\section{Erinnerungen und Grundlagen}
\subsection{Komplexe Zahlen \sose{(19.4)}}\label{FKoZa}



\begin{Bemerkungl}
  Ich beginne mit einer kurzen Wiederholung der Definition des K"orpers der
  komplexen Zahlen. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/KomplexeZahlen1.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die K\"orperoperationen in
  den komplexen Zahlen.} 
F"ur zus"atzliche Details verweise ich auf
  \eref{KoZa}{LA1}. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Charakterisierung der komplexen Zahlen}]
\begin{enumerate}
\item Es gibt %existieren
Tripel $$(\mathbb{C},\op{i},\kappa)$$ bestehend aus einem K"orper
$\mathbb{C}$, einem Element $\op{i}\in \mathbb{C}$ und einem 
K"orperhomomorphismus
$\kappa : \mathbb{R} \rightarrow \mathbb{C}$ derart, da"s gilt $\op{i}^2=-1$ und da"s $1$ und 
$ \op{i}$ eine $\mathbb{R}$-Basis von $\mathbb{C}$  bilden;
\item
Derartige Tripel sind  eindeutig bis auf eindeutigen Isomorphismus.
Ist genauer $(\mathbb{C}^\prime, \op{i}^\prime, \kappa^\prime)$
ein weiteres derartiges Tripel, so gibt es genau einen K"or\-per\-ho\-mo\-mor\-phis\-mus
$\varphi : \mathbb{C} \ra \mathbb{C}^\prime$ mit
$\varphi : \op{i} \mapsto \op{i}^\prime$ und
$\varphi \circ \kappa = \kappa^\prime$.
\end{enumerate}\label{FCCZ} 
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}\label{FDDC}
Wir w"ahlen f"ur den weiteren Verlauf der Vorlesung
ein festes Tripel
$(\mathbb{C},\op{i},\kappa)$ der im Satz beschriebenen Art.
Wegen der im zweiten Teil des Satzes formulierten
\glqq Eindeutigkeit bis auf eindeutigen Isomorphismus\grqq\  erlauben wir uns 
den bestimmten Artikel\index{C@$\DC$ komplexe Zahlen} 
und nennen $\DC$ den {\bf 
 K"orper
der komplexen Zahlen}\index{komplexe Zahlen}.\index{Zahl!komplexe}
Weiter 
k"urzen wir f"ur reelle Zahlen $a\in\DR$ stets
 $\kappa(a)=a$ ab
und gehen sogar so weit, die reellen Zahlen vermittels $\kappa$ als
Teilmenge von $\mathbb{C}$
aufzufassen.\index{i@$\op{i}$ Wurzel aus $-1$ in $\DC$} 
\end{Bemerkungl}





\begin{Bemerkungl}
Es ist  "ublich, komplexe Zahlen mit $z$ zu bezeichnen und
als $z = x+y{\op{i}}$ zu schreiben mit $x,y\in\DR$.
Man mag sich die komplexe Zahl  $z = x+y{\op{i}}$ vorstellen als den Punkt
$(x,y)$ der Koordinatenebene $\Bbb{R}^{2}$.
Wenn wir an diese Vorstellung appelieren wollen, reden wir von der
{\bf komplexen Zahlenebene}.\index{Zahlenebene} 
Unter dieser Identifikation von $\DC $ mit $ \Bbb{R}^{2}$ 
bedeutet f"ur $w\in\DC$ die
Additionsabbildung
$(w +) : \DC \ra \DC$, $z \mapsto w + z$ anschaulich die Verschiebung
um den Vektor $w$. Die 
Multiplikationsabbildung $(w\cdot) : \DC \ra \DC$, $z \mapsto wz$
dahingegen bedeutet anschaulich diejenige Drehstreckung, die
$1=1_\DC=(1,0)$ in $w$ "uberf"uhrt.  \end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htbp]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0018}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschauung f"ur das Quadrieren komplexer Zahlen in ihrer
anschaulichen Interpretation als Punkte der
komplexen Zahlenebene
\end{minipage}
\end{figure}



