\section{Schrotthalde zu Ma"s und Integral}
\subsection{Me"sbarkeit und $\mu$-Me"sbarkeit}
\begin{Lemma}\label{MI}
Sei $(X,\cal{M},\mu)$ ein Ma"sraum.
F"ur jede $\mu$-me"sbare Funktion 
$f:X\ra\overline{\Bbb{R}}$ gibt es eine me"sbare Funktion
$\tilde{f}:X\ra\overline{\Bbb{R}},$ die au"serhalb einer
$\mu$-Nullmenge mit $f$ "ubereinstimmt.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Nach \ref{MM}  
k"onnen wir $f$ schreiben als punktweisen Grenzwert einer Folge von
$\mu$-me"sbaren Stufenfunktionen $f(x) = \lim s_{n}(x).$
Dann verkleinern wir die Grundfl"achen aller 
Stufen von von Null verschiedener H"ohe zu me"sbaren Mengen so, da"s
sich das Ma"s der Stufen nicht "andert, und erhalten eine Folge
von me"sbaren Stufenfunktionen $\tilde{s}_{n},$ die
au"serhalb einer me"sbaren Nullmenge $A$ punktweise gegen $f$ konvergiert.
Dann erf"ullt der punktweise
Grenzwert
$\tilde{f}(x) = \lim_{n\ra \infty} [A](x) \tilde{s}_{n}(x)$
unsere Forderungen.
\end{proof}
\subsection{Erg"anzungen f"ur nicht $\sigma$-endliche Ma"se}


\begin{Bemerkung}
Nach \ref{HiBa} und \ref{EHiBa} ist
ein beliebiger Hilbertraum isomorph ist zu einem
  $L^2$-Raum "uber einer Menge mit Z"ahlma"s, die jedoch nicht
abz"ahlbar zu sein braucht. 
Es scheint mir deshalb sinnvoll, den im vorhergehenden 
entwickelten Formalismus soweit m"oglich auf
nicht notwendig $\sigma$-endliche Ma"sr"aume auszudehnen.
In der Literatur geht etwa Halmos  \cite{Halmos} 
in diesem Zusammenhang so vor, da"s er 
den Begriff eines Ma"sraums ab"andert und schw"acher fordert, da"s 
die me"sbaren Mengen eines Ma"sraums nur einen \glqq $\sigma$-Ring\grqq\ 
zu bilden brauchen. 
Mir scheint es jedoch insbesondere f"ur die Diskussion me"sbarer
Abbildungen
praktischer, konsequent mit $\sigma$-Algebren
zu arbeiten und bei der weiteren Entwicklung der Theorie
schlicht den Mengen, die nicht zum \glqq $\sigma$-Ring der 
in nat"urlicher Weise me"sbaren Mengen\grqq\  geh"oren, das Ma"s
Unendlich zuzuweisen. Wir verfahren nach diesem Prinzip etwa bei
der Diskussion des
Satzes von Hahn oder der Diskussion von Produktma"sen. 
\end{Bemerkung}

\begin{Satz}[\textbf{von Hahn "uber Ma"serweiterungen}]\label{MHan}
Gegeben eine Menge $X,$ ein Mengenring $\cal{A} \subset \cal{P} (X)$ 
 und  ein Pr"ama"s $\mu : \cal{A} \ra [0,\infty]$ existiert
genau eine Erweiterung von $\mu$ zu einem Ma"s auf der
von $\cal{A}$ erzeugten $\sigma$-Algebra $\cal{M} (\cal{A}),$  die
allen den Mengen von $\cal{M} (\cal{A})$ das Ma"s
Unendlich zuordnet, die nicht in einer
abz"ahlbaren Vereinigung von Mengen endlichen Ma"ses aus $\cal{A}$
enthalten sind. 
\end{Satz}
  \begin{Bemerkung}
Wir nennen die in \ref{MHan} charakterisierte
 Erweiterung eines Pr"ama"ses zu 
einem Ma"s seine \defind{kanonische Erweiterung}.\index{Erweiterung!kanonische}
Der Beweis zeigt, da"s sie beschrieben werden kann durch die Formel
$$\mu (M) = \inf \left(\sum^{\infty}_{n=0} \mu (A_{n})\right)$$
wo das Infimum gebildet wird "uber alle Folgen in $\cal{A}$ 
mit $M\subset \bigcup A_{n}.$ 
\end{Bemerkung}
\begin{proof}
Der Existenzbeweis wurde beim Beweis von \ref{MHa} 
bereits mit gegeben, es gilt nur bei \ref{LHh} zu erinnern, da"s das Infimum 
der leeren Menge $\infty$ ist.
Wir zeigen nun noch
die Eindeutigkeit.
Sei dazu $\nu$ eine zweite
Erweiterung.
Es gilt zu zeigen $\mu (Y) = \nu (Y)$ f"ur alle $Y\in\cal{M},$ 
die sich durch eine Folge von Mengen endlichen Ma"ses aus
$\cal{A}$ "uberdecken lassen.
Aber sei $(S_{n})$ eine Folge in $\cal{A}$ mit $\bigcup S_{n} \supset Y$ und
$\mu (S_{n}) < \infty \quad \forall n.$
Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit annehmen $S_{n}
\subset S_{n+1} \subset \ldots,$ und m"ussen nur f"ur alle 
$n$ die Gleichungen
$$\mu (Y \cap S_{n})= \nu (Y\cap S_{n})$$ zeigen,
dann ergibt sich $\mu (Y )= \nu (Y)$ im Grenzwert $n\ra\infty.$
Nach der Definition von $\mu$ gilt offensichtlich $\nu (Y\cap
S_{n}) \leq\mu (Y \cap S_{n}),$ aber ganz genauso auch $\nu (Y^{c}\cap
S_{n})\leq\mu (Y^{c} \cap S_{n}),$ und da die Summe dieser
Ungleichungen die Gleichung $\nu (S_{n}) = \mu (S_{n})$ liefert,
m"ussen unsere Ungleichungen beide schon Gleichungen gewesen sein.
\end{proof}



