\section{Gleichungssysteme und Vektorr"aume}
In diesem Abschnitt will ich 
aufzeigen, 
inwiefern  uns die r"aumliche Anschauung
 beim Verst"andnis der Theorie
  linearer Gleichungssysteme
helfen kann und in welcher 
Weise die Theorie abstrakter Vektorr"aume
eine Br"ucke zwischen diesen beiden Begriffswelten schafft.
\label{GLSY}

\subsection{L"osen linearer Gleichungssysteme}
\begin{Bemerkungl}
Ich erinnere aus  \eref{KAx}{GR} die Definition
eines K"orpers, die dort in gr"o"serer Ausf"uhrlichkeit besprochen wird.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{KAxs}
Ein {\bf K"orper}\index{K"orper} $(K,+, \cdot)$ ist eine 
Menge $K$ mit zwei
kommutativen assoziativen
Verkn"upfungen,
 genannt die {\bf Addition}  $+$ und die {\bf Multiplikation} $\cdot$
 des K"orpers, die meist schlicht durch Zusammenschreiben
 $a\cdot b=ab$ notiert wird, derart da"s
 mit der Konvention \glqq Punkt vor Strich\grqq\ die folgenden drei Bedingungen erf"ullt sind:
\begin{enumerate}
\item
$(K,+)$ ist eine Gruppe, die {\bf additive Gruppe} des K"orpers;
\item
Die vom neutralen Element der  Addition 
$0_K\in K$\index{)0@$0$ neutrales Element f"ur $+$!$0_K$ Null des K"orpers $K$} verschiedenen Elemente von
$K$ bilden eine unter der Multiplikation abgeschlossene Teilmenge und diese  
Teilmenge $K \backslash\{0_K\}$ ist unter der Multiplikation  ihrerseits eine Gruppe,
die {\bf multiplikative Gruppe} des K"orpers;
\item
Es gilt das {\bf Distributivgesetz}\index{Distributivgesetz!bei K"orper}
$$a (b+c)=a b + a c \quad \forall
a,b,c \in K$$
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
  Fordert man hier nicht die Kommutativit"at der Multiplikation
und fordert zus"atzlich das \glqq Distributivgesetz f"ur
die Multiplikation von rechts\grqq\
$ (b+c) a=b a + c a \quad \forall
a,b,c \in K$, das im Fall einer kommutativen Multiplikation
ja schon aus den anderen Axiomen folgte, so hei"st unsere Struktur ein {\bf Schiefk"orper}.\index{Schiefk"orper}\label{Schief}  
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}
Sei $K$ ein K"orper.
Ich rate,  zun"achst einmal an den K"orper $K=\DQ$ der 
rationalen Zahlen oder  den K"orper $K=\DR$ der reellen Zahlen zu denken.
Ich werde im folgenden, weil ich selber meist an diese beiden F"alle
denke, Elemente eines allgemeinen K"orpers $K$
oft als \glqq Zahlen\grqq\ bezeichnen. Gegeben seien $n$ Gleichungen in $m$ Unbekannten 
alias {\bf Variablen} $x_1,\ldots, x_m$ von der Gestalt\label{LGSY} 
 \begin{Bild} 
 \includegraphics[height=0.25\textheight]{SkriptenBilder/BildLG}\\[4mm]
\noindent Ein lineares Gleichungssystem mit drei Gleichungen und drei
Unbekannten. \end{Bild} 
\begin{displaymath}
\begin{array}{cccc}
a_{11} x_1 + a_{12} x_2 + &\ldots & + a_{1m}x_{m} &=b_1\\
a_{21} x_1 + a_{22}x_2 + &\ldots & +a_{2m}x_{m} &=b_2\\
\vdots & & \vdots &\\
a_{n1} x_1 + a_{n2} x_2 + &\ldots & +a_{nm} x_m& =b_n
\end{array}
\end{displaymath}
Hierbei denken wir uns $a_{ij}, b_i \in K$  fest vorgegeben und $x_j\in K$ 
gesucht.
Der in mathematischer Formelsprache ge"ubte Leser wird das bereits erkannt
haben,
denn es ist allgemeine Konvention, Buchstaben vom 
Anfang des Alphabets  f"ur \glqq bekannte Unbestimmte\grqq\  zu verwenden und 
 Buchstaben vom 
 Ende des Alphabets  f"ur \glqq gesuchte Unbestimmte\grqq.
 Eine Gesamtheit von mehreren von denselben Variablen
 zu erf"ullenden Gleichungen
 bezeichnet man als {\bf Gleichungssystem}.\index{Gleichungssystem} 
Ein Gleichungssystem des obigen Typs 
nennt man  ein 
{\bf lineares Gleichungssystem}.\index{Gleichungssystem!lineares}  
Linear
hei"st es, weil darin keine komplizierteren Ausdr"ucke in den 
Variablen  wie Quadrate $x^2_1$ oder Produkte   $x_1 x_2 x_3$
vorkommen. Die $a_{ij}$ hei"sen in diesem und "ahnlichen Zusammenh"angen
{\bf Koeffizienten}\index{Koeffizient} 
von lateinisch \glqq coefficere\grqq\  f"ur deutsch \glqq mitwirken\grqq.
Gesucht ist eine Beschreibung  
aller $m$-Tupel $(x_1, \ldots, x_m)$ von Elementen von $K$ 
derart, da"s alle $n$ obigen Gleichungen
gleichzeitig erf"ullt sind.
In der Begrifflichkeit und Notation, wie wir sie gleich in \ref{tupel}
einf"uhren, bildet die Gesamtheit aller 
$m$-Tupel $(x_1, \ldots, x_m)$ von Elementen von $K$
eine neue Menge $K^m$. In dieser Terminologie suchen 
wir also eine m"oglichst explizite 
Beschreibung der 
Teilmenge $L\subset K^m$  derjenigen $m$-Tupel, die alle unsere
$n$ Gleichungen erf"ullen. Sie hei"st die 
 {\bf L"osungsmenge}\index{L"osungsmenge} $L$ unseres Gleichungssystems.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Sind alle $b_i$ auf der rechten Seite unserer Gleichungen Null, so
  hei"st unser lineares Gleichungssystem {\bf
    homogen}.\index{homogen, homogenisieren!lineares Gleichungssystem} 
Das lineare
  Gleichungssystem, das aus einem inhomogenen System in der oben angegebenen Notation entsteht, indem
  man alle $b_i$ zu Null setzt, hei"st das zugeh"orige {\bf
    homogenisierte}
  Gleichungssystem.\label{HGLy}
\end{Bemerkungl}

\begin{Bild} 
 \includegraphics[height=0.15\textheight]{SkriptenBilder/BildLGH}\\[4mm]
\noindent Ein homogenes lineares Gleichungssystem,
mit zwei Gleichungen und drei
Unbekannten, bei dem ich die Unbekannten statt mit $x_1,x_2, x_3$ 
zur Abwechslung einmal
$x,y,z$ notiert habe. Es ist beim Rechnen meist sinnvoll,
eine Notation mit m"oglichst wenig Indizes zu verwenden. \end{Bild}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[height=0.1\textheight]{SkriptenBilder/BildLHGT}\\[4mm]
\noindent Ein inhomogenes lineares Gleichungssystem
mit einer Gleichung und einer
Unbekannten und leerer L"osungsmenge. \end{Bild}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Schwierigkeiten der Notation}]
In obigem Gleichungssystem ist $a_{12}$ nicht als $a$-Zw"olf zu verstehen,
sondern als  $a$-Eins-Zwei. Sicher w"are es pr"aziser gewesen, 
die beiden Bestandteile unserer Doppelindizes durch
ein Komma zu trennen und $a_{1,2}$ und dergleichen zu schreiben.
Das h"atte unser Gleichungssystem aber  weniger "ubersichtlich 
gemacht.
Man mu"s beim Schreiben und Verstehen von Mathematik oft
einen Ausgleich
zwischen einer 
pr"azisen aber un"ubersichtlichen
und  einer "ubersichtlichen aber unpr"azisen  Darstellung suchen.
An dieser Stelle schien mir  das Weglassen der Kommata der
bessere Weg. Einem Menschen etwas verst"andlich zu machen ist eben eine
andere Aufgabe als einen Computer zu programmieren. Beim Programmieren
eines Computers kommt es an erster Stelle auf die Eindeutigkeit der Anweisungen 
an und alles andere ist nebens"achlich. Beim Schreiben und Erkl"aren
f"ur Menschen kommt es dahingegen eher auf die "Ubersichtlichkeit an und
bei Mehrdeutigkeiten kann man erwarten, 
da"s sie vom Leser aus dem Kontext heraus aufgel"ost werden 
und oft noch nicht einmal auffallen.
Insbesondere in der Physik ist es "ublich, einen der Indizes
hochzustellen, also $a^2_1$ statt $a_{12}$  zu schreiben, aber das kann 
auch wieder leicht
als das Quadrat $(a_1)^2$ einer Zahl $a_1$ mi"sverstanden werden.
Ich w"urde am liebsten ${^1}a_2$ schreiben und eine Zeile unseres
Gleichungssystems entsprechend als ${^1}a_{1} {^1}x + {^1}a_{2} {^2}x + \ldots  + {^1}a_{m} {^m}x ={^1}b$,
aber das schien mir zu viel Umgew"ohnung auf einmal. Man beachte auch, da"s
hier die
Konventionen anders sind als bei Koordinaten.
Bei Gleichungssystemen  w"achst "ublicherweise
der erste Index nach unten  der zweite Index nach rechts,
bei Koordinaten dahingegen der erste Index nach rechts
und der zweite Index nach oben.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Um die L"osungsmenge eines linearen Gleichungssystems
zu bestimmen, kann man  den \defind{Gau"s-Algorithmus} 
verwenden.  Er basiert auf der elementaren
Erkenntnis, da"s sich die L"osungsmenge nicht "andert, wenn 
wir in einer der
beiden folgenden Weisen zu einem neuen Gleichungssystem "ubergehen:
\begin{figure}[p]\centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildZstF}\\[4mm]
\noindent 
\nichtfinal{Bild mehr Hilfslinien!} Ein System in Zeilenstufenform ist ein System der obigen Gestalt, bei dem 
im Teil mit den Koeffizienten $a_{ij}$
wie
angedeutet unterhalb solch einer \glqq Treppe mit der Stufenh"ohe Eins aber mit
variabler Breite der Stufen\grqq\  nur Nullen stehen, vorn an den
Stufenabs"atzen aber von Null verschiedene Eintr"age. Hier ist $r$ die Zahl der Stufen. 
An die durch den senkrechten Strich abgetrennte 
letzte Spalte mit den gew"unschten Ergebnissen  $b_i$ werden 
hierbei keinerlei Bedingungen gestellt.
Das Symbol unten links ist eine Null. Die Symbole $*$ 
oben rechts deuten an,
da"s unerheblich ist, was dort steht.
\end{figure}
\begin{enumerate}
\item Wir ersetzen eine unserer Gleichungen durch ihre Summe mit einem
  Vielfachen einer anderen unserer Gleichungen;
\item Wir vertauschen zwei unserer Gleichungen.
\end{enumerate}
\nichtfinal{Video Gauss}
Der noch zu besprechende Gau"s-Algorithmus beschreibt, wie wir 
 mithilfe dieser beiden Operationen, also ohne die L"osungsmenge
zu "andern, zu einem Gleichungssystem "ubergehen k"onnen, 
das \defind{Zeilenstufenform} hat.
Nebenstehendes Bild mag aufschl"usseln, 
was das anschaulich bedeuten soll.
Formal sagen wir, ein Gleichungssystem  \glqq habe Zeilenstufenform\grqq, 
wenn man ein $r \geq 0$ und Indizes $1 \leq s (1) < s(2) <
\ldots < s (r) \leq m$ so angeben kann, da"s in unserem 
Gleichungssystem gilt $a_{i,s(i)} \neq 0$ f"ur $1 \leq i \leq r$ und da"s
$a_{\nu\mu}\neq 0$ nur gelten kann, wenn es ein $i$ gibt mit $\nu
\leq i$ und $\mu \geq s (i)$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Es ist "ublich und erspart Schreibarbeit,
die Symbole f"ur die Variablen sowie die Pluszeichen 
und Gleichheitszeichen 
bei Rechnungen im Zusammenhang mit linearen Gleichungssystemen
wegzulassen  und stattdessen ein Gleichungssystem der oben beschriebenen Art
abzuk"urzen durch seine {\bf erweiterte
  Koeffizientenmatrix}\index{Koeffizientenmatrix!erweiterte}
\begin{displaymath}
\left(
\begin{array}{cccc|c}
a_{11} & a_{12} &\ldots & a_{1m} & b_1\\
a_{21} & a_{22} & & a_{2m} &b_2\\
\vdots & & & \vdots &\vdots\\
a_{n1} & a_{n2} &\ldots & a_{nm} & b_n
\end{array}
\right)
\end{displaymath}
Die Spezifikation \glqq erweitert\grqq\  weist auf die letzte Spalte der $b_i$ hin. Unter einer {\bf Matrix}\index{Matrix} versteht man ein Rechteck aus
Zahlen der hier gegebenen Art und sp"ater auch allgemeinere "ahnliche Objekte. 
Die Matrix der $a_{ij}$ f"ur sich genommen hei"st die
\defind{Koeffizientenmatrix} unseres Gleichungssystems. 
\end{Bemerkungl} 

 \begin{Bemerkungl}[\textbf{Gau"s-Algorithmus}]
Der Gau"s-Algorithmus zum Bestimmen der Menge der L"osungen eines
linearen Gleichungssystems funktioniert so:\label{GauA} 
Sind alle Koeffizienten in der ersten Spalte Null, 
so ignorieren  wir die 
erste Spalte
 und machen mit der auf diese Weise entstehenden Matrix weiter.
Ist ein
  Koeffizient in der ersten Spalte von Null verschieden, so bringen wir ihn
  durch eine 
Zeilenvertauschung an die oberste Stelle. Ziehen wir dann geeignete
  Vielfache der obersten Zeile von den anderen Zeilen ab, so gelangen wir zu
  einem System, bei dem  in der ersten Spalte unterhalb des
  obersten Eintrags nur noch Nullen stehen. 
F"ur das weitere ignorieren wir dann die oberste Zeile und die erste Spalte 
und machen mit der  auf diese Weise  entstehenden Matrix weiter.
Offensichtlich k"onnen wir so jedes lineare Gleichungssystem auf
Zeilenstufenform
bringen, ohne seine L"osungsmenge zu "andern. 
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildBspL}\\[4mm]
\noindent Ein lineares Gleichungssystem mit drei Gleichungen
und drei Unbekannten und seine L"osung mit dem
Gau"s-Algorithmus. F"ur gew"ohnlich wird beim Anwenden des
Gau"s-Algorithmus ein Vertauschen der Zeilen gar nicht n"otig sein.
Gibt es weiter genausoviele Gleichungen 
wie Unbekannte, so werden wir
f"ur gew"ohnlich so wie in obigem Beispiel
genau eine L"osung erwarten d"urfen.
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{L"osungsmenge bei Zeilenstufenform}]
Die L"osungsmenge eines 
linearen Gleichungssystems in Zeilenstufenform ist
schnell bestimmt:\label{LMG} 
  Ist eine der Zahlen $b_{r+1},\ldots , b_n$ 
nicht Null, so besitzt es gar
  keine L"osung.  Gilt dahingegen $b_{r+1} = \ldots = b_n =0$, 
so k"onnen wir
  Zahlen $x_\mu$ f"ur $\mu$ verschieden von den 
Spaltenindizes $s(1), \ldots,
  s(r)$ der Stufen 
beliebig vorgeben und finden f"ur jede solche 
Vorgabe der Reihe nach
  eindeutig bestimmte Zahlen 
$x_{s(r)}, x_{s(r-1)}, \ldots, x_{s(1)}$ derart, da"s das
  entstehende $m$-Tupel $(x_1, \ldots, x_m)$ eine 
L"osung unseres
  Gleichungssystems ist.  
  \end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
 Eine Abbildung
  $A:\{1,\ldots,n\}\times \{1,\ldots,m\}\ra Z$  der Produktmenge in eine Menge 
$Z$ hei"st ganz allgemein eine\label{DeFM} {\bf $(n\times
    m)$-Matrix mit Eintr"agen in $Z$}.\index{Matrix} Gegeben solch eine
  Matrix $A$ schreibt man meist $A_{ij}$ oder $a_{ij}$ statt $A(i,j)$ und
  veranschaulicht sich die Abbildung $A$ als ein rechteckiges Arrangement von
  Elementen von $Z$ wie eben im Fall $Z=K$.  
Das $a_{ij}$ hei"st dann der {\bf Eintrag}\index{Eintrag von Matrix} 
unserer Matrix in der $i$-ten Zeile und $j$-ten Spalte.
Das $i$ hei"st  der \defind{Zeilenindex}, da es angibt alias 
\glqq indiziert\grqq, in welcher Zeile unser Eintrag $a_{ij}$ steht.
Entsprechend nennt man das $j$ den \defind{Spaltenindex} unseres
Matrixeintrags. Ich erinnere daran, da"s wir f"ur beliebige Mengen $X,Y$ die
Menge aller Abbildungen von $X$ nach $Y$ mit $\op{Ens}(X,Y)$\index{Ens@$\op{Ens}(X,Y)$ Abbildungsmenge}  bezeichnen. 
Die Menge aller $(n\times m)$-Matrizen mit
  Koeffizienten in einer Menge $Z$ 
notieren\index{Mat@$\op{Mat}(n\times m;Z)$ Matrizenmenge} 
 wir
  $$\op{Mat}(n\times m;Z)\pdef
\op{Ens}(\{1,\ldots,n\}\times \{1,\ldots,m\},Z) $$
Im Fall $n=m$ sprechen wir von einer {\bf quadratischen Matrix}
und k"urzen unsere Notation ab zu $\op{Mat}( n;Z)\pdef\op{Mat}(n\times n;Z)$.
Manchmal\index{quadratisch!Matrix}\index{Matrix!quadratische}
  werden wir sogar
  f"ur beliebige Mengen $X,Y,Z$ eine Abbildung $X\times Y\ra Z$ als eine {\bf
    $(X\times Y)$-Matrix mit Eintr"agen in $Z$} ansprechen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkunge}[\textbf{Ursprung der Terminologie}] 
  Die Bezeichnung \glqq Matrix\grqq\  wurde 
meines Wissens\label{Matrix}  
vom englischen Mathematiker 
Joseph Sylvester in einem 1851 bei George Bell, Fleet Street
erschienenen Artikel 
mit dem Titel \glqq An
essay
on
canonical
forms,
supplement
to
a
sketch
of
a
memoir
on
elimination,
transformation
and
canonical
forms\grqq\ in die Mathematik eingef"uhrt.
Die Bezeichnung  scheint auf das lateinische Wort
\glqq matrix\grqq\  f"ur deutsch \glqq Geb"armutter\grqq\  hervorzugehen.
Sylvester benutzt Matrizen mit einer Zeile mehr als Spalten und
betrachtet die \glqq Determinanten\grqq\ der quadratischen Matrizen, die durch
Streichen je einer Zeile entstehen.
Die Determinante f"uhren wir erst in \ref{DefD} ein.  %Was diese Minoren
%sind, werden Sie erst beim Beweis 
%des \glqq Elementarteilersatzes\grqq\  \eref{ETS}{LA2} lernen.
\end{Bemerkunge}

\begin{Satz}[\textbf{L"osungsmengen inhomogener linearer Gleichungssysteme}]
Ist die L"osungsmenge eines linearen Gleichungssystems nicht leer,
so erhalten wir alle L"osungen, indem wir zu einer 
fest gew"ahlten L"osung unseres Systems eine beliebige 
L"osung des zugeh"origen\label{APS} 
homogenisierten Systems komponentenweise addieren.
\end{Satz}
\begin{proof}
Ist $c=(c_1,\ldots, c_m)$ eine L"osung unseres linearen Gleichungssystems
und $d=(d_1,\ldots, d_m)$ eine L"osung des homogenisierten Systems,
so ist offensichtlich die komponentenweise Summe
$c\dotplus d=(c_1+d_1,\ldots, c_m+d_m)$ eine L"osung 
des urspr"unglichen Systems. 
Ist andererseits
$c'=(c'_1,\ldots, c'_m)$ eine weitere 
L"osung unseres linearen Gleichungssystems,
so ist offensichtlich die komponentenweise Differenz
$d=(c'_1- c_1,\ldots, c'_m- c_m)$ eine 
L"osung des homogenisierten Systems, f"ur die gilt $c'=c\dotplus d$
mit unserer komponentenweisen Addition $\dotplus$ aus \eref{kpl}{EIN}.
\end{proof}
    
 
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildLFP}\\[4mm]
\noindent Ein lineares Gleichungssystem mit zwei Gleichungen
und drei Unbekannten, dessen L"osungsmenge nach unser allgemeinen Theorie f"ur 
jedes $x_3$ genau einen Punkt $(x_1, x_2 ,x_3)$ 
enth"alt, und zwar haben wir wegen der zweiten Gleichung  $x_2 = x_3/4$ 
und dann wegen der ersten Gleichung
 $x_1 = 1 - (3/4) x_3$, so da"s die allgemeine L"osung 
lautet $(1-(3/4) \lambda, \lambda/4, \lambda)$ f"ur variables $\lambda$.
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Unabh"angigkeit
der Stufenzahl vom L"osungsweg}] 
Die vorstehenden "Uberlegungen zeigen, wie man die L"osungsmenge jedes
linearen Gleichungssystems bestimmen kann. Man erh"alt dabei nach \ref{LMG}
im Fall einer nichtleeren L"osungsmenge durch die Transformation auf
Zeilenstufenform
sogar eine ausgezeichnete
Bijektion zwischen $t$-Tupeln von Elementen von   $K$ 
und besagter L"osungsmenge,
f"ur $t=m-r$ die Zahl der Variablen abz"uglich der \glqq Zahl der Stufen\grqq, 
die eben jeder Vorgabe von $x_j$ f"ur 
$j$ verschieden von den \glqq Spaltenindizes der Stufen\grqq\ 
$j\neq s(1),\ldots, s(r)$
die durch diese Vorgabe eindeutig bestimmte L"osung zuordnet.
Der Gau"s-Algorithmus  gibt uns allerdings nicht vor,
welche  Zeilenvertauschungen wir unterwegs  verwenden sollen. 
Damit stellt sich  die Frage, ob wir unabh"angig
von der Wahl dieser Zeilenvertauschungen stets bei derselben Matrix in
Zeilenstufenform ankommen. 
Das ist nun zwar nicht richtig, aber dennoch sind 
die \glqq Breiten der einzelnen Stufen\grqq\  alias die Spaltenindizes
$s(i)$ der Stufen unabh"angig von allen Wahlen. In der Tat 
 lassen   sie sich auch direkt beschreiben,
indem wir im zugeh"origen homogenisierten Gleichungssystem  
 unsere Variablen von hinten durchgehen
und jeweils fragen: Gibt es f"ur jedes $(x_{j+1},x_{j+2},\ldots,x_m)$,
das zu einer L"osung $(x_{1},x_{2},\ldots,x_m)$ erg"anzbar ist,
nur ein $x_j$ derart, da"s auch $(x_j, x_{j+1},x_{j+2},\ldots,x_m)$
zu einer L"osung $(x_{1},x_{2},\ldots,x_m)$ erg"anzbar ist?
Genau dann lautet die Antwort \glqq ja\grqq, wenn in der $j$-ten Spalte 
eine neue Stufe beginnt. 
\end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Unabh"angigkeit 
der Stufenzahl von der Variablenreihung}] 
Nun k"onnten wir 
auch vor dem Anwenden des Gau"s-Algo\-rithmus\label{LSGl} 
zuerst unsere Variablen umnummerieren alias
die Spalten unserer Koeffizientenmatrix vertauschen. Wir erhielten wieder 
  eine 
  Bijektion zwischen $u$-Tupeln von Elementen von $K$
  mit der L"osungsmenge wie eben.
Die Frage, der wir uns  als n"achstes zuwenden wollen, lautet nun:
Gilt stets $u=t$, in anderen Worten, landen wir bei einer Zeilenstufenform 
mit derselben Zahl von Stufen, wenn wir zuerst die 
Spalten unseres Systems willk"urlich vertauschen, 
bevor wir den Gau"s-Algorithmus durchf"uhren?
Die Antwort lautet wieder \glqq Ja\grqq, 
aber hierzu ist mir kein ganz elementares Argument mehr eingefallen.
Dar"uber war ich  sogar ganz froh:
Diese Frage kann so n"amlich zur Motivation der
 Entwicklung 
der abstrakten Theorie 
der Vektorr"aume dienen,
mit der  wir an dieser Stelle beginnen.
Wir f"uhren in diesem Rahmen
den auch in vielen anderen Zusammenh"angen
"au"serst n"utzlichen 
Begriff  der \glqq Dimension\grqq\  eines \glqq Vektorraums\grqq\  ein, und
zeigen in \ref{LSGa}, da"s die Stufenzahl 
unabh"angig von allen Wahlen als  
die \glqq Dimension des L"osungsraums\grqq\  des zugeh"origen homogenisierten 
Gleichungssystems beschrieben werden kann.
 Zun"achst jedoch f"uhren wir einige weitere Begriffe 
 ein, die wir dabei und auch dar"uber hinaus 
noch oft brauchen werden.
\end{Bemerkungl}
\subsection{Vektorr"aume}
\begin{Definition}\label{DefV}
Ein \defind{Vektorraum} $V$ {\bf "uber einem K"orper $K$} ist ein Paar
bestehend aus einer abelschen Gruppe $V=(V,\dotplus)$ und einer
Abbildung
$$\begin{array}{ccc}
 K\times V & \ra & V\\
(\lambda,\vec{v}) &\mapsto & \lambda \vec{v}
\end{array}$$
derart, da"s f"ur alle $\lambda, \mu \in K$ und $\vec{v}, \vec{w} \in V$ 
 die folgenden Identit"aten gelten:
$$\begin{array}{ccc}
\lambda (\vec{v} \dotplus\vec{w}) &=& (\lambda \vec{v} )
\dotplus (\lambda \vec{w})\\
(\lambda + \mu) \vec{v} &=& (\lambda \vec{v}) \dotplus(\mu \vec{v})\\
\lambda (\mu \vec{v}) &=& (\lambda \mu ) \vec{v}\\
1_K\vec{v} &=&\vec{v}
\end{array}$$
Wie bei der Axiomatik eines K"orpers \eref{KAx}{GR}
hei"sen die ersten beiden Gesetze die 
{\bf Distributivgesetze}\index{Distributivgesetz!bei Vektorraum}.
In Analogie zu der Sprechweise bei Mengen mit Ver\-kn"up\-fung 
hei"st das dritte Gesetz  das 
{\bf Assoziativgesetz}.\index{Assoziativgesetz!bei Vektorraum}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Die Elemente eines Vektorraums nennt man meist 
{\bf Vektoren}.\index{Vektor!Element eines Vektorraums} 
Die Elemente des K"orpers hei"sen in diesem Zusammenhang  oft
{\bf Skalare}\index{Skalar} 
und der K"orper selber der {\bf Grundk"orper}.\index{Grundk"orper} 
Die 
Abbildung $(\lambda,\vec{v}) \mapsto  \lambda  \vec{v}$ 
hei"st die {\bf Multiplikation mit
Skalaren} oder auch die {\bf Operation des K"orpers $K$ auf $V$}. 
\index{Operation!von Grundk"orper auf Vektorraum}
 Sie ist nicht zu verwechseln mit dem \glqq Skalarprodukt\grqq,
das wir in \eref{SKP}{LA2} einf"uhren und das aus
zwei Vektoren einen Skalar macht.
Ich habe oben aus didaktischen Gr"unden 
die Addition von Vektoren $\dotplus$ notiert, um sie von der 
Addition   von K"orperelementen zu unterscheiden, 
aber das werde ich nicht
lange
durchhalten.
Mit der auch in diesem Zusammenhang allgemein "ublichen
Konvention \glqq Punkt vor Strich\grqq\  und 
der zu $+$ vereinfachten Notation f"ur die Addition von Vektoren
und der Abk"urzung  $1_K=1$ f"ur das multiplikativ neutrale Element
des Grundk"orpers  
k"onnen unsere Vektorraumaxiome dann etwas "ubersichtlicher
geschrieben werden als die Forderung, da"s f"ur alle Skalare $\lambda,\mu$
und alle Vektoren $\vec v,\vec w$ gelten m"oge
$$\begin{array}{ccc}
\lambda (\vec{v} +\vec{w}) &=& \lambda \vec{v} +
\lambda \vec{w}\\
(\lambda + \mu) \vec{v} &=& \lambda \vec{v} +\mu \vec{v}\\
\lambda (\mu \vec{v}) &=& (\lambda \mu ) \vec{v}\\
1\vec{v} &=&\vec{v}
\end{array}$$
Ich habe aus didaktischen Gr"unden bis hierher
Vektoren stets mit einem Pfeil notiert, 
das halte ich wohl etwas l"anger durch, aber auf Dauer werden Sie sich
 auch den Pfeil selbst dazudenken m"ussen.
Das neutrale Element der abelschen Gruppe $V$ notieren wir
$\vec{0}$ und nennen es den \defind{Nullvektor}.
Die letzte Bedingung $1 \vec{v}=\vec{v}$ 
schlie"st zum Beispiel den Fall aus, da"s wir f"ur
$V$ irgendeine von Null verschiedene abelsche Gruppe nehmen und dann einfach
$\lambda \vec{v} = \vec{0} $ setzen f"ur alle 
$ \lambda \in K$ und $ \vec{v} \in V$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}[\textbf{Die schmutzige Anschauung}] \nichtfinal{Video!} 
Ich stelle mir als Vektorraum gerne wie in \eref{VeFe}{EIN} ausgef"uhrt
die Menge   
$V$ aller Parallelverschiebungen der schmutzigen Ebene\label{DSAA}    
%oder auch die Menge  
%$V$ der Parallelverschiebungen des schmutzigen Raums der Anschauung
vor, 
mit der
\glqq Hintereinanderausf"uhrung\grqq\  als Addition und der
offensichtlichen Multiplikation mit reellen Skalaren.
Diese Mengen von Parallelverschiebungen nenne ich den
{\bf schmutzigen Richtungsraum}\index{Richtungsraum!schmutziger} 
der Ebene. % beziehungsweise  des Raums.
Graphisch mag man diese Parallelverschiebungen alias 
Vektoren  durch Pfeile 
in der Ebene %oder im Raum
darstellen
und ihre Addition wie in nebenstehendem Bild
veranschaulichen.
 Das ist nur
leider im mathematischen Sinne kein recht eigentlich wohldefiniertes 
Beispiel: Schon die Frage, ob diese Parallelverschiebungen eigentlich
\glqq wohlunterschiedene Objekte unserer Anschauung oder unseres Denkens\grqq\ 
sind, und wie man sie eigentlich zu definieren h"atte, 
scheint mir nicht so einfach und eindeutig zu beantworten.
So bin ich in der schizophrenen Lage, da"s mir 
dieses Beispiel einerseits
besonders nahrhaft und motivierend scheint, da"s es aber andererseits
f"ur unsere rein auf Mengenlehre aufgebaute 
aseptisch sterile perfekte Mathematik
zu schmutzig ist, um als echtes Beispiel durchzugehen. 
\end{Beispiel}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPar}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die Hintereinanderausf"uhrung der beiden Parallelverschiebungen
der Papierebene, die durch Gruppen von f"unf beziehungsweise acht 
durchgezogene Pfeile dargestellt werden, wird  durch die f"unf
gepunktelten Pfeile dargestellt.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkunge}
 Wann immer ich einen Begriff 
mit dem Zusatz \glqq der Anschauung\grqq\  oder 
\glqq anschaulich\grqq\  oder \glqq schmutzig\grqq\ versehe,
soll gemeint sein, da"s er nicht in einem mathematisch 
wie auch immer pr"azise definierten Sinne 
zu verstehen ist, also nicht als ein Gebilde der Mengenlehre, 
sondern eben  anschaulich.\index{anschaulich}
\end{Bemerkunge}


\begin{Beispiel}[\textbf{Funktionenr"aume als Vektorr"aume}] 
Gegeben eine Menge $X$ und ein K"orper $K$ ist die 
Menge $\op{Ens}(X,K)$ aller Abbildungen  $X\ra K$ ein 
$K$-Vektorraum, wenn man die Addition  durch 
$(f+g)(x)\pdef f(x)+g(x)$ erkl"art und die Multiplikation mit Skalaren
durch $(\lambda f)(x)\pdef\lambda (f(x))$.
Insbesondere  erh"alt so auch die Menge $\op{Mat}(n\times m;K)$
aller $(n\times m)$-Matrizen mit Eintr"agen\label{FRVR}  
in einem K"orper $K$ aus \ref{DeFM} die Struktur eines $K$-Vektorraums.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{L"osungsmengen als Vektorr"aume}] 
Gegeben ein \hyperref[HGLy]{homogenes lineares Gleichungssystem} 
% im Sinne von \ref{HGLy}
in $n$ Variablen wird seine L"osungsmenge $L$ ein $K$-Vektorraum,
wenn wir sie mit der komponentenweisen Addition $\dotplus$ und der
komponentenweisen Multiplikation mit Skalaren versehen.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkunge}
Im Fall eines \hyperref[Schief]{Schiefk\"orpers} $K$  mu"s man an dieser Stelle mehr aufpassen.
L"o\-sun\-gen eines linearen Gleichungssystems
bleiben dann nur nur L"o\-sun\-gen, wenn man sie
von rechts mit Skalaren multipliziert. Das f"uhrt zur Erkenntnis, da"s man
in diesem Fall 
  \glqq Rechtsvektorr"aume\grqq\ und \glqq Linksvektorr"aume\grqq\ 
  unterscheiden mu"s und die
  L"osungsmenge eines linearen Gleichungssystems, bei dem die Koeffizienten von
  links an die Variablen daranmultipliziert werden, einen
  Rechtsvektorraum bildet. 
\end{Bemerkunge}


\begin{Bemerkunge}[\textbf{Ursprung der Terminologie}] 
Die Bezeichnung als \glqq Vektor\grqq\  kommt von lateinisch \glqq vehere\grqq\  f"ur \glqq fahren,
transportieren\grqq. Sie r"uhrt von unserem Beispiel \ref{DSAA} der 
Gesamtheit aller Parallelverschiebungen der Ebene her,
die ja in gewisser Weise  Punkte transportieren.
Auf Deutsch k"onnte man diese Intuition 
wiedergeben, indem man statt von Vektoren etwa von \glqq Schiebern\grqq\ 
redet. Beim Gedanken 
an eine Vorlesung "uber die \glqq Lehre von der Schieberei\grqq\ 
bin ich  aber  doch  gl"ucklicher mit der gewohnten,
vom Latein gepr"agten  Terminologie.
Die Bezeichnung \glqq Skalare\grqq\  f"ur Elemente des 
zugrundeliegenden K"orpers kommt von dem lateinischen Wort 
\glqq scala\grqq\  f"ur \glqq Leiter\grqq\  und hat sich von dort
"uber eine Bezeichnung f"ur
 das Meterma"s  entwickelt zu einer Bezeichnung f"ur
das, was man auf einer Me"sskala ablesen kann, als da hei"st
zu einer Bezeichnung f"ur reelle Zahlen. 
In  Mathematik und Physik 
werden zwar nicht nur reelle Vektorr"aume betrachtet, 
aber man "ubertr"agt  dieses Wort eben weiter und verwendet es 
auch im allgemeinen als Bezeichnung f"ur die Elemente des 
jeweiligen Grundk"orpers.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Produkt mit dem Skalar Null}]
Gegeben ein Vektorraum $V$ und ein Vektor $\vec{v}\in V$ gilt
$0_K \vec{v}=\vec{0}$. Multipliziert man also einen beliebigen Vektor mit
dem Skalar Null, erh"alt man stets den Nullvektor. 
In der Tat finden wir mit dem zweiten Distributivgesetz
$0_K\vec{v}=(0_K+0_K)\vec{v}=0_K\vec{v}\dotplus 0_K\vec{v}$ und 
Subtraktion von $0_K\vec{v}$ alias Addition seines Negativen 
$-0_K\vec{v}$ auf beiden Seiten liefert\label{PS0}
$\vec{0}=0_K\vec{v}$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Produkt mit dem Skalar minus Eins}]
Gegeben ein Vektorraum $V$ und ein Vektor $\vec{v}\in V$ gilt
 $(-1_K)\vec{v}=-\vec{v}$. Multipliziert man also in Worten das 
Negative der Eins des Grundk"orpers mit einem beliebigen Vektor,
so erh"alt man das Negative des besagten Vektors.\label{PSM1} 
In der Tat finden wir
$$\vec{v}\dotplus(-1_K)\vec{v}=1_K\vec{v}\dotplus
(-1_K)\vec{v}=(1_K+(-1_K))\vec{v}=0_K\vec{v}=
\vec{0}$$
mit der letzten und der zweiten  Formel aus der
Definition und unserer Erkenntnis $0_K\vec{v}=\vec{0}$ aus \ref{PS0}.
Damit ist $(-1_K)\vec{v}$ in der Tat das additive Inverse von 
$\vec{v}$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiel}
Gegeben ein K"orper $K$ ist die abelsche Gruppe $V\pdef K$ mit
der durch die Multiplikation von $K$ gegebenen Multiplikation mit
Skalaren ein $K$-Vektorraum.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
Gegeben ein K"orper $K$ wird jede 
einelementige Menge $V$ vermittels der offensichtlichen
Operationen zu einem $K$-Vektorraum.
Wir sprechen dann von einem \defind{Nullvektorraum}, 
weil er eben nur aus dem Nullvektor
besteht, und verwenden oft auch den bestimmten Artikel und sprechen
von \emph{dem} Nullvektorraum, da er ja  \glqq im wesentlichen\grqq\  
eindeutig bestimmt ist. 
Wir bezeichnen diesen Vektorraum und allgemeiner 
 die einelementige Gruppe gerne mit 
$0$.\index{)0@$0$ einelementige Gruppe!Nullvektorraum}\index{)0@$0$ einelementige Gruppe} 
Dieses Symbol mu"s in der Mathematik 
 f"ur die verschiedensten Dinge herhalten.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{K"orper als Vektorraum "uber Teilk"orper}] 
Die additive Gruppe $\DR$ der reellen Zahlen
wird durch die Operation durch Multiplikation mit rationalen Zahlen
ein $\DQ$-Vektorraum. 
Ist allgemeiner $\varphi:K\ra L$ ein K"orperhomomorphismus, so wird
die additive Gruppe  $L$ ein $K$-Vektorraum vermittels der 
Multiplikation mit Skalaren $\lambda a\pdef \varphi(\lambda)a$. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Prozentrechnung}]
  Bei der Prozentrechnung geht man stets implizit von einem eindimensionalen
  reellen Vektorraum aus. Wenn man etwa sagt, 80\% einer Pralinenschachtel
  sei Luft, so mag man sich im formalen Rahmen dieser Vorlesung
  einen eindimensionalen reellen Vektorraum $V$ denken,
  dessen Elemente  \glqq Volumina\grqq\ sind,
  und darin einen Vektor $v\in V$, das \glqq Volumen der
  Pralinenschachtel\grqq, und will sagen, da"s $(80/100)v$
  das in der Schachtel
  von Luft
  eingenommene Volumen ist. Oft gibt man den fraglichen eindimensionalen
  Vektorraum auch explizit an und spricht  von
  {\bf Volumenprozent}\index{Volumenprozent} oder
  {\bf Gewichtsprozent}\index{Gewichtsprozent} oder dergleichen.
  Den Vektorraum der Volumina diskutieren wir
  noch ausf"uhrlich in \eref{BfT}{LA2}. Es sollte aber auch hier schon zumindest anschaulich klar sein, da"s man Volumina addieren und mit Skalaren multiplizieren kann und da"s man so, wenn man formal auch negative Volumina zul"a"st, einen eindimensionalen reellen Vektorraum erh"alt alias
  da"s alle Rechenregeln aus unserer Definition eines Vektorraums \ref{DefV}
  gelten.
\end{Beispiel}



