\section{M"obiusgeometrie und hyperbolische Ebene}
\subsection{Kreisspiegelungen}\label{ksp} 
\begin{Bemerkungl}
  Unter einer {\bf euklidischen Ebene} 
  verstehen wir wie in \eref{Eukl}{LA2} ein Paar $E=(E,S)$ 
  bestehend aus einem zweidimensionalen reellen affinen Raum $E$
  und einer $\DR_{>0}$-Bahn $S$ von Skalarprodukten auf seinem Richtungsraum.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Wir hatten in \eref{Laenge}{LA2}  jedem
  euklidischen Vektorraum $(V,S)$  einen orientierten
  eindimensionalen reellen Vektorraum $\mathbb L=\mathbb L(V)$ zugeordnet und ihn seine {\bf L"angengerade} genannt. Weiter hatten wir 
  eine {\bf L"angenabbildung} $$\|\;\|:V\ra \mathbb L$$ erkl"art.
   Unter dem Nachschalten eines beliebigen orientierungserhaltenden
  Isomorphismus $\mathbb L\sira \mathbb \DR$ wird diese Abbildung
  zur Norm eines
  Skalarprodukts der euklidischen Struktur $S$.
  Im Fall des Richtungsraums $\vec E$
  unserer euklidischen Ebene nennen wir $\mathbb L=\mathbb L(\vec E)$
  die {\bf L"angengerade unserer euklidischen Ebene}.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Seien $E$ eine euklidische Ebene und $\mathbb L$ ihre
  L"angengerade. Wir setzen $$\hat E\pdef E \amalg \{\infty \}$$ und nennen
  diese Menge die {\bf erweiterte Ebene}.\index{Ebene!erweiterte} 
  Eine Teilmenge  $K\subset \hat E$  
hei"st ein 
\defind{verallgemeinerter Kreis},\index{Kreis!verallgemeinerter} 
wenn\index{M"obiusgeometrie}\label{MoGeK} 
 sie entweder ein Kreis
 in $E$ ist, also von der Gestalt 
$$K={\op{K}}(c;r)\pdef\{x\in E\mid \|x-c\|=r\}$$ f"ur  $c\in E$ und 
$r\in\mathbb L_{>0}$,  oder eine affine Gerade $g$ 
 disjunkt vereinigt mit der einpunktigen Menge $\{\infty\}$.
 Im ersten Fall sprechen wir von einem {\bf echten Kreis}.\index{Kreis!echter}
Im zweiten Fall  sprechen wir von
einer {\bf erweiterten Gerade}\index{Gerade!erweiterte} und verwenden daf"ur
die Notation $K=\hat g\pdef g\sqcup\{\infty\}$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Sei $E$ eine euklidische Ebene. Jedem verallgemeinerten Kreis $K\subset \hat E$
ordnen wir eine Abbildung
$$s_K:\hat E  \ra \hat E
$$ 
der erweiterten Ebene in sich selber zu, die wir die 
\defnoind{Spiegelung 
  an unserem Kreis}\index{Spiegelung!an Kreis} oder {\bf Kreisspiegelung}\index{Kreisspiegelung} oder auch 
{\bf Inversion}\index{Inversion} nennen, und zwar die "ubliche 
orthogonale Spiegelung $E \ra E$ an der Geraden 
mit der Zusatzregel $\infty \mapsto \infty$
im Fall, da"s unser
verallgemeinerter Kreis
eine erweiterte Gerade $\hat g$ ist,  und
die \defind{Inversion} 
\begin{displaymath}
c+\vec v \;\;\mapsto\;\; c + ({r}/{\|\vec v\|})^2\vec v \quad\text{f"ur }\vec v\neq 0
\end{displaymath}
mit der Zusatzregel $c \mapsto \infty$ und $\infty \mapsto c$
im Fall eines echten Kreises $K={\op{K}} (c;r)$. Es ist leicht zu sehen,
da"s auch im Fall eines echten Kreises $K$  Zentrum und Radius
und damit auch die Kreisspiegelung $s_K$ bereits durch die
Teilmenge $K\subset E$ eindeutig festgelegt werden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Offensichtlich gibt es f"ur je zwei verschiedene Punkte einer erweiterten
  euklidischen Ebene eine Kreisspiegelung, die sie vertauscht.\label{vtKK}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildMoeBB}\\[4mm]
 \noindent Eine Kreisspiegelung sowie einige verallemeinerte Kreise
 und ihre Bilder unter besagter Kreisspiegelung
\end{Bild}



  \begin{Bemerkungl}
  Man beachte den fundamentalen Unterschied zwischen
  der hier betrachteten erweiterten Ebene $\hat E=E \amalg \{ \infty\}$
  und der projektiven Vervollst"andigung $\mathbb V E$ von $E$ aus \ref{PrVi},
  bei der eine ganze projektive Gerade aus unendlich fernen Punkten
  zu $E$  mit hinzugenommen wird. Wir werden im weiteren Verlauf sehen, da"s
  unsere erweiterte Ebene $\hat E$ hier vielmehr eine Variante der
  komplex-projektiven Gerade alias  Riemann'schen Zahlenkugel $\mathbb P^1\DC
  =\hat\DC=\DC\sqcup\{\infty\}$ ist.
 \end{Bemerkungl}
  
\begin{Lemma}[\textbf{Kreisspiegelungen erhalten Kreise}]
  Jede Kreisspiegelung auf einer erweiterten euklidischen Ebene
  macht verallgemeinerte Kreise zu
  verallgemeinerten Kreisen.\label{VAKr} 
\end{Lemma}
\begin{proof}
Das war bereits "Ubung \eref{GeIn}{LA1}.  Es reicht, es f"ur die Kreispiegelung am Einheitskreis im Fall $E=\DR^2$ 
zu zeigen.  Die Schnitte unserer
verallgemeinerten Kreise  mit $\DR^2$ sind  die
  Nullstellenmengen in $\DR^2$ von Gleichungen der Gestalt
  $$p\langle x,x\rangle -2\langle x,v\rangle +q$$
  f"ur $v\in\DR^2$ und $p,q\in\DR$ mit $\langle v,v\rangle>pq$. Gegeben $x\neq 0$ gilt aber  f"ur $y\pdef x/\langle x,x\rangle$ nach kurzer
  Rechnung
  \begin{displaymath}
    p\langle x,x\rangle -2\langle x,v\rangle +q=0\quad \IFF\quad
  q\langle y,y\rangle -2\langle y,v\rangle +p=0
  \end{displaymath}
  Da"s das mit den Punkten $0$ und $\infty$ auch pa"st, pr"uft man leicht explizit.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
  Eine Kreisspiegelung an einem echten Kreis macht jeden verallgemeinerten Kreis,
  der durch sein Zentrum geht, zu einem verallgemeinerten Kreis, der durch $\infty $ geht, mithin zu einer erweiterten Geraden.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Kreisspiegelungen mit Zirkel und Lineal}]
Sei $E$ eine euklidische Ebene.  Gegeben ein Kreis $K$ mit Zentrum $c$
  und ein Punkt $p\in E$  au"serhalb unseres Kreises k"onnen wir sein Bild
  unter der Kreisspiegelung $s_K$ mit Zirkel und Lineal konstruieren.
  Wir zeichnen dazu die Gerade $\overline{pc}$ durch $p$ und $c$ und den
  Kreis $L$ durch $p$ und $c$ mit Zentrum auf $\overline{pc}$, so da"s gilt $\{p,c\}=\overline{pc}\cap L$.
  Dann ist notwendig $s_K(L)$ die Gerade durch die beiden Punkte von
  $K\cap L$ und wir haben $\{s_K(p)\}=\overline{pc}\cap s_K(L)$.
  Indem wir diese Konstruktion umgekehren, erhalten wir auch eine
  Konstruktion f"ur die Bildpunkte unter $s_K$ von Punkten innerhalb unseres
  Kreises.
\end{Bemerkungl}
%\begin{Bemerkungl}
%  Sei $E$ eine euklidische Ebene.
%  Wir sagen, da"s sich zwei verallgemeinerte Kreise aus $\hat E$ 
 % {\bf ber"uhren},\index{ber"uhren!verallgemeinerte Kreise} 
%  wenn sie genau einen Punkt gemeinsam haben. 
%\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
   Sei $E$ eine euklidische Ebene. Gegeben ein
  verallgemeinerter Kreis $K\subset \hat E$
  zerf"allt
  $E\backslash K$ in zwei Wegzusammenhangskomponenten.
  Nehmen wir im Fall $\infty\not\in K$ zur
  unbeschr"ankten Komponente noch den Punkt $\infty$ hinzu,
  so erhalten wir f"ur jeden verallgemeinerten Kreis $K\subset \hat E$
  eine Partition
  $$\hat E=K\sqcup K^b\sqcup K^u$$
  mit $s_K:K^b\sira K^u$. Im Fall eines echten Kreises meint $K^u$ die unbeschr"ankte  Komponente zusammen mit dem Punkt $\infty$ und $K^b$ die beschr"ankte  Komponente.
  Ansonsten sei die Indizierung willk"urlich gew"ahlt. Es w"are nat"urlicher,
  f"ur jeden verallgemeinerten Kreis $K\subset \hat E$ und jeden Punkt $p\in\hat E\backslash K$ gleich die disjunkte Zerlegung $\hat E=K\sqcup K^{\ni p}\sqcup K^{\not\ni p}$ einzuf"uhren, aber so weit will ich hier nicht gehen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Sei $E$ eine euklidische Ebene.  Gegeben verallgemeinerte Kreise $K,L\subset \hat E$ sind wir in genau einem
  der folgenden vier F"alle:\label{KBKZ} 
  \begin{enumerate}
  \item
    Es gilt $K\cap L=\emptyset$ und $L$ ist entweder in $K^u$ oder in $K^b$
    enthalten. Wir sagen, die Kreise sind {\bf disjunkt};
    \item
    Es gilt $|K\cap L|=1$ und $L$ liegt entweder in $K\cup K^u$ oder in $K\cup K^b$. Wir sagen, die Kreise  {\bf ber"uhren sich};
  \item
    Es gilt $|K\cap L|=2$ und $L$ trifft $K$, $K^u$ und $K^b$.
    Wir sagen, die Kreise  {\bf schneiden sich transversal};
  \item
    Es gilt $K=L$. Wir sagen, die Kreise  {\bf sind gleich}.
  \end{enumerate}
  Insbesondere ist klar, da"s  sich zwei verallgemeinerte Kreise
 genau dann ber"uhren, wenn sich ihre Bilder unter einer beliebigen 
 Kreisspiegelung  ber"uhren. Ich verzichte auf einen formalen Beweis
 der in der obigen Fallunterscheidung enthaltenen Behauptungen in der
 Erwartung, da"s sich der Leser davon leicht selbst in der von ihm
 gew"unschten Ausf"uhrlichkeit und Exaktheit wird "uberzeugen k"onnen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKrSch}\\[4mm]
 \noindent Kreisschrumpfung zur L"osung des Appollonischen Problems
\end{Bild}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Apollonisches Problem}]
  Es geht erst einmal ganz salopp gesprochen
  darum,  Kreise zu konstruieren, die drei verschiedene 
  vorgegebene Kreise  ber"uhren.
 Manchmal gibt es  gar keine L"osung, wenn n"amlich ein
 Kreis  die beiden anderen trennt.\label{Apol} 
  Es kann 
  bis zu acht L"osungen geben.
  Ich diskutiere nun beispielhaft den Fall, da"s wir drei paarweise disjunkte
  echte Kreise vor uns
  haben, von denen
  keiner in einem anderen enthalten ist.
  Wir suchen einen verallgemeinerten  Kreis, der sie alle 
  ber"uhrt und so, da"s sie alle in derselben Komponente seines Komplements
  liegen. Indem wir die Radien  unserer drei vorgegebenen Kreise
  um den Radius des kleinsten schrumpfen, k"onnen wir
  uns auf den ausgearteten Fall zur"uckziehen, da"s mindestens einer
  unserer drei Ausgangskreise ein Punkt ist. Indem wir eine Kreisspiegelung
  an einem Kreis mit Zentrum in diesem besagten
  Punkt durchf"uhren, wird der gesuchte Kreis eine zu
  suchende Gerade und wir
  k"onnen uns
  weiter auf das Problem zur"uckziehen, gemeinsame
  Tangenten an zwei vorgegebene Kreise
  zu finden. Das aber ist nun nicht mehr weiter schwierig.
\end{Bemerkungl}




