\documentclass[12pt,a4paper]{article}
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\theoremstyle{remark}
\newtheorem{Bemerkungl}{}[section]


\begin{document}
\title{Gedanken zum Bericht des FORUM}
\author{Wolfgang Soergel}
\maketitle
\section{Vorbemerkungen}
Ich habe versucht, in diesem Text einige Gedanken zu ordnen,
die mir beim Lesen des FORUM-Berichts so kamen. Ich f"urchte, wir m"ussen
dem etwas Schriftliches entgegensetzen. Was nun das richtige Format ist,
wei"s ich noch nicht so recht. \cemph{Kommentare k"onnen mit
  $\backslash\mathrm{cemph}\{ \; \}$ in Latex eingef"ugt werden und erscheinen dann rot.}

\section{Studieneingangsphase}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Studienmotivation und Erwartungen an das Studium}]
  Ich sehe auch eine durch die Entwicklung der schulischen Curricula
  zunehmende Diskrepanz zwischen der Mathematik an der Schule und der
  Mathematik an der Universit"at, die mit den Begriffen \glqq Rechnen\grqq\
  im Vergleich zu \glqq Beweisen\grqq\ treffend beschrieben wird.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Arbeitsbelastung und Abbruchquote}]
  Meines Erachtens sind f"ur das Mathematik-Studium sowohl eine gewisse
  Begabung als auch ein gewisses Engagement  unerl"asslich.
  Auf der Schule kann es noch gelingen,
  Begabung durch Flei"s zu ersetzen und umgekehrt,
  aber beim Studium ist beides unerl"a"slich. Wenn eine dieser Zutaten fehlt,
  kann das subjektiv als "ubergro"se Arbeitsbelastung
  wahrgenommen werden.
  Es kann  durchaus sinnvoll sein, 
  daraus die Konsequenz zu ziehen, das Leben anderen Dingen
  zu widmen.
\end{Bemerkungl}
\section{Tutorate}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bedeutung und Qualit"atsunterschiede}]
  Ich stimme zu: Die Tutorate sind sehr wichtig und
  durchaus von unterschiedlicher Qualit"at.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Erwartungen}]
Ich zitiere aus dem FORUM-Bericht: \begin{quote}{\it  \glqq Allgemein l"asst sich festhalten, dass sich die Studierenden
  eine gleichbleibende
  und verl"assliche Qualit"at der Tutorate w"unschen\grqq.}
\end{quote}
  Hierzu ist festzuhalten, da"s sich die Lehrenden das auch w"unschen.
  Ich gebe jedoch zu bedenken, da"s wir uns auch an der Schule eine
  gleichbleibende und verl"assliche Qualit"at des Unterrichts w"unschen,
  und da"s das trotz umfangreicher Ausbildung der Lehrer und
  gefolgt von bis ins Letzte  durchorganisierten Auswahlprozessen
  nur in sehr begrenztem Umfang
  gelingt: Es gibt immer noch  Lehrer, bei denen  Klassen
  viel lernen, und andere, bei denen sie weniger lernen.
 Wir suchen allerdings durchaus die Tutoren auf der
  Basis ihrer Kompetenzen aus, n"amlich der Noten in den Pr"ufungen und
  der Semesterzahl, und halten die fachliche Kompetenz der Tutoren
  f"ur ganz entscheidend.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Organisation des "Ubungsbetriebs}]
  Das selbst"andige Bearbeiten der "Ubungszettel
  und eine fachlich kompetente R"uckmeldung dazu
  scheinen mir ein ganz wesentlicher Faktor f"ur den Studienerfolg.
   Im folgenden will ich kurz auf die Problematik verschiedener
   g"angiger Verfahren eingehen, die die Studenten dazu bringen sollen,
   einen angemessenen Teil ihrer Zeit den "Ubungszetteln zu widmen.
  \begin{enumerate}
  \item {\bf (Punkteschranke f"ur Studienleistung)}
    Vielfach wird f"ur die Vergabe der Studienleistung
    und Klausurzulassung ein gewisses Quorum an bei
    den "Ubungszetteln zu erreichenden Punkten gekn"upft.
    Das f"uhrt schell zu ausgiebigem Abschreiben, dem man hinwiederum
    versucht dadurch entgegenzuwirken, da"s
   man \glqq zweimaliges Vorrechnen\grqq fordert:
   Studenten werden zweimal unangek"undigt aufgefordert,
   ihre L"osungen in der "Ubungsstunde vorzuf"uhren, und wenn sie
   dann nur abgeschrieben haben, wird es peinlich.
   Das hinwiederum belastet die "Ubungsgruppe:
   Erstens werden so oft ungeschickte L"osungen
   vorgef"uhrt oder gute L"osungen unverst"andlich vorgef"uhrt 
   oder Beides.
   Zweitens wird der Tutor
   vom Helfer zum Kontrolleur. Und dann kontrollieren und korrigieren
   verschiedene Tutoren auch verschieden streng, so da"s das
   ganze Verfahren nie v"ollig fair ist.
 \item {\bf ("Ubungszettel eng an Klausuraufgaben)}
   Man k"undigt an, da"s sich in der  Klausur ein gewisser Teil der
   Aufgaben eng an den "Ubungszetteln orientieren wird.
   Das f"uhrt tendenziell dazu, da"s die Studenten in den "Ubungsgruppen
   die "Ubungsaufgaben besprechen wollen und nichts Anderes,
   und zwar soll der Tutor eine m"oglichst perfekte L"osung m"oglichst
   perfekt anschreiben, die man dann sorgf"altig abschreibt und abheftet.
   Weil aber die Tutoren auch nicht immer die perfekte L"osung haben,
   und manchmal auch eine falsche L"osung, sind die Studenten dann
   auch in der Klausur verschieden erfolgreich. Bei diesem
   System werden auch stets Musterl"osungen gefordert. All das geht aber
   auf Kosten der eigenen Besch"aftigung mit den Aufgaben:
   Man wartet halt auf die Musterl"osung und versucht, sie sich
   einzupr"agen, was keineswegs ein Verstehen bedeuten mu"s.
 \item {\bf ("Ubungszettel als Angebot)}
   Man behandelt die "Ubungsaufgaben als Angebot:
   Wer will, kann L"osungen zur Korrektur einreichen und kriegt
   sie korrigiert zur"uck. Mit diesem Verfahren sind jedoch insbesondere
   Studenten der niederen Semster oft "uberfordert. Insbesondere wenn
   andere Veranstaltungen sch"arfere Anforderungen haben, werden sie
   Vorlesungen und sogar ganzen F"achern
   mit derartigen Regelungen weniger ihrer Zeit widmen
   und das Erlernen des Stoffes verschieben, bis die Klausur ansteht.
 \item {\bf (Zentrales Vorrechnen der "Ubungen)}
   Halte ich f"ur wenig sinnvoll. Die Vorlesung ist
   ein angemessener Anteil Frontalunterricht. Musterl"osungen
   k"onnen aber helfen.
 \item {\bf (Zentrale Fragenstunde)}
   Eine zentrale Fragestunde durch einen h"oher qualifizierten
   Mathematiker wird oft zu den Grundvorlesungen angeboten und hat
   sich bew"ahrt, insbesondere auch zur Klausurvorbereitung.
  \end{enumerate}
  Ich kenne kein wirklich gutes System. Vielleicht
  k"onnte man versuchen, in den ersten Semstern
  das System der \glqq "Ubungszettel als Angebot\grqq\ zusammen
  mit monatlichen Kurzklausuren im Rahmen der
  Vorlesung zu kombinieren.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verbesserungspotenzial}]
  Unserer Ansicht nach sind die gr"o"sten
  Defizite unserer "Ubungsleiter fachlicher Natur.
  Wir geben uns M"uhe, unter den Bewerbern die am
  besten Qualifizierten auszusuchen. Wir f"urchten, da"s
  zus"atzliche Anforderungen an unsere Tutoren
  abschreckend wirken und es uns zus"atzlich erschweren,
  genug fachlich qualifizierte Tutoren zu finden.
\end{Bemerkungl}

