\section{Funktionenr"aume und Fourierreihen}

\subsection{Lebesgueintegral vektorwertiger Funktionen}

 \begin{Bemerkungl}\label{IVf}
    Sei $(X,\cal{M}, \mu)$ ein Ma"sraum und $V$ ein endlichdimensionaler 
reeller Vektorraum.  
Eine Abbildung $f:X\ra V$ hei"st 
\defnoind{integrierbar},\index{integrierbar!vektorwertige Funktion}
 wenn sie me"sbar ist und f"ur eine und jede Norm auf $V$
gilt $\int \| f\|<\infty$. Unter diesen Umst"anden 
erkl"aren wir das\label{IvvF}  
{\bf Integral}\index{Integral!von vektorwertiger Funktion!"uber 
Ma"sraum} 
unserer Funktion $f$ 
als den eindeutig bestimmten Vektor 
$$v=\int f=\int_X f(x)\mu\langle x\rangle$$
mit der Eigenschaft 
$L(v)=\int L(f(x))\mu\langle x\rangle$ f"ur jede
Linearform $L:V\ra \DR$. 
Um die Existenz und Eindeutigkeit von $v$ zu zeigen, k"onnen wir etwa
$V=\DR^n$ annehmen und m"ussen nur pr"ufen, da"s dann das komponentenweise
Integral den einzig m"oglichen Vektor $v$ mit den 
angef"uhrten Eigenschaften
liefert. Das  ist leicht zu sehen.
 \end{Bemerkungl}
 \begin{Bemerkungl}
     Sei $(X,\cal{M}, \mu)$ ein Ma"sraum und $V$ ein endlichdimensionaler 
     reeller Vektorraum.  Die integrierbaren $V$-wertigen Funktionen auf $X$
     bilden einen Untervektorraum\index{L@$\cal{L}^{1}_{V} (X;\mu)$}
     $\cal{L}^{1}_{V} (X;\mu)\subset
     \op{Ens}(X,V)$ im Raum
     aller $V$-wertigen Funktionen auf $X$. Ist $V$ ein endlichdimensionaler 
     komplexer Vektorraum, so bilden sie sogar einen komplexen Untervektorraum.
     Das Integral ist dann eine $\DR$-lineare beziehungsweise $\DC$-lineare
     Abbildung $$\int:\cal{L}^{1}_{V} (X;\mu)\ra V$$ 
     Im Fall $V=\DC$ bezeichnen wir den komplexen Vektorraum der komplexwertigen
     integrierbaren Funktionen auf $X$ mit\index{L@$\cal{L}^{1} (X;\mu)$}
     $\cal{L}^{1} (X;\mu)$. 
 \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{R"uckw"artskompatibilit"at}]
  In \eref{IVb}{AN2} hatten wir bereits eine Verallgemeinerung 
des Integrationsbegriffs
zu einem Integral f"ur stetige
 Funktionen 
auf kompakten reellen Intervallen  mit
Werten in  endlichdimensionalen reellen Vektorr"aumen besprochen. 
Obige Variante  liefert offensichtlich dasselbe Integral f"ur stetige Funktionen.  
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
  Unsere S"atze "uber dominierte Konvergenz und Integration auf Produktr"aumen
  gelten unver"andert\label{VIL}
 auch f"ur  Funktionen mit Werten in endlichdimensionalen
reellen Vektorr"aumen.  F"ur jede lineare
  Abbildung $\Lambda:V\ra W$ in einen weiteren endlichdimensionalen reellen
  Vektorraum gilt weiter die Formel $\int (\Lambda\circ f)
=\Lambda\left(\int f\right)$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung} Sei $(X,\mu)$ ein Ma"sraum.
  Nimmt eine integrierbare Abbildung $f:X\ra V$ mit Werten 
in einem endlichdimensionalen 
reellen Vektorraum nur endlich viele Werte an, 
so haben wir
  $$\int_{X} f(x) \mu\langle x\rangle=\sum_{v\neq 0}\mu(f^{-1}(v))\;v$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung} Sei $(X,\mathcal M,\mu)$ ein Ma"sraum.
 Gegeben eine integrierbare Abbildung $f:X\ra V$ mit Werten 
in einem endlichdimensionalen 
reellen Vektorraum\label{NoIn} 
gilt f"ur  jede Norm $\|\;\|$ auf $V$ die Absch"atzung
$$\left\|\int f\;\right\|\leq \int \| f\|$$
Hinweis: Man zeige das zun"achst f"ur me"sbare Stufenfunktionen und 
argumentiere dann mit dem Satz "uber dominierte Konvergenz.
\end{Ubung}
  \begin{Bemerkunge}
    Im Fall komplexwertiger Funktionen und der
Standardnorm auf $\DC$ kann man die Absch"a\-tzung
$|\int f|
    \leq\int |f| $ aus \ref{NoIn} 
auch einfacher zeigen, indem man  $\lambda \in
    \Bbb{C}$ w"ahlt mit $|\lambda| = 1$ und $\lambda \int f > 0$,
woraus dann folgt
    $$\left|\int f\right| = \lambda \int f = \int \lambda f = 
\int \op{Re} (\lambda f) \leq
    \int |\lambda f| = \int |f|$$
\end{Bemerkunge}
\subsection{Quadratintegrierbare Funktionen}\label{FqF} 
  \begin{Bemerkungl}
    Sei $(X,\cal{M}, \mu)$ ein Ma"sraum.  
Eine Funktion $f:
    X \ra \Bbb{C}$ hei"st
{\bf quadratintegrierbar},\index{quadratintegrierbar!Funktion} 
wenn sie me"sbar ist und ihr Betragsquadrat\label{L22} 
integrierbar ist, in Formeln  $\int |f|^{2}  < \infty$. 
Die Menge  $\cal{L}^{2}=\cal{L}^{2}(X;\mu)$
    aller 
quadratintegrierbaren Funktionen $f:
    X \ra \Bbb{C}$ 
ist ein Untervektorraum im $\DC$-Vektorraum 
aller me"sbaren komplexwertigen Funktionen 
auf $X$, denn wir haben $2 |f| \cdot |g|\leq |f|^{2} + |g|^{2}$
und folglich $|f+ g|^{2}\leq |f|^{2} + 2
|f|\cdot|g| + |g|^{2} \leq 2 (|f|^{2} + |g|^{2})$.
Dieselben Absch"atzungen zeigen, da"s die Abbildung 
$$
\begin{array}{cccl}
\langle \;,\;\rangle:&\cal{L}^{2}\times \cal{L}^{2}&\ra&\DC\\
&(f,g)&\mapsto &\langle f,g\rangle=\int \bar{f}g
\end{array}
$$
wohldefiniert ist und schieflinear im ersten
Eintrag sowie linear im zweiten. 
Es gilt auch offensichtlich $\langle f,f\rangle\geq 0$
f"ur alle $f\in \cal{L}^{2}$. Dennoch liefert unsere 
Paarung im allgemeinen
kein Skalarprodukt auf $\cal{L}^{2}$ im Sinne von 
\eref{KSP}{LA2}, da aus
$\langle f,f\rangle= 0$ nicht notwendig folgt $f=0$.  
Um  einen Skalarproduktraum zu erhalten,
betrachten wir den Untervektorraum
$\mathcal R\pdef\{f\in \cal{L}^{2}\mid 
\langle f,g\rangle= 0\;\forall g\in\cal{L}^{2} \}$,
das sogenannte Radikal.
Unsere hermitesche Form induziert dann
offensichtlich und formal nach "Ubung \eref{BilQ}{LA2} 
ein Skalarprodukt auf dem Quotientenvektorraum
$${\op{L}}^{2}(X,\mu)\pdef\cal{L}^{2}/\mathcal R$$ 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Ich erinnere an den Begriff der Summierbarkeit 
von Familien \eref{ABSBe}{AN2}. Gegeben ein normierter 
Vektorraum $V$ nennt man 
eine Familie $(v_i)_{i\in I}$ von Vektoren aus\label{ABSBl}
$V$  {\bf summierbar
mit Summe}\index{summierbar!Familie in normiertem Vektorraum} $s\in V$ und
schreibt
$\sum_{i\in I} v_i=s$,
wenn es f"ur jede Umgebung $U$ von $s$ eine endliche Teilmenge
$I_U\subset I$ gibt derart, da"s f"ur jede endliche
Obermenge $J$ von $I_U$ in $ I$  gilt
$\sum_{i\in J} v_i\in U$.
\end{Bemerkungl}


\begin{Theorem}[\textbf{Fourierreihen
quadratintegrierbarer Funktionen}]
Sei das Intervall
$[0,2\pi]$ mit dem auf Gesamtma"s Eins\label{FR} normierten Lebesguema"s
$\mu
\pdef\diff t / 2\pi$ versehen und $\Bbb{Z}$ mit
dem
Z"ahlma"s $\zeta$. So liefert 
 $(c_{n})_{n\in
\Bbb{Z}}\mapsto \sum_{n\in \Bbb{Z}} c_{n} \op{e}^{{\op{i}}nt}
$ einen Isomorphismus von Skalarproduktr"aumen 
$$\op{L}^{2}(\Bbb{Z},\zeta) \sira \op{L}^{2}([0,2\pi],\mu)$$
Insbesondere %und noch genauer ausgeschrieben
ist  f"ur jede Familie $(c_{n})_{n\in
\Bbb{Z}}$ von komplexen Zahlen mit $\sum|c_n|^2<\infty$ die
Familie %der Nebenklassen
$ c_{n} \op{e}^{{\op{i}}nt}$ %+\mathcal R$
summierbar in  $\op{L}^{2}([0,2\pi],\mu)$.
\end{Theorem}
\begin{Bemerkungl}
 Den  Beweis dieses Satzes m"ussen wir zur"uckstellen,
bis wir die Theorie weiter ausgebaut haben.
Er wird dann  im Anschlu"s an \ref{DLp} ausgef"uhrt. 
Im folgenden geben  wir alternative Beschreibungen 
unserer R"aume ${\op{L}}^{2}(X,\mu)$, 
die eine bessere Anschauung  geben m"ogen und 
sich auch sonst als n"utzlich erweisen.
\end{Bemerkungl}


% \begin{Bemerkungl}
% Wir erinnern an die Fourierentwicklung stetig differenzierbarer
% $2\pi$-peri\-odischer Funktionen $f:\DR\ra \DC$ aus \eref{Fou2}{AN1}.
% Wollen wir die Abh"angigkeit der Fourierkoeffizienten $c_n$ 
% einer derartigen Funktion von der Funktion zum Ausdruck bringen, so
% schreiben wir 
% $c_n={f^\wedge}(n)$ und erhalten wie in \eref{QM}{AN1} eine Abbildung
% $$\begin{array}{ccc}
% \cal{C}([0,2\pi])&\ra&\op{Ens}(\DZ,\DC)\\
% f&\mapsto&{f^\wedge}
% \end{array}$$
% Diese Abbildung ordnet also
% jeder Funktion die Familie ihrer Fourierkoeffizienten zu.
% Diese Zuordnung baut der anschlie"sende Satz  zu einer Bijektion 
% zwischen geeigneten 
% R"aumen quadratintegrierbarer Funktionen aus.
% \end{Bemerkungl}





% \begin{Bemerkungl}
% Sei $(X,\cal{M}, \mu)$ ein Ma"sraum.  Betrachten wir
% den Quotientvektorraum  $\cal{L}^{2}/\mathcal {N}$ 
% nach dem Untervektorraum aller me"sbaren Funktionen,  einer Nullmenge unterscheiden.
%   Diese Idee werden wir nun pr"azise  fassen.
% \end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Seien $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum und $Y$ eine Menge.
  Auf der Menge $\op{Ens}(X,Y)$ aller Abbildungen von unserem Ma"sraum $X$ 
in die Menge $Y$  k"onnen wir eine
  "Aquivalenzrelation $\sim_\mu$ erkl"aren durch die Vorschrift
  $$f\sim_\mu g \Leftrightarrow \{ \exists N\in \mathcal M \text{ mit }
\mu(N)=0\text{ und } f(x) = g(x) \;\forall x\in X\backslash N\}$$
 In Worten sind also Abbildungen $f,g$ 
 "aquivalent, wenn sie au"serhalb  einer Nullmenge
"ubereinstimmen. Die "Aquivalenzklassen von $\sim_\mu$ 
hei"sen {\bf $\mu$-fast "uberall
    definierte Abbildungen} von $X$ nach $Y$. Wir notieren fast "uberall
definierte Abbildungen\label{faub} $$f:X\dashrightarrow Y$$ Wenn wir 
betonen wollen, da"s eine Abbildung im urspr"unglichen Sinne
zu verstehen ist, sprechen wir
von\index{)4@$\dashrightarrow$ fast "uberall definierte Abbildung} 
einer\index{Abbildung!"uberall definierte} 
{\bf "uberall definierten Abbildung}.\index{"uberall definiert!Abbildung} 
Die Menge aller $\mu$-fast "uberall
    definierten Abbildungen von $X$ nach $Y$ notieren wir 
$$\op{Ens}_\mu(X,Y)\pdef \op{Ens}(X,Y)/\sim_\mu$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Sei $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum.
Gilt eine Aussage f"ur alle $x \in X$ au"serhalb einer Nullmenge,
so sagt man auch, die Aussage gelte 
{\bf fast "uberall}\index{fast "uberall!auf Ma"sraum} 
oder genauer $\mu$-{\bf fast "uberall}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Nachschalten einer "uberall definierten Abbildung}] Sei $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum. Gegeben eine "uberall
  definierte Abbildung $h:Y\ra Z$ von Mengen liefert das Nachschalten von $h$
  eine wohlbestimmte Abbildung\label{NSub} 
  $$h\circ: \op{Ens}_\mu(X,Y)\ra\op{Ens}_\mu(X,Z)$$
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Vektorr"aume
      von fast "uberall definierten Funktionen}]
Sei $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum. Ist $K$ ein K"orper,
so bildet im Vektorraum $\op{Ens}(X,K)$
der $K$-wertigen Funktionen auf $X$  die Teilmenge
 $$\mathcal N\pdef\{f:X\ra K\mid f\sim_\mu 0\}$$
der fast "uberall verschwindenden Funktionen einen Untervektorraum. 
Offensichtlich ist auch $f\sim_\mu g$ gleichbedeutend 
zu $(f-g)\in\mathcal N$. 
Folglich induziert die kanonische  Surjektion 
$\op{Ens}(X,K)\sra \op{Ens}_\mu(X,K)$ eine Bijektion
$$\op{Ens}(X,K)/\mathcal N\sira \op{Ens}_\mu(X,K)$$
und die Menge $\op{Ens}_\mu(X,K)$
der fast "uberall definierten $K$-wertigen Funktionen
besitzt genau eine Struktur als $K$-Vektorraum derart, da"s
die kanonische Surjektion $\op{Ens}(X,K)\sra \op{Ens}_\mu(X,K)$ linear ist.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Den Begriff 
\emph{fast "uberall}
verwende ich 
in zwei Bedeutungen: Auf  einem Ma"sraum $X$ 
als Abk"urzung f"ur \glqq die Ausnahmen bilden eine Nullmenge\grqq, auf
einer beliebigen  Menge $X$ 
als Abk"urzung f"ur \glqq die Ausnahmen bilden eine endliche Menge\grqq. 
Mir ist keine griffige Terminologie eingefallen,
die diese Unsch"arfe ausr"aumt. 
Ich kann nur hoffen,
da"s aus dem Kontext erschlossen werden kann, 
welche Bedeutung im Einzelfall gemeint ist.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Operationen mit 
fast "uberall definierten Funktionen}]
  Man kann reellwertige  oder auch komplexwertige
fast "uberall definierte Funktionen addieren und multiplizieren, man
  darf beim Rechnen mit  
fast "uberall definierten Funktionen
sogar auch dann noch den Quotienten $f/g$ bilden, 
falls $g$ nur  fast
    "uberall von Null verschieden ist.  
Es ist sinnvoll, von 
einer Folge fast "uberall definierter Funktionen zu sagen, da"s sie
fast "uberall
punktweise gegen eine weitere fast "uberall definierte Funktion
konvergiert.
Man kann die Verkn"upfung $g\circ f$
  einer fast "uberall definierten Funktion $f$ mit einer "uberall definierten
  Funktion $g$ bilden und erh"alt so wieder eine 
fast "uberall definierte Funktion. 
Nicht sinnvoll ist das Auswerten einer fast "uberall
definierten Funktion an einem Punkt, es sei denn, der fragliche
Punkt habe positives Ma"s.
 \end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Sei $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum und $Y$ ein Me"sraum.
Eine  fast "uberall definierte 
Abbildung $f:X\dashrightarrow Y$ 
hei"st {\bf me"sbar},\index{me"sbar!fast "uberall definierte Funktion} 
wenn sie einen me"sbaren\label{mexc}   
Repr"asentanten besitzt. Wir notieren die Menge der me"sbaren fast "uberall definierten Abbildungen 
 $$\op{Me"s}_\mu(X,Y)$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Ist unser Ma"sraum nicht vollst"andig, so kann eine me"sbare
fast "uberall definierte Abbildung durchaus auch nicht-me"sbare 
Repr"asentanten haben.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ und eine me"sbare "uberall definierte
  Abbildung $h:Y\ra Z$ induziert das Nachschalten von $h$ nach \ref{NSub}
  eine wohldefinierte Abbildung\label{NSmf} 
  $$h\circ:\op{Me"s}_\mu(X,Y)\ra \op{Me"s}_\mu(X,Z)$$
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ setzen wir
  $$\op{L}^1(X;\mu)\pdef \op{im}(\mathcal{L}^1(X;\mu)\ra \op{Ens}_\mu(X,\DC))$$
  Die Elemente von $\op{L}^1$ sind mithin alle
  $\mu$-fast "uberall definierten komplexwertigen Funktionen auf $X$ mit
  mindestens einem integrierbaren Repr"asentanten.\label{DL1}  
\end{Definition}




