


\section{Zahlen}





\subsection{Konstruktion der nat"urlichen 
  Zahlen*}\label{NatZ}\index{nat"urliche Zahlen}
\begin{Bemerkungl} Im folgenden diskutiere ich eine Beschreibung der
  nat"urlichen Zahlen im Rahmen der naiven Mengenlehre.
  Eine vollst"andig "uberzeugende Diskussion dieser Struktur ist meines
  Erachtens nur im Rahmen der Logik m"oglich. Mir f"allt es bei
  diesem Beweis besonders schwer,
  ihn an der Tafel zu entwickeln, da mir alle darin
  gezeigten Aussagen eh offensichtlich scheinen und ich nie erinnern
  kann, was an einer vorgegebenen
  Stelle des Beweisgangs bereits formal hergeleitet ist.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{eue}
  F"uhrt man die Mengenlehre axiomatisch ein, so
  mag man eine Menge als {\bf unendlich} erkl"aren,\index{unendlich!Menge}
 wenn es eine injektive nicht bijektive Abbildung
von unserer Menge in sich selbst gibt.
Eine Menge hei"st dann {\bf endlich}\index{endlich!Menge},
wenn sie nicht unendlich ist. 
Die Existenz einer unendlichen Menge  ist ein  Axiom
der Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre,
wir nennen es das 
{\bf Unendlichkeitsaxiom}.\index{Unendlichkeitsaxiom}
Bei Zermelo und Fraenkel ist diese Axiomatik noch formaler und pr"aziser, aber
so weit gehen wir hier nicht.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Die nat"urlichen Zahlen}] 
   \begin{enumerate}
   \item Es gibt Paare
 $(N,s)$  aus einer Menge $N$ und einer
     injektiven Abbildung $s:N\hra N$ derart, da"s
     $N\backslash s(N)$ aus einem einzigen Element $o$ besteht
     und da"s jede $s$-stabile Teilmenge von $N$, die $o$ enth"alt, bereits ganz $N$ sein mu"s;
\item
Sei $(N,s)$  solch ein Paar. Gegeben 
 $(X,x,f)$ ein
 Tripel bestehend aus einer Menge $X$, einem
     Element $x\in X$ und einer Abbildung $f:X\ra X$ gibt es dann  
 genau eine
     Abbildung $\psi : N \ra X$ 
mit $\psi (o)=x$ und $\psi s=f\psi$;
\item
 Ein Paar $(N,s)$ wie im ersten Teil  ist im wesentlichen eindeutig bestimmt.
Ist genauer $(N',s')$ ein weiteres derartiges Paar und $\{o'\}=N'\backslash s'(N')$, so ist die eindeutig bestimmte Abbildung 
$\psi:N\ra N'$ aus dem zweiten Teil
mit $s'\psi=\psi s$ und $\psi(o)=o'$ eine Bijektion. 
   \end{enumerate}\label{EDNC} %\label{NatZz}
 \end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildins}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Versuch der graphischen Darstellung einer Menge  mit einer
injektiven aber nicht surjektiven Abbildung  zu sich selbst.
\end{minipage}
\end{figure}


 \begin{Bemerkungl}
   Sobald der Satz bewiesen ist, halten wir ein derartiges Paar $(N,s)$ ein f"ur
   allemal fest, verwenden daf"ur die Notation $(\DN,s)$, erlauben uns
   aufgrund der Eindeutigkeit den bestimmten Artikel und nennen $\DN$ die
   Menge der {\bf nat"urlichen Zahlen}.\index{nat"urliche Zahlen}  Gegeben
   $a\in \DN$ hei"st $s(a)$ der {\bf Nachfolger} oder genauer der {\bf
     unmittelbare Nachfolger}\index{Nachfolger} von $a$.\label{Nhoc}  
   Die Notation $s$ steht f"ur \glqq successor\grqq.
   Wir vereinbaren 
   f"ur das eindeutig bestimmte  Element von $\DN$,
das kein Nachfolger ist und das oben $o$ hie"s,  die Notation 
$0\in\DN$\index{)0@$0$ neutrales Element f"ur $+$!nat"urliche Zahl} und die Bezeichnung {\bf Null}.\index{Null} 
 \end{Bemerkungl}
 
 \begin{Bemerkungl}
   Gegeben eine Menge $X$ und zwei Abbildungen 
$\psi, \phi: \DN \ra X$ mit $\psi(0)=\phi(0)$ und
$\big(\psi(b)=\phi(b)\RA \psi(s(b))=\phi(s(b))\big)$ folgt $\psi=\phi$. 
   In der Tat bedeuten unsere Annahmen, da"s die Teilmenge
   $\{b\in\DN\mid \psi(b)=\phi(b)\}$ das Element $0\in\DN$ enth"alt und
   stabil ist unter $s$ und mithin aufgrund der charakterisierenden
   Eigenschaft der nat"urlichen Zahlen ganz $\DN$ sein mu"s. 
   Diese Konsequenz der Definition \ref{Nhoc} 
hei"st das\index{vollst"andige Induktion} 
{\bf Prinzip der vollst"andigen Induktion}. Oft wird es verwendet
mit $X$ der zweielementigen Menge $X\pdef \{\text{wahr, falsch}\}$ und
$\phi$ der konstanten Abbildung \glqq wahr\grqq. 
 \end{Bemerkungl}

 
 


 \begin{Bemerkungl}\label{Nhocc} 
   Die in diesem Satz gegebene Charakterisierung und die
   im folgenden Beweis durchgef"uhrte Konstruktion
der nat"urlichen Zahlen 
gehen auf einen ber"uhmten Artikel von Richard Dedekind zur"uck
mit dem Titel \glqq Was sind und was sollen die Zahlen?\grqq. 
 Eine alternative Charakterisierung besprechen wir
 in \eref{WOZ}{AL}. 
 \end{Bemerkungl}
 \begin{Bemerkungw} Im Rahmen der Kategorientheorie k"onnte man $(\DN,s,0)$
   erkl"aren als initiales Objekt der Kategorie aller Tripel $(X,f,x)$ wie oben
   mit den offensichtlichen Morphismen. 
 \end{Bemerkungw}
 \begin{proof}
1.   Nach dem Unendlichkeitsaxiom \ref{eue} 
finden wir eine Menge $A$ nebst
   einer injektiven Abbildung $s: A \hra A$ 
und einem Element $o \in A
   \backslash s (A)$.  Unter allen Teilmengen 
$M \subset A$ mit $o \in M$ und
   $s (M) \subset M$ gibt es sicher eine kleinste, 
n"amlich den Schnitt  $N$ aller
   derartigen Teilmengen. F"ur diese gilt dann
   notwendig $N\subset \{o\}\cup s(N)$, da die rechte Seite auch eine m"ogliche
   Teilmenge $M$ mit den geforderten Eigenschaften ist. Die  andere Inklusion ist
   eh klar, also haben wir sogar $N= \{o\}\cup s(N)$.
Damit haben wir ein m"ogliches Paar $( N,s)$ gefunden.
\\[2mm]\noindent
2. 
Gegeben $(X,x,f)$ wie oben
betrachten wir  die Gesamtheit aller Teilmengen
$G\subset  N \times X$ mit $(o,x)\in G$ und
$(n,y)\in G\RA (s(n),f(y))\in G$. Sicher gibt es eine kleinste derartige
Teilmenge $G_{\op{min}}=\Gamma$, n"amlich den Schnitt aller 
 Teilmengen $G$ mit diesen Eigenschaften. 
Wir zeigen nun, da"s $\Gamma$ der Graph einer Funktion ist. 
Dazu betrachten wir die Teilmenge $M$ aller $m\in  N $ derart, da"s 
es genau ein $y\in X$ gibt mit $(m,y)\in \Gamma$.
Sicher gilt $o\in M$, denn g"abe es 
$y\in X$ mit $x\neq y$ und $(o,y)\in\Gamma$, so k"onnten wir
$(o,y)$ ohne Schaden aus $\Gamma$ entfernen
im Widerspruch zur Minimalit"at von $\Gamma$. 
Ist "ahnlich $m\in M$, so zeigen wir in derselben Weise $s(m)\in M$.
Also gilt $M= N $ und $\Gamma$ ist der Graph einer Funktion
$f: N \ra X$ mit den gew"unschten Eigenschaften. 
Finden wir eine weitere Funk\-tion mit den gew"unschten Eigenschaften, 
so ist deren Graph auch ein m"ogliches $G$ und wir folgern erst
$G\supset \Gamma$ und dann $G=\Gamma$.  
\\[2mm]\noindent
3. 
Nach Teil 2 gibt es  genau eine Abbildung
$\psi:N\sira N'$ mit $s\psi=\psi s'$
und $\psi:o\mapsto o'$. Nach Teil 2 gibt es auch genau eine Abbildung
$\varphi:N'\sira N$ mit $s\varphi=\varphi s'$
und $\varphi:o'\mapsto o$. Nach Teil 2, diesmal der
Eindeutigkeitsaussage, gilt dann $\psi \varphi=\op{id}$ und
$\varphi\psi=\op{id}$.
Also ist unser $\psi$ in der Tat eine Bijektion. 
 \end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  In unseren nat"urlichen Zahlen $(\DN,s)$ erkl"aren wir  die 
  {\bf Eins}\index{Eins in $\DN$} als den Nachfolger der Null und setzen in
  Formeln\index{)0@$1$ Nachfolger der Null}\label{eIN} $$1\pdef s(0)$$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Potenzen von Abbildungen}]
Sei $(X,x,f)$  ein
Tripel bestehend aus einer Menge $X$, einem
     Element $x\in X$ und einer Abbildung $f:X\ra X$.  F"ur
die Werte der 
Abbildung $\psi :\DN\ra  X$ aus Teil 2 in \ref{EDNC} vereinbaren wir
die Notation $$f^n(x)\pdef \psi (n)$$
Unser $f^n(x)$  wird also in Formeln
charakterisiert durch $f^0(x)=x$ und $f^{s(n)}(x)=f(f^n(x))$.
Indem wir diese Konstruktion
f"ur alle $x\in X$ betrachten, erhalten wir f"ur alle $n\in\DN$
eine Abbildung\label{PotI} $$f^n:X\ra X$$ 
Wir nennen $f^n$  die {\bf $n$-te Potenz von $f$}. Per definitionem
gilt $f^0=\op{id}$ und $f^1=f$ und $f^{s(n)}=f\circ f^n$. 
Vollst"andige Induktion zeigt $\op{id}^n=\op{id}$ f"ur alle $n$.
\end{Bemerkungl}


\begin{Lemma}[\textbf{Potenzen der Nachfolgerabbildung auf der Null}]
 F"ur alle nat"urlichen Zahlen $n\in\DN$ gilt $s^n(0)=n$.\label{nEl0} 
\end{Lemma}
\begin{proof} Die Abbildung $\psi:n\mapsto s^n(0)$ ist per definitionem die eindeutig
  bestimmte Abbildung $\psi:\DN\ra \DN$ mit $\psi(0)=0$ und $\psi s=s\psi$.
  Die Identit"at hat jedoch bereits diese Eigenschaften, also gilt $\psi=\op{id}$.  
\end{proof}
% \begin{proof}  Wir argumentieren mit 
%   vollst"andiger Induktion "uber $n$. F"ur $n=0$ sind beide Seiten $0$ und
%   die Behauptung stimmt.
%   Gilt die Formel f"ur ein $n$, so folgt
%$s(n)=s(s^n(0))=s^{s(n)}(0)$ mit der ersten Gleichung durch Anwenden von $s$
% und der zweiten nach der definitorischen Gleichung  $f(f^n(x))=f^{s(n)}(x)$
% f"ur Potenzen \ref{PotI}.
%Damit ist unsere Behauptung bewiesen.
% \end{proof}


\begin{Lemma}[\textbf{Funktorialit"at von Potenzen}]
   Gegeben eine Abbildung $h:X\ra Y$ und Abbildungen 
   $f: X\ra X$  sowie $g:Y\ra Y$ mit $h f= g h$ gilt\label{Via}
   $$h f^n= g^n h\quad\forall n\in \DN $$
\end{Lemma}
\begin{proof} Wir argumentieren mit vollst"andiger Induktion "uber $n$.
  F"ur $n=0$ folgt die Behauptung aus $f^0=g^0=\op{id}$. 
  F"ur den Induktionsschritt m"ussen wir aus der Identit"at $h f^n= g^n h$
  die Identit"at $h f^{s(n)}= g^{s(n)} h$ folgern. Das leistet
  unter Verwendung der Assoziativit"at der Verkn"upfung von Abbildungen die Rechnung
  $$h f^{s(n)}= h f f^n=g h f^n= g g^n h =g^{s(n)}h \qedhere$$
\end{proof}





