
\section{Offene Briefe, Lehrerbildung} 

\subsection{Welche Ausbildung f"ur Lehrer?}
% \glqq Non vitae, sed scholae discimus\grqq\  oder auf deutsch 
% \glqq Nicht f"ur das Leben, sondern f"ur die Schule lernen wir\grqq\ 
% war bereits im alten Rom der Vorwurf von Seneca an das Bildungssystem.
Unsere Schulen haben -- darin sind wir uns 
wohl alle einig -- zuvorderst die
Aufgabe, jedes einzelne 
unserer Kinder so gut wie m"oglich auf das Leben vorbereiten.
Sie  haben  aber, so denke ich,  auch die Verantwortung, 
durch ihre Beurteilungen dazu zu helfen, da"s jeder einen
Platz in der Gesellschaft findet, an dem er sinnvolle Arbeit leisten
und zum effektiv Gemeinwohl beitragen kann.
Damit die Schule dieser gesellschaftlichen Verantwortung 
gerecht werden kann,  scheint es mir wichtig,
da"s die Lehrer auch ihrerseits aus 
eigener Erfahrung  eine Vorstellung davon haben, welche
Kenntnisse und F"ahigkeiten ihre 
Sch"uler denn nun sp"ater brauchen k"onnen.

Dazu schiene es mir w"unschenswert, da"s unsere Lehrer 
die M"oglichkeit erhielten, sich auch ab und zu einmal
f"ur eine Weile in unbezahlten Urlaub zu verabschieden und 
einer anderen T"atigkeit nachzugehen.
Weiter schiene es mir w"unschenswert, da"s man als Lehrer 
die ganz normale Ausbildung eine Stufe "uber das Niveau hinaus
fortgesetzt hat, auf dem man unterrichtet.
Ein Grundschullehrer sollte -- so denke ich -- Abitur gemacht haben,
kein spezielles Abitur f"ur Grundschullehrer, sondern ein ganz normales
Abitur, wie es auch viele seiner Sch"uler machen werden, die nachher 
nicht Grundschullehrer werden wollen.
Und ein Gymnasiallehrer sollte -- so denke ich -- einen Bachelor gemacht haben,
oder zumindest einen Teil desselben im Umfang von etwa zwei Jahren,
keinen speziellen Bachelor f"ur Gymnasiallehrer, sondern einen ganz normalen
Bachelor, wie ihn auch viele seiner Sch"uler machen werden, die nachher 
nicht Gymnasiallehrer werden wollen. 
Ersteres scheint uns selbstverst"andlich, letzteres leider noch nicht.
Das halte ich  aus den beiden folgenden 
Gr"unden f"ur ungl"ucklich. 

Erstens kocht
ein System, bei dem die zuk"unftigen Gymnasiallehrer nach dem Gymnasium
direkt  eine spezielle Ausbildung f"ur Gymnasiallehrer erhalten, sozusagen
\glqq im eigenen Saft\grqq\ : Man lernt als Lehramtsanw"arter, 
 was man auf der Schule -- wie man aus der eigenen Erfahrung als 
Sch"uler schon wei"s -- wird unterrichten m"ussen, und  unterrichtet 
das dann eben wieder, und so bei"st sich die Katze in den Schwanz und
es kann nur allzu 
leicht  eine selbstgen"ugsame Gemeinschaft entstehen, 
die sich selbstverliebt
im Kreise dreht. Wir brauchen aber Lehrer, die unsere Kinder auch auf
andere Studien und andere Leben vorbereiten, nicht alle k"onnen und sollen ja
Lehrer werden. Dazu ist es jedoch wichtig, da"s sie dieses Andere auch kennen,
wof"ur sie vorbereiten sollen.

Zweitens scheint es mir unfair und auch nicht im Interesse der Schule, 
von unseren Kindern
eine so enge Festlegung auf einen
Beruf so kurz nach dem Ende der Schulzeit zu fordern, wenn sie  
Interesse daran haben, den
Lehrerberuf zu ergreifen. Es kann doch so leicht
geschehen, da"s sich die Lebensumst"ande "andern und man ins Ausland
umzieht, oder da"s einem das Unterrichten
 keinen Spa"s mehr macht, 
oder da"s pl"otzlich gerade mal kaum
Lehrer eingestellt werden, oder was auch immer. Dann steht man mit einem
Bachelor immer noch gut da und kann sich leichter 
umorientieren. 

% Ebensowenig, wie es ausgemacht ist, da"s 
% Politikwissenschaftler die besten Politiker werden,
% oder da"s wir von allen unseren Politikern ein Studium
% der Politikwissenschaft verlangen sollten,
% scheint es mir evident, da"s Lehrwissenschaftler die
% notwendig die besten Lehrer werden.
% Und ebenso, wie es mir vielmehr wichtig schiene, da"s in der Politik 
% Pers"onlichkeiten vertreten sind, die auch einmal einen
% anderen Beruf ausge"ubt haben, schiene es mir auch wichtig, 
% da"s Lehrer einmal etwas anderes gelernt haben als eben zu lehren.