\begin{Bemerkungl}
Es ist  etwas ungl"ucklich, da"s eine
$\op{L}^1$-Funktion damit genau genommen gar keine Funktion ist 
sondern vielmehr eine "Aquivalenzklasse von Funktionen.
Der Buchstabe $\op{L}$ steht in diesem Zusammenhang  f"ur 
\glqq Lebesgue\grqq.\label{QIFu}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ verschwindet das Integral
  auf allen fast "uberall verschwindenden integrierbaren
  Funktionen $f\in \mathcal{L}^1(X;\mu)\cap\mathcal N$
  und induziert mithin eine $\DC$-lineare Abbildung
  $$\int:\op{L}^1(X;\mu)\ra \DC$$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ und zwei fast "uberall gleiche
  me"sbare Funktionen $f,g:X\ra \DC$ sind auch 
  $|f|,|g|:X\ra \DC$ me"sbar und fast
  "uberall gleich nach \ref{NSub} und \ref{NSmf}. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Lemma}
Seien $(X,\cal{M}, \mu)$ ein Ma"sraum und 
$f : X \ra [0,\infty]$ eine nichtnegative me"sbare Funktion. Genau dann gilt $\int f =0$,
wenn $f$ au"serhalb einer Nullmenge\label{NFUA} 
verschwindet.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Verschwindet $f$ au"serhalb von einer Nullmenge, so gilt
offensichtlich $\int f =0$.
Gilt umgekehrt $\int f=0$, so hat $f^{-1}([1/n, \infty])$ Ma"s Null
f"ur alle $n$, und damit hat auch $f^{-1}(\left(0,\infty\right])$
Ma"s Null als
abz"ahlbare Vereinigung von Mengen vom Ma"s Null.
\end{proof}
\begin{Satz}  
Gegeben  ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$
ist 
$\| g \|_{1} \pdef \int |g|$  eine Norm auf
dem komplexen Vektorraum $\op{L}^{1} (X)$. 
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Wir "uberlassen alles dem Leser bis auf den
Nachweis der Implikation 
 $\|g\|_1=0\RA g=0$. 
Per definitionem haben wir $\|g\|_1=\int |\tilde g|$
f"ur einen und jeden integrierbaren Repr"asentanten $\tilde g:X\ra\DC$
von $g$.
Aus $\|g\|_1=\int |\tilde g|=0$ folgt nun 
  erst $|\tilde g|\sim_\mu 0$ nach \ref{NFUA} und dann offensichtlich $\tilde g\sim_\mu 0$
und dann aus den Definitionen $g=0$.
\end{proof}
\begin{Definition}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ setzen wir
 $$\op{L}^2(X;\mu)\pdef \op{im}(\mathcal{L}^2(X;\mu)\ra \op{Ens}_\mu(X,\DC))$$
  Die Elemente von $\op{L}^2$ sind mithin alle\label{QIFu}  
  $\mu$-fast "uberall definierten komplexwertigen Funktionen auf $X$ mit
  mindestens einem quadratintegrierbaren Repr"asentanten.\label{DL2}  
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
Wieder ist es etwas ungl"ucklich, da"s eine
$\op{L}^2$-Funktion damit genau genommen gar keine Funktion ist,
sondern vielmehr eine "Aquivalenzklasse von Funktionen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}
  Gegeben  ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ und $f,g\in \op{L}^2(X)$
  haben wir $\bar f g\in \op{L}^1(X)$ und 
 $\langle f,g\rangle \pdef \int \bar f g$ ist
ein Skalarprodukt auf $\op{L}^2(X)$.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Dem Leser "uberlassen. Das Produkt ist in $\op{Ens}_\mu(X,\DC)$ zu verstehen. 
\end{proof}
\begin{Lemma} Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$
induziert
die kanonische Surjektion  
$\cal{L}^{2}(X;\mu)\ra {\op{L}}^{2}(X;\mu)$ einen Isomorphismus
$${\op{L}}^{2}(X,\mu)\sira {\op{L}}^{2}(X;\mu)
$$ 
\end{Lemma}
\begin{proof}
  Wir hatten in \ref{L22} den Raum ${\op{L}}^{2}(X,\mu)\pdef \cal{L}^{2}(X,\mu)/\mathcal R$ erkl"art  als den Quotient von $\cal{L}^{2}$
  nach dem Radikal  
  $\mathcal R=\{f\in \cal{L}^{2}\mid 
\langle f,g\rangle= 0\;\forall g\in\cal{L}^{2} \}$.
Nach dem allgemeinen Isomorphismus $V/(\op{ker}L)\sira \op{im}L$
f"ur lineare Abbildungen $L:V\ra W$  reicht es zu zeigen, da"s das
Radikal  "ubereinstimmt mit dem Raum 
der fast "uberall verschwindenden Funktionen aus $\mathcal L^{2}$,
in Formeln $\mathcal R=\mathcal L^{2}\cap \mathcal N$.
In der Tat ist $\supset$ offensichtlich und $\subset$ folgt 
aus der Kette von Implikationen 
$$\textstyle f\in\mathcal R\;\;\RA\;\; \langle f,f\rangle= 0\;\;\RA\;\; \int |f|^{2}=0
\;\;\RA\;\; |f|^{2}\sim_\mu 0\;\;\RA\;\; f\sim_\mu 0$$
Die dritte Implikation kommt dabei von  \ref{NFUA} her.
\end{proof}
\begin{figure}[hbt] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildL2L1}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschaulich und unpr"azise gesprochen ist die  Quadratintegrierbarkeit
im Vergleich zur Integrierbarkeit 
f"ur Funktionen $f:\DR\ra\DR$ eine schw"achere Bedingung  an das Abfallen 
f"ur $x\ra\pm\infty$, 
aber eine st"arkere Bedingung an die
Natur m"oglicher Polstellen.
\end{minipage}
\end{figure}



\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Man gebe eine quadratintegrierbare Funktion $f: \Bbb{R} \rightarrow \Bbb{R}$
  an, die nicht integrierbar ist. Man gebe eine integrierbare Funktion
  $f: \Bbb{R} \rightarrow \Bbb{R}$ an, die nicht quadratintegrierbar ist.
  Man zeige, da"s jede quadratintegrierbare 
  Funktion $f: \Bbb{R} \rightarrow \Bbb{R}$ mit kompaktem Tr"ager 
integrierbar ist. 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
Sind $f,g:\DR^n\ra\DC$ fast "uberall gleich und stetig
bei $p\in \DR^n$, so gilt $f(p)=g(p)$.  
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Seien $X$ ein  topologischer Raum und $p\in X$ ein Punkt 
  und $\mu$ ein Ma"s auf $X$, das auf jeder offenen Umgebung
  von $p$ positiv ist. Sind $f,g:X\ra\DR$ fast "uberall gleich
  und stetig bei $p$, so gilt $f(p)=g(p)$.  
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{HUG}
 Man zeige f"ur $f,g\in \op{L}^2$ die sogenannte 
{\bf H"older-Ungleichung} $\|fg\|_1\leq \|f\|_2 \|g\|_2$. Hinweis: 
Man wende die Cauchy-Schwartz'sche Ungleichung auf die Betr"age
unserer Funktionen an. 
\end{Ubung}

\subsection{R"aume integrierbarer Funktionen}
\begin{Bemerkungl}
Um unsere R"aume integrierbarer und
quadratintegrierbarer fast "uberall definierter
Funktionen simultan behandeln zu k"onnen,
f"uhren wir eine gemeinsame Verallgemeinerung ein, 
die sogenannten $\op{L}^p$-R"aume.
Im Rahmen dieser Vorlesung k"onnte man im Folgenden stets mit $p\in \{1,2\}$
arbeiten und so die Diskus\-sion  allgemeiner $\op{L}^p$-R"aume
 vermeiden. 
In anderen Zusammenh"angen scheinen jedoch auch die
$\op{L}^p$-R"aume f"ur andere $p$ von Bedeutung zu sein.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{HUNn}
Wir erinnern  aus 
\eref{JHU}{AN1} und \eref{HUN}{AN1}
zwei  n"utzliche Ungleichungen: 
    Gegeben reelle Zahlen $a,b\geq 0$ und $p,q>1$ mit
    $\frac{1}{p}+\frac{1}{q}=1$ folgt  die {\bf
      Young'sche Ungleichung}\index{Young'sche Ungleichung} $ab\leq p^{-1} a^p+
    q^{-1} b^q$ aus der Konvexit"at der
    Exponentialfunktion. Weiter folgt,
sogar f"ur $p\geq 1$,  die Ungleichung $(a+b)^p\leq
    2^{p-1}( a^p+ b^p)$  aus  der Konvexit"at der
    Funktion $[0,\infty)\ra\DR$, $x\mapsto x^p$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ und $p \in [1,\infty)$ setzen wir
  $$\textstyle \mathcal{L}^p(X;\mu)\pdef \{f:X\ra\DC \text{ me"sbar mit } \int |f|^p<\infty\}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Die Absch"atzung $|f+g|^p\leq (|f|+|g|)^p\leq 2^{p-1}(|f|^p+|g|^p)$ nach \ref{HUNn} zeigt,
  da"s $\mathcal{L}^p(X;\mu)\subset \op{Ens}(X,\DC)$ ein Untervektorraum ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ und $p \in [1,\infty)$ setzen wir\label{LpLi}
  $$\op{L}^p(X;\mu)\pdef \op{im}(\mathcal{L}^p(X;\mu)\ra \op{Ens}_\mu(X,\DC))$$
  Die Elemente von $\op{L}^p$ sind mithin alle  
  $\mu$-fast "uberall definierten komplexwertigen Funktionen auf $X$ mit
  mindestens einem  Repr"asentanten aus $\mathcal L^p$.\label{DLp}  
\end{Definition}

\begin{Beispiel}
F"ur $p=1$ und $p =2$ erhalten wir die bereits
in \ref{FqF}  ausf"uhrlich
diskutierten R"aume $\op{L}^1(X)$  und $\op{L}^2(X)$.
\end{Beispiel}


\begin{Proposition}\label{Lpp}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\mu)$ und $p \in (1,\infty)$  erhalten
    wir  eine Norm auf $\op{L}^p(X)$
durch die Vorschrift 
\begin{equation*}
\| f \|_p \pdef \left({\int |f|^p}\right)^{1/p}
\end{equation*}

\end{Proposition}



\begin{proof}[Beweis]
Sicher gilt $\|\alpha f\|_p = |\alpha| \| f\|_p$ und aus
$\|f\|_p =0$ folgt $f= 0$ fast "uberall mit \ref{NFUA}.
Um die Dreiecksungleichung zu zeigen 
m"ussen wir weiter ausholen.
Wir finden sicher  $q \in (1,\infty)$ mit
$\frac{1}{p} + \frac{1}{q} =1$ alias $p+q=pq$. 
Solche $p,q$ hei"sen 
{\bf konjugierte Exponenten}.\index{konjugiert!Exponenten}
Nach \ref{HUNn} gilt f"ur reelle $a,b > 0$
dann
\begin{equation*}
ab \leq \frac{a^p}{p}  + \frac{b^q}{q} 
\end{equation*}
Aus $f \in \op{L}^p$ und $g \in \op{L}^q$ folgt mithin $f g \in \op{L}^1$.
Wir behaupten unter diesen Annahmen sogar 
st"arker die \defind{H"older-Ungleichung}
\begin{equation*}
\| fg\|_1 \leq \|f\|_p \|g\|_q
\end{equation*}
Auch das folgt im Fall $\|f\|_p = \|g\|_q =1$ sofort aus unserer
obigen Ungleichung, dann m"ussen wir ja nur $\| fg\|_1 \leq 1$ zeigen. Im allgemeinen folgt es durch Reskalieren.
Gegeben  $f,g \in \op{L}^p$ zeigen wir nun 
schlie"slich $\|f + g\|_p
\leq \|f\|_p + \|g\|_p$.
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir $f$ und $g$ nichtnegativ
und von Null verschieden annehmen.
Setzen wir $h \pdef (f+g)^{p-1}$, so ergibt sich $h^q =(f+g)^p$.
Es folgt
$h \in \op{L}^q$ und wir erhalten
$$
\|f+g\|^p_p \;=\; \|(f+g)h\|_1\;\leq\;  \|fh\|_1 + \|gh\|_1\; \leq 
\; \|f\|_p \|h\|_q + \|g\|_p \|h\|_q
$$
Beachten wir nun $\|h\|_q = \|f+g\|_p^{(p/q)}$ und teilen das auf beiden
Seiten weg, so ergibt sich die Behauptung.
\end{proof}
\begin{Definition}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$ und setzen wir
  $$\textstyle \mathcal{L}^\infty(X;\mu)\pdef \{f:X\ra\DC \text{ me"sbar mit }  |f| \text{ beschr"ankt}\}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl} Offensichtlich ist $\mathcal{L}^\infty(X;\mu)\subset \op{Ens}(X,\DC)$ ein Untervektorraum. Offensichtlich ist
  $\|f\|_\infty\pdef \op{sup}ß\big(\{|f(x)||x\in X\}\cup\{0\}\big)$ eine Norm auf $\mathcal{L}^\infty$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$  setzen wir
 $$\op{L}^\infty(X;\mu)\pdef \op{im}(\mathcal{L}^\infty(X;\mu)\ra \op{Ens}_\mu(X,\DC))$$
  Die Elemente von $\op{L}^\infty$ sind mithin alle  
  $\mu$-fast "uberall definierten komplexwertigen Funktionen auf $X$ mit
  mindestens einem me"sbaren betragsm"a"sig beschr"ankten Repr"asentanten.   
\end{Definition}
\begin{Lemma}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$  erhalten wir eine Norm $\|\;\|_\infty^{\op{ess}}$ auf $\op{L}^\infty(X;\mu)$ durch die Vorschrift\label{Lppi} 
  $$\|f\|_\infty^{\op{ess}}\pdef \op{inf}\{\|g\|_\infty\mid g\in \mathcal{L}^\infty(X;\mu)\text{ repr"asentiert }f\}$$
\end{Lemma}
\begin{proof} Alle Eigenschaften einer Norm sind klar
  bis auf die Eigenschaft, da"s nur der Nullvektor die Norm Null haben kann.
  Sei $h\in \mathcal{L}^\infty$ ein Repr"asentant von  $f\in \op{L}^\infty$.
  Gilt $\|f\|_\infty^{\op{ess}}=0$, so wird aber f"ur alle $n\in \DN$  unser $f$ auch
  repr"asentiert durch ein $g$ mit
  $\|g\|_\infty\leq 1/n$ und es folgt $\mu(\{x\mid |h(x)|>1/n\})=0$.
  Das gilt f"ur alle $n\in \DN$ und damit ist auch die abz"ahlbare
  Vereinigung dieser Nullmengen eine Nullmenge und wir folgern  $h\sim_\mu 0$
  alias $f=0$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  "Ahnlich wie im vorherigen Beweis sieht man auch, da"s
  jedes $f\in \op{L}^\infty$ einen Repr"asentanten $g\in \mathcal L^\infty$
  hat mit $\|f\|^{\op{ess}}_\infty=\|g\|_\infty$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\cal{M},\mu)$  f"uhren wir  f"ur $g\in \mathcal{L}^\infty(X;\mu)$ das
  {\bf essentielle Supremum}\index{essentiell!Supremum} 
  ein durch
  $$\|g\|_\infty^{\op{ess}}\pdef \op{sup}\big(\{ c\mid \mu\{x\mid |g(x)|\geq c\}>0\}\cup\{0\}\big)$$
  Dann haben fast "uberall gleiche $\mathcal{L}^\infty$-Funktionen
  dasselbe essentielle Supremum und man erkennt unschwer, da"s die
  so auf $\op{L}^\infty$ induzierte Abbildung genau unsere Norm $\|\;\|_\infty^{\op{ess}}$ aus \ref{Lppi} ist.
\end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkungl}[{\bf Diskussion der Notation}] 
  Vielfach k"urzt man $\|\;\|^{\op{ess}}_\infty$ zu  $\|\;\|_\infty$ ab und
  der Leser mu"s aus dem Kontext erschlie"sen, was genau gemeint ist.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}\label{HoU}
Man bezeichnet etwas allgemeiner als zuvor  
eingef"uhrt auch $1$ und $\infty$ als \defind{konjugierte Exponenten}.
Ist dann $(X,\mu)$ ein Ma"sraum und sind $p,q\in [1,\infty]$ konjugierte
Exponenten, so folgt aus $f\in \op{L}^p$ und $g\in\op{L}^q$ 
stets $fg\in \op{L}^1$ und $$\| fg\|_1 \leq \|f\|_p \|g\|_q$$
F"ur $p,q\in (1,\infty)$ hatten wir das bereits im 
vorhergehenden Beweis gesehen und im verbleibenden Fall ist es eh klar.
\end{Bemerkungl}