%\begin{Bemerkungl}[\textbf{Funktorialit"at von Potenzen}]
%   Gegeben eine Abbildung $h:X\ra Y$ und Abbildungen 
%   $f: X\ra X$  sowie $g:Y\ra Y$ mit $h f= g h$ gilt
 %  $$h f^n= g^n h$$ f"ur alle $n\in \DN$.
 %  In der Tat reicht es,
 %   f"ur alle $x\in X$ die Identit"at $h f^n(x)= g^n h(x)$
%   zeigen. Beide Seiten sind aber als Funktionen von $n$ Abbildungen $\psi: \DN\ra Y$ mit demselben
%   Wert $\psi(0)=h(x)$ f"ur $n=0$ und derselben
%   charakterisierenden Eigenschaft\label{Via} $$\psi s=g\psi$$ In der Tat, setzen wir $\psi_1(n)\pdef hf^n(x)$
 %  und $\psi_2(n)\pdef g^nh(x)$, so haben wir $\psi_1s(n)=h f^{s(n)}(x)=h f f^n(x)=ghf^n(x)=g\psi_1(n)$ und  $\psi_2s(n)=g^{s(n)}h(x)=gg^{n}h(x)=g\psi_2(n)$
 %  nach der charakterisierenden Eigenschaft
 %  der Potenzen von Abbildungen. 
%\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Potenzregeln f"ur kommutierende Selbstabbildungen}]
Gegeben 
   Selbstabbildungen $f, h:X\ra X$ einer
   Menge mit $hf=fh$ folgern wir aus der Funktorialit"at von Potenzen
   \ref{Via} unmittelbar $h f^a= f^a h$ f"ur alle $a\in\DN$.
   Das schreiben wir um zu $(f^a)h=h(f^a)$ und durch nochmaliges Anwenden unserer
   Erkenntnis\label{pkS} erhalten wir 
   f"ur alle $a,b\in\DN$  
   die Identit"at
   $$f^a h^b= h^b f^a$$
 \end{Bemerkungl}




 
   \begin{Definition}
    F"ur die Menge der nat"urlichen Zahlen mit Nachfolgerabbildung $(\DN,s)$
   aus \ref{Nhoc}  erkl"aren wir  die {\bf Addition}\index{Addition!nat"urlicher Zahlen}   $\DN\times\DN\ra\DN$, $(a,b)\mapsto a+b$  durch die Vorschrift 
$$a+b\pdef s^a(b)$$
   \end{Definition}
   \begin{Bemerkungl}\label{1ps} 
     Wir finden $0+b=s^{0}(b)=\op{id}(b)=b$ und 
     $1+b=s^{1}(b)=s(b)$ f"ur alle $b\in \DN$.
     Andererseits finden wir  $b+0=s^b(0)=b$ nach Lemma \ref{nEl0}
     zu dem Wert von Potenzen der Nachfolgerabbildung auf der Null.
   \end{Bemerkungl}

   \begin{Lemma}
   Die Addition von nat"urlichen Zahlen ist eine
   kommutative Ver\-kn"up\-fung mit der Null als neutralem Element.\label{nEl} 
 \end{Lemma}
 \begin{proof} Aus der Potenzregel \ref{pkS} folgt $s^as^b =s^bs^a$ f"ur alle $a,b\in\DN$. Werten wir  beide Seiten
   auf $0$ aus, so erhalten wir mit Lemma \ref{nEl0} zum Wert von Potenzen der Nachfolgerabbildung auf der Null die Kommtativit"at $s^a(b)=s^b(a)$. Die Identit"aten
   $0+b=b=b+0$ kennen wir bereits aus \ref{1ps}. 
 \end{proof}

 \begin{Lemma}[\textbf{Produkt von Potenzen und Addition}]
   Gegeben eine Menge $X$ und eine Abbildung $f:X\ra X$ sowie $a,b\in\DN$ gilt
   $f^{a+b}=f^a f^b$.\label{ppA}
 \end{Lemma}

 \begin{proof}
   Wir zeigen das durch vollst"andige Induktion "uber $a$. Im Fall $a=0$
   ist es klar. F"ur den Induktionsschritt wenden wir $f$ an und finden von der Mitte ausgehend
   $$f^{s(a)+b}= f^{s(a+b)}=f f^{a+b}=f (f^a f^b)=(f f^a)f^b=f^{s(a)}f^b$$
   Hier nutzen wir nach rechts die Assoziativit"at der Verkn"upfung von
   Abbildungen und nach links die Identit"at
   $s(a)+b=s^{s(a)}(b)=s (s^a(b))=s(a+b)$.
 \end{proof}
 \begin{Bemerkungl}[\textbf{Assoziativit"at der Addition nat"urlicher Zahlen}]
  Die Addition nat"urlicher Zahlen ist assoziativ,
  denn gegeben $a,b,c\in\DN$ finden wir\label{nAs} durch Anwenden unserer
  Identit"at $f^{a+b}=f^a f^b$ aus \ref{ppA} unter Verwendung der Assoziativit"at der
  Verkn"upfung von Abbildungen 
   %$(a+b)+c=s^{a+b}(c)=s^{a}(s^{b}(c))=a+(b+c)$.
   $$ s^{(a+b)+c}= (s^a s^b) s^c=s^a s^b s^c=s^a (s^b s^c)=s^{a+(b+c)}$$
   Auswerten
   bei $0$ liefert dann die Behauptung. 
 \end{Bemerkungl}
 \begin{Satz}[\textbf{Eigenschaften der Addition nat"urlicher Zahlen}]
  Die Menge der nat"urlichen Zahlen\label{KurZ} 
   wird mit der Verkn"upfung $+$  ein kommutatives Monoid,
 in dem die \emph{\bf K"urzungsregel}
 $(a+b=c+b)\RA(a=c)$ gilt sowie die Regel $(a+b=0)\RA (a=b=0)$.
\end{Satz}

\begin{proof}
  Kommutativit"at, neutrales Element und Assoziativit"at haben wir bereits in
  \ref{nEl} und \ref{nAs} erledigt. 
Was unsere K"urzungsregel angeht,
enth"alt f"ur $a\neq c$  die Menge aller $b$ mit $a+b\neq c+b$ 
sicher $b=0$ und ist stabil unter $s$, enth"alt also alle $b\in\DN$.
Aus $a+b=0$ folgt zu guter Letzt $a=0$, weil ja sonst die Null gar nicht
im Bild der Abbildung $(a+)=s^a:\DN\ra\DN$ liegt, und
$0+b=0$ impliziert 
$b=0$, weil $0$ neutral ist f"ur die Addition. 
\end{proof}



\begin{Satz}[\textbf{Anordnung auf den nat"urlichen Zahlen}] 
  Sei $(\DN, s)$ die Menge der nat"urlichen Zahlen mit Nachfolgerabbildung
   aus
 \ref{Nhoc}\label{ONZ} und Addition aus \ref{KurZ}. 
 Die Relation $\leq$ auf $\DN$ gegeben durch die Vorschrift
 $$(a\leq b)\IFF (\exists c\in\DN\text{ mit }a+c=b)$$
 ist eine Anordnung auf $\DN$.
F"ur diese Anordnung ist $0\in\DN$ das kleinste Element und jede
nichtleere Teilmenge von $\DN$ besitzt ein kleinstes Element. 
\end{Satz}
\begin{proof}
  Bis auf die allerletzte Aussage folgt das  leicht aus den
  in \ref{KurZ} gezeigten Eigenschaften der Addition. Ist nun
  $A\subset \DN$ eine Teilmenge ohne kleinstes Element,
  so ist $\{n\in \DN\mid n\leq a\;\forall a\in A\}$
  stabil unter $s$ und enth"alt die Null, ist also ganz $\DN$ und
  es folgt $A=\emptyset$. 
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Z"ahlen endlicher Mengen}]
  Eine Menge $X$ ist genau dann endlich, wenn es ein $n\in \DN$ und
  eine Bijektion $\DN_{<n}\sira X$ gibt. Dies $n$ ist dann wohlbestimmt, 
  hei"st die \emph{\bf Kardinalit"at}\index{Kardinalit"at} von $X$ und wird
  $n=|X|$ notiert.\label{ZeMM} 
\end{Satz}
\begin{proof}
 Das Zorn'sche Lemma liefert f"ur jede Menge $X$ ein maximales Paar
  bestehend aus einem $a\in \DN\sqcup\{\infty\}$ und einer
  injektiven Abbildung $\DN_{<a}\hra X$. Ist $X$ endlich, so haben wir
  notwendig $a\neq \infty$ und unsere maximale injektive Abbildung
  mu"s eine Bijektion $\DN_{<a}\sira X$ gewesen sein.
  Da"s es eine Injektion $\DN_{<a}\hra \DN_{<b}$ nur f"ur $a\leq b$ geben kann,
  zeigt man leicht durch Induktion. Das zeigt die Eindeutigkeit von $n$.
  Da"s umgekehrt auch alle Mengen $\DN_{<a}$ endlich sind, sollen Sie als
  "Ubung \ref{Uze} selber zeigen.
\end{proof}

\begin{Lemma}[\textbf{Potenzen einer Verkn"upfung kommutierender Abbildungen}]
  Gegeben Abbildungen $f,g:X\ra X$ mit $fg=gf$ gilt f"ur alle $a\in\DN$ die
  Identit"at $(fg)^a=f^a g^a$.\label{Potg} 
\end{Lemma}
\begin{proof}
  Durch vollst"andige Induktion. Der Fall $a=0$ ist offensichtlich.
  F"ur den Induktionsschritt verwenden wir
  die Assoziativit"at der Verkn"upfung von Abbildungen
  implizit, schalten  $fg$ auf beiden Seiten nach
  und entwickeln mit der Funktorialit"at von Potenzen \ref{Via} von der Mitte ausgehend
  $$(fg)^{s(a)}=(fg)(fg)^a=fgf^a g^a=f f^a g g^a=f^{s(a)}g^{s(a)}\qedhere$$
\end{proof}
\begin{Lemma}[\textbf{Iterierte Potenzen}]
  Gegeben eine Abbildung $f:X\ra X$  gilt f"ur alle $a,b\in\DN$ die
  Identit"at\label{Potgb}  $$(f^a)^b=(f^b)^a$$
\end{Lemma}
\begin{proof}
Induktion "uber $a$. 
     Der Fall $a=0$ ist
  offensichtlich. F"ur den Induktionsschritt schalten wir auf
  beiden Seiten $f^b$ nach und finden von der Mitte ausgehend
  $$(f^{s(a)})^b=( f f^a)^b=f^b(f^a)^b=f^b(f^b)^a=(f^b)^{s(a)}$$
  Nach links haben wir dabei die Regel \ref{Potg} f"ur Potenzen einer
  Verkn"upfung kommutierender Abbildungen verwendet. Das Kommutieren von
  $f$ und $f^a$ folgt aus der Funktorialit"at \ref{Via} von
  Potenzen.
\end{proof}
  
\begin{Satz}[\textbf{Multiplikation nat"urlicher Zahlen}]
   Sei $(\DN, s)$ die Menge der nat"urlichen Zahlen mit Nachfolgerabbildung aus \ref{Nhoc} und bezeichne $+$  ihre Addition aus \ref{KurZ}. 
 Die Verkn"upfung\label{MnaZ} 
$$(a,b)\mapsto ab=a\cdot b\pdef (b+)^a(0)$$
ist kommutativ
mit neutralem Element dem Nachfolger $1=s(0)$ der Null.  Weiter
folgt aus $a\neq 0$ und $b\neq 0$  bereits $ab\neq 0$. 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Produkt mit Null}]
  Wir folgern $a\cdot 0=(0+)^a(0)=\op{id}^a(0)=\op{id}(0)=0$
  direkt aus der Definition der Multiplikation
  wegen der Neutralit"at von Null f"ur die Addition und unseren Erkenntnissen
  \ref{PotI} zu Potenzen der Identit"at.\label{Pnn} 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
    Per definitionem gilt $(b+)=s^b$, also
$ab=(b+)^a(0)=(s^b)^a(0)$. Sind weder $a$ noch $b$ Null, so ist das ein echter Nachfolger der Null und folglich nicht Null.
    Die  Kommutativit"at der Multiplikation erhalten wir,
    indem wir die Identit"at 
    $(s^a)^b=(s^b)^a$ aus \ref{Potgb} auf $0$ anwenden. 
Um die Eins als neutral zu erkennen, erinnern wir $(1+)=s$ aus \ref{1ps} und
rechnen $a\cdot 1=(1+)^a(0)=s^a(0)=a$ mit \ref{nEl0} im letzten Schritt.
Mit der Kommutativit"at der Multiplikation folgt, da"s $1$
  in der Tat neutral ist f"ur die Multiplikation.
\end{proof}