  
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Produkt mit dem Nullvektor}]
Gegeben ein Vektorraum $V$ "uber einem K"orper $K$ zeige
man f"ur alle $\lambda\in K$ die Identit"at\label{lao}  
$\lambda\vec{0}=\vec{0}$. 
Weiter zeige man, da"s aus $\lambda\vec{v}=\vec{0}$  
folgt $\lambda=0$ oder $\vec{v}=\vec{0}$.  
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Produkte von Vektoren mit ganzen Zahlen}]
  Gegeben ein K"orper $K$ und ein $K$-Vektorraum $V$ und
ein Vektor $\vec v\in V$ eine ganze Zahl $n\in\DZ$ gilt 
mit unserer Notation $n_K$ aus \eref{GZAK}{GR} stets
$n_K \vec v= n\vec v$ oder ausgeschrieben in unserer Notation
\eref{naa}{GR} f"ur iterierte
Verkn"upfungen
 $(n^+1_K) \vec v= n^\dotplus\vec v$. Hinweis:
Die F"alle $n=0$ und $n=(-1)$ dieser
Aussage wurden bereits in \ref{PS0} und \ref{PSM1} besprochen.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
F"ur eine vorgegebene abelsche
Gruppe $(V,+)$ gibt es h"ochstens eine Abbildung $\DQ\times V\ra V$
derart, da"s sie mit dieser Abbildung als Multiplikation mit Skalaren 
 ein $\DQ$-Vektorraum wird.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}\label{GJI}
Eine Gruppe, in der jedes Element sein eigenes Inverses ist,
kann auf genau eine Weise 
mit der Struktur  eines Vektorraums "uber dem K"orper mit zwei Elementen
versehen werden. Ein Beispiel ist unsere Gruppe
aus \eref{PMG}{GR}. %, und ihre Untergruppen sind dann genau die Untervektorr"aume.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{EnVV}
Gegeben eine Menge $X$ und ein K"orper $K$ und ein 
$K$-Vektorraum $V$ ist auch die 
Menge $\op{Ens}(X,V)$ aller Abbildungen  $X\ra V$ ein 
$K$-Vektorraum, wenn man sie mit der Addition gegeben durch 
$(f+g)(x)\pdef f(x)+g(x)$ und mit der Multiplikation mit Skalaren
 gegeben durch $(\lambda f)(x)\pdef\lambda (f(x))$ versieht.
Das verallgemeinert unser Beispiel \ref{FRVR}.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
  Ist $\varphi:L\ra K$ ein K"orperhomomorphismus und $V$ ein
$K$-Vektorraum, so wird die abelsche Gruppe $V$ mit der durch die Formel 
$\lambda \vec v\pdef \varphi(\lambda)\vec v$ erkl"arten
  Multiplikation mit Skalaren aus $L$ ein $L$-Vektorraum.
  Man sagt dann, dieser $L$-Vektorraum entstehe durch
  {\bf Restriktion der Skalare} aus dem $K$-Vektorraum $V$. Zum Beispiel ist
  jeder komplexe Vektorraum a forteriori auch ein reeller Vektorraum.  
\end{Ubunge}
\subsection{Endliche Produkte von Mengen}\label{ErMe}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{L"angere kartesische Produkte}]
  Bis jetzt hatten wir nur das kartesische Produkt\label{KaPon} %\label{KaPo} 
$X \times Y$ von zwei Mengen\index{kartesisch!Produkt!endlich vieler Mengen} 
  $X$ und $Y$ betrachtet. Ebenso kann man  auch 
f"ur mehr Mengen $X_{1}, \ldots
  , X_{n}$ das kartesische Produkt
  $$X_{1} \times \ldots \times X_{n} \pdef \{ (x_{1}, \ldots , x_{n})\mid x_{i} \in
  X_{i} \text{ f"ur } 1 \leq i \leq n \}$$
  einf"uhren.  Die Elemente von so
  einem Produkt bezeichnet man als
  {\bf $n$-Tupel}\index{Tupel}. In diesem Zusammenhang hei"sen
  $2$-Tupel auch {\bf Paare} oder genauer {\bf angeordnete Paare} und
  $3$-Tupel  {\bf Tripel} oder genauer {\bf angeordnete Tripel}.\index{Tripel}  
Die $x_i$ hei"sen die {\bf Komponenten}\index{Komponente!eines Tupels}
unseres Tupels  $ (x_{1}, \ldots , x_{n})$. Die Mengen $X_i$ hei"sen die
{\bf Faktoren}\index{Faktor} unseres kartesischen Produkts.
Wir vereinbaren, da"s wir das \glqq leere Produkt\grqq\ als die
einelementige Menge interpretieren. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Im deutschsprachigen Raum verwendet man auf der Schule  
 f"ur Tupel vielfach auch die alternative Notation
$(x_{1}| \ldots | x_{n})$. Das geschieht, um Verwechslungen zwischen $2$-Tupeln
von nat"urlichen Zahlen 
und  Dezimalbr"uchen
zu vermeiden, die ja im deutschsprachigen Raum als \glqq Kommazahlen\grqq\ 
 notiert werden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Abbildungen in ein Produkt}] 
  F"ur ein kartesisches Produkt von Mengen hat man stets die {\bf
    Projektionsabbildungen}\index{Abbildung!Projektionsabbildung} oder {\bf
    Projektionen}\index{Projektion!von kartesischem 
Produkt}\index{pr@$\op{pr}_i$!Projektion}
  $$\begin{array}{rccc}
    \op{pr}_{i} : &X_{1} \times \ldots \times X_{n} & \ra & X_{i}\\
    &(x_{1}, \ldots , x_{n} )& \mapsto & x_{i}
\end{array}$$
Wir erhalten\label{AiP}  dann f"ur jede weitere Menge $Z$ eine Bijektion \nichtfinal{(Video. $\op{Ens}$ erinnern!)} 
$$
\begin{array}{ccc}
\op{Ens}(Z, X_{1} \times \ldots \times X_{n})&\sira &
\op{Ens}(Z, X_{1}) \times \ldots \times \op{Ens}(Z,X_{n})\\[2mm]
f&\mapsto&(\op{pr}_{1} \circ f,\ldots,\op{pr}_{n} \circ f)
\end{array}
$$
zwischen Abbildungen in das Produkt und Tupeln von Abbildungen in seine
Faktoren.  
Die Umkehrung dieser {\bf kanonischen Bijektion} notieren wir %wie in \ref{Abbk} 
sozusagen gar nicht.
Gegeben Abbildungen $f_{i} : Z \ra X_{i}$  notieren  wir genauer die
Abbildung $f:Z \ra X_{1} \times \ldots \times X_{n}$ von $Z$ in das kartesische
Produkt der $X_i$ gegeben durch die Vorschrift
$z \mapsto (f_{1} (z), \ldots,
f_{n}(z))$  schlicht $$f = (f_{1},
\ldots , f_{n})$$ 
In der exponentiellen Schreibweise geschrieben liest sich unsere Bijektion
ganz suggestiv als eine  Bijektion 
$(X_1\times \ldots\times X_n)^Z\sira X_1^Z\times \ldots\times X_n^Z$.
Besonders wichtig ist die 
{\bf diagonale Einbettung} oder {\bf
  Diagonale}\index{Diagonale}\index{D@$\Delta$ Diagonale}\index{D@$\Delta$ Diagonale}
$$\begin{array}{rccc} \Delta \pdef\Delta_X \pdef (\op{id}, \op{id}) 
:&X& \ra &X \times X\\& x
  &\mapsto &(x,x)\end{array}$$
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildDIA}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Das Bild der diagonalen Einbettung $\Delta:\DR\ra \DR^2$,
$t\mapsto (t,t)$
\end{minipage}
\end{figure} 

\begin{Bemerkungw}[\textbf{Abbildungen aus kartesischen Produkten}] 
   Eine Abbildung $f: X_{1} \times \ldots \times X_{n}\ra Z$ von
einem kartesischen Produkt in eine beliebige Menge $Z$
nennen wir auch eine {\bf $n$-Multiabbildung}\index{Multiabbildung}
und notieren sie gerne $$f: X_{1} \curlyvee \ldots \curlyvee X_{n}\ra Z$$
Unter einer {\bf $0$-Multiabbildung nach $Z$} verstehen wir in diesem Kontext 
ein Element von $Z$. Solche Multiabbildungen lassen sich dann in offensichtlicher Weise 
\glqq multiverkn"upfen\grqq,
aber das soll erst in \eref{kpmk}{TSK} weiter formalisiert werden.
\end{Bemerkungw}
 
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Kartesisches Produkt von Abbildungen}] 
Sind ein weiteres Produkt von der Form $Y = Y_{1}\times \ldots \times Y_{n}$
  sowie Abbildungen $f_{i} : X_{i} \ra Y_{i}$ gegeben, so k"onnen wir insbesondere die
  Abbildung\label{KrAA} 
  $$\begin{array}{ccc}
  X_{1}\times  \ldots  \times X_{n} & \ra & Y_{1}\times  
\ldots \times  Y_{n}\\
    (x_{1}, \ldots, x_{n})& \mapsto & (f_{1}(x_{1}) , \ldots , f_{n}(x_{n}))
\end{array}$$
 betrachten.  Wir notieren sie 
  $f_{1}\times \dots \times f_{n}\pdef (f_1\op{pr}_1, \ldots,f_n\op{pr}_n)$ mit der im Sinne der in \ref{AiP} eingef"uhrten Notation zu verstehenden rechten Seite. 
 Man\index{)x@$\times$!Kartesisches Produkt von Abbildungen}\label{PAb} 
beachte, da"s im allgemeinen keineswegs alle Abbildungen $X_{1}\times \ldots \times
X_{n} \ra Y_{1}\times \dots \times Y_{n}$ von dieser Form sind.  Das kartesische Produkt von Surjektionen
ist stets wieder surjektiv. Das kartesische Produkt von  Injektionen
ist stets wieder injektiv.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Assoziativit"at kartesischer Produkte}] 
Gegeben drei Mengen $X,Y,Z$ mag man sich nun die
Frage stellen, inwieweit die drei Mengen $(X\times Y)\times Z$, 
$X\times (Y\times Z)$ und $X\times Y\times Z$ "ubereinstimmen, und
allgemeiner, inwieweit \glqq das kartesische Produkt 
$\times$ assoziativ ist\grqq.
Wir werden derartige Fragen sp"ater im Rahmen der Kategorientheorie 
ausf"uhrlicher diskutieren. Hier sei nur bemerkt, da"s zum Beispiel
alle unsere drei Tripelprodukte wohlbestimme Projektionen
$\op{pr}_X$, $\op{pr}_Y$ und $\op{pr}_Z$ auf $X$, $Y$ und $Z$ haben und
da"s es eindeutig bestimmte Bijektionen zwischen ihnen gibt, die mit
diesen drei Projektionen vertr"aglich sind. 
Wegen dieser \glqq Eindeutigkeit bis auf eindeutige Bijektionen\grqq\
werden wir uns erlauben, die drei 
fraglichen Tripelprodukte schlicht als gleich
anzusehen. In derselben Weise verfahren wir in analogen
Situationen mit mehr Faktoren.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Einelementige Menge}] 
In derselben Weise  sprechen
auch mit einem bestimmten Artikel von \glqq der\grqq\ 
einelementigen Menge. Wir notieren sie manchmal 
$\op{ens}$,\index{ens@$\op{ens}$ einelementige Menge} da es sich um das 
\glqq finale Objekt der Kategorie $\op{Ens}$ der Mengen\grqq\ handelt,
aber das brauchen Sie hier noch nicht zu verstehen. Das einzige   Element der
einelementigen Menge notieren wir gerne $\ast$
und haben also in
Formeln\index{)8a@$*$ einziges Element von $\op{ens}$}
$$\op{ens}=\{\ast\}$$
 \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Tupel von Elementen einer Menge}]  
Das kartesische
  Produkt von $n$ Kopien einer Menge $X$ k"urzt man meist ab\label{tupel}   
mit \index{)8bb@$X^n$ f"ur  $n$-Tupel in $X$}$$X^{n}$$ Die
  Elemente von $X^n$ sind also $n$-Tupel von 
Elementen aus $X$ alias Abbildungen $\{1,2,\ldots,n\}\ra X$. Es ist sinnvoll und
allgemeine Konvention, diese Notation auf den 
 Fall $n=0$ dadurch auszudehnen, da"s man $X^0$ als  die  einelementige Menge 
auffa"st, in Formeln $X^0=\op{ens}$, so da"s wir  
f"ur alle $n,m\geq 0$
eine kanonische Bijektion
$X^n\times X^m\sira X^{n+m}$ erhalten. 
 Wenn
ich Verwechslungen mit anderen Notationen bef"urchte, die Sie 
sp"ater kennenlernen werden,   schreibe ich statt
$X^n$ auch ausf"uhrlicher 
$X^{\times n}$.\index{)8bb@$X^{\times n}$ f"ur  $n$-Tupel in $X$}
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}[\textbf{Der Vektorraum der $n$-Tupel}]  
  Einige Beispiele f"ur Vektorr"aume\label{BVFG}  
wurden bereits in \eref{FiVe}{EIN} diskutiert.
Besonders wichtig ist das Beispiel des Vektorraums\begin{equation*}
V = K^n
\end{equation*}
"uber einem vorgegebenen K"orper $K$. 
Hier verwenden wir die Notation \ref{tupel}, die Elemente
von $K^n$  sind also $n$-Tupel
von Elementen des K"orpers $K$.
Wir notieren die Komponenten dieser
 $n$-Tupel im folgenden  der "Ubersichtlichkeit halber untereinander,
nicht wie zuvor nebeneinander und durch Kommata getrennt.
Die Addition von Vektoren und Multiplikation mit Skalaren 
 seien gegeben
durch
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccc}
\begin{pmatrix}
v_1\\ \vdots\\[-1,5ex] \vdots\\ v_n
\end{pmatrix} \dotplus\begin{pmatrix}
w_1\\ \vdots\\[-1,5ex] \vdots\\ w_n
\end{pmatrix}&\pdef&
\begin{pmatrix}
v_1+w_1\\ \vdots\\[-1,5ex] \vdots\\ v_n+w_n
\end{pmatrix}\\[8ex]
\lambda \begin{pmatrix}
v_1\\ \vdots\\[-1,5ex] \vdots\\ v_n
\end{pmatrix}&\pdef& \begin{pmatrix}
\lambda v_1\\ \vdots\\[-1,5ex] \vdots\\ \lambda v_n
\end{pmatrix}
\end{array}
\end{displaymath}
f"ur $\lambda, v_1, \ldots , v_n, w_1, \ldots , w_n \in K$.
Die Erste unserer Gleichungen definiert die Summe zweier $n$-Tupel, also
die Addition in unserem Vektorraum $V = K^n$, indem sie diese
durch die Addition im K"orper
 $K$ ausdr"uckt. Die zweite Gleichung leistet dasselbe
f"ur die Multiplikation mit Skalaren. An dieser Stelle gebe ich
einen ersten Teil meiner didaktischen Notation auf und schreibe 
von nun an  $+$ statt $\dotplus$.
Gegeben $\vec{v}\in K^n$ schreibe ich seine Komponenten
$v_1,v_2,\ldots, v_n$ und versehe sie nicht mit Pfeilen,
da sie ja Elemente des Grundk"orpers sind. 
Wenn irgendwo einmal $\vec{v}_1,\vec{v}_2,\ldots, \vec{v}_n$
stehen sollte, so sind 
nicht die $n$ Komponenten eines $n$-Tupels $\vec{v}$ gemeint, sondern
vielmehr $n$ Vektoren eines Vektorraums. 
Sobald ich die Pfeil-No\-ta\-tion aufgegebe, 
mu"s der Leser aus dem
Kontext erschlie"sen, was im  Einzelfall jeweils gemeint ist.
\end{Beispiele}





\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}\label{UDSn}%\label{UDS}
Gegeben 
ein K"orper $K$ und $K$-Vektorr"aume 
$V_1,\ldots, V_n$ k"onnen wir das kartesische Produkt
$V_1\times\ldots \times V_n$ zu einem $K$-Vektorraum machen,
indem wir die Addition sowie die Multiplikation mit
Skalaren komponentenweise definieren.
In Formeln sieht das dann so aus wie \ref{BVFG}, nur da"s
wir den $v_i$ und $w_i$ Pfeile aufsetzen und statt  $v_i,w_i\in K$ wie dort nun 
$\vec v_i,\vec  w_i\in V_i$ nehmen m"ussen. 
Den so entstehenden Vektorraum notieren wir auch
$$V_1\oplus\ldots \oplus V_n$$
und nennen ihn das {\bf Produkt}\index{Produkt!von Vektorr"aumen!endliches}
oder auch die\index{)8a@$\oplus$ direkte Summe!von Vektorr"aumen}
{\bf direkte Summe} der $V_i$.\index{direkte Summe!von Vektorr"aumen}
Insbesondere ist $K^n$   die
direkte Summe $K\oplus\ldots \oplus K$
von $n$ Kopien des $K$-Vektorraums $K$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Seien $f:X\ra Y$ und $g:Z\ra W$ Abbildungen und
  $$f\times g: X\times Z\ra Y\times W$$
  ihr Produkt. Ist $f\times g$ surjektiv und gilt $W\neq\emptyset$,
  so ist $f$ surjektiv.  Ist $f\times g$ injektiv und gilt $Z\neq\emptyset$,
  so ist $f$ injektiv.
\end{Ubung}

\subsection{Ordnungen und Teilordnungen*}\label{OMl}
\begin{Bemerkungl}
  Bei den Inhalten dieses Abschnitts 
hoffe ich, da"s sie rechtzeitig in der Analysis 
besprochen werden, so da"s sie in der linearen Algebra 
"ubersprungen werden k"onnen. Ich habe ihn aus \eref{OM}{AN1} kopiert, wo
zus"atzlich noch Supremum und Infimum besprochen werden. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}\label{REEb}
Eine {\bf Relation}\index{Relation!auf einer Menge} $R$ auf einer Menge $X$ 
ist eine Teilmenge $R \subset
X \times X$ des kartesischen Produkts von $X$ mit sich selbst, also eine
Menge von Paaren von Elementen von $X$.
Statt $(x,y)\in R$ schreiben wir in diesem Zusammenhang  meist $xRy$.
Eine Relation $R$ hei"st eine {\bf Ordnungsrelation}\index{Ordnungsrelation} 
oder eine
{\bf Teilordnung}\index{Teilordnung}
oder eine 
{\bf partielle Ordnung},\index{Ordnung!partielle}\index{partiell!Ordnung} 
 wenn
f"ur alle $x,y,z\in X$ gilt:
\begin{enumerate}
\item
{\bf Transitivit"at:}\index{transitiv!Relation} 
$(x Ry$ und $yR z) \Rightarrow x Rz$;
\item
{\bf Antisymmetrie:}\index{antisymmetrisch!Relation} 
$(xRy $ und $y R x) \Rightarrow x = y;$
\item
{\bf Reflexivit"at:}\index{reflexiv!Relation} 
 $xRx$ f"ur alle $x\in X$.
\end{enumerate}
Eine Teilordnung hei"st eine \defind{Ordnung} oder \defind{Anordnung},
 wenn wir zus"atzlich
 haben
 \begin{enumerate}
\item[4.] {\bf Totalit"at:}\index{Totalit"at!f"ur Relation} 
F"ur alle $x,y \in X$ gilt $x Ry \text{ oder }y R x$.
\end{enumerate}
 \end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
 In der Literatur hei"st eine Teilordnung auch eine
 {\bf Halbordnung}\index{Halbordnung@{\it Halbordnung}} oder kurz eine \glqq Ordnung\grqq.\index{Ordnung!{\it f"ur Teilordnung}}
Wir verstehen jedoch unter einer Ordnung stets eine Ordnungsrelation, die auch
die Eigenschaft der Totalit"at besitzt.
Auf Englisch benutzt man f"ur eine teilgeordnete Menge alias  \glqq partially ordered set\grqq\  
gerne die Abk"urzung \defind{poset}.
Eine Ordnung in unserem Sinne hei"st in der Literatur auch eine
 {\bf totale Ordnung}\index{Ordnung!totale} 
oder eine {\bf lineare Ordnung}.\index{Ordnung!lineare}
\end{Bemerkungl}
  
\begin{Bemerkungw}
Allgemeiner versteht man unter einer 
{\bf Relation\index{Relation!zwischen zwei Mengen} $R$
zwischen einer Menge $X$ und einer Menge $Y$} eine Teilmenge 
$R\subset X\times Y$. In diesem Sinne sind dann 
auch unsere Abbildungen aus \eref{DFA}{GR} spezielle Relationen. 
In Teilen der Literatur hei"sen derartige Relationen auch 
\glqq Korrespondenzen\grqq.\index{Korrespondenz} 
Noch allgemeiner 
 betrachtet man\label{AlRepb} 
auch f"ur $n\geq 0$ und Mengen
$X_1,\ldots, X_n$  Teilmengen $R\subset X_1\times\ldots\times X_n$
und nennt sie {\bf $n$-stellige Relationen},\index{Relation!mehrstellige} 
aber das ist f"ur uns vorerst noch
nicht relevant.
\end{Bemerkungw}



\begin{Bemerkungl}
Bei einer Ordnungsrelation $R$ schreibt man meist $x \leq y$ statt $xRy$ und
statt $x\leq y$
schreibt man dann oft auch 
$y\geq x$.\index{)8c@$\geq$, $>$, $\leq $, $<$ bei Ordnungsrelation} 
Weiter 
k"urzt man ($x\leq y$ und $x\neq y$) ab mit
$x<y$  und
ebenso ($x\geq y$ und $x\neq y$) mit $x>y$.
Auf jeder angeordneten Menge definieren wir Verkn"upfungen 
$\op{max}$\index{max@$\op{max}$} und $\op{min}$\index{min@$\op{min}$} in offensichtlicher 
Verallgemeinerung von \eref{Verk}{GR}.%\ref{Verkm}.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]
  \centering
    \includegraphics[height=16cm]{SkriptenBilder/Bild0005}
\\ \noindent Eine teilgeordnete Menge mit zwei minimalen
und einem maximalen Element, die weder ein kleinstes noch
ein gr"o"stes Element besitzt. Die Darstellung ist in der 
Weise zu verstehen, da"s die fetten Punkte 
die Elemente unserer Menge bedeuten und da"s ein Element  gr"o"ser
ist als ein anderers genau dann, wenn es von diesem  \glqq durch einen
aufsteigenden Weg erreicht werden kann\grqq.
\end{figure}
\begin{Definition}\label{MiMab}
Sei $(Y,\leq)$ eine teilgeordnete Menge.
\begin{enumerate}
\item
Ein Element $g \in Y$ hei"st ein 
{\bf gr"o"stes Element\index{gr"o"stes Element} von $Y$}, wenn gilt
$g \geq y \; \forall y\in Y$. Ein Element $g \in Y$ hei"st ein 
{\bf maximales Element\index{maximal!Element} von $Y$}, wenn 
es kein $y\in Y$ gibt mit 
$y > g$.
\item
Ein Element $k \in Y$ hei"st ein {\bf kleinstes 
Element\index{kleinstes!Element} von $Y$}, wenn gilt
$k \leq y \; \forall y\in Y$.
Ein Element $k \in Y$ hei"st ein {\bf minimales 
Element\index{minimales!Element} von $Y$}, wenn 
es kein $y\in Y$ gibt mit 
$y < k$.
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Jede  teilgeordnete Menge 
besitzt h"ochstens ein gr"o"s\-tes und h"ochstens ein kleinstes Element.
Wir d"urfen deshalb den bestimmten Artikel verwenden und
von {\bf dem} gr"o"sten beziehungsweise kleinsten Element reden.
Besitzt eine teilgeordnete Menge  
ein gr"o"s\-tes beziehungsweise ein kleinstes Element, so ist dies auch ihr
einziges maximales beziehungsweise minimales Element. Im allgemeinen
kann es jedoch
maximale beziehungsweise  minimale Elemente  in gro"ser Zahl geben,
zumindest dann, wenn unsere Teilordnung keine Anordnung ist. Es kann auch durchaus passieren, da"s es "uberhaupt kein minimales oder maximales Element gibt, und zwar selbst dann, wenn unsere teilgeordnete Menge nicht die leere Menge ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben teilgeordnete Mengen $(X,\leq)$ und $(Y,\leq)$ versteht man unter
  einem {\bf Homomorphismus von teilgeordneten Mengen} oder
  gleichbedeutend einer {\bf monoton wachsenden Abbildung}
  eine Abbildung $\phi:X\ra Y$ mit $x\leq z\RA \phi(x)\leq \phi(z)$.
  Wie immer erkl"art man einen Isomorphismus als einen Homomorphismus $\phi$
  mit der Eigenschaft,
  da"s es einen  Homomorphismus $\psi$ in die Gegenrichtung gibt derart, da"s $\psi\circ\phi$ und $\phi\circ\psi$ die Identit"at sind.
  Man beachte, da"s in diesem Fall ein bijektiver
  Homomorphismus keineswegs ein Isomorphismus zu sein braucht.\label{ageo} 
\end{Bemerkungl}

\subsection{Untervektorr"aume}
\begin{Definition}
Eine Teilmenge $U$ eines Vektorraums $V$ hei"st ein \defind{Untervektorraum}
oder \defind{Teilraum}, wenn 
$U$ den Nullvektor enth"alt und wenn  aus $\vec{u},\vec{v} \in U$ und
$\lambda \in K$ folgt $\vec{u}+\vec{v}\in U$ 
sowie $\lambda \vec{u} \in U$.
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
 Statt zu fordern, da"s unsere Teilmenge den Nullvektor enth"alt, reicht es
wegen \ref{PS0} schon aus, in obiger Definition 
zu fordern, da"s unsere Teilmenge nicht leer ist. Diese
Definitionsvariante wird oft vorgezogen, da sie zumindest prinzipiell
 leichter nachzupr"ufen ist.
Ich mag  sie nicht, da sie noch ferner von
der \glqq eigentlich richtigen Definition\grqq\ ist,
 die ich in der folgenden 
Bemerkung erl"autern will.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkunge}[\textbf{Untervektorr"aume vom h"oheren Standpunkt}] 
Die vom h"o\-he\-ren Standpunkt aus \glqq richtige\grqq\  
Definition eines Untervektorraums\label{UWna}  
lautet wie folgt:
Sei $K$ ein K"orper.
Eine Teilmenge  eines $K$-Vektor\-raums  hei"st ein Untervektorraum, 
wenn   sie so mit der Struktur eines
$K$-Vektorraums versehen werden kann, da"s die Einbettung ein
\glqq Homomorphismus $K$-Vektorr"aumen\grqq\  wird. 
Ich kann diese \glqq bessere\grqq\  Definition hier 
noch nicht geben, da wir  Homomorphismen von $K$-Vektorr"aumen 
erst in \ref{HoVV} 
kennenlernen.
Diese \glqq bessere\grqq\ Definition ist leider auch komplizierter.
Sie scheint mir dennoch besser, da man in derselben Weise
auch  korrekte Definitionen von 
Untermonoiden, Untergruppen, Unterk"orpern und 
Unter-was-nicht-noch-all-f"ur-Strukturen
erh"alt, die
Sie erst sp"ater  kennenlernen werden. Genaueres diskutieren wir
in \eref{Unts}{LA2}.
\end{Bemerkunge}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{L"osungsmengen als Untervektorr"aume}]
    Unter einem homogenen linearen Gleichungssystem "uber einem gegebenen
    K"orper $K$ versteht man, wie in \ref{HGLy} besprochen, 
ein System von Gleichungen
    der Gestalt
    \begin{displaymath}
      \begin{array}{cccc}
        a_{11} x_1 + a_{12} x_2 + &\ldots & + a_{1m}x_{m} &=0\\
        a_{21} x_1 + a_{22}x_2 + &\ldots & +a_{2m}x_{m} &=0\\
        \vdots & & \vdots &\\
        a_{n1} x_1 + a_{n2} x_2 + &\ldots & +a_{nm} x_m& =0
      \end{array}
    \end{displaymath}
   Die Homogenit"at bedeutet, 
da"s rechts nur Nullen stehen. Die L"osungsmenge eines solchen
    homogenenen Gleichungssystems ist offensichtlich ein Untervektorraum $L
    \subset K^m$.
\end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Untervektorr"aume des schmutzigen Richtungsraums 
der Ebene}]
Das nun folgende Geschwafel darf nicht als Teil des
formalen Aufbaus der Theorie mi"sverstanden werden.
Ich erinnere an den schmutzigen Richtungsraum \ref{DSAA} der
Ebene alias die Menge aller Parallelverschiebungen der 
Ebene mit ihrer Struktur als reeller Vektorraum.
Seine Untervektorr"aume sind (1) der Nullraum, (2) die
Teilmengen, die aus allen Verschiebungen bestehen, die eine vorgegebene Gerade
in sich selbst "uberf"uhren, und (3) der ganze Richtungsraum.
Will man diese  Untervektorr"aume 
graphisch darstellen, 
ist es  hilfreich,\label{VAR} 
einen festen Punkt der Ebene willk"urlich 
als \glqq Ursprung\grqq\, auszuzeichnen
und die Menge derjenigen Punkte zu schwarz zu machen, die wir aus diesem
festen Punkt durch Verschiebungen mit Vektoren unseres Untervektorraums
erhalten k"onnen. 
Dann
entsprechen die   Untervektorr"aume
den folgenden Teilmengen der Ebene: (1) Der einelementigen
Teilmenge, die nur aus unserem  Ursprung besteht, 
(2) 
allen Geraden, die unseren 
Ursprung enthalten, und (3)  
der ganzen Ebene.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Untervektorr"aume  des  schmutzigen
Richtungsraums des Raums}]
Das nun folgende Geschwafel darf nicht als Teil des
formalen Aufbaus der Theorie mi"sverstanden werden.
Ich erinnere an den schmutzigen Richtungsraum \ref{DSAA} des
Raums alias die Menge aller Parallelverschiebungen des 
Raums mit ihrer Struktur als reeller Vektorraum.
Seine Untervektorr"aume sind (1) der Nullraum, der nur aus der Identit"atsverschiebung besteht, (2) die
Teilmengen, die aus allen Verschiebungen bestehen, die eine vorgegebene Gerade
in sich selbst "uberf"uhren,
(3)  die
Teilmengen, die aus allen Verschiebungen bestehen, die eine vorgegebene Ebene
in sich selbst "uberf"uhren,\label{VAR} 
und (4) der ganze Richtungsraum.
\end{Bemerkungl}




\begin{Proposition}[\textbf{Von einer Teilmenge erzeugter Untervektorraum}]
Gegeben eine Teilmenge $T$ eines Vektorraums $V$ "uber
 einem\label{TEUV} 
K"orper $K$ gibt es unter allen Untervektorr"aumen von $V$,
die $T$ umfassen, einen 
kleinsten Untervektorraum $$\langle T\rangle
=\langle T\rangle_{\op{lin}}=\langle T\rangle_K\subset V$$
 Er kann beschrieben werden als die Menge  aller Vektoren
$\alpha_1 \vec{v}_1 
+ \ldots + \alpha_r \vec{v}_r $
mit 
$\alpha_1 , \ldots , \alpha_r \in K $ und 
$\vec{v}_1, \ldots , \vec{v}_r \in T$ zusammen mit dem 
Nullvektor im Fall $T=\emptyset$.
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
 Ein Ausdruck der Gestalt $\alpha_1 \vec{v}_1 
+ \ldots + \alpha_r \vec{v}_r $ hei"st eine
{\bf Linearkombination}\index{Linearkombination} der Vektoren 
$\vec{v}_1, \ldots , \vec{v}_r$. Hierbei sind nur endliche Summen erlaubt. 
Der kleinste $T$ umfassende 
Untervektorraum $\langle T\rangle\subset V$ hei"st der 
{\bf von $T$ erzeugte Untervektorraum}\index{erzeugt!Untervektorraum}
Untervektorraum oder der
{\bf von $T$ aufgespannte
Untervektorraum}\index{)5>@$\langle T\rangle$ 
Untervektorraum-Erzeugnis}\index{aufgespannt!Untervektorraum} 
oder auch  das {\bf Erzeugnis von} $T$\index{Erzeugnis!in Vektorraum}  
oder der {\bf Spann von}\index{Spann!in Vektorraum}  $T$ oder die 
{\bf lineare H"ulle von}\index{lineare H"ulle}  $T$. 
\index{H"ulle!lineare} Wenn wir den Nullvektor als
die \glqq leere  Linearkombination von $r=0$ Vektoren\grqq\  verstehen, was hiermit
vereinbart sei, so besteht  das Erzeugnis von $T$ demnach auch im Fall
$T=\emptyset$ genau aus allen 
Linearkombinationen von Vektoren aus $T$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
  Andere "ubliche Notationen f"ur den von einer Teilmenge $T$ eines
  Vektorraums erzeugten Untervektorraum sind $\op{span}(T)$ und
  $\op{lin}(T)$.\index{span@$\op{span}$ Spann}\index{lin@$\op{lin}$ Spann}
\end{Bemerkunge}

\begin{proof}
  Es ist klar, da"s die Linearkombinationen von Vektoren aus $T$ einen
Untervektorraum von $V$ bilden, der $T$ umfa"st. Es ist ebenso klar,
da"s jeder Untervektorraum von $V$, der $T$ umfa"st, auch alle
Linearkombinationen von Vektoren aus $T$ enthalten mu"s. 
\end{proof}





\begin{Definition}
Eine Teilmenge eines Vektorraums hei"st ein 
\defind{Erzeugendensystem} unseres Vektorraums,
 wenn ihr
Erzeugnis der ganze Vektorraum ist.
Ein Vektorraum, der ein endliches Erzeugendensystem besitzt, 
hei"st {\bf endlich erzeugt}.\index{endlich erzeugt!Vektorraum} Manche Autoren 
verwenden\index{erzeugt, endlich!Vektorraum}  
gleichbedeutend 
die vielleicht noch pr"azisere Terminologie \defind{endlich erzeugbar}.
\end{Definition}

\begin{Beispiel}[\textbf{Erzeugnis in der schmutzigen Anschauung}] 
Ich erinnere an unsere Identifikation 
 \ref{VAR} des schmutzigen Vektorraums aller 
Parallelverschiebungen des Raums mit der Menge aller Punkte des Raums 
 durch Auszeichnung eines 
  festen Punktes als Ursprung.
Dem Erzeugnis des Nullvektors entspricht unter dieser
Identifikation die nur aus dem Ursprung bestehende Teilmenge;
 dem 
Erzeugnis eines von Null verschiedenen
Vektors entspricht die anschauliche Gerade durch den
Ursprung  und den Endpunkt des Pfeils, 
der vom Ursprung ausgehend unseren Vektor darstellt; 
und dem Erzeugnis zweier Vektoren, von denen keiner ein Vielfaches des
anderen ist, entspricht die anschauliche 
Ebene, auf der unser fester Punkt und die Endpunkte
  der
beiden Pfeile liegen, die vom Ursprung ausgehend unsere Vektoren
 darstellen. \nichtfinal{(Video!)}
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Schnitt von Untervektorr"aumen}] 
  Der Schnitt von zwei Untervektorr"aumen eines gegebenen Vektorraums ist
offensichtlich wieder ein Untervektorraum.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{VSMS}
  Gegeben eine Menge $X$ erinnere ich an die Menge aller Teilmengen ${\cal P}
  (X) \pdef\{U\mid U\subset X\}$ von $X$, die sogenannte 
{\bf Potenzmenge von $X$}.\index{Potenzmenge}   
Da es mich verwirrt, "uber Mengen von Mengen zu reden, werde ich
  Teilmengen von ${\cal P} (X)$ nach M"oglichkeit als {\bf Systeme von
    Teilmengen von $X$}\index{System von Teilmengen} ansprechen.  Gegeben ein
  solches Mengensystem\label{SVMFa} 
$\cal{U}\subset {\cal P} (X)$ bildet man zwei neue Teilmengen
  von $X$, den {\bf Schnitt}\index{Schnitt!von Mengensystem} 
und die {\bf Vereinigung}\index{Vereinigung!von Mengensystem}  
der Mengen aus\index{)ucup@$\cup$ Vereinigung!$\bigcup$ von Mengensystem}\index{)9cap@$\cap$ Schnitt!$\bigcap$ von Mengensystem}  
  unserem System $\cal{U}$, durch die Vorschriften\index{U@$\bigcup$}\index{$\bigcap$} 
  $$
\begin{array}{lllll}
\bigcup_{U\in\cal{U}} U&=&\bigcup_{U\in\cal{U}}^X U&\pdef&\{ x\in X\mid \text{ Es gibt } 
U\in \cal{U} \text{ mit }
x\in U\}\\[2mm]
\bigcap_{U\in\cal{U}} U&=&\bigcap_{U\in\cal{U}}^X U&\pdef&\{ x\in X\mid \text{ F"ur alle }U\in \cal{U}
\text{ gilt }x\in U \}
\end{array}$$
Es ist un"ublich aber manchmal praktisch,
die Menge $X$ hier mitzunotieren.
Insbesondere ist der Schnitt "uber das leere System von Teilmengen von $X$ ganz
$X$, in Formeln $\bigcap_\emptyset^X=X$,
und die Vereinigung "uber das leere System von Teilmengen von $X$ die leere
Menge. Um den Schnitt "uber ein leeres Mengensystem zu bilden, mu"s man
also spezifizieren, das leere System von Teilmengen welcher Menge man
denn nun betrachtet. Bei allen anderen Operationen kommt es dahingegen
 nicht darauf an. 
\end{Definition}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Erzeugnis als Schnitt}]   
    Jeder Schnitt von Untervektorr"aumen eines Vektorraums ist 
offensichtlich wieder ein
    Untervektorraum.  Betrachten wir f"ur eine Teilmenge $T$ eines Vektorraums
    $V$ "uber einem K"orper $K$ den Schnitt aller Untervektorr"aume von $V$,
    die $T$ umfassen, so erhalten wir offensichtlich den kleinsten
    Untervektorraum von $V$, der $T$ umfa"st. 
Wir erhalten so einen von \ref{TEUV} unabh"angigen Beweis f"ur die  
Existenz solch eines
     kleinsten Untervektorraums. Dieser Beweis hat  
den Vorteil, sich leichter auf andere Arten von Strukturen 
verallgemeinern zu lassen. 
\end{Bemerkungl}

  \subsubsection*{"Ubungen}

  
\begin{Ubung}
 Sei $K$ ein K"orper.
 Man zeige, da"s der $K$-Vektorraum $K$ genau
zwei Untervektorr"aume besitzt.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{lhye}
  Eine Teilmenge eines Vektorraums hei"st ganz allgemein eine
{\bf Hyperebene}\index{Hyperebene!lineare}  
oder pr"aziser {\bf lineare Hyperebene},
wenn unsere Teilmenge ein echter Untervektorraum ist, 
der zusammen mit einem einzigen weiteren Vektor 
unseren urspr"unglichen Vektorraum erzeugt.
Man zeige, da"s eine 
Hyperebene sogar zusammen mit \emph{jedem} Vektor au"serhalb 
besagter Hyperebene unseren urspr"unglichen Vektorraum erzeugt.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}
 Gegeben ein Vektorraum "uber dem K"orper mit zwei Elementen
ist jede Untergruppe bereits ein Untervektorraum. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $V$ ein Vektorraum mit zwei Untervektorr"aumen $U,W$.
  Ist $U\cup W$ ein Untervektorraum, so gilt $U\subset W$ oder $W\subset U$. 
\end{Ubung}


\subsection{Lineare Unabh"angigkeit und Basen}
\begin{Definition}
Eine Teilmenge $L$ eines Vektorraums hei"st 
{\bf linear unabh"angig},\index{linear unabh"angig!Teilmenge} 
wenn f"ur  paarweise verschiedene 
Vektoren $\vec{v}_1, \ldots , \vec{v}_r \in L$ und
beliebige Skalare $\alpha_1, \ldots, \alpha_r \in K$ aus 
$
\alpha_1 \vec{v}_1 + \ldots +\alpha_r \vec{v}_r =\vec{0}
$
bereits folgt $\alpha_1 = \ldots =\alpha_r =0$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Gleichbedeutend ist die Forderung, da"s keiner der
  Vektoren unserer Teilmenge {\bf redundant}\index{redundant} ist
  in dem Sinne, da"s er sich als eine Linearkombination der
  "ubrigen schreiben l"a"st. Der Nullvektor ist dabei in jeder
  Teilmenge redundant: Selbst wenn er der einzige Vektor ist, l"a"st er
  sich noch als die
  leere Linearkombination schreiben.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
  Eine Teilmenge $L$ eines Vektorraums  hei"st 
{\bf linear abh"angig},\index{linear abh"angig!Teilmenge}
   wenn sie nicht linear unabh"angig ist, wenn es also
  ausgeschrieben paarweise verschiedene Vektoren $\vec{v}_1, \ldots , \vec{v}_r \in L$ und
  Skalare $\alpha_1, \ldots, \alpha_r \in K$ gibt derart, da"s 
nicht alle $\alpha_i$ Null sind und dennoch gilt 
$
\alpha_1 \vec{v}_1 + \ldots +\alpha_r \vec{v}_r =\vec{0}
$.
\end{Definition}


\begin{Beispiele}
 Die leere Menge ist in jedem Vektorraum linear unabh"angig.
Eine einelementige Teilmenge\label{ELUU} 
ist linear unabh"angig genau dann, wenn sie nicht aus dem Nullvektor besteht:
F"ur das Produkt des  Nullvektors mit dem Skalar $1$
 gilt n"amlich 
$1\cdot \vec{0}=\vec{0}$, und nach unseren
Annahmen gilt in einem K"orper stets $1\neq 0$, also ist die 
aus dem Nullvektor bestehende Menge nicht linear unabh"angig.
Da"s jede andere einelementige Teilmenge
linear unabh"angig ist, folgt andererseits aus unserer Erkenntnis
\ref{lao}, da"s das Produkt von einem Vektor mit einem Skalar nur dann
Null ist, wenn entweder der Vektor Null ist oder der Skalar. 
\end{Beispiele}



\begin{Beispiel}
  Denken wir uns wie in \ref{VAR} den schmutzigen Raum der Anschauung mit einem
  ausgezeichneten Urspung als reellen Vektorraum, 
so sind drei Vektoren 
linear unabh"angig genau dann, wenn sie nicht
\glqq zusammen mit dem Ursprung in einer Ebene liegen\grqq.
\end{Beispiel}





\begin{Definition}\label{BaVe}
Eine \defnoind{Basis eines Vektorraums}\index{Basis!von Vektorraum} 
ist ein linear unabh"angiges
Erzeugendensystem. 
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
  Denken wir uns wie in \ref{VAR} den schmutzigen Raum der Anschauung mit einem
  ausgezeichneten Ursprung als reellen Vektorraum, 
so ist jede Menge von drei  Vektoren, die nicht
zusammen mit unserem Ursprung in einer  
 Ebene liegen, eine Basis. Die leere Menge ist eine Basis des Nullvektorraums.
\end{Beispiel}



\begin{Bemerkungl}
Gegeben Mengen $A$ und $I$ 
bezeichnet man eine Abbildung $I\ra A$  ganz allgemein auch als eine 
{\bf durch $I$ indizierte} \defind{Familie} {\bf von
Elementen von $A$} und benutzt die Notation $$(a_i)_{i\in I}$$
Diese Sprechweise und Notation f"ur  Abbildungen 
verwendet man insbesondere dann,\label{Familie} 
wenn man der Menge $I$ eine  untergeordnete Rolle 
zugedacht hat. Im Fall $I=\emptyset$ spricht man von der
{\bf leeren Familie}\index{leer!Familie} von Elementen von $A$.
\end{Bemerkungl}  



