbildung. Bei der hier angegebenen Situation
und Parametrisierung ist $a\in H$ der Fluchtpunkt und
$b\in g$ die Definitionsl"ucke unserer Zentralprojektion $\zeta_q$ und die
davon auf dem Definitionsbereich induzierte Abbildung
ist $b+x\vec w \mapsto a +(1/x)\vec v$. 
\end{figure}

\subsection{Projektive R"aume}


\label{ProR}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Projektivisierung von Vektorr"aumen}] 
Gegeben ein K"orper $K$ und ein $K$-Vektorraum $V$ 
bezeichnen  wir die Menge aller Ursprungsgeraden  in $V$ mit
\index{P@$\Bbb{P}V$ projektiver Raum zu $V$}\label{CUe}
\begin{displaymath}
\Bbb{P}V =\Bbb{P}_KV \pdef
 \{ L \subset V \mid L \text{ ist ein eindimensionaler 
Untervektorraum}\}
\end{displaymath}
Wir nennen diese Menge  die {\bf Projektivisierung\index{Projektivisierung}  des Vektorraums} $V$. Jeder Punkt von $\Bbb{P}V$ hat die Gestalt
$\langle v\rangle$ f"ur $v\in V\backslash 0$ und wir haben
$\langle v\rangle=\langle w\rangle$ genau dann, wenn es $\lambda\in K^\times$ gibt
mit $\lambda v=w$.
Eine Teilmenge $g\subset \DP V$ hei"st eine 
{\bf projektive Gerade},\index{Gerade!projektive}
%oder auch kurz {\bf Gerade},
wenn
sie aus allen eindimensionalen Untervektorr"aumen 
in  einem zweidimensionalen Untervektorraum  $V_g\subset V$ besteht.
Offensichtlich wird die Projektivisierung $\DP V$
von $V$ so zu einer \hyperref[IzGG]{Inzidenzgeometrie},
als da hei"st, durch je zwei verschiedene Punkte von $\DP V$ geht genau eine projektive Gerade und
jede projektive Gerade hat mindestens zwei Punkte.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildF2P}\\[4mm]
 \noindent Die projektive  Ebene $\mathbb P^2\mathbb F_2$
 "uber dem K"orper mit zwei Elementen
hat sieben Punkte und sieben Geraden. \end{Bild}
 \begin{Beispiele}
Ist $V$ der Nullvektorraum, so ist $\Bbb{P}V$ leer. 
Ist $V$ eindimensional, so besteht $\Bbb{P}V$ aus einem einzigen Punkt.
Man mag sich $\Bbb{P}(\DR^3)$ veranschaulichen als eine \glqq Sph"are, bei der
gegen"uberliegende Punkte jeweils als derselbe Punkt zu denken sind\grqq.
Um zus"atzliche Anschauung bereitzustellen, bespreche ich nun 
die alternative Interpretation der Inzidenzgeometrien $\Bbb{P}V$ als \glqq projektive Vervollst"andigungen affiner R"aume\grqq.
 \end{Beispiele}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Projektive Vervollst"andigung affiner R"aume}]
  Gegeben
  ein affiner Raum $E$ "uber einem K"orper $K$\label{PrVi}
k"onnen wir die disjunkte Vereinigung
 $$\mathbb V E\pdef 
E\sqcup \DP \vec E$$
von $E$ mit der Projektivisierung $\DP \vec E$ seines Richtungsraums $\vec E$ 
mit einer Struktur als Inzidenzgeometrie versehen,
indem wir folgende Teilmengen als Geraden auszeichnen:
\begin{enumerate}
\item
  Die Teilmengen $g\sqcup\{\vec g\}$ f"ur $g\subset E$ eine affine Gerade;
\item
  Die \hyperref[CUe]{projektiven Geraden} $l\subset \mathbb P \vec E$ nach \ref{CUe}.
\end{enumerate}
Wir nennen diese Inzidenzgeometrie die {\bf projektive Vervollst"andigung
von $E$}.\index{projektive Vervollst"andigung}\index{Vervollst"andigung!projektive} 
Die Punkte von $\DP \vec E$ hei"sen die\index{Punkt!unendlich ferner} 
{\bf unendlich fernen Punkte}\index{unendlich fern!Punkt}
unserer Vervollst"andigung, die eben gerade entsteht, indem wir zu unserem affinen Raum noch diese
unendlich fernen Punkte mit hinzunehmen. Die Geraden dieser Vervollst"andigung, soweit sie nicht nur
aus unendlich fernen Punkten bestehen, entstehen, indem wir zu einer affinen
Gerade jeweils noch einen unendlich fernen Punkt hinzunehmen. Ist $E$ zweidimensional,
so gibt es in $\mathbb VE$ eine einzige  Gerade aus unendlich fernen Punkten, n"amlich die {\bf unendlich ferne Gerade}, 
die genau aus allen unendlich fernen Punkten besteht.
\end{Bemerkungl}

\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/BildPZR}\\[4mm]
\noindent 
Versuch einer graphischen Darstellung von $\DP^2\DR$.
Jede Ursprungsgerade im $\DR^3$ geht durch
einen Punkt der oberen Hemisph"are in der Einheitssph"are.
Nun lassen wir aus dieser Hemisph"are auch noch an ihrem Rand
den halben "Aquator weg und
betrachten genauer die Menge
$$H\pdef \{(x,y,z)\in S^2\mid  z\geq 0,\; z=0\RA y\geq 0, \;z=y=0\RA x\geq 0\}$$
Dann erhalten wir eine Bijektion $\DP^2\DR\sira H$, indem wir jeder
Ursprungsgerade
ihren Schnittpunkt mit $H$  zuordnen. Weiter liefert die
Zentralprojektion mit Augpunkt in $(0,0,-1)$ auf die $xy$-Ebene
eine Bijektion von $H$
mit der Einheitskreisscheibe, von der man dabei denselben halben "Aquator
am Rand wegzulassen hat. Die Bilder der projektiven Geraden unter
der Verkn"upfung dieser Bijektionen
sind die Schnitte unserer halbentrandeten Einheitskreisscheibe
mit beliebigen Kreisen oder Geraden durch gegen"uberliegende
Punkte auf dem Einheitskreis. Die unendlich ferne Gerade entspricht dem
Schnitt mit dem Einheitskreis.
Im Bild sind zwei parallele Geraden $g,h$ eingezeichnet sowie eine
weitere Gerade $l$ und gestrichelt die unendlich ferne Gerade.
\end{figure}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPPR}\\[4mm]
\noindent 
Versuch einer graphischen Darstellung von $\DP^2\DR$
in der Art des Kubismus.
Hier habe  ich die zwei unendlich fernen Punkte
zu drei affinen Geraden durch
bepunktete Doppelpfeile symbolisiert. Bei dieser Darstellung kommt es
nur auf die Richtung der Doppelpfeile an, nicht auf die
Stelle, an der sie auf's Papier gemalt sind, noch auf ihre L"ange, und 
jeder Doppelpfeil symbolisiert den durch seine  Richtung
gegebenen unendlich fernen Punkt.
Wie im Kubismus stellen verschiedene Teile dieses Bildes
verschiedene Aspekte der reell projektiven Ebene
dar und es gibt keine gemeinsame Perspektive oder globale Regel,
der sich all diese
Darstellungen unterordnen lie"sen. 
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Projektive Vervollst"andigung als Projektivisierung}]
  Gegeben
  ein affiner Raum $E$ "uber einem K"orper $K$
und eine affine Einbettung $i:E\hra V$ als eine den Ursprung vermeidende affine Hyperebene in einem $K$-Vektorraum erhalten wir 
 durch die Abbildungsvorschrift $e\mapsto \langle i(e)\rangle$ und
 $\langle \vec v\rangle \mapsto \langle \vec\imath(\vec v)\rangle$
 offensichtlich eine Kollineation $$\mathbb V E\sira \mathbb P V $$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Im Spezialfall $E=K^n$ w"ahlen wir standardm"a"sig die durch das
Davorschreiben einer $1$ als erster Koordinate gegebene affine Einbettung
$K^n\hra K^{n+1}$ als eine den Ursprung vermeidende Hyperebene und
setzen $\mathbb P^n K\pdef \mathbb P(K^{n+1})$ und nennen 
f"ur $n\geq 0$  diese Inzidenzgeometrie  den
{\bf $n$-dimensionalen projektiven Raum "uber dem K"orper} $K$.
\index{P@$\Bbb{P}^nK$ projektiver Raum}
Wir erhalten so
unsere {\bf Standardidentifikation} 
$$s:K^n\sqcup \mathbb P^{n-1} K=\mathbb V K^n\sira \mathbb P^n K$$
Im Fall $n=1$
notiert man
das Bild des einzigen Punktes von $\mathbb P^{0} K$ ebenso wie  sein
Bild in $\mathbb P^{1} K$ meist $\infty$.
Damit wird unsere Standardidentifikation in diesm Fall eine Bijektion 
$ s:K \amalg \{\infty\}=\mathbb V K\sira \Bbb{P}^{1}K$
und wir erhalten, wenn wir kurzerhand $K$ mit seinem Bild identifizieren,
eine mit den n"otigen  Hintergedanken zu verstehende Zerlegung
$$K \amalg \{\infty\}=\Bbb{P}^{1}K$$
\end{Bemerkungl}