% Sicher geh"oren Forschung und Lehre zusammen, in der Mathematik
% vielleicht noch st"arker als in anderen Bereichen. Wenn man das 
% nun aber wieder trennt in die zwei F"acher \glqq Lehre der Mathematik\grqq\  
% und \glqq Forschung der Mathematik\grqq\  und bei beiden hinwiederum dasselbe
% Argument vertritt: 
% Da"s also die \glqq Forschung von der Lehre der Mathematik\grqq\ 
% und die \glqq Lehre von der Lehre der Mathematik\grqq\  zusammengeh"oren,
% und analog wohl dann auch 
% die \glqq Forschung "uber die Forschung in der
% Mathematik\grqq\  (Wissenschaftsphilosophie?)  und die  \glqq Lehre von der 
% Forschung in der Mathematik\grqq, 
% nun, vielleich schon.
\newpage

\subsection{Offener Brief}

Ihr Artikel \glqq Ausweg aus der Not an Physiklehrern\grqq\ 
(BZ vom Mittwoch, den 20.7) 
hat mich verbl"ufft und erfreut.
Erfreut, da mir das Modell 
einer auf einem Fachbachelor
aufbauenden Lehramtsausbildung
ebenso sinnvoll wie zukunftsweisend scheint.
In der Tat sprechen viele gute Gr"unde
f"ur ein solches FABLEHR-Modell
(Fachbachelor-Lehramtsmaster): 
Es stellt sicher,
da"s die Gymnasiallehrer aus eigener 
Anschauung wissen, f"ur welchen weiteren
Ausbildungsweg sie  ihre 
Sch"uler vorbereiten; 
es "offnet unseren Kindern 
breitere Berufsperspektiven und zwingt sie
nicht zu einer derart fr"uhen Festlegung 
auf den Lehrerberuf wie das jetzige System;
es entspricht der Logik der mit der 
Bologna-Reform umgesetzten Modularisierung 
des Studiums;  es f"ordert die Freude am Fach,
wenn man sich ihm einmal eine Weile ungest"ort
widmen kann---und  Begeisterung f"ur
das Fach ist sicher eine zentrale
 Voraussetzung
f"ur erfolgreichen Unterricht. 
Ich will nicht verhehlen, da"s es auch 
Bedenken gibt, insbesondere was das erst im Master
begonnene zweite Hauptfach anbetrifft. 
Hier wird sich  ein
verwandtes Fach empfehlen,
wie etwa Physik mit Mathematik
im Modellprojekt der PH Freiburg mit der 
Universit"at Konstanz. Die Erfahrung
lehrt aber, da"s auch im derzeitigen System das 
Lehramtsstudium mit zwei  weit auseinanderliegenden
Hauptf"achern oft zu wenig "uberzeugenden
Ergebnissen f"uhrt.

Verbl"ufft hat mich, in besagtem Artikel
zu lesen: \glqq Die zust"andige 
Fakult"at f"ur Physik und Mathematik (der Universit"at
Freiburg) erteilte der PH-Anfrage eine glatte Abfuhr\grqq. 
In der Tat war ich damals mit einem Kollegen 
aus der Physik zur PH gefahren,
um "uber ein Pilotprojekt zur gemeinsamen 
Lehramtsausbildung zu sprechen, und bei diesem
Gespr"ach konnte ich mit meinem Vorschlag, ein
Projekt in  Richtung dieses FABLEHR-Modells zu entwickeln, 
nicht durchdringen. Umso mehr freut es mich,
da"s dieses Modell nun als Pilotprojekt umgesetzt wird. Ich w"unsche
ihm guten Erfolg, hoffe, da"s es vielleicht 
auch noch mit meiner Fakult"at realisiert werden
kann, und hoffe nat"urlich besonders, 
 da"s in seinem Rahmen viele fabelhafte Physik-Lehrerinnen
 und Physik-Lehrer ausgebildet werden m"ogen!

Prof. Dr. Wolfgang Soergel,
Gesch"aftsf"uhrender Direktor der Abteilung f"ur Didaktik der Mathematik,
 Universit"at Freiburg,
Eckerstra"se 1, 79104 Freiburg


\subsection{Gedanken zum Mathematik-Unterricht}

Wichtig f"ur alle Sch"uler, ob sie nun Bankkaufmann oder
Landschaftsg"artner werden wollen, scheinen mir
Dreisatz, Prozentrechnung, Volumen- und Fl"achenberechnungen, 
Satz von Pythagoras und Winkelsumme im Dreieck. 

\begin{enumerate}
\item 
  Ich denke, da"s GTR und CAS im Unterricht didaktisch helfen k"onnen,
aber sie sollten nicht in Pr"ufungen benutzt werden d"urfen.
\item
Anschlu"s Schule-Studium der MINT-F"acher.
\end{enumerate}




\begin{enumerate}
\item
Zun"achst m"ochte ich mich kurz vorstellen.
An der Universit"at Freiburg vertrete ich die
Reine Mathematik und insbesondere die Algebra.
Ich bin daneben
 gesch"aftsf"uhrender Direktor der Abteilung f"ur Didaktik der Mathematik, 
bin jedoch kein Didaktiker. 
Vielmehr werden die Veranstaltungen in Fachdidaktik
von einem zu uns abgeordneten Lehrer bestritten, unter
substantieller Mithilfe der Studienseminare. Meine fachliche Beteiligung
beschr"ankt sich auf den
regelm"a"sigen Besuch des fachdidaktischen Kolloquiums.
Im letzten Jahr hat unsere Abteilung die Federf"uhrung bei der 
Organisation des MNU-Kongresses in Freiburg "ubernommen.
Mein Kontakt mit der schulischen Realit"at beschr"ankt sich
im wesentlichen auf die Gymnasien, mit denen  ich in
meiner Rolle als ehemaliger Sch"uler, Vater,
Mann einer im franz"oschen System ausgebildeten
Mathematiklehrerin am deutsch-franz"osischen Gymnasium in Freiburg,
Lehrer in den ersten Semestern
der MINT-F"acher, sowie als Ausbilder und Pr"ufer im Staatsexamen
 viele Ber"uhrungspunkte habe. 
 