\begin{Bemerkung}\label{IMT}
Jede integrierbare Funktion verschwindet au"serhalb einer
$\sigma$-endlichen Menge. In der Tat  m"ussen 
bei integrierbarem $f$ die Urbilder der Intervalle $[1/n, \infty)$ 
und $(-\infty, -1/n]$ alle
endliches Ma"s haben. 
\end{Bemerkung}


\begin{Satz}\label{PrMan}
Gegeben Ma"sr"aume $(X, \cal{M}, \mu)$ und $(Y,\cal{N},\nu)$ 
gibt es auf der von allen
Produkten $A \times B$ mit $A \in \cal{M}$ und $B \in \cal{N}$ erzeugten
\emph{\bf Produkt-$\sigma$-Algebra}\index{Produkt-$\sigma$-Algebra} 
$\cal{M} \otimes \cal{N} \subset \cal{P} (X\times Y)$ 
genau ein Ma"s $\mu \otimes \nu,$ das 
\emph{\bf Produktma"s}\index{Produktma"s}, derart
da"s (1) f"ur alle $ A \in \cal{M}$ und $
B \in \cal{N}$ von endlichem Ma"s gilt 
$$(\mu \otimes \nu)(A \times B) = \mu (A) \nu (B)$$
und da"s (2) allen denjenigen Mengen aus $\cal{M} \otimes \cal{N},$
die sich nicht durch eine abz"ahlbare Vereinigung
von Produkten von Mengen endlichen Ma"ses "uberdecken lassen,
das Ma"s Unendlich zugeordnet wird.
\end{Satz}