\begin{Lemma}[\textbf{Iterierte Potenzen und Multiplikation}]
  Gegeben eine Abbildung $f:X\ra X$ und $a,b\in\DN$ gilt
  $(f^a)^b=f^{ab}$.\label{itM} 
\end{Lemma}
\begin{proof} Induktion "uber $a$. Im Fall $a=0$ ist die Aussage klar
  wegen unseren Erkenntnissen $f^0=\op{id}$ und $\op{id}^{b}=\op{id}$ aus
  \ref{PotI} und dem Verschwinden des Produkts mit Null \ref{Pnn}.
  F"ur den Induktionsschritt rechnen wir
  $b+ab=(b+)((b+)^a(0))=(b+)^{s(a)}(0)=s(a)b$ und damit 
  $$(f^{s(a)})^b= (ff^{a})^b= f^b (f^{a})^b =f^b f^{ab}= f^{b+ab}= f^{s(a)b}$$
  nach Definition, der Regel f"ur
  Potenzen von Verkn"upfungen \ref{Potg},
  der Induktionsannahme und der Regel f"ur  
  Produkte von Potenzen \ref{ppA}. Wir verwenden dabei implizit unsere
  stehende Vereinbarung \glqq Punkt vor Strich\grqq. 
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Assoziativit"at der Multiplikation}]
  Gegeben $a,b,c\in \DN$ finden wir mit unserer Formel f"ur iterierte Potenzen \ref{itM} von der Mitte ausgehend die Identit"at
  $$s^{a(bc)}=(s^a)^{bc}=\big((s^a)^b\big)^c=\big(s^{ab}\big)^c= s^{(ab)c}$$
  Wenden wir beide Seiten auf $0\in\DN$ an, ergibt sich mit \ref{nEl0} wie gew"unscht die Assoziativit"at der Multiplikation $a(bc)=(ab)c$. Unter der Multiplikation ist $\DN$ also ein kommutatives Monoid mit
  der Eins als neutralem Element.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Distributivgesetz}]
  Wir finden
  mit unseren Regeln zum
  Produkt von Potenzen  \ref{ppA} beziehungsweise
  zu iterierten Potenzen \ref{itM} die Identit"aten
  $$s^{ab+ac}=s^{ab}s^{ac}=(s^a)^b(s^a)^c=(s^a)^{b+c}=s^{a(b+c)}$$
  Das
  Distributivgesetz\label{disZ} 
  $ab+ac=a(b+c)$ ergibt sich, indem wir beide Seiten auf die Null
  anwenden und Lemma \ref{nEl0} "uber iterierte Nachfolger der Null
  beachten.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Zusammenfassend haben wir so auf unserer Menge mit Nachfolgerabbildung $(\DN,s)$ aus \ref{Nhoc} ein Element Null
  ausgezeichnet als das einzige Element, das kein Nachfolger ist,
  und ein Element Eins als dessen Nachfolger. Wir haben
  weiter auf $\DN$
  eine Addition und eine Multiplikation eingef"uhrt und gezeigt, da"s
  beide assoziative und kommutative Verkn"upfungen sind mit neutralen Elementen  Null beziehungsweise Eins und da"s das Distributivgesetz gilt.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Potenzgesetze}]
  Gegeben ein multiplikativ notiertes Monoid $M$
  und $a\in\DN$ erkl"aren wir f"ur jedes $m\in M$ seine
  {\bf $a$-te Potenz}\index{Potenz!in Monoid}\label{PiM}  
  $$m^a\pdef (m\cdot)^a(1_M)$$ als den Wert der $a$-ten Potenz der
  Linksmultiplikation mit $m$ auf dem neutralen Element.
  Sie d"urfen als "Ubung zeigen, da"s es am Ergebnis nichts "andert,
  wenn wir stattdessen mit der Rechtsmultiplikation arbeiten.
  Im Spezialfall des Monoids $\op{Ens}(X)$ aller Selbstabbildungen einer
  Menge erhalten wir unsere Potenzen von Selbstabbildungen aus \ref{Nhoc} zur"uck.   Gegeben ein multiplikativ notiertes Monoid $M$
  "ubersetzen sich  unsere Regeln f"ur das Potenzieren von Selbstabbildungen
   in die Regeln
  $m^0=1_M$, $m^1=m$,  $m^{a+b}=m^am^b$, $(m^a)^b=m^{ab}$ und, im Fall von kommutierenden
  $m,n\in M$, die Zusatzregel $(mn)^a=m^an^a$ in unserem Monoid. Im Fall eines
  additiv notierten Monoids, das nach unseren Konventionen stets
  als kommutativ angenommen wird, erhalten wir dahingegen die Regeln 
  $0m=0_M$, $1m=m$, $(a+b)m=am+bm$, $b(am)=(ab)m$ und $a(m+n)=am+an$. 
  All diese Regeln gelten insbesondere auch f"ur $\DN$ selbst, auf dem
  wir ja sogar zwei Strukturen als kommutatives Monoid erkl"art hatten,
  die additive und die multiplikative Struktur.
  Letztere Formeln hatten wir in diesem
   Fall auch zuvor bereits gezeigt.\label{POZ} 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkunge}[\textbf{Wie k"onnte es weitergehen?}]
  Man gewinnt bei den vorhergehenden Konstruktionen leicht den
  Eindruck, immer wieder dasselbe zu machen. Formal mag man f"ur jede Abbildung
  $V:\DN^{\times r}\ra\DN$ mit $r\geq 1$ eine weitere Abbildung
  $\DN^{\times (r+1)}\ra\DN$ erkl"aren durch
  $$V(a_1,\ldots,a_r,b)\pdef V(a_1,a_2,\ldots,a_{r-1},\;\;)^b(a_r)$$
  In Worten fassen wir unsere Abbildung also 
  als Abbildung $\DN\ra\DN$ in der letzten Variablen
  auf bei festen weiteren Variablen und wenden deren $b$-te Potenz auf $a_r$ an.
  Etwas allgemeiner gelingt das f"ur jede der Variablen und wir k"onnten
  die so entstehende Abbildung  $V(a_1,\ldots,[a_i,b],\ldots, a_r)$ notieren,
  aber das brauchen wir nicht.
  F"ur $s:\DN\ra \DN$ die Nachfolgerabbildung finden wir dann
  $$\begin{array}{rcll}
  s(a,b)&=&s^b(a)&= a+b\\[2mm]
  s(a,b,c)&=&ac+b&\text{ und insbesondere $ac= s(a,0,c),$}\\[2mm]
  s(a,0,c,d) &=&a^dc&\text{ und insbesondere $a^d=
     s(a,0,1,d),$}\\[2mm] 
 s(a,0,1,d,2) &=&a^{a^d}&\text{ und  insbesondere $a^{a}=
   s(a,0,1,1,2).$}\\
  \end{array}$$
  Allgemeiner ist $s(a,0,1,1,e)$ eine $e$-fach iterierte
  Potenz von $a$. Man k"onnte daf"ur eine Notation wie etwa $a^{[e]}$
  einf"uhren, also $a^{[0]}=1,  a^{[1]}=a,  a^{[2]}=a^a, a^{[3]}=a^{a^a}$ et cetera.
  Bereits an dieser Stelle wirkt unsere Formel jedoch wenig
  nat"urlich und ich kenne weder einen Grund, sich  f"ur derartige
   Operationen zu interessieren, noch kenne ich f"ur sie
 ein Formelwerk. Bereits das Potenzieren $a^d$ ist weder
  assoziativ noch kommutativ und erf"ullt nur
  noch die einseitige Distributivit"at $(ab)^d=a^d b^d$ in Bezug auf die
  Multiplikation und sonst die Regeln  $a^{d+e}=a^d a^e$
  und $a^{de}=(a^d)^e$. Ich k"onnte mir aber durchaus vorstellen,
  da"s sie  Analoga
  f"ur entsprechende h"ohere Verkn"upfungen haben.
\end{Bemerkunge}



\begin{Satz}[\textbf{Teilen mit Rest}] 
  Sei $(\DN,s)$ die Menge der nat"urlichen Zahlen mit Nachfolgerabbildung
  und Addition, Multiplikation und Anordnung wie in 
 \ref{MnaZ} und \ref{ONZ}.\label{TMR} 
  Gegeben $a,b\in\DN$ mit $b\neq 0$ gibt es eindeutig bestimmte
$c,d\in\DN$ mit $a=bc+d$ und $d<b$.
\end{Satz}
\begin{proof}
  "Ubung.
\end{proof}






\begin{Bemerkungl}
  \index{Eins als nat"urliche Zahl} \index{Zwei als nat"urliche Zahl}
  \index{Drei als nat"urliche Zahl} \index{Vier als nat"urliche Zahl}
  \index{F"unf als nat"urliche Zahl} \index{Sechs als nat"urliche Zahl}
  \index{Sieben als nat"urliche Zahl} \index{Acht als nat"urliche Zahl}
  \index{Neun als nat"urliche Zahl}  
  Sei $(\DN,s)$ die Menge der nat"urlichen Zahlen mit Nachfolgerabbildung
  und $0$ wie vereinbart das eindeutig bestimmte Element, das kein Nachfolger ist. Die Nachfolger von $0$ notieren wir der Reihe nach $1$,\index{)0@$1$ neutrales Element f"ur $\cdot$!nat"urliche Zahl}  $2$, $3$, $4$, $5$, $6$, $7$, $8$, $9$
  \index{)0@$2,3,4,5,6,7,8,9\in \DN$} und nennen sie  {\bf
    Eins, Zwei, Drei, Vier, F"unf, Sechs, Sieben, Acht, Neun}.
Den Nachfolger von Neun nennen wir 
{\bf Zehn}\index{Zehn als nat"urliche Zahl} und notieren
ihn vorerst ${\op{Z}}\in\DN$. Dann vereinbaren wir f"ur $a_0, a_1,\ldots, a_r\in
\{0,1,\ldots, 9\}$ die {\bf Dezimaldarstellung} 
$$a_r\ldots a_1 a_0\pdef a_r{\op{Z}}^r+\ldots +a_1{\op{Z}}^1+a_0{\op{Z}}^0$$
So erhalten wir insbesondere  f"ur unsere 
nat"urliche Zahl Zehn die Dezimaldarstellung ${\op{Z}}=10=1{\op{Z}}^1+0{\op{Z}}^0$.
Wenn ganz allgemein eine endliche Folge der Symbole $0,1,2,3,4,5,6,7,8,9$ ohne Punkt und
Komma nebeneinandersteht und nichts anderes gesagt wird, ist davon auszugehen,
da"s eine nat"urliche Zahl in Dezimaldarstellung gemeint ist.
In diesem Kontext d"urfen Multiplikationssymbole nat"urlich nicht, wie in der
abstrakten Mathematik 
"ublich, einfach weggelassen werden. 
Dann 
 gilt es zu zeigen, da"s jede nat"urliche Zahl
eine eindeutig bestimmte Dezimaldarstellung hat
mit $r> 0\RA a_r\neq 0$, was wieder dem Leser zur
"Ubung "uberlassen sei. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Zahldarstellungen}] 
Gegeben eine beliebige nat"urliche 
Zahl $b>1$  hat jede nat"urliche Zahl $n$ genau eine Darstellung 
der Form 
$$n=a_rb^r+\ldots +a_1b^1+a_0b^0$$
mit 
$a_0, a_1,\ldots, a_r\in
\{0,1,\ldots, b-1\}$ und $r> 0\RA a_r\neq 0$.
Wenn wir Symbole alias Ziffern f"ur die Elemente dieser Menge vereinbaren,
so k"onnen wir die Sequenz von Ziffern
$a_r\ldots a_0$ als Darstellung der Zahl $n$ interpretieren.
Wir sagen dann auch, sie {\bf stelle $n$ im $b$-adischen System dar}
\index{Zahldarstellungen} und schreiben
$$a_r\ldots a_0=[a_r,\ldots, a_0]_b=n$$
Wenn aber ganz links nicht eine Darstellung zur Basis zehn gemeint
sein sollte, mu"s man das deutlich dazusagen. Das zehnadische Sytem hei"st das
{\bf Dezimalsystem}\index{Dezimalsystem} und man spricht dann auch von
der {\bf Dezimaldarstellung}\index{Dezimaldarstellung} einer nat"urlichen
Zahl und wir haben etwa
$$[2,5,5]_{10}=255$$ 
Bei $b\leq 10$ w"ahlt man als Ziffern meist die ersten $b$ 
"ublichen Ziffern des Dezimalsystems.
 Das $2$-adische Sytem hei"st das
{\bf Dualsystem}\index{Dualsystem} und man spricht dann auch von
der {\bf Bin"ardarstellung}\index{Bin"ardarstellung} einer nat"urlichen Zahl.
So w"are $$1010=[1,0,1,0]_2=2^3+2^1=10$$ die Darstellung  der Zahl Zehn im Dualsystem, wo ganz links dazugesagt werden mu"s,
da"s $1010$ als Bin"ardarstellung gemeint ist.
Gebr"auchlich sind auch Darstellungen im $16$-adischen Sytem
alias {\bf Hexadezimalsystem}\index{Hexadezimalsystem} mit den 
"ublicherweise verwendten Ziffern $0,1,2,3,4,5,6,7,8,9,\mathrm A,
\mathrm B,\mathrm C,\mathrm D,\mathrm E,\mathrm F$.
So h"atten wir zum Beispiel  $$\mathrm F\mathrm F=[\mathrm F,\mathrm F]_{16}=15\cdot 16+15=  255$$ und m"ussen  ganz links
dazusagen,
da"s $\mathrm F\mathrm F$ als Hexadesimaldarstellung gemeint ist. Wenn aber in so einer
Ziffernfolge die ersten sechs Buchstaben des Alphabets als Gro"sbuchstaben
auftauchen, liegt der Verdacht einer Zahl in
Hexadesimaldarstellung  nahe. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl} Hier zeige ich noch zwei Aussagen f"ur endliche Mengen,
  die wir bereits als offensichtlich deklariert und  verwendet haben,
  aber vor der Formalisierung des Begriffs
  einer endlichen Menge \ref{eue}.
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\textbf{Eigenschaften endlicher Mengen}]
    Jede Teilmenge einer endlichen Menge ist endlich.
    Die Vereinigung einer endlichen Menge mit einer
    einelementigen Menge ist endlich.\label{EeM} 
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Diese Erkenntnisse  haben wir bereits mehrfach als intuitiv klar verwendet,
  aber das war noch vor dem Verlust der Unschuld durch die
  Formalisierung des Begriffs einer endlichen Menge. Da"s man umgekehrt auch
  jede endliche Menge als endliche Vereinigung einelementiger Mengen schreiben
  kann, wird im wesentlichen in  \ref{ZeMM} bewiesen.
  \end{Bemerkungl}

\begin{proof} 
Es ist klar, da"s jede Menge mit einer unendlichen Teilmenge 
auch selbst unendlich sein mu"s. Das zeigt die erste Aussage. 
Es ist klar, da"s eine unendliche Menge unendlich bleibt, wenn wir ihr ein
Element wegnehmen: Wir k"onnen n"amlich unsere injektive aber
nicht bijektive Abbildung leicht so ab"andern, da"s
ein vorgegebenes Element auf sich selber
abgebildet wird. 
Das zeigt die zweite Aussage.
\end{proof}


\begin{Lemma}[\textbf{Maximale Elemente endlicher teilgeordneter Mengen}]
   Jede nichtleere endliche teilgeordnete
   Menge $(E,\leq)$  besitzt mindestens ein maximales Element.\label{NEEN} 
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Diese Erkenntnis  haben wir bereits mehrfach als intuitiv klar verwendet,
   etwa im Beweis \eref{Kop}{AN1} der Tatsache, da"s zwischen
   je zwei verschiedenen reellen Zahlen immer noch eine rationale Zahl
   liegt, oder beim
   Beweis des Ba\-sis\-exis\-tenz\-sat\-zes f"ur endlich
   erzeugte Vektorr"aume \ref{EEBa}.
Das aber
    war noch vor der Formalisierung des Begriffs einer endlichen Menge.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Wir  argumentieren durch Widerspruch.
    Andernfalls k"onnten wir eine Abbildung $f:E\ra E$ finden,
   die jedem Element ein echt gr"o"seres Element zuordnet.
   Da wir $E\neq \emptyset$ angenommen hatten, gibt
   es andererseits  $a\in E$ und wir erhielten  eine
   injektive aber nicht surjektive Abbildung von $\{x\in E\mid x\geq a\}$
   zu sich selbst im Widerspruch zu Lemma \ref{EeM}, nach dem jede Teilmenge
   einer endlichen Menge endlich sein mu"s.
\end{proof}