\section{Didaktik}
\begin{Bemerkungl}
  Ich zitiere aus dem FORUM-Bericht: \begin{quote}{\it  \glqq Es gibt keine funktionierende Didaktik\\
      bei uns in der Mathematik\grqq.}
\end{quote}
 Es scheint mir dem Ziel einer zusammenfassenden
 Darstellung nicht dienlich,
diese isolierte Aussage, auch wenn sie ein Student 
 gemacht haben mag, dem Abschnitt als
  Motto voranzustellen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
 Ich zitiere aus dem FORUM-Bericht: \begin{quote}{\it  \glqq Im
Gruppengespr"ach diskutieren die Studierenden die wichtige Rolle, die aus ihrer
Sicht der Art der Vermittlung von Inhalten f"ur den Studienerfolg zukommt\grqq.}
\end{quote} 
Fraglos ist die verst"andliche und motivierende Darstellung
mathematischer Inhalte eine Herausforderung, die den
Lehrenden st"andig begegnet. Hier sind wir st"andig auf der
Suche nach geschickterer Darstellung, besseren Lehrb"uchern,
sinnvolleren "Ubungen und dergleichen.
Das Standardformat einer vierst"undigen Vorlesung mit 9 ECTS alias
etwa 13 Zeitstunden w"ochentlicher Arbeitszeit, davon
4$\times$45min = 3 Std Frontalunterricht alias Vorlesung,
2$\times$45min = 1,5 Std "Ubung alias Arbeit in angeleiteten Kleingruppen und
8,5 Std Arbeitszeit zum Bearbeiten der "Ubungszettel
und zum Vor- und Nacharbeiten der Vorlesung, meist in freier Zusammenarbeit
mit Komilitonen, hat sich bew"ahrt. Das entspricht auch der Erfahrung der
Studenten, dass -- 
ich zitiere aus dem FORUM-Bericht -- \begin{quote}{\it  \glqq das Aneignen und Verstehen neuer Inhalte
gr"o"stenteils im Selbststudium oder in
studentischen Arbeitsgruppen stattfindet
und kaum im Rahmen von Lehrveranstaltungen\grqq.}
\end{quote} 
Wenn man etwas Besseres finden kann,
umso besser! Das mu"s aber halt erst mal gefunden werden. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Stoffvermittlung aus Sicht der Lehrenden}]
  Es scheint mir wichtig, zwischen gro"sen und kleinen Vorlesungen zu
  unterscheiden. Kleinere Veranstaltungen werden durchaus in der
  Form eines \glqq flipped classrooms\grqq\ durchgef"uhrt.
  Mir scheint, da"s die Bedeutung des Begriffs \glqq Didaktik\grqq\
  vielleicht mi"sverst"andlich ist. Den Lehrenden scheint eine
  m"oglichst klare und verst"andliche Darstellung des Stoffes
  wichtig, sowohl bei ihren eigenen Vorlesungen und
  sonstigen Veranstaltungen, als auch bei den
  Seminarvortr"agen. 
  Alternativen Formaten wie \glqq flipped classroom\grqq\
  oder E-learnning stehen sie mit einer gewissen Zur"uckhaltung gegen"uber:
  Nicht, da"s man es nicht mal probieren wollte, aber
  es gilt  mit  Vorsicht auszuprobieren, ob man den Lernerfolg dadurch
  verbessert oder verschlechtert.
\end{Bemerkungl}