\subsection{M"obiustransformationen}\label{MoeT}
\begin{Bemerkungl}
  Sei $E$ eine euklidische Ebene.
  Wir erinnern an ihre Vervollst"andigung $\hat E\pdef E\sqcup \{\infty\}$
  und an verallgemeinerte Kreise
  $K\subset \hat E$ und an die Spiegelung
  an einem verallgemeinerten Kreis $s_K:\hat E\ra \hat E$.
  Eine Verkn"upfung von Spiegelungen an verallgemeinerten Kreisen
  hei"st eine {\bf M"obiustransformation}.\index{M"obiustransformation}
  Die M"obiustransformationen bilden eine Untergruppe
  $$\op{M\ddot{o}b}=\op{M\ddot{o}b}(\hat E)\subset \op{Ens}^\times(\hat E)$$
  der Gruppe der Permutationen der erweiterten Ebene
  $\hat E=E\sqcup\{\infty\}$. Alle M"obiustransformationen machen nach \ref{VAKr} verallgemeinerte Kreise
  zu verallgemeinerten Kreisen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{M"obiustransformationen, die den Punkt $\infty$ festhalten}]
Sei $E$ eine euklidische Ebene. Die  M"obiustransformationen von $\hat E$,
  die den Punkt $\infty$ festhalten, sind genau\label{pinhz} 
  alle Fortsetzungen durch $\infty\mapsto\infty$ von "Ahnlichkeiten
  von $E$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Der folgende Beweis zeigt allgemeiner f"ur
  eine euklidische Ebene $E$, da"s jede bijektive Selbstabbildung von $\hat E$ mit Fixpunkt $\infty$, die verallgemeinerte Kreise
  in verallgemeinerte Kreisen "uberf"uhrt, eine Fortsetzung durch $\infty\mapsto\infty$  einer "Ahnlichkeit von $E$ sein mu"s.
  Insbesondere sind mit \ref{vtKK} alle bijektiven Selbstabbildungen von $\hat E$, die verallgemeinerte Kreise\label{MoeCh}  
  in verallgemeinerte Kreise "uberf"uhren, bereits M"obiustransformationen.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $E=\DR^2$. Alle \hyperref[Isokm]{\"Ahnlichkeiten} 
  von $\DR^2$ liefern, wenn man sie durch die Vorschrift
  $\infty\mapsto\infty$ fortsetzt, M"obiustransformationen.
  In der Tat erh"alt man alle Kongruenzen durch sukzessive Spiegelungen an
  Geraden und alle Streckungen mit positivem
  Streckfaktor als Verkn"upfung der Kreisspiegelungen an
  zwei konzentrischen echten Kreisen.
  Sei nun umgekehrt $\varphi$ eine  M"obiustransformation mit 
$\varphi(\infty)=\infty$. So "uberf"uhrt die induzierte Abbildung
$\varphi:\DR^2\sira \DR^2$  Geraden in Geraden
und ist damit nach \eref{IAGe}{LA1} schon einmal affin.
Wir finden andererseits eine "Ahnlichkeit $\psi:\DR^2\sira \DR^2$
derart, da"s $\psi\varphi$ sowohl $(0,0)$ als auch $(1,0)$ festh"alt.
Da dann $\psi\varphi$ affin ist und $(0,0)$ festh"alt, mu"s $\psi\varphi$  linear sein.
Da $\psi\varphi$  au"serdem $(1,0)$ festh"alt und echte Kreise in echte Kreise
"uberf"uhrt, mu"s $\psi\varphi$  L"angen von Vektoren erhalten und ist damit
eine orthogonale Abbildung, genauer die Identit"at oder die Spiegelung an
der $x$-Achse. Also ist auch $\varphi$ eine "Ahnlichkeit.
\end{proof}




 

\begin{Lemma}\label{TrVK} 
  Je zwei verallgemeinerte Kreise k"onnen durch eine M"obiustransformation ineinander "uberf"uhrt werden.
\end{Lemma}
\begin{proof}
  Je zwei erweiterte
  Geraden k"onnen offensichtlich ineinander "uberf"uhrt werden, und
  jeder echte Kreis kann in eine erweiterte Gerade "uberf"uhrt werden
  durch eine
  Kreisspiegelung an einem echten Kreis mit Zentrum auf unserem echten Kreis.
\end{proof}
















\begin{Proposition}[\textbf{Charakterisierung von Kreispiegelungen}]
  Jede M"obius\-transformation, die einen vorgegebenen
  verallgemeinerten Kreis $K$ punktweise festh"alt, ist die Kreisspiegelung $s_K$ an besagtem Kreis oder die Identit"at.\label{CharKL} 
\end{Proposition}
\begin{proof}
  Da sich nach \ref{TrVK} je zwei verallgemeinerte Kreise durch eine
  M"obiustransformation ineinander "uberf"uhren lassen, d"urfen wir
  ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit annehmen, unser $K$ sei eine
  erweiterte Gerade. Nach \ref{pinhz} m"ussen wir also nur zeigen, da"s alle
  "Ahnlichkeiten, die eine erweiterte Gerade punktweise festhalten, entweder
  die Identit"at oder die Spiegelung an besagter  Gerade sind. Das  ist
  aber klar.
\end{proof}