\begin{Bemerkungl}\label{FDNcc}
Gegeben eine komplexe Zahl $z = x+y{\op{i}}$ mit $x,y\in\DR$ nennt man $x$ ihren {\bf
Realteil}\index{Realteil!bei komplexen Zahlen}
$\op{Re} z \pdef x$ und $y$ ihren 
{\bf Imagin"arteil}\index{Imagin"arteil!bei komplexen Zahlen} 
$ \op{Im} z \pdef y$. Wir haben
damit zwei Funktionen
$$\op{Re}, \op{Im} : \DC \ra \Bbb{R}$$
definiert und es gilt $z = \op{Re} z + {\op{i}}\op{Im} z$ 
f"ur alle $z \in \DC$.
Man erkl"art weiter die {\bf Norm}\index{Norm!einer komplexen Zahl} $| z| $ 
einer komplexen Zahl $z = x+y{\op{i}}\in
\DC$ durch $| z|  \pdef \sqrt{x^{2}+y^{2}} \in \Bbb{R}_{\geq 0}$.  
Im Fall einer reellen Zahl $x\in\DR$ 
ist diese Norm der Absolutbetrag aus \eref{AbsB}{AN1}, 
in Formeln $|x|=|x|$.
In der Anschauung der
 komplexen Zahlenebene bedeutet die Norm einer komplexen Zahl
ihren Abstand vom Ursprung. 
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildQCo}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Dies Bild soll zus"atzliche Anschauung f"ur die Abbildung $z\mapsto z^2$ 
der komplexen Zahlenebene auf sich selbst vermitteln.
Es stellt diese Abbildung dar als die Komposition
einer Abbildung der Einheitskreisscheibe auf eine r"aumliche
sich selbst durchdringende Fl"ache, 
gegeben in etwa durch eine Formel der Gestalt
 $z\mapsto (z^2,\varepsilon(\op{Im}z))$ in $\DC\times \DR\cong
\DR^3$ f"ur geeignetes monotones und in einer Umgebung von Null streng
monotones $\varepsilon$, 
gefolgt von einer
senkrechten Projektion auf die ersten beiden Koordinaten. 
Das hat den Vorteil, da"s im ersten Schritt nur Punkte der
reellen Achse identifiziert werden, was man sich
leicht wegdenken kann,
und da"s der zweite Schritt eine sehr anschauliche Bedeutung hat,
eben die senkrechte Projektion. 
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Bei rechtem Lichte besehen scheint mir an dieser Terminologie 
absonderlich, da"s der Imagin"arteil einer komplexen Zahl 
 eine
reelle Zahl sein soll, aber so hat es sich  nun einmal eingeb"urgert. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Stellen wir uns $| z| $ vor als den Streckfaktor der Drehstreckung
$(z \cdot)$, so wird anschaulich klar, da"s f"ur
alle $z,w\in\DC$ gelten mu"s $$| zw| =| z| |w| $$
Besonders bequem rechnet man diese Formel nach, indem man zun"achst
f"ur $z = x + y{\op{i}}\in \DC$ die {\bf konjugierte komplexe
Zahl}\index{konjugierte komplexe Zahl}
$\bar{z} = x-y{\op{i}}\in \DC$ einf"uhrt.
Im Bild der komplexen Zahlenebene bedeutet das komplexe
Konjugieren anschaulich die Spiegelung an der reellen Achse.
Nun pr"uft man durch explizite Rechnung unschwer die Formeln
$$\begin{array}{rcl}
\overline{z + w} &=& \bar{z} + \bar{w}\\
\overline{z \cdot w}&=& \bar{z} \cdot \bar{w} \\
{| z| }^{2}& =& z\bar{z}
\end{array}$$
Dann rechnet man einfach
$$| zw| ^{2} = zw \overline{z}\overline{w} = z \bar{z}w \bar{w}=
| z| ^{2} | w| ^{2}$$
In der Terminologie aus \eref{KoIs}{GR} ist die komplexe Konjugation
$z\mapsto \bar{z}$ ein 
K"orperisomorphismus $\DC\sira\DC$. Offensichtlich gilt auch 
$\bar{\bar{z}}=z$ und ebenso offensichtlich gilt $|z|=|\bar z|$.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
F"ur unsere Norm komplexer Zahlen aus \ref{FDNcc} gilt 
offensichtlich
$$| z| =0 \Leftrightarrow z=0$$
Weiter gilt die {\bf Dreiecksungleichung}\index{Dreiecksungleichung!f"ur komplexen 
Absolutbetrag}
$$| z+ w|  \leq | z| +| w| $$  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Wir k"onnen  den Realteil und den Imagin"arteil von $z \in \DC$
mithilfe der konjugierten komplexen Zahl ausdr"ucken als 
$$\op{Re} z = \frac{z + \bar{z}}{ 2}\qquad \op{Im} z =
\frac{z-\bar{z}}{2{\op{i}}}$$
Weiter gilt offensichtlich\label{FKrGr} 
$
z= \bar{z} \Leftrightarrow  z \in \Bbb{R} $.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0017}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschauung f"ur das Invertieren komplexer Zahlen
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
F"ur eine komplexe Zahl $z$ der Norm $| z| =1$
ist die konjugierte komplexe
Zahl
gerade ihre Inverse, 
in Formeln gilt sogar  $| z| =1\Rightarrow  \bar{z}=z^{-1}$.  
Im Bild der komplexen Zahlenebene 
 kann man das Bilden des Inversen einer von Null verschiedenen
komplexen Zahl anschaulich interpretieren als die
\glqq Spiegelung\grqq\  oder pr"aziser \defind{Inversion} am Einheitskreis 
$z\mapsto z/|z|^2$ gefolgt von der Spiegelung an der reellen Achse
$z\mapsto\bar{z}$. Der Einheitskreis $S^1\pdef\{z\in\DC^\times\mid
|z|=1\}$\index{S@$S^1$ Einheitskreis} ist insbesondere eine
Untergruppe der multiplikativen Gruppe des K"orpers der
komplexen Zahlen und die Multiplikation liefert einen 
Gruppenisomorphismus $\DR_{>0}\times S^1\sira \DC^\times$. 
Wir nennen $S^1$ die {\bf Kreisgruppe}.\index{Kreisgruppe} 
\end{Bemerkungl}