 
\begin{Bemerkungl}
  Unter einer
  {\bf Einbettung von Inzidenzgeometrien}\index{Einbettung!von Inzidenzgeometrien}
  verstehen wir eine\label{EiIn}  
  injektive Abbildung $X\hra Y$ der zugeh"origen Punktmengen derart, da"s
  Teilmengen von $X$ mit mindestens drei Elementen genau dann \hyperref[Dreieck]{kollinear} sind, wenn ihre Bilder in $Y$
  kollinear sind. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiele}
Jede bijektive Einbettung von Inzidenzgeometrien ist eine Kollineation.
Jeder injektive Vektorraumhomomorphismus $W\hra V$ induziert
eine Einbettung von Inzidenzgeometrien $\DP W\hra \DP V$. Im Fall eines Untervektorraums
  $W\subset V$ ist das die Einbettung einer Teilmenge $\DP W\subset \DP V$.
Gegeben ein affiner Raum $E$  sind sowohl $E\hra \mathbb V E$ als auch
$\mathbb P \vec E\hra \mathbb V E$ Einbettungen von
Inzidenzgeometrien.  Jede injektive affine Abbildung  $F\hra E$
  von affinen R"aumen ist eine Einbettung von Inzidenzgeometrien
  und induziert eine
Einbettung $\DV E \hra \DV F$ zwischen ihren projektiven
Vervollst"andigungen. Ist $E\subset F$ ein affiner Teilraum, so behandeln wir
die zugeh"orige Einbettung der projektiven Vervollst"andigungen
in unserer Notation auch als eine Einbettung $\DV E \subset \DV F$ von
Mengen.  
Gegeben eine affine Gerade $g\subset E$ ist insbesondere
$\mathbb V g =g\sqcup\{\vec g\}$
ihre Vervollst"andigung zu einer projektiven Gerade.
\end{Beispiele}


\begin{Bemerkungl}
Sei $V$ ein Vektorraum.  Eine Teilmenge $P\subset \DP V$ seiner Projektivisierung hei"st eine
{\bf projektive Hyperebene},\index{Hyperebene!projektive}\label{pHy} 
wenn sie aus allen eindimensionalen Untervektorr"aumen eines 
Untervektorraums $W\subset V$ der Kodimension Eins 
besteht, wenn also  in Formeln gilt $P=\mathbb P W$ f"ur $\op{codim}(W\subset V)=1$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}[\textbf{Schnitte von Geraden und projektiven Hyperebenen}] 
Gegeben $V$ ein Vektorraum, $\mathbb P V$ seine
  Projektivisierung und $P\subset \mathbb P V$ eine projektive
  Hyperebene trifft jede projektive Gerade $g\subset \mathbb P V$,
  die nicht
  in unserer projektiven
  Hyperebene $P$ enthalten ist, besagte 
  projektive
  Hyperebene in genau einem Punkt.\label{SGH} 
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Der Punkt ist hierbei, da"s im Projektiven der Schnitt
  einer Gerade mit einer Hyperebene nie leer sein kann.
  Das steht im Gegensatz zur Situation im Affinen, bei der
  das  ja durchaus m"oglich ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
  Wir haben per definitionem $g=\mathbb P V_g$ und $P=\mathbb P W$ mit
  $\op{dim}V_g=2$ und $\op{codim}(W\subset V)=1$.
  Dann folgt aus $V_g\not\subset W$ bereits $\op{dim}(V_g\cap W)=1$,
  denn w"are der Schnitt Null, so k"onnte $W$ keine Hyperebene gewesen sein.
  Dieser eindimensionale Untervektorraum $(V_g\cap W)\subset V$ ist
dann  als Punkt des projektiven Raums  $\mathbb P V$
  aufgefa"st der gesuchte  Schnittpunkt.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Gegeben  in der Projektivisierung  $\mathbb P V$ eines Vektorraums $V$ 
  eine projektive Hyperebene $P\subset \mathbb P V$ sowie ein
  Punkt $q\in \mathbb P V\backslash P$ im Komplement unserer Hyperebene
  erkl"aren wir die {\bf Projektion\index{Projektion} mit Zentrum $q$ auf die
    Hyperebene $P$} 
  als die durch die Eigenschaft $\{\pi_q(x)\}=\overline{qx}\cap P$
  nach \ref{SGH} eindeutig bestimmte Abbildung\label{PPG} 
  $$\pi_q: \mathbb P V\backslash q\ra P$$
  Hier meint $\overline{qx}$ die Gerade durch $q$ und $x$ in der
  Inzidenzgeometrie $\mathbb P V$.
  In anderen Worten wird also $\pi_q(x)\in P$ durch die Bedingung
  festgelegt, da"s $q,x$ und $\pi_q(x)$ kollinear sind. Wenn wir besonders betonen wollen,
  da"s wir diesen Projektionsbegriff meinen, sprechen wir von einer
  {\bf projektiven Projektion}.\index{Projektion!projektive} 
\end{Bemerkungl}

\begin{Proposition}[\textbf{Projektive Projektionen projektiver Geraden}]
  Unter der projektiven Projektion eines projektiven Raums auf eine
  projektive Hyperebene wird jede projektive Gerade, die nicht durch
  das Zentrum der Projektion geht, bijektiv auf eine projektive Gerade
  abgebildet.\label{gPi} 
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungw}
  In \ref{ZentP} wird sich erweisen, in welchem Sinn dieser
  Satz als eine Verbesserung unseres Satzes \ref{BiGeZ} "uber
  die Bilder von Geraden unter Zentralprojektionen in affinen R"aumen
  verstanden werden kann.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}
Seien $V\supset W$ ein Vektorraum mit einer
  Hyperebene und 
  $q\in \mathbb P V\backslash \mathbb P W$ ein Punkt
  und
  $\pi=\pi_q: \mathbb P V\backslash q \ra \mathbb P W$
   die projektive Projektion.
  Gegeben $\vec v\in V$ mit $\langle\vec v\rangle=q$ erhalten wir ein
  kommutatives Diagramm
  \begin{displaymath}
 \xymatrix{V\ar[d]^{\pi_{\vec v}}& V\backslash \langle\vec v\rangle \ar[d]\ar@{_{(}->}[l]\ar@{->>}[r]& \mathbb P V\backslash q\ar[d]^{\pi_{q}}\\
W&W\backslash 0\ar@{_{(}->}[l]\ar@{->>}[r]&\mathbb P W}
  \end{displaymath}
  mit einer Parallelprojektion ganz links. Diese Parallelprojektion  ist eine lineare Abbildung und
  bildet folglich Untervektorr"aume von $V$,
  die $\langle\vec v\rangle$ nicht umfassen, auf 
  Untervektorr"aume von $W$ derselben Dimension ab.
  Mithin bildet unsere Projektion $\pi_q$ 
  jede projektive Gerade in $\mathbb P V$, die nicht durch $q$ l"auft,
  bijektiv auf eine projektive Gerade in $\mathbb P W$ ab. 
\end{proof}