\begin{Theorem}[\textbf{Vollst"andigkeit der $\op{L}^p$-R"aume}]
F"ur jeden Ma"sraum $X$ und alle $p\in [1,\infty]$ sind
die normierten Vektorr"aume $\op{L}^p(X)$  vollst"andig.\label{VoLp} 
Jede konvergente
Folge in einem dieser R"aume besitzt des weiteren
 eine Teilfolge, die fast "uberall 
punktweise gegen die Grenzfunktion konvergiert.
\end{Theorem}
\begin{Beispiel}\label{IMnf}
Die charakteristischen Funktionen
der Intervalle $[0,1]$, $[0,1/2]$, $[1/2,1]$, $[0,1/4]$,
$[1/4,2/4]$, $[2/4,3/4]$, $[3/4,1]$, $[0,1/8]$,
$[1/8,2/8], \ldots$ bilden eine Nullfolge im Raum der 
$\op{L}^1$-Funktionen auf dem Einheitsintervall,
die nicht fast "uberall punktweise gegen Null konvergiert. Diese Folge
besitzt aber durchaus eine Teilfolge, die fast "uberall punktweise gegen Null konvergiert. 
\end{Beispiel}



\begin{figure}[hbtp] 
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildFoN}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Spaltenweise aufgereiht hier die ersten Glieder der Nullfolge
in $\op{L}^1$ aus \ref{IMnf},
die nicht fast "uberall punktweise gegen Null
konvergiert. Die graphische Darstellung ist etwas fragw"urdig,
da Graphen von Funktionen keine senkrechten Linien enthalten
d"urfen, aber wir vereinbaren einfach, da"s in diesem Fall
stets der oberste m"ogliche Wert gemeint ist. 
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{proof}[Beweis]
Wir "uberlassen den Fall $p=\infty$ dem Leser zur "Ubung und 
f"uhren den Beweis nur im Fall $p<\infty$.
Es gilt zu zeigen, da"s
jede Cauchy-Folge in $\op{L}^p(X)$ konvergiert.
Seien  die $f_{n}:X\ra\DC$ Repr"asentanten aus $\mathcal{L}^p(X)$ der Glieder
einer Cauchy-Folge in $\op{L}^p(X)$.
Indem wir falls n"otig zu einer Teilfolge "ubergehen, d"urfen wir
$\|f_{n} - f_{n+1}\|_{p} \leq 2^{-n}$ annehmen.
Wir betrachten nun die Funktionen $g_k,g:X\ra [0,\infty]$ gegeben durch
$$g_k=\sum_{n=0}^k |f_{n} - f_{n+1}|\;\;\; \text{ und }\;\;\; 
g=\sum_{n=0}^\infty |f_{n} - f_{n+1}|$$
Aus unseren Annahmen folgt $\|g_k\|_p\leq 2$ f"ur alle $k$.  Da die Funktion
$g^p$ der monotone punktweise Grenzwert der $g_k^p$ ist, erhalten
wir mit dem Satz von Lebesgue "uber monotone Konvergenz
$\int g^p\leq 2^p$. 
Insbesondere gilt also $g(x)<\infty$  fast "uberall auf $ X$.
Sicher gilt aber auch
$$f_0-f_{k+1}=\sum_{n=0}^k (f_{n} - f_{n+1})$$ 
und die Reihe $\sum_{n=0}^\infty f_{n}(x) - f_{n+1}(x)$ konvergiert absolut an allen Stellen $x\in X$ mit
$g(x)<\infty$, als da hei"st
fast "uberall. Mithin konvergiert auch die Folge der $f_{k}(x)$
au"serhalb der me"sbaren Menge vom Ma"s Null  $N\pdef g^{-1}(\infty)$ 
und wir erhalten als ihren punktweisen Grenzwert 
eine  me"sbare Funktion $f$ auf $X\backslash N$,
die wir durch Null fortsetzen k"onnen zu einer me"sbaren Funktion $f:X\ra \DC$.
Wir  zeigen nun, da"s $f$ in $\mathcal{L}^p$ liegt und
da"s die Folge der $f_k$ auch in der $\op{L}^p$-Norm gegen $f$ konvergiert.
Offensichtlich sind  die Funktionen $|f_0-f_{k}|$ auf $X\backslash N$ 
beschr"ankt durch $g$,
folglich ist $|f_0-f|$
auf $X\backslash N$  beschr"ankt durch $g$,
also gilt $f_0-f\in \mathcal{L}^p$ und dann
 auch $f\in \mathcal{L}^p$. Weiter k"onnen wir mit \ref{HUNn} absch"atzen 
$$|f-f_k|^p\leq 2^{p-1}(|f-f_0|^p+|f_0-f_k|^p) \leq 2^p g^p$$
Damit folgt dann $\lim_{k\ra 0} \|f-f_k\|_p=0$ aus dem
Satz "uber dominierte Konvergenz, angewandt auf die 
Funktionenfolge $|f-f_k|^p$, die auf $X\backslash N$ punktweise
gegen die Nullfunktion konvergiert.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Ich habe mir bis hierher M"uhe gegeben,  sorgf"altig zwischen
  Funktionen und fast "uberall definierten Funktionen zu unterscheiden.
  Im weiteren Verlauf der Vorlesung werde ich nachl"assiger
  werden in der Hoffnung, da"s der Leser aus dem Kontext erschlie"sen
  kann, was genau gemeint ist und wann es auf diese
  Unterscheidung "uberhaupt ankommt.
\end{Bemerkungl}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{EsSt}
Ist $(X,\mu)$ ein Ma"sraum und $E\subset X$ eine 
me"sbare Teilmenge endlichen Ma"ses, so liefert f"ur alle
$p\in [1,\infty]$ die Einschr"ankung 
von Funktionen eine stetige Abbildung $\op{L}^p(X)\ra \op{L}^1(E)$.
Hinweis: H"older-Ungleichung.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Gegeben $(E,\mu)$ ein Ma"sraum  endlichen Ma"ses und $1\leq p\leq q\leq\infty$
   gilt  $\op{L}^q(E)\subset \op{L}^p(E)$.
  Hinweis: Gegeben $f\in \op{L}^q(E)$ gilt $|f|^p\in \op{L}^{q/p}(E)$. Nun
  multipliziere man mit der konstanten Funktion $1$ und wende die H"olderungleichung an mit konjugierten Exponenten, von denen der erste $q/p$ ist.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}[\textbf{Dichtheit der integrierbaren Stufenfunktionen}]
  Gegeben ein Ma"sraum liegen f"ur $1\leq p<\infty$
die Bilder der integrierbaren Stufenfunktionen auf unserem Raum  dicht im
Raum der $\op{L}^{p}$-Funktionen.\label{USs}
Hinweis: Man verwende Lemma \ref{MM} zur monotonen Approximation durch
Stufenfunktionen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{DLP}
Gegeben eine Menge $X$ und ein Pr"ama"s $\mu$ auf einem Mengenring 
$\mathcal A\subset \mathcal P(X)$ 
erzeugen f"ur $1\leq p<\infty$
die charakteristischen Funktionen 
der Mengen endlichen Ma"ses aus $\mathcal A$ 
einen  dichten Teilraum  im
Raum der $\op{L}^{p}$-Funktionen in Bezug auf die
gr"o"ste Ma"sfortsetzung auf der von $\mathcal A$ erzeugten
$\sigma$-Algebra.
Hinweis: Man verwende die vorhergehende "Ubung
\ref{USs} und die Konstruktion der gr"o"sten Ma"sfortsetzung
\ref{KaEw}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{DLPg}
Gegeben Ma"sr"aume $(X,\mu)$ und $(Y,\nu)$ 
erzeugen f"ur alle $p\in [1,\infty)$ 
die charakteristischen Funktionen
$[A\times B]$ f"ur $A\subset X$ und $B\subset Y$ me"sbar
von endlichem Ma"s einen dichten Teilraum 
von ${\op{L}}^p(X\times Y;\mu\boxtimes \nu)$.
Speziell erzeugen die Funktionen 
 mit
$(f\boxtimes g)(x,y)\pdef f(x)g(y)$ mit 
$f\in{\op{L}}^2(X;\mu)$ und $g\in{\op{L}}^2(Y;\nu)$ einen dichten 
Teilraum von $ {\op{L}}^2(X\times Y;\mu\boxtimes \nu)$. Hinweis: \ref{DLP}.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{EDR}
Gegeben ein Borelma"s $\mu$ auf $\DR$ und  $1\leq p\leq \infty$ 
ist der Raum  $\op{L}^{p}(\DR;\mu)$ endlichdimensional
genau dann, wenn $\mu$ eine endliche Linearkombination von
Diracma"sen ist. Hinweis: Man betrachte die Variante
\ref{VerTn} der Verteilungsfunktion unseres Ma"ses.
\end{Ubung}





\subsection{Hilbertr"aume und Hilbertbasen}
\begin{Definition}
Ein {\bf Hilbertraum} ist ein komplexer %seltener auch reeller
Skalarproduktraum, 
der vollst"andig ist f"ur die von diesem
Skalarprodukt induzierte Metrik. Bezeichnet $ \langle \;,\;\rangle$ unser Skalarprodukt,
so wird die davon induzierte Metrik gegeben durch die Vorschrift
  $d(x,y)=\|x-y\|_2$ mit $\|v\|_2=\sqrt{\langle v,v\rangle}$,
vergleiche \eref{IMNo}{LA2}.  Einen  reellen oder komplexen
 Skalarproduktraum
  bezeichnet man insbesondere dann, wenn unser Raum
nicht vollst"andig ist, auch als
 {\bf Pr"a\-hil\-bert\-raum}.\index{Pr"ahilbertraum}\label{HRHB} 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
Manche Quellen fordern von einem Hilbertraum zus"atzlich noch, da"s er
eine abz"ahlbare dichte Teilmenge besitzen m"oge. 
Wir schlie"sen uns dieser Konvention nicht an 
und nennen derartige Hilbertr"aume \glqq separabel\grqq, da es sich dabei offensichtlich
genau um die Hilbertr"aume handelt, die als metrische R"aume separabel sind
im Sinne von \ref{sepm}.
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiel}
Nach \ref{VoLp} ist f"ur jeden Ma"sraum $X=(X,\mathcal M,\mu)$ der Raum
$\op{L}^{2}(X)$ der fast "uberall definierten
quadratintegrierbaren Funktionen auf $X$ ein
Hilbertraum.
Wir werden im folgenden zeigen, da"s es keine wesentlich
anderen Beispiele f"ur Hilbertr"aume gibt,
ja sogar, da"s  jeder Hilbertraum bereits isomorph ist 
zum Raum der quadratintegrierbaren Funktionen auf
einer mit dem Z"ahlma"s versehenen Menge.
Dazu m"ussen wir jedoch zun"achst etwas mehr Theorie
entwickeln.  
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
Ich erinnere daran, da"s 
nach \eref{ons}{LA2} eine Familie von Vektoren $(e_{i})_{i \in I}$ 
eines Skalarproduktraums  ein
{\bf Orthonormalsystem}\index{Orthonormalsystem} 
hei"st, wenn mit dem Kroneckerdelta aus \eref{Kdel}{LA1} gilt $\langle
e_{i},e_{j}\rangle= \delta_{ij}$. Ich erinnere daran, da"s 
nach \eref{onss}{LA2} eine Teilmenge
eines Skalarproduktraums  ein {\bf Orthonormalsystem}\index{Orthonormalsystem} 
hei"st, wenn alle ihre Vektoren die Norm $1$ haben und paarweise aufeinander
senkrecht sehen, wenn also unsere Teilmenge als durch sich selbs indizierte
Familie die fragliche Eigenschaft f"ur Familien hat. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Eine {\bf Hilbertbasis}\index{Hilbertbasis} 
eines Hilbertraums oder gleichbedeutend ein {\bf vollst"andiges 
Orthonormalsystem}\index{Orthonormalsystem!vollst"andiges}
 ist ein Orthonormalsystem,\label{Hibb} 
dessen Vektorraumerzeugnis dicht ist in unserem Hilbertraum.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Eine Hilbertbasis  ist im allgemeinen keine
Basis unseres Hilbertraums im Sinne der linearen Algebra.
Genauer gilt das nur f"ur endlichdimensionale Hil\-bert\-r"au\-me 
und f"ur diese ist eine Hilbertbasis dasselbe wie eine
Orthonormalbasis. Man vergleiche dazu auch "Ubung \ref{HBO}.
\end{Bemerkungl}
% \begin{Bemerkungl}
% Hier verwenden wir das sogenannte \defind{Kroneckerdelta},
% als da hei"st die Notation
% $$\delta_{ij}=\left\{
%   \begin{array}{ll}
% 1&i=j;\\0&\text{sonst.}
%   \end{array}\right$.$
% \end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
F"ur eine Menge $I$ bezeichne $\op{L}^2(I)=\op{L}^2(I;\zeta)$\index{L@$\op{L}^2(I)$
  quadratintegrierbare Funktionen}
 den Raum der in Bezug auf das Z"ahlma"s $\zeta$ 
quadratintegrierbaren Funktionen $I\ra\DC$
und $\chi_i\in \op{L}^2(I)$ die 
charakteristische Funktion der einelementigen Menge ${\{i\}}$.  
In der Literatur wird unser  $\op{L}^2(I)$ 
auch oft  $l^2(I)$\index{l@$l^2(I)$} notiert.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Nach \ref{USs} bilden die $\chi_i$ eine Hilbertbasis von $\op{L}^2(I)$.
Nach \eref{SuFa}{AN1} ist jede quadratintegrierbare Funktion 
$I\ra\DC$ 
h"ochstens auf einer abz"ahlbaren Teilmenge von $I$ verschieden von Null.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}
Wir erinnern daran, da"s wir nach \eref{ABSBe}{AN2}
  eine Familie $(v_i)_{i\in I}$ von
  Vektoren  eines normierten Vektorraums $V$  summierbar mit
    Summe $s\in V$ nennen und\label{ABSBc} 
$$\sum_{i\in I} v_i=s$$
 schreiben als Abk"urzung f"ur die Aussage, 
da"s es f"ur jede Umgebung $U$ von $s$ eine
endliche Teilmenge $I_U\subset I$ gibt derart, da"s f"ur jede endliche
Obermenge $J$ von $I_U$ in $ I$ gilt
$\sum_{i\in J} v_i\in U$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Satz}[\textbf{"uber Hilbertbasen}]
 \label{HiBa} \begin{enumerate}
  \item Ist $(e_{i})_{i\in I}$ ein Orthonormalsystem in einem Hilbert\-raum
    $\cal{H}$, so gibt es genau eine stetige lineare 
Abbildung $\varphi:\op{L}^{2}
    (I) \ra \cal{H}$ mit $\chi_i \mapsto e_{i}$ f"ur alle $i\in I$, und diese
    Abbildung erh"alt das Skalarprodukt;  
 \item
Ist $(e_{i})_{i\in I}$ sogar eine
    Hilbertbasis, so ist besagte Abbildung ein Isomorphismus von Hilbertr"aumen
    $
    \op{L}^{2} (I) \sira \cal{H}$
    und ihre Inverse $\cal{H}\sira \op{L}^2(I)$,
    $v\mapsto \hat{v}$ wird gegeben durch $\hat{v}(i)=\langle e_i, v \rangle$;
 \item
Gegeben eine Hilbertbasis $(e_{i})_{i\in I}$ in einem Hilbertraum $\cal{H}$
gilt f"ur jeden Vektor $v\in \cal{H}$ im Sinne von 
\ref{ABSBc} die Darstellung
$$v=\sum_{i\in I}\langle e_i, v \rangle e_i$$
\end{enumerate} 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Wir schicken dem Beweis zwei Lemmata voraus.
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\textbf{Stetige Fortsetzung von dichten Teilmengen}]
Seien $X,Y$ metrische R"aume und $A \subset X$ eine dichte\label{ADM}
Teilmenge. So gilt:
\begin{enumerate}
\item
Jede Abbildung $g:A\ra Y$ besitzt h"ochstens eine Fortsetzung zu einer
stetigen Abbildung $\tilde{g}:X\ra Y$;
\item 
Ist $g:A\ra Y$ gleichm"a"sig stetig und $Y$ vollst"andig, 
besitzt $g$ 
genau eine Fortsetzung zu einer stetigen Abbildung $\tilde{g}
  : X \ra Y$.
\end{enumerate}
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
Im wesentlichen haben Sie das Lemma bereits als "Ubung \eref{GSFo}{AN2} gezeigt.
   Die Abbildung $(0,1)\ra\DR$, $x\mapsto (1/x)$ ist stetig
aber nicht gleichm"a"sig stetig. Sie l"a"st sich nicht 
stetig auf die Vervollst"andigung $[0,1]$ 
des offenen Intervalls $(0,1)$ 
fortsetzen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}
 In \eref{DWT}{TM} wird erkl"art,
unter welchen Voraussetzungen sich die erste Aussage auf den Fall 
topologischer R"aume verallgemeinern l"a"st. Die zweite Aussage l"a"st 
sich allgemeiner f"ur sogenannte \glqq uniforme R"aume\grqq\  zeigen, wie
sie in \eref{UniF}{TM} eingef"uhrt werden. 
Wir gehen hier darauf nicht n"aher ein.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Gegeben $x \in X$ finden wir eine Folge $a_{n}$ in $A$ mit
$\lim_{n\ra \infty} a_{n} = x$.
Nat"urlich mu"s f"ur jede stetige Erweiterung $\tilde{g}$ von $g$
gelten $$\lim_{n\ra\infty} g(a_{n}) = \tilde{g}(x)$$
und das zeigt auch schon die Eindeutigkeit von $\tilde{g}$.
Ist $g$ nun gleichm"a"sig stetig, so ist mit $a_{n}$ auch
$g(a_{n})$ eine Cauchy-Folge, und ist $Y$ vollst"andig, so mu"s
$g(a_{n})$ konvergieren. Haben weiter zwei Folgen $a_{n}, b_{n}$ in $A$
denselben Grenzwert $x$, so strebt auch die Folge $c_{n}$ mit den Gliedern
$a_{1}, b_{1}, a_{2}, b_{2}, \ldots $ gegen $x$. Wir folgern
$$\lim_{n\ra \infty} g(a_{n}) = \lim_{n\ra \infty} g(c_{n}) =
\lim_{n\ra \infty} g(b_{n})$$ und k"onnen also definieren
$\tilde{g}(x) = \lim_{n\ra \infty} g(a_{n})$ f"ur eine und jede
Folge $a_{n}$ aus $A$, die gegen $x$ strebt.
Wir m"ussen nur noch zeigen, da"s $\tilde{g}$ stetig ist.
Sei dazu f"ur $\varepsilon > 0$ ein $\delta > 0$ gegeben mit
$d(a,b)\leq\delta \Rightarrow d(g(a), g(b))\leq\varepsilon$.
Wir zeigen $d (x,z) \leq\delta/2 \Rightarrow d(\tilde{g}(x),
\tilde{g}(z)) \leq\varepsilon$ f"ur alle $x,z \in X$. 
In der Tat, ist $x=\lim_{n\ra \infty} a_{n}$ und 
$z=\lim_{n\ra \infty} b_{n}$, so folgt aus der Dreiecksungleichung 
$d(a_n,b_n)\leq \delta$ f"ur fast alle $n$ und damit
$d(g(a_n), g(b_n))\leq\varepsilon$ f"ur fast alle $n$ und dann im
Grenzwert auch 
 $d(\tilde{g}(x), \tilde{g}(z)) \leq\varepsilon$ mithilfe der Stetigkeit
der Metrik $d:Y\times Y\ra \DR$ nach \eref{SSdAa}{AN2}.
\end{proof}