\subsubsection*{"Ubungen}
 \begin{Ubung}
 Man zeige, da"s gilt
$s(a)\neq a$ f"ur alle $a\in \DN$. 
 \end{Ubung}
 \begin{Ubung}
   Man f"uhre den Beweis f"ur das Teilen mit Rest 
\ref{TMR} aus.
 \end{Ubung}

 \begin{Ubung}
   Man zeige, da"s die Vereinigung einer endlichen Menge mit einer
   einelementigen Menge wieder endlich ist. Man zeige durch
   vollst"andige Induktion "uber $a$,\label{Uze} 
   da"s f"ur alle $a\in\DN$ die Menge
   $\DN_{<a}\pdef \{n\in\DN\mid n<a\}$ endlich ist.
   Das vervollst"andigt den Beweis von Satz \ref{ZeMM}
   "uber das Z"ahlen endlicher Mengen.  
 \end{Ubung}

 \begin{Ubung}
   Gegeben eine endliche Menge $X$ und eine
   Abbildung $f:X\ra X$  zeige man, da"s es
   nat"urliche Zahlen $m, n$ gibt mit $f^m=f^{n+m}$ und $n\geq 1$. 
 \end{Ubung}

 \begin{Ubung} Gegeben eine Menge $X$ und eine
   Abbildung $f:\DN\times X\ra X$ und ein Element $a\in X$
   gibt es genau eine Folge $\DN\ra X$, $n\mapsto x_n$ mit
   $x_0=a$ und $x_{n+1}=f(n,x_n)\;\forall n\in\DN$.
 \end{Ubung}
 \begin{Ubung}
   Gegeben ein multiplikativ notiertes Monoid $M$ und
   $a\in \DN$ zeige man $(m\cdot)^a(1_M)=(\cdot m)^a(1_M)$. 
 \end{Ubung}
 \begin{Ubung}
   Man zeige die Iterationsregeln \eref{muln}{GR} f"ur Mengen mit einer
   assoziativen Verkn"upfung.\label{mulnf} 
 \end{Ubung}
 \subsection{"Aquivalenzrelationen und ganze Zahlen}

\begin{Bemerkungl}
 Unter einer {\bf Relation}\index{Relation!auf einer Menge} $R$ auf einer
  Menge $X$ verstehen wir wie in  \ref{REEb}
eine Teilmenge $R \subset X \times X$ des kartesischen
  Produkts von $X$ mit sich selbst, also eine Menge von Paaren von
  Elementen von $X$.  Statt $(x,y)\in R$ schreiben wir in diesem
  Zusammenhang meist $xRy$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Eine Relation $R\subset X\times X$ auf einer Menge $X$
hei"st eine\label{deaq}  
{\bf "Aquivalenzrelation},\index{"Aquivalenzrelation!auf einer Menge} 
 wenn
f"ur alle Elemente $x,y,z\in X$ gilt:
\begin{enumerate}
\item
{\bf Transitivit"at:} ($xRy$ und $yRz)\RA xRz$
\item
{\bf Symmetrie:} $xRy\IFF yRx$\index{Symmetrie!f"ur Relation}
\item
{\bf Reflexivit"at:} $xRx$
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
 Ist eine Relation symmetrisch und transitiv und ist jedes
Element in Relation zu mindestens einem weiteren Element, so
ist unsere Relation bereits reflexiv. Ein Beispiel f"ur eine Relation,
die symmetrisch und transitiv ist, aber nicht reflexiv, w"are etwa
die \glqq leere Relation\grqq\  $R=\emptyset$ auf 
einer nichtleeren Menge $X\neq\emptyset$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
  Gegeben eine Abbildung $f:X\ra Z$ erhalten wir 
  eine "Aquivalenzrelation auf $X$ durch die Vorschrift $(x\sim y)\IFF (f(x)=f(y))$. Die "Aquivalenzlassen  sind dann genau
  die nichtleeren Fasern von $f$. Wir werden demn"achst zeigen, da"s jede
  "Aquivalenzrelation auf diese Weise beschrieben werden kann.
\end{Beispiel}


\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine "Aquivalenzrelation $\sim$ auf einer Menge $X$ betrachtet man
f"ur $x\in X$ die Menge $A(x)\pdef\{z\in X\mid z\sim x\}$ und nennt sie die
{\bf "Aquivalenzklasse von}\index{"Aquivalenzklasse} $x$. 
Eine Teilmenge $A\subset X$ hei"st eine {\bf "Aquivalenzklasse}
f"ur unsere "Aquivalenzrelation
 genau dann, wenn es ein $x\in X$ gibt derart, da"s $A=A(x)$ 
die  "Aquivalenzklasse von $x$ ist.
Ein Element einer
"Aquivalenzklasse nennt man auch einen  
{\bf Repr"asentanten}\index{Repr"asentant} 
der Klasse. Eine Teilmenge $Z\subset X$, die aus jeder "Aquivalenzklasse 
genau ein Element enth"alt, hei"st ein 
{\bf Repr"asentantensystem}.\index{Repr"asentantensystem}
Aufgrund der Reflexivit"at gilt $x\in A(x)$, und man sieht
leicht, da"s f"ur $x,y\in X$ die folgenden drei Aussagen 
gleichbedeutend sind:
\begin{enumerate}
\item
$x\sim y;$
\item 
$A(x)=A(y);$
\item
$A(x)\cap A(y)\neq\emptyset$.
\end{enumerate}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben eine "Aquivalenzrelation $\sim$ 
auf einer Menge $X$ bezeichnen wir\label{UEAQ} 
die Menge aller "Aquivalenzklassen, eine Teilmenge
der Potenzmenge $\cal{P}(X)$, mit
$$(X/{\sim})\pdef\{A(x)\mid x\in X\}$$ und haben eine kanonische Abbildung
$\op{can}:X\ra (X/{\sim})$, $x\mapsto A(x)$.
Diese kanonische Abbildung ist eine Surjektion und ihre Fasern sind
genau die "Aquivalenzklassen unserer "Aquivalenzrelation.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Ist  $f:X\ra Z$ eine Abbildung mit $x\sim y\RA f(x)=f(y)$, so
gibt es nach der universellen Eigenschaft von Surjektionen
\eref{UES}{GR} genau eine Abbildung $\bar{f}:(X/{\sim})\;\ra Z$ mit
$f=\bar{f}\circ \op{can}$. Wir zitieren diese Eigenschaft manchmal
als die {\bf universelle Eigenschaft 
des Raums der "Aquivalenzklassen}.\index{Universelle Eigenschaft!des
Raums der "Aquivalenzklassen}
Sagt man, eine Abbildung  $g:(X/{\sim})\;\ra Z$ sei
{\bf wohldefiniert}\index{wohldefiniert} durch eine Abbildung 
$f:X\ra Z$, so ist gemeint, da"s $f$ die Eigenschaft 
$x\sim y\RA f(x)=f(y)$ hat und da"s man $g=\bar f$ setzt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{EzAeq} 
 Gegeben  auf einer Menge $X$ eine Relation $R\subset X\times X$ 
gibt es eine kleinste "Aquivalenzrelation $T\subset X\times X$, 
die $R$ umfa"st. Man kann diese "Aquivalenzrelation entweder beschreiben
als den Schnitt aller "Aquivalenzrelationen, die $R$ umfassen,
oder auch als die Menge $T$ aller Paare $(x,y)$ derart, da"s es ein $n\geq 0$
gibt und Elemente $x=x_0, x_1,\ldots ,x_n=y$ von $X$ mit
$x_\nu R x_{\nu-1}$ oder $x_{\nu-1} R x_\nu$ f"ur alle $\nu$ 
mit $1\leq\nu\leq n$. Wir nennen $T$ auch die
{\bf von der Relation $R$ erzeugte "Aquivalenzrelation auf $X$}.
\index{"Aquivalenzrelation!erzeugt von
  Relation}\index{erzeugt!"Aquivalenzrelation} 
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}
Denken wir uns die Menge $X$ als
die 
\glqq Menge aller Tiere\grqq\  und $R$ als die Relation \glqq k"onnten 
im Prinzip miteinander fruchtbaren Nachwuchs
zeugen\grqq, so w"aren die "Aquivalenzklassen unter der von dieser
Relation erzeugten  "Aquivalenzrelation eine mathematische Fassung dessen,
was Biologen unter einer \glqq Tierart\grqq\  verstehen w"urden.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
  Gegeben eine Menge $X$ und eine Abbildung $f:X\ra X$ betrachten wir die
  von der Relation $f(x)\sim x$ erzeugte "Aquivalenzrelation. Man zeigt unschwer, da"s sie explizit beschrieben werden kann durch
  $$(x\sim y)\IFF (\exists m,n\in \DN\text{ mit } f^n(x)=f^m(y)).$$
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}[\textbf{Lokalisierung eines kommutativen Monoids}]
  Gegeben $M\supset N$ ein kommutatives Monoid  mit einem
  Untermonoid  erh"alt man 
eine "Aquivalenzrelation 
auf der Menge $M \times N$ 
durch die\label{KzN} 
Vorschrift $$(a,s) \sim (b,t) \Leftrightarrow (\exists x\in N \text{ mit } 
a t x = b s x)$$
Hier sind Symmetrie und Reflexivit"at offensichtlich. Um die Transitivit"at
zu pr"ufen, m"ussen wir etwas rechnen: Gilt au"serdem $(b,t)\sim (c,r)$,
also $b r y=c t y$ f"ur ein $y\in N$, so folgt
$a t x r y =b s x r y=c t y  s x$ und damit in der Tat $(a,s)\sim (c,r)$.
Die Menge der "Aquivalenzklassen notieren wir
$$N^{-1}M\pdef (M \times N)/{\sim}$$
und notieren $s\backslash a$ die "Aquivalenzklasse von $(a,s)$.
Man pr"uft, da"s es auf $N^{-1}M$ eine Verkn"upfung gibt mit
$(s\backslash a)(t\backslash b)=(st\backslash ab)$ und da"s
$N^{-1}M$ mit dieser
Verkn"upfung ein kommutatives Monoid wird und
$\op{can}: M\ra N^{-1}M$ gegeben durch $a\mapsto 1\backslash a$ 
ein Monoidhomomorphismus, unter dem jedes $s\in N$ auf ein invertierbares
Element von  $N^{-1}M$ abgebildet wird. Offensichtlich ist $\op{can}$ genau dann ein Injektion $M\hra N^{-1}M$, wenn $N$ aus k"urzbaren Elementen von $M$ besteht.
Schlie"slich induziert das Vorschalten von $\op{can}$ f"ur jedes weitere
Monoid $L$ eine Bijektion
$$\op{Mon}(N^{-1}M,L)\sira \{\varphi\in \op{Mon}(M,L)\mid \varphi(N)\subset L^\times\}$$
wir sagen, das Monoid $N^{-1}M$ \glqq gehe aus $M$ durch formales Invertieren der
Elemente von $N$ hervor\grqq. 
Im Spezialfall $N=M$ ist insbesondere $M^{-1}M$ stets eine Gruppe.
Sie hei"st die {\bf einh"ullende Gruppe}\index{einh"ullende Gruppe} 
des\index{Gruppe!einh"ullende} kommutativen Monoids $M$.
\end{Beispiel}

 \begin{Bemerkungl}[\textbf{Konstruktion des Rings der ganzen Zahlen}]
   Die einh"ullende Gruppe unseres  Monoids $(\mathbb N, +)$
   der nat"urlichen Zahlen aus \ref{KurZ} 
hei"st  die additive Gruppe\index{ganze Zahlen}\label{KzN}  
$$\mathbb Z $$  der {\bf ganzen Zahlen}.\index{Z@$\DZ$ ganze Zahlen|main}
Aufgrund der K"urzungsregel \ref{KurZ} ist die
kanonische Abbildung in diesem Fall eine Injektion
$\DN\hra\DZ$. Man pr"uft leicht, da"s wir auf $\DZ$ eine
Anordnung  erhalten durch die Vorschrift $(a\leq b)\IFF (\text{Es gibt }c\in \DN\text{ mit }a+c=b)$.
Diese Anordnung hat die Eigenschaft $(a\leq b)\RA (a+x\leq b+x)$
und $\DN=\DZ_{\geq 0}$. Nach \ref{MnaZ} induziert unsere Multiplikation auf
$\DZ_{\geq 0}$ eine Multiplikation auf
$\DZ_{> 0}$ und diese ist nach \ref{disZ} distributiv "uber der Addition. 
Aus \eref{TLl}{AN1} folgt dann schlie"slich, da"s sich
unsere Multiplikation auf $\DZ_{> 0}$ aus \ref{MnaZ} auf eine und nur eine Weise
zu einer kommutativen und "uber $+$ distributiven Multiplikation 
auf $\DZ$ fortsetzen l"a"st. Von dieser Multiplikation ist a posteriori dann
auch klar, da"s sie unsere Multiplikation auf  $\DN\supset \DZ_{>0}$ fortsetzt.
Wenn wir in \ref{Ring} lernen, was ein \glqq Ring\grqq\ ist, werden sich unsere ganzen Zahlen mit dieser Addition und Multiplikation als eines der ersten Beispiele 
f"ur einen Ring erweisen.
 \end{Bemerkungl}





\begin{Bemerkunge}
Gegeben  Relationen $R\subset X\times X$ und $S\subset Y\times Y$ ist auch das Bild von
$(R\times S)\subset (X\times X)\times (Y\times Y)$ unter der
durch Vertauschen der mittleren Eintr"age gegebenen Identifikation
$(X\times X)\times (Y\times Y)\sira (X\times Y)\times (X\times Y)$ eine Relation.
Wir notieren diese Relation auf dem Produkt kurz $R\times S$.
Sind $R$ und $S$ "Aquivalenrelationen, so auch $R\times S$.
\end{Bemerkunge}