\begin{Proposition}[\textbf{Projektionen in projektiven Vervollst"andigungen}]
 Seien $E\supset H$ ein affiner Raum mit einer Hyperebene
 und  $q\in \mathbb V E\backslash \mathbb V H$ ein Punkt. So gibt es f"ur alle $e\in \mathbb V E\backslash q$
    genau ein Element $\pi_q(e)\in \mathbb V H$ mit
   $q,e$ und $\pi_q(e)$ kollinear, und die
   durch die Vorschrift $e\mapsto \pi_q(e)$ erkl"arte
   \emph{\bf projektive Projektion} 
  $$\pi=\pi_q: \mathbb V E\backslash q\ra \mathbb V H$$
  bildet projektive Geraden in $\mathbb V E$, die nicht durch\label{prPP} 
  $q$ gehen, bijektiv auf projektive Geraden in $\mathbb V H$ ab.
\end{Proposition}
\begin{proof} Offensichtlich
  gibt es stets ein Paar $V\supset W$ aus einem Vektorraum  mit einem Teilraum
  der Kodimension Eins und eine Einbettung $E\hra V$ als
  affinen Teilraum, der den Ursprung nicht trifft, und so
  eine Kollineation $\mathbb V E\sira \mathbb P V$, unter dem  $\mathbb V H$
  bijektiv auf $\mathbb P W$ abgebildet wird f"ur $W\subset V$ der
  vom Bild von $H$ erzeugte Untervektorraum. Damit  folgen unsere
  Behauptungen unmittelbar aus den entsprechenden Aussagen f"ur
  projektive R"aume \ref{SGH} und \ref{gPi}.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Zentralprojektion als Einschr"ankung einer projektiven Projektion}]
  Gegeben ein affiner Raum $E$ mit einer Hyperebene $H\subset E$ und
  ein Punkt $q\in E\backslash H$
  erhalten wir f"ur die Zentralprojektion $\zeta_q$ ein
  kommutatives Diagramm\label{ZentP}  
 \begin{displaymath}
 \xymatrix{E\backslash(q+\vec H)\ar[d]^{\zeta_{q}}\ar@{^{(}->}[r]&\mathbb V E\backslash q \ar[d]^{\pi_{q}}\\
H\ar@{^{(}->}[r]&\mathbb V H}
 \end{displaymath}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Nocheinmal Bilder von Geraden unter Zentralprojektionen}] 
  Nach unseren Erkenntnissen  in \ref{prPP}
 werden unter projektiven Projektionen  Geraden von $\mathbb V E$, die nicht durch den Augpunkt $q$ laufen, bijektiv auf Geraden in $\mathbb V H$
 abgebildet. Das liefert einen alternativen Zugang zu
 unserem Satz \ref{BiGeZ} "uber Bilder von affinen Geraden unter Zentralprojektionen.
 Gegeben eine Gerade $g\subset E\backslash q$ wird  ihre Vervollst"andigung   $\mathbb Vg\subset \mathbb V E\backslash q$ nach \ref{prPP} unter $\pi_q$  bijektiv auf eine projektive Gerade $$\pi_q(\mathbb Vg)\subset \mathbb V H$$ abgebildet.
Jetzt gibt es nach \ref{SGH} nur die beiden  M"oglichkeiten
$\pi_q(\mathbb Vg)\subset \mathbb P\vec H$ oder
$|\pi_q(\mathbb Vg)\cap \mathbb P\vec H|=1$, 
und im letzteren Fall ist dieser eindeutige Schnittpunkt entweder 
 $\pi_q(\vec g)$ oder eben ein anderer Punkt. Im ersten Fall
 trifft $g$ den Definitionsbereich unserer Zentralprojektion $\zeta_q$ "uberhaupt nicht.
Im zweiten Fall wird $g$ bijektiv auf eine Gerade in $H$ abgebildet.
 Im dritten Fall haben wir $\pi_q(\vec g)\in H$ und dieses Bild des unendlich fernen Punktes ist 
 der Fluchtpunkt zu $g$.
\end{Bemerkungl}
 
 \begin{Bemerkungl}[\textbf{Parallelprojektion als Einschr"ankung einer projektiven Projektion}]
  Gegeben ein affiner Raum $E$ mit einer Hyperebene $H\subset E$ und
  ein Richtungsvektor  $\vec v\in \vec E\backslash \vec H$ mit zugeh"origem
  unendlich fernen Punkt $q\pdef \langle \vec v\rangle\in \mathbb V E$ 
  erhalten wir f"ur die Parallellprojektion $\pi_{\vec v}$ ein
  kommutatives Diagramm 
 \begin{displaymath}
 \xymatrix{E\ar[d]^{\pi_{\vec v}}\ar@{^{(}->}[r]&\mathbb V E\backslash q \ar[d]^{\pi_{q}}\\
H\ar@{^{(}->}[r]&\mathbb V H}
 \end{displaymath}
 Zusmmen mit \ref{ZentP} sehen wir so,
 da"s sowohl Parallelprojektionen wie auch
 Zentralprojektionen beide
 Einschr"ankungen projektiver Projektionen zwischen den jeweiligen
 Vervollst"andigungen sind.
 \end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Homogene Koordinaten}]
Gegeben $ x_0,x_1, \ldots, x_n\in K$ nicht alle Null bezeichnen wir
die Gerade durch den Ursprung und den Punkt mit den Koordinaten
$x_0,x_1, \ldots, x_n$, aufgefa"st als Punkt des\label{PrIf}  
$n$-dimensionalen
projektiven Raums, mit
$$\langle x_0,x_1, \ldots, x_n\rangle\pdef 
\langle(x_0,x_1, \ldots, x_n)\rangle$$
"Ublich sind  auch die Schreibweisen $[x_0,x_1, \ldots, x_n]$
und $(x_0;x_1; \ldots; x_n)$ f"ur diesen 
Punkt\index{)5>@$\langle x_0,x_1, \ldots, x_n\rangle$ Punkt des $\Bbb{P}^nK$} 
des
projektiven 
Raums $\Bbb{P}^nK$.
Unsere Standardeinbettung 
$K^n \hra \Bbb{P}^nK$ wird  gegeben durch 
 $(x_1, \ldots , x_n) \mapsto 
\langle 1,x_1, \ldots, x_n\rangle$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungw}
  Die projektiven R"aume $\Bbb{P}V$ 
zu endlichdimensionalen reellen oder komplexen Vektorr"aumen $V$
 k"onnen   mit einer Topologie versehen werden durch
die Vorschrift, da"s eine Teilmenge offen sein soll genau dann, wenn
ihr Urbild in $V\backslash 0$\label{TP1}  
offen ist. Mehr zu dieser sogenannten 
\glqq Quotiententopologie\grqq\  diskutieren wir in \eref{PRa}{TM}.
Bereits hier sei erw"ahnt, da"s es f"ur diese Topologien stetige Bijektionen 
mit stetiger Umkehrung gibt, die $\Bbb{P}^{1}\DR$ mit der Kreislinie $S^1$
und $\Bbb{P}^{1}\DC$ mit der Kugelschale $S^2$ identifizieren. 
Deshalb hei"st die komplexe projektive Gerade $\Bbb{P}^{1}\DC$ auch 
die\index{Riemann'sche Zahlenkugel}\index{Zahlenkugel} 
{\bf Riemann'sche Zahlenkugel}. Genauer erhalten wir eine 
derartige Identifikation f"ur $\Bbb{P}^{1}\DC$,
indem wir eine Kugelschale auf die komplexe Zahlenebene legen,
eine Lampe an den h"ochsten Punkt $P$ stellen und 
jeden Punkt der Kugelschale, der nicht gerade der h"ochste Punkt ist,
auf seinen Schatten in der Ebene $\DC$ abbilden, den h"ochsten Punkt $P$
jedoch auf $\infty$. F"ur $\Bbb{P}^{1}\DR$ verf"ahrt man analog.
 Weiter ist $\DP^2\DR$ nach \eref{MNHn}{TM} 
    hom\"{o}omorph ist zu einer Kugelschale, in die man ein kreisrundes Loch
    geschnitten hat, um dort ein M\"{o}biusband einzukleben.
    Um das pr"azise zu verstehen und zu beweisen,  braucht es
    jedoch eine gewisse "Ubung im Umgang mit den
    Grundbegriffen der mengentheoretischen Topologie.
\end{Bemerkungw}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.5\textheight]{SkriptenBilder/BildKrH}\\[4mm]%width=\textwidth
\noindent 
Versuch einer Darstellung der reell-projektiven Ebene $\DP^2\DR$
als topologischer Raum. Unten denke man sich an die Kreislinie
eine Hemisph"are
angeklebt, oben verbindet man je zwei gegen"uberliegende Punkte 
des Einheitskreises durch einen Bogen mit variierender mittlerer H"ohe.
So entsteht eine sich selbst durchdringende r"aumliche Fl"ache,
bei der man sich die Selbstdurchdringung leicht wegdenken kann.
Man nennt sie auch die \defind{Kreuzhaube}.  
\end{figure}