\item 
Eine wesentliche Kompetenz, die meines Erachtens
im Mathematik-Unter\-richt erworben werden
sollte, ist das pr"azise Formulieren und Argumentieren.
Ich w"unsche mir, da"s es die besten Noten nur gibt, wenn 
"uber den richtigen Zahlenwert einer L"osung hinaus auch der
L"osungsweg klar und "uberzeugend dargestellt wird, ja da"s das 
der wichtigere Teil der L"osung ist. 
Je nach Vertiefung mag das bis zum Formulieren eigener Beweise gehen.
\item
Die F"ahigkeit zur Bedienung eines graphikf"ahigen Taschenrechners (GTR)
oder eines Computer-Algebrasystems (CAS) geh"ort meines Erachtens nicht zu  
den Kompetenzen, die im Mathematik-Unterricht vermittelt werden m"ussen. 
In der Berufspraxis sind diese Hilfsmittel, im Gegensatz zum
Laptop, auch wenig relevant. Wenn diese
Hilfsmittel im Unterricht aus didaktischen Erw"agungen eingesetzt werden,
ist dagegen nichts einzuwenden. Ich pl"adiere jedoch daf"ur, ihren
Einsatz in Pr"ufungen "au"serst restriktiv zu regeln, um keine falschen Anreize
bei der Entwicklung der Kompetenzen zu setzen.
\item
Eine andere Kompetenz, die nicht zu viel aber auch nicht zu wenig 
Gewicht haben sollte, ist die Rechenfertigkeit: Sicher rechnen
ohne zu viele Fehler beim Addieren von Br"uchen, Umformen von Termen etc.
Das "Uben von derlei Fertigkeiten hat
in meinen Augen einen "ahnlichen Stellenwert wie das "Uben von
Tonleitern und Dreikl"angen beim Erlernen eines Instruments
oder das Krafttraining eines Kampfsportlers:
Nat"urlich ist es nicht das eigentliche Ziel, aber ohnedem
kommt man dennoch nicht weit.
\item
Was die eigentlichen Inhalte angeht, kann ich nur 
einige isolierte Denkanst"o"se geben. 
Wenn der Plan als Ganzes einmal steht, gucke ich ihn
mir gerne  an und sage, wenn mir etwas unausgewogen scheint.

\begin{enumerate}
\item Mein erster Denkansto"s betrifft die Mengenlehre.  Ich denke, da"s das
  Pendel nach ihrer enthusiastischen Einf"uhrung nun zu weit in die andere
  Richtung ausgeschlagen ist. Ich halte eine Diskussion von grundlegenden
  Konzepten der Mengenlehre, insbesondere in Verbindung mit Kombinatorik und
  Wahrscheinlichkeitstheorie, f"ur sinnvoll und gehaltvoll.  Es kann f"ur
  Sch"uler bereichernd sein, zu erkennen, da"s man nicht nur mit Zahlen
  rechnen kann.  Auch das Reden "uber L"osungsmengen scheint mir vern"unftig
  und strukturierend. Ich pl"adiere daf"ur, der Mengenlehre etwas Platz
  einzur"aumen. 
\item  Mich schockiert, da"s nicht mehr zum Kerncurriculum geh"oren:
  Binomische Formeln, Primzahlen, Primfaktorzerlegung, und der Beweis der
  Formel f"ur das L"osen quadratischer Gleichungen.
\item
Der Einflu"s der Bildungspl"ane auf die Unterrichtspraxis wird
  wesentlich "uber die Pr"ufungspraxis ausge"ubt. Dadurch
haben gewisse Themen wie  Fragen der analytischen Geometrie
und die Diskussion von Kurven mit Parametern einen aus
meiner Perspektive  ungeb"uhrlich hohen Stellenwert erhalten.
Insbesondere bei der Kurvendiskussion will mir scheinen, 
da"s  dieser Aufgabentypus nicht wegen der Bedeutung der
Fragestellung per se aufkam, sondern weil an ihm viele Fertigkeiten
wie das Ableiten, Integrieren, das Verst"andnis f"ur die Bedeutung
dieser Konzepte sowie die Fertigkeit im rechnerischen  Umgang  mit
ihnen gut ge"ubt und gepr"uft werden konnten. Wenn das 
technische Hilfsmittel "ubernehmen, 
verliert dieser Aufgabentypus meines Erachtens 
viel von seinem Sinn.
\end{enumerate}

\end{enumerate}
\newpage

\subsection{Forschungsevaluation}
Gedanken zur Quantifizierung der Forschungsstärke der Fakultät und ihrer Mitglieder.

\begin{enumerate}
\item
  Die Stärken und Schwächen der Fakultät und ihrer Mitglieder in der
  Forschung sind eine Realität, die sich durch einen
  oder wenige Parameter nur unzulänglich beschreiben läßt.
  Zudem wirken derartige Ansätze  
  

\begin{enumerate}
\item
  Aufgrund der Diversität der AGs alleine innerhalb der Physik, und mehr noch innerhalb der Fakultät (Mathematik-Physik) gibt es den einen gemeinsamen Parameter (oder auch mehrere Parameter) zur Quantifizierung der Forschungsstärke unserer Fakultät und unserer Mitglieder nicht.