\subsubsection*{"Ubungen} 


\begin{Ubunge}
Ist $G$ eine Gruppe und $H\subset G \times G$ eine Untergruppe, die
die Diagonale umfa"st, so ist $H$ eine "Aquivalenzrelation.
\end{Ubunge}

\subsection{Untergruppen der Gruppe der ganzen Zahlen}
\label{UgrZ}
  


\begin{Definition}
Eine Teilmenge einer Gruppe hei"st eine {\bf Untergruppe},\index{Untergruppe}
 wenn sie abgeschlossen ist unter
der Verkn"upfung und
  der Inversenbildung und 
zus"atzlich das neutrale Element enth"alt.  Ist $G$
  eine multiplikativ geschriebene Gruppe, so ist eine Teilmenge $U
  \subset G$ also eine Untergruppe, wenn in Formeln gilt: $a,b \in U
  \Rightarrow a b \in U$, $a \in U \Rightarrow a^{-1} \in U$ sowie $1\in U$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
Nach der reinen Lehre sollte eine
     Teilmenge einer Gruppe eine 
\glqq Untergruppe\grqq\   hei"sen, 
 wenn sie so mit der Struktur
    einer Gruppe versehen werden kann, da"s die Einbettung ein
    Gruppenhomomorphismus wird.
Da diese Definition jedoch f"ur Anwendungen erst aufgeschl"usselt 
werden mu"s, haben wir gleich die aufgeschl"usselte Fassung als 
 Definition genommen. Den Nachweis der "Aquivalenz zur 
Definition nach der reinen Lehre "uberlassen wir dem Leser zur "Ubung. 
  \end{Bemerkunge}

\begin{Beispiele}
In jeder Gruppe ist die einelementige 
Teilmenge, die nur aus dem neutralen Element besteht, 
eine Untergruppe. Wir nennen sie die 
\defnoind{triviale Untergruppe}.\index{Untergruppe!triviale}
Ebenso ist nat"urlich die ganze Gruppe stets eine Untergruppe von sich selber.
Gegeben ein Vektorraum $V$ ist die Menge aller Automorphismen eine
Untergruppe $\op{Aut}(V)\subset \op{Ens}^\times(V)$ der Gruppe aller
Permutationen der zugrundeliegenden Menge. 
\end{Beispiele}
\begin{Satz}[\textbf{Untergruppen der additiven Gruppe $\DZ$ der ganzen Zahlen}]
Jede Untergruppe $H \subset \DZ$ ist von der Form $H=m \DZ$ f"ur
genau ein $m \in \DN$.\label{UGZ}  Die 
 Abbildungsvorschrift $m\mapsto m \DZ$ 
liefert mithin eine Bijektion  
$$\begin{array}{ccc}
\DN
 & \sira &
\{H\subset \DZ\mid H \text{ ist Untergruppe von }\DZ\}
\end{array}$$
Die Umkehrabbildung ordnet jeder Untergruppe $H\subset \DZ$ ihr kleinstes positives
Element zu, wenn $H$ "uberhaupt positive Elemente hat, und sonst die Null.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl} Eine Teilmenge $H\subset \DZ$ ist per definitionem eine
  Untergruppe genau dann, wenn sie die Null enth"alt, mit jedem Element
  auch sein Negatives und mit je zwei Elementen auch ihre Summe.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Im Fall $H=\{0\}$  ist $m=0$ die einzige nat"urliche Zahl
mit $H=  m\DZ$. Gilt
$H \neq \{0\}$, so enth"alt $H$ echt positive Elemente.
Sei dann $m \in H$ das kleinste echt positive Element von
$H$. Wir behaupten $H = m\DZ$. Die Inklusion $H \supset m \DZ$
ist hier offensichtlich.
Aber g"abe es $n \in H \setminus m\DZ$, so k"onnten wir $n$
\hyperref[TMR]{mit Rest teilen} durch $m$ und also schreiben $n = ms
+ r$ f"ur geeignete $s,r\in\DZ$ mit $0< r < m$.
Es folgte $r = n-ms\in H$ im
Widerspruch zur Minimalit"at von $m$.
Das zeigt $H=m\DZ$. Die restlichen Behauptungen sind nun 
offensichtlich.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}\label{EUG}
Der Schnitt "uber eine beliebige Familie von Untergruppen einer
gegebenen Gruppe ist selbst wieder eine Untergruppe. F"ur eine
Teilmenge $T$ einer Gruppe $G$ erkl"aren wir die {\bf von $T$
erzeugte Untergruppe}\index{Untergruppe!erzeugt von Teilmenge} 
$$\langle T\rangle \subset G$$ als die\index{erzeugt!Untergruppe}
kleinste Untergruppe von $G$, die $T$ umfa"st. Nat"urlich gibt es so eine
kleinste Untergruppe, n"amlich den
Schnitt "uber alle Untergruppen von $G$, die $T$ umfassen.
F"ur $T \neq
\emptyset$ k"onnen wir $\langle T\rangle$ konkret beschreiben als
die Menge aller endlichen Produkte von Elementen aus $T$ und deren
Inversen. F"ur $T =\emptyset$ besteht $\langle T\rangle$ dahingegen nur
aus dem neutralen Element.  Ist $T$ durch einen 
Ausdruck in Mengenklammern gegeben, so lassen wir diese 
meist weg und schreiben also zum Beispiel
k"urzer $\langle a_1,\ldots,a_n\rangle$ statt 
$\langle \{ a_1,\ldots,a_n\}\rangle$. Ob der Ausdruck $\langle T\rangle$
in einem speziellen Fall die von einer Menge $T$ erzeugte Untergruppe
oder vielmehr die von der einelementigen Menge mit einzigem Element $T$ 
erzeugte Untergruppe meint, mu"s der Leser meist
 aus dem Kontext erschlie"sen. Schreiben wir jedoch $\langle_! T\rangle$,
so ist stets zu verstehen, da"s $T$ eine Menge von Erzeugern 
und nicht einen einzelnen Erzeuger meint.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Ist $V$ ein $k$-Vektorraum und $T\subset V$ eine Teilmenge,
so mu"s der Leser aus dem Kontext erschlie"sen, ob
mit $\langle T\rangle$ die von $T$ erzeugte Untergruppe oder der von
$T$ erzeugte Untervektorraum gemeint ist. 
Zur Unterscheidung schreiben wir manchmal $\langle T\rangle_\DZ$
f"ur die von $T$ erzeugte Untergruppe und $\langle T\rangle_k$
f"ur den von $T$ erzeugten Untervektorraum.
\end{Bemerkungl}




\subsubsection*{"Ubungen}


\begin{Ubunge}\label{ETUG}
Eine endliche nichtleere Teilmenge einer Gruppe, die mit je zwei Elementen auch
die Verkn"upfung der beiden enth"alt, ist notwendig bereits eine Untergruppe.
\end{Ubunge}


\begin{Ubung}\label{SM}
Sind $H,K \subset G$ zwei Untergruppen einer  Gruppe 
mit $H\cap K =1$, so
induziert die Verkn"upfung eine Injektion $H \times K
\hookrightarrow G$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Wieviele Untergruppen hat die additive Gruppe eines zweidimensionalen
Vektorraums "uber dem K"orper mit zwei Elementen?  
Wieviele Untergruppen hat die additive Gruppe eines $n$-dimensionalen
Vektorraums "uber dem K"orper mit zwei Elementen?  
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{StaKe}
  Sei $G$  eine Gruppe  und   
$\varphi:G\ra G$ ein Gruppenhomomorphismus.
Man zeige: Gilt f"ur ein $n\in\DN$ die Geichheit 
$\op{ker}\varphi^n=\op{ker}\varphi^{n+1}$, so folgt
$\op{ker}\varphi^n=\op{ker}\varphi^{n+1}=\op{ker}\varphi^{n+2}=\ldots$
%Hinweis: Man mag \eref{BiuB}{GR} erinnern.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{KKGr} 
F"ur jeden Gruppenhomomorphismus $\varphi:G\ra H$ gilt die Formel
$|G|=|\op{im}\varphi|\cdot |\op{ker}\varphi|$. Man bemerke, da"s 
diese Formel im Fall linearer Abbildungen von
Vektorr"aumen "uber endlichen K"orpern "aquivalent ist zur 
Dimensionsformel. 
\end{Ubung}

\subsection{Primfaktorzerlegung}\label{pfz}
\begin{Definition}
Eine \defind{Primzahl} ist eine nat"urliche Zahl $\geq 2$,
die sich nicht als das Produkt von zwei echt kleineren nat"urlichen Zahlen
erhalten l"a"st.
\end{Definition}

\begin{Beispiel}
  Die  Primzahlen unterhalb von $50$ 
sind $2$, $3$, $5$, $7$, $11$, $13$, $17$, $19$,
$23$, $29$, $31$, $37$, $41$, $43$, $47$.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}
Eine M"oglichkeit, alle Primzahlen zu finden, ist das sogenannte
\defind{Sieb des Eratosthenes}:
Man beginnt mit der kleinsten Primzahl, der Zwei.
Streicht man alle Vielfachen der Zwei, als da hei"st, alle 
geraden Zahlen, so ist die erste Zahl
unter den "Ubrigen die n"achste Primzahl, die Drei. 
Streicht man nun auch noch alle Vielfachen der
Drei, so ist die erste Zahl unter den "Ubrigen die 
n"achste Primzahl, die F"unf, und so weiter.
\glqq Der Erste\grqq\  hei"st auf lateinisch \glqq Primus\grqq\  und 
auf griechisch "ahnlich und es k"onnte sein,
da"s die Bezeichnung  \glqq Primzahl\grqq\ 
daher r"uhrt.
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Existenz einer Primfaktorzerlegung}]\label{EPF}
Jede nat"urliche Zahl\index{Primfaktorzerlegung!Existenz} 
$n \geq 2$ kann 
als ein Produkt  von Primzahlen $n =  p_{1} p_{2} \ldots p_{r}$
mit $r\geq 1$ dargestellt  werden. 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Jede nat"urliche Zahl\index{Primfaktorzerlegung!Existenz} 
$n \geq 1$ kann auch
als ein Produkt  von Primzahlen $n =  p_{1} p_{2} \ldots p_{r}$
mit $r\geq 0$ dargestellt  werden, wenn wir unsere Konvention \eref{VLSP}{GR}
erinnern, nach der
die Eins durch das \glqq leere Produkt\grqq\  mit $r=0$ dargestellt wird.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Das ist klar mit vollst"andiger Induktion:
Ist eine Zahl nicht bereits selbst prim, so kann sie als Produkt von zwei echt 
kleineren Faktoren geschrieben werden, von denen nach Induktionsannahme 
bereits bekannt ist, da"s sie Primfaktorzerlegungen besitzen.
\end{proof}

\begin{Satz}\label{UEPi}
  Es gibt unendlich viele Primzahlen.
\end{Satz}
\begin{proof}
Durch Widerspruch. G"abe es nur endlich viele Primzahlen, so k"onnten
wir deren Produkt betrachten und dazu Eins hinzuz"ahlen. Die so neu
entstehende Zahl m"u"ste  
dann wie jede  nat"urliche Zahl $\geq 2$  
nach \ref{EPF} eine Primfaktorzerlegung mit mindestens einem
Primfaktor besitzen, aber keine unserer
endlich vielen Primzahlen k"ame als Primfaktor in Frage. 
\end{proof}

\begin{Bemerkunge}
Noch offen (2019) ist die Frage, ob es auch unendlich viele 
\defind{Primzahlzwillinge} gibt, als da hei"st,  Paare von Primzahlen
mit der Differenz Zwei, wie zum Beispiel 
$5,7$ oder $11,13$ oder $17,19$.
Ebenso offen ist die Frage, ob jede gerade
Zahl $n>2$ die Summe von zwei Primzahlen ist.
Die Vermutung, da"s das richtig sein sollte, ist bekannt als 
\defind{Goldbach-Vermutung}. Bekannt ist, da"s es unendlich viele Paare von Primzahlen mit einem Abstand $\leq 246$ gibt.
\end{Bemerkunge}

\begin{Satz}[\textbf{Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung}]
Die Darstellung einer nat"urlichen Zahl 
$n \geq 1$ 
als ein Produkt  von Primzahlen $n =  p_{1} p_{2} \ldots p_{r}$ 
 ist eindeutig bis auf die Reihenfolge der
Faktoren. Nehmen wir zus"atzlich\label{EPFE} 
$  p_{1}\leq  p_{2}\leq \ldots \leq p_{r}$ an, so ist unsere Darstellung
mithin eindeutig.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl} In anderen Worten liefert
    das Aufmultiplizieren eine Bijektion 
  $$\{\text{Endliche Multimengen von Primzahlen}\}
    \sira\{\text{Positive nat"urliche Zahlen}
      \}
  $$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Dieser Satz ist einer von vielen Gr"unden, aus denen man 
bei der Definition des Begriffs  einer Primzahl
die Eins ausschlie"st. Die Eins auf der rechten Seite erh"alt man
aus der leeren Multimenge auf der linken Seite. 
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
Der Beweis dieses Satzes braucht einige Vorbereitungen.
Ich bitte  Sie, gut aufzupassen, da"s wir bei diesen
Vorbereitungen den Satz
"uber die Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung nirgends verwenden, 
bis er dann im Anschlu"s an Lemma \ref{EPf} endlich bewiesen werden kann.   
\end{proof}