\begin{Proposition*} Gegeben ein endlicher K"orper $\mathbb F$ gibt es eine
  zyklische Gruppe von Automorphismen der
  Inzidenzgeometrie $\mathbb P^2\mathbb F$, die frei und transitiv sowohl auf
  der Menge der Punkte als auch auf der Menge der Geraden operiert.
\end{Proposition*}
\nichtfinal{Bild malen! Etwa die $13= 9+3+1$ Punkte von $\mathbb P^2\mathbb F_3$
wie eine Uhr mit dreizehn Zeiten und darin eine Gerade, die dann durch zirkul"are Translation alle Geraden liefert.} 
\begin{proof}
  Wir betrachten f"ur eine Primzahlpotenz $q$ die K"orpererweiterung
 $\mathbb F_{q^3}/\mathbb F_{q}$. Dann ist  $\mathbb F_{q^3}$  ein dreidimensionaler $\mathbb F_{q}$-Vektorraum und wir erhalten so eine Untergruppe 
    $\mathbb F_{q^3}^\times\hra \op{GL}(3;\mathbb F_q)$,
  die frei und transitiv auf dem Komplement des Urspungs operiert.
  Als multiplikative Gruppe eines endlichen K"orpers ist sie zyklisch nach
  \eref{MZ}{LA2}.  
    Der Quotient  $\mathbb F_{q^3}^\times/\mathbb F_{q}^\times$ ist dann auch zyklisch und operiert frei 
     und transitiv auf $\mathbb P^2\mathbb F_q$ und bildet Geraden auf Geraden ab.
    Weiter ist die Spurform unserer K"orpererweiterung $\mathbb F_{q^3}/\mathbb F_{q}$ nach "Ubung \eref{SpurA1}{AL} nicht ausgeartet und induziert einen
    $\mathbb F_{q^3}^\times$-"aquivarianten Isomorphismus von $\mathbb F_q$-Vektorr"aumen $\mathbb F_{q^3}\sira \op{Hom}_{\mathbb F_q}(\mathbb F_{q^3},\mathbb F_q)$. So sehen wir, da"s $\mathbb F_{q^3}^\times$
 auch   frei und transitiv auf der Menge der von Null verschiedenen
    $\mathbb F_q$-Linearformen auf $\mathbb F_{q^3}$ operiert
    und $\mathbb F_{q^3}^\times/\mathbb F_{q}^\times$
 folglich  frei und transitiv auf der Menge der Geraden in $\mathbb P^2\mathbb F_q$.
\end{proof}



 
 \subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung} Gegeben ein affiner Raum $E$ sind zwei
  affine Geraden $g,h\subset E$ genau dann gleich oder parallel,
  wenn sie sich im Unendlichen schneiden. Genauer und in Formeln gilt also
  $$g\|h \;\IFF \;\DV  g\cap\DV  h \cap\DP\vec E \neq \emptyset$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Gegeben ein Vektorraum $V$ und im projektiven Raum  $\mathbb P V$
  zwei projektive Hyperebenen $U,H\subset \mathbb P V$ sowie ein
  Punkt $q\in \mathbb P V\backslash( H\cup U)$ im Komplement ihrer Vereinigung
 induziert unsere Projektion aus \ref{PPG}  eine Bijektion\label{NaFe}  
 $$\pi_q: U\sira H$$
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}[\textbf{Linearisierung}] 
  Sei $E$ ein affiner Raum  "uber einem K"orper $K$.
  Jede affine Einbettung $i:E\hra V$ als affine den Ursprung vermeidende
  Hyperebene in einen Vektorraum $V$ hat die universelle Eigenschaft, da"s 
 f"ur jeden $K$-Vektorraum $W$ das Vorschalten von $i$ eine Bijektion
\begin{equation*}
\op{Hom}_K (V,W) \sira \op{Aff}_K (E,W)
\end{equation*}
induziert. Eine solche affine Einbettung ist folglich eindeutig bestimmt
bis auf
eindeutigen Isomorphismus. Wir nennen  sie die
{\bf Linearisierung von $E$}.\index{Linearisierung!von affinem Raum}\label{PVA} 
Jede Linearisierung von $E$ 
liefert offensichtlich  eine Bijektion 
  $(E\times K^\times) \amalg \vec
E\sira V$ durch $(e,\lambda)\mapsto\lambda i(e)$ und
$\vec v\mapsto \vec\imath(\vec v)$.
Man gebe Formeln an f"ur diejenige  Verkn"upfung auf 
$(E\times K^\times) \amalg \vec
E$, die  unter dieser   Bijektion  der
Addition von Vektoren in $V$  entspricht.
\end{Ubunge}



\begin{Ubunge}
  Sei $K$ ein K"orper. Man zeige,
  da"s die Homothetien und Translationen bereits alle
  Permutationen von $K^2$ sind, die sich so zu
  Kollineationen von $\mathbb V K^2$
  fortsetzen lassen, da"s die unendlich ferne Gerade punktweise
  festgehalten wird. Hinweis: Nach \eref{BLN}{LA1} sind alle Kollineationen $K^2\sira L^2$
  die von einem  K"orperisomorphismus von 
  $K\sira L$ induzierte Abbildung gefolgt von einer bijektiven $K$-linearen Abbildung und einer Translation.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}
  Gegeben ein K"orper $K$ scheiden sich je zwei verschiedene
  Geraden von $\mathbb P^2K$ in genau einem Punkt. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Kartenspiel zu endlicher projektiver Ebene}]
  Ich habe zu Hause ein Spiel mit gut 50 Karten und 8 Symbolen auf
  jeder Karte derart, da"s je zwei Karten genau ein Symbol gemeinsam haben.
  Es gilt dann, als erster das Symbol zu nennen,
  das die erste Karte vom Kartenstapel eines Spielers mit
  dem in der Mitte liegenden Ablagestapel gemeinsam hat,
  und dann darf man seine Karte in der Mitte ablegen.
  Wer als Erster alle Karten seines eigenen Stapels in der Mitte
  abgelegt hat, hat gewonnen.
  K"onnen Sie so ein Spiel entwerfen? Mit wievielen Karten
  kriegen Sie es maximal hin?
  Wieviele Symbole verwenden Sie dabei?
\end{Ubung}





 \subsection{Projektivit"aten und Fotographien}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ein K"orper $K$
  induziert der offensichtliche Gruppenhomomorphismus
$\op{GL}(n+1;K)\ra \op{Ens}^\times( K^{n+1})$
 einen nat"urlichen   Gruppenhomomorphismus
$\op{GL}(n+1;K)\ra \op{Ens}^\times(\mathbb P^n  K)$.
  Dessen Bild
 hei"st
   die\index{PGL@$\op{PGL}(r;K)$ projektive Gruppe} 
  {\bf projektive Gruppe}\index{projektiv!Gruppe}
  $$\op{PGL}(n+1;K)\subset \op{Ens}^\times(\mathbb P^n K)$$
  Die Elemente der projektiven Gruppe hei"sen
  {\bf Projektivit"aten}.\index{Projektivit"at}
  Der Kern der Surjektion $\op{GL}(n+1;K)\sra \op{PGL}(n+1;K)$
  besteht aus allen\label{PGL} 
   invertierbaren skalaren Matrizen,  wie Sie als "Ubung \ref{pkl}  
  selbst zeigen d"urfen.
  So liefert unsere Surjektion einen Isomorphismus  
  $\op{GL}(n+1;K)/K^\times{\op{I}}\sira \op{PGL}(n+1;K)$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Offensichtlich sind alle Projektivit"aten Kollineationen.
  Offensichtlich gibt es f"ur je zwei projektive Geraden in
  einem projektiven Raum eine Projektivit"at, die sie
  ineinander "uberf"uhrt.\label{trGER}
\end{Bemerkungl}






 




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Vervollst"andigte Fototransformationen}]
  Wir erinnern aus \ref{PrVin} unsere
   Fototransformationen 
  $\phi\pdef j^{-1}\zeta_{q,H} i: \DR^2 \dashrightarrow \DR^2 $
  zu  Einbettungen $i,j:\DR^2\ra\DR^3$
  der Gestalt $i:(x,y)^\top\mapsto A(0,x,y)^\top+\vec v$ 
  und  $j:(x,y)^\top\mapsto B(0,x,y)^\top + \vec w$ f"ur
  $A,B\in\op{SO}(3)$  Drehmatrizen 
  und  $\vec v,\vec w\in\DR^3$  Vektoren und
   einem Augpunkt $q\in \DR^3$,
   der weder im Bild von $i$ noch im Bild  von $j$ liegt.
   Sicher erhalten wir dieselben Fototransformationen,
   wenn wir uns auf den Fall beschr"anken, da"s $q=0$ der
   Ursprung des Koordinatensystems ist.
   Dann induzieren $i$ und $j$  Bijektionen\label{FoTT} 
   $\hat{\imath},\hat{\jmath}:\mathbb V \DR^2\sira \mathbb P^2 \DR$,
   die f"ur gew"ohnlich von unseren
   Standard\-identifikationen abweichen,
   und unsere partiell definierte Fototransforma\-tion
   ist eine Einschr"ankung der  Bijektion
   $$\hat\phi\pdef  \hat{\jmath}^{-1} \hat{\imath}: \mathbb V\DR^2 \sira \mathbb V\DR^2 $$
   Wir nennen auch  diese Bijektionen {\bf  Fototransformationen} oder, wenn wir
   sie von unseren partiell definierten Fototransformationen aus
   \ref{PrVin} unterscheiden wollen,  {\bf  vervollst"andigte Fototransformationen}.\index{Fototransformation!vervollst"andigte} Sie
   sind stets Kollineationen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Projektive Gruppe und Fotographien}] 
  Die von den vervollst"andigten Fototransformationen
  erzeugte Untergruppe
       $F\subset \op{Ens}^\times(\mathbb V \DR^2)$
     entspricht unter  unserer
     Standardidentifikation
     $s:\mathbb V \DR^2\sira \mathbb P^2\DR$  der
     projektiven Gruppe, in Formeln\label{URF} 
     $$sFs^{-1}=\op{PGL}(3; \DR)$$ 
\end{Satz}