  \begin{Bemerkungl}
    Wir erinnern daran, da"s nach
\eref{DeFu}{LA2}
eine lineare Abbildung zwischen zwei Skalarproduktr"aumen 
$L:\cal{H}\ra\cal{H}'$ 
{\bf unit"ar}\index{unit"ar} hei"st, wenn sie das Skalarprodukt erh"alt, wenn
also in Formeln gilt
$\langle Lv,Lw\rangle =\langle v,w\rangle\;\forall v,w\in\cal{H}$.
\end{Bemerkungl}

  \begin{Bemerkungl}\label{VRnnn}
    Eine unit"are Einbettung von einem Hilbertraum in einen Pr"ahilbertraum
und allgemeiner eine normerhaltende Einbettung von einem Banachraum
in einen weiteren normierten Vektorraum hat stets abgeschlossenes Bild.
In der Tat ist nach \eref{VRnn}{AN2} eine vollst"andige Teilmenge eines 
metrischen Raums stets abgeschlossen.
  \end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}\label{ADVM}
Seien $X,Y$ normierte Vektorr"aume, $A \subset X$ ein dichter
Teilraum und $g:X\ra Y$ eine stetige Abbildung.
Ist die Einschr"ankung $g|_A:A\ra Y$ linear, so ist auch $g$ linear.
Sind  $X,Y$ Skalarproduktr"aume und ist die Einschr"ankung 
$g|_A:A\ra Y$ unit"ar, 
so ist auch $g$ unit"ar.
\end{Lemma}
\begin{proof}
Die
Abbildung $X \times X \ra Y$, $(v,w)\mapsto
g (v)+ g (w)$ ist stetig und stimmt auf
der dichten Teilmenge $A \times A$ mit der stetigen Abbildung
$(v,w)\mapsto
g (v+w)$ "uberein. Also sind diese Abbildungen gleich und es
gilt $g (v+w)=g (v)+ g (w)$ f"ur alle $v,w\in X$.
Mit "ahnlichen Argumenten
beendet man den Nachweis der Linearit"at von $g$ und
zeigt die Vertr"aglichkeit mit dem Skalarprodukt.
\end{proof}
% \begin{Lemma}\label{ADVM}
% Seien $X,Y$ normierte Vektorr"aume, $A \subset X$ ein dichter
% Teilraum und $g:A\ra Y$ eine stetige lineare Abbildung.
% Ist $Y$ vollst"andig, so gibt es genau eine Erweiterung von $g$ zu
% einer stetigen linearen Abbildung $\tilde{g} : X \ra Y$.
% Ist  $X$ ein Pr"ahilbertraum und $Y$ ein Hilbertraum und  $g$ unit"ar, 
% so ist auch $\tilde{g}$ unit"ar.
% \end{Lemma}
% \begin{proof}
% Das vorherige Lemma \ref{ADM} 
% zeigt, da"s es genau eine stetige  Erweiterung von $g$
% gibt, und wir m"ussen nur zeigen, da"s sie auch linear ist. Die
% Abbildung $X \times X \ra Y$, $(v,w)\mapsto
% \tilde{g} (v)+ \tilde{g} (w)$ ist aber stetig und stimmt auf
% der dichten Teilmenge $A \times A$ mit der stetigen Abbildung
% $(v,w)\mapsto
% \tilde{g} (v+w)$ "uberein. Also sind diese Abbildungen gleich und es
% gilt $\tilde{g} (v+w)=\tilde{g} (v)+ \tilde{g} (w)$ f"ur alle $v,w\in X$.
% Mit "ahnlichen Argumenten
% beendet man den Nachweis der Linearit"at von $\tilde{g}$ und
% zeigt die Vertr"aglichkeit mit dem Skalarprodukt.
% \end{proof}
\begin{proof}[Beweis von Satz \ref{HiBa} "uber Hilbertbasen]
Bezeichne $\Bbb{C} I \subset \op{L}^{2} (I)$ den Raum aller Abbildungen
$I\ra \Bbb{C}$, die nur an endlich vielen Stellen von Null verschieden
sind.
Nat"urlich bilden die $\chi_{i}$ eine Basis von $\Bbb{C} I$ und wir
erhalten eine lineare Abbildung
$\Bbb{C} I \ra \cal{H}$ mit $\chi_i \mapsto e_{i}$.
Da sowohl die $\chi_i$ als auch die $e_{i}$ Orthonormalsysteme
sind, ist unsere Abbildung mit den Skalarprodukten vertr"aglich,
insbesondere erh"alt sie Abst"ande.
Da $\cal{H}$ vollst"andig ist  und $\Bbb{C} I$ dicht liegt in $\op{L}^{2} (I)$,
l"a"st sich unsere Abbildung nach Lemma \ref{ADM} 
auf genau eine Weise zu einer
stetigen Abbildung $\varphi : \op{L}^{2} (I) \ra \cal{H}$ ausdehnen,
und nach  \ref{ADVM} ist diese Ausdehnung sogar unit"ar.
Damit ist Teil 1 bewiesen.
Nach \ref{VRnnn} ist das Bild unserer unit"aren Abbildung notwendig
abgeschlossen, und im Fall einer Hilbertbasis folgt ihre Surjektivit"at. 
Um die inverse Abbildung 
zu beschreiben, rechnen wir 
\begin{equation*}
\hat{v}(i)=\langle
\chi_{i},\hat{v} \rangle  = \langle \varphi
(\chi_{i}), \varphi(\hat{v}) \rangle= \langle e_{i},v \rangle
\end{equation*}
Mit der Notation aus \ref{ABSBc}
kann die im Beweis konstruierte 
 Abbildung $\varphi : \op{L}^{2} (I) \ra \cal{H}$
auch  suggestiver geschrieben werden in der 
Form $$\varphi: f \mapsto \sum_{i\in I} f(i) e_{i}$$
In der Tat gibt es f"ur jedes $\varepsilon >0$ ein endliches
$I_{\varepsilon} \subset I$ mit $\sum_{i\not\in I_{\varepsilon}} |f(i)|^{2}
< \varepsilon^{2}$, und f"ur $J$ 
endlich mit $ I_{\varepsilon}\subset J\subset I$ und der Notation 
$\chi_A$ f"ur die charakteristische Funktionen einer Teilmenge $A\subset I$ 
folgt
$f=\chi_{J} f+ (1-\chi_{J})f $ und zus"atzlich $\|(1-\chi_{J})f\|_{2} <
\varepsilon$,
mithin $\|\varphi (f) - \varphi (\chi_{J}f) \|_{2} <
\varepsilon$. Daraus folgt unmittelbar der letzte Teil des Satzes.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}\label{SBHR}
Eine Familie $(v_i)_{i\in I}$ von paarweise orthogonalen Vektoren eines
Hilbertraums ist summierbar genau dann, 
wenn gilt $\sum_{i\in I}\|v_i\|^2<\infty$, und in diesem Fall haben wir
$$\left\|\sum_{i\in I}v_i\right\|^2=\sum_{i\in I}\|v_i\|^2$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{HBO}
  Man zeige, da"s ein unendlichdimensionaler Hilbertraum keine
Orthonormalbasis im Sinne der linearen Algebra besitzen kann.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{HRFF}
  Gegeben ein Ma"sraum $(X,\mu)$ und ein
  abz"ahlbar basierter alias separabler Hilbertraum $\cal{H}$
bilden die me"sbaren fast "uberall definierten Funktionen
$f:X\ra \cal{H}$,  f"ur die $\|\;\|^2\circ f:X\ra \DR$ 
integrierbar ist, mit dem Skalarprodukt
$\langle f,g\rangle =\int \langle f(x),g(x)\rangle$
selbst einen Hilbertraum 
$${\op{L}}^2(X,\cal{H})={\op{L}}^2(X,\cal{H};\mu)$$
und die me"sbaren Stufenfunktionen mit Tr"ager von endlichem Ma"s bilden
darin einen dichten Teilraum.
Hinweis: Man verallgemeinere den Beweis von \ref{VoLp}.
Die Bedingung der Separabilit"at von $\cal{H}$ ist n"otig wegen \ref{PrBS},
da  im allgemeinen $\langle f(x),g(x)\rangle$ nicht me"sbar sein m"u"ste,
etwa wenn $X$ endliches Ma"s hat und $f$ jedem Punkt von $X$ den durch
diesen Punkt indizierten
Vektor einer durch $X$ indizierten Orthonormalbasis zuordnet.
Die Aussage gilt aber entsprechend 
f"ur beliebige Hilbertr"aume $\cal{H}$,
wenn wir ${\op{L}}^2(X,\cal{H})$
feiner  erkl"aren
als die Menge aller  me"sbaren fast "uberall definierten Funktionen
$f:X\dashrightarrow \cal{H}$,  
deren Bild in einem separablen Teilraum
von $\cal{H}$ enthalten ist und f"ur die 
$\|\;\|^2\circ f:X\dashrightarrow \DR$ 
integrierbar ist.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}\label{Ll22} %\emph{Wohl sp"ater, wird vektorwertig ben"otigt!}
Gegeben ein Ma"sraum $(X,\mathcal M,\mu)$ und eine Menge $Z$ notieren wir
die Menge der fast "uberall definierten Abbildungen 
von $X$ nach $Z$ als $\op{Ens}_\mu(X,Z)$.
Gegeben zwei $\sigma$-endliche Ma"sr"aume $X,Y$ 
und eine Menge $Z$ induziert 
die offensichtliche Bijektion zwischen den entsprechenden
R"aumen "uberall definierter Abbildungen aus \eref{ABBK}{GR} 
nach Fubini eine Bijektion
$$\op{Ens}_\mu(X\times Y,Z)\sira \op{Ens}_\mu(X,\op{Ens}_\mu( Y,Z))$$
Man zeige, da"s diese
Abbildung im Spezialfall $X=Y=\DR$, $Z=\DC$  einen Isomorphismus 
${\op{L}}^2(\DR\times \DR)\sira {\op{L}}^2(\DR,{\op{L}}^2( \DR))$
induziert. Hinweis: Geeignete Stufenfunktionen bilden auf beiden Seiten
dichte Teilr"aume, die  als Pr"ahilbertr"aume unter unserer Abbildung
identifiziert werden. Dann benutze man, da"s punktweise Konvergenz fast
"uberall
unter unserer Abbildung punktweise Konvergenz fast
"uberall wird, und schlie"se mit \ref{VoLp}.
\end{Ubunge}


\subsection{Vervollst"andigung metrischer R"aume*}

\begin{Bemerkungl}
Dieser Abschnitt ist f"ur den weiteren Fortgang der Vorlesung nicht 
unmittelbar relevant.  
Es stellt sich jedoch heraus, da"s viele unserer Funktionenr"aume auch als
Vervollst"andigungen einfacherer Funktionenr"aume konstruiert werden k"onnen.
So mag dieser alternative Zugang zum Verst"andnis beitragen.
In vielen Zusammenh"angen spielen auch direkte Summen von unendlichen
Familien von Hilbertr"aumen eine wichtige Rolle, die  bequem als
Vervollst"andigungen konstruiert werden k"onnen. 
Wir erinnern aus \eref{isoM}{LA2}, da"s 
    eine Abbildung von metrischen R"aumen 
      isometrisch  
hei"st, wenn
    sie alle Abst"ande unver"andert l"a"st.  Sind $(X,d)$ und $(X',d')$ unsere
    metrischen R"aume, so hei"st also in Formeln eine Abbildung $f:X\ra X'$
    isometrisch, wenn gilt $$d'(f(x),f(y))=d(x,y)\quad\forall
    x,y\in X$$
  \end{Bemerkungl}



\begin{Definition}
  Eine isometrische Abbildung  mit dichtem Bild von
einem metrischen Raum in einen vollst"andigen metrischen Raum 
hei"st eine 
{\bf Vervollst"andigung} 
des Ausgangsraums.\index{Vervollst"andigung!von metrischem Raum, eine}
\end{Definition}

\begin{Satz}[\textbf{Vervollst"andigung}]
\begin{enumerate}
\item
F"ur jeden metrischen Raum $X$ existiert eine isometrische Abbildung
mit dichtem Bild $a: X\ra Y$ in einen vollst"andigen metrischen Raum  $Y$;
\item
Ist $b:X\ra Z$ eine weitere isometrische Abbildung
mit dichtem Bild in einen vollst"andigen metrischen Raum  $Z$,
so existiert genau eine stetige Abbildung $f:Y\ra Z$ mit $f\circ a=b$,
und diese Abbildung $f$ ist isometrisch und bijektiv.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Der vollst"andige metrische Raum $Y$ oder genauer
das Paar $(Y,a)$ ist also durch $X$ eindeutig bestimmt bis auf
eindeutigen Isomorphismus von metrischen R"aumen. 
Wir g"onnen ihm deshalb den bestimmten Artikel und\label{VerEi} 
nennen $(Y,a)$ oder auch einfach den Raum $Y$ selbst
 die {\bf Vervollst"andigung von
 $X$}.\index{Vervollst"andigung!von metrischem Raum} 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
2. 
Nach \ref{ADM} kann man jede gleichm"a"sig stetige Abbildung
von einer dichten Teilmenge eines metrischen Raums in einen
vollst"andigen metrischen Raum auf genau eine Weise stetig fortsetzen.
Sind also $a:X\ra Y$ und $b:X\ra Z$ Vervollst"andigungen 
eines metrischen Raums  $X$,
so gibt es  genau eine stetige Abbildung
$f:Y\ra Z$ mit $f a=b$ und genau eine stetige Abbildung
$g:Z\ra Y$ mit $g b=a$ und wegen $gfa=a$ und $fgb=b$ gilt
$gf=\op{id}$ und $fg=\op{id}$. Weiter pr"uft man leicht, da"s auch
$f$ und $g$ Isometrien sein m"ussen.
\\[2mm]\noindent 1.
Zu jedem metrischen Raum $(X,d)$ kann man 
wie folgt eine
 Vervollst"andigung\label{VVoll} 
 $\op{can}:X\ra\hat{X}$ 
konstruieren: Auf der Menge  ${\cal C}$ aller Cauchy-Folgen in $X$
betrachte man die \"{A}quivalenzrelation $\sim$ gegeben 
durch
$$a \sim b \;\Leftrightarrow \;\lim_{n \ra \infty} d(a_n,b_n ) = 0$$ und
erkl"are $\hat{X}$ als die Menge aller \"{A}quivalenzklassen von
Cauchyfolgen in $X$ unter dieser \"{A}quivalenzrelation, in Formeln
$$\hat{X}=\cal{C}/\sim$$
Gegeben eine Cauchyfolge $a\in \cal C$ bezeichne $[a]\in\hat{X}$ 
ihre "Aquivalenzklasse.
Der Leser mag selbst pr"ufen, da"s es genau eine Abbildung
$d:\hat{X}\times \hat{X}\ra\DR$ gibt mit der Eigenschaft 
$$d([a],[b])=\lim_{n \ra \infty} d(a_n ,b_n )\qquad \forall a,b\in\cal{C}$$ 
und da"s diese 
Abbildung eine Metrik auf $\hat{X}$ ist.
Die Abbildung $\op{can}:X\ra \hat{X}$, die jedem Punkt $x\in X$ die Klasse der
konstant bei $x$ verweilenden Folge zuordnet, hei"st die
{\bf kanonische Einbettung}. Sie ist 
offensichtlich isometrisch mit dichtem Bild.
Es bleibt nur zu zeigen, da"s 
jede Cauchy-Folge in $\hat{X}$ konvergiert.  
Seien dazu $a_0,a_1,\ldots \in{\cal
    C}$ Repr"asentanten f"ur die Glieder 
einer Cauchy-Folge in $\hat{X}$. 
Jedes $a_i$ ist also eine  Cauchy-Folge in $X$ alias eine
Abbildung $a_i:\DN\ra X$, und wir  notieren
die Glieder dieser Folge  $a_i(0), a_i(1),\ldots$
Man zeigt nun m\"{u}helos,
  da"s die \glqq diagonale\grqq\  Folge $l : \DN \ra X$ mit $i\mapsto a_{i}(i)$ 
eine Cauchy-Folge in $X$ 
  ist und da"s die Klasse $[l]\in\hat{X}$ von $l$ der Limes 
in $\hat{X}$ der Folge der
  $[{a}_{i}]$ ist.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Produkt von Vervollst"andigungen}] 
Das Produkt zweier Vervollst"andigungen ist 
wieder eine Vervollst"andigung.\label{VVP} Sind also in Formeln
$X\ra V$ und $Y\ra W$ Vervollst"andigungen, so ist auch $X\times Y\ra V\times
W$ eine Vervollst"andigung. In der Tat ist 
$V\times
W$
nach \eref{PrVo}{AN2} wieder vollst"andig.
Nach der Eindeutigkeit von Vervollst"andigungen \ref{VerEi} existiert also
f"ur metrische R"aume $X,Y$ stets genau eine Isometrie zwischen dem
Produkt ihrer Vervollst"andigungen und der Vervollst"andigung ihres 
Produkts, die als untere Horizontale das Diagramm
$$\begin{array}{ccc}
 X\times Y&=& X\times Y\\
\da&&\da\\
\hat{X}\times \hat{Y} &\sira &(X\times Y)^\wedge
\end{array}$$  
 zum Kommutieren bringt, 
mit dem Produkt der kanonischen Einbettungen beziehungsweise der kanonischen Einbettung
des Produkts als vertikalen Abbildungen.
\end{Bemerkungl}


  \begin{Definition}
    Gegeben ein normierter Vektorraum $(V, \| \;\|)$ bildet man einen
    weiteren normierten Vektorraum $(\hat{V} , \| \;\|)$, seine
    \defnoind{Vervollst"andigung},\index{Vervollst"andigung!von 
normiertem Vektorraum}
indem man auf dem vervollst"andigten metrischen
    Raum $\hat{V}$ die Addition, Multiplikation mit Skalaren und Norm
    \glqq durch stetige Fortsetzung\grqq\  nach \ref{ADM} erkl"art.  So erh"alt man etwa
    die Addition als stetige Fortsetzung auf $\hat{V} \times \hat{V}$
    von $\op{can} \circ \op{add}: V \times V \rightarrow \hat{V}$, und so
    weiter. Die Axiome eines normierten Vektorraums folgen dann aus der
    Eindeutigkeit der stetigen Fortsetzungen nach \ref{ADM}.  
\end{Definition}



\begin{Bemerkunge}\label{SeMe} 
 Eine {\bf Pseudometrik}\index{Pseudometrik} auf einer Menge $X$ 
ist eine Abbildung $d:X\times X\ra\DR_{\geq 0} $, die alle Eigenschaften
einer Metrik \eref{SSMetrik}{AN2} hat mit Ausnahme der Eigenschaft,
da"s verschiedene Punkte positiven Abstand haben m"ussen. 
Ein {\bf pseudometrischer Raum}\index{pseudometrischer Raum} ist eine
Menge mit einer Pseudometrik.   Eine isometrische Abbildung  mit dichtem Bild von
einem pseudometrischen Raum in einen vollst"andigen metrischen Raum 
hei"st wieder eine 
{\bf Vervollst"andigung} 
des Ausgangsraums.\index{Vervollst"andigung!von pseudometrischem Raum}
Alle oben gezeigten Eigenschaften "ubertragen sich auf den
pseudometrischen Fall, in dem nur die kanonische Abbildung
$X\ra \hat X$ in die Vervollst"andigung eben nicht mehr 
injektiv zu sein braucht.
\end{Bemerkunge}



\begin{Bemerkunge}[\textbf{Alternativer Zugang zur Integrationstheorie}] 
Man k"onnte das Konzept der Vervollst"andigung dazu benutzen, sich  
eine Weile alle Ma"stheorie zu sparen und 
etwa $\op{L}^p(\DR^n)$ schlicht definieren als die Vervollst"andigung 
des Raums der stetigen Funktionen mit kompaktem Tr"ager in Bezug auf
die $\op{L}^p$-Norm, f"ur $p\in [0,\infty)$.  Mithilfe einer
Variante von \ref{VoLp}
identifiziert man dann Elemente dieser Vervollst"andigungen mit
gewissen fast "uberall definierten Funktionen, wobei Nullmengen 
ohne R"uckgriff auf das Lebesgue-Ma"s erkl"art
werden  als solche Mengen, die von einer Folge von Quadern 
mit beliebig kleinem Gesamtvolumen "uberdeckt werden k"onnen. 
Im Fall $n=1$ erkl"art man dann das Integral $\int:\op{L}^1\ra\DC$ als
die stetige Fortsetzung des Riemann-Integrals, und erkl"art schlie"slich
Lebesgue-Mengen endlichen Ma"ses als solche Teilmengen des $\DR^n$,
deren charakteristische Funktion integrierbar ist, und das Ma"s der
Menge eben als besagtes Integral. Dieser Zugang scheint mir 
recht elegant, da sich das Konzept eines Ma"ses und eines Me"sraums 
nat"urlich ergibt und nicht willk"urlich vorgegeben werden mu"s. 
Ich habe dennoch den ma"stheoretischen Zugang vorgezogen, da er 
mit sehr viel weniger Vorkenntnissen verstanden werden kann und 
die grundlegenden Resultate  direkt 
in der Allgemeinheit liefert, in der sie auch
in der Wahrscheinlichkeitstheorie gebraucht werden.
\end{Bemerkunge}








\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Die Vervollst"andigung eines Pr"ahilbertraums besitzt stets genau eine
Struktur als Hilbertraum derart, da"s die kanonische Einbettung 
unit"ar ist. Hinweis: Man dehne zuerst das Skalarprodukt mit einem festen
Vektor auf die Vervollst"andigung aus.\label{VVPH}  
\end{Ubung}




\begin{Ubung}
Gegeben eine dichte Teilmenge $A$ eines vollst"andigen metrischen Raums
$X$ liefert \ref{ADM} eine isometrische Bijektion $\hat{A} \overset{\sim}
{\rightarrow} X$. Insbesondere erhalten wir so f"ur jede offene Teilmenge
$\Omega \co \Bbb{R}^n$ einen Isomorphismus von Hilbertr"aumen
$\mathcal{C}_! (\Omega)^{\wedge} \overset{\sim}{\rightarrow} \op{L}^2
(\Omega)$, wo die Komplettierung des Pr"ahilbertraums $\mathcal{C}_!
(\Omega)$ der stetigen Funktionen mit kompaktem Tr"ager $f : \Omega \rightarrow
\Bbb{C}$ bez"uglich der $\op{L}^2$-Norm $\| f\|_2 \pdef (\int |f|^2)^{1/2}$ gemeint
ist.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{OSH}
Gegeben eine Familie von Hilbertr"aumen $(\cal{H}_i)_{i\in I}$ 
erkl"aren wir auf der direkten Summe $\bigoplus_{i\in I} \cal{H}_i$
der zugrundeliegenden Vektorr"aume ein Skalarprodukt durch die
Vorschrift 
$\langle (v_i),(w_i)\rangle\pdef \sum_{i\in I}\langle v_i,w_i\rangle$.
Die Vervollst"andigung dieses Pr"ahilbertraums im Sinne von 
\ref{VVPH} hei"st die {\bf Hilbertsumme}\index{Hilbertsumme} 
unserer Hil\-bert\-r"au\-me und wird  $$\hat{\bigoplus}_{i\in I}\cal{H}_i$$
notiert. Man zeige, da"s sich die Hilbertsumme auch 
beschreiben l"a"st als der Teilraum ihres Produkts 
aller Tupel $(v_i)$ mit der Eigenschaft
$\sum_{i\in I}\|v_i\|^2<\infty$, mit dem
Skalarprodukt 
$\langle (v_i),(w_i)\rangle\pdef \sum_{i\in I}\langle v_i,w_i\rangle$.
Ist speziell $B_i\subset \cal{H}_i$ jeweils eine Hilbertbasis,
so ist die disjunkte Vereinigung $\bigsqcup_{i\in I}\op{in}_i(B_i)$ eine
Hilbertbasis unserer Hilbertsumme.
\end{Ubung}






\begin{Ubung}\label{DSDS}
Man erinnere die Konstruktion $\op{L}^2(X,\cal{H})$ aus
 \ref{HRFF}.
Gegeben ein $\sigma$-endlicher Ma"sraum und eine abz"ahlbare Familie
$\cal{H}_i$ von separablen Hilbert\-r"aumen liefert die offensichtliche
Abbildung einen Isomorphismus
$$\hat{\bigoplus}\op{L}^2(X,\cal{H}_i)\sira 
{\op{L}}^2\left(X,\hat{\bigoplus}\cal{H}_i\right)$$
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}\label{toTE}
Gegeben zwei Hilbertr"aume $\cal{H}$ und $\cal{L}$ 
definiert man ihr 
{\bf vervollst"andigtes Tensorprodukt}\index{Tensorprodukt!vervollst"andigtes}
$$\cal{H}\hat{\otimes}\cal{L}
\index{)6a@$\hat{\otimes}$ vervollst"andigtes Tensorprodukt}$$
als die Vervollst"andigung ihres algebraischen Tensorprodukts
mit seiner offensichtlichen Struktur als Pr"ahilbertraum.
Man zeige, da"s f"ur $(v_i)$ eine Hilbertbasis von $\cal{H}$ und 
$(w_j)$ eine Hilbertbasis von $\cal{L}$ die Tensoren
$(v_i\otimes w_j)$ eine Hilbertbasis von $\cal{H}\hat{\otimes}\cal{L}
$ bilden. Gegeben Ma"sr"aume $(X,\mu)$ und $(Y,\nu)$ 
zeige man allgemeiner:
F"ur das Produktma"s  $\mu\boxtimes\nu$ 
nach \ref{gMPo} liefert die von
$f\otimes g\mapsto f\boxtimes g$ mit
$(f\boxtimes g)(x,y)\pdef f(x)g(y)$ induzierte  Abbildung einen 
Hilbertraumisomorphismus 
$${\op{L}}^2(X;\mu)\hat\otimes{\op{L}}^2(Y;\nu)
\sira {\op{L}}^2(X\times Y;\mu\boxtimes \nu)$$
Hinweis: Das Bild ist dicht nach \ref{DLPg}.
\end{Ubunge}