\begin{Definition}
Seien $a,b \in \DZ$ ganze Zahlen. Wir sagen {\bf $a$ 
teilt $b$}\index{teilt} oder 
{\bf $a$ 
  ist ein Teiler von $b$}\index{Teiler} oder {\bf $b$ 
  ist ein Vielfaches von $a$}\index{Vielfaches}
und schreiben
$a|b$, wenn es $c \in \DZ$ gibt mit $ac=b$.
\end{Definition}
\begin{Definition}
Sind ganze Zahlen $a,b\in\DZ$ nicht beide Null, 
so gibt es eine gr"o"ste ganze Zahl $c\in\DZ$, die sie beide teilt.
Diese Zahl hei"st der
{\bf gr"o"ste gemeinsame Teiler}\index{gr"o"ster gemeinsamer Teiler} 
von $a$ und $b$ und man notiert sie
$\op{ggT}(a,b)$.\index{ggT@$\op{ggT}$ gr"o"ster gemeinsamer Teiler}  
Ganze Zahlen $a$ und $b$ hei"sen 
{\bf teilerfremd},\index{teilerfremd!ganze Zahlen}
 wenn  sie au"ser $\pm 1$ keine gemeinsamen Teiler besitzen.
\end{Definition}

\begin{Beispiel}
  Insbesondere sind also $a=0$ und $b=0$ nicht teilerfremd
  und $0$ und $5$ sind auch nicht teilerfremd. 
\end{Beispiel}

\begin{Satz}[\textbf{"uber den gr"o"sten gemeinsamen Teiler}]
Gegeben zwei ganze Zahlen $a,b\in \DZ$, die  nicht beide Null sind,\label{ggT} 
kann ihr  gr"o"ster gemeinsamer Teiler $\op{ggT}(a,b)$
als eine ganzzahlige Linearkombination
unserer beiden Zahlen dargestellt werden. Es gibt  also in Formeln
$r, s \in \DZ$ mit $$\op{ggT}(a,b) = r a+sb$$
Teilt weiter $d \in \DZ$ sowohl $a$ als auch $b$, so teilt $d$ auch den
gr"o"sten gemeinsamen Teiler von $a$ und $b$.
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Der letzte Teil dieses Satzes ist einigerma"sen offensichtlich, wenn man die 
Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung als bekannt voraussetzt.
Da wir besagte Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung jedoch erst aus 
besagtem zweiten Teil  ableiten werden,
ist es wichtig, auch f"ur den zweiten Teil dieses Satzes
einen eigenst"andigen Beweis zu geben.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Man betrachte die Teilmenge $a \DZ + b\DZ= 
\{ ar+bs\mid r, s \in \DZ\}\subset\DZ$.  Sie ist
offensichtlich eine von Null verschiedene
Untergruppe von $\DZ$. Also ist sie nach unserer Klassifikation
\ref{UGZ} der Untergruppen von $\DZ$ von der Form $a \DZ +
b\DZ = m\DZ$ f"ur genau ein $m > 0$ und es gilt:
\begin{enumerate}
\item
$m$ teilt $a$ und $b$. In der Tat haben wir ja $a,b\in m\DZ$;
\item
$m = r a +sb$ f"ur geeignete $r,s \in \DZ$. In der Tat haben wir ja $m\in a \DZ +
b\DZ$;
\item
$(d$ teilt $a$ und $b) \Rightarrow (d$ teilt $m)$. 
\end{enumerate}
Daraus folgt sofort, da"s $m$ 
der gr"o"ste gemeinsame Teiler von $a$ und $b$ ist,
und damit folgt dann der Satz.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Notation f"ur gr"o"ste gemeinsame Teiler}] 
Gegeben $a_1,\ldots, a_n\in\DZ$ k"on\-nen wir 
mit der Notation \ref{EUG}  k"urzer schreiben
$$a_1\DZ+\ldots+a_n\DZ=\langle a_1,\ldots,a_n\rangle$$
"Ublich ist hier auch die Notation $(a_1,\ldots,a_n)$,
die jedoch  oft
auch $n$-Tupel von ganzen Zahlen bezeichnet, also Elemente von $\Bbb{Z}^{n}$,
und in der Analysis im Fall $n=2$ meist ein offenes Intervall. 
Es gilt dann aus dem Kontext zu erschlie"sen, was jeweils gemeint
ist.
Sind $a$ und $b$ nicht beide Null und ist $c$ ihr gr"o"ster
gemeinsamer Teiler, so haben wir nach dem 
Vorhergehenden $\langle a,b\rangle=\langle c\rangle$.
Wir benutzen von nun an oft diese  Notation.
"Uber die
Tintenersparnis hinaus hat sie
den Vorteil, auch im Fall  $a=b=0$
sinnvoll zu bleiben. 
\end{Bemerkungl}




\begin{Lemma}[\textbf{von Euklid}] 
Teilt eine Primzahl ein Produkt von zwei 
ganzen Zahlen, so teilt sie einen der\label{EPf} 
Faktoren.\index{Euklid!Lemma von}
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
Dies Lemma findet sich  in Euklid's Elementen 
in Buch VII als Proposition 30. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Wenn wir die Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung als bekannt
voraussetzen, so ist dies Lemma offensichtlich. Das
hilft aber hier nicht weiter,
da wir bei dieser Argumentation voraussetzen,
was wir gerade erst beweisen wollen. 
Sicher ist Ihnen die  Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung 
aus der Schule und ihrer Rechenerfahrung 
wohlvertraut.
Um die Schwierigkeit zu sehen, sollten Sie vielleicht selbst einmal 
versuchen, einen Beweis f"ur diese allzu vertraute Erkenntnis anzugeben.
Im "ubrigen werden wir
in \eref{GBGG}{AL} sehen, da"s etwa  im Ring $\DZ[\sqrt{-5}]$ das Analogon zur
Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung  nicht mehr richtig ist. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $p$ unsere Primzahl und seien $a,b\in\DZ$ gegeben mit $p|ab$.
Teilt $p$ nicht $a$, so folgt f"ur den gr"o"sten gemeinsamen Teiler
$\op{ggT}(p,a)=1$, 
denn die Primzahl
$p$ hat nur die Teiler $\pm 1$ und $\pm p$. Der gr"o"ste gemeinsame 
Teiler von $p$ und $a$ kann aber nicht $p$ sein und mu"s folglich $1$ sein.
Nach Satz \ref{ggT} "uber den gr"o"sten gemeinsamen Teiler 
gibt es also  $r, s
\in \DZ$ mit $1=rp +sa$. Es folgt $b = rpb + sab$ und damit $p|b$,
denn $p$ teilt  $rpb$ und teilt nach Annahme auch $sab$.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis der Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung \ref{EPFE}]
Zun"achst bemerken wir, da"s aus dem Lemma von Euklid \ref{EPf} 
per Induktion dieselbe Aussage auch f"ur Produkte beliebiger L"ange folgt:
Teilt  eine Primzahl ein Produkt, so teilt sie einen der
Faktoren.
Seien nun $n=p_1p_2\ldots p_r=q_1q_2\ldots q_s$ zwei
Primfaktorzerlegungen derselben Zahl $n\geq 1$.
Da $p_1$ unser $n$ teilt, mu"s es damit  eines der
$q_i$ teilen. Da auch dies $q_i$ prim ist, folgt $p_1=q_i$. 
Wir k"urzen den gemeinsamen Primfaktor und sind fertig per Induktion.
\end{proof}
% \begin{Bemerkungl}
% Aus der Existenz der Primfaktorzerlegung folgt insbesondere,
% da"s es unendlich viele Primzahlen geben mu"s: F"ur jede endliche
% Menge von 
% Primzahlen k"onnen wir n"amlich ihr Produkt 
% bilden. Z"ahlen wir zu diesem Produkt noch 1 hinzu, so kann
% keine  Primzahl aus unserer endlichen
% Menge ein Primfaktor der neu entstandenen Zahl sein.
% Also ist jeder Primfaktor der neu entstandenen Zahl eine Primzahl au"serhalb
% unserer vorgegebenen endlichen Menge von Primzahlen.
% \end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{EukA}
Ich erkl"are am Beispiel $a=160$, $b= 625$ den sogenannten
{\bf euklidischen Algorithmus},
mit dem man den gr"o"sten gemeinsamen Teiler zweier positiver 
nat"urlicher Zahlen $a,b$
bestimmen kann nebst einer Darstellung $\op{ggT}(a,b)=ra+rb$.
In unseren Gleichungen wird jeweils geteilt mit Rest.
$$\begin{array}{rrrrrrrrrrrrrr}
  625 = 3 \cdot&\! 160 &+& 145 \\
%\swarrow&&\swarrow\\
160 = 1 \cdot&\! 145 &+& 15 \\
%\swarrow&&\swarrow\\
145 = 9 \cdot &\! 15 &+& 10 \\
%\swarrow&&\swarrow\\
15 = 1 \cdot&\! 10 &+& 5 \\
%\swarrow&&\swarrow\\
10 = 2 \cdot &\! 5 &+&0 &
\end{array}$$
Daraus folgt 
%$\langle 625,160\rangle =\langle 160,145\rangle =\langle 145,15\rangle
%=\langle 15,10\rangle =\langle 10,5\rangle =\langle 5,0\rangle =\langle
%5\rangle $.
$\op{ggT} (625,160) =\op{ggT} (160,145) =\op{ggT} (145,15)
=\op{ggT} (15,10) =\op{ggT} (10,5) =\op{ggT} (5,0) =
5 $.
Die vorletzte Zeile liefert nun umgekehrt eine Darstellung 
$5= -10 +  15$ unseres gr"o"sten gemeinsamen Teilers 
$5=\op{ggT}(10,15)$
als ganzzahlige Linearkombination von
$10$ und $15$. Die vorvorletzte Zeile 
liefert durch Umstellen 
$10=-9\cdot 15 +  145$ und durch Einsetzen in die vorherige
Gleichung eine Darstellung
$$5=-(-9\cdot 15 +  145)+ 15=10\cdot 15 - 145$$
unseres gr"o"sten gemeinsamen Teilers 
$5=\op{ggT}(15,145)$ als ganzzahlige Linearkombination von
$15$ und $145$. Indem wir so induktiv hochsteigen, erhalten wir
schlie"slich
f"ur den gr"o"sten 
gemeinsamen Teiler die Darstellung $5=-11 \cdot 625 + 43 \cdot 160 $.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
 Gegeben eine
 positive nat"urliche Zahl $n$ bezeichne $\op{rad}(n)$ das
 Produkt ohne Vielfachheiten  aller Primzahlen, die $n$ teilen.
 Die {\bf ABC-Ver\-mu\-tung}\index{ABC-Vermutung} besagt,
 da"s es f"ur jedes $\varepsilon >0$ nur endlich viele
 Tripel von paarweise teilerfremden
 positiven nat"urlichen Zahlen $a,b,c$ geben soll mit $a+b=c$ und
 $$c > (\op{rad}(abc))^{1+\varepsilon}$$
 Es soll also salopp gesprochen sehr selten sein,
 da"s f"ur teilerfremde
 positive nat"urliche Zahlen $a,b$ mit vergleichsweise
 kleinen Primfaktoren  ihre Summe auch nur kleine
 Primfaktoren hat. 
 Der Status der Vermutung ist zur Zeit (2019) noch ungekl"art.
 Man kann zeigen, da"s es unendlich viele Tripel von paarweise teilerfremden
 positiven nat"urlichen Zahlen $a<b<c$ gibt  mit $a+b=c$ und
 $c \geq \op{rad}(abc)$.
 Diese sind jedoch bereits vergleichsweise selten, so gibt es
 etwa nur $120$ m"ogliche Tripel mit $c<10000$.
\end{Bemerkunge}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
  Man berechne den gr"o"sten gemeinsamen Teiler 
von $3456$ und $436$ und eine
Darstellung desselben als ganzzahlige 
Linearkombination unserer beiden Zahlen.
\end{Ubung}

\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSpiro}
\\
\noindent
Der Spirograph aus "Ubung \ref{Spiro}
\end{figure}

\begin{Ubung}
  Gegeben zwei von Null verschiedene nat"urliche Zahlen $a,b$ 
nennt man die kleinste von Null verschiedene nat"urliche Zahl,
die sowohl ein Vielfaches von $a$ als auch ein Vielfaches von $b$ ist,
das {\bf kleinste gemeinsame Vielfache}\index{kleinstes gemeinsames
  Vielfaches}
von $a$ und $b$ und notiert sie 
$\op{kgV}(a,b)$.\index{kgV@$\op{kgV}$ kleinstes gemeinsames Vielfaches} 
Man zeige 
in dieser Notation die Formel
$$\op{kgV}(a,b)\op{ggT}(a,b)=ab$$
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}\label{Spiro}
Beim sogenannten \glqq Spirographen\grqq, einem Zeichenspiel f"ur
Kinder, kann man an einem innen mit $105$ Z"ahnen versehenen Ring ein
Zahnrad mit $24$ Z"ahnen entlanglaufen lassen. Steckt man dabei einen Stift
durch ein Loch au"serhalb des Zentrums des Zahnrads, so 
entstehen dabei die k"ost\-lich\-sten Figuren. Wie oft mu"s das 
Zahnrad auf dem inneren Zahnkranz 
umlaufen, bevor solch eine Figur fertig gemalt ist?
\end{Ubunge}


\begin{Ubunge}
Berechnen Sie, wieviele verschiedene Strophen
 das sch"one Lied hat, dessen erste Strophe lautet:
\begin{quote}
  Tomatensalat Tomatensalat Tooo-\\
-matensalat Tomatensaaaaaaaa-\\
-lat Tomatensalat Tomatensalat\\
Tomatensalat Tomatensaaaaaaa-
\end{quote}
\end{Ubunge}

\newpage 

\section{Ringe und Polynome}
% F"ur feinere Untersuchungen zu linearen Abbildungen 
% werden st"arkere algebraische Hilfsmittel ben"otigt,
% die in diesem Abschnitt bereitgestellt werden sollen.