\item Um potentiell geeignete Parameter identifizieren zu können, müssen wir verstehen, wozu genau das Rektorat die Parameter nutzen will (eine Verlaufskontrolle einer einzelnen AG benötigt andere Parameter als der Vergleich eines Fachbereichs im nationalen Umfeld)

%\item In den Jahren 2014/2015 wurde an der Universität Freiburg ein detailliertes Benchmarkingsystem(BMS) diskutiert. Wie unterscheidet sich der neue Vorstoß von dem alten (und was ist aus dem alten System geworden)? Dort wurde ja explizit nicht ein oder wenige Parameter zur Beurteilung inBetracht gezogen, sondern weit über 100. 

\item In der Physik wurde  auf Vorschlag des Instituts ein Scientific Advisory Board (SAB) eingeführt. Dieser mit angesehenen externen Wissenschaftlern besetzte Beirat evaluiert das Institut regelmäßig und verfasst einen Bericht, anhand dessen das Institut strategische Entscheidungen beschliesst. (Die für 2020 geplante Begehung musste Corona-bedingt leider verschoben werden und ist nun für 2022 geplant). Aus unserer Sicht stellt der seit etwa 10 Jahren existierende SAB die ideale Art und Weise dar, die Forschungsstärke des Instituts mit all seinen unterschiedlichen Facetten adequat zu evaluieren. Die Experten des SAB sind aufgrund Ihres Hintergrunds in der Lage, den Inhalt/die Ergebnisse derForschungsprojekte des Instituts zu bewerten und sind daher nicht auf stark vereinfachende und verzerrende Publikationsmetriken (Impact Factor, h-Index, etc) angewiesen. Dies entspricht dem Inhalt des San Francisco Declaration on Research Assesment (DORA) https://sfdora.org/read/read-the-declaration-deutsch/ Wir weisen darauf hin, dass die bei Einrichtung des SAB eigentlich geplanten Gespräche des Rektorats mit dem Institut über den Bericht des SAB leider nach keiner Begehung stattgefunden haben.

\item In der Mathematik wird auch die Evaluation durch externe Experten als
  die einzig sinnvolle Form einer 

  
\item Das (alleinige) Heranziehen von Publikationsmetriken, wie es in einigen Fachbereichen üblich ist, sehen wir aufgrund der oben genannten Diversität sehr kritisch. Das gleiche gilt für die absolute Drittmittelstärke zur Evaluierung einzelner Arbeitsgruppen. In dem Zusammenhang weisen wir auf einige Stellungnahmen der DFG zur Leistungsbewertung anhand von Parametern (oder eine Fokussierung auf einige wenige Parameter) hin. So heisst es zum Beispiel:"Leistungsbewertung erschöpft sich nicht im Zählen von Publikationen oder dem Vergleich von Indexfaktoren."(https://wissenschaftliche-integritaet.de/kommentare/anerkennung-individueller-leistungen/)und"Für die Bewertung der Leistung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist ein mehrdimensionaler Ansatz erforderlich: [...] Die Bewertung der Leistung folgt in erster Linie qualitativen Maßstäben, wobei quantitative Indikatoren nur differenziert und reflektiert in die Gesamtbewertung einfließen können. [...] Qualitativ hochwertige Wissenschaft orientiert sich an disziplinspezifischen Kriterien."(https://wissenschaftliche-integritaet.de/kodex/leistungsdimensionen-und-bewertungskriterien)
\end{enumerate}
\end{enumerate}