\begin{proof}
  Wir zeigen zun"achst die Inklusion $\subset$. In der Tat bilden
  ja nach Annahme und in den Notationen aus
  \ref{FoTT} die Vektoren  $i(0,0)$, $i(1,0)$ und $i(0,1)$ eine
Basis des $\DR^3$ und dasselbe gilt f"ur die Vektoren $j(0,0)$, $j(1,0)$ und $j(0,1)$.
F"ur den linearen Automorphismus $L\in\op{GL}(3;\DR)$,
der die Erste dieser Basen in die Zweite "uberf"uhrt,
kommutieren sicher die Diagramme 
\begin{displaymath}
\xymatrix{\DR^2\ar@{=}[d]\ar@{^{(}->}[r]^-{i}&\DR^3 \ar[d]^{L}\\
  \DR^2\ar@{^{(}->}[r]^-{j}&\DR^3}
\qquad\qquad\xymatrix{\mathbb V\DR^2\ar@{=}[d]\ar[r]_\sim^-{\hat{\imath}}&\mathbb P^2 \DR \ar[d]^{L}\\
 \mathbb V\DR^2\ar[r]_\sim^-{\hat{\jmath}}&\mathbb P^2 \DR}
\end{displaymath}
Es folgt   $\hat\jmath\hat\imath^{-1}\in\op{PGL}(3;\DR)$ und wegen
$s=\hat\sigma$  f"ur $\sigma:(x,y)\mapsto (1,x,y)$ auch 
$s(\hat{\jmath}^{-1}\hat{\imath})s^{-1}=(\hat\sigma\hat{\jmath}^{-1})(\hat{\imath}\hat\sigma^{-1})\in \op{PGL}(3;\DR)$.
 Um die andere Inklusion $\supset$  zu zeigen,
 bemerken wir zun"achst
 $s(\hat\sigma^{-1}\hat\imath) s^{-1}=\hat\imath\hat\sigma^{-1}\in sFs^{-1}$
 f"ur alle $i$, und dies Element der projektiven Gruppe hinwiederum
 wird nach unseren Diagrammen repr"asentiert
durch
die lineare Abbildung $L$, die ${\op{e}}_1,{\op{e}}_1+{\op{e}}_2$ und ${\op{e}}_1+{\op{e}}_3$
auf $i(0,0)$, $i(1,0)$ und $i(0,1)$ wirft.
Geht etwa  das zweite
Tripel durch eine \glqq Verschiebung der Fotoplatte gegen
das Gem"alde um $\lambda{\op{e}}_2$\grqq\ aus dem ersten Tripel
hervor, so da"s in Formeln ${\op{e}}_1+\lambda {\op{e}}_2, {\op{e}}_1+{\op{e}}_2+\lambda {\op{e}}_2,{\op{e}}_1+{\op{e}}_3+\lambda {\op{e}}_2$ unser zweites Tripel ist,  so wird
die zugeh"orige  Projektivit"at induziert durch die Matrix
 $$L=  \begin{pmatrix}
  1&0&0\\
  \lambda&1&0\\
  0&0&1
\end{pmatrix}
$$
Weiter sehen wir, da"s
auch die Projektivit"aten zu
Permutationsmatrizen alle zu $sFs^{-1}$ geh"oren, indem wir
f"ur eine Permutation $\tau\in \mathcal S_3$ eben
${\op{e}}_{\tau(1)},{\op{e}}_{\tau(1)}+{\op{e}}_{\tau(2)}$ und ${\op{e}}_{\tau(1)}+{\op{e}}_{\tau(3)}$ als unser zweites Tripel nehmen.
Die  Untergruppe $sFs^{-1}\subset \op{PGL}(3;\DR)$
 umfa"st  damit die Klassen
aller speziellen Elementarmatrizen. Da aber die speziellen Elementarmatrizen
nach \eref{ESER}{LA2} bereits die ganze 
spezielle lineare Gruppe $\op{SL}(3;\DR)$ erzeugen,
folgt $sFs^{-1}=\op{PGL}(3;\DR)$. 
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Projektive Gruppe und Kollineationen}] 
      Die Gruppe aller Kollineationen in $\op{Ens}^\times(\mathbb P^2 \DR)$
    ist genau die projektive Gruppe $\op{PGL}(3; \DR)$.\label{PGK}  
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Salopp gesprochen sind also unsere \glqq Umrechnungen zwischen verschiedenen
  Fotographien\grqq\ aus \ref{URF} genau diejenigen Permutationen
  der reell-pro\-jek\-tiven Ebene,
  die Geraden in Geraden "uberf"uhren.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
  Dasselbe sollte auch in allen endlichen h"oheren Dimensionen
  gelten mit im wesentlichen demselben Beweis. Als neue Zutat gilt es
  nur zu zeigen, da"s jede maximale echte Teilmenge eines $\mathbb P^n\DR$,
  die mit je zwei verschiedenen Punkten auch die ganze projektive Gerade
  durch sie umfa"st, eine projektive Hyperebene ist.
\end{Bemerkunge}
  \begin{proof}
  Es ist klar, da"s die projektive Gruppe $\op{PGL}(3; \DR)$ aus Kollineationen
  besteht. Gegeben eine Kollineation $k:\mathbb P^2 \DR\sira \mathbb P^2 \DR$
  wird andererseits die unendlich ferne Gerade $\mathbb P^1 \DR$ auf
  eine Gerade abgebildet und wir finden ein Element $g\in \op{PGL}(3; \DR)$
  derart, da"s $gk$ die unendlich ferne Gerade stabilisiert.
  Dann induziert $gk$ nach \eref{IAGe}{LA1} eine affine Abbildung
  auf dem Komplement $\DR^2$ der unendlich fernen Gerade,
  und indem wir $g$ geeignet ab"andern, d"urfen wir annehmen, da"s
  $gk$ auf diesem Komplement die Identit"at ist.
  Eine derartige Kollineation mu"s
  aber auch auf der unendlich fernen Geraden die Identit"at sein und so
  folgt $k=g^{-1}$.
\end{proof}