\subsection{Ringe}\label{dGrR}
\begin{Definition}
Ein \defind{Ring}, franz"osisch \defind{anneau},
 ist eine Menge mit zwei Ver\-kn"up\-fungen
$(R, +, \cdot)$ derart, da"s gilt:\label{Ring}
\begin{enumerate}
\item
$(R,+)$ ist eine kommutative Gruppe;
\item
$(R,\cdot)$ ist ein Monoid; ausgeschrieben hei"st das, %nach \eref{KNeu}{GR},
da"s auch die Verkn"upfung $\cdot$ assoziativ ist und 
da"s es ein Element $1=1_R \in R$ 
mit der Eigenschaft $1\cdot a = a\cdot 1 = a \quad
\forall a \in R$ gibt,\index{)0@$1$ neutrales Element f"ur $\cdot$!$1_R$ Eins eines Rings}  
das {\bf Eins-Element}\index{Eins-Element!in Ring} oder kurz die 
{\bf Eins} unseres Rings;
\item Es gelten die {\bf Distributivgesetze},\index{Distributivgesetz}
als da hei"st, f"ur alle $a,b, c \in R$ gilt
$$\begin{array}{rcl}
a \cdot (b +c)& = &(a\cdot b) +
(a\cdot c)\\
(a+b)\cdot c &=& (a\cdot c) + (b \cdot c)
\end{array}$$
\end{enumerate}
Die beiden Verkn"upfungen hei"sen  die 
\defnoind{Addition}\index{Addition!in Ring} 
und
die
\defnoind{Multiplikation}\index{Multiplikation!in Ring} in unserem Ring.
Das Element $1 \in R$ aus unserer Definition ist
wohlbestimmt als das neutrale Element des Monoids  $(R,\cdot)$,
vergleiche \eref{eBN}{GR}. 
Ein Ring, dessen Multiplikation kommutativ ist,
hei"st ein {\bf kommutativer Ring}\index{kommutativ!Ring} und bei uns in 
un"ublicher Verk"urzung ein {\bf Kring}.\index{Kring!kommutativer Ring}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Wir schreiben meist k"urzer $a \cdot b = ab$ und vereinbaren die Regel
\glqq Punkt vor Strich\grqq, so da"s zum Beispiel das erste
Distributivgesetz auch "ubersichtlicher
in der Form $a(b+c) = ab + ac$ geschrieben
werden kann.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel} 
Die ganzen Zahlen $\DZ$ bilden mit der "ublichen Multiplikation und Addition 
nach \ref{KzN} einen kommutativen Ring.
\end{Beispiel}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ursprung der Terminologie}]
Der Begriff \glqq Ring\grqq\  soll zum Ausdruck bringen, da"s diese Struktur
nicht in demselben Ma"se \glqq geschlossen\grqq\  ist wie ein K"orper,
da wir n"amlich  nicht die Existenz von multiplikativen Inversen 
fordern. 
Er wird auch im juristischen Sinne f"ur gewisse Arten  weniger geschlossenener
K"orperschaften verwendet. So gibt es
etwa den \glqq Ring deutscher Makler\grqq\  oder den \glqq Ring deutscher 
Berg\-ingenieure\grqq. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion alternativer Terminologie}]
Eine Struktur wie in der vorhergehenden Definition,\label{Rng} 
bei der nur die Existenz eines Einselements nicht gefordert wird,
bezeichnen wir %als \defind{Rng} oder etwas freundlicher 
im Vorgriff auf
\eref{kALL}{KAG} als eine {\bf assoziative $\DZ$-Algebra}.\index{Algebra!assoziative $\DZ$-Algebra}   
In der Literatur wird jedoch auch diese Struktur oft als
\glqq Ring\grqq\  bezeichnet, sogar bei der von mir
hochgesch"atzten Quelle Bourbaki.
Die Ringe, die eine Eins besitzen, hei"sen in
dieser Terminologie 
\glqq unit"are Ringe\grqq. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
Allgemeiner als in \ref{niOD} erkl"art hei"st ein Element $a$  eines
beliebigen Ringes, ja einer beliebigen
assoziativen $\DZ$-Algebra {\bf nilpotent},\index{nilpotent!Element} 
 wenn es $d\in \DN$ gibt mit $a^d=0$. 
\end{Bemerkunge}
\begin{Beispiele}\label{KonsR}
Die einelementige Menge mit der
offensichtlichen Addition und Multiplikation
ist ein Ring, der \defind{Nullring}. Jeder
K"orper ist ein Ring.
Die ganzen Zahlen $\DZ$ bilden einen Ring.
Ist $R$ ein Ring und $X$ eine Menge, so ist die Menge $\op{Ens} (X,R)$
aller Abbildungen von $X$ nach $R$ ein Ring unter punktweiser
Multiplikation und Addition.
Ist $R$ ein Ring und $n\in \DN$, so bilden die $(n
\times n)$-Matrizen mit Eintr"agen in $R$ einen Ring $\op{Mat}(n ;
R)$ unter der "ublichen Addition und Multiplikation von Matrizen; im Fall
$n=0$ erhalten wir den Nullring, im Fall $n=1$ ergibt sich $R$ selbst.
Ist $A$ eine abelsche Gruppe, so bilden die Gruppenhomomorphismen
von $A$ in sich selbst, die sogenannten
{\bf Endomorphismen}\index{Endomorphismus!von abelscher Gruppe} 
von $A$, einen Ring 
mit der Verkn"upfung von Abbildungen als Multiplikation
und der punktweisen Summe als Addition. 
Man notiert 
 diesen 
Ring 
 $${\op{End}}A$$ und nennt ihn den
{\bf Endomorphismenring der abelschen 
Gruppe $A$}.\index{Endomorphismenring!von abelscher Gruppe}
\index{End@$\op{End}$!Endomorphismenring!von abelscher Gruppe}
"Ahnlich bilden auch die Endomorphismen eines
Vektorraums $V$ "uber einem K"orper $k$ einen Ring ${\op{End}}_kV$,
den {\bf Endomorphismenring 
von $V$}.\index{Endomorphismenring!von Vektorraum}
\index{End@$\op{End}_k$!Endomorphismenring!von $k$-Vektorraum}
Oft notiert man auch den Endomorphismenring eines
Vektorraums abk"urzend ${\op{End}}V$ in der Hoffnung, da"s aus
dem Kontext klar wird, da"s die Endomorphismen von $V$ als 
Vektorraum gemeint sind und nicht die Endomorphismen der $V$ 
zugrundeliegenden abelschen Gruppe.
Will man besonders betonen, da"s die Endomorphismen als Gruppe
gemeint sind, 
so schreibt man manchmal 
auch
 ${\op{End}}_\DZ A$ aus Gr"unden, die erst in \eref{EnZ}{KAG} 
erkl"art werden. Ich verwende f"ur diesen Ring 
zur Vermeidung von Indizes lieber die Notation
${\op{End}}_\DZ A={\op{Ab}} A$, die sich aus den allgemeinen 
ka\-te\-go\-ri\-en\-the\-o\-re\-ti\-schen Konventionen \eref{MOKA}{LA2}  
ergibt.
\end{Beispiele}
\begin{Definition}
Eine Abbildung $\varphi : R \ra S$ von einem Ring in einen weiteren Ring
hei"st ein \defind{Ringhomomorphismus}, wenn gilt $\varphi (1) =1$
und
$\varphi (a+b) = \varphi (a) + \varphi (b)$ sowie $ \varphi (ab) = \varphi
(a) \varphi (b)$ f"ur alle $a,b\in R$. In anderen Worten ist ein
Ringhomomorphismus also eine Abbildung, die sowohl f"ur die Addition als
auch f"ur die Multiplikation ein Monoidhomomorphismus ist. Die Menge aller
Ringhomomorphismen von einem Ring $R$ in einen Ring $S$
notieren\index{Ring@$\op{Ring}$ Ringhomomorphismen} wir\label{Riho} 
$$\op{Ring}(R,S)$$
\end{Definition}


\begin{Bemerkunge}
Von Homomorphismen zwischen $\DZ$-Algebren k"onnen
wir nat"urlich nicht fordern, da"s
sie das Einselement auf das Einselement abbilden.
Wir sprechen dann von {\bf Algebrenhomomorphismen}.\index{Algebrenhomomorphismus}
In der Terminologie, in der unsere
assoziativen $\DZ$-Algebren als Ringe bezeichnet werden,
werden unsere Ringhomomorphismen 
\glqq unit"are Ringhomomorphismen\grqq\  genannt.
\end{Bemerkunge}

\begin{Proposition}[\textbf{Von $\DZ$ ausgehende Ringhomomorphismen}] 
    F"ur jeden Ring $R$ gibt es genau einen Ringhomomorphismus $\DZ\ra R$, also $|\op{Ring}(\DZ, R)|=1$.\label{UEZz}    
\end{Proposition}

\begin{proof}
  Nach \eref{GHZ}{GR} gibt es genau einen Gruppenhomomorphismus von
additiven Gruppen $\varphi:\DZ\ra R$, der die $1\in\DZ$ auf $1_R\in R$ abbildet.
Wir  m"ussen nur noch zeigen, da"s er mit der Multiplikation vertr"aglich ist,
in Formeln $\varphi(nm)=\varphi(n)\varphi(m)$ f"ur alle $n,m\in\DZ$. 
Mit "Ubung \ref{Riff} zieht man sich leicht auf den Fall $n,m>0$ zur"uck. 
In diesem Fall beginnt man mit der Erkenntnis 
$\varphi(1\cdot 1)=\varphi(1)=1_R=1_R\cdot 1_R=\varphi(1)\varphi(1)$
und argumentiert von da aus mit vollst"andiger Induktion und dem
Distributivgesetz.
\end{proof}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ganze Zahlen und allgemeine Ringe}] 
 Gegeben ein Ring $R$ notieren wir den Ringhomomorphismus $\DZ\ra R$
aus \ref{UEZz} manchmal
  $n\mapsto n_R$ und meist $n\mapsto n$.
Ich will kurz diskutieren, warum das ungef"ahrlich ist.\label{GZAR} 
Gegeben  $r\in R$ und $n\in\DZ$ gilt
n"amlich stets $nr=n_R r=r n_R$, wobei $nr$ in Bezug auf die 
Struktur von $R$ als additive abelsche Gruppe
verstehen, also
$nr=n^+ r= r+r\ldots +r$ mit $n$ Summanden falls $n\geq 1$ 
und so weiter, wie in der Tabelle \eref{KFt}{GR} und
in \eref{naa}{GR} ausgef"uhrt wird. Unsere Gleichung 
$nr=n_R r=r n_R$
 bedeutet dann hinwiederum, da"s
es auf den Unterschied zwischen $n_R$ und $n$ meist gar nicht
ankommt. Deshalb  f"uhrt es auch selten zu
Mi"svert"andnissen, wenn wir statt $n_R$ nur kurz  $n$ schreiben. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Eine Teilmenge eines Rings hei"st ein {\bf Teilring},\index{Teilring}
  wenn sie eine additive Untergruppe und ein multiplikatives Untermonoid ist.
  Ist also $R$ unser Ring, so ist eine Teilmenge $T\subset R$ genau dann
  ein Teilring, wenn gilt $0_R, 1_R\in T$, $a\in T\RA (-a)\in T$ sowie  $a,b\in T\RA a+b, ab\in T$. Wir diskutieren diesen Begriff hier nur im Vorbeigehen, da er in dieser Vorlesung nur eine Nebenrolle spielt.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Quotientenring}]
  Gegeben ein Ring $R$ und eine Surjektion $R\sra Q$ von $R$ auf eine
  Menge $Q$, die an die Multiplikation und  Addition
  von $R$ angepa"st ist im Sinne von \eref{koindV}{GR},
  ist $Q$ mit der koinduzierten Addition und Multiplikation
  auch wieder ein Ring.\label{QuoRi} 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{MSRR}
Auf der abelschen Gruppe $\DZ$ gibt es genau
zwei Verkn"upfungen, die als Multiplikation  
die Addition zu einer Ringstruktur erg"anzen.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{Riff} 
Man zeige, da"s in jedem Ring $R$ gilt 
  $0a =0  \; \forall a \in R$;  $-a = (-1)  a \; \forall a \in R$;
$(-1)  (-1) =1$;
$(-a)(-b)=ab\;\forall a,b\in R$.
\end{Ubung}
\newpage
\begin{Ubung}
  Gegeben eine "Uberdeckung einer endlichen Menge $X$ durch Teilmengen $X=X_1\cup\ldots\cup X_n$ zeige man die
  {\bf Einschlu"s-Ausschlu"s-Formel}\index{Einschlu"s-Ausschlu"s-Formel}
  $$0=\sum_{I\subset \{1,\ldots,n\}}(-1)^{|I|}\left|{\textstyle
    \bigcup_{i\in I}X_i}\right|$$
  %mit der Interpretation des leeren Schnitts als $X$.
  Im Fall $n=3$ etwa
    k"onnen wir das ausschreiben zu
    $$|X\cup Y\cup Z|=|X|+|Y|+|Z|-|X\cup Y| -|X\cup Z| -|Y\cup Z| +|X\cup Y\cup Z|$$
    Hinweis: Sogar im Fall einer beliebigen Menge $X$ mit beliebigen Teilmengen $X_i$ mag man deren charakteristische Funktionen mit $\chi_i$ bezeichnen
    und im Ring der $\DZ$-wertigen Funktionen auf $X$ das Produkt
    $(1-\chi_1)\ldots(1-\chi_n)$ ausmultiplizieren. Danach mach man im endlichen Fall die Summe der Funktionswerte vergleichen. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{UeZz} 
    F"ur jeden Ring $R$ gibt es h"ochstens einen Ringhomomorphismus $\DQ\ra R$, in
    Formeln $|\op{Ring}(\DQ, R)|\leq 1$.   
\end{Ubung}