\newpage

\section{Gedanken zum Bericht des FORUM}
\subsection{Studieneingangsphase}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Studienmotivation und Erwartungen an das Studium}]
  Ich sehe auch eine durch die Entwicklung der schulischen Curricula
  zunehmende Diskrepanz zwischen der Mathematik an der Schule und der
  Mathematik an der Universit"at, die mit den Begriffen \glqq Rechnen\grqq\
  im Vergleich zu \glqq Beweisen\grqq\ treffend beschrieben wird.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Arbeitsbelastung und Abbruchquote}]
  Meines Erachtens sind f"ur das Mathematik-Studium sowohl eine gewisse
  Begabung als auch ein gewisses Engagement  unerl"asslich.
  Auf der Schule kann es noch gelingen,
  Begabung durch Flei"s zu ersetzen oder umgekehrt,
  aber beim Studium ist Beides unerl"a"slich. Wenn eine dieser Zutaten fehlt,
  wird  das in vielen F"allen subjektiv als "ubergro"se Arbeitsbelastung
  empfunden werden.
  Es ist in diesen F"allen durchaus sinnvoll, wenn die Studenten
  daraus die Konsequenz zu ziehen, ihr Leben anderen Dingen
  zu widmen.
\end{Bemerkungl}
\subsection{Tutorate}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bedeutung und Qualit"atsunterschiede}]
  Ich stimme zu: Die Tutorate sind sehr wichtig und
  von sehr unterschiedlicher Qualit"at.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Erwartungen}]
Ich zitiere aus dem FORUM-Bericht: \begin{quote}{\it  \glqq Allgemein l"asst sich festhalten, dass sich die Studierenden
  eine gleichbleibende
  und verl"assliche Qualit"at der Tutorate w"unschen\grqq.}
\end{quote}
  Hierzu ist festzuhalten, da"s sich die Lehrenden das auch w"unschen.
  Ich gebe jedoch zu bedenken, da"s wir uns auch an der Schule eine
  gleichbleibende und verl"assliche Qualit"at des Unterrichts w"unschen,
  und da"s das trotz umfangreicher Ausbildung und Auswahlprozessen
  der Lehrer nicht gelingt: Es gibt immer noch  Lehrer, bei denen  Klassen
  viel lernen, und andere, bei denen sie weniger lernen.
 Wir suchen allerdings durchaus die Tutoren auf der
  Basis ihrer Kompetenzen aus, n"amlich der Noten in den Pr"ufungen und
  der Semesterzahl, und halten die fachliche Kompetenz der Tutoren
  f"ur ganz entscheidend.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Organisation des "Ubungsbetriebs}]
  Das selbst"andige Bearbeiten der "Ubungszettel
  und eine fachlich kompetente R"uckmeldung dazu
  scheinen mir ein ganz wesentlicher Faktor f"ur den Studienerfolg.
   Im folgenden will ich kurz auf die Problematik verschiedener
   g"angiger Verfahren eingehen, die die Studenten dazu bringen sollen,
   einen angemessenen Teil ihrer Zeit den "Ubungszetteln zu widmen.
  \begin{enumerate}
  \item {\bf (Punkteschranke f"ur Studienleistung)}
    Vielfach wird f"ur die Vergabe der Studienleistung
    und Klausurzulassung ein gewisses Quorum an bei
    den "Ubungszetteln zu erreichenden Punkten gekn"upft.
    Das f"uhrt schell zu ausgiebigem Abschreiben, dem man hinwiederum
    versucht dadurch entgegenzuwirken, da"s
   man \glqq zweimaliges Vorrechnen\grqq fordert:
   Studenten werden zweimal unangek"undigt aufgefordert,
   ihre L"osungen in der "Ubungsstunde vorzuf"uhren, und wenn sie
   dann nur abgeschrieben haben, wird es peinlich.
   Das hinwiederum belastet die "Ubungsgruppe:
   Erstens werden so oft ungeschickte L"osungen
   vorgef"uhrt oder gute L"osungen unverst"andlich vorgef"uhrt 
   oder Beides.
   Zweitens wird der Tutor
   vom Helfer zum Kontrolleur. Und dann kontrollieren und korrigieren
   verschiedene Tutoren auch verschieden streng, so da"s das
   ganze Verfahren nie v"ollig fair ist.
 \item {\bf ("Ubungszettel eng an Klausuraufgaben)}
   Man k"undigt an, da"s sich in der  Klausur ein gewisser Teil der
   Aufgaben eng an den "Ubungszetteln orientieren wird.
   Das f"uhrt tendenziell dazu, da"s die Studenten in den "Ubungsgruppen
   die "Ubungsaufgaben besprechen wollen und nichts Anderes,
   und zwar soll der Tutor eine m"oglichst perfekte L"osung m"oglichst
   perfekt anschreiben, die man dann sorgf"altig abschreibt und abheftet.
   Weil aber die Tutoren auch nicht immer die perfekte L"osung haben,
   und manchmal auch eine falsche L"osung, sind die Studenten dann
   auch in der Klausur verschieden erfolgreich. Bei diesem
   System werden auch stets Musterl"osungen gefordert. All das geht aber
   auf Kosten der eigenen Besch"aftigung mit den Aufgaben:
   Man wartet halt auf die Musterl"osung und versucht, sie sich
   einzupr"agen, was keineswegs ein Verstehen bedeuten mu"s.
 \item {\bf ("Ubungszettel als Angebot)}
   Man behandelt die "Ubungsaufgaben als Angebot:
   Wer will, kann L"osungen zur Korrektur einreichen und kriegt
   sie korrigiert zur"uck. Mit diesem Verfahren sind jedoch insbesondere
   Studenten der niederen Semster oft "uberfordert. Insbesondere wenn
   andere Veranstaltungen sch"arfere Anforderungen haben, werden sie
   Vorlesungen und sogar ganzen F"achern
   mit derartigen Regelungen weniger ihrer Zeit widmen
   und das Erlernen des Stoffes verschieben, bis die Klausur ansteht.
 \item {\bf (Zentrales Vorrechnen der "Ubungen)}
   Halte ich f"ur wenig sinnvoll. Die Vorlesung ist
   ein angemessener Anteil Frontalunterricht. Musterl"osungen
   k"onnen aber helfen.
 \item {\bf (Zentrale Fragenstunde)}
   Eine zentrale Fragestunde durch einen h"oher qualifizierten
   Mathematiker wird oft zu den Grundvorlesungen angeboten und hat
   sich bew"ahrt, insbesondere auch zur Klausurvorbereitung.
  \end{enumerate}
  Ich kenne kein wirklich gutes System. Vielleicht
  k"onnte man versuchen, in den ersten Semstern
  das System der \glqq "Ubungszettel als Angebot\grqq\ zusammen
  mit monatlichen Kurzklausuren im Rahmen der
  Vorlesung zu kombinieren.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verbesserungspotenzial}]
  Unserer Ansicht nach sind die gr"o"sten
  Defizite unserer "Ubungsleiter fachlicher Natur.
  Wir geben uns M"uhe, unter den Bewerbern die am
  besten Qualifizierten auszusuchen. Wir f"urchten, da"s
  zus"atzliche Anforderungen an unsere Tutoren
  abschreckend wirken und es uns zus"atzlich erschweren,
  genug fachlich qualifizierte Tutoren zu finden.
\end{Bemerkungl}

\subsection{Didaktik}
\begin{Bemerkungl}
 Ich zitiere aus dem FORUM-Bericht: \begin{quote}{\it  \glqq Es gibt keine funktionierende Didaktik bei uns in der Mathematik\grqq.}
\end{quote}
 Es scheint mir dem Ziel einer zusammenfassenden
 Darstellung nicht dienlich,
diese Aussage, die ein Student 
 gemacht haben mag, dem Abschnitt als
  Motto voranzustellen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
 Ich zitiere aus dem FORUM-Bericht: \begin{quote}{\it  \glqq Im
Gruppengespr"ach diskutieren die Studierenden die wichtige Rolle, die aus ihrer
Sicht der Art der Vermittlung von Inhalten f"ur den Studienerfolg zukommt\grqq.}
\end{quote} 
Fraglos ist die verst"andliche und motivierende Darstellung
mathematischer Inhalte eine Herausforderung, die den
Lehrenden st"andig begegnet. Hier sind wir st"andig auf der
Suche nach geschickterer Darstellung, besseren Lehrb"uchern,
sinnvolleren "Ubungen und dergleichen.
Das Standardformat einer vierst"undigen Vorlesung mit 9 ECTS alias
etwa 13 Zeitstunden w"ochentlicher Arbeitszeit, davon
4$\times$45min = 3 Std Frontalunterricht alias Vorlesung,
2$\times$45min = 1,5 Std "Ubung alias Arbeit in angeleiteten Kleingruppen und
8,5 Std Arbeitszeit zum Bearbeiten der "Ubungszettel
und zum Vor- und Nacharbeiten der Vorlesung, meist in freier Zusammenarbeit
mit Komilitonen, hat sich bew"ahrt. Das entspricht auch der Erfahrung der
Studenten, dass -- 
ich zitiere aus dem FORUM-Bericht -- \begin{quote}{\it  \glqq das Aneignen und Verstehen neuer Inhalte
gr"o"stenteils im Selbststudium oder in
studentischen Arbeitsgruppen stattfindet
und kaum im Rahmen von Lehrveranstaltungen\grqq.}
\end{quote} 
Wenn man etwas Besseres finden kann,
umso besser! Das mu"s aber halt erst mal gefunden werden. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Stoffvermittlung aus Sicht der Lehrenden}]
  Es scheint mir wichtig, zwischen gro"sen und kleinen Vorlesungen zu
  unterscheiden. Kleinere Veranstaltungen werden durchaus in der
  Form eines \glqq flipped classrooms\grqq\ durchgef"uhrt.
  Mir scheint, da"s die Bedeutung des Begriffs \glqq Didaktik\grqq\
  vielleicht mi"sverst"andlich ist. Den Lehrenden scheint eine
  m"oglichst klare und verst"andliche Darstellung des Stoffes
  wichtig, sowohl bei ihren eigenen Vorlesungen und
  sonstigen Veranstaltungen, als auch bei den
  Seminarvortr"agen. 
  Alternativen Formaten wie \glqq flipped classroom\grqq\
  oder E-learnning stehen sie mit einer gewissen Zur"uckhaltung gegen"uber:
  Nicht, da"s man es nicht mal probieren wollte, aber
  es gilt  mit  Vorsicht auszuprobieren, ob man den Lernerfolg dadurch
  verbessert oder verschlechtert.
\end{Bemerkungl}

\subsection{Lehramt}
\begin{Bemerkungl}
  Ich zitiere aus dem FORUM-Bericht: \begin{quote}{\it  \glqq  Sie kommen mit einem ganz anderen Wunsch hierher als er hier erf"ullt
wird: Sie wollen lernen, was sie f"ur die Schule brauchen, um den Sch"ulern
Mathematik zu erkl"aren.\grqq.}
\end{quote} 
  Wir halten es jedoch f"ur au"serordentlich wichtig, da"s die
  zuk"unftigen Mathematiklehrer am Gymnasium sich auch mit der
  Mathematik besch"aftigen, die die Mathematiker und Physiker und Ingenieure
  verwenden. Erstens wird das der Tendenz entgegenwirken,
  da"s die Diskrepanz zwischen
  Gymnasium  und Universit"at w"achst und w"achst.
Zweitens kocht
ein System, bei dem die zuk"unftigen Gymnasiallehrer nach dem Gymnasium
nur eine spezielle Ausbildung f"ur Gymnasiallehrer erhalten, sozusagen
\glqq im eigenen Saft\grqq\ : Man lernt als Lehramtsanw"arter, 
 was man auf der Schule -- wie man aus der eigenen Erfahrung als 
Sch"uler schon wei"s -- wird unterrichten m"ussen, und  unterrichtet 
das dann eben wieder, und so bei"st sich die Katze in den Schwanz und
es entsteht  nur allzu 
leicht  eine selbstgen"ugsame Gemeinschaft, 
die sich selbstverliebt im Kreise dreht so wie die Rhetorik im alten Rom.
Wir brauchen aber Lehrer, die unsere Kinder auch auf
andere Studien und andere Leben vorbereiten, nicht alle k"onnen und sollen ja
Lehrer werden. Dazu ist es jedoch wichtig, da"s sie dieses Andere auch kennen
und sch"atzen,
wof"ur sie vorbereiten sollen.
Drittens scheint es mir unfair und auch nicht im Interesse der Schule, 
von unseren Kindern, wenn sie  denn
Interesse daran haben, den
Lehrerberuf zu ergreifen,
eine so enge Festlegung auf einen
Beruf so kurz nach dem Ende der Schulzeit zu fordern.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anteil der Lehramtsstudierenden}]
  Die Ausbildung f"ur das Lehramt ist eine wichtige Aufagbe
  des Mathematischen Instituts, das sogar eine eigene Abteilung f"ur
  Didaktik der Mathematik besitzt, die vollumf"anglich der
  Ausbildung der Lehramtsstudenten gewidmet ist und f"ur diese
  in einem zweiw"ochentlichen Rhytmus ein eigenes fachdidaktisches
  Kolloquium anbietet, das auch gut besucht ist.
  Den spezifischen Bed"urfnissen der Lehramtsstudenten
  wird dar"uber hinaus durch eine
  enge Zusammenarbeit mit den Studienseminaren und neuerdings mit der
  P"adagogischen Hochschule
  bei der Ausbildung zum Master of Education Rechnung getragen.
\end{Bemerkungl}