\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}\label{pkl} 
  Ein Automorphismus eines Vektorraums, der jeden
  eindimensionalen Untervektorraum stabilisiert, ist
  ein skalares Vielfaches der Identit"at.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Gegeben in einem projektiven Raum
  zwei Paare $(g_i, x_i)_{i=1,2}$ aus einer
  eine Gerade und einen Punkt au"serhalb dieser Gerade
  gibt es stets eine Projektivit"at, die das eine Paar in das andere
  ineinander "uberf"uhrt.\label{trGERf} Idem f"ur einen Punkt auf einer Gerade.
  Idem f"ur zwei verschiedene Punkte auf einer Gerade. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Sei $K$ ein K"orper. Man zeige:
Gegeben zwei Tripel von paarweise verschiedenen Ursprungsgeraden
in der Ebene $K^2$ gibt es stets eine lineare Abbildung,
die das eine Tripel in das andere "uberf"uhrt, und diese
lineare Abbildung ist eindeutig bestimmt bis auf einen
Skalar.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $K$ ein K"orper.
  Die vorhergehende "Ubung zeigt, da"s es f"ur jedes Quadrupel $(x_1,x_2,x_3,x_4)$ 
  von paarweise verschiedenen Punkten
  der projektiven Gerade $\mathbb P^1 K$ genau
  ein Element $g\in\op{PGL}(2;K)$ gibt,
  das es in ein Quadrupel der Gestalt $(x,0,1,\infty)$ "uberf"uhrt.
  Man zeige, da"s hier $x$ im Fall, da"s keiner unserer
  urspr"unglichen Punkte $\infty$ ist, gegeben wird durch die Formel
  $$x=\frac{x_1-x_2}{x_1-x_4}
\left/\frac{x_3-x_2}{x_3-x_4}\right.$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{TRPG}
Sei $K$ ein K"orper. Wir erinnern an  die kanonische Bijektion
$K\amalg\{\infty\}\sira \DP^1K$ aus \ref{PrIf}
mit $z\mapsto \langle 1,z\rangle$ und 
$\infty\mapsto\langle 0,1\rangle$.  Man zeige: 
Gegeben zwei Tripel von paarweise verschiedenen Geraden
in der Ebene $K^2$ gibt es stets eine lineare Abbildung,
die das eine Tripel in das andere "uberf"uhrt, und diese
lineare Abbildung ist eindeutig bestimmt bis auf einen
Skalar. F"ur unsere Operation 
von $\op{PGL}(2;K)$ auf 
$(\Bbb{P}^{1}K)^3 $ liefert demnach  die Vorschrift
$g\mapsto g(0,1, \infty)$  eine Bijektion
$$\op{PGL}(2;K)\;\sira\; (\Bbb{P}^{1}K)^3\backslash \Delta$$
f"ur $\Delta$ die \glqq dicke Diagonale\grqq\  alias die Menge aller Tripel
mit mindestens zwei gleichen Eintr"agen.
Man definiert das \defind{Doppelverh"altnis}
$$b:(\Bbb{P}^{1}K)^4\backslash \Delta\;\sira \;K\backslash\{0,1\}$$
auf der Menge aller Quadrupel mit vier paarweise
verschiedenen Eintr"agen
durch die Vorschrift, da"s jedem derartigen Quadrupel
$(x_1,x_2,x_3,x_4)$  derjenige eindeutig
bestimmte Punkt $x\in K$ zugeordnet werden soll, f"ur den es ein
$g\in \op{GL}(2;K)$ gibt mit $g:(x_1,x_2,x_3,x_4)\mapsto (x,0,1,\infty)$.
Man zeige %f"ur $x_1,x_2,x_3,x_4\in K$ paarweise verschieden 
f"ur dies Doppelverh"altnis im Fall, da"s keiner unserer vier Punkte
der Punkt $\infty$ ist, die Formel
$$b(x_1,x_2,x_3,x_4)=\frac{x_1-x_2}{x_1-x_4}
\left/\frac{x_3-x_2}{x_3-x_4}\right.$$
Sie erkl"art auch die Herkunft der Bezeichnung als
Doppelverh"altnis. Im Fall, da"s einer unserer vier Punkte
$\infty$ ist, gilt unsere Formel dem Sinne nach immer noch, mu"s aber
mit einer gewissen Sorgfalt interpretiert werden.
\end{Ubung}
\begin{Ubungw}
  Ich bin ziemlich sicher, da"s die vervollst"andigten
  Fototransformationen eine offene dichte Teilmenge der projektiven Gruppe
  $\op{PGL}(3;\DR)$ bilden. Daraus w"urde unmittelbar folgen, da"s jedes Element der
  projektiven Gruppe als Verkn"upfung von zwei
vervollst"andigten
  Fototransformationen dargestellt werden kann. 
  Ich h"atte gerne eine etwas explizitere Beschreibung derjenigen  Elemente der
  projektiven Gruppe, die keine vervollst"andigten Fototransformationen sind.
  Ich erwarte, da"s sich insbesondere die meisten Scherungen nicht als Fototransformationen realisieren lassen. % Brief von Rolfdieter Franke,
  % der das geloest hat und sagt, Moebius habe sie in seiner Arbeit
  % Der baryzentrische Calcuel auch geloest. Ich habe per Email um Details
  % gebeten.
\end{Ubungw}
\nichtfinal{Es gibt einen wunderbaren Satz von Euler, nach dem der Abstand
  $d$  zwischen Umkreismittelpunkt und Innkreismittelpunkt eines Dreiecks
  gegeben wird durch die Formel $d^2=R(R-2r)$ f"ur $R$ der Umkreisradius und
  $r$ der Innkreisradius. Ist also ein Dreieck gegeben und nehmen wir ein zweites Dreieck mit demselben Innkreis und zwei Ecken auf dem Umkreis
  des ersten Dreiecks liegt auch die dritte Ecke des zweiten Dreiecks auf dem
  Umkreis des ersten Dreiecks.
  In der projektiven Geometrie kann man je zwei Kegelschnitte, die sich nicht schneiden,
in zwei Kreise "uberf"uhren (?). Gegeben also ein Dreieck zusammen mit einer Innenellipse und einer Au"senellpise und ein zweites Dreieck mit derselben Innenellipse und zwei Ecken auf derelben Au"senellipse
liegt auch die dritte Ecke des zweiten Dreiecks auf besagter
Au"senellipse.}


\subsection{Die S"atze von Desargues und Pappos}\label{DesPa} 

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Motivation durch Fotographie}]
  Ich erinnere an die Desargueseigenschaft \ref{DesEi}
  und die Papposeigenschaft \ref{DesDea}
  f"ur affine
  Inzidenzebenen. Wir wissen, da"s sie f"ur $\DR^2$ und allgemeiner
  f"ur jede zweidimensionale affine Ebene "uber einem K"orper  gelten
  und diese sogar charakterisieren.
  Wenn wir nun die Figur zu einem dieser S"atze auf ein Papier malen und dies
  Papier  von irgendwoher mit einer Lochkamera
  fotographieren, bleiben salopp gesprochen
  in unserer Fotographie
  Geraden
  immer noch Geraden, aber parallele Geraden bleiben nicht parallel.
  Vielmehr schneiden sich die Bilder
  paralleler Geraden in ihrem gemeinsamen Fluchtpunkt und alle diese
  Fluchtpunkte von parallelen Geraden in Ebene des Papiers, das sagen wir auf einem Tisch liegt, 
  bilden ihrerseits eine Gerade, den Horizont. Diese Erkenntnis
  f"uhrt uns zur Formulierung und dem Beweis der beiden folgenden
  S"atze.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildDesA}\\[4mm]
 \noindent Der Satz von Desargues besagt, da"s die drei
als hohle Kreise dargestellten Schnittpunkte stets auf einer
hier gestrichelt gezeichneten Gerade liegen.
\end{Bild}
\begin{Satz}[\textbf{von Desargues}]
Seien in der projektiven Ebene $\mathbb P^2 K$  "uber einem K"orper $K$ 
 drei paarweise verschiedene projektive Geraden 
 $g_1,g_2,g_3$ mit einem gemeinsamen Punkt $z$
 gegeben und f"ur $i\in\{1,2,3\}$ Punkte
 $x_i,y_i\in g_i\backslash z$
 mit $x_i\neq y_i$.\label{DesDe}
 So sind die Schnittpunkte 
$\overline{x_1x_2}\cap \overline{y_1y_2}$ und
$\overline{x_2x_3}\cap \overline{y_2y_3}$ und 
$\overline{x_1x_3}\cap \overline{y_1y_3}$ kollinear. 
\end{Satz}
\begin{proof}
  Wir bezeichnen unsere drei Schnittpunkte mit
  dem jeweils fehlenden Index als $s_3,s_1$ und $s_2$.
  Fallen zwei dieser Schnittpunkte zusammen, so bleibt eh
  nichts mehr zu zeigen. Sonst betrachten wir die projektive Gerade
  $l\pdef \overline{s_3s_1}$ durch die ersten beiden unserer Schnittpunkte
  und finden nach \ref{trGER} eine Kollineation, die $l$ in die
   projektive  Gerade der unendlich fernen Punkte transformiert.
   Liegt keiner  der Punkte $x_i,y_i$ auf $l$, so verwandelt sich unser Satz
   von Desargues unter dieser Kollineation in
   die Desargueseigenschaft aus \ref{DesEi} falls $z\not\in l$ beziehungsweise
   die ausgeartete Desargueseigenschaft aus \ref{Pdes} falls $z\in l$
   und wir sind fertig.
   Nun argumentieren wir noch, warum keiner der Punkte $x_i,y_i$ auf
   $l$ liegen kann. 
  Der Schnittpunkt $s_3\pdef
  \overline{x_1x_2}\cap \overline{y_1y_2}$ kann weder auf
  $g_1$ noch auf $g_2$ liegen, h"ochstens auf $g_3$.
  Analog kann $s_1$ nicht auf $g_2$ und $g_3$ liegen, h"ochstens auf $g_1$.
  So folgt schon einmal $l\neq g_i$ f"ur alle $i$.
  H"atten wir nun etwa $x_1\in l$, so folgte $x_1=l\cap g_1=s_3$ und so
  $g_1=\overline{y_1y_2}$ im Widerspruch zu unseren Annahmen. Analog argumentieren wir f"ur die anderen Punkte $x_i,y_i$.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{von Pappos}]
Seien in der projektiven Ebene $\mathbb P^2 K$  "uber einem K"orper $K$ 
 Geraden $g, h$ gegeben
 und f"ur $i\in\{1,2,3\}$
paarweise verschiedene Punkte
 $x_i\in g\backslash h$ und $y_i\in h\backslash g$.
 So sind die  Schnittpunkte 
$\overline{x_1y_2}\cap\overline{x_2y_1}$  und 
$ \overline{x_2y_3}\cap\overline{x_3y_2}$ und  $\overline{x_1y_3}\cap\overline{x_3y_1}$ kollinear.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Salopp ausgedr"uckt sagt unsere Eigenschaft:
Gegeben zwei verschiedene Geraden
  und ein Sechseck, dessen
  Ecken abwechselnd auf der einen und auf der anderen Gerade liegen,
  sind die drei Schnittpunkte jeweils gegen"uberliegender Kantengeraden
  unseres Sechsecks kollinear. 
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
  Wir bezeichnen unsere drei Schnittpunkte mit
  dem jeweils fehlenden Index als $s_3,s_1$ und $s_2$.
  Fallen zwei dieser Schnittpunkte zusammen, so bleibt eh
  nichts mehr zu zeigen. Sonst betrachten wir die projektive Gerade
  $l\pdef \overline{s_3s_1}$ durch die ersten beiden unserer Schnittpunkte
  und finden nach \ref{trGER} eine Kollineation, die $l$ in die
   projektive  Gerade der unendlich fernen Punkte transformiert.
   Liegt keiner  der Punkte $x_i,y_i$ auf $l$, so verwandelt sich unser Satz
   von Pappos unter dieser Kollineation in
   die Papposeigenschaft aus \ref{DesDea}
   und wir sind fertig.
    Nun argumentieren wir noch, warum keiner der Punkte $x_i,y_i$ auf
   $l$ liegen kann. 
  Der Schnittpunkt $s_3\pdef
  \overline{x_1y_2}\cap \overline{x_2y_1}$ kann
  nicht auf $g$ liegen, da wir sonst $x_1=s_3=x_2$ haben m"u"sten.
  Wir folgern $l\neq g$ und ebenso $l\neq h$.
  Weiter finden wir $l\neq  \overline{x_1y_2}$, da wir sonst
  $s_1=y_2\in h$ haben m"u"sten.
  Also gilt $l\cap  \overline{x_1y_2}=\{s_3\}$
  und so $x_1\not\in l$.
  Analog argumentieren wir f"ur die anderen Punkte $x_i,y_i$.
\end{proof}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPapp}\\[4mm]
 \noindent Der Satz von Pappos besagt, da"s die drei
als hohle Kreise dargestellten Schnittpunkte stets auf einer
hier gestrichelt gezeichneten Gerade liegen.
\end{Bild}
% \begin{Bild} 
%  \includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildPaPa}\\[4mm]
%  \noindent Der Fall einer parallelen dritten Gerade 
% beim Beweis der Pappos-Eigenschaft \ref{PaKO}.
% Die unendlich fernen Punkte $x_{1i}$ geh"oren zu den
% Parallelenscharen, von denen zwei Repr"asentanten mit jeweils
% $i$ Strichen gekennzeichnet sind. Zu zeigen ist, da"s 
% der Schnittpunkt $x_{33}$ der gestrichelten Linien 
% auf $\overline{x_{31}x_{32}}$ liegt, das als parallel zur Geraden
% durch die Punkte $x_{2i}$ angenommen ist.
% \end{Bild}