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Linear unabh"angige Familien}] 
Manchmal ist es praktisch und
f"uhrt zu einer "ubersichtlicheren Darstellung,
 Varianten unserer Begriffe zu 
verwenden, die sich statt auf Teilmengen unseres Vektorraums 
auf Familien von Vektoren $(\vec{v}_i)_{i\in I}$ beziehen.
Eine derartige Familie hei"st ein Erzeugendensystem, wenn 
die Menge $\{\vec{v}_i\mid i\in I\}$  ein Erzeugendensystem ist.
Sie hei"st {\bf linear unabh"angig} oder ganz
pedantisch 
{\bf linear unabh"angig als Familie},\index{linear unabh"angig!Familie}
wenn f"ur beliebige paarweise verschiedene 
Indizes $i(1),\ldots ,i(r) \in I$ und
beliebige Skalare $\alpha_1, \ldots, \alpha_r \in K$ aus 
$
\alpha_1 \vec{v}_{i(1)} + \ldots +\alpha_r \vec{v}_{i(r)} =\vec{0}
$
bereits folgt $\alpha_1 = \ldots =\alpha_r =0$.
Der wesentliche Unterschied zur Begrifflichkeit f"ur
Teilmengen liegt darin, da"s bei einer Familie ja
f"ur verschiedene Indizes die zugeh"origen Vektoren durchaus 
gleich sein k"onnten, was aber durch die Bedingung der linearen
Unabh"angigkeit dann doch wieder ausgeschlossen wird. 
Eine Familie von Vektoren, die nicht linear unabh"angig 
ist, nennen wir  eine
{\bf linear abh"angige Familie}.\index{linear abh"angig!Familie}
Eine erzeugende und linear unabh"angige Familie nennt man 
wieder  eine \defind{Basis} und
ausf"uhrlicher eine \defind{Familienbasis} oder
eine 
{\bf durch $i\in I$ indizierte
 Basis}.\index{Basis!indizierte} 
\end{Bemerkungl}
  
\begin{Bemerkungl}
Besonders oft werden
wir sp"ater Basen betrachten, die durch eine Menge der Gestalt 
$\{1,\ldots,n\}$ mit $n\in\DN$ indiziert sind. 
Hier ist dann der wesentliche Unterschied zu einer Basis 
im Sinne von \ref{BaVe}, 
da"s wir zus"atzlich festlegen, welcher Basisvektor der Erste,
welcher der Zweite und so weiter sein soll. In 
der Terminologie aus \ref{OMl} bedeutet das 
gerade, da"s wir
eine Anordnung auf unserer Basis festlegen.
Wollen wir das besonders hervorheben, so sprechen wir   von einer
\defnoind{angeordneten Basis}.\index{Basis!angeordnete}
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}\label{StdB}
Seien $K$ ein K"orper und $n \in \mathbb{N}$.
Wir betrachten in unserem Vektorraum $K^n$ 
der $n$-Tupel die Vektoren
\begin{equation*}
\vec{\op{e}}_{i} = (0, \ldots , 0,1,0,\ldots, 0)
\end{equation*}
mit einer Eins an der $i$-ten Stelle und Nullen sonst.
Dann bilden $\vec{\op{e}}_1, \ldots, \vec{\op{e}}_n$ eine angeordnete Basis
von $K^n$, die sogenannte \defind{Standardbasis} des $K^n$.
Wir notieren diese Standardbasis $\mathcal S(n)$.\index{S@$\mathcal S(n)$  Standardbasis des $K^n$}
\end{Beispiel}













\begin{Satz}[\textbf{"uber Linearkombinationen von Basiselementen}]
  Seien $K$ ein K"orper,  $V$ ein $K$-Vektorraum  und
  $\vec v_1,\ldots,\vec v_r\in V$ eine durch die Menge $\{1,\ldots,r\}$ indizierte Familie von 
Vektoren von $V$.\label{EDDB}
Genau dann ist diese Familie  eine Basis von
$V$, wenn 
das Auswerten von Linearkombinationen  eine Bijektion
$\Phi :  K^r\sira V$, 
$(\alpha_1,\ldots,\alpha_r)\mapsto \alpha_1\vec v_1+\ldots+\alpha_r\vec v_r
$ liefert.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}\label{Bau} 
  Wir notieren derartige Familien gerne mit kalligraphischen Buchstaben
  wie $\mathcal A\pdef (\vec v_1,\ldots,\vec v_r)$ und 
 notieren unsere Abbildung dann $\Phi =\Phi_{\mathcal A}:  K^r\ra V$. 
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}
Ausf"uhrlicher gilt f"ur unsere Abbildung $\Phi_{\mathcal A}$  sogar: 
\begin{displaymath}
\begin{array}{llllcc}
\mathcal A \text{ ist Erzeugendensystem} &\Leftrightarrow & \Phi_{\mathcal A}
\text{ ist eine Surjektion}&K^r &\sra &V \\
\mathcal A \text{ ist linear unabh"angig} & \Leftrightarrow & \Phi_{\mathcal A}
\text{ ist eine Injektion}&K^r &\hra& V\\
\mathcal A\text{ ist Basis} & \Leftrightarrow & \Phi_{\mathcal A}
\text{ ist eine Bijektion}&K^r  &\sira& V\\
\end{array}
\end{displaymath}
Hier folgt die erste "Aquivalenz direkt aus den Definitionen.
Um bei der zweiten "Aquivalenz die Implikation $\Leftarrow$ einzusehen, 
mu"s man nur bemerken, da"s $\Phi$ den Nullvektor auf
Null wirft und folglich kein anderer Vektor aus  $K^r$ von  $\Phi$ auf Null
geworfen werden kann. Um bei der 
zweiten "Aquivalenz die Implikation $\Rightarrow$ einzusehen,
argumentieren wir durch Widerspruch: W"are $\Phi$ nicht injektiv,
so g"abe es $(\alpha_1,\ldots,\alpha_r)\neq (\beta_1,\ldots,\beta_r)$
mit demselben Bild $\alpha_1\vec v_1+\ldots+\alpha_r\vec v_r=
\beta_1\vec v_1+\ldots+\beta_r\vec v_r$. Dann aber w"are 
$$(\alpha_1-\beta_1)\vec v_1+\ldots +(\alpha_r-\beta_r)\vec v_r=\vec 0$$ 
eine nichttriviale Darstellung der Null 
als Linearkombination der $\vec v_i$ und dann k"onnten unsere Vektoren
nicht linear unabh"angig gewesen sein. 
Die letzte "Aquivalenz
schlie"slich ist eine direkte Konsequenz der ersten beiden.
\end{proof}




\begin{Satz}[\textbf{Extremalcharakterisierungen von Basen}]
F"ur eine Teilmenge eines Vektorraums sind gleichbedeutend:\label{MIBA}
\begin{enumerate}
\item 
Unsere Teilmenge ist eine Basis alias ein linear unabh"angiges 
Erzeugendensystem;
\item
Unsere Teilmenge ist  minimal unter allen
Erzeugendensystemen;
\item
Unsere Teilmenge ist  maximal  unter allen
linear unabh"angigen Teilmengen.
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Die Begriffe minimal und maximal sind hier zu verstehen 
im Sinne von \ref{MiMab} in Bezug auf  
Inklusionen zwischen Teilmengen,
nicht etwa in Bezug auf die Zahl der Elemente. 
Um das zu betonen, spricht man  auch gerne von einem
{\bf verk"urzbaren\index{verk"urzbar!Erzeugendensystem}  
  Erzeugendensystem}, wenn man eben daraus noch  einen Vektor so weglassen kann,
da"s es ein Erzeugendensystem bleibt, und von einer {\bf
  verl"angerbaren\index{verl"angerbar!linear 
    unabh"angige Teilmenge} linear unabh"angigen Teilmenge},
wenn man so einen Vektor dazunehmen kann, da"s sie linear unabh"angig bleibt.
Ein minimales Erzeugendensystem nennen wir folgerichtig auch 
ein {\bf unverk"urzbares Erzeugendensystem}\index{unverk"urzbar!Erzeugendensystem}  und eine 
maximale linear unabh"angige Teilmenge  eine {\bf
  unverl"angerbare linear unabh"angige 
Teilmenge}.\index{unverl"angerbar!linear unabh"angige Teilmenge}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Existenz von Basen}]
  Unsere Minimalcharakterisierung \ref{MIBA} von Basen impliziert insbesondere,
da"s jeder endlich\label{EEBa} 
  erzeugte Vektorraum eine endliche Basis besitzt: Wir lassen einfach aus einem
  endlichen Erzeugendensystem so lange Vektoren weg, bis wir bei einem
   unverk"urzbaren Erzeugendensystem angekommen sind.
Mit raffinierteren Methoden der Mengenlehre 
kann man st"arker den 
{\bf  Basisexistenzsatz}\index{Basisexistenzsatz}
zeigen, nach dem "uberhaupt jeder Vektorraum eine Basis besitzt.  
Wir diskutieren das in \ref{VB}. 
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}
(1$\IFF$2) Es gilt zu zeigen: Ein Erzeugendensystem
ist linear unabh"angig genau dann, wenn es unverk"urzbar ist.
Es ist gleichbedeutend zu zeigen:
Ein Erzeugendensystem
ist linear abh"angig genau dann, wenn es verk"urzbar ist.
 Ist $E \subset V$ ein Erzeugendensystem und 
ist $E$  linear abh"angig, so
gilt eine Relation
$\lambda_{1}\vec{v}_{1} + \ldots + \lambda_{r}\vec{v}_{r} =\vec{0}$
mit $r\geq 1$, mit den $\vec{v}_{i} \in E$ paarweise verschieden und
mit allen $\lambda_{i} \neq 0$, aus der 
wir folgern $$\vec{v}_{1}=-\lambda^{-1}_{1}\lambda_{2} 
\vec{v}_2-\ldots-
\lambda^{-1}_{1}\lambda_{r }\vec{v}_r
\in \langle E\backslash \vec{v}_{1}\rangle$$ 
Damit ist auch $E \backslash \vec{v}_{1}$ 
bereits
ein Erzeugendensystem und $E$ war verk"urzbar.
Ist umgekehrt $E$ verk"urzbar, so gibt es $\vec{v}\in E$ derart,
da"s $E\backslash \vec{v}$ immer noch ein Erzeugendensystem ist.
Insbesondere existiert eine Darstellung
$$\vec{v}=\lambda_1\vec{v}_{1}+\ldots +\lambda_n\vec{v}_{n}$$
mit $n\geq 0$ und $\vec{v}_{i}\in E\backslash \vec{v}$
 paarweise verschieden. Daraus folgt die Relation 
$1\vec{v}-\lambda_1\vec{v}_{1}-\ldots -\lambda_n\vec{v}_{n}=\vec{0}$
und $E$ war  linear abh"angig, da ja in jedem K"orper gilt $1\neq 0$.
\\[3mm]
\noindent
(1$\IFF$3) 
Es gilt zu zeigen: Eine linear unabh"angige Teilmenge ist ein
 Erzeugendensystem
genau dann, wenn sie unverl"angerbar ist.
Wir argumentieren wieder durch Widerspruch.
Ist  $L\subset V$ linear unabh"angig und kein 
Erzeugendensystem, so ist f"ur jedes
$\vec{v}\in V \backslash \langle  L\rangle$ auch $L \cup \{\vec{v}\}$
linear unabh"angig und $L$ war verl"angerbar.
Ist umgekehrt $L$  verl"angerbar, so gibt es einen
Vektor $\vec{v}$ derart, da"s auch 
$L \cup \{\vec{v}\}$
linear unabh"angig ist, und dann kann $L$ kein Erzeugendensystem gewesen sein,
denn dieser Vektor $\vec{v}$ kann nicht zu seinem Erzeugnis geh"ort haben.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Extremalcharakterisierungen von Basen, Variante}] 
Sei $V$ ein Vektorraum.\label{MIBAr} 
\begin{enumerate}
\item Ist 
$L\subset V$ eine linear unabh"angige Teilmenge und ist 
$E$ minimal unter allen 
Erzeugendensystemen unseres Vektorraums mit $E\supset L$,
so ist $E$ eine Basis unseres Vektorraums $V$;
\item
Ist $E\subset V$ ein Erzeugendensystem und ist $L$ 
maximal unter allen linear 
unabh"angigen Teilmengen unseres Vektorraums mit  $L\subset E$,
so ist $L$ eine Basis unseres Vektorraums $V$. 
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Die Begriffe minimal und maximal sind hier genau wie in 
\ref{MIBA} zu verstehen im Sinne von
  \ref{MiMab} in Bezug auf Inklusionen zwischen Teilmengen, nicht
  etwa in Bezug auf die Zahl ihrer Elemente.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
(1) W"are $E$ keine Basis, so g"abe es zwischen seinen Vektoren eine 
nichttriviale Relation 
$\lambda_{1}\vec{v}_{1} + \ldots + \lambda_{r}\vec{v}_{r} =\vec{0}$
mit $r\geq 1$,  den $\vec{v}_{i} \in E$ paarweise verschieden und
 allen $\lambda_{i} \neq 0$. Hier k"onnen nicht alle $\vec{v}_{i}$ zu
$L$ geh"oren, da das ja linear unabh"angig angenommen war. 
Ein $\vec{v}_{i}$ geh"ort also zu $E\backslash L$ und kann als
Linearkombination der anderen Elemente von $E$ geschrieben werden.
Dann aber ist $E\backslash \{\vec{v}_{i}\}$ auch schon ein Erzeugendensystem
und $E$ war nicht minimal.
\\[3mm]
\noindent
(2) W"are $L$ keine Basis, so w"are $L$ kein Erzeugendensystem und es g"abe
notwendig auch einen Vektor $\vec v\in E$, der nicht im Erzeugnis von $L$ 
l"age. Nehmen wir ihn zu $L$ hinzu, so erhalten wir eine echt gr"o"sere
linear unabh"angige Teilmenge und $L$ war nicht maximal. 
\end{proof}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Lineare Unabh"angigkeit und Erzeugen bei abelschen Gruppen}]
In der Hoffnung, da"s es zum Verst"andnis beitr"agt, 
will ich kurz ausf"uhren, inwiefern die Analoga der
vorhergehenden Aussagen im Fall abelscher Gruppen im allgemeinen
nicht mehr gelten.
Eine Teilmenge $L$ einer abelschen Gruppe $M$ hei"st 
{\bf linear unabh"angig},\index{linear unabh"angig!Teilmenge} 
wenn f"ur beliebige paarweise verschiedene Elemente
$m_1, \ldots , m_r \in L$ und
beliebige ganze Zahlen $\alpha_1, \ldots, \alpha_r \in \DZ$ aus 
$
\alpha_1 m_1 + \ldots +\alpha_r m_r =0
$
bereits folgt $\alpha_1 = \ldots =\alpha_r =0$. Sie hei"st ein
{\bf Erzeugendensystem}, wenn sich jedes Gruppenelement als endliche
Linearkombination von Elementen von $L$ mit ganzzahligen Koeffizienten
 schreiben l"a"st. 
Sie hei"st eine {\bf Basis}, 
wenn sie ein linear unabh"angiges Erzeugendensystem ist.
In der zweielementigen Gruppe ist dann die leere Menge
die einzige linear unabh"angige Teilmenge und
das Komplement der Null das einzige  minimale
Erzeugendensystem
und es gibt keine Basis. Weiter besitzt abelsche Gruppe $\DZ$ zwar eine Basis,
etwa die Menge $\{1\}$, aber mit
 $\{2,3\}$  auch  ein minimales Erzeugendensystem, das nicht linear unabh"angig ist ist,
und mit $\{2\}$  eine maximale linear unabh"angige Teilmenge,
die kein Erzeugendensystem ist.
\end{Bemerkungl}



\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Eine zweielementige Teilmenge eines Vektorraums
ist linear unabh"angig genau dann, wenn keiner
  ihrer beiden Vektoren ein Vielfaches des anderen ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Eine  Teilmenge eines Vektorraums
ist linear abh"angig genau dann, wenn sich mindestens einer ihrer Vektoren als
eine Linearkombination der "ubrigen schreiben l"a"st.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s im Vektorraum $\op{Ens}(\DR,\DR)$ das Erzeugnis der
  beiden Funktionen $\sin,\cos$ aus allen Funktionen besteht, die sich
  in der Form $x\mapsto A\sin(x+\varphi)$ schreiben lassen f"ur $A\geq 0$ und
  $\varphi\in [0,2\pi)$. In diesem Zusammenhang ist $A$
    wohlbestimmt und hei"st die {\bf Amplitude}.\index{Amplitude}
    Im Fall $A\neq 0$ ist $\varphi$ auch wohlbestimmt und hei"st die 
    {\bf Phase}.\index{Phase}
\end{Ubung}

\subsection{Dimension eines Vektorraums} 


\begin{Satz}[\textbf{Hauptabsch"atzung der linearen Algebra}] 
In einem vorgegebenen Vektorraum $V$ hat eine
linear  unabh"angige Teilmenge\label{LlEe} nie
mehr  Elemente als ein Erzeugendensystem.
Ist also  in Formeln $L \subset V$ eine linear unabh"angige Teilmenge
und $E\subset V$ ein Erzeugendensystem, so gilt stets
$$ |L|\leq |E|$$
\end{Satz}

\begin{Beispiel} Wir zeigen beispielhaft, da"s drei
  paarweise verschiedene Linearkombinationen $\vec v_1, \vec v_2, \vec v_3$
  von zwei Vektoren
  $\vec w_1, \vec w_2$ stets linear abh"angig sein m"ussen.
  Dazu schreiben wir unsere drei Linearkombinationen als 
  \begin{displaymath}
\begin{array}{ccccccccc}
\vec{v}_1 &=&a_{11}\vec{w}_1 &+&a_{21}\vec{w}_2 \\
\vec{v}_2 &=&a_{12}\vec{w}_1 &+&a_{22}\vec{w}_2 \\
\vec{v}_3 &=&a_{13} \vec{w}_1 &+&a_{23} \vec{w}_2
\end{array}
  \end{displaymath}
  Die Gleichung $x_1\vec{v}_1 + x_2\vec{v}_2+ x_3\vec{v}_3=\vec 0$ ist
  sicher erf"ullt f"ur jede L"osung $(x_1, x_2, x_3)$ des 
Gleichungssystems
 \begin{displaymath}
\begin{array}{ccccccc}
 x_1a_{11} &+&x_2a_{12} &+& x_3a_{13}&=&0 \\
 x_1a_{21} &+&x_2a_{22} &+& x_3a_{23}&=&0 
\end{array}
 \end{displaymath}
 Das ist jedoch ein homogenes lineares
 Gleichungssystem aus zwei Gleichungen f"ur drei Unbekannte.
 Der Gau"s-Algorithmus \ref{GauA} zeigt in dieser Situation, da"s es mindestens eine
 nichttriviale L"osung $(x_1, x_2, x_3)\neq (0,0,0)$ hat. Also sind
 $\vec v_1, \vec v_2, \vec v_3$ linear abh"angig.
 \end{Beispiel}
\begin{proof} Hier schreiben wir nur das eben diskutierte Beispiel
  vom Fall $(2,3)$ auf den allgemeinen Fall $(m,n)$ mit $m<n$ um. 
 Sei $K$ unser Grundk"orper.
Seien $E = \{ \vec{w}_1, \ldots, \vec{w}_m\}$ 
ein Erzeugendensystem
und $ \vec{v}_1, \ldots, \vec{v}_n$ Vektoren.
Dann k"onnen wir die Vektoren $ \vec{v}_1, \ldots, \vec{v}_n$
als Linearkombinationen der Vektoren unseres Erzeugendensystems schreiben.
In Formeln ausgedr"uckt k"onnen wir also Skalare $a_{ij} \in K$ finden mit
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccccccccc}
\vec{v}_1 &=&a_{11}\vec{w}_1 &+&a_{21}\vec{w}_2 &+& \cdots &+& a_{m1} \vec{w}_m\\
\vdots & & \vdots & &\vdots & & & &\vdots\\
\vec{v}_n &=&a_{1n} \vec{w}_1 &+&a_{2n} \vec{w}_2 &+&\cdots &+& a_{mn} \vec{w}_m
\end{array}
\end{displaymath}
F"ur $x_1,\ldots, x_n\in k$ ist damit  $x_1\vec v_1+\ldots+x_n\vec v_n=\vec 0$ gleichbedeutend zu
  $$\left(\sum x_ia_{1i}\right)\vec w_1 + \ldots+\left(\sum x_ia_{mi}\right)\vec w_m=\vec 0$$
Das gilt a forteriori, wenn die Koeffizienten aller $\vec w_j$ verschwinden,
also f"ur jede L"osung des Gleichungssystems
 \begin{displaymath}
\begin{array}{ccccccccc}
 x_1a_{11} &+&x_2a_{12} &+& \cdots &+& x_na_{1n}&=&0 \\
\vdots & & \vdots & & & &\vdots & &\vdots\\
x_1a_{m1} &+&x_2a_{12} &+& \cdots &+& x_na_{mn}  &=&0
\end{array}
\end{displaymath} 
Im Fall $m<n$ hat
dieses Gleichungssystem 
weniger Gleichungen hat als Unbekannte und der Gau"s-Algorithmus
\ref{GauA} liefert daf"ur mindestens eine von Null verschiedene 
L"osung $(x_1,\ldots,x_n)\neq (0,\ldots,0)$. Mithin mu"s die Familie
der  Vektoren
 $\vec{v}_1,\ldots,\vec{v}_n$  linear abh"angig  sein.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion alternativer Zug"ange}] 
Die Terminologie \glqq Hauptabsch"atzung der linearen Algebra\grqq\ 
f"ur diese Aussage ist un"ublich.
Wir verwenden bei ihrer Formulierung  unsere Konvention, 
nach der wir f"ur alle unendlichen Mengen $X$ schlicht
  $|X|=\infty$ setzen. 
Damit macht der Satz also nur f"ur endlich erzeugte Vektorr"aume
"uberhaupt eine Aussage.
Er gilt aber auch mit einer 
feineren Interpretation von $|X|$ als
\glqq Kardinalit"at\grqq. Genauer folgt aus dem \glqq Zorn'schen Lemma\grqq\  
die Existenz einer 
Injektion $L\hra E$, wie in \ref{ATLa} in gr"o"serer Allgemeinheit
diskutiert wird. Man ben"otigt dazu den
\glqq Austauschsatz von Steinitz\grqq\ \ref{ATL},
der auch einen oft gew"ahlten alternativen  
Zugang zur Hauptabsch"atzung der linearen Algebra liefert.
Der Kern des Arguments ist jedoch bei beiden Zug"angen derselbe.
\end{Bemerkungl}

  \begin{Korollar}[\textbf{Basiserg"anzungssatz}]
    Ist $M$ eine linear unabh"angige Teilmenge 
in einem endlich erzeugten
    Vektorraum und $E$ ein Erzeugendensystem,\label{BEGSn} 
    so l"a"st sich $M$ durch Hinzunahme 
von Vektoren aus $E$ zu einer Basis
    unseres Vektorraums erg"anzen.
  \end{Korollar}
  \begin{Bemerkungw}
    Mit raffinierteren Methoden der Mengenlehre kann man 
diesen Satz sogar f"ur jeden beliebigen, nicht notwendig endlich erzeugten
    Vektorraum zeigen.  Wir diskutieren das in \ref{VB}.
  \end{Bemerkungw}

  \begin{proof}
    Nach  der 
Maximalcharakterisierung  \ref{MIBAr}  von Basen
ist jede linear unabh"angige Teilmenge $L$
    unseres Vektorraums, die maximal 
ist unter allen linear unabh"angigen
    Teilmengen $L$ mit $ L\subset (M\cup E)$, 
bereits eine Basis.  Nach der
    Hauptabsch"atzung \ref{LlEe} kann 
man $M$ auch tats"achlich zu einer
    maximalen linear unabh"angigen Teilmenge 
von $M\cup E$ vergr"o"sern.
  \end{proof}





\begin{Korollar}[\textbf{Kardinalit"aten von Basen}]
Jeder endlich erzeugte Vektorraum\label{KaB} besitzt eine endliche Basis
und je zwei seiner Basen haben gleich viele Elemente.
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungw}
In \eref{KaBa}{AL} wird mit raffinierteren Methoden der Mengenlehre gezeigt, 
da"s es auch im  Fall eines nicht notwendig endlich erzeugten Vektorraums 
f"ur je zwei seiner Basen eine Bijektion  zwischen der einen Basis 
und der anderen Basis 
gibt.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Wie bereits in \ref{EEBa} erw"ahnt, erhalten wir 
 eine endliche Basis, 
wenn wir ein beliebiges endliches Erzeugendensystem durch das
Streichen von Vektoren zu einem unverk"urzbaren 
Erzeugendensystem verkleinern.
Gegeben zwei Basen $B$ und $B'$ eines Vektorraums 
haben wir nach der Hauptabsch"atzung 
\ref{LlEe} au"serdem stets
 $|B| \leq |B'|\leq|B|$. 
\end{proof}
\begin{Definition}
Die Kardinalit"at einer und nach  \ref{KaB}
jeder Basis eines endlich erzeugten Vektorraums $V$
hei"st die \defnoind{Dimension}\index{Dimension!eines Vektorraums} 
von $V$ und wird $\dim V$ 
notiert.\index{dim@$\dim$ Dimension eines Vektorraums} 
Ist $K$ ein K"orper und wollen wir betonen, da"s wir die Dimension als
$K$-Vektorraum
meinen, so schreiben wir $$\dim V=\dim_K V$$
Ist der Vektorraum nicht endlich erzeugt, so schreiben wir $\dim V = \infty$
und nennen $V$ 
{\bf unendlichdimensional} und
ignorieren f"ur gew"ohnlich die durchaus m"oglichen 
feineren Unterscheidungen
zwischen verschiedenen Unendlichkeiten. Derlei Feinheiten 
werden erst in \eref{KaBa}{AL}
besprochen.
\end{Definition}

\begin{Bemerkunge}[\textbf{Verschiedene 
Bedeutungen des Wortes \glqq Dimension\grqq}] 
 In der Physik wird der Begriff der\label{phDim} 
\glqq Dimension\grqq\ \index{Dimension!physikalische} leider
auch noch in einer v"ollig anderen Bedeutung verwendet: 
Physikalische Dimensionen w"aren im physikalischen Sinne etwa
die L"ange, die Zeit, die Masse, die Frequenz und dergleichen mehr.
In der hier entwickelten Sprache w"urde man so eine
physikalische Dimension wohl am ehesten als einen
\glqq eindimensionalen reellen Vektorraum\grqq\  modellieren,
vielleicht noch mit einer ausgezeichneten \glqq Orientierung\grqq.
Ich kann nur hoffen, da"s der Leser aus dem Kontext
erschlie"sen kann, 
welcher Dimensionsbegriff
 im Einzelfall jeweils gemeint ist. 
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}
Der Nullraum hat als Basis die leere Menge. Seine Dimension ist 
folglich Null.  Allgemeiner hat
f"ur jeden K"orper $K$ die Standardbasis aus \ref{StdB} des  Vektorraums $K^n$  genau $n$ Elemente und das zeigt $$\dim_K K^n=n$$
\end{Bemerkungl}


\begin{Korollar}[\textbf{Kardinalit"atskriterien  f"ur Basen}]
Sei $V$ ein endlich erzeugter Vektorraum.\label{VED} 
\begin{enumerate}
\item
Jede linear unabh"angige Teilmenge $L \subset V$ hat 
h"ochstens $\op{dim}V$ Elemente und 
 im Fall $|L| =\op{dim}V$
ist sie bereits eine Basis;
\item
Jedes Erzeugendensystem $E \subset V$ hat mindestens
$\op{dim}V$ Elemente
und im Fall
$|E| =\op{dim}V$ ist es bereits eine Basis.
\end{enumerate}
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Nach der Hauptabsch"atzung \ref{LlEe} gilt f"ur $L$ eine
linear unabh"angige Teilmenge, $B$ eine
Basis  und $E$ ein Erzeugendensystem von $V$ stets
$$|L|\leq |B|\leq |E|$$ 
Gibt es ein endliches Erzeugendensystem, so mu"s im Fall 
$|L|= |B|$ mithin $L$  eine unverl"angerbare 
linear unabh"angige Teilmenge und damit nach 
der Maximalcharakterisierung \ref{MIBA}  eine
Basis sein.
Im Fall 
$|B|= |E|$ mu"s $E$ in derselben Weise ein unverk"urzbares
 Erzeugendensystem und damit nach 
der Minimalcharakterisierung \ref{MIBA} eine
Basis sein.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Dimensionsabsch"atzung f"ur Untervektorr"aume}] 
Ein  
echter Untervektorraum eines endlichdimensionalen Vektorraums 
ist stets auch endlich erzeugt und
hat dar"uber hinaus  eine echt kleinere Dimension.\label{AbD} 
\end{Korollar}



\begin{proof}[Beweis] 
Ist  in Formeln $U\subset V$ ein Untervektorraum eines
 endlichdimensionalen Vektorraums, so behaupten wir mithin
$\dim U \leq \dim V$ und behaupten zus"atzlich, da"s aus $\dim U = \dim
  V < \infty$ folgt $ U =V$.
Nach der Hauptabsch"atzung \ref{LlEe}  gibt es
 in $U$ eine unverl"angerbare
 linear unabh"angige Teilmenge
und jede derartige Teilmenge hat h"ochstens $\op{dim}V$ Elemente.
Jede derartige Teilmenge 
ist aber nach der Maximalcharakterisierung 
\ref{MIBA} notwendig eine Basis von $U$ und das zeigt 
$\dim U\leq \dim V$. Gilt hier Gleichheit, so ist wieder nach der Hauptabsch"atzung \ref{LlEe} 
jede Basis von $U$  auch eine unverl"angerbare linear unabh"angige Teilmenge
von $V$, nach der Maximalcharakterisierung 
\ref{MIBA} mithin eine Basis von $V$ und das zeigt
$U=V$.
\end{proof}


\begin{Satz}[\textbf{Dimensionssatz}]
Gegeben ein Vektorraum $V$ und darin  Teilr"aume 
$U, W \subset V$  gilt\label{D1S}
\begin{equation*}
\dim (U + W)+ \dim (U \cap W) = \dim U + \dim W 
\end{equation*}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Wir verwenden hier die bereits in \eref{Verk}{GR}
  eingef"uhrte Notation $U+W$ f"ur den Teilraum 
$U+W\pdef\{\vec u +\vec w\mid \vec u\in U,\;\vec w
\in W\}$ von $V$. 
Wir beweisen diesen Satz in \ref{D2S} noch ein zweites Mal 
als Korollar der Dimensionsformel f"ur lineare Abbildungen.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildDiSa}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Dimensionssatz nach \ref{IDSk}: Zwei verschiedene 
Ebenen im Raum, die beide einen ausgezeichneten festen Punkt 
enthalten, schneiden sich in einer Geraden.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Beispiel}\label{IDSk}
Denken wir uns wie in \ref{VAR} 
den  Raum der schmutzigen Anschauung mit einem ausgezeichneten
festen Punkt als Vektorraum,  so entsprechen die zweidimensionalen
Untervektorr"aume den anschaulichen Ebenen durch unseren festen Punkt
und je zwei verschiedene zweidimensionale
Untervektorr"aume $U, W$ spannen den ganzen Raum auf, $\op{dim}(U+W)=3$.
Zwei verschiedene Ebenen durch unseren festen  Punkt schneiden sich nun
offensichtlich in einer anschaulichen Geraden, und das entspricht genau der
Aussage unseres Satzes, die
in diesem Fall zur Identit"at $3+1=2+2$ spezialisiert.
\end{Beispiel}
\begin{proof}
Sind $U$ oder $W$ unendlichdimensional, so ist das eh klar.
Sonst w"ahlen wir eine Basis $s_1, \ldots, s_d$ von $U \cap W$
und erg"anzen sie erst durch $u_1, \ldots, u_r \in U$ zu einer Basis
von $U$ und dann weiter durch $w_1, \ldots, w_t \in W$ zu einer Basis
von $U + W$.
Wir haben gewonnen, wenn wir zeigen k"onnen, da"s 
bei derartigen Wahlen bereits $s_1, \ldots, s_d, w_1,
\ldots, w_t$ eine Basis von $W$ ist. Dazu reicht es zu zeigen, da"s diese Menge
$W$ erzeugt.
Sicher k"onnen wir jedes $w \in W$ schreiben als Linearkombination
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccl}
w &=& \lambda_1 u_1 + \ldots + \lambda_r u_r \\
& &\!\!\!\!\quad + \mu_1 s_1 + \ldots + \mu_d s_d \\
& & \quad +\nu_1 w_1 + \ldots + \nu_t w_t
\end{array}
\end{displaymath}
Dabei gilt jedoch offensichtlich $\lambda_1 u_1 + \ldots + \lambda_r u_r 
\in W \cap U$. Dieser Ausdruck 
l"a"st sich damit auch als Linearkombination der $s_i$
schreiben, so da"s $w$ selbst auch als 
Linearkombination der $s_i$ und  $w_j$
geschrieben werden kann, was zu zeigen war. 
Im "ubrigen mu"s dann auch bei der obigen Darstellung bereits
gelten $\lambda_1 = \ldots = \lambda_r =0$, aber das ist f"ur unseren Beweis
schon gar nicht mehr von Belang.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s jeder eindimensionale Vektorraum genau
zwei Untervektorr"aume besitzt.
\end{Ubung}




\begin{Ubung}
  Gegeben $K$-Vektorr"aume $V$ und $W$ 
mit Basen $v_1,\ldots, v_n$ und $w_1,\ldots, w_m$ zeige man,
da"s die Paare $(v_i,0)$ zusammen mit den Paaren
$(0,w_j)$ eine Basis von $V\oplus W$ bilden.\label{DDpr} 
Insbesondere gilt f"ur die Dimension
des \hyperref[UDSn]{kartesischen Produkts} %im Sinne von \ref{UDSn} 
die Formel
$$\op{dim}(V\oplus W)=\op{dim}(V)+ \op{dim}(W)$$
  Gegeben $K$-Vektorr"aume $V_1,\ldots, V_n$ gilt allgemeiner
 f"ur die Dimension
ihres kartesischen Produkts
die Formel
$$\op{dim}(V_1\oplus\ldots\oplus V_n)=\op{dim}(V_1)+\ldots+ \op{dim}(V_n)$$
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
Wir erinnern die K"orper $\DR\subset \DC$ aus \eref{KRCC}{GR}.
Nat"urlich kann jeder   $\DC$-Vektorraum $V$  auch als  $\DR$-Vektorraum 
aufgefa"st werden. 
Wir notieren diesen $\DR$-Vektorraum wieder $V$ oder ausf"uhrlicher
$V^\DR$ und nennen ihn die 
{\bf Reellifizierung}\index{Reellifizierung} 
von\index{)8bb@$V^\DR$ Reellifizierung von $V$} $V$.
Man zeige $\op{dim}_\DR V^\DR=2\op{dim}_\DC V$.
\end{Ubunge}

\subsection{Austauschsatz von Steinitz*}
\begin{Bemerkungl}
  Einen anderen Zugang zur Hauptabsch"atzung 
der linearen Algebra \ref{LlEe} liefert
der folgende Austauschsatz von Steinitz, 
der sogar eine etwas feinere Aussage liefert. 
Im hier verfolgten Zugang zur linearen Algebra ist er entbehrlich.
Mir scheint insbesondere seine Variante \eref{ALNA}{AL} 
relevant, da es mit ihr gelingt,
auch  im Fall eines nicht  endlich erzeugten 
Vektorraums die Existenz einer Bijektion zwischen je zweien 
seiner Basen zu zeigen. Derlei Feinheiten 
geh"oren jedoch eher nicht in eine Grundvorlesung.
Ich habe den Austauschsatz hier dennoch besprochen, 
da er beim "ublichen Aufbau der Theorie eine wichtige Rolle spielt
und deshalb auch in Pr"ufungen oft danach  gefragt wird.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Austauschsatz von Steinitz}]
Ist $V$ ein Vektorraum, $L \subset V$ eine endliche linear unabh"angige
Teilmenge und $E\subset V$ ein Erzeugendensystem, 
so gibt es eine Injektion $\varphi: L\hra E$ derart, \label{ATL}
da"s auch $ (E \backslash \varphi(L)) \cup L$
ein Erzeugendensystem von $V$ ist.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}\label{ATLa}
Wir k"onnen also in anderen Worten 
die Vektoren unserer linear unabh"angigen Teilmenge 
so in unser Erzeugendensystem hineintauschen, 
da"s es ein Erzeugendensystem bleibt.
Mit raffinierteren Methoden der Mengenlehre kann
obiger Austauschsatz auch ohne die Voraussetzung $L$ endlich
gezeigt werden. Der Beweis
in dieser Allgemeinheit wird in \eref{ALNA}{AL} skizziert. 
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
  Der Austauschsatz
  folgt leicht induktiv aus dem Austauschlemma \ref{ATLL}, das wir
im Anschlu"s beweisen: Dies Lemma erlaubt uns n"amlich, die
Elemente von $L$ der Reihe nach in $E$ hineinzutauschen.
\end{proof}
\begin{Lemma}[\textbf{Austauschlemma von Steinitz}]
Seien $V$  ein Vektorraum  und darin $ E\supset M$
 ein Erzeugendensystem mit einer linear unabh"angigen
Teilmenge.  
Ist $\vec w\in V\backslash M$ ein Vektor au"serhalb von $M$ derart, 
da"s auch $M\cup\{\vec w\}$ linear unabh"angig ist, 
so gibt es $\vec e\in E\backslash M$ derart, da"s\label{ATLL} 
auch $ (E \backslash \vec e) \cup \{\vec w\}$
ein Erzeugendensystem von $V$ ist.
\end{Lemma}

\begin{proof}
 Da $E$ ein Erzeugendensystem von $V$ ist, k"onnen wir
$\vec w$ als Linearkombination von Vektoren aus $E$ schreiben,
sagen wir
$$\vec{w}=\lambda_1\vec{e}_1+ \ldots+ \lambda_r\vec{e}_r $$
mit paarweise verschiedenen $\vec{e}_i\in E$ und allen Koeffizienten
verschieden von Null.
Da $M\cup\{\vec w\}$  linear unabh"angig ist, k"onnen hier
nicht alle $\vec e_i$ bereits zu $M$ geh"oren. Ohne Beschr"ankung der
Allgemeinheit d"urfen wir also $\vec e_1\not\in M$ annehmen. 
Nun schreiben wir unsere Identit"at um zu 
$$\vec{e}_1=\lambda_1^{-1}(\vec{w}- 
\lambda_2\vec{e}_2-\ldots- \lambda_r\vec{e}_r)$$
und sehen so, da"s auch  $ (E \backslash \vec e_1) \cup \{\vec w\}$
ein Erzeugendenystem ist. 
\end{proof}





\subsection{Auswahlaxiom und Zorn'sches Lemma*}\label{ZoLe}
\begin{Bemerkungl}\label{maxE}
Wir 
erinnern an einige Begriffe im Zusammenhang mit 
teilgeordneten Mengen aus \ref{OMl}, deren genaue Bedeutung im folgenden 
wesentlich ist. 
Ein Element einer 
teilgeordneten Menge $x\in X$ hei"st {\bf maximal}, wenn
es keine Elemente oberhalb von $x$ gibt. 
Ein Element einer 
teilgeordneten Menge $x\in X$ hei"st das {\bf gr"o"ste Element von $X$},\index{gr"o"stes Element} 
 wenn
 alle anderen Elemente  unterhalb von $x$ liegen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Es kann also
in einer teilgeordneten Menge
viele maximale Elemente geben, aber nicht mehr als
ein gr"o"stes Element. Falls es ein gr"o"stes Element gibt, so ist
dies auch das einzige maximale Element. 
Gibt es andererseits genau ein maximales 
Element und ist $X$ endlich, so ist dies 
maximale Element notwendig das gr"o"ste
Element.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Seien $X\supset Y$ eine teilgeordnete Menge mit einer Teilmenge.
  Ein Element $o\in X$ hei"st eine {\bf obere Schranke von $Y$}, wenn
  gilt $o\geq y\;\forall y\in Y$. Gibt es eine kleinste derartige obere Schranke, so hei"st sie das {\bf Supremum von $Y$ in $X$} und wird 
  $\op{sup}Y=\op{sup}_XY$ notiert.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Eine Teilmenge einer teilgeordneten Menge
hei"st eine {\bf Kette},\index{Kette!in teilgeordneter Menge} wenn
sie total geordnet ist, wenn also darin je zwei Elemente vergleichbar sind. 
Eine teilgeordnete Menge hei"st
{\bf induktiv teilgeordnet}, wenn darin  jede 
Kette eine obere Schranke besitzt,\index{teilgeordnet!induktiv}
und 
{\bf streng induktiv teilgeordnet}, wenn darin jede 
Kette eine kleinste obere Schranke besitzt.\index{teilgeordnet!streng induktiv}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Eine induktiv teilgeordnete Menge ist nie leer,
denn die leere Menge ist stets eine Kette und besitzt folglich
eine obere Schranke. In der Literatur
sagt man meist einfacher \glqq induktiv geordnet\grqq\ und \glqq streng induktiv geordnet\grqq.\index{geordnet!induktiv}\index{geordnet!streng induktiv}  \nichtfinal{(Video!)}
\end{Bemerkungl}




\begin{Satz}[\defnoind{Fixpunktsatz von Bourbaki}]\label{FPSB}
Gegeben eine streng induktiv teilgeordnete Menge $(S,\leq)$ besitzt jede
Abbildung $f:S\ra S$ mit der Eigenschaft $f(s)\geq s\;\forall s\in S$
mindestens einen Fixpunkt.
\end{Satz}
\begin{proof}
 Sicher besitzt $S$ ein kleinstes Element $k\in S$,
n"amlich das Supremum der leeren Menge, die ja stets eine
Kette ist. Eine Teilmenge $T\subset S$ hei"se  ein {\bf $f$-Turm} oder kurz {\bf Turm}, wenn
gilt\label{fTurm} 
\begin{enumerate}
\item
Ist $K \subset T$ eine Kette, so geh"ort auch
$\op{sup}_SK$ zu $T$;%.Das kleinste Element $k$ von $S$ geh"ort zu $T$;
\item
Aus $t \in T$ folgt $f(t) \in T$, als da hei"st, $T$ ist stabil unter $f$.
\end{enumerate}
Insbesondere geh"ort also das Supremum der leeren Menge alias das
kleinste Element von $S$ zu jedem Turm. 
  Der Schnitt "uber alle T"urme in $S$ ist sicher der bez"uglich
  Inklusion {\bf kleinste Turm  $R\subset S$}.
  Gegeben  ein Turm $T\subset S$ 
  hei"se weiter ein Element $e\in T$ eine {\bf Engstelle von $T$}, wenn
  f"ur alle $a\in T$ gilt $(a<e)\RA (f(a)\leq e)$.
  Ist $e\in T$ eine Engstelle eines Turms, so ist auch
  $$T_e\pdef \{a\in T\mid a\leq e\;\text{ oder }\;f(e)\leq a\}$$
  ein Turm. Hier folgt  $f(T_e)\subset T_e$ aus der Definition einer Engstelle und die Supremumseigenschaft ist auch offensichtlich
  erf"ullt. Per definitionem gilt $T_e\subset T$. F"ur jede
  Engstelle $e\in R$ des kleinsten Turms $R$ gilt insbesondere
  $$R_e=R$$
  Eine Engstelle von $R$ ist also mit jedem Element von $R$ vergleichbar.  
  Wir zeigen nun, da"s unser kleinster Turm $R$ "uberhaupt nur aus Engstellen besteht. Dazu reicht es zu zeigen, da"s die Menge seiner
  Engstellen $E\subset R$ auch ihrerseits wieder ein Turm ist.
  Pr"ufen wir also unsere beiden
  Eigenschaften.  Die kleinste obere Schranke einer
  Kette von Engstellen eines Turms ist offensichtlich auch selbst
  wieder eine Engstelle unseres Turms. Bleibt nur noch $f(E)\subset E$ zu pr"ufen. F"ur jede Engstelle $e\in E$ unseres kleinsten Turms $R$ gilt jedoch wie bereits erw"ahnt 
  $R_e=R$.
  Damit ist auch $f(e)$ eine Engstelle von $R$, denn f"ur $a\in R=R_e$
  folgt aus $a<f(e)$ offensichtlich $ f(e)\not\leq a$ und so $a\leq e$,
  also entweder $a<e$ oder $a=e$. Im ersten Fall $a<e$ folgt
  weiter $f(a)\leq e$, weil
  $e$ bereits als Engstelle von $R$ angenommen war, wohingegen im zweiten Fall
   $a=e$ eh klar ist, da"s gilt $f(a)\leq f(e)$, ja sogar $f(a)= f(e)$. 
  Damit gilt also $e\in E\RA f(e)\in E$ alias $f(E)\subset E$ und $E$ ist in der Tat wieder ein Turm. Da $R$ der kleinste Turm war, folgern  wir $$E=R$$ F"ur alle $e\in R$ gilt folglich
  $R_e=R$ und f"ur jedes $a\in R$ gilt damit $a\leq e$ oder $e\leq a$, ja sogar
  $f(e)\leq a$. Mithin ist unser kleinster Turm $R$
  eine Kette und deren kleinste
  obere Schranke ist dann notwendig das gr"o"ste Element von $R$ und
  ein Fixpunkt von $f$.
\end{proof}
  



\begin{Bemerkunge}
Anschaulich mag man sich unsere teilgeordnete Menge
$S$ mit der Abbildung $f$ 
vorstellen als eine mathematische 
Beschreibung f"ur mehr oder weniger
geordnetes Schlangestehen, etwa um in ein Flugzeug 
zu gelangen.
In dieser Interpretation w"are  
$S$ eine Menge m"oglicher Standpl"atze und die Abbildung
$f$ w"are eine Vorschrift, die unsere Flugreisenden
in jedem Zeitschritt von einem Standplatz zu einem
besseren Standplatz vorr"ucken oder aber stehenbleiben l"a"st.
Eine Engstelle einer beliebigen
unter $f$ stabilen Teilmenge $R\subset S$ w"are
etwa ein Standplatz direkt vor einem Drehkreuz, an dem die Bordkarten 
eingesammelt werden und an dem  alle Reisenden, die auf
Standpl"atzen aus $R$ stehen,
einzeln vorbeigehen m"ussen, wenn sie denn "uberhaupt ins Flugzeug kommen
wollen. 
\end{Bemerkunge}

\begin{fBild}[p]\centering
\includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildZLe}\\[4mm]
\noindent Illustration  im Fall, da"s unsere Engstelle
des kleinsten Turms $c\in R$ kein Fixpunkt von $f$ ist.
Die Teilordnung wird hier vage durch Striche angedeutet,
die von kleineren zu  gr"o"seren Elementen aufsteigen.
\end{fBild}



\begin{Bemerkunge}
Dieser Unterabschnitt ist nur motivierendes Geschw"atz und mu"s bei
einem streng
logischen Aufbau  "ubersprungen werden. 
 Aber sei's drum! 
In unserem kleinsten Turm liegen nat"urlich
das kleinste Element $k$ und dann auch $f(k),f^2(k),f^3(k)\ldots$ 
Wird diese Folge station"ar, etwa bei $f^n(k)=f^{n+1}(k)$, so ist
diese endliche Menge der kleinste Turm.
Wird sie nicht station"ar, so geh"ort ihr Supremum $s=\op{sup}\{f^n(k)\}$ nicht 
zu den Folgengliedern, geh"ort aber auch zu unserem kleinsten Turm,
ebenso wie auch $f(s),f^2(s),f^3(s)\ldots$ 
Wird diese Folge station"ar, etwa bei $f^n(s)=f^{n+1}(s)$, so ist
die Vereinigung der Glieder unserer beiden Folgen  der kleinste Turm.
Sonst geh"ort das  Supremum $s_1=\op{sup}\{f^n(s)\}$ 
unserer zweiten Folge wieder nicht 
zu den Folgengliedern, geh"ort aber auch zu unserem kleinsten Turm,
ebenso wie auch $f(s_1),f^2(s_1),f^3(s_1)\ldots$ 
Terminiert \glqq dieser Prozess\grqq, so liefert er den kleinsten Turm 
als Vereinigung endlich vieler Folgen, der letzten davon endlich.
Sonst bilden wir die Folge $s=s_0,s_1,\ldots$ und auch deren Supremum 
$t=\op{sup}\{s_n\}$
geh"ort zu unserem kleinsten Turm, ebenso wie $f(t),f^2(t),f^3(t)\ldots$
Na ja, und dann geht es irgendwie immer so weiter und wird recht
un"ubersichtlich, weshalb  diese "Uberlegungen beim
Nachweis, da"s der kleinste Turm eine Kette sein mu"s,
auch nicht direkt zum Ziel f"uhren und wir den
obigen etwas komplizierterem Weg gegangen sind.
\end{Bemerkunge}




\begin{Lemma}[\defind{Auswahlaxiom}]
  F"ur jede surjektive Abbildung
$f:X\sra Y$  von  Mengen existiert eine Abbildung $g:Y\ra X$ mit
$f\circ g=\op{id}_Y$.\label{AusWs}
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
So eine Abbildung $g$ hei"st  ein
    {\bf Rechtsinverses}\index{Rechtsinverses} oder auch ein 
    {\bf Schnitt}.\index{Schnitt}
    Vom Standpunkt der naiven Mengenlehre aus, den wir bisher stets eingenommen
haben und den wir auch 
weiterhin einnehmen werden, kann man dieses Lemma m"uhelos beweisen:
 Man
 w"ahlt halt zu jedem Element  $y\in Y$ ein Element $x\in X$ aus
 mit $f(x)=y$ und nennt dies Element $g(y)$.
Wenn man jedoch die Mengenlehre wie bei Zermelo und Fraenkel in einer
Formelsprache formalisiert, 
so l"a"st sich die Aussage dieses Lemmas
nicht formal aus den nach Zermelo und Fraenkel "ublicherweise 
zugrundegelegten anderen
Axiomen herleiten, die wir zwar ihrerseits
auch nie formalisiert haben, die wir aber st"andig in intuitiver Weise
benutzen. Daher r"uhrt die Bezeichnung unseres Lemmas als \glqq Axiom\grqq. 
Wir werden das Auswahlaxiom hier f"ur die Herleitung des 
\glqq Zorn'schen Lemmas\grqq\  \ref{ZLl} ben"otigen, von dem man sogar zeigen kann, 
da"s es zum Auswahlaxiom "aquivalent ist.
\end{Bemerkungl}


\begin{Lemma}[\defind{Auswahlaxiom, Variante}]\label{AusW}
Gegeben eine Menge $X$ gibt es stets eine Abbildung
$a: \mathcal P (X) \backslash \emptyset \rightarrow X$ mit
$a (T)\in T \; \forall T \in \mathcal P (X)$.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
In Worten w"ahlt die Abbildung $a$ also in jeder nichtleeren Teilmenge
$T\subset X$, $T \neq\emptyset$ von $ X$ ein Element aus. 
Man nennt solch eine Abbildung
deshalb auch eine \defind{Auswahlfunktion}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Vom Standpunkt der naiven Mengenlehre aus, den wir bisher stets eingenommen
haben und den wir auch 
weiterhin einnehmen werden, kann man diese Variante genauso m"uhelos beweisen:
 Man
w"ahlt halt in jeder nichtleeren 
Teilmenge $T\subset X$ ein Element aus und nennt es $a(T)$.
Die etwas schw"achere Forderung, da"s es f"ur jede Folge 
$X_0,X_1,\ldots$ nichtleerer Teilmengen einer Menge $X$ eine
Folge von Elementen $x_0,x_1,\ldots$ gibt mit $x_i\in X_i\;\forall i$, 
mag man das \glqq Folgenauswahlaxiom\grqq\ nennen. Es wird 
h"aufig bereits zu Beginn der ersten Grundvorlesung der Analysis verwendet,
zum Beispiel beim Nachweis,
da"s jede folgenstetige Funk\-tion das
$\varepsilon$-$\delta$-Kriterium erf"ullt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Man sieht leicht, da"s die beiden hier vorgestellten
  Varianten des Auswahlaxioms "aquivalent sind.
  Um die Erste aus der Zweiten herzuleiten, betrachtet man schlicht
  die Familie
  der Fasern von $f$. 
  Um die Zweite aus der Ersten herzuleiten, 
  betrachtet man
f"ur eine beliebige Menge $X$ im Produkt $X \times\mathcal P (X)$ die
Teilmenge
$
Y = \{ (x,T) \mid x\in T \}
$
und die durch die Projektion auf die zweite Koordinate $(x,T) \mapsto T$
gegebene Abbildung $Y \rightarrow \mathcal P (X)$.
Sie induziert eine Surjektion $Y \twoheadrightarrow \mathcal P (X) \backslash
\emptyset$, und verkn"upfen wir einen Schnitt dieser Surjektion mit der
Projektion auf die erste Koordinate $(x,T) \mapsto x$, so erhalten wir
eine Auswahlfunktion $\mathcal P (X) \backslash \emptyset \rightarrow X$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Lemma}[\textbf{Zorn'sches Lemma}]
Sei $(X,\leq)$ eine\label{ZLl}\index{Zorn'sches Lemma} 
teilgeordnete Menge. Besitzt jede total geordnete 
Teilmenge $Y \subset X$ eine obere Schranke in $X$, so gibt es
in unserer teilgeordneten Menge $X$ mindestens ein maximales Element.
\end{Lemma}

\begin{Bemerkunge} Es reicht nicht aus,
im Zorn'schen Lemma nur die Existenz einer oberen Schranke f"ur jede 
monoton wachsende Folge zu fordern, vergleiche \ref{ZlF}.
\end{Bemerkunge}

\begin{proof}
  Das Zorn'sche Lemma besagt in unserer Terminologie, da"s jede induktiv teilgeordnete Menge ein maximales Element besitzt. Wir zeigen das zun"achst
 nur f"ur eine streng induktiv teilgeordnete Menge $(S,\leq)$.
 Dazu w"ahlen  wir mit dem Auswahlaxiom \ref{AusW}
  eine Abbildung $f:S\ra S$ mit $f(s)\geq s\;\forall s\in S$ und
  $f(s)=s$ nur f"ur $s$ maximal. Diese Abbildung mu"s 
nach dem Fixpunktsatz von Bourbaki \ref{FPSB} einen
Fixpunkt haben und dieser Fixpunkt
ist notwendig ein maximales Element von $S$. Ist $(X,\leq)$  eine
beliebige induktiv teilgeordnete Menge, so betrachten wir die bez"uglich
Inklusion teilgeordnete Menge $\mathcal S\subset \mathcal P(X)$
der Ketten von $X$.
Diese Menge $\cal{S}$ ist dann sogar streng induktiv teilgeordnet, 
das Supremum "uber ein
total geordnetes System $\cal{K}\subset\cal{S}$ 
alias eine Kette von Ketten ist einfach ihre Vereinigung
$\op{sup}\cal{K}=\bigcup_{C\in\cal{K}} C$. Nach der bereits bewiesenen
Aussage gibr es also ein maximales Element von $\mathcal S$
alias eine maximale Kette $C_{\op{max}}$ in $X$. Eine obere Schranke einer solchen maximalen Kette  
$C_{\op{max}}$ alias ihr gr"o"stes Element ist dann notwendig
ein maximales Element von $X$. 
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine Menge $X$ bezeichne 
wie "ublich $\cal{P} (X)$ ihre Potenzmenge, als da hei"st 
die Menge aller
Teilmengen von $X$.
Teilmengen von $\cal{P} (X)$ werde ich oft als \defnoind{Systeme von Teilmengen
von $X$} ansprechen.
Besonders h"aufig benutzt man das Zorn'sche Lemma in der folgenden Gestalt:  
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}\label{KZL}
Ist $M$ eine Menge und $\cal{X}\subset\cal{P}(M)$ 
ein  System von
Teilmengen von $M$, das mit jedem bez"uglich  Inklusion
total geordneten Teilsystem
auch die 
 Vereinigungsmenge des besagten Teilsystems enth"alt,
so besitzt $\cal{X}$ ein bez"uglich  Inklusion maximales Element.
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}\label{ZlF}
Hier verwenden wir die Konvention \ref{VSMS}, 
nach der die Vereinigung "uber 
"uberhaupt keine Teilmenge einer Menge die leere Menge ist.
Insbesondere folgt aus unseren Annahmen,
da"s die leere Menge zu $\cal{X}$ geh"ort.
Es reicht hier  nicht, nur die Stabilit"at unter 
Vereinigungen von aufsteigenden Folgen in unserem Mengensystem zu fordern: 
So bilden etwa alle abz"ahlbaren Teilmengen einer "uberabz"ahlbaren Menge ein
Mengensystem, das zwar stabil ist unter Vereinigungen von aufsteigenden Folgen,
das aber keine maximalen Elemente besitzt.
Wir nennen ein System $\cal{M}\subset \cal{P}(X)$ 
von Teilmengen einer gegebenen Menge $X$
{\bf stabil unter aufsteigenden Vereinigungen},\index{stabil!unter aufsteigenden Vereinigungen}
 wenn\index{aufsteigende Vereinigung}\index{Vereinigung!aufsteigende}
 es mit jedem total geordneten Teilsystem
auch die 
 Vereinigungsmenge des besagten Teilsystems enth"alt.
In dieser Terminologie kann unser Korollar dann dahingehend
formuliert werden, da"s jedes System von Teilmengen einer 
gegebenen Menge, das stabil ist unter
aufsteigenden Vereinigungen, mindestens ein maximales Element besitzt.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Wir k"onnen das Zorn'sche Lemma auf die teilgeordnete Menge
$\cal{X}$ anwenden, denn f"ur jede Kette in $\cal{X}$ 
geh"ort nach Annahme  die Vereinigung ihrer
Mitglieder auch zu $\cal{X}$, und diese Vereinigung ist offensichtlich 
eine obere Schranke unserer Kette. Sie ist sogar eine kleinste obere Schranke,
so da"s wir nur die erste H"alfte von unserem Beweis des Zorn'schen
Lemmas wirklich brauchen.
\end{proof}

\begin{Satz}[\textbf{Basisexistenzsatz und Basiserg"anzungssatz}]
Jeder\label{VB} Vektorraum besitzt eine Basis. 
Ist allgemeiner $M\subset E$  eine 
linear unabh"angige Teilmenge\label{BaaE} 
in einem Erzeugendensystem  eines Vektorraums,\label{BESS} 
so gibt es stets  eine Basis $B$ unseres Vektorraums 
mit $M\subset B\subset E$.\label{BEGS}
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
 Bereits der Basisexistenzsatz
 ist hochgradig nichtkonstruktiv. Ich bin etwa 
 au"serstande, Ihnen f"ur irgendeinen K"orper $K$, und sei es der K"orper
 $K=\mathbb F_2$ mit
 zwei Elementen, eine Basis des
$K$-Vektorraums $\op{Ens}(\DN,K)$ hinzuschreiben. Geeignet verstanden ist das
sogar prinzipiell unm"oglich. Mehr dazu m"ogen Sie in der Logik lernen. 
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}[Beweis]
Sei $V$ unser Vektorraum und $\cal{X} \subset \cal{P} (V)$ das System aller
linear unabh"angigen Teilmengen $A$ mit $M\subset A\subset E$, 
teilgeordnet durch Inklusion.
Wir zeigen zun"achst, da"s $\cal{X}$
stabil ist unter aufsteigenden Vereinigungen.
Ist in der Tat $\cal{Y}$ ein total geordnetes System von
linear unabh"angigen Teilmengen von $V$, so ist auch $\bigcup_{A \in
\cal{Y}} A$ linear unabh"angig, denn sind $v_{1}, \ldots , v_{r} \in
\bigcup_{A \in \cal{Y}} A$ paarweise verschieden, so gibt es ein $A \in
\cal{Y}$ mit $v_{1}, \ldots , v_{r} \in A$ und folglich
verschwindet keine nichttriviale Linearkombination der
$v_{i}$.
Also ist $\cal{X}$ stabil unter aufsteigenden Vereinigungen und
nach dem vorhergehenen Korollar \ref{KZL}
gibt es damit ein maximales Element von $\cal{X}$ alias eine 
linear 
linear unabh"angige Teilmenge $A_{\op{max}}\subset V$, die 
$M$ umfa"st und maximal ist unter 
allen linear unabh"angigen Teilmengen $A$ mit  $ A\subset E$.
Diese Teilmenge mu"s dann aber 
nach der Maximalcharakterisierung \ref{MIBAr} eine Basis von $V$ sein. 
\end{proof}








\subsubsection*{"Ubungen} 

\begin{Ubung}
Gegeben eine teilgeordnete Menge 
besitzt jede nichtleere Teilmenge
ein maximales Element genau dann, wenn jede monoton wachsende
Folge stagniert.\label{noeT}  
\end{Ubung}


\begin{Ubung}\label{EAOO}
Man zeige, da"s es auf jeder Menge eine Anordnung gibt.
\end{Ubung}
















%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%


\newpage 
\section{Lineare Abbildungen}



\subsection{Homomorphismen und Isomorphismen}
\begin{Definition}
Seien $V,W$ Vektorr"aume "uber einem K"orper $K$. Eine
Abbildung $f: V \rightarrow W$ hei"st {\bf linear}\index{linear!Abbildung}
und genauer {\bf $K$-linear},\label{HoVV} 
 wenn f"ur alle $\vec{v},\vec{w} \in V$
und $\lambda \in K$ gilt
\begin{eqnarray*}
f(\vec{v} + \vec{w}) &=& f(\vec{v}) + f(\vec{w})\\
f(\lambda \vec{v}) &=& \lambda f (\vec{v})
\end{eqnarray*} 
Lineare 
Abbildungen hei"sen auch  
\index{Homomorphismus!von Vektorr"aumen}{\bf Homomorphismen 
  von $K$-Vektorr"aumen}.
\end{Definition}
\begin{Definition}
Eine  lineare Abbildung $\phi$ hei"st ein 
{\bf Isomorphismus\index{Isomorphismus!von Vektorr"aumen} von 
  Vektorr"aumen}, wenn es eine lineare Abbildung
 $\psi$ 
in die Gegenrichtung gibt derart, da"s beide
Kompositionen $\psi\circ\phi$ und $\phi\circ\psi$ die Identit"at sind. Gibt es zwischen zwei Vektorr"aumen einen Isomorphismus, so
hei"sen sie {\bf isomorph}.\index{isomorph!Vektorr"aume}
Ein Homomorphismus von einem Vektorraum in sich selber hei"st
ein {\bf Endomorphismus}\index{Endomorphismus!von Vektorr"aumen}
unseres Vektorraums. 
Ein Isomorphismus von einem Vektorraum in sich selber hei"st
ein {\bf Automorphismus}\index{Automorphismus!eines Vektorraums}
unseres Vektorraums.
\end{Definition}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildLiAb}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Eine lineare Abbildung des Richtungsraums der Papierebene
auf sich selbst. Sie ist sogar ein Automorphismus.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Die Automorphismen eines Vektorraums $V$ bilden
mit der Hintereinanderausf"uhrung als Verkn"upfung
eine Gruppe. Sie hei"st die {\bf allgemeine lineare Gruppe}
\index{allgemeine lineare Gruppe}\index{lineare Gruppe!allgemeine} 
oder auch 
die {\bf Automorphismengruppe}\index{Automorphismengruppe!eines Vektorraums} 
unseres Vektorraums $V$ und wird 
notiert\index{GL@$\op{GL}(V)$ allgemeine lineare Gruppe}
 $$\op{GL}(V)=\op{Aut}(V)$$
nach der englischen Bezeichnung 
{\bf general linear group}.\index{general linear group}
 Wenn wir betonen wollen, da"s wir $K$-lineare Automorphismen
meinen, schreiben wir auch $\op{Aut}_K(V)$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{Bo} 
  Jede lineare Abbildung bildet den Nullvektor auf den Nullvektor ab,
denn f"ur $f:V\ra W$ linear gilt 
$f(\vec 0)=f(\vec 0+\vec 0)=f(\vec 0)+f(\vec 0)$
und Addition des Negativen von $f(\vec 0)$ auf beiden Seiten
liefert die Behauptung. 
Man zeigt auch leicht per Induktion "uber $n$, 
da"s gegeben $f:V\ra W$ linear gilt 
$$f(\lambda_1\vec v_1+\ldots + \lambda_n\vec v_n)=
\lambda_1f(\vec v_1)+\ldots + \lambda_nf(\vec v_n)$$
f"ur beliebige $\lambda_i\in K$ und $\vec v_i\in V$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungd}
 Ich denke, an dieser Stelle mag auch der Abschnitt \eref{Hommm}{GR} 
"uber Homomorphismen von Magmas und Monoiden und Gruppen besprochen werden,
 erg"anzt um Homomorphismen von K"orpern. Besser w"are es aber, diesen
 Abschnitt schon fr"uher zu besprechen.
Dann kann man hier an \eref{GrHO}{GR} erinnern, wonach 
sogar "uberhaupt jeder Gruppenhomomorphismus das neutrale Element auf das  
neutrale Element werfen mu"s.
\end{Bemerkungd}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Herkunft der Terminologie}]  
  Die Herkunft eines Teils dieser\label{MeTR} 
Terminologie haben wir bereits in \eref{TerHo}{GR} diskutiert.
\glqq Linear\grqq\  hei"sen unsere Abbildungen vermutlich, weil 
im Fall  $\DR$-linearer Abbildungen $f:\DR\ra\DR$ ihre Graphen
Geraden alias gerade Linien sind. Allerdings sind 
auch allgemeiner die Graphen der Funktionen
$f:\DR\ra\DR$, $x\mapsto ax+b$ gerade Linien, und diese Abbildungen
sind in unserem Sinne nur linear im Fall $b=0$. Auf der Schule
haben Sie m"oglicherweise diese Funktionen auch im Fall $b\neq 0$ 
\glqq linear\grqq\  genannt, aber in der mathematischen Fachsprache  
hei"sen besagte Funktionen nur im Fall $b=0$ linear und sonst 
\glqq affin\grqq.\index{linear!Funktion}  
Das Wort \glqq Endomorphismus\grqq\  kommt von griechisch
  \glqq $\varepsilon\nu\delta o\nu$\grqq\  f"ur 
deutsch \glqq drinnen\grqq, und das 
Wort \glqq Automorphismus\grqq\   von 
  \glqq $\alpha\upsilon\tau o\varsigma$\grqq\  f"ur deutsch \glqq selbst\grqq.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
Die Projektionen auf die Faktoren $\op{pr}_i:K^n\ra K$  sind linear.
Die Abbildung $K^2\ra K$ gegeben durch $(x,y)\mapsto ax+by$ ist
linear f"ur beliebige aber feste $a,b\in K$.
Gegeben ein Vektorraum $V$ und ein Vektor
$\vec v\in V$ ist die Abbildung
 $K\ra V$ gegeben durch $\lambda\mapsto \lambda \vec v$ 
linear. Jede lineare Abbildung von $K$ 
in einen $K$-Vektorraum ist von dieser Gestalt.  
Das Quadrieren $K\ra K$ ist nicht linear, es sei denn, $K$ ist ein 
K"orper mit zwei Elementen, so da"s das Quadrieren  mit der Identit"at zusammenf"allt.
\end{Beispiele}
\begin{Beispiele}
Gegeben Vektorr"aume $V,W$ sind die Projektionsabbildungen 
$\op{pr}_V: (V\oplus W)\ra V$ und $\op{pr}_W:(V\oplus W)\ra W$ linear.
Dasselbe gilt allgemeiner f"ur die Projektionen\label{kaI}  
$\op{pr}_i:V_1\oplus\ldots \oplus V_n\ra V_i$.
Ebenso sind die {\bf kanonischen Injektionen}\index{kanonisch!Injektion}
$\op{in}_V:  V\ra(V\oplus W)$, $v\mapsto (v,0)$ 
und\index{Injektion!kanonische}
$\op{in}_W:W\ra(V\oplus W)$, $w\mapsto (0,w)$ linear
und dasselbe gilt allgemeiner f"ur die analog definierten 
Injektionen\index{in@$\op{in}_i$!Injektionen bei Summen}
$\op{in}_i:V_i\ra V_1\oplus\ldots \oplus V_n$.
\end{Beispiele}







\begin{Bemerkungl}
  Das Bild eines Erzeugendensystems unter einer surjektiven linearen Abbildung 
ist ein Erzeugendensystem. 
Das Bild einer linear unabh"angigen Teilmenge
 unter einer injektiven linearen Abbildung 
ist eine linear unabh"angige Teilmenge. 
\end{Bemerkungl}









\begin{Satz}[\textbf{Klassifikation von Vektorr"aumen durch ihre Dimension}]
Gegeben eine nat"urliche Zahl $n$ ist\label{IVRu} 
ein Vektorraum "uber einem K"orper $K$ genau dann isomorph
zu $K^n$, wenn er die Dimension $n$ hat.
\end{Satz}
\begin{proof}
Nat"urlich gehen unter einem Vektorraumisomorphismus Erzeugendensysteme
in Erzeugendensysteme, linear unabh"angige Teilmengen in linear unabh"angige
Teilmengen und Basen in Basen "uber. Sind also zwei Vektorr"aume isomorph,
so haben sie auch dieselbe Dimension. Hat umgekehrt ein Vektorraum $V$
eine angeordnete Basis $ B = (\vec{v}_1, \ldots, \vec{v}_n)$ aus $n$
Vektoren,
so liefert die Vorschrift $(\lambda_1, \ldots, \lambda_n) \mapsto
\lambda_1 \vec{v}_1 + \ldots + \lambda_n \vec{v}_n$
etwa nach \ref{EDDB}  einen Vektorraumisomorphismus
$
 K^n \sira  V.
$
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Stufenzahl nach Durchf"uhren des Gau"s-Algorithmus}]
Nun k"onnen wir auch unsere Ausgangsfrage \ref{LSGl} l"osen,\label{LSGa} 
ob die \glqq Zahl der freien Parameter\grqq\  bei unserer Darstellung der
L"osungsmenge eines linearen Gleichungssystems eigentlich wohlbestimmt 
ist oder pr"aziser, ob beim Anwenden des
Gauss-Algorithmus dieselbe  
Zahl von Stufen  entsteht,
wenn wir zuvor die Variablen umnummerieren alias die Spalten vertauschen.
Wenn wir das f"ur homogene Systeme zeigen k"onnen, so folgt es offensichtlich
f"ur beliebige Systeme.
Bei homogenen Systemen ist jedoch die L"osungsmenge $L\subset K^m$ ein
Untervektorraum und wir erhalten einen Vektorraumisomorphismus
$
L \sira  K^{m-r}
$
durch \glqq Streichen aller Eintr"age, bei denen eine neue Stufe beginnt\grqq,
also durch Weglassen von $x_{s(1)}, x_{s(2)}, \ldots, x_{s(r)}$ aus
einem $m$-Tupel
$(x_1, \ldots, x_m) \in L$.
Damit erhalten wir f"ur die Zahl $r$ der Stufen die 
von allen Wahlen unabh"angige Beschreibung
als Zahl der Variablen abz"uglich der Dimension des L"osungsraums,
in Formeln
$
r=m-\op{dim}_K L .
$
\end{Bemerkungl}


 

\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSpI}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zu "Ubung \ref{Fipu}, nach der 
die Fixpunktmenge 
jedes Endomorphismus eines Vektorraums ein 
Untervektorraum ist. 
Zum Beispiel ist die 
Spiegelung an einer Ursprungsgerade eine lineare Abbildung
und ihre 
Fixpunktmenge ist in der Tat ein Untervektorraum, n"amlich
besagte Ursprungsgerade.
\end{minipage}
\end{figure}
Ein Punkt, der unter einer Abbildung auf sich selbst 
abgebildet wird, hei"st ein {\bf Fixpunkt}\index{Fixpunkt} 
besagter Abbildung. Gegeben eine Abbildung $f:X\ra X$ notiert man die Menge 
ihrer Fixpunkte auch\label{Fipu}  
$$X^f\pdef\{x\in X\mid f(x)=x\}$$
Man zeige: Gegeben ein Vektorraum $V$ und ein
Endomorphismus $f\in \op{End} V$  
bildet die Menge der von $f$ festgehaltenen Vektoren
alias aller {\bf Fixvektoren von $f$}\index{Fixvektor} 
stets einen Untervektorraum $V^f\subset V$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Jede Verkn"upfung von Vektorraumhomomorphismen ist wieder ein
Vektorraumhomomorphismus.
Sind also in Formeln $g: U \rightarrow V$ und $f: V \rightarrow W$
Vektorraumhomomorphismen, so ist auch $f \circ g : U \rightarrow W$
ein Vektorraumhomomorphismus.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Gegeben ein surjektiver Vektorraumhomomorphismus $g: U \sra V$
und eine Abbildung $f: V \rightarrow W$ in einen weiteren Vektorraum ist
$f$ genau dann\label{HHGT} 
linear, wenn die Verkn"upfung $f \circ g : U \rightarrow W$
linear ist. Gegeben ein injektiver Vektorraumhomomorphismus $f: V \hra W$
und eine Abbildung $g: U \sra V$  von einen weiteren Vektorraum nach $V$ ist
$g$ genau dann
linear, wenn die Verkn"upfung $f \circ g : U \rightarrow W$
linear ist. Hinweis: \eref{HSDv}{GR}.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Ist $f: V \rightarrow W$ ein bijektiver Vektorraumisomorphismus, so ist auch die
Umkehrabbildung $f^{-1} : W \rightarrow V$ ein Vektorraumhomomorphismus und
$f$ ist folglich ein Isomorphismus.
\end{Ubung}









\begin{Ubung}
  Wieviele Untervektorr"aume besitzt der $\DR^2$, die unter der 
Spiegelung $(x,y)\mapsto (x,-y)$ in sich selber "uberf"uhrt werden?
Welche Untervektorr"aume des $\DR^3$ werden
unter der Spiegelung $(x,y,z)\mapsto (x,y,-z)$ in sich selber "uberf"uhrt?
\end{Ubung}


\begin{Ubunge}
Eine Gruppe, in der jedes Element sein eigenes Inverses ist,
kann nach \ref{GJI} auf genau eine Weise 
mit der Struktur  eines Vektorraums "uber dem K"orper mit zwei Elementen
versehen werden. Ein Beispiel ist unsere Gruppe
aus \eref{PMG}{GR} mit den Teilmengen einer Menge $Z$ als Elementen. 
Man zeige, da"s dieser Vektorraum isomorph ist zum Vektorraum 
aller Abbildungen der Menge $Z$ in der K"orper mit zwei Elementen.  
%, und ihre Untergruppen sind dann genau die Untervektorr"aume.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}
  Eine Abbildung $f:V\ra W$ von Vektorr"aumen ist 
genau dann linear,
wenn ihr Graph $\Gamma(f)\subset V\times W$ ein Untervektorraum
des Produkts ist. 
\end{Ubung}

\subsection{Dimensionsformel f"ur lineare Abbildungen}


  \begin{Lemma}\label{BKU}
    Das Bild eines Untervektorraums unter einer linearen Abbildung ist
    ein Untervektorraum.  Das Urbild eines Untervektorraums unter
    einer linearen Abbildung ist ein Untervektorraum.
  \end{Lemma}
  \begin{proof}
 1.   Sei $f:V\ra W$ unsere lineare Abbildung. Sei $U\subset V$ 
ein Untervektorraum. Wir m"ussen zeigen, da"s auch $f(U)\subset V$ ein
Untervektorraum ist. 
Da $f$ ein Homomorphismus der zugrundeliegenden additiven Gruppen ist,
ist $f(U)$ schon mal eine additive Untergruppe von $W$ nach \eref{KIn}{GR}.  
Da $U$ ein Untervektorraum ist, gilt weiter
$\lambda\vec u\in U$.
Dann folgt mit der Linearit"at 
$\lambda\vec w=\lambda f(\vec u) =f(\lambda\vec u)\in f(U)$.
Also hat $f(U)$ alle von einem Untervektorraum geforderten Eigenschaften.
\\[2mm]\noindent 
2. Sei $f:V\ra W$ unsere lineare Abbildung. Sei $Z\subset W$ 
ein Untervektorraum. 
Da $f$ ein Homomorphismus der zugrundeliegenden additiven Gruppen ist,
ist $f^{-1}(Z)\pdef \{\vec v\in V\mid f(\vec v)\in Z\}$ schon mal eine additive Untergruppe von $V$ nach \eref{KIn}{GR}.
Gegeben $\vec v\in f^{-1}(Z)$ und $\lambda\in K$ gilt
weiter $f(\lambda\vec v)=\lambda f(\vec v)\in Z$ 
wegen der Linearit"at und da $Z$ ein Untervektorraum ist. 
Aus der Definition des 
Urbilds folgt $\lambda\vec v\in f^{-1}(Z)$.
Also hat $f^{-1}(Z)$ alle von einem Untervektorraum geforderten Eigenschaften.
  \end{proof}


\begin{Bemerkungl}
  Das {\bf Bild}\index{Bild!von linearer Abbildung} einer linearen Abbildung
  $f: V \ra W$ alias die Teilmenge $(\op{im}f)\pdef f(V)\subset W$
  \index{im@$\op{im}$!Bild von linearer Abbildung}\index{image} ist nach
  \ref{BKU} ein Untervektorraum von $W$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Das Urbild des Nullvektors
unter einer linearen Abbildung $f: V \ra W$ notiert man 
auch $$(\op{ker}f)\pdef f^{-1}(0)=\{v\in V\mid f(v)=0\}$$
und\index{ker@$\op{ker}$!Kern von linearer Abbildung}  
nennt es den {\bf Kern}\index{Kern!von linearer Abbildung} 
der linearen  Abbildung $f$.
Der Kern ist nach
\ref{BKU} ein Untervektorraum von $V$. Wir hatten ihn in \eref{KI3}{GR}
sogar bereits f"ur beliebige Gruppenhomomorphismen eingef"uhrt.
\end{Bemerkungl}


  \begin{Lemma}[\textbf{Verschwindender Kern  bedeutet Injektivit"at}] 
    Eine lineare Abbildung $f: V \ra W$ ist injektiv genau dann, wenn ihr Kern
    Null ist.\label{LiI} 
\end{Lemma}

\begin{proof}
Das sollten sie in "Ubung \eref{KI3}{GR}
bereits f"ur beliebige Gruppenhomomorphismen zeigen. Hier geben wir das Argument
nocheinmal in unserem Spezialfall.
  Liegen im Kern au"ser dem Nullvektor von $V$ noch andere
  Vektoren, so werden verschiedene Vektoren aus $V$ unter $f$ auf den
  Nullvektor von $W$ abgebildet und unsere Abbildung ist nicht injektiv.  Ist
  umgekehrt unsere Abbildung nicht injektiv, so gibt es $v\neq v_1$ in $V$ mit
  $f(v)=f(v_1)$ und es folgt $f(v-v_1)=0$ aber $v-v_1\neq 0$. Mit $v-v_1$
  liegt also ein von Null verschiedener Vektor im Kern, der folglich nicht der
  Nullraum sein kann.
\end{proof}

\begin{Satz}
F"ur jede lineare Abbildung $f: V \ra W$ 
von Vektorr"aumen gilt\label{DiFo}
die \emph{\bf Dimensionsformel}\index{Dimensionsformel!f"ur lineare Abbildungen}
$$\op{dim}V = \op{dim} (\op{ker} f) + \op{dim} (\op{im} f)$$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Ist $V$ endlich erzeugt, so ist auch
$(\op{im} f)$  endlich erzeugt, 
da ja f"ur jedes Erzeugendensystems $E\subset V$ 
sein Bild $f(E)$ ein Erzeugendensystem von $f(V)=\op{im} f$ ist.
Ebenso ist mit $V$ auch $(\op{ker} f)$ endlich erzeugt, nach 
 \ref{AbD} ist ja sogar jeder Untervektorraum eines endlich erzeugten
Vektorraums endlich erzeugt. Gilt also umgekehrt 
$\op{dim} (\op{ker} f)=\infty$ oder $\op{dim} (\op{im} f)=\infty$,
so folgt $\op{dim} V=\infty$ und unser Satz gilt in diesen beiden F"allen.
Wir brauchen ihn also nur noch in dem Fall zu zeigen, da"s
$(\op{ker} f)$ und  $(\op{im} f)$ beide endlichdimensional sind.
In diesem Fall folgt 
er  aus dem anschlie"senden pr"aziseren Lemma  \ref{LUB}. 
Alternativ  kann man  auch mit "Ubung \ref{MJU} argumentieren.  
\end{proof}
\begin{Lemma}\label{LUB}
Sei $f: V \ra W$ eine  lineare Abbildung.
Ist $A$ eine Basis ihres Kerns,
$B $ eine  Basis  ihres Bildes und  $g : B \ra V$ eine 
Wahl von Urbildern unserer Basis des Bildes, so
ist $g(B) \cup A$ eine Basis
von $V$.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Wir zeigen sogar st"arker: 
Erzeugt $A$ den Kern und $B$ das Bild, so erzeugt $g(B) \cup A$ ganz $V$. 
Sind  $A$  und $B$ linear unabh"angig, so auch $g(B) \cup A$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Gegeben $\vec{v} \in V$ haben wir 
$f(\vec{v}) = \lambda_{1}\vec{w}_{1} + \ldots + \lambda_{r} \vec{w}_{r}$ 
mit $\vec{w}_{i} \in B$.
Offensichtlich liegt dann $\vec{v} - \lambda_{1} g(\vec{w}_{1}) 
-\ldots - \lambda_{r}g(\vec{w}_{r})$ im
Kern von $f$ und so folgt, da"s $g(B) \cup A$ ganz $V$ 
erzeugt. Um die lineare Unabh"angigkeit zu zeigen
nehmen wir an, es gelte
$$\lambda_{1} g(\vec{w}_{1}) + \ldots + \lambda_{r} g(\vec{w}_{r}) + 
\mu_{1}\vec{v}_{1} + \ldots +\mu_{s} \vec{v}_{s} =0$$
mit den $\vec{v}_{i} \in A$ und $\vec{w}_{j} \in B$ paarweise 
verschieden.
Wenden wir $f$ an, so folgt
$\lambda_{1} \vec{w}_{1} + \ldots + \lambda_{r} \vec{w}_{r} =0$
und damit $\lambda_{1} =\ldots = \lambda_{r} =0$ 
wegen der linearen Unabh"angigkeit der $\vec{w}_{i}$. 
Setzen wir diese Erkenntnis in die urspr"ungliche 
Gleichung ein, so folgt weiter $\mu_{1}= \ldots
=\mu_{s} =0$ wegen der linearen Unabh"angigkeit der 
Vektoren $\vec{v}_{j}$.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Isomorphismus durch Dimensionsvergleich}] 
  Jede injektive lineare Abbildung zwischen Vektorr"aumen derselben endlichen
Dimension ist ein Isomorphismus.\label{IdDV}
 Jede surjektive lineare Abbildung zwischen Vektorr"aumen derselben endlichen
Dimension ist ein Isomorphismus.
\end{Korollar}
\begin{proof}
 Sei $f:V\ra W$ unsere  lineare Abbildung. Ist $f$ injektiv, so folgt 
${\op{ker}}f=0$ und dann $\op{dim}({\op{im}}f)=\op{dim}V=\op{dim}W$ aus
der Dimensionsformel und so ${\op{im}}f=W$ mit \ref{AbD}. 
Ist $f$ surjektiv, so folgt erst
${\op{ker}}f=0$ aus der Dimensionsformel und dann die Injektivit"at aus \ref{LiI}.
\end{proof}


\begin{Korollar}[\textbf{Dimensionssatz}]
Gegeben ein Vektorraum $V$ mit Teilr"aumen 
$U, W \subset V$  gilt\label{D2S}
\begin{equation*}
\dim (U + W)+ \dim (U \cap W) = \dim U + \dim W 
\end{equation*}
\end{Korollar}
\begin{proof}
Wir haben diesen Satz bereits in  \ref{D1S} 
sozusagen zu Fu"s bewiesen. Mit unserer Dimensionsformel 
\ref{DiFo} k"onnen wir 
nun noch einen alternativen Beweis geben.
Betrachtet man n"amlich die lineare Abbildung 
$$f:U\oplus W\ra V$$
gegeben durch $f(u,w)=u+w$, so gilt $(\op{im}f)=U+W$ und 
die Abbildung $d\mapsto (d,-d)$ definiert einen Isomorphismus
$(U\cap W)\sira \op{ker}f$. Die Formel
\ref{DDpr} f"ur die Dimension der direkten Summe 
in Verbindung mit der Dimen\-sions\-formel 
liefert so
\begin{equation*}
\dim U + \dim W=\dim (U\oplus W)= \op{dim}(U\cap W)+\dim (U + W)
\qedhere\end{equation*}
\end{proof}



 \begin{Definition}
  Zwei  Untervektorr"aume $U,W$ eines Vektorraums $V$ hei"sen {\bf
      komplement"ar}\index{komplement"ar!Untervektorr"aume}, wenn
    die Addition eine Bijektion $$U\times W\sira V$$ liefert. Als lineare Abbildung  ist\label{inSu} 
    das unter Verwendung der in \ref{UDSn} eingef"uhrten
    Notation dann sogar ein Vektorraumisomorphismus $+:U\oplus W\sira V$. 
    Des weiteren sagt man in dieser
Situation, $W$ sei ein {\bf Vektorraumkomplement}
oder kurz {\bf Komplement von $U$ in $V$}. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Vektorraumkomplement und Komplementmenge}] 
  Man unterscheide sorgf"altig zwischen Vektorraumkomplement
und Komplementmenge: Komplement"are Untervektorr"aume sind keineswegs 
disjunkt, sondern schneiden sich im Nullvektor, und die Vereinigung
komplement"arer echter Untervektorr"aume ist auch nie der
ganze Ausgangsraum, sondern nur ein Erzeugendensystem desselben.
Auf franz"osisch
spricht man von einem \glqq sous\-espace suppl\'{e}mentaire\grqq,
das ist noch deutlicher. 
Allerdings werden sich beide Begriffe in \eref{KoPro}{LA2} 
als Auspr"agungen von
\glqq Koprodukten\grqq\ erweisen, und das ist zumindest  
eine gewisse Rechtfertigung f"ur diese m"oglicherweise
verwirrende Terminologie. 
\end{Bemerkungl}



\label{dsUl}
% \begin{Bemerkunge}
% Gegeben allgemeiner
% ein Vektorraum $V$ mit Untervektorr"aumen $V_1,\ldots, V_n$
% f"allt der von ihrer Vereinigung erzeugte Teilraum 
%  zusammen mit der Menge $V_1+\ldots +V_n$ und hei"st  die {\bf
%   Summe}\index{Summe!von
% Untervektorr"aumen} unserer Teilr"aume. 
% Ist der nat"urliche
% Homomorphismus 
% eine Injektion
% $V_1\oplus\ldots\oplus V_n\hra V$, so sagen wir wieder, 
%  die {\bf Summe der Untervektorr"aume $V_i$ sei direkt} 
% und bezeichnen den Teilraum $V_1+\ldots +V_n$ zur Verdeutlichung auch mit
% $V_1\oplus\ldots\oplus 
% V_n$.\index{$\oplus$ direkte Summe!von Untervektorr"aumen}
% \index{direkte Summe!von Untervektorr"aumen}
% \end{Bemerkunge}

\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}\label{MJU}
  Sei $f: V \ra W$ eine  lineare Abbildung. Man zeige:
Ist $\vec{v}_{1}, \ldots , \vec{v}_{s}$ eine Basis des Kerns 
$\op{ker}f$ und $\vec{v}_{s+1}, \ldots , \vec{v}_{n}$ eine
Erweiterung zu einer linear unabh"angigen 
Teilmenge $\vec{v}_{1}, \ldots , \vec{v}_{n}$ von $V$, so 
ist die Familie  $f(\vec{v}_{s+1}), \ldots , f(\vec{v}_{n})$
linear unabh"angig in $W$. Ist unsere Erweiterung sogar eine Basis
von $V$, so ist unsere Familie eine Basis des Bildes von $f$.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}\label{cuD1}%\label{cuD}
Man zeige: 
Zwei Untervektorr"aume $U,W$ eines Vektorraums $V$ 
sind komplement"ar
genau dann, wenn  gilt
$V=U+W$ und $U\cap W=0$. 
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
  Die Menge aller Untervektorr"aume eines gegebenen Vektorraums
  bildet mit den Verkn"upfungen $+$ und $\cap$ als $\vee$ und $\wedge$
  einen Verband\label{moVB} 
  im Sinne von \eref{Verband}{GR} und in diesem Verband
  gilt zu"atzlich $$(a\vee b)\wedge(a\vee c)=a\vee (b\wedge(a\vee c))$$
  f"ur alle $a,b,c$. Ein Verband mit dieser Eigenschaft hei"st
  {\bf modular}.\index{modular!Verband}\index{Verband!modularer}
  Gleichbedeutend ist die Forderung
   $(a\vee b)\wedge c=a\vee (b\wedge c)$
  f"ur alle $a,b,c$ mit $a\vee c=c$. Mit demselben Beweis wird
  in einer sp"ater eingef"uhrten Terminologie folgen, da"s die
  Untermoduln eines gegebenen Moduls einen modularen Verband bilden, und daher
  r"uhrt auch die Terminologie.
  Mit einem Verband ist auch der duale Verband modular, wie man durch Einsetzen von
  $a\wedge c$ f"ur $a$ erkennt.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
  Ein Verband $(B,\wedge,\vee)$ ist genau dann modular, wenn
  wir f"ur je zwei Elemente $a,b\in B$ in Bezug auf die
  in \eref{Ubbv}{AN1} beschriebene Ordnungrelation
  zueinander inverse Bijektionen zwischen den Intervallen
  $[a\wedge b,b]$ und $[a, a\vee b]$ erhalten durch die
  Regeln $w\mapsto a\vee w$ und $v\mapsto v\wedge b$.\label{modV} 
  Hinweis: Man setze ein Element  $w\in [a, a\vee b]$ an als
  $w=(a\vee c)\wedge (a\vee b)$ und transportiere es hin und
  zur"uck. Dualit"atsbetrachtungen liefern den Rest der Behauptung.
\end{Ubunge}



\begin{Ubung}\label{cuD}%\label{cuD1}
Man zeige: 
Zwei Untervektorr"aume $U,W$ eines 
endlichdimensionalen Vektorraums $V$ 
sind komplement"ar
genau dann, wenn  gilt
$V=U+W$ und $\op{dim}U+\op{dim}W\leq \op{dim}V$. Hinweis: \ref{DDpr}.
\end{Ubung}







\begin{Ubung}
  Der Kern einer von Null verschiedenen linearen Abbildung in den
Grundk"orper ist stets eine Hyperebene im Sinne von \ref{lhye}.
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
Sei $\varphi : V \rightarrow V$ ein Endomorphismus 
eines endlichdimensionalen Vektorraums.
Man zeige, da"s
$
\op{ker} (\varphi^2) = \op{ker} \varphi 
$ gleichbedeutend ist zu $+:  \op{ker} \varphi \oplus
\op{im} \varphi\sira V
$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
Ein Element $f$ einer Menge mit Verkn"upfung hei"st 
{\bf idempotent}\index{Idempotent!in Magma}
genau dann, wenn in multiplikativer Notation gilt $f^2 = f $.
Die idempotenten Endomorphismen
eines Vektorraums  entsprechen eineindeutig seinen 
Zerlegungen in eine direkte Summe von zwei
komplement"aren Teilr"aumen.\label{IdPo}  
Gegeben ein Vektorraum $V$ 
liefert genauer die Abbildung $f \mapsto (\op{im} f, \op{ker} f)$ eine Bijektion
$$
\{f \in \op{End} V \mid f^2 =f\} 
\;\sira \;
\left\{ (I,J) \in \mathcal P (V)^2\left|\begin{array}{c}
\text{$I,J\subset V$ sind  Teilr"aume}\\ \text{und als solche komplement"ar} 
%I\oplus K=V
\end{array}
\right.\right\}
$$
F"ur die Umkehrabbildung unserer Bijektion
sagt man,  sie ordne unserem Paar $(I,J)$ komplement"arer Teilr"aume
die {\bf Projektion von $V$ auf $I$ l"angs $J$} 
zu.\index{Projektion!l"angs Teilraum}
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{UKPn}%\label{UKP}
Sei $p:V\sra W$ eine surjektive lineare Abbildung.
Man zeige: Genau dann ist ein Teilraum
$U\subset V$ komplement"ar zu $\op{ker} p$, wenn
$p$ einen Isomorphismus $p:U\sira W$ induziert.
\end{Ubung}

\subsection{R"aume von linearen Abbildungen} 

\begin{Bemerkungl}
Seien $V,W$ Vektorr"aume "uber einem K"orper $K$.
  Die Menge aller Homomorphismen von $V$ nach $W$ notieren wir
  $$\op{Hom}_K(V,W)=\op{Hom}(V,W)\subset\op{Ens}(V,W)$$ 
\end{Bemerkungl}

 
\begin{Lemma}[\textbf{Lineare Abbildungen und Basen}]
Seien $V,W$ Vektorr"aume "uber einem K"orper $K$ und sei $B \subset V$
eine Basis. So liefert das Einschr"anken\label{LeBa}
 von Abbildungen eine Bijektion
\begin{equation*}
\op{Hom}_K (V,W) \sira  \op{Ens} (B, W)
\end{equation*}
 Jede lineare Abbildung ist also in Worten 
festgelegt und festlegbar durch ihre Werte
  auf einer Basis.
\end{Lemma}


\begin{proof}[Beweis im Fall einer endlichen Basis]
Seien $f,g :V \rightarrow W$ linear. Gilt $f(\vec{v}) = g(\vec{v})$
f"ur alle $\vec{v} \in B$, so folgt $f(\lambda_1 \vec{v}_1 + \ldots +
\lambda_r \vec{v}_r) = g (\lambda_1 \vec{v}_1+ \ldots + \lambda_r \vec{v}_r)$
f"ur alle $\lambda_1, \ldots, \lambda_r \in K$ 
und $\vec{v}_1, \ldots, \vec{v}_r
\in B$ und damit $f(\vec{v})= g (\vec{v})$ f"ur alle $\vec{v}$ im Erzeugnis
von $B$ alias f"ur alle $\vec{v} \in V$.
Das zeigt die Injektivit"at der im Lemma betrachteten Einschr"ankungsabbildung
sogar allgemeiner f"ur jedes Erzeugendensystem $B$ von $V$. 
Ist $B$ zus"atzlich eine
Basis und 
ist umgekehrt eine Abbildung von Mengen $g : B \rightarrow W$ gegeben, so
k"onnen wir sie zu einer linearen Abbildung 
$\tilde{g}: V \rightarrow W$ ausdehnen wie folgt:
Jeder Vektor $\vec{v}\in V$ l"a"st sich ja nach \ref{EDDB} eindeutig als 
Linearkombination der Basisvektoren schreiben,
etwa $\vec{v}=\lambda_1 \vec{v}_1+ \ldots +\lambda_r \vec{v}_r$ mit 
paarweise verschiedenen
$\vec{v}_i\in B$. Wir k"onnen nun schlicht $\tilde g$ definieren durch
die Vorschrift 
$$\tilde{g}(\vec{v})\pdef 
\lambda_1 g(\vec{v}_1)+ \ldots +\lambda_r g(\vec{v}_r)$$
Man sieht leicht, da"s dann $\tilde g$ linear ist
und auf der Basis zu $g$ einschr"ankt.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  Im Fall einer unendlichen Basis funktioniert derselbe Beweis, 
nur sollten wir noch genauer sagen, was wir meinen mit der Aussage,
jeder Vektor $\vec{v}\in V$ lasse sich eindeutig als 
Linearkombination der Basisvektoren schreiben. Dazu entwickeln wir 
die Terminologie des \glqq freien Vektorraums "uber einer Menge\grqq.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Freie Vektorr"aume und ihre universelle Eigenschaft}] 
  Seien $X$ eine Menge und $K$ ein K"orper.  Die Menge
  $\op{Ens}(X,K)$ aller Abbildungen $f:X\ra K$ mit der punktweisen Addition
  und Multiplikation mit Skalaren ist nach \ref{FRVR} besprochen 
ein $K$-Vektorraum. Darin bilden\label{kX} 
 alle Abbildungen, die nur an endlich vielen Stellen von Null
  verschiedene Werte annehmen, einen Untervektorraum 
$$K\langle X\rangle \subset \op{Ens}(X,K)$$
    Dieser Vektorraum $K\langle X \rangle$ 
hei"st der {\bf freie Vektorraum "uber der
    Menge $X$}.\index{frei!Vektorraum}
Gegeben $x\in X$ bezeichne $\delta_x:X\ra K$ die Abbildung
mit $\delta_x(x)=1$ und $\delta_x(y)=0$ f"ur $y\neq x$. So ist die
sogenannte {\bf kanonische Einbettung}
 $\op{can}: X\ra K\langle X \rangle$ gegeben durch $x\mapsto \delta_x$
offensichlich eine Familienbasis von $K\langle X \rangle$. 
\nichtfinal{(Sollte ich das $\varepsilon$ statt $\op{can}$
  notieren, da es die Einheit einer Adjunktion ist?)}
Weiter liefert f"ur jeden $K$-Vektorraum $V$ das Vorschalten 
der kanonischen Einbettung
$\op{can}$ eine Bijektion
$$(\circ\op{can}): \op{Hom}_K(K\langle X \rangle,V)\sira \op{Ens}( X ,V)$$
In der Tat erh"alt man in diesem Fall eine Umkehrabbildung 
durch die Vorschrift $\phi\mapsto \Phi$ mit
$$\Phi:a\mapsto \sum_{\{x\mid a(x)\neq 0\}} a(x) \phi(x)$$
Wir  sagen dann auch,
die lineare Abbildung  $\Phi:K\langle X \rangle\ra V$ entstehe
aus der Abbildung $\phi: X \ra V$ durch
{\bf lineare Fortsetzung}.\index{Fortsetzung!lineare} 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Notationen im Zusammenhang mit freien Vektorr"aumen}]
  Ein Element $a\in K\langle X\rangle$ des freien Vektorraums "uber einer
    Menge $X$ fassen wir am liebsten als \glqq formale
  Linearkombination von Elementen von $X$\grqq\  auf und notieren es 
statt $\sum_{\{x\mid a(x)\neq 0\}} a(x) \delta_x$
lieber  $$\sum_{x\in X} a_x x$$ mit der Indexnotation $a(x)=a_x$ 
f"ur Abbildungen, der Abk"urzung $\delta_x=x$ 
und der Konvention, da"s bei unendlichen Summen
mit nur endlich vielen von Null verschiedenen Summanden eben nur
die Summe der von Null verschiedenen Summanden gemeint sein soll.  
In dieser Notation wirkt dann  die kanonische Einbettung wie 
die Einbettung einer Teilmenge. Weiter wird in dieser Notation  die
lineare Fortsetzung $\Phi$ einer Abbildung $\phi:X\ra V$ beschrieben durch die
 suggestive Formel
$$\Phi: \sum_{x\in X} a_x x \;\;\mapsto\;\;\sum_{x\in X} a_x \phi(x)$$
Im Fall der Menge
  $X=\{\sharp, \flat, \natural\}$ w"are ein typisches Element von $\DQ \langle
  X\rangle$ etwa der Ausdruck
$$\frac{1}{2}\;\sharp - \frac{7}{5}\;\flat +3\;\natural$$
Im Fall einer endlichen Menge $X=\{x_1,\ldots, x_n\}$ schreiben wir statt dem
etwas umst"andlichen $K\langle \{x_1,\ldots, x_n\}\rangle$ auch abk"urzend
$K\langle x_1,\ldots, x_n \rangle$.  Unseren Vektorraum von eben h"atten wir
also auch mit $\DQ \langle\sharp, \flat, \natural\rangle$ bezeichnen k"onnen.
Wenn wir betonen wollen, da"s $X$ f"ur eine Menge von Erzeugern und nicht etwa
einen einzigen Erzeuger steht, schreiben wir statt $K\langle X \rangle$
genauer $K\langle_! X
\rangle$. Manchmal lassen wir auch die eckigen Klammern weg und schreiben
statt $K\langle X \rangle$ einfach $KX$.
\end{Bemerkungl}






\begin{Satz}[\textbf{Linearkombinationen von Basiselementen, Variante}]
Seien $K$ ein K"orper, $V$ ein $K$-Vektorraum und $(\vec{v}_i)_{i\in I}$ eine 
Familie von Vektoren aus\label{EDDBv}
 $V$. So sind gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item Die Familie $(\vec{v}_i)_{i\in I}$ ist eine Basis von $V;$
\item Die durch lineare Fortsetzung von
$\phi:I\ra V$, $i\mapsto \vec{v}_i$ nach \ref{kX} 
entstehende lineare Abbildung
ist ein Isomorphismus $\Phi:K\langle I\rangle\sira V$.
\end{enumerate}
\end{Satz}

% \begin{Satz}[\textbf{Linearkombinationen von Basiselementen, Variante}]
% Seien $K$ ein K"orper, $V$ ein $K$-Vektorraum und $(\vec{v}_i)_{i\in I}$ eine 
% Familie von Vektoren aus\label{EDDBv}
%  $V$. So sind gleichbedeutend:
% \begin{enumerate}
% \item Die Familie $(\vec{v}_i)_{i\in I}$ ist eine Basis von $V;$
% \item F"ur jeden Vektor $\vec{v} \in V$ gibt es genau eine
% Familie $(a_i)_{i\in I}$ von Elementen unseres K"orpers  $K$,
% in der f"ur h"ochstens 
% endlich viele $i$ das $a_i$ von Null verschieden ist und
% f"ur die gilt
% \begin{equation*}
% \vec{v} = \sum_{i\in I} a_i \vec{v}_i
% \end{equation*}
% \end{enumerate}
% \end{Satz}
\begin{proof}
% Mit dem Begriff des freien Vektorraums $K\langle X\rangle $ "uber 
% einer Menge $X$ aus 
% \ref{kX} k"onnen wir den  Satz 
% wie folgt umformulieren: Gegeben ein
% $K$-Vektorraum $V$ ist eine Familie $(\vec{v}_i)_{i \in I}$ von Vektoren
% eine Basis genau dann, wenn das \glqq Auswerten formaler Ausdr"ucke\grqq\ 
% \begin{displaymath}
% \begin{array}{clcc}
% \Phi :& \;K\langle I\rangle  &\rightarrow &V\\
% &(a_i)_{i \in I} & \mapsto & \sum_{i\in I} a_i \vec{v}_i
% \end{array}
% \end{displaymath}
% eine Bijektion des freien Vektorraums $K\langle I\rangle $ "uber $I$ mit dem gegebenen
% Vektorraum $V$ definiert.
Ausf"uhrlicher gilt sogar: 
\begin{displaymath}
\begin{array}{llll}
(\vec{v}_i)_{i\in I}  \text{ ist Erzeugendensystem} &\Leftrightarrow & \Phi
\text{ ist eine Surjektion}&K\langle I\rangle  \sra V \\
(\vec{v}_i)_{i \in I} \text{ ist linear unabh"angig} & \Leftrightarrow & \Phi
\text{ ist eine Injektion}&K\langle I\rangle  \hra V\\
(\vec{v}_i)_{i \in I} \text{ ist eine Basis} & \Leftrightarrow & \Phi
\text{ ist eine Bijektion}&K\langle I\rangle  \sira V\\
\end{array}
\end{displaymath}
Der Beweis ist mutatis
mutandis derselbe wie im in \ref{EDDB} 
behandelten Fall einer endlichen Familie, mit einigen Vereinfachungen,
die die bereits entwickelte Theorie erm"oglicht.
Das Bild von $\Phi$ ist offensichtlich der von unserer Familie erzeugte
Untervektorraum. Andererseits ist $\Phi$ nach \ref{LiI}
genau dann injektiv, wenn gilt
$\op{ker}(\Phi)=0$. Diese Bedingung bedeutet aber nach unseren Definitionen 
genau die lineare Unabh"angigkeit unserer Familie.
\end{proof}



\begin{proof}[Beweis von Lemma \ref{LeBa} im allgemeinen]
Ist $V$ ein $K$-Vektorraum und $B\subset V$ eine Basis, so liefert die
lineare Ausdehnung der Einbettung $\phi:B\hra V$ nach
\ref{EDDBv} einen Isomorphismus
$\Phi:K\langle B\rangle\sira V$. Wir erhalten so 
f"ur jeden weiteren $K$-Vektorraum Bijektionen
$$\op{Hom}_K(V,W)\sira \op{Hom}_K(K\langle B\rangle,W)
\sira \op{Ens}(B,W)$$
durch Vorschalten von $\Phi$ und $\op{can}$. 
Deren Verkn"upfung alias das Vorschalten der Einbettung 
$B\hra V$ ist also auch 
eine Bijektion, und das war genau die Behauptung. 
\end{proof}




\begin{Bemerkungl}
  Die folgende Definition mit den zugeh"origen  "Ubungen ist dazu gedacht,
die Diskussion der Determinante und allgemeinerer multilinearer
Abbildungen vorzubereiten. An dieser Stelle ist es wesentlich, da"s wir "uber einem K"orper und nicht etwa "uber
einem Schiefk"orper
arbeiten.
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}\label{bili}
Seien $U,V,W$ Vektorr"aume "uber einem K"orper $K$.
Eine Abbildung $F: U \times V \rightarrow W$ alias $2$-Multiabbildung
$F: U \curlyvee V \rightarrow W$ hei"st 
{\bf bilinear}\index{bilinear!bei Vektorr"aumen},
wenn sie f"ur jedes feste $v \in V$ linear ist in 
$ u \in U$ und f"ur jedes feste $u\in
U$ linear in $v \in V$. In Formeln bedeutet das
$$\begin{array}{rcl}
F(u+a, v) &=& F (u,v) + F (a,v)\\
F(\lambda u , v) &=& \lambda F (u,v) \\[2mm]
F(u, v+b) &=& F (u,v) +  F (u,b)\\
F(u,  \mu v ) &=&\mu F (u,v) 
\end{array}$$
f"ur alle $\lambda,\mu \in K$ und $ u,a \in U$ und $ v, b \in V$. 
Die Menge aller solchen bilinearen Abbildungen
notieren wir $$\op{Mod}_K(U\curlyvee V,W)=\op{Hom}^{(2)}_K(U\times V,W)\subset\op{Ens}(U\times V,W) $$
Mir gef"allt die erste Notation besser,
in der $\curlyvee$ ein neues Trennsymbol  ist
und $\op{Mod}_K$ die \glqq Schmelzkategorie der $K$-Moduln\grqq\
meint, die wir sp"ater einf"uhren werden.
Diese Notation ist jedoch un"ublich.\index{Hom@$\op{Hom}^{(2)}$ bilineare Abbildungen}\index{Mod@$\op{Mod}_K(U\curlyvee V,W)$ bilineare Abbildungen}  
 Eine bilineare Abbildung $V\times V\ra K$
 in den Grundk"orper hei"st eine {\bf Bilinearform auf $V$}.\index{Bilinearform} Die Menge\nichtfinal{, ja den Vektorraum (gibts den schon?)} aller
 Bilinearformen auf $V$ notieren
 wir $\op{Bil}(V)$.\index{Bil@$\op{Bil}(V)$ Bilinearformen auf $V$}  
\end{Definition}



\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Homomorphismenraum}]
  Man zeige, da"s gegeben Vektorr"aume $V,W$ "uber einem K"orper $K$
  die Teilmenge
  $$\op{Hom}_K(V,W)\subset
  \op{Ens}(V,W)$$ der linearen Abbildungen\label{HoRal} 
  ein Untervektorraum des Vektorraums
  $\op{Ens}(V,W)$ aller Abbildungen 
von $V$ nach $W$  mit seiner Vektorraumstruktur aus
\ref{EnVV} ist. Die Menge $\op{Hom}_K(V,W)$ 
mit dieser Vektorraumstruktur nennen wir den {\bf Homomorphismenraum}. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Bilineare Abbildungen und Basen}]\label{bilB}
Seien $U,V,W$ Vektorr"aume und $A\subset U$ sowie $B\subset V$ 
jeweils Basen.
So liefert die Einschr"ankung eine Bijektion
$$\op{Mod}_K(U\curlyvee V,W)\sira\op{Ens}(A\times B,W) $$
In Worten ist also eine bilineare Abbildung festgelegt und festlegbar durch
ihre Werte auf Paaren von Basisvektoren. Hinweis: Man orientiere sich am
Beweis
von \ref{LeBa}. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{R"aume bilinearer Abbildungen}]
  Man zeige, da"s gegeben Vektorr"aume $U,V,W$ "uber einem K"orper $K$
  die Teilmenge
  $$\op{Mod}_K(U\curlyvee V,W)\subset
  \op{Ens}(U\times V,W)$$ der bilinearen Abbildungen
  ein Untervektorraum des Vektorraums
  $\op{Ens}(U\times V,W)$ aller Abbildungen\label{HoRab}  
von $U\times V$ nach $W$  mit seiner Vektorraumstruktur aus
\ref{EnVV} ist. Im Zweifelsfall denken wir uns $\op{Mod}_K(U\curlyvee V,W)$
stets
mit dieser Vektorraumstruktur versehen. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Seien $(X,\leq)$ eine teilgeordnete Menge
und $K$ ein K"orper. Sei f"ur alle $x\in X$ 
eine Abbildung $f_x:X\ra K$\label{POLU} gegeben mit $f_x(x)\neq 0$ und
$f_x(y)\neq 0\RA y\geq x$. Man zeige, da"s dann die Familie 
$(f_x)_{x\in X}$ linear unabh"angig ist im Vektorraum
$\op{Ens}(X,K)$ aller Abbildungen von $X$ nach $K$.
\end{Ubunge}

\begin{Ubungw}
Man zeige, da"s f"ur eine unendliche Menge $X$ weder 
der Vektorraum $\op{Ens}(X,K)$ noch
der freie Vektorraum $K\langle X\rangle $ "uber $X$ endlich erzeugt sind.
\end{Ubungw}
\begin{Ubung}[\textbf{Homomorphismen aus direkten Summen}]
  Gegeben Vektorr"aume $V_1,\ldots,V_n,W$
liefert die Vorschrift $f\mapsto (f\circ \op{in}_i)_i$ einen Isomorphismus
$$\op{Hom}(V_1\oplus\ldots\oplus V_n,W)\sira
\op{Hom}(V_1,W)\oplus \ldots\oplus
\op{Hom}( V_n,W)
$$
Die Umkehrabbildung ordnet einem Tupel linearer Abbildungen
$f_i:V_i\ra W$ die lineare Abbildung\label{IsoP} 
$f:V_1\oplus\ldots\oplus V_n\ra W$ zu mit 
$$f(\vec v_1,\ldots, \vec v_n)\pdef f_1(\vec v_1)+ \ldots +f_n(\vec  v_n)$$
Wir notieren diese Abbildung auch $f=(f_1,\ldots, f_n)$ und denken sie uns als
eine \grqq Zeilenmatrix von linearen Abbildungen\grqq, die auf die
\grqq Spaltenmatrix von Vektoren\grqq\ $(\vec v_1,\ldots, \vec v_n)^\top$ angewandt wird. Es erweist sich in diesem und "ahnlichen
Kontexten als bequem, Elemente von
direkten Summen als Spaltenvektoren zu denken.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Homomorphismen in direkte Summen}]
Gegeben Vektorr"aume $V,W_1,\ldots,W_n$\label{Isopp} 
liefert die Vorschrift $g\mapsto (\op{pr}_i\circ g)_i$  einen Isomorphismus
$$\op{Hom}(V,W_1\oplus\ldots\oplus W_n)\sira 
\op{Hom}(V,W_1)\oplus \ldots\oplus
\op{Hom}( V,W_n)$$
Die Umkehrabbildung  ordnet einem Tupel linearer Abbildungen
$g_i:V\ra W_i$ die lineare Abbildung
$g:V\ra W_1\oplus\ldots\oplus W_n$ zu mit $g(\vec v)=(g_1(\vec v), \ldots ,g_n( \vec v))$. 
Wir notieren diese Abbildung auch $g=(g_1,\ldots, g_n)^\top$ und denken sie uns als
eine \grqq Spaltenmatrix von linearen Abbildungen\grqq, die aus einem
Vektor $\vec v$ eine Spalte von Vektoren macht,
die wir dann als  Elemente der
direkten Summe auffassen.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}[\textbf{Dimensionen von  Homomorphismenr"aumen}] 
  Gegeben $V,W$ Vektorr"aume "uber einem K"orper $K$
  zeige man f"ur die Dimension\label{HoVe} des Homomorphismenraums  
$\op{Hom}_K(V,W)$ aus "Ubung \ref{HoRal} die Formel
$$\op{dim}\op{Hom}_K(V,W)=(\op{dim}V)(\op{dim}W)$$
 unter der Konvention $0\cdot\infty=\infty
\cdot 0=0$. 
Diese Formel ist  insofern mit Vorsicht zu genie"sen, als sie bei einer
feineren Interpretation der Dimension als Kardinalit"at 
im Fall unendlichdimensionaler R"aume
ihre G"ultigkeit verliert. Hinweis: \ref{LeBa}.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{VHbil}
  Man zeige, da"s f"ur je drei Vektorr"aume $U,V,W$ 
"uber einem K"orper die Verkn"upfung
 $\op{Hom}(U,V)\times \op{Hom}(V,W)\ra 
\op{Hom}(U,W)$ von linearen
Abbildungen eine bilineare Abbildung der
Homomorphismenr"aume  \ref{HoRal} ist.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Exponentialgesetz f"ur lineare Abbildungen}] 
Gegeben Vektorr"aume $U,V,W$ "uber einem K"orper 
induziert die Identifikation
$\op{Ens} (U\times V, W) \sira  \op{Ens} (U,\op{Ens}
(V,W))$ aus dem Exponentialgesetz \eref{ABBK}{GR} 
einen Isomorphismus $$\op{Hom}^{(2)} (U\times V,W) 
\sira \op{Hom} (U, \op{Hom} (V,W))$$ 
zwischen dem Raum der bilinearen Abbildungen\label{BLH} 
$U\times V\ra W$ und dem Raum der linearen Abbildungen
$U\ra  \op{Hom} (V,W)$ in Bezug auf die Vektorraumstrukturen aus
\ref{HoRal} und \ref{HoRab}. 
\end{Ubung}



\subsection{Lineare Abbildungen ${K^n}\!\rightarrow \!{K^m}$ und Matrizen}

\begin{Satz}[\textbf{Lineare Abbildungen und Matrizen}]
Gegeben ein K"orper $K$ und nat"urliche Zahlen\label{MLA}
$n, m \in \mathbb N$ erhalten wir eine Bijektion
zwischen der Menge der linearen Abbildungen $K^n\ra K^m$ und der Menge der 
$K$-wertigen Matrizen mit $m$ Zeilen und $n$ Spalten
$$
  \begin{array}{cccc}
{\op{M}}:&\op{Hom}_K (K^n,K^m) &\sira & \op{Mat} (m \times n; K)\\
&f & \mapsto & [f]
%f \;\;& \mapsto &\;\; [f]
\end{array}
$$
durch die Vorschrift, die jeder linearen Abbildung $f$ ihre 
\emph{\bf darstellende Matrix}\index{darstellende Matrix} 
${\op{M}}(f)\pdef [f]$\index{M@${\op{M}}(f)$ Matrix von $f$}\index{)5]@$[f]$ Matrix von $f$}
zuordnet. Die darstellende Matrix wird dabei ihrerseits dadurch erkl"art,
da"s in ihren Spalten die Bilder 
unter $f$ der 
Vektoren der Standardbasis des $K^n$ stehen, in Formeln
\begin{eqnarray*}
[f] \pdef \left(f ({\op{e}}_1) | f({\op{e}}_2) | \ldots | f({\op{e}}_n)\right)
\end{eqnarray*}
\end{Satz}
\begin{proof}
Das folgt unmittelbar aus unserer Erkenntnis \ref{LeBa}, da"s
%oder vielleicht einfacher \ref{UEb}
eine lineare Abbildung  festgelegt wird  durch ihre
Werte auf den Vektoren einer Basis, die ihrerseits
beliebig vorgegeben werden k"onnen.
\end{proof}

\begin{Beispiel}
Die Matrix der Identit"at auf $K^n$ ist die 
\defind{Einheitsmatrix}\index{I@${\op{I}}={\op{I}}_n$ Einheitsmatrix}
\begin{equation*}
{\op{I}} = {\op{I}}_n \pdef[\op{id} ] =  \begin{pmatrix} 1 & &0&\\
&1& \\& &\ddots &\\ &0&&1\end{pmatrix} 
\end{equation*}
mit Eintr"agen ${\op{I}}_{i,j} = \delta_{i,j}$ in der unter der Bezeichnung
\defind{Kroneckerdelta}\label{Kdel} bekannten und
allgemein gebr"auchlichen Konvention
$$\delta_{i,j}=\left\{
  \begin{array}{ll}
1&i=j;\\0&\text{sonst.}
  \end{array}\right.$$
Ist allgemeiner $n \geq m$, so ist die Matrix des 
\glqq Weglassens der "uberz"ahligen
Koordinaten\grqq\  $f : (x_1, \ldots, x_n) \mapsto (x_1, \ldots , x_m)$
gerade
\begin{displaymath}
[f] = \begin{pmatrix} 1 & &0&&0\ldots 0\\
&\ddots& &&&  \\& &\ddots &\\ &0&&1 &0\ldots 0  \end{pmatrix}
\end{displaymath}
Die Matrix des \glqq Vertauschens der Koordinaten\grqq\  $g: K^2 \rightarrow K^2$,
$(x,y)\mapsto (y,x)$ 
schlie"slich ist
\begin{equation*}
[g] = \begin{pmatrix}
0&1\\ 1 & 0
\end{pmatrix}
\end{equation*}
\end{Beispiel}

\begin{Definition}\label{MaMu}
Gegeben nat"urliche Zahlen $m,n,l \in \mathbb N$
und ein K"orper $K$ und
Matrizen $A\in \op{Mat} (n \times m; K) , B\in \op{Mat} (m \times
l;K)$
definieren wir ihr {\bf Produkt}\index{Produkt!von Matrizen}
$A\circ B=AB\in \op{Mat} (n \times l;K)$ durch die Formel
\begin{equation*}
 (AB)_{ik} = \sum_{j=1}^m A_{ij} B_{jk}
\end{equation*}
Diese Formel dr"uckt den Eintrag der Produktmatrix $AB$ in der $i$-ten Zeile und $k$-ten Spalte
durch die Eintr"age der Matrizen $A$ und $B$ aus. In Worten
gilt es, jeweils den $j$-ten Eintrag der $i$-ten Zeile von $A$ 
mit dem $j$-ten Eintrag der $k$-ten Spalte von $B$ zu multiplizieren,
und die Summe dieser $m$ Produkte ist dann
der Eintrag der Produktmatrix $AB$ in der $i$-ten Zeile und $k$-ten Spalte.
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.60\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildMaM}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.30\textwidth}\centering
   Der 
   eingekringelte Eintrag des Produkts ergibt sich als $4=2\cdot
2+0\cdot 6$.
\end{minipage}
\end{figure} Manchmal schreiben wir  die
Produktmatrix auch  ausf"uhrlicher $AB=A\circ B$.\index{)8a@$\circ$ Verkn"upfung!Matrixprodukt}
Die {\bf Matrixmultiplikation}\index{Matrixmultiplikation}
liefert eine Abbildung 
$$\begin{array}{ccc}
\op{Mat} (n \times m; K) \times \op{Mat} (m \times l;K) &\rightarrow & 
\op{Mat} (n \times l;K)\\[2mm]
(A\quad , \quad B) &\mapsto &A B
\end{array}$$ 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
  In der Terminologie aus \ref{bili} ist unsere Matrixmultiplikation
eine bilineare Abbildung, wie man unschwer einsieht.
Den Ursprung dieser auf den ersten Blick vielleicht 
absonderlich anmutenden Definition des Produkts zweier Matrizen
und unserer leicht mit dem Verkn"upfen von Abbildungen zu verwechselnden
alternativen Notation $AB=A\circ B$
erkl"art der folgende Satz.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Verkn"upfen von Abbildungen und Matrixprodukt}]
Gegeben lineare Abbildungen $g : K^l \rightarrow
K^m$ und $f : K^m \rightarrow K^n$ ist
die Matrix ihrer Verkn"upfung das Produkt der
zugeh"origen Matrizen, in Formeln\label{MVM}
\begin{equation*}
[f \circ g] = [f]\circ [g]
\end{equation*}
\end{Satz}
\begin{proof}
Sei $(a_{ij})$ die Matrix $[f]$ und $(b_{jk})$ die Matrix
$[g]$.
Wir notieren die Standardbasen von $K^n, K^m$ und $K^l$ als
$\vec{u}_i, \vec{v}_j$ und $\vec{w}_k$ in
der Hoffnung, da"s die folgende Rechnung dadurch transparenter wird,
da"s wir nicht  f"ur
die Standardbasis in allen drei R"aumen die 
sonst eigentlich "ubliche Notation $\vec{\op{e}}_r$
verwenden.
Weiter schreiben wir die Skalare hinter die Vektoren,
was wir bei konsequenter Arbeit mit einem Schiefk"orper
eh h"atten tun m"ussen und was in jedem Fall die Formeln
transparenter macht.
In dieser Notation haben wir also
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccccl}
g(\vec{w}_k) &=&(b_{\ast k}) &=& \vec{v}_1b_{1k}  + \ldots +
 \vec{v}_mb_{mk}\\[1mm]
f(\vec{v}_j) &=& (a_{\ast j}) &=
&  \vec{u}_1a_{1j} +\ldots +  \vec{u}_na_{nj}
\end{array}
\end{displaymath}
und folgern
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccl}
(f \circ g)(\vec{w}_k) &=& f (\vec{v}_1b_{1k}  + \ldots +
 \vec{v}_mb_{mk})\\[2mm]
&=&  f (\vec{v}_1)b_{1k} + \ldots +  f(\vec{v}_m)b_{mk}\\[2mm]
&=&\sum^m_{j=1}  f (\vec{v}_j)b_{jk}\\[2mm]
&=&\sum^m_{j=1}  \big(\sum^n_{i=1}  \vec{u}_ia_{ij}\big)b_{jk}\\[2mm]
&=& \sum^n_{i=1} \vec{u}_i\big( \sum^m_{j=1} a_{ij} b_{jk}\big) 
\end{array}
\end{displaymath}
Andererseits sind ja die Eintr"age $(c_{ik})$ der Matrix $[f \circ g]$
gerade definiert durch die Identit"at 
$(f\circ g) (\vec{w}_k) = 
\vec{u}_1 c_{1k} +\ldots +  \vec{u}_nc_{nk}$ und durch einen 
Koeffizientenvergleich folgt
f"ur die Eintr"age $c_{ik}$ von $[f \circ g]$ 
wie gew"unscht $c_{ik} =\sum^m_{j=1}
a_{ij} b_{jk}$.
\end{proof}
\begin{Proposition}[\textbf{Rechnen mit Matrizen}] 
F"ur die Matrixmultiplikation gelten die  Rechenregeln\label{RmM} 
\begin{eqnarray*}
(A + A^\prime)B &=& AB + A^\prime B\\
A(B + B^\prime) &=& AB + AB^\prime\\
{\op{I}}B &=& B\\
A{\op{I}} &=& A\\
(AB)C &=& A(BC)
\end{eqnarray*}
f"ur beliebige $k,l,m,n \in \mathbb N$ und 
$A, A^\prime \in \op{Mat} (n \times m;K)$,
$B, B^\prime \in \op{Mat} (m \times l; K)$, $C \in \op{Mat} (l \times k;K)$ und
${\op{I}} = {\op{I}}_m$ die $(m \times m)$-Einheitsmatrix.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Erster Beweis]
Stures Rechnen, ich f"uhre nur zwei Teile beispielhaft aus.
Wir haben
$
(A{\op{I}})_{ij} = \sum_k A_{ik} {\op{I}}_{kj}=
\sum_k A_{ik} \delta_{kj}
=A_{ij}
$
und das zeigt $A{\op{I}} = A$.
F"ur die n"achste Rechnung verwende ich einmal
andere Notationen
und nehme $\kappa,\lambda,\mu,\nu$ als Laufindizes.
Dann haben wir
$$\begin{array}[b]{lll}
((A B)C)_{\nu \kappa} &=& \sum^l_{\lambda=1} (AB)_{\nu \lambda} C_{\lambda\kappa}\\
&=& \sum^l_{\lambda=1} \left( \sum^m_{\mu =1} A_{\nu \mu } B_{\mu \lambda}\right) C_{\lambda\kappa}\\
&=& \sum^{l,m}_{\lambda,\mu  =1} A_{\nu \mu } B_{\mu \lambda} C_{\lambda\kappa}\\[3mm]
(A(BC))_{\nu \kappa} &=& \sum^m_{\mu =1} A_{\nu \mu } (BC)_{\mu \kappa}\\
&=& \sum^m_{\mu =1} A_{\nu \mu } \left( \sum^l_{\lambda=1} B_{\mu \lambda} C_{\lambda\kappa}\right)\\
&=& \sum_{\mu ,\lambda =1}^{m,l} A_{\nu \mu } B_{\mu \lambda} C_{\lambda\kappa}
\end{array}$$
und das zeigt $(AB)C=A(BC)$.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
Wir k"onnen unsere Rechenregeln f"ur Matrizen auch mit \ref{MLA} und \ref{MVM}
auf die entsprechenden Regeln f"ur lineare Abbildungen zur"uckf"uhren.
Um zum Beispiel $(AB) C = A (BC)$ zu zeigen, betrachten wir die linearen
Abbildungen $a, b, c$ mit den entsprechenden Matrizen im Sinne von \ref{MLA},
finden mit \ref{MVM} sofort
% \begin{eqnarray*}
% (AB)C &=& ([a]\circ [b])\circ [c]\\
% &=&\;\;[a\circ b]\circ [c]\\
% &=& [(a\circ b) \circ c]\\[3mm]
% A (BC) &=& [a]\circ ([b]\circ [c])\\
% &=& \;[a]\circ [b\circ c]\\
% &=& [a \circ (b\circ c)]
% \end{eqnarray*}
\begin{eqnarray*}
(AB)C &=& ([a]\circ [b])\circ [c]=[a\circ b]\circ [c]= [(a\circ b) \circ c]\\[2mm]
A (BC) &=& [a]\circ ([b]\circ [c])= [a]\circ [b\circ c]= [a \circ (b\circ c)]
\end{eqnarray*}
% $$\begin{array}{ccc}
% (AB)C &=& ([a]\circ [b])\circ [c]\\
% &=&[a\circ b]\circ [c]\\
% &=& [(a\circ b) \circ c]\\[3mm]
% A (BC) &=& [a]\circ ([b]\circ [c])\\
% &=& [a]\circ [b\circ c]\\
% &=& [a \circ (b\circ c)]
% \end{array}$$
und die Behauptung ergibt sich  aus der f"ur die Verkn"upfung von
Abbildungen offensichtlichen Identit"at
$(a\circ b) \circ c = a \circ (b \circ c)$.
\end{proof}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Lineare Abbildungen $K^m\ra K^n$ als Matrixmultiplikationen}] 
Mit dem Formalismus der Matrixmultiplikation k"onnen 
wir auch die Umkehrung unserer\label{inA} 
Bijektion
$\op{Hom}_K (K^m, K^n) \sira 
\op{Mat}(n \times m; K)$, $f\mapsto
[f]$ aus \ref{MLA}, bei der jeder linearen Abbildung ihre
darstellende Matrix zugeordnet wird, elegant beschreiben.
Dazu m"ussen wir nur die 
Elemente von $K^m$ beziehungsweise $K^n$
als Spaltenvektoren auffassen und einer Matrix
$A \in \op{Mat} (n \times m;K)$ die durch Matrixmultiplikation gegebene Abbildung
$
(A \circ) : \op{Mat} (m \times 1; K) \rightarrow \op{Mat}(n \times 1; K)
$
alias $$(A\circ) : K^m \rightarrow K^n$$ zuordnen.
Das folgt unmittelbar aus den Definitionen.
Statt $A\circ x$ schreibt man dann auch einfacher schlicht $Ax$.
Die Umkehrabbildung zu $f \mapsto [f]$ kann mit diesen Konventionen
also in der Form 
$A \mapsto (x \mapsto A x) $ f"ur $ x \in K^m$ dargestellt werden, 
oder noch knapper 
in der Form $A\mapsto (A\circ)$. Auf die Dauer sollte einem diese 
Identifikation von linearen Abbildungen $K^m\ra K^n$ und Matrizen
eh so in Fleisch und Blut "ubergehen, da"s man  unterschiedslos $A$ 
schreiben und damit beides gleichzeitig meinen kann.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Vektoren als Homomorphismen}] 
Gegeben ein K"orper $K$ liefert f"ur jeden $K$-Vektorraum $V$
das Auswerten auf dem Element  $1\in K$ einen Vektorraumisomorphismus  
$$\op{Hom}_K(K,V)\sira V$$
Er ist so nat"urlich, da"s wir ihn in der Notation oft verschlucken
und beide R"aume schlicht als gleich ansehen. 
Die Umkehrabbildung unseres Isomorphismen kann explizit beschrieben 
werden 
als die Abbildung 
$V\sira \op{Hom}(K,V)$ gegeben durch $\vec{v}\mapsto  (\cdot\vec{v})$
mit $(\cdot\vec{v}):\lambda\mapsto \lambda\vec{v}$. Ist $f:V\ra W$ linear,
so gilt  $f\circ (\cdot\vec{v})=(\cdot f(\vec{v}))$, denn diese beiden linearen
Abbildungen $K\ra W$ nehmen auf dem Erzeuger $1\in K$ denselben Wert 
$f(\vec{v})$ an. Diese Sichtweise hat den Vorteil, da"s darunter das
 Anwenden einer linearen Abbildung auf einen Vektor zu einem
Speziallfall der  Verkn"upfung von linearen Abbildungen wird. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Lineare Abbildungen als Matrixmultiplikationen,
    Variante}] 
Im Spezialfall $V=K^m$ ist f"ur $\vec{v}\in K^m$ 
die darstellende Matrix $[\cdot\vec{v}]$ von $(\cdot\vec{v}):K\ra K^m$ 
offensichtlich gerade 
$\vec{v}$ selber, aufgefa"st als Spaltenmatrix.
Wir notieren diese  Spaltenmatrix abk"urzend $$[\vec{v}]= [\cdot\vec{v}]$$ oder 
sp"ater auch einfach nur noch $\vec{v}$.
 Im Spezialfall $W=K^n$ folgern wir
f"ur das Produkt der darstellenden Matrizen 
aus der vorhergehenden Bemerkung
\ref{inA} nocheinmal
die Identit"at
$$[f]\circ [\vec{v}]=[f(\vec{v})]$$
von Spaltenvektoren, 
diesmal aber als Konsequenz
unseres Satzes \ref{MVM} "uber die Matrix einer Verkn"upfung.
In der Tat finden wir nach \ref{inA} ausf"uhrlicher  ausgeschrieben
$[f]\circ [\vec{v}]= [f]\circ [\cdot \vec{v}]=
[f\circ (\cdot \vec v)]= [\cdot f(\vec{v})]=[f(\vec{v})]$. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}
 Gegeben eine Matrix $A\in \op{Mat}(n\times m;K)$ definiert man
die {\bf transponierte Matrix}\index{transponiert!Matrix}
$A^{\ttop}\in \op{Mat}(m\times n;K)$ durch die Vorschrift
$(A^\ttop)_{ij}=A_{ji}$.\index{)6top@$A^\ttop$ transponierte Matrix}
Anschaulich gesprochen entsteht also $A^\ttop$ aus $A$ durch
\glqq Spiegeln an der Hauptdiagonalen\grqq. Zum Beispiel ist die Transponierte eines
Spaltenvektors alias einer $(n\times 1)$-Matrix 
ein {\bf Zeilenvektor}\index{Zeilenvektor} 
alias eine $(1\times n)$-Matrix. Nat"urlich gilt $(A^\ttop)^\ttop=A$.
 Viele Autoren verwenden f"ur die transponierte Matrix auch die alternative
  Notation $^t\!A$.\index{)6rt@$^{t}A$ {\it transponierte Matrix}}
\end{Bemerkunge}\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildTM}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Die transponierte Matrix erh"alt man durch \glqq Spiegelung an der 
Diagonalen von links oben nach rechts unten\grqq. 
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Zeilenvektoren versus Spaltenvektoren}] 
An dieser Stelle  
will ich kurz auf die Frage eingehen, \glqq ob denn Elemente eines $K^n$ 
nun eigentlich Zeilenvektoren oder Spaltenvektoren sein sollen\grqq. 
A priori sind Elemente eines $K^n$ halt $n$-Tupel und wie wir sie schreiben 
ist egal. Wenn wir jedoch eine Matrix davormultiplizieren wollen,
ist es wichtig, unsere $n$-Tupel als Spaltenvektoren
alias Spaltenmatrizen aufzufassen. 
Da das oft vorkommt, pl"adiere ich daf"ur, sich $n$-Tupel 
grunds"atzlich als Spalten zu denken. Allerdings ist es in einem
durchlaufenden Text ungeschickt, Spaltenvektoren auch als solche zu schreiben.
Da f"ugen sich Zeilenvektoren einfach viel besser ein. Wenn ich
dennoch auf 
Spaltenvektoren bestehen will, schreibe ich sie 
im Text als \glqq zu transponierende
Zeilenvektoren\grqq, als da hei"st, in der Form 
$(x_1,\ldots,x_n)^\ttop$. Oft 
schreibe ich aber auch einfach $(x_1,\ldots,x_n)$ 
und der Leser mu"s aus dem
Kontext erschlie"sen, was genau gemeint ist, 
wenn es denn darauf  "uberhaupt ankommen sollte.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Eine alternative Notation mag besser sein, 
in der  $(x_1,\ldots,x_n)$ im Zweifelsfall einen
Spaltenvektor meint und
$(x_1|\ldots|x_n)$ stets einen Zeilenvektor.
Im vorliegenden Text wird diese Konvention jedoch nicht durchgehalten.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkunge}[\textbf{Homomorphismen zwischen direkten Summen}] 
Gegeben Vektorr"aume $V_1,\ldots,V_m$ und $W_1,\ldots,W_n$
"uber einem K"orper $k$\label{MaDS} 
liefern die Identifikationen \ref{IsoP} und \ref{Isopp} zusammen 
 eine nat"urliche Identifikation
$$
\begin{array}{ccc}
\op{Hom}(V_1\oplus\ldots\oplus V_m,W_1\oplus\ldots\oplus W_n)&\sira&
\prod_{i,j} \op{Hom}(V_j,W_i)\\[2mm]
f&\mapsto& (\op{pr}_i\circ f\circ \op{in}_j)_{ij}
\end{array}
$$
Wir werden die Elemente einer endlichen direkten Summe oft als Spaltenvetoren
auffassen und die Homomorphismen zwischen direkten
Summen als Matrizen von Homomorphismen zwischen den Summanden.
So fassen wir ein Element $(f_{ij})$ des rechten Produkts oben
 auf als eine Matrix von Homomorphismen,
mit $f_{11}, f_{21},\ldots, f_{n1}$ als erster Spalte,
$f_{12}, f_{22},\ldots, f_{n2}$ als zweiter Spalte und so weiter.
 Diese Darstellung als Matrix  erlaubt es dann,
die Komposition solcher Homomorphismen mit dem Formalismus der
Matrixmultiplikation zu berechnen: Entspricht genauer 
einer weiteren linearen Abbildung
$g: U_1\oplus\ldots\oplus U_l\ra V_1\oplus\ldots\oplus V_m$ die Matrix der
$g_{jk}=\op{pr}_j\circ g\circ \op{in}_k: U_k\ra V_j$, 
so entspricht der Verkn"upfung
$f\circ g$ die Matrix mit Eintr"agen
$$\left(\sum_j f_{ij} \circ g_{jk}\right):U_k\ra W_i$$
Sind speziell alle unsere Vektorr"aume irgendwelche $k^a$, so
erhalten wir insbesondere, da"s das Produkt zweier multiplizierbarer
Matrizen auch berechnet werden kann, indem man sie \glqq in vertr"aglicher Weise\grqq\ 
als Blockmatrizen auffa"st und dann diese Blockmatrizen nach den Regeln der
Matrixmultiplikation \glqq multipliziert, als ob die Bl"ocke Zahlen w"aren\grqq.
\end{Bemerkunge}





\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s die Abbildung ${\op{M}}$ aus \ref{MLA} sogar ein
Vektor\-raum\-isomorphismus ist f"ur die Vektorraumstruktur \ref{HoVe} auf
dem Raum der Homomorphismen und die Vektorraumstruktur \ref{EnVV} auf
der Menge der Matrizen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $f:\DR^2\ra\DR^2$ die Spiegelung $(x,y)\mapsto (x,-y)$. 
Man zeige, da"s die linearen Abbildungen $g:\DR^2\ra\DR^2$ mit der
Eigenschaft $fg=gf$ einen Untervektorraum des Homomorphismenraums
$\op{Hom}_\DR(\DR^2,\DR^2)$ bilden und gebe eine Basis dieses 
Untervektorraums des Homomorphismenraums an.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige f"ur das Produkt transponierter Matrizen die Formel
$$(AB)^\ttop=B^\ttop A^\ttop$$
\end{Ubung}

\subsection{Eigenschaften von Matrizen}

\begin{Bemerkungl}
Eine Matrix mit gleichviel Zeilen wie Spalten
hei"st {\bf quadratisch}.\index{quadratisch!Matrix} 
F"ur jedes $n\in \DN$ bilden die quadratischen Matrizen
mit $n$ Zeilen und $n$ Spalten 
und mit der Matrixmultiplikation als Verkn"upfung ein Monoid, das wir abk"urzend
$$\op{Mat}(n;K)\pdef \op{Mat}(n\times n;K)$$
notieren. Die invertierbaren Elemente dieses Monoids hei"sen 
 {\bf invertierbare} oder gleichbedeutend {\bf regul"are $(n\times n)$-Matrizen}.\index{invertierbar!Matrix}\index{regul"ar!Matrix}
In Formeln hei"st eine quadratische Matrix
$A\in \op{Mat}(n;K)$  also  invertierbar, wenn es eine Matrix
$B\in \op{Mat}(n;K)$ gibt mit $AB={\op{I}}=BA$. 
Im Einklang mit
unseren allgemeinen Konventionen f"ur multiplikativ notierte Monoide 
notieren wir diese Matrix
$A^{-1}$ und nennen sie die {\bf inverse Matrix zu $A$}.\index{invers!Matrix}
Die invertierbaren $(n\times n)$-Matrizen mit Eintr"agen
in einem K"orper $K$ bilden mit der Matrixmultiplikation eine Gruppe, die
{\bf allgemeine lineare Gruppe der $(n\times n)$-Matrizen}, die man notiert als
$$\op{GL}(n;K)\pdef \op{Mat}(n;K)^\times$$ in Anlehnung an die 
englische 
Bezeichnung\index{allgemeine lineare Gruppe}\index{GL@$\op{GL}(n;K)$ allgemeine lineare Gruppe} 
{\bf general linear group}.\index{general linear group}
\end{Bemerkungl}



\begin{Lemma}[\textbf{Invertierbarkeit a priori nicht quadratischer Matrizen}]
  Seien $K$ ein K"orper und  $A\in \op{Mat}(m\times n;K)$ eine nicht notwendig quadratische
 Matrix.
 \begin{enumerate}
 \item Gilt $n\geq m$ und gibt es $B\in \op{Mat}(n\times m;K)$ mit $BA={\op{I}}$,
   so gilt $n=m$ und $A$ ist invertierbar und $B$ ist invers zu $A$, in Formeln $AB={\op{I}}=BA$;
 \item Gilt $n\leq m$ und gibt es $B\in \op{Mat}(n\times m;K)$ mit $AB={\op{I}}$,
   so gilt $n=m$ und $A$ ist invertierbar und $B$ ist invers zu $A$, in Formeln $AB={\op{I}}=BA$.
\end{enumerate}
\end{Lemma}
\begin{proof}
Gibt es $B$ mit $BA={\op{I}}$, so ist
die durch $BA$ gegebene lineare Abbildung injektiv, 
also ist die durch $A$ gegebene lineare Abbildung injektiv,
also ist sie unter der Annahme
$n\geq m$ nach Dimensionsvergleich ein Isomorphismus.
Dann mu"s $B$ die Matrix der Umkehrabbildung sein und es folgt  $AB={\op{I}}$.
Gibt es $B$ mit $AB={\op{I}}$, so ist
die durch $AB$ gegebene lineare Abbildung surjektiv, 
also ist die durch $A$ gegebene lineare Abbildung surjektiv,
also ist sie unter der Annahme
 $n\leq m$ nach Dimensionsvergleich ein Isomorphismus und wir beenden das Argument analog.
\end{proof}






% \begin{Bemerkungl}[\textbf{Invertierbarkeit a priori nichtquadratischer Matrizen}]
% Sei eine nicht notwendig quadratische
%  Matrix $A\in \op{Mat}(m\times n;K)$ gegeben.
% Gibt es Matrizen $B,C\in \op{Mat}(n\times m;K)$ 
%  mit $BA=I$ und $AC=I$,
% so ist $A$ bereits quadratisch und invertierbar.
% In der Tat, gibt es $B$ mit $BA=I$, so ist
% die durch $BA$ gegebene lineare Abbildung injektiv, 
% also ist die durch $A$ gegebene lineare Abbildung injektiv.
% Gibt es zus"atzlich $C$ mit $AC=I$, so ist
% die durch $AC$ gegebene lineare Abbildung surjektiv, 
% also ist die durch $A$ gegebene lineare Abbildung surjektiv.
% Insgesamt mu"s dann also die durch $A$ gegebene lineare Abbildung 
% ein Isomorphismus $A:K^n\sira K^m$ 
% sein. Das aber ist nur m"oglich unter der Vorraussetzung 
% $m=n$, und dann beschreiben $B$ und $C$ beide die Umkehrabbildung
% zu unserem Isomorphismus und stimmen folglich "uberein.  
% \end{Bemerkungl}
% \begin{Bemerkungl}[\textbf{Invertierbarkeit und Halbinverse f"ur quadratische Matrizen}]
% Sei nun eine quadratische  Matrix $A\in \op{Mat}(n\times n;K)$ gegeben.
% Gibt es eine weitere Matrix $B\in \op{Mat}(n\times n;K)$ 
% mit $BA=I$,
% so ist $A$ bereits  invertierbar und $B$ ist ihre Inverse.
% In der Tat ist dann die durch $BA$ gegebene lineare Abbildung injektiv, 
% also ist die durch $A$ gegebene lineare Abbildung injektiv,
% also ist sie nach Dimensionsvergleich ein Isomorphismus und $B$ mu"s
% die Matrix der Umkehrabbildung gewesen sein. 
% Gibt es eine weitere Matrix $C\in \op{Mat}(n\times n;K)$ 
% mit $AC=I$,
% so ist $A$ auch bereits  invertierbar und $C$ ist ihre Inverse.
% In der Tat ist dann die durch $AC$ gegebene lineare Abbildung surjektiv, 
% also ist die durch $A$ gegebene lineare Abbildung surjektiv,
% also ist sie nach Dimensionsvergleich ein Isomorphismus und $C$ mu"s
% die Matrix der Umkehrabbildung gewesen sein. 
% \end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Lineare Gleichungssysteme und Matrixalgebra}] 
  Ein Gleichungssystem
\begin{displaymath}
\begin{array}{cccc}
a_{11} x_1 + a_{12} x_2\; + &\ldots & +\; a_{1m}x_{m} &=b_1\\
a_{21} x_1 + a_{22}x_2 \;+ &\ldots & +\;a_{2m}x_{m} &=b_2\\
\vdots & & \vdots &\\
a_{n1} x_1 + a_{n2} x_2 +\; &\ldots & +\;a_{nm} x_m& =b_n
\end{array}
\end{displaymath}
k"onnen\label{GLG}
wir in unseren neuen Notationen zur Gleichung von Spaltenvektoren
$$Ax=b$$
abk"urzen, wobei links das Produkt der Koeffizientenmatrix $A$ mit dem
Spaltenvektor $x$ gemeint ist. Gesucht ist das Urbild von $b\in K^n$ unter der
linearen Abbildung $(A\circ) : K^m \rightarrow K^n$. Die L"osung des
homogenisierten Systems ist der Kern dieser linearen Abbildung. Die
Erkenntnis \ref{APS}, nach der die allgemeine L"osung eines inhomogenen Systems
die Summe einer speziellen L"osung des inhomogenen Systems 
mit einer allgemeinen
L"osung des homogenisierten Systems ist, erweist sich als ein Spezialfall 
der Beschreibung
\ref{FLA} der Fasern linearer Abbildungen.
Die Operationen des Gau"s-Algorithmus k"onnen wir 
in diesem Rahmen interpretieren wie folgt. Bezeichnet
$$E_{ij}$$
die\index{E@$E_{ij}$ Basismatrizen} 
{\bf Basismatrix}\index{Basismatrix} 
mit dem Eintrag Eins in der  $i$-ten Zeile und
$j$-ten Spalte und Nullen sonst, 
so kann f"ur $i\neq j$ das Gleichungssystem, das durch
Addition des $\lambda$-fachen der $j$-ten Zeile zur $i$-ten Zeile 
entsteht, in Matrixschreibweise dargestellt werden als
$$({\op{I}}+\lambda E_{ij})Ax=({\op{I}}+\lambda E_{ij})b$$
Wegen $({\op{I}}-\lambda E_{ij})({\op{I}}+\lambda E_{ij})={\op{I}}$ hat es 
dieselbe L"osungsmenge wie das urspr"ungliche System.
Bezeichnet weiter $P_{ij}$ f"ur $i\neq j$ 
die Matrix der linearen Abbildung $K^m\sira K^m$,
die die $i$-te Koordinate mit der $j$-ten Koordinate vertauscht und 
sonst alles so l"a"st wie es ist, so kann das Gleichungssystem, das durch
Vertauschen  der $i$-ten Zeile mit der $j$-ten Zeile entsteht,  
in Matrixschreibweise dargestellt werden als
$$P_{ij}Ax=P_{ij}b$$
Wegen $P_{ij}P_{ij}={\op{I}}$ hat es 
dieselbe L"osungsmenge wie das urspr"ungliche System.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Man lasse sich durch die terminologische Inkonh"arenz nicht verwirren. Die
  Notationen 
 $E_{ij}$ und $P_{ij}$ bezeichnen in diesem Kontext 
Matrizen, nicht wie fr"uher einmal Eintr"age von Matrizen.
\end{Bemerkungl}

  \begin{Bemerkungl}
    Unter einer 
{\bf Elementarmatrix}\index{Elementarmatrix}\label{Elementarmatrix} 
verstehen wir eine
    quadratische Matrix, die sich in h"ochstens 
einem Eintrag von der Einheitsmatrix
    unterscheidet. Mit Ausnahme der
Matrizen, die entstehen, wenn man in der Einheitsmatrix eine Eins durch
eine Null ersetzt, sind alle Elementarmatrizen mit Eintr"agen in einem K"orper
invertierbar. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkunge}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Es herrscht in der Literatur keine Einigkeit in der Frage,
was man genau unter einer Elementarmatrix zu verstehen hat. 
Manche Quellen bezeichnen zus"atzlich zu unseren Elementarmatrizen
auch noch die Permutationsmatrizen $P_{ij}$ als Elementarmatrizen,
andere Quellen insbesondere im Zusammenhang mit der
sogenannten
\glqq K-Theorie\grqq\ hinwiederum lassen nur solche Matrizen zu, die sich
von der Einheitsmatrix  in h"ochstens einem Eintrag 
au"serhalb der Diagonale
unterscheiden. Ich schlage vor, diese letzteren Matrizen
{\bf spezielle Elementarmatrizen}\index{Elementarmatrix!spezielle}
zu nennen, da sie genau die Elementarmatrizen sind, die zur speziellen
linearen Gruppe \eref{slG}{LA2} geh"oren.\label{sEL} 
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}Eine   Matrix, die 
 nur auf der Diagonalen von Null verschiedene
Eintr"age hat, und zwar erst einige Einsen und danach nur noch Nullen,
nennen wir eine Matrix in\label{SNF} 
{\bf Smith-Normalform}.\index{Smith-Normalform}
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSMF}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Eine Matrix in Smith-Normalform
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Satz}[\textbf{Transformation auf Smith-Normalform}] 
Gegeben ein K"orper $K$ und eine  Matrix  $A\in \op{Mat}(n\times m;K)$  
gibt es invertierbare Matrizen $P,Q$ derart, da"s $PAQ$ eine Matrix
in Smith-Normalform ist.\label{PEb} 
\end{Satz}
 
\begin{proof}
Das folgt unmittelbar aus der anschlie"senden technischen 
Variante \ref{PEbf}. In \ref{ETSS} geben wir  noch einen alternativen 
    eigenst"andigen Beweis.
\end{proof}
\begin{Proposition}[\textbf{Transformation auf Smith-Normalform, Variante}] 
Gegeben ein K"orper $K$ und eine  Matrix  $A\in \op{Mat}(n\times m;K)$  
gibt es invertierbare Elementarmatrizen $S_1,\ldots,S_n,T_1,\ldots,T_m$ 
derart, da"s 
$S_n\ldots S_1A$ Zeilenstufenform hat und $S_n\ldots S_1AT_1\ldots T_m$
Smith-Normalform.\label{PEbf} 
\end{Proposition}

\begin{proof}
  Zun"achst einmal beachten wir, da"s  die Permutationsmatrizen $P_{ij}$ mit
  $i\neq j$ sich als Produkte von Elementarmatrizen schreiben lassen,
wir haben etwa
$$P_{ij}=\op{diag}(1,\ldots,1,-1,1,\ldots,1)({\op{I}}+E_{ij})({\op{I}}-E_{ji})({\op{I}}+E_{ij})$$
Hier soll die $(-1)$ an der $j$-ten Stelle stehen und
$\op{diag}(\lambda_1,\ldots,\lambda_n)$ meint die {\bf
  Diagonalmatrix}\index{Diagonalmatrix}
mit\index{diag@$\op{diag}(\lambda_1,\ldots,\lambda_n)$ Diagonalmatrix}
Eintr"agen $a_{ij}=0$ f"ur $i\neq j$ und $a_{ii}=\lambda_i$.
Dann beachte man, da"s die Rechtsoperation von Elementarmatrizen 
das Ausf"uhren von Spaltenoperationen bedeutet und die Linksoperation
Zeilenoperationen. 
Damit folgt unsere Proposition aus dem
Gau"s-Algorithmus.
\end{proof}




\begin{Korollar}\label{PEMm}
Jede quadratische Matrix  
mit Eintr"agen in einem K"orper 
l"a"st sich als ein Produkt von 
\hyperref[Elementarmatrix]{Elementarmatrizen} darstellen. 
\end{Korollar}
\begin{Bemerkunge}
  Der Beweis zeigt sogar, da"s es f"ur jedes $n$ ein $N$ gibt derart, da"s
sich jede $(n\times n)$-Matrix als ein Produkt von h"ochstens 
$N$ Elementarmatrizen darstellen l"a"st. 
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}
Nach \ref{PEbf} 
 k"onnen wir invertierbare Elementarmatrizen
$S_i,T_j$ finden derart, da"s $S_n\ldots S_1AT_1\ldots T_m$
die Gestalt $\op{diag}(1,\ldots,1,0,\ldots, 0)$ hat.
Die letztere Matrix schreiben wir leicht als Produkt von
nun nicht mehr invertierbaren diagonalen Elementarmatrizen, in Formeln etwa
$S_n\ldots S_1AT_1\ldots T_m=D_1\ldots D_r$ und folgern
\begin{equation*}
A=S_1^{-1}\ldots S_n^{-1}D_1\ldots D_rT_m^{-1}\ldots T_1^{-1}
\qedhere\end{equation*}
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Invertieren von Matrizen}]
Um die Inverse einer $(n\times n)$-Matrix $A$ zu berechnen, kann man wie
folgt vorgehen: Man schreibt die Einheitsmatrix ${\op{I}}$ daneben und wendet dann auf
die $(n\times 2n)$-Matrix 
$(A| {\op{I}})$ Zeilenoperationen an, einschlie"slich des Multiplizierens einer
Zeile mit einem von Null verschiedenen Skalar, 
bis man $A$ erst in Zeilenstufenform gebracht
und dann sogar zur Einheitsmatrix gemacht hat.
Dann steht in der rechten H"alfte unserer 
$(n\times 2n)$-Matrix die Inverse zu $A$.
In der Tat, sind unsere Zeilenumformungen etwa 
gegeben durch das Davormultiplizieren
der Matrizen $S_1, S_2, \ldots, S_t$, so steht nach diesen Umformungen da
\begin{equation*}
(S_t \ldots S_2 S_1 A | S_t \ldots S_2 S_1 {\op{I}})
\end{equation*}
und wenn dann gilt $S_t \ldots S_2 S_1 A = {\op{I}}$, so folgt $S_t \ldots S_2S_1 {\op{I}} =
S_t \ldots S_2S_1 = A^{-1}$.
Dasselbe Verfahren funktioniert auch, wenn wir statt mit Zeilen- mit
Spaltenumformungen arbeiten. Es ist nur nicht erlaubt, diese zu mischen,
denn aus $S_t \ldots S_1 A T_1 \ldots T_r ={\op{I}}$ folgt keineswegs
$S_t \ldots S_1 T_1 \ldots T_r = A^{-1}$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}
Gegeben eine Matrix $A \in \op{Mat} (n \times m; K)$ hei"st die Dimension
des von ihren Spaltenvektoren aufgespannten Untervektorraums von
$K^n$ der \defind{Spaltenrang} unserer Matrix. Analog
hei"st die Dimension des von ihren Zeilenvektoren
aufgespannten Untervektorraums von $K^m$ der \defind{Zeilenrang}
unserer Matrix.
\end{Definition}
\begin{Satz}
F"ur jede Matrix stimmen Zeilenrang und Spaltenrang "uberein, 
in Formeln gilt also $\op{rg}(A)=\op{rg}(A^\ttop)$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Diese gemeinsame Zahl hei"st dann der 
{\bf Rang}\index{Rang!einer Matrix} oder auf englisch \defind{rank}
unserer Matrix
und wird\index{rg@$\op{rg}$ Rang einer Matrix} 
 $\op{rg} A$ notiert.
Ist der Rang einer Matrix so gro"s wie f"ur  Matrizen 
derselben Gestalt m"oglich, sind also entweder die Spalten oder die
Zeilen linear unabh"angig, so sagt man, unsere Matrix
habe {\bf vollen Rang}.\index{voll!Rang}
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Der Spaltenrang einer Matrix $A \in \op{Mat} (n \times m; K)$ kann
interpretiert werden als die Dimension des Bildes von
\begin{equation*}
(A \circ) : K^m \rightarrow K^n
\end{equation*}
Diese Interpretation zeigt sofort, da"s $PAQ$ denselben Spaltenrang
hat wie $A$ f"ur beliebige invertierbare Matrizen $P, Q$.
Durch Transponieren erkennen wir, da"s $PAQ$ auch denselben
Zeilenrang hat wie $A$ f"ur beliebige invertierbare Matrizen $P, Q$.
Nun finden wir jedoch nach \ref{PEb} invertierbare Matrizen
$P,Q$ mit $PAQ$ in Smith-Normalform.
Dann stimmen nat"urlich  Zeilenrang und Spaltenrang von $PAQ$ "uberein,
und dasselbe folgt f"ur unsere
urspr"ungliche Matrix $A$.
\end{proof}
\begin{Definition}
Ganz allgemein nennt man die Dimension des Bildes einer linearen Abbildung
auch den {\bf Rang} unserer linearen 
Abbildung.\index{Rang!einer linearen Abbildung}
Dieser Rang kann unendlich sein, es gibt aber auch zwischen
unendlichdimensionalen
Vektorr"aumen durchaus von Null verschiedene Abbildungen endlichen Ranges.
\end{Definition}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Gegeben  lineare Abbildungen $f:U\ra V$ und $g:V\ra W$ zeige man,
da"s der Rang ihrer Verkn"upfung $g\circ f$ sowohl beschr"ankt ist durch den 
Rang von $f$ als auch durch den Rang von $g$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man gebe eine ganzzahlige $(3\times 3)$-Matrix
vom Rang Zwei ohne Eintrag Null an, bei der je zwei Spalten
linear unabh"angig sind.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Eine quadratische Block-obere Dreiecksmatrix 
ist invertierbar genau dann,
wenn alle Bl"ocke auf der Diagonalen invertierbar sind. Hinweis: \ref{MaDS}. 
\end{Ubung}



\begin{Ubunge}
Die Automorphismengruppe eines zweidimensionalen Vektorraums 
"uber einem zweielementigen K"orper ist isomorph zur Gruppe
der Permutationen von drei Elementen, in Formeln
$\op{GL}(2;{\mathbb F}_2)\cong\cal{S}_3$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
 Eine quadratische Blockmatrix
\begin{displaymath}
 \begin{pmatrix}
 W_{11} & W_{12}\\
W_{21} & W_{22} 
\end{pmatrix}
\end{displaymath}
ist invertierbar, wenn $W_{22}$ und $W_{11} - W_{12} W_{22}^{-1} W_{21}$ 
invertierbar
sind. Hinweis: 
Multipliziere von rechts erst mit 
$\begin{pmatrix} {\op{I}} & 0\\ 0 &W^{-1}_{22}\end{pmatrix}$
 und dann mit $\begin{pmatrix} {\op{I}} & 0 \\ -W_{21} &{\op{I}} \end{pmatrix}$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
  Sei $K$ ein K"orper und sei $n$ fest vorgegeben.
  Gegeben $i,j\leq n$ mit $i\neq j$ bilden die \hyperref[sEL]{speziellen Elementarmatrizen}
  mit Einsen auf der Diagonale und zus"atzlichem
  von Null verschiedenem Eintrag h"ochstens in der $i$-ten Zeile
  und $j$-ten Spalte eine Untergruppe $U_{ij}\subset \op{GL}(n;K)$
  und wir erhalten einen Grup\-pen\-iso\-mor\-phis\-mus
  $U_{ij}\sira K$ in die additive Gruppe durch die Vorschrift $A\mapsto A_{ij}$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Gegeben ein K"orper $K$ erh"alt man einen injektiven Monoidhomomorphismus
  $\mathcal S_n\hra\op{Mat}(n;K)$ durch die Vorschrift $\sigma\mapsto\sum E_{\sigma(i),i}$. Die Matrizen im Bild dieses Monoidhomomorphismus hei"sen
  die {\bf Permutationsmatrizen}\index{Permutationsmatrix} und wir notieren sie
  gerne abk"urzend auch $\sigma$.
\end{Ubung}





\subsection{Lineare Abbildungen und Matrizen}
\begin{Bemerkungl}
Die im folgenden verwendeten Notationen $_\cal{B}[v]$ und $_\cal{A}[f]_\cal{B}$
habe ich  Urs Hartl abgeschaut. "Ahnlich wie die geschickt
gew"ahlten  Steckverbindungen, die man bei Computerzubeh"or
gewohnt ist, sorgen sie  daf"ur, da"s man fast nichts mehr falsch machen kann.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Abstrakte lineare Abbildungen und Matrizen}]
Seien $K$ ein K"orper  und $V,W$ Vektorr"aume "uber $K$ mit 
angeordneten Basen
$\mathcal A = (\vec{v}_1, \ldots, \vec{v}_m)$ und $\mathcal B
=(\vec{w}_1, \ldots, \vec{w}_n)$.
Ordnen wir jeder linearen Abbildung $f:V\ra W$ die 
\emph{\bf darstellende Matrix}\index{darstellende Matrix} 
${}_{\mathcal B} [f]_{\mathcal A}$ zu mit
 Eintr"agen $a_{ij}$, die  durch die
Identit"aten
$
f (\vec{v}_j) = a_{1j} \vec{w}_1 + \ldots + a_{nj} \vec{w}_n
$ gegeben werden,
so erhalten wir eine Bijektion, ja sogar einen Vektorraumisomorphismus
$$
  \begin{array}{cccc}
{\op{M}}_{\mathcal B}^{\mathcal A}:&\op{Hom}_K (V,W) &\sira  & {\op{Mat}}(n\times m; K)\\[2mm]
&f &\mapsto &{}_{\mathcal B}[f]_{\mathcal A}
\end{array}
$$
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Wir nennen ${\op{M}}_{\mathcal B}^{\mathcal A}(f)={}_{\mathcal B} [f]_{\mathcal A}$ die {\bf darstellende Matrix der
Abbildung $f$ in Bezug auf die Basen $\mathcal A$ und $\mathcal B$}.
In Worten ausgedr"uckt stehen in ihren Spalten die Koordinaten
der Bilder der Vektoren der Basis ${\mathcal A}$ 
des Ausgangsraums in Bezug auf die 
 Basis ${\mathcal B}$ des Zielraums. Beliebt ist statt ${}_{\mathcal B}
 [f]_{\mathcal A}$
und
${\op{M}}_{\mathcal B}^{\mathcal A}(f)$ 
auch die  ausf"uhrlichere  Notation
$\op{Mat}_{\mathcal B}^{\mathcal A}(f)$. 
Die Matrix einer linearen Abbildung 
$f:K^m\ra K^n$ in Bezug auf die jeweiligen Standardbasen $\cal{S}(m)$, $
\cal{S}(n)$ nach \ref{StdB}
ist genau
unsere darstellende Matrix $[f]$ aus \ref{MLA}, in Formeln gilt also
$$[f]={}_{\cal{S}(n)}[f]_{\cal{S}(m)}$$
Wir vereinbaren allgemeiner, da"s wir bei unserer Notation Standardbasen
hinfort auch weglassen d"urfen. F"ur eine lineare Abbildung
$f:K^m\ra W$ schreiben wir also abk"urzend
${}_{\cal{B}}[f]_{\cal{S}(m)}={}_{\cal{B}}[f]$ und f"ur
eine lineare Abbildung
$f:V\ra K^n$ entsprechend  ${}_{\cal{S}(n)}[f]_{\cal{A}}=[f]_{\cal{A}}$.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildBSpi}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Die Matrix der anschaulichen Spiegelung $s:\DR^2\ra\DR^2$
an einer Gerade mit dem Winkel $\alpha$ zur $x$-Achse hat die Gestalt
$$[s]=\begin{pmatrix}
\cos 2\alpha &\sin 2\alpha\\ \sin 2\alpha &-\cos 2\alpha \end{pmatrix}$$
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkunge}\label{LADM} 
    Wenn wir die Matrixmultiplikation in der 
offensichtlichen Weise erweitern
    zur Definition des Produkts einer Matrix 
mit einer Spaltenmatrix von
    Vektoren, so k"onnen wir die definierende 
Gleichung der darstellenden
    Matrix $M={}_{\cal{B}}[f]_{\cal{A}}$ auch 
schreiben 
in der Form 
$$\begin{pmatrix} f(\vec v_1) \\ \vdots \\ f(\vec v_m) \end{pmatrix}
=M^\ttop \begin{pmatrix} \vec w_1 \\ \vdots \\ \vec w_n \end{pmatrix}$$ 
\end{Bemerkunge}


\begin{proof}
Wir k"onnten hier  eine Variation unseres Beweises von \ref{MVM}
ein weiteres Mal ausschreiben, aber stattdessen erinnern wir einfacher unsere
Isomorphismen
$\Phi_{\mathcal A} : K^m \sira  V$ 
und $\Phi_{\mathcal B}
: K^n \sira  W$ aus \ref{Bau} und 
beachten, da"s unsere Definition der darstellenden Matrix gleichbedeutend ist
zur 
Identit"at $${}_{\mathcal B}[f]_{\mathcal A}
=[\Phi^{-1}_{\mathcal B}  f  \Phi_{\mathcal A}]$$
Damit  k"onnen wir unsere Abbildung dann schreiben als die Komposition
von Bijektionen
\begin{displaymath}
\begin{array}[b]{ccccc}
\op{Hom}_K (V,W) & \sira  
&\op{Hom}_K (K^m,K^n) & \sira
&{\op{Mat}}(n \times m; K)\\[2mm]
f & \mapsto & \Phi^{-1}_{\mathcal B}  f 
\Phi_{\mathcal A} & &
\end{array}
\end{displaymath}
mit  unserer Abbildung $:g\mapsto [g]$  aus \ref{MLA} rechts,
die eben jeder Abbildung $g:K^m\ra K^n$ ihre darstellende Matrix zuordnet.
\end{proof}

 




\begin{Satz}[\textbf{Darstellende Matrix einer Verkn"upfung}]
Gegeben ein K"orper $K$ und  $K$-Vektorr"aume $U,V, W$ endlicher Dimension mit
angeordneten Basen $\mathcal A, \mathcal B, \mathcal C$ und lineare\label{BLA}
Abbildungen $f: U \rightarrow V$ und $g: V \rightarrow W$ 
ist die darstellende Matrix der Verkn"upfung das Produkt der darstellenden
Matrizen, in Formeln
\begin{equation*}
{}_{\mathcal C} [g\circ f]_{\mathcal A} = {}_{\mathcal C}[g]_{\mathcal B} \circ
{}_{\mathcal B}[f]_{\mathcal A}
\end{equation*}
\end{Satz}
\begin{proof}[Erster Beweis]
Wir k"onnen die Behauptung nach Erinnern aller Notationen umschreiben zu
%\begin{equation*}
$[\Phi^{-1}_{\mathcal C}  g  f  \Phi_{\mathcal A}]
= [\Phi^{-1}_{\mathcal C}  g \Phi_{\mathcal B}] \circ
[\Phi^{-1}_{\mathcal B}  f  \Phi_{\mathcal A}]$,
%\end{equation*}
und in dieser Form folgt sie offensichtlich aus dem in \ref{MVM}
behandelten Spezialfall.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
Wir k"onnten auch expliziter vorgehen
und den Beweis von \ref{MVM} 
nocheinmal wiederholen mit der alternativen Interpretation 
von $\vec{u}_i, \vec{v}_j$ und $\vec{w}_k$ 
als den 
Vektoren unserer angeordneten Basen $\mathcal A, \mathcal B, \mathcal C$.
\end{proof}

 








\begin{Definition}
Gegeben ein endlichdimensionaler Vektorraum $V$ mit einer angeordneten
Basis $\mathcal A = (\vec{v}_1, \ldots, \vec{v}_n)$
notieren wir die Inverse unserer Bijektion
$\Phi_{\mathcal A} : K^n \sira  V$,
$(\lambda_1,\ldots,\lambda_n)^\ttop\mapsto
\lambda_1\vec{v}_1+\ldots+\lambda_n\vec{v}_n$ in der
Form $$\vec{v} \mapsto{}_{\mathcal A} [\vec{v}]$$
Der Spaltenvektor 
${}_{\mathcal A} [\vec{v}]$ hei"st die {\bf Darstellung des Vektors
$\vec{v}$ in der Basis $\mathcal A$}.
\end{Definition}
\begin{Satz}[\textbf{Darstellung des Bildes eines Vektors}]
Gegeben endlichdimensionale R"aume $V,W$ mit angeordneten Basen
$\mathcal A, \mathcal B$ und eine lineare Abbildung $f: V \rightarrow W$
gilt f"ur jeden Vektor $v \in V$\label{DMS}
die Identit"at
\begin{equation*}
{}_{\mathcal B} [f(v)] = {}_{\mathcal B} [f]_{\mathcal A} \circ
{}_{\mathcal A} [v]
\end{equation*}
\end{Satz}
\begin{proof}
Hier wird  bei genauerer Betrachtung 
nur die Gleichheit von Spaltenvektoren
%\begin{equation*}
$[\Phi^{-1}_{\mathcal B} (f(v))] 
= [(\Phi_{\mathcal B}^{-1} f \Phi_{\mathcal A})]\circ
[\Phi^{-1}_{\mathcal A} v]$
%\end{equation*}
behauptet, die  aus \ref{inA} folgt.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}
Betrachtet man zu einem beliebigen Vektor $v\in V$  die lineare
Abbildung $(\cdot v):K\ra V$, $\lambda\mapsto \lambda v$, und bezeichnet
mit $\cal{S}(1)$ die Standardbasis $(1)=({\op{e}}_1)$ des $K$-Vektorraums
$K$, die wir ja eh aus der Notation weglassen wollten,
so ergibt sich die Identit"at 
${}_{\mathcal A} [v]={}_{\mathcal A} [\cdot v]_{\cal{S}(1)}$. 
Wegen $(\cdot f(v))=f\circ (\cdot v)$  k"onnen  wir damit
den vorhergehenden Satz \ref{DMS} auch auffassen als den
Spezialfall ${}_{\mathcal B} [\cdot f(v)]_{\cal{S}(1)} 
= {}_{\mathcal B} [f]_{\mathcal A} \circ
{}_{\mathcal A} [\cdot v]_{\cal{S}(1)}$ von Satz \ref{BLA}
"uber die darstellende Matrix einer Verkn"upfung.
\end{Bemerkunge}
\begin{Definition}
Gegeben zwei angeordnete Basen $\mathcal A = (v_1,\ldots, v_n)$ und
$\mathcal B = (w_1, \ldots , w_n)$ eines Vektorraums $V$ nennt man die
darstellende Matrix der Identit"at 
\begin{equation*}
{}_{\mathcal B}[\op{id}_V]_{\mathcal A}
\end{equation*}
in diesen Basen die \defind{Basiswechselmatrix}.
Ihre Eintr"age $a_{ij}$ werden per definitionem 
gegeben durch die Gleichungen
$v_{j} = \sum^n_{i=1} a_{ij} w_i$.
% \begin{equation*}
% w_{j} = \sum^n_{i=1} a_{ij} v_i
% \end{equation*}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{"Anderung der darstellenden Matrix bei Basiswechsel}]
Offensichtlich ist ${}_{\mathcal A}[\op{id}]_{\mathcal A} =I$ 
die Einheitsmatrix.\label{TMBW}
Nach \ref{BLA} ist damit 
die Basiswechselmatrix ${}_{\mathcal A}[\op{id}]_{\mathcal B} $
invers zur Basiswechselmatrix
in der Gegenrichtung ${}_{\mathcal B}[\op{id}]_{\mathcal A} $,
in Formeln ${}_{\mathcal A}[\op{id}]^{-1}_{\mathcal B} ={}_{\mathcal
  B}[\op{id}]_{\mathcal A}$. 
Haben wir nun  eine lineare Abbildung $f: V \rightarrow W$ 
und angeordnete
Basen $\mathcal A, \mathcal B$ von $V$ und angeordnete Basen 
$\mathcal C, \mathcal D$
von $W$, so folgt aus \ref{BLA} die Identit"at
$
{}_{\mathcal D}[f]_{\mathcal B} = {}_{\mathcal D}[\op{id}_{W}]_{\mathcal C}
\circ {}_{\mathcal C} 
[f]_{\mathcal A} \circ {}_{\mathcal A}[\op{id}_V]_{\mathcal B}
$.
Sind noch spezieller $\mathcal A, \mathcal B$ zwei angeordnete Basen ein-
und desselben 
Vektorraums $V$ und ist $f : V \rightarrow V$ ein Endomorphismus
von $V$, so erhalten
wir unmittelbar die Identit"at
$
{}_{\mathcal B}[f]_{\mathcal B} = {}_{\mathcal B}[\op{id}]_{\mathcal A}
\circ {}_{\mathcal A} [f]_{\mathcal A} 
\circ {}_{\mathcal A}[\op{id}]_{\mathcal B}
$
alias $$ N = T^{-1}M  T$$ f"ur
$N = {}_{\mathcal B}[f]_{\mathcal B}$ und $ M = {}_{\mathcal A}[f]_{\mathcal A}$ 
die darstellenden Matrizen bez"uglich unserer beiden Basen und
$T ={}_{\mathcal A}[\op{id}]_{\mathcal B}$
die Basiswechselmatrix.
\end{Bemerkungl}



\begin{Satz}[\textbf{Smith-Normalform}]
  Gegeben eine lineare Abbildung\index{Smith-Normalform} 
zwischen endlichdimensionalen\label{ETSS} 
Vektorr"aumen $f:V\ra W$ existieren stets angeordnete Basen 
$\cal{A}$ von $V$  und $\cal{B}$ von $W$ derart, da"s die 
darstellende Matrix
$_\cal{B}[f]_\cal{A}$ nur auf der Diagonale von Null verschiedene
Eintr"age hat, und zwar erst einige Einsen und danach nur noch Nullen.
\end{Satz}

\begin{proof}
  Das folgt sofort aus \ref{LUB}: Wir w"ahlen zun"achst eine 
angeordnete Basis
$(w_1,\ldots ,w_r)$ des Bildes von $f$, dazu Urbilder $v_1,\ldots,v_r$ in $V$,
erg"anzen diese durch eine angeordnete Basis des Kerns von $f$ zu einer
angeordneten Basis
$\cal{A}=(v_1,\ldots,v_n)$ von $V$, und erg"anzen 
unsere angeordnete Basis des Bildes zu einer angeordneten
Basis $\cal{B}=(w_1,\ldots ,w_m)$ von $W$.
In diesen Basen hat dann die Matrix von 
$f$ offensichtlich die behauptete Gestalt.
\end{proof}

\begin{Definition}\label{trAA}
  Die {\bf Spur}\index{Spur!einer Matrix} einer endlichen quadratischen Matrix
  ist definiert als die Summe ihrer Diagonaleintr"age. Auf englisch und
  franz"osisch sagt man {\bf trace},\index{trace, deutsch Spur} und ich werde
  die Spur einer\index{tr@$\op{tr}$ Spur!einer Matrix} Matrix $A$ 
notieren
  als $$\op{tr}(A)$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungw}
  Eine vielleicht nat"urlichere Definition der Spur wird in \eref{kSp}{LA2}
  erkl"art.  Im Rahmen der Analysis werden wir die Spur in \eref{DiDet}{AN2} als das
  Differential der Determinante an der Einheitsmatrix wiedersehen.
\end{Bemerkungw}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Gegeben ein $K$-Vektorraum $V$ mit einer 
angeordneten Basis $\mathcal A = (v_1, \ldots,
v_n)$ liefert die Zuordnung, die jeder 
weiteren angeordneten Basis $\mathcal B$ die
Basiswechselmatrix von $\mathcal A$ nach $\mathcal B$
zuordnet, eine Bijektion
$$
  \begin{array}{ccc}
\{\text{angeordnete Basen von $V$} \} & \sira &
\op{GL} (n; K)\\[2mm]
\mathcal B & \mapsto &{}_{\mathcal B}[\op{id}]_{\mathcal A}
\end{array}
$$
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{niOD}
Ein Endomorphismus $f:V\ra V$ eines 
 Vektorraums hei"st {\bf nilpotent},\index{nilpotent!Endomorphismus}
 wenn  es $d\in\DN$ gibt mit $f^d=0$.  
Sei $f:V\ra V$ ein nilpotenter
Endomorphismus eines endlichdimensionalen
 Vektorraums. 
Man zeige, da"s unser
Vektorraum eine angeordnete Basis $\cal{B}$ besitzt derart, da"s die Matrix
$_\cal{B}[f]_\cal{B}$ von $f$ in Bezug auf diese Basis eine obere 
Dreiecksmatrix ist mit Nullen auf der Diagonalen.
Man zeige umgekehrt auch, da"s f"ur jede derartige $(n\times n)$-Matrix $D$
gilt $D^{n-1}=0$.
Hinweis: Man betrachte die Teilr"aume 
%% $V=\op{ker}(f^d)\supset \op{ker}(f^{d-1})
%% \supset\ldots \supset \op{ker}(f) $, 
$\op{ker}(f)\subset 
\ldots \subset\op{ker}(f^{d-1})\subset\op{ker}(f^d)=V$, beginne mit einer Basis
von  $\op{ker}(f)$ und erg"anze sie sukzessive zu einer Basis von $V$.
Eine st"arkere Aussage in dieser Richtung werden wir als \eref{NNM}{LA2} zeigen.
 \end{Ubunge}


\begin{Ubung}\label{KTr}
  Man zeige $\op{tr}(AB)=\op{tr}(BA)$ wann immer $A$ eine $(m\times n)$-Matrix
  ist und $B$ eine $(n\times m)$-Matrix.  Man folgere daraus weiter 
die Identit"at
  $\op{tr}(BAB^{-1})=\op{tr}(A)$ wann immer $A$ eine $(n\times n)$-Matrix ist
  und $B$ eine invertierbare $(n\times n)$-Matrix. 
Insbesondere kann man jedem
  Endomorphismus $f$ eines endlichdimensionalen Vektorraums $V$ 
"uber einem K"orper $K$ seine {\bf
    Spur}\index{Spur!eines Endomorphismus}\index{tr@$\op{tr}$ Spur!eines Endomorphismus}\index{tr@$\op{tr}$ Spur!$\op{tr}_K$ bei Grundk"orper $K$}  
$$\op{tr}(f)=\op{tr}(f|V)=\op{tr}_K(f|V)$$
zuordnen als die Spur seiner Matrix in Bezug auf eine und jede Basis.  Gegeben
endlichdimensionale Vektorr"aume $V,W$ und lineare Abbildungen $f:V\ra W$ und
$g:W\ra V$ zeige man auch $\op{tr}(fg)=\op{tr}(gf)$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Leser, die schon mit dem Inhalt des Abschnitts \ref{KoZa}
"uber komplexe Zahlen vertraut sind, m"ogen zeigen:
  Ist $f:V\ra V$ ein Endomorphismus eines endlichdimensionalen
  $\DC$-Vektorraums,\label{trRC} 
so gilt f"ur seine Spur 
auf dem zugrundeliegenden reellen Vektorraum 
$\op{tr}_\DR(f|V)=2\op{Re}\op{tr}_\DC(f|V)$.
\end{Ubunge}


\begin{Ubunge}\label{FT}
  Ist $L$ ein endlichdimensionaler $K$-Vektorraum und $A : L \ra L$ eine
  $K$-lineare Abbildung, so gilt
$$\op{tr} ((A\circ) | \op{End}_{K} L )
=(\dim_{K} L) \op{tr} (A| L)$$
\end{Ubunge}

  \begin{Bemerkunge}\label{tru}
Gegeben ein Endomorphismus  $f$ von endlichem
    Rang eines Vektorraums $V$
 erkl"art man die {\bf Spur}\index{Spur!eines Endomorphismus!endlichen Ranges}
$$\op{tr}f=\op{tr}(f|V)$$  von $f$ als
die Spur der Verkn"upfung $\op{im} f \hookrightarrow V {\twoheadrightarrow}
\op{im} f$ im Sinne unserer Definition \ref{KTr} f"ur die Spur eines
Endomorphismus eines endlichdimensionalen Vektorraums.  Aus \ref{KTr} folgt
unmittelbar, da"s diese Definition im Fall eines endlichdimensionalen Raums
$V$ dieselbe Spur liefert wie unsere urspr"ungliche auf den
endlichdimensionalen Fall beschr"ankte Definition \ref{trAA}.
\end{Bemerkunge}



\begin{Ubunge}
Sind $V,W$ Vektorr"aume und $f : V \ra W$ sowie $g:W \ra V$ lineare 
Abbildungen und ist eine unserer Abbildungen  
von endlichem Rang, so gilt $\op{tr} (fg) = \op{tr}
(gf)$.\label{SpER} 
Hinweis: Der endlichdimensionale Fall kann nach \ref{KTr} 
vorausgesetzt werden.
\end{Ubunge}  

\begin{Ubunge}
  Gegeben ein 
Endomorphismus $f$ von endlichem Rang 
eines Vektorraums mit der Eigenschaft
$f^2=af$ f"ur ein Element $a$ des Grundk"orpers gilt stets
 $\op{tr} (f)=a\op{dim}(\op{im}f)$. Hinweis: \ref{IdPo}.
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}
  Man finde alle Matrizen $A\in \op{Mat}(2;\DR)$ mit $A\circ A= I$ der
Einheitsmatrix und  beschreibe geometrisch die linearen Abbildungen, 
die durch  diese Matrizen $A$ beschrieben werden. 
\end{Ubung}
\subsection{Komplexe Zahlen}\label{KoZa}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0018}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschauung f"ur das Quadrieren komplexer Zahlen in ihrer
anschaulichen Interpretation als Punkte der
komplexen Zahlenebene
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}
  Viele mathematische Zusammenh"ange werden
 bei einer Behandlung  im Rahmen der sogenannten \glqq komplexen 
Zahlen\grqq\   besonders transparent.  Ich denke hier etwa an die
  Integration rationaler Funktionen  \eref{IRFu}{AN1},  die
  Normalform orthogonaler Matrizen \eref{NFO}{LA2} oder die L"osung der
  Schwingungsgleichung \eref{GeDa}{AN1}.  Die abschreckenden Bezeichnungen
  \glqq komplexe Zahlen\grqq\  oder auch \glqq imagin"are Zahlen\grqq\  f"ur diesen ebenso
  einfachen wie konkreten K"orper haben historische Gr"unde: Als Mathematiker in
  Italien bemerkten, da"s man polynomiale Gleichungen der Grade Drei und
  Vier l"osen kann, wenn man so tut, als ob man aus $(-1)$ eine Quadratwurzel ziehen
  k"onnte, gab es noch keine Mengenlehre und erst recht nicht den abstrakten
  Begriff eines K"orpers \eref{KAx}{GR}.  Das Rechnen mit Zahlen, die keine
  konkreten Interpretationen als L"ange oder Guthaben oder zumindest als
  Schulden haben, schien eine \glqq imagin"are\grqq\  Angelegenheit, ein blo"ser
  Trick, um zu reellen L"osungen reeller Gleichungen zu kommen.  % In diesem
%   Abschnitt werden wir zun"achst die komplexen Zahlen einf"uhren und sie dann
%   benutzen, um rationale Funktionen zu integrieren und lineare
%   Differentialgleichungen mit konstanten Koeffizienten zu l"osen.  Die zweite
%   Anwendung braucht zus"atzliche Hilfsmittel aus der linearen Algebra, die wir
%   als gegeben hinnehmen werden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
In diesem Abschnitt werden die komplexen Zahlen nur als algebraische 
Struktur diskutiert. 
F"ur die Diskussion der analytischen Aspekte, insbesondere die
komplexe Exponentialfunktion und ihre Beziehung zu den
trigonometrischen Funktionen,  verweise ich auf die Analysis,
insbesondere auf \eref{eC}{AN1}.
Die hier gegebene Konstruktion der komplexen Zahlen als 
Menge aller Matrizen zu Drehstreckungen der Ebene 
pa"st unter didaktischen Aspekten 
 gut hierher, weil gleichzeitig der Zusammenhang zwischen
Matrizen und linearen Abbildungen angewandt und einge"ubt werden kann. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Charakterisierung der komplexen Zahlen}]
\begin{enumerate}
\item Es gibt %existieren
Tripel $$(\mathbb{C},\op{i},\kappa)$$ bestehend aus einem K"orper
$\mathbb{C}$, einem Element $\op{i}\in \mathbb{C}$ und einem 
K"orperhomomorphismus
$\kappa : \mathbb{R} \rightarrow \mathbb{C}$ derart, da"s gilt $\op{i}^2=-1$ und da"s
$ \op{i}$ und $1$ eine $\mathbb{R}$-Basis von $\mathbb{C}$  bilden 
in Bezug auf die durch $\DR\times\DC\ra\DC$, $(a,z)\mapsto \kappa(a)z$
 auf $\mathbb{C}$ gegebene Struktur
als $\mathbb{R}$-Vektorraum;
\item
Derartige Tripel sind  eindeutig bis auf eindeutigen Isomorphismus.
Ist genauer $(\mathbb{C}^\prime, \op{i}^\prime, \kappa^\prime)$
ein weiteres derartiges Tripel, so gibt es genau einen K"or\-per\-ho\-mo\-mor\-phis\-mus
$\varphi : \mathbb{C} \sira \mathbb{C}^\prime$ mit
$\varphi : \op{i} \mapsto \op{i}^\prime$ und $\varphi \circ \kappa = \kappa^\prime$ und der ist stets ein Isomorphismus.
\end{enumerate}\label{CCZ} 
\end{Satz}

\begin{Definition}\label{DDC}
Wir w"ahlen f"ur den weiteren Verlauf der Vorlesung
ein festes Tripel
$(\mathbb{C},\op{i},\kappa)$ der im Satz beschriebenen Art.
Wegen der im zweiten Teil des Satzes formulierten
\glqq Eindeutigkeit bis auf eindeutigen Isomorphismus\grqq\  erlauben wir uns 
den bestimmten Artikel\index{C@$\DC$ komplexe Zahlen} 
und nennen $\DC$ den {\bf 
 K"orper
der komplexen Zahlen}\index{komplexe Zahlen}.\index{Zahl!komplexe}
Weiter 
k"urzen wir f"ur reelle Zahlen $a\in\DR$ stets
 $\kappa(a)=a$ ab
und gehen sogar so weit, die reellen Zahlen vermittels $\kappa$ als
Teilmenge von $\mathbb{C}$
aufzufassen.\index{i@$\op{i}$ Wurzel aus $-1$ in $\DC$} 
\end{Definition}  
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Zur Eindeutigkeit der komplexen Zahlen}] 
Man beachte, da"s $\DC$ als K"orper ohne weitere Daten
im Gegensatz zum K"orper der\label{DDGG}  
reellen Zahlen \eref{EnR}{AN1} keineswegs eindeutig ist bis 
auf eindeutigen Isomorphismus. Genauer gibt es "uberabz"ahlbar viele 
K"orper\-isomorphismen $\DC\sira\DC$, "uberabz"ahlbar viele 
nicht-bijektive 
K"orperhomomorphismen $\DC\ra\DC$ und auch "uberabz"ahlbar viele 
K"orperhomomorphismen $\DR\ra\DC$, wie etwa in \eref{KAUC}{KAG} ausgef"uhrt wird. Zeichnet man jedoch einen K"orperhomomorphismus  $\kappa:\DR\ra \DC$ aus derart, da"s $\DC$ darunter zu einem endlichdimensionalem $\DR$-Vektorraum wird,
und versieht $\DC$ mit der dazugeh"origen \glqq nat"urlichen Topologie\grqq\  im Sinne von \eref{RAVe}{AN1},
so wird $\kappa$ seinerseits durch diese Topologie festgelegt
als der einzige  im Sinne von \eref{SATR}{AN1}
\glqq stetige\grqq\  K"orperhomomorphismen $\DR\ra\DC$, und
es gibt in Bezug auf unsere Topologie nur genau zwei 
\glqq stetige\grqq\  K"orperhomomorphismen $\DC\ra\DC$,
 die Identit"at und die sogenannte \glqq komplexe
Konjugation\grqq, die wir demn"achst kennenlernen werden. 
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}\label{BKOM}
  Ich hoffe, Sie werden schnell merken, da"s sich viele Fragestellungen bei
  Verwendung dieser sogenannt komplexen Zahlen sehr viel leichter l"osen
  lassen und da"s die komplexen Zahlen auch der Anschauung ebenso zug"anglich
  sind wie die reellen Zahlen.  Fr"uher schrieb man \glqq complex\grqq, deshalb die
  Bezeichnung $\DC$. Unser $\op{i}$ ist eine \glqq Wurzel aus $(-1)$\grqq, und weil es
  so eine Wurzel in den reellen Zahlen nicht geben kann, notiert man sie
  $\op{i}$ wie \glqq imagin"ar\grqq. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}\label{vDC}
  F"ur feinere Untersuchungen finde ich es  praktisch, 
auch Paare $(K,\kappa)$ zu betrachten, die aus einem K"orper
$K$ nebst einem K"orperhomomorphismus $\kappa:\DR\ra K$ bestehen derart, da"s
es einen K"orperisomorphismus $a:K\sira \DC$ gibt, der mit den vorgegebenen 
 Einbettungen von
$\DR$ vertr"aglich ist. Auch bei solch einem Paar notiere ich den
K"orper $K$ gerne $\DC$ und fasse die Einbettung 
von $\DR$  als Einbettung einer Teilmenge auf und notiere sie nicht.
Ich rede dann von einem K"orper von {\bf verge"slichen komplexen Zahlen},
da es sich dabei 
salopp gesprochen um eine \glqq Kopie von $\DC$ handelt, die 
vergessen hat, welche ihrer
beiden Wurzeln von $(-1)$ sie als $\op{i}$ auszeichnen wollte\grqq.
\index{verge"sliche komplexe
  Zahlen}\index{komplexe Zahlen!verge"sliche}
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}
Wir beginnen mit der Eindeutigkeit.
Jedes Element $z \in \DC$ l"a"st sich ja
nach Annahme und mit der Abk"urzung $\kappa(x)=x$ eindeutig schreiben
in der Form $z = a + b\op{i}$ mit $a,b \in \Bbb{R}$.
Die Addition und
Multiplikation in $\DC$ haben in dieser Notation die Gestalt
$$\begin{array}{lcl}
(a+b\op{i})+(c+d\op{i}) &=& (a+c) + (b+d)\op{i}\\[2mm]
(a+b\op{i}) (c+d\op{i}) &=& (ac-bd) + (ad+bc)\op{i}
\end{array}$$
Damit ist auch bereits die  
im zweiten Teil formulierte Eindeutigkeitsaussage 
gezeigt. 
Nat"urlich kann man auch die Existenz  direkt anhand dieser
Rechenregeln pr"ufen. So gewinnt man an Unabh"angigkeit von
der linearen Algebra, verliert aber an Anschauung und
mu"s die K"orperaxiome ohne Einsicht nachrechnen.  Das 
sollten Sie bereits  als "Ubung  \eref{KK2}{GR}
  durchgef"uhrt haben.   
Alternativ kann man die im ersten Teil behauptete Existenz 
mit mehr Kenntnissen in linearer Algebra
und weniger Rechnung   auch einsehen, wie es im folgenden ausgef"uhrt
werden soll.
 Man  betrachtet dazu  
die Menge $\DC$ aller reellen $(2\times 2) $-Matrizen
der Gestalt
$$\DC \pdef\left.\left\{  \left({a\atop b}\;{ -b\atop \;\; a }\right) 
\right| a,b \in \Bbb{R} \right\} \subset
\op{Mat}(2; \Bbb{R}) $$
Anschaulich gesagt  sind das 
genau die Matrizen zu Drehstreckungen der Ebene, die den Ursprung festhalten.
Die Addition und Multiplikation von Matrizen induzieren offensichtlich
eine Addition und Multiplikation auf $\DC$, man pr"uft m"uhelos die
K"orper\-axiome \eref{KAx}{GR} und erh"alt so einen K"orper $\DC$. 
Die Drehung um einen rechten Winkel oder vielmehr 
ihre Matrix $$\op{i}\pdef \left({0\atop 1}
\;\;  {-1\atop  \;\;0}\right)$$
hat nat"urlich die Eigenschaft
$\op{i}^{2} = -1$, und die Abbildung
$\kappa:\DR\ra \DC$ gegeben durch $\kappa:a\mapsto \op{diag}(a,a)$ 
ist ein K"orperhomomorphismus derart, da"s das Tripel
$(\DC,\op{i},\kappa)$ die geforderten Eigenschaften besitzt.
\end{proof}

\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.6\textheight]{SkriptenBilder/BildQCo}\\[4mm]
\noindent 
Dies Bild soll zus"atzliche Anschauung f"ur die Abbildung $z\mapsto z^2$ 
der komplexen Zahlenebene auf sich selbst vermitteln.
Es stellt diese Abbildung dar als die Komposition
einer Abbildung der Einheitskreisscheibe auf eine r"aumliche
sich selbst durchdringende Fl"ache, 
gegeben in etwa durch eine Formel der Gestalt
 $z\mapsto (z^2,\varepsilon(\op{Im}z))$ in $\DC\times \DR\cong
\DR^3$ f"ur geeignetes monotones und in einer Umgebung von Null streng
monotones $\varepsilon$, 
gefolgt von einer
senkrechten Projektion auf die ersten beiden Koordinaten. 
Das hat den Vorteil, da"s im ersten Schritt nur Punkte der
reellen Achse identifiziert werden, was man sich
leicht wegdenken kann,
und da"s der zweite Schritt eine sehr anschauliche Bedeutung hat,
eben die senkrechte Projektion. 
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}
Es ist allgemein "ublich, komplexe Zahlen mit $z$ zu bezeichnen und
als $z = x+y\op{i}$ zu schreiben mit $x,y\in\DR$.
Man mag sich die komplexe Zahl  $z = x+y\op{i}$ vorstellen als den Punkt
$(x,y)$ der Koordinatenebene $\Bbb{R}^{2}$.
Wenn wir diese Vorstellung evozieren wollen, reden wir von der
{\bf komplexen Zahlenebene}.\index{Zahlenebene} 
Unter dieser Identifikation von $\DC $ mit $ \Bbb{R}^{2}$ 
bedeutet f"ur $w\in\DC$ die
Additionsabbildung
$(w +) : \DC \ra \DC$, $z \mapsto w + z$ anschaulich die Verschiebung
um den Vektor $w$. Die 
Multiplikationsabbildung $(w\cdot) : \DC \ra \DC$, $z \mapsto wz$
dahingegen bedeutet anschaulich diejenige Drehstreckung, die $(1,0)$ in $w$
"uberf"uhrt.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{DNcc}
Gegeben eine komplexe Zahl $z = x+y\op{i}$ nennt man $x$ ihren {\bf
Realteil}\index{Realteil!bei komplexen Zahlen}
$\op{Re} z \pdef x$ und $y$ ihren 
{\bf Imagin"arteil}\index{Imagin"arteil!bei komplexen Zahlen} 
$ \op{Im} z \pdef y$. Wir haben
damit zwei Funktionen
$$\op{Re}, \op{Im} : \DC \ra \Bbb{R}$$
definiert und es gilt $z = \op{Re} z + \op{i}\op{Im} z$ 
f"ur alle $z \in \DC$.
Man definiert weiter die {\bf Norm}\index{Norm!einer komplexen Zahl} $| z| $ 
einer komplexen Zahl $z = x+y\op{i}\in
\DC$ durch $| z|  \pdef \sqrt{x^{2}+y^{2}} \in \Bbb{R}_{\geq 0}$.  
Im Fall einer reellen Zahl $x\in\DR$ 
ist diese Norm genau unser Absolutbetrag aus \eref{AbsB}{AN1}, 
in Formeln $|x|=|x|$.
In der Anschauung der
 komplexen Zahlenebene bedeutet die Norm einer komplexen Zahl
ihren Abstand vom Ursprung. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Bei rechtem Lichte besehen scheint mir an dieser Terminologie 
absonderlich, da"s der Imagin"arteil einer komplexen Zahl 
darin eine
reelle Zahl ist, aber so hat es sich  nun einmal eingeb"urgert. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Stellen wir uns $| z| $ vor als den Streckfaktor der Drehstreckung
$(z \cdot)$, so wird anschaulich klar, da"s f"ur
alle $z,w\in\DC$ gelten mu"s $$| zw| =| z| |w| $$
Besonders bequem rechnet man diese Formel nach, indem man zun"achst
f"ur $z = x + y\op{i}\in \DC$ die {\bf konjugierte komplexe
Zahl}\index{konjugierte komplexe Zahl}
$\bar{z} = x-y\op{i}\in \DC$ einf"uhrt.
Im Bild der komplexen Zahlenebene bedeutet das komplexe
Konjugieren anschaulich die Spiegelung an der reellen Achse.
Nun pr"uft man durch explizite Rechnung unschwer die Formeln
$$\begin{array}{rcl}
\overline{z + w} &=& \bar{z} + \bar{w}\\
\overline{z \cdot w}&=& \bar{z} \cdot \bar{w} \\
{| z| }^{2}& =& z\bar{z}
\end{array}$$
Dann rechnet man einfach
$$| zw| ^{2} = zw \overline{z}\overline{w} = z \bar{z}w \bar{w}=
| z| ^{2} | w| ^{2}$$
In der Terminologie aus \eref{KoIs}{GR} ist $z\mapsto \bar{z}$ ein 
K"orperisomorphismus $\DC\ra\DC$. Offensichtlich gilt auch 
$\bar{\bar{z}}=z$ und ebenso offensichtlich gilt $|z|=|\bar z|$.  
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bild0017}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschauung f"ur das Invertieren komplexer Zahlen
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
  Die Formel $\overline{z \cdot w}= \bar{z} \cdot \bar{w}$ kann
man auch pr"ufen, indem man davon ausgeht, da"s beide Seiten offensichtlich
$\DR$-bilineare Abbildungen $\DC\times\DC\ra\DC$ definieren.
Deren Gleichheit  kann nach \ref{bilB} auf Basen gepr"uft werden.
Es reicht also, sie f"ur $z,w\in \{1,{\op{i}}\}$ nachzuweisen, und das
ist schnell getan. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Wir k"onnen  den Realteil und den Imagin"arteil von $z \in \DC$
mithilfe der konjugierten komplexen Zahl ausdr"ucken als 
$$\op{Re} z = \frac{z + \bar{z}}{ 2}\qquad \op{Im} z =
\frac{z-\bar{z}}{2\op{i}}$$
Weiter gilt offensichtlich\label{KrGr} 
$
z= \overline{z} \Leftrightarrow  z \in \Bbb{R} $, und
f"ur komplexe Zahlen $z$ der Norm $| z| =1$ ist 
die konjugierte komplexe
Zahl
genau das Inverse, 
in Formeln $| z| =1\Rightarrow  \bar{z}=z^{-1}$.  
Im Bild der komplexen Zahlenebene 
 kann man das Bilden des Inversen einer von Null verschiedenen
komplexen Zahl anschaulich interpretieren als die
\glqq Spiegelung\grqq\  oder pr"aziser \defind{Inversion} am Einheitskreis 
$z\mapsto z/|z|^2$ gefolgt von der Spiegelung an der reellen Achse
$z\mapsto\bar{z}$. Der Einheitskreis $S^1\pdef\{z\in\DC^\times\mid
|z|=1\}$\index{S@$S^1$ Einheitskreis} ist insbesondere eine
Untergruppe der multiplikativen Gruppe des K"orpers der
komplexen Zahlen und die Multiplikation liefert einen 
Gruppenisomorphismus $\DR_{>0}\times S^1\sira \DC^\times$. 
Wir nennen $S^1$ die {\bf Kreisgruppe}.\index{Kreisgruppe}  Im Fall
eines  \hyperref[vDC]{verge\ss lichen K\"orpers von komplexen Zahlen} notiere ich
die Untergruppe der Elemente der Norm Eins  ${\op{U}}(1)$,
da uns in diesem Fall
keine ausgezeichnete Bijektion mit $S^1\subset \DR^2$ mehr zur
Verf"ugung steht.\index{U@${\op{U}}(1)$ versus $S^1$}\index{S@$S^1$ versus ${\op{U}}(1)$}
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
F"ur unsere Norm komplexer Zahlen aus \ref{DNcc} gilt 
offensichtlich
$$| z| =0 \Leftrightarrow z=0$$
Da in einem Dreieck eine einzelne Seite nicht l"anger sein kann als
die beiden anderen zusammengenommen,
%und formal etwa nach \eref{ENNo}{LA2}.\ref{ENNo2}
erwarten wir weiter die
{\bf Dreiecksungleichung}\index{Dreiecksungleichung!f"ur komplexen 
Absolutbetrag}
$$| z+ w|  \leq | z| +| w| $$  
Formal mag man sie pr"ufen, indem man
beide Seiten quadriert, wodurch die "aquivalente Behauptung
$(z +w)(\bar z +\bar w)\leq z\bar z +2| z|| w|+w\bar w $
entsteht, und dann vereinfacht zu immer noch "aquivalenten Behauptung
$2\op{Re}(z\bar w)\leq 2| z\bar w|$.  
Die Absch"atzungen $\op{Re}(u)\leq |u|$ und 
$\op{Im}(u)\leq |u|$ sind aber f"ur jede komplexe Zahl $u$
auch
formal offensichtlich.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkunge}
  F"ur eine Diskussion der analytischen Aspekte der komplexen Zahlen, 
insbesondere die komplexe
  Exponentialfunktion und ihre Beziehung zu den trigonometrischen Funktionen,
  verweise ich 
 auf
  die Analysis \eref{eC}{AN1}. 
\end{Bemerkunge}

\subsubsection*{"Ubungen} 

\begin{Ubung}
  Man bestimme Real- und Imagin"arteil einer 
Quadratwurzel von $\op{i}$.
 Man bestimme Real- und Imagin"arteil einer 
Quadratwurzel von $1+\op{i}$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Gegeben eine von Null verschiedene 
komplexe Zahl $z=x+\op{i}y$ zeige man f"ur Real-
und Imagin"arteil ihrer Inversen die Formeln
$\op{Re}(z^{-1})=x/(x^2+y^2)$ und $\op{Im}(z^{-1})=-y/(x^2+y^2)$.
\end{Ubung}

%\begin{Ubung}%in Analysis verlegt.
%Gegeben eine 
%komplexe Zahl $z\neq -1$ 
%vom Betrag $|z|=1$ zeige man, da"s sie genau eine 
%Wurzel $w$ mit positivem Realteil hat und da"s diese
%gegeben wird durch $w=1+z/|1+z|$.  
%K"onnen Sie auch die geometrische Bedeutung 
% dieser Formel erkl"aren? Man folgere, da"s 
%gegeben $a<1$ beliebig\label{WeKr}   
%jedes Element von $S^1$ eine Potenz eines Elements $z$ mit
%Realteil $\op{Re}(z)>a$ ist.
%\end{Ubung}



\begin{Ubung}\label{GeIn} 
 Eine Teilmenge von $\DC\amalg\{\infty\}$ hei"st ein 
{\bf verallgemeinerter Kreis},\index{Kreis!verallgemeinerter} 
 wenn sie entweder ein Kreis
$${\op{K}}(a;r)\pdef\{z\in\DC\mid |z-a|^2=r^2\}$$
ist f"ur $a\in\DC$ und $r>0$ oder aber eine reelle affine
Gerade vereinigt mit dem Punkt $\infty$. Man pr"ufe,
 da"s die Selbstabbildung von
 $\DC\amalg\{\infty\}$ mit $z\mapsto z^{-1}$ 
f"ur $z\in\DC^\times$ und $0\mapsto \infty$ und $\infty\mapsto 0$ 
verallgemeinerte Kreise in verallgemeinerte Kreise "uberf"uhrt.
\end{Ubung}