\subsubsection*{"Ubungen} 

\begin{Ubung}
  Man bestimme Real- und Imagin"arteil einer 
Quadratwurzel von $\op{i}$.
 Man bestimme Real- und Imagin"arteil einer 
Quadratwurzel von $1+\op{i}$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Gegeben eine von Null verschiedene 
komplexe Zahl $z=x+{\op{i}}y$ zeige man f"ur Real-
und Imagin"arteil ihrer Inversen die Formeln
$\op{Re}(z^{-1})=x/(x^2+y^2)$ und $\op{Im}(z^{-1})=-y/(x^2+y^2)$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Gegeben eine 
komplexe Zahl $z\neq -1$ 
vom Betrag $|z|=1$ zeige man, da"s sie genau eine 
Wurzel $w$ mit positivem Realteil hat und da"s diese
gegeben wird durch $w=a/|a|$ f"ur $a=(1+z)/2$.  
K"onnen Sie auch die geometrische Bedeutung 
 dieser Formel erkl"aren? Man folgere, da"s 
gegeben $\varepsilon>0$ beliebig\label{FWeKr}   
jedes Element von $S^1$ eine Potenz eines Elements $z$ mit
Realteil $\op{Re}(z)>1-\varepsilon$ ist.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}\label{FGeIn} 
 Eine Teilmenge von $\DC\amalg\{\infty\}$ hei"st ein 
{\bf verallgemeinerter Kreis},\index{Kreis!verallgemeinerter} 
 wenn sie entweder ein Kreis
$$K(a;r)\pdef\{z\in\DC\mid |z-a|^2=r^2\}$$
ist f"ur $a\in\DC$ und $r>0$ oder aber eine reelle affine
Gerade vereinigt mit dem Punkt $\infty$. Man pr"ufe,
 da"s die Selbstabbildung von
 $\DC\amalg\{\infty\}$ mit $z\mapsto z^{-1}$ 
f"ur $z\in\DC^\times$ und $0\mapsto \infty$ und $\infty\mapsto 0$ 
verallgemeinerte Kreise in verallgemeinerte Kreise "uberf"uhrt.
\end{Ubung}

\begin{Ubung} Gegeben ein K"orper $k$ bezeichnet 
  $\mathbb P^n k$ die Menge der Ursprungsgeraden in $k^{n+1}$ mit ihrer
  offensichtlichen transitiven Operation von $\op{GL}(n+1;k)$. Sie hei"st
  der {\bf $n$-dimensionale projektive Raum "uber $k$} nach dem Spezialfall
  der {\bf reellen projektiven Ebene $\DP^2\DR$}, die grundlegend ist
  f"ur die perspektivische Darstellung r"aumlicher Objekte. Im Spezialfall
  der {\bf projektiven Gerade} erinnern wir die {\bf Standardbijektion}
  $$\op{std}: k\sqcup\{\infty\}\sira \mathbb P^1 k$$
   gegeben
   durch $z \mapsto \langle 1,z\rangle$ und $\infty \mapsto \langle 0,1\rangle$
   mit der Notation $\langle x,y\rangle$ f"ur die von $(x,y)\in k^2\backslash 0$
   erzeugte Ursprungsgerade.
   Man zeige f"ur $g\pdef {(^{a}_{c}}\; {^b_d)}\in \op{GL}(2;k)$ und $z\in k$
   mit $a+bz\neq 0$ die
   Identit"at
   $$g \op{std}(z)= \op{std}\left(\frac{c+d z}{a + bz}\right)$$
   und diskutiere, wodurch $\frac{c+d z}{a + bz}$ f"ur $z$ mit  $a+bz= 0$
   ersetzt werden mu"s, damit 
   unsere Identit"at auch f"ur diese $z$ g"ultig bleibt.
\end{Ubung}

\begin{Ubungw} Wenn Sie mit den entsprechenden Begriffen aus der
  Topologie vertraut sind, m"ogen Sie weiter zeigen, da"s
  unsere Standardbijektion im Fall $k=\DR,\DC$ ein Hom"oomorphismus ist
  von der Einpunktkompaktifizierung des jeweiligen K"orpers in die
  jeweilige projektive Gerade mit ihrer Finaltopologie in Bezug
  auf die Projektion $k^2\backslash 0\sra \mathbb P^1 k$. Weiter m"ogen Sie
  Hom"oomorphismen $S^1\sira \mathbb P^1\DR$ und $S^2\sira \mathbb P^1\DC$
  konstruieren. Die komplexe projektive Gerade $\mathbb P^1\DC$ hei"st auch
  die {\bf Riemann'sche Zahlenkugel}.
\end{Ubungw}


\begin{Ubung}[\textbf{Transitive Operation von $\op{SL}(2;\DR)$ auf der oberen Halbebene}]
 Die offensichtliche Einbettung $\mathbb P^1\DR\hra \mathbb P^1\DC$
  hat als Bild eine unter $\op{GL}(2;\DR)$ stabile Teilmenge,
  die mit dem Bild von
  $\DR\amalg\{\infty\}$ unter unserer Standardbijektion zusammenf"allt.
  Wir erhalten so eine Operation von  $\op{GL}(2;\DR)$ auf $\DC\backslash \DR$
  gegeben durch
  \begin{displaymath}
\begin{pmatrix} a &b \\ c & d \end{pmatrix} : 
z \mapsto \frac{c+d z}{a + bz}
\end{displaymath}
  Man zeige, da"s  $\op{SL}(2;\DR)$ darunter die obere  Halbebene
  $H\pdef \{z\in\DC\mid\op{Im}z>0\}$ stabilisiert und darauf transitiv operiert.
 \label{Traoh} 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Identifikation von Halbebene und Einheitskreisscheibe}]
  Man zeige, da"s die Kreisspiegelung am Kreis mit Zentrum bei
  ${\op{i}}$ durch die Punkte $\pm 1$, in Formeln die Abbildung
  $s: {\op{i}} + w\mapsto {\op{i}} + (2w/|w|^2)$, die reelle Zahlengerade
  auf den Einheitskreis  und den Einheitskreis ohne ${\op{i}}$
  miteinander vertauscht und da"s sie die offene obere Halbebene $H$ mit der
  offenen Einheitskreisscheibe $E$ identifiziert, in Formeln
  $$s:H\sira E$$ Hinweis: \ref{FGeIn}.  
  Schalten wir noch $z\mapsto -\bar z$ dahinter, so sehen wir, 
  da"s die rationale Funktion ${\op{i}} + w\mapsto {\op{i}} - (2w^{-1})$ alias
  $k: z\mapsto  {\op{i}}- 2/(z-{\op{i}})$ dasselbe tut,\label{Bioh}
  in Formeln
  $$k:H\sira E$$
\end{Ubung}