\subsection{Restklassenringe des Rings der ganzen Zahlen}
\begin{Definition}
  Gegeben $G\supset H$ eine Gruppe mit einer Untergruppe 
definieren wir den {\bf Quotienten} $G/H$,\index{)1@$/$ Quotient}\index{Quotient}  
eine Teilmenge $G/H\subset \mathcal P(G)$, durch die Vorschrift
$$G/H\pdef\{ L\subset G\mid \exists g\in G\text{ mit }L=gH\}$$
Die Teilmenge $gH\subset G$ hei"st die 
{\bf $H$-Linksnebenklasse von $g$ in $G$}.\index{Linksnebenklasse}
Unser Quotient ist also die Menge aller $H$-Linksnebenklassen in $G$.
Jedes Element einer Linksnebenklasse hei"st auch ein 
{\bf Repr"asentant}\index{Repr"asentant} besagter
Linksnebenklasse. 
Eine Teilmenge $R\subset G$ derart, da"s die Vorschrift $g\mapsto gH$ eine
Bijektion $R\sira G/H$ induziert, hei"st ein 
{\bf Repr"asentantensystem}\index{Repr"asentantensystem} f"ur die Menge der
Linksnebenklassen. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungw}
  Diese Konstruktion wird in \eref{NebK}{LA2} noch sehr viel ausf"uhrlicher
  diskutiert werden.
\end{Bemerkungw}

\begin{Beispiel}
  Im Fall der additiven Gruppe $\DZ$ mit der Untergruppe $m\DZ$ haben wir
speziell $\DZ/m\DZ=\{L\subset \DZ\mid \exists a\in \DZ\text{ mit }L=a+m\DZ\}$.
Die Linksnebenklasse von $a$ hei"st in diesem Fall auch
 die 
{\bf Restklasse von $a$ modulo $m$},\index{Restklasse} 
da zumindest im Fall $a \geq 0$ und $m>0$  ihre nichtnegativen Elemente
genau alle nat"urlichen Zahlen sind, die beim Teilen durch
$m$ denselben Rest lassen wie $a$.
Wir notieren diese Restklasse auch  $\bar{a}$.\label{Rkr} 
Nat"urlich ist $\bar{a} = \bar{b}$ gleichbedeutend zu
$a -b \in m \mathbb Z$.
Geh"oren $a$ und $b$ zur selben Restklasse, in Formeln
$a + m\DZ = b + m\DZ$, so nennen wir sie
\defnoind{kongruent modulo $m$}\index{kongruent modulo} und schreiben
$$a \equiv b \pmod{m}$$
Offensichtlich gibt es f"ur $m>0 $ genau $m$
Restklassen modulo $m$, in Formeln $|\Bbb{Z} / m \Bbb{Z}| = m$,
und wir haben genauer 
$$\Bbb{Z} / m \Bbb{Z}=\{\bar{0},\bar{1},\ldots,\overline{m-1}\}$$
Da in dieser Aufz"ahlung keine Nebenklassen mehrfach genannt werden, 
ist die Teilmenge $\{0,1,\ldots,m-1\}$ also ein Repr"asentantensystem f"ur
die Menge von Nebenklassen $\Bbb{Z} / m \Bbb{Z}$. Ein anderes 
Repr"asentantensystem w"are  $\{1,\ldots,m\}$, ein Drittes
$\{1,\ldots,m-1,7m\}$.
\end{Beispiel}
\begin{Satz}[\textbf{Restklassenring}] F"ur alle $m\in\DZ$  
 gibt es auf der Menge $\Bbb{Z} / m \Bbb{Z}$ genau eine Struktur als
Ring derart, da"s die Abbildung $\Bbb{Z}\sra \Bbb{Z} / m \Bbb{Z}$
mit $a\mapsto \bar a$ ein Ringhomomorphismus ist.\label{Rkr} 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Das ist dann nat"urlich die Struktur als
  Quotientenring im Sinne unserer "Ubung \ref{QuoRi}.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Da"s es h"ochstens eine derartige Ringstruktur gibt, es eh klar.
Zu zeigen bleibt nur deren Existenz. 
Nach \eref{Verk}{GR} induziert jede Verkn"upfung auf einer Menge $A$ eine
Verkn"upfung auf ihrer Potenzmenge $\mathcal P(A)$. 
F"ur  die so von der Verkn"upfung $+$ auf $\DZ$ 
induzierte Verkn"upfung $+$ auf $\mathcal P (\mathbb Z)$
 gilt offensichtlich $$\bar{a} + \bar{b} = (a+m\DZ)+ (b+m\DZ)=
(a+b)+m\DZ=\overline{a+b} \quad \forall a,b \in \mathbb Z$$ 
Insbesondere induziert unsere Verkn"upfung $+$ auf 
$\mathcal P (\mathbb Z)$ eine Verkn"upfung $+$ auf
$\mathbb Z / m \mathbb Z$ 
und  $a\mapsto \bar a$ ist f"ur diese Verkn"upfungen ein Morphismus von
Magmas alias Mengen mit Verkn"upfung. 
Ebenso 
k"onnen wir auf $\mathcal P (\mathbb Z)$ eine Verkn"upfung
$\odot=\odot_m$ einf"uhren durch die Vorschrift
\begin{equation*}
  T \odot S \pdef T \cdot S + m \mathbb Z \pdef \{ ab + mr \mid
  a \in T, b \in S, r \in \mathbb Z \}
\end{equation*}
Wieder pr"uft man f"ur die so erkl"arte Multiplikation m"uhelos
die Formel
\begin{equation*}
  \bar{a} \odot \bar{b} = \overline{ab}
\end{equation*}
Da"s  $\mathbb Z / m \mathbb Z$ mit unseren beiden Verkn"upfungen ein Ring wird
und $a\mapsto\bar a$ ein Ringhomomorphismus, folgt  ohne 
weitere Schwierigkeiten aus der Surjektivit"at 
der nat"urlichen Abbildung $\DZ\sra \DZ/m\DZ$ alias "Ubung \ref{QuoRi}.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}
  Wir geben wir die komische Notation $\odot$ nun auch gleich wieder
  auf und schreiben stattdessen $\bar{a}\cdot \bar{b}$ oder noch
  k"urzer $\bar{a}\bar{b}$. Auch die Notation $\bar a$ werden wir meist
zu $a$ vereinfachen, wie  wir es ja in \ref{GZAR} eh schon vereinbart hatten. 
\end{Bemerkungl}





  \begin{Beispiel}
    Modulo $m=2$ gibt es genau zwei Restklassen: Die Elemente der
    Restklasse von $0$ bezeichnet man 
"ublicherweise als 
{\bf gerade Zahlen},\index{gerade!Zahl}\index{Zahl!gerade} die Elemente
    der Restklasse von $1$ als 
{\bf ungerade Zahlen}.\index{ungerade!Zahl}\index{Zahl!ungerade}
Der Ring $\DZ/2\DZ$ mit diesen beiden Elementen $\bar{0}$ und $\bar{1}$ 
ist offensichtlich sogar ein K"orper.
\end{Beispiel}




\begin{Beispiel}[\textbf{Der Ring $\mathbb Z / 12 \mathbb Z$ der Uhrzeiten}]
Den Ring $\mathbb Z / 12 \mathbb Z$ k"onnte man als 
\glqq Ring von Uhrzeiten\grqq\  ansehen. Er hat die zw"olf Elemente
$\{\bar{0}, \bar{1}, \ldots, \overline{11}\}$
und wir haben $\overline{11} + \bar{5} = 
\overline{16} = \bar{4}$ alias
\glqq $5$ Stunden nach $11$ Uhr ist es $4$ Uhr\grqq.
Weiter haben wir in $\DZ/12\DZ$ etwa auch $\bar{3} \cdot 
\bar{8} = \overline{24} = \bar{0}$. In einem Ring kann es also
durchaus passieren, da"s ein Produkt von zwei von Null verschiedenen Faktoren
Null ist.
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungw}
Sei $m\geq 1$ eine nat"urliche Zahl.
Eine Restklasse modulo $m$ hei"st eine 
{\bf prime Restklasse},\index{prim!Restklasse}\index{Restklasse!prime}
 wenn sie aus zu $m$ teilerfremden Zahlen besteht.
Wir zeigen in \eref{PZRc}{FT1}, da"s es in jeder primen Restklasse unendlich viele
Primzahlen gibt. Im Fall $m=10$ bedeutet das zum Beispiel, da"s es
jeweils unendlich viele Primzahlen gibt, deren Dezimaldarstellung mit
einer der Ziffern $1,3,7$ und $9$ endet.
\end{Bemerkungw}

\begin{Proposition}[\textbf{Teilbarkeitskriterien "uber 
Quersummen}\index{Quersumme}]
Eine nat"urliche Zahl  ist genau dann durch Drei beziehungsweise durch Neun
teilbar, wenn ihre Quersumme durch Drei beziehungsweise durch Neun teilbar ist.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
  Wir erkl"aren das Argument nur an einem Beispiel.
  Das ist nat"urlich im Sinne der Logik kein Beweis. Dies Vorgehen
  schien mir aber
  in diesem Fall besonders gut geeignet,
  dem Leser den Grund daf"ur klarzumachen, aus dem unsere
  Aussage im Allgemeinen gilt. Und das ist es ja genau, was
   ein Beweis in unserem mehr umgangssprachlichen Sinne leisten soll!
   Also frisch ans Werk.
  Per definitionem
gilt
$$1258  =1 \cdot 10^{3} + 2\cdot 10^{2} + 5\cdot 10 +8$$
Offensichtlich folgt 
$$\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;1258 
\equiv 1 \cdot 10^{3} + 2\cdot 10^{2} + 5\cdot 10 +8\pmod 3$$
Da $10$ kongruent ist zu $1$ modulo $3$ erhalten wir daraus
$$1258 \equiv 1 + 2+ 5 +8 \pmod 3$$
Insbesondere ist die rechte Seite durch Drei teilbar genau dann,
wenn die linke Seite durch Drei teilbar ist.
Das Argument f"ur Neun statt Drei geht genauso.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
 In $\DZ/12\DZ$ gilt  zum Beispiel $\bar{3} \cdot \bar{5} =
  \bar{3}\cdot\bar{1}$.  In
  allgemeinen Ringen  d"urfen wir also nicht k"urzen. Dies Ph"anomen 
werden wir nun
begrifflich fassen. Dazu vereinbaren wir, da"s bei Ringen unsere allgemeinen Konventionen \eref{kzb}{GR} zu K"urzbarkeit und Teilen stets in Bezug auf die Multiplikation zu verstehen sein sollen. Wir schreiben das auch noch aus.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{TeiR}
\begin{enumerate}
\item
Gegeben ein Ring $R$  und Elemente $a,b\in R$  
sagen wir, $a$ \defind{teilt} $b$ oder auch $a$ ist ein {\bf Teiler\index{Teiler} von $b$} 
und schreiben $a| b$,\index{)0a@$\mid$ ist Teiler von} wenn
es $d\in R$ gibt mit $ad=b$. Ist unser Ring nicht kommutativ, so nennen
wir $a$ genauer einen {\bf Linksteiler}\index{Linksteiler} von $b$ und
erkl"aren analog {\bf Rechtsteiler};\index{Rechtsteiler}
\item
  Ein Element $a\in R$ eines Rings hei"st {\bf linksk"urzbar},\index{linksk"urzbar}
  wenn die Multiplikation mit $a$ eine Injektion $(a\cdot):R\hra R$ liefert.
  Analog erkl"aren wir die Eigenschaft {\bf rechtsk"urzbar}.\index{rechtsk"urzbar} Ein Element, das linksk"urzbar und rechtsk"urzbar ist, nennen wir {\bf k"urzbar}.\index{k"urzbar}
 Ein nicht k"urzbares Element nennen wir  {\bf nichtk"urzbar}\index{nichtk"urzbar};
\item
Ein Ring hei"st ein {\bf Integrit"atsring}\index{Integrit"atsring}
oder {\bf Integrit"atsbereich}\index{Integrit"atsbereich}, wenn er
nicht der Nullring ist und das Produkt von je zwei von Null verschiedenen Elementen von Null verschieden ist. Einen kommutativen Integrit"atsring
nennen wir auch einen {\bf Integrit"atskring}.\index{Integrit"atskring}
\end{enumerate}
\end{Definition}






  \begin{Beispiel}
    Die nichtk"urzbaren Elemente in $\DZ/12\DZ$ sind $0,2,3,4,6,8,9,10$.
  \end{Beispiel}
 \begin{Bemerkungl}[\textbf{Alternative Definition eines Integrit"atsrings}]
Ein Ring ist 
ein Integrit"atsring genau dann,
wenn er genau ein nichtk"urzbares Element hat.
Im Nullring ist das einzige Element k"urzbar, deshalb ist er auch in dieser
Fassung der Definition kein Integrit"atsring. In allen anderen Ringen
ist die Null nicht k"urzbar. In einem Integrit"atsring ist folglich die
Null das einzige nichtk"urzbare Element. 
 \end{Bemerkungl}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
   In der
    Literatur hei"sen die nichtk"urzbaren Elemente eines Rings meist die \glqq Nullteiler\grqq.\index{{\it Nullteiler}}
    Mir gefiel diese Terminologie nicht, da ja nach unseren
    sonstigen Definitionen
    alle Elemente eines Rings Teiler der Null sind. 
  \end{Bemerkungl}

  
\begin{Bemerkungl}[\textbf{K"urzen in Ringen}]\index{K"urzen in Ringen}
  Sei $R$ ein  Ring und $a\in R$. Genau dann ist der Gruppenhomomorphismus
  $(a\cdot):R\ra R$\label{KiRi} injektiv, wenn sein Kern Null ist,
  wenn also gilt $ax=0\RA x=0$. Per definitionem ist das also gleichbedeutend
  zu $a$ linksk"urzbar.
\end{Bemerkungl}













%\subsection{Endliche Primk"orper}
\begin{Definition}\label{DeEi}
Ein Element $a$ eines Rings $R$ hei"st 
{\bf invertierbar}\index{invertierbar!in Ring} 
oder genauer {\bf invertierbar in $R$}
oder
auch eine {\bf Einheit von $R$}\index{Einheit!von Ring}, wenn es 
bez"uglich der Multiplikation invertierbar ist im Sinne von
\eref{DeGr}{GR}, wenn es also
$b\in R$ gibt mit
$ab=ba=1$. Die Menge der invertierbaren Elemente eines Rings
bildet unter der Multiplikation eine Gruppe, die man die
\defnoind{Gruppe der Einