\section{Differenzierbarkeit im Komplexen}

\subsection{Holomorphe Funktionen \sose{(28.4)}}
\begin{Bemerkungl}
  Seien $X,Y$ topologische R"aume, $p\in X$ ein H"aufungspunkt,
  $Y$ Hausdorff und $f:X\backslash p\ra Y$ eine Abbildung.
  Ich erinnere an unsere Definition des Grenzwerts
  $\lim_{x\ra p}f(x)$ aus \eref{SSGeFuA}{AN2}
  als dem \glqq Wert der einzig m"oglichen bei $p$ stetigen
  Fortsetzung von $f$ auf ganz $X$, 
  wenn es  denn solch eine Fortsetzung gibt\grqq.
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/holomorphedef.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Definition der komplexen Ableitung.} 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{cDEVc}
Seien $U\co\DC$ eine offene Teilmenge und $p\in U$
ein  Punkt. Eine Funktion $f: U \ra \Bbb{C}$
hei"st {\bf komplex differenzierbar bei $p$ mit Ableitung $b \in \Bbb{C}$},
\index{komplex differenzierbar} wenn
gilt
$$\lim_{z\ra p}
\frac{f(z) - f(p)}{z-p} = b$$
Wir k"urzen diese Aussage ab durch $f^{\prime}(p) = b$ 
und nennen $f'(p)$ die 
{\bf Ableitung} oder 
ausf"uhrlicher die {\bf komplexe Ableitung}\index{Ableitung!komplexe}
der Funktion $f$ an der Stelle $p$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
 Man mu"s sich hier von der in der Schule liebgewonnenen
  Anschauung der Ableitung als \glqq Steigung der
  Tangente\grqq\ verabschieden. Welche Anschauung man stattdessen mit dem
  Konzept der komplexen Ableitung verbinden mag, werden wir im folgenden
  noch ausf"uhrlich diskutieren.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
  Eine {\bf holomorphe Funktion}\index{holomorph!Funktion}
  ist eine auf einer offenen Teilmenge $U\co \DC$ der komplexen Zahlenebene
  definierte komplexwertige Funktion $f:\DC \lco U\ra \DC$, die an jeder Stelle
  $p\in U$ komplex differenzierbar ist. Wir erkl"aren dann ihre
  Ableitung $f':U\ra\DC$  durch
  $p\mapsto f'(p)$.
\end{Definition}

\begin{Bemerkungw} In \ref{Gour} zeigen wir, da"s jede holomorphe
  alias komplex differenzierbare Funktion sogar stetig komplex differenzierbar
  ist, ja da"s noch viel st"arker die Ableitung jeder
  holomorphen Funktion wieder holomorph ist.
  Bis dahin jedoch m"ussen wir sorgf"altig zwischen holomorphen
  Funktionen und sogar stetig komplex differenzierbaren Funktionen
  unterscheiden. 
\end{Bemerkungw}


\begin{Beispiel}
  Jede konstante Funktion auf $U\co \DC$ ist holomorph mit der
  Nullfunktion als Ableitung.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Die Einbettung einer offenen Teilmenge $U\co \DC$ nach $\DC$ ist eine 
  holomorphe Funktion $i:U\ra \DC$ mit Ableitung $i'(p)=1\;\forall p\in U$
  alias $i'=1$.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Das Invertieren $z\mapsto 1/z$ ist eine holomorphe\label{holi} 
  Abbildung $\DC^\times \ra \DC$ mit der Ableitung $-1/z^2$.
  Man zeigt das mit derselben Rechnung wie im Reellen \eref{AK}{AN1}. \end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauliche Bedeutung der komplexen Differenzierbarkeit}]\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/anschauungkompdiff.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die anschauliche Bedeutung der komplexen Ableitung.} 
  Gegeben $U\co \DC$ eine offene Teilmenge und $f:U\ra \DC$ eine Abbildung
  und $p\in U$ ein Punkt ist offensichtlich $f$ komplex differenzierbar
  bei $p$ mit Ableitung $f'(p)=b$ genau dann,
  wenn es eine komplexwertige Funktion $\varepsilon$ gibt mit
  $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0$ und\label{abkh} 
  $$f(p+h)=f(p)+ bh + h\varepsilon(h)$$
  Bis auf den Fehler $h\varepsilon(h)$, der f"ur kleines $h$ derart klein wird,
  da"s er f"ur $h\ra 0$ sogar dann noch gegen Null strebt,
  wenn man ihn durch $h$ teilt, ist also $f$ nah bei $p$
  die Drehstreckung  $p+h\mapsto p+bh$ mit Zentrum $p$ und Faktor $b\in\DC$
  gefolgt von der Verschiebung $+(f(p)-p)$. Anschaulich bedeutet das insbesondere im Fall $f'(p)\neq 0$, da"s jede bei $p$ komplex differenzierbare Abbildung bei $p$ 
  \glqq winkeltreu und orientierungserhaltend\grqq\ ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Differenzierbarkeit impliziert Stetigkeit}]
Quasi per definitionem \eref{SSGeFuA}{AN2} ist 
$\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0$ gleichbedeutend dazu, da"s die einzige
bei $h=0$ stetige Fortsetzung von $\varepsilon$ an die Stelle $h=0$ durch
$\varepsilon(0)=0$ geschieht. Insbesondere ist nach \ref{abkh} eine komplex differenzierbare
Funktion auch stetig.\end{Bemerkungl}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Rechenregeln f"ur die komplexe Ableitung}]
Auch f"ur komplex differenzierbare
Funktionen gelten die Summenregel $(f+g)'=f'+g'$,
Produktregel $(fg)'=f'g + fg'$ und\label{cKRc} 
Kettenregel $(f\circ g)'=g'(f'\circ g)$  mit demselben Beweis wie in \eref{APSu}{AN1} beziehungsweise
\eref{KeRe}{AN1}. Insbesondere ist jede komplexe Polynomfunktion
holomorph. Weiter folgt aus der Kombination von Produktregel, Kettenregel
und unseren Erkenntnissen zum Ableiten des Invertierens \ref{holi} auch im Komplexen
die Quotientenregel. 
  \end{Bemerkungl}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Ableiten ganzzahliger Potenzen}]
    Induktiv folgert man wie im Reellen f"ur die Ableitung von $z^n$ die Formel
    $nz^{n-1}$ erst f"ur $n\geq 0$ und dann mit der Quotientenregel f"ur
    $n\leq -1$.
  \end{Bemerkungl}
  
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.7\textheight]{SkriptenBilder/Bild0026}
\\ \noindent Anschauliche Bedeutung der Ableitung der 
komplexen Exponentialfunktion. Das untere Bild entsteht aus dem
oberen durch Anwenden der komplexen Exponentialfunktion.
Man sieht, da"s das Differential dieser Abbildung an einer 
Stelle auf der reellen Achse eine Streckung um einen reellen  Faktor  ist,
 an einer 
Stelle auf der imagin"aren Achse 
dahingegen eine Drehung alias
eine Streckung um einen komplexen  Faktor vom Absolutbetrag Eins.
\end{figure}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Differenzierbarkeit der Exponentialfunktion}]
    Genau wie im Fall der reellen Exponentialfunktion \eref{Aex}{AN1}
    zeigt man, da"s die komplexe Exponentialfunktion $\exp:\DC\ra\DC$
    holomorph ist und mit ihrer eigenen Ableitung\label{AKEc} "ubereinstimmt, in Formeln
    $\exp'=\exp$. Ich will nun beispielhaft die anschauliche Bedeutung der
    Identit"at $\exp'(\pi{\op{i}}/2)=\exp(\pi{\op{i}}/2)$ herausarbeiten.
    Wir haben ja $\exp(\pi{\op{i}}/2)={\op{i}}$ und die imagin"are Achse wird
    unter $\exp$ auf den Einheitskreis aufgewickelt. So sehen wir, da"s
    $\exp((\pi{\op{i}}/2) +h)=\op{i}\exp h$ f"ur kleines $h$
    in erster N"aherung $\op{i} + \op{i}h$ ist,
    also eine Rotation um einen rechten Winkel im Gegenuhrzeigersinn gefolgt
    von einer Verschiebung, und diese Rotation ist eine Drehstreckung um
    den Faktor $\op{i}$ und das ist folglich auch unsere
    Ableitung $\op{i}=\exp'(\pi{\op{i}}/2)$.
   \end{Bemerkungl}
  \subsubsection*{"Ubungen}
  \begin{Ubung}[\textbf{Funktionen mit komplexer Ableitung Null}] 
    Ein holomorphe Funktion mit zusammenh"angendem Definitionsbereich,
    deren komplexe Ableitung identisch verschwindet, ist konstant.\label{AlN}
  \end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $g:U\ra \DC^\times$ stetig ohne Nullstelle mit $f\pdef g^2$ holomorph.
  Man zeige da"s auch $g$ holomorph ist mit Ableitung $g'=f'/2g$. 
  \end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $H\pdef \{z\mid {\op{Im}}z>0\}$ die offene obere Halbebene.\label{bOH} 
  Man zeige, da"s es f"ur je zwei Punkte $p,q\in H$ eine holomorphe Bijektion
  $h:H\sira H$ gibt mit $h(p)=q$. Hinweis: \ref{Traoh}.
  \end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $E\pdef \{z\mid |z|<1\}$ die offene Einheitskreisscheibe.
  Man zeige, da"s es f"ur je zwei Punkte $p,q\in E$ eine holomorphe Bijektion
  $h:E\sira E$ gibt mit $h(p)=q$.\label{BiOK}
  Hinweis: \ref{bOH} und \ref{Bioh}.
  \end{Ubung}  
  \subsection{Komplexe und reelle Differenzierbarkeit \sose{(3.5)}}\label{cLc}
  \begin{Bemerkungl}\label{Fdho}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/reelldiff.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber Differenzierbarkeit im Reellen.} In \eref{dho}{AN2} haben wir vereinbart, da"s wir eine Teilmenge $A$ eines normierten reellen Raums $X$ 
{\bf halboffen} nennen wollen,\index{halboffen!in reellem affinen Raum} 
wenn es f"ur jeden Punkt $p\in A$ 
eine nichtleere offene Teilmenge $C \co \vec{X}$ gibt
mit $p + [0,1]C \subset A$, wenn es also anschaulich gesprochen ein kleines
Kegelchen mit Spitze in $p$ gibt, das ganz in $A$ liegt.
Gegeben eine halboffene Teilmenge $A$ eines normierten reellen Raums $X$ 
und eine Abbildung $f:A\ra Y$ in einen weiteren reellen Raum 
haben wir in  \eref{DeDii}{AN2} und \eref{dhox}{AN2} ihr {\bf Differential}
$$\tiff_pf:\vec X\ra\vec Y$$
bei $p$  definiert als
eine stetige $\DR$-lineare Abbildung $L$, f"ur die es eine $\vec{Y}$-wertige Abbildung $\varepsilon$ gibt
mit $\lim_{\vec v\ra \vec 0}\varepsilon (\vec v) =0$ 
und $$f(p +\vec v) = f(p) + L\vec v + \|\vec v \| \varepsilon (\vec v)$$
Wir haben gezeigt, da"s so eine Abbildung $L$ eindeutig ist, wenn sie
existiert, so da"s sie  Namen und Notation auch verdient.
Wenn das Differential existiert, nennen wir $f$ {\bf differenzierbar}.
Wenn wir den Unterschied zur partiellen Differenzierbarkeit
besonders betonen wollen, sagen wir genauer  {\bf total differenzierbar}.
Wenn wir den Unterschied zur komplexen Differenzierbarkeit
besonders betonen wollen, sagen wir genauer  {\bf reell differenzierbar}.
  \end{Bemerkungl}
  
  \begin{Bemerkungl}
    M"oglicherweise haben Sie diese Definition bisher
    nur im Fall $X=\DR^n$ und $Y=\DR^m$ und f"ur $A\co X$ offen gesehen.
    In diesem Fall ist es nicht n"otig,  zwischen den affinen R"aumen
    $X,Y$ und ihren Richtungsr"aumen $\vec X, \vec Y$ zu unterscheiden,
    und die darstellende Matrix des Differentials ist die
    {\bf Jacobi-Matrix} $$[\tiff_pf]=\left(\begin{array}{ccc}
\frac{\partial f_{1}}{\partial x_{1}} (p) &\ldots &
\frac{\partial f_{1}}{\partial x_{n}}(p)\\
\cdot & &\cdot \\[-3mm]
\cdot & &\cdot \\[-3mm]
\cdot & &\cdot \\
\frac{\partial f_{m}}{\partial x_{1}} (p) &\ldots & \frac{\partial
  f_{m}}{\partial x_{n}} (p) \end{array}\right) $$
    In diesem Kontext ist jede total differenzierbare Abbildung auch partiell
    differenzierbar. Existieren umgekehrt alle partiellen Ableitungen
    auf ganz $A$ und sind stetig, so ist nach \eref{PTD}{AN2}  unsere
    Funktion auch total differenzierbar.
  \end{Bemerkungl}

  \begin{Bemerkungl}\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/geschdiff.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber Geschwindigkeit und Differential.}
    Im Fall einer differenzierbaren Abbildung $\gamma:\DR\ra X$
    der Zahlengerade in einen normierten reellen Raum $X$
    verwendet man die Notation 
    $\gamma'(t)\pdef (\diff_t\gamma)(1)$ und erkennt, da"s der
    Richtungsvektor $\gamma'(t)\in \vec X$ auch beschrieben werden kann
    als der Grenzwert\label{GeVV} 
    $$\gamma'(t)=\lim_{h\ra 0}\frac{\gamma(t+h) - \gamma(t)}{h}$$
    Das ist, von den fehlenden Einheiten abgesehen,
    der {\bf Geschwindigkeitsvektor} 
    aus der Physik.  Dasselbe gilt, wenn $\gamma$ auf einem mehrpunktigen  Intervall
    oder  allgemeiner einer beliebigen halboffenen Teilmenge von $\DR$  definiert ist.
  \end{Bemerkungl}
    \begin{Bemerkungl}
    Im Fall einer differenzierbaren Abbildung $f:X\ra\DR$
    von einem normierten reellen Raum $X$ in die Zahlengerade
    ist $p\mapsto \tiff_p f$ eine Abbildung $X\ra \vec X^*$ von
    $X$ in den Dualraum des Richtungsraums. Sie hei"st das
    {\bf Differential von $f$} und wird notiert als 
    $$\tiff f:X\ra \vec X^*$$
    Eine 
    Abbildung $X\ra\vec X^*$ hei"st ein {\bf Kovektorfeld auf $X$}.
    Kovektorfelder werden punktweise addiert und  mit reellwertigen
    Funktionen $X\ra\DR$ multipliziert.
    Im Spezialfall $X=\DR^n$ sind die Funktionen $x_i$ die Projektionen
    auf die Koordinaten, also linear, also \glqq ihr eigenes
    Differential\grqq. Ihre Differentiale $\tiff x_i$ ordnen mithin jedem
    Punkt ebenfalls die Projektion auf die $i$-te
    Koordinate $\op{pr}_i: \DR^n\ra \DR$ zu.
    F"ur eine beliebige differenzierbare Funktion
    $f:\DR^n\ra \DR$ findet man dann
    $$\tiff f=\frac{\partial f}{\partial x_1}\tiff x_1+\ldots +
    \frac{\partial f}{\partial x_n}\tiff x_n$$
    alias f"ur alle $p$ die Identit"at $\tiff_p f=\frac{\partial f}{\partial x_1}(p)\tiff_p x_1+\ldots +
    \frac{\partial f}{\partial x_n}(p)\tiff_p x_n$ in $(\DR^n)^*$.
    Analoges gilt, wenn $f$ auf einer offenen Teilmenge
    von $X$ beziehungsweise $\DR^n$ definiert ist.
    \end{Bemerkungl}


  
  \begin{Bemerkungl}
    Spezialisieren wir unsere allgemeine Definition
    der Differenzierbarkeit auf den Fall $X=Y=\DC$ und vergleichen 
    sie mit der Charakterisierung \ref{abkh} der komplexen Differenzierbarkeit,
    so erkennen wir, da"s f"ur $p\in U\co \DC$ eine Abbildung
    $f:U\ra\DC$ genau dann komplex differenzierbar ist, wenn sie
    reell total differenzierbar ist und ihr a priori
    $\DR$-lineares Differential
    $\tiff_pf:\DC\ra\DC$
    sogar eine $\DC$-lineare Abbildung ist alias durch
    die Multiplikation mit einer komplexen Zahl gegeben wird,
    in Formeln
   $$\tiff_pf = (f'(p)\cdot):\DC\ra\DC$$
   f"ur die komplexe Ableitung $f'(p)$. Wir verwenden dabei,
    da"s $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0$ gleichbedeutend ist zu
    $\lim_{h\ra 0}(|h|/h)\varepsilon(h)=0$ f"ur reelles und auch 
    komplexes $h$.
  \end{Bemerkungl}
  
\begin{Satz}\label{CRD}
Sei $U \co \Bbb{R}^2$ eine offene Teilmenge und bezeichne $\op{can}  :\DR^2\sira\DC$,
 $(x,y) \mapsto x+ {\op{i}}y$ die "ubliche Identifikation.
Gegeben stetig partiell differenzierbare 
reelle Funktionen $u,v : U \ra
\Bbb{R}$ ist die 
Funktion $f:\op{can}  (U) \ra\DC$ mit
$$f(x+ {\op{i}}y) \pdef u(x,y) + {\op{i}}v (x,y)$$
 genau dann holomorph, wenn das Paar $(u,v)$ die
\emph{\bf Cauchy-Rie\-mann'schen 
Differentialgleichungen}\index{Cauchy-Rie\-mann'sche
Differentialgleichungen}
erf"ullt, die da lauten
\begin{displaymath}
\frac{\partial u}{\partial x} = \frac{\partial v}{\partial y}\;\;\;\;
\text{ und }\;\;\;\; \frac{\partial v}{\partial x}
=- \frac{\partial u}{\partial y}
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildCauR}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die
Linien zeigen Niveaumengen des Real- und Imagin"arteils von $\log$,
die Pfeile deren Gradienten.
Die Cauchy-Riemann'schen
Differentialgleichungen bedeuten, da"s 
an jeder Stelle der Gradient
des Imagin"arteils durch eine Drehung um $90^\circ$ 
 aus dem 
Gradienten
des Realteils hervorgeht.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungw}
  Aus dem Satz von Goursat \ref{Gour} werden Sie im weiteren Verlauf
  als "Ubung \ref{PDGou} folgern, da"s gegeben eine holomorphe Funktion $f$ 
  auch umgekehrt ihr Realteil $u$ und ihr Imagin"arteil $v$ stetig partiell
  differenzierbar sind. 
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}
Man kann sich diese Gleichungen veranschaulichen als die Bedingung,
da"s an jeder Stelle der Gradient des Imagin"arteils $v$ unserer Funktion
aus dem Gradienten ihres Realteils $u$ 
hervorgeht durch die Drehung um einen rechten Winkel im 
Gegenuhrzeigersinn.
% Per definitionem haben wir weiter 
% $f  \kappa  =\kappa    (u,v)=u+{\op{i}}v$ mit
% $(u,v):U\ra\DR^2$ wie "ublich. Es ist "ublich und praktisch,
% in diesem Satz und seinem Beweis die kanonische Identifikation $\kappa  $ in der
% Notation systematisch zu unterdr"ucken. Ich habe sie zur "Ubung hier
% ausgeschrieben, weil ja  $\DC$ und $\DR^2$, wenn man es ganz genau nimmt,  
% zumindest in meinen Augen durchaus  verschiedene
% Objekte sind.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Cauchy-Riemann'sche 
      Differentialgleichungen, Variante}] \nichtfinal{Sp"ater, besser mit
    Differentialformen!} 
Verwenden wir partielle Ableitungen\label{CRI} 
vektorwertiger Funktionen  \eref{PaVf}{AN2} und nehmen der 
Einfachkeit halber $\op{can}=\op{id}$ an, so k"onnen wir die
Cauchy-Rie\-mann'schen 
Differentialgleichungen auch zusammenfassen zur Gleichung 
$$\op{i}\frac{\partial f  }{\partial x} =\frac{\partial f  }{\partial y}$$
Die komplexe Ableitung von $f$ wird dann gegeben durch
$f'    =\frac{\partial f  }{\partial x}=\frac{\partial u}{\partial x}+
{\op{i}}\frac{\partial v}{\partial x}=\frac{\partial v}{\partial y}-
{\op{i}}\frac{\partial u}{\partial y}$ und wird auch bereits durch Real- oder
Imagin"arteil unserer Funktion festgelegt als
$f'    =\frac{\partial u}{\partial x}-
{\op{i}}\frac{\partial u}{\partial y}=\frac{\partial v}{\partial y}+
{\op{i}}\frac{\partial v}{\partial x}$. Fassen wir komplexwertige 
Funktionen auf einer Teilmenge der komplexen Zahlen 
als Vektorfelder auf, so entspricht die komplex konjugierte 
Ableitung mithin dem Gradienten des Realteils unserer 
Funktion, in Formeln
$$\overline{f'}    =   \op{grad}(\op{Re}f)$$
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis der Hin-Richtung]\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cauchyriemannerster.mp4}{Hier ist ein erster Film \"uber die Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen.}   Die komplexe Ableitung k"onnen wir schreiben als
  $$f'(z)=\lim_{h\ra 0_\DC}\frac{f(z+h) - f(z)}{h}$$
  mit dem Grenzwert "uber komplexes $h$, was ich versuche dadurch
  anzudeuten, da"s ich $0_\DC$ schreibe f"ur die Null der komplexen Zahlenebene.
  Nat"urlich haben wir a forteriori
  $$f'(z)=\lim_{h\ra 0_\DR}\frac{f(z+h) - f(z)}{h}\quad\text{und}\quad f'(z)=\lim_{h\ra 0_\DR}\frac{f(z+{\op{i}}h) - f(z)}{{\op{i}}h}$$
  mit dem Grenzwert "uber reelle $h$,
  was ich durch die Notation $0_\DR$ andeute.
  Erinnern wir nun $f(x+{\op{i}}y)=u(x,y)+{\op{i}}v(x,y)$ und multiplizieren beide Seiten der rechten Gleichung mit $\op{i}$, so finden wir
  $$f'(x+{\op{i}}y)=\frac{\partial u}{\partial x}(x,y)+{\op{i}}\frac{\partial v}{\partial x}(x,y)\quad\text{und}\quad {\op{i}} f'(x+{\op{i}}y)=\frac{\partial u}{\partial y}(x,y)+{\op{i}}\frac{\partial v}{\partial y}(x,y)$$
    Daraus folgen  die Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen sofort.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis]\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cauchyriemannzweiter.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen vom h\"oheren Standpunkt.}
  Ich habe mir M"uhe gegeben, den Satz so zu
  formulieren, da"s er zu unserer Beschreibung der
  komplexen Zahlen bis auf eindeutigen Isomorphismus
  in \ref{FCCZ} pa"st. 
 F"ur den Beweis d"urfen wir uns ein beliebiges Modell
  der komplexen Zahlen aussuchen 
und mithin  ohne
Beschr"ankung der Allgemeinheit
annehmen, da"s $\op{can}  :\DR^2\sira\DC$ die
Identit"at ist.
 Eine Funktion
$f: U   \ra \Bbb{C}$ ist nun nach \ref{abkh}
 komplex differenzierbar bei $p\in U$ mit Ableitung $b$ genau dann,
  wenn es eine komplexwertige Funktion $\varepsilon$ gibt mit
  $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0$ und 
  $f(p+h)=f(p)+ bh + h\varepsilon(h)$ oder auch gleichbedeutend  eine komplexwertige Funktion $\eta$  mit
  $\lim_{h\ra 0}\eta(h)=0$ und 
  $$f(p+h)=f(p)+ bh + |h|\eta(h)$$
  In der Tat unterscheiden sich $\eta(h)$ und $\varepsilon(h)$ dabei f"ur $h\neq 0$  nur
  um den Faktor $h/|h|$ der  Norm Eins und f"ur $h=0$ kommt es auf die
  genauen Werte dieser Funktionen eh nicht an.
 Eine Funktion
$f: U   \ra \Bbb{C}$ ist andererseits nach \eref{DeDii}{AN2}
reell total differenzierbar bei $p\in U$ mit Differential $B\in \op{Hom}_\DR(\DC,\DC)$ genau dann,
  wenn es eine komplexwertige Funktion $\eta$ gibt mit
  $\lim_{h\ra 0}\eta(h)=0$ und 
  $$f(p+h)=f(p)+ Bh + |h|\eta(h)$$
  Unsere Funktion ist also komplex differenzierbar bei $p$ mit
  der komplexen Ableitung $f'(p)=b$ genau dann, wenn $f$ reell differenzierbar ist bei $p$ und sein  Differential $\diff_pf=B\in \op{Hom}_\DR(\DC,\DC)$
  eine komplexlineare Abbildung ist, eben die Abbildung $(b\cdot)$.
Gleichbedeutend ist dann auch die Forderung,
da"s $\diff_{p} f $ mit der Multiplikation $(\op{i}\cdot)$ mit $\op{i}$ kommutiert. Um diese Bedingung in die Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen  zu "ubersetzen, ziehen wir uns nun auf unser Modell
$\DC=\DR^2$ der komplexen Zahlen zur"uck.
Sind $u$ und $v$ stetig partiell differenzierbar, 
so ist dann nach \eref{PTD}{AN2}
auch die Funktion $ f=(u,v)$ 
 reell differenzierbar an jeder Stelle $p\in U$ und 
 ihr Differential $\diff_p f=\diff_p (u,v)$ wird nach
\eref{RaA}{AN2} beschrieben durch die Jacobi-Matrix
\begin{displaymath}
[\diff_p (u,v)]=\begin{pmatrix}
\frac{\partial u}{\partial x} & \frac{\partial u}{\partial y}\\[2mm]
\frac{\partial v}{\partial x} & \frac{\partial v}{\partial y}
\end{pmatrix}
\end{displaymath}
an der jeweiligen Stelle $p$. Damit ist $f=(u,v)$ 
komplex differenzierbar bei $p$
genau dann, wenn diese Matrix  kommutiert mit
der Matrix 
$[({\op{i}}\cdot)  ]= {(^{0}_{1}}\;
{^{-1}_{\;\;0})}$ 
der Multiplikation mit ${\op{i}}$, wenn also an der jeweiligen Stelle $p$
gilt
\begin{displaymath}
\frac{\partial u}{\partial y} = - \frac{\partial v}{\partial x} \;\;\;\;
\text{ und }\;\;\;\; \frac{\partial v}{\partial y}
= \frac{\partial u}{\partial x}
\qedhere\end{displaymath}
\end{proof}








\begin{Proposition}[\textbf{Komplexe Differenzierbarkeit von Umkehrfunktionen}]
Gegeben 
 $f:\DC\lco U \ra \Bbb{C}$  eine injektive 
stetig komplex differenzierbare\label{cAUc}
  Funktion  mit  nirgends verschwindender Ableitung ist
auch ihr Bild eine offene Teilmene $f(U)\co\DC$ 
und die Umkehrfunktion $f^{-1}:f(U)\ra U$
ist wieder stetig komplex differenzierbar
mit der Ableitung $$(f^{-1})^{\prime}
(q) =1/{f^{\prime}(f^{-1}(q))}$$ 
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungw}
In \ref{WIU} wird skizziert, wie man diese 
Proposition
ohne den Umkehrsatz der Analysis beweisen kann. 
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungw}
Eine holomorphe Funktion
$f:\DC\lco U\ra \DC$ hei"st eine {\bf biholomorphe Einbettung},\index{biholomorph!Einbettung}
 wenn sie injektiv ist mit\label{biho} 
offenem  Bild $f(U)\co \DC$ und wenn die Umkehrabbildung
$f^{-1}:\DC\lco f(U)\sira U$ auch wieder  holomorph ist.
Unsere Proposition besagt in dieser Terminologie, da"s jede
injektive stetig komplex differenzierbare
Funktion mit  nirgends verschwindender Ableitung
eine biholomorphe Einbettung ist. In \ref{hbbh} 
zeigen wir  st"arker, da"s "uberhaupt jede
    injektive holomorphe Funktion eine biholomorphe Einbettung ist. 
Unser Beweis dort  st"utzt sich aber auf
die hier gegebene Proposition. 
\end{Bemerkungw}

\begin{proof} 
  Per definitionem ist eine stetig komplex differenzierbare
  Funktion $f:\DC\lco U \ra \Bbb{C}$ 
stets stetig reell differenzierbar im Sinne von \eref{DeDi}{AN2} und
ihr Differential bei $p\in U$  ist die $\DR$-lineare
 Abbildung $\diff_pf=(f'(p)\cdot):\DC\ra\DC$ des  
$\DR$-Vektorraums $\DC$ in sich selber. Hat $f'$ keine Nullstelle,
so ist $f$ offen nach dem Satz "uber die Umkehrabbildung \eref{UKA}{AN2}.
Ist $f$ zus"atzlich injektiv, so ist mithin seine Umkehrabbildung stetig,
ja sogar stetig reell differenzierbar wieder nach dem Satz "uber die Umkehrabbildung \eref{UKA}{AN2},  und ihr Differential in
$q=f(p)$ ist 
die   $\DR$-lineare
 Abbildung
$$\diff_q(f^{-1})=(\diff_pf)^{-1}=\big(f'(p)^{-1}\cdot\big):\DC\ra\DC$$
In anderen Worten gilt
$f^{-1}(q+h)= f^{-1}(q) + f'(p)^{-1}h +\varepsilon(h)|h|$ 
f"ur eine Funktion $\varepsilon$ 
mit $\lim_{h\ra 0}\varepsilon (h) =0$. Das bedeutet genau die  komplexe
Differenzierbarkeit der Umkehrfunktion an der Stelle $q$ sowie die Formel
$(f^{-1})'(q)=f'(p)^{-1}$ f"ur ihre Ableitung, die hinwiederum zeigt,
da"s mit $f'$
auch $(f^{-1})'$ stetig ist.
\end{proof}




\begin{Beispiel}[\textbf{Komplexe Wurzelfunktionen}]
Das Quadrieren liefert eine Bijektion zwischen der
Halbebene aller komplexen Zahlen mit positivem Realteil und
der \glqq geschlitzten Zahlenebene\grqq\  
$$\{z\mid\op{Re}(z)>0\}\sira \DC\backslash\DR_{\leq 0}$$
Die Umkehrfunktion notieren wir $z\mapsto\sqrt{z}$ und
nennen sie die \glqq Quadratwurzel mit positivem Realteil\grqq. Sie ist 
nach der Proposition \ref{cAUc}
"uber Umkehrfunktionen eine stetig komplex differenzierbare Funktion auf der 
geschlitzten Zahlenebene mit  Ableitung $1/(2\sqrt{z})$. 
Ist allgemeiner $U\co\DC$ irgendeine offene Teilmenge von
$\DC$, auf der das Quadrieren eine Injektion $q:U\hra\DC$ induziert,
so gilt offensichtlich $0\not\in U$ und die Umkehrfunktion $w:q(U)\ra \DC$
ist stetig komplex differenzierbar
mit der Ableitung $w'(z)=1/(2w(z))$.  Analoges gilt f"ur h"ohere
Wurzeln.
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}\label{calod}
Ist $U\co\DC$ eine offene Teilmenge derart, da"s 
die komplexe Exponentialfunktion eine Injektion
$\op{exp}:U\hra \DC$ liefert, so ist nach \ref{cAUc} auch die Umkehrfunktion  
$\log:\exp(U)\ra\DC$ stetig komplex differenzierbar mit der Ableitung
$$\log'(z)=1/z$$ In der Tat finden wir 
$\log^{\prime} (q) = 1/\exp (\log q) = 1/q$.
Diese Funtionen hei"sen 
\defind{Zweige des Logarithmus}.\index{Logarithmus!komplexer}
Im Spezialfall $U=\Bbb{R} + ( - \pi, \pi ) \op{i}$ spricht man 
vom {\bf Hauptzweig des Logarithmus}. Wir hatten ihn bereits in
\ref{Fclog} eingef"uhrt und sogar auch noch 
auf der negativen reellen Achse erkl"art, aber nicht
in stetiger Weise. 
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/kettreellkompl.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber die reell-komplexe Kettenregel.}
  Schlie"slich erinnern wir auch noch an die Kettenregel in mehreren Ver"anderlichen
  $$\tiff _{p}(f\circ g)= (\tiff _{g(p)}f) \circ (\tiff _{p}g)$$
  aus \eref{Kett}{AN2}
  und wiederholen an dieser Stelle nicht mehr die Bedeutung aller Notationen
  und die jeweiligen Voraussetzungen. Geht etwa $g$ von der reellen
  Zahlengerade aus und benennen wir es um in $\gamma:\DR\ra X$ und werten beide Seiten der Kettenregel auf $1_\DR$ aus, so
  folgt $$(f\circ\gamma)'(t)= (\diff_{\gamma(t)}f)(\gamma'(t))$$
  Insbesondere folgt so im Fall $X=\DC$ f"ur jede differenzierbare Abbildung
  $\gamma:\DR\ra \DC$ und jede komplex differenzierbare
  Abbildung $f:\DC\ra \DC$ die
  {\bf reell-komplexe Kettenregel}\label{rkK} in der Gestalt
  $$(f\circ \gamma)'(t)=f'(\gamma(t))\gamma'(t)$$
  mit einem Produkt von komplexen Zahlen auf der rechten Seite. Dasselbe gilt
  f"ur Funktionen, die nur auf halboffenen Teilmengen definiert sind.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{HAH}
Bezeichne $c:\DC\ra\DC$ die komplexe Konjugation. Sei $U\co \DC$ 
eine offene Teilmenge.
Eine Funktion $f:U\ra \DC$ hei"st \defind{antiholomorph}, wenn
$\bar f\pdef c\circ f$ holomorph ist.
\end{Definition} 
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{cHZL}
Man zeige, da"s f"ur alle $z \in \mathbb C$ mit $|z| < 1$ der Hauptzweig
des Logarithmus von $1 + z$ auch dargestellt werden kann durch die Potenzreihe
\begin{equation*}
\log (1+z) = z - \frac{z^2}{2} + \frac{z^3}{3} - \ldots
\end{equation*}
Hinweis: Es reicht zu zeigen, da"s f"ur alle $w \in \mathbb C$ mit $|w| =1$ das
Einsetzen von $z = wt$ auf beiden Seiten dieselbe Funktion 
in $t \in (-1,1)$ liefert.
Beide Seiten nehmen aber bei $z =0$ den Wert Null an, so da"s
es reicht, die Gleichheit ihrer Ableitungen zu zeigen.
In \ref{HZLe}  d"urfen Sie diese "Ubung mit
mehr Theorie und weniger Rechnen ein weiteres Mal l"osen. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{HAHn}
Sei $U\co \DC$ 
eine offene Teilmenge.
  Man zeige, da"s eine 
Funktion $f:U\ra\DC$ antiholomorph
 ist genau dann, wenn $f\circ c: c(U)\ra\DC$ holomorph ist.
  Insbesondere ist die Verkn"upfung 
antiholomorpher Funktionen stets holomorph.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
Eine holomorphe Funktion mit zusammenh"angendem Definitionsbereich, die
nur reelle Werte annimmt, ist konstant. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Gegeben eine holomorphe Funktion $f:U\ra\DC$ ohne Nullstelle erkl"art man
  ihre {\bf logarithmische Ableitung}\index{logarithmische Ableitung}\index{Ableitung!logarithmische}\label{logA}  durch die Vorschrift
  $$\frac{\op{dlog}f(z)}{\diff z}\pdef \frac{f'(z)}{f(z)}$$
  Man zeige, da"s die logarithmische Ableitung eines Produkts die
  Summe der logarithmischen Ableitungen der Faktoren ist.
  Gibt es einen Zweig des Logarithmus $\log:V\ra \DC$ auf einer Teilmenge
  $V\co \DC$ mit $f(U)\subset V$, so ist die logarithmische Ableitung von $f$
  f"ur jeden solchen Zweig die Ableitung der Verkn"upfung $\log\circ f$. 
\end{Ubung}

%\begin{Ubung}
%ICH MAG ES NICHT, KOMPLEXE DIFFERENZIERBARKEIT PUNKTWEISE ZU UNTERSUCHEN.
%  An welchen Stellen $z\in \DC$ ist $f(z)\pdef z\bar z$ komplex differenzierbar? Wir haben $f(x+{\op{i}}y)=x^2+y^2$.
%  Schreiben wir also $f(x+{\op{i}}y)=u(x,y)+ {\op{i}}v(x,y)$
%  mit reellwertigen Funktionen $u$ und $v$, so gilt $u(x,y)=x^2+y^2$ und
%  $v(x,y)=0$. Die Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen sagen
%  $$\frac{\partial u}{\partial x}=\frac{\partial v}{\partial y}\quad\text{und}\quad \frac{\partial v}{\partial x}=-\frac{\partial u}{\partial y}$$ und sind in unserem Fall genau dann erf"ullt,
%  wenn gilt $2x=0$ und $0=-2y$ alias $z=0$.
%\end{Ubung}

\subsection{Integration komplexwertiger Funktionen \sose{(5.5)}} 
\begin{Bemerkungl}
 Man mu"s sich hier von der in der Schule liebgewonnenen
 Anschauung des Integrals als \glqq Fl"ache unter einer Kurve\grqq\ verabschieden. Welche Anschauung man stattdessen damit verbinden mag, werden
 wir im folgenden noch ausf"uhrlich diskutieren. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/intvec.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber Integration vektorwertiger Funktionen.}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Ich erinnere aus \eref{IvwF}{AN2}  
das Integrieren stetiger Funktionen auf kompakten
reellen Intervallen mit Werten in
endlichdimensionalen reellen Vek\-tor\-r"au\-men. Uns wird besonders
der Fall von komplexwertigen Funktionen betreffen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Seien $[a,b]\subset \Bbb{R}$ ein nichtleeres
kompaktes Intervall, $V$ ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum
und $f:[a,b] \ra V$ eine Abbildung.
Wir betrachten f"ur  $ r \geq 1$ die "aquidistante Unterteilung
$a = t_{0} \leq t_{1} \leq \ldots \leq t_{r} = b$ und definieren die 
{\bf $r$-te Riemannsumme}\index{Riemannsumme!f"ur vektorwertige Funktion} 
$S^r (f)\in V$ durch
$$S^{r} (f) \pdef \sum^{r-1}_{i=0} (t_{i+1}-t_{i}) f(t_{i}) = \left(\frac{b-a}
{r}\right) \sum^{r-1}_{i=0} f(t_{i})$$  
\end{Definition}

\begin{Satz}[\textbf{Integration vektorwertiger Funktionen}]
Ist $f:[a,b]\ra V$ eine stetige Abbildung von einem\label{FIV}
nichtleeren 
kompakten reellen Intervall in einen  endlichdimensionalen reellen Vektorraum $V$,
so existiert der Grenzwert
der zugeh"origen Riemannsummen.  Das als dieser
Grenzwert erkl"arte
\emph{\bf Integral}\index{Integral!stetige vektorwertige Funktion!"uber kompaktes Intervall} 
$$\int f = \int^{b}_{a} f = \int^{b}_{a} f(t) \;\diff t \pdef \lim_{r\ra \infty}
S^{r} (f)$$
ordnet jedem $f$  einen Vektor $(\int f)\in V$ zu und hat
 die folgenden Eigenschaften:
\begin{enumerate}
\item
F"ur alle $c\in [a,b]$ gilt $\int^{b}_{a} f=\int^{c}_{a}f + \int^{b}_{c}f$;
\item
Ist $f=v$ konstant ein $v \in V,$
so gilt $\int^{b}_{a} f(t)  \;\diff t = \int^{b}_{a} v \; \diff t= (b-a)v$;
\item
Ist $W$ ein weiterer endlichdimensionaler reeller Vektorraum und $\Lambda : V \ra W$
eine lineare Abbildung, so gilt
$$\int (\Lambda \circ f) = \Lambda \left(\int f\right)$$
\item\label{FNo}
  Gegeben eine Norm auf $V$ gilt f"ur
  die Norm des Integrals die Absch"atzung $\|\int f\| \leq \int \|f\|$;
\item
Im Fall $V=\DR$ reellwertiger Funktionen erhalten wir
unser Integral aus \eref{DefII}{AN1} zur"uck.   
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Sie m"ogen in diesem Satz die Regeln $\int \lambda f=\lambda\int f$ sowie
$\int(f+g)=\int f+\int g$ f"ur stetige vektorwertige Funktionen
$f,g$ und $\lambda\in\DR$ vermi"st haben. Sie folgen jedoch formal
aus Teil 3. In der Tat d"urfen wir dort $\Lambda=(\lambda\cdot):V\ra V$
nehmen und auch $\Lambda:V\times V\ra V$ die Addition sowie die 
beiden Projektionen. So ergibt sich f"ur die $V\times V$-wertige 
Funktion $(f,g)$ zun"achst 
$\op{pr}_1 \int (f,g)=\int f$ und $\op{pr}_2 \int (f,g)=\int g$
und damit $\int (f,g)=(\int f,\int g)$ und durch Anwenden der
Addition dann $\int(f+g)=\int f+\int g$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
  Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $V=\DR^n$. Alle Aussagen
  bis auf die Absch"atzung der Norm des Integrals folgen dann
  unmittelbar aus dem wohlbekannten Fall der Integrale reellwertiger
  Funktionen. Die Absch"atzung der Norm des Integrals folgt aus der
  entsprechenden Absch"atzung der Normen der Riemannsummen durch
  "Ubergang zum Grenzwert. 
\end{proof}

\begin{Beispiel}
  Wir pr"ufen $\int_0^{2\pi}\op{e}^{{\op{i}}t}\diff t=0$.
    In der Tat erkennt man leicht, da"s in diesem Fall sogar  bereits alle
    Riemannssummen ab $r\geq 2$ verschwinden als \glqq Summen "uber die
    Speichenvektoren eines Rades mit $r$ Speichen\grqq. Alternativ
    finden wir auch mit der Euler'schen Formel $$\int_0^{2\pi}\op{e}^{{\op{i}}t}\diff t=\int_0^{2\pi}\cos t + {\op{i}}\sin t\;\diff t= \int_0^{2\pi}\cos t \;\diff t+ {\op{i}}\int_0^{2\pi}\sin t\;\diff t =0+ {\op{i}}0=0$$
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
Wie im Fall reellwertiger Funktionen verwenden wir auch
im Fall vektorwertiger Funktionen die Konvention
$\int_{b}^{a} f=-\int^{b}_{a} f$. Ist dann
$f:I\ra V$ eine stetige Abbildung von einem reellen Intervall 
in einen endlichdimensionalen reellen Vektorraum, so gilt 
f"ur beliebige $a,b,c \in I$ die Formel
$\int^{b}_{a} f=\int^{c}_{a}f + \int^{b}_{c}f$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Vektorwertige Variante des Hauptsatzes}]
Gegeben ein mehrpunktiges Intervall $I\subset \Bbb{R}$,
ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum $V$,
eine stetige Funktion  $f:I\ra V$ und\label{FVHSS}
 ein Punkt $a\in I$
 ist die Funktion
$$\begin{array}{cccl}
F : &I &\ra & V\\
&x & \mapsto & \int^{x}_{a} f(t) \;\diff t
\end{array}$$
die einzige differenzierbare Funktion
$F:I\ra V$ mit $F^{\prime}= f$ und 
$F (a) =0$.  
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $V=\DR^n$.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Integrieren mit Stammfunktionen}]
Seien $V$ ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum und $a<b$ reelle Zahlen und $f:[a,b] \ra
V$ stetig. Ist $G:[a,b]\ra V$ eine\label{FSFvv} 
\emph{\bf Stammfunktion}\index{Stammfunktion} von $f$, als da hei"st
eine differenzierbare Funktion mit
Ableitung ${G'} (t) = f (t)$, so gilt 
$$\int^{b}_{a} f(t) \diff t = G(b) - G(a)$$
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt sofort aus dem vorhergehenden Satz \ref{FVHSS}.
\end{proof}

\begin{Beispiel}
  Wir berechnen gleich noch ein drittes Mal unser $\int_0^{2\pi}\op{e}^{{\op{i}}t}\diff t$. Mit der reell-komplexen Kettenregel
  \ref{rkK} finden wir, da"s $\frac{1}{\op{i}}\op{e}^{{\op{i}}t}$ eine Stammfunktion des Integranden ist. So  folgt ein weiteres Mal 
  $$\int_0^{2\pi}\op{e}^{{\op{i}}t}\diff t= \left.\frac{1}{\op{i}}\op{e}^{{\op{i}}t}\right|_0^{2\pi} = \frac{1}{\op{i}}(\op{e}^{{\op{i}}2\pi}-\op{e}^0)=0$$
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Substitutionsregel}] 
  Man folgert unmittelbar das Analogon
$$\int_{g(a)}^{g(b)}f(t)\diff t=\int_{a}^{b}f(g(s)))g'(s)\diff s$$
 der
 Substitutionsregel\label{FIdSB}
\eref{IdS}{AN1}  f"ur $g:[a,b]\ra \DR$ stetig differenzierbar 
und $f:g([a,b])\ra V$ stetig mit Werten in einem
endlichdimensionalen reellen Vektorraum $V$. Damit das uneingeschr"ankt gilt,
mu"s man wie vereits in der Analysis besprochen  $\int_c^d=-\int_d^c$ vereinbaren im Fall vertauschter Grenzen.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Integration rationaler Funktionen}] 
 \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/intrat.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber Integration rationaler Funktionen.} Ich will nun im Lichte unserer neuen Erkenntnisse nocheinmal
  die Integration rationaler Funktionen diskutieren.\label{FIRFu}  
Wir
erinnern zun"achst die Partialbruchzerlegung aus \eref{PBZ}{LA1}.
Danach bilden die Potenzen 
$(X^n)_{n\geq 0}$ mitsamt den
Potenzen der Inversen der Linearfaktoren $((X-\mu)^{-n})_{n\geq 1,\;\mu\in \DC }$ 
eine $\DC$-Basis des  Funktionenk"orpers $\DC(X)=\op{Quot}\DC[X]$.
Es reicht also,  die
Funktionen $\DR\backslash \mu\ra\DC$, $x\mapsto (x-\mu)^m$ mit $m\in\DZ$ und $\mu\in\DC$ zu integrieren,
und Stammfunktionen f"ur diese Funktionen sind eben 
$$\frac{1}{m+1}(x-\mu)^{m+1}
\text{ f"ur }m\neq -1\;\text{ und }\log (x-\mu)
\text{ f"ur }m=-1$$
f"ur einen und jeden Zweig des Logarithmus, der auf
der entsprechenden Parallele zur reellen Achse beziehungsweise der
reellen Achse selbst mit Ausnahme des Ursprungs definiert ist, vergleiche
unsere Formel $\log'(z)=1/z$ aus \ref{calod} f"ur die Ableitung des komplexen Logarithmus. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiel}
Wir bestimmen eine Stammfunktion zu $1/(1+x^2)$. 
Die Nullstellen des Nenners sind $\pm \op{i}$ und
der Grad des Z"ahlers ist echt kleiner als der Grad des Nenners.
Wir d"urfen folglich den Ansatz
\begin{displaymath}
\frac{1}{1+x^2} = \frac{a}{x+\op{i}} + \frac{b}{x-\op{i}}
\end{displaymath}
machen und finden sofort $(a+b) x - \op{i}a + \op{i}b =1$,
also $a+b =0$ und $a -b =\op{i}$ und folglich 
$a = \op{i}/2$ und $b = -\op{i}/2$.
Eine Stammfunktion ist mithin
\begin{displaymath}
\frac{\op{i}}{2} \log (x+\op{i}) - \frac{\op{i}}{2} \log (x-\op{i})
\end{displaymath}
Aus \ref{Fclog} erinnern wir f"ur den Hauptzweig des Logarithmus  die Formel
$$\log (u +\op{i}v) = \log \sqrt{u^{2}+v^{2}}\;
\pm \op{i}\frac{\pi}{2} -\op{i}\arctan
\frac{u}{v}
\;\;\;\text{ f"ur }\pm v > 0$$
Um die weitere Rechnung zu vereinfachen beachten wir, da"s 
unsere Stammfunktion bis
auf eine Konstante eh eine reellwertige Funktion sein mu"s.
Wir d"urfen
also bereits vor dem Addieren die Realteile nehmen. Die Konstanten
d"urfen wir eh weglassen und erhalten 
so als reelle Stammfunktion sofort
\begin{displaymath}
 \frac{1}{2} \op{arctan} (x) -  \frac{1}{2}
\op{arctan}(-x) = \op{arctan}(x) 
\end{displaymath}
in "Ubereinstimmung mit unseren Ergebnissen aus \eref{AbAr}{AN1}.
\end{Beispiel}




\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Man finde eine Stammfunktion von $1/(x^4+1)$. 
\end{Ubung}








\begin{Ubung}[\textbf{Komplexes Ableiten unter dem Integral}]
Seien $U \co \Bbb{C}$ offen und\label{VKd}  
$f: U\times  [a,b]\ra \Bbb{C}$, $(z,t) \mapsto f(z,t)$ stetig.
Ist $f$ f"ur alle $t$ komplex differenzierbar
in $z$ und $\frac{\partial f}{\partial z} : U \times
[a,b] \ra \Bbb{C}$ stetig, so ist 
auch die Abbildung $F: z \mapsto \int^{b}_{a} f (z,t) \diff t$ stetig komplex
differenzierbar 
und es gilt
\begin{displaymath}
\frac{\partial F}{\partial z} (w) = 
\int^{b}_{a} \frac{\partial f}{\partial z} (w,t) \diff t
\end{displaymath}
Hinweis: \eref{DUIn}{AN2}. In \ref{VKdd} diskutieren wir 
noch eine etwas st"arkere Variante. Die Aussage dieser "Ubung wird im
weiteren Verlauf der Vorlesung eine wichtige Rolle spielen. 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Partielle Integration für komplexwertige Funktionen}]
  Man schreibe die Regel f"ur die partielle Integration f"ur stetig differenzierbare komplexwertige\label{PartiC}
  Funktionen einer reellen Variablen aus
  und geben einen Beweis. Hinweis: Es geht wie im Reellen, vergleiche \eref{Parti}{AN1}.
\end{Ubung}














\newpage

\section{Wegintegrale und Integralsatz von Cauchy}
\subsection{Komplexe Wegintegrale \sose{(10.5)}}


\begin{Definition}\label{DCWe}
  Gegeben ein stetig
  differenzierbarer Weg in der komplexen Zahlenebene
  $\gamma : [a,b] \ra \Bbb{C}$  und eine
stetige auf seinem Bild definierte komplexwertige Funktion
$f:\gamma([a,b])\ra\DC$
erkl"aren wir   das \defnoind{komplexe Wegintegral der
Funktion $f$ "uber den Weg 
$\gamma$}\index{Wegintegral!komplexes, l"angs Integrationsweg}
als die  komplexe Zahl 
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} f(z) \diff z \pdef \int^{b}_{a} f (\gamma (t)) \gamma' (t) \diff t
\end{displaymath}
Ist allgemeiner $\gamma$ st"uckweise  
stetig differenzierbar im Sinne von \eref{ssd}{AN2},
so nennen wir $\gamma$ einen 
{\bf Integrationsweg}\index{Integrationsweg!Funktionentheorie} 
und erkl"aren  das Wegintegral  wie in \eref{issd}{AN2} als die Summe
der Wegintegrale "uber seine maximalen stetig differenzierbaren 
Teilst"ucke.  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/wegint.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber das komplexe Wegintegral.}  
\end{Definition}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.7\textheight]{SkriptenBilder/BildRieSa}\\[4mm]
\noindent 
Dieses Bild soll dazu helfen, eine Anschauung f"ur die
Riemannsummen zum Integral der Funktionen $z^n$ "uber den
Einheitskreis zu entwickeln. Im Fall $n=0$ 
sind alle Riemannsummen schlicht Null. Im Fall $n=-1$ dahingegen 
werden durch den Faktor $z^{-1}$ alle \glqq Kanten unserer Vielecke
 in
die Richtung der ersten Kante gedreht\grqq, und man erkennt,
wie die Riemannsummen, hier gezeichnet f"ur
$n=3,4$ und $8$,  gegen den Vektor alias die komplexe Zahl 
$2\pi {\op{i}}$ 
konvergieren. 
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Komplexe Wegintegrale als Wegintegrale von Kovektorfeldern}] 
  In 
  \ref{idz} erl"aren wir die Bedeutung von $f(z) \diff z$ als
  \glqq komplexwertiges Kovektorfeld\grqq\  und besprechen, in welcher Weise die
  vorstehende Definition als eine Verallgemeinerung unserer Definition des
  Wegintegrals "uber Kovektorfelder aus \eref{WII}{AN2} 
  verstanden werden kann. Dieser Zugang tr"agt am weitesten.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauung f"ur das komplexe Wegintegral}]
Auf der rechten Seite ist
$\gamma' (t) \in \Bbb{C}$ zu verstehen als Geschwindigkeit
im Sinne von \ref{GeVV}
und das 
Integral der stetigen komplexwertigen Funktion 
$f (\gamma (t)) \gamma' (t)$ ist zu verstehen als Integral
einer vektorwertigen Funktion im Sinne von \ref{FIV}.
Be\-trach\-tet man in der Situation der
Definition f"ur alle $r\geq 1$
die "aquidistanten Unterteilungen $a = a_{0} \leq a_{1} \leq\ldots \leq a_{r}
= b$ und bildet die \glqq Riemannsummen\grqq\  
$$S^{r}_{\gamma} (f) = \sum^{r-1}_{i=0} f(\gamma
(a_{i}))\left( \gamma (a_{i+1}) - \gamma (a_{i})\right)$$ 
mit nun in $\DC$ zu bildenden Produkten rechts, 
so ist unser Wegintegral mit denselben Argumenten wie in \eref{NAA}{AN2}
der Grenzwert der Folge der Riemannsummen
$$\int_\gamma f(z) \diff z=\lim_{r\ra\infty}S^{r}_{\gamma} (f)$$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Absch"atzung f"ur das komplexe Wegintegral}]
Der Absolutbetrag eines Wegintegrals ist beschr"ankt 
durch das Produkt der L"ange des Weges
im Sinne von \eref{BOLLn}{AN1}  mit dem Supremum der Absolutbetr"age der
Funktionswerte auf dem Weg. Ist  $\gamma:[a,b]\ra\DC$ unser
Integrationsweg, so gilt also\label{ABWe}  
in Formeln 
\begin{displaymath}
\left|\int_{\gamma} f(z) \diff z\right|
\leq \left(\sup_{t\in[a,b]}|f (\gamma (t))| \right) {\op{L}}(\gamma)
\end{displaymath}
Man kann das direkt an der Darstellung des 
Wegintegrals durch Riemannsummen ablesen.
Es folgt
mit der 
Darstellung ${\op{L}}(\gamma)=\int^{b}_{a}  |\gamma' (t)| \diff t$
der Wegl"ange nach  \eref{BoL}{AN1}   auch schnell aus der Absch"atzung
 \ref{FIV} der Norm des
Integrals einer vektorwertigen Funktion durch das Integral "uber
die Normen der Funktionswerte, angewandt im Spezialfall einer
komplexwertigen Funktion.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Feinere Absch"atzung f"ur das komplexe Wegintegral}]
Der Absolutbetrag eines komplexen Wegintegrals ist sogar beschr"ankt 
durch das Kurvenintegral im Sinne von 
\eref{KI}{AN1} "uber den Betrag unserer Funktion.
 Ist genauer $\gamma:[a,b]\ra\DC$ unser
Integrationsweg, so gilt also\label{ABWe}  
in Formeln 
\begin{displaymath}
\left|\int_{\gamma} f(z) \diff z\right|
\leq \int_{\gamma} |f|
\end{displaymath}
Man kann das direkt an der Darstellung  
unserer Integrale durch Riemannsummen ablesen.
Es folgt
mit der 
Darstellung $\int_{\gamma} |f|=\int^{b}_{a}  |\gamma' (t)| |f(\gamma(t))|\diff t$
des Kurvenintegrals nach  \eref{KI}{AN1}   auch unmittelbar aus der Absch"atzung
 \ref{FIV} der Norm des
Integrals einer vektorwertigen Funktion durch das Integral "uber
die Normen der Funktionswerte, angewandt im Spezialfall einer
komplexwertigen Funktion.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
Ist der Weg $\gamma : [a,b] \ra \Bbb{C}$ die Identit"at $\gamma(t)=t$, 
so haben wir $\gamma'(t)={\op{i}}\;\forall t$ und 
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} f (z) \diff z = \int^{b}_{a} f(t) \diff t
\end{displaymath}
Ist unser Weg $\gamma : [a,b] \ra \Bbb{C}$
gegeben durch $\gamma: t \mapsto {\op{i}}t$,  
so haben wir $\gamma'(t)=1\;\forall t$ und 
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} f(z) \diff z = {\op{i}} \int^{b}_{a} f({\op{i}}t) \diff t
\end{displaymath}
Bilden wir das komplexe Wegintegral "uber
die konstante Funktion $1$, so ist bereits
die Folge der Riemannsummen konstant $\gamma(b)-\gamma(a)$ und das kommt
dann auch aus unserer 
Definition des komplexen Wegintegrals heraus und wird durch \ref{WIS} 
verallgemeinert, in Formeln
$$\int_\gamma \diff z=\int_a^b\gamma'(t)\diff t=\gamma(b)-\gamma(a)$$
 der vektorwertigen 
Variante \ref{FSFvv} des Haupt\-satzes der Differential- und
Integralrechnung.
Ist unser Weg ein kreisf"ormiger Weg im Gegenuhrzeigersinn
um den Ursprung,  
der durch den Winkel parametrisiert ist und der
also in Formeln gegeben wird durch
$\gamma : [0,2\pi] \ra \Bbb{C}$, $ t\mapsto
r\op{e}^{{\op{i}}t}$ f"ur einen festen Radius $r>0$,
so erhalten wir
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccl}
\int_{\gamma} z^n \diff z & =& 
\int^{2\pi}_{0} r^n \op{e}^{{\op{i}}nt}r {\op{i}}{\op{e}}^{{\op{i}}t} \diff t\\
& =& \int^{2\pi}_{0} {\op{i}}r^{n+1} \op{e}^{{\op{i}}(n+1)t} \diff t = \left\{
\begin{array}{cl}
2\pi {\op{i}} & n=-1;\\
0 & \text{sonst}.
\end{array} \right.
\end{array}
\end{displaymath}
Im Fall $n\neq -1$ und ganz besonders im Fall $n=0$ scheint es mir in dieser
Situation auch anschaulich recht klar, da"s
bereits fast alle  Riemannsummen verschwinden, da die $k$-te Riemannsumme
die Summe aller $k$-ten Einheitswuzeln ist, und 
damit verschwindet nat"urlich auch ihr
Grenzwert. Der Fall $n\neq -1$ 
l"a"st sich im "Ubrigen auch elegant
als Spezialfall der anschlie"senden Proposition behandeln.
\end{Beispiele}

\begin{Proposition}[\textbf{Wegintegral durch Stammfunktion}]
F"ur  $f: \DC\lco U \ra \Bbb{C}$ stetig 
komplex differenzierbar und\label{WIS} 
$\gamma : [a,b]\ra U$ ein Integrationsweg gilt
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} f^\prime (z) \diff z = f (\gamma (b)) - f(\gamma (a))
\end{displaymath}
\end{Proposition}

\begin{proof}[Beweis]
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir $\gamma$ 
 stetig differenzierbar annehmen.
Nach der reell-komplexen Kettenregel \ref{rkK} hat 
$(f\circ \gamma): [a,b]\ra \Bbb{C}$ die Ableitung
$t \mapsto f^{\prime}(\gamma (t))  \gamma^{\prime} (t)$. Damit finden wir
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} f^{\prime} (z) \diff z  
= \int^{b}_{a} f^{\prime} (\gamma (t)) \gamma^{\prime} (t) \diff t =
(f \circ \gamma)|^{b}_{a}
\end{displaymath}
nach der Definition und der vektorwertigen 
Variante \ref{FSFvv} des Haupt\-satzes der Differential- und
Integralrechnung.
\end{proof}
\begin{Bemerkungw}
  In der Sprache der komplexwertigen Kovektorfelder finden wir
  f"ur $f$ komplex differenzierbar $\diff f=f'(z)\diff z$
  und unsere Formel erweist sich
  als eine komplexwertige Variante der Formel $\int_\gamma\diff f=f(\gamma(b))-f(\gamma(a))$  aus \eref{EEWW}{AN2} f"ur das 
  Wegintegral l"angs eines Integrationsweges $\gamma:[a,b]\ra X$
  "uber ein totales Differential.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}
Insbesondere ist das Integral einer Ableitung 
"uber einen geschlossenen Integrationsweg stets Null. Das
zeigt sofort $\int_{\gamma} z^n \diff z =0$ 
f"ur $n\neq -1$ und jeden geschlossenen Integrationsweg $\gamma$ in der
komplexen Zahlenebene. 
Im Fall $n=-1$ kann dies Argument so nicht angewandt werden,
da die Funktion $1/z$ keine auf ganz
$\DC^\times$ definierte Stammfunktion besitzt.
Definieren wir aber $\op{log}:\Bbb{C} \backslash \Bbb{R}_{\leq 0}
\ra \DC$ als Umkehrung von
$\op{exp} : \Bbb{R} \times (-\pi,\pi) {\op{i}} \sira 
\Bbb{C} \backslash \Bbb{R}_{\leq 0}$,
so ist $\op{log}$ nach \ref{cAUc} stetig komplex differenzierbar
mit Ableitung $1/z$, 
und integrieren wir f"ur $\varepsilon >0$ die Funktion
$1/z$ "uber einen Integrationsweg von $-1-{\op{i}}\varepsilon$
bis $-1+{\op{i}}\varepsilon$ durch die geschlitzte Zahlenebene 
$\Bbb{C} \backslash \Bbb{R}_{\leq 0}$,
so ergibt sich $\op{log}(-1+{\op{i}}\varepsilon)-
\op{log}(-1-{\op{i}}\varepsilon)$
und das strebt f"ur $\varepsilon\acts 0$ gegen $2\pi{\op{i}}$.
So finden wir 
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} z^{-1} \diff z  =
2\pi {\op{i}}
\end{displaymath}
f"ur jeden geschlossenen Integrationsweg, der an einem Punkt der negativen
reellen Zahlengeraden beginnt und endet, der sonst $\DR_{\leq 0}$ nicht trifft,
und der \glqq nach unten losgeht und von oben ankommt\grqq. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Funktionen mit komplexer Ableitung Null}]
  Wir geben noch ein alternatives Argument f"ur "Ubung \ref{AlN},
  nach der eine holomorphe
  Funktion mit  zusammenh"angendem
Definitionsbereich, deren Ableitung\label{EdSt} identisch verschwindet, 
konstant sein mu"s.
Nach \ref{ZSWZiF}
lassen sich ja je zwei Punkte des Definitionsbereichs durch einen Integrationsweg verbinden.
Nach \ref{WIS} hat also unsere Funktion an je zwei Punkten denselben Wert.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{St"uckweises Integrieren}]\label{Stc}
Ist $\gamma:[a,b]\ra \DC$ ein Integrationsweg und $f$ eine auf seinem
Bild definierte stetige komplexwertige Funktion, so gilt f"ur alle $c\in(a,b)$
offensichtlich oder genauer nach \ref{FIV} die Identit"at
$$\int_\gamma f(z)\diff z=\int_{\gamma|[a,c]} f(z)\diff z 
+ \int_{\gamma|[c,b]} f(z)\diff z$$
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}[\textbf{Unabh"angigkeit von der Parametrisierung}]
Seien $U\co\DC$ offen, 
$\gamma : [a,b]\ra
U$ ein stetig differenzierbarer Weg 
und
$f : U \ra
\DC$ stetig.\label{UPc}   Ist 
$t : [c,d] \ra [a,b]$ stetig differenzierbar mit $t
(c) =a$ und $t (d) =b$, so gilt
$$\int_{\gamma \circ t} f(z)\diff z = \int_{\gamma}f(z)\diff z$$
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}\label{UKP} 
Kehrt hier alternativ unsere Reparametrisierung die Richtung um,
 gilt also $t
(c) =b$ und $t (d) =a$, so "andert unter unserer Reparametrisierung 
das Integral sein Vorzeichen.
Die Proposition ist im "ubrigen eine 
Variante des Satzes "uber die Unabh"angigkeit 
von der Parametrisierung von Wegintegralen im Reellen
 \eref{UP}{AN2} wird auch im wesentlichen genauso bewiesen. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/umpintweg.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber das Umparametrisieren und Integrationswege.}
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Wir beachten $(\gamma \circ t)'(\tau)= \gamma'(t(\tau))t'(\tau)$
nach der komplex-reellen Kettenregel, k"onnen unsere Behauptung demnach ausschreiben zur
Behauptung
$$\int^{c}_{d} f(\gamma(t(\tau)))
\gamma'(t(\tau)) t'(\tau)\diff \tau
=\int^{t(c)}_{t(d)} f(\gamma(t))
{\gamma}'(t) \diff t$$
und diese Gleichung folgt aus der
Substitutionsregel \eref{IdS}{AN1}, angewandt  auf Real- und Imagin"arteil,
oder eleganter aus der Substitutionsregel \ref{FIdSB} f"ur
vektorwertige Funktionen.
\end{proof} 

\begin{Proposition}[\textbf{Existenz von Stammfunktionen}]
Eine stetige komplexwertige Funktion auf einer offenen Teilmenge der
komplexen Zahlenebene  besitzt eine Stammfunktion\label{FFh} genau dann, 
wenn ihr Wegintegral "uber jeden geschlossenen 
Integrationsweg in 
unserer offenen Teilmenge
verschwindet.
\end{Proposition}

\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/wegstamm.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber Wegintegral und komplexe Stammfunktionen.}  Besitzt unsere Funktion eine Stammfunktion, so
verschwinden alle Wegintegrale "uber geschlossene Integrationswege nach
\ref{WIS}.
Um die Gegenrichtung zu zeigen vereinbaren wir die Notation $f:\DC\lco U\ra\DC$
f"ur unsere Funktion und bemerken wir zun"achst, da"s wenn das Wegintegral
"uber geschlossene Wege Null ist, da"s dann f"ur je zwei
Punkte $p,w\in U$ und je zwei Wege $\gamma,\beta$ in $U$  von $p$ nach $w$ 
gilt $\int_\gamma f(z)\diff z=\int_\beta f(z)\diff z$. In der Tat k"onnen wir
$\gamma$ so richtungsumkehrend umparametrisieren zu einem Weg $\bar\gamma$,
da"s das Definitionsintervall von $\beta$ da aufh"ort,
wo das Definitionsintervall
von $\bar\gamma$ anf"angt, und dann ist der zusammengesetzte Weg
$\bar \gamma*\beta$ ein geschlossener Integrationsweg und nach Annahme gilt
$$0=\int_{\bar \gamma*\beta}f(z)\diff z=\int_{\beta}f(z)\diff z+
\int_{\bar \gamma}f(z)\diff z=\int_{\beta}f(z)\diff z -
\int_{\gamma}f(z)\diff z$$
Weiter d"urfen wir, da nach
\eref{WZSS}{AN2} die Wegzusammenhangskomponenten
einer offenen Teilmenge der komplexen Zahlenebene auch selbst offen sind, 
ohne Beschr"ankung der 
Allgemeinheit unsere
offene Teilmenge $U \co \Bbb{C}$ zusammenh"angend annehmen.
Dann w"ahlen wir $p \in U$ fest und betrachten die Funktion
\begin{displaymath}
\begin{array}{rccl}
F :& U &\rightarrow &\Bbb{C}\\
&w & \mapsto & \int_{\gamma_w} f(z) \diff z
\end{array}
\end{displaymath}
f"ur $\gamma_w$ einen beliebigen Integrationsweg
von $p$ nach $w$, den es nach \ref{ZSWZiF} geben mu"s und
von dessen Wahl unser Wegintegral 
nach Annahme ja 
nicht abh"angt. F"ur kleines $h \in \Bbb{C}$ k"onnen wir 
dann $F(w +h)$ berechnen,
indem wir an den Weg $\gamma_{w}$ noch das Geradensegment
$[w,w +h]$ anh"angen.
F"ur kleines $h \in \Bbb{C}$ gilt damit
\begin{displaymath}
F (w + h) - F (w) = \int^{1}_{0} f (w + \tau h) h \diff\tau
\end{displaymath}
Teilen wir durch $h$,
so erhalten wir $\int^{1}_{0} f (w + \tau h)  \diff\tau$, 
 und das strebt  gegen $f(w)$ f"ur $h\ra 0$. Genauer haben wir  
  $|f(w)-\int^{1}_{0} f (w + \tau h)  \diff\tau|=|\int^{1}_{0} f(w)-f (w + \tau h)  \diff\tau|\leq \sup_{0\leq \tau \leq 1} |f(w)-f (w + \tau h)|\ra 0$ f"ur $h\ra 0$ aufgrund der Stetigkeit von $f$ an der Stelle $w$.
 Folglich ist $F$ eine 
Stammfunktion unserer stetigen Funktion  $f$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Unter einem \defind{Rechteck} oder genauer einem
 \defnoind{achsenparallelen Rechteck}\index{achsenparalleles Rechteck} 
verstehen wir eine Teilmenge $Q\subset
 \DR^2$, die das Produkt von zwei kompakten reellen
mehrpunktigen Intervallen ist.
Unter dem \defind{Randweg} $\partial\vec{Q}$ eines 
Rechtecks $Q$ verstehen wir den
geschlossenen Weg, der 
von der unteren linken Ecke ausgehend \glqq einmal im 
Gegenuhrzeigersinn auf dem Rand unseres
Rechtecks uml"auft\grqq, sagen wir mit konstanter Geschwindigkeit Eins
auf jeder Kante. Hier vom \glqq Gegenuhrzeigersinn\grqq\ 
zu sprechen, appelliert
an unsere Anschauung und die "ubliche Identifikation des $\DR^2$ mit
der Papierebene gem"a"s der Vereinbarung \glqq $x$-Achse nach rechts, $y$-Achse
nach oben\grqq\ und 
ist keine sehr mathematische Formulierung, aber ich hoffe, da"s dem Leser
umso genauer klar 
ist, welcher Weg  gemeint ist.
Der Pfeil "uber dem $Q$ soll daran erinnern, da"s es uns
bei diesem Randweg  auf 
die Richtung ankommt. Unter dem \defind{Randintegral} einer stetigen
komplexwertigen Funktion in Bezug auf ein Rechteck verstehen wir 
ihr komplexes Wegintegral "uber diesen Randweg.
\end{Bemerkungl}
  
\begin{Bemerkunge}
Diese Notation ist mit unserer 
Notation aus \eref{OrM}{AN2} vertr"aglich in dem Sinne, da"s  beide 
Notationen Spezialisierungen aus  dem noch
allgemeineren Rahmen der Integration von Differentialformen 
 "uber orientierte Fastfaltigkeiten sind. Versehen wir 
genauer $\DC$ mit der durch unsere "ubliche Identifikation $\DR^2\sira \DC$ 
gegebenen Orientierung, so meint $\vec{Q}$ 
das Rechteck mit seiner induzierten Orientierung
und unter $\partial\vec{Q}$
ist der Rand von $Q$ mit seiner 
induzierten Orientierung im Sinne  von  
\eref{RandE}{AN2}. 
Das ist dann zwar recht eigentlich kein Weg, sondern vielmehr eine
orientierte $1$-Fastfaltigkeit, aber das Integral 
der komplexwertigen $1$-Form $f(z)\diff z$ im Sinne von \ref{IneFF} "uber diese $1$-Fastfaltigkeit 
f"allt zusammen mit dem hier definierten komplexen Wegintegral.
\end{Bemerkunge}
\begin{Lemma}[\textbf{Stammfunktionen auf offenen Kreisscheiben}]
Eine stetige komplexwertige Funktion auf einer offenen Kreisscheibe in der
komplexen Zahlenebene  besitzt auf besagter Kreisscheibe 
eine Stammfunktion genau dann, wenn\label{UKHo}
f"ur jedes in unserer  Kreisscheibe
enthaltene achsenparallele  Rechteck das  Rand\-integral verschwindet.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
Diese Variante des Satzes "uber die Stammfunktion 
werden wir beim Beweis des Integralsatzes von Cauchy \ref{ISC}
und  beim Beweis des Satzes von Morera \ref{Mor} brauchen. 
Unter einem achsenparallelen Rechteck verstehen wir hier
und im Folgenden ein Rechteck, dessen Kanten parallel sind
zu den Koordinatenachsen oder in unserem Falle zur reellen
beziehungsweise imagin"aren Achse.
\end{Bemerkungl}\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildITW}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die beiden Integrationswege, die wir im Beweis von Lemma 
\ref{UKHo} betrachten, um die Existenz einer Stammfunktion zu zeigen.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}
Man variiert das Argument des vorhergehenden Beweises f"ur \ref{FFh}
  dahingehend, da"s man als Wege $\gamma_w$ 
nur die beiden Wege nimmt, die l"angs
  der Kanten eines achsenparallelen Rechtecks 
mit Ecken $p$ und $w$ von $p$ nach
  $w$ laufen. Damit erkennt man zwar f"ur die Stammfunktion in spe $F$
zun"achst nur $\frac{\partial F}{\partial x}=f$ und 
$\frac{\partial F}{\partial y}={\op{i}}f$, da man $F$ nur "uber ganz spezielle Wege erkl"art hat und damit nur seine Ver"anderung auf vertikalen und horizontalen Geraden unmittelbar durch Integrale beschreiben kann,
aber nach 
der Charakterisierung der komplexen Differenzierbarkeit durch
die stetige partielle reelle Differenzierbarkeit zusammen mit den Cauchy-Riemann'schen
Differentialgleichungen \ref{CRD}
%oder noch schneller ihrer Version \ref{CRI}
folgt daraus
bereits $F'=f$. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/stammkr.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber  komplexe Stammfunktionen auf Kreisscheiben.} 
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[\textbf{Verwandtschaftsvertr"aglichkeit
      des komplexen Wegintegrals}] 
Man zeige: 
Gegeben  $U , V \co \mathbb C$ offen, $\gamma : [a,b] \rightarrow U$ ein
In\-te\-gra\-tions\-weg, $\phi : U \rightarrow  V$   stetig komplex
differenzierbar
und $f: V \rightarrow \mathbb C$ stetig gilt\label{FWI} 
\begin{equation*}
 \int_\gamma  f (\phi (w))\phi^\prime (w) \diff w = \int_{\phi \circ \gamma}
f(z) \diff z
\end{equation*}
Diese Identit"at kann in der
in \ref{idz} eingef"uhrten Terminologie verstanden werden als eine Variante f"ur
komplexwertige Kovektorfelder unserer Erkenntnis \eref{EEWW}{AN2}, 
da"s das Weg\-integral
Verwandtschaft respektiert. 
\end{Ubung}





\subsection{Homotopie von Wegen \sose{(12.5)}}\label{cWeHo}
\begin{Bemerkungl}
  Ich erinnere an die in \eref{Weg}{AN2} eingef"uhrte Terminologie.
  Eine stetige Abbildung von einem 
mehrpunktigen 
reellen Intervall in einen  
topologischen Raum $X$ 
hei"st  ein {\bf Weg}\index{Weg}  in unserem Raum.
Im folgenden mag man sich je nach Vorkenntnissen
statt einem allgemeinen topologischen Raum $X$ auch eine Teilmenge der
komplexen Zahlenebene denken. 
Ist das Definitionsintervall kompakt, sprechen wir von einem {\bf kompakten
  Weg}\index{Weg!kompakter}. Ist das Definitionsintervall das Einheitsintervall $[0,1]$, sprechen wir von einem {\bf normierten
  Weg}\index{Weg!normierter}.   Oft lassen wir diese Zus"atze aber auch weg und hoffen, da"s  aus dem Kontext hervorgeht, was genau jeweils gemeint ist.
Zu jedem kompakten Weg $\gamma:[a,b]\ra X$
  bilden wir den zugeh"origen normierten Weg
  $\hat{\gamma}:[0,1]\ra X$
  durch $\hat{\gamma}:t\mapsto \gamma ((1-t)a+tb)$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Wir erinnern im folgenden an Homotopie von Wegen und
zusammenziehbare Wege, wie sie in \eref{DHWc}{AN2} und \eref{zzhk}{AN2}
eingef"uhrt wurden. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/homotopdef.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber Homotopie von Wegen.}
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{cDHWc}
Seien $x,y$ Punkte eines  topologischen  Raums $X$.
Zwei normierte Wege $\al,\beta$ von $x$ nach $y$
hei"sen
\defnoind{homotop}\index{homotop!Wege} oder pr"aziser 
\defnoind{homotop in $X$} oder ganz pedantisch 
\defnoind{homotop in $X$ mit festen Endpunkten}\index{homotop!mit festen Endpunkten}
und wir
schreiben $\al\simeq\beta$, wenn
es eine stetige Abbildung
 $$h:[0,1]^2\ra X$$
des Einheitsquadrats in unseren Raum  gibt,
die auf der Unter- beziehungsweise Oberkante unseres Quadrats  mit
$\al$ beziehungsweise $\beta$ "ubereinstimmt und die auf der Vorder- und der Hinterkante
konstant ist. In Formeln
ausgedr"uckt fordern wir also
$
h (t,0) = \al (t)$ und $
h (t,1) = \beta (t)
$ f"ur alle $
t \in [0,1]$
sowie
$
h(0,\tau)=x$ und
$h(1,\tau)=y$ f"ur alle $
\tau \in [0,1].$ 
Wir sagen dann auch, $h$ sei eine 
{\bf Homotopie\index{Homotopie!von Wegen} zwischen 
$\al$ und $\beta$} und schreiben $h:\al\simeq\beta.$\index{)8@$\simeq$ homotop}
Zwei beliebige Wege von $x$ nach $y$ nennen wir 
\defind{homotop}, wenn die zugeh"origen normierten Wege homotop sind.
\end{Definition}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildhom}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Eine Homotopie zwischen zwei Wegen, in diesem Fall zwischen den
beiden Randwegen unserer Banane.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Vielleicht anschaulicher kann man Homotopie von normierten 
Wegen auch dahingehend 
interpretieren, da"s es eine durch
$\tau\in [0,1]$ parametrisierte Familie von normierten Wegen $h_\tau$ von
$x$ nach $y$ geben soll derart, da"s gilt $h_0=\alpha,$ $h_1=\beta$ 
und da"s unsere Familie stetig von $\tau$ abh"angt in dem Sinne,
da"s die Abbildung $[0,1]^2\ra X,$ $(t,\tau)\mapsto h_\tau(t)$ stetig ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}\label{cKonvexc}
F"ur eine konvexe Teilmenge $K$ eines 
endlichdimensionalen reellen Raums  und 
zwei beliebige Punkte $x,y \in K$ 
sind je zwei  Wege $\al,\beta$ von $x$ nach $y$ homotop in $K$. 
Sind unsere Wege  normiert, so kann man eine 
 Homotopie  explizit angeben 
vermittels $h(t,\tau) \pdef(1-\tau) \al (t)
+ \tau\beta (t).$
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
[\textbf{Vorw"artsverwandte  homotoper Wege sind homotop}]
Ist genauer und in Formeln $f:X\ra Y$  eine stetige Abbildung
topologischer R"aume, 
so folgt aus $h:\al\simeq\beta$
schon $f\circ
h:f\circ \al\simeq f\circ \beta.$\label{cBHc} 
Speziell ist jeder Weg homotop zu allen seinen Umparametrisierungen, 
denn nach \ref{cKonvexc} sind je zwei Wege in $K\pdef [a,b]$ mit denselben Anfangs- und Endpunkten homotop, also je zwei von  
$a$ nach $b$,  und damit gilt dasselbe f"ur ihre Verkn"upfung
mit einer beliebigen stetigen Abbildung $\gamma:[a,b]\ra Y.$
\end{Bemerkungl}\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildRZsh}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Ein zusammenziehbarer und ein nicht zusammenziehbarer  
geschlossener Weg in Komplement 
des durch ein Kreuzchen markierten Punktes
in der Papierebene
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Definition}\label{czzhk}
Ein Weg in einem topologischen  Raum 
hei"st {\bf geschlossen}\index{Weg!geschlossener},
wenn sein Anfangs- und Endpunkt zusammenfallen. Ein Weg in einem topologischen  Raum hei"st
\defnoind{zusammenziehbar},\index{Weg!zusammenziehbarer}
wenn\index{zusammenziehbar!geschlossener Weg}
er  homotop ist zu einem konstanten Weg. Per
definitionem ist also
jeder zusammenziehbare Weg geschlossen.
Ein topologischer Raum hei"st 
\defind{schleifenf"ullend}, 
wenn darin  jeder geschlossene Weg zusammenziehbar ist.
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
  In der Literatur nennt man wegzusammenh"angende schleifenf"ullende R"aume 
 \glqq einfach zusammenh"angend\grqq\ und bei mir ausf"uhrlicher  \glqq einfach wegzusammenh"angend\grqq.
  Ich halte es n"amlich f"ur inkonsequent, erst die Unterscheidung 
  zwischen \glqq wegzusammenh"angend\grqq\ und \glqq zusammenh"angend\grqq\ herauszuarbeiten und sie dann in der
  vergleichbaren Situation von einfachem Zusammenhang  unter den
  Teppich zu kehren. 
 In \eref{EfZ}{TF} erkl"aren wir \glqq einfach zusammenh"angende\grqq\ 
 topologische R"aume als Synonym f"ur \glqq "uberlagerungstriviale\grqq\ R"aume alias nichtleere
 R"aume, deren "Uberlagerungen s"amtlich trivial sind, und zeigen, da"s offene Teilmengen der
  komplexen Zahlenebene genau dann einfach zusammenh"angend alias "uberlagerungstrivial sind, wenn sie im
  Sinne von \ref{czzhk} einfach wegzusammenh"angend alias wegzusammenh"angend und schleifenf"ullend sind.
  In der Funktionentheorie sind wir deshalb in der gl"ucklichen Lage,
  da"s uns diese Begriffsverwirrung nicht eigentlich betrifft.
  Relevante Ph"anomene sind aber nicht weit: Lassen wir eine "uberlagerungstriviale abgeschlossene Teilmenge
  aus der komplexen Zahlenebene weg, so ist das Komplement nach \eref{kez}{TG}  zusammenh"angend. Lassen wir dahingegen
  eine wegzusammenh"angende schleifenf"ullende abgeschlossene Teilmenge
  aus der komplexen Zahlenebene weg, so mu"s das Komplement
  keineswegs zusammenh"angend sein.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
\nichtfinal{Sollte schleifenf"ullend sagen!}  Im Rahmen der Funktionentheorie betrachten wir einfachen Zusammenhang nur
  f"ur offene Teilmengen der komplexen Zahlenebene. Wir vereinfachen
  deshalb unsere Terminologie und sagen in diesem Kontext statt
  \glqq einfach
  wegzusammenh"angend\grqq\ schlicht {\bf einfach zusammenh"angend},\index{einfach zusammenh"angend!in Funktionentheorie} 
  obwohl wir weder den Begriff des topologischen einfachen Zusammenhangs
  eingef"uhrt haben, noch seine "Aquivalenz zum  einfachen
  Wegzusammenhang im Fall offener Teilmengen der komplexen Zahlenebene.
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/einfachzus.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber einfachen Zusammenhang.} \nichtfinal{Neue Terminologie beachten, schleifenf"ullend und "uberlagerungstrivial!}
\end{Bemerkungl}

\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}\label{cHAQ}
Homotopie ist eine "Aquivalenzrelation auf der Menge aller
Wege zwischen zwei fest vorgegebenen Punkten.
Hinweis: \eref{AbgSM}{AN1}.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{cHOWW}
Ein Raum ist schleifenf"ullend genau dann, wenn
je zwei Wege mit demselben Anfangs- und demselben Endpunkt 
darin homotop sind.
\end{Ubung}




\begin{Ubunge}\label{cPAPr}
Jeder Weg in einer offenen Teilmenge eines 
normierten reellen Vektorraums ist  in besagter offener Teilmenge
homotop zu einem st"uckweise linearen Weg. Hinweis: \eref{WZST}{AN2}.
\end{Ubunge}




\subsection{Integralsatz von Cauchy \sose{(17\&19.5)}}





\begin{Satz}[\textbf{Integralsatz von Cauchy}]
  Das komplexe Wegintegral einer holomorphen 
  Funktion\label{ISC} 
l"angs eines in ihrem Definitionsbereich 
zusammenziehbaren 
Integrationsweges ist stets Null. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cauchy.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber den Integralsatz von Cauchy.}
\end{Satz}

\begin{Bemerkungw}
 Formal gesehen gilt  Vergleichbares auch im Reellen: 
Das Wegintegral einer stetigen Einsform auf einer offenen Teilmenge der
Zahlengeraden l"angs eines geschlossenen Integrationsweges ist stets Null.
In diesem Fall m"ussen wir noch nicht einmal die Zusammenziehbarkeit fordern,
sie ist  stets gegeben. 
Vom h"oheren Standpunkt ist sogar der Beweis fast derselbe:
In beiden F"allen wird "uber 
eine Einsform integriert, die aus Dimensionsgr"unden geschlossen ist. 
\end{Bemerkungw}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Struktur des
 Beweises des Integralsatzes von Cauchy}]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cauchybeweis.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber den Beweis des Integralsatzes von Cauchy.} Ist $f:\DC \lco U\ra \Bbb{C}$  holomorph
und $\gamma : [a,b] \ra U$ ein in $U$ zusammenziehbarer
geschlossener Integrationsweg,
so behauptet der Integralsatz von Cauchy in Formeln 
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} f(z) \diff z =0
\end{displaymath}
Wir werden diesen Satz in \ref{HiWC} 
aus einem noch allgemeineren Satz  \ref{HiW} 
folgern, bei dem sogar beliebige stetige, nicht notwendig st"uckweise
stetig differenzierbare  Wege zugelassen werden.
Wir f"uhren den Beweis  in einer Art Kaminkletterei.
Zun"achst zeigen wir in \ref{InRew} das Verschwinden des Randintegrals
einer holomorphen Funktion 
f"ur jedes ganz in ihrem Definitionsbereich 
liegende achsenparallele Rechteck.
Daraus folgern wir mit \ref{UKHo}, da"s jede holomorphe Funktion auf
einer offenen Kreisscheibe dort auch eine Stammfunktion besitzt. 
Mithilfe dieser Erkenntnis erkl"aren wir in \ref{WilbW} f"ur holomorphe
Funktionen das Wegintegral l"angs beliebiger stetiger  nicht notwendig
st"uckweise stetig differenzierbarer Wege. 
Dann zeigen wir sogar in dieser Allgemeinheit die 
Ho\-mo\-to\-pie\-in\-va\-ri\-anz \ref{HiW} des Wegintegrals.
Den Cauchy'schen Integralsatz erhalten wir schlie"slich  
in \ref{HiWC} aus 
der Homotopieinvarianz. Der Cauchy'sche Integralsatz ist im "ubrigen 
selbst der Beginn einer noch gr"o"seren Kaminkletterei. Sie
wird uns schlie"slich zum
Residuensatz \ref{ReSa} f"uhren, der den 
Cauchy'schen Integralsatz
 und viele weitere 
auf dem Weg dorthin bewiesene S"atze als Spezialf"alle enth"alt. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}[\textbf{Integralsatz f"ur Rechtecke}]
Gegeben eine  holomorphe Funktion und ein\label{InRew} 
achsenparalleles Rechteck, dessen ganze Fl"ache mitsamt ihrem Rand 
im Definitionsbereich unserer Funktion liegt, verschwindet  das 
komplexe Wegintegral
unserer Funktion "uber den Rand unseres Rechtecks.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Dies Lemma kann f"ur stetig komplex differenzierbare Funktionen
  mithilfe der in \ref{BWR} Beziehung zum
reellen Wegintegral ohne M"uhe aus dem Verschwinden
des Wegintegrals geschlossener stetig differenzierbarer Kovektorfelder
"uber zusammenziehbare Integrationswege
 \eref{roPP}{AN2} gefolgert
werden. Wir wollen es jedoch unter anderem benutzen, um zu zeigen, 
da"s die Ableitung einer holomorphen Funktion stets stetig sein mu"s.
Deshalb sowie der logischen Vollst"andigkeit halber
geben wir hier auch noch einen eigenst"andigen Beweis.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildReW}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Das Randintegral des grossen Rechtecks ist die Summe der Randintegrale
der vier kleinen Rechtecke
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cauchyre.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber den Beweis Integralsatzes f\"ur Rechteckswege.} Bezeichne $Q_{0}$ unser Rechteck und 
$I_0$ sein Randintegral, genauer das Wegintegral eines Integrationsweges,
der seinen Rand im Gegenuhrzeigersinn mit konstanter absoluter
Geschwindigkeit durchl"auft.
Unterteilen wir unser Rechteck $Q_0$ in vier gleichgro"se 
Teilrechtecke, so wird $I_0$ die Summe
der entsprechenden Randintegrale f"ur diese vier 
Teilrechtecke und es gibt unter diesen
notwendig ein Teilrechteck 
$Q_1$ derart, da"s f"ur das zugeh"orige Randintegral $I_1$ gilt
\begin{displaymath}
|I_0| \leq 4 |I_1|
\end{displaymath}
Indem wir so weitermachen, finden wir eine absteigende 
Folge $Q_0\supset Q_1\supset  \ldots$ von Rechtecken $Q_n$
mit Umfang $2^{-n} a$ f"ur konstantes $a$ derart, 
da"s f"ur die zugeh"origen Randintegrale
$I_n$ gilt
\begin{displaymath}
 |I_0|\leq  2^{2n}|I_n|
\end{displaymath}
Nun ist aber mit doppelter Anwendung des 
Intervallschachtelungsprinzips \eref{ISP}{AN1} oder auch
nach "Ubung \eref{Skoa}{AN2} zu nichtleeren Schnitten in Kompakta   
der Schnitt aller dieser Rechtecke $Q_n$ nicht leer
und besteht genauer aus einem einzigen Punkt $p$. Bezeichnet  $f$ unsere 
holomorphe Funktion, so k"onnen wir andererseits 
nach \ref{abkh} schreiben
\begin{displaymath}
f(z) = f(p) + (z -p) f^{\prime}(p) + (z-p) \varepsilon (z -p)
\end{displaymath}
f"ur eine stetige Funktion $\varepsilon$ mit $\varepsilon (0) =0$.
Da der lineare Anteil eine Stammfunktion besitzt, tr"agt er nach \ref{WIS} zum
Randintegral $I_n $ nichts bei und wir finden
\begin{displaymath}
I_n = \int_{\gamma} (z-p) \varepsilon (z-p) \diff z
\end{displaymath}
f"ur $\gamma$ den Randweg um $Q_n$.
Bezeichnet $d$ die L"ange der Diagonale von $Q_0$, 
so gilt $|z-p| \leq 2^{-n} d$ f"ur
alle $z \in Q_n$ und wir k"onnen unser Integral mit
\ref{ABWe} absch"atzen durch
\begin{displaymath}
|I_n| \leq (2^{-n} a) (2^{-n} d) \sup_{z \in Q_n} |\varepsilon (z -p)|
\end{displaymath}
Daraus folgt $\op{lim}_{n \ra \infty} 2^{2n} |I_n| =0$ und 
damit dann auch $I_0=0$.
Das zeigt den Integralsatz von Cauchy
im  Fall, da"s unser Weg der Randweg eines 
im Definitionsbereich unserer Funktion  enthaltenen Rechtecks ist. 
\end{proof}



\begin{Lemma}\label{ExStO}
Eine holomorphe Funktion auf einer offenen Kreisscheibe besitzt
dort stets eine Stammfunktion.
\end{Lemma}

\begin{Bemerkungw}
In \ref{ESta} werden wir aus dem
Integralsatz von Cauchy allgemeiner ableiten, da"s jede holomorphe
Funktion mit schleifenf"ullendem Definitionsbereich
eine Stammfunktion besitzt. 
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}
Das eben gezeigte Verschwinden des
Randintegrals f"ur alle Rechtecke   \ref{InRew}
ist genau die hinreichende Bedingung aus Lemma \ref{UKHo}
f"ur die Existenz einer Stammfunktion 
auf offenen Kreisscheiben.  
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Wegintegrale holomorpher Funktionen
      l"angs beliebiger Wege}]
F"ur\index{Wegintegral!komplexes, l"angs beliebigem Weg} 
eine holomorphe Funktion $f$ und einen beliebigen  Weg 
$\gamma:[a,b]\ra\DC$\label{WilbW} in ihrem Definitionsbereich 
 erkl"aren
wir das komplexe Wegintegral, indem wir erst eine Unterteilung 
$a=a_0<a_1<\ldots<a_n=b$ so w"ahlen, da"s jedes Wegst"uck ganz
in einer offenen Kreisscheibe aus dem Definitionsbereich verl"auft, dann
auf diesen
Kreisscheiben jeweils mit \ref{ExStO} 
eine Stammfunktion $F_\nu$ von $f$ w"ahlen und schlie"slich setzen
$$\int_\gamma f(z)\diff z
\pdef \sum_{\nu=1}^n F_\nu(\gamma(a_\nu))-F_{\nu}(\gamma(a_{\nu-1}))$$
Um die Existenz einer derartigen Unterteilung zu zeigen, mag man von der
Bemerkung ausgehen, da"s der Abstand von $\gamma(t)$ zum Komplement von $U$
nach \eref{SSdA}{AN2} stetig von $t$ abh"angt und folglich
sein Minimum annimmt, das notwendig positiv sein mu"s, und
da"s andererseits $\gamma$
gleichm"a"sig stetig ist. Die weiteren Details seien dem Leser "uberlassen.
Da auf einer offenen Kreisscheibe jede holomorphe Funktion mit
verschwindender Ableitung konstant ist, je zwei Stammfunktionen
derselben Funktion sich also nur um eine Konstante unterscheiden,
h"angt dies Integral
nicht von der Wahl
der Stammfunktionen ab. 
Durch "Ubergang zu einer gemeinsamen Verfeinerung wird klar, da"s
dies Integral auch nicht von der gew"ahlten Unterteilung abh"angt.
Wegen der Beschreibung \ref{WIS} des Wegintegrals "uber Integrationswege
durch Stammfunktionen ist diese Definition im Fall von Integrationswegen
schlie"slich vertr"aglich mit unserem
Wegintegral f"ur Integrationswege nach \ref{DCWe}. 
Man beachte jedoch, da"s in dieser Allgemeinheit, 
also l"angs beliebiger, nicht notwendig st"uckweise stetig
differenzierbarer  Wege,
das Wegintegral nur noch f"ur sehr spezielle
Funktionen, wie etwa  holomorphe Funktionen, sinnvoll 
erkl"art werden kann.
\end{Bemerkungl}










\begin{Satz}[\textbf{Homotopieinvarianz des Wegintegrals}]
Die Wegintegrale einer holomorphen Funktion "uber je zwei in\label{HiW}
ihrem Definitionsbereich 
homotope Wege stimmen "uberein.
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}\label{HiWC}
Der Cauchy'sche Integralsatz \ref{ISC} folgt sofort, da ein zusammenziehbarer 
Weg per definitionem homotop ist zu einem konstanten Weg und da
Wegintegrale "uber konstante Wege offensichtlich verschwinden.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildBIC}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Beweis der Homotopieinvarianz des Wegintegrals
holomorpher Funktionen. Eine Homotopie liefert  eine Darstellung
der Differenz der  Wegintegrale zweier homotoper Wege 
als eine Summe "uber die Wegintegrale von \glqq  ganz kleinen\grqq\  geschlossenen 
Wegen, die jeweils
ganz in einer im Definitionsbereich unserer Funktion enthaltenen
offenen Kreisscheibe verlaufen. 
\end{minipage}
\end{figure}


\begin{proof}[Erster Beweis]
Sei $f:U\ra\DC$ unsere holomorphe Funktion. Sei 
$h:[0,1]^2\ra U$ eine Homotopie zwischen unseren Wegen,
die wir ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit normiert annehmen d"urfen.
Unser Quadrat $[0,1]^2$ k"onnen wir nun so in kleine 
\glqq Schachfelder\grqq\  unterteilen, da"s jedes
dieser Felder unter $h$ 
ganz in einer in $U$ enthaltenen offenen Kreisscheibe landet:
In der Tat wird ja $U$ von offenen in $U$ enthaltenen Kreisschreiben "uberdeckt,
unser kompaktes Quadrat $[0,1]^2$ also von deren Urbildern, und nach dem 
"Uberdeckungssatz von Lebesgue \eref{UbL}{AN2} gibt es dann sogar
ein $\varepsilon >0$ derart, da"s f"ur jedes 
$x\in [0,1]^2$ der  Ball ${\op{B}}(x;\varepsilon)$
bereits ganz in einem dieser Urbilder liegt.
Bezeichnet nun $\rho_{i,j}$ die Randwege unserer Schachfelder,
so verschwindet das
Wegintegral "uber jeden der Wege $h\circ\rho_{i,j}$, da unsere Funktion
auf Kreisscheiben ja nach 
\ref{ExStO} jeweils eine Stammfunktion hat. Die Summe der
Wegintegrale "uber die  $h\circ\rho_{i,j}$ ist aber 
offensichtlich gerade die Differenz der
Wegintegrale "uber unsere beiden urspr"unglichen homotopen Wege.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
Alternativ mag man auch wie beim Beweis von
\eref{roPP}{AN2} vorgehen. Das hat den Vorteil, da"s wir keine Integrale
"uber allgemeine stetige Wege zu diskutieren brauchen,
aber daf"ur braucht die Argumentation  einen zus"atzlichen Schritt:
Wir gehen erst von unseren urspr"unglichen Wegen zu approximierenden
Polygonz"ugen "uber und betrachten dann statt den m"oglicherweise
nicht mehr differenzierbaren \glqq ganz kleinen\grqq\  Wegen $h\circ\rho_{i,j}$ die
\glqq ganz kleinen\grqq\  Wege, die zwischen den
Bildern unter $h$ der Ecken unserer kleinen Schachfelder 
gerade verlaufen.
\end{proof}








\begin{Proposition}[\textbf{Stammfunktionen holomorpher Funktionen}]
Jede holomorphe
Funktion mit  schleifenf"ullendem Definitionsbereich\label{ESta} 
besitzt eine  Stammfunktion. 
  \end{Proposition}
  \begin{proof}
Nach \ref{FFh} m"ussen wir nur zeigen, da"s das Wegintegral 
unserer Funktion "uber jeden geschlossenen Integrationsweg verschwindet.
Nach Annahme ist aber jeder geschlossene Integrationsweg 
aus dem  Definitionsbereich bereits im
Definitionsbereich zusammenziehbar. Damit verschwindet das Wegintegral
nach dem Integralsatz von Cauchy \ref{ISC}, den wir ja in \ref{HiWC}
mittlerweile bewiesen haben. 
  \end{proof}
\begin{Definition}
    Zwei normierte geschlossene Wege $\alpha,\beta$ in einem 
metrischen oder allgemeiner topologischen Raum hei"sen
\defind{frei homotop},\label{ffhh}
wenn es eine durch $\tau\in [0,1]$
    parametrisierte Familie geschlossener normierter Wege $\gamma_{\tau}$ gibt
    mit $\gamma_{0}=\alpha$, $\gamma_{1}=\beta$ und so, da"s $(t,\tau)\mapsto
    \gamma_{\tau}(t)$ stetig ist auf $[0,1]^2$. Zwei geschlossene Wege hei"sen
    frei homotop, wenn die zugeh"origen normierten Wege frei homotop
    sind.
\end{Definition}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildFrHo}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration einer freien Homotopie zwischen
zwei geschlossenen Wegen im Komplement eines Punktes der Ebene
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Satz}[\textbf{Invarianz des Wegintegrals unter freier Homotopie}]
Die Weg\-integrale "uber je zwei im Definitionsbereich\label{FrHo}
einer holomorphen Funktion frei homotope geschlossene Wege stimmen "uberein.
\end{Satz}
\begin{proof}
Das folgt leicht aus der Homotopieinvarianz des Wegintegrals f"ur
holomorphe Funktionen \ref{HiW}. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cauchyfrei.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber die Invarianz des Wegintegrals unter freier Homotopie.} 
Die Details seien dem Leser zur "Ubung "uberlassen.
\end{proof}


\begin{Bemerkungw}[\textbf{Integralsatz von Cauchy f"ur nullhomologe Wege}]
Wir gehen aus von der komplexen Zahlenebene $\Bbb{C}$, 
entfernen daraus zwei Punkte\label{VerAI}
$a,b$ und betrachten den Integrationsweg $\gamma$ gegeben durch das
nebenstehende Bild.
Es ist nicht klar, ob dieser Weg in $\Bbb{C}\backslash\{a,b\}$ 
zusammenziehbar ist, und in 
\eref{fkp}{TF} zeigen wir, da"s er es in der Tat nicht ist.
Klar ist jedoch, da"s dennoch das Integral jeder auf $\Bbb{C}\backslash\{a,b\}$ 
holomorphen Funktion
l"angs dieses Weges  verschwinden mu"s:
Zerlegen wir n"amlich unseren Weg in St"ucke, 
indem wir ihn an den drei Selbstschnittstellen aufschneiden,
und setzen diese St"ucke so wieder zu zwei geschlossenen 
Wegen zusammen, da"s der eine das Gebiet
berandet, das von oben an das Mittelkreuz grenzt, 
und der andere das Gebiet, das von unten an das
Mittelkreuz grenzt, so erhalten wir zwei in 
$\Bbb{C}\backslash\{a,b\}$ zusammenziehbare Wege, "uber die das Wegintegral
nach dem Integralsatz von Cauchy \ref{ISC} 
jeweils verschwinden mu"s. Diesen Trick verwandeln wir 
im Rahmen der Homologietheorie  in eine Methode, vergleiche \eref{WIH1}{TS}.
\end{Bemerkungw}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGeWe}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Ein geschlossener nicht zusammenziehbarer  Weg
im Komplement einer zweielementigen Teilmenge der komplexen
Zahlenebene, der dennoch die Eigenschaft hat, da"s jedes Integral einer
holomorphen Funktion auf unserem Komplement dar"uber verschwindet.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Beispiel}\label{aehn}
Wir zeigen
\begin{displaymath}
\int^{\infty}_{-\infty} \frac{\sin x}{x} \diff x = \pi
\end{displaymath}
in dem Sinne, da"s sowohl $\lim_{r\ra \infty} \int^r_0$ als 
auch $\lim_{r\ra \infty}\int^0_{-r}$
existieren und ihre Summe den angegebenen Wert hat.
Um das zu sehen, bemerken wir zun"achst, 
da"s der Integrand au"serbalb des Ursprungs 
mit der Einschr"ankung des Imagin"arteils von
$\op{e}^{{\op{i}}z}\! /z$ auf die reelle Achse
zusammenf"allt.
Dann betrachten wir f"ur $a<b$ in $\DR^\times$ und $h>0$ 
Integrationswege, die einmal im
Gegenuhrzeigersinn 
um den Rand des Rechtecks mit Ecken $a,b, a+{\op{i}}h, b+ {\op{i}}h$ 
 umlaufen und 
im Fall $a<0<b$ auf einem kleinen
Halbkreis $\gamma_\varepsilon$ mit Radius $\varepsilon$ 
 "uber die Polstelle beim Ursprung hoppeln.
Das  Wegintegral von $\op{e}^{{\op{i}}z}\! /z$ l"angs eines derartigen Weges
ist Null nach dem Integralsatz.
Die Integrale "uber die drei Kanten $\rho,\lambda, \omega$ 
f"ur \glqq rechts, links und oben\grqq\  au"serhalb
der reellen Achse k"onnen wir jedoch auf der rechten Kante absch"atzen durch
\begin{displaymath}
\left|\int_{\rho}  \frac{\op{e}^{{\op{i}}z}}{z} \diff z \right| 
=  \left|\int^h_{0}  \frac{\op{e}^{{\op{i}}(b+{\op{i}}t)}}{b+{\op{i}}t}
{\op{i}} \diff t \right|    
\leq  \frac{1}{|b|} 
\int^h_0 \op{e}^{-t} \diff t \leq  \frac{1}{|b|}
\end{displaymath}
und analog auf der linken Kante durch $1/|a|$, 
auf der oberen Kante dahingegen durch
\begin{displaymath}
\left|\int_{\omega}  \frac{\op{e}^{{\op{i}}z}}{z} \diff z \right| 
\leq (b-a)\frac{\op{e}^{-h}}{h}
\end{displaymath}
F"ur festes $a>0$ folgt so die Existenz des Grenzwerts 
$\lim_{r\ra \infty} \int^r_a$
aus dem Cauchy-Kriterium \eref{GWQ}{AN1}. 
Die Existenz des anderen Grenzwerts f"ur $b<0$ in Richtung der negativen 
reellen Achse $\lim_{r\ra -\infty} \int^b_r$ 
zeigt man analog.
Indem wir nun $-a=b=h$ nehmen und das nach Unendlich streben lassen, ergibt sich
f"ur jedes $\varepsilon>0$ andererseits
\begin{displaymath}
0 = \int^{-\varepsilon}_{-\infty} \frac{\op{e}^{{\op{i}}x}}{x} \diff x 
+ \int_{\gamma_\varepsilon} \frac{\op{e}^{{\op{i}}z}}{z} \diff z +
\int_\varepsilon^{\infty} \frac{\op{e}^{{\op{i}}x}}{x} \diff x
\end{displaymath}
Durch explizite Rechnung  erkennen wir, da"s das
Integral "uber den kleinen Halbkreis
f"ur $\varepsilon\ra 0$  gegen $-\pi{\op{i}}$ strebt. 
Jetzt brauchen wir nun noch den Imagin"arteil
unserer Gleichung zu nehmen. Nebenbei bemerkt ist
 $\frac{\sin x}{x}$ 
Lebesgue'schen Sinne gar nicht auf $\DR$ integrierbar.
\end{Beispiel}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildsinx}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Einer der Integrationswege bei der Berechnung von 
$\int^\infty_{-\infty} \frac{\sin x}{x} \diff x$.
\end{minipage}
\end{figure}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Vorbereitungen zur Umlaufzahl}] 
Sei $\gamma$ ein stetiger geschlossener Weg in $\DC$ und
$U\co \DC$ das Komplement seines Bildes.
Man zeige, da"s die Funktion 
$u_\gamma:U\ra \DC$ gegeben durch
$$u_\gamma(w)=\int_\gamma \frac{\diff z}{z-w}$$
lokal konstant ist, als da hei"st holomorph mit Ableitung Null.
In \ref{URE} werden wir sehen, da"s $f$ nur Werte in $2\pi{\op{i}}\DZ$
annimmt, und werden diese Werte als das  $2\pi{\op{i}}$-fache
der \glqq Umlaufzahl von $\gamma$ um den Punkt $w$\grqq\  verstehen lernen.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Man zeige, da"s $\int_{-\infty}^\infty {\op{e}}^{(z-x)^2}\diff x$ nicht von
$z\in\DC$ abh"angt. Vermittels quadratischer Erg"anzung liefert das
einen weiteren Zugang zur Berechnung der Fouriertransformierten 
der Gau"s'schen Glockenkurve. Man kann auch den umgekehrten Weg gehen.
\label{GGAA} 
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{ESIn}
Das in \ref{WilbW} erkl"arte Wegintegral bleibt in Verallgemeinerung von
\ref{UPc} gleich bei beliebiger 
stetiger Umparametrisierung unseres Weges.
Es "andert in Verallgemeinerung von \ref{UKP} 
sein Vorzeichen bei einer "Anderung
der Durchlaufrichtung des Weges, wir d"urfen wie in
\ref{Stc} st"uckweise integrieren, und das
Integral "uber einen geschlossenen Weg von einer Funktion mit
Stammfunktion verschwindet.
\end{Ubung}


\subsection{Integralsatz von Cauchy durch Topologie*}
\begin{Bemerkungl}
  Die Suche nach einem besseren Verst"andnis grundlegender S"atze der Funktionentheorie und m"oglicher Verallgemeinerungen 
  war eine wesentliche Motivation 
  zur Entwicklung topologischer Methoden wie etwa der
  "Uberlagerungstheorie oder der Theorie der Garben. 
  Ich will hier einen Zugang zum Beweis des Integralsatzes
  von Cauchy skizzieren, wie er sich von den Höhen dieser Theoriegeb"aude
  aus betrachtet im R"uckblick darstellt.
  Das sprengt den Rahmen der Vorlesung. 
  In gewisser Weise ist der Beweis derselbe, nur werden die meisten
  Beweisschritte als  Folgerungen aus sehr viel allgemeineren
  S"atzen gesehen, was  zu einem besseren
  Verst"andnis f"uhren mag.
    Wir gehen dabei davon aus, da"s  die Existenz
    von Stammfunktionen holomorpher Funktionen auf offenen Kreisscheiben
    \ref{ExStO} bereits bewiesen ist.
\end{Bemerkungl}