\section{Wahrheit und Verifikation}

\begin{center} Wahrheit und Verifikation
\end{center}
\begin{center}
  Pr"ufen  mathematischer Argumentationsketten mit  Rechenmaschinen.
\end{center}
Bei der Wahl einer griffigen "Uberschrift f"ur diesen Einblick in
neuere Entwicklungen im Zugang zur Mathematik habe ich meiner Lust zur
Alliteration freien Lauf gelassen. Wahrheit ist aber selbst in der
Mathematik ein schillernder Begriff.
In der Formalisierung der Mathematik, wie sie zu Beginn des vergangenen
Jahrhunderts entwickelt wurde, spricht man lieber von \glqq Beweis\grqq\ und
\glqq Beweisbarkeit\grqq\ im Rahmen eines vorgegebenen \glqq Axiomensystems\grqq\ 
und setzt die Theorie so auf, da"s die Korrektheit eines Beweises
im Prinzip von 
einer Rechenmaschine "uberpr"uft werden kann. Daf"ur werden mathematische
Behauptungen kodiert als Zeichenketten  aus endlich vielen durch das
Axiomensystem  erlaubten Zeichen wie zum Beispiel die Kette
$$((a|p) \RA (a=p\lor a=1))\RA ((p|bc)\RA (p|b\lor p|c))$$
Sie ist zusammengesetzt aus den Zeichen $ a,b,c,p,|, \RA ,(,),\lor ,1,=$.
Als entsprechend vorgebildeter Mensch wei"s man, da"s das
 Symbol $\lor$ in diesem Kontext vermutlich 
 \glqq oder\grqq\ bedeutet und das Symbol $|$ f"ur \glqq teilt\grqq\ steht. Man 
 mag mit diesen und weiteren Hintergrundinformationen 
 unsere Zeichenkette interpretieren als die Behauptung, da"s
 wenn eine Primzahl 
 ein Produkt teilt, da"s sie dann auch einen der Faktoren teilt.
 Unsere Rechenmaschine aber interpretiert nicht, sie rechnet.
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Ein Axiomensystem gibt uns au"ser den erlaubten Zeichen auch eine
 Liste von Zeichenketten, die unsere Rechenmaschine a priori als bewiesen ansehen darf, die \glqq Axiome\grqq.  Ein Axiomensystem gibt uns
 schlie"slich sogenannte
 \glqq Schlu"sregeln\grqq, die Situationen spezifizieren,
 in denen das Pr"adikat \glqq bewiesen\grqq\ von einer oder mehreren Zeichenketten
 auf eine Dritte "ubertragen werden darf. Sind zum Beispiel $A,B$ bewiesene
 Zeichenketten und geh"ort auch $\land$ zu den erlaubten Symbolen,
 so kann unser Axiomensystem vorsehen, da"s
 dies Pr"adikat von den Zeichenketten $A$ und $B$ auf die Zeichenkette
 $(A)\land(B)$
 "ubertragen werden darf. Als Mensch mag man sich dabei denken, da"s wenn
 $A$ und $B$ wahre Behauptungen sind, da"s dann auch \glqq $A$ und $B$\grqq\  eine
 wahre Behauptung sein mu"s. Unsere Rechenmaschine aber
 denkt nicht, sie rechnet.
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 Wenn wir eine Rechenmaschine entsprechend programmieren, so kann sie
 unsere Beweise "uberpr"ufen, indem sie "uberpr"uft,  ob wir
 dabei von den Axiomen ausgehend die Schlu"sregeln korrekt angewandt haben.  
 Sogar jede beweisbare Zeichenkette
 wird sie  irgendwann finden, aber bei den meisten Axiomensystemen
 ist nicht vorherzusehen, wie lange das dauern wird und wieviel Speicher
 sie daf"ur ben"otigt.
 Und bereits 1931 ver"offentlichte Kurt G"odel seinen ber"uhmten Unvollst"andigkeitssatz, nach dem es in jedem Axiomensystem,
 das die Arithmetik der nat"urlichen Zahlen beschreiben kann,   
 entweder einen Widerspruch oder eine unentscheidbare Behauptung geben
 mu"s. Wir wissen also schon seid bald hundert Jahren, da"s es
 mit der Wahrheit auch in der Mathematik nicht so einfach ist.
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Die neuere Entwicklung, "uber die ich hier berichten will, besteht darin,
 da"s man nichttriviale Beweise nicht nur theoretisch "uberpr"ufen kann,
 sondern auch in der Praxis
 mit Rechenmaschinen "uberpr"uft.
Die Motivation daf"ur liegt in der "uberbordenden
Komplexit"at der modernen Mathematik. Im Prinzip ist nat"urlich, Hand aufs Herz,  
jede ver"offentlichte Arbeit von einem Referenten auf
ihre Korrektheit gepr"uft worden oder zumindest darauf gepr"uft worden,
da"s sie korrekt ist unter der Annahme, da"s alle darin aus anderen
bereits ver"offentlichten Arbeiten herbeizitierten Resultate
ihrerseits korrekt sind. In der Praxis aber sind bei diesem Vorgehen  
Fehler unvermeidbar und umso wahrscheinlicher, je l"anger die
Argumentationsketten werden.
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Die Klassifikation der einfachen endlichen Gruppen etwa, ein gro"sartiges
Resultat der Algebra, hat einen Beweis von gut 10000 Seiten,
verteilt "uber Forschungsartikel in gut 100 Zeitschriften.
Bereits 1981 hie"s es, der Beweis sei nun vollst"andig.
Bei einer gro"s angelegten Revision traten dann aber ernste Probleme zu Tage,
die erst 2004 in einer weiteren Arbeit von "uber 1000 Seiten behoben werden konnten. Die Revision des Beweises ist immer
noch nicht abgeschlossen, der Initiator dieses
Projekts ist nicht mehr am Leben und die beiden anderen treibenden
Kr"afte gehen beide auf die Achzig zu, und es gibt weitere "ahnlich gelagerte F"alle. 
In so einer Situation w"are es nat"urlich schon
w"unschenswert,   die Argumentation
mit Hilfe einer Rechenmaschine zu verifizieren.
Zumindest f"ur einen ersten Teil des Beweises  ist das 2012
mit dem Beweisassistenten Coq unter der Federführung von
Georges Gonthier durchgef"uhrt
worden\footnote{Gonthier, G. et al. (2013). A Machine-Checked Proof of the Odd Order Theorem.}.
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Ein anderer bekannter Fall ist der Beweis von Thomas Hales
einer Vermutung von Johannes Kepler, nach der es keine dichtere Kugelpackung
im dreidimensionalen Raum gibt als eben die offensichtliche Kugelpackung,
nach der im Supermarkt die Orangen gestapelt werden. Die Arbeit wurde
1998 eingereicht und ein Team von zw"olf renommierten Gutachtern besch"aftigte sich
mehrere Jahre intensiv mit dem Manuskript, um schlie"slich zu dem Schlu"s
zu kommen, sie seien zu 99\% sicher, da"s der Beweis richtig sei.
Die Arbeit wurde schlie"slich
2004 in der renommiertesten Zeitschrift ver"offentlicht,
die die Mathematik zu bieten hat, und der Autor machte sich daran, seinen
Beweis zu formalisieren. Das gelang 2014 mit der Hilfe von vielen Koautoren
und zwei anderen rechnergest"utzten 
Be\-weis\-assis\-ten\-ten mit den Namen Isabelle und HOL Light\footnote{Hales, T.  et al: A formal proof of the Kepler conjecture. Forum of Math., Pi (2017), Vol. 5}.