\begin{Bemerkung}
Im Fall $\mu(A)=\infty$ und $\nu(B)=0$ gilt f"ur das so
erkl"arte Produktma"s nur dann $(\mu \otimes \nu)(A \times B) =0,$
wenn $A$ als abz"ahlbare Vereinigung von Mengen endlichen Ma"ses 
geschrieben werden kann oder wenn $B$ die
leere Menge ist. Andernfalls erhalten wir 
$(\mu \otimes \nu)(A \times B) =\infty.$
Man k"onnte alternativ auch eine konsistente Theorie aufbauen,
indem man als Produktma"s  die kanonische Erweiterung des im
folgenden Beweis betrachteten Pr"ama"ses $\mu \times \nu$ w"ahlt.
Im Wesentlichen k"ame man damit
zu denselben Resultaten und insbesondere entst"unden
 isomorphe R"aume von $L^p$-Funktionen auf  Produkten.
Das in unserem Satz definierte Produktma"s scheint mir jedoch 
sowohl einfacher in der Beschreibung als auch einfacher
in der Handhabung, etwa beim Beweis der S"atze von Fubini.
\end{Bemerkung}
\begin{Bemerkung}
Die Definition des Produkts zweier 
Ma"sr"aume in dieser un"ublichen Allgemeinheit zu geben scheint mir
sinnvoll etwa im Lichte von
 \ref{TeHi},  wonach
f"ur  zwei beliebige Ma"sr"aume das 
komplettierte Tensorprodukt
der zugeh"origen R"aume quadratintegrierbarer Funktionen 
kanonisch isomorph ist zum  Raum der 
quadratintegrierbaren Funktionen  auf ihrem Produkt.
Wenn man wei"s, da"s jeder Hilbertraum isomorph ist zum Raum der 
quadratintegrierbaren Funktionen auf einer Menge mit Z"ahlma"s,
so liegt  es nahe, diesen Satz auch f"ur nicht notwendig abz"ahlbare
Mengen mit Z"ahlma"s zu formulieren.
\end{Bemerkung}
\begin{proof}[Beweis]
Wie im Beweis von
\ref{PrMa} bilden wir das Pr"ama"s $\mu \times \nu$ 
auf $\cal{E}.$ Dieses Pr"ama"s "andern wir nun ab
zu einer Abbildung $(\mu \tilde{\times} \nu):\cal{E}\ra [0,\infty],$
indem wir allen den Mengen $C\in \cal{E},$ die sich nicht durch 
eine abz"ahlbare Vereinigung
von Produkten von Mengen endlichen Ma"ses "uberdecken lassen,
das Ma"s Unendlich zuordnen, und den "ubrigen 
$C\in \cal{E}$ den Wert  $(\mu \times \nu)(C).$ 
Man sieht leicht ein, da"s auch $\mu \tilde{\times} \nu$ wieder ein Pr"ama"s
auf $\cal{E}$ ist. Unser Satz folgt damit aus dem
Satz von Hahn \ref{MHan} "uber Ma"serweiterungen.
\end{proof}
\begin{Ubung}
Seien $(X, \cal{M}, \mu)$ und $(Y,\cal{N},\nu)$ 
Ma"sr"aume. Wir erhalten denselben Ma"sraum, ob wir den Produktraum 
vervollst"andigen oder ob wir die einzelnen Ma"sr"aume vervollst"andigen,
den Produktraum bilden, und nochmals vervollst"andigen. In  
 Formeln gilt also
$$(X\times Y, (\cal{M}^\ast\otimes \cal{N}^\ast)^\ast, 
(\mu^\ast\otimes \nu^\ast)^\ast)
=(X\times Y, (\cal{M}\otimes \cal{N})^\ast, (\mu\otimes \nu)^\ast)$$ 
\end{Ubung} 


\begin{Satz}[\textbf{positiver Fubini}]\label{pFn}
Seien 
$(X, \mu)$ und $(Y,\nu)$  Ma"s\-r"aume.
Gegeben eine me"sbare Funktion $f: X \times Y \ra [0,\infty],$ 
die au"serhalb einer $\sigma$-endlichen Menge verschwindet, ist 
$x\mapsto f(x,y)$ f"ur alle $y\in Y$ eine me"sbare Funktion $X\ra[0,\infty]$ 
und das partielle Integral
 $y \mapsto \int f(x,y) \mu\langle x\rangle$ ist eine me"sbare Funktion
$Y\ra[0,\infty]$ und es gilt
$$\int_{X\times Y} f(x,y)\;(\mu\otimes\nu)\langle x,y\rangle = \int_{Y} \left(
\int_{X} f(x,y)\mu\langle x\rangle\right) \nu\langle y\rangle$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkung}
Da"s die Bedingung, die Funktion m"oge au"serhalb einer
 $\sigma$-endlichen Menge verschwinden, hier auch
wirklich n"otig ist, zeigt
\ref{KoBe}.
\end{Bemerkung}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt unter unseren Annamen sofort aus \ref{pF}.
\end{proof}

\begin{Satz}[\defind{Fubini}]\label{Fuban}
Seien $(X,\mu)$ und $(Y,\nu)$ 
Ma"s\-r"aume.
Gegeben eine integrierbare
Funktion $f: X\times Y \ra \Bbb{R}$  ist f"ur fast alle $y \in Y$ die Funktion
$x\mapsto f(x,y)$ integrierbar und die fast "uberall
definierte Funktion $y \mapsto \int_{X} f(x,y)  \mu\langle x\rangle$ ist
auch integrierbar und f"ur ihr Integral gilt
$$\int_{Y} \left(\int_{X}
f(x,y) \mu\langle x\rangle\right) \nu\langle y\rangle
=
\int_{X\times Y} f(x,y) \;(\mu\otimes\nu)\langle x, y\rangle $$
\end{Satz}

\begin{proof}
Man kann den Beweis von \ref{Fuba} "ubernehmen, wenn man 
mit \ref{pFn} arbeitet und  beachtet, 
da"s  eine me"sbare und
integrierbare Funktion nach \ref{IMT} notwendig 
au"serhalb einer $\sigma$-endlichen
Menge verschwindet.
\end{proof}










%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AATOTAL"
%%% End: 