\nichtfinal{VERLEGEN?
\begin{Proposition}[\textbf{Umkehrung  stetig differenzierbarer Abbildungen}]
 Gegeben endlichdimensionale reelle R"aume
 $X,Y$ ist jede stetig differenzierbare
  Abbildung $f:X\lco U\ra Y$
  mit an jeder Stelle invertierbarem Differential  \'etale und  
   jeder stetige Schnitt $s:Y\lco W\ra U$ von $f$ ist
  stetig differenzierbar mit Differential $\diff_{w} s=(\diff_{s(w)} f)^{-1}$. 
 \end{Proposition}
\begin{proof} Der Umkehrsatz der Analysis \eref{UKA}{AN2} sagt unmittelbar,
  da"s $f$ \'etale ist. Da $U$ Hausdorff ist, mu"s $f$ auch separiert sein.
  Gegeben $w\in W$ gibt es weiter nach dem Umkehrsatz \eref{UKA}{AN2} eine
  offene Umgebung $V\co U$ von $s(w)$ mit $f(V)\co W$ und $f:V\ra f(V)$
  einem $\mathcal C^1$-Diffeomorphismus. Gegeben $Z\co f(V)$ eine offene
  zusammenh"angende Umgebung von $w$ sind nun aber
  $s,f^{-1}:Z\ra V$ zwei stetige Schnitte
  von $f$ mit demselben Wert bei $w$. Da $f$ \'etale und separiert ist,
  stimmen sie nach \eref{EvlV}{TF} "uberein. Folglich ist mit $f^{-1}$
  auch $s$ stetig differenzierbar auf $Z$ und die Formel
  f"ur das Differential folgt auch aus dem Umkehrsatz \eref{UKA}{AN2}. 
\end{proof}}

\begin{Proposition}[\textbf{Hochhebungen holomorpher Abbildungen}]
 Jede holomorphe Abbildung $f:\DC\lco U\ra\DC$
 mit nirgends verschwindender Ableitung ist \'etale.\label{UhA}
Gegeben $t:\DC\lco V\ra U$ stetig mit
$f\circ t$ holomorph ist unter diesen Annahmen
auch $t$ selbst bereits holomorph. 
\end{Proposition}

\begin{proof}
  Nach "Ubung \ref{WIU} ist $f$ offen und nach "Ubung \ref{UHI}
  besitzt jeder Punkt $p\in U$ eine offene Umgebung $W$,
  auf der $f$ injektiv ist. Damit ist $f$ \'etale.
  Nach "Ubung \ref{UHI} ist weiter f"ur  eine offene Teilmenge $W\co U$
  mit $f|_W$ injektiv auch $(f|_W)^{-1}: f(W)\ra W$ holomorph.  
   Gegeben $v\in V$ finden wir eine offene Umgebung $W\co U$ von
   $p\pdef t(v)$ mit $f$ injektiv auf $W$.
   Dann gilt $v\in t^{-1}(W)\co V$ und $(f|_W)^{-1}(f(t(z)))=t(z)$ ist
   holomorph f"ur alle $z\in t^{-1}(W)$. 
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Wurzel und Logarithmus von Funktionen}] 
  Auf einer schleifenf"ullenden offenen
  Teilmenge $V\co \DC$
  der komplexen Zahlenebene besitzt jede holomorphe Funktion ohne Nullstelle
  $t:V\ra\DC^\times$
  holomorphe $n$-te Wurzeln  f"ur alle $n\in\DZ\backslash 0$ und besitzt
  sogar einen holomorphen  Logarithmus.
\end{Korollar}
\begin{proof} 
  Unter unseren Annahmen ist  jede Komponente von
  $V$ offen und wegetrivial, also
  "uberlagerungstrivial nach \eref{WEZo}{TF}. Nach
  Satz \eref{LEZ}{TF} "uber das Liften bei
  "uberlagerungstrivialem Definitionsbereich besitzt also
  jede stetige Funktion $t:V\ra \DC^\times$
  stetige Lifts auf die "Uberlagerungen
  $\DC^\times\ra \DC^\times$ gegeben durch $z\mapsto z^n$ f"ur $n\neq 0$
  und auf die "Uberlagerung $\op{exp}:\DC\ra \DC^\times$.
  Ist hier $t$ holomorph, so auch unsere Lifts
  nach der Proposition "uber Hochhebungen holomorpher Funktionen \ref{UhA}.  
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Garbe holomorpher Funktionskeime}]
  Wir betrachten auf der komplexen Zahlenebene $\DC$
  die Garbe $\mathcal O$ der holomorphen Funktionen
  im Sinne von \eref{DefGa}{TG} und ihren \'etalen Raum
  $\bar{\mathcal O}$ nach \eref{GSc}{TG}. Seine Punkte sind
  Keime holomorpher Funktionen. Um den Satz von Goursat
  zu umgehen, betrachten wir
  zus"atzlich die Garbe $\mathcal O_1$ aller holomorphen Funktionen mit
  holomorpher Ableitung. Der Satz von Goursat sagt uns sp"ater einmal
  $\mathcal O_1=\mathcal O$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ableiten als "Uberlagerung}] 
  Das komplexe Ableiten ist ein Garbenhomomorphismus
   und induziert eine stetige Abbildung
  $D:\bar{\mathcal O}_1\ra \bar{\mathcal O}$ zwischen den
  \'etalen R"aumen der jeweiligen Garben. Diese Abbildung ist eine surjektive "Uberlagerung
  im Sinne von \eref{Defue}{TF}, da wir ja auf offenen Kreisscheiben stets Stammfunktionen finden und da diese eindeutig sind bis auf eine additive
  Konstante. Insbesondere liefert die \glqq Additionen von Konstanten\grqq\  
  $(c+): \bar{\mathcal O}_1\ra \bar{\mathcal O}_1$
  eine Einbettung von $(\DC,+)$ in die Gruppe der Decktransformationen
  unserer "Uberlagerung und diese Untergruppe operiert frei und transitiv auf jeder Faser. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Existenz von Stammfunktionen}]
   Wir folgern  die Existenz von Stammfunktionen
  holomorpher Funktionen $f:U\ra\DC$ mit
  schleifenf"ullendem Definitionsbereich $U$,
  die wir in \ref{ESta} bereits auf direktem Wege gezeigt hatten. 
  Unter unseren Annahmen ist n"amlich jede Komponente von
  $U$ offen und wegetrivial, also
  "uberlagerungstrivial nach \eref{WEZo}{TF}. Nach
  Satz \eref{LEZ}{TF} "uber das Liften bei
  "uberlagerungstrivialem Definitionsbereich 
  besitzt der zu $f$ geh"orige stetige Schnitt $\bar f:U\ra \bar{\mathcal O}$
  einen Lift, es gibt also in Formeln ausgedr"uckt
  $\bar F:U\ra \bar{\mathcal O}_1$  stetig  
mit $D\circ \bar F=\bar f$.
Die zugeh"orige Funktion $F$ ist dann eine Stammfunktion von $f$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Integration durch Wegeliften}] 
  Gegeben 
  $f:\DC\lco U\ra \DC$  holomorph und\label{IdW} 
  ein Integrationsweg $\gamma:[a,b]\ra U$ k"onnen wir
  den Weg $\bar f\circ \gamma: [a,b]\ra \bar{\mathcal O}$
  betrachten. Die M"oglichkeit des Wegeliftens nach \eref{IEZ1}{TF} und
  \eref{LEZ}{TF} zeigt, da"s es Wege
  $\tilde\gamma_f: [a,b]\ra \bar{\mathcal O}_1$
  gibt mit $D\circ \tilde\gamma_f=\bar f\circ \gamma$.
  Bezeichnet $A:\bar{\mathcal O}_1\ra\DC$ das Auswerten
  eines Funktionskeims an seinem Punkt, so zeigen unsere
  Erkenntnisse zum Integrieren mit Stammfunktionen 
  $$\int_\gamma f(z)\diff z= A(\tilde\gamma_f(b))-A(\tilde\gamma_f(a))$$
  zun"achst f"ur  den Fall, da"s $\gamma$ stetig differenzierbar ist und
  in einer ganz in $U$ enthaltetenen
  Kreisscheibe landet, aber dann durch Zerst"uckeln sogar f"ur einen
  beliebigen Intgrationsweg $\gamma$.  
  Ist $\gamma$ ein allgemeiner Weg in $U$, so beachten wir, da"s allgemein der
  Lift eines Weges in eine "Uberlagerung und speziell $\tilde\gamma_f$
  durch seinen Ausgangspunkt eindeutig bestimmt ist
  und da"s sich je zwei m"ogliche
  Ausgangspunkte durch eine Decktransformation der Gestalt $(c+)$ ineinander
  "uberf"uhren lassen.
  Das zeigt, da"s $A(\tilde\gamma_f(b))-A(\tilde\gamma_f(a))$
  nicht von der Wahl von $\tilde\gamma_f$ abh"angt. Das war 
  im wesentlichen unsere Definition des Wegintegrals
  holomorpher Funktionen "uber allgemeine Wege.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Cauchy's Integralsatz durch Liften von Homotopien}]
  Gegeben $U\co\DC$ und
  $f:U\ra \DC$  holomorph und
   Wege $\gamma,\beta:[0,1]\ra U$ 
   und $h:[0,1]^2\ra U$ eine Homotopie
  ist auch $\bar f\circ h:[0,1]^2\ra \bar{\mathcal O}$ eine Homotopie
  zwischen $\bar f\circ\gamma$
  und $\bar f\circ \beta$ und nach \eref{IEZ2}{TF} und \eref{LEZ}{TF}
  kann jede derartige Homotopie geliftet werden zu einer Homotopie
  $\tilde h_f: [0,1]^2\ra \bar{\mathcal O}_1$ zwischen Lifts 
  $\tilde\gamma_f$ und   $\tilde \beta_f$ von
  $\bar f\circ \gamma$ und $\bar f\circ \beta$.
  Diese Lifts haben dann dieselben Anfangs- und Endpunkte
  und mit unseren Erkenntnissen \ref{IdW} zur Integration durch Wegeliften
  folgt unmittelbar
  $$\int_\gamma f(z)\diff z= A(\tilde\gamma_f(1))-A(\tilde\gamma_f(0))=
  A(\tilde \beta_f(1))-A(\tilde \beta_f(0))=\int_\beta f(z)\diff z$$
\end{Bemerkungl}


\subsection{Bezug zu Wegintegralen im Reellen*}\label{BWR}

\begin{Bemerkungl}
Dieser Abschnitt ist f"ur das Folgende entbehrlich. Er soll
die Notation f"ur komplexe Wegintegrale 
verst"andlich machen und den 
Zusammenhang des Satzes von Cauchy mit den S"atzen "uber
Wegintegrale in rotationsfreien Vektorfeldern 
oder besser geschlossenen Kovektorfeldern \eref{roPP}{AN2} erkl"aren.
Zun"achst erinnere ich an Wegintegrale vektorwertiger
Kovektorfelder nach \eref{IWEE}{AN2}.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Vektorwertige Kovektorfelder}] 
Seien $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum, 
$W$ ein reeller Vektorraum und $A\subset X$ 
eine  Teilmenge.
Ein \defnoind{$W$-wertiges Kovektorfeld auf 
$A$}\index{vektorwertig!Kovektorfeld}\index{Kovektorfeld!vektorwertige} 
ist eine Abbildung
$$\omega : A\ra \op{Hom}_\DR (\vec{X},W)$$
Ein $W$-wertiges Kovektorfeld ordnet also jedem Punkt $p\in A$ eine lineare Abbildung des Richtungsraums $\vec X$ 
in den zus"atzlich vorgegebenen Vektorraum $W$ zu.
Um hier noch Richtungsvektoren $v\in \vec{X}$
einsetzen zu k"onnen, notieren wir vektorwertige Kovektorfelder 
$p\mapsto \omega_p$, 
so da"s dann $\omega_p(v)$ ein Vektor aus $W$ wird.
Im Fall $W=\DC$ sprechen wir von
einem {\bf komplexwertigen Kovektorfeld}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Nachschalten linearer Abbildungen}]
  Gegeben ein Homomorphismus $L:W\ra V$ von  reellen
  Vektorr"aumen und ein $W$-wertiges Kovektorfeld $\omega$
erhalten wir ein $V$-wertiges Kovektorfeld $L\circ\omega$ durch $(L\circ\omega)_p\pdef L\circ \omega_p$. Ist $M:V\ra Z$ eine weitere lineare Abbildung, so haben
wir $M\circ(L\circ\omega)=(M\circ L)\circ\omega$ und nat"urlich gilt auch $\op{id}_W\circ\omega=\omega$.
Ist $\omega$ ein komplexwertiges Kovektorfeld und $c:\DC\ra \DC$
die komplexe Konjugation, so verwenden wir die Notation
$\bar\omega\pdef c\circ\omega$ und finden $\bar{\bar{\omega}}=\omega$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Nachschalten variabler linearer Abbildungen}]
Seien $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum, 
$W$ ein reeller Vektorraum und $A \co X$ 
eine   Teilmenge. Sei $W$ ein reeller Vektorraum und
$\omega:A\ra\op{Hom}_\DR(\vec X, W)$ ein $W$-wertiges Kovektorfeld auf $A$.
Gegeben eine Abbildung $L:A\ra \op{Hom}_\DR(W,V)$ erhalten wir
ein $V$-wertiges Kovektorfeld $L\circ\omega$ durch $(L\circ\omega)_p\pdef L(p)\circ \omega_p$. Nat"urlich haben
wir $M\circ(L\circ\omega)=(M\circ L)\circ\omega$ auch f"ur das iterierte
Nachschalten variabler linearer Abbildungen. 
Als Speziallf"alle  erhalten wir das Produkt $f\omega$ eines
$W$-wertigen Kovektorfelds $\omega$ mit einer reellwertigen Funktion $f$
und das 
Produkt $f\omega$ eines
komplexwertigen Kovektorfelds $\omega$ mit einer komplexwertigen Funktion $f$
und die Vertr"aglichkeit
$\overline{g\omega}=\bar g\bar\omega$ mit der komplexen Konjugation. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Differentiale als Kovektorfelder}]
  Ist $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum, $W$ ein endlichdimensionaler
  reeller Vektorraum, $U\subset X$ offen oder allgemeiner halboffen 
und $f: U \ra W$ differenzierbar, so ist 
$\diff f$ oder genauer
$p\mapsto \diff_p f$  ein
$W$-wertiges Kovektorfeld auf $U$.
Ist $L:W\ra V$ eine lineare Abbildung in einen weiteren endlichdimensionalen
reellen Vektorraum, so haben wir aufgrund der Kettenregel 
$L \circ \diff_p f=\diff_p (L\circ f)$.
Man mag das die {\bf Vetr"aglichkeit des Differentials mit linearen Abbildungen}\label{VDLA} nennen.
Sie impliziert formal eine \glqq Komponentenregel\grqq\ und
eine \glqq Summenregel\grqq\ in derselben Weise, wie das bei der
Integration in \eref{lII}{AN2} ausgef"uhrt wurde. Beide Regeln kann man
aber auch
ohne diese formale Argumentation leicht einzusehen. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
In der Funktionentheorie bezeichnet f"ur $U\co \DC$ meist 
$z:U\ra\DC$ die Einbettung und $\diff z$ ihr Differential,
ein komplexwertiges 
Kovektorfeld auf $\DC$. Mit $$f(z)\diff z$$ bezeichnet man dann 
das Produkt dieses komplexwertigen Kovektorfelds mit einer
beliebigen komplexwertigen Funktion $f:U\ra\DC$.
Ist $g:U\ra \DC$ komplex differenzierbar, so ist $g$ auch reell differenzierbar
und quasi per definitionem kann sein Differential durch die komplexe Ableitung
 beschrieben werden als $$\diff g =g'(z)\diff z$$
\end{Beispiele}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Wegintegrale vektorwertiger Kovektorfelder}] 
  Sei $\varphi : [a,b]\ra X$ ein stetig differenzierbarer\label{idz}
  Weg in einem endlichdimensionalen reellen Raum $X$ und 
sei $\omega : X \ra
\op{Hom}_\DR(\vec{X},W)$ ein stetiges  Kovektorfeld auf $X$ mit 
Werten in einem endlichdimensionalen reellen Vektorraum $W$.
So definieren wir wie in  \eref{IWEE}{AN2} 
einen Vektor $(\int_{\varphi} \omega)\in W$, das
{\bf Integral des $W$-wertigen Kovektorfelds $\omega$ l"angs des Weges $\varphi$},
 \index{Wegintegral!vektorwertiges}
durch die Vorschrift
$$\int_{\varphi} \omega = 
\int^{b}_{a} \omega_{\varphi(t)}\left(
{\varphi}'(t)\right) \diff t$$
Auf der rechten Seite ist also f"ur jedes $t$ der
Homomorphismus $\omega_{\varphi(t)}:\vec{X}\ra W$ auszuwerten auf dem
Geschwindigkeitsvektor ${\varphi}'(t)\in \vec{X}$ und 
die so entstehende stetige Abbildung 
$[a,b]\ra W$ ist als vektorwertige Funktion zu integrieren im Sinne von
\ref{FIV}. 
Im "Ubrigen mu"s unser stetiges Kovektorfeld gar nicht auf ganz $X$ definiert sein,
wenn es auf $\varphi([a,b])$ definiert ist, reicht v"ollig aus.
Zur Anschauung verweise ich auf die Darstellung als Grenzwert von
Riemannsummen im Fall reellwertiger Kovektorfelder in \eref{NAA}{AN2},
die sich wortw"ortlich "ubertragen l"a"st.
Im Spezialfall $X=W=\DC$ stimmt das auf diese Weise definierte 
Weg\-in\-te\-gral $\int_{\varphi}f(z)\diff z$ "uberein mit dem Wegintegral
gem"a"s der in
\ref{DCWe} f"ur diesen Spezialfall explizit
gegebenen  Definition und erkl"art so insbesondere die 
f"ur dieses Konzept "ubliche Notation.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Integrale von Kovektorfeldern "uber Fastfaltigkeiten}]
  "Ahnlich wie in \eref{IiIt}{AN2} f"ur gew"ohnliche Kovektorfelder alias
  Einsformen erkl"art k"onnen wir auch kompakt getragene Kovektorfelder mit
  Werten in einem beliebigen endlichdimensionalen reellen Vektorraum und insbesondere mit Werten in $\DC$ integrieren "uber orientierte
  $1$-Fastfaltigkeiten. Salopp gesprochen liegt das daran, da"s
  \glqq sich f"ur jede Parametrisierung unserer\label{IneFF} 
  $1$-Fastfaltigkeit durch einen Integrationsweg dasselbe
  Wegintegral ergibt\grqq.  
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Geschlossene Kovektorfelder und  Integralsatz von Cauchy}]
  Ist $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum und $U\co X$ eine
  offene Teilmenge und $W$ ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum und
  $\omega:U\ra \op{Hom}_\DR(\vec X,W)$ ein stetig differenzierbares
  $W$-wertiges Kovektorfeld auf $U$, so ist wie in \eref{roPP}{AN2}
eine hinreichende und notwendige Bedingung f"ur die Homotopieinvarianz
der Wegintegrale zu 
$\omega$, da"s unser Kovektorfeld geschlossen ist  im zu \eref{gesch}{AN2}
analogen Sinn, da"s also in Formeln f"ur alle $p\in U$ im Vektorraum $W$ gilt 
 $$(\diff_p \omega)(\vec{v})(\vec{w})=
(\diff_p \omega)(\vec{w})(\vec{v})\quad\forall \vec{v},\vec{w}\in \vec{X}$$
Ein komplexwertiges Kovektorfeld der Gestalt $f(z)\diff z$
k"onnen wir umschreiben zu
$f(z)\diff z=f(z)(\diff x + {\op{i}}\diff y)$
und geschlossen bedeutet $\partial_yf={\op{i}}\partial_xf$ alias die
G"ultigkeit der Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen.
F"ur $f$ stetig reell differenzierbar sind  also Wegintegrale "uber
$f(z)\diff z$ gleich f"ur homotope Integrationswege genau dann, wenn $f$ holomorph ist. Wir erhalten so einen alternativen Beweis f"ur den Integralsatz von Cauchy, allerdings nur unter der st"arkeren Annahme, da"s $f$ nicht nur komplex differenzierbar ist, sondern da"s seine komplexe Ableitung $f'$ zus"atzlich auch noch stetig ist.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Wirtinger-Ableitung}]
In der Funktionentheorie bezeichnet f"ur $U\co \DC$ meist 
 $\bar z\pdef c\circ z:U\ra \DC$ die
Einbettung gefolgt von der  komplexen Konjugation und 
$x:U\ra\DR$ den Realteil und $y:U\ra\DR$ den Imagin"arteil.
Die  Identit"aten $z=x+{\op{i}}y$ und  $\bar z=x-{\op{i}}y$ von komplexwertigen
Funktionen f"uhren dann aufgrund der Vetr"aglichkeit des Differentials mit linearen Abbildungen \ref{VDLA} im Raum der komplexwertigen Kovektorfelder auf $U$ 
 zu
den Identit"aten
$$\diff z=\diff x+{\op{i}}\diff y\quad\text{und}\quad\diff \bar z=\diff x-{\op{i}}\diff y.$$
  Ist $f : U \ra \Bbb{C}$ reell differenzierbar, so haben wir weiter
$$\diff f = \frac{\partial
  f}{\partial x} \diff x +
\frac{\partial f}{\partial y} \diff y$$ f"ur  die
partiellen Ableitungen\label{DWiAb}
zum Koordinatensystem $x,y$ im Sinne von \eref{palok}{AN2}.
F"ur  eine reell total differenzierbare Funktion  $f:U\ra \DC$ 
erkl"art man zus"atzlich  zwei komplexwertige Funktionen auf $A$, ihre
{\bf Wirtinger-Ableitungen}\index{Wirtinger-Ableitung}
$\partial f=\partial_z f=\frac{\partial f}{\partial z}$ und $
\bar\partial f=\bar\partial_z f=\frac{\partial f}{\partial \bar{z}}$,
durch
 die Vorschrift
 $$\diff f = \frac{\partial f}{\partial z} \diff z + \frac{\partial f}{\partial
 \bar{z}} \diff \bar{z}$$   
Die  Beziehung dieser Wirtingerableitungen 
zu den partiellen Ableitungen von eben  
wird nach dem vorhergehenden  gegeben durch die Formeln
 $$
 \frac{\partial f}{\partial z} 
= \frac{1}{2} \left(\frac{\partial f}{\partial x} -{\op{i}} \frac{\partial f}
 {\partial y}\right)\qquad\qquad
 \frac{\partial f}{\partial \bar{z}} 
= \frac{1}{2}\left( \frac{\partial f}{\partial x} +{\op{i}}
 \frac{\partial f}{\partial y}\right)
$$
Nach den Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen ist also
eine stetig partiell differenzierbare Funktion $f:U\ra \DC$ 
holomorph genau dann, wenn gilt $ \bar{\partial} f =0$, und in diesem
Fall ist $\partial f =f'$ ihre komplexe Ableitung. Weiter pr"uft man unschwer
$\overline{\partial f}=\bar\partial\bar f$. Die Wirtingerableitungen sind jedoch keine Vektorfelder in Bezug auf lokale Koordinatensysteme
im Sinne von \eref{palok}{AN2}.
\end{Bemerkungl}




\subsubsection{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[\textbf{Rechnen mit Wirtinger-Ableitungen}]
  Man zeige $\frac{\partial \bar f}{\partial \bar z}=\overline{\frac{\partial
      f}{\partial z}}$.\label{RWIA} 
Man zeige weiter f"ur $w=w(z)$ eine reell differenzierbare Funktion 
von einer offenen Teilmenge von $\DC$ in eine offene Teilmenge von $\DC$, 
auf der hinwiederum eine reell differenzierbare komplexwertige Funktion $f$
definiert ist, die Identit"aten 
$$\frac{\partial f}{\partial z}=
\frac{\partial f}{\partial w}\frac{\partial w}{\partial z} +
\frac{\partial f}{\partial \bar{w}}\frac{\partial \bar{w}}{\partial z}
\qquad\qquad
\frac{\partial f}{\partial \bar{z}}=
\frac{\partial f}{\partial w}\frac{\partial w}{\partial \bar{z}} +
\frac{\partial f}{\partial \bar{w}}\frac{\partial \bar{w}}{\partial \bar{z}}$$
Hinweis: Man gehe  aus von den Identit"aten 
$\op{d}(\bar{f})=
\overline {\diff f}$ und 
$\op{d}(f\circ w)=
w^\ast (\diff f)$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung} Gegeben eine kompakte zweidimensionale
  $\mathcal C^2$-Eckfaltigkeit $M\subset \DC$
  in der komplexen Zahlenebene mit der
  von der Standardorientierung von $\DC$ induzierten Orientierung
  gilt $$2{\op{i}}\int_{\vec M}\diff x\wedge \diff y=\int_{\partial\vec M}\bar z\diff z$$
  Salopp gesprochen ist also $2{\op{i}}$ mal die Fl"ache von $M$
  das Wegintegral von $\bar z$ einmal im Gegenuhrzeigersinn auf dem Rand
  von $M$ herumintegriert.
  Hinweis: \eref{StEck}{AN2}.
\end{Ubung}

\newpage
\section{Lokale Struktur holomorpher Funktionen}
\subsection{Cauchy's Integralformel \sose{(31.5)}}
\begin{Satz}[\textbf{Cauchy's Integralformel}]
Seien $f:\DC\lco U\ra\DC$ 
holomorph und  $K\subset U$
eine ganz in $U$ enthaltene 
abgeschlossene Kreisscheibe.\label{CaIF}
 Bezeichne $\partial \vec{K}$ einen Weg,
der auf dem Rand unserer Kreisscheibe einmal im 
Gegenuhrzeigersinn uml"auft. So gilt
f"ur alle Punkte $w$ aus dem Inneren unserer Kreisscheibe die Formel
\begin{displaymath}
f (w) = \frac{1}{2\pi {\op{i}}} 
\int_{\partial \vec{K}} \frac{f(z)}{z-w} \diff z
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildCIS}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Die Grundsituation bei Cauchy's Integralformel
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cauchyformel.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber die Cauchyformel.} Beim ersten Hinsehen mag es so scheinen, als ob in dieser Formel die
komplexe Zahl ${\op{i}}$ eine ungeb"uhrliche Sonderrolle spielte,
denn warum sollte eine der beiden Wurzeln aus $-1$ hier besser sein
als die andere?
Dieser scheinbare Widerspruch 
l"ost sich jedoch auf, wenn wir bedenken, da"s es auch  von der 
Wahl einer Wurzel 
aus $-1$ abh"angt, welchen Weg um eine Kreisscheibe wir als 
\glqq im Gegenuhrzeigersinn umlaufend\grqq\  bezeichnen. Das ist
ja "uberhaupt keine streng mathematische Formulierung und h"angt sowohl von 
der Konvention der Uhr  ab als auch von der Konvention, da"s wir  
in der Zahlenebene $1$ nach rechts und $\op{i}$ nach oben abtragen.
Ist streng mathematisch formuliert
 $p$ das Zentrum unserer Kreisscheibe und $R$ ihr Radius,
so meinen wir  in Formeln den Weg 
$\gamma:[0,1]\ra \DC$ gegeben durch $t\mapsto p+R{\op{e}}^{2\pi{\op{i}}t}$.
Die Integralformel von Cauchy wird sich sp"ater  als ein Spezialfall
des Residuensatzes \ref{ReSa} erweisen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
Der Pfeil "uber dem $K$ soll wie in \eref{rPFf}{AN2} die Wahl der Orientierung 
dieser berandeten Untermannigfaltigkeit von $\DC$ andeuten.
Genauer versehen wir den $\DR$-Vektorraum $\DC$  mit
    der Orientierung, f"ur die $\DR^2\sira\DC$, $(x,y)\mapsto x+{\op{i}}y$ eine
    positiv orientierte Karte ist. Dann erbt  $K$  eine
Orientierung als glatt berandete 
Teilmenge und 
$\partial K$ schlie"slich wird versehen 
mit der auf dem Rand induzierten Orientierung.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
Nach der Invarianz des Wegintegrals unter freier Homotopie
 \ref{FrHo} bleibt die rechte Seite unver"andert, wenn wir unseren Weg
$\partial \vec{K}$ ersetzen durch den
Kreisweg $\gamma_{\varepsilon}$ mit Zentrum in 
$w$ und beliebigem Radius $\varepsilon>0$, sofern nur 
besagter Weg ganz in unserer 
Kreisscheibe verl"auft.
Es reicht also zu zeigen
\begin{displaymath}
f(w) = \lim_{\varepsilon \ra 0} \frac{1}{2\pi {\op{i}}}
\int_{\gamma_{\varepsilon}} \frac{f(z)}{z-w} \diff z
\end{displaymath}
Hier k"onnen wir etwa $\gamma_{\varepsilon}: [0,2 \pi] \ra \Bbb{C}$,
$t \mapsto w + \varepsilon \op{e}^{{\op{i}}t} $ nehmen. Die 
fraglichen Integrale ergeben sich damit
zu
\begin{displaymath}
\frac{1}{2\pi {\op{i}}} \int^{2\pi}_{0} 
\frac{f(w+\varepsilon \op{e}^{{\op{i}}t})}{\varepsilon 
\op{e}^{{\op{i}}t}} {\op{i}} \varepsilon \op{e}^{{\op{i}}t} \diff t = 
\frac{1}{2\pi} \int^{2\pi}_{0}
f(w + \varepsilon\op{e}^{{\op{i}}t}) \diff t
\end{displaymath}
und konvergieren wegen der Stetigkeit von $f$ bei $w$
offensichtlich gegen $f(w)$.
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/korrcauchy.mp4}{Hier ist ein  Film zu den anschlie\ss enden Folgerungen aus der  Cauchyformel.}
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Mittelwerteigenschaft}]
Der Wert einer holomorphen Funktion im Zentrum 
einer beliebigen abgeschlossenen\label{MWEE} 
Kreisscheibe aus ihrem Definitionsbereich 
ist der Durchschnitt "uber ihre  Funktionswerte auf dem Rand besagter
Kreisscheibe.
\end{Korollar}
\begin{proof}
Dieser Satz gibt nur in Worten die Aussage der Integralformel in
dem Spezialfall wieder, da"s  $w$ das Zentrum
der Kreisscheibe ist, wie in den letzten  Zeilen des vorhergehenden Beweises
bereits ausgef"uhrt wurde. 
\end{proof}



% \begin{proof}[Beweis]
% Sonst w"are der Schnitt ihres Bildes mit der 
% reellen Gerade durch
% den Ursprung in Richtung jedes Funktionswerts,
% der als Betragsmaximum angenommen wird, nicht
% offen. Dann w"are aber auch ihr Bild selbst nicht offen,
% und das st"unde  im Widerspruch zur Gebietstreue \ref{GeTr}.
% \end{proof}


\begin{Korollar}[\textbf{Goursat}\index{Goursat!Satz von}]\label{Gour}
Die Ableitung einer holomorphen Funktion ist auch selbst wieder holomorph.
\end{Korollar}
\begin{proof}
 "Ubung \ref{VKd} "uber das komplexe Ableiten unter dem
Integral zeigt, da"s die rechte Seite der 
Cauchy'schen Integralformel \ref{CaIF}
  beliebig oft komplex nach $w$ abgeleitet werden kann.  Das liefert 
  f"ur die h"oheren Ableitungen einer holomorphen 
Funktion $f$, die auf einer offenen
  Umgebung einer abgeschlossenen Kreisscheibe $K$ 
definiert ist, und beliebiges $w\in K\backslash\partial K$ sogar die explizite  Darstellung
\begin{displaymath}
f^{(n)}(w) = \frac{n!}{2\pi {\op{i}}} \int_{\partial \vec{K}}
\frac{f(z)\;\;\;}{(z - w)^{n+1}} \diff z\qedhere
\end{displaymath}
\end{proof}



\begin{Lemma}[\textbf{Vorbereitung zum lokalen Umkehrsatz}]
  Jede holomorphe 
  Funktion $\phi:\DC\lco U\ra\DC$ mit nirgends
verschwindender Ableitung\label{WIU} hat
offenes Bild.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungw}
  Sp"ater zeigen wir st"arker, da"s jede nichtkonstante homolorphe Funktion
  mit zusammenh"angendem Definitionsbereich offenes Bild hat.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis mit reeller Analysis]
  Wir folgern aus dem Satz von Goursat, da"s $\phi$ reell stetig
  differenzierbar ist mit "uberall bijektivem Differential, und
  wenden den Umkehrsatz der reellen Analysis an. 
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis innerhalb der Funktionentheorie]
  Wir gehen in mehreren Schritten vor.
\\[2mm]\noindent 1.
 Gegeben $p\in U$ und ein hinreichend kleiner Kreisweg $\gamma$
    um $p$ ist $\phi\circ\gamma$ frei homotop in $\DC$ zu einem
    Kreisweg um $\phi(p)$. In der Tat haben wir 
    $\phi(p+h)= \phi(p) + h\phi'(p) +h\varepsilon(h)$
    mit $\lim_{h\ra 0}\varepsilon(h)=0=\varepsilon(0)$
    und das Geradensegement von $[\phi(p) + h\phi'(p),\phi(p+h)]$ kann folglich
    den Punkt $\phi(p)$ nicht enthalten wenn gilt
    $|\varepsilon (h)|< |\phi'(p)|$.
    Ist der Radius $r$ unseres
    Kreiswegs so klein, da"s gilt $(|h|=r)\RA(|\varepsilon (h)|< |\phi'(p)|)$,
    so ist folglich $t\mapsto \phi(p+r{\op{e}}^{{\op{i}}t})$ frei homotop
    in $\DC\backslash \phi(p)$ zu
    $t\mapsto \phi(p) + r{\op{e}}^{{\op{i}}t}\phi'(p)$
    vermittels der Homotopie, die die Punkte
    mit Parameter $t$ auf beiden Wegen in gerader Linie ineinander "uberf"uhrt,
    in Formeln $$(t,\tau)\mapsto (1-\tau)
    \phi(p+r{\op{e}}^{{\op{i}}t})+\tau (\phi(p) + r{\op{e}}^{{\op{i}}t}\phi'(p))$$
 \\[2mm]\noindent 2.  
  Aufgrund 
  der Invarianz des Wegintegrals unter freier Homotopie \ref{FrHo}  gilt
  $$2\pi{\op{i}}=
  \int_{\phi\circ\gamma}(z-\phi(p))^{-1}\diff z$$
  \\[2mm]\noindent 3.
  Aufgrund 
  der Verwandtschaftsvertr"aglichkeit des Wegintegrals \ref{FWI}
  und unter Verwendung des Satzes von Goursat  gilt f"ur alle
  $q\in\DC$, die nicht im Bild von $\phi\circ\gamma$ liegen,
   die erste Gleichung der Kette 
  $$\int_{\phi\circ\gamma}(z-q)^{-1}\diff z
  =\int_{\gamma}(\phi(w)-q)^{-1}\phi'(w)\diff w=0$$
  F"ur $q\in \DC\backslash \phi(U)$ folgt mit einer weiteren
  Anwendung des Satzes von Goursat
  in Verbindung mit dem Integralsatz von Cauchy oder auch
  bereits der Existenz von Stammfunktionen holomorpher
  Funktionen auf offenen Kreisscheiben  \ref{ExStO} weiter, da"s das
  so umgeschriebene Wegintegral verschwindet. Hierf"ur w"urde sogar die Annahme
  ausreichen, da"s $q$ nicht im Bild unter $\phi$ der abgeschlossenen von
  $\gamma$ umrundeten Kreisscheibe liegt. 
  \\[2mm]\noindent 4. Die Abbildung $\DC\backslash\op{im}(\phi\circ\gamma)\ra \DC$ gegeben durch $q\mapsto\int_{\phi\circ\gamma}(z-q)^{-1}\diff z$ ist stetig
  und verschwindet nicht bei $q=\phi(p)$ nach Schritt 2.
  Also verschwindet sie nicht
  auf einer ganzen Umgebung von $\phi(p)$, die dann nach Schritt 3 in $\phi(U)$
  enthalten sein mu"s.  
  \\[2mm]\noindent 5.
  F"ur alle $p\in U$ gibt es folglich eine Umgebung von $\phi(p)$, die
  in $\phi(U)$ enthalten ist. Damit ist $\phi(U)$ offen.
\end{proof}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildVUK}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
   \nichtfinal{Bild neu malen!}
   Illustration zum Beweis von \ref{WIU}.
Wenn der Punkt $b$ nicht in $f(A)$ l"age, m"u"ste ein Wegintegral
verschwinden, das nach der 
Transformationsformel f"ur Wegintegrale \ref{FWI}  nicht verschwindet.
\end{minipage}
\end{figure}  


  \begin{Satz}[\textbf{Holomorphie von Umkehrfunktionen}]
    Gegeben eine injektive holomorphe Funktion
    $\phi:\DC\lco U\hra\DC$\label{UHI} mit nirgends verschwindender
    Ableitung ist $\phi(U)$ offen und
    $\phi^{-1}:\phi(U)\ra U$ holomorph. 
  \end{Satz}
  \begin{Bemerkungw}
    Wir werden in \ref{??} zeigen, da"s die Ableitung
    einer injektiven holomorphen Funktion eh keine
    Nullstellen haben kann. Diese Bedingung in unserem Satz
    erweist sich also im R"uckblick als "uberfl"ussig.
  \end{Bemerkungw}
    
  \begin{proof} Aus \ref{WIU} folgt
    $\phi(U)\co \DC$. Zus"atzlich folgt,
    da"s $\phi$  
  offene Mengen auf offene Mengen abbildet und da"s mithin die Umkehrfunktion
  $\phi^{-1}:\phi(U)\sira U$ stetig ist. Daraus hinwiederum
  folgt, da"s auch $\psi\pdef \phi^{-1}$ holomorph ist, 
denn gibt es eine stetige Funktion ohne Nullstelle
$\alpha : W \ra \Bbb{C}$ mit $\phi(z) - \phi(p)= (z-p) \alpha (z)$
und setzen wir hier $z = \psi(w)$, so ist $\beta \pdef 1/(\alpha\circ \psi)
:\phi(W) \ra \Bbb{C}$ eine stetige Funktion mit $(w-q)\beta (w)= \psi
(w)-\psi(q)$.
  \end{proof}

 \begin{Satz}[\textbf{Lokaler  Umkehrsatz f"ur holomorphe Funktionen}]
    Gegeben eine  holomorphe Funktion
    $\phi:\DC\lco U\ra\DC$\label{UHIl} und $p\in U$ mit
    $\phi'(p)\neq 0$ gibt es eine offene Umgebung $W$ von $p$ derart,
    da"s $\phi$ eine Injektion $\phi|_W:W\hra \DC$ induziert. 
  \end{Satz}
 \begin{Bemerkungl}
   Insbesondere ist nach \ref{UHI} dann  $\phi(W)$ offen und
   $(\phi|_W)^{-1}:\phi(W)\ra W$ holomorph.
 \end{Bemerkungl}
 \begin{proof}
    Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir $\phi'=\op{id}$
    annehmen. Wir setzen $\psi\pdef \phi-\op{id}$.
    Da nach dem Satz von Goursat  $\phi'$ stetig ist,
    finden wir $r>0$ mit $W\pdef {\op{B}}(p;r)\subset U$ mit und
    $|\psi'(z)|=|\phi'(z)- \op{id}|\leq 1/2\;\forall z\in W$.  
    Es folgt $|z-w|-|\phi(z)-\phi(w)|\leq |\psi(z)-\psi(w)|\leq (1/2)|z-w| \;\forall z,w\in W$
    und so $(1/2)|z-w|\leq |\phi(z)-\phi(w)|$ und die Injektivit"at von $\phi$ auf $W$.
    \end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Liouville}\index{Liouville!Satz von}]
Jede holomorphe auf der 
ganzen komplexen Zahlen\-ebene definierte und beschr"ankte\label{Liou}  
Funktion ist konstant.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Eine  auf der 
ganzen komplexen Zahlenebene definierte holomorphe Funktion 
hei"st auch eine 
{\bf ganze Funktion}.\index{ganz!Funktion}\index{Funktion!ganze}
Einen alternativen Beweis f"ur den Satz von 
Liouville geben wir in \ref{LiNN}.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Lassen wir bei der Darstellung der Ableitung, also dem Fall $n=1$ der
Formeln vom 
Ende des vorhergehenden Beweises des Satzes von Goursat \ref{Gour} den Radius
$R$ unserer Kreisscheibe gegen Unendlich streben, so strebt die L"ange des 
Integrationsweges linear mit dem Radius
gegen Unendlich, das Supremum der zu integrierenden 
Funktion aber ist f"ur $R > |w|$ betragsm"a"sig beschr"ankt
durch eine beliebige obere Schranke von $|f|$ multipliziert
mit $(R-|w|)^{-2}$, f"allt also salopp gesprochen quadratisch mit dem 
Radius. Da unsere Formel hier auch f"ur beliebig gro"se Radien gilt, folgt
 $f^{\prime} (w) =0$ f"ur alle $w \in \Bbb{C}$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Fundamentalsatz der Algebra}]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/fundalg.mp4}{Hier ist ein  Film zur Herleitung des Fundamentalsatzes der Algebra aus dem Satz von Liouville.} Ich erinnere den an Fundamentalsatz der Algebra \eref{KCAA}{LA1}:
Jede Polynomfunktion ohne Nullstelle 
$P: \Bbb{C} \ra \Bbb{C}$  ist konstant. Wir zeigen das nun
mit den Mitteln der Funktionentheorie. 
 Da f"ur jedes Polynom $P$ positiven Grades gilt
$\lim_{z\ra\infty}|P(z)|=\infty$,  
ist f"ur jede Polynomfunktion ohne Nullstelle\label{FSAF}  
aber $1/P$ eine beschr"ankte holomorphe Funktion. Nach dem
 Satz von Liouville \ref{Liou} ist dann $1/P$ und folglich auch $P$ 
konstant.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Morera}]\label{Mor}
Eine stetige komplexwertige auf einer offenen Teilmenge der
komplexen Zahlenebene definierte Funktion  ist holomorph genau dann, wenn
f"ur jedes achsenparallele Rechteck, dessen Fl"ache mitsamt ihrem Rand
ganz im Definitionsbereich
enthalten ist, das Randintegral verschwindet.
\end{Satz}
\begin{Bemerkunge}
  Eine in der Literatur oft bewiesene schw"achere Variante besagt, 
da"s eine stetige komplexwertige Funktion auf einer offenen Teilmenge der
komplexen Zahlenebene  holomorph  ist genau dann, wenn
ihr Wegintegral "uber jeden \glqq Dreiecksrand\grqq\  verschwindet, sobald die
ganze \glqq Dreiecksfl"ache\grqq\  im Definitionsbereich unserer Funktion liegt.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cormor.mp4}{Hier ist ein  Film zum Satz von Morera und seinem Korollar.} F"ur holomorphe Funktionen verschwinden diese Integrale
nach dem Integralsatz \ref{ISC}. F"ur die Umkehrung d"urfen wir ohne 
Beschr"ankung der Allgemeinheit annehmen, unsere Teilmenge sei
eine offene Kreisscheibe. Verschwinden dann alle die fraglichen Integrale,
so besitzt unsere Funktion nach \ref{UKHo} eine Stammfunktion
und ist folglich als Ableitung einer holomorphen Funktion 
nach dem Satz von Goursat \ref{Gour} selbst holomorph.
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Holomorphie durch Stetigkeit}]
Ist  $f:\DC\lco  U \ra \Bbb{C}$ 
stetig und holomorph auf
dem Komplement einer\label{KGho}  
oder auch endlich vieler reeller affiner Geraden, 
so ist $f$ bereits holomorph
auf ganz $U$. 
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
  Salopp gesprochen folgt also aus der
  komplexen Differenzierbarkeit \glqq bis auf eine Ausnahmemenge der
  Kodimension Eins\grqq\ zusammen mit der
  Stetigkeit  bereits die komplexe Differenzierbarkeit "uberall.
  Das steht in scharfem Kontrast zum Fall reeller Funktionen, in dem etwa
  der Absolutbetrag stetig ist und mit Ausnahme des Ursprungs "uberall differenzierbar, aber dennoch im Ursprung eben nicht differenzierbar ist.
  Man kann in "ahnlicher Weise sehr viel st"arkere S"atze beweisen.
Als "Ubung m"ogen sie zeigen, da"s eine stetige Funktion, die holomorph ist auf
dem Komplement einer endlichen Vereinigung eindimensionaler 
in $U$ abgeschlossener $\cal{C}^1$-Untermannigfaltigkeiten
der komplexen Zahlenebene im Sinne von \eref{MFoR}{AN2}, bereits 
auf ganz $U$ holomorph ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSPF}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Beweis von \ref{KGho}. 
Die reelle Achse in der komplexen Zahlenebene 
ist als durchgehende Gerade eingezeichnet. 
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{proof}
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir annehmen, da"s unsere
Funktion auf dem Komplement einer einzigen reellen Geraden holomorph
ist und da"s diese Gerade sogar die reelle Achse ist.
Nach \ref{Mor} reicht es nun zu zeigen, da"s 
f"ur jedes achsenparallele ganz in unserer Teilmenge
enthaltene Rechteck das Randintegral verschwindet.
Durch entsprechendes Zerschneiden von Rechtecken ziehen wir uns
auf den Fall zur"uck, da"s eine Kante unseres Rechtecks auf der
reellen Achse liegt. 
Seien also $a,b,a+h{\op{i}}, b+h{\op{i}}$ mit $a,b,h\in\DR$ und
$a<b$ sowie $0\neq h$ die Ecken
unseres
Rechtecks.  Nach elementaren Absch"atzungen ist
dies Randintegral
f"ur jedes stetige $f$  
eine stetige Funktion von $h$, die sich durch den Wert Null
stetig nach $h=0$ fortsetzen l"a"st. 
Nach dem Integralsatz von Cauchy  ist 
f"ur $f$ holomorph auf $U\backslash\DR$ dies Randintegral
aber unabh"angig von $h$ f"ur $h>0$ und, a priori eventuell mit einem
anderen Wert, f"ur $h<0$. Das zeigt, da"s unser Randintegral Null
sein mu"s f"ur alle $h$.
\end{proof}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Maximumsprinzip, schwache Form}]
Man zeige: Gegeben eine holomorphe Funktion\label{MaPrs} 
$f:\DC\lco U\ra\DC$ 
und ein nichtleeres Kompaktum $K\subset U$
 gibt es
$p\in K$ derart, da"s keine Kreisscheibe
mit Zentrum $p$ ganz in $K$ liegt 
und da"s gilt $|f(p)|\geq |f(z)|\;\forall z\in K$. 
Salopp gesprochen  nimmt also die Restriktion 
unserer Funktion auf unser Kompaktum ihr Betragsmaximum stets
 in  einem \glqq Randpunkt\grqq\  unseres Kompaktums 
an.\index{Maximumsprinzip!schwache Form} 
Eine noch st"arkere Aussage in dieser 
Richtung liefert das Maximumsprinzip \ref{MaPr}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Schwarz'sches Spiegelungsprinzip}]
Sei $U\co\DC$  offen und stabil unter der komplexen Konjugation. 
Wir zerlegen $U$ in seinen Schnitt mit der reellen Achse und der oberen und unteren Halbebene 
in der Form\label{SpSch}\index{Schwarz'sches Spiegelungsprinzip}    
$$U=U^+\sqcup (U\cap\DR)\sqcup U^-$$ mit
$U^\pm\pdef\{z\in U\mid \pm\op{Im}z>0\}$. 
Man zeige: Ist\index{Spiegelungsprinzip!Funktionentheorie} 
 $f:U^+\sqcup(U\cap\DR)\ra\DC$ stetig, holomorph
auf $U^+$ und reellwertig auf $U\cap\DR$, so
k"onnen wir $f$ zu einer holomorphen Funktion
auf $U$ ausdehnen, indem wir f"ur alle $z\in U^-$
setzen $f(z)=\overline{f(\bar{z})}$. 
Hinweis: \ref{HAHn} und \ref{KGho}. 
\end{Ubung}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildScPr}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Illustration zum Schwarz'schen Spiegelungsprinzip
\end{minipage}
\end{figure} 
% \begin{Ubung}[\textbf{Schwarz'sches Spiegelungsprinzip}]
% Sei $U$ eine offene Teilmenge der abgeschlossenen\label{SpSch} 
% oberen Halbebene alias der Schnitt\index{Spiegelungsprinzip!Funktionentheorie} 
% einer offene Teilmenge der komplexen Zahlenebene mit 
% der\index{Schwarz'sches Spiegelungsprinzip}  
% abgeschlossenen
% oberen Halbebene.
% Ist $f:U\ra\DC$ stetig auf $U$, holomorph
% auf $U\backslash\DR$ und reellwertig auf $U\cap\DR$, so
% k"onnen wir $U$ zu einer holomorphen Funktion
% auf $U\cup\bar{U}$ ausdehnen, indem wir f"ur alle $z\in \bar{U}$
% setzen $f(z)=\overline{f(\bar{z})}$. Hier meint $\bar{U}$ das Bild von $U$
% unter der komplexen Konjugation, nicht etwa den Abschlu"s von $U$.
% Hinweis: \ref{HAHn} und \ref{KGho}. 
% \end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Integrale "uber Familien holomorpher Funktionen}]
Seien $U \co \Bbb{C}$ offen und 
$f: U\times  [a,b]\ra \Bbb{C}$, $(z,t) \mapsto f(z,t)$ stetig.
Ist $z\mapsto f(z,t)$ f"ur alle $t\in[a,b]$ holomorph,
so ist\label{VKdd}  
auch die Abbildung $F: z \mapsto \int^{b}_{a} f (z,t) \diff t$ holomorph.
Des weiteren ist dann $\frac{\partial f}{\partial z} : U \times
[a,b] \ra \Bbb{C}$  stetig 
und es gilt
\begin{displaymath}
\frac{\partial F}{\partial z} (w) = 
\int^{b}_{a} \frac{\partial f}{\partial z} (w,t) \diff t
\end{displaymath}
Hinweis: Man folgere aus dem Satz von Morera \ref{Mor},
da"s $F$ holomorph ist, und aus der expliziten Formel f"ur die Ableitung 
aus dem Beweis des Satzes von
Goursat \ref{Gour}, da"s $\frac{\partial f}{\partial z}$ stetig ist.
Dann kann man "Ubung 
 \ref{VKd} zum holomorphn Ableiten unter dem Integral anwenden.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Jede nicht konstante holomorphe 
Funktion $f:\DC\ra\DC$ hat dichtes Bild. Hinweis: F"ur $w\not\in f(\DC)$
betrachte man die Funktionen $g:z\mapsto 1/(f(z)-w)$. In \ref{BiHol} werden
sie st"arker zeigen, da"s dasselbe auch f"ur jede nicht konstante holomorphe 
Funktion $f:\DC\backslash E\ra\DC$ gilt im Fall einer endlichen Teilmenge
$E\subset \DC$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man folgere aus dem Satz von Goursat \ref{Gour},
  da"s f"ur jede holomorphe Funktion
  $f$ die durch $f(x+{\op{i}}y)=u(x,y)+{\op{i}}v(x,y)$
  gegebenen reellen Funktionen
  $u, v$ stetig partiell
  differenzierbar sind.\label{PDGou}  
\end{Ubung}

\subsection{Potenzreihenentwicklung \sose{(2.6)}}
\begin{Bemerkungl}\label{PRC}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/potenzrstetig.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber die Konvergenz komplexer Potenzreihen und
  die  Holomorphie der durch sie dargestellten Funktionen.}
  Einen Ausdruck der Form $\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}z^{\nu}$ mit
$a_\nu\in\DC$ im Sinne von \eref{FPR}{LA1} nennen wir 
  eine {\bf komplexe Potenzreihe}\index{Potenzreihe}. 
Eine Potenzreihe anzugeben bedeutet
  also nichts anderes, als die Folge ihrer Koeffizienten $a_\nu$ anzugeben.
Ist nun $\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}z^{\nu}$ eine komplexe Potenzreihe und
konvergiert die Reihe $\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}z^{\nu}$ 
f"ur ein $z\in\DC$, so konvergiert die Reihe 
$\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}w^{\nu}$ absolut
f"ur alle $w\in\DC$ mit $|w| < |z|$. Der  Beweis dieser Tatsache ist identisch
zum Beweis der entsprechenden Aussage im Reellen
\eref{KR}{AN1}, den wir dort 
nur deshalb nicht im Komplexen gef"uhrt haben, weil uns 
die komplexen Zahlen noch nicht zur Verf"ugung standen. 
Wir erkl"aren den {\bf Konvergenzradius}\index{Konvergenzradius!im Komplexen} 
$r\in [0,\infty]$ einer Potenzreihe $\sum a_{\nu}
z^{\nu}$ wie im Reellen in  \eref{KRp}{AN1} durch
$$\textstyle r = \sup \{|z| \mid \sum a_{\nu} z^{\nu} \text{ konvergiert}
\}$$ 
und erkennen dabei auch gleich den geometrischen 
Ursprung der Bezeichnung
\glqq Konvergenzradius\grqq, die im Rahmen der reellen Analysis 
noch recht unmotiviert daherkommt.
Genau wie in \eref{PR}{AN1} zeigt man, da"s die Partialsummen einer 
komplexen Potenzreihe mit Konvergenzradius $r$ gleichm"a"sig konvergieren
auf jeder abgeschlossenen Kreisscheibe mit Zentrum im Ursprung und 
Radius $\rho <r$. Das folgende Korollar \ref{GKoc} zeigt dann, 
da"s eine komplexe Potenzreihe  mit Konvergenzradius $r$ auf der ganzen
offenen Kreisscheibe $\{z\mid |z|<r\}$ vom Radius $r$ eine
holomorphe Funktion darstellt.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Komplexe Analoga des Abel'schen Grenzwertsatzes}] 
Der Abel'sche Grenzwertsatz \eref{ABG}{AN1} mu"s\label{ABCo}
 im Komplexen sorgf"altiger
formuliert werden: Konvergiert eine komplexe Potenzreihe auch noch auf 
einem Randpunkt ihrer offenen Konvergenzkreisscheibe, so stellt sie nicht
notwendig auf der ganzen offenen Kreisscheibe vereinigt mit diesem
Randpunkt eine stetige Funktion dar, sondern nur auf 
jedem abgeschlossenen Winkelsegment, das \glqq vom fraglichen Randpunkt  
aus ins Innere der Kreisscheibe geht\grqq. Diese Stetigkeit
auf Winkelsegmenten  zeigen wir im allgemeineren
Kontext der Dirichlet-Reihen in \ref{KDRn}.
Welche Schwierigkeiten im allgemeinen auftreten k"onnen, zeigt die
Poissontransformation \ref{PoTr}.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}
   Einen Ausdruck der Form $\sum^{\infty}_{\nu =0} a_{\nu}(z-p)^{\nu}$ mit
$a_\nu\in\DC$ nennt man auch eine {\bf Potenzreihe mit Entwicklungspunkt $p$}.
Ihr Konvergenzbereich besteht dann aus allen $z$ in einer geeigneten
offenen Kreisscheibe mit Zentrum $p$, m"oglicherweise noch zusammen mit 
einigen Punkten auf deren Rand. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}\label{KoKo}
Eine Folge komplexwertiger Funktionen auf einem metrischen
oder allgemeiner topologischen Raum hei"st 
{\bf kompakt konvergent}\index{kompakt!konvergent} 
gegen eine Grenzfunktion,
wenn sie auf allen Kompakta unseres Raums gleichm"a"sig gegen besagte 
Grenzfunktion konvergiert.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Im Rahmen der Funktionentheorie nennt man eine
Reihe von Funktionen \defind{normal konvergent},\index{Konvergenz!normale}
 wenn die Folge ihrer Partialsummen im
Sinne der vorhergehenden Definition \ref{KoKo} kompakt konvergiert.
\end{Bemerkungl}
\begin{Korollar}[\textbf{Grenzwerte von Folgen
holomorpher Funktionen}]
Konvergiert eine Folge holomorpher Funktionen 
kompakt,\label{GKoc}
so ist die Grenzfunktion holomorph und die Folge der
Ableitungen konvergiert kompakt gegen
die Ableitung der Grenzfunktion.
\end{Korollar}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/kompkonv.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber kompakte Konvergenz und das gliedweise Ableiten komplexer Potenzreihen.}
  Die erste Aussage folgt sofort aus
der Charakterisierung \ref{Mor} der Holomorphie durch
das Verschwinden von Randintegralen zu Rechtecken. 
Was  die zweite 
Aussage angeht, so erhalten wir 
aus
der expliziten Formel f"ur die Ableitung als Wegintegral 
aus dem  Beweis von  \ref{Gour}
schon mal, da"s jeder Punkt eine Umgebung besitzt, auf der
die Ableitungen unserer Funktionen gleichm"a"sig gegen die
Ableitung der Grenzfunktion streben. Mit \eref{KO}{AN1} besitzt dann jedes
Kompaktum eine endliche "Uberdeckung durch Teilmengen, auf denen 
die Konvergenz der Ableitungen gleichm"a"sig ist, und damit ist auch
die Konvergenz der Ableitungen gleichm"a"sig auf Kompakta.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
F"ur eine in einer Umgebung des 
Ursprungs durch eine Potenzreihe dargestellte Funktion
 $f(w)=\sum_{\nu\geq 0}a_\nu w^\nu$ gilt stets $f^{(n)}(0)=n!a_n$.
In der Tat konvergieren  komplexe Potenzreihen 
wie in \ref{PRC} erkl"art 
kompakt auf dem Inneren ihres Konvergenzbereichs,
nach \ref{GKoc}
d"urfen wir sie also auch im Komplexen gliedweise ableiten,
und der 
konstante Term der durch   $n$-maliges Ableiten 
entstehenden Potenzreihe 
ist offensichtlich $n!a_n$.
\end{Beispiel}
\begin{Satz}[\textbf{Entwicklung in eine Potenzreihe}]
Eine komplexwertige Funktion auf einer offenen Kreisscheibe
in der komplexen Zahlenebene\label{CHFu}  
ist holomorph genau dann, wenn sie auf der ganzen offenen Kreisscheibe 
durch eine konvergente Potenzreihe mit
Entwicklungspunkt im Zentrum besagter Kreisscheibe 
dargestellt werden kann.
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/kompltaylor.mp4}{Hier ist ein  Film \"uber die Potenzreihenentwicklung holomorpher Funktionen.} Warum Potenzreihen im Inneren ihrer Konvergenzkreisscheibe
holomorphe Funktionen darstellen, 
haben wir bereits in \ref{PRC} diskutiert.
Um umgekehrt zu zeigen, da"s
jede auf einer offenen Kreisscheibe holomorphe Funktion
auch tats"achlich durch eine auf der ganzen offenen Kreisscheibe
konvergente Potenzreihe dargestellt werden kann, 
d"urfen wir ohne 
Beschr"ankung der Allgemeinheit
annehmen, da"s unsere offene Kreisscheibe, sie hei"se etwa $K$, ihr Zentrum im 
Ursprung hat.
Nun beachten wir f"ur $|w|< |z|$ die Entwicklung
\begin{displaymath}
\frac{1}{z-w} = \frac{1}{z} \left(\frac{1}{1-(w/z)}\right) 
= \frac{1}{z} \sum^{\infty}_{\nu =0}
\left(\frac{w}{z}\right)^{\nu}
\end{displaymath}
Die Konvergenz der Partialsummen geschieht hier bei festem $w$ gleichm"a"sig 
auf jedem abgeschlossenen  Kreisring $|z| =\rho$ mit $\rho>|w|$, 
da die rechte Reihe  f"ur alle $z$ auf diesem Kreisring 
majoriert wird durch  die konvergente Reihe
$ \sum^{\infty}_{\nu =0}
\left({|w|}/{\rho}\right)^{\nu}$. 
Folglich k"onnen wir unsere Summe mit der Integration in der 
Integralformel von Cauchy vertauschen
und erhalten
\begin{displaymath}
f(w) = \frac{1}{2 \pi {\op{i}}} \sum^{\infty}_{\nu =0} 
\left(\int_{|z|=\rho} \frac{f(z)}{z^{\nu+1}} \diff z\right)
w^{\nu}
\end{displaymath}
 f"ur jedes $w\in K$ und jedes $\rho$ mit
$|w|<\rho<r$ f"ur $r$ den Radius unserer offenen Kreisscheibe $K$. 
Bei unserem Wegintegral ist dabei der geschlossene 
Weg gemeint, der im Gegenuhrzeigersinn
auf der Kreislinie $|z|=\rho$ einmal um den Ursprung l"auft.
Da unser Integral von $\rho$ gar nicht abh"angt, 
steht damit auch schon eine Entwicklung in eine 
Potenzreihe da. Deren Koeffizienten  m"ussen wegen dem nach
\ref{GKoc} erlaubten gliedweisen Ableiten gerade die 
$f^{(\nu)}(0)/\nu !$ sein, so da"s unsere
Funktion auf der ganzen offenen Kreisscheibe dargestellt wird durch ihre
{\bf Taylorreihe}\index{Taylorreihe!in der Funktionentheorie}
\begin{displaymath}
f(w) = \sum^{\infty}_{\nu =0} \frac{f^{(\nu)}(0)}{\nu !} w^{\nu}
\qedhere\end{displaymath}
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Konvergenzradius und holomorphe Fortsetzung}] 
Hat die Taylorreihe einer holomorphen Funktion 
an einer Stelle einen gegebenen Konvergenzradius, 
so kann unsere Funktion nicht holomorph auf eine  offene
Kreisscheibe mit Zentrum in besagter Stelle und echt gr"o"serem Radius
fortgesetzt werden:
Sonst m"u"ste sich n"amlich diese Fortsetzung  auf der  
gr"o"seren offenen
Kreisscheibe nach unserem Korollar 
auch durch ihre Taylorreihe, notwendig dieselbe,
darstellen lassen, im Widerspruch zu unseren Annahmen an den 
Konvergenzradius. 
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Man bestimme den Konvergenzradius der 
Taylorreihe des Arcus\-tangens zum Entwicklungspunkt Eins.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{HZLe}
Man zeige, da"s f"ur alle $z \in \mathbb C$ mit $|z| < 1$ der Hauptzweig
des Logarithmus von $1 + z$  dargestellt werden kann durch die Potenzreihe
\begin{equation*}
\log (1+z) = z - \frac{z^2}{2} + \frac{z^3}{3} - \ldots
\end{equation*}
Hinweis: Mit etwas Tricksen hatten wir das in \ref{cHZL} 
schon einmal gesehen. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{BePo}
  Man zeige, da"s eine holomorphe Funktion $f:\DC\ra\DC$, f"ur die 
$|f(z)|/|z^n|$ f"ur $|z|>1$ beschr"ankt bleibt, ein Polynom vom Grad
$\leq n$ sein mu"s. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Regel von de l'Hospital}]
  Gegeben $f,g:\DC\lco U\ra\DC$  holomorphe Funktionen derart, da"s $f$ und $g$
  jeweils eine isolierte Nullstelle bei $p\in U$ haben, gilt
  $$\lim_{z\ra p}\frac{f(z)}{g(z)}=\lim_{z\ra p}\frac{f'(z)}{g'(z)}$$
  und, das h"atte formal korrekter davor gesagt werden m"ussen,
  der eine Grenzwert existiert in $\DC$ genau dann, wenn\label{RvHh} 
  der andere Grenzwert existiert in $\DC$. Hinweis:
  Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $p=0$. Man schreibe
  $f(z)=z^n\tilde f(z)$ und $g(z)=z^m\tilde g(z)$ mit $\tilde f(0)\neq 0$
  und $\tilde g(0)\neq 0$. 
  \end{Ubung}



\begin{Ubung}[\textbf{Cauchy-Absch"atzung\index{Cauchy-Absch"atzung} 
f"ur die Koeffizienten einer Potenzreihe}] 
F"ur alle komplexen Potenzreihen
$\sum_{\nu=0}^\infty a_\nu z^\nu$ und alle $n\geq 0$ und alle nichtnegativen $R$ unterhalb ihres
Konvergenzradius\label{KoeffA}  gilt die Absch"atzung 
 $$|a_n|R^n
\leq \op{sup}_{|z|=R}|{\textstyle\sum_{\nu=0}^\infty a_\nu z^\nu|}
$$
Salopp gesprochen k"onnen also komplexe Potenzreihen, die \glqq nur
relativ kleine\grqq\  Werte annehmen, auch \glqq nur relativ kleine Koeffizienten\grqq\ 
haben. Selbst im Fall von komplexen Polynomen kenne ich keinen anderen
Beweis f"ur diese Tatsache. Deren reelles Analogon ist im 
"ubrigen ziemlich falsch, man denke nur etwa an die Gau"s'sche Glockenkurve.
Hinweis: Beweis des Satzes von Goursat \ref{Gour}.
Mit der feineren Absch"atzung \ref{ABWe} f"ur das Wegintegral kann man sogar
$|a_n|R^n$ nach oben absch"atzen durch den Durchschnitt der
Betr"age der Funktionswerte der durch unsere Potenzreihe gegebenen Funktion $f$
auf dem Kreis, in Formeln   $$|a_n|R^n
\leq \int_0^1|f(R{\op{e}}^{2\pi{\op{i}}t})|\diff t$$ 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Absch"atzung f"ur Potenzreihen von Operatoren}] 
Sei $V$ ein endlichdimensionaler komplexer Vektorraum.
Wir w"ahlen eine Norm auf $V$ und versehen\label{GLEi}  
den Raum $\op{End}V$ aller
Endomorphismen von $V$ mit der Operatornorm.
Gegeben eine komplexe Potenzreihe $\sum a_\nu z^\nu$ mit 
Konvergenzradius $r\in [0,\infty]$ und ein Endomorphismus
$A\in \op{End}V$ mit $\|A\|<r$ zeige man, da"s 
$\sum_{\nu=0}^\infty a_\nu A^\nu$ absolut summierbar ist und da"s 
f"ur $\|A\|<R<r$ gilt
$$\left\|\sum_{\nu=0}^\infty a_\nu A^\nu\right\|\leq \left(1-(\|A\|/R)\right)^{-1}\Big(\op{sup}_{|z|=R}|{\textstyle\sum_{\nu=0}^\infty a_\nu z^\nu|}\Big)$$
Man notiert die Summe 
dieser absolut summierbaren Familie 
$f(A)\in \op{End}V$.
Unternehmende Leser betrachten allgemeiner den Fall
eines Banachraums $V$. Hinweis: Cauchy-Absch"atzung \ref{KoeffA} und geometrische Reihe.
\end{Ubung}




\begin{Ubung}[\textbf{Binomische Reihe im Komplexen}]
Man zeige, da"s auch f"ur $z,\alpha\in\DC$ mit $|z|<1$ 
die binomische Reihe \eref{BiRe}{AN1} gegen\label{UBC} 
$(1+z)^\alpha$ konvergiert. Hier verwendet man die offensichtliche
Erweiterung der Binomialkoeffizienten ins Komplexe und versteht
$(1+z)^\alpha=\op{exp}(\alpha\op{log}(z+1))$ f"ur $\op{log}$ den
Hauptzweig des Logarithmus, vergleiche \eref{ahb}{AN1}.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Potenzreihenentwicklung einer Verkn"upfung}]
Gegeben $U,V\co\DC$ offen und $f:U\ra\DC$, $g:V\ra\DC$ holomorph
mit $f(U)\subset V$ und $p\in U$ erh"alt man die
Taylorreihe von $g\circ f$ bei $p$ durch das \glqq Einsetzen
der Taylorreihe von $f$ bei $p$ in die Taylorreihe von $g$ bei $f(p)$\grqq.
Sind genauer $f(p+z)=\sum a_\nu z^\nu$ und $g(f(p)+w)=\sum b_\mu w^\mu$
und $g(f(p+z))=\sum c_\lambda z^\lambda$ die jeweiligen Taylorreihen,
so gilt 
$$c_\lambda=\sum_{\nu(1)+\ldots+\nu(\mu)
=\lambda}b_\mu a_{\nu(1)}\ldots a_{\nu(\mu)}$$
mit der Summe  "uber alle $\mu\geq 0$ und 
alle Abbildungen
$\nu:\{1,\ldots,\mu\}\ra \DN_{\geq 1}$, bei denen die Summe
der Werte gerade $\lambda$ ist. Im Fall $\lambda=0$ gibt es so eine Abbildung $\nu$ nur f"ur 
$\mu=0$ und wir erhalten speziell $c_0=b_0$. Der Koeffizient $a_0$ geht 
nur insofern ein, als $g$  eben um $f(p)=a_0$ entwickelt werden mu"s.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}[\textbf{Exponential und Logarithmus f"ur Matrizen}] 
Sei $V$ ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum.
Wir w"ahlen eine Norm auf $V$ und versehen 
den Raum $\op{End}V$ aller\label{logAe} 
Endomorphismen von $V$ mit der Operatornorm
und betrachten die Abbildung
$$
\begin{array}{cccl}
\op{log}:&\op{B}(\op{id};1)&\ra& \op{End}V\\
&(A+\op{id})&\mapsto &A-\frac{A^2}{2}+\frac{A^3}{3}-\frac{A^4}{4}\ldots
\end{array}$$
Man zeige die Formel
$\op{exp}(\op{log} X)=X$ f"ur alle $X$ im offenen Ball  um die Identit"at
mit Radius Eins. Hinweis: Schneiden wir unsere Potenzreihen
geeignet ab, so erhalten wir durch Verkn"upfen eine Folge von Polynomen,
die gleichm"a"sig auf jedem Kompaktum aus 
$\op{B}(1;1)$ gegen die Funktion $z$ konvergiert. Nun verwende man \ref{GLEi}.
Ein schlechter verallgemeinerbares aber elementareres Argument 
findet man in \eref{logA}{AN2}.
\end{Ubung}














\begin{Ubung}[\textbf{Kompakte Konvergenz und loarithmische Ableitung}]
  Gegeben $U\co \DC$ und eine Folge $f_n:U\ra \DC$ holomorpher
  Funktionen ohne Nullstelle, die kompakt gegen eine holomorphe
  Funktion $f$ ohne Nullstelle konvergiert,\label{logAK} konverieren auch die
  logarithmischen Ableitungen der $f_n$ kompakt gegen die 
logarithmische Ableitung von $f$.
\end{Ubung}

\subsection{Nullstellenmengen holomorpher Funktionen \sose{(7.6)}}

\begin{Lemma}[\textbf{Nullstellenordnung holomorpher Funktinen}]
Hat eine holomorphe Funktion $f:\DC\lco U\ra \DC$   bei $p\in U$ 
eine Nullstelle, verschwindet aber auf keiner Umgebung von $p$ identisch, 
so gibt es genau ein $n\geq 1$
und genau eine holomorphe Funktion
$g:U\ra \DC$ mit $g(p)\neq 0$ derart,\label{PAN}  da"s f"ur
alle $z\in U$ gilt  $$f(z)=(z-p)^n g(z)$$
\end{Lemma}
\begin{proof}
  Das folgt sofort aus der Potenzreihenentwicklung \ref{CHFu}. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/nullstellen.mp4}{Hier ist ein erster Film \"uber Nullstellen holomorpher Funktionen.}
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
 Die fragliche Zahl $n$ hei"st die 
 {\bf Ordnung der Nullstelle}\index{Ordnung!einer Nullstelle} und wir verwenden
 daf"ur die Notation
 $n=v_p(f)$. 
 Verschwindet $f$ identisch in einer Umgebung von $p$, so setzen wir
 $v_p(f)= \infty$. Der Buchstabe $v$ steht hier f"ur \glqq valuation\grqq, zu deutsch \glqq Bewertung\grqq.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Sei $U$ ein topologischer Raum und $f:U\ra \DC$ eine komplexwertige Funktion.
  Eine Nullstelle $p\in U$ von $f$, die in einer Umgebung von $p$
  die einzige Nullstelle ist, nennen wir
  ganz allgemein eine 
  {\bf isolierte Nullstelle}\index{isoliert!Nullstelle}
  von $f$.\index{Nullstelle!isolierte} Die nicht isolierten Nullstellen
  einer Funktion nennen wir ihre 
{\bf nichtisolierten Nullstellen}.\index{Nullstelle!nichtisolierte}
Im Fall einer stetigen Funktion $f:U\ra \DC$
ist klar, da"s ihre Nullstellen  eine abgeschlossene Teilmenge
 $f^{-1}(0)\As U$ bilden. Ebenso ist aber auch klar, da"s  ihre nichtisolierten Nullstellen  eine abgeschlossene Teilmenge
 $N\As U$ bilden, weil ihr Komplement ja offensichtlich offen sein mu"s.
Im Fall einer holomorphen Funktion $f:\DC\lco U\ra\DC$ zeigt unser\label{Nst} 
Lemma \ref{PAN} dar"uber hinaus, da"s die nichtisolierten
Nullstellen von $f$ auch eine
offene Teilmenge $N\co U$ bilden. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Satz}[\textbf{Nullstellenmengen holomorpher Funktionen}]
Hat  eine  
holomorphe Funktion mit zusammenh"angendem 
Definitionsbereich mindestens eine nicht\-iso\-lier\-te Nullstelle, so ist unsere
Funktion die Nullfunktion.\label{NSTe}  
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Insbesondere hat also eine von Null verschiedene 
holomorphe Funktion mit zusammenh"angendem 
Definitionsbereich  nur isolierte Nullstellen.
Allerdings k"onnen sich diese Nullstellen durchaus 
\glqq am Rand des Definitionsbereichs h"aufen\grqq. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/anschauungnst.mp4}{Hier ist ein  Film zur anschaulichen Bedeutung des Satzes.}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/nullstellenzwei.mp4}{Hier ist ein  Film zum Beweis.}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} Wir verwenden bei diesem Beweis den topologischen
  Zusammenhangsbegriff. F"ur das Verst"andnis der Aussage ist das nicht von
  Belang, denn 
  nach \ref{ZSWZiF} ist  eine offene Teilmenge der komplexen Zahlenebene
  topologisch zusammenh"angend genau dann,
  wenn sie wegweise zusammenh"angend ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof} 
  Sei $f:\DC\lco U\ra\DC$ unsere holomorphe Funktion.
  Nach \ref{Nst} ist die Menge $N$ der nicht\-iso\-lier\-ten Nullstellen von $f$
  sowohl offen als auch abgeschlossen in $U$. Da $U$ zusammenh"angend ist,
  gilt entweder $N=\emptyset$ oder $N=U$ und unter den Annahmen des Satzes
  also $N=U$.
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Identit"atssatz}]
Stimmen zwei auf einer zusammen\-h"ang\-en\-den 
offenen Menge definierte\label{IdSa}
holomorphe Funktionen "uberein auf einer Teilmenge mit mindestens
einem 
nichtisolierten Punkt, so sind sie gleich. 
\end{Korollar}
\begin{proof}
Man wende den vorhergehenden Satz \ref{NSTe} "uber Nullstellenmengen 
holomorpher Funktionen
auf die Differenz unserer beiden Funktionen an.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
  Die komplexe Exponentialfunktion ist die einzige holomorphe Funktion
$\DC\ra\DC$, die auf der reellen Achse mit der reellen Exponentialfunktion
"ubereinstimmt.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungw}
  Man kann sich fragen, ob jede holomorphe Funktion
  mit zusammenh"angendem Definitionsbereich eine gr"o"ste holomorphe
  Fortsetzung hat. Der komplexe Logarithmus und viele andere Beispiele
  zeigen schnell, da"s das nicht richtig sein kann. Es wird jedoch richtig,
  wenn man \glqq mehrwertige\grqq\ Funktionen erlaubt, vergleiche
  \eref{RFFK}{TG}. Wir gehen darauf an dieser Stelle nicht weiter ein. 
\end{Bemerkungw}


%\begin{figure}[p]\centering
%\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildMaPr}\\[4mm]
%\noindent 
%Illustration zum Beweis des Maximumsprinzips. 
%\end{figure}
\begin{Korollar}[\textbf{Maximumsprinzip}]
Eine nicht konstante holomorphe Funktion auf\label{MaPr} 
einer zusammenh"angenden offenen Menge $f:\DC\lco U\ra\DC$
kann nirgends ein Betragsmaximum
annehmen, in Formeln\index{Maximumsprinzip} 
$$\big(\op{sup}|f(U)|\big)\not\in |f(U)|$$
\end{Korollar}


\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/maxprinz.mp4}{Hier ist ein  Film zum Maximumsprinzip.} Nach der Mittelwerteigenschaft \ref{MWEE} gilt f"ur jede holomorphe
  Funktion und jede abgeschlossene Kreisscheibe in ihrem Definitionsbereich,
  da"s der Funktionswert im Zentrum der Durchschnitt "uber die Funktionswerte
  auf dem Rand sein mu"s. Da"s die Werte auf dem Rand betragsm"a"sig h"ochstens
  so gro"s sind wie der im Zentrum ist offensichtlich nur dann m"oglich, wenn
  alle diese Werte gleich sind.
  In der Tat k"onnen wir ohne Beschr"ankung der
  Allgemeinheit den Wert $f(p)$ im Zentrum zus"atzlich reell nichtnegativ annehmen
  und dann folgt aus
  $$f(p)=\frac{1}{2\pi}\int_0^{2\pi} f(p+\varepsilon {\op{e}}^{{\op{i}}t})\diff t=\frac{1}{2\pi }\int_0^{2\pi} \op{Re}(f(p+\varepsilon{\op{e}}^{{\op{i}}t}))\diff t$$
      und $f(p)=|f(p)|\geq |f(p+\varepsilon{\op{e}}^{{\op{i}}t})|\geq \op{Re}(f(p+\varepsilon{\op{e}}^{{\op{i}}t}))$ f"ur alle $t$ erst in dieser Gleichungskette
      Gleichheit f"ur alle $t$ und dann $f(p)= f(p+\varepsilon{\op{e}}^{{\op{i}}t})$
      f"ur alle $t$. Nimmt also unsere Funktion irgendwo ihr Betragsmaximum an,
      so ist sie auf einer Umgebung dieser Stelle konstant und damit nach dem
      Identit"atssatz \ref{IdSa}  global konstant.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Schwarz'sches Lemma}]\label{SchL}
F"ur jede holomorphe Abbildung der offenen
Einheitskreisscheibe\index{Schwarz'sches Lemma} 
in sich selber, die den Ursprung festh"alt, gilt:
\begin{enumerate}
\item 
Das Bild jedes Punktes liegt
mindestens ebenso nah am Ursprung wie besagter
  Punkt selbst und die Ableitung unserer Abbildung im Ursprung hat 
h"ochstens den
  Betrag Eins;
\item
Hat f"ur mindestens einen Punkt au"serhalb des Ursprungs 
sein Bild denselben Abstand zum
  Ursprung wie der besagte Punkt selbst oder hat die Ableitung im Ursprung
  den Betrag Eins, so ist unsere Abbildung eine Drehung.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/schwarz.mp4}{Hier ist ein  Film zum Schwarz'schen Lemma.} Wir betrachten die offene Einheitskreisscheibe  $E=\{z\in\DC\mid |z|<1\}$.
F"ur eine holomorphe Abbildung $f: E \ra E$ mit $f(0) =0$ 
behauptet unser Satz in Formeln $$|f(z)| \leq |z|\text{ f"ur alle }z\in E
\text{ und }|f^{\prime}(0)|\leq 1.$$
Des weiteren behauptet er f"ur die F"alle 
 $|f(z)| = |z|$ f"ur ein $z\in E\backslash 0$ oder $|f^{\prime}(0)|= 1$,
da"s $f$ eine Drehung sein mu"s. 
F"ur jedes $\varepsilon >0$ gibt es, wenn $f$ die offene
Einheitskreisscheibe
in sich selber abbildet, sicher ein $\delta \in (0,1)$ mit
$|z| \geq \delta \Rightarrow |f(z)/z| \leq 1+ \varepsilon$.
Dieser Quotient kann  also salopp gesprochen \glqq betragsm"a"sig 
um so weniger "uber die Eins hinauskommen, je n"aher $z$ 
am Rand der Einheitskreisscheibe liegt\grqq.
Nun erh"alt man nach dem Satz "uber die Potenzreihenentwicklung 
\ref{CHFu} eine holomorphe Funktion durch die
Vorschrift
$z \mapsto f(z) /z $ f"ur $z \neq 0$ beziehungsweise $z \mapsto f^{\prime}(0)$ f"ur
$z=0$.
Da diese Funktion nach \ref{MaPr} auf einer offenen Kreisscheibe ihr 
Betragsmaximum nicht annehmen kann, wenn sie nicht konstant ist,  
folgt $|f(z)/z| \leq 1$
f"ur alle $z \in E\backslash 0$ sowie $|f^{\prime}(0)| \leq 1$.
Steht hier an einer Stelle eine Gleichheit, so ist $f(z)/z$ 
konstant und folglich
$f$ eine Drehung.
\end{proof}

\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubung}\label{BEK} 
Man zeige, da"s jede holomorphe Bijektion von der Einheitskreisscheibe auf
sich selber, die den Ursprung festh"alt, eine Drehung alias
Multiplikation mit einer komplexen Zahl der Norm Eins sein mu"s.
Hinweis: Man wende das Schwarz'sche Lemma auch auf die 
Umkehrfunktion an.   
\end{Ubung}
\nichtfinal{Dieser Themenkomplex mu"s noch besser durchsortiert werden.
  \begin{Ubung}
  Man zeige, da"s die Operation von $\op{SL}(2;\DR)$ auf der oberen Halbebene
  aus \ref{Traoh} einen surjektiven Gruppenhomomorphismus von $\op{SL}(2;\DR)$
  auf die Gruppe der holomorphen Bijektionen
  der oderen Halbebene zu sich selber liefert und das der Kern dieses
  Gruppenhomomorphismus $\pm{\op{I}}$ ist. Hinweis: Nach \ref{Bioh} gibt es
  einen Isomorphismus der oberen Halbebene mit der offenen Einheitskreisscheibe.
\end{Ubung}}

%\emph{Selbstabbildungen der Kreisscheibe bereits hier? Ja, als "Ubung!}


\begin{Ubung}\label{AutoH} 
%   Gegeben $U,V\co\DC$ hei"st eine Abbildung
% $f:U\ra V$ \defind{biholomorph} genau dann, wenn sie holomorph und bijektiv
% ist
% und ihre Umkehrabbildung auch holomorph ist. Letztere Eigenschaft folgt 
% im "ubrigen  nach \ref{hbbh} 
% bereits aus den beiden ersteren, aber mit diesem Satz will
% ich die Definition nicht belasten.
Man konstruiere eine bijektive holomorphe Abbildung von der offenen 
Einheitskreisscheibe in die Halbebene aller komplexen Zahlen mit positivem
Imagin"arteil, der sogenannten \glqq oberen Halbebene\grqq. 
Hinweis: M"obius-Geometrie %\eref{MoeE}{LA2}, 
\eref{MoGe}{EL}.
Man zeige, da"s die dort eingef"uhrte 
Operation   der speziellen linearen Gruppe  $\op{SL}(2;\DR)$ auf 
der oberen Halbebene die Restklassengruppe
$\op{PSL}(2;\DR)\pdef \op{SL}(2;\DR)/\{\pm \op{id}\}$ 
identifiziert 
mit der Gruppe aller bijektiven holomorphen Abbildung von der
oberen Halbebene auf sich selber. Hinweis: \ref{BEK}.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}\label{StFot}
Eine stetige komplexwertige Funktion auf der reellen Achse 
besitzt h"ochstens eine Fortsetzung auf die abgeschlossene
obere Halbebene, 
die sowohl stetig ist auf der abgeschlossenen oberen Halbebene 
als auch holomorph auf der offenen oberen Halbebene.
Man zeige auch, da"s nicht jede stetige 
komplexwertige Funktion auf der reellen Achse in dieser Weise
fortgesetzt werden kann. 
Hinweis: Spiegelungsprinzip \ref{SpSch}. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{nLOG}
  Man zeige, da"s sich 
die auf der offenen Einheitskreisscheibe
 durch die Reihen $\sum_{k\geq 1} z^k/k^n$
definierten Funktionen 
holomorph auf das Komplement von $\DR_{\geq 1}$ 
in der komplexen Zahlenebene
fortsetzen lassen. Die zugeh"origen Funktionen
hei"sen {\bf Polylogarithmen}\index{Polylogarithmus}
oder pr"aziser {\bf $n$-Logarithmen}\index{Logarithmus!$n$-Logarithmus}
und werden $\op{Li}_n(z)$ oder auch $\op{L}_n(z)$ 
notiert.\index{Li@$\op{Li}_n(z)$ $n$-Logarithmus} 
Insbesondere den  
{\bf Dilogarithmus}\index{Dilogarithmus} $\op{Li}_2$ trifft man des "ofteren.
F"ur den $1$-Logarithmus gilt $\op{Li}_1(z)=-\op{log}(1-z)$ 
nach \eref{BPR}{AN1}.
Man zeige allgemeiner, da"s
sie sich f"ur jede schleifenf"ullende offene  Teilmenge
$U\subset \DC\backslash \{1,0\}$ und jede Zusammenhangskomponente
des Schnitts von $U$ mit der offenen Einheitskreisscheibe
 eindeutig von diesem Schnitt
 auf die ganze Menge $U$ fortsetzen lassen. In der Terminologie
aus \eref{RFFK}{TG} liefert also in der \glqq Riemannschen
 Fl"ache unseres
Funktionskeims das Urbild des Komplements von $\{1,0\}$ eine 
"Uberlagerung dieses Komplements\grqq.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}[\textbf{Holomorphe Funktionen und formale Potenzreihen}] 
  Die Entwicklung in eine Potenzreihe liefert f"ur jede offene Umgebung
$U\co \DC$ des Ursprungs in der Zahlenebene einen\label{GfR} 
Ringhomomorphismus
$\cal{O}^{\op{an}}(U)\ra \DC\llbracket z \rrbracket$
vom Ring 
$\cal{O}^{\op{an}}(U)$\index{O@$\cal{O}^{\op{an}}$ holomorphe Funktionen} 
der  holomorphen Funktionen auf $U$ in den Ring der 
formalen Potenzreihen 
$\DC\llbracket z \rrbracket$ aus \eref{FPR}{LA1}. 
Ist $U$ wegzusammenh"angend, 
so erhalten wir auf diese Weise sogar einen injektiven
 Ringhomomorphismus
$$\cal{O}^{\op{an}}(U)\hra \DC\llbracket z \rrbracket$$
\end{Ubung}
\subsection{Lokale Struktur holomorpher Funktionen \sose{(9.6)}}
\begin{Lemma}[\textbf{Lokaler Umkehrsatz f"ur holomorphe Funktionen}]
Ist $U\co \DC$ offen und $p \in U$ ein Punkt und\label{uks}  
$f : U \ra \Bbb{C}$ holomorph mit $f^{\prime} (p) \neq 0$, 
so gibt es eine offene Umgebung
$V\co U$ von $p$ derart, da"s die Restriktion  von $f$ auf $V$ 
eine biholomorphe Einbettung ist. 
\end{Lemma}

 



\begin{proof}
 \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/bihol.mp4}{Hier ist ein Film \"uber dies Lemma und seinen Beweis.} Nach dem Satz von Goursat \ref{Gour} ist die Ableitung von
  $f$ stetig.  
Der Satz "uber die Umkehrabbildung \eref{UKA}{AN2} 
aus der Analysis sagt uns dann, da"s $f$ eine 
offene Umgebung von $p$ bijektiv mit einer offenen
Umgebung von $f(p) $ identifiziert.
Proposition \ref{cAUc} "uber  Umkehrfunktionen holomorpher 
Funktionen liefert damit den Rest
der Behauptung.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Komplexe Wurzelfunktionen}]
Wenden wir dieses Lemma auf die Abbildungen $z\mapsto z^n$ an,
so ergibt sich, da"s jeder Punkt $p\in\DC^\times$ eine offene
Umgebung $V$ besitzt, die unter $z\mapsto z^n$ biholomorph
auf eine offene Umgebung $W$ von $p^n$ abgebildet wird.
Umgekehrt besitzt also jeder Punkt $q\in\DC^\times$ eine offene
Umgebung $W$, auf der  eine holomorphe Funktion 
$w:W\ra \DC$ existiert mit $w(z)^n=z$ f"ur alle $z\in W$. 
Es ist auch explizit leicht zu sehen, da"s es solche 
$n$-ten Wurzelfunktionen $w$ sogar auf jeder geschlitzten komplexen
Zahlenebene $W=\Bbb{C}
\backslash \Bbb{R}_{\geq 0} s$ mit $s \in \Bbb{C}^{\times}$ gibt. Als
"Ubung m"ogen Sie zeigen, da"s es sie sogar auf jeder schleifenf"ullenden offenen Teilmenge von $\DC^\times$ gibt.
\end{Bemerkungl}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildQCo}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Dies Bild soll zus"atzliche Anschauung f"ur die Abbildung $z\mapsto z^2$ 
der komplexen Zahlenebene auf sich selbst vermitteln.
Es stellt diese Abbildung dar als die Komposition
einer Abbildung der Einheitskreisscheibe auf eine r"aumliche
sich selbst durchdringende Fl"ache, 
gegeben in etwa durch eine Formel der Gestalt
 $z\mapsto (z^2,\varepsilon(\op{Im}z))$ in $\DC\times \DR\cong
\DR^3$ f"ur geeignetes monotones und in einer Umgebung von Null streng
monotones $\varepsilon$, 
gefolgt von einer
senkrechten Projektion auf die ersten beiden Koordinaten. 
Das hat den Vorteil, da"s im ersten Schritt nur Punkte der
reellen Achse identifiziert werden, was man sich
leicht wegdenken kann,
und da"s der zweite Schritt eine sehr anschauliche Bedeutung hat,
eben die senkrechte Projektion. 
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Satz}[\textbf{Wurzeln holomorpher Funktionen an Nullstellen}]
Seien $U\co \DC$ offen und $p\in U$ ein Punkt
und $f:U\ra\DC$ holomorph mit einer Nullstelle endlicher
 Ordnung $n\geq 1$ bei $p$.
So gibt es
eine offene Umgebung $V\co U$ von $p$ und eine \hyperref[biho]{biholomorphe
  Einbettung} $b:V\hra \DC$ mit $b(p)=0$ derart,\label{WFNS}
 da"s  f"ur alle $z\in V$ gilt
$$f(z)=b(z)^n$$ 
\end{Satz}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/wurzelnullstelle.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diesen Satz und seinen Beweis.} Im Fall $n=1$ gilt es nur zu zeigen, da"s $f$ selbst 
eine biholomorphe Einbettung auf einer offenen Umgebung von $p$ induziert,
und das ist gerade die Aussage des lokalen Umkehrsatzes f"ur
holomorphe Funktionen \ref{uks}. 
Im allgemeinen  d"urfen wir  sicher
  $p =0$ annehmen. Wir  entwickeln  $f$ in eine Potenzreihe und erhalten
  \begin{displaymath}
    f(z) = \sum^{\infty}_{\nu =n} a_{\nu} z^{\nu} 
    = z^{n} \sum^{\infty}_{\nu =0} a_{n+\nu} z^{\nu}
    =z^{n} g(z)
  \end{displaymath}
  f"ur eine holomorphe Funktion $g$ mit $g(0) \neq 0$.  
  Nun finden wir sicher eine offene Umgebung $W\co U$ des Ursprungs derart,
da"s $g(W)$ ganz in einer geschlitzten Ebene liegt, auf der es eine holomorphe $n$-te Wurzelfunktion  $w$ gibt, 
 so da"s wir auf $W$ eine
  holomorphe Funktion $h(z) \pdef w(g(z))$ finden k"onnen
 mit $h(z)^{n} = g(z)\; \forall
 z \in W$.  Dann gilt $f(z) = (z h (z))^n \; \forall z \in W$
 und die Funktion  $b:z
  \mapsto z h (z)$ ist nach  dem
  lokalen Umkehrsatz \ref{uks}  nach
  Restriktion zu einer gegebenenfalls noch kleineren
  Umgebung $V$ des Ursprungs eine biholomorphe Einbettung.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Lokale Struktur holomorpher Funktionen}]
 Seien $f:U\ra\DC$ eine holomorphe Funktion auf $U\co \DC$   und  $p\in U$ ein Punkt.\label{lshf} 
So gibt es \hyperref[biho]{biholomorphe
Einbettungen} $u:E\hra U$
 und
 $v:E\hra \DC$ der offenen Einheitskreisscheibe
 in den Definitions- beziehungsweise Wertebereich von $f$ 
 mit $u(0)=p$ und $v(0)=f(p)$ sowie $n\in\DN_{\geq 1}\sqcup\{\infty\}$ derart, da"s das Diagramm
 bepunkteter R"aume $$\xymatrix{z\ar@{|->}[d]&
(E,0) \ar[d]\ar@{^(->}[r]^u & (U,p)\ar[d]^f \\
   z^n&(E,0) \ar@{^(->}[r]^v&  (\DC,f(p)) }$$
 kommmutiert, mit der Vereinbarung, da"s $z\mapsto z^\infty$
 die konstante Abbildung Null bedeuten m"oge. Wir haben dabei
 $n=\op{inf}\{\nu\geq 1\mid f^{(\nu)}(p)\neq 0\}$.
\end{Korollar}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/lokstranschauung.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diese Aussage} und 
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/lokstrbeweis.mp4}{ein weiterer \"uber ihren Beweis.} 
 Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der
 Allgemeinheit $f(p)=0$ annehmen. Hat $f$ eine Nullstelle unendlicher Ordnung bei $p$, so ist $f$ konstant Null
 in einer Umgebung von $p$ und $u$ und $v$ sind leicht zu finden.
 Andernfalls k"onnen wir unseren Satz \ref{WFNS}
 "uber Wurzeln holomorpher Funktionen bei
 Nullstellen anwenden und eine offene Umgebung $V\co U$ von
 $p$ nebst einer biholomorphen Einbettung $b:V\hra \DC$
 finden mit  $b(p)=0$ und $f(z)=b(z)^n$ f"ur alle $z\in V$. Indem wir eine offene Kreisscheibe $K\co b(V)$ mit Zentrum im Ursprung w"ahlen und mit $\bar u:K\hra U$
 als die Umkehrfunktion von $b:b^{-1}(K)\sira K$ erkl"aren,
 finden wir $f(\bar u(z))=z^n$ f"ur alle $z\in K$. W"ahlen
 wir nun noch ein $\lambda\in\DC$, das eine Bijektion
 $(\lambda\cdot):E\sira K$ induziert, und setzen
 $u(z)\pdef \bar u(\lambda z)$, so folgt
 $f(u(z))=\lambda^n z^n$ und mit $v\pdef (\lambda^n\cdot)$ haben wir unser Ziel erreicht. Hier k"onnen wir sogar
 $\lambda>0$ reell und positiv w"ahlen.
\end{proof}

%\begin{Bemerkungl}[\textbf{Lokale Struktur holomorpher Funktionen}]
% Seien $U\co \DC$ offen und $p\in U$ ein Punkt\label{lshf} 
%und $f:U\ra\DC$ eine holomorphe Funktion, 
%die in keiner Umgebung von $p$ konstant ist.
%So gibt es eine nat"urliche Zahl $n\geq 1$ 
%und eine offene Umgebung $V\co U$ von $p$ und eine biholomorphe
%Einbettung $w:V\hra \DC$ derart, da"s  f"ur alle $z\in V$ gilt
%$$f(z)=f(p)+w(z)^n$$ 
%Das folgt sofort, wenn wir den Satz auf die Funktion
%$z\mapsto f(z)-f(p)$ anwenden, die dann bei $p$ eine
%Nullstelle endlicher Ordnung hat. Salopp gesprochen gibt es also
%f"ur jede
%holomorphe Funktion an jeder Stelle holomorphe lokale Koordinaten
%um besagte Stelle und  ihr Bild derart, 
%da"s unsere Funktion in diesen Koordinaten
%die Gestalt einer Potenzfunktion $u\mapsto u^n$  mit $n\in\DN$ annimmt.
%Dar"uberhinaus gelingt das sogar mit einer Koordinate im Bildbereich 
%der Gestalt $z\mapsto a+z$.
%\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildLSt}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Satz "uber die lokale Struktur
holomorpher Funktionen. Im Bild ist zus"atzlich
eine Erkenntnis aus dem Beweis angedeutet, nach der man
$u$ und $v$ sogar so w"ahlen kann, da"s $v$
von der Gestalt $z\mapsto \mu z+ f(p)$ ist mit $\mu>0$.
Die durch die Doppelspitzen angedeutete Surjektivit"at
gilt nat"urlich nur im Fall $n\neq\infty$ einer Abbildungen $f$,
die in keiner Umgebung von $p$ konstant ist.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Korollar}[\textbf{Gebietstreue}]
Das Bild einer offenen zusammenh"angenden  
Teilmenge der komplexen Zahlenebene \label{GeTr}
unter einer nicht konstanten holomorphen Funktion
ist stets wieder eine offene zusammenh"angende
Teilmenge der komplexen Zahlenebene.
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
Eine zusammenh"angende offene Teilmenge der komplexen
Zahlenebene hei"st auch ein {\bf Gebiet}\index{Gebiet}
und eine  zusammenh"angende schleifenf"ullende offene Teilmenge ein {\bf Elementargebiet}.\index{Elementargebiet} In dieser 
Terminologie kann das Korollar dahingehend 
formuliert werden, da"s das Bild eines Gebietes unter einer
nicht konstanten holomorphen Funktion wieder ein Gebiet ist.
Daher r"uhrt auch sein Name. Der einzige Grund, aus dem wir 
den Definitionsbereich zusammenh"angend annehmen m"ussen, liegt darin,
da"s es sonst Funktionen geben k"onnte, die auf einer 
Wegzusammenhangskomponente des Definitionsbereichs konstant sind ohne
global konstant zu sein.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/gebietstreue.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Gebietstreue.} 
Nach dem Identit"atssatz ist unsere Funktion nie in der
Umgebung eines Punktes konstant. Das Korollar folgt damit sofort
aus Satz \ref{lshf} "uber die lokale Struktur holomorpher
Funktionen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Alternativer Beweis des Maximumsprinzips}]
  Das Maximumsprinzip aus \ref{MaPr} folgt auch  unmittelbar aus dem Satz "uber die Gebietstreue \ref{GeTr}, das Bild einer nichtkonstanten holomorphen Funktion
  auf einer zusammenh"angenden offenen Teilmenge der Zahlenebene ist eben offen
  und besitzt damit offensichtlich keine Punkte von maximalem Betrag.
  Dieser Beweis ist zwar schnell und elegant, wirkt auf mich aber global
  gesehen doch  eher wie der \glqq Besuch eines Aussichtspunkts beim
  Abstieg von einem h"oheren Gipfel\grqq.
\end{Bemerkungl}
  
  \begin{Korollar}[\textbf{Holomorphie von Umkehrfunktionen}]
    Gegeben eine injektive holomorphe Funktion ist ihr Bild offen und
ihre Umkehrabbildung
    holomorph.\label{hbbh} 
  \end{Korollar}
  \begin{Bemerkungl}
    In anderen Worten ist also jede injektive holomorphe  Funktion
    eine biholomorphe Einbettung. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/einkauf.mp4}{In diesem Film versuche ich, eine Anschauung f\"ur eine allgemeine holomorphe
      Funktion zu geben.}
  \end{Bemerkungl}
  \begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/holum.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Holomorphie der Umkehrfunktion.} Unsere Funktion hat offenes Bild nach dem Satz "uber die Gebietstreue 
\ref{GeTr} und nirgends verschwindende Ableitung nach dem Satz "uber die
lokale Struktur \ref{lshf}. Dar"uber hinaus ist die Ableitung stetig ist nach dem Satz
von Goursat \ref{Gour}. Unter diesen Voraussetzungen aber haben wir
die Holomorphie  der Umkehrung bereits in
\ref{cAUc} gezeigt.  
  \end{proof}



  
\newpage
\section{Singul"are Stellen holomorpher Funktionen}





\subsection{Isolierte Singularit"aten und Laurentreihen \sose{(14\&16.6)}}
\begin{Definition}\label{IsSi}
  Sei $U \co \Bbb{C}$ offen. Unter
  einer
  {\bf holomorphen Funktion
    mit isolierten Singularit"aten auf $U$}\index{holomorphe Funktion!mit Singularit"aten}
  versteht man eine auf dem Komplement einer Teilmenge
  $T\subset U$ ohne H"aufungspunkt in $U$
  definierte und dort holomorphe Funktion $$f:U\backslash T\ra \DC$$
Jeder Punkt  $p\in T$ hei"st dann eine
  {\bf isolierte 
Singularit"at\index{isolierte Singularit"at} 
von} $f$.\index{Singularit"at!in Funktionentheorie!isolierte} 
L"a"st sich $f$ zu einer holomorphen Funktion auf 
$(U\backslash T)\cup\{p\}$ fortsetzen, so hei"st $p$ 
eine {\bf hebbare 
Singularit"at}.\index{Singularit"at!in Funktionentheorie!hebbare} 
Ist eine\index{hebbare Singularit"at} 
Singularit"at $p\in T$ zwar nicht hebbar, wird aber
hebbar nach Multiplikation unserer Funktion $f$ mit einer geeigneten 
Potenz $(z-p)^n$, so spricht man von einem
{\bf Pol} %\index{Pol!in Funktionentheorie}
 oder ausf"uhrlicher 
von einer 
{\bf Polstelle}\index{Polstelle!in Funktionentheorie} 
und das kleinstm"ogliche solche $n$ 
hei"st die 
{\bf Polordnung}.\index{Polordnung!in Funktionentheorie}
Ist die Singularit"at weder hebbar noch ein Pol, so spricht man von
einer 
{\bf wesentlichen 
Singularit"at}.\index{wesentlich!Singularit"at}
\index{Singularit"at!in Funktionentheorie!wesentliche} \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/typensing.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die drei Typen von Singularit\"aten.}
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
Die Funktion $z \mapsto \op{exp}(z^{-1})$ hat im 
Ursprung eine wesentliche Singularit"at.
\end{Beispiel}
\begin{Satz}[\textbf{Riemann'scher Hebbarkeitssatz}]
Bleibt eine holomorphe Funktion in einer Umgebung\label{RiHe}
einer isolierten Singularit"at betragsm"a"sig beschr"ankt,
so ist die Singularit"at hebbar. 
\end{Satz}

\begin{proof}
Sei $U\co\DC$ offen, 
$p\in U$ ein Punkt und $f:U\backslash p\ra\DC$ unsere 
holomorphe Funktion.
  Sicher kann man die Funktion
$z\mapsto (z-p)f(z)$  unter unserer Voraussetzung durch Null stetig
  auf ganz $U$ fortsetzen. Dann ist die Fortsetzung durch Null von
$g:z\mapsto (z-p)^2f(z)$ offensichtlich sogar  holomorph
   auf ganz $U$ mit $g(p)=g'(p)=0$. 
Nach dem Satz "uber die Potenzreihenentwicklung 
\ref{PAN} kann  $g$  also geschrieben werden in der Gestalt
$g:z\mapsto (z-p)^2h(z)$
f"ur $h:U\ra \DC$ holomorph. Dies $h$ ist
 dann die gesuchte holomorphe Fortsetzung von $f$. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/heb.mp4}{Hier ist ein Film zum Riemann'schen Hebbarkeitssatz.}
\end{proof}
\begin{proof}[Alternative zum Beweis]
  Sicher kann man die Funktion
$k: z\mapsto (z-p)f(z)$  unter unserer Voraussetzung durch Null stetig
  auf ganz $U$ fortsetzen. Nach Korollar \ref{KGho} 
"uber Holomorphie durch Stetigkeit  ist dann 
$k$ bereits holomorph auf ganz $U$ und  
nach dem Satz "uber die Potenzreihenentwicklung 
\ref{PAN} kann  $k$  also geschrieben werden in der Gestalt
$k:z\mapsto (z-p)h(z)$
f"ur $h:U\ra \DC$ holomorph. Dies $h$ ist
 dann die gesuchte holomorphe Fortsetzung von $f$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Lokale Struktur von Polstellen}] 
Sei $U\co\DC$ offen und $p\in U$ ein Punkt.
Genau dann hat eine holomorphe\label{BPOl}  
Funktion $f:U\backslash p\ra\DC$ 
mit einer isolierten Singularit"at bei
$p$ einen Pol $n$-ter 
Ordnung bei $p$, wenn $f$ die Gestalt
\begin{displaymath}
f(z) = (z-p)^{-n} g(z)
\end{displaymath}
hat f"ur $g$ holomorph auf $U$ mit $g(p)\neq 0$.
Um die eine Richtung zu zeigen, gilt es nur zu bemerken, da"s
die Funktion auf der rechten Seite eine Polstelle der Ordnung $n$ bei $p$ hat.
F"ur die andere Implikation bemerken wir,
da"s es gem"a"s der Definition
ein $n>0$ und $g$ holomorph gibt
mit $f(z) = (z-p)^{-n} g(z)$ au"serhalb von $p$, 
und im Fall
$g(p) =0$ w"are nach \ref{PAN} unser
 $n$ nicht kleinstm"oglich  mit $(z-p)^n f(z)$ holomorph. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/pol.mp4}{Hier ist ein Film \"uber Polstellen.}
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
  Wir verwenden von nun an die Notation
 $\mathbb P^1\DC\pdef  \Bbb{C} \amalg \{\infty\}$ 
  f"ur die disjunkte Vereinigung der komplexen Zahlenebene
  mit einem weiteren Element $\infty$.
  Die Herkunft dieser Notation wird in \eref{PrIf}{EL}
  erkl"art und in \eref{TP1}{EL} oder besser
  \eref{DTPRO}{TM} erkl"aren wir auch die Herkunft der
  Bezeichnung von $\mathbb P^1\DC$ als
  {\bf Riemann'sche Zahlenkugel} und eine nat"urliche Topologie
  auf dieser Menge. In \eref{P1C}{ML}  werden wir sie zus"atzlich mit der
  Struktur einer \glqq Riemann'schen Fl"ache\grqq\ versehen, aber
  alles zu seiner Zeit.
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}\label{defM}
Eine 
{\bf meromorphe Funktion}\index{meromorph!Funktion}\index{Funktion!meromorphe}
auf einer offenen Teilmenge der komplexen Zahlenebene $U\co \DC$
ist eine Abbildung 
$f: U \ra \mathbb P^1\Bbb{C}$ 
mit den Eigenschaften, da"s $f^{-1} (\infty)$ 
in $U$ keinen H"aufungspunkt hat, 
da"s $f$ holomorph ist auf $ U\backslash f^{-1}(\infty)$,
und da"s f"ur alle $p\in  f^{-1}(\infty)$ die Funktion $f$ bei $p$ eine Polstelle hat.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/mero.mp4}{Hier ist ein Film \"uber meromorphe Funktionen.} In  Worten ist also eine meromorphe Funktion eine Funktion, 
die \glqq holomorph ist bis auf isolierte Polstellen\grqq. 
Insbesondere darf eine meromorphe Funktion keine wesentlichen Singularit"aten
haben.
Sicher ist jede holomorphe
Funktion auch meromorph. Weitere Beispiele liefert
das anschlie"sende Lemma. 
Eine gute Anschauung f"ur meromorphe Funktionen liefert die Interpretation
von $\DP^1\DC$ als  Riemann'sche Zahlenkugel. 
Eine meromorphe Funktion kann 
in diesem Bild
 aufgefa"st werden
als eine Art  \glqq Aufwicklung auf die
Kugelschale\grqq\ und die Meromorphie ist "aquivalent zur Bedingung, da"s
es um jeden Punkt $p$ mit $f(p)=\infty$ eine offene Umgebung gibt,
auf der $z\mapsto f(z)^{-1}$ eine hebbare Singularit"at bei
$p$ hat.  Mehr zu diesem Gesichtspunkt m"ogen Sie sp"ater einmal
im Zusammenhang mit den sogenannten  \glqq Riemann'schen Fl"achen\grqq\ lernen.
\end{Bemerkungl}
%\begin{Lemma}
%Ist $f: U \ra \DP^1\DC$ eine 
%von Null verschiedene meromorphe Funktion
%auf einer zusammenh"angenden offenen Teilmenge der komplexen
%Zahlenebene, so ist mit der Konvention $(1/0)=\infty$ und $(1/\infty)=0$ 
%auch die Funktion  $(1/f):U\ra \DP^1\DC$
%meromorph.
%\end{Lemma}
%\begin{Bemerkungl}
%Wir m"ussen den Definitionsbereich $U$
%zusammenh"angend annehmen, da $U$ sonst die disjunkte Vereinigung
%von zwei nichtleeren offenen Mengen sein k"onnte.
%Die Funktion $f$, die auf einer dieser Mengen konstant Eins und auf
%der anderen konstant Null ist, macht dann Probleme: Bilden wir dazu n"amlich
%die Funktion $1/f$ nach dem im Lemma vorgeschriebenen Verfahren, 
%so h"atte die Menge der $\infty$-Stellen unserer Funktion
%$1/f$ einen H"aufungspunkt in $U$ und w"are folglich nicht
%meromorph im Sinne unserer Definition \ref{defM}.  
%\end{Bemerkungl}
%\begin{proof}
%  Das Lemma folgt sofort aus unserer Diskussion von Polstellen
 % \ref{BPOl} in Verbindung mit
%  Satz \ref{NSTe}, nach dem  alle Nullstellen
 % einer von Null verschiedenen holomorphen Funktionen
 % mit zusammenh"angendem Definitionsbereich isolierte Nullstellen sind.
%\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Der K"orper der meromorphen Funktionen}]
Wir definieren die Summe und das Produkt meromorpher 
Funktionen $f,g$ auf $U \co \Bbb{C}$, indem wir
sie erst punktweise addieren beziehungsweise multiplizieren 
auf dem Komplement  $U\backslash(f^{-1} (\infty) \cup g^{-1} (\infty))$
der Vereinigung ihrer\label{MerK} 
Polstellenmengen,
dann alle hebbaren Singularit"aten aus der Vereinigung 
der Polstellenmengen heben, und schlie"slich 
an den nicht hebbaren Singularit"aten der Vereinigung der
Polstellenmengen
den Wert $\infty$ vergeben.
Die Menge der meromorphen Funktionen auf 
einer zusammenh"angenden offenen Menge $U\co \DC$ wird so 
zu einem K"orper $$\cal{M}^{\op{an}} (U)$$ Der Leser
 mag das zur "Ubung zeigen.\index{M@$\cal{M}^{\op{an}}$ meromorphe Funktionen}
Ich verwende die Bezeichnung $\cal{M}^{\op{an}}$, um diese \glqq analytischen\grqq\ 
Funktionen zu unterscheiden von ihren algebraischen Analoga, 
den rationalen Funktionen auf einer irreduziblen algebraischen Variet"at $U$,
die ich in der kommutativen Algebra 
$\cal{M}(U)$ notiere.
\end{Bemerkungl}



\begin{Satz}[\textbf{Casorati-Weierstra"s}]
Besitzt eine holomorphe Funktion an einer Stelle eine 
wesentliche Singularit"at, so ist
ihr Bild 
eine dichte Teilmenge der komplexen Zahlen.\label{CaWe}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Nat"urlich besitzt auch die Einschr"ankung unserer Funktion 
auf eine beliebige 
Umgebung dieser wesentlichen Singularit"at dort eine wesentliche
Singularit"at,
das Bild jeder Umgebung der singul"aren Stelle ist also 
dicht in der komplexen Zahlenebene.
Der sogenannte \glqq Gro"se Satz von Picard\grqq\ sagt\label{gSP} sogar st"arker, da"s jedes dieser Bilder alle 
komplexen Zahlen bis auf
h"ochstens eine Ausnahme enthalten mu"s. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/casorati.mp4}{Hier ist ein Film zum Satz von Casorati-Weierstra\ss.}
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $f:U\backslash p \ra \Bbb{C}$ unsere Funktion und $p$ die Singularit"at.
W"are $f(U\backslash p)$ nicht dicht, so g"abe es eine offene Kreisscheibe
$\op{B}(w; \varepsilon)$ au"serhalb des Bildes.
Dann w"are $(f(z) - w)^{-1}$ beschr"ankt und holomorph auf 
$U\backslash p$, lie"se sich
also nach dem Hebbarkeitssatz \ref{RiHe} zu einer holomorphen 
Funktion $h$ auf $U$ fortsetzen, und $h$ h"atte
keine Nullstelle auf $U\backslash p$.
Also w"are unsere Funktion $f(z) = h (z)^{-1} +w$ meromorph auf $U$.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Laurententwicklung}]
Gegeben ein Kreisring in der komplexen Zahlenebene der Gestalt
$U = \{ z \mid r < |z| < R\}$ mit
$0 \leq  r < R\leq\infty$ 
und darauf eine  holomorphe\label{ELR} Funktion  $f:U\ra\DC$ 
gibt es eindeutig bestimmte Koeffizienten $c_k\in\DC$ derart, da"s gilt
\begin{displaymath}
f (z) = \sum_{k \in \Bbb{Z}} c_k z^k
\end{displaymath}
im Sinne der kompakten Konvergenz auf unserem  Kreisring  
der Folge $P_n$ der Partialsummen "uber alle $k$ mit $|k|\leq n$.
Sogar die positiven und die negativen Terme 
unserer Reihe bilden   in dieser Situation f"ur sich genommen
jeweils kompakt konvergente Reihen
auf besagtem Kreisring. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/laurent.mp4}{Hier ist ein Film zur Laurententwicklung.} 
\end{Satz}\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildLaur}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Beweis der Laurententwicklung. Der glatt eingezeichnete
Weg ist unser $\gamma$.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/laurentbew.mp4}{Hier ist ein Film zur Herleitung der Laurententwicklung.} Die Koeffizienten sind durch die Funktion eindeutig bestimmt, denn f"ur jeden
kreisf"ormigen Weg $\gamma$, der in unserem Kreisring einmal 
im Gegenuhrzeigersinn
um den Ursprung l"auft, mu"s gelten
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} f(z) z^n \diff z = \sum_{k\in \Bbb{Z}} 
c_k \int_{\gamma} z^{k+n} \diff z 
= 2\pi {\op{i}}
c_{-n-1}
\end{displaymath}
Es bleibt also nur die Existenz einer derartigen Entwicklung zu zeigen.
Gegeben $w$ aus unserem Kreisring
w"ahlen wir $a, A$ mit $r < a <|w|< A < R$ und betrachten einen
Integrationsweg $\gamma$, der 
auf demselben Strahl wie $w$ beginnend 
erst im Gegenuhrzeigersinn die 
Kreislinie $|z| = A$
halb heruml"auft, dann auf einem Radius zur Kreislinie $|z|=a$, 
darauf einmal im
Uhrzeigersinn herum, wieder auf dem Radius zur"uck nach aussen,
und auf der Kreislinie $|z| = A$ weiter zum Ausgangspunkt.
Dieser 
Weg ist offensichtlich homotop zu
jedem Weg, der vom selben Ausgangspunkt erst ein St"uck 
auf dem Radius in Richtung $w$ 
l"auft, dann auf einem kleinen Kreisweg im Gegenuhrzeigersinn um $w$,
um dann wieder auf dem Radius zur"uck zum Ausgangspunkt.
Mit der Integralformel von Cauchy und der Homotopieinvarianz
des Wegintegrals folgt 
\begin{displaymath}
f(w) = \frac{1}{2\pi{\op{i}}} \int_{\gamma} \frac{f(z)}{z-w} \diff z 
= \frac{1}{2\pi{\op{i}}} \int_{|z|=A}
\frac{f(z)}{z-w} \diff z - \frac{1}{2\pi{\op{i}}} \int_{|z| =a}
\frac{f(z)}{z-w} \diff z
\end{displaymath}
Die Notation ist an dieser Stelle etwas schlampig, denn selbst
wenn sie w"u"sten, wie man komplexwertige Einsformen "uber kompakte orientierte
$1$-Man\-nig\-fal\-tig\-kei\-ten
wie unsere Kreislinien integriert, fehlt in unserer
Notation doch die Orientierung. Ich hoffe aber, da"s Sie sich dazudenken,
da"s mit unserer Notation das komplexe Wegintegral beim einmaligen Durchlaufen unserer Kreislinien im Gegenuhrzeigersinn gemeint ist.
 Das erste dieser Integrale verwandeln wir wie beim Beweis des
Potenzreihenentwicklungssatzes \ref{CHFu} 
in die Potenzreihe
\begin{displaymath}
\frac{1}{2\pi{\op{i}}}\sum^{\infty}_{ k =0} \left( \int_{|z| =A} 
\frac{f(z)}{z^{ k +1}} \diff z \right)
w^{ k}
\end{displaymath}
mit Konvergenzradius $\geq A$.
Das zweite Integral behandeln wir "ahnlich, nur schreiben wir nun, 
da auf dem Integrationsweg ja  $|w| > |z|$ gilt,
\begin{displaymath}
\frac{-1}{z-w} = \frac{1}{w} \left( \frac{1}{1-(z/w)} \right) = \frac{1}{w}
\sum^{\infty}_{ k =0} \frac{z^{ k}}{w^{ k}}
\end{displaymath}
im Sinne gleichm"a"siger Konvergenz in $z$  auf dem 
Kreisring $|z| = a$
und erhalten
\begin{displaymath}
\frac{-1}{2\pi{\op{i}}} \int_{|z|=a} \frac{f(z)}{z-w} \diff z 
= \frac{1}{2\pi{\op{i}}} \sum^{\infty}_{ k = 0}
\left( \int_{|z|=a} f(z) z^{ k} \diff z \right) w^{- k -1}
\end{displaymath}
zun"achst  im Sinne punktweiser Konvergenz an jeder Stelle $w$ mit $a
< |w| <A$.
Hier steht nun aber eine Potenzreihe im $w^{-1}$, die 
konvergiert f"ur $|w^{-1}|
< a^{-1}$. Also ist f"ur
$|w| \geq a + \varepsilon$ 
bei beliebigem $\varepsilon > 0$ die Konvergenz
gleichm"a"sig in $w$.
Das zeigt die Existenz der Entwicklung in eine Laurentreihe.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{LaEw}
Insbesondere k"onnen wir jede holomorphe Funktion mit
einer isolierten Singularit"at im Ursprung in eine 
Laurentreihe entwickeln. Unsere Funktion hat einen Pol im Ursprung
genau dann, wenn ihre Laurentreihe mindenstens einen und h"ochstens endlich
viele von Null verschiedene Koeffizienten vor negativen Potenzen
von $z$ stehen hat.
Allgemeiner folgt unmittelbar, da"s wir  jede holomorphe Funktion mit
einer isolierten Singularit"at bei $p$ in einer Umgebung von $p$ 
in eine Reihe der Gestalt
\begin{displaymath}
f (z) = \sum_{k \in \Bbb{Z}} c_k (z-p)^k
\end{displaymath}
entwickeln k"onnen. Diese Darstellung  hei"st  die 
{\bf Laurententwicklung bei $p$}. Die Summe 
$ \sum_{k <0} c_k (z-p)^k
$ hei"st dann der {\bf Hauptteil von $f$ bei $p$}.\index{Hauptteil} 
Besonders "ublich ist dieser Begriff im Zusammenhang mit Polstellen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Ein auf der ganzen komplexen Zahlenebene definierte holomorphe
  Funktion nennt man eine
  {\bf ganze Funktion}.\index{Funktion!ganze}\index{ganze Funktion}
  Der sogenannte {\bf kleine Satz von Picard}\index{Picard!kleiner Satz von}
  besagt, da"s jede
  nicht konstante ganze Funktion alle Werte mit h"ochstens einer Ausnahme
  annimmt. Ein Beispiel f"ur eine ganze Funktion, die nicht alle Werte
  annimmt, ist die komplexe Exponentialfunktion. Der kleine Picard folgt
  leicht aus dem gro"sen Picard \ref{gSP}, da ja nichtkonstante Polynome eh alle
  Werte annehmen und da jede ganze Funktion, die kein Polynom ist, eine
  wesentliche Singularit"at \glqq im Unendlichen\grqq\ haben mu"s, also eine
  wesentliche Singularit"at bei Null kriegt beim Vorschalten von $z\mapsto 1/z$.
\nichtfinal{Der kleine Picard folgt seinerseits aus dem sogenannten
  \glqq gro"sen Riemann'schen Abbildungssatz\grqq, nach dem es bis auf
  Isomorphismus nur drei
  einfach zusammenh"angende Riemann'sche Fl"achen gibt, als da w"aren
  die Zahlenkugel, die komplexe Zahlenebene und die offene Einheitskreisscheibe.
  Die Zahlenkugel "uberlagert nur sich selber,
  die Zahlenebene nur elliptische Kurven und Klopapierrollen, und die
  offene Einheitskreisscheibe alle anderen, insbesondere alle mit nichtkommutativer Fundamentalgruppe und damit alle Komplemente zweipunktiger Teilmengen der
  Zahlenebene. Eine holomorphe Funktion
  $\DC\ra\DC$, die zwei Werte nicht annimmt, mu"s sich nun liften lassen
  zu einer holomorphen Abbildung in die universelle "Uberlagerung, als die
  Einheitskreisscheibe, und dieser Lift ist dann eine beschr"ankte holomorphe
  Funktion $\DC\ra \DC$, also konstant.}
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{von Mittag-Leffler zu  vorgegebenen Hauptteilen}]
  Gegeben eine abgeschlossene
  diskrete Teilmenge $P \subset \mathbb C$ und an jeder Stelle
$p \in P$ eine au"serhalb von $p$ konvergente Laurentreihe\label{MiLef}   
$h_p$ existiert eine holomorphe Funktion auf $\mathbb C\backslash P$,
die an allen Stellen $p \in P$  denselben Hauptteil hat wie $h_p$.
 \end{Satz}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/mittagleffler.mp4}{Hier ist ein Film zum Satz von Mittag-Leffler.}  Wir betrachten f"ur $n \in \mathbb N$ die Summen
\begin{equation*}
 S_n = \sum_{n \leq |p| < n +1} h_p
\end{equation*}
der Hauptteile zu Punkten aus $P$ aus dem entsprechenden 
Kreisring oder, im Fall $n=0$, der  entsprechenden Kreisscheibe.
Sicher ist $S_n$ holomorph auf der Kreisscheibe $\{z \mid |z| < n\}$ und
durch Entwicklung in eine Potenzreihe um den Ursprung finden wir ein Polynom
$Q_n$ mit $|S_n (z) - Q_n (z)| \leq 2^{-n}$ f"ur alle $z$ aus der kleineren Kreisscheibe
$\{z \mid |z| < n -1\}$.
Es ist dann klar, da"s
 die Reihe $\sum_{n \in \mathbb N} (S_n - Q_n)$ auf $\mathbb C
\backslash P$ kompakt konvergiert gegen eine 
holomorphe Funktion mit den vorgegebenen
Hauptteilen an allen Stellen $p \in P$.
\end{proof}



\subsubsection*{"Ubungen} 



\begin{Ubung}\label{LiNN}
Man folgere  den Satz von Liouville \ref{Liou},
indem man f"ur eine beschr"ankte holomorphe Funktion 
$f:\DC\ra\DC$ mit dem Riemann'schen Hebbarkeitssatz  die Funktion 
$z\mapsto f(1/z)$ "uber den Punkt $z=0$ fortsetzt 
und dann das Maximumsprinzip \ref{MaPr} anwendet.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}[\textbf{Charakterisierung der rationalen Funktionen}] 
Jede rationale Funktion $f\in \DC(T)$ im Sinne von \eref{DRFn}{LA1}
liefert eine meromorphe Funktion $f:\DC\ra \mathbb P^1\Bbb{C} $,
wenn wir ihr an allen\label{GrAa}  Polstellen im Sinne von  \eref{DRFn}{LA1}
den Wert $\infty$ zuweisen. Man zeige, da"s das Bild der 
so erkl"arten Einbettung $\DC(T)\hra \cal{M}^{\op{an}}(\DC)$
genau aus allen meromorphen Funktionen $f:\DC\ra \mathbb P^1\Bbb{C}$
besteht, f"ur die es ein $N\geq 1$ gibt mit $\lim_{|z|\ra\infty}f(z)/z^N=0$.
Hinweis: \ref{RiHe}.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{uef}
Besitzt eine holomorphe Funktion an einer
Stelle eine wesentliche Singularit"at, so ist sie nicht injektiv.
Hinweis: Man kombiniere 
den Satz von der Gebietstreue \ref{GeTr}
mit Casorati-Weierstra"s \ref{CaWe}.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Hat $T\subset\DC$ keinen H"aufungspunkt in $\DC$, so hat jede nicht konstante holomorphe
Funktion $f:\DC\backslash T \ra\DC$  dichtes Bild in $\DC$.\label{BiHol} 
%Liegt $w$ nicht im Abschlu"s des Bildes, so ist $z\mapsto 1/(f(z)-w)$ beschr"ankt. Hebbarkeitssatz, fertig. 
\end{Ubung}


\begin{Ubunge} St"arker als in \ref{uef} zeige man:
  Besitzt eine holomorphe Funktion an einer
Stelle eine wesentliche Singularit"at, so  besitzt sie
mindestens eine unendliche Faser. Hinweis: Man kombiniere 
den Satz von der Gebietstreue \ref{GeTr}
mit Casorati-Weierstra"s \ref{CaWe} und dem
Baire'schen Kategoriensatz \eref{Baire}{AN3} oder besser seinem Korollar
\eref{SDT}{AN3}. Noch st"arker zeigen dieselben Methoden, da"s die Werte,
die unendlich oft angenommen werden, sogar eine
dichte Teilmenge von $\DC$ bilden.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}[\textbf{Biholomorphe Automorphismen der Zahlenebene}] 
 Man zeige, da"s jede holomorphe injektive\label{AUCC} 
 Abbildung $f : \mathbb C \hra \mathbb C$
von der Gestalt $z \mapsto az + b$ ist f"ur 
$a\in \mathbb C^\times$, $b \in \mathbb C$.
Hinweis: Potenzreihenentwicklung und %Casorati-Weierstra"s 
\ref{uef}. Man mag auch erinnern, da"s nach \eref{pikl}{LA1} ein
Polynom "uber einem unendlichen K"orper
nur dann eine injektive Abbildung liefert, wenn es den Grad Eins hat. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s die meromorphen Funktionen auf jeder
  zusammenh"angenden offenen Teilmenge der komplexen Zahlenebene
  einen K"orper bilden.
\end{Ubung}
  


\begin{Ubung}\label{Bew}
Gegeben $U\co \Bbb{C}$ und $p \in U$ erkl"are man die 
{\bf Bewertung bei $p$ einer meromorphen Funktion $f$ auf $U$}
durch\index{Bewertung!von meromorpher Funktion} 
 die Vorschrift\index{vp@$v_p$ Bewertung}
$$v_p (f) \pdef\op{sup}\{n\in\DZ 
\mid (z -p)^{-n} f(z) \text{ ist holomorph bei }p\}$$ 
In Formeln ist die  Bewertung also eine Abbildung
$v_p:\cal{M}^{\op{an}} (U)\ra \DZ\amalg\{\infty\}$. 
Unsere Bewertung ist positiv auf Funktionen, die bei $p$ eine
Nullstelle haben, negativ 
auf Funktionen, die bei $p$ eine Polstelle haben,
und unendlich genau dann, wenn unsere Funktion in einer Umgebung des
Punktes $p$ identisch verschwindet.
Man zeige
f"ur alle meromorphen Funktionen $f,g \in
\cal{M}^{\op{an}}(U)$ und alle $p\in U$ 
die Formeln $v_p (fg)= v_p (f) + v_p(g)$ und
$v_p (f+g)\geq\op{min}( v_p (f) , v_p(g))$ sowie im Fall
$v_p (f) \neq v_p(g)$ die Gleichheit 
$v_p (f+g)=\op{min}( v_p (f) , v_p(g))$.
Ist $U$ zusammenh"angend, so ist $v_p$ mithin eine diskrete Bewertung
 im Sinne von \eref{diBe}{KAG} auf dem K"orper $\mathcal M^{\op{an}}(U)$. 
\end{Ubung}
\begin{Bemerkungw}
F"ur jede Primzahl $p$ erkl"art man analog auch eine
Bewertung 
$v_p:\DQ\ra \DZ\amalg\{\infty\}$ durch die Vorschrift, da"s gilt
$v_p(0)=\infty$ und
$v_p(p^na/b)=n$ f"ur  $a,b\in\DZ$ teilerfremd zu $p$. 
Diese Bewertung hat analoge Eigenschaften 
wie unsere Bewertung meromorpher Funktionen
aus der vorhergehenden "Ubung \ref{Bew}.
Die hier aufscheinende formale Analogie zwischen dem K"orper $\DQ$ 
der rationalen Zahlen und  
K"orpern von meromorphen
Funktionen  geht noch sehr viel weiter und hat sich f"ur
die Zahlentheorie als "au"serst fruchtbar erwiesen.
\end{Bemerkungw}
\begin{Ubung}
  Bezeichne $c:\DC\ra\DC$ die komplexe Konjugation und bezeichne derselbe
  Buchstabe die Fortsetzung dieser Abbildung auf $\mathbb P^1\DC$
  durch $\infty\mapsto\infty$. Sei $U\co \DC$ 
eine offene Teilmenge.\label{HAHm} 
Ist $f:U\ra \mathbb P^1\DC$ meromorph, so ist auch
$cfc: c(U)\ra P^1\DC$ meromorph und f"ur alle $q\in U$ gilt
$v_{\bar q}(cfc)=v_{ q}(f)$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{GlR}
  Die Entwicklung in eine Laurentreihe liefert f"ur jede 
zusammenh"angende offene Umgebung
$U\co \DC$ des Ursprungs in der komplexen Zahlenebene einen 
K"orperhomomorphismus
$$\cal{M}^{\op{an}}(U)\ra \DC(\!( z )\!)$$
vom K"orper 
der  meromorphen Funktionen auf $U$ in den Ring der 
formalen Laurentreihen 
$\DC(\!( z )\!)$ aus \eref{FRL}{LA1}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man gebe eine meromorphe Funktion auf $\DC$ an, die $\DC$ surjektiv
auf $\mathbb P^1\DC$ abbildet.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Gegeben eine meromorphe Funktion $f:U\ra\DC$ mit diskreten Nullstellen  erkl"art man
  ihre {\bf logarithmische Ableitung}\index{logarithmische Ableitung}\index{Ableitung!logarithmische} wie in \ref{logA}
  durch die Vorschrift\label{logAM} 
  $$\frac{\op{dlog}f(z)}{\diff z}\pdef \frac{f'(z)}{f(z)}$$
  Man zeige, da"s auch im Fall meromorpher Funktionen 
  die logarithmische Ableitung eines Produkts die
  Summe der logarithmischen Ableitungen der Faktoren ist.
  Gibt es einen Zweig des Logarithmus $\log:V\ra \DC$ auf einer Teilmenge
  $V\co \DC$ mit $f(U)\subset V$, so ist wie in \ref{logA} bereits gezeigt
  die logarithmische Ableitung von $f$
  f"ur jeden solchen Zweig die Ableitung der Verkn"upfung $\log\circ f$. 
\end{Ubung}

\subsection{Umlaufzahl und Residuensatz \sose{(21.6)}}
\label{URE}


\begin{Satz}
Jeder geschlossene Weg in der punktierten Ebene $\DC^\times$ 
ist f"ur genau eine ganze Zahl\label{UmZ} 
$n \in \Bbb{Z}$ \hyperref[ffhh]{frei homotop} zu dem geschlossenen 
Weg, der gegeben wird durch die Vorschrift
 $[0,1] \ra \Bbb{C}^\times$, $ t \mapsto
\op{e}^{2\pi{\op{i}}nt}$. Diese ganze Zahl $n$ 
hei"st die 
\emph{\bf Umlaufzahl}\index{Umlaufzahl!eines Weges!in der Zahlenebene} 
oder 
auch\index{Um f"ur Umlaufzahl}
 \emph{\bf Windungszahl}\index{Windungszahl}
 des geschlossenen Weges $\gamma$ um den Ursprung. 
\end{Satz}


  \begin{Bemerkungl}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/umlaufdef.mp4}{Hier ist ein Film zur Definition der Umlaufzahl.}   Analog definiert man die Windungszahl eines geschlossenen Weges $\gamma$
    um einen beliebigen  Punkt $w$ der komplexen Zahlenebene, der nicht auf dem Bild des
    Weges liegt. Wir notieren sie $$\op{Um}(\gamma, w)$$
  \end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Anschaulich beschreibt f"ur $n\geq 1$ 
die Abbildung $[0,1] \ra \Bbb{C}^\times$, $ t \mapsto
\op{e}^{2\pi{\op{i}}nt}$ einen Weg, der 
vom Punkt $1$ ausgehend mit konstanter absoluter 
Geschwindigkeit $n$-mal im Gegenuhrzeigersinn auf dem 
Einheitskreis uml"auft; f"ur $n\leq -1$ ist es der Weg,
der $(-n)$-mal im Uhrzeigersinn uml"auft;  f"ur $n=0$ haben
wir den konstanten Weg vor uns, der schlicht auf dem
Punkt $1$ sitzenbleibt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungw}
  Noch nat"urlicher w"are es, statt 
der Umlaufzahl gleich das Element $2\pi{\op{i}}\op{Um}(\gamma,w)$
von $\op{ker}(\op{exp}:\DC\ra\DC^\times)=2\pi{\op{i}}\DZ$ zu betrachten:
Dieses Element ist n"amlich auch f"ur einen K"orper von
\glqq verge"slichen komplexen Zahlen\grqq\ im Sinne von \eref{vDC}{LA1} 
wohldefiniert. So weit will ich aber hier nicht gehen. Man notiert die Gruppe
$\op{ker}(\op{exp}:\DC\ra\DC^\times)$ auch 
 $\DZ(1)=\DZ_\DC(1)\pdef 
\op{ker}(\op{exp})$\index{Z@$\DZ(1)$ Tate-Twist von $\DZ$} 
und nennt sie
den {\bf Tate-Twist von $\DZ$}.\index{Tate-Twist von $\DZ$}
\end{Bemerkungw}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUlZ}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
In jede Zusammenhangskomponente aus dem Komplement des hier 
gezeichneten Weges habe ich hier die Umlaufzahl des besagten Weges um
einen und jeden Punkt aus besagter Zusammenhangskomponente 
geschrieben.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis von Satz \ref{UmZ}]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/umlaufbeweis.mp4}{Hier ist ein Film zum Beweis des Satzes \"uber die Umlaufzahl.}
  Sei  $\gamma : [a,b] \ra \Bbb{C}^\times$ unser geschlossener Weg.
Wir zeigen zun"achst, 
da"s es einen Weg $\tilde{\gamma} : [a,b] \ra \Bbb{C}$ gibt mit
$\gamma = \op{exp}\circ \tilde{\gamma}$, und 
das sogar zu jedem vorgegebenen Anfangspunkt
$\tilde{\gamma} (a)$ mit $\exp(\tilde{\gamma} (a)) = \gamma (a)$.
Falls $\gamma$ ganz in der geschlitzten Ebene 
$\Bbb{C} \backslash \Bbb{R}_{\leq 0}$ verl"auft,
ist das klar: 
Wir nehmen einfach $$\tilde{\gamma} (t) = \log (\gamma (t)) + 2\pi {\op{i}}k$$
mit $\log$ der Umkehrung von 
$\op{exp} : \Bbb{R} \times (-\pi {\op{i}}, \pi {\op{i}}) \overset{\sim}{\ra}
\Bbb{C} \backslash \Bbb{R}_{\leq 0}$ 
und $k\in\DZ$ so gew"ahlt, da"s unser \glqq hochgehobener
Weg\grqq\  $\tilde{\gamma}$ beim vorgegebenen Anfangspunkt beginnt.
Falls $\gamma$ ganz in einer andersartig 
geschlitzten Ebene $\Bbb{C} \backslash \Bbb{R}_{\geq 0}
w$ mit $w \in \Bbb{C}^\times$ verl"auft, finden wir unsere Hochhebung analog.
Im allgemeinen w"ahlen wir
$a = a_0 < a_1 < \ldots< a_r = b$ so, 
da"s $\gamma [a_{i-1}, a_i]$ jeweils ganz in einer
geschlitzten Ebene enthalten ist, 
w"ahlen induktiv Hochhebungen $\tilde{\gamma}_i$ der
$\gamma |_{[a_{i-1},a_i]}$ so, da"s 
$\tilde{\gamma}_i$ dort beginnt, wo $\tilde{\gamma}_{i-1}$
aufh"ort, und setzen diese st"uckweisen 
Hochhebungen dann zum gesuchten Weg $\tilde{\gamma} :
[a,b] \ra \Bbb{C}$ zusammen.
Da das Urbild der Eins unter
 der komplexen Exponentialfunktion nach \eref{SurCE}{AN1} 
gerade $2\pi{\op{i}}\DZ$ ist, haben wir nat"urlich 
$\tilde{\gamma} (b) = \tilde{\gamma}(a) + 2\pi {\op{i}}n$ f"ur $n \in
\Bbb{Z}$. Nach \ref{cKonvexc} %\eref{Konvexc}{AN2} 
oder auch kurzem Nachdenken sind je zwei
Wege in $\DC$ mit demselben Anfangs- und Endpunkt homotop,
folglich  mu"s 
 $\tilde{\gamma}$ sein 
homotop zum Weg $\beta : [0,2\pi]\ra \Bbb{C}$, $t \mapsto
\tilde{\gamma} (a) + {\op{i}}nt$.
Dann ist aber nach \ref{cBHc} %\eref{BHc}{AN2} 
auch $\gamma 
= \exp \circ \tilde{\gamma}$ homotop zu $\exp \circ \beta$. Dieser
Weg ist aber offensichtlich in $\DC^\times$ frei homotop zum
Weg $[0,1] \ra \Bbb{C}^\times, t \mapsto
\op{e}^{2\pi{{\op{i}}}nt}$ 
und das zeigt im Satz die Existenz.
Mit der Homotopieinvarianz des 
Wegintegrals \ref{FrHo} erhalten wir  f"ur die Umlaufzahl
eines geschlossenen Weges $\gamma$ 
um einen beliebigen Punkt $w$ au"serhalb des Bildes von $\gamma$ 
die Integraldarstellung
\begin{displaymath}
n = \op{Um} (\gamma, w) = \frac{1}{2\pi {\op{i}}} \int_{\gamma}
\frac{1}{z-w} \diff z
\end{displaymath}
Sie 
zeigt sofort die Eindeutigkeit der Umlaufzahl.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}
 Wenden wir unsere Erkenntnis \ref{FWI}, nach der das Wegintegral
mit Verwandtschaft vertr"aglich ist, auf die Situation vom Ende
des vorhergehenden Beweises 
an, so erhalten wir zumindest im Fall eines Integrationsweges $\gamma$ die
Identit"at 
$$\int_{\tilde\gamma} \diff w =\int_\gamma \frac{1}{z}\diff z$$ 
So ergibt sich ein weiteres Mal $\tilde \gamma(b)-\tilde \gamma(a)
=2\pi{\op{i}}n$ f"ur $n$ die Umlaufzahl von $\gamma$ um den Ursprung. 
\end{Bemerkunge}



\begin{Bemerkungw}
Der  oben gegebene Beweis f"ur die Eindeutigkeit der Umlaufzahl
mithilfe eines Integrals
ist zwar im Rahmen der Funktionentheorie bequem, scheint mir 
f"ur sich allein betrachtet jedoch 
unangemessen verwickelt. Ich ziehe  den Beweis
im Rahmen der Topologie  vor, der in \eref{HKPE}{TF} 
besprochen wird.
\end{Bemerkungw}







  \begin{Bemerkungw}\label{EBRi}
Der Begriff der Umlaufzahl erm"oglicht auch eine noch allgemeinere 
Fassung des Cauchy'schen Integralsatzes, die sogenannte
{\bf Um\-lauf\-zahl\-ver\-sion des Integralsatzes}: Ist
    im Definitionsbereich einer holomorphen Funktion ein geschlossener Weg
    gegeben, der keinen Punkt au"serhalb des
    Definitionsbereichs uml"auft, 
so verschwindet das Wegintegral unserer Funktion
    l"angs dieses Weges. Wir diskutieren seinen Beweis im Rahmen der
singul"aren Homologietheorie in 
 \eref{UZIS}{TS}.
\end{Bemerkungw}








\begin{Definition}\label{DefRe}
Der Koeffizient von $(z-p)^{-1}$ in der Laurententwicklung 
nach \ref{LaEw} einer holomorphen
Funktion $f(z)$ mit isolierter Singularit"at bei 
$w$ hei"st das \defind{Residuum}
$$\op{Res} (f,p)=\op{Res}_p f$$
von $f$ bei $p$. Ist die Funktion  $f$ durch einen Ausdruck in einer
komplexen Variablen gegeben, etwa als Ausdruck in  der Variablen 
$z$, so verwenden wir f"ur das Residuum von $f$ bei $p$ in Bezug auf $z$
auch die  Notation $\op{Res}_{z=p}f(z)$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Nach dem Satz "uber die Laurententwicklung \ref{ELR} oder genauer seinem Beweis haben wir also
\begin{displaymath}
\op{Res} (f,p) = \frac{1}{2\pi{\op{i}}} \int_{|z-p|=r} f(z) \diff z
\end{displaymath}
f"ur jeden positiven Radius $r>0$ derart, da"s unsere Funktion $f$ mit Ausnahme der
singul"aren Stelle $p$ auf einer Umgebung der abgeschlossenen Kreisscheibe $\{
z \mid |z-p| \leq r\}$ definiert ist und dort keine weiteren Singularit"aten
hat. Das Integral verstehen wir wie bei unserer Diskussion der Laurentreihen
als das komplexe Wegintegral beim einmaligen Durchlaufen der fraglichen Kreislinie im Gegenuhrzeigersinn.
Die Bezeichnung als \glqq Residuum\grqq, lateinisierend f"ur
\glqq "Uberbleibsel\grqq, hat wohl damit zu tun, da"s diese Zahl den einzigen Term
der Laurentreihe beschreibt, der in diesem Zusammenhang beim Integrieren
"ubrigbleibt.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Berechnung von Residuen}] 
Hat unsere Funktion $f$ nur einen Pol erster Ordnung bei $p$,
so l"a"st sich $g(z)\pdef (z-p)f(z)$ stetig "uber $z=p$ fortsetzen und
wir haben offensichtlich $g(p)=\op{Res} (f,p)$.
L"a"st sich allgemeiner f"ur irgendein $n\in\DN$ die Funktion
$g(z)\pdef (z-p)^{n+1} f(z)$ stetig "uber $z=p$ fortsetzen, so ist diese 
Fortsetzung  holomorph und ihre $n$-te Ableitung bei
$p$ liefert das Residuum von $f$ bei $p$ vermittels der 
Identit"at
$g^{(n)}(p)=n!\op{Res} (f,p)$, die man leicht mithilfe der 
Laurententwicklung von $f$ um $p$ einsehen kann.
Bei der Berechnung des Wertes der Fortsetzung durch Null von $g$ 
hilft in diesem Zusammenhang oft die Regel von de l'Hospital \ref{RvHh}. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Residuensatz}]
Ist 
 $U \co \Bbb{C}$ offen, $P \subset U$  endlich,
  $f: U \backslash P \ra \Bbb{C}$ holomorph\label{ReSa} und $\gamma$ ein
  geschlossener Weg in $U \backslash P$, der in $U$ zusammenziehbar
  ist, so gilt
\begin{displaymath}
\int_\gamma f(z) \diff z = 2\pi {\op{i}} \sum_{p \in P} 
\op{Um} (\gamma, p) \op{Res} (f,p)
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildReSS}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Ein geschlossener Weg in einer ringf"ormigen offenen Menge $U\co \DC$,
der in $U$ nicht zusammenziehbar ist. Mit $P=\{p_1,p_2,p_3\}$ d"urfen
wir also in diesem Fall den Residuensatz nicht anwenden: Das geht nur, wenn 
sich unsere Funktion \glqq holomorph auf das fehlende innere Ei fortsetzen
l"a"st\grqq.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkungl} \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/residuensatz.mp4}{Hier ist ein Film zum Residuensatz.}
Integrieren wir  also in Worten 
eine holomorphe Funktion mit endlich vielen isolierten Singularit"aten
l"angs eines  geschlossenen Weges, der in ihrem Definitionsbereich vereinigt 
mit den singul"aren Stellen zusammenziehbar ist, 
so ist das Wegintegral bis auf den Faktor
  $2\pi{\op{i}}$ die Summe der Residuen, jeweils
  gewichtet mit der Umlaufzahl unseres Weges um die entsprechende 
 singul"are  Stelle.
Ist unser  geschlossener Weg sogar bereits im Komplement $U\backslash P$ 
der singul"aren
Stellen 
zusammenziehbar, so verschwindet das Wegintegral nach den Cauchy'schen 
Integralsatz, und der Residuensatz liefert auch Null
f"ur den Wert der Integrals, da dann 
bereits alle Umlaufzahlen
um Punkte aus $P$ Null sind. In \eref{ReSaH}{TS} diskutieren wir
auch noch eine etwas allgemeinere Version f"ur
\glqq in $U$ nullhomologe Wege\grqq. 
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/residuensatzbeweis.mp4}{Hier ist ein Film zum Beweis des Residuensatzes.}
Entwickeln wir $f$ um ein $p \in P$ in seine Laurentreihe
\begin{displaymath}
f(z) = \sum_{n\in \Bbb{Z}} a_n (z-p)^n
\end{displaymath}
und fassen darin alle Terme f"ur $n\leq -2$ zusammen zur
auf der punktierten Ebene kompakt 
konvergenten Reihe  $h_p (z) \pdef \sum_{n \leq -2} a_n (z-p)^n$, 
so ist $h_p$ eine wohldefinierte holomorphe
Funktion auf $\Bbb{C} \backslash p$ und besitzt sogar eine Stammfunktion,
gegeben durch die Reihe $\sum_{n\leq -2} a_n (z-p)^{n+1} /(n+1)$.
Die Funktion
\begin{displaymath}
f(z) - \sum_{p\in P} h_p (z) - \sum_{p \in P} \frac{\op{Res} (f,p)}{z-p}
\end{displaymath}
hat nun offensichtlich hebbare Singularit"aten bei allen  $p \in P$,
mithin verschwindet nach 
dem Integralsatz von Cauchy
\ref{ISC} ihr Wegintegral "uber unseren in $U$  
zusammenziehbaren Weg $\gamma$. 
Da die $h_p$ Stammfunktionen haben, verschwindet 
auch ihr Wegintegral "uber
den geschlossenen Weg $\gamma$.
Mit unserer funktionentheoretischen Beschreibung 
der Umlaufzahl aus dem Beweis von \ref{UmZ} 
ergibt sich damit
\begin{displaymath}
\int_\gamma f(z) \diff z = \sum_{p \in P} 
\op{Res} (f,p) \int_\gamma \frac{\diff z}{z-p} =2\pi{\op{i}}
\sum_{p \in P} \op{Res} (f,p) \op{Um}(\gamma,p)
\qedhere\end{displaymath}
\end{proof}
\subsubsection{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Man erkl"are, inwiefern Cauchy's Integralformel
\ref{CaIF} ein Spezialfall des Residuensatzes ist.
\end{Ubung}

















\subsection{Anwendungen des Residuensatzes \sose{(23.6)}}


\begin{Proposition}[\textbf{Null- beziehungsweise Polstellenordnung
      als Residuum}]
  Gegeben eine meromorphe Funktion
  $f:\DC\lco U\ra \mathbb P^1\DC$ ohne nichtisolierte Nullstellen\label{npr} 
  und $p\in U$ gilt
  $$v_p(f)=\op{Res}\left(\frac{f'}{f},p\right)=\op{Res}(\op{dlog}{f},p)$$
\end{Proposition}
\begin{proof}
  Wir setzen $n\pdef v_p(f)$. Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $p=0$.
 Wir k"onnen mit der
  lokalen Laurentreihenentwicklung
  schreiben $f(z) = z^n g(z)$ mit $g (z)$ 
holomorph ohne Nullstelle in einer Umgebung des Ursprungs. Damit
erhalten wir
\begin{displaymath}
\frac{f^{\prime}(z)}{f(z)} = \frac{n z^{n-1} g(z) + z^n g^{\prime}(z)}
{z^n g(z)} 
= \frac{n}{z} + \frac{g^{\prime} (z)}{g(z)} 
\end{displaymath}
und das Residuum am Urspung ist in der Tat $n$. Alternativ finden wir mit
"Ubung \ref{logAM} direkt
$\op{dlog}(z^ng(z))=\op{dlog}(z^n)+\op{dlog}(g(z))$.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Z"ahlen von Null- und Polstellen}]
  Seien $U \co \Bbb{C}$ eine offene Teilmenge
  und $f\in \mathcal M^{\op{an}}(U)$ eine meromorphe Funktion auf  
 $U$ 
und $\gamma$\label{ZNP}
ein in $U$ zusammenziehbarer 
Weg, der keine Nullstelle und keine Polstelle von $f$ trifft. So gilt
\begin{displaymath}
\op{Um} (f\circ \gamma,0)
 =\frac{1}{2\pi{\op{i}}} \int_{\gamma} \frac{f^{\prime}(w)}{f(w)} 
\diff w
 = \sum_{p\in U} \op{Um} (\gamma,p)
v_p (f)
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/zahlnullpolbeweis.mp4}{Hier ist ein Film zum Beweis des Satzes \"uber das Z\"ahlen von Null- und Polstellen.}
  Wir zeigen feiner die Gleichungskette $$\op{Um} (f\circ \gamma,0)
 =\frac{1}{2\pi{\op{i}}} \int_{f\circ \gamma} \frac{1}{z} 
\diff z=
\frac{1}{2\pi{\op{i}}} \int_{\gamma} \frac{f^{\prime}(w)}{f(w)} 
\diff w= \sum_{p\in U} \op{Um} (\gamma,p)
v_p (f)$$
Die erste Gleichung folgt unmittelbar aus dem Residuensatz.
Die Zweite folgt aus der Erkenntnis \ref{FWI}, da"s das
Wegintegral Verwandtschaft respektiert. 
Die dritte Gleichung  folgt wieder  aus dem Residuensatz mit unserer
Formel $v_p(f)=\op{Res}(\op{dlog} f,p)$ aus \ref{npr}.
\end{proof}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauung f"ur den Satz zum
 Z"ahlen von Null- und Polstellen}]
  Besonders anschaulich scheint mir der Fall $f(z)=z^n$ mit
  $\gamma$ einem Kreisweg um den Ursprung. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/zahlnullpol.mp4}{Hier ist ein Film zur anschaulichen Bedeutung des Satzes \"uber das Z\"ahlen von Null- und Polstellen.}
  Im Fall einer allgemeinen 
holomorphen Funktion $f$ kann man
sich "uberlegen, da"s unser Weg $\gamma$ homotop sein mu"s zu einer
\glqq Verkettung\grqq\  von Wegen, die erst von 
einem festen Punkt zu einer ihrer
Nullstellen laufen, dann auf einem kleinen Kreisweg um diese herum,
und danach auf demselben Weg wieder zur"uck. F"ur Wege dieser Art 
und dann auch f"ur ihre Verkettungen scheint mir
die Aussage
anschaulich klar, wenn man den Satz \ref{lshf}
"uber die lokale Struktur holomorpher Funktionen beachtet. 
Die Erweiterung dieser Anschauung auf den meromorphen Fall bleibe dem
Leser "uberlassen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}[\textbf{Topologische Variante zum
 Z"ahlen von Nullstellen}]
Der Satz bleibt richtig, wenn wir 
eine beliebige stetige Abbildung $f:U\ra \DC$ betrachten,
bei der die Faser $f^{-1}(0)$ "uber dem Ursprung endlich ist. 
Wir m"ussen dann nur $v_p (f)$ interpretieren als die
Umlaufzahl $\op{Um}(f\circ \beta_p,0)$ um den Ursprung f"ur
$\beta_p$ einen \glqq sehr kleinen\grqq\  
Kreisweg um $p$ im Gegenuhrzeigersinn
und m"ussen zeigen, da"s das wohldefiniert ist. Diese Summe geht dann "uber
alle Punkte der Faser $f^{-1}(0)$ "uber dem Ursprung, und f"ur Punkte dieser
Faser ist das so erkl"arte $v_p (f)$ ein Spezialfall eines Konzepts,
das wir in \eref{lABG}{TS} in gr"o"serer Allgemeinheit 
als \glqq lokalen Abbildungsgrad\grqq\  einf"uhren. Unsere Formel folgt 
dann aus Argumenten im Beweis von \eref{ABGrn}{TS}. 
Die Erweiterung dieser Anschauung auf den Fall einer stetigen
 Abbildung in die Sph"are $f:U\ra S^2$
bleibe dem
Leser "uberlassen. 
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Im Satz ist die Summe auf der rechten Seite sinnvoll}]
Wir erinnern daran, da"s die Bewertung $v_p (f) $ von $f$ bei $p$,
wenn $f$ nicht in einer Umgebung von $p$ identisch verschwindet,
in \ref{Bew} definiert 
wurde als die Zahl $n \in \Bbb{Z}$ mit $f(z)=(z -p)^n g(z)$ 
f"ur $g$ holomorph um $p$ ohne
Nullstelle bei $p$. Wir haben also $v_p (f) >0$ bei Nullstellen, 
$v_p (f) < 0$ bei
Polstellen, und $v_p (f) =0$ sonst.
F"ur einen zusammenziehbaren Weg l"a"st sich nun  per definitionem 
die zugeh"orige Abbildung vom Einheitskreis stetig auf die
ganze Einheitskreisscheibe fortsetzen. Au"serhalb des kompakten Bildes
dieser Fortsetzung kann er dann keinen Punkt umlaufen, und innerhalb 
dieses Bildes k"onnen  nur endlich viele  
Nullstellen und Polstellen liegen. Damit
hat die Summe auf der rechten Seite unserer Formel auch wirklich 
nur endlich viele von Null verschiedene Terme.
Sollte $f$ auf einer Komponente von $U$ identisch verschwinden, 
so kann der Weg keinen Punkt dieser Komponente umlaufen und wir interpretieren
die Beitr"age $0\cdot\infty$ zu unserer Summe durch Punkte
aus einer derartigen  Komponente   als Null.
\end{Bemerkungl}
\begin{Korollar}[\textbf{Satz von Rouch\'e\index{Rouch\'e, Satz von}}]
Seien $f,\phi:\DC\lco U\ra\DC$ holomorph und $B\As U$  eine abgeschlossene
Kreisscheibe. Gilt 
 $|f (z) | > | \phi (z)| \; \forall z \in \partial B$, 
so haben $f$ und $f + \phi$ mit Vielfachheiten gez"ahlt gleichviele 
Nullstellen in $B$.
\end{Korollar}
\begin{Korollar}[\textbf{Satz von Rouch\'e, Variante}]
    Seien $f,\phi:\DC\lco U\ra\DC$ meromorph und
    $\gamma: [a,b]\ra U$ ein geschlossener in $U$ zusammenziehbarer Weg.
    Haben $f$ und $\phi$  keine Polstellen auf  dem Weg $\gamma$ und
    gilt $f(\gamma(t))+s\phi(\gamma(t))\neq 0$ f"ur alle  $s\in [0,1]$ und
    $t\in [a,b]$, so haben wir  
   \begin{equation*}
 \sum_{p \in B} \op{Um}  (\gamma, p)v_p (f) 
 = \sum_{p \in B} \op{Um}  (\gamma, p)v_p (f+ \phi)
\end{equation*}
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
  Ich denke mir in diesem Kontext $\phi$ als eine \glqq kleine St"orung\grqq. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/rouche.mp4}{Hier ist ein Film zum Beweis des Satzes von Rouch\'e.}
  Das erste  Korollar folgt leicht aus der sehr viel allgemeineren
  Variante. Um die Variante zu zeigen, m"ussen wir nur bemerken, 
da"s aus unserem Satz \ref{ZNP} "uber das Z"ahlen von Null- und Polstellen
folgt 
\begin{equation*}
\op{Um}  (f \circ \gamma, 0) = \sum_{p \in B}\op{Um}  (\gamma, p) v_p (f) 
\quad \op{Um} ((f+\phi) \circ \gamma,
0) = \sum_{p \in B} \op{Um}  (\gamma, p)v_p (f+ \phi).
\end{equation*}
Nach Annahme 
ist aber $(t,s)\mapsto f (\gamma(t)) + s \phi (\gamma(t))$
eine freie Homotopie unserer beiden
geschlossenen Wege $f \circ \gamma$ und 
$( f+ \phi) \circ \gamma $ in $\mathbb C^\times$.
Folglich haben beide Wege dieselbe Umlaufzahl um den Ursprung.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Weierstra"s}]
Gegeben eine abgeschlossene diskrete Teilmenge $P \subset \mathbb C$ und eine Abbildung $n : P \rightarrow
\mathbb N$ gibt es eine holomorphe Funktion $f : \mathbb C \rightarrow \mathbb C$,
die an jeder Stelle $p \in P$ eine Nullstelle der Ordnung $n (p) $ hat
und au"serhalb von $P$ keine Nullstellen.
\end{Satz}
\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/vorgnst.mp4}{Hier ist ein Film zum Beweis der Existenz holomorpher Funktionen mit vorgegebenen Nullstellen.} Existiert solch eine Funktion $f$, so l"ost ihre logarithmische Ableitung $f^\prime / f$ nach \ref{npr}
die Hauptteilverteilung $n (p)/(z - p)$ f"ur $ p \in P$, die Differenz
$(f^\prime / f) -(n (p)/(z - p))$ hat also eine hebbare Singularit"at bei $p$. 
Ist umgekehrt $g$ eine L"osung dieser Hauptteilverteilung nach \ref{MiLef}, 
so gilt f"ur jeden geschlossenen Weg
$\gamma$ in $\mathbb C \backslash P$ nach dem Residuensatz
\begin{equation*}
 \int_\gamma g (z) \diff z \in 2 \pi i \mathbb Z
\end{equation*}
W"ahlen wir einen Ausgangspunkt $q \in \mathbb C \backslash P$ fest und erkl"aren f"ur $w \in \mathbb C \backslash P$
beliebig
$
 f(w) := \op{exp} \int_\gamma g (z) \diff z
$
 f"ur irgendeinen Weg $\gamma $ in $\mathbb C \backslash P$ von $q$ nach $w$, so h"angt $f (w)$ nicht
 von der Wahl des Weges ab.
 Halten wir einen Weg zu einer Stelle $w_0$ fest und betrachten eine
 offene Kreisscheibe $D$ um $w_0$ in $\mathbb C \backslash P$ und
 betrachten nur solche Wege nach $w\in D$, die erst unser fester Weg nach $w_0$ sind und danach ganz in $D$ verlaufen, so  ist $G(w)\pdef \int_\gamma g (z) \diff z$ eine Stammfunktion von $g$ auf $D$ und $f(w)=\op{exp}\circ G$
 holomorph auf $D$ mit $g$ als logarithmischer Ableitung. 
Also ist $f$ auf ganz $ \mathbb C \backslash P$ holomorph ohne Nullstellen mit logarithmischer Ableitung  $f' / f=g$. 
Genauer gibt es um jeden Punkt $p \in P$ eine offene Kreisscheibe $U$,
die keinen anderen Punkt von $P$ enth"alt und in der folglich
gilt $g (z) = h_p (z) +
n(p)/(z - p)$ f"ur $h_p : U \rightarrow \mathbb C$ holomorph.
Ist $H_p$ eine Stammfunktion von $h_p$ auf $U$, so finden wir durch explizite
Rechnung 
$f(w)=c\op{exp}(H_p(w))(w - p)^{n(p)}$ f"ur festes $c\in \DC^\times$ und
alle $w\in U\backslash p$.
\end{proof}











\begin{Beispiel}[\textbf{Integrale rationaler Funktionen}]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/intrat.mp4}{Hier ist ein Film zur Anwendung des Residuensatzes auf rationale Funktionen.}  Gegeben eine rationale Funktion $f$ ohne Polstellen auf der reellen Achse,
bei der der Grad des Nenners um mindestens zwei gr"o"ser 
ist als der Grad des Z"ahlers,\label{IRFuu} 
gilt
\begin{displaymath}
\int^{\infty}_{-\infty} f(x) \diff x= 2 \pi{\op{i}} \sum_{\op{Im} \zeta  >0}
\op{Res} (f,\zeta )
\end{displaymath}
Nach dem Residuensatz ergibt sich n"amlich
die rechte Seite, wenn wir f"ur $r$ gr"o"ser als der Betrag
aller Polstellen das Wegintegral von $-r$ bis $r$ 
entlang der reellen Achse und dann auf
einen gro"sen Halbkreis durch die obere Halbebene zur"uck ausrechnen.
Lassen wir hier $r$ gegen unendlich streben, so strebt die L"ange dieses
Halbkreises linear gegen unendlich, das 
Betragsmaximum der Funktion darauf strebt jedoch quadratisch gegen
Null. Folglich streben die Wegintegrale "uber immer gr"o"sere Halbkreise gegen
Null und die Formel folgt.
Diese Anwendung war allerdings die M"uhe des Residuensatzes nicht wert.
Wir h"atten auch einfach wie in \ref{FIRFu}  erkl"art die Funktion $f$ in einem
Partialbruch entwickeln und eine Stammfunktion explizit angeben und 
zwischen $-\infty$
und $\infty$ auswerten k"onnen.
Als "Ubung m"ogen Sie zeigen, da"s dabei dasselbe herausgekommen w"are.
Als Beispiel bestimmen wir nochmal das Integral "uber die ganze reelle
Achse von $f(x)=1/(1+x^2)=1/((x+\op{i})(x-\op{i}))$. Diese Funktion hat 
einfache Pole  bei $\pm\op{i}$. Ihr Residuum bei $\op{i}$ k"onnen wir
bestimmen, indem wir unsere Funktion mit  $(x-\op{i})$ multiplizieren
und dann bei $x=\op{i}$ auswerten. So folgt $\op{Res}(f,\op{i})=1/(2\op{i})$
und wir erhalten $\int_{-\infty}^\infty1/(1+x^2)\diff x=\pi$ in 
"Ubereinstimmung mit
\eref{AbAr}{AN1}.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Summe aller Residuen rationaler Funktionen}]
  Dasselbe Argument liefert f"ur jede rationale Funktion ohne Pole auf der
  reellen Achse, bei der der Grad des Nenners um mindestens Zwei gr"o"ser ist
  als der Grad des Z"ahlers, auch die 
  Identit"at \begin{displaymath}
\int^{\infty}_{-\infty} f(x) \diff x= -2 \pi{\op{i}} \sum_{\op{Im} \zeta  <0}
\op{Res} (f,\zeta )
  \end{displaymath}
  Der geneigte Leser mag sich anhand der Partialbruchzerlegung
  auch auf algebraischem Wege davon "uberzeugen, da"s sich diese beiden Formeln
  nicht widersprechen, sondern vielmehr auch "uber einem beliebigen algebraisch abgeschlossenen K"orper die Summe
  der analog definierten Residuen einer rationalen Funktion Null sein
  mu"s, wenn der Grad des Nenners um mindestens zwei gr"o"ser ist als der
  Grad des Z"ahlers. Von einem h"oheren Standpunkt betrachtet
  ist das eine Konsequenz der Erkenntnis, da"s f"ur jede rationale
  Einsform auf der projektiven Grade die Summe ihrer Residuen verschwindet.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Integrale rationaler Funktionen mit Exponentialterm}]
Gegeben eine rationale Funktion $f$ ohne Polstellen auf der reellen Achse,
bei der der Grad des Nenners gr"o"ser\label{Irnr}
 ist als der Grad des Z"ahlers, gilt
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildeizf}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Der Integrationsweg bei der Berechnung von 
$\int^\infty_{-\infty} f(x) \op{e}^{{\op{i}}x} \diff x$
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{displaymath}
\int^\infty_{-\infty} f(x) \op{e}^{{\op{i}}x} \diff x
= 2\pi{\op{i}} \sum_{\op{Im}\zeta  >0} \op{Res}_{z=\zeta}
f(z)\op{e}^{{\op{i}}z} 
\end{displaymath}
in dem Sinne, da"s sowohl $\lim_{r\ra \infty} \int^r_0$ als 
auch $\lim_{r\ra \infty}\int^0_{-r}$
existieren und ihre Summe den angegebenen Wert hat.
Im Fall, da"s der Grad des Nenners sogar um mindestens zwei gr"o"ser ist als der
Grad des Z"ahlers, kann das in \ref{IRFuu} 
angewandte Argument unver"andert "ubernommen
werden.
Im allgemeinen betrachten wir "ahnlich wie in \ref{aehn} Wege einmal im
Gegenuhrzeigersinn 
um den Rand des Rechtecks mit Ecken $a,b, a+{\op{i}}h, b+ {\op{i}}h$ f"ur
$a < b$ in $\Bbb{R}$ und $h > 0$.
Ist unser Rechteck so gro"s, da"s es alle Polstellen von $f$ 
in der oberen Halbebene umfa"st, so ist
das Wegintegral um seinen Rand nach dem Residuensatz 
genau die rechte Seite  der behaupteten Formel.
Die Integrale "uber die drei Kanten $\rho,\lambda, \omega$ 
f"ur \glqq rechts, links und oben\grqq\  au"serhalb
der reellen Achse k"onnen wir jedoch absch"atzen durch
\begin{displaymath}
\left|\int_{\rho} f(z) \op{e}^{{\op{i}}z} \diff z \right| 
\leq  \op{sup}_{z \in \rho} |f (z)|
\int^h_0 \op{e}^{-t} \diff t \leq  \sup_{z \in \rho} |f(z)|
\end{displaymath}
und analog auf der linken Kante, auf der oberen Kante dahingegen durch
\begin{displaymath}
\left|\int_{\omega} f(z) \op{e}^{{\op{i}}z} \diff z \right| 
\leq (b-a)\op{e}^{-h} \sup_{z \in \omega} |f(z)|
\end{displaymath}
Halten wir $a$ fest und nehmen $b=h$ und lassen $h$ nach Unendlich streben, 
so ergibt sich die Existenz des Grenzwerts $\lim_{r\ra \infty} \int^r_0$.
Die Existenz des anderen Grenzwerts zeigt man analog, und die behauptete
Formel folgt, wenn wir $h=b=-a$ nehmen und das gegen Unendlich streben lassen.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkunge}[\textbf{Fouriertransformierte rationaler Funktionen}]
Eine rationale Funktion $f$ ohne Polstellen auf der reellen Achse,
bei der der Grad des Nenners um mindestes Zwei gr"o"ser\label{IrnrF}
ist als der Grad des Z"ahlers, ist quadratintegrierbar und ihre stochastisch standardisierte Fouriertransformierte
wird nach \eref{BSD}{AN3} gegeben durch die Vorschrift
$$f^\wedge  ( y) \pdef  \int_{-\infty}^\infty  f(x)
\op{e}^{{\op{i}} x  y} \diff x$$
Unsere Formel \ref{IRFuu} berechnet also $f^\wedge(0)$ und
\ref{Irnr} berechnet $f^\wedge(1)$.
F"ur allgemeines $y\neq 0$
liefert uns die Substitution $u= x y$ alias $x=u/ y$ und
$\diff x=\diff u/ y$ die Identit"at 
$$f^\wedge  ( y) \pdef  \frac{1}{ y}\int_{-\infty}^\infty  f(u/ y)
\op{e}^{{\op{i}}u} \diff u$$
und das k"onnen wir wieder mit unserer Formel \ref{Irnr} ausrechnen
und, wenn die Partialbruchzerlegung von $f$ bekannt ist, sogar ganz
explizit bestimmen. 
Ist der Grad des Nenners nur um Eins gr"o"ser als der Grad des Z"ahlers,
so ist $f$ immer noch quadratintegrierbar und wir k"onnen auf diesem Wege seine
Fouriertransformierte im Sinne von \eref{FouqI}{AN3} finden.
Beispielhaft nehmen wir $f(x)=1/(x-\alpha)$ f"ur $\alpha\in \DC\backslash \DR$
und finden bei Beachtung der Tatsache, da"s bei unserer Substitution im Fall
$y<0$ auch die Integrationsgrenzen zu vertauschen sind, unschwer
$$\int^\infty_{-\infty} \frac{\op{e}^{{\op{i}}xy}\diff x}{x-\alpha}  =\frac{y}{|y|}\int^\infty_{-\infty} \frac{\op{e}^{{\op{i}}u}\diff u}{u-y\alpha}  =
\left\{\begin{array}{ll}2\pi{\op{i}}({y}/{|y|})\op{e}^{{\op{i}}y\alpha}&
\op{Im}(y\alpha)>0;\\[1mm]
  0&\op{Im}(y\alpha)<0.
\end{array}\right.
$$
Gehen wir noch zur physikalisch standardisierten Fouriertransformierten
"uber und substituieren dazu $y$ durch $-2\pi y$, so finden wir  f"ur $f(x)=1/(x-\alpha)$ mit Hilfe von \eref{BFst}{AN3} als Fouriertransformierte
$$f^\wedge(y)=\left\{\begin{array}{ll}-2\pi{\op{i}}({y}/{|y|})\op{e}^{-2\pi{\op{i}} y\alpha}&
\op{Im}(y\alpha)<0;\\[1mm]
  0&\op{Im}(y\alpha)>0.
\end{array}\right.
$$
Mit Hilfe der Inversionsformel \eref{IVFO}{AN3} und "Ubung
\eref{ftpb}{AN3} kann man das auch direkt
einsehen. 
\end{Bemerkunge}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/ZuJuni}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Integrationsweg zu Beispiel \ref{BSPP}
des Integrals $\int^{\infty}_{0} x^{\alpha} f(x) \diff x$, 
von einem Punkt weit au"sen dicht "uber der
reellen Achse auf einem gro"sen Kreis bis dicht unter die reelle Achse, 
dann l"angs 
der reellen Achse ganz nah zum Ursprung, einmal eng um den
Ursprung herum, und dann wieder 
l"angs der reellen Achse  weit nach au"sen.
\end{minipage}
\end{figure}


\begin{Beispiel}[\textbf{Integrale rationaler Funktionen mit allgemeiner Potenz}]
Sei $0 < \alpha <1$ und sei $f$ eine rationale Funktion ohne 
Pole auf der positiven reellen Achse,\label{BSPP} 
bei der der Grad des Nenners mindestens um zwei gr"o"ser 
ist als der Grad des Z"ahlers und
die in Null holomorph ist oder einen Pol erster Ordnung hat.
So existiert das Integral
\begin{displaymath}
\int^{\infty}_{0} x^{\alpha} f(x) \diff x
\end{displaymath}
nach \eref{IUEE}{AN1} und wir k"onnen seinen Wert wie folgt bestimmen:
Wir wählen einen vom Ursprung ausgehenden Strahl $S_1$ in den dritten
Quadraten, der einen so kleinen Winkel zur positiven reellen Achse hat,
da" im offenen Winkelsegment zwischen unserem Strahl und der nichtnegativen reellen Achse keine Polstellen von $f$ liegen. Dann wählen wir einen
weiteren Strahl $S_2$, der bis auf den Ursprung ganz in diesem offenen Winkelsegment
liegt. Nun w"ahlen wir auf der durch diesen Strahl geschlitzten Ebene
$\DC\backslash S_2$ denjenigen Zweig des Logarithmus $\log^+$, der 
auf der positiven reellen Achse
der "ubliche reelle Logarithmus ist. Weiter w"ahlen wir auf der durch $-S_2$
geschlitzten Ebene
$\DC\backslash (-S_2)$ denjenigen Zweig des Logarithmus $\log^-$, der 
auf $S_1\backslash 0$ mit $\log^+$ "ubereinstimmt. Auf der positiven reellen Achse gilt dann
$\log^-(x)=\log^+(x)+2\pi{\op{i}}$. Dann setzen wir $z^{\alpha\pm} \pdef \op{exp} (\alpha \log^\pm z)$ und betrachten 
den in nebenstehendem Bild gezeigten Integrationsweg $\gamma$.
Die Radien $r<R$ der  Kreise seien so gew"ahlt, da"s alle Pole von $f$
au"serhalb des Ursprung innerhalb des durch unsere Kreise gegebenen
offenen Kreisrings liegen. 
Nun unterteilen wir unseren Integrationsweg
l"angs des ersten Strahls $S_1$ in zwei Wege $\gamma^\pm$, die jeweils
ganz im Definitionsbereich von $\log^\pm$ verlaufen. Wir finden 
\begin{displaymath}
\int_{\gamma^+} z^{\alpha+}f (z) \diff z = 2 \pi{\op{i}} \sum_{\zeta  \neq 0} 
\op{Res}_{z=\zeta}f(z)z^{\alpha+}\quad \text{ sowie }\quad 
\int_{\gamma^-} z^{\alpha-}f (z) \diff z = 0
\end{displaymath}
und durch Summation 
\begin{displaymath}
 2 \pi{\op{i}} \sum_{\zeta  \neq 0} 
\op{Res}_{z=\zeta}f(z)z^{\alpha+} = (1-{\op{e}}^{2\pi{\op{i}}\alpha})\int_r^R x^{\alpha}f(x)\diff x + \int_{|z|\in\{r,R\} } z^{\alpha\pm}f (z) \diff z
\end{displaymath}
Hier haben wir beim letzten Summanden weder die Durchlaufrichtung
spezifiert noch ausgef"uhrt, wo welche unserer Varianten von $z^\alpha$ zu
verwenden ist, da das wegen $|z^{\alpha\pm}| =
|z|^{\alpha}$  eh gegen Null strebt, wenn   wir  den inneren Radius gegen Null  und den "au"seren
Radius gegen $\infty$ streben lassen.
So folgt dann schlie"slich
\begin{displaymath}
\int^{\infty}_0 x^{\alpha} f(x) \diff x 
= \frac{2\pi{\op{i}}}{1-\op{e}^{2\pi{\op{i}} \alpha}} \sum_{\zeta  \neq 0} 
\op{Res}_{z=\zeta}f(z)z^{\alpha} 
\end{displaymath}
In der in \eref{Meltr}{AN3} eingef"uhrten Terminologie ist das
der Wert $(\mathcal M f)(\alpha +1)$ der sogenannten \glqq Mellin-Transformation von $f$\grqq\ an der Stelle $\alpha +1$.
Die Mellin-Transformation ist ein naher Verwandter der Fouriertransformation,
wie in \eref{Meltr}{AN3} ausgef"uhrt wird.
\end{Beispiel}








\newpage

\section{Verschiedene weiterf"uhrende Resultate}
\subsection{Harmonische Funktionen \sose{(28.6)}}\label{HF}

\begin{Definition}
Eine auf einer offenen Teilmenge
einer euklidischen Ebene definierte stetige reellwertige\label{Dha} 
Funktion hei"st {\bf harmonisch},\index{harmonisch!Funktion auf euklidischer Ebene} 
wenn f"ur jede in unserer Teilmenge enthaltene abgeschlossene Kreisscheibe
der Funktionswert im Zentrum der Durchschnitt ist "uber
die Funktionswerte auf
dem Rand.  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/harmonische.mp4}{Hier ist ein Film \"uber harmonische Funktionen.}
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
  Analog definiert man die Harmonizit"at vektorwertiger Funktionen
mit Werten, die je nach den Vorkenntnissen des Lesers
in endlichdimensionalen reellen Vektorr"aumen, 
in reellen Banachr"aumen oder
gar in beliebigen reellen  von-Neumann-R"aumen liegen m"ogen.
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungw}[\textbf{Harmonische Funktionen in anderen Dimensionen}]
  Allgemeiner hei"st eine auf einer offenen Teilmenge eines $\DR^n$ oder noch
  allgemeiner auf einer offenen Teilmenge eines endlichdimensionalen
  reellen euklidischen Raums definierte stetige reellwertige Funktion harmonisch,
   wenn f"ur jede in unserer Teilmenge enthaltene abgeschlossene
  Kugel der Funktionswert in ihrem Zentrum der Durchschnitt ist "uber die
  Funktionswerte auf ihrer Randsph"are.
\end{Bemerkungw}

\begin{Bemerkungl}
In Formeln fordern wir im ebenen Fall also, da"s unsere 
harmonische Funktion $h$
auf einer offenen Teilmenge des $\DR^2$ definiert sein soll 
und da"s f"ur jeden Punkt $p$
aus dem Definitionsbereich von $h$ und jedes $r>0$ 
derart, da"s der abgeschlossene $r$-Ball um $p$ 
noch ganz zum Definitionsbereich von $h$ geh"ort, 
unter der "ublichen Identifikation von 
$\DR^2$ mit $\DC$ gilt
\begin{displaymath}
h(p) = \frac{1}{2\pi } \int^{2\pi}_{0} h 
( p + r {\op{e}}^{{\op{i}}t}) \diff t
\end{displaymath}
Anschaulich mag man sich eine harmonische 
Funktion als eine 
stabile W"armeverteilung 
denken. Alternativ mag man sich 
im ebenen Fall eine Ameisendichte 
vorstellen,
die unter der Annahme  eines unabh"angigen 
ziellosen Hin- und Herkrabbelns s"amtlicher
Ameisen zeitlich konstant bleibt. Beide Vorstellungen sind allerdings
nur lokal sinnvoll und erweisen sich global als 
wirklichkeitsfern, da eine nichtkonstante harmonische Funktion
auf einem $\DR^n$ mit $n\geq 1$ stets alle 
reellen Zahlen als Werte annimmt,
insbesondere also auch beliebig negative Zahlen, 
die sich ja nicht mehr gut
als Ameisendichte oder Temperatur interpretieren lassen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
In der Literatur wird eine harmonische Funktion meist definiert als
eine zweimal stetig differenzierbare Funktion, die vom
{\bf Laplaceoperator}\index{Laplaceoperator!im $\DR^n$} 
$$\Delta=\partial_1^2 + \ldots +\partial_n^2$$ 
annulliert wird.
Diese Bedingung ist zwar leichter zu pr"ufen, scheint mir jedoch
weniger anschaulich. Wir zeigen die "Aquivalenz  beider
Bedingungen im ebenen Fall in \ref{CHaF}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}[\textbf{Harmonische Funktionen mit Extrema}] 
Nimmt eine harmonische Funktion auf einer 
zusammenh"angenden offenen Teilmenge eines $\DR^n$ 
ihr Maximum oder ihr Minimum an, so ist sie konstant.\label{MaMH} 
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Die Menge aller Stellen, an denen eine 
stetige Funktion ihr Maximum oder auch irgendeinen anderen festen
Wert annimmt, ist
stets abgeschlossen. Ist unsere Funktion harmonisch 
und nimmt sie ihr Maximum bei
$p$ an, 
so mu"s andererseits unsere Funktion
auf einer ganzen Kreisscheibe beziehungsweise Kugel
${\op{B}(p;\varepsilon(p))}$ um $p$ 
konstant sein, da sonst der Durchschnitt "uber die
Funktionswerte auf gewissen Kreisringen beziehungsweise
Kugelschalen um $p$ zu klein w"are. Die Menge der Stellen, an
denen das Maximum angenommen wird, ist also auch offen.
Ist der Definitionsbereich zusammenh"angend, so ist diese 
Menge nach \eref{WZTT}{AN2} folglich alles oder nichts.
\end{proof}



\begin{Lemma}\label{EdHa}
Je zwei stetige Funktionen auf einer abgeschlossenen Kreisscheibe, 
die im Inneren harmonisch sind und auf dem Rand "ubereinstimmen, 
stimmen auf der ganzen Kreisscheibe "uberein.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
Analoges gilt mit demselben Beweis in allen
Dimensionen.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Die Differenz unserer beiden Funktionen ist stetig, verschwindet
auf dem Rand unserer Kreisscheibe und ist im Inneren harmonisch.
Als stetige Funktion mu"s sie auf der abgeschlossenen 
Kreisscheibe ihr Maximum und ihr
Minimum annehmen.
W"are eines von diesen nicht Null, so w"urde es im Innern 
unserer Kreisscheibe angenommen im
Widerspruch zu \ref{MaMH}.
Also sind das Maximum und das Minimum beide Null und die
Differenz verschwindet auf der
ganzen Kreisscheibe.
\end{proof}







\begin{Satz}[\textbf{Harmonizit"at und Laplace-Operator}]
Eine stetige Funktion auf einer offenen 
Teilmenge des $\DR^2$\label{CHaF}
ist harmonisch genau dann, wenn 
sie  zweimal stetig reell differenzierbar ist und 
vom Laplaceoperator $\Delta=\partial_x^2+\partial_y^2$ annulliert wird.
\end{Satz}
\begin{Satz}[\textbf{Harmonizit"at und Holomorphie}]
Real- und Imagin"arteil einer holomorphen Funktion sind stets harmonisch.
Jede reelle harmonische  Funktion mit\label{HaHol}
  schleifenf"ullendem Definitionsbereich ist 
umgekehrt der Realteil einer holomorphen
  Funktion und diese ist  bis auf eine 
additive rein imagin"are Konstante sogar eindeutig bestimmt.
\end{Satz}

\begin{Beispiel}[\textbf{Harmonisch, aber nicht Realteil}] 
  Die Funktion $\DC^\times \ra\DR$, $z\mapsto \log|z|$ 
alias $\DR^2\backslash 0 \ra\DR$, $(x,y)\mapsto (1/2)\log(x^2+y^2)$ 
ist harmonisch.\label{logH} 
In der Tat ist sie auf jeder geschlitzten Ebene der Realteil 
jedes Zweiges des komplexen Logarithmus und diese Zweige sind holomorph als
Umkehrfunktionen
der geeignet eingeschr"ankten komplexen Exponentialfunktion. Sie ist aber nicht
der Realteil einer holomorphen Funktion auf der ganzen punktierten Ebene $\DC^\times$, weil so eine holomorphe Funktion sich auf der geschlitzten
Zahlenebene $\DC\backslash \DR_{\leq 0}$  nur um eine Konstante vom Hauptzweig des Logarithmus unterscheiden k"onnte und damit nicht auf ganz $\DC^\times$ stetig sein k"onnte.  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/harmnichthol.mp4}{Hier ist ein Film zu diesem Gegenbeispiel.} 
\end{Beispiel}


\begin{proof}[Beweis beider S"atze] 
Wir untersuchen f"ur stetige reelle Funktionen
auf offenen Teilmengen der Ebene $\DR^2\cong \DC$
die Beziehungen zwischen den folgenden drei Eigenschaften:
(1) \glqq ist harmonisch\grqq, (2) \glqq ist zweimal stetig differenzierbar 
und wird vom Laplace-Operator annulliert\grqq\  
sowie (3) \glqq ist Realteil einer holomorphen 
Funktion\grqq. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/harmhol.mp4}{Hier ist ein Film \"uber den Beweis beider S\"atze mit Ausnahme der Herleitung
  irgendwelcher Konsequenzen aus unserer Definition harmonischer Funktionen \"uber die Mittelwerteigenschaft.} 
\\[2mm]\noindent
(3) $\RA$ (1):
Die Harmonizit"at des Realteils einer
holomorphen Funktion $F$
ergibt sich  aus der Integralformel von Cauchy \ref{CaIF} vermittels der Umformungen
%\begin{displaymath}
 % \begin{array}{lll}
%F(a) = \frac{1}{2\pi {\op{i}}} \int_{|z-a|=r} \frac{F(z)}{z-a} \diff z 
%&=& \frac{1}{2\pi {\op{i}}}
%\int^{2\pi}_{0} \frac{F(a+r\op{e}^{{\op{i}}t})}{r\op{e}^{{\op{i}}t}} 
%{\op{i}}r\op{e}^{{\op{i}}t} \diff t\\ &=&\frac{1}{2\pi }
%\int^{2\pi}_{0} F(a+r\op{e}^{{\op{i}}t}) 
% \diff t
%\end{array}
%\end{displaymath}

\begin{displaymath}\textstyle
F(a) = \frac{1}{2\pi {\op{i}}} \int_{|z-a|=r} \frac{F(z)}{z-a} \diff z 
= \frac{1}{2\pi {\op{i}}}
\int^{2\pi}_{0} \frac{F(a+r\op{e}^{{\op{i}}t})}{r\op{e}^{{\op{i}}t}} 
{\op{i}}r\op{e}^{{\op{i}}t} \diff t=\frac{1}{2\pi }
\int^{2\pi}_{0} F(a+r\op{e}^{{\op{i}}t}) 
 \diff t
\end{displaymath}
In der Tat k"onnen wir hier "uberall den Realteil nehmen
und  im Integral rechts unten stimmt der Realteil  
des Integrals offensichtlich mit dem Integral des Realteils 
"uberein. Das ist gerade die Mittelwerteigenschaft holomorpher 
Funktionen \ref{MWEE}.
\\[2mm]\noindent
(3) $\RA$ (2):
Da"s der Realteil jeder holomorphen Funktion
zweimal stetig partiell differenzierbar ist und vom
Laplace-Operator annulliert wird, folgt leicht 
aus dem Satz von Goursat \ref{Gour} und den Cauchy-Riemann'schen 
Differentialgleichungen \ref{CRD}. Man beachte hier die Identit"at  $f'=\partial f/\partial_x$, die sich direkt aus den Definitionen ergibt. 
\\[2mm]\noindent
(2) $\RA$ (3) bei schleifenf"ullendem Definitionsbereich:
Wir bemerken,
da"s f"ur 
jede zweimal stetig partiell differenzierbare 
Funktion $h$ mit $\Delta h=0$ die
Funktion $f = \frac{\partial h}{\partial x} 
- {\op{i}} \frac{\partial h}{\partial y}$
holomorph ist nach \ref{CRD}, da sie eben stetig partiell differenzierbar ist und  die
Cauchy-Riemann'schen 
Differentialgleichungen erf"ullt. Sie hat 
also nach \ref{ESta} auf jedem schleifenf"ullenden Definitionsbereich eine holomorphe
Stammfunktion $F$, f"ur die dann  gilt
\begin{displaymath}
\frac{\partial F}{\partial x} 
= \frac{\partial h}{\partial x}- {\op{i}} \frac{\partial h}{\partial y}
\;\;\;\text{ und } \;\;\;
\frac{\partial F}{\partial y}=
{\op{i}}\frac{\partial F}{\partial x}  
= \frac{\partial h}{\partial y} + {\op{i}} \frac{\partial h}{\partial x}
\end{displaymath}
Daraus folgern wir, da"s der Realteil von $F$ 
denselben Gradienten hat wie $h$, in Formeln $\op{grad}(\op{Re}F)=\op{grad}h$.
"Andern wir also $F$ um eine geeignete additive Konstante ab, so erhalten wir
$\op{Re} F=h$ wie gew"unscht. 
Geometrisch gesprochen bilden wir  zu $h$ das Gradientenfeld,
drehen es an jeder Stelle um einen rechten Winkel im Gegenuhrzeigersinn und   
erhalten wegen der $\Delta h=0$ wieder ein 
wirbelfreies Vektorfeld. Jedes Potential dieses Vektorfeldes
ist ein m"oglicher Imagin"arteil, der unsere  Funktion $h$
zu einer holomorphen Funktion erg"anzt. In der Tat ist ein 
solches Vorgehen ja
nach der geometrischen Interpretation \ref{CRI}
der Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen auch eine nat"urliche Methode, um zu einer
reellwertigen Funktion einen Imagin"arteil zu finden, der sie
zu einer holomorphen Funktion erg"anzt.
\\[2mm]\noindent
(1) $\RA$ (2): 
Es reicht 
zu zeigen, da"s jede stetige Funktion auf der 
abgeschlossenen Einheitskreisscheibe, die harmonisch ist auf der
offenen Einheitskreisscheibe, auf der offenen Einheitskreisscheibe
der Realteil einer holomorphen Funktion ist, denn dann ist unsere Funktion
zweimal stetig differenzierbar und sogar beliebig partiell differenzierbar mit $\Delta=0$ nach 
der bereits gezeigten Implikation 
(3) $\RA$ (2). 
Das und noch viel mehr leistet  die \glqq Poisson-Transformation\grqq\  nach \ref{PoTr},
die wir im Folgenden als eigenst"andigen Satz formulieren und beweisen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Motivation f"ur die Poisson-Transformation*}]
  Ich will zun"achst erkl"aren, wie man 
von der Fourier-Ent\-wick\-lung  in nat"urlicher Weise zur
Poisson-Trans\-formation gef"uhrt wird.\label{MotP} 
Wir denken uns dazu eine reellwertige harmonische Funktion auf einer 
offenen Teilmenge $U\co\DC$, die die abgeschlossene Einheitskreisscheibe $D$
umfa"st, 
und suchen eine holomorphe Funktion
$F$ auf der offenen Einheitskreisscheibe $D^\circ $ mit $\op{Re} F =h$.
Dazu entwickeln wir zun"achst einmal
die Restriktion  $h|{S^{1}}$ unserer Funktion auf den Einheitskreis 
in eine 
Fourierreihe.  Nach
\eref{QM}{AN2}  finden wir wohlbestimmte $c_{\nu} \in \Bbb{C}$ mit
\begin{displaymath}
h = \sum_{\nu \in \Bbb{Z}} c_{\nu} z^{\nu}
\end{displaymath}
auf $S^{1}$ im Sinne  der Summierbarkeit nach \eref{ABSBe}{AN2} 
 im komplexen Vektorraum ${\cal{C}}(S^1)$ mit seiner 
Skalarproduktnorm $\|\;\|_2$ %. im Sinne der Konvergenz der Folge der 
%Partialsummen im quadratischen Mittel, 
und insbesondere gilt die Absch"atzung 
$\sum |c_{\nu}|^{2}< \infty$.
Da $h$ reellwertig ist, haben wir $c_{-\nu} = \bar{c}_{\nu}$ 
und k"onnen unsere Darstellung von $h|{S^{1}}$
umschreiben zu
\begin{displaymath}
h = c_{0} + \sum^{\infty}_{\nu =1} c_{\nu} z^{\nu} + 
\bar{c}_{\nu} \bar{z}^{\nu}
\end{displaymath}
Hierbei ist wieder die Summierbarkeit 
im komplexen Vektorraum ${\cal{C}}(S^1)$ mit seiner 
Skalarproduktnorm $\|\;\|_2$ gemeint.
%im Sinne der Konvergenz der Folge der Partialsummen 
%im quadratischen Mittel gemeint.
Da die $c_{\nu}$ beschr"ankt sind, liefert die Potenzreihe
\begin{displaymath}
F(z) = c_{0} + \sum^{\infty}_{\nu=1} 2 c_{\nu} z^{\nu}
\end{displaymath}
eine holomorphe Funktion auf der offenen Einheitskreisscheibe. 
Unter der Voraussetzung, da"s diese Potenzreihe
einen Konvergenzradius $>1$ hat, gilt f"ur die 
Partialsummen $F_{n} = c_{0} + \sum^{n}_{\nu =1}
2 c_{\nu} z^{\nu}$ sowohl $F_{n} \ra F$ gleichm"a"sig auf 
$S^{1}$ und erst recht ${\op{Re}}F_{n} \ra {\op{Re}}F$ gleichm"a"sig auf 
$S^{1}$, als auch ${\op{Re}} F_{n} \ra h$
im quadratischen Mittel auf $S^{1}$, woraus sofort folgt 
${\op{Re}} F =h$ erst auf $S^{1}$ und dann wegen
\ref{EdHa} auf der ganzen Einheitskreisscheibe $D$ und
wir haben unsere harmonische Funktion wie gew"unscht als Realteil einer
holomorphen Funktion geschrieben. Das gilt insbesondere f"ur alle $h$ mit nur
endlich vielen von Null verschiedenen Fourierkoeffizienten, die
sogenannten \glqq trigonometrischen Polynome\grqq.  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/poisson1.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Argumentation bis zu dieser Stelle.} 
Um  auch ohne die Voraussetzung, da"s unsere Potenzreihe einen
Konvergenzradius 
$>1$ hat, die Gleichheit $\op{Re} F =h$ auf
der offenen Einheitskreisscheibe $D^\circ$ zu zeigen, m"ussen wir feiner 
argumentieren. Die Fourierkoeffizienten $c_{\nu}$ sind ja
nach \eref{DQN}{AN2} gegeben als
\begin{displaymath}
c_{\nu} = \frac{1}{2\pi} \int^{2\pi}_{0} h(\op{e}^{{\op{i}}t}) 
\op{e}^{-{\op{i}}\nu t} \diff t
\end{displaymath}
Wir k"onnen also  unsere Funktion $F$ f"ur $|z| <1$ nach Vertauschen eines 
gleichm"a"sigen Grenzwerts 
mit dem Integral auch 
schreiben  in der Gestalt
\begin{displaymath}
F(z) = \frac{1}{2\pi} \int^{2\pi}_{0} h (\op{e}^{{\op{i}}t}) 
\left(1+ 2 \sum_{\nu =1}^{\infty} \op{e}^{-{\op{i}} \nu t} z^{\nu}\right)
\diff t
\end{displaymath}
Beim Ausdruck in Klammern ziehen wir einen Faktor 
$\op{e}^{-{\op{i}}  t} z$ aus der Summe, die dadurch zu einer
geometrischen Reihe wird, und erhalten
$$1+ 2 \sum_{\nu =1}^{\infty} \op{e}^{-{\op{i}} \nu t} z^{\nu}= 
1+\frac{2\op{e}^{-{\op{i}}  t} z}
{1-\op{e}^{-{\op{i}}t} z} = \frac{1+\op{e}^{-{\op{i}}t}z}{1-\op{e}^{-{\op{i}}t}z} 
= \frac{\op{e}^{{\op{i}}t}+z}{\op{e}^{{\op{i}}t}-z}$$
So ergibt sich schlie"slich f"ur die durch unsere Potenzreihe 
erkl"arte Funktion
die Darstellung 
\begin{displaymath}
F(z) = \frac{1}{2\pi} \int^{2\pi}_{0} 
h (\op{e}^{{\op{i}}t}) \;\frac{\op{e}^{{\op{i}}t} +z}{\op{e}^{{\op{i}}t} -z} \diff t
\end{displaymath}
Wir zeigen im anschlie"senden Satz, da"s f"ur jede stetige Funktion
$h:S^1\ra\DR$ der Realteil der durch diese Formel gegebenen Funktion 
$F(z)$ f"ur $z\in D^\circ$ eine stetige
Fortsetzung von $h$ auf die ganze abgeschlossene Einheitskreisscheibe 
liefert.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz*}[\textbf{Poisson-Transformation}]
Jede stetige reellwertige Funktion 
auf dem Einheitskreis\label{PoTr}
$h:S^1 \ra \Bbb{R}$ l"a"st sich auf genau eine Weise zu einer
stetigen Funktion auf der abgeschlossenen Einheitskreisscheibe $D$ 
 fortsetzen, die auf der offenen Einheitskreisscheibe $D^\circ$
harmonisch ist, und diese Fortsetzung wird f"ur alle
$z\in D^\circ$ gegeben durch die Formel
\begin{displaymath}
h (z) = \frac{1}{2\pi} \int^{2\pi}_{0} h (\op{e}^{{\op{i}}t}) 
\op{Re} \left(\frac{\op{e}^{{\op{i}}t}+z}
{\op{e}^{{\op{i}}t}-z}\right) \diff t
\end{displaymath}
\end{Satz*}
\begin{Bemerkungl}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/poisson2.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Poisson-Transformation.} Anschaulich mag man sich die Funktion 
$h$ als eine fest vorgegebene Temperaturverteilung auf
dem Rand der Einheitskreisscheibe denken, 
die dann eine unter dieser Randbedingung 
stabile Temperaturverteilung
auf der ganzen Einheitskreisscheibe erzeugt.
Der zweite Faktor unter dem Integral 
hei"st der \defind{Poisson-Kern}.  Mit
  $\op{e}^{{\op{i}}t} =w$ wird er dargestellt durch
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildNPoi}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Niveaulinien der Poissonverteilung $z\mapsto
P(1,z)=\op{Re}((1+z)/(1-z))$. 
Anschaulich beschreinen sie die W"armeverteilung, die sich einstellt, 
wenn man \glqq den Punkt $w=1$
sehr hei"s macht und den ganzen "ubrigen Rand $S^{1}$ auf Temperatur Null
h"alt\grqq. Die Niveaulinien  sind  Kreise, die
den Einheitskreis in $w=1$ ber"uhren, wie 
zum Beispiel aus der in \eref{MoGe}{EL} diskutierten
\glqq M"obius-Geometrie\grqq\  folgt.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{displaymath}
P (w,z) = \op{Re} \left( \frac{w+z}{w-z}\right)
\end{displaymath}
f"ur $w \in S^{1}$ und $z \in \Bbb{C}$ mit $z \neq w$.  
Bei festem $w$ verschwindet
dieser Realteil f"ur alle $z \in S^{1}$ mit $z \neq w$, denn wir haben dann
\begin{displaymath}
 \frac{w+z}{w-z}  = \frac{z^{-1} + w^{-1}}{z^{-1}-w^{-1}} =
\frac{\bar{z}+\bar{w}}{\bar{z}-\bar{w}}
\end{displaymath}
als da hei"st, das komplex Konjugierte unseres Bruches ist gerade das
Negative unseres Bruches.
Lassen wir aber $z$ aus dem Inneren der 
Einheitskreisscheibe radial gegen $w$ laufen, also $z = \lambda w$ mit $\lambda
\nearrow 1$ f"ur $\lambda \in \Bbb{R}$, so erhalten wir
\begin{displaymath}
P (w, \lambda w) = \frac{\lambda +1}{\lambda -1} \ra \infty
\end{displaymath}
Anschaulich mag man f"ur festes $w \in S^{1}$ die Funktion $z \mapsto P (w,z) $
auf der offenen Einheitskreisscheibe verstehen als diejenige geeignet
normalisierte W"armeverteilung, die sich einstellt, wenn man \glqq den Punkt $w$
sehr hei"s macht und den ganzen "ubrigen Rand $S^{1}$ auf Temperatur Null
h"alt\grqq. Die Niveaulinien dieser Funktion sind "ubrigends Kreise, die
den Einheitskreis in $w$ ber"uhren, wie 
zum Beispiel aus der in \eref{MoGe}{EL} diskutierten
\glqq M"obius-Geometrie\grqq\  folgt.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis mit Stone-Weierstra"s] \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/poisson3.mp4}{Hier ist ein Film zum Beweis des Satzes \"uber die  Poisson-Transformation.}
  Bezeichne $\hat h:D\ra \DR$ die Funktion, die auf dem Einheitskreis $h$
  selbst ist und auf dem Inneren de Einheitskreisscheibe durch die Formel aus
  unserem Satz gegeben wird. Wir sind fertig, sobald wir zeigen k"onnen, da"s
  $\hat h$ auf der ganzen abgeschlossenen Einheitskreisscheibe stetig ist. 
  Wir wissen bereits aus dem vorhergehenden, da"s das gilt, wenn $h$ ein
  trigonometrisches Polynom ist, wenn also in anderen Worten die Fourierreihe von $h$ nur h"ochstens endlich viele von Null verschiedene Terme hat. 
  Insbesondere gilt unser Satz f"ur die konstante Funktion $h=1$. Das hinwiederum
  liefert  f"ur beliebiges $h$ und $|z|<1$ sofort die Absch"atzung
  $\hat h(z)\leq \op{sup}(h(S^1))$ und dann auch
  $$\| \hat h\|_\infty\leq \|  h\|_\infty$$
  Hier gilt ist die Supremumsnorm links f"ur die nicht notwendig stetige
  aber doch betragsm"a"sig beschr"ankte Funktion $\hat h:D\ra\DR$ immer noch sinnvoll
  definiert und r"uckblickend gilt nat"urlich sogar Gleichheit,
  aber das ist f"ur
  uns nicht von Belang. 
Nun k"onnen wir ein beliebiges $h$ mithilfe von \eref{Lei}{AN1} als gleichm"a"sigen 
Grenzwert  $h_n\ra h$ einer Folge von trigonometrischen
Polynomen $h_n$ schreiben.  Daraus wird  mit unserer Konstruktion
ein gleichm"a"siger Grenzwert $\hat h_n\ra \hat h$ von Funktionen
auf der abgeschlossenen Einheitskreisscheibe, und da alle $\hat h_n$ stetig sind,
mu"s dann auch $\hat h$ stetig sein. 
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Man zeige durch direkte Absch"atzungen, da"s
eine stetige Funktion auf dem Einheitskreis durch ihre
Poisson-Transformierte stetig auf die ganze Einheitskreisscheibe 
fortgesetzt wird. Dies Argument hat den Vorteil, da"s es sich ohne
Schwierigkeiten auf h"ohere Dimensionen verallgemeinern l"a"st.
Im "Ubrigen verallgemeinern sich alle hier f"ur harmonische Funktionen
bewiesenen Aussagen ziemlich direkt auf den Fall harmonischer Funktionen 
auf offenen Teilmengen eines beliebigen $\DR^n$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s f"ur $U\co \DC$ schleifenf"ullend eine stetige
  komplexwertige Funktion $U\ra\DC$ harmonisch ist genau dann, wenn sie als
Summe einer holomorphen Funktion mit einer antiholomorphen Funktion
dargestellt werden kann.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Hebbarkeitssatz f"ur harmonische Funktionen}]
  Gegeben $p\in U\co\DC$ l"a"st sich jede beschr"ankte harmonische Funktion
  $f:U\backslash p\ra \DR$ eindeutig zu einer harmonischen Funktion
  $U\ra\DR$ fortsetzen. Hinweis: Wir d"urfen $p=0$ annehmen und
  $\{|z|\leq  1\}\subset U$. Wenn es eine Fortsetzung gibt, so mu"s sie
  die Poisson-Transformierte $g$ von $f|S^1$ sein.
  Sicher ist $h\pdef f-g$ auf dem Komplement des Ursprungs in der
  abgeschlossenen Einheitskreisscheibe stetig, im Inneren harmonisch
  und auf dem Randkreis Null. Es gilt zu zeigen $h=0$. G"age es aber einen Punkt
  mit $h(q)>0$, so w"urde die harmonische Funktion $h+\varepsilon \log|z|$
  f"ur hinreichend kleines $\varepsilon$ im Inneren eines geeigneten
  abgeschlossenen
  Kreisrings ihr Maximum annehmen und das kann nicht sein. 
\end{Ubung}

\subsection{Reihenentwicklung des Kotangens \sose{(30.6)}}

\begin{Proposition}[\textbf{Summe der $(z-k)^{-1}$}]\label{cota}
F"ur alle nicht ganzen komplexen Zahlen $z \in \Bbb{C} \backslash \Bbb{Z}$ gilt
 im Sinne absoluter Konvergenz
\begin{displaymath}
\frac{1}{z}+\sum_{k =1}^\infty 
\left(\frac{1}{z-k}+ \frac{1}{z+k}\right) 
= \pi \cot (\pi z) 
\end{displaymath}
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/cot.mp4}{Hier ist ein Film zur Reihenentwicklung des Kotangens.} Die Summe der $(z-k)^{-1}$ "uber alle ganzen
$k$ konvergiert nicht absolut, 
aber fassen wir wie angedeutet vor dem Summieren 
jeweils gegen"uberliegende Terme zusammen, so 
entsteht eine absolut konvergente Reihe, 
die auf 
$\Bbb{C}\backslash \Bbb{Z}$ kompakt konvergiert.
\glqq Vern"unftiges\grqq\  anderes Zusammenzufassen von jeweils einem
positiven und einem negativen Term
liefert a posteriori dasselbe Ergebnis,
der Kotangens ist ja periodisch von der Periode $\pi$, aber a priori ist das
nicht so klar. 
Formeln f"ur die Summen der $(z-k)^{-a}$ bei beliebigem
ganzen $a\geq 1$ gewinnen wir aus unserem Satz leicht durch Ableiten.
Allerdings st"utzt sich der hier gegebene Beweis von \ref{cota} 
auf Proposition  \ref{Sin},  die den Fall $a=2$
beschreibt, 
so da"s wir  Proposition \ref{Sin} auf andere Weise herleiten m"ussen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Zu diesem Beweis gibt es eine wunderbare Alternative,
den \glqq Herglotz-Trick\grqq. Mir gef"allt aber das hier gegebene
Argument mindestens ebensogut.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
Leiten wir beide Seiten der behaupteten Gleichung 
nach $z$ ab, so ergibt sich die
Gleichung \ref{Sin}, die wir im Anschlu"s zeigen.
Die Differenz beider Seiten ist also eine Konstante.
Da beide Seiten ungerade Funktionen von $z$ sind, ist diese Konstante Null.
\end{proof}
  \begin{Bemerkungl}
    Unter dem \defind{Hauptteil} einer meromorphen Funktion an einer gegebenen
    Stelle versteht man wie in \ref{LaEw} die Summe derjenigen Terme ihrer Laurententwicklung an
    besagter Stelle, die dort einen Pol haben. 
Haben zwei meromorphe Funktionen an einer gegebenen
    Stelle denselben Hauptteil, so ist  ihre Differenz dort nat"urlich
holomorph.
\end{Bemerkungl}

\begin{Proposition}[\textbf{Summe der $(z-k)^{-2}$}]
F"ur alle nicht ganzen komplexen Zahlen
$z \in \Bbb{C} \backslash \Bbb{Z}$ gilt\label{Sin}
 im Sinne absoluter Konvergenz
\begin{displaymath}
\sum_{k \in \Bbb{Z}} \frac{1}{(z-k)^2}
= \left( \frac{\pi}{\sin \pi z}\right)^2 
\end{displaymath}
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungw}
Summiert man nur "uber die nichtpositiven $k$, so erh"alt 
man die zweite Ableitung des Logarithmus der $\Gamma$-Funktion,
vergleiche \ref{PGamn}.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis] \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/sin2.mp4}{Hier ist ein Film  zu diesem Beweis.} 
Die Summe auf der linken Seite konvergiert 
offenbar unabh"angig von der Reihenfolge der Summanden
kompakt gegen eine Grenzfunktion, die meromorph 
ist auf ganz $\Bbb{C}$  mit Polen an allen ganzen Zahlen $k \in \Bbb{Z}$
und mit den Hauptteilen $(z -k)^{-2}$ an diesen Polen.
Die rechte Seite hat nun jedoch dieselben Polstellen
mit denselben Hauptteilen. 
Die Differenz beider Seiten ist folglich ein holomorphe
Funktion $\delta: \Bbb{C} \ra \Bbb{C}$ mit 
$\delta(z+1) = \delta(z) \; \forall z \in \Bbb{C}$.
Wir  lassen  nun im Streifen $0\leq \op{Re} z \leq 1$ 
den Imagin"arteil von $z$ sehr gro"s oder sehr
klein werden und behaupten, da"s beide Seiten unserer 
Gleichung und erst recht ihre Differenz $\delta$ gegen Null streben,
und zwar gleichm"a"sig im Realteil von $z$,
in Formeln 
$$\lim_{|\!\op{Im}(z)|\ra\infty} \delta(z)=0   $$
Damit ist dann ihre Differenz $\delta$ beschr"ankt, nach
Liouville \ref{Liou} also konstant, also Null.
Es bleibt damit nur, diese  Behauptung zu zeigen.
Sie lohnt nur f"ur die linke Seite einen Beweis.
F"ur $z$ in unserem Streifen mit $|\op{Im}(z)|\geq n$ 
sch"atzen wir dazu die Terme unserer Summe mit $-n\leq k\leq n+1$ 
jeweils ab durch $1/n^{2}$, so da"s sie alle zusammen h"ochstens
$(2n+2)/n^{2}$ beitragen. Die "ubrigen Terme k"onnen  jeweils
abgesch"atzt werden durch 
$1/k^{2}$, und da die Summe der inversen Quadrate aller 
nat"urlichen Zahlen $\geq 1$ konvergiert, mu"s die Summe dieser "ubrigen Terme
bei hinreichend gro"sem $n$ auch beliebig klein werden.
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Einige Werte der Riemann'schen $\zeta$-Funktion}]
An den positiven geraden  ganzzahligen Stellen ist der Wert der\label{WRZa}
Riemann'schen $\zeta$-Funktion ein rationales Vielfaches 
der entsprechenden Potenz der Kreiszahl $\pi$. 
F"ur alle nat"urlichen Zahlen $n\geq 1$ gilt also in Formeln
$$\sum_{k\geq 1}k^{-2n}\;\in\DQ\pi^{2n}$$
\end{Korollar}
\begin{Bemerkunge}
F"ur die Summe $\zeta(u)$ der ungeraden Potenzen $k^{-u}$ f"ur
ungerades nat"urliches $u$, die sogenannten 
\glqq ungeraden $\zeta$-Werte\grqq, ist derzeit (2021)
meines Wissens
keine Aussage dieser Art bekannt. Vermutet wird, da"s 
die reellen Zahlen $\pi,\zeta(3),\zeta(5),\zeta(7),\ldots$ 
algebraisch unabh"angig sind
"uber $\DQ$. Ap\'ery hat gezeigt, da"s $\zeta(3)$ irrational ist.
Bekannt ist weiter, da"s unendlich 
viele ungerade $\zeta$-Werte irrational sind, und da"s von den
vier ungeraden $\zeta$-Werten 
$\zeta(5),\zeta(7),\zeta(9),\zeta(11)$ mindestens einer
irrational ist. 
\end{Bemerkunge}
\begin{proof} \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/zetawerte.mp4}{Hier ist ein Film zur diesem Beweis.} 
Multiplizieren wir die Reihenentwicklung des Kotangens \ref{cota} 
mit $z$, so erhalten wir
\begin{displaymath}
\pi z \op{cot}(\pi z) = 1 + z \sum^\infty_{k=1} 
\left( \frac{1}{z-k} + \frac{1}{z+k} \right)
\end{displaymath}
im Sinne der kompakten Konvergenz, erst auf $\Bbb{C} \backslash \Bbb{Z}$, 
aber dann
sehr leicht auch auf $(\Bbb{C}\backslash \Bbb{Z}) \cup \{0\}$.
Sicher sind beide Seiten gerade Funktionen von $z$. Leiten wir beide Seiten
$2n$-mal ab und werten bei $z =0$ aus, so ergibt sich, da wir ja nach
\ref{GKoc} Grenzwert und Ableitung vertauschen d"urfen, f"ur $n\geq 1$
die Formel
\begin{displaymath}
\left.\frac{\diff^{2n}}{\diff z^{2n}} \right|_{z=0} \pi z \op{cot} (\pi z) 
= 2n \sum^{\infty}_{k=1} 2\;
\frac{- (2n -1)!}{k^{2n}}
\end{displaymath}
Diese Formel dr"uckt den Wert der Riemann'schen $\zeta$-Funktion 
an allen positiven
geraden nat"urlichen Zahlen aus in den Laurentkoeffizienten des 
Kotangens. Nun ergibt sich die Laurentreihe des 
Kotangens durch
Multiplikation und Inversenbildung 
aus den Taylorreihen von Sinus und Cosinus und
hat nach elementaren "Uberlegungen
insbesondere stets rationale Koeffizienten. Das Korollar folgt.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{WRZ}
Um die Werte der $\zeta$-Funktion an den geraden positiven ganzen Zahlen 
explizit zu berechnen, beachte man
\begin{displaymath}
\op{cot} z = {\op{i}} \frac{\op{e}^{{\op{i}}z} 
+ \op{e}^{-{\op{i}}z}}{\op{e}^{{\op{i}}z}-\op{e}^{-{\op{i}}z}} = {\op{i}} +
\frac{2{\op{i}}\op{e}^{-{\op{i}}z}}{\op{e}^{{\op{i}}z}-\op{e}^{-{\op{i}}z}} 
= {\op{i}} + \frac{2{\op{i}}}{\op{e}^{2{\op{i}}z}-1}
\end{displaymath}
Die \defind{Bernoulli-Zahlen} ${\op{B}}_2, {\op{B}}_4, \ldots$ sind nun 
definiert als die  h"oheren Ableitungen 
von $z/(\op{e}^z-1)$ am Ursprung, in Formeln
\begin{displaymath}
{\op{B}}_{2n} \pdef \left.\frac{\diff^{2n}}{\diff z^{2n}}\right|_{z=0} 
\left( \frac{z}{\op{e}^z-1}\right)
\end{displaymath}
Sie sind nat"urlich rational und lassen
sich induktiv berechnen, indem man
die wohlbekannte Taylorreihe von $(\op{e}^z-1)/z$ 
formal invertiert. Der Kotangens ist ungerade, so da"s 
die h"oheren Ableitungen ungerader Ordnung bei Null verschwinden.   
Vermittels dieser Zahlen lassen sich dann die Werte der 
Riemann'schen $\zeta$-Funktion an den positiven geraden ganzen Zahlen nach dem
Vorhergehenden und elementarer Rechnung, die dem
Leser zur "Ubung "uberlassen sei,  ausdr"ucken in der Gestalt
\begin{displaymath}
\zeta (2n) = (-1)^{n +1} \frac{2^{2n-1}}{(2n)!} {\op{B}}_{2n} \pi^{2n}
\end{displaymath}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}
Will man Bernoulli-Zahlen f"ur
beliebige Indizes erkl"aren, so setzt man besser
\begin{displaymath}
{\op{B}}_{k} \pdef \left.\frac{\diff^{k}}{\diff z^{k}}\right|_{z=0} 
\left( \frac{z}{1-\op{e}^{-z}}\right)
\end{displaymath}
Diese Zahlen sind dann Null f"ur ungerades $k>1$ und 
stimmen mit unseren Bernoulli-Zahlen von oben "uberein f"ur gerades $k$
und haben den Vorteil, da"s die Funktionalgleichung der
Riemann'schen $\zeta$-Funktion f"ur 
sie die wunderbare 
Formel ${\op{B}}_{k} =-k\zeta(1-k)$ liefert, die 
mit der geb"uhrenden Vorsicht interpretiert sogar f"ur $k=0$
gilt.
\end{Bemerkungw}
\subsubsection{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[\textbf{Alternierende Summe der $(z-k)^{-1}$}]
F"ur alle nicht ganzen komplexen\label{cotas} 
Zahlen $z \in \Bbb{C} \backslash \Bbb{Z}$ gilt
\begin{displaymath}
\frac{1}{z}+\sum_{k =1}^\infty (-1)^k
\left(\frac{1}{z-k}+ \frac{1}{z+k}\right) 
= \frac{\pi}{ \sin (\pi z) }
\end{displaymath}
Hinweis: Man addiere die alternierende und die nicht 
alternierende Summe.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige
f"ur alle nat"urlichen Zahlen $n\geq 0$ die Relation
$$\sum_{k\geq 0}(-1)^k (2k+1)^{-2n-1}\;\in\DQ\pi^{2n+1}$$
Hinweis: Den Fall $n=0$ hatten wir bereits in
\eref{AbAr}{AN1} behandelt. F"ur den allgemeinen Fall leite man
die Identit"at  \ref{cotas} ab und werte bei $z=1/2$ aus.
Speziell zeige man im Fall $n=1$ die Formel
$$1-\frac{1}{3^3}+\frac{1}{5^3}-\frac{1}{7^3}+\ldots =\frac{\pi^3}{32}$$
\end{Ubung}


\subsection{Produktentwicklung des Sinus \sose{(30.6)}}
\begin{Satz}[\textbf{Produktentwicklung des Sinus}]
Der Sinus l"a"st sich  im Sinne der kompakten Konvergenz 
der partiellen Produkte
darstellen als das unendliche Produkt\label{PSin}
\begin{displaymath}
\sin \pi z = \pi z \prod^{\infty}_{k =1} \left( 1-\frac{z}{ k}\right)
\left( 1 +\frac{z}{ k}\right)
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis] 
  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/sin.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Herleitung Produktentwicklung des Sinus, aufbauend auf
    unseren allgemeinen
    Erkenntnissen zu Produktentwicklungen \ref{PkP} folgende, mit denen man daf"ur vertraut sein sollte.}  Nach \ref{KoKoP} konvergieren auf der rechten Seite die Partialprodukte
  kompakt gegen eine Grenzfunktion und wenn wir den $k$-ten Faktor weglassen,
  hat diese Grenzfunktion immer noch nach \ref{KoKoP} keine Nullstelle bei $\pm k$. Als Grenzfunktion unter kompakter Konvergenz einer Folge holomorpher Funktionen ist unsere
  Genzfunktion nach \ref{GKoc} wieder holomorph und hat nach dem vorhergehenden 
einfache Nullstellen an allen ganzen 
Zahlen und keinen weiteren Nullstellen.
Ihr Quotient nach $\sin \pi z$ ist nach dem
gleich anschlie"senden Lemma \ref{ELog} 
also von der Gestalt $\exp (h (z))$ 
f"ur $h: \Bbb{C} \ra \Bbb{C}$ holomorph.
Dann bilden wir auf beiden Seiten  
die logarithmische Ableitung im Sinne von \ref{logA}.
Sie vertauscht auf 
$\DC\backslash \DZ$ 
mit dem Grenz"ubergang, weil ja wieder nach \ref{GKoc} die Ableitungen einer
kompakt konvergenten Folge holomorpher Funktionen auch wieder kompakt gegen die
Ableitung der Grenzfunktion konvergieren. 
Wir finden mit unserer Formel \ref{Sin} f"ur die Summe der $(z-k)^{-2}$,
da"s $h$ konstant ist.
Teilen wir nun beide Seiten durch $z$ und setzen $z=0$, 
so erkennen wir, da"s $h$
sogar identisch verschwinden mu"s.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Setzen wir in der Produktentwicklung des Sinus
  \ref{PSin} speziell $z = 1/2$, so ergibt sich die
\defind{Wallis'sche Produktformel} 
\begin{displaymath}
\frac{\pi}{2} = \lim_{n\ra\infty} \frac{2\cdot 2}{1\cdot 3} 
\cdot \frac{4\cdot 4}{3\cdot 5} \cdots
\frac{(2n)(2n)}{(2n-1) (2n+1)}
\end{displaymath}
\end{Bemerkungl}




\begin{Satz}[\textbf{Produktentwicklung}]
  \index{Produktentwicklung} Seien $X$ eine Menge und $f_\nu:X\ra\DC$
  Funktionen derart,\label{PkP}
da"s die Folge der Partialsummen $\sum^n_{\nu =1} |f_\nu (x)-1|$ 
gleichm"a"sig
gegen eine beschr"ankte Funktion konvergiert.
So konvergiert auch die Folge der Partialprodukte
$\prod^n_{\nu =1} f_\nu (x)$ gleich\-m"a\-"sig gegen eine beschr"ankte Funktion
$X \ra \Bbb{C}$, die wir 
\begin{displaymath}
x \mapsto \prod^{\infty}_{\nu =1}  f_\nu (x)
\end{displaymath}
notieren und deren Nullstellen genau 
die Stellen
$x \in X$ sind,  an denen einer der Faktoren verschwindet.
Dar"uber hinaus ist dann der Grenzwert der Partialprodukte
unabh"angig von der Reihenfolge der
Faktoren.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}\label{pinv}
Sind in der Situation aus \ref{PkP} zus"atzlich alle unsere Funktionen $f_\nu$ von Null weg beschr"ankt, liegt also die Null nicht im Abschlu"s ihres Wertebereichs, 
so konvergiert mit $\sum^n_{\nu =1} |f_\nu (x)-1|$  auch
$\sum^n_{\nu =1} |(f_\nu (x))^{-1}-1|$ f"ur $n\ra \infty$ gleichm"a"sig
gegen eine beschr"ankte Funktion. 
In der Tat zeigt man f"ur $z$ hinreichend nah bei $1$ leicht die Absch"atzung
$|z^{-1}-1|\leq 2|z-1|$.
Sind alle unsere Funktionen $f_\nu$ von Null weg beschr"ankt, so  k"onnen 
wir unseren Satz mithin auch
auf die Funktionen $f_\nu^{-1}$ anwenden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{KoKoP}
Ist $X$ ein metrischer oder allgemeiner ein topologischer
Raum und sind die $f_\nu$ stetig und 
konvergiert die Folge der Partialsummen $\sum^n_{\nu =1} |f_\nu (x)-1|$ 
kompakt, so konvergiert auch die
Folge der Partialprodukte $\prod^n_{\nu =1} f_\nu (x)$ 
kompakt.
Um das zu zeigen, brauchen  wir nur \ref{PkP}
auf die Einschr"ankungen unserer
Funktionen auf Kompakta anzuwenden.
Haben in dieser Situation unsere Funktionen
$f_\nu$ keine Nullstellen, so erf"ullen auch die $f_\nu^{-1}$ unsere Bedingungen und auch die
Folge der Partialprodukte $\prod^n_{\nu =1} f_\nu (x)$ 
konvergiert kompakt. Um das zu zeigen, brauchen  wir nur \ref{pinv}
auf die Einschr"ankungen unserer
Funktionen auf Kompakta anzuwenden.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/produkte.mp4}{Hier ist ein Film \"uber allgemeine Produktentwicklungen.} 
 Ableiten  liefert f"ur den 
Hauptzweig
des Logarithmus die Formel
\begin{displaymath}
\lim_{z \ra 0} \frac{\log (1+z)}{z} =1
\end{displaymath}
Es gibt also $d \in (0,1)$ derart, da"s aus $|z| < d$ folgt
$
|\log (1+z) | \leq {3}|z|/{2} 
$ und da"s ebenso  aus $|z-1| < d$ folgt
$
|\log (z) | \leq {3}|z-1|/{2} 
$. 
Nun gibt es sicher ein $N$ mit 
$\sum^{\infty}_{\nu =N} |f_{\nu} (x) -1| \leq d$
f"ur alle $x \in X$. F"ur
$\nu\geq N$ sind dann alle $ \log (f_\nu (x))$ wohldefiniert 
und  nach 
unserer Absch"atzung und dem Majorantenkriterium mu"s auch
die Folge der Funktionen
$\sum^n_{\nu =N} \log \circ f_\nu $ gleichm"a"sig 
konvergieren
gegen eine 
betragsm"a"sig beschr"ankte Grenzfunktion $L : X \ra \Bbb{C}$.
Wenden wir $\op{exp}$ an und beachten, da"s $\op{exp}$ auf jedem Kompaktum in
$\Bbb{C}$ gleichm"a"sig stetig ist, so folgt die gleichm"a"sige Konvergenz
der partiellen Produkte
$\prod^n_{\nu =N} f_{\nu} $ gegen eine beschr"ankte Funktion 
$X \ra \Bbb{C}
$ ohne Nullstelle, n"amlich gegen $\op{exp} \circ L$.
Der Satz folgt, da wieder nach unserer Annahme die 
Faktoren mit $1\leq \nu<N$ 
und damit auch ihr Produkt betragsm"a"sig beschr"ankt sind
und das Produkt mit ihnen deshalb nicht die gleichm"a"sige Konvergenz
zerst"oren kann. Die Unabh"angigkeit des unendlichen Produkts von
der Reihenfolge der Faktoren folgt leicht aus dem
Umordnungssatz f"ur Reihen \eref{US}{AN1}.
\end{proof}

\begin{Lemma}[\textbf{Logarithmen von Funktionen}]
Gegeben $U\co \Bbb{C}$\label{ELog} schleifenf"ullend und 
$f: U \ra \Bbb{C}$ holomorph ohne Nullstelle gibt es
$h: U \ra \Bbb{C}$ holomorph mit
$f(z) = \exp h(z)$ f"ur alle $z \in U$.
\end{Lemma}

\begin{proof}[Beweis]
  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/logf.mp4}{Hier ist ein Film \"uber  Logarithmen von Funktionen ohne Nullstelle mit schleifenf\"ullendem \nichtfinal{(anpassen)} Definitionsbereich.}
  Wenn  $h$ unsere Funktion ist, so k"onnten wir ja lokal immer schreiben
  $h=\op{log}\circ f$ mit irgendeinem Zweig des Logarithmus und es folgt
  $h'=f'/f$.
  Ein guter Ansatz ist also $h=g+c$ f"ur $g$ eine Stammfunktion von $f'/f$.
  Nach \ref{ESta} hat nun die holomorphe Funktion 
$f'/f$  in der Tat eine Stammfunktion
  $g$ auf $U$.  Ableiten zeigt nach kurzer Rechnung, 
da"s  $ (\exp \circ g)/f$ konstant sein mu"s.
Wir k"onnen also in der Tat $h = c+ g$ nehmen 
f"ur eine geeignete Konstante $c \in \DC$.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis mit "Uberlagerungstheorie]
  Ich gebe noch einen alternativen Beweis mit den Mitteln der Topologie,
  der mir besser gef"allt, der aber den Rahmen dieser Vorlesung sprengt.
  Die Exponentialabbildung $\op{exp}:\DC\ra \DC^\times$ ist im Sinne
  von \eref{Defue}{TF}
  eine surjektive
  "Uberlagerung. Gegeben ein "uberlagerungstrivialer topologischer
  Raum $U$ und eine stetige Abbildung $f:U\ra \DC^\times$ gibt es nach
  Satz \eref{LEZ}{TF} "uber das Liften bei "uberlagerungstrivialem
  Definitionsbereich eine stetige
  Abbildung $h: U\ra \DC$ mit $\exp\circ h=f$. Ist
  weiter $U\co \DC$  zusammenh"angend und schleifenf"ullend,
  so ist es auch "uberlagerungstrivial nach \eref{Wezo}{TF}.
  Also gibt es insbesondere
  in diesem Fall
   f"ur jede 
  stetige Abbildung $f:U\ra \DC^\times$  eine stetige
  Abbildung $h: U\ra \DC$ mit $\exp\circ h=f$.
  Ist hier zus"atzlich $f:U\ra\DC^\times$ holomorph, so folgt aus
  der lokalen Umkehrbarkeit von $\exp$, da"s auch $h$
  holomorph sein mu"s.
\end{proof}

\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[\textbf{Wurzeln aus holomorphen Funktionen}]
F"ur jede holomorphe Funktion $f$ ohne Nullstellen 
mit  schleifenf"ullendem Definitionsbereich und jedes $n\geq 1$ gibt es eine 
holomorphe Funktion $g$ mit demselben Definitionsbereich und
mit der Eigenschaft $g(z)^n=f(z)$ f"ur alle Punkte $z$ aus\label{WuHo}
dem Definitionsbereich. Hinweis: \ref{ELog}. 
\end{Ubung}


\subsection{Gammafunktion \sose{(5.7)}}
\begin{Satz}
Es gibt genau eine meromorphe Funktion\label{GaF} 
$\Gamma : \Bbb{C} \ra \mathbb P^1\Bbb{C}$ 
derart, da"s f"ur alle $z \in \Bbb{C}$ mit $\op{Re} z > 0$ gilt
\begin{displaymath}
\Gamma (z) = \int^{\infty}_{0} \op{e}^{-t} t^{z-1} \diff t
\end{displaymath}
Sie hei"st die 
\emph{\bf Gammafunktion}\index{Gammafunktion}\index{G@$\Gamma$-Funktion}
und hat die Werte $\Gamma(n+1)=n!$ f"ur alle nat"urlichen Zahlen
$n\in \DN$.
Im K"orper der meromorphen Funktionen auf $\DC$ gilt 
die \emph{\bf Funktionalgleichung}\index{Funktionalgleichung!der Gammafunktion}
$\Gamma(z+1)=z\Gamma(z)$. Unsere Gammafunktion  ist 
auf $\DC\backslash \{0,-1,-2,\ldots\}$ holomorph  und  hat 
f"ur $n\in\DN$ bei $z=-n$ jeweils eine einfache Polstelle 
mit $(-1)^n/n!$ als Residuum.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Ich will zumindest zwei Gr"unde daf"ur 
angeben, warum diese Funktion von Bedeutung ist: 
Erstens tritt sie in der Funktionalgleichung der 
Riemann'schen $\zeta$-Funktion \ref{FGRZ}  auf, und
zweitens f"uhrt sie zu Absch"atzungen von $n!$, die in der
Wahrscheinlichkeitstheorie n"utzlich  sind. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/gamma.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diesen Beweis.}
  Die obere Absch"atzung des Absolutbetrags des 
Integranden durch $t^{a-1}$ f"ur $\op{Re}
z\geq a$ zeigt, da"s die Folge der nach \ref{VKd} holomorphen Funktion
\begin{displaymath}
F_n (z) = \int^1_{1/n} \op{e}^{-t} t^{z-1} \diff t
\end{displaymath}
f"ur $\op{Re} z > 0$ kompakt konvergiert gegen eine nach \ref{GKoc} holomorphe
Grenzfunktion auf der offenen rechten Halbebene.
Die Absch"atzung $\op{e}^t t^{-a} \geq t^2/ (a+2)!$ f"ur $a \in \Bbb{N}$
und $t > 0$ liefert $|\op{e}^{-t} t^{z-1} | \leq (a+2)!\;t^{-2}$ f"ur
$\op{Re}z < a+1$ und zeigt, da"s die Folge von holomorphen Funktionen 
\begin{displaymath}
G_n (z) =\int^{n}_{1} \op{e}^{-t} t^{z-1} \diff t
\end{displaymath}
f"ur $\op{Re} z >0$ kompakt konvergiert gegen eine holomorphe Grenzfunktion
auf der offenen rechten Halbebene.
In diesem Sinne liefert also das Integral aus dem 
Satz eine holomorphe Funktion auf der offenen rechten
Halbebene.
F"ur $\op{Re} z > 0$ erhalten wir mit partieller Integration \ref{PartiC} sogar
\begin{displaymath}
\Gamma (z+1) = \left.\int^{\infty}_{0} \op{e}^{-t} t^z \diff t
= -\op{e}^{-t} t^z \right|^{\infty}_{0} + z \int^{\infty}_{0} \op{e}^{-t} t^{z-1} \diff t
= z \Gamma (z)
\end{displaymath}
Hier habe ich darauf verzichtet, wirklich korrekt 
erst nach dem partiellen Integrieren den Grenz"ubergang
zu vollziehen.
Diese Formel k"onnen wir f"ur $\op{Re}(z)>1$ auch umschreiben zu 
$\Gamma (z-1) = \Gamma (z) / (z-1)$ und sie liefert uns dann eine
meromorphe Fortsetzung unserer Gammafunktion 
erst auf die Halbebene $\op{Re} z > -1$, dann auf die Halbebene
$\op{Re} z > -2$ und so nach und nach auf ganz $\Bbb{C}$.
Offensichtlich gilt $\Gamma (1) =1=0!$ und  Iteration 
mit der Funktionalgleichung $\Gamma (z+1) = z \Gamma (z)$
liefert dann sofort
$\Gamma (n+1) = n!$ f"ur alle $n \in \Bbb{N}$. 
Eine Iteration der 
Funktionalgleichung liefert auch sofort
%\begin{displaymath}
$\Gamma (z + n+1) = (z+n) (z+n-1) \ldots z \Gamma (z)$
%\end{displaymath}
alias
\begin{displaymath}
\Gamma (z) = (z+n)^{-1} (z+n-1)^{-1} \ldots z^{-1}\Gamma (z+n+1) 
\end{displaymath}
Das aber  ist ein Produkt von $(z+n)^{-1}$  mit einer Funktion, 
die bei $z = -n$ holomorph ist 
und die dort den Wert $(-1)^{n}/n!$ annimmt.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Gauss'sche Formel}]
Auf dem 
Komplement der nichtpositiven ganzen Zahlen in der komplexen Zahlenebene 
gilt im Sinne kompakter Konvergenz\label{GauF}  
\begin{displaymath}
\Gamma (z) = \lim_{n \ra \infty} \frac{n! \; n^z}{z(z+1) \ldots (z+n)}
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{Satz}[\textbf{Produktentwicklung der Gammafunktion}]
Im Sinne der kompakten Konvergenz der 
Partialprodukte auf dem Komplement\label{PGam} der nichtpositiven ganzen
Zahlen
gilt mit der Abk"urzung 
$\gamma = \lim_{n\ra \infty} (\sum^n_{k=1} \frac{1}{k} - \log n)$
die Formel
\begin{displaymath}
\Gamma (z) =  \frac{\op{e}^{-\gamma z}}{z} \prod^{\infty}_{k=1} 
\left(1+ \frac{z}{k}\right)^{-1} \op{e}^{z/k}
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Insbesondere hat die $\Gamma$-Funktion keine Nullstellen.  Aus den Produktentwicklungen der Gammafunktion \ref{PGam} und des Sinus \ref{PSin} sowie der Funktionalgleichung $\Gamma(1-z)=-z\Gamma(-z)$ der Gammafunktion
  folgt sofort die 
Gleichheit von meromorphen Funktionen\label{ga12} 
\begin{displaymath}
\Gamma (z) \Gamma (1-z) = \frac{\pi}{\sin \pi z}
\end{displaymath}
und insbesondere die Identit"at $\Gamma (1/2) = \sqrt{\pi}$.
Man nennt die erste Identit"at auch die
{\bf Spiegelungsformel}.\index{Spiegelungsformel!der $\Gamma$-Funktion}
Das ist die Identit"at, auf die es uns eigentlich ankommt. Ich erwarte nicht,
da"s Sie  die Gau"s'sche Formel oder die Produktentwicklung der
Gammafunktion und ihre Beweise 
auswendig lernen oder in einer Pr"ufung reproduzieren k"onnen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Um zu sehen, da"s der Grenzwert $  \gamma$ existiert, 
interpretieren wir diese Folge als Eins plus 
die Differenz zwischen einer geeigneten   Untersumme 
und dem Integral der Funktion $x\mapsto 1/x$ auf $[1,n]$. 
Diese Differenzen sind dann offensichtlich beschr"ankt durch Eins.
So sehen wir auch $\gamma>0$. Unser
$\gamma$ hei"st die 
{\bf Euler-Konstante}\index{Euler-Konstante} 
oder auch 
{\bf Euler-Mascheroni-Konstante}.\index{Euler-Mascheroni-Konstante} 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis der beiden S"atze]
(1) Wir pr"ufen zun"achst den ersten Satz im Fall $\op{Re}z>1$.
Man geht aus von der Identit"at 
\begin{displaymath}
\int^n_0 \left(1-\frac{t}{n}\right)^n t^{z-1}\diff t =\int^n_0 
\frac{n!\;t^{z+n-1}\diff t}{n^nz(z+1) \ldots (z+n-1)} 
= \frac{n!\;n^z}{z(z+1)\ldots (z+n)}
\end{displaymath}
Man  pr"uft sie leicht durch partielle Integration. 
Es gilt damit nur noch zu zeigen,
da"s die linke Seite f"ur $\op{Re}z>1$ gegen $\Gamma (z)$ strebt.
Man kann das mit elementaren Methoden unschwer sehen, vergleiche zum
Beispiel \cite{Conway}. Es folgt aber auch direkt aus dem Satz
von Lebesgue "uber das Vertauschen von Integralen und punktweiser 
monotoner Konvergenz \eref{MKo}{AN3}, wenn wir f"ur alle 
$t \in [0,n) $ die Absch"atzungen
\begin{displaymath}
\left(1-\frac{t}{n+1}\right)^{n+1} \geq \left(1- \frac{t}{n}\right)^n
\end{displaymath}
nachweisen.
Dazu nehmen wir auf beiden Seiten den Logarithmus 
und m"ussen zeigen, da"s f"ur $t \in [0,n)$ die Funktion
$x \mapsto x \log (1 -\frac{t}{x})$ monoton w"achst 
auf $[n,\infty)$. Ihre Ableitung ergibt sich zu
$$\log \left( 1-\frac{t}{x}\right) + \frac{t}{x} 
\left( 1- \frac{t}{x} \right)^{-1}$$ und
es reicht folglich zu zeigen, da"s die Funktion 
$y \mapsto \log (1-y) + y (1-y)^{-1}$
nichtnegativ ist f"ur $y \in [0,1)$. Bei $y =0$ nimmt 
diese Funktion jedoch den Wert
Null an und ihre Ableitung 
\begin{displaymath}
\frac{-1}{1-y} + \frac{(1-y) +y}{(1-y)^2} = \frac{y}{(1-y)^2}
\end{displaymath}
wird auf $[0,1)$ nicht negativ.
\\[2mm]\noindent
(2) Als n"achstes pr"ufen wir, da"s das unendliche Produkt 
aus dem zweiten Satz in den in \ref{PkP}
vorgegebenen Rahmen f"allt, da"s also die Partialsummen der Reihe
\begin{displaymath}
\sum^\infty_{k=1} \left| \left(\op{e}^{-z/k} 
\left(1+\frac{z}{k}\right)\right) -1\right|
\end{displaymath}
kompakt konvergieren.
Dazu beachten wir, da"s nach der Potenzreihenentwicklung der 
Exponentialfunktion gilt
\begin{displaymath}
1+ t - \op{e}^t = t^2 f(t)
\end{displaymath}
f"ur eine holomorphe Funktion $f: \Bbb{C} \ra \Bbb{C}$.
W"ahlen wir also ein Kompaktum $K \subset \Bbb{C}$, so 
finden wir eine Konstante $C \in \Bbb{R}$
mit 
\begin{displaymath}
|1 + ({z}/{k}) - \op{e}^{z/k} | \leq {C}/{k^2}
\end{displaymath}
f"ur alle $z \in K$ und alle nat"urlichen Zahlen $k \geq 1$, 
und f"ur das Produkt
der linken Seite mit $|\op{e}^{-z/k}|$ gilt offensichtlich eine 
Absch"atzung derselben Gestalt,
nur m"oglicherweise mit gr"o"serem $C$.
Nun  zeigt \ref{PkP}, da"s die Formel
im Satz
eine meromorphe Funktion $g: \Bbb{C} \ra \Bbb{C}$ definiert mit einfachen
Polstellen an allen nichtpositiven ganzen Zahlen und keinen weiteren Pol-
oder
Nullstellen.
\\[2mm]\noindent
(3) Als letztes pr"ufen wir, da"s die Partialprodukte
$\Gamma_n$ in unserer Produktentwicklung im
zweiten Satz bis auf 
einen kompakt gegen die konstante Funktion Eins 
konvergierenden Korrekturterm genau die Glieder unserer
Funktionenfolge aus dem ersten Satz sind.
Formen wir in der Tat die Partialprodukte etwas um, so ergibt sich
\begin{displaymath}
\begin{array}{lll}
\Gamma_n (z) &=& \op{e}^{-\gamma z} z^{-1} \prod^n_{\nu =1} 
\left( \frac{\nu + z}{\nu}\right)^{-1}
\op{e}^{z/\nu} \\[2ex]
&=& \op{e}^{-\gamma z} \frac{n!}{z(z+1) \ldots (z+n)} \op{exp} \left(
\left( \sum^n_{\nu=1} \frac{1}{\nu} \right) z \right)\\[2ex]
&=& \frac{n!\; n^z}{z(z+1) \ldots (z+n)} \op{exp} \left( \left(
\sum^n_{\nu =1} \frac{1}{\nu} - \op{log} (n) - \gamma\right) z\right)
\end{array}
\end{displaymath}
Der letzte Faktor strebt nun f"ur $n \ra \infty$ 
kompakt gegen 1, womit beide S"atze bewiesen w"aren.
\end{proof}


\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubunge}
F"ur komplexe $x,y \in \mathbb C$ mit positivem Realteil definiert man die
{\bf Euler'sche Betafunktion}\index{Betafunktion, Euler'sche} 
als das Integral
\begin{equation*}
B (x,y) = \int^1_0 t^{x-1} (1-t)^{y-1} \diff t
\end{equation*}
Man zeige die Identit"at $B (x,y) = \Gamma (x) \Gamma (y) / \Gamma (x+y)$.
Hinweis: Per definitionem gilt 
$\Gamma (x) = \int^\infty_0 a^{x-1} {\op{e}}^{-a} \diff a$,
$\Gamma (y) = \int^\infty_0 b^{y-1} {\op{e}}^{-b} \diff b$, $\Gamma (x+y) = \int^\infty_0
s^{x+y-1} {\op{e}}^{-s} \diff s$.
Man zeige $B (x,y) \Gamma (x+y) = \Gamma (x) \Gamma (y)$ mithilfe des Satzes 
von Fubini und der
Substitution $s = a + b$, $ t = a/(a+b)$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
Man zeige $\Gamma'(1)=\gamma$ mit der Euler-Konstante $\gamma$ aus 
\ref{PGam}. Hinweis: Man mag von der Gau"s'schen Formel \ref{GauF}
ausgehen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige\label{PGamn}  $$\frac{\op{d}^2}{\diff z^2}\log\Gamma(z)=
\sum_{k=0}^\infty\frac{1}{(z+k)^2}$$ 
f"ur $z\neq 0,-1,-2,\ldots$  Hinweis: Man mag von 
der Produktentwicklung \ref{PGam}  ausgehen. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige die 
{\bf Legendre'sche 
Verdopplungsformel}\index{Legendre!Verdopplungsformel}\label{LVF}
$$\Gamma(2z)=
\Gamma(z)\Gamma(z+(1/2))\;2^{2z-1}/\sqrt{\pi}$$  
Hinweis: Man mag von "Ubung \ref{PGamn}
ausgehen um zu zeigen, da"s die Funktion $
\Gamma(z)\Gamma(z+(1/2))/\Gamma(2z)$ 
von $\frac{\op{d}^2}{\diff z^2}\log$ 
zu Null gemacht wird, so da"s der Logarithmus $\log(\Gamma(2z)/
\Gamma(z)\Gamma(z+(1/2)))=az+b$ ein Polynom vom Grad Eins sein mu"s.
Durch Einsetzen geeigneter Werte bestimmt man dann  $a$ und $b$.
\end{Ubung}
\subsection{Riemann'scher Abbildungssatz \sose{(7.7)}}

\begin{Satz}[\textbf{Riemann'scher Abbildungssatz}]
Jede  
zusammenh"angende schleifenf"ullende echte  offene Teilmenge der komplexen Zahlenebene
$\Bbb{C}$ l"a"st sich biholomorph mit der offenen\label{RASa}  
Einheitskreisscheibe identifizieren.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Der Beweis dieses Satzes wird den ganzen Abschnitt f"ullen.
  Wir geben ihn nach einigen Vorbereitungen im Anschlu"s an \ref{Zre}.
  Unter einer
  {\bf biholomorphen Identifikation}\index{biholomorph!Identifikation}
  von zwei offenen Teilmengen $U,V$ der komplexen Zahlenebene verstehen wir eine
  biholomorphe Einbettung $f:U\hra \DC$ mit $f(U)=V$. Dann ist auch die
  Umkehrabbildung eine biholomorphe Identifikation $f^{-1}:V\sira U$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Die Bedingung, eine echte Teilmenge zu sein, schlie"st den Fall aus,
da"s unsere offene Teilmenge die ganze komplexe Zahlenebene ist. In der Tat
ist diese nicht biholomorph zur offenen Einheitskreisscheibe, denn es
gibt darauf keine nichtkonstanten beschr"ankten holomorphen Funktionen.
Der Fall der leeren Menge wird durch die Bedingung
ausgeschlossen, da"s unsere Teilmenge 
zusammenh"angend sein soll.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungw}[\textbf{Gro"ser Riemann'scher Abbildungssatz}]
Die tiefere Bedeutung des obigen Satzes wird erst 
 klar im Lichte des sogenannten \glqq gro"sen Riemann'schen Abbildungssatzes\grqq.\label{GrRA}  
Danach ist jede schleifenf"ullende \glqq Riemann'sche Fl"achen\grqq\
 biholomorph isomorph  zu genau einer der folgenden drei Beispiele: Der Riemann'sche Zahlenkugel $\Bbb{P}^1\Bbb{C}$, 
der komplexen Zahlen\-ebene 
$\Bbb{C}$ oder der offenen Einheitskreisscheibe $E$.
Man findet einen Beweis zum Beispiel in 
\cite{FRF}.
\end{Bemerkungw}











\begin{Bemerkungl}
Seien $U\co\DC$ offen und
$f_n:U\ra\DC$ eine Funktionenfolge.
Wir nennen unsere Folge {\bf betrags\-m"a"sig
simultan beschr"ankt}, wenn es ein $R\in\DR$ 
gibt mit $|f_n(x)|\leq R$ f"ur alle $x\in U$ und alle $n\in \DN$.
Wir nennen unsere
 Folge {\bf lokal betrags\-m"a"sig simultan beschr"ankt}, wenn
jeder Punkt von $U$ eine Umgebung besitzt derart, da"s
unsere  Folge
 auf besagter Umgebung betrags\-m"a"sig
simultan beschr"ankt ist.
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Montel}]\label{Montel}
Jede lokal betragsm"a"sig simultan 
beschr"ankte Folge von holomorphen Funktionen $f_n:U\ra \DC$ auf einer offenen 
Teilmenge $U\co \DC$ 
besitzt eine kompakt konvergente
Teilfolge.
\end{Satz}


\begin{Bemerkungw}[\textbf{Bezug zum Satz von Arzela-Ascoli}]
Man kann diesen Satz verstehen als ein Korollar des 
Satzes von Arzela-Ascoli \eref{ArAs}{TM}, wenn man beachtet, da"s 
f"ur jede  Folge von holomorphen Funktionen mit lokal betrags\-m"a"sig
simultan beschr"anktem Wertebereich auch ihre Ableitungen
lokal simultan beschr"ankt sind, etwa nach
der ihrer Darstellung durch ein Integral aus dem Beweis von \ref{Gour}.
Wir geben hier jedoch einen eigenst"andigen Beweis, der im wesentlichen der
Beweis von Arzela-Ascoli mit einigen  in unserem 
Spezialfall m"oglichen Vereinfachungen ist.
\end{Bemerkungw}

\begin{proof}[Beweis]
 \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/montel.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diesen Beweis.} Wir w"ahlen  eine dichte Folge $p_0, p_1, \ldots$ 
in $U$. Mit Heine-Borel \eref{HeBo}{AN2}
finden wir eine Teilfolge $f^0_n$, bei der die Funktionswerte 
bei $p_0$ konvergieren. Von dieser finden 
wir eine Teilfolge $f^1_n$,
 bei der die Funktionswerte auch bei $p_1$  konvergieren. Von dieser hinwiederum finden 
wir  eine Teilfolge $f^2_n$,  bei der die Funktionswerte auch bei $p_2$  konvergieren.
So machen wir immer weiter.
Die \glqq diagonale\grqq\  Folge $f^n_n$ konvergiert dann 
punktweise an allen $p_i$ und 
ist damit kompakt konvergent
nach Lemma \ref{Zre}, das wir im Anschlu"s beweisen.
\end{proof}

\begin{Lemma}\label{Zre}
Eine lokal simultan betragsm"a"sig
beschr"ankte  Folge von holomorphen Funktionen,
die an allen Punkten  einer dichten Teilmenge 
ihres gemeinsamen Definitionsbereichs punktweise konvergiert,
konvergiert bereits kompakt auf dem gesamten Definitionsbereich.
\end{Lemma}


\begin{proof}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/montel2.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diesen Beweis.} Es reicht zu zeigen, da"s unsere Folge $f_n$ 
auf jeder abgeschlossenen Kreisscheibe
$K$ aus dem gemeinsamen Definitionsbereich 
 gleichm"a"sig konvergiert. Nun kann jede solche
abgeschlossene Kreisscheibe vergr"o"sert werden zu einer
echt gr"o"seren abgeschlossenen Kreisscheibe $L$ 
aus dem gemeinsamen Definitionsbereich, und mit der Integralformel f"ur die 
Ableitung aus dem Beweis von 
\ref{Gour} folgt aus der
simultanen Beschr"anktheit der Funktionen unserer Folge auf dem 
 Rand dieser gr"o"seren Kreisscheibe 
$L$ die simultane Beschr"anktheit ihrer Ableitungen
auf unserer urspr"unglichen Kreisscheibe 
$K$, sagen wir durch eine Konstante $c>0$.
Aus dem Schrankensatz \eref{MWSn}{AN1} folgt nun $|f_n(x)-f_n(y)|\leq c|x-y|$
f"ur alle $x,y\in K$.  
W"ahlen wir f"ur vorgegebenes $\varepsilon>0$ 
eine endliche Teilmenge $E=E_\varepsilon$ 
unserer dichten Teilmenge derart, da"s die Kreisscheiben um $x\in E$ mit
Radius $\varepsilon/2c$ bereits $K$ "uberdecken, so "uberdecken die Kreisscheiben um $x\in E\cap K$ mit
Radius $\varepsilon/c$ auch bereits $K$ und
dann folgt aus $|f_n(x)-f_m(x)|\leq \varepsilon\;\forall x\in E\cap K$ bereits
$|f_n(y)-f_m(y)|\leq 3\varepsilon\;\forall y\in K$.
F"ur alle $\varepsilon>0$ gibt es also $N\in\DN$ mit 
$N\leq m\leq n\RA |f_n(y)-f_m(y)|\leq 3\varepsilon\;\forall y\in K$.
\end{proof}





\begin{proof}[Beweis des Riemann'schen Abbildungssatzes \ref{RASa}]
  Sei $G \co \Bbb{C}$ eine  schleifenf"ullende
  echte offene Teilmenge. Wir gehen in drei Schritten vor.
\\[2mm]\noindent
(1) \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/riemann1.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diesen Beweisteil.} Wir zeigen zun"achst, da"s es eine holomorphe Injektion von $G$
in eine Kreisscheibe von endlichem Radius gibt.
In der Tat sei ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit 
$0 \not\in G$. Nach \ref{ELog}
gibt es dann auf $G$ einen Zweig des Logarithmus, 
in Formeln $f: G \ra \Bbb{C}$ holomorph mit 
$z = \op{exp} (f(z)) \; \forall z \in G$. Insbesondere ist $f$ injektiv.
Das Bild von $f$ ist offen und umfa"st 
folglich eine offene Kreisscheibe $D$ vom Radius kleinergleich $\pi$.
Dann hat es aber
notwendig leeren Schnitt mit der um $2\pi {\op{i}}$ 
verschobenen Kreisscheibe $2 \pi {\op{i}} + D$.
Durch Nachschalten einer Verschiebung finden wir also $f_1:G \hra \Bbb{C}$
holomorph derart, da"s $f_1(G)$ eine Kreisscheibe mit Zentrum im Ursprung nicht trifft. 
Setzen wir dann  $f_2(z)\pdef f_1(z)^{-1}$,  so ist in der 
Tat $f_2$ eine Einbettung von $G$ in eine Kreisscheibe von endlichem
Radius  mit Zentrum im Ursprung. 
\\[2mm]\noindent
(2) \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/riemann2.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diesen Beweisteil.}
 Nach dem ersten Schritt  k"onnen wir ohne 
Beschr"ankung der Allgemeinheit annehmen,
da"s  unser  $G$ den Nullpunkt 
enth"alt und in der offenen Einheitskreisscheibe $E$ 
enthalten ist. 
Wir behaupten nun, da"s es unter allen
holomorphen Injektionen $f: G \ra E$ mit $f(0) =0$ 
eine gibt, f"ur die $|f^{\prime} (0)|$
maximal wird. Das gilt sogar, ohne da"s wir $G$  schleifenf"ullend annehmen.
In der Tat umfa"st $G$ eine Kreisscheibe ${\op{B}}(0;\varepsilon)$ 
f"ur $\varepsilon > 0$, woraus
folgt, da"s f"ur holomorphe Abbildungen $f: G \ra E$ die Ableitung am
Nullpunkt, die ja nach  dem Beweis von \ref{Gour} durch die Formel 
\begin{displaymath}
f^{\prime} (0) = \frac{1}{2\pi {\op{i}}} \int_{|z|=\varepsilon}  
\frac{f(z)}{z^{2}}  \diff z
\end{displaymath}
gegeben wird, betragsm"a"sig beschr"ankt ist durch $\varepsilon^{-1}$.
Also gibt es ein Supremum $S$ der Menge der m"oglichen $|f^{\prime} (0)|$
und eine Folge von holomorphen Injektionen $f_n : G \ra E$ derart, 
da"s $|f^{\prime}_n (0)|$
gegen dieses Supremum strebt.
Nach dem Satz von Montel \ref{Montel} d"urfen wir sogar annehmen, 
da"s diese Folge kompakt
konvergiert.
Die Grenzfunktion $f$ ist dann nach \ref{GKoc} wieder holomorph 
mit $|f^{\prime} (0)|=S$.
Sie ist auch injektiv nach dem Korollar \ref{GrIn}, das wir
im Anschlu"s beweisen,  und landet nicht nur in der 
abgeschlossenen, sondern
sogar in der offenen Einheitskreisscheibe nach dem Satz "uber die 
Gebietstreue \ref{GeTr}.
Also haben wir eine holomorphe Injektion $f : G \ra E$ gefunden
 mit $f(0) =0$, f"ur die die Ableitung
$|f^{\prime} (0)|$ den unter diesen Einschr"ankungen 
gr"o"stm"oglichen Wert annimmt.
\\[2mm]\noindent
(3) \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/riemann3.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diesen Beweisteil.}
Jetzt gilt es noch zu zeigen, da"s die im vorherigen 
Schritt konstruierte Abbildung $f$ surjektiv auf die
ganze Einheitskreisscheibe geht.
Dazu f"uhren wir die gegenteilige Annahme zum 
Widerspruch, indem wir zu jeder nicht surjektiven holomorphen
Injektion $f : G \hookrightarrow E$ mit $f(0) =0$ 
eine weitere konstruieren, die auch den Ursprung festh"alt und
deren Ableitung im Ursprung 
betragsm"a"sig noch gr"o"ser ist.
Sei also $p \in E \backslash f(G)$.
Wir erinnern, da"s es nach \ref{BiOK} zu je zwei Punkten der offenen Einheitskreisscheibe $p,q\in E$ eine holomorphe Bijektion $h:E\sira E$ gibt
mit $h(p)=q$. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/transe.mp4}{Hier ist ein Film mit einer anschaulichen Argumentation zu dieser Aussage.} 
Wir finden also $h_1 : E \sira E$ biholomorph mit
$h_1 (p) =0$. Da $G$  schleifenf"ullend ist, gibt es dann nach \ref{WuHo}  eine Wurzel von $h_1 \circ f$ alias
eine Funktion $w$ mit $q\circ w=h_1 \circ f$ f"ur
$q : z \mapsto z^2$ das Quadrieren. Auch diese Wurzel ist eine holomorphe
Injektion $w:G\hra E$. 
Schlie"slich finden wir dann noch 
$h_2: E \sira E$ biholomorph
mit $h_2 (w(0)) =0$. Wir behaupten 
nun, da"s $g \pdef h_2 \circ w$ eine betragsm"a"sig gr"o"sere Ableitung
im Ursprung hat als $f$.
Um das zu sehen, 
beachten wir
$
q \circ h^{-1}_2 \circ g = h_1 \circ f
$
alias $(h^{-1}_1 \circ q \circ h^{-1}_2) \circ g =f$.
Nun ist aber der Ausdruck in Klammern eine 
holomorphe nicht injektive Abbildung 
$E \ra E$, die den Ursprung festh"alt. Ihre Ableitung im Ursprung ist 
nach dem Schwarz'schen Lemma
\ref{SchL} also betragsm"a"sig echt kleiner als Eins und
 mit der Kettenregel  folgt
$|g^{\prime} (0) | > |f^\prime (0)|$. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/riemann4.mp4}{Hier ist ein Film, der die Konstruktion der verbesserten Funktion $g$ zu einer nicht surjektiven Funktion $f$ in einem Beispiel beschreibt.}
\end{proof}


\begin{Satz}[\textbf{Nullstellenanzahl von Grenzfunktionen}]
Sei auf einer zusammenh"angenden offenen Teilmenge der komplexen Zahlenebene
eine kompakt konvergente Folge
holomorpher Funktionen gegeben.\label{NsGf}
Haben alle  Funktionen unserer Folge mit Vielfachheiten gerechnet
h"ochstens $N$ Nullstellen und ist unsere Grenzfunktion 
nicht die Nullfunktion, so hat auch unsere Grenzfunktion
mit Vielfachheiten gerechnet
h"ochstens $N$ Nullstellen.
\end{Satz}

\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/nstgrenz.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Zahl von Nullstellen von Grenzfunktionen.} Seien $f_n : U \ra \Bbb{C}$ unsere Funktionen und 
$f: U \ra \Bbb{C}$ ihre Grenzfunktion.
Sind $p_1, \ldots , p_r$ paarweise  verschiedene Nullstellen von $f$,
so k"onnen wir paarweise
disjunkte abgeschlossene Kreisscheiben
$K_1, \ldots, K_r \subset U$ w"ahlen derart, 
da"s $p_s$ jeweils die einzige Nullstelle von $f$
aus $K_s$ ist.
Sicher verschwinden nur endlich viele der 
$f_n$ auf dem Rand einer unserer Kreisscheiben.
Wegen der kompakten Konvergenz der Ableitungen nach
\ref{GKoc}  haben wir also
\begin{displaymath}
\lim_{n\ra \infty} \frac{1}{2\pi {\op{i}}} \int_{\partial \vec{K}_s} 
\frac{f^{\prime}_{n} (z)}{f_n (z)}
\diff z = \frac{1}{2\pi {\op{i}}} \int_{\partial \vec{K}_s}
\frac{f^{\prime} (z)}{f(z)} \diff z
\end{displaymath}
Das aber besagt nach  Satz \ref{ZNP}
"uber das Z"ahlen von Null- und Polstellen, 
da"s f"ur hinreichend gro"ses $n$ die 
Funktion $f_n$ mit Vielfachkeiten gerechnet
ebensoviele Nullstellen in der Kreisscheibe $K_s$ hat
wie die Grenzfunktion $f$.
\end{proof}

\begin{Korollar}\label{GrIn}
Ist $U\co\DC$ offen und zusammenh"angend, so ist
die Grenzfunktion einer kompakt konvergenten Folge 
injektiver holomorpher Funktionen auf $U$  entweder 
injektiv oder konstant.
\end{Korollar}
\begin{proof}
  Injektive Funktionen k"onnen h"ochstens eine Nullstelle haben und
  diese kann dann keine h"ohere Vielfachkeit haben. Also kann
  nach  \ref{NsGf} auch die  Grenzfunktion, wenn sie nicht die Nullfunktion  ist, h"ochstens eine  Nullstelle haben, und diese mu"s dann eine einfache Nullstelle sein. 
  Das Korollar folgt, wenn man diese Erkenntnis  auf die Differenz unserer
  Funktionen zu festen konstanten Funktionen anwendet.
\end{proof}
  \subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Man zeige, da"s der Satz "uber die  Nullstellenanzahl  
von Grenzfunktionen analog auch  gilt, wenn wir die\label{ZnsG} 
Vielfachheiten nicht beachten: Ist auf einer zusammenh"angenden 
offenen Teilmenge der komplexen Zahlenebene
eine kompakt konvergente Folge
holomorpher Funktionen gegeben, und  
haben alle  Funktionen unserer Folge 
h"ochstens $N$ Nullstellen, und ist unsere Grenzfunktion 
nicht die Nullfunktion, so hat auch unsere Grenzfunktion
h"ochstens $N$ Nullstellen.
\end{Ubung}

\newpage
\section{Erste Anwendungen in der Zahlentheorie*}
\subsection{Verteilung von Primzahlen \sose{(12\&14.7)}}

\begin{Satz}[\textbf{Primzahlsatz}]\index{Primzahlsatz}
Bezeichnet  $\pi (x)$ f"ur jede reelle Zahl $x$ 
die Zahl der Primzahlen $\leq x$, so gilt\label{PZS}
\begin{displaymath}
\lim_{x \ra \infty} \frac{\pi (x) \log(x)}{x} =1
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Das Symbol $\log$ ist hier wie immer in diesem Text zu 
interpretieren als der nat"urliche Logarithmus alias die
Umkehrfunktion der Exponentialfunktion $\exp$.
Anders gesagt strebt der Quotient der Funktionen 
 $\pi(x)/x$ und $1/\log(x)$ gegen Eins f"ur $x\ra\infty$.
Etwas vage gesagt ist also f"ur gro"ses $x$  also die
Wahrscheinlichkeit, da"s eine nat"urliche Zahl $\leq x$ 
prim ist, in etwa $1/\log(x)$.
Die Konvergenz ist jedoch sehr langsam:
Bei $x=100000$ finden wir f"ur den Quotienten als Wert etwa $1,\!1$ und bei
$x=10^9$ als Wert etwa $1,\!05$.
Der Beweis wird uns diesen ganzen Abschnitt besch"aftigen und wird erst ganz 
am Ende gegeben.
Im Grundgedanken zeigen wir den Primzahlsatz,  indem wir einen
\glqq Taubersatz\grqq\  anwenden auf die  logarithmische Ableitung 
der Riemann'schen $\zeta$-Funktion, geteilt durch $z$ und bereinigt
um den Hauptteil
dieses Quotienten bei $z=1$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
F"ur $z\in \DC$ mit
$\op{Re}( z) >1$ definieren wir den Wert der 
{\bf Riemann'schen $\zeta$-Funktion}\index{Riemann!$\zeta$-Funktion}  
\index{Z@$\zeta$-Funktion!Riemann'sche}\index{Zetafunktion!Riemann'sche} 
an der Stelle $z$ durch
die absolut konvergente Reihe\label{RZF} 
\begin{displaymath}
\zeta (z) \pdef \sum_{k= 1}^\infty \frac{1}{k^z}
\end{displaymath}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Mit \eref{IXA}{AN1} sieht man leicht, da"s die Partialsummen 
dieser Reihe f"ur jedes $\alpha > 1$ auf
der Halbebene  $\op{Re}
(z )\geq \alpha$ gleichm"a"sig konvergieren. 
Folglich definiert unsere Reihe eine holomorphe 
Funktion auf der Halbebene $\op{Re} (z )> 1$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Produktentwicklung der $\zeta$-Funktion}]
Bezeichnet $P \subset \Bbb{N}$ die Menge aller Primzahlen,\label{PRZe} so gilt
\begin{displaymath}
\zeta (z) = \prod_{p\in P} \left( 1-\frac{1}{p^z}\right)^{-1}
\end{displaymath}
im Sinne der kompakten Konvergenz der partiellen Produkte auf der Halbebene
$\op{Re} (z) > 1$, unabh"angig von der Reihenfolge der Faktoren.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/zeta1.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Produktentwicklung der $\zeta$-Funktion.} Diese Produktentwicklung geht auf Euler zur"uck. Ihre Faktoren 
hei"sen die {\bf Euler-Faktoren}.\index{Euler-Faktor} 
Diese Terminologie 
verallgemeinert man dann auf allgemeinere $\zeta$-Funktionen und
sogenannte \glqq ${\op{L}}$-Reihen\grqq, die uns sp"ater begegnen werden.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Unsere allgemeinen "Uberlegungen \ref{pinv} zeigen, da"s das Produkt
auf der rechten Seite auf $\op{Re} (z) > 1$ kompakt konvergiert.
Nun k"onnen wir f"ur $\op{Re} (z) >1$ ja die Faktoren in eine geometrische
Reihe entwickeln in der Form
\begin{displaymath}
\left( 1- \frac{1}{p^z}\right)^{-1} 
= 1 + \frac{1}{p^z} + \frac{1}{p^{2z}} + \ldots
\end{displaymath}
W"ahlen wir $E \subset P$ endlich und bezeichnen mit 
$\Bbb{N} (E)$ die Menge aller nat"urlichen Zahlen $\geq 1$,
deren s"amtliche Primfaktoren zu $E$ geh"oren, 
so erhalten wir mit \eref{PvR}{AN1} f"ur
die Partialprodukte die Darstellung
\begin{displaymath}
\prod_{p \in E} \left( 1- \frac{1}{p^z} \right)^{-1} 
= \sum_{k \in \Bbb{N} (E)} \frac{1}{k^z}
\end{displaymath}
Betrachten wir auf beiden Seiten jeweils die Menge $E = E_n$ 
der ersten $n$ Primzahlen und
lassen $n$ gegen unendlich streben, so konvergiert 
die rechte Seite gegen $\zeta (z)$ nach dem
Satz "uber dominierte Konvergenz \eref{DoKo}{AN3}, der im vorliegenden Spezialfall
im wesentlichen auch bereits als "Ubung \eref{RMKo}{AN1} behandelt wurde
und den wir hier auf Real- und Imagin"arteil unserer komplexen Funktion  anwenden.
\end{proof}


\begin{Lemma}[\textbf{Fortsetzbarkeit der Riemann'schen $\zeta$-Funktion}]
Die $\zeta$-Funk\-tion
l"a"st sich zu einer meromorphen Funktion
auf der Halbebene $\op{Re} (z) >0$ fortsetzen und diese 
Fortsetzung ist holomorph\label{AZFc}  
bis auf eine Singularit"at bei $z=1$, wo sie einen einfachen Pol
 mit dem Residuum Eins hat.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungw}\label{FGRZ}
Die Riemann'sche $\zeta$-Funktion l"a"st sich sogar 
zu einer meromorphen Funktion
auf ganz $\DC$ fortsetzen
und die mit dieser Fortsetzung und der $\Gamma$-Funktion aus \ref{GaF}
erkl"arte meromorphe Funktion 
$\Lambda (z) \pdef \pi^{-z/2} \Gamma (z/2)
\zeta  (z)$ erf"ullt die 
{\bf Funktionalgleichung}\index{Funktionalgleichung!der $\zeta$-Funktion}
$
\Lambda (z) = \Lambda (1-z)
$ alias ist punktsymmetrisch um den Punkt 
$1/2$, in Formeln
$\Lambda ((1/2)+z) = \Lambda ((1/2)-z)$.
Des weiteren  hat $\Lambda$ nur bei $0$ und $1$ Polstellen
und zwar jeweils eine einfache Polstelle. 
Anders gesagt unter Verwendung der Verdopplungsformel 
\ref{LVF} gilt 
$\zeta(1-z)=(2/(2\pi)^z)\cos(\pi z/2)\Gamma(z)\zeta(z)$. 
Das alles  zeigen wir  hier  jedoch nicht. 
\end{Bemerkungw} 
\begin{proof}[Beweis]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/zeta2.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die meromorphe Fortsetzbarkeit der $\zeta$-Funktion.} F"ur $\op{Re} (z )>1$ gilt
\begin{displaymath}
\zeta (z) - \frac{1}{z-1} = \sum^{\infty}_{n=1} \frac{1}{n^z} - \int^\infty_1
\frac{1}{x^z} \diff x
= \sum^\infty_{n=1} \int_n^{n+1} 
\left( \frac{1}{n^z} - \frac{1}{x^z} \right) \diff x
\end{displaymath}
Die Partialsummen dieser Reihe jedoch 
bilden eine kompakt konvergente Folge holomorpher
Funktionen auf der Halbebene $\op{Re} (z) >0$,
da wir die Summanden f"ur $\op{Re}( z) >0$ absch"atzen k"onnen durch
\begin{displaymath}
\left| \int^{n+1}_n \left( \frac{1}{n^z} - \frac{1}{x^z} \right) 
\diff x \right| = \left|
z\int^{n+1}_{n} \left(\int^x_n \frac{\diff u}{u^{z+1}}\right) 
\diff x \right| \leq
\frac{|z|}{n^{\op{Re}(z)+1}}
\qedhere\end{displaymath}
\end{proof}

\begin{Lemma}[\textbf{Nullstellen der Riemann'schen $\zeta$-Funktion}]
Die Riemann'sche $\zeta$-Funktion hat keine Nullstellen $z$ 
mit Realteil\label{NSRZ}
$\op{Re}(z)\geq 1$.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkunge}
Die {\bf Riemann'sche Vermutung}\index{Riemann!Riemann'sche Vermutung} 
besagt sehr viel st"arker, da"s die  
Riemann'sche $\zeta$-Funktion sogar keine Nullstellen mit Realteil
$> 1/2$ haben sollte. Mit der Funktionalgleichung \ref{FGRZ}
und den Eigenschaften der $\Gamma$-Funktion folgt daraus sofort, 
da"s au"ser den \glqq trivialen\grqq\  Nullstellen bei den negativen geraden
ganzen Zahlen alle Nullstellen der $\zeta$-Funktion auf der Gerade 
$\op{Re}(z)=1/2$ liegen m"u"sten. Diese Vermutung ist eine
der ber"uhmtesten und wichtigsten offenen Fragen der Mathematik. 
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}
  Den folgenden Beweis und insbesondere sein Ende verstehe ich leider nur
  oberfl"achlich. Ich kann insbesondere kein Prinzip erkennen, das einen auf
  diese Idee h"atte f"uhren sollen. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/zeta3.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Unm\"oglichkeit von Nullstellen der  $\zeta$-Funktion mit Realteil Eins.}
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
Der Integrallogarithmus wird definiert  durch die Formel
\begin{displaymath}
\op{Li}(x) \pdef \int^x_2 \frac{\diff t}{\log (t)}
\end{displaymath}
Er sollte f"ur $x \rightarrow \infty$ die Primzahlfunktion
$\pi (x)$ noch sehr viel besser approximieren als $\frac{x}{\log x}$.
Man kann sogar zeigen, da"s die Riemann'sche Vermutung "aquivalent ist zur
Aussage, da"s es eine Konstante $C$ gibt mit
\begin{displaymath}
|\pi (x) - \op{Li} (x) | \leq C \sqrt{x} \log (x)
\end{displaymath}
f"ur hinreichend gro"ses $x$, vergleiche etwa \cite{Brun}.
Die Vertr"aglichkeit dieser Vermutung mit dem Primzahlsatz 
zeigt "Ubung \eref{Intlog}{AN1}. Wie bereits erw"ahnt 
 finden wir bei $x=100000$ als Wert von $\pi (x)\log(x)/x$  ungef"ahr 
$1,\!1$ und bei
$x=10^9$  ungef"ahr $1,\!05$.
Die entsprechenden Werte von $\pi (x)/\op{Li}(x)$ sind dahingegen 
 ungef"ahr $0,\!991$ und $0,\!99997$.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur Realteil $\op{Re}(z)> 1$ folgt das mit \ref{pinv} aus der 
Produktentwicklung.
Um auch Nullstellen mit Realteil Eins  auszuschlie"sen, 
reicht es zu zeigen, da"s die logarithmische
Ableitung der
$\zeta$-Funktion au"ser bei $z=1$ keine Polstellen 
auf der Geraden $\op{Re}(z)=1$ hat.
F"ur $\op{Re}(z) > 1$ erhalten wir aus der Produktentwicklung
f"ur die logarithmische
Ableitung der $\zeta$-Funktion mit \ref{logAK} die Darstellung
\begin{displaymath}
\frac{\op{dlog}\zeta}{\diff z}\;=\;\frac{\zeta^\prime (z)}{\zeta (z)} \;
=\; -\sum_{p\in P} \frac{\op{log} p}{p^z-1} 
\end{displaymath}
Wir wissen, da"s diese Funktion nur einfache Polstellen $q$ hat
mit der jeweiligen Nullstellenordnung $v_q(\zeta)$ der $\zeta$-Funktion
als Residuum. 
Nun unterscheidet sich die rechte Seite von
der einfacher handhabbaren Funktion
$$\Phi(z)\pdef\sum_{p\in P} \frac{\op{log} p}{p^z}$$ nur um
das Vorzeichen und um die Reihe 
$$\sum_{p\in P}\frac{\op{log} p}{p^z-1} -\sum_{p\in P}\frac{\op{log} p}{p^z}
=\sum_{p\in P}\frac{\op{log} p}{p^z(p^z-1)}$$
Diese Reihe konvergiert offensichtlich sogar auf  der Halbebene
$\op{Re} (z) > \frac{1}{2}$ kompakt gegen eine holomorphe Funktion.
Mit der logarithmischen
Ableitung der $\zeta$-Funktion 
hat also auch unsere Funktion $\Phi$ eine meromorphe Fortsetzung auf die
Halbebene $\op{Re} (z) > \frac{1}{2}$, die nur einfache Polstellen $q$  hat  mit dem jeweiligen Residuum $\op{Res}_q\Phi=-v_q(\zeta)$. 
Nun beachte man f"ur alle $\alpha >0$ und $ \varepsilon >0$ die Ungleichung
\begin{displaymath}
0 \;\leq\; \sum_{p\in P} \frac{\log p}{p^{1+\varepsilon}} \left(p^{{\op{i}}\alpha/2} 
+ p^{-{\op{i}} \alpha/2}\right)^4 = \begin{array}[t]{l}
\Phi (1+\varepsilon + 2{\op{i}}\alpha ) + 
4\Phi (1+\varepsilon + {\op{i}} \alpha)\\[2mm]
\;\;\; + 6 \Phi (1+ \varepsilon)\\[2mm] 
\;\;\;\;\;\;+ 4 \Phi (1 + \varepsilon - {\op{i}}\alpha) 
+ \Phi (1 + \varepsilon -2 {\op{i}} \alpha)
\end{array}
\end{displaymath}
Multiplizieren wir diese Ungleichung mit $\varepsilon >0$,
lassen $\varepsilon$ von oben
gegen Null streben
und beachten $\zeta (\bar{z}) = \overline{\zeta (z)}$ und insbesondere
$v_q(\zeta)=v_{\bar q}(\zeta)$ nach \ref{HAHm}, so erhalten
wir
$$0\leq -6v_1(\zeta)-8v_{1+ {\op{i}} \alpha}(\zeta) -2v_{1+ 2{\op{i}} \alpha}(\zeta) $$
Wegen $v_1(\zeta)=-1$ folgt dann sofort, da"s die $\zeta$-Funktion  keine Nullstellen mit
Realteil Eins haben kann.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{LaTa}
  Gegeben   eine beschr"ankte me"sbare Funktion $f: \DR_{\geq 0}\ra\DC$ 
erkl"art man eine holomorphe 
Funktion $F$ auf der Halbebene $\op{Re}(z)>0$, 
ihre \defind{La\-place-Trans\-for\-mier\-te}, durch die Vorschrift 
$$F(z)\pdef\int^{\infty}_{0} f(t) \op{e}^{-z t} \diff t$$
Da"s diese Funktion tats"achlich holomorph ist, folgert man aus der
Vertauschbarkeit 
von Ableitung und Integral \eref{VIPA}{AN3} im Reellen, die
wir im Fall der Fouriertransformation bereits beim Beweis von
\eref{EFou}{AN3} genauer ausgef"uhrt hatten, unter Verwendung der Cauchy-Riemann'schen Differentialgleichungen. \nichtfinal{(Vergleiche auch \eref{LaTrr}{AN3}.)
  $$\mathcal L \{g\}(t)=(\mathcal F g)({\op{i}}t)=\int_{-\infty}^\infty g(x){\op{e}}^{-xt}\diff x$$  }
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
Die
Laplacetransformation wird allgemeiner f"ur gewisse
Borelma"se auf $\DR_{\geq 0}$
 erkl"art. %, die f"ur $t\ra\infty$ 
%so langsam dichter werden, da"s ihre Transformierte noch auf 
%einer Halbebene der Form $\op{Re}(z)>a$ definiert ist.
Sie ist bei der L"osung von Differentialgleichungen
oft hilfreich, da sie diese in algebraische Gleichungen umwandelt.
Man kann  sie auch f"ur me"sbare Funktionen oder Borelma"se
auf ganz $\DR$ untersuchen,
mu"s dann aber, insbesondere wenn der Tr"ager von $f$ keine reelle
untere Schranke hat, mehr Sorgfalt bei Konvergenzbetrachtungen
walten lassen.
\end{Bemerkunge}

\begin{Satz}[\textbf{Taubersatz von Newman}]
Ist $f : [0,\infty) \ra \Bbb{C} $ beschr"ankt und\label{TSN}
me"sbar und l"a"st sich die Laplacetransformierte $F$ von $f$ 
holomorph auf eine offene Umgebung der
abgeschlossenen Halbebene $\op{Re} (z) \geq 0$ fortsetzen, so gilt
f"ur den Wert bei Null dieser Fortsetzung die Formel
\begin{displaymath}
F(0) = \lim_{T \ra \infty} \int^{T}_{0} f(t) \diff t
\end{displaymath}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Der Trick zum Beweis des Primzahlsatzes \ref{PZS} besteht dann 
  darin, den Taubersatz von Newman auf die Funktion
\begin{displaymath}
F(z)\pdef \frac{\Phi (z+1)}{z+1} - \frac{1}{z} 
\end{displaymath}
mit unserem $\Phi$ aus dem Beweis von \ref{NSRZ} anzuwenden.
In der Tat wissen wir aus diesem Beweis, da"s $\Phi$ wie die logarithmische
Ableitung der $\zeta$-Funktion zu einer meromorphen Funktion
auf die offene Halbebene aller komplexen Zahlen mit Realteil $>1/2$ fortgesetzt
werden kann und auf der Gerade $\op{Re}z=1$ nur bei $z=1$ eine Polstelle
hat mit dem Hauptteil $1/(z-1)$.
Also hat $F$ eine holomorphe Fortsetzung auf die Halbebene $\op{Re}(z)>-1/2$. Dann m"ussen wir unsere Funktion $F$  als
Laplace-Transformierte schreiben und die Bedingungen des Taubersatzes
pr"ufen und danach auch noch den Primzahlsatz folgern, aber jetzt konzentrieren wir uns erst einmal auf den Beweis des Taubersatzes. 
  \end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkunge}
Statt der Me"sbarkeit von $f$ ist f"ur unsere Anwendung die 
elementarere Bedingung
ausreichend, da"s $f$ stetig sein soll auf dem Komplement 
des Bildes einer streng monoton wachsenden Folge.
Die Bezeichnung als \glqq Taubersatz\grqq\  kommt  von der vagen Analogie
  zum urspr"unglichen Satz von Tauber her, den wir in \eref{Tau}{AN1} diskutieren. 
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
 \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/tauber.mp4}{Hier ist ein Film \"uber den Taubersatz von Newman.}
  F"ur $T \in [0,\infty)$ und $z \in \Bbb{C}$ 
setzen wir $F_{T} (z) = \int^T_0 f(t) \op{e}^{-zt}
\diff t$.
Diese Funktionen sind sicher holomorph. 
Betrachten wir nun $R>0$ und w"ahlen $\delta
>0$ so klein, da"s $F$ sich holomorph 
fortsetzen l"a"st auf eine offene Menge, die
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildTauN}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Der Integralweg aus dem Beweis des Taubersatzes von Newman
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{displaymath}
\{ z \in \Bbb{C} \mid |z| \leq R,\; \op{Re} z \geq -\delta\}
\end{displaymath}
umfa"st. Ist $\gamma$ der Randweg dieses Gebiets, 
so liefert der Integralsatz von Cauchy
\begin{displaymath}
F(0) - F_T (0) = \frac{1}{2\pi{\op{i}}} \int_\gamma (F(z)-F_T (z)) 
\op{e}^{zT} \left( 1 + \frac{z^2}{R^2}
\right) \frac{\diff z}{z}
\end{displaymath}
Das Hinzuf"ugen der beiden hinteren Faktoren ist ein Kunstgriff, 
dessen Herkunft ich nicht verstehe.
Wir sch"atzen nun unser Wegintegral ab.
Auf dem offenen Halbkreis
$|z| = R, \op{Re} z > 0$, ja sogar auch der ganzen offenen Halbebene 
$\op{Re} z > 0$,
finden wir 
 unter der Annahme $|f (t)| \leq B$ die Schranke
\begin{displaymath}
| F(z) - F_T (z) | = \left| \int^{\infty}_{T} f(t) \op{e}^{-zt} \diff t \right|
\leq B \int^\infty_T |\op{e}^{-zt} | \op{\diff t} 
= \frac{B\op{e}^{-(\op{Re} z)T}}{\op{Re}z}
\end{displaymath}
Da f"ur $|w| =1$ stets 
gilt $|1 + w^2| = |w^{-1} +w| = 2 |\op{Re} w|$,
erhalten wir auf der Halbebene $\op{Re}(z)>0$ 
f"ur den Betrag der hinteren Faktoren auf unserem Weg
\begin{displaymath}
\left| \op{e}^{zT} \left( 1+ \frac{z^2}{R^2} \right) 
\frac{1}{z} \right| \;\;= \;\;\op{e}^{(\op{Re} z) T} 
\;\;\frac{2\op{Re} (z)}{R^2}
\end{displaymath}
Das Integral "uber den Teil unseres Weges mit Realteil gr"o"sergleich Null 
ist also 
betragsm"a"sig beschr"ankt durch $2\pi B/R$.
Das Integral "uber den Teil des Weges $\gamma$ 
in der Halbebene $\op{Re} z\leq 0$ sch"atzen wir f"ur
$F$ und f"ur $F_T$ separat ab. Da $F_T$ holomorph 
ist auf ganz $\Bbb{C}$, k"onnen wir ebensogut das
Integral "uber den Halbkreis $|z| = R, \op{Re} z \leq 0$ 
berechnen. F"ur  $\op{Re} z < 0$  finden wir
\begin{displaymath}
|F_T (z) | \;=\;\left| \int^T_0 f(t) \op{e}^{-zt} \diff t \right| 
\;\;\leq\;\; B \int^T_0 |\op{e}^{-zt}|
\diff t \;\;\leq\;\; \frac{B \op{e}^{-(\op{Re} z) T}}{-\op{Re} z}
\end{displaymath}
und mit derselben Absch"atzung wie zuvor ist dieser Anteil
des Integrals betragsm"a"sig beschr"ankt durch $2\pi B/R$.
Das Integral von  
$$F(z) \op{e}^{zT} \left( 1+ \frac{z^2}{R^2}\right) \frac{1}{z}$$
"uber den Teil unseres Weges $\gamma$, der in der 
Halbebene $\op{Re} (z) \leq 0$ verl"auft,
strebt nun aber offensichtlich gegen Null f"ur $T \ra \infty$, 
da die Funktionenfolge
$\op{e}^{zn}$ auf der Halbebene $\op{Re} (z) <0$
kompakt gegen die Nullfunktion konvergiert und simultan beschr"ankt ist auf der
abgeschlossenen Halbebene $\op{Re} (z) \leq 0$.
Damit folgt, da"s es f"ur jedes $R >0$ und jedes $\varepsilon >0$ 
ein $T (R,\varepsilon)$ gibt
mit 
\begin{equation*}
T \geq T (R, \varepsilon) \;\;\Rightarrow\;\; | F(0) - F_T(0) | \;\leq 
\;
\frac{2 B}{R} + \varepsilon\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}

\nichtfinal{\begin{Bemerkungl}
    Unsere Funktion $\Phi(z)=\sum_{p \in P} (\log p)/{p^z}= \sum_{p \in P} (\log p) {\op{e}}^{-(\log p)z}$ ist offensichtlich die Laplacetransformierte des
    diskreten Ma"ses $\sum_{p \in P} (\log p)\delta_{\log p}$.  Die Funktion $1/z$
    ist offensichtlich  die Laplacetransformierte der konstanten Funktion
    $1=1_{(0,\infty[}$. Mit demselben Beweis
        wie bei der Fouriertransformation \eref{FTF}{AN3}
        ist auch bei der Laplacetransformation die Transformierte der Faltung
        zweier transformierbarer Ma"se. Sage genau, welche Ma"se erlaubt werden! Mache das alles zu einer sch"onen pr"azisen Theorie! 
  \end{Bemerkungl}}

\nichtfinal{\begin{proof}[Beweis]
F"ur $\op{Re} (z) >1$ k"onnen wir die Funktion $\Phi (z)$ 
aus dem 
Beweis von \ref{NSRZ}  darstellen in der Form
\begin{displaymath}
\Phi (z) = \sum_{p \in P} \frac{\log p}{p^z} = z \int^\infty_1 \frac{\vartheta
  (x)}{x^{z+1}} \diff x
= z \int^\infty_0 \vartheta (\op{e}^t) \op{e}^{-zt} \diff t
\end{displaymath}
wobei wir uns das mittlere Integral f"ur die zweite Gleichheit als 
die konvergente Reihe 
$\sum_{p \in P} z \int^\infty_p \frac{\log p}{x^{z+1}} \diff x$
geschrieben denken. W"aren wir etwas gebildeter und
w"u"sten, da"s die Laplacetransformation 
Konvolutionen in Produkte verwandelt, so k"onnten wir auch von der
offensichtlichen Darstellung von $\Phi (z) $ als Laplace-Transformierte
eines diskreten Ma"ses und von $1/z$ als Laplace-Transformierte 
der konstanten Funktion $1$ ausgehen und so die inverse 
Laplace-Transformierte von $\Phi (z)/z$ finden.
Substituieren wir $z+1$ f"ur $z$, so ergibt sich
f"ur $\op{Re} (z) >0$ die Gleichung
\begin{displaymath}
\frac{\Phi (z+1)}{z+1} \;=\; \int^{\infty}_0 \vartheta (\op{e}^t) 
\op{e}^{-t} \op{e}^{-zt} \diff t
\end{displaymath}
und weiter
\begin{displaymath}
\frac{\Phi (z+1)}{z+1} - \frac{1}{z} 
\;= \;\int^\infty_0 (\vartheta (\op{e}^t) \op{e}^{-t} -1)\op{e}^{-zt}
\diff t
\end{displaymath}
Auf der linken Seite steht aber eine Funktion, die 
sich nach unseren Erkenntnissen im Beweis
von \ref{NSRZ} holomorph auf eine offene Umgebung 
der abgeschlossenen Halbebene $\op{Re} (z) \geq 0$
fortsetzen l"a"st. Auf der rechten Seite ist 
$(\vartheta (\op{e}^t) \op{e}^{-t} -1)$ f"ur $t \in [0,\infty)$
betragsm"a"sig beschr"ankt nach \ref{TaBe}.
Also existiert nach dem Taubersatz \ref{TSN} der Grenzwert
$\lim_{T \ra\infty} \int^T_0 \vartheta (\op{e}^t) \op{e}^{-t} -1\; \diff t $ 
und ist eine reelle Zahl.
Substituieren wir nun wieder $x = \op{e}^t$, so folgt das Lemma.
\end{proof}}


\begin{Bemerkungl}
 \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/pzs.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Struktur des Beweises des Primzahlsatzes.} 
Das folgende Lemma liefert 
in der uns interessierenden Anwendung des Taubersatzes
die Beschr"anktheit der zu transformierenden Funktion. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}\label{TaBe}
F"ur die Funktion $\vartheta(x)=
\sum_{p \leq x} \log p$ mit $x\in\DR$ und
der Summe nur "uber Primzahlen $p$ gibt es eine Konstante $C$ mit
$\vartheta (x) \leq Cx \; \forall x \in [0,\infty)$.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur alle $n \in \Bbb{N}$ gilt
\begin{displaymath}
2^{2n} = (1+1)^{2n} \geq {2n \choose n} \geq \prod_{n < p \leq 2n} p
=\op{e}^{\vartheta (2n) - \vartheta(n)}
\end{displaymath}
und damit $ \vartheta (2n)-\vartheta (n)\leq 2n (\log 2) $.
Gegeben $x \geq 0$ finden wir $n \in \Bbb{N}$ mit $2n \leq x < 2n +2$ 
und folglich
$\vartheta (2n) \leq \vartheta (x) \leq \vartheta (2n) + \log (2n +1)$
und $\vartheta (n) = \vartheta (x/2)$. Daraus folgt aber leicht
\begin{displaymath}
\begin{array}{lll}
\vartheta (x) -\vartheta (x/2) & \leq & 
\vartheta (2n)-\vartheta(n) + \log (2n +1)\\[2mm]
& \leq & 2n (\log 2) + \log (2n +1) \\[2mm]
&\leq & x (\log 2) + \log (x+1) \\[2mm]
& \leq & x ((\log 2) +1)
\end{array}
\end{displaymath}
und schlie"slich durch Aufsummieren $\vartheta (x) \leq 2x (\log (2) +1) $.
\end{proof}









\begin{Lemma}\label{KoI}
Sei $\vartheta(x)=
\sum_{p \leq x} \log p$ wie im vorhergehenden Lemma. So existiert
in $\DR$ 
der Grenzwert $$\lim_{T\ra \infty} \int^T_1 \frac{\vartheta(x)-x}{x^2} \diff 
x$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur $\op{Re} (z) >1$ k"onnen wir die Funktion $\Phi (z)$ 
aus dem 
Beweis von \ref{NSRZ}  darstellen in der Form
\begin{displaymath}
\Phi (z) = \sum_{p \in P} \frac{\log p}{p^z} = z \int^\infty_1 \frac{\vartheta
  (x)}{x^{z+1}} \diff x
= z \int^\infty_0 \vartheta (\op{e}^t) \op{e}^{-zt} \diff t
\end{displaymath}
wobei wir uns das mittlere Integral f"ur die zweite Gleichheit als 
die konvergente Reihe 
$\sum_{p \in P}  \int^\infty_p \frac{\log p}{x^{z+1}} \diff x$
geschrieben denken. W"aren wir etwas gebildeter und
w"u"sten, da"s die Laplacetransformation 
Konvolutionen in Produkte verwandelt, so k"onnten wir auch von der
offensichtlichen Darstellung von $\Phi (z) $ als Laplace-Transformierte
eines diskreten Ma"ses und von $1/z$ als Laplace-Transformierte 
der konstanten Funktion $1$ ausgehen und so die inverse 
Laplace-Transformierte von $\Phi (z)/z$ finden.
Substituieren wir $z+1$ f"ur $z$, so ergibt sich
f"ur $\op{Re} (z) >0$ die Gleichung
\begin{displaymath}
\frac{\Phi (z+1)}{z+1} \;=\; \int^{\infty}_0 \vartheta (\op{e}^t) 
\op{e}^{-t} \op{e}^{-zt} \diff t
\end{displaymath}
und weiter
\begin{displaymath}
\frac{\Phi (z+1)}{z+1} - \frac{1}{z} 
\;= \;\int^\infty_0 (\vartheta (\op{e}^t) \op{e}^{-t} -1)\op{e}^{-zt}
\diff t
\end{displaymath}
Auf der linken Seite steht aber eine Funktion, die 
sich nach unseren Erkenntnissen im Beweis
von \ref{NSRZ} holomorph auf eine offene Umgebung 
der abgeschlossenen Halbebene $\op{Re} (z) \geq 0$
fortsetzen l"a"st. Auf der rechten Seite ist 
$(\vartheta (\op{e}^t) \op{e}^{-t} -1)$ f"ur $t \in [0,\infty)$
betragsm"a"sig beschr"ankt nach \ref{TaBe}.
Also existiert nach dem Taubersatz \ref{TSN} der Grenzwert
$\lim_{T \ra\infty} \int^T_0 \vartheta (\op{e}^t) \op{e}^{-t} -1\; \diff t $ 
und ist eine reelle Zahl.
Substituieren wir nun wieder $x = \op{e}^t$, so folgt das Lemma.
\end{proof}
\begin{Lemma}\label{GWT}
Sei $\vartheta(x)=
\sum_{p \leq x} \log p$ wie im vorhergehenden Lemma. So gilt
$$\lim_{x\ra \infty} \vartheta (x)/x =1$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
G"abe es f"ur $\lambda >1$ beliebig gro"se $x$ mit 
$\vartheta (x) \geq \lambda x$, so
h"atten wir f"ur alle solchen $x$ die Absch"atzung
\begin{displaymath}
\int_x^{\lambda x} \frac{\vartheta (t) -t}{t^2} \diff t 
\geq \int^{\lambda x}_x \frac{\lambda x -t}{t^2}
\diff t = \int^\lambda_1 \frac{\lambda -s}{s^2} \diff s=C(\lambda) > 0
\end{displaymath}
im Widerspruch zur Konvergenz des fraglichen Integrals nach \ref{KoI}. 
G"abe es f"ur $\lambda <1$ beliebig
gro"se $x$ mit $\vartheta (x) \leq \lambda x$, so 
f"anden wir "ahnlich f"ur alle derartigen $x$
die Absch"atzung
\begin{displaymath}
\int^x_{\lambda x} \frac{\vartheta (t) -t}{t^2} \diff t \leq \int^x_{\lambda x}
\frac{\lambda x -t}{t^2} \diff t
= \int^1_\lambda \frac{\lambda -s}{s^2} \diff s =c(\lambda)< 0
\end{displaymath}
im Widerspruch zur Konvergenz des fraglichen Integrals nach \ref{KoI}.
\end{proof}

\begin{proof}[Beweis des Primzahlsatzes \ref{PZS}]
Sicher haben wir stets
\begin{displaymath}
\vartheta (x) = \sum_{ p\leq x} \log p \leq \sum_{\{p \in P\mid p\leq x\}} \log x 
= \pi (x) \log (x)
\end{displaymath}
F"ur jedes $\varepsilon\in (0,1)$ haben wir aber auch
\begin{displaymath}
  \begin{array}{lll}

\vartheta (x) &\geq& \sum_{\{p \in P\mid x^{1-\varepsilon}<p\leq x\}} \log p \\[2mm]
&\geq& \sum_{\{p \in P\mid x^{1-\varepsilon}<p\leq x\}} 
(1-\varepsilon) (\log x) \\[2mm]
&\geq& (1-\varepsilon) (\log x) (\pi (x) - \pi(x^{1-\varepsilon})) \\[2mm]
&\geq&
(1-\varepsilon) (\log x) (\pi (x) - x^{1-\varepsilon})
\end{array}
\end{displaymath}
Teilen wir durch $x$, so ergibt sich wegen $\lim_{x\ra\infty}\vartheta(x)/x=1$ nach \ref{GWT} daraus 
f"ur alle $\varepsilon \in(0,1)$
\begin{equation*}
 \liminf_{x \ra \infty}  \frac{\pi (x) \log (x)}{x} \;\;\geq 1\;\;
  \geq  \limsup_{x \ra \infty} (1 -\varepsilon) \frac{\pi (x)\log (x) }{x}
\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}




\begin{Bemerkungl}
Bezeichnet man f"ur reelles $x$ mit $\pi_2(x)$ die Zahl 
der \defind{Primzahlzwillinge} unter $x$, also die Zahl derjenigen Primzahlen
$p\leq x$, f"ur die $p-2$ auch prim ist, so besteht die Vermutung
$$\lim_{x\ra\infty} \frac{\pi_2(x)(\log(x))^2}{x}=c$$
f"ur eine reelle Konstante $c>0$, die genauer gegeben sein sollte durch
das unendliche "uber alle Primzahlen $p$ zu verstehende  Produkt
$c=2\prod_p(1-(p-1)^{-2})$. Bisher (2005) wei"s man jedoch noch nicht einmal,
ob es "uberhaupt unendlich viele Primzahlzwillinge gibt.
\end{Bemerkungl}
\begin{Quellen}
Die Darstellung in diesem Abschnitt h"alt sich eng an
einen Artikel von Don Zagier
im American Mathematical Monthly \cite{ZagP}, wo man
auch zus"atzliche Quellenangaben  und interessante
historische Anmerkungen finden kann. Eine st"ar\-ker auf
allgemeinen Methoden der Funktionalanalysis basierende 
Darstellung findet man zum Beispiel in
 Rudin's Funktionalanalysis \cite{RudinFA} als
Anwendung anderer Taubers"atze. Ein guter Zugang zu modernen
Entwicklungen in der analytischen
Zahlentheorie scheint mir \cite{Kow}.
\end{Quellen}
\subsection{Primzahlen in Restklassen \sose{(19.7)}}
\begin{Satz}[\textbf{Primzahlen in Restklassen}]
Gegeben 
teilerfremde nat"urliche Zahlen $r<m$ gibt es stets unendlich viele
Primzahlen $p$, die beim Teilen durch $m$ den Rest\label{PZRc} 
$r$ lassen, in Formeln $p\in \DZ m +r$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}  \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/primzrk.mp4}{Hier ist ein Film zur die Aussage  des Satzes \"uber Primzahlen in Restklassen.} 
Zum Beispiel gibt es unendlich viele Primzahlen, deren Dezimaldarstellung
mit der Ziffer $3$ endet. Der Beweis des Satzes wird erst ganz zu
Ende dieses Abschnitts gegeben und st"utzt sich auf den
Satz \ref{FLRc} "uber die meromorphen Fortsetzungen der sogenannten 
$\op{L}$-Reihen,
die wir gleich einf"uhren werden, sowie auf elementare Charaktertheorie,
die wir im Anschlu"s besprechen. Den Beweis von \ref{FLRc} holen wir
dann im anschlie"senden Abschnitt \ref{DiRe} "uber Dirichlet-Reihen nach.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Wir erinnern daran, da"s man zu jedem Ring $R$ seine Einheitengruppe 
$R^\times$ bilden kann.
F"ur $m \in \Bbb{Z}$ erinnern wir weiter an den Restklassenring 
$\Bbb{Z}/m \Bbb{Z}$.
F"ur $k \in \Bbb{Z}$ bezeichne $\bar{k} \in \Bbb{Z}/m\Bbb{Z}$ 
seine Restklasse.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Gegeben $m\in \DZ\backslash 0$ und 
$\chi : (\Bbb{Z}/m\Bbb{Z})^\times \ra \Bbb{C}^\times$
ein Gruppenhomomorphismus 
erkl"art man eine holomorphe Funktion auf der Halbebene $\op{Re}(z)> 1$ durch
die sogenannte \defnoind{${\op{L}}$-Reihe}\index{L-Reihe@${\op{L}}$-Reihe}
\begin{displaymath}
{\op{L}} (z,\chi) \pdef \sum^\infty_{k=1} \frac{\chi (k)}{k^z}
\end{displaymath}
mit der Konvention
$
\chi (k) \pdef
\chi (\bar{k}) $ f"ur $ \bar{k} \in (\Bbb{Z}/m\Bbb{Z})^{\times}$ und
$
\chi (k)\pdef 0 $ sonst.
Die Konvergenz der Reihe f"ur $\op{Re} (z) > 1$ ist unproblematisch, da unser
Gruppenhomomorphismus notwendig in den Einheitswurzeln landet.
Das Symbol ${\op{L}}$  mag auf Dirichlet's Vornamen Lejeune 
zur"uckzuf"uhren sein. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/lreihendef.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Definition von $\op{L}$-Reihen.} 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Wir f"uhren nun die "ubliche  an unsere Definition besonders gut angepa"ste Begrifflichkeit ein. Sei $m\in \DZ\backslash 0$ gegeben. Eine 
Abbildung 
$\chi:\DZ\ra\DC$
hei"st ein  {\bf Dirichlet-Charakter modulo $m$},\index{Dirichlet!-Charakter} 
wenn es einen Gruppenhomomorphismus
$\chi: (\Bbb{Z}/m\Bbb{Z})^{\times}\ra\DC^{\times}$
gibt mit $\chi(k)=\chi(\bar k)$ f"ur $k$ teilerfremd zu $m$ und
$\chi(k)=0$ sonst. Unter dem {\bf trivialen Dirichlet-Charakter modulo $m$} verstehen wir den Dirichletcharakter, der zum konstanten Gruppenhomomorphismus
$\chi: (\Bbb{Z}/m\Bbb{Z})^{\times}\ra\DC^{\times}$ geh"ort und f"ur den also gilt 
$\chi(k)=1$ f"ur $k$ teilerfremd zu $m$ und
$\chi(k)=0$ sonst.
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}[\textbf{Produktdarstellung von ${\op{L}}$-Reihen}]
  Gegeben $m\in \DZ\backslash 0$ und $\chi$ ein Dirichletcharakter modulo $m$
  besitzt 
die ${\op{L}}$-Reihe ${\op{L}}(z,\chi)$  auf der Halbebene
$\op{Re} (z) > 1$ 
die Darstellung als
Produkt
\begin{displaymath}
{\op{L}}(z,\chi) = \prod_{p \nmid m} 
\left( 1 - \frac{\chi (p)}{p^z} \right)^{-1}
\end{displaymath}
im Sinne der kompakten Konvergenz der Teilprodukte 
unabh"angig von der Reihenfolge der Faktoren.
Das Produkt ist hier zu bilden "uber alle Primzahlen, die 
$m$ nicht teilen.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Man beachte $\chi (mn) = \chi (m) \chi (n)$ f"ur alle $m,n \in \Bbb{Z}$.
Mit dieser Erkenntnis kann der Beweis ebenso gef"uhrt 
werden wie im Fall der Riemann'schen $\zeta$-Funktion in \ref{PRZe}. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/eiglf.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Produktzerlegung und Fortsetzbarkeit von $\op{L}$-Reihen, wie sie in diesem und im anschlie\ss enden Satz formuliert wird.} 
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Fortsetzbarkeit von ${\op{L}}$-Reihen}]
Alle ${\op{L}}$-Reihen
${\op{L}}(z,\chi)$ lassen sich meromorph auf die\label{FLRc} 
Halbebene $\op{Re}z>0$ fortsetzen. Ist $\chi$ 
nicht der triviale Charakter,
so ist  diese
Fortsetzung holomorph und  hat keine
Nullstelle bei $z=1$. Ist $\chi$ der triviale Charakter, 
so hat  diese
Fortsetzung einen einfachen  Pol bei Eins, 
der dann aber auch ihr einziger Pol ist.
\end{Satz}
\begin{proof}
Im Fall des trivialen Charakters zeigt die Produktentwicklung, da"s 
unsere ${\op{L}}$-Reihe aus der Riemann'schen $\zeta$-Funktion entsteht durch das
Wegteilen
der  Eulerfaktoren zu allen Primteilern von $m$. 
In diesem Fall folgt damit unsere Behauptung aus 
der entsprechenden Aussage f"ur die Riemann'sche $\zeta$-Funktion \ref{AZFc}.
Den Beweis im
Fall allgemeiner ${\op{L}}$-Reihen verschieben wir auf das Ende des 
anschlie"senden Abschnitts \ref{DiRe}.
\end{proof}

\begin{Bemerkungw}
Unsere $\op{L}$-Reihen lassen sich sogar  meromorph auf
ganz $\DC$ fortsetzen und erf"ullen  bemerkenswerte
Funktionalgleichungen. 
Das soll aber hier nicht weiter ausgef"uhrt werden.
\end{Bemerkungw}


\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine Gruppe $G$ notieren wir 
$\frak{X} (G) \pdef \op{Grp} (G, \Bbb{C}^{\times})$ die Menge
aller Gruppenhomomorphismen von $G$ nach $\Bbb{C}^{\times}$. Sie hei"sen
die {\bf Charaktere}\index{X@$\frak{X} (G)$ Charaktere!von abstrakter Gruppe} oder genauer die 
{\bf multiplikativen komplexen 
Charaktere}\index{Charakter!multiplikativer komplexer} 
unserer Gruppe $G$. Offensichtlich bilden die Charaktere eine Untergruppe
$\frak{X} (G) \subset \op{Ens} (G, \Bbb{C}^{\times})$ in der Gruppe aller
$\DC^\times$-wertigen Abbildungen mit
punktweiser Multiplikation als Ver\-kn"up\-fung. Wir nennen deshalb $\frak{X} (G)$ auch
die {\bf Charaktergruppe von $G$}.\index{Charaktergruppe} 
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}[\textbf{Charaktergruppen der zyklischen Gruppen}] Die Charaktere der zyklischen Gruppe $\DZ/a\DZ$ f"ur $a\in \DN_{\geq 1}$ sind die Abbildungen $\bar n\mapsto {\op{e}}^{2\pi{\op{i}}bn/a}$
  f"ur $b\in\{0,\ldots, a-1\}$.\label{chzg} Man "uberlegt sich leicht, da"s f"ur die Charaktergruppen der zyklischen Gruppen 
sogar   gilt $\frak{X}(\DZ/a\DZ)\cong \DZ/a\DZ$. 
\end{Beispiel}


  \begin{Proposition}[\textbf{Nichtverschwinden von Fourierkoeffizienten}] Gegeben eine endliche abelsche Gruppe $G$
    ist die Menge $\frak{X} (G)\subset \op{Ens}(G,\DC)$
    ihrer  Charaktere eine Basis des Raums der komplexwertigen Funktionen auf unserer Gruppe und 
    in der Darstellung\label{NvF} 
$$\delta_g=\sum_{\chi\in \frak{X} (G)} a^\chi_g \;\!\chi$$
   der charakteristischen Funktion $\delta_g$ eines beliebigen Gruppenelements $g\in G$ als  Linearkombination von Charakteren
 kommen stets alle Charaktere mit von Null verschiedenem
    Koeffizienten vor, in Formeln $a^\chi_g\neq 0\;\forall g\in G,\chi\in \frak{X} (G)$.
  \end{Proposition}
  \begin{proof}[Andeutungen zum Beweis] \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/charprop.mp4}{Hier ist ein Film \"uber das Nichtverschwinden von Fourierkoeffizienten.} Diese Proposition fa"st  im folgenden
    ben"otigte Aussagen zusammen, deren Beweis eigentlich in einen anderen
    Kontext geh"ort. Man mag sie als Konsequenz der in \eref{CBFouA}{AN3}
    erkl"arten Aussagen zu Fourierreihen verstehen,
    wenn man diese auf den Fall diskreter
    Fouriergruppen spezialisiert.
    Man mag sie als Konsequenz der in \eref{Uke}{NAS}
    erkl"arten Aussagen zu Charakteren endlicher Gruppen verstehen,
    wenn man diese auf den Fall 
    endlicher abelscher
    Gruppen spezialisiert. Man mag sie explizit f"ur endliche
    zyklische Gruppen pr"ufen und dann zeigen, da"s unsere Proposition, wenn sie
    denn
    f"ur zwei Gruppen gilt, auch f"ur deren Produkt gelten mu"s. So kommt man
    auch zum Ziel, wenn man wei"s, da"s jede endliche abelsche
    Gruppe isomorph ist zu einem Produkt zyklischer Gruppen.
    Wie auch immer geh"ort der
    Beweis dieser Proposition in einen anderen Kontext und ich will
    an dieser Stelle nicht n"aher darauf eingehen.
  \end{proof}

  \begin{Bemerkungl}
   Jede kurze exakte Sequenz $K\hra G\sra H$ von endlichen abelschen
    Gruppen  induziert
    eine kurze exakte Sequenz $\mathfrak X(H)\hra \mathfrak X(G)\sra 
    \mathfrak X(K)$ auf den Charaktergruppen. Man folgert das leicht aus der Identit"at $|G|=\mathfrak X(G)$, die ihrerseits unmittelbar aus unserer
    Proposition \ref{NvF} folgt. Insbesondere induziert jede Injektion
    von endlichen abelschen
    Gruppen eine Surjektion auf ihren Charaktergruppen.\label{inDG} 
  \end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis von \ref{PZRc}]
Wir leiten nun den Satz "uber Primzahlen in Restklassen
aus  unserem Satz \ref{FLRc} "uber Fortsetzungen von
${\op{L}}$-Reihen her, dessen Beweis noch aussteht. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/primzrkb.mp4}{Hier ist ein Film \"uber diese Herleitung.}
Die logarithmischen Ableitungen unserer ${\op{L}}$-Reihen werden 
nach einfacher Rechnung  f"ur $\op{Re}(z) >1$
gegeben durch die nach \ref{logAK} kompakt konvergenten Reihen
\begin{displaymath}
\frac{\op{dlog} {\op{L}} (z,\chi)}{\diff z} = - \sum_{p \nmid m}
\frac{\chi (p) \log (p)}{p^z - \chi (p)}
\end{displaymath}
Die durch die Reihen auf der rechten Seite auf $\op{Re} (z) >1$ definierten
holomorphen Funktionen sind nach \ref{FLRc}  beschr"ankt auf 
dem reellen Intervall $(1,2)$, 
wenn $\chi$ nicht
konstant ist, und unbeschr"ankt  auf $(1,2)$ f"ur den konstanten Charakter.
Dasselbe gilt f"ur die holomorphen Funktionen, die durch die Ausdr"ucke
$$- \sum_{p \nmid m} \frac{\chi (p) \log (p)}{p^z}$$
gegeben werden, denn deren Differenz zu den zuvor betrachteten 
logarithmischen Ableitungen
wird gegeben durch die Reihen
$\sum_{p\nmid m} \frac{\chi (p)^2 \log (p)}{p^z(p^z-\chi (p))}$,
die sogar auf der Halbebene
$\op{Re} (z) > 1/2$ holomorphe Funktionen definieren.
Unsere Erkenntnisse  \ref{NvF} zum Nichtverschwinden von
Fourierkoeffizienten liefern uns 
von Null verschiedene $a^\chi_{\bar r}\in\DC^\times$ derart,  
da"s f"ur alle $n \in \Bbb{Z}$ gilt
\begin{displaymath}
\sum_{\chi \in \frak{X}} a^\chi_{\bar r}\;\! \chi (n) = \left\{ \begin{array}{cc} 1 
& \bar{n} = \bar{r};\\
0 & \text{sonst}. \end{array} \right.
\end{displaymath}
Daraus folgt f"ur $\op{Re} (z) > 1$ die Identit"at
\begin{displaymath}
\sum_{\chi \in \frak{X}}  a^\chi_{\bar r} \sum_{p\nmid m} \frac{\chi (p) \log (p)}{p^z}
=\sum_{p \equiv r (\op{mod} m)} \frac{\log p}{p^z}
\end{displaymath}
Links steht hier eine auf dem reellen Intervall 
$(1,2) $ unbeschr"ankte Funktion,
da nach \ref{FLRc} f"ur alle nichtkonstanten Charaktere die
${\op{L}}$-Reihe holomorph ist ohne Nullstelle bei Eins,
f"ur den konstanten Charakter
jedoch meromorph mit einem Pol bei Eins, und da der entsprechende Vorfaktor
$a^\chi_{\bar r}$ nicht Null ist. 
Rechts steht folglich auch eine auf auf dem reellen Intervall $(1,2)$
unbeschr"ankte Funktion und insbesondere eine unendliche Summe.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}
Ein Dirichletcharakter modulo $m$ liefert einen 
Dirichletcharakter modulo $mn$ f"ur jedes $n\geq 1$ vermittels dem
vom offensichtlichen Ringhomomorphismus $\DZ/mn\DZ\sra \DZ/m\DZ$ auf den Einheitengruppen induzierten
Gruppenhomomorphismus $(\DZ/mn\DZ)^\times\sra (\DZ/m\DZ)^\times$. 
Gegeben ein Dirichletcharakter $\chi:\DZ\ra\DC$ hei"st
das kleinste positive $m$ derart, da"s er von einem
Gruppenhomomorphismus $(\Bbb{Z}/m\Bbb{Z})^\times\ra\DC^\times$ 
herkommt, der {\bf F"uhrer von $\chi$}.\index{F"uhrer!von Dirichletcharakter} 
 Wir sagen dann auch, $\chi$ sei ein 
\defnoind{primitiver  Dirichletcharakter 
modulo 
$m$}.\index{primitiv!Dirichletcharakter}\index{Dirichletcharakter!primitiver}
\end{Bemerkunge}

\subsection{Dirichlet-Reihen \sose{(21.7)}}\label{DiRe}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben ein Zweig des Logarithmus $\log$ auf einer Teilmenge $U$ der
komplexen Zahlenebene erkl"aren wir f"ur alle $\lambda\in\DC$ eine Abbildung
$U\ra\DC$, $x\mapsto x^\lambda$ durch die Vorschrift
$x^\lambda=\op{exp}(\lambda\log x)$. Ich verwende vorerst den Buchstaben $x$ f"ur unsere komplexe
Variable, weil ich mir den Buchstaben $z$ f"ur eine weitere komplexe
Variable aufsparen will. 
Gegeben zwei Folgen $a_k$ und $\lambda (k)$ von komplexen
Zahlen k"onnen wir auf der geschlitzten Ebene $\Bbb{C} 
\backslash \Bbb{R}_{\leq 0}$ mithilfe unseres 
Hauptzweiges des Logarithmus  die Reihe
\begin{displaymath}
\sum^\infty_{k=0} a_k x^{\lambda (k)}
\end{displaymath}
bilden. Wir zeigen im Folgenden, da"s sie sich f"ur 
 monoton wachsende Folgen $\lambda(0)\leq \lambda(1)\leq \ldots$ reeller Zahlen $\lambda (k)\in\DR$
sehr "ahnlich verh"alt wie eine
Potenzreihe.
Genauer folgt aus der Konvergenz an einer Stelle 
$x_0$ die kompakte Konvergenz auf 
dem Schnitt der offenen Kreisscheibe $\{x\in\DC \mid |x|< |x_0|\}$ mit unserer
geschlitzten Ebene.
Dar"uber hinaus ist dieser \glqq Konvergenzradius\grqq\  derselbe 
f"ur jede andersartig geschlitzte
Ebene 
und jeden Zweig des
Logarithmus auf einem derartigen Gebiet. Um diese
Mehrdeutigkeiten aufzul"osen,
substituiert man sinnvoll gleich $x=\op{e}^{-z}$ und 
erh"alt so eine Reihe der
Gestalt
\begin{displaymath}
\sum_{k= 0}^\infty a_k \op{e}^{-\lambda (k)z}
\end{displaymath}
Reihen dieser Gestalt mit komplexen Koeffizienten 
$a_k\in\DC$ und einer monoton wachsenden
Folge von reellen Zahlen $\lambda (0)\leq \lambda(1)\leq\lambda(2)\leq \ldots$ hei"sen
\defind{Dirichlet-Reihen}. Zum Beispiel wird die Riemann'sche 
$\zeta$-Funktion durch die "uber  $k\geq 1$ zu
summierende Dirichletreihe mit
$a_k=1$ f"ur alle $k$ und $\lambda(k)=\op{log}(k)$ gegeben. 
Man kann die durch eine Dirichletreihe erkl"arte Funktion 
im Standardfall einer streng monotonen Folge $\lambda(k)$ im
"ubrigen auch auffassen
als die Laplacetransformierte im Sinne von
\ref{LaTa} des diskreten komplexen
Ma"ses, das jedem Punkt $\lambda(k)$ die Masse $a_k$ zuweist.
Wir formulieren und beweisen  die bisher 
behaupteten Aussagen nun
als eigenst"andigen Satz. \href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/dirir.mp4}{Hier ist ein Film \"uber allgemeine Eigenschaften von Dirichletreihen.}
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Konvergenzbereiche von Dirichletreihen}]
Konvergiert eine Di\-ri\-chlet\-rei\-he\label{KDRn}
an einer Stelle $z_0 \in \Bbb{C}$, so konvergiert sie 
auch f"ur alle komplexen Zahlen $z$ mit gr"o"serem
Realteil  $\op{Re} (z) > \op{Re} (z_0) $ und die Konvergenz ist 
f"ur beliebiges $ r \geq 0$ gleichm"a"sig auf dem abgeschlossenen
Winkelsegment
$$\{ z \in\DC \mid |z-z_0| \leq r \op{Re}(z -z_0) \} $$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Insbesondere ist der Konvergenzbereich einer Dirichletreihe
im wesentlichen eine Halbebene und genauer eine
Menge der Gestalt $\{z\in\DC\mid \op{Re}(z)>c\}$ f"ur $c\in \bar\DR$, wobei man "uber die Konvergenz auf der
Randgeraden im allgemeinen keine Aussagen machen kann.
Im Unterschied zu Potenzreihen kann es durchaus vorkommen,
da"s eine  Dirichletreihe auf einem Teil ihrer
Konvergenzhalbebene nicht absolut konvergiert. Genauer sieht man leicht,
da"s auch der Bereich der absoluten Konvergenz einer Dirichletreihe  eine
Menge der Gestalt $\{z\in\DC\mid \op{Re}(z)>c_{\op{abs}}\}$ f"ur $c_{\op{abs}}\in \bar\DR$, wobei man "uber die absolute Konvergenz auf der
Randgeraden im allgemeinen wieder keine Aussagen machen kann. 
Zum Beispiel zeigen
wir im folgenden, da"s unsere ${\op{L}}$-Reihen zu nichtkonstantem
Charakter f"ur $\op{Re}(z)>0$ konvergieren, aber  man sieht sehr leicht,
da"s diese Konvergenz nur f"ur $\op{Re}(z)>1$ absolut ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Dieser Beweis verallgemeinert den Beweis des abelschen Grenzwertsatzes 
\eref{ABG}{AN1}. Sei $
\sum^{\infty}_{k=0} a_k \op{e}^{-\lambda (k) z}
$ unsere Dirichletreihe.
Ohne Be\-schr"an\-kung der Allgemeinheit d"urfen wir $z_0 =0$ annehmen.
Wir k"urzen $\op{e}^{-\lambda (k)z} = b_k$
ab und schreiben die Differenzen von Partialsummen unserer Reihe in der
Gestalt 
\begin{displaymath}
\begin{array}{lll}
\sum^m_{k=n} a_k \op{e}^{-\lambda  (k) z} &=& \sum^m_{k=n} a_k b_k\\[3mm]
& =&
\begin{array}[t]{crl} &(b_n -b_{n+1} )& \;a_n\\
+& (b_{n+1} - b_{n+2} )&(a_n + a_{n+1}) \\
+& (b_{n+2}-b_{n+3} )& (a_n +a_{n+1} + a_{n+2})\\
&\ldots & \ldots\\
+& (b_{m-1} -b_m)& (a_n + \ldots\ldots\ldots + a_{m-1})\\
+ & b_m\;& (a_n + \ldots\ldots\ldots + a_{m-1}+ a_m)
\end{array}\end{array}
\end{displaymath}
Jetzt beachte man f"ur $x \pdef \op{Re}z > 0$ die Absch"atzung
\begin{displaymath}
\begin{array}{lll}
\left|\op{e}^{-\lambda (n) z} - \op{e}^{-\lambda (n+1)z} \right| 
& =& \left|z \int^{\lambda (n+1)}_{\lambda (n)} 
\op{e}^{-tz} \diff z\right|\\[2mm]
&\leq & |z| \int^{\lambda (n+1)}_{\lambda (n)} \op{e}^{-tx} \diff x\\[2mm]
& \leq & \frac{|z|}{x} 
\left( \op{e}^{-\lambda(n)x} - \op{e}^{-\lambda (n+1)x}\right)
\end{array}
\end{displaymath}
F"ur alle $\varepsilon >0$ finden wir  wegen der Konvergenz bei $z=0$ sicher 
ein 
$N$ derart, da"s f"ur alle $\nu,\mu$ mit $N \leq \nu \leq \mu$ gilt
$|a_\nu + \ldots + a_\mu | \leq \varepsilon$.
F"ur alle $z$ mit $x=\op{Re}(z)>0 $ folgt 
dann f"ur alle $n,m$ mit $N \leq n \leq m$ die
Absch"atzung
\begin{displaymath}
\left| \sum^m_{k=n} a_k \op{e}^{-\lambda (k) z} 
\right|  \leq  \frac{|z|}{x}  \left( \op{e}^{-\lambda (n) x}
-\op{e}^{-\lambda (m) x} \right) \varepsilon
 + \op{e}^{-\lambda (m)x} \varepsilon
\end{displaymath}
F"ur $z=0$ wird derselbe Ausdruck schlicht durch $\varepsilon$
selbst abgesch"atzt und zusammen ergibt sich daraus die behauptete
gleichm"a"sige Konvergenz auf Bereichen
$0\leq |z|\leq rx$ f"ur jede feste
Steigung $r$ der den Winkel nach oben begrenzenden 
Geraden.
\end{proof}
\begin{Proposition}[\textbf{Hinreichende Bedingung 
f"ur Konvergenz}]
Sind bei einer Dirichletreihe\label{KBDR}
$
\sum^{\infty}_{k=0} a_k \op{e}^{-\lambda (k) z}
$
die Summen $\sum^m_{k=n} a_k$ 
simultan betragsm"a"sig beschr"ankt und gilt $\lambda(k)\ra \infty$, so konvergiert die Reihe
f"ur $\op{Re}(z)>0$.
\end{Proposition}
\begin{proof}
Ist $B$ unsere simultane Schranke, so erhalten wir
wie im vorhergehenden Beweis f"ur alle $z\in\DC$ mit $\op{Re}(z)>0$ 
dieselbe
Absch"atzung
mit $B$ statt $\varepsilon$
und damit folgt aus unserer Annahme $\lambda(k)\ra \infty$ die Konvergenz.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{BLRc}
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/fortsdir.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die holomorphe Fortsetzbarkeit von $\op{L}$-Reihen zu
    nichttrivialen Charakteren.}  F"ur nichttriviale Charaktere $\chi:G\ra \DC^\times$ einer endlichen Gruppe
  $G$ folgt aus $\sum_{g\in G}\chi(g)=\sum_{g\in G}\chi(hg)=\chi(h)\sum_{g\in G}\chi(g)$ sofort $\sum_{g\in G}\chi(g)=0$.
Aus unserer hinreichenden Bedingung \ref{KBDR} f"ur die Konvergenz von Dirichletreihen folgt sofort, da"s 
${\op{L}}$-Reihen f"ur nichttriviale Dirichletcharaktere $\chi$ sogar auf der
Halbebene $\op{Re}(z)>0$ konvergieren. Das liefert ihre
in \ref{FLRc} behauptete Fortsetzbarkeit zu holomorphen Funktionen
auf dieser Halbebene. Die in \ref{FLRc} behauptete meromorphe Fortsetzbarkeit im Fall des trivialen Dirichletcharakters haben wir bereits direkt
im Anschlu"s an die Formulierung unseres Satzes gezeigt. Der Satz "uber die
Fortsetzungen  \ref{FLRc} ist damit 
bewiesen bis auf die Behauptung,
da"s die holomorphen Fortsetzungen im Falle nichttrivialer Dirichletcharaktere bei Eins nicht verschwinden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Konvergenzbereiche im Fall 
nichtnegativer Koeffizienten}]
Konvergiert eine 
Dirichletreihe $\sum a_k \op{e}^{-\lambda (k) z} $ 
mit nichtnegativen Koeffizienten\label{HFz} $a_k\geq 0$  auf der Halbebene
$\op{Re} (z) >r$ und l"a"st sich die so erkl"arte Funktion holomorph auf eine
Umgebung von $r$  fortsetzen, so konvergiert unsere Reihe sogar auf einer
echt gr"o"seren 
Halbebene $\op{Re}(z) > r -\varepsilon$ f"ur ein $\varepsilon >0$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Dieser Satz ist eine Variante unserer
Erkenntnis \eref{Kovre}{AN1} "uber den Konvergenzradius einer
Potenzreihe mit nichtnegativen Koeffizienten und auch der Beweis ist
im wesentlichen derselbe. In der Sprache der Funktionentheorie 
kann man diese Erkenntnis dahingehend formulieren, da"s eine Potenzreihe mit
nichtnegativen Koeffizienten und Konvergenzradius mindestens $r\in \DR_{\geq 0}$,
deren Summe
sich holomorph auf eine Umgebung von $r$ fortsetzen l"a"st, einen
echt gr"o"seren Konvergenzradius als $r$ haben mu"s.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $r =0$ 
und f"ur alle $k$ gelte  $\lambda (k) \geq 0$.
Nach Annahme finden wir $\varepsilon >0$ derart, 
da"s die durch unsere Dirichletreihe
definierte Funktion $f$ sich holomorph auf eine 
offene Umgebung der Kreisscheibe $|z-1| \leq
1 +\varepsilon$ fortsetzen l"a"st.
Die Taylorentwicklung liefert dann
\begin{displaymath}
f(-\varepsilon) = \sum^\infty_{\nu =0} \frac{f^{(\nu)} (1)}{\nu!} 
(-(1+\varepsilon))^\nu
\end{displaymath}
im Sinne absoluter Konvergenz.
Die fraglichen Ableitungen hinwiederum ergeben sich zu
\begin{displaymath}
f^{(\nu)} (1)= \sum a_k (-\lambda (k))^{\nu} \op{e}^{-\lambda (k)}
\end{displaymath}
auch im Sinne absoluter Konvergenz, da alle Terme dasselbe Vorzeichen haben. 
Folglich gilt
\begin{displaymath}
\sum_{k,\nu} \frac{a_k}{\nu!}  (1+\varepsilon)^\nu (\lambda (k))^\nu 
\op{e}^{-\lambda (k)} < \infty
\end{displaymath}
Nach Zusammenfassen der Summen "uber $\nu$ in Exponentialreihen ergibt sich
\begin{displaymath}
\sum_k a_k \op{e}^{(1+\varepsilon)\lambda(k)} 
\op{e}^{-\lambda (k)} = \sum_k a_k \op{e}^{\lambda (k)\varepsilon}
<\infty
\end{displaymath}
alias die Konvergenz der Dirichletreihe bei $z= -\varepsilon$.
\end{proof}

\begin{proof}[Beweis von \ref{FLRc}]
\href{http://home.mathematik.uni-freiburg.de/soergel/Skripten/nnl.mp4}{Hier ist ein Film \"uber die Nichtnullstelleneigenschaft von $\op{L}$-Reihen zu
  nichttrivialen Charakteren bei $z=1$.}
Da"s die ${\op{L}}$-Reihe zum trivialen Charakter 
eine meromorphe Fortsetzung hat wie behauptet,
ergibt sich wie bereits bemerkt aus der entsprechenden 
Aussage \ref{AZFc} f"ur die Riemann'sche
$\zeta$-Funktion, die ja bis auf endlich 
viele Faktoren durch dasselbe Eulerprodukt
dargestellt wird. Da"s die anderen ${\op{L}}$-Reihen 
holomorphe Fortsetzungen haben, haben wir schon in 
\ref{BLRc} bemerkt.
Um schlie"slich zu zeigen, da"s die anderen Reihen 
keine Nullstellen bei $z=1$ haben,
reicht es zu zeigen, da"s das Produkt
\begin{displaymath}
\zeta_m (z) = \prod_{\chi} {\op{L}} (z,\chi)
\end{displaymath}
einen Pol hat bei $z=1$.
Dieses Produkt ist nun f"ur $\op{Re}(z) >1$  das 
Produkt "uber alle zu $m$ 
teilerfremden Primzahlen $p\nmid m$ der endlichen Produkte
\begin{displaymath}
\prod_{\chi} \left( 1- \frac{\chi (p)}{p^z} \right)^{-1}
\end{displaymath}
Nun beachten wir im Polynomring
$\DC [T]$ 
die Zerlegung 
$$(T^g -1) = 
\prod_{\xi^g=1} (T-\xi)$$
Bezeichnet $\varphi = \varphi (m) = |(\Bbb{Z}/m \Bbb{Z})^\times|$
die Ordnung unserer Gruppe und
$g(p)$ die Ordnung des Elements  $\bar{p}$ in $(\Bbb{Z}/m\Bbb{Z})^\times$ und
$f(p)$ die Kardinalit"at der Restklassengruppe 
nach dem Erzeugnis $\langle \bar{p}
\rangle$ von $\bar p$, so da"s also gilt $\varphi= f(p)g(p)$, so finden wir
mit der Beschreibung \ref{chzg} der Charaktere zyklischer Gruppen und
der Fortsetzbarkeit \ref{inDG} der Charaktere von Untergruppen zu Charakteren der
ganzen Gruppe unschwer 
\begin{displaymath}
\prod_{\chi} (T - \chi (p)) = (T^{g(p)} -1)^{f(p)}
\end{displaymath}
Indem wir auf beiden Seiten 
$T^\varphi$ wegteilen und $T = p^z$
einsetzen ergibt sich
\begin{displaymath}
\prod_{\chi} \left( 1- \frac{\chi (p)}{p^z}\right)^{-1} 
= \left( 1 - \frac{1}{p^{g(p)z}}\right)^{-f(p)}
\end{displaymath}
Multiplizieren wir alle diese Produkte 
f"ur $p\nmid m$,  so erhalten wir offensichtlich
f"ur $\op{Re}(z) >1$ eine Darstellung 
von $\zeta_m (z) $ durch eine Dirichletreihe der Gestalt $$\zeta_m (z) = 
\sum_{k \geq 1} a_k k^{-z}$$ mit $a_k \in \Bbb{N}$.
H"atte die Funktion $\zeta_m (z)$ keinen Pol
bei $z=1$, so w"are sie holomorph f"ur $\op{Re}(z) > 0 $
 und nach \ref{HFz} m"u"ste dann auch ihre Dirichletreihe
konvergieren f"ur alle $z$ mit $\op{Re} (z) >0$.
Nun ist der $p$-Faktor von $\zeta_m$ jedoch 
$(1+ p^{-g(p)z} + p^{-2g(p)z} + \ldots )^{f(p)}$
und hat dieselben oder gr"o"sere Koeffizienten 
vor den entsprechenden $p$-Potenzen wie die
Reihe
\begin{displaymath}
(1+ p^{-\varphi z} + p^{-2\varphi z }+ \ldots )
\end{displaymath}
mit $\varphi$ wie oben.
Die Dirichletreihe von $\zeta_m (z)$ hat also dieselben 
oder gr"o"sere Koeffizienten wie die
Reihe
\begin{displaymath}
\sum_{\langle n,m\rangle=\langle 1\rangle}  n^{-\varphi z}
\end{displaymath}
und diese Reihe divergiert f"ur $z = \varphi^{-1}$ 
selbst dann, wenn wir nur "uber prime $n$ summieren.
Dieser Widerspruch beendet den Beweis.
\end{proof}

\begin{Quellen}
Die hier gegebene  Darstellung lehnt sich an den Cours d'Arithm\'e\-ti\-que
 von Serre \cite{Se} an.
\end{Quellen}









\subsection{Summen von drei Quadraten}
\begin{Satz} Eine nat"urliche Zahl $n\in\DN$ ist
  genau dann eine Summme von drei Quadraten
  $n=x^2+y^2+z^2$ mit $x,y,z\in \DN$, wenn sie nicht die
  Gestalt $n=4^r(8s+7)$ hat f"ur $r,s\in\DN$.
\end{Satz}
\begin{proof}  In $\DZ/8\DZ$ sind  $0,1,4$ die einzigen Quadrate. 
  Mithin ist $7$ in $\DZ/8\DZ$ keine Summe von drei Quadraten. Damit
  kann auch $8s + 7$ in $\DZ$ nie eine Summe von drei Quadraten sein.
  In $\DZ/4\DZ$ sind weiter $0,1$ die einzigen Quadrate.
  Die einzige Darstellung von $0$ in $\DZ/4\DZ$ als Summe von drei Quadraten ist folglich $0=0+0+0$.  
  Ist mithin $n=x^2+y^2+z^2$ durch vier teilbar, so sind auch
  $x^2,y^2,z^2$ durch vier teilbar und damit $x,y,z$ gerade.
  Genau dann ist also $4n$ eine Summe von drei Quadraten, wenn $n$
  eine Summe von drei Quadraten ist. Das zeigt sowohl, da"s $n=4^r(8s+7)$ nie
  eine Summe von drei Quadraten sein kann, als auch, da"s wir zum Beweis
  des Satzes nur noch zu pr"ufen brauchen, da"s sich alle nat"urlichen Zahlen $n\in\DN$, die nicht von der Gestalt  $n=8s+7$ sind, als Summe von
  drei Quadraten schreiben lassen.
  Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit
  zus"atzlich $n$ quadratfrei und $n>1$ annehmen.
  Nach \eref{sybt}{LA2} kann jede
  positiv definite symmetrische Bilinearformen auf $\DZ^3$, deren Fundamentalmatrix Determinante Eins hat, durch einen Basiswechsel in das
  Standardskalarprodukt "uberf"uhrt werden.
  Es reicht also zu zeigen, da"s es f"ur $n\in\DN$ von der Gestalt  $n=8s+7$
  eine positiv definite Matrix mit Determinante Eins der Gestalt
 $$M\pdef  \begin{pmatrix} a & b&1\\
    b&c&0\\
    1&0&n\end{pmatrix}$$
    gibt. Die fragliche Determinante ergibt sich zu
    $\op{det}M=n(ac-b^2)-c$. Gilt zus"atzlich zu $\op{det}M=1$
    noch $ac-b^2>0$, so folgt aus $n>1$ bereits $c>0$ und
    nach dem Hurwitz-Kriterium ist erst der Block oben links 
    und dann sogar die ganze Matrix positiv definit.
    Es reicht also, f"ur $n>1$ von der Gestalt
    $n=8s+7$ ganze Zahlen $a,b,c$ zu finden mit
    $1=n(ac-b^2)-c$ und $ac-b^2>0$.
    Nochmal anders gesagt reicht es, $d>0$ so zu finden, da"s $-d$ ein quadratischer Rest ist modulo $nd-1$, denn dann k"onnen wir $c\pdef nd-1$ nehmen und dazu $a,b$ finden derart, da"s die obigen Gleichungen erf"ullt sind. 
    Wir machen eine Fallunterscheidung.
\\[2mm]\noindent
    Fall 1: $n\equiv 2\pmod{4}$. Dann finden wir
    nach dem Satz "uber Primzahlen in Restklassen  \ref{PZRc} unendlich viele
    Primzahlen $p$ mit
    $p\equiv n-1\pmod{4n}$ und finden
    insbesondere $v>0$ mit $p=n(4v+1)-1$ prim.
    Wir behaupten, da"s dann $d\pdef 4v+1$ unser Problem l"ost. Nun, wir finden
    $nd-1=p$ und  unsere Annahme an $n$ zeigt $p\equiv 1\pmod{4}$. Die Frage, ob $-d$ ein Quadrat ist modulo $p$, l"a"st sich
    mit Legendre-Symbolen und ihren Rechenregeln \eref{JacSy}{AL},  \eref{LeSS}{AL}
    l"osen durch die Rechnung
    $$\left(\frac{-d}{p}\right)=\left(\frac{d}{p}\right)
=\left(\frac{4v+1}{p}\right)=\left(\frac{p}{4v+1}\right)=\left(\frac{-1}{4v+1}\right)=1$$
    wegen $p\equiv 1\pmod{4}$ und dem Reziprozit"atsgesetz f"ur Jacobi-Symbole
    und $p=n(4v+1)-1$ und der Formel f"ur Jacobi-Symbole mit $-1$ im Z"ahler.
    Also ist $-d$ ein Quadrat modulo $nd-1$.
 \\[2mm]\noindent
 Fall 2:  $n\equiv 1\pmod{4}$. Dann ist $(3n-1)/2$ ungerade und teilerfremd zu
 $4n$ und wir finden nach dem Satz "uber Primzahlen in Restklassen  \ref{PZRc} eine
 Primzahl $p$ der Gestalt $p=4nv + (3n-1)/2$ mit $v\in\DN$, also mit
 $2p=n(8v+3)-1$.   Wir behaupten, da"s dann $d\pdef 8v+3$ unser Problem l"ost. Wir m"ussen also zeigen, da"s
 $-d$ ein Quadrat ist modulo  $2p=nd-1$.
 Zur Vorbereitung dieser Rechnung bemerken wir
$$\left(\frac{-2}{8v+3}\right)=\left(\frac{-1}{8v+3}\right)=\left(\frac{2}{8v+3}\right)=(-1)(-1)=1
$$
nach unseren Formeln f"ur Jacobi-Symbole und  unterteilen dann unseren Fall in zwei Unterf"alle.
 \\[2mm]\noindent
 Fall 2a:  $n\equiv 1\pmod{8}$. Dann folgt $2p\equiv 2\pmod{8}$ und $p\equiv 1\pmod{4}$ und es reicht zu zeigen, da"s $-(8v+3)$ ein Quadrat ist modulo $p$,
 da ja jede Zahl ein Quadrat ist modulo Zwei. Dazu rechnen wir
 $$\left(\frac{-d}{p}\right)=\left(\frac{d}{p}\right)
 =\left(\frac{8v+3}{p}\right) =\left(\frac{p}{8v+3}\right)=\left(\frac{-2p}{8v+3}\right)=\left(\frac{1}{8v+3}\right)=1
$$
 wegen $p\equiv 1\pmod{4}$ und dem Reziprozit"atsgesetz f"ur Jacobi-Symbole
 und der Vorbemerkung und in der Tat ist $-(8v+3)$ ein Quadrat modulo $p$.
 \\[2mm]\noindent
 Fall 2b:  $n\equiv 5\pmod{8}$.
 Dann folgt $2p\equiv 6\pmod{8}$ und $p\equiv 3\pmod{4}$.
 Es reicht wieder zu zeigen, da"s $-d$ ein Quadrat ist modulo $p$,
 da ja jede Zahl ein Quadrat ist modulo Zwei. Dazu rechnen wir
 $$\left(\frac{-d}{p}\right) =-\left(\frac{d}{p}\right)
=\left(\frac{p}{8v+3}\right)=\left(\frac{-2p}{8v+3}\right)=\left(\frac{1}{8v+3}\right)=1
$$
 wegen $p\equiv 1\pmod{4}$ und dem Reziprozit"atsgesetz f"ur Jacobi-Symbole
 und der Vorbemerkung und in der Tat ist $-(8v+3)$ ein Quadrat modulo $p$.
 \\[2mm]\noindent
 Fall 3:  $n\equiv 3\pmod{8}$.
 Dann ist $(n-1)/2$ ungerade und teilerfremd zu
 $4n$ und wir finden nach dem Satz "uber Primzahlen in Restklassen  \ref{PZRc} eine
 Primzahl $p$ der Gestalt $p=4nv + (n-1)/2$  f"ur $v\in\DN$ alias
 $2p=n(8v+1)-1$. Wir finden
 $p\equiv 1\pmod{4}$.   Nun behaupten wir, da"s $d\pdef 8v+1$
unser Problem l"ost. Wir m"ussen also zeigen, da"s
 $-d$ ein Quadrat ist modulo  $2p=nd-1$.
 Es reicht wieder zu zeigen, da"s $-d$ ein Quadrat ist modulo $p$,
 da ja jede Zahl ein Quadrat ist modulo Zwei.
 Dazu rechnen wir
 $$\left(\frac{-d}{p}\right)
 =\left(\frac{d}{p}\right)
 =\left(\frac{p}{8v+1}\right)
 =\left(\frac{-2p}{8v+1}\right)=\left(\frac{1}{8v+1}\right)=1
$$
 wegen $p\equiv 1\pmod{4}$ und dem Reziprozit"atsgesetz f"ur Jacobi-Symbole
  und in der Tat ist $-(8v+1)$ ein Quadrat modulo $p$.
\end{proof}
 

\begin{Quellen}
  In der hier wiedergegebenen Form stammt der Beweis von Mordell \cite{Mord}
  mit verschiedenen "Uberarbeitungen. 
\end{Quellen}





%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXFT1"
%%% End: 