  
\subsection{Komplexe Exponentialfunktion \sose{(21.4)}}\label{FeC}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Stetigkeit im Komplexen}] Wir erinnern aus
  \eref{DeStm}{AN1} den Begriff der  Stetigkeit in mehreren reellen Ver"anderlichen.
  Wenn wir im Kontext  von komplexen 
  Ver"anderlichen von Stetigkeit reden, denken wir uns stets unsere 
"ubliche Identifikation $\DR^2\sira \DC$ dazu.
  Damit ist zum Beispiel eine Funktion $\DR\ra\DC$ genau dann stetig, wenn ihr
  Realteil und ihr Imagin"arteil stetig sind. Zur "Ubung m"ogen sie die
  Stetigkeit von Addition und Multiplikation $\DC^2\ra\DC$ zeigen sowie
  die Stetigkeit des Invertierens $\DC^\times\ra \DC^\times$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
F"ur jede komplexe Zahl $z \in \DC$ 
erkl"aren wir eine weitere komplexe Zahl $\exp z
\in \DC$ durch die Vorschrift
$$\exp z \pdef \sum^{\infty}_{k=0} \frac{1}{k!} z^{k}$$  
Diese Reihe konvergiert  f"ur alle $z \in \DC$ absolut in Real- und Imagin"arteil, etwa aufgrund der Absch"atzungen $|\op{Re} z^{k}|,|\op{Im} z^{k}| \leq |z^{k}| =
|z|^{k}$  
zusammen mit dem Majorantenkriterium, wenn man
die reelle Exponen\-tialreihe
als Majorante verwendet.
Wir erhalten folglich
eine Abbildung $\exp : \DC \ra \DC,$ die {\bf komplexe
  Exponentialfunktion}\index{komplexe Exponentialfunktion}.
\end{Definition}



\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildExC}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Auch f"ur komplexes $z$ zeigt man wie in \eref{EEE}{AN1} 
die Formel $$\exp (z) = \lim_{n\ra \infty} \left(1+ \frac{z}{n}
\right)^{n}$$ Das  Bild stellt unter anderem den vierten Term 
dieser Folge im Fall $z=\op{i}$ dar. Ich finde, man kann recht gut
erkennen, wie diese Folge bei wachsendem $n$ gegen den Punkt
auf der Kreislinie konvergiert, f"ur den das Segment der Kreislinie,
das von ihm  zur reellen Achse herunterl"auft, die L"ange Eins hat.
\end{minipage}
\end{figure}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Erste Eigenschaften der komplexen
Exponentialfunktion}] \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/KomplexeExp.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die komplexe Exponentialfunktion.} 
Man
pr"uft genau wie im Reellen \eref{FdE}{AN1}   
auch im Komplexen\label{FEKEm}  
die {\bf Funktionalgleichung}
$$\exp (z+w)
= (\exp z) (\exp w)$$ 
Die Identit"at $\exp(0)=1$ ist eh klar. In der Sprache der Algebra ausgedr"uckt ist die Exponentialfunktion 
also ein Monoidhomomorphismus $(\DC,+)\ra (\DC,\cdot)$ 
und induziert nach \eref{mug}{GR} folglich einen 
Gruppenhomomorphismus zwischen den Gruppen der invertierbaren Elemente
unserer Monoide alias einen Gruppenhomomorphismus $(\DC,+)\ra (\DC^\times,\cdot)$
von der additiven Gruppe der komplexen
Zahlen in die multiplikative  Gruppe der von Null verschiedenen 
komplexen
Zahlen. Insbesondere  folgt
$\exp (-z) = (\exp
z)^{-1}$.
Aus der Vertauschbarkeit der komplexen Konjugation
mit Summe und Produkt und der Stetigkeit der komplexen Konjegation
folgern wir auch noch
$$\exp ({\bar z}) =\overline{\exp z}\quad \forall z \in \DC$$
F"ur den Betrag von $\exp z$ erhalten wir dann
$$\begin{array}{lcl}
|\exp z|^{2} &=& \exp z \;{\bar{\exp z}}\\
&=& \exp z \;\exp \bar{z}\\
&=& \exp (z+\bar{z})\\
&=& \exp (2\op{Re} z)
\end{array}$$ Folglich gilt $|\exp z| = \exp (\op{Re} z)$ und
speziell  $|\exp (\op{i}t)| =1$ f"ur alle $t\in\Bbb{R}$.   
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}
  Ich gehe davon aus, da"s Sie mit der {\bf Euler'schen Formel}\label{Euf} 
  $$\op{exp}({\op{i}}t)=\cos  (t)+{\op{i}}\sin (t)$$
  vertraut sind. Es gibt verschiedene Zug"ange zur Theorie der
  trigonometrischen Funktionen und jeder Zugang ben"otigt
  einen daran angepa"sten
  Beweis dieser Formel. Ich will hier die Euler'sche Formel als Definition der
  Funktionen Sinus und Cosinus ansehen. Dann muß man, um den Bezug zur
  aus der Schule bekannten Anschauung herzustellen, nur nachweisen,
  da"s die Funktion $\gamma:\DR\ra \DC$ gegeben durch $\gamma(t)\pdef \op{exp}({\op{i}}t)$ differenzierbar ist mit $|\gamma(t)|=|\gamma'(t)|=1\;\forall t$ und $\gamma'(0)={\op{i}}$  und folglich im Bild der
  komplexen Zahlenebene \glqq den  Einheitskreis mit Absolutgeschwindigkeit Eins im Gegenuhrzeigersinn durchl"auft\grqq.
  Unsere S"atze \eref{PR}{AN1} "uber das gliedweise Ableiten von Potenzreihen
  liefern aber unmittelbar $\gamma'(0)={\op{i}}$ und mit der
  Funktionalgleichung $\gamma(s+t)=\gamma(s)\gamma(t)$ folgt unmittelbar  
  $\gamma'(s)=\gamma(s)\gamma'(0)=\gamma(s){\op{i}}$ und so 
$|\gamma'(s)|=1\;\forall s\in\DR$.
\end{Bemerkungl}





\begin{Satz}[\textbf{Gruppenwege in der Kreisgruppe}] 
Die stetigen Gruppenhomomorphismen  $\DR\ra S^1$
 von der additiven Gruppe
der reellen Zahlen in die \hyperref[KrGr]{Kreisgruppe} sind genau alle
Abbildungen der Gestalt $t\mapsto \op{exp}(a{\op{i}}t)$
mit $a\in \DR$.\label{FEplOO}    
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Dieser Satz geh"ort eigentlich nicht in die Funktionentheorie.
  Ich behandle ihn hier nur, weil ich ihn f"ur wichtig und grundlegend 
  halte und f"urchte, da"s viele Leser ihn in ihrem bisherigen Studium
  noch nicht gesehen haben k"onnten.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/GruppenwegeKreis.mp4}{Hier ist ein Film \"uber Gruppenwege in der Kreisgruppe.} Aus \ref{FEKEm}   folgt unmittelbar,
da"s  $\gamma:t\mapsto \op{exp}({\op{i}}t)$
ein Gruppenhomomorphismus mit Bild in der Kreisgruppe $S^1$ ist.
Aus der Absch"atzung
$$|\op{exp}({\op{i}}t)-\op{exp}({\op{i}}s)|
=|\op{exp}({\op{i}}(t-s))-1|\leq \op{exp}(|s-t|)-1$$ 
folgt, da"s $\gamma$
stetigen Real- und Imagin"arteil hat.
Unser Gruppenhomomorphismus  ist auch nicht konstant,
aus der Reihenentwicklung folgt etwa die Absch"atzung 
$\op{Re}(\op{exp}({\op{i}}))<1$.   
Aufgrund der Stetigkeit des Realteils 
 gibt es folglich $c>0$ mit $\op{Re}\gamma(c)<1$ und 
$t\in[-c,c] \RA\op{Re}\gamma(t)>0$.
Ist
$\beta:\DR\ra S^1$ ein weiterer 
Gruppenhomomorphismus mit
stetigem
Realteil, so gibt es auch $b>0$ mit
$t\in[-b,b]  \RA\op{Re}\beta(t)\geq \op{Re}\gamma(c)$.
Es folgt, da"s wir $g\in [-c,c]$ finden mit
$\op{Re}\beta(b)=\op{Re}\gamma(g)$. Indem wir notfalls
$g$ durch $-g$ ersetzen, d"urfen wir zus"atzlich 
$\op{Im}\beta(b)=\op{Im}\gamma(g)$ und damit 
$$\beta(b)=\gamma(g)$$ annehmen. 
Daraus aber folgt 
$\varphi(b/2)=\gamma(g/2)$, denn beide Seiten sind die 
 eindeutig bestimmte Quadratwurzel
aus $\beta(b)=\gamma(g)$ mit
positivem Realteil. Induktiv folgt erst
$\beta(b/2^n)=\gamma(g/2^n)$ f"ur alle $n\in\DN$ 
und dann $\beta(mb/2^n)=\gamma(mg/2^n)$ f"ur alle
$m\in \DZ$ und dann  aufgrund der Stetigkeit $\beta(tb)=\gamma(tg)$
f"ur alle $t\in\DR$.
\end{proof}










\begin{Proposition}[\textbf{Kern und Bild der komplexen Exponentialfunktion}] 
  Die komplexe Exponentialfunktion ist  ein 
  surjektiver Gruppenhomomorphismus $\op{exp}:\DC\sra \DC^\times$
  mit Kern $\op{ker}(\exp)=2\pi{\op{i}}\DZ$.
\end{Proposition}
\begin{proof}
  Nach \ref{Euf} induziert die Exponentialfunktion eine Surjektion
der imagin"aren Geraden ${\op{i}}\DR$ auf den Einheitskreis
$S^1=\{ z\in\DC\mid |z|=1\}$.  Da"s die Exponentialfunk\-tion\label{FSurCE} 
eine Bijektion $\DR\sira \DR_{>0}$ 
induziert, wissen wir bereits aus \eref{SurE}{AN1}. Da sich nun jede von Null 
verschiedene komplexe Zahl $w$ schreiben l"a"st als Produkt 
$w=(w/|w|)|w|$
mit $w/|w|$ auf dem Einheitskreis und $|w|$ positiv, ist
die Exponentialfunktion nach der Funktionalgleichung sogar eine 
Surjektion $\op{exp}:\DC\sra \DC^\times$. 
Der Kern dieses Gruppenhomomorphismus, als da hei"st das Urbild
des neutralen Elements $1\in \DC^\times$,  besteht aufgrund unserer
Gleichung  $|\exp z| = \exp (\op{Re} z)$ und der Euler'schen Formel 
aus allen ganzzahligen Vielfachen von $2\pi{\op{i}}$. 
\end{proof}





\begin{Bemerkungl}[\textbf{Potenzen mit komplexen Exponenten}]
F"ur eine reelle Zahl $a>0$ und $z\in \DC$ definieren\label{FEoFo} 
wir wieder $$a^z\pdef\exp(z\log a)$$ und schreiben insbesondere
auch $\exp z=\op{e}^z$ f"ur $z\in\DC$. 
Mit dieser Notation liest sich die  Euler'sche
Formel dann als 
$\op{e}^{{\op{i}}t} = \cos t + {\op{i}}\sin t$.
Insbesondere 
erf"ullen unsere Hauptdarsteller
die bemerkenswerte Identit"at
$\op{e}^{{\op{i}}\pi} =-1$.
Aus $\exp (-{\op{i}}t)= \overline{\exp ({\op{i}}t)}$ 
folgern wir umgekehrt f"ur alle $t\in\Bbb{R}$
die Formeln
$$\cos t = \frac{\op{e}^{{\op{i}}t}+ \op{e}^{-{\op{i}}t}}{2}
\quad\text{und}\quad \sin t = \frac{\op{e}^{{\op{i}}t}-
\op{e}^{-{\op{i}}t}}{2{\op{i}}}$$
Diese Formeln verwenden wir, um den Sinus und Cosinus zu Funktionen
$\DC\ra\DC$ auszudehnen.\index{sin@$\op{sin}$ Sinus!komplexer}\index{cos@$\op{cos}$ Cosinus!komplexer}  
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}\label{Fclog}
Allgemeiner "uberlegt man sich, 
da"s die komplexe Exponentialfunktion
eine Bijektion
$\exp : \Bbb{R} + ( - \pi, \pi ] \op{i}\;\sira \;\DC^{\times}$
liefert. Die Umkehrfunktion
$$\log : \DC^{\times} \sira \;\Bbb{R} + ( -\pi,\pi] \op{i}$$
hei"st der  {\bf Hauptzweig des Logarithmus}. 
\index{Hauptzweig des Logarithmus} Er\index{Logarithmus!Hauptzweig des komplexen} wird auf der positiven reellen Achse gegeben durch unseren "ublichen
Logarithmus $u\mapsto \log u$,
auf
der oberen beziehungsweise unteren komplexen Halbebene durch die Vorschrift
$$\log (u +\op{i}v) = \log \sqrt{u^{2}+v^{2}}\;
\pm \op{i}\frac{\pi}{2} -\op{i}\arctan
\frac{u}{v}
\;\;\;\text{ f"ur }\pm v > 0$$  und auf der negativen
reellen Achse durch $u\mapsto \log (-u) + {\op{i}\pi}$. 
Man beachte, da"s dieser Hauptzweig nicht stetig 
ist l"angs der negativen reellen Achse, obwohl seine
Einschr"ankung auf die negative reelle Achse durchaus stetig ist:
Wir haben f"ur $u<0$ genauer 
$$\lim_{v\searrow 0}\log (u +\op{i}v)=
\log (u)=\lim_{v\nearrow 0}\log (u +\op{i}v)+2\pi\op{i}$$  
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Die Problematik komplexer Potenzen}]
Setzt man f"ur $a\in\DC^\times$ und $b\in\DC$ 
"ahnlich wie im Reellen $a^b\pdef 
\exp(b\log a)$ mit $\log$ dem in \ref{Fclog} definierten
Hauptzweig des\label{Fahb}  
komplexen Logarithmus, 
so ergibt sich $\op{i}^{\op{i}}=\exp(-\pi/2)$.  
Insbesondere ist in diesem Sinne also $\op{i}^{\op{i}}$ reell.
Allerdings ist dann $a\mapsto a^b$ f"ur $b\in\DC\backslash \DZ$ 
unstetig l"angs der negativen reellen Achse und 
wir haben im allgemeinen auch $a^{bc}\neq (a^{b})^{c}$.
\end{Bemerkungl}










\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}\label{FGHCC}
Man zeige: Jeder stetige Gruppenhomomorphismus 
$\DR\ra \DC^\times$ 
hat die Gestalt $t\mapsto \exp(at)$ f"ur genau eine komplexe Zahl $a\in \DC$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Nichtexistenz stetiger komplexer Wurzelfunktionen}] 
Hinweis: G"abe es eine stetige Funktion $w :\DC^\times\ra \DC^\times$ mit $w(z)^2=z$ f"ur alle $z$, so folgte $w(z^2)=\pm z$ f"ur alle $z$ und damit w"are $\varepsilon: z\mapsto w(z^2)/z$ eine stetige Funktion
  $\varepsilon:\DC^\times\ra \{1,-1\}$ mit\label{FsteW} 
  $\varepsilon(-z)=-\varepsilon(z)$. Man f"uhre das zum Widerspruch.
\end{Ubung}
%\begin{Ubunge}[\textbf{Problematik komplexer Wurzelfunktionen}]
%Man zeige, da"s es nicht m"oglich ist, in stetiger Weise zu
%jeder komplexen Zahl eine Wurzel zu w"ahlen, da"s es also keine
%stetige Abbildung $w : \Bbb{C} \rightarrow \Bbb{C}$ gibt mit
%$w (z)^2 = z \; \forall z \in \Bbb{C}$.\label{FsteW} 
%Hinweis: Man pr"ufe, da"s die Funktion $w (\exp (z)) \exp (-z/2)$ einerseits 
%konstant sein m"u"ste, aber andererseits nicht denselben Wert bei $0$ und 
%$2\pi {\op{i}}$ annehmen w"urde. Die anschauliche 
%Bedeutung der Aussage mag aus der graphischen Darstellung der Abbildung 
%$z\mapsto z^2$ in \eref{BKOM}{LA1} klar werden. Im Rahmen der
%"Uberlagerungstheorie wird das der Einzeiler \eref{KWU}{TF}.
%\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}[\textbf{Der goldene Schnitt im regelm"a"sigen F"unfeck}]
In einem regelm"a"sigen F"unfeck stehen die L"angen der Diagonalen
zu den L"angen der Seiten im Verh"altnis des goldenen Schnitts.
Man pr"ufe diese elementargeometrisch leicht einzusehende Behauptung
durch algebraische Rechnung.\label{FRFE} 
Hinweis: Der  goldene Schnitt
ist die positive L"osung der Gleichung
$a/1 = (1+a) /a$ alias $a^{2}-a-1 =0,$
seine geometrische Bedeutung wurde in \eref{FiFo}{EIN} erkl"art.
Es gilt zu zeigen, da"s f"ur
$\zeta = \op{e}^{2\pi {\op{i}}/5}$ der Ausdruck $a =|1-\zeta^{2}|/|1-\zeta|=
|1+\zeta|$ 
die fragliche Gleichung l"ost.
Man verwende $\zeta^4=\bar{\zeta}$. 
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
In einem regelm"a"sigen Siebeneck sei $a$ der Abstand von einer Ecke zur n"achsten Ecke, $b$ der Abstand
zur "ubern"achsten Ecke, und $c$ der Abstand zur "uber"ubern"achsten Ecke.
Man zeige
\begin{equation*}
\frac{1}{a} = \frac{1}{b}+ \frac{1}{c}
\end{equation*}
In Formeln zeige man f"ur $\zeta  = \op{e}^{2\pi {\op{i}}/7}$ die Identit"at
$|1 - \zeta |^{-1} = |1-\zeta ^2|^{-1} + |1 - \zeta ^3|^{-1}$.
\end{Ubunge}


\begin{Ubunge}
Die Nullstellen des komplexen Sinus liegen alle auf der reellen Achse.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{Fsin3}
  Man zeige mit der Euler'schen Formel \ref{Euf} die Identit"at
  $\sin^3\vartheta=\frac{3}{4}\sin\vartheta-\frac{1}{4}\sin(3\vartheta)$.  
\end{Ubunge}




\subsection{Vorschl"age zur Veranschaulichung \sose{(26.4)}}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauung f"ur Abbildungen $\DC\ra\DC$}]
  Bereits in der Schule lernen wir, uns Abbildungen $\DR\ra\DR$ vermittels
  ihres Graphen vorzustellen. Etwas allgemeiner gelingt das
  f"ur Abbildungen $\DR^n\ra \DR^m$ mit $n+m\leq 3$. F"ur
  Abbildungen $f:\DC\ra \DC$ versagt diese Anschauung jedoch kl"aglich.
  In diesem Fall kann man zwar noch den Graphen von $|f|:\DC\ra \DR_{\geq 0}$
  zeichnen, aber das ist f"ur das Verst"andnis der in dieser Vorlesung behandelten Themen
  wenig hilfreich. Ich rate dazu sich Abbildungen $\DC\ra\DC$ wirklich
  als Abbildungen der komplexen Zahlenebene auf sich selber zu denken. Man mag sich die komplexe Zahlenebene
  dafür  als ein Gummituch denken und fragliche Abbildung in einer ersten Ann"aherung
  als eine Vorschrift, nach der dies
  Gummituch verzogen und eventuell zusamengefaltet und dann
  wieder auf die Ebene gelegt wird. Zur graphischen Darstellung
  ist es oft geschickt, eine reelle Zahl $a>0$ zu w"ahlen und eine
  Abbildung $f$ darzustellen, indem man die Menge $$f(\{x+{\op{i}}y\mid x\in\DZ a \text{ oder }y\in\DZ a\})$$ auf die Papierebene malt.
  Im folgenden diskutiere ich einige Beispiele.
  \end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  Die Abbildung $z\mapsto z+a$ f"ur $a\in \DC$ bedeutet anschaulich eine
  Verschiebung unseres Gummituchs. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Die Abbildung $z\mapsto {\op{i}}z$  bedeutet anschaulich eine
  Drehung unseres Gummituchs um einen rechten Winkel im Gegenuhrzeigersinn
  mit Drehzentrum im Ursprung. Die Abbildung $z\mapsto az$  f"ur $a\in \DC$ bedeutet anschaulich eine
  Drehstreckung unseres Gummituchs 
  mit Zentrum im Ursprung und Streckfaktor $|a|$. Im Fall $|a|<1$
  mag man hier auch von einem Stauchfaktor reden wollen.   
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Die Abbildung $z\mapsto \bar z$  bedeutet anschaulich die
 Spiegelung an der reellen Achse.   
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Die Abbildung $z\mapsto 1/\bar z$  bedeutet anschaulich
  eine \glqq Kreisspiegelung\grqq\ alias \glqq Inversion\grqq\ am Einheitskreis.  Die Abbildung $z\mapsto 1/ z$  bedeutet
  die Verkettung von besagter Kreisspiegelung
  mit der Spiegelung an der reellen Achse.   
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/anschauungexp.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die anschauliche Bedeutung der komplexen Exponentialfunktion.} 
  Die Abbildung $z\mapsto \op{exp}z$  versuche ich anschaulich
  zu machen als die Verkettung $$x+{\op{i}}y\;\;\mapsto\;\; (\op{exp}x) +{\op{i}}y\;\;\mapsto\;\;\op{exp}(x +{\op{i}}y)$$
  Hier schiebt die erste Abbildung die ganze Ebene bijektiv in die
  offene Halbebene rechts von der $y$-Achse, und zwar landet dabei
  die offene Halbebene links der $y$-Achse stark in horizontaler Richtung
  zusammengedr"uckt im offenen senkrechten Streifen zwischen Realteil Null und
  Realteil Eins. Unter der zweiten Abbildung bleiben dann alle
  Punkte auf der reellen Achse an ihrer Stelle sitzen und  alle
  Vertikalen werden zu Kreisen zusammengewickelt so, da"s dabei
  alle Horizontalen
  zu vom Ursprung ausgehenden Strahlen werden und die erste Horizontale
  oberhalb der reellen Achse, die auf die positive reelle Achse geht,
  ist die Horizontale in der H"ohe $2\pi$. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Das Quadrieren $z\mapsto z^2$ bedeutet, wenn man es auf den Einheitskreis
  einschränkt, das \glqq Doppelt-Nehmen eines Flitzgummis\grqq\ gefolgt vom
  Langziehen um den Faktor Zwei und dann wieder auf den Einheitskreis legen so,
  da"s die Eins auf die Eins zu liegen kommt. Diese Abbildung gilt es
  nun vom Einheitskreis auf die ganze Ebene zu erweitern drart, da"s vom Ursprung
  ausgehende Strahlen auf vom Ursprung ausgehende Strahlen abgebildet
  werden, aber der Abstand jedes Punktes  vom Urspung quadriert wird.
  H"ohere Potenzen $z\mapsto z^n$ mag man sich entsprechend veranschaulichen.
\end{Beispiel}

\subsection{Zusammenhang und Wegzusammenhang*}
\begin{Bemerkungl}
  Ich erinnere an einige Begriffsbildungen und Resultate aus der
  Analysis im Zusammenhang mit Zusammenhang und Wegzusammenhang.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{WegF}
Ist $X$ ein topologischer  Raum und sind $x,y\in X$ Punkte,
so nennen wir eine stetige Abbildung $\gamma:[a,b]\ra X$ 
mit $\gamma(a)=x$ und $\gamma(b)=y$ einen  {\bf Weg von $x$ nach $y$}. 
Ein  topologischer Raum $X$ hei"st 
\defnoind{wegzusammenh"angend},\index{Wegzusammenhang} 
wenn er nicht leer ist und es f"ur je zwei Punkte unseres Raums einen
Weg vom einen zum anderen gibt.
Ein topologischer Raum hei"st 
 {\bf zusammenh"angend},\index{zusammenh"angend!topologischer Raum}
 wenn er nicht leer ist und 
jede nichtleere Teilmenge, die sowohl offen als auch abgeschlossen ist, 
bereits der ganze Raum sein mu"s.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Wegzusammenhang impliziert Zusammenhang}] Ich erkl"are nun eine L"osung
  f"ur "Ubung \eref{WZTT}{AN2}, nach der jeder
  wegzusammenh"angende Raum auch zusammenh"angend ist. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/wegzuszus.mp4}{Hier ist ein  Film dazu.}
  W"are in der Tat $U$ wegzusammenh"angend und $N\subset U$ offen und abgeschlossen und
  weder ganz $U$ noch leer, so f"anden wir einen Weg $\gamma:[a,b]\ra U$ mit
  $\gamma(a)\in N$ und $\gamma(b)\not\in N$. Wir setzen  dann
  $$s\pdef\op{sup}\{t\in [a,b]\mid \gamma(t)\in N\}$$
  Aus $N\As U$ folgt $\gamma(s)\in N$ und insbesondere $s<b$.
  Aus $N\co U$ folgt aber andererseits $\gamma(s)\not\in N$. Dieser Widerspruch zeigt dann, da"s jede offene und abgeschlossene Teilmenge $N$ eines wegzusammenh"angenden Raums $U$ entweder ganz $U$ oder die leere Menge sein mu"s.  
\end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Zusammenhang impliziert manchmal Wegzusammenhang}]
In \eref{ZSWZi}{AN2} besprechen wir unter anderem, warum eine offene Teilmenge
der komplexen Zahlenebene genau dann zusammenh"angend ist, wenn sie
wegzusammenh"angend ist. Man betrachtet dazu die "Aquivalenzrelation der Wegverbindbarkeit und zeigt, da"s ihre "Aquivalenzklassen im vorliegenden Fall offen\label{ZSWZiF}  
sein m"ussen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Wegzusammenhang und Wegzusammenhang durch Integrationswege}]
In \eref{WZST}{AN2} besprechen wir unter anderem, warum eine offene Teilmenge
der komplexen Zahlenebene genau dann wegzusammenh"angend ist, wenn
sie nicht leer ist und je zwei
ihrer Punkte durch einen st"uckweise linearen Weg verbunden werden k"onnen.
Man betrachtet dazu den Abstand der Punkte unseres Weges zum Komplement unserer
offenen Teilmenge, der eine stetige Funktion ist und folglich
aus unserem Weg ein Minimum annehmen mu"s. Diese Minimum ist notwendig
positiv und von dieser Erkenntnis ausgehend ist der Beweis dann schnell zu Ende.
\end{Bemerkungl}








%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXFT1"
%%% End: 