% \begin{Bemerkungl}[\textbf{Selbstdualit"at der Desargues-Eigenschaft}]
% WOHIN? Verst"arken  wir in der Formulierung  der Desargues-Eigenschaft 
% den letzten Satz zur Forderung \glqq Genau dann gibt es  einen Punkt, der mit je zwei Punkten
% in Bijektion kollinear ist, wenn es eine Gerade gibt,
% die mit je zwei Geraden in
% Bijektion kopunktal ist\grqq,  so gilt diese
% a priori st"arkere Eigenschaft offensichtlich f"ur eine projektive 
% Inzidenzebene genau dann, wenn sie f"ur die duale  projektive 
% Inzidenzebene gilt. 
% \end{Bemerkungl}
\subsection{Punkt-Geraden-Dualit"at}\label{PGD} 
\begin{Definition}
  Eine {\bf Inzidenzstruktur}\index{Inzidenzstruktur}
   ist ein Datum $(X, G, I)$ bestehend aus zwei
 Mengen $X$ und $G$ und einer  Teilmenge $I \subset
X \times G$.
Statt $(x,g) \in I$ schreiben wir auch $x I g$ oder $gIx$ und sagen
{\bf $x$ inzidiert mit $g$} und {\bf $g$ inzidiert mit $x$}. 
Gegeben zwei Inzidenzstrukturen $(X, G, I)$ und $(X', G', I')$
verstehen wir unter einem {\bf Isomorphismus von Inzidenzstrukturen} 
ein Paar $(\varphi,\psi)$ bestehend aus einer Bijektion
$\varphi:X\sira X'$ und einer  Bijektion
$\psi:G\sira G'$ derart, da"s gilt $(\varphi\times \psi)(I)=I'$. 
\end{Definition}

\begin{Beispiel}
  Jeder \hyperref[IzGG]{Inzidenzgeometrie} $(X,G)$
  k"onnen wir eine Inzidenzstruktur $(X,G,I)$ zuordnen durch die
  Vorschrift $I\pdef\{(x,g)\mid x\in g\}$.
  Gegeben eine weitere Inzidenzgeometrie $(X',G')$
  ist dar"uber hinaus eine Abbildung $\psi:X\ra X'$ genau dann
  eine \hyperref[Kolli]{Kollineation}, wenn sie sich zu einem
  Isomorphismus der zugeh"origen Inzidenzstrukturen
  fortsetzen l"a"st, und diese Fortsetzung ist dann eindeutig
  bestimmt.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Gegeben eine Inzidenzstruktur
  $(X,G,I)$ betrachten wir die Vertauschungsabbildung $\tau : X \times G \sira G
  \times X$ gegeben durch $\tau(x,g)\pdef (g,x)$ und
  nennen  $(G,X, \tau (I))$\label{PGS}  die
{\bf duale Inzidenzstruktur}.\index{dual!Inzidenzstruktur} 
\end{Beispiel}


\begin{Satz}[\textbf{Punkt-Geraden-Dualit"at}]
  Seien $V$ ein dreidimensionaler Vektorraum und $V^\ast$ sein Dualraum.
  \begin{enumerate}
  \item
    Wir erhalten eine Bijektion $\varphi$ zwischen $\mathbb P(V^\ast)$ und der Menge der
    projektiven Geraden in $\mathbb P(V)$ durch 
    die Abbildungsvorschrift $\langle \lambda\rangle\mapsto \mathbb P(\op{ker}\lambda)$;
  \item
    Wir erhalten eine Bijektion $\varphi_\ast$
    zwischen $\mathbb P(V)$ und der Menge der
    projektiven Geraden in $\mathbb P(V^\ast)$ durch 
    die Abbildungsvorschrift $\langle v\rangle\mapsto \mathbb P(\op{ker}\op{ev}(v))$;
  \item
    Das Paar $(\varphi,\varphi_\ast^{-1})$ ist ein Isomorphismus
    zwischen der Inzidenzstruktur zur Inzidenzgeometrie $\mathbb P(V^\ast)$
    und dem Dualen  der Inzidenzstruktur zur Inzidenzgeometrie $\mathbb P(V)$.
  \end{enumerate}
\end{Satz}
  
\begin{proof}
  Ganz allgemein liefert f"ur jeden  endlichdimensionalen
  Vektorraum $V$ die Vorschrift $U\mapsto U^\perp$ eine
  inklusionsumkehrende Bijektion zwischen
  der Menge aller Untervektorr"aume von $V$ und der Menge aller Untervektorr"aume von $V^\ast$. Der Satz folgt.
\end{proof}


% \subsection{Alter Quatsch}

% \begin{Bemerkungl}
% Durch den "Ubergang von affinen Inzidenzebenen zu den sogenannten \glqq % projektiven Inzidenzebenen\grqq\ 
% entstehen neue Symmetrien, die die Eigenschaften von Desargues
% und Pappos zu sehr viel st"arkeren Aussagen machen. Das soll im folgenden
% ausgef"uhrt werden.
% \end{Bemerkungl}

% \begin{Definition}\label{pIE} 
%   Eine {\bf projektive Inzidenzebene}\index{Inzidenzebene!projektive} 
 %  $(X,G)$  ist eine \hyperref[IzGG]{Inzidenzgeometrie} mit den beiden folgenden
%   zus"atzlichen Eigenschaften:
% \begin{enumerate}
% \item Gegeben $g, h \in G$ mit $g \neq h$ gibt es genau ein $x \in X$ mit $x % \in g$ und
% $x \in h$ alias: 
% Je zwei verschiedene Geraden schneiden sich in  genau einem Punkt;
% \item Es gibt vier paarweise verschiedene Punkte, von denen keine drei
%   kollinear sind.
% Man nennt solch eine Menge von Punkten auch  ein {\bf Viereck}.\index{Viereck} 
% \end{enumerate}
% \end{Definition}


% \begin{Beispiel}\label{pRu} 
%  Ist $W$ ein dreidimensionaler Vektorraum 
% "uber einem K"orper $K$, so ist der \hyperref[CUe]{projektive Raum} 
%  $X \pdef \mathbb P W$ mit seinen in \ref{CUe} erkl"arten
%  projektiven Geraden als Geraden 
% eine projektive Inzidenzebene.
%Analoges gilt, wenn allgemeiner $K$ ein Schiefk"orper ist.
% \end{Beispiel}
%\begin{Beispiel}
% Ist  $K$ ein Schiefk"orper, so wird die 
%Menge\index{P@$\Bbb{P}^nK$ projektiver Raum!zu Schiefk"orper}
%$$X\pdef \Bbb{P}^2K \pdef (K^3\backslash 0)/K^\times$$
%der Bahnen unter der Rechtsmultiplikation von $K^\times$
%eine projektive Inzidenzebene, wenn wir  projektive Geraden
%analog wie im kommutativen Fall erkl"aren.
%\end{Beispiel}


% \begin{Beispiel}[\textbf{Projektive Vervollst"andigung}] 
%  Gegeben eine affine Inzi\-denz\-ebene $(X, G)$ k"onnen wir eine projektive Inzidenzebene\label{PrVix} 
% $(\mathbb V X, \bar{ G})$ konstruieren wie folgt:
%  Die Menge der "Aquivalenzklassen unserer "Aquivalenzrelation 
% \glqq gleich oder parallel\grqq\ aus \ref{gop} notieren wir
% $\mathbb S X$ und nennen ihre Elemente, also die einzelnen 
% "Aquivalenzklassen, die {\bf unendlich fernen Punkte
% von $X$}.\index{unendlich!ferner Punkt} Es mag verwirrend sein, da"s 
% die unendlich fernen Punkte
% von $X$ keine Punkte von $X$ sind, sondern 
% vielmehr Mengen von Teilmengen von $X$, 
% aber so ist nun einmal die Terminologie. 
% Dann erkl"aren wir die Menge $\mathbb V X$ als die disjunkte Vereinigung
% \begin{equation*}
%  \mathbb V X \pdef X \sqcup \mathbb S X
% \end{equation*}
% und erkl"aren $\bar{ G} \subset \mathcal P (\mathbb V X)$, indem 
% wir 
% zu jedem $g \in  G$ die Menge 
% $\bar{g} \pdef g \sqcup [g]$ mit $[g] \in \mathbb S X$
% der "Aquivalenzklasse von $g$ bilden und dann  
% $$\bar{ G} \pdef\{ \bar g \mid g \in  G\} 
% \sqcup \{ \mathbb S X\}$$ setzen.
% In diesem Zusammenhang hei"st $\mathbb S X$ die {\bf unendlich ferne
%   Gerade}.\index{unendlich!ferne Gerade}\index{Gerade!unendlich ferne}  
% Man sieht leicht, da"s die projektive Vervollst"andigung
% einer affinen Inzidenzebene stets eine projektive Inzidenzebene ist.
% Umgekehrt ist auch klar, da"s man stets eine affine 
% Inzidenzebene erh"alt, wenn man eine projektive Gerade aus einer
% projektiven Inzidenzebene entfernt und als affine Geraden die Schnitte der
% anderen projektiven Geraden mit dem Komplement besagter projektiver 
% Gerade erkl"art.
% \end{Beispiel}


% \begin{Beispiel}
%  Ist $E$ ein zweidimensionaler affiner Raum 
% "uber einem K"orper $K$, 
% so haben wir eine nat"urliche Bijektion 
% $\mathbb P\vec E\sira \mathbb S E$ 
% zwischen der Projektivisierung seines Richtungsraums 
% und seiner unendlich fernen Gerade und die davon induzierte
% Bijektion zwischen der in \ref{PrVi} konstruierten Vervollst"andigung
% und der hier  konstruierten Vervollst"andigung ist ein Isomorphismus
% $\mathbb V E\sira \mathbb V E$ von Inzidenzgeometrien, weshalb
% wir auch von Anfang an keine neue Notation eingef"uhrt haben.
% \end{Beispiel}



% \begin{Definition}
%   Eine Inzidenzstruktur nennen wir eine\label{aIS} 
 %  {\bf abstrakte Inzidenzgeometrie},\index{Inzidenzgeometrie!abstrakte} 
%   wenn es f"ur jedes $g\in G$ zwei verschiedene Punkte $x,y\in X$ gibt
%   mit $xIg$ und $yIg$ und wenn es f"ur je zwei verschiedene Punkte $x,y\in X$
% genau ein $g\in G$ gibt mit $xIg$ und $yIg$.
% \end{Definition}
% \begin{Bemerkungl}[\textbf{Die Begriffsvarianten \glqq abstrakt -- konkret\grqq\ bei Inzidenzgeometrien}] 
%   Eine Inzidenzgeometrie $(X,G)$ im Sinne von \ref{IzGG} mit
 %  $G\subset \mathcal P(X)$ nennen wir
%   f"ur die folgende Diskussion eine \glqq konkrete Inzidenzgeometrie\grqq.
 %  Aus jeder konkreten Inzidenzgeometrie
 %  k"onnen wir eine abstrakte Inzidenzgeometrie machen, indem
 %  wir  $I\pdef \{(x,g)\in X\times G\mid x\in g\}$ setzen.
%   Aus jeder  abstrakten Inzidenzgeometrie $(X,G,I)$ k"onnen wir
 %  umgekehrt eine konkrete Inzidenzgeometrie machen, indem wir
 %  $\varphi_I:G\hra \mathcal P(X)$ erkl"aren durch $\varphi_I(g)\pdef \{x\in X\mid xIg\}$ und dann  $(X,\varphi_I(G))$ als unsere konkrete Inzidenzgeometrie
%   nehmen. Machen wir aus einer konkreten Inzidenzgeometrie die zugeh"orige
%   abstrakte Inzidenzgeometrie, so liefert uns unsere zweite Konstruktion
 %  die urspr"unglich konkrete Inzidenzgeometrie zur"uck.
 %  Machen wir umgekehrt aus einer abstrakten  Inzidenzgeometrie die zugeh"orige
%   konkrete Inzidenzgeometrie, so liefert uns unsere erste Konstruktion
 %  eine isomorphe abstrakte Inzidenzgeometrie.
 %  In diesem Sinne sind beide Konzepte nur unwesentlich verschieden.
%   Der  Nutzen dieser beiden 
% Begrifflichkeiten
% liegt allein darin, die Betonung 
%  unterschiedlicher Aspekte der Theorie zu erleichtern.
%   Wenn wir bei einer affinen oder projektiven Inzidenzebene
 %  besonders betonen wollen, das wir sie als abstrakte Inzidenzgeometrie denken,
%   so sprechen
 %  wir von einer {\bf abstrakten affinen} oder {\bf abstrakten projektiven Inzidenzebene}. 
% \end{Bemerkungl}

% \begin{Bemerkungl} Ich fasse nocheinmal zusammen, unter welchen Bedingungen 
%   eine Inzidenzstruktur $(X,G,I)$ eine abstrakte projektive Inzidenzebene
%   ist. Sie mu"s daf"ur ja  eine Inzidenzgeometrie \ref{aIS}
 %  sein und die "ubersetzten 
 %  Eigenschaften nach \ref{pIE} erf"ullen. Ausgeschrieben bedeutet das
 %  insgesamt die folgenden vier
%   Bedingungen an unsere Inzidenzstruktur:
 %  \begin{enumerate}
%   \item[(0.)]
%    F"ur alle $g\in G$ gibt es  $x,y\in X$ 
 %   mit $x\neq y$ und $xIgIy$;
 % \item
 %   F"ur alle $x,y\in X$ mit $x\neq y$ 
%    gibt es genau ein $g\in G$  mit $xIgIy$;
% \item F"ur alle $g, h \in G$ mit $g \neq h$ gibt es genau ein $x \in X$ mit $g I x I h$;
% \item
%   Es gibt $x_1,\ldots,x_4\in X$ und $g_1,\ldots,g_4\in G$ jeweils paarweise verschieden mit $x_1Ig_1Ix_2Ig_2Ix_3Ig_3Ix_4Ig_4Ix_1$ in unzul"assig abk"urzender Notation.
 %  \end{enumerate}
%   Hierbei folgt die nullte Bedingung bereits aus den anderen,
 %  denn gegeben $g\in G$ gibt es $y_1,\ldots,y_4$ mit $gIy_iIg_i$, und w"aren
%   diese $y_i$ alle gleich, so k"onnten die $x_i$ nicht
%   paarweise verschieden gewesen sein. 
% \end{Bemerkungl}











  


% \subsubsection*{"Ubungen}
% \begin{Ubung}
%   Man zeige, da"s in einer projektiven Inzidenzebene jede Gerade mindestens
%   drei Punkte hat.  
% \end{Ubung}

% \begin{Ubung}
%   Man zeige ohne auf den Koordinatisierungssatz 
% zur"uckzugreifen, da"s eine projektive Inzidenzebene genau dann
% die Pappos-Eigenschaft hat, wenn die duale projektive Inzidenzebene
% die Pappos-Eigenschaft hat. 
% \end{Ubung}





%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXEL"
%%% End: 