Ein weiteres Programm zur Verifikation von Beweisen namens
Lean hat j"ungst f"ur Furore gesorgt, weil es  meinem Freiburger
Kollegen Johan Commelin und seinen Koautoren gelungen ist, damit 2022 in k"urzester Zeit eine
frisch entwickelte Theorie von Peter Scholze zu "uberpr"ufen\footnote{https://leanprover-community.github.io/blog/posts/lte-final/}. Scholze,
der 2018 mit der Fields-Medaille ausgezeichnet wurde,
hatte selbst um eine "Uberpr"ufung gebeten,
weil ihm sein eigener Beweis zu komplex wurde.
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Aber wie k"onnen wir uns nun sicher sein, da"s diese
Verifikationen tun, was sie sollen? Das Prinzip  ist,
da"s man nur ein sehr kleines Programm ben"otigt, um zu pr"ufen,
da"s in einem formalen Beweis die Schlu"sregeln korrekt angewandt
wurden. Nur diesem kleinen Programm mu"s man vertrauen und kann damit
nach und nach und in Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten
rund um den Globus immer umfassendere Bibliotheken
von verifiziert beweisbaren Behauptungen erstellen.  
 \\[2mm]\noindent
Ich erwarte, da"s der Verifikation von Beweisen durch Rechenmaschinen
eine wachsende Rolle
bei der weiteren Entwicklung der Mathematik zukommen wird.
Der Traum eines  Mathematikers bleibt weiterhin,
sich und andere durch Einfachheit und Transparenz zu "uberzeugen.
Aber bei der Suche nach den sch"onen Wahrheiten werden wir
die Hilfe der Rechenmaschinen brauchen, um uns nicht in der Komplexit"at
der Argumentationsketten zu verlieren. Ich bin zuversichtlich,
da"s ein besseres Verst"andnis und tiefere Einsicht folgen werden, sobald wir erst einmal wissen, was wahr -- pardon, beweisbar ist.  
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Hier noch einige Ideen f"ur Bilder oder Graphiken. 
\begin{enumerate}
\item Foto von Kurt G"odel, von der entsprechenden
deutschen Wikipedia-Seite herunterkopiert.
\item
  Eine Kugelpackung, das Bild von
  Wikipedia \glqq Sphere Packing\grqq.
\item  Der Abh"angigkeitsgraph des Beweises des \glqq Liquid Tensor Experiment\grqq\ 
\url{https://leanprover-community.github.io/liquid/dep_graph_section_1.html}
\end{enumerate}




%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXPHI"
%%% End: 