\subsection{Fourierreihen quadratintegrierbarer Funktionen}




\begin{Satz}[\textbf{Approximation durch glatte Funktionen}] 
Ist $U\co \Bbb{R}^{n}$ eine offene Teilmenge und $\mu$ ein
Borelma"s auf $U$, so liegen\label{AL1}  die
glatten Funktionen
mit kompaktem in $U$ enthaltenen Tr"ager f"ur alle $p\in[1,\infty)$
dicht 
im Raum der $\op{L}^{p}$-Funktionen auf $U$,
in Formeln
$$ \overline{\cal{C}_!^\infty(U)} = \op{L}^{p}(U;\mu)$$ 
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Diese Aussage ist im Fall $p=\infty$ nicht mehr richtig. Zum Beispiel kann man
 auf $\DR$ mit dem Lebesguema"s 
die konstante Funktion $1$ in $\op{L}^\infty$ 
nicht als Grenzwert einer
Folge von Funktionen mit kompaktem Tr"ager erhalten.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Nat"urlich ist $\overline{\cal{C}_{!}^\infty(U)} \subset \op{L}^{p}(U;\mu)$ 
ein Untervektorraum.
Wir zeigen nun f"ur immer gr"o"sere Funktionenklassen, da"s sie zu
$\overline{\cal{C}_{!}^\infty(U)}$ geh"oren.
\\[2mm]\noindent
1.
Ist $A \co U$ offen von endlichem Ma"s $\mu (A) < \infty$, so
geh"ort die charakteristische Funktion $[A]$ von $A$ zu
$\overline{\cal{C}_{!}^\infty(U)}$. Das folgt mit dem Satz "uber 
monotone Konvergenz sofort aus
Lemma \ref{KOo}, nach dem eine Folge nichtnegativer 
glatter Funktionen mit kompaktem, in $A$ 
enthaltenem Tr"ager monoton gegen  die charakteristische Funktion  von $A$
konvergiert.
\\[2mm]\noindent
2.
Ist $B \subset U$ me"sbar von endlichem Ma"s $\mu (B) < \infty$,
so geh"ort $[B]$ zu $\overline{\cal{C}_{!}^\infty(U)}$. In der Tat, f"ur
jedes $\varepsilon >0$ finden wir aufgrund der Regularit"at
unseres Ma"ses nach \ref{RE}
eine offene Teilmenge $A \co U$ mit $B \subset A$ und
$\mu (B) \leq \mu (A) \leq\mu (B) +\varepsilon$. 
F"ur deren charakteristische Funktion gilt dann
 $\|[B] - [A]\|_{p} < \varepsilon^{1/p}$.
Also ist $[B]$ Grenzwert einer Folge aus
$\overline{\cal{C}_{!}^\infty(U)}$ und geh"ort mithin selbst zu
$\overline{\cal{C}_{!}^\infty(U)}$.
\\[2mm]\noindent
3.
F"ur jeden Ma"sraum 
liegen die integrierbaren Stufenfunktionen f"ur alle
 $p\in [1,\infty)$
dicht im Raum der $\op{L}^p$-Funktionen, siehe \ref{USs}.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Approximation durch stetige Funktionen}] 
Ist $A\As \Bbb{R}^{n}$ eine abgeschlossene Teilmenge und $\mu$ ein
Borelma"s auf $A$, so liegen\label{AL12}  die
stetigen Funktionen
mit kompaktem  Tr"ager auf $A$ f"ur alle $p\in[1,\infty)$
dicht 
im Raum der $\op{L}^{p}$-Funktionen auf $A$,
in Formeln
$$ \overline{\cal{C}_!(A)} = \op{L}^{p}(A;\mu)$$ 
\end{Korollar}
\begin{proof} Wir wenden den obigen Satz an auf das Borelma"s $i_*\mu$
  f"ur $i:A\hra \DR^n$ die Einbettungsabbildung.
\end{proof}

\begin{Bemerkungw}
Ist $(X,\mu)$ ein abz"ahlbar basierter\label{DLp}   
lokal kompakter Hausdorff\-raum mit einem Borelma"s, so
 liegen f"ur $p\in[1,\infty)$ 
die stetigen Funktionen mit kompaktem Tr"ager
 dicht
 im Raum der $\op{L}^p$-Funktionen. 
Das zeigen wir hier nicht.
\end{Bemerkungw}

\begin{Theorem}[\textbf{Fourierreihen f"ur ${\op{L}}^2$-Funktionen}]
Sei das Intervall\label{FRr}
$[0,2\pi]$ mit dem auf Gesamtma"s Eins normierten Lebesgue-Ma"s
$\mu
\pdef\diff t / 2\pi$ versehen und $\Bbb{Z}$ mit
dem
Z"ahlma"s $\zeta$.  So liefert die
Fourierentwicklung $f\mapsto {f^\wedge}$  gegeben durch
${f^\wedge} (n) 
\pdef\int_0^{2\pi} f(t)
\op{e}^{-{\op{i}}n t} \mu\langle t\rangle$  
einen Isomorphismus von Hilbert\-r"aumen
$$\op{L}^{2}([0,2\pi];\mu) \sira \op{L}^{2}(\Bbb{Z};\zeta)$$
\end{Theorem}
\begin{proof}
Wir m"ussen nach \ref{HiBa} 
nur zeigen, da"s die Funktionen $(\op{e}^{{\op{i}}nt})_{n\in
\Bbb{Z}}$ im Sinne von \ref{Hibb} 
eine Hilbertbasis von $\op{L}^{2}([0,2\pi];\mu)$ bilden.
Wir haben schon im Beweis von \eref{Fou2}{AN2} gesehen, da"s sie ein
Orthonormalsystem bilden. Aus 
\eref{Lei}{AN2} wissen wir weiter, da"s sich jede stetige Funktion 
der Periode $2\pi$ beliebig gut gleichm"a"sig durch
trigonometrische Polynome approximieren l"a"st. Da hinwiederum die stetigen,
ja sogar die glatten
Funktionen auf $[0,2\pi]$ mit Tr"ager im offenen Intervall $(0,2\pi)$
nach \ref{AL1} ihrerseits dicht in $\op{L}^{2}$ liegen,
liegen auch die trigonometrischen Polynome dicht in $\op{L}^{2}$.
\end{proof}

\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}
  Man berechne die Fourierkoeffizienten der S"agezahnfunktion $t \mapsto |t|$
  f"ur $t \in [-\pi, \pi]$ und der Funktion 
$t \mapsto \exp(\exp ( {\op{i}}t))$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
   Sei $f: \Bbb{R}\rightarrow \Bbb{R}$ von der Periode $2\pi $ und integrierbar
  auf $[0,2\pi]$. So gilt $\lim_{n\ra\infty}\int_0^{2\pi}f(t) {\op{e}}^{{\op{i}}n t}\diff t=0$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Sei $f: \Bbb{R}\rightarrow \Bbb{R}$ von der Periode $2\pi $ und integrierbar
  auf $[0,2\pi]$ und sei $a \in \Bbb{R}$ gegeben.  
Lassen sich die Restriktionen
  $f|_{(-\infty,a) }$ und $f|_{(a,\infty)}$ auf die jeweiligen 
abgeschlossenen reellen Intervalle fortsetzen zu bei $a$
  differenzierbaren Funktionen, so konvergiert die  die Folge
$\sum_{|\nu|\leq n}c_\nu \op{e}^{{\op{i}}\nu a}$  der Partialsummen der Fourierreihe von $f$  bei $a$ 
gegen den Wert
\begin{displaymath}
\frac{1}{2} \left( \lim_{t\nearrow a} f (t) + \lim_{t\searrow a}
f(t)\right)
\end{displaymath}
Hinweis: Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $a =0$ und $f$
 gerade und stetig bei Null mit $f(0) =0$.  
Nun setze man $P_{n} =\sum^n_{\nu
  = -n} \op{e}^{{\op{i}}\nu t}$ 
und pr"ufe $P_n (t) =\cos (nt)
+ \cot (t/2) \sin (n t)$.  
Dann zeige man $\langle f,P_n\rangle \rightarrow 0$.
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}[\textbf{Fourierreihen in mehreren Ver"anderlichen}]
Man zeige, da"s die\label{FMVi}
Funktionen $x \mapsto \op{e}^{2\pi {\op{i}} x \cdot\xi}$ f"ur $\xi \in
\Bbb{Z}^n$ eine Hilbertbasis des Raums $\op{L}^2 ([0,1]^n; \lambda)$
der in Bezug auf das Lebesgue-Ma"s quadratintegrierbaren Funktionen
auf dem $n$-dimensionalen Einheitsw"urfel bilden.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{StVer}
Gegeben $y\in\DR^n$ und $p\in [1,\infty)$ 
bezeichne $\tau_y:  \op{L}^{p}(\DR^n)\ra \op{L}^{p}(\DR^n)$
die Verschiebung, in Formeln $(\tau_yf)(x)=f(x-y)$. Man zeige die 
Stetigkeit der Abbildung $\DR^n\times \op{L}^{p}(\DR^n)\ra \op{L}^{p}(\DR^n)$,
$(y,f)\mapsto \tau_yf$. Hinweis: Man zeige zun"achst die Stetigkeit
von $y\mapsto \tau_yf$ f"ur $f\in \cal{C}_{!} (\Bbb{R}^{n})$.
Der Buchstabe $\tau$ seht f"ur das Wort \glqq Translation\grqq.
\end{Ubung}


\begin{Ubunge}
  Hier d"urfen Sie zeigen, da"s f"ur $A,B\subset\DR^n$ me"sbar
von positivem Ma"s die Menge $A+B$ eine nichtleere offene Teilmenge 
umfa"st. Man folgere zun"achst aus \ref{StVer}, da"s f"ur alle $g\in
{\op{L}}^1(\DR^n;\lambda)$
die Funktion
$y\mapsto \int f(y-x)[B](x)\;\lambda\langle x\rangle$ 
stetig sein mu"s.
Dann beachte man, da"s diese Funktion im Fall 
$f=[A]$ mit  $A$ me"sbar von 
positivem endlichen Ma"s nichtnegativ ist und positives Integral hat.
Man folgere, da"s jede me"sbare  echte Untergruppe von $\DR^n$ 
Ma"s Null haben mu"s.\label{MebUG} Man folgere, da"s jeder me"sbare 
Gruppenhomomorphismus $\DR^n\ra \DZ^n$ 
konstant sein mu"s.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}%\label{PWKK} Doch nicht wichtig
Ist $U\co\DR^n$ eine offene Teilmenge und $\mu$
darauf ein Borelma"s, so gibt es f"ur jede beschr"ankte 
me"sbare Funktion $f:U\ra\DC$ eine Folge $f_n$ in $\cal{C}_{!}^\infty(U)$
mit $\|f_n\|_\infty\leq \|f\|_\infty$ f"ur alle $n$ und
$f_n(x)\ra f(x)$ f"ur fast alle $x\in U$. 
Hinweis: Da unser Ma"s notwendig $\sigma$-endlich ist, findet man ein 
endliches Ma"s mit denselben Nullmengen, f"ur das dann $f$ integrierbar ist.
Nun verwende man \ref{VoLp}.
\end{Ubunge}



\subsection{Fourierreihen und Charaktere}


\begin{Bemerkungl}
Seine nat"urlichste Form erh"alt unser Satz "uber Fourierreihen,
wenn man das Intervall $[0,2\pi]$ zur Kreislinie $S^1 \pdef\{ z \in \Bbb{C}
\mid |z| =1\}$ zusammenbiegt. Das soll  im folgenden ausgef"uhrt
werden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Eine {\bf topologisches Monoid}\index{topologisch!Monoid}\index{Monoid!topologische} ist ein Monoid $G$ mit einer Topologie derart,
da"s die Verkn"upfung
$G\times G\ra G$  stetig ist f"ur die
\hyperref[ProTo]{Produkttopologie} auf $G\times G$.
Eine {\bf topologische Gruppe}\index{topologische Gruppe}\index{Gruppe!topologische} ist eine Gruppe $G$ mit einer Topologie derart,\label{topGR} 
da"s die Verkn"upfung
$G\times G\ra G$ und die Inversenabbildung $G\ra G$ stetig sind.
Eine Hausdorff'sche topologische Gruppe nenne ich  eine
{\bf Hausdorffgruppe}.\index{Hausdorffgruppe} 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
%Die topologischen Gruppen bilden mit stetigen Gruppenhomomorphismen
%als Morphismen eine Kategorie, die ich 
%$\op{GrpTop}$\index{GrpTop@$\op{GrpTop}$ Kategorie der topologischen Gruppen} 
%notiere.
Gegeben topologische Gruppen $G,H$ bezeichne %insbesondere
$\op{GrpTop}(G,H)$ die Menge aller stetigen Gruppenhomomorphismen
von $G$ nach $H$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
Die additive Gruppe $(\DR,+)$ 
mit der Standardtopologie auf $\DR$ ist eine topologische Gruppe.
Die additive Gruppe eines endlichdimensionalen reellen Vektorraums
mit seiner nat"urlichen Topologie
ist eine topologische Gruppe. Die additive Gruppe jedes normierten
 reellen Vektorraums mit der metrischen Topologie 
ist eine topologische Gruppe. Die multiplikative Gruppe 
$\DC^\times$ des K"orpers der
komplexen Zahlen ist eine topologische Gruppe. Die {\bf Kreisgruppe}\index{Kreisgruppe} 
$S^1$ aller
komplexen Zahlen der Norm Eins ist mit der von $\DC$ induzierten
Topologie eine topologische Gruppe. 
Jede Gruppe ist mit der diskreten Topologie eine topologische 
Gruppe. In der Zahlentheorie sind auch die topologischen Gruppen 
der sogenannten \glqq $p$-adischen Zahlen\grqq\  
und  \glqq Adele\grqq\   von gro"ser Bedeutung.
\end{Beispiele}
\begin{Definition}
Gegeben eine  topologische Gruppe $G$ nennen wir die stetigen
Gruppenhomomorphismen von der additiven Gruppe $(\DR,+)$
nach $G$ alias die Elemente von
$\op{GrpTop}(\DR,G)$
die {\bf Gruppenwege in $G$}.
\index{Gruppenweg}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
  Unsere Gruppenwege hei"sen in der Literatur meist  \glqq Einparameteruntergruppen\grqq.\index{Einparameteruntergruppe}
  Diese Terminologie schien mir jedoch ungeschickt, da es sich
  dabei  nicht um Untergruppen
  handelt.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
Gruppenwege in $\DR^\times$ haben wir bereits in \eref{SRR1}{AN1} besprochen und 
  Gruppenwege in der Kreisgruppe  in \eref{EplOO}{AN1}.
  Genauer haben wir dort gezeigt, da"s jeder stetige Gruppenhomomorphismus
  $\varphi:\DR\ra S^1$ von der Gestalt $\varphi(t)={\op{e}}^{{\op{i}}at}$  ist
  f"ur genau ein $a\in \DR$.\label{GHrc}  
\end{Beispiele}


\begin{Definition}\label{ChFou}
  Gegeben eine  topologische Gruppe $G$ nennen wir die stetigen Gruppenhomomorphismen von  $G$ in die Kreisgruppe $S^1$
alias die Elemente von
$\op{GrpTop}(G, S^1)$   die
{\bf Charaktere}\index{Charakter!von topologischer Gruppe}  oder
genauer die 
{\bf unit"aren multiplikativen Charaktere von $G$}.\index{Charakter!unit"arer} 
\end{Definition}


\begin{Bemerkungl}
Sei $G$ eine topologische Gruppe. Die Menge der 
Charaktere von $G$ bildet mit der Verkn"upfung
$(\chi\dotplus\psi)(g)\pdef \chi( g)\psi(g)$   eine abelsche Gruppe
$$\hat G=\mathfrak X(G)\pdef
\op{GrpTop}(G,S^1)$$
Diese Gruppe hei"st  
die {\bf Charaktergruppe von} $G$.\index{Charaktergruppe} 
Ihre  Verkn"upfung notiert man  additiv,
wenn man sich die Charaktere als Elemente einer abstrakten abelschen Gruppe 
denkt, und  multiplikativ, wenn man sie sich
als konkrete Funktionen denkt.
 F"ur jeden unit"aren Charakter $\chi$
ist sein Negatives alias Inverses in der Charaktergruppe  der
komplex konjugierte Charakter $\bar \chi$, denn f"ur
jede komplexe Zahl $z$ vom Betrag Eins gilt $z^{-1}=\bar z$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Mehrdeutigkeiten bei der Addition von Charakteren}]  Meist notiert man die Verkn"upfung der Charaktergruppe 
  einfacher $\chi+\psi$ statt $\chi\dotplus\psi$. Das f"uhrt jedoch leicht zu Verwirrung,
  da $\chi + \psi$ alternativ auch die Summe der Funktionen $\chi,\psi:G\ra\DC$
  bedeuten kann, die ihrerseits kein Charakter mehr ist. Was im Einzelfall gemeint ist, gilt es aus dem Kontext zu erschlie"sen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Beispiel}[\textbf{Charaktere der Zahlengeraden}]
Unser Satz \ref{GHrc} "uber die Gruppenwege in
der Kreisgruppe beschreibt auch die Charaktere der additiven
Gruppe $\DR$. Genauer erhalten wir durch die Abbildungsvorschrift 
$y\mapsto (x\mapsto {\op{e}}^{{{\op{i}}}xy})$ einen Gruppenisomorphismus
$$\DR\sira \mathfrak X(\DR)$$ 
Dies Beispiel wird bei der Fouriertransformation wichtig werden.
 \end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Charaktere zyklischer Gruppen}]
Das Auswerten eines Charakters 
auf dem Erzeuger $1\in (\DZ,+)$  liefert nach der universellen Eigenschaft 
\eref{GHZ}{GR} von $\DZ$ einen Gruppenisomorphismus
$$ \mathfrak X(\DZ)\sira  S^1$$ 
 Gegeben $m\in\DN$ liefert das Auswerten eines Charakters 
auf der Nebenklasse 
der Eins nach der universellen Eigenschaft \eref{QUE}{LA2} 
des Quotienten weiter einen Gruppenisomorphismus
$$ \mathfrak X(\DZ/m\DZ)\sira \mu_m\pdef \{\zeta\in S^1\mid \zeta^m=1\}$$ 
der Charaktergruppe von $\DZ/m\DZ$ mit der Gruppe $\mu_m$ der $m$-ten Einheitswurzeln.
Wir k"onnen das Auswerten auch als Paarung 
$ \DZ/m\DZ \times  \mu_m\ra  S^1$, $(\bar n, \zeta)\mapsto \zeta^n$ 
lesen.  
Diese Paarung  liefert dann auch umgekehrt einen  Gruppenisomorphismus
$$ \DZ/m\DZ\sira \mathfrak X(\mu_m)$$
In der Tat pr"uft man leicht die Injektivit"at. Weil 
es nun aber Gruppenisomorphismen $\mu_m \sira \DZ/m\DZ$ gibt,  haben beide Seiten
gleichviele Elemente.
 \end{Beispiel}
\begin{Lemma}[\textbf{Charaktere der Kreisgruppe}]
Jeder stetige Gruppenhomomorphismus $\chi:S^1\ra S^1$
ist von der Form $\chi=\chi_n:z\mapsto z^n$ 
f"ur genau ein $n\in\DZ$\label{ChS1} und die Abbildung $n\mapsto \chi_n$
ist ein Gruppenisomorphismus  $$\DZ\sira \mathfrak X(S^1)$$
\end{Lemma}

\begin{proof}
Das einzige Problem ist nachzuweisen, da"s es
au"ser den $\chi_n$ keine weiteren stetigen Gruppenhomomorphismen
 $\chi:S^1\ra S^1$ gibt. Ist aber $\chi$ solch ein
Gruppenhomomorphismus, so ist 
$\varphi:t\mapsto \chi(\exp({\op{i}}t))$
ein Gruppenweg in $S^1$. Nach \ref{GHrc}
gibt es folglich $a\in\DR$ mit $\chi(\exp({\op{i}}t))=\exp({\op{i}}at)$.
Wegen $\chi(1)=1$ folgt erst $\exp(2\pi{\op{i}} a)=1$ und dann
$a\in\DZ$ 
und dann schlie"slich $\chi(\exp({\op{i}}t))=(\exp({\op{i}}t))^n$
alias $\chi=\chi_n$.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
Die Algebra zeigt, da"s das Auswerten an der Restklasse von $1$ f"ur
jede Gruppe $G$ eine Bijektion $\op{Grp}(\DZ/n\DZ,G)\sira\{g\in G\mid g^n=e\}$
liefert. 
Jeder Gruppenhomomorphismus $\chi:S^1\ra S^1$ induziert nun auf den
$2^{s}$-ten Einheitswurzeln einen Gruppenhomomorphismus, der nach
dem Vorhergehenden die Gestalt  
$\chi(z)=z^{n(s)}$ haben mu"s. Hier wird $n(s)$ durch die zus"atzlichen
Bedingung $ -2^{s-1}<n(s)\leq 2^{s-1}$ eindeutig festgelegt. 
Ist $\chi$ stetig, so liegt f"ur hinreichend gro"ses $s$
das Bild von $\exp(2\pi{\op{i}}/2^{s})$ in der Halbebene 
aller komplexen Zahlen mit
positivem Realteil, und dann gilt sogar   
$ -2^{s-2}<n(s)\leq 2^{s-2}$. Dann zeigt aber die R"uckw"artskompatibilit"at
$n(s)\equiv n(s+1)\pmod{2^{s}}$,
da"s unsere Folge stagnieren mu"s, und ein Dichtheitsargument beendet 
den Beweis.
\end{proof}

\begin{Definition}
Unter einer {\bf Fourier-Gruppe}\index{Fouriergruppe} verstehen
wir eine topologische Gruppe, die isomorph ist zum 
Produkt einer endlich erzeugten diskreten abelschen Gruppe 
mit endlich vielen Kopien der Kreisgruppe und endlich vielen 
Kopien der additiven Gruppe $\DR$.\label{FouG}  
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Vertr"aglichkeit von induzierter Topologie und Produkttopologie}]  Aus der Definition der Produkttopologie folgt, da"s
  gegeben $A\subset X$ und $B\subset Y$ die Produkttopologie der induzierten Topologien
  auf $A\times B$ "ubereinstimmt mit der induzierten Topologie unter der
  Einbettung $A\times B\hra X\times Y$ zur Produkttopologie auf $X\times Y$.
  Insbesondere ist jede Fouriergruppe hom"oomorph zu einer abgeschlossenen
  Teilmenge eines $\DR^n$.\label{Ptio}  
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
Der Begriff einer \glqq Fouriergruppe\grqq\ ist 
nicht gebr"auchlich. 
F"ur diese topologischen Gruppen  l"a"st sich jedoch
die Theorie der allgemeinen 
Fouriertransformation sehr
viel leichter entwickeln als f"ur allgemeine
abelsche lokal kompakte Hausdorffgruppen.
F"ur die meisten Anwendungen au"serhalb der Zahlentheorie ist diese
Allgemeinheit dar"uberhinaus ausreichend. 
Deshalb 
will ich mich 
hier
auf diesen Fall beschr"anken und daf"ur
braucht er einen griffigen Namen. 
In der "ublichen Terminologie, wie sie in
\eref{DefLL}{ML} eingef"uhrt wird, sind unsere Fouriergruppen genau die
\glqq abelschen Liegruppen mit endlich erzeugter Komponentengruppe\grqq,
vergleiche \eref{ABKL}{ML} und  \eref{ABLL}{ML}.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}
Die multiplikativen Gruppen $\DC^\times$ und  $\DR^\times$ sind Fouriergruppen.
Jeder endlichdimensionale reelle Vektorraum ist eine Fouriergruppe.
\end{Beispiel}
\begin{Definition}
Ein {\bf Haar-Ma"s}\index{Haar-Ma"s!auf Fouriergruppe} auf
einer Fouriergruppe $G$ 
ist ein von Null verschiedenes  Borelma"s $\mu$
mit $\mu(gA)=\mu(A)$ f"ur jede Borelmenge $A\subset G$ und
alle $g\in G$.
\end{Definition}
\begin{Beispiele}
Ein erstes Beispiel f"ur ein Haarma"s ist das Lebesguema"s.
Vielleicht sogar noch davor kommt das Z"ahlma"s auf
einer beliebigen diskreten endlichen abelschen Gruppe.
Ein Haarma"s auf einem
endlichdimensionalen reellen Vektorraum $V$ konstruiert man unschwer
als Bildma"s des mehrdimensionalen Lebesguema"ses mit  einem 
Isomorphismus $\DR^n\sira V$ von Vektorr"aumen.
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungw}
Allgemeiner betrachtet man  Haarma"se auf
beliebigen lokal kompakten 
Hausdorffgruppen $G$ und versteht darunter 
 von Null verschiedene regul"are Borelma"se $\mu$
mit $\mu(gA)=\mu(A)$ f"ur jede Borelmenge $A\subset G$ und
alle $g\in G$. Die Regularit"at mu"sten wir 
im Fall von Fouriergruppen  in unserer
Definition nicht extra fordern,
da sie in diesem Fall bereits aus Satz \ref{RE} "uber 
die Regularit"at von Borelma"sen folgt.
F"ur Ma\-trix\-lie\-grup\-pen diskutieren wir 
Haarma"se in \eref{HAMAN}{ML},
\nichtfinal{f"ur allgemeine Liegruppen in \ref{EEHMMn},} 
in der  Allgemeinheit 
abz"ahlbar basierter lokal kompakter Hausdorffgruppen 
in \eref{HMBO}{TM} und in der  Allgemeinheit 
beliebiger lokal kompakter Hausdorffgruppen 
als Radonma"se in \eref{EEHa}{TM}.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildHMF}\\[4mm]
 \noindent 
Illustration zum Beweis der Eindeutigkeit von Haarma"sen f"ur
Fouriergruppen. 
\end{Bild}
\begin{Satz}[{\bf Haarma"se auf Fouriergruppen, Existenz und Eindeutigkeit}] 
Auf jeder Fouriergruppe existiert ein Haarma"s und je zwei
Haarma"se unterscheiden sich h"ochstens\label{HmFg} 
um eine positive multiplikative Konstante. 
\end{Satz}
\begin{proof}
Im Fall $G=\DR$ hatten wir das Lebesguema"s 
bereits dadurch definiert, 
da"s es das einzige Haarma"s ist, das dem Einheitsintervall
den Wert Eins zuordnet. In diesem Fall stimmt also unser Satz.
Den Fall der Kreisgruppe kann der Leser leicht
ableiten. Im Fall einer endlich
erzeugten abelschen Gruppe sind offensichlich das Z"ahlma"s
und seine Vielfachen die einzigen Haarma"se.
 Im allgemeinen k"onnen wir die Existenz eines Haarma"ses zeigen,
indem wir Produkte dieser Haarma"se bilden. 
F"ur die Eindeutigkeit reicht es  zu zeigen, da"s gegeben 
zwei Fouriergruppen $G,H$ mit einem jeweils bis auf eine
positive multiplikative
Konstante eindeutigen Haarma"s jedes 
 Haarma"s $\nu$ auf dem Produkt
das Produktma"s zu Haarma"sen auf den Faktoren ist. An die Arbeit! 
Sicher 
gibt es in $G\times H$  ein Kompaktum $C$ derart, da"s abz"ahlbar viele
verschobene Kopien von $C$ ganz $G\times H$ "uberdecken. F"ur unser Haarma"s $\nu$ gilt wegen $\nu\neq 0$ folglich $\nu(C)>0$. 
Die Projektionen von $C$ sind dann
Kompakta $K\subset G$ und $L\subset H$ mit
$\nu(K\times L)>0$. Durch Multiplikation mit 
einer Konstante d"urfen
wir sogar  $\nu(K\times L)=1$ annehmen.
Dann erhalten wir offensichtlich ein Haarma"s $\lambda$ auf $G$ 
durch die Vorschrift $\lambda(A)\pdef \nu(A\times L)$ 
und ein Haarma"s $\mu$ auf $H$ 
durch die Vorschrift $\mu(B)\pdef \nu(K\times B)$. 
Ist $A$ enthalten in einem Kompaktum, so liefert  weiter die Vorschrift  
 $\mu_A(B)\pdef\nu(A\times B)$ ein Haarma"s oder 
das Nullma"s  auf $H$. 
Also gibt es nach Annahme eine nur von $A$ abh"angende 
Konstante $c_A\geq 0$ mit $\mu_A(B)=c_A\mu(B)$
und durch Einsetzen von $B=L$ ergibt sich
$$\lambda(A)=\nu(A\times L)=\mu_A(L)=c_A\mu(L)=c_A$$
Das zeigt f"ur alle me"sbaren Mengen $A\subset G$ und $B\subset H$
mit $A$ enthalten in einem Kompaktum die Identit"at
$$\nu(A\times B)=\mu_A(B)=c_A\mu(B)=\lambda(A)\mu(B)$$
Da aber jede Fouriergruppe als abz"ahlbare Vereinigung von
Kompakta geschrieben werden kann, 
erzeugen die Produkte $A\times B$ mit in Kompakta enthaltenen
me"sbaren Mengen $A,B$ bereits die borelsche $\sigma$-Algebra von $A\times B$.  
Mit dem Ma"sfortsetzungssatz von Caratheodory \ref{MHa} folgt wie gew"unscht 
$\nu=\lambda\boxtimes\mu$.
\end{proof}





\begin{Definition}
Ein  Haarma"s  hei"st
{\bf normiert}, wenn es der ganzen Gruppe das Ma"s Eins
zuordnet.
\end{Definition}






\begin{Satz}[\textbf{Fourierreihen und Charaktere}]
Jede 
kompakte Fouriergruppe $K$ besitzt genau ein 
normiertes Haarma"s 
 $\mu=\mu_K$\label{CBFouA}
 und die Menge $\mathfrak X(K)$ ihrer  Charaktere  
ist eine Hilbertbasis des Raums 
${\op{L}}^2(K;\mu)$ der 
qua\-drat\-in\-te\-grier\-ba\-ren Funktionen auf $K$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw}
Der Satz gilt allgemeiner f"ur jede abelsche
kompakte Hausdorffgruppe. 
F"ur einen Beweis  in dieser Allgemeinheit 
verweise ich auf \eref{BiHH}{TM}.
\end{Bemerkungw}
\begin{Beispiel}[{\bf Der Fall einer Kreisgruppe}]
Im Fall der Kreisgruppe liefert die Abbildung
$E:t\mapsto \op{exp}({\op{i}}t)$ einen Isomorphismus
$([0,2\pi),\diff t/2\pi)\sira (S^1,\mu)$  von Ma"sr"aumen  und 
folglich einen Isomorphismus von
Hilbertr"aumen\label{FKGG}  
$${\op{L}}^2([0,2\pi);\diff t/2\pi)\sira {\op{L}}^2(S^1;\mu)$$
Die Charaktere $\chi_n:z\mapsto z^n$ bilden also genau dann 
eine Hilbertbasis von ${\op{L}}^2(S^1;\mu)$, wenn
die Funktionen $\chi_n\circ E:t\mapsto \op{exp}({\op{i}}nt)$
eine Hilbertbasis von ${\op{L}}^2([0,2\pi);\diff t/2\pi)$ oder
gleichbedeutend von  ${\op{L}}^2([0,2\pi];\diff t/2\pi)$ bilden.
So sehen wir, da"s unser Satz \ref{CBFouA} in diesem Fall nur eine 
Umformulierung des Satzes \ref{FRr} "uber die Fourierreihe ist. 
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}[{\bf Der Fall einer endlichen Gruppe}]
Unser Satz ist bereits im Fall 
einer endlichen Gruppe durchaus relevant,  
wenn er auch in diesem Fall besser in eine
 Vorlesung "uber Algebra pa"st.
 Im Spezialfall einer zyklischen Gruppe von Einheitswurzeln 
$\mu_m\pdef \{\zeta\in \DC\mid \zeta^m=1\}\cong\DZ/m\DZ$ 
etwa sind die Charaktere  genau alle
Abbildungen $\chi_n:\zeta\mapsto \zeta^n$ f"ur $n=0,1,\ldots, m-1$
und der in unserem Satz versteckte Hilbertraumisomorphismus
$${\op{L}}^2(\mathfrak X( K);\zeta)\sira {\op{L}}^2( K;\mu)$$
hei"st  die {\bf diskrete Fouriertransformation}. 
Die diskrete Fouriertransformation ist f"ur konkrete\label{hbch} 
Anwendungen von besonderer Bedeutung, da  in der Praxis stets nur
endlich viele Messungen durchgef"uhrt werden k"onnen. 
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungw}
In der Algebra 
werden wir dieses Beispiel in 
\eref{GrEW}{NAS} auf den Fall allgemeinerer\label{VFou}
Grundk"orper verallgemeinern und in \eref{Uke}{NAS} auf den Fall 
endlicher nicht notwendig kommutativer Gruppen. In \eref{FtKG}{TM}
schlie"slich f"uhren wir im Fall komplexer Koeffizienten
diese Verallgemeinerungen in verschiedene Richtungen wieder zusammen 
unter dem Dach einer \glqq Fouriertransformation f"ur kompakte Hausdorffgruppen\grqq.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis des Satzes "uber Fourierreihen und Charaktere]
  Nach \ref{HmFg}
  gibt es auf jeder Fouriergruppe ein bis auf eine positive multiplikative  Konstante eindeutiges Haarma"s. Damit gibt es offensichtlich auf jeder
  kompakten Fouriergruppe genau ein normiertes Haarma"s $\mu$.
F"ur jedes Element $g\in K$ gilt nun per definitionem
$(g\cdot)_\ast\mu=\mu$.
Gegeben ein Charakter $\chi:K\ra S^1$
gilt weiter $\chi(gh)=\chi(g)\chi(h)$ und  damit 
$$\int \chi \mu=
\int \chi \;(g\cdot)_\ast\mu=\int (\chi\circ(g\cdot))\;\mu
=\int \chi(g)\chi\mu=\chi(g)\int \chi\mu$$
Ist insbesondere $\chi$ ein nichttrivialer Charakter von $K$, 
gibt es in anderen
Worten $g\in K$ mit $\chi(g)\neq 1$, so folgt
$\int \chi \mu=0$. Gegeben zwei Charaktere $\chi,\psi$ gilt 
in ${\op{L}}^2(K;\mu)$ also
$$\langle\chi,\psi\rangle =\int \bar\chi \psi \;\mu =\delta_{\chi,\psi}$$
Das zeigt, da"s die Charaktere
 ein Orthonormalsystem bilden. 
Es bleibt zu zeigen, da"s es vollst"andig ist. 
Wir wissen das bereits f"ur $K$ endlich 
zyklisch durch Dimensionsvergleich und f"ur $K$ die Kreisgruppe
aus der Theorie der Fourierreihen.
Im allgemeinen folgt es dann aus \ref{DLPg} oder alternativ aus
dem Approximationssatz von Stone-Weierstra"s \eref{SWC}{AN2}. In der Tat ist
der von den Charakteren aufgespannte
Untervektorraum $\langle \mathfrak X(K)\rangle_\DC\subset \mathcal C(K)$ eine unter der komplexen Konjugation stabile
Unterringalgebra, die die Punkte trennt, und folglich eine dichte Teilmenge f"ur die Norm $\|\;\|_\infty$ der gleichm"a"sigen Konvergenz.
Die stetigen Funktionen hinwiederum 
sind  nach \ref{AL12}  dicht in
$\op{L}^2(K;\mu)$.  
\end{proof}







\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}
  Gegeben eine topologische Gruppe $G$ ist jede Untergruppe $H\subset G$
  mit ihrer induzierten Topologie auch eine topologische Gruppe.\label{Ugtg} 
  Hinweis: \ref{Ptio}.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}\label{HoTr}
Man konstruiere eine Bijektion 
zwischen der Menge aller stetigen Gruppenhomomorphismen 
$(S^1)^m\ra (S^1)^n$ und der Menge $\op{Mat}(n\times m;\DZ)$ aller
$(n\times m)$-Matrizen mit ganzzahligen Eintr"agen. 
Hinweis: \ref{ChS1}.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}\label{MRMC}
 Gegeben  $\lambda\in\DC$ und
  $\varepsilon\in \{0,1\}$ betrachten wir den Gruppenhomomorphismus
  $\rho_{\lambda, \varepsilon}:\DR^\times \ra\DC^\times$ mit 
$\rho_{\lambda, \varepsilon}(x)= |x|^\lambda
  (\op{sgn}(x))^\varepsilon$. Man zeige, da"s 
wir
  so genau alle stetigen Gruppenhomomorphismen 
$\DR^\times\ra \DC^\times$ erhalten. Hinweis: Man beachte
$\DR\times\{1,-1\}\sira \DR_{>0}\times\{1,-1\}\sira \DR^\times$
vermittels $(\op{exp}\times \op{id})$ beziehungsweise der Multiplikation
und wende "Ubung \eref{GHCC}{AN1}  an, in der alle Gruppenwege in $\DC^\times$
beschrieben werden.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}[\textbf{Charaktere von Produkten}] 
Gegeben  $G,H$ topologische Gruppen zeige man, da"s 
die  durch $\chi\mapsto (\chi\circ i,\chi\circ j)$ 
gegebene Abbildung  ein Grup\-pen\-iso\-mor\-phis\-mus\label{CvP} 
$$\mathfrak X(G\times H)\sira \mathfrak X(G)\times \mathfrak X(H)$$
 ist, mit $i:G\hra G\times H$, $g\mapsto (g,1)$ und
$j:H\hra G\times H$, $h\mapsto (1,h)$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Me"sbare Homomorphismen von Fouriergruppen}] 
Man zeige, da"s jeder me"sbare Gruppenhomomorphismus 
von Fouriergruppen stetig ist. Hier darf me"sbar sogar in Bezug auf 
die Vervollst"andigung der Borel'schen $\sigma$-Algebra nach dem Haar-Ma"s 
verstanden werden. Hinweis: 
Man zeigt wie in \ref{StVer} f"ur jede Fouriergruppe $G$,
da"s die Abbildung $G\times{\op{L}}^2(G)\ra {\op{L}}^2(G)$
gegeben durch $(w,f)\mapsto (f\circ (w\cdot))$ stetig ist. 
Man folgere, da"s f"ur kompaktes $G$ jeder me"sbare Gruppenhomomorphismus  
$G\ra S^1$ stetig ist.  Wie in \ref{MebUG} zeigt man, da"s  
f"ur jede Fouriergruppe $G$ jeder me"sbare Gruppenhomomorphismus  
$G\ra \Gamma$ in eine diskrete Fouriergruppe 
stetig ist. Damit kann man sich dann durchtricksen. 
\end{Ubung}


\subsection{Orthogonale Projektionen in Hilbertr"aumen}
\begin{Bemerkungl}
Wir holen den Beweis nach f"ur
unsere Behauptung, da"s jeder Hilbertraum eine Hilbertbasis
besitzt. Dem liegt der folgende allgemeine Satz zugrunde.
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Hilbertraumkomplemente}]
\label{VOUY}  \begin{enumerate}
    \item Gegeben eine Teilmenge $U$ eines Pr"a\-hil\-bert\-raums
$\cal{H}$ 
ist  ihr Orthogonalraum $U^{\bot} \pdef\{v\in \cal{H} \mid \langle   
u,v  \rangle=0 \; \forall u
\in U\}$ ein abgeschlossener Teilraum;
\item Gegeben ein vollst"andiger Teilraum $U$ eines Pr"ahilbert\-raums
$\cal{H}$ 
liefert 
die Addition 
eine Bijektion
$U\times U^{\bot} \;\sira \;\cal{H}$;
\item Gegeben ein abgeschlossener Teilraum $U$ eines Hilbert\-raums
$\cal{H}$ 
liefert 
die Addition 
eine Bijektion
$U\times U^{\bot} \;\sira \;\cal{H}$;
  \end{enumerate}
\label{OKoHi}  \end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
1. Sicher ist f"ur alle $x\in \cal{H}$ die Abbildung $\cal{H} \ra \Bbb{C}$,
$v\mapsto \langle x, v \rangle$ stetig und linear. Das Urbild
$x^{\bot}$ von $0\in \Bbb{C}$ unter dieser Abbildung 
ist also ein abgeschlossener
Teilraum von $\cal{H}$, und dann mu"s auch f"ur beliebiges $U
\subset \cal{H}$ die Menge
$$
U^{\bot} = \{ v\in \cal{H}\mid \langle
x,v\rangle=0 \quad \forall \; x\in U\}
= \bigcap_{x\in U}x^{\bot}
$$
ein abgeschlossener Teilraum von $\cal{H}$ sein.
\\[2mm]\noindent
2. Ist $U$ ein Teilraum, so 
gilt offensichtlich $U \cap U^{\bot} = 0$ und damit ist unsere
Additionsabbildung
injektiv. 
Um f"ur $U$ einen vollst"andigen 
Teilraum
ihre Surjektivit"at zu zeigen, w"ahlen wir ein $v \in \cal{H}$ und
setzen $d = d (v,U) \pdef \inf_{u \in U} \|v-u\|$.
Sicher gibt es eine Folge $u_{n}$ von Vektoren aus $U$ mit $\lim_{n\ra \infty}
\|v-u_{n}\| = d$.
Wir erinnern nun  die Parallelogrammregel \eref{PGR}{LA2}, 
nach der die Summe der
Quadrate der vier Seiten eines Parallelogramms  gleich ist zur Summe der
Quadrate der beiden Diagonalen.
Ist also eine Diagonale fast so lang wie der halbe Umfang, so mu"s 
die andere Diagonale sehr kurz sein.
In Formeln erhalten wir
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUCau}\\[4mm]
\noindent 
Illustration zum Beweis des Satzes "uber das orthogonale Komplement:
Ist in einem Parallelogramm
 eine Diagonale, hier etwa die gestrichelt eingezeichnete,
 fast so lang wie der halbe Umfang, so mu"s 
die andere Diagonale sehr kurz sein.
\end{Bild}
$$\begin{array}{lll}
2 \| v-u_{n}\|^{2} + 2\|v-u_{m}\|^{2} &=& \|u_{n}-u_{m}\|^{2}+
\|2v-u_{n}-u_{m}\|^{2}\\
&=& \|u_{n}-u_{m}\|^{2}+
4\|v-(u_{n}+u_{m})/2\|^{2}\end{array}$$
Da aber $(u_{n}+u_{m})/2$ auch in $U$ liegt, folgt
$$ 2\|v-u_{n}\|^{2} + 2 \|v-u_{m}\|^{2} -4 d^{2} \;\geq\;
\|u_{n}-u_{m}\|^{2}\hspace{3.5cm}$$
Aus dieser Absch"atzung erkennt man, da"s 
die $u_{n}$ eine Cauchyfolge bilden. Da $U$ vollst"andig ist, 
gibt es  $u\in\cal{H}$ mit $\lim_{n\ra\infty}u_{n} = u$. 
Da die Norm stetig ist, gilt weiter $d= \|v-u\|$.
Wir behaupten $(v-u) \in U^{\bot}$.
In der Tat, f"ur alle $h \in U$ nimmt die Funktion
$$t \mapsto \|v-u + th\|^{2} = \|v-u\|^{2} + 2t \op{Re}\langle v-u,
h\rangle+ t^{2} \|h\|^{2}$$ bei $t =0$ ein Minimum an, folglich
verschwindet dort ihre Ableitung und wir erhalten
$\op{Re}\langle v-u,h\rangle =0 $ f"ur alle $ h \in U$.
Damit haben wir die gesuchte Zerlegung
$v = u + (v-u)$ mit $u \in U$ und $(v-u) \in
U^{\bot}$ gefunden.
\\[2mm]\noindent
3. 
Im Fall eines Hilbertraums sind 
nach \eref{VRnn}{AN2} und \eref{SSABVV}{AN2} die vollst"andigen Teilr"aume 
genau die abgeschlossenen Teilr"aume. Damit folgt unsere Behauptung aus Teil 2. 
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Riesz'scher Darstellungssatz 
f"ur Hilbertr"aume}]\index{Riesz'scher Darstellungssatz!bei Hilbertraum}
Jede stetige Linearform\label{DRH} auf einem
Hilbertraum kann beschrieben werden als das Bilden des Skalarprodukts mit einem
durch die besagte Linearform eindeutig bestimmten Vektor.
\end{Korollar}

\begin{proof} Sei $\cal{H}$ unser Hilbertraum und $l:\cal{H} \ra \Bbb{C}$
unsere Linearform.
Der Kern $\ker l \subset \cal{H}$ ist ein abgeschlossener Teilraum und
die Linearform $l$ induziert eine Injektion $(\ker l)^{\bot} \hookrightarrow
\Bbb{C}$. Wir haben also
$\op{dim}(\ker l)^{\bot}\leq 1$. 
Im Fall $l=0$ ist $x =0$ das gesuchte Element von $\cal{H}$.
Sonst finden wir genau ein $x \in (\ker l)^{\bot}$ mit $\langle
x,v \rangle = l (v) \; \forall v \in (\ker l)^{\bot}$. Da
diese Gleichung eh gilt f"ur alle $v \in \ker l$, folgt sie f"ur
alle $v \in \cal{H}$.
\end{proof}
\begin{Korollar}\label{EHiBa}
Jeder Hilbertraum besitzt eine Hilbertbasis.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Nach dem Zorn'schen Lemma finden wir ein bez"uglich Inklusion
maximales Orthonormalsystem. W"are der Abschlu"s seines
Erzeugnisses nicht der ganze Raum, so k"onnten wir unser
Orthonormalsystem nach \ref{OKoHi} doch noch
vergr"o"sern durch Hinzunahme eines Vektors der L"ange Eins aus
seinem orthogonalen Komplement im Widerspruch zur Maximalit"at.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Damit ist insbesondere 
gezeigt, da"s sich jeder Hilbertraum schreiben l"a"st als
ein Raum von quadratintegrierbaren Funktionen, und das sogar
auf einer Menge mit
Z"ahlma"s.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}[\textbf{Keele-Vermutung}]
Gegeben eine abgeschlossene beschr"ankte nichtleere
Teilmenge eines Hilbertraums wird vermutet, da"s es
zu jedem Punkt unseres Hilbertraums nur
einen n"achsten Punkt in unserer Teilmenge gibt genau dann, wenn
unsere Teilmenge konvex ist. Das ist derzeit 
(2004) meines Wissens nur f"ur endlichdimensionale
R"aume bewiesen.
\end{Bemerkunge}


\begin{Beispiel}
Der Raum der quadratintegrierbaren Funktionen auf einem
Wahrscheinlichkeitsraum  mu"s keine abz"ahlbare Hilbertbasis
besitzen. Um ein Beispiel daf"ur anzugeben, mu"s ich jedoch
mehr Wissen voraussetzen.
Betrachten wir den Raum $X=\op{Ens}(I,\{1,-1\})$
aller Abbildungen von einer beliebigen Menge $I$ in die zweielementige
Menge $\{1,-1\}$. Mit der Produkttopologie zur diskreten Topologie
auf $\{1,-1\}$ ist $X$ kompakt nach dem Satz von Tychonoff \eref{ST}{TM}.
Jetzt liefert eine analoge Argumentation wie in \ref{GVF} ein 
wohlbestimmtes Borelma"s
auf $X$, das jedem Urbild eines Punktes unter der Projektion auf
einen der Faktoren das Ma"s $1/2$ zuordnet. Die Projektionen auf die
Faktoren bilden dann ein Orthonormalsystem in ${\op{L}}^2(X)$.
\end{Beispiel}
\begin{Definition}\label{DefAd}
Sei $A:\cal{H}\ra\cal{H}'$ eine lineare Abbildung 
von Hilbertr"aumen und 
 $B:\cal{H}'\ra\cal{H}$ eine lineare Abbildung 
in die Gegenrichtung. Die beiden Abbildungen 
$A$ und $B$ hei"sen {\bf adjungiert},\index{adjungiert!Operator}
 wenn gilt $$\langle Av,w\rangle=\langle v,Bw\rangle\quad\forall
v\in \cal{H}, \; w\in \cal{H}'$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Wir werden in \ref{SadS} zeigen, da"s eine lineare Abbildung zwischen
Hilbert\-r"aumen genau dann stetig ist, wenn sie eine adjungierte
Abbildung besitzt. In "Ubung \ref{ADNN} sollen Sie von dieser 
Aussage die einfache Richtung zeigen.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{ADNN}
Jede stetige lineare Abbildung von Hilbertr"aumen hat genau eine
adjungierte Abbildung und diese ist auch
stetig. 
Man notiert die adjungierte Abbildung zu $A$ 
in der mathematischen Literatur 
meist $A^\ast$,\index{)6ast@$A^\ast$ adjungierter Operator} 
in der physikalischen Literatur dahingegen meist 
$A^\dagger$.\index{)6dagger@$A^\dagger$ adjungierter Operator} 
Man zeige nun weiter
$(A^\ast)^\ast=A$ und $(AB)^\ast=B^\ast A^\ast$ 
und 
$(\lambda A)^\ast=\bar{\lambda}A^\ast$ f"ur $\lambda\in\DC$ und 
 $\|A\|=\|A^\ast\|$ sowie
$\|A^\ast A\|=\|A\|^2$ f"ur die Operatornorm.
Hinweis: Zuerst mag der Riesz'sche Darstellungssatz helfen, 
angewandt auf $v\mapsto \langle Av,w\rangle$ f"ur festes $w$,
dann
die Erkenntnis $\|A\|=\op{sup}\{\langle Av,v'\rangle\mid\|v\|=\|v'\|=1\}$
im Fall, da"s keiner unserer beiden R"aume der Nullraum ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Die orthogonalen Projektionen auf abgeschlossene Teilr"aume 
eines Hilbertraums sind genau die idempotenten\label{PrTr} 
selbstadjungierten Operatoren, als da hei"st die stetigen linearen 
Selbstabbildungen $P$ unseres Hilbert\-raums mit $P^2=P$
und $P^\ast=P$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Eine stetige lineare Abbildung zwischen Hilbertr"aumen hat dichtes
Bild genau dann, wenn die adjungierte Abbildung injektiv ist.\label{BIKA}
Allgemeiner zeige man, da"s das orthogonale Komplement des Bildes
der Kern der adjungierten Abbildung ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Hier sollen sie  ein direktes Argument ausarbeiten, das 
f"ur jeden selbstadjungierten Operator $T$ auf einem Hilbertraum
die Identit"at $$\|T\|=\op{sup}\{|\langle Tx,x\rangle|\mid \|x\|\leq 1\}$$ 
zeigt:
Bezeichnet $M$ die rechte Seite, so ist $\|T\|\geq M$ eh klar.
F"ur die andere Ungleichung betrachte man f"ur $x$
 von der L"ange Eins mit $Tx\neq 0$ sein
auf L"ange Eins normiertes Bild $y=Tx/\|Tx\|$. 
Dann gilt $\|Tx\|=\langle Tx,y\rangle=\langle x,Ty\rangle$ und
man erh"alt von der Mitte ausgehend
$$4M =M(\|x+y\|^2+\|x-y\|^2) 
\geq \langle T(x+y),x+y\rangle-\langle T(x-y),x-y\rangle=
4\|Tx\|$$
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{SEH}
  Man zeige: Genau dann besitzt ein Hilbertraum 
eine abz"ahlbare dichte Teilmenge,
wenn er eine abz"ahlbare Hilbertbasis besitzt.
\end{Ubung}


%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXAN3"
%%% End: 