\subsection{M"obiusfunktion*}

  \begin{Bemerkungl}
    Gegeben $(X,\leq)$ eine endliche teilgeordnete Menge betrachten wir
    die $(X \times X)$-Matrix $A$ mit Eintr"agen $a_{x,y}= 1$ falls $x\leq y$
    und Null sonst.  Z"ahlen wir die Elemente von $X$ auf als $x_{1},x_{2},
    \ldots, x_{n}$ derart, da"s gilt $x_{i}\leq x_{j} \Rightarrow i \leq j$,
    so wird $A$ eine obere Dreiecksmatrix mit ganzzahligen Eintr"agen und 
    Einsen auf der Diagonalen.  Diese Matrix ist also invertierbar und ihre
    Inverse $A^{-1}$ ist ebenfalls ein obere Dreiecksmatrix mit Einsen auf der
    Diagonalen.  Besitzt $X$ ein kleinstes Element $x_1=k$, so nennt man die
    oberste Zeile von $A^{-1}$  die 
{\bf M"obiusfunktion}\index{M"obiusfunktion!allgemeine} 
unserer
    teilgeordneten Menge
$$\begin{array}{rccl}
  \mu :& X & \ra & \Bbb{Z}\\
  &y & \mapsto & (A^{-1})_{k,y}
\end{array}$$
Sie wird demnach charakterisiert duch die Formeln 
$$\mu (k) =1
\;\;\;\text{
  und }\;\;\;\sum_{y\leq z} \mu (y) =0\text{ falls  }z > k.$$
Analoges gilt allgemeiner f"ur jede teilgeordnete Menge $X$,
die man aufz"ahlen kann als $x_{1},x_{2}, \ldots $ mit $x_{i}\leq
x_{j} \Rightarrow i \leq j$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Ist $X = \Bbb{N} =\{0,1,2,\ldots\}$ mit der "ublichen Ordnung, so haben
wir $\mu (0) =1, \mu (1) =-1$ und $\mu (n) =0$ f"ur $n \geq 2$.
Ist $X = \Bbb{N}_{\geq 1} =\{1,2,\ldots\}$ mit der durch 
das Teilen gegebenen Ordung $a\leq b\IFF a|b$, so 
erhalten wir die 
{\bf M"obiusfunktion der Zahlentheorie}\index{M"obiusfunktion!der Zahlentheorie} 
$$\mu (n)= \left\{\begin{array}{rl} 0 & n\text{ enth"alt einen Primfaktor 
mindestens zweimal};\\ 
1 & n\text{ ist quadratfrei mit gerade vielen Primfaktoren};\\ 
-1 & n\text{ ist quadratfrei mit ungerade vielen Primfaktoren}.
\end{array}\right.$$
Dieser Fall kann im "ubrigen auch als das Produkt von abz"ahlbar vielen Kopien
des zuvor behandelten Falls verstanden werden. 
Speziell haben wir in diesem Fall 
also $$\mu (1) =1
\;\;\;\text{
  und }\;\;\;\sum_{d|n} \mu (d) =0\text{ falls  }n > 1.$$
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubunge}[\textbf{Kehrwerte der Riemann'schen $\zeta$-Funktion}] 
Mit $\mu$ der M"obiusfunktion der Zahlentheorie
zeige man, da"s f"ur $s\in\DC$ mit $\op{Re}s>1$ 
die Inversen der Werte der Riemann'schen  $\zeta$-Funktion 
geschrieben werden k"onnen als 
$$\frac{1}{\zeta(s)}=\sum_{n\geq 1}\frac{\mu(n)}{n^s}$$
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
Man bestimme die Inverse der $(n\times n)$-Matrix gegeben durch
$a_{ij} =1$ f"ur $i\leq j$ und $a_{ij} =0$ f"ur $i > j$.
\end{Ubung}
\subsection{Dualr"aume und transponierte Abbildungen}
% \begin{Bemerkungl}[\textbf{Didaktische Gedanken zum Dualraum}]
% Ich bin noch nicht mit mir im Reinen, an welcher Stelle in 
% der linearen Algebra
% das Konzept des Dualraums eingef"uhrt werden sollte.
% An dieser Stelle ist es noch vergleichsweise schlecht motiviert,
% daf"ur ist es ein gutes "Ubungsfeld f"ur den Zusammenhang
% von Matrizen mit linearen Abbildungen.
% Eine fr"uhe Behandlung hat auch den
% Vorteil, da"s man
% mit dem Begriff schon etwas vertraut ist, wenn er 
% dann wirklich in Anwendungen auftaucht. Ernsthafte Anwendungen fallen mir 
% erst au"serhalb dieser Vorlesung ein, etwa Differentialformen 
% oder schwache L"osungen in der Analysis, kontragrediente Darstellungen in der
% nichtkommutativen Algebra, 
% das Kotangentialb"undel und der Hamilton'sche Formalismus in der klassischen
% Mechanik, und 
% die sogenannten Bra- und Ket-Vektoren
% in der Quantenmechanik.
%% \emph{Vermutlich sollte ich das nocheinmal umschreiben und
%% die Koordinaten mehr in den Vordergrund r"ucken.}
% \end{Bemerkungl}


\begin{Definition}\label{LiFo}
Gegeben ein K"orper $K$ und ein $K$-Vektorraum $V$ nennt man eine
lineare Abbildung $V\rightarrow K$  eine \defind{Linearform} 
{\bf auf} $V$ oder  einen {\bf Kovektor}.\index{Kovektor} 
Die Menge aller solchen Linearformen bildet nach \ref{HoVe} einen
Untervektorraum $\op{Hom}_K (V,K) \subset \op{Ens} (V,K)$ im Vektorraum aller 
Abbildungen von $V$ nach $K$.
Man nennt diesen Vektorraum aller Linearformen den  {\bf Dualraum von}
$V$.\index{Dualraum} Wir verwenden daf"ur die beiden Notationen
\begin{equation*}
V^\ast=V^\ttop \pdef \op{Hom}_K (V,K)
\end{equation*}
\end{Definition}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKoV}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Versuch der graphischen Darstellung eines Kovektors in der Ebene.
 Sei Wert auf einem
 Vektor w"are zu verstehen als die Zahl der von unserem
 Vektorpfeil gekreuzten Linien, beziehungsweise
 das Negative der Zahl der von seinem Negativen gekreuzten Linien, wenn er
 in die falsche Richtung geht.  
\end{minipage}
\end{figure}






\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
  "Ublich f"ur den Dualraum ist die Notation $V^\ast$.  Im Zusammenhang mir
  darstellenden Matrizen und dergleichen schien mir jedoch die
  Notation $V^\ttop$ sugges\-tivere Formeln zu liefern, weshalb ich
  diese sonst eher un"ubliche Notation in diesem Zusammenhang
  vorziehe.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Die Bezeichnung als {\bf Form}\index{Form!allgemein}  
f"ur Abbildungen mit Werten im Grundk"orper ist
  allgemein "ublich: Wir kennen bis jetzt nur
Linearformen, 
sp"ater werden aber noch  Bilinearformen und
quadratische Formen und Multilinearformen hinzukommen. 
"Uber die Herkunft
  dieser Bezeichnungsweise wei"s ich wenig.
Vermutlich steckt derselbe Wortstamm wie bei 
dem Wort \glqq Formel\grqq\  dahinter. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Frequenzraum als Dualraum des Raums der Zeitspannen}]
Denken wir uns die Menge aller Zeitspannen als 
reellen Vektorraum, so k"onnen wir uns den 
  Dualraum dieses Vektorraums denken als\label{DrG}  
die Gesamtheit aller \glqq Frequenzen\grqq\  oder vielleicht besser, weil man ja eigentlich nicht von negativen Frequenzen reden kann, als den Raum  
aller m"oglichen 
\glqq Drehgeschwindigkeiten von Drehungen  um eine feste Achse
mit vorgegebenem positiven Drehsinn\grqq.
Dann entpr"ache eine Drehgeschwindigkeit der Linearform, die jeder
Zeitspanne die Zahl der in dieser Zeitspanne erfolgten Umdrehungen 
zuordnet. 
An dieser Stelle  m"ochte ich Sie am liebsten 
wieder einmal
davon "uberzeugen, 
da"s  das  Abstrakte das eigentlich
Konkrete ist.
\end{Beispiel}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Koordinatenfunktionen zu einer Basis als Kovektoren}] 
Gegeben ein Vektorraum $V$ und eine Basis $ B \subset V$ 
erhalten wir im Dualraum $V^\ttop $ eine
linear unabh"angige Familie von 
Linearformen\index{)6top@$b^\ttop$ Vektoren der dualen Basis}
$(b^\ttop )_{b \in  B}
$,\label{Kob} 
indem wir $b^\ttop =b^\ttop_{ B} : V \rightarrow K$  erkl"aren durch
$$b^\ttop  (c) = \delta_{b c} \; \forall c \in  B$$
Die Linearformen $b^\ttop $ hei"sen  die \defind{Koordinatenfunktionen} oder kurz
\defind{Koordinaten} zu unserer Basis $ B$.
Vielfach werden sie auch
$b^\ast$\index{)6ast@$b^\ast$ Vektoren der dualen Basis} 
notiert.
Ist etwa $V =\mathbb R^n$ und 
$ B =\mathcal S(n) = (\vec {\op{e}}_1, \dots , \vec {\op{e}}_n)$ die
Standardbasis, so wird 
$\vec {\op{e}}_i^\ttop  : \mathbb R^n \rightarrow \mathbb R$
die \glqq Projektion auf die $i$-te Koordinate\grqq\  
$\vec {\op{e}}_i^\ttop  =\op{pr}_i: (x_1, \ldots, x_n)
\mapsto x_i$, die man oft auch einfach 
$x_i : \mathbb R^n \rightarrow \mathbb R$
notiert und die \glqq $i$-te Koordinatenfunktion\grqq\  nennt.
Man beachte, da"s solch eine Koordinatenfunktion $b^\ttop $ keineswegs nur
vom Basisvektor $b$ abh"angt, auch wenn die Notation das suggerieren mag,
sondern vielmehr von der ganzen Basis $ B$. Wenn man es ganz genau nehmen will, sollte man also $b^\ttop=b_B^\ttop $ schreiben.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Dualraum eines $K^n$}]
  In der Literatur findet man oft die Aussage, da"s der Dualraum
des Raums der Spaltenvektoren der Raum der
Zeilenvektoren sei. Das kann man so sehen, 
wenn man den in \ref{inA} diskutierten  
 Isomorphismus $\op{Mat}(1\times n;K)\sira \op{Hom}(K^n,K)$
 soweit verinnerlicht hat, da"s man beide Seiten schlicht als
gleich ansieht.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Dualraum des Richtungsraums zum Raum der Anschauung}] 
Denken wir uns wie in \ref{VAR} den Raum der Anschauung mit einem
  ausgezeichneten festen Punkt als reellen Vektorraum, so liefert
jeder von Null verschiedene Vektor
eine Linearform auf unserem Vektorraum vermittels der 
anschaulich zu verstehenden Vorschrift \glqq projiziere jeden weiteren Vektor 
orthogonal auf die Gerade durch den gegebenen  Vektor
und nimm die Zahl, mit der man den
den gegebenen Vektor multiplizieren mu"s, um die
Projektion zu erhalten\grqq.
Diese Entsprechung hat nur den Nachteil, da"s der doppelte Vektor
die halbe Linearform liefert und da"s "uberhaupt die Addition von
Vektoren keineswegs der Addition von Linearformen entspricht.
W"ahlt man eine feste anschaulich zu verstehende L"angeneinheit,
so kann man den Raum der
Linearformen auf dem Raum der Vektoren in unserem Bild
identifizieren mit dem Raum der Vektoren selber,
indem man jedem Vektor als Linearform dieselbe Linearform wie 
oben zuordnet, nur noch zus"atzlich geteilt durch das Quadrat seiner L"ange.
In anderen Worten kann diese Linearform auch beschrieben werden als 
\glqq beliebigem Vektor  ordne zu 
L"ange der Projektion mal L"ange des gegebenen Vektors\grqq.
Diese Identifikation entspr"ache  dann einem Vektorraumisomorphismus.
Es ist vielleicht die M"oglichkeit dieser
Identifikation, die es uns so schwer macht, eine Anschauung 
f"ur den Dualraum zu entwickeln. Sie benutzt jedoch
die \glqq euklidische Struktur\grqq\  des Raums der 
Anschauung, 
die das Reden "uber orthogonale Projektionen eigentlich erst 
erm"oglicht und die wir in erst in \eref{GEV}{LA2} oder noch besser
in \eref{MAn}{LA2}
 mathematisch modellieren werden. Formal diskutieren wir obige Identifikation dann in \eref{NaII}{LA2}. Auf allgemeinen
Vektorr"aumen stehen uns  keine 
orthogonalen Projektionen
zur Verf"ugung und der Dualraum kann dann nicht mehr so leicht
mit dem Ausgangsraum identifiziert werden. 
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}
  F"ur jeden $K$-Vektorraum $V$ liefert das Auswerten von Linearformen
  auf Vektoren eine  
bilineare Abbildung $\op{ev}=\op{ev}_V:V\times V^\ttop\ra K$, die 
{\bf Auswertungspaarung},\index{Auswertungspaarung}
auch  genannt die {\bf Evaluationspaarung}\index{Evaluationspaarung}  
von Vektoren mit Kovektoren.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Dimension des Dualraums}]
Ist $V$ ein Vektorraum und $B\subset V$ eine Basis, so liefert nach \ref{LeBa}
das Einschr"anken von Linearformen auf unsere Basis  eine Bijektion
$ V^\ttop\sira \op{Ens}(B,K)$. Man sieht leicht, da"s sie
 ein Vektorraumisomorphismus sein mu"s.
Gegeben ein endlichdimensionaler Vektorraum stimmt insbesondere
seine Dimension 
mit der
Dimension seines Dualraums "uberein, in Formeln\label{DiDu} 
\begin{equation*}
\op{dim} V^\ttop  = \op{dim} V
\end{equation*}

\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Ist $ B$ eine Basis eines endlichdimensionalen Vektorraums $V$, so mu"s
unsere linear unabh"angige Familie $B^\ttop  \pdef (b^\ttop )_{b \in  B}$
der zugeh"origen Koordinatenfunktionen aus \ref{Kob}  eine 
Basis des Dualraums $V^\ttop $ sein, da die Zahl ihrer Elemente mit der Dimension des Dualraums "ubereinstimmt, vergleiche \ref{VED}.\label{duBA}  
Man nennt dann $ B^\ttop $ die 
{\bf duale Basis}\index{dual!Basis}\index{Basis!duale}  
zur Basis $ B$. Insbesondere besteht die duale Basis zur Standardbasis
des $\DR^n$ genau aus den "ublichen Koordinatenfunktionen, in Formeln
$\mathcal S(n)^\ttop=(\op{pr}_i)_{i=1}^n$. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiel}
Wir kehren nocheinmal zu unserem Beispiel \ref{DrG} zur"uck.
Dort hatten wir besprochen, inwiefern man sich den
Dualraum der Gesamtheit aller Zeitspannen als 
den Raum aller Drehgeschwindigkeiten denken mag.
  Die zur Basis \glqq Minute\grqq\  der Gesamtheit aller Zeitspannen \glqq duale Basis\grqq\ besteht dann
  aus dem Vektor \glqq eine Umdrehung pro Minute in positivem Drehsinn\grqq, den man
  "ublicherweise {\bf Umin}\index{Umin} notiert.\label{Umin} 
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungw}[\textbf{Dualr"aume unendlichdimensionaler Vektorr"aume}]
  Im Fall eines unendlichdimensionalen Vektorraums ist wieder nach \ref{HoVe}
  auch sein Dualraum unendlichdimensional, aber seine Dimension ist \glqq noch
  unendlicher\grqq\  als die Dimension des Ausgangsraums in einem Sinne, der in
  \eref{KaBaD}{AL} pr"azisiert wird.
\end{Bemerkungw}
\begin{Definition}\label{NTAb}
Gegeben eine $K$-linare Abbildung $f : V \rightarrow W$
erkl"aren wir die {\bf duale Abbildung}\index{duale Abbildung} 
oder auch {\bf transponierte\index{transponiert!Abbildung!bei Vektorr"aumen}
Abbildung} 
\begin{equation*}
f^\ttop  : W^\ttop  \rightarrow V^\ttop 
\end{equation*}
als\index{)6top@$f^\ttop$ transponierte Abbildung} 
das \glqq Vorschalten von $f$\grqq, in Formeln $f^\ttop  (\lambda) \pdef
\lambda \circ f : V \rightarrow K$
f"ur jede Linearform $\lambda : W \rightarrow K$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Man beachte, da"s die duale  Abbildung \glqq in die umgekehrte
  Richtung\grqq\ geht.  Oft wird die duale Abbildung auch $f^* : W^*
  \rightarrow V^*$ \index{)6ast@$f^*$ transponierte Abbildung}
  notiert. Nicht selten schreibt man auch ein kleines $t$ als Index
  oben links und notiert die duale alias transponierte Abbildung $^{t}\!f: W^*
  \rightarrow V^*$.
  \index{)6rt@$^{t}\hspace{-1mm}f$ {\it transponierte Abbildung}}
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verkn"upfung und Transponieren}] 
Sicher gilt $\op{id}^\ttop _V= \op{id}_{V^{\ttop}} 
: V^\ttop  \rightarrow V^\ttop $.\label{TFre} 
Man pr"uft auch leicht f"ur eine Verkn"upfung $f \circ g$ von linearen
Abbildungen die Identit"at
\begin{equation*}
(f \circ g)^\ttop  = g^\ttop  \circ f^\ttop 
\end{equation*}
In der Tat bedeutet das Vorschalten von $f \circ g$ nichts anderes, als
erst $f$ und dann $g$ vorzuschalten.
\end{Bemerkungl}






\begin{Proposition}[\textbf{Matrix der dualen Abbildung}]
Gegeben eine lineare Abbildung $f: V \rightarrow W$ von endlichdimensionalen
Vektorr"aumen mit angeordneten Basen $\mathcal A, \mathcal B$  
ist die darstellende Matrix der dualen Abbildung\label{MdA}
$f^\ttop  : W^\ttop  \rightarrow V^\ttop $
bez"uglich der dualen Basen $\mathcal B^\ttop, \mathcal A^\ttop$ 
die Transponierte der Matrix von $f$, in Formeln
\begin{equation*}
{}_{\mathcal A^{\ttop}}[f^\ttop ]_{\mathcal B^{\ttop}} = 
\left({}_{\mathcal B}[f]_{\mathcal A}\right)^\ttop
\end{equation*}
\end{Proposition}
 \begin{figure}[htbp]   \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildDuTa}\\[4mm]
 \noindent Eine lineare Abbildung $f:\DR^2\ra \DR^2$, deren Matrix
in einer Basis $\op{e}_1,\op{e}_2,$ und die Matrix der dualen Abbildung auf der
dualen Basis alias der Effekt des Vorschaltens unserer Abbildung auf
den Koordinatenfunktionen $x_1,x_2:\DR^2\ra\DR$.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Diese Identit"at ist  der Grund daf"ur,
da"s ich f"ur den Dualraum vorzugsweise die Notation
mit einem hochgestellten $\scriptstyle \top$  verwenden will. Die dualen Basen sind dabei
mit der offensichtlichen Anordnung zu verstehen.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Seien $\mathcal A = (v_1, \ldots, v_n)$ und
$\mathcal B = (w_1, \ldots, w_n)$
unsere angeordneten Basen.
Die Matrixeintr"age $a_{ij}$ der darstellenden Matrix 
${}_{\mathcal B} [f]_{\mathcal A}$ sind festgelegt
durch die Identit"at von Vektoren
$
f(v_j) = \sum_i a_{ij} w_i
$.
Die Matrixeintr"age $b_{ji}$ 
der darstellenden Matrix  ${}_{\mathcal A^{\ttop}}[f^\ttop ]_{\mathcal B^{\ttop}}$
sind festgelegt durch die Identit"at von Linearformen
$f^\ttop  (w^\ttop _i) = \sum_j b_{ji} v^\ttop _j$.
Es gilt zu zeigen $b_{ji} = a_{ij}$.
Um das zu sehen, werten wir diese Identit"at von Linearformen auf den Vektoren
$v_k$ aus und erhalten
$$\textstyle
b_{ki} = \sum_j b_{ji} v^\ttop _j (v_k)
=(f^\ttop  (w^\ttop _i)) (v_k)
=w^\ttop _i (f (v_k))
= w^\ttop _i \left(\sum_l a_{lk} w_l\right)
%=\sum_l a_{lk} w^\ttop _i (w_l)
=a_{ik}
\qedhere$$
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Auswerten als Matrixmultiplikation}]
Sei $V$ ein endlichdimensionaler Vektorraum mit einer angeordneten Basis
$\mathcal A$.
Eine Linearform $\lambda \in V^\ttop $ 
wird als lineare Abbildung $\lambda:V\ra k$
beschrieben durch eine Zeilenmatrix
$[\lambda]_{\mathcal A}={}_{\mathcal{S}(1)}[\lambda]_{\mathcal A}$. 
 F"ur das Auswerten unserer Linearform $\lambda$ auf einem Vektor $v\in V$ 
erhalten wir dann
 \begin{equation*}
\lambda (v) = [\lambda]_{\mathcal A} \circ {}_{\mathcal A} [v]
\end{equation*}
unter der offensichtlichen Identifikation von Elementen unseres Grundk"orpers
mit $(1\times 1)$-Matrizen.
Erinnern wir dann noch f"ur $v \in V$ an die
lineare Abbildung $(\cdot v): K \rightarrow V$ mit 
$\alpha \mapsto \alpha v$ und an unsere Identit"at
$
{}_{\mathcal A} [\cdot v]_{{\mathcal S}(1)} = {}_{\mathcal A}[v]
$,
so kann auch  obige Formel  interpretiert werden als der Spezialfall
\begin{equation*}
{}_{{\mathcal S}(1)}[\lambda \circ (\cdot v)]_{{\mathcal S}(1)} 
= {}_{{\mathcal S}(1)}[\lambda]_{\mathcal A} 
\circ{}_{\mathcal A}[\cdot v]_{{\mathcal S}(1)}
\end{equation*}
%Setzen wir das oben ein und erg"anzen die rechte Seite zu
der allgemeinen Formel \ref{BLA} 
f"ur die Matrix der Verkn"upfung zweier linearer
Abbildungen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Darstellung einer Linearform in der dualen Basis}]
Sei $V$ ein endlichdimensionaler Vektorraum mit einer angeordneten Basis
$\mathcal A$.
Eine Linearform $\lambda \in V^\ttop $ 
 kann  auch als Element des Dualraums in Bezug auf die
duale Basis dargestellt werden durch die
Spaltenmatrix $_{{\mathcal A}^\ttop}[\lambda]$.
Es ist nun nicht schwer, die Formel 
$$_{{\mathcal A}^\ttop}[\lambda]=\left([\lambda]_{\mathcal A}\right)^\ttop$$
zu pr"ufen. 
Ich bin bei dieser Formel noch etwas
ungl"ucklich, das $\lambda$ auf der linken
Seite  nicht transponiert 
zu sehen. Dieser Anschein von Inkonsistenz
 kommt dadurch zustande, da"s wir in unserer Formel links $\lambda$ als Vektor 
 auffassen und rechts als lineare Abbildung.
  Erinnern wir, da"s die Spaltenmatrix eines
  Vektors $v$ ja auch
 die Matrix der vom Grundk"orper mit seiner Standardbasis
  ausgehenden linearen Abbildung $(\cdot v)$ ist, und beachten, da"s
die Abbildung $(\cdot\lambda):k\ra V^\ttop$  bis auf
die offensichtliche Identifikation $k\sira k^\ttop$ genau die transponierte 
Abbildung zu $\lambda:V\ra k$ ist,  so erhalten wir
$$_{{\mathcal A}^\ttop}[\lambda]
={}_{{\mathcal A}^\ttop}[\cdot\lambda]_{{\mathcal S}(1)}
={}_{{\mathcal A}^\ttop}[\lambda^\ttop]_{{\mathcal S}(1)^\ttop}$$
Wir erkennen die "Ubereinstimmung mit unserer allgemeinen Formel \ref{MdA}
f"ur die Matrix der dualen Abbildung, indem wir die linke Seite obiger Formel 
in dieser Weise
umformen
und ihre rechte Seite  ausschreiben zu 
$\left({}_{{\mathcal S}(1)}[\lambda]_{\mathcal A}\right)^\ttop$.
\end{Bemerkungl}










\begin{Beispiel}[\textbf{Transport von Linearformen unter Isomorphismen}] 
Gegeben ein Vektorraumisomorphismus $f : V \sira 
W$ ist die duale Abbildung ein Vektorraumisomorphismus
$f^\ttop  : W^\ttop  \sira  V^\ttop $ und ihre Inverse ist
ein Vektorraumisomorphismus $(f^\ttop)^{-1} : V^\ttop \sira W^\ttop$.
Dieser Isomorphismus leistet, was man sich anschaulich vielleicht am 
ehesten unter dem \glqq Transport einer Linearform\grqq\  vorstellt:
Gegeben $v \in V$ und $\lambda \in V^\ttop$ nimmt $(f^\ttop)^{-1} (\lambda)$
auf $f(v)$ denselben Wert an wie $\lambda$ auf $v$.
Betrachten wir etwa die Scherung $f : \mathbb R^2 \sira 
\mathbb R^2$, $(x,y) \mapsto (x + y,y)$ mit der Matrix
$[f] = {(^{1}_{0}}\; {^1_1)}$%\begin{pmatrix} 1 & 1 \\ 0 &1\end{pmatrix}$ 
und 
$f(\vec {\op{e}}_1) = \vec {\op{e}}_{1}, f (\vec {\op{e}}_{2}) = \vec {\op{e}}_1 + \vec {\op{e}}_2$.
Offensichtlich bleibt die $y$-Koordinate eines Punktes unter solch einer
Scherung unver"andert, 
$(f^\ttop)^{-1} (\vec {\op{e}}_2^{\;\ttop}) = \vec {\op{e}}_2^{\;\ttop}$, und die
$x$-Koordinate des Urbildpunkts entspricht der Differenz zwischen
$x$-Koordinate und $y$-Koordinate des Bildpunkts,
$(f^\ttop)^{-1} (\vec {\op{e}}_1^{\;\ttop})= \vec {\op{e}}_1^{\;\ttop} - \vec {\op{e}}_2^{\;\ttop}$.
Das entspricht auch unseren Formeln, nach denen $f^\ttop$ bez"uglich der
Basis $(\vec {\op{e}}_1^{\;\ttop}, \vec {\op{e}}_2^{\;\ttop})$ dargestellt wird durch die transponierte
Matrix 
${(^{\;\;1}_{-1}}\; {^0_1)}$,
%$\begin{pmatrix} 1&0\\ 1& 1\end{pmatrix}$, 
was genau die Formel
$(f^\ttop)^{-1} : \vec e^{\;\ttop}_1 \mapsto \vec e^{\;\ttop}_1 - \vec e^{\;\ttop}_2$ und
$(f^\ttop)^{-1} : \vec {\op{e}}_2^{\;\ttop} \mapsto \vec e^{\;\ttop}_2$ beinhaltet.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauung f"ur den Transport von Linearformen}] 
Eine von Null verschiedene Linearform $\lambda:V\ra K$ mag man sich
veranschaulichen, indem man
sich den affinen Teilraum $\lambda^{-1}(1)$ vorstellt, auf dem sie den
Wert Eins annimmt. 
In dieser Anschauung ist die Multiplikation von Linearformen mit von Null
verschiedenen Skalaren noch einigerma""sen sichtbar, f"ur 
die Addition von Linearformen oder die Nullform versagt sie jedoch grandios.
Dahingegen ist 
in dieser Anschauung  f"ur
einen Automorphismus $f:\DR^2\sira\DR^2$ der Effekt des
Inversen 
$(f^\ttop)^{-1}$ der transponierten Abbildung auf
Linearformen gut verst"andlich. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Seien $K$ ein K"orper und $V$ ein $K$-Vektorraum. 
Der Dualraum des Dualraums von $V$ hei"st sein \defind{Bidualraum} und wird
 $ V^{\ttop\ttop}\pdef (V^\ttop )^{\ttop} $ notiert oder in der Literatur 
oft  $V^{\ast\ast}$.\index{ev@$\op{ev}$ Evaluation}\label{ev1}
Wir erkl"aren die {\bf Auswertungsabbildung}\index{Auswertungsabbildung} oder 
{\bf Evaluationsabbildung}\index{Evaluationsabbildung}
\begin{equation*}
\op{ev} = \op{ev}_{V} :V \ra V^{\ttop\ttop}
\end{equation*}
als die Vorschrift, die jedem Vektor $v \in V$ das
\glqq Auswerten auf $v$\grqq\  
zuordnet.
In Formeln ist $\op{ev} (v) \in V^{\ttop\ttop}$ also definiert als die 
lineare Abbildung $\op{ev} (v)
: V^\ttop  \rightarrow K$ mit $\lambda \mapsto \lambda (v)$.
In der Notation machen wir insbesondere keinen Unterschied zwischen
der Evaluationspaarung $\op{ev}:V \times V^{\ttop}\ra K$
und der hier eingef"uhrten Evaluationsabbildnung. Der Leser mu"s aus dem Kontext erschlie"sen, was jeweils gemeint ist. 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Injektivit"at der Evaluationsabbildung}]
  Die  Evaluationsabbildung ist stets eine Injektion $V \hra V^{\ttop\ttop}$.
Das ergibt
sich aus der Erkenntnis, da"s es f"ur jeden von Null verschiedenen Vektor
$v \neq 0$ eine Linearform $\lambda \in V^\ttop $ gibt mit $\lambda (v) \neq
0$.
Man kann das etwa zeigen, indem man 
den Satz \ref{FoLi} "uber die Fortsetzbarkeit linearer Abbildungen
bem"uht, oder auch, indem man 
$v$ zu einer Basis $B$ von $V$ 
erg"anzt und 
dann $\lambda = v^\ttop $ w"ahlt.
Im Fall unendlichdimensionaler R"aume brauchen wir 
jedoch in jedem Fall den Basiserweiterungssatz
in seiner vollen Allgemeinheit \ref{BaaE}.
Man kann ohne die ihm
zugrundeliegenden raffinierteren Methoden der
Mengenlehre noch nicht einmal 
zeigen, da"s es auf einem beliebigen von Null 
verschiedenen
Vektorraum "uberhaupt irgendeine von Null verschiedene Linearform
gibt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bidualraum im endlichdimensionalen Fall}] 
Im Fall eines endlichdimensionalen Vektorraums $V$ zeigt 
ein Dimensionsvergleich unmittelbar, da"s die Evaluationsabbildung
ein Isomorphismus $\op{ev}:V\sira V^{\ttop\ttop}$ ist.
Manchmal wird diese Erkenntnis als Gleichung $V= V^{\ttop\ttop}$
geschrieben, aber das ist dann mit einigen Hintergedanken zu lesen,
denn gleich sind diese beiden Mengen  keineswegs.\label{cib} 
Den Hauptbestandteil dieser Hintergedanken 
macht die folgende Bemerkung explizit.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Gegeben Mengen $X,Y,Z,W$ und Abbildungen
$f:X\ra Y$ und $p:Z\ra Y$ und $q:W\ra X$ und $g:W\ra Z$ mit
$p\circ g=f\circ q$ sagt man auch, man habe ein
{\bf kommutatives Quadrat}\index{kommutativ!Quadrat}  
$$\xymatrix{
  W \ar[r]^-{q}\ar[d]_-{g} & X\ar[d]^-{f}\\
 Z \ar[r]^-{p}& Y
}$$
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Auswertungen 
 und bitransponierte Abbildungen}] 
Gegeben eine lineare\label{dana}
 Abbildung $f: V \rightarrow W$ kommutiert das Quadrat
\begin{displaymath}
\xymatrix{
V \ar[r]^-{\op{ev}_{V}}\ar[d]_{f} & V^{\ttop\ttop}\ar[d]^{f^{\ttop\ttop}}\\
W \ar[r]^-{\op{ev}_{W}} &W^{\ttop\ttop}
}
\end{displaymath}
Anders gesagt  gilt mithin 
 $\op{ev}_W \circ f 
= f^{\ttop\ttop} \circ \op{ev}_V$
als Abbildungen $V \rightarrow W^{\ttop\ttop}$.
Um das zu sehen, mu"s man nur f"ur alle $v \in V$ die 
Identit"at $f^{\ttop\ttop} (\op{ev}_V
(v)) = \op{ev}_W (f (v))$ in $W^{\ttop\ttop}$ pr"ufen.
Dazu gilt es zu zeigen, da"s beide Seiten auf allen $\lambda \in W^\ttop $
denselben Wert annehmen, da"s also gilt
\begin{equation*}
(f^{\ttop\ttop} (\op{ev}_V (v))) (\lambda) = (\op{ev}_W (f (v))) (\lambda)
\end{equation*}
alias $((\op{ev}_V v) \circ f^\ttop )(\lambda) = \lambda (f (v))$ 
alias $(\op{ev}_V v)
(\lambda \circ f) = \lambda (f (v))$. Das  ist jedoch klar.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
  Meines Erachtens ist es diese letzte Erkenntnis \ref{dana}, 
die die Bezeichnung von $V^\ttop$ als \glqq Dualraum von $V$\grqq\
eigentlich erst verst"andlich macht. \glqq Dual\grqq\ kommt ja vom
selben Wortstamm wie \glqq Zwei\grqq, und die letzte Erkenntnis formalisiert
die Intuition, da"s der Bidualraum im Fall endlichdimensionaler Vektorr"aume
\glqq im wesentlichen derselbe\grqq\ ist wie der Ausgangsraum. Etwas formaler
werden wir  in \eref{BDR}{LA2} mit der dort
eingef"uhrten Begrifflichkeit 
die obige Erkenntnis dahingehend aussprechen k"onnen, 
da"s f"ur jeden K"orper $K$
die Evaluationsabbildungen eine
 Isotransformation bilden, genauer  eine
 Isotransformation des Identit"atsfunktors auf der Kategorie 
der endlichdimensionalen $K$-Vektorr"aume zum Bidualraumfunktor. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}\label{Syn}
  Oft verwende ich f"ur das Auswerten einer Linearform $\lambda\in V^\ttop$
auf einem Vektor $v\in V$ auch die symmetrischeren Notationen 
$\langle \lambda,v\rangle $\index{)5>@$\langle \lambda,v\rangle $ Auswerten einer
  Linearform}  
 oder  $\langle v,\lambda\rangle $.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubunge}\label{LuLf}
Seien $K$ ein K"orper und 
$V$ ein $K$-Vektorraum. Eine endliche Familie von Linearformen 
$f_1, \ldots, f_n \in
V^\ttop$ ist linear unabh"angig genau dann, wenn sie 
eine Surjektion $(f_1, \ldots, f_n) :V \twoheadrightarrow K^n$ 
liefert.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
Gegeben Vektorr"aume $V,W$ liefern die transponierten Abbildungen zu 
den kanonischen Injektionen nach \ref{kaI} auf den Dualr"aumen
einen Isomorphismus
$(\op{in}_V^\ttop,\op{in}_W^\ttop):(V\oplus W)^\ttop\sira V^\ttop\oplus W^\ttop$.
 Analoges gilt f"ur allgemeinere endliche Summen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
F"ur endlichdimensionale Vektorr"aume $V$ ist die Auswertungsabbildung aus 
Dimensionsgr"unden stets ein Isomorphismus $V \sira 
V^{\ttop\ttop}$.
Gegeben ein endlichdimensionaler Vektorraum $V$ zeige man, da"s darunter 
jede Basis $B$ ihrer Bidualen entspricht, in Formeln
$\op{ev}_{V} (b) = (b^{\ttop}_B)_{B^\top}^\ttop$ oder abgek"urzt geschrieben  
\begin{equation*}
\op{ev}_{V} (b) = (b^{\ttop})^\ttop  \quad \forall b \in B
\end{equation*}
\end{Ubung}


\begin{Ubunge}
Man zeige:  Gegeben ein Vektorraum $V$ ist die Verkn"upfung
$$V^\ttop\stackrel{\op{ev}_{V^\ttop}}{\lra}V^{\ttop\ttop\ttop}
\stackrel{\op{ev}^\ttop_{V}}{\lra}V^\ttop$$
der Auswertungsabbildung des Dualraums von $V$ mit dem Transponierten der
Auswertungsabbildung von $V$ 
die Identit"at auf dem Dualraum von $V$. 
Hinweis: \eref{EAD}{GR} mag helfen. Vom h"oheren Standpunkt 
\eref{DrEA}{TF} h"angt das damit zusammen, 
da"s \glqq  der Dualraumfunktor sein eigener
Adjungierter ist\grqq.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung} Seien $K$ ein K"orper und $m,n\in \DN$.
 Man zeige, da"s wir Isomorphismen 
$\op{Mat}(n\times m;K)\sira \op{Mat}(m\times n;K)^\ttop$
 erhalten durch die Vorschrift $A\mapsto (B\mapsto \op{tr}(AB))$. 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Spur einer transponierten Abbildung}] 
  Genau dann hat eine lineare Abbildung endlichen Rang, wenn ihre
  transponierte Abbildung endlichen Rang hat. Ein Endomorphismus endlichen
  Ranges  eines Vektorraums hat stets dieselbe Spur wie der transponierte
  Endomorphismus des Dualraums.\label{SpTr} 
\end{Ubung}

\subsection{Erg"anzungen zu linearen Abbildungen*} 
\begin{Satz}\label{EKT}
    In einem  Vektorraum besitzt jeder
    Untervektorraum ein
    Komplement.  
\end{Satz}
\begin{proof}
 Der Beweis  ben"otigt im unendlichdimensionalen Fall
das Zorn'sche Lemma. Seien $V\supset U$ unser Raum mit seinem Untervektorraum.
Ist unser Raum $V$ endlich erzeugt, so ist auch
$U$ endlich erzeugt nach \ref{AbD}. Wir finden 
 nach \ref{EEBa}  eine Basis $L$ von $U$ 
und k"onnen sie nach \ref{BEGSn} zu einer Basis $B$ von $V$ erg"anzen.
Das Erzeugnis des Komplements $B\backslash L$ ist dann der gesuchte
komplement"are Teilraum. Ist unser Raum $V$ beliebig,
so funktioniert derselbe Beweis, wenn wir die beiden letzten 
beiden Verweise durch Verweise 
auf den allgemeinen Basisexistenz- und Erg"anzungssatz
 \ref{BEGS} ersetzen. 
\end{proof}

\begin{Proposition}\label{HRi}
  \begin{enumerate}
  \item F"ur jede injektive lineare Abbildung $f : V \hookrightarrow W$
    existiert ein \emph{\bf Linksinverses},\index{Linksinverses} als da hei"st,
    eine lineare Abbildung $g : W \rightarrow V$ mit $g \circ f = \op{id}_V$;
   \item  F"ur jede surjektive lineare Abbildung $f : V \twoheadrightarrow W$
    existiert ein \emph{\bf Rechts\-inverses},\index{Rechtsinverses} als da
    hei"st, eine lineare Abbildung $g : W \rightarrow V$ mit $f \circ g =
    \op{id}_W$.
  \end{enumerate}

\end{Proposition}

\begin{proof}
Der Beweis beider Aussagen ben"otigt im unendlichdimensionalen Fall
das Zorn'sche Lemma.
Um Teil 1 zu zeigen, w"ahlen wir mit \ref{EKT} ein Komplement 
$U \subset W$ von $f(V)$
und definieren $g : W \rightarrow V$ durch die Vorschrift 
$g (u + f(v)) = v \;
\forall u \in U, v\in V$. Das ist erlaubt, da nach unsern 
Annahmen die Abbildung
$(u,v) \mapsto u + f (v)$ eine Bijektion 
$U \times V \sira W$
induziert.
Um Teil 2 zu zeigen,  w"ahlen wir
ein Komplement  $U \subset V$ von $\op{ker}f$
und pr"ufen, da"s 
$f$ einen
einen Isomorphismus $U\sira W$ induziert. Dessen Inverses liefert unmittelbar
das gesuchte 
Rechtsinverse von $f$. 
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{FoLi}
Jede lineare Abbildung von einem Untervektorraum $U$ eines 
Vektorraums $V$ in einen weiteren Vektorraum
 $f:U\ra W$ l"a"st sich zu 
einer linearen Abbildung $\tilde{f}:V\ra W$ auf den ganzen Raum $V$ fortsetzen.
Hinweis: \ref{HRi}.
\end{Ubung}



%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXLA1"
%%% End: 