\begin{Korollar}
  Gegeben eine M"obiustransformation $\varphi$ und ein verallgemeinerter
  Kreis $K$ gilt $\varphi s_K\varphi^{-1}=s_{\varphi(K)}$.\label{KSPO}
\end{Korollar}
\begin{proof}
  Beide Seiten sind M"obiustransformationen, die nicht die Identit"at sind
  und den verallgemeinerten Kreis
  $\varphi(K)$ punktweise festhalten. Das Korollar folgt so aus
  der Charakterisierung von Kreispiegelungen \ref{CharKL}.
\end{proof}
\begin{Korollar}
  Gegeben eine M"obiustransformation $\varphi$ und ein verallgemeinerter
  Kreis $K$ ist $\varphi(K)=K$ gleichbedeutend zu 
$\varphi s_K= s_K\varphi$.\label{juew} 
\end{Korollar}
 \begin{proof}
Das folgt unmittelbar aus dem vorhergehenden Korollar \ref{KSPO}. 
\end{proof}
\begin{Definition}
  Sei $E$ eine euklidische Ebene.
  Gegeben verallgemeinerte Kreise $K,L\subset \hat E$
  sagen wir, 
  {\bf $K$ stehe senkrecht auf $L$}\label{senkK} 
  und schreiben $K\perp L$, wenn
  gilt $K\neq L $ und $s_Ks_L=s_Ls_K$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bezug zur Anschauung}]
  Nach \ref{juew} ist $s_Ks_L=s_Ls_K$ gleichbedeutend zur
  Bedingung
  $s_K(L)=L$, die vielleicht besser
  unserem anschaulichen Begriff von Senkrechtstehen entspricht, die aber
  weniger symmetrisch ist. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bezug zur Differentialgeometrie}]  Wenn Sie etwa aus \eref{MFoR}{AN2} wissen, welche 
  Teilmengen $M\subset E$  \glqq eindimensionale $\mathcal C^1$-Un\-ter\-man\-nig\-fal\-tig\-kei\-ten\grqq\ hei"sen, und
  etwa aus \eref{TaBu}{AN2},  wie f"ur
  jeden Punkt $p\in M$ solch einer Untermannigfaltigkeit der
  \glqq Tangentialraum\grqq\ ${\op{T}}_pM\subset \vec E$ erkl"art wird,
  so werden Sie unschwer erkennen, da"s die
  Schnitte unserer verallgemeinerten Kreise mit $E$ eindimensionale $\mathcal C^1$-Untermannigfaltigkeiten sind und da"s zwei verallgemeinerte Kreise $K,L$
  genau dann aufeinander senkrecht stehen im Sinne der obigen Definition,
  wenn sie mindestens einen Schnittpunkt in $E$ haben und wenn f"ur jeden Punkt
  $p\in K\cap L$ mit $p\neq\infty$ gilt ${\op{T}}_pK\perp {\op{T}}_pL$.
\end{Bemerkungl}
  
\begin{Proposition}
  Sei $E$ eine euklidische Ebene.  Sind $K,L\subset\hat E$
  verallgemeinerte Kreise mit $K\perp L$ und ist $\varphi$
  eine M"obiustransformation, so gilt auch $\varphi(K)\perp\varphi(L)$.
\end{Proposition}

\begin{Bemerkungw}
  Wenn Sie bereits etwas mit den Anf"angen der
  Funktionentheorie vertraut sind, mag Ihnen
bekannt sein, da"s alle biholomorphen Abbildungen
\glqq winkeltreu\grqq\ sind. Mit den Resultaten des folgenden Abschnitts
oder Grundkenntnissen in Differentialgeometrie folgt leicht, da"s auch alle
M"obiustransformationen \glqq winkeltreu\grqq\ sind. Ich
will aber an dieser Stelle nicht diskutieren,
was das nun ganz genau bedeuten soll. 
\end{Bemerkungw}

\begin{proof}
  Kommutieren die Kreisspiegelungen  $s_K$ und $s_L$, so gilt dasselbe f"ur
die Kreisspiegelungen $s_{\varphi(K)}=\varphi s_K\varphi^{-1}$ und $s_{\varphi(L)}=\varphi s_L\varphi^{-1}$.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
  Gegeben zwei disjunkte verallgemeinerte
  Kreise $K,L$ verstehen wir unter einer
  {\bf geschlossenen Kreiskette zwischen $K$ und $L$}\index{Kreiskette} eine
  Familie $$M_1,\ldots,M_n$$ von verallgemeinerten Kreisen,
  die alle $K$ und $L$ ber"uhren und so, da"s $M_i$ und $M_{i+1}$ sich
  f"ur $i=1,\ldots,n-1$ jeweils auch untereinander
  ber"uhren und da"s $M_n$ auch $M_1$ ber"uhrt,
  da"s aber $M_i$ und $M_j$ sonst disjunkt sind.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKKSt}\\[4mm]
 \noindent Illustration zum Kreiskettensatz. Da sich die durchgezogen eingezeichnete Kreiskette schlie"st, mu"s sich auch die nur teilweise und gestrichelt eingezeichnete Kreiskette schlie"sen und mu"s dann
 ebenfalls aus acht Kreisen bestehen.
\end{Bild}
\begin{Satz}[\textbf{Kreiskettensatz von Steiner}]
  Seien zwei disjunkte Kreise gegeben.\label{KvSk} 
  Geh"ort ein  Kreis, der sie beide ber"uhrt, zu einer geschlossenen Kreiskette
  zwischen unseren beiden disjunkten  Kreisen,
   so geh"ort jeder  Kreis, der sie beide ber"uhrt, zu einer geschlossenen Kreiskette zwischen unseren beiden disjunkten  Kreisen.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  In diesem Satz und seinem Beweis sind Kreise, wenn nicht explizit etwas
  anderes gesagt wird, stets
  im verallgemeinerten Sinne zu verstehen. Wenn man den Satz auf den Fall
  von zwei
  echten Kreisen $K,L$  spezialisiert, von denen einer im anderen liegt,
  in Formeln $L\subset K^b$, so mu"s man das noch nicht einmal dazusagen.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
  F"ur zwei disjunkte konzentrische echte Kreise ist das klar.
  F"ur zwei beliebige disjunkte Kreise gilt es
  offensichtlich genau dann, wenn es f"ur ihre Bilder
  unter irgendeiner M"obiustransformation gilt. Es reicht also zu zeigen, da"s
  wir f"ur je zwei disjunkte 
  Kreise eine M"obiustransformation finden, die sie in
  konzentrische echte Kreise "uberf"uhrt.
  Das schlie"slich leistet das folgende Lemma \ref{Konzz}.
\end{proof}

\begin{Lemma}
  Zu je zwei disjunkten verallgemeinerten Kreisen $K,L$  finden
  wir eine M"obiustransformation,\label{Konzz}
  die sie in konzentrische echte Kreise
  "uberf"uhrt.
\end{Lemma}
\begin{proof}
  Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir annehmen, da"s
  $L$ eine erweiterte Gerade ist. Dann ist notwendig $K$ ein echter Kreis.
  Nun finden wir sicher eine erweiterte Gerade
  $A$ mit $A\perp L$ durch das Zentrum von $K$, also mit  $A\perp K$.
  Au"serdem finden wir mit elementaren Konstruktionen einen
  echten Kreis $B$ mit Zentrum in $A\cap L$, der auf $K$
  senkrecht steht. F"ur jede Inversion $s$ 
  an einem Punkt von $A\cap B$ sind dann
  $s(A)$ und $s(B)$ aufeinander senkrechte erweiterte Geraden,
  die beide auf $s(K)$ und $s(L)$ senkrecht stehen. Damit aber sind
  $s(K)$ und $s(L)$ konzentrische echte Kreise.
\end{proof}


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Bemerkungl}
  Die folgenden vier "Ubungen \ref{vaKp}, \ref{Mtrzp},
\ref{Mtrzq} und \ref{Mtrzj} 
  werden wir bei unserer Konstruktion \ref{KvP} 
  einer nichteuklidischen Ebene ben"otigen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Ubung}
  Gegeben ein verallgemeinerter Kreis $L$ und zwei Punkte $p,q$ gibt es stets einen
verallgemeinerten Kreis $K$,\label{vaKp} der durch unsere beiden Punkte geht und auf $L$ senkrecht steht. %Hinweis: Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit ist der erste verallgemeinerte Kreis eine erweiterte Gerade.
Unter der Annahme $p\neq q, s_L(q)$  ist $K$ eindeutig bestimmt.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Gegeben zwei verallgemeinerte Kreise $K\perp L$ und zwei Punkte
  $p,q\in L\backslash K$
  gibt es stets eine\label{Mtrzp} 
  M"obiustransformation, die unsere beiden verallgemeinerten Kreise
  stabilisiert und den einen Punkt auf den anderen abbildet.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Gegeben zwei verallgemeinerte Kreise,
  die beide auf einem Dritten senkrecht stehen, 
  gibt es stets eine\label{Mtrzq} 
  M"obiustransformation, die den Dritten stabilisiert 
  und den Ersten auf den Zweiten abbildet.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Es gibt genau zwei\label{Mtrzj} 
  M"obiustransformationen von $\DR^2\sqcup\{\infty\}$, die sowohl die erweiterte  $x$-Achse
  als auch das St"uck $\{(0,y)\mid 0<y\leq 1\}$ der $y$-Achse
  stabilisieren.
\end{Ubung}