\section{Lehramt}
\begin{Bemerkungl}
  Ich zitiere aus dem FORUM-Bericht: \begin{quote}{\it  \glqq  Sie kommen mit einem ganz anderen Wunsch hierher als er hier erf"ullt
wird: Sie wollen lernen, was sie f"ur die Schule brauchen, um den Sch"ulern
Mathematik zu erkl"aren.\grqq}
\end{quote} 
  Wir halten es f"ur au"serordentlich wichtig, da"s die
  zuk"unftigen Mathematiklehrer am Gymnasium sich auch mit der
  Mathematik besch"aftigen, die die Mathematiker und Physiker und Ingenieure
  verwenden. Erstens wird das der Tendenz entgegenwirken,
  da"s die Diskrepanz zwischen
  Gymnasium  und Universit"at w"achst und w"achst.
Zweitens kocht
ein System, bei dem die zuk"unftigen Gymnasiallehrer nach dem Gymnasium
nur eine spezielle Ausbildung f"ur Gymnasiallehrer erhalten, sozusagen
\glqq im eigenen Saft\grqq\ : Man lernt als Lehramtsanw"arter, 
 was man auf der Schule -- wie man aus der eigenen Erfahrung als 
Sch"uler schon wei"s -- wird unterrichten m"ussen, und  unterrichtet 
das dann eben wieder, und so bei"st sich die Katze in den Schwanz und
es entsteht  nur allzu 
leicht  eine selbstgen"ugsame Gemeinschaft, 
die sich selbstverliebt im Kreise dreht so wie die Rhetorik im alten Rom.
Wir brauchen aber Lehrer, die unsere Kinder auch auf
andere Studien und andere Leben vorbereiten, nicht alle k"onnen und sollen ja
Lehrer werden. Dazu ist es jedoch wichtig, da"s sie dieses Andere auch kennen
und sch"atzen,
wof"ur sie vorbereiten sollen.
Drittens scheint es mir unfair und auch nicht im Interesse der Schule, 
von unseren Kindern, wenn sie  denn
Interesse daran haben, den
Lehrerberuf zu ergreifen,
eine so enge Festlegung auf einen
Beruf so kurz nach dem Ende der Schulzeit zu fordern.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anteil der Lehramtsstudierenden}]
  Die Ausbildung f"ur das Lehramt ist eine wichtige Aufagbe
  des Mathematischen Instituts, das sogar eine eigene Abteilung f"ur
  Didaktik der Mathematik besitzt, die vollumf"anglich der
  Ausbildung der Lehramtsstudenten gewidmet ist und f"ur diese
  in einem zweiw"ochentlichen Rhytmus ein eigenes fachdidaktisches
  Kolloquium anbietet, das auch gut besucht ist.
  Den spezifischen Bed"urfnissen der Lehramtsstudenten
  wird dar"uber hinaus durch eine
  enge Zusammenarbeit mit den Studienseminaren und neuerdings mit der
  P"adagogischen Hochschule
  bei der Ausbildung zum Master of Education Rechnung getragen.
\end{Bemerkungl}





\end{document}




  
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