\subsection{M"obiusgeometrie und komplexe Zahlen} 


\begin{Bemerkungl}
Eine Abbildung $\varphi:V\ra W$ von
komplexen Vektorr"aumen hei"st
 {\bf schieflinear},\index{schieflinear} 
 wenn sie ein Homomorphismus der\label{sLLl}  
zugrundeliegenden additiven Gruppen ist und wenn zus"atzlich 
f"ur alle $\lambda\in \DC$ und $v\in V$ gilt
$$\varphi(\lambda v)=\bar\lambda \varphi(v)$$
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Projektivisierte schieflineare Automorphismen}] 
Bezeichne $\gamma:\DC^2\ra \DC^2$ die schieflineare Abbildung
$\gamma:(w,z)\mapsto (\bar w,\bar z)$.
Die Gruppe\index{GL@$\op{GL}(2;\DC)\langle\gamma\rangle$} $$\op{GL}(2;\DC)
  \langle\gamma\rangle\pdef \op{GL}(2;\DC)\amalg \op{GL}(2;\DC)\gamma\;\subset \op{Ens}^\times(\DC^2)$$ 
aller linearen oder schieflinearen Automorphismen 
des komplexen Vektorraums $\DC^2$ operiert offensichtlich auf der 
Menge $\DP^{1}\DC$ aller Ursprungsgeraden in $\DC^2$ und wir erhalten in Formeln einen Gruppenhomomorphismus
$$\op{GL}(2;\DC)
  \langle\gamma\rangle\ra \op{Ens}^\times(\mathbb P^1\DC)$$
Unter der Bijektion\label{MBir}  
$\hat \DC\sira \DP^1\DC$ mit 
$z\mapsto\langle 1,z\rangle$ und 
$\infty\mapsto \langle 0,1\rangle$
wird daraus ein
 Gruppenhomomorphismus
$$\op{GL}(2;\DC)
  \langle\gamma\rangle\ra \op{Ens}^\times(\hat\DC)$$
Man sieht leicht ein, da"s
unter unserer Operation
die Untergruppe $\op{GL}(2;\DR)\langle\gamma\rangle$ die erweiterte
Gerade $\hat\DR\subset \hat\DC$ stabilisiert.
Unser $\gamma$
wird zur
Spiegelung an der erweiterten Gerade $\hat\DR$
und eine Matrix 
$\binom{a\;b}{c\;d}\in \op{GL}(2;\DC)$ 
liefert die Abbildung  $\hat\DC\sira \hat\DC$ mit 
$z\mapsto (c+dz)/(a+bz)$ falls $z\neq \infty$ und $a+bz\neq 0$
sowie gewissen Sonderregeln an den verbleibenden Stellen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{M"obiustransformationen und Projektivit"aten}]
  Der in \ref{MBir} konstruierte Gruppenhomomorphismus
  $\op{GL}(2;\DC)
  \langle\gamma\rangle\ra \op{Ens}^\times(\hat\DC)$ induziert  einen
  surjektiven Gruppenhomomorphismus\label{Mpoi} 
  $$\op{GL}(2;\DC)\langle\gamma\rangle
  \sra\op{M\ddot{o}b}(\hat\DC)$$
  auf die Gruppe der M"obiustransformationen.
  Der Kern dieses Homomorphismus ist die Gruppe $\DC^\times{\op{I}}$ aller von Null verschiedenen
  skalaren Vielfachen der Einheitsmatrix.
\end{Satz}
\begin{proof}
  Wir zeigen zun"achst, da"s unser Gruppenhomomorphismus in der
  Gruppe der M"obiustransformationen landet. Es reicht zu zeigen,
  da"s er irgendwelche
  Erzeuger unserer Gruppe $\op{GL}(2;\DC)\langle  \gamma\rangle$
  auf M"obiustransformationen abbildet.
  Erzeuger sind etwa die Elementarmatrizen sowie $ \gamma$
  oder auch die Matrizen $\op{diag}(\lambda,\mu)$ und
  ${1\;1}\choose{0\;1}$ und ${0\;1}\choose{1\;0}$ sowie $ \gamma$.
  Von den letzteren Erzeugern geht  $\op{diag}(\lambda,\mu)$ auf eine Drehstreckung und ${1\;1}\choose{0\;1}$ auf die Translation
  $z\mapsto z+1$, beide erweitert um
  $\infty\mapsto \infty$, die nach \ref{pinhz}
  beide M"obiustransformationen sind. Weiter geht ${0\;1}\choose{1\;0}$
  auf die Abbildung $z\mapsto z^{-1}$ alias die Kreispiegelung am Einheitskreis
  gefolgt von  der Spiegelung an der erweiterten Gerade
  $\hat\DR\subset \hat\DC$, also auch auf eine M"obiustransformation. Und
  schlie"slich geht $\gamma$ auf die
  Spiegelung an der erweiterten Gerade
  $\hat\DR\subset\hat \DC$ und wir sehen so, da"s unser
  Gruppenhomomorphismus in der Tat in
  $\op{\op{M\ddot{o}b}}(\DC)$ landet.
  Um zu sehen, da"s er surjektiv ist, bemerken wir, da"s in seinem
  Bild die Inversion am Einheitskreis liegt sowie alle Streckungen und
  Translationen, mithin alle Inversionen an echten Kreisen. Weiter bemerken wir, da"s in seinem
  Bild die Spiegelung an einer erweiterten Geraden liegt
   sowie alle Drehungen um den Ursprung und alle
   Translationen, mithin alle Spiegelungen an erweiterten Geraden.
   Folglich ist unser Gruppenhomomorphismus surjektiv.
   Es bleibt, den Kern zu betimmen. Nun kann ein schieflinearer
   Automorphismus $\varphi$
   von $\DC^2$ nicht alle Geraden stabilisieren, denn
   aus $\varphi(1,0)=(\lambda,0)$ und $\varphi(0,1)=(0,\mu)$
   folgt $\varphi(1,1)=(\lambda,\mu)$, also $\lambda=\mu$ und dann
   $\varphi(\op{i},1)=\lambda(-\op{i},1)$ und das zeigt, da"s die Gerade
   mit Richtungsvektor $(\op{i},1)$ nicht stabilisiert wird, wenn die Geraden
   mit den Richtungsvektor $(1,0)$, $(0,1)$ und $(1,1)$ stabilisiert werden.
   Im Kern k"onnen also nur lineare Automorphismen liegen, und von denen wissen
   wir bereits aus \ref{pkl}, da"s genau die skalaren Matrizen als die
   Identit"at auf der projektiven Gerade operieren.
\end{proof}




\begin{Bemerkungl}
Sei $E$ eine euklidische Ebene.  Jede M"obiustransformation
  $\varphi: \hat E\ra \hat E$
  induziert eine stetig differenzierbare Abbildung
  $\varphi: E\backslash\{\varphi^{-1}(\infty)\}\ra  E$
  und die Funktionaldeterminante dieser Abbildung hat keine Nullstelle.
  Sie ist also entweder an jeder Stelle positiv oder an jeder Stelle negativ.
  Es ist klar, da"s wir  einen surjektiven Gruppenhomomorphismus
  $$\op{M\ddot{o}b}(\hat E)\sra\{+1,-1\}$$
  erhalten, indem wir jeder M"obiustransformation das Vorzeichen dieser
  Funktionaldeterminante zuordnen. Dessen Kern bezeichnen wir mit $\op{M\ddot{o}b}^+(\hat E)$ und nennen
  seine Elemente  {\bf orientierungserhaltende
    M"obiustranformationen}.\index{M"obiustranformation!orientierungserhaltende}
  Das Komplement des Kerns bezeichnen wir mit $\op{M\ddot{o}b}^-(\hat E)$ und nennen
  seine Elemente  {\bf orientierungsumkehrende
   M"obiustranformationen}.\index{M"obiustranformation!orientierungsumkehrende} 
  Nat"urlich haben wir dann eine Zerlegung
  $$\op{M\ddot{o}b}(\hat E)=\op{M\ddot{o}b}^+(\hat E)\sqcup \op{M\ddot{o}b}^-(\hat E)$$
  Alle Kreisspiegelungen sind orientierungsumkehrende M"obiustranformationen.
  Man pr"uft leicht, da"s unser Gruppenhomomorphismus aus Satz \ref{Mpoi} einen
  Isomorphismus
  $$\op{PGL}(2;\DC)\sira \op{M\ddot{o}b}^+(\hat \DC)$$
  der projektiven Gruppe mit der Gruppe der orientierungserhaltenden M"obiustranformationen
  induziert. Salopp gesprochen sind also die orientierungserhaltenden M"obiustransformationen das Analogon im
  kom\-plex-ein\-di\-men\-sio\-na\-len  Fall unserer Fototransformationen 
  \ref{URF} im reell-zwei\-di\-men\-sio\-na\-len Fall, wo wir einen
  Isomorphismus $\op{PGL}(3;\DR)\sira F$ angegeben hatten.
\end{Bemerkungl}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Stabilisator von $\mathbb P^1\DR\subset\mathbb P^1\DC$ in den M"obiustransformationen}]
  Bezeichne $\hat\DR\subset \hat\DC$ die
  durch $\DR\subset\DC$  bestimmte erweiterte Gerade in der erweiterten
  euklidischen Ebene zu $\DC$ 
  und $\op{M\ddot{o}b}_{\hat\DR}(\hat\DC)\subset \op{M\ddot{o}b}(\hat\DC)$
  die Gruppe aller M"obiustransformationen, die
  diese erweiterte Gerade stabilisieren. Man zeige, da"s
  unser Gruppenhomomorphismus $\op{GL}(2;\DC)\langle\gamma\rangle
  \sra\op{M\ddot{o}b}(\hat\DC)$ aus \ref{Mpoi} einen surjektiven Gruppenhomomorphismus
     $$\op{GL}(2;\DR)\langle\gamma\rangle
    \sra\op{M\ddot{o}b}_{\hat\DR}(\hat\DC)$$
      mit Kern $\DR^\times{\op{I}}$ induziert.
     Hinweis: Nach
     \ref{juew} besteht das Bild aus denjenigen
     M"obiustransformationen,
      die mit dem Bild von $\gamma$ kommutieren.\label{bdeh} 
\end{Ubung}
\begin{Bemerkungl}
  Im folgenden bezeichnet $\mathbb H$\index{H@$\mathbb H$ obere Halbebene}
  nicht den Schiefk"orper der
  Quaternionen, sondern die offene obere Halbebene in der komplexen
  Zahlenebene. Ich hoffe, der Leser kann aus dem Kontext erschlie"sen, was jeweils gemeint ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Ubung}[\textbf{Stabilisator einer Hemisph"are der Zahlenkugel}]
  Bezeichne $\mathbb H\pdef \{x+{\op{i}}y\in\DC\mid y>0\}\subset \DC$ die
  durch die reelle Achse begrenzte offene obere Halbebene
  und $\op{M\ddot{o}b}_{\mathbb H}(\hat\DC)$
  die Gruppe aller M"obiustransformationen, die
  diese offene Halbebene stabilisieren.
  Wir setzen $\tau\pdef \op{diag}(1,-1)$.
  Man zeige, da"s
  unser surjektiver Gruppenhomomorphismus $\op{GL}(2;\DR)\langle\gamma\rangle
    \sra\op{M\ddot{o}b}_{\hat\DR}(\hat\DC)$ aus \ref{bdeh} 
      einen surjektiven Gruppenhomomorphismus\label{SLPo} 
 $$\op{SL}(2;\DR)\langle \tau\gamma\rangle
    \sra\op{M\ddot{o}b}_{\mathbb H}(\hat\DC)$$
      mit Kern $\pm\op{I}$ induziert, wobei das Bild von $\op{SL}(2;\DR)$
      gerade $\op{M\ddot{o}b}_{\mathbb H}(\hat\DC)\cap \op{M\ddot{o}b}^+(\hat\DC)$ ist und
      $ \tau\gamma$
      der Spiegelung an der imagin"aren Achse $\DR {\op{i}}$ entspricht.
      Explizit wird diese Operation von
      $\op{SL}(2;\DR)\langle \tau\gamma\rangle$ auf $\mathbb H$ gegeben durch
      die Formeln 
  $$    {{a\;b}\choose{c\;d}}z=\frac{c+dz}{a+bz}\qquad\text{und}\qquad   (\tau\gamma)z=-\bar z.
  $$
 \end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Die Hemisph"are als homogener Raum}]
  Man zeige, da"s die in \ref{SLPo} konstruierte Operation
  von $\op{SL}(2;\DR)$ auf $\mathbb H$ transitiv ist und da"s $\op{SO}(2)$
  die Standgruppe von ${\op{i}}$ ist. Unsere Operation induziert
  mithin eine
  Bijektion\label{SLSO}
  $$\op{SL}(2;\DR)/\op{SO}(2)\sira \mathbb H$$
 A forteriori  induziert die in \ref{SLPo} konstruierte Operation
  von $\op{SL}(2;\DR)\langle\tau \gamma\rangle$ auf $\mathbb H$ eine
  Bijektion $\op{SL}(2;\DR)\langle\tau \gamma\rangle/\op{SO}(2)\langle\tau \gamma\rangle\sira \mathbb H$ und die Fixpunktmenge von
  $\tau \gamma$ ist die offene halbe imagin"are Achse
  $\mathbb H^{\tau \gamma}= {\op{i}}\DR_{>0}$. Im "ubrigen induziert
  die Operation von $\op{SL}(2;\DR)$ auf ${\op{i}}\in \mathbb H$
  eine Bijektion der Untergruppe
  $\{\op{diag}(\lambda,\lambda^{-1})\mid \lambda \in \DR_{>0}\}$ mit
  unserer Fixpunktmenge $\mathbb H^{\tau \gamma}$.
\end{Ubung}
\subsection{Die hyperbolische Ebene}
\begin{Bemerkungl}
  "Uber zweitausend Jahre lang wurde die Geometrie nach einem
  axiomatischen Aufbau gelehrt, den Euklid in seinen
  \glqq Elementen\grqq\ niedergelegt hat.
  Dieses Buch war auch ein Modell f"ur
  den axiomatischen Aufbau einer Theorie "uberhaupt  und
  spielte  damit eine zentrale Rolle beim Aufbau der modernen Mathematik.
    Als Grundlage f"ur die heutige Mathematik
   reichen jedoch Euklid's Definitionen wie etwa \glqq Ein Punkt ist, was keine Teile hat\grqq\ oder
  \glqq Eine Linie ist eine breitenlose L"ange\grqq\  nicht mehr aus. Stattdessen bauen wir die heutige Mathematik seit Cantor 
  auf den Begriffen der Mengenlehre auf. Nat"urlich sind die
  Grundbegriffe der naiven Mengenlehre "ahnlich vage, aber hier
  existiert mittlerweile in der Logik ein solider Unterbau, auf den man sich
  im Notfall st"utzen kann.
  Eine Formalisierung  der Ebene des  Euklid im Rahmen der Mengenlehre
  sind unsere fasteuklidischen Ebenen 
  mit Parallelenaxiom aus \ref{CeEx}. Wir haben dort auch gezeigt,
  da"s und wie die Strukturen auf einer Menge $X$ als fasteuklidische Ebene
  mit Parallelenaxiom eineindeutig den  Strukturen
  auf derselben Menge $X$ als euklidische Ebene im Sinne
  der linearen Algebra \eref{Eukl}{LA2} entsprechen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
 "Uber Jahrhunderte ist versucht worden,
  das Parallelenaxiom aus den anderen Axiomen von Euklid herzuleiten, bis man
  im 19.-ten Jahrhundert Geometrien fand, die alle Axiome von
  Euklid mit Ausnahme des Parallelenaxioms erf"ullen.
  Sie hei"sen die
  {\bf nichteuklidischen Geometrien}.\index{nichteuklidisch!Geometrie} 
  Wir geben nun eine unserer Axiomatik   angepa"ste 
 Pr"azisierung f"ur die Behauptung der Existenz nichteuklidischer
  Geometrien.
\end{Bemerkungl}


 
\begin{Satz}[\textbf{Nichteuklidische Geometrien}]
  Es gibt \hyperref[supP]{fasteuklidische Geometrien}, in denen das
  Parallelenaxiom nicht gilt.\label{EnG} 
\end{Satz} 

 \begin{Bemerkungl} Der Beweis besteht in der Konstruktion eines
  Beispiels, ja einer ganzen Klasse von paarweise isomorphen Beispielen,
  die unter dem Oberbegriff 
  der {\bf hyperbolischen Ebene}\index{hyperbolische Ebene} zusammengefa"st
  werden. F"ur den Beweis unseres Satzes reicht nat"urlich
  eines dieser Beispiele  bereits aus. Die anderen Beispiele
  aber helfen, diese Struktur
  besser zu verstehen. \nichtfinal{Man kann sogar zeigen, da"s es bis auf
    Isomorphismus "uberhaupt nur ein einziges Beispiel gibt, aber das
    w"urde den Rahmen dieser Vorlesung sprengen.}
 \end{Bemerkungl}

\begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPKrSch}\\[4mm]
 \noindent Kreisscheibe von Poincar\'e mit einer Gerade $g$ und einem
 Punkt $p$ au"serhalb dieser Gerade und zwei verschiedenen Parallelen
 zu $g$ durch den Punkt $p$
\end{Bild}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Kreisscheibenmodell der hyperbolischen Ebene}]
  Als Punktmenge $X$ nehmen wir alle Punkte der offenen Einheitskreisscheibe
  $$X\pdef \{x+{\op{i}}y\in\DC\mid x^2+y^2<1\}$$
  Als Geraden nehmen wir alle Schnitte mit der offenen Einheitskreisscheibe
  von\label{KvP} 
 solchen verallgemeinerten Kreisen alias gew"ohnlichen Kreisen oder Geraden, die auf dem Einheitskreis senkrecht
  stehen. Nach \ref{vaKp} ist das eine Inzidenzgeometrie.
  Als Zwischenrelation  nehmen wir die offensichtliche und verzichten auf das formale Pr"ufen der Eigenschaften, das keine wesentlichen
  Schwierigkeiten  aufwirft und dem Leser leicht selbst gelingen wird. 
  Als Gruppe $K$ von Kongruenzen
  schlie"slich nehmen wir die Gruppe  aller M"obiustransformationen, die 
  die offene Einheitskreisscheibe in sich selber "uberf"uhren.
  Mit den "Ubungen \ref{Mtrzp} und \ref{Mtrzq}  und \ref{Mtrzj} sieht man leicht, da"s
  es f"ur je zwei Halbgeraden $A,B$ in $X$
  genau zwei Transformationen $h,k\in K$ gibt
  mit $h(A)=k(A)=B$. 
  Da"s es in dieser Inzidenzgeometrie durch einen Punkt au"serhalb einer
  Geraden mehr als eine Parallele zu besagter Geraden gibt, ist
  offensichtlich. Dieses Modell der hyperbolischen Ebene hei"st die {\bf Kreisscheibe von Poincar\'e}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Halbebenenmodell der hyperbolischen Ebene}]
  Die offene Einheitskreisscheibe k"onnen wir mithilfe einer
  M"obiustransformation bijektiv mit der oberen Halbebene
  $\mathbb H\pdef \{x+{\op{i}}y\in\DC\mid y>0\}$ identifizieren. Unter einer und jeder
  solchen Identifikation entsprechen die M"obiustransformationen
  den M"obiustransformationen. Weiter entsprechen
  die verallgemeinerten Kreise, die
  senkrecht auf dem Einheitskreis stehen, den verallgemeinerten Kreisen,
  die senkrecht auf der erweiterten reellen Achse stehen.
  Wir erhalten so ein weiteres Modell derselben Struktur, die
  {\bf obere Halbebene von Poincar\'e}\index{Poincar\'e!obere Halbebene} 
  $$X=\mathbb H$$
  Im Bild der Kreisscheibe sind die durch Rotation gegebenen
  Automorphismen besonders gut zu sehen, im Bild der
  oberen Halbebene  die durch Translation in Richtung der reellen Achse
  gegebenen Automorphismen.  F"ur die Kongruenzgruppe
  $K$  liefert \ref{SLPo} in diesem Modell einen
  Gruppenisomorphismus
  $\op{PSL}(2;\DR)\sira K^+$
  mit den Notationen $\op{PSL}(2;\DR)\pdef \op{SL}(2;\DR)/{\pm{\op{I}}}$
  und $K^+\pdef K\cap \op{M\ddot{o}b}^+(\hat\DC)$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Gruppentheoretisches Modell der hyperbolischen Ebene}]
  Das Modell der oberen Halbebene 
  f"uhrt mit unseren Bijektionen aus 
  \ref{SLSO} zum {\bf gruppentheoretischen Modell} als die Nebenklassenmenge
  $$X\pdef \op{SL}(2;\DR)/\op{SO}(2)$$
  oder "aquivalent 
  $X\pdef \op{SL}(2;\DR)\langle\tau \gamma\rangle/\op{SO}(2)\langle\tau \gamma\rangle$. 
  In diesem Modell ist unsere Kongruenzgruppe
  $K$ das Bild des durch Linksmultiplikation
  gegebenen Gruppenhomomorphismus 
  $\op{SL}(2;\DR)\langle\tau \gamma\rangle\ra \op{Ens}^\times(X)$.
  Eine erste Gerade ist die Fixpunktmenge $X^{\tau\gamma}$, die anderen
  Geraden sind die Bilder dieser Gerade unter $K$. In diesem Modell
  sind alle Automorphismen gut zu sehen, aber die Struktur als Inzidenzgeometrie mit Zwischenrelation
  ist weniger offensichtlich und ich kann sie von unserem Kenntnisstand
  aus nur "uber die Isomorphie mit den anderen Modellen begr"unden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Hyperboloidmodell der hyperbolischen Ebene}]
Die Gruppe $\op{SL}(2;\DR)$  operiert durch Konjugation auf dem
   reellen Vektorraum
  $\mathfrak{sl}(2;\DR)$ aller reellen $(2\times 2)$-Matrizen mit
  Spur Null. Man pr"uft  unschwer, da"s die Standgruppe
  von ${\;\;0\;\;\;1}\choose{-1\;\;0}$ gerade $\op{SO}(2)$ ist und die Bahn
  dieses Elements unter $\op{SL}(2;\DR)$ 
  die Menge aller spurlosen Matrizen $A$ der Gestalt $ {a\;\;\;\;b}\choose{c\;-a}$ mit
  $\op{tr}(A^2)=2(a^2+bc)=-2$ und $b>0$. Diese Bahn ist also
  ein Hyperboloid und ebenfalls in Bijektion zu $\op{SL}(2;\DR)/\op{SO}(2)$.
  Daher mag auch die  Bezeichnung  als
  {\bf hyperbolische Ebene}\index{hyperbolische Ebene} r"uhren.
  In Hyperboloidmodell kann man die Inzidenzstruktur gut
  sehen, die Geraden sind in diesem Fall genau
  alle nichtleeren Schnitte von
  zweidimensionalen Untervektorr"aumen von $\mathfrak{sl}(2;\DR)$ mit
  unserem Hyperboloid. Das Hyperboloidmodell ist jedoch
  schwer zu zeichnen, da es sich um eine Fl"ache im dreidimensionalen
  Raum handelt. F"uhren wir neue Koordinaten ein durch
  $a=x$, $b=y+z$ und $c=y-z$, so wird unser Hyperboloid gegeben durch
  die Gleichung $x^2+y^2-z^2=-1$ und die Zusatzbedingung $z>0$, wir haben also in Formeln
  $$X=\{(x,y,z)\in\DR^3\mid x^2+y^2-z^2=-1,z>0\}$$
  Diese Definition verallgemeinern wir in \eref{hypR}{DIFF} zur Definition
  des \glqq $n$-dimensionalen hyperbolischen Raums\grqq, einer speziellen
  \glqq riemannschen Mannigfaltigkeit\grqq. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Klein'sches Modell der hyperbolischen Ebene}]
  Es ist
  klar, da"s die Zentralprojektion mit Augpunkt im Ursprung
  auf die affine Ebene $\{(x,y,1)\}$ unser Hyperboloid
  bijektiv mit der
  offenen Kreisscheibe $\{(x,y,1)\mid x^2+y^2<1\}$
  identifiziert. Unter dieser Bijektion entsprechen  die
  Geraden unserer Inzidenzstruktur  den mehrpunktigen Schnitten
  von Geraden mit der besagten Kreisscheibe alias den \glqq Sehnen\grqq. Insbesondere ist dies Modell
  verschieden von der Kreisscheibe von Poincar\'e.
  Es hei"st das {\bf Klein'sche Modell}\index{Klein'sches Modell} der hyperbolischen Ebene. In diesem Modell ist die Inzidenzstruktur
  mit Zwischenrelation besonders
  gut zu sehen, aber die meisten Kongruenzen sind eher schwer
  zu sehen.
\end{Bemerkungl}

\nichtfinal{Sind die Automorphismen der hyperbolischen Ebene \glqq als Inzidenzgeometrie\grqq\ auch nur genau die M"obiustransformationen?} 



\subsection{M"obiusgeometrie in beliebigen Dimensionen} 


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Spiegelungen an verallgemeinerten Sph"aren}]
  Sei $E$ ein endlichdimensionaler euklidischer Raum mit
  L"angengerade $\mathbb L$. 
  Wir setzen $\hat E\pdef E\amalg \{\infty \}$.
Eine Teilmenge  $$K\subset \hat E$$  
hei"se eine 
\defind{verallgemeinerte Sph"are},\index{Sph"are!verallgemeinerte} 
wenn\index{M"obiusgeometrie}\label{MoGe} 
 sie entweder eine
Sph"are in $E$ ist, also
$K={\op{K}}(c;r)\pdef\{x\in E\mid \|x-c\|=r\}$ f"ur  $c\in E$ und 
$r\in\mathbb L_{>0}$,
oder aber eine affine Hyperebene 
disjunkt vereinigt mit der einpunktigen Menge $\{\infty\}$.
Im ersten Fall sprechen wir von einer
{\bf echten Sph"are},\index{Sph"are!echte}  im
Zweiten  von einer
{\bf erweiterten Hyperebene}.\index{Hyperebene!erweiterte} 
Die Bezeichnung $K$ r"uhrt von der alternativen Bezeichnung einer
Sph"are als \glqq Kugelschale\grqq\ her.
Jeder verallgemeinerten Sph"are $K$
ordnen wir eine Abbildung
$$s_K:\hat E \ra \hat E$$ 
zu, die wir die 
\defnoind{Spiegelung 
an unserer verallgemeinerten Sph"are}\index{Spiegelung!an Sph"are}
nennen, und zwar
die "ubliche 
Spiegelung $E \ra E$ 
mit der Zusatzregel $\infty \mapsto
\infty$
im Fall, da"s unsere
verallgemeinerte Sph"are 
eine Hyperebene ist,  
und 
die \defind{Inversion} 
\begin{displaymath}
y \mapsto c + \frac{r^2}{\|y-c\|^2} (y-c)
\end{displaymath}
mit der Zusatzregel $c \mapsto \infty$ und $\infty \mapsto c$
im Fall einer echten Sph"are $K={\op{K}} (c;r)$.
Die von Spiegelungen an verallgemeinerten Sph"aren
erzeugte Untergruppe von $\op{Ens}^\times(\hat E)$ 
hei"st die \defind{M"obiusgruppe} $\op{M\ddot{o}b}(\hat E)$ und ihre Elemente hei"sen
{\bf M"obiustransformationen}.\index{M"obiustransformation}
Die
von allen Verkn"upfungen von zwei solchen Spiegelungen
erzeugte Untergruppe hei"st die Gruppe
der {\bf orientierungserhaltenden M"obius\-trans\-for\-ma\-tio\-nen}.
Sie besteht
genau aus denjenigen M"obiustransformationen,
deren Differential \eref{DeDii}{AN2} an jeder 
Stelle von $E$, die nicht gerade nach $\infty$ 
abgebildet wird, 
die Orientierung erh"alt.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{M"obiustransformationen  
erhalten verallgemeinerte Sph"aren}] 
  M"o\-bius\-transformationen
  "uberf"uhren verallgemeinerte Sph"aren
  stets in verallgemeinerte Sph"aren.
  Man erkennt das, indem man die Argumentation aus \ref{VAKr}
wiederholt.
Andererseits zeigt man wie in \ref{TrVK} auch in
beliebiger Dimension leicht, da"s sich je zwei 
verallgemeinerte Sph"aren durch eine 
M"obiustransformation ineinander 
"uberf"uhren lassen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Identifikation der 
     erweiterten Ebene  mit einer Sph"are}]
  Gegeben ein euklidischer Raum mit einer Hyperebene
  $ E\supset H $ induziert die Inversion an jeder echten Sph"are $K\subset E$,
  deren Mittelpunkt nicht auf $H$ liegt, eine
  Bijektion\label{iSpp}
  $$\hat H\sira L$$
  von der erweiterten Hyperebene $\hat H=H\sqcup\{\infty\}$
  mit einer echten Sph"are $L\subset E$.
  Man pr"uft unschwer, da"s es genau eine Topologie auf $\hat H$ gibt,
  f"ur die alle diese Bijektionen Hom"oomorphismen sind.
So versehen wir  unsere erweiterten R"aume
 und insbesondere auch
 $\DP^1\DC=\DC\amalg\{\infty\}$ 
mit einer 
Topologie.
Will man an diese Vorstellung appellieren, so nennt man 
 $\DP^1\DC$ die {\bf Riemann'sche Zahlenkugel}.
\index{Zahlenkugel}\index{Riemann'sche Zahlenkugel} 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Kreise auf der Riemann'sche Zahlenkugel}]
Unter jeder der Identifikationen $S^2\sira \DR^2\amalg\{\infty\}$ aus 
\ref{iSpp} entsprechen die anschaulichen Kreise auf der 
Einheitssph"are genau unseren verallgemeinerten Kreisen
in $\DR^2\amalg\{\infty\}$. In der Tat haben wir 
unsere Identifikation ja als die Restriktion einer 
M"obiustransformation auf
$ \DR^3\amalg\{\infty\}$ konstruiert, und diese mu"s 
mehrpunktige  Schnitte 
von zwei verallgemeinerten Sph"aren auf 
ebensolche abbilden.
\end{Bemerkungl}


  











\begin{figure}\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildMoe}\\[4mm]
\noindent 
Der
gestrichelte Kreis wird durch die \glqq stereographische Projektion\grqq\ 
mit der  gestrichelten Geraden identifiziert. Demn"achst werden Sie 
diese Abbildung 
auch als \glqq Inversion\grqq\ am durchgezogenen Kreis  verstehen lernen.
Diese Inversion  h"alt jeden Punkt auf dem durchgezogenen Kreis fest und
wirft sein Zentrum nach $\infty$. Folglich vertauscht
die Inversion  am durchgezogenen Kreis den gestrichelten Kreis mit
der gestrichelten Geraden. Die gezackte
Gerade oder vielmehr der zugeh"orige
verallgemeinerte Kreis wird von besagter Inversion auf sich selbst geworfen, 
folglich wirkt unsere Inversion auf den Punkten des 
gestrichelten Kreises wie die stereographische Projektion.
\end{figure}
\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}[\textbf{Reelle Formen und verallgemeinerte Kreise}] 
Man zeige: Unter  der
 Komposition $\op{Pot}(\DC^{2})\ra \op{Pot}(\DC^{2}\backslash 0)
\ra \op{Pot}(\DC\amalg\{\infty\})\sira \op{Pot}(\DR^2\amalg\{\infty\})$  der offensichtlichen 
 Abbildungen wird das System $\op{ReFo}\subset \op{Pot}(\DC^{2})$ der reellen Formen nach \eref{rFFo}{LA2} von $\DC^{2}$
 auf das System $\op{VerKr}\subset \op{Pot}(\DR^2\amalg\{\infty\})$ der verallgemeinerten Kreise abgebildet.
 Hinweis: Das System der verallgemeinerten Kreise
 ist die Bahn der erweiterten $x$-Achse  in $\op{Pot}(\DR^2\amalg\{\infty\})$
unter  der Gruppe der M"obiustransformationen.
Unter der so gegebenen Surjektion
$\op{ReFo}\sra \op{VerKr}$ oder ausgeschrieben
$$\big\{\text{Reelle Formen von }\DC^2\big\}\sra \big\{\text{Verallgemeinerte Kreise in }\DR^2\amalg\{\infty\}\big\}$$
werden 
zwei reelle Formen genau dann 
auf denselben verallgemeinerten Kreis abgebildet, wenn sie durch die Multiplikation mit 
einer von Null verschiedenen 
komplexen Zahl auseinander hervorgehen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{IvKK} 
Man zeige, da"s Inversionen  Winkel erhalten in dem Sinne,
da"s ihr Differential an jedem vom Zentrum der Inversion
verschiedenen Punkt Winkel erh"alt.
Hinweis: Es reicht zu zeigen, da"s \emph{eine} 
Orthonormalbasis unter dem Differential an jedem
festen Punkt eine mit einem festen Faktor skalierte 
Orthonormalbasis wird. Man betrachte hierzu
Orthonormalbasen, bei denen ein Vektor die Richtung 
vom Zentrum der Inversion zu unserem festen
Punkt angibt. Alternativ l"ost das auch \eref{InKo}{AN2} in sogar noch
gr"o"serer Allgemeinheit.
\end{Ubung}
% \begin{figure}[p]\centering
% \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildMoe}\\[4mm]
% \noindent 
% Die Inversion an dem als durchgezogene Linie 
% eingezeichneten Kreis h"alt jeden Punkt auf dem Kreis fest und
% wirft sein Zentrum nach $\infty$. Folglich vertauscht
% diese Inversion den gestrichelten Kreis mit
% der gestrichelten Geraden. Die gezackte
% Gerade oder vielmehr der zugeh"orige
% verallgemeinerte Kreis wird von der Inversion auf sich selbst geworfen, 
% folglich wirkt unsere Inversion auf den Punkten des 
% gestrichelten Kreises wie die stereographische Projektion.
% \end{figure}


\begin{Ubunge}\label{MTFP}
  Sei $E$ ein endlichdimensionaler euklidischer Raum.
  Die M"obiustransformationen
$\hat E\ra\hat E$
mit Fixpunkt $\infty$ sind genau die Fortsetzungen
der "Ahnlichkeiten von $E$ durch die Vorschrift 
$\infty\mapsto \infty$. Hinweis: Mithilfe von \eref{IAGe}{LA1} folgere man dann, da"s unsere Abbildung auf
 $E$ affin sein mu"s. Mit \eref{AEH}{LA2} folgere man dann, da"s
diese affine Abbildung eine "Ahnlichkeit sein mu"s.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{KMTz}
  Sei $E$ ein endlichdimensionaler euklidischer Raum einer Dimension
  $\dim E\geq 2$.  Man zeige, da"s  jede bijektive Abbildung 
$\hat E\sira \hat E$ mit der Eigenschaft,
da"s das Bild jeder verallgemeinerten Sph"are eine verallgemeinerte Sph"are
ist, bereits eine M"obiustransformation sein mu"s.
Hinweis: Man ziehe sich auf den Fall zur"uck, 
da"s $\infty$ ein Fixpunkt unserer Abbildung ist, so da"s man
\ref{MTFP} anwenden kann.
\end{Ubunge}



\begin{Ubunge}\label{MTEE}
  Wir betrachten f"ur $n\geq 1$ 
das Anf"ugen einer Null
$\DR^{n}\amalg\{\infty\}\hra \DR^{n+1}\amalg\{\infty\}$.
Man zeige, da"s eine Selbstabbildung von
$\DR^{n}\amalg\{\infty\}$ eine M"obiustransformation ist genau dann,
wenn sie sich zu einer M"obiustransformation auf $\DR^{n+1}\amalg\{\infty\}$
fortsetzen l"a"st. Hinweis: Will man direkte Rechnung vermeiden,
mag man mit \ref{KMTz} argumentieren.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{KIUL} 
  H"alt eine M"obiustransformation auf 
$\DR^{n}\amalg\{\infty\}$ f"ur $n\geq 1$ eine verallgemeinerte Sph"are
punktweise fest, so ist sie entweder die Identit"at oder aber die Inversion
an besagter verallgemeinerter Sph"are. Hinweis: \ref{MTFP}
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{stPr} 
Man betrachte die \defind{stereographische Projektion} 
der Einheitssph"are auf die $xy$-Ebene
vermehrt um einen Punkt $\infty$, die jedem Punkt au"ser 
dem Nordpol $n=(0,0,1)$ den
Schnittpunkt mit der $xy$-Ebene der Geraden durch diesem 
Punkt und den Nordpol zuordnet, und
die den Nordpol auf $\infty$ wirft.
Sie kann verstanden werden als Restriktion der Inversion 
an derjenigen Sph"are mit Zentrum
im Nordpol, die die $xy$-Ebene im Einheitskreis schneidet.
Mit der
vorhergehenden "Ubung \ref{IvKK}
erkennt man so, da"s unter der stereographischen Projektion 
Kreise auf der Einheitssph"are
als Schnitte der Einheitssph"are mit anderen 
Sph"aren "ubergehen in verallgemeinerte Kreise
in der $xy$-Ebene, und da"s die stereographische 
Projektion Winkel erh"alt.
\end{Ubunge}



\begin{Ubunge}[\textbf{M"obiustransformationen als Liegruppe}]
  Gegeben $p,q \in \mathbb N$ erkl"aren wir
 $\op{O} (p,q) \subset \op{GL} (p + q;
  \mathbb R)$\index{O@$\op{O}(p,q)$} 
 als die Gruppe aller derjenigen  Matrizen, die die
  quadratische Form $f = x^2_1 + \ldots + x^2_p - x^2_{p+1} - \ldots
  -x^2_{p+q}$ auf $\mathbb R^{p+q}$ invariant lassen.
  Den Spezialfall $\op{O} (1,1)$ haben wir bereits in \eref{Opq}{LA2}
  recht explizit beschrieben. Die Gruppe $\op{O}(p,q)$ 
  stabilisiert den {\bf Nullkegel}\index{Nullkegel}  
 $N$ aller Vektoren, auf denen unsere quadratische
  Form verschwindet, und induziert eine Operation auf
dem {\bf semiprojektivisierten Nullkegel}\index{Nullkegel!semiprojektivisierter}  $(N
\backslash 0) / \mathbb R_{>0}$ ebenso wie auf dem
 {\bf projektivisierten Nullkegel}\index{Nullkegel!projektivisierter}  $(N
 \backslash 0) / \mathbb R^\times$.
 Da die Einbettung $S^{p-1} \times S^{q-1} \hookrightarrow \mathbb
  R^p \times \mathbb R^q$ offensichtlich eine Bijektion $S^{p-1} \times S^{q-1}
  \sira (N \backslash 0) / \mathbb R_{> 0}$
  induziert, erbt die linke Seite eine Operation von $\op{O} (p,q)$.\label{TrKa}
  Unsere Bijektion ist sogar ein Hom"oomorphismus, denn der Ausgangsraum
  ist kompakt und der Zielraum Hausdorff.
  Speziell erhalten wir eine Operation der Gruppe $\op{O} (n,1)$
auf $S^{n-1}\times S^0$ und vermittels der Bijektion
$S^{n-1}\sira (N
\backslash 0) / \mathbb R^\times$ durch das Anf"ugen einer Koordinate Eins
auch  eine Operation der Gruppe $\op{O} (n,1)$
auf $S^{n-1}$. H"alt ein Element  $g\in \op{O} (p,q)$ den projektivisierten
Nullkegel punktweise fest, so mu"s jeder
von Null verschiedene Vektor des Nullkegels ein Eigenvektor von $g$ sein. 
Kommen dabei verschiedene Eigenwerte vor,
so mu"s der projektivisierte Nullkegel entlang der
zugeh"origen Eigenr"aume zerfallen in paarweise disjunkte abgeschlossene
Teilr"aume und kann weder leer noch zusammenh"angend sein.
Wir erkennen, da"s das
nur f"ur $p=q=1$ m"oglich ist.  
Im Fall $p,q\geq 1$ ist nun $(N \backslash 0)$ eine nichtleere
Untermannigfaltigkeit der
Kodimension Eins in $\DR^{p+q}$. Im Fall $p=q=1$ besteht der Nullkegel
aus zwei Geraden,
in den anderen F"allen stimmen  nicht alle eingebetteten
Tangentialr"aume "uberein, und wir sehen so, da"s f"ur $p,q\geq 1$
der Nullkegel 
ganz  $\DR^{p+q}$ erzeugt.
F"ur $p,q\geq 1$ und $p\geq 2$ oder $q\geq 2$
h"alt also $g\in \op{O} (p,q)$ den projektivisierten Nullkegel
punktweise fest genau dann, wenn es ein skalares
Vielfaches der Identit"at ist, also $g=\pm{\op{I}}$. 
Unter der Annahme  $n\geq 2$ operiert also die Untergruppe
$\op{O} (n,1)^+$ die Untergruppe der
Matrizen, die beide Komponenten von $S^{n-1}\times S^0$ stabilisieren,
treu  auf 
$S^{n-1}$. 
Man erinnere die stereographische
Projektion  $\op{ster}:S^n \sira \mathbb R^n \sqcup
\{\infty\}$ und  zeige, da"s wir einen Isomorphismus 
$$\varphi:\op{O} (n +1,
  1)^+\sira \op{M\ddot{o}b}(\mathbb R^n \sqcup
  \{\infty\})$$
angeben k"onnen durch die Vorschrift $\op{ster}(g x)=\varphi(g)\op{ster}( x)$.
Vergleiche auch \eref{Komps}{TM}. Unsere Gruppe $\op{O} (n +1,1)^+$ operiert
im "ubrigen auch auf dem Komplement des Nullkegels und stabilisiert
darin die Teilmenge
$I\pdef\{x\mid f(x)<0, x_{n+2}>0\}$ und den
zugeh"origen Quotienten $I/\DR_{>0}$,
der mit dem \glqq $(n+1)$-dimensionalen
hyperbolischen Raum\grqq\ aus \eref{hypR}{DIFF}
identifiziert werden kann. Genauer liefert die Einbettung eine Bijektion
$\{x \mid f(x)=-1,  x_{n+2}>0\}$
\end{Ubunge}
\nichtfinal{Zusammenf"ugen mit der
  konformen Vervollst"andigung \ref{KonFo} in der Differentialgeometrie.} 

\begin{Ubunge}
Gegeben $c,s\in\DR$ mit $c^2-s^2=1$ geh"ort die Matrix
${c\;s\choose s\;c}$ zu $\op{O} (1,1)$ und folglich geh"ort die Matrix
$$\begin{pmatrix} 1&0&0\\ 0&c&s\\  0&s& c \end{pmatrix}$$
zu $\op{O} (2,1)$. Man pr"ufe durch explizite Rechnung, 
da"s die Operation unserer
Matrix auf dem projektivisierten Lichtkegel unter seiner
Identifikation mit $S^1$ durch $(x,y)\mapsto \langle x,y,1\rangle$ 
und der Identifikation $S^1\sira \DR\sqcup\{\infty\}$
mit der stereographischen Projektion 
 gegeben durch 
$(x,y)\mapsto x/(1-y)$ mit ihrer Inversen
$t\mapsto (2t/(1+t^2),(1-t^2)/(1+t^2))$ 
der Streckung um den Faktor $a=c-s$ entspricht.
\end{Ubunge}


% Durch stereographische Projektion erhalten wir 
% konforme Einbettungen $b:\DR\hra S^1$, $c:\DR^3\hra S^3$ und dazu Funktionen
% $\varphi:\DR^3\ra \DR$ mit $c:\varphi g\leadsto s$ f"ur
% $g$ die
% Standardmetrik auf $\DR^3$ und $s$ die Standardmetrik auf
% der Sph"are $S^3$ sowie
% $\psi:\DR\ra \DR$ mit $b:\psi g\leadsto s$ f"ur
% $g$ die
% Standardmetrik auf $\DR$ und $s$ die Standardmetrik auf
% der Sph"are $S^1$.
% Mithin haben wir
% $$(c\times b): (\varphi\boxtimes \psi)(g\boxtimes(-g))\leadsto % % s\boxtimes(-s)$$
% F"ur eine Abbildung $\kappa:\DR^{3,1}\sira \DR^{3,1}$
% der Gestalt $\kappa: (x,t)\mapsto (x,k(x,t))$
% mit $x=(x_1,x_2,x_3)$ haben wir andererseits
% $\kappa:\diff x_i\leadsto \diff x_i$ und $\kappa:\diff x_i\leadsto \diff t$



%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXEL"
%%% End: 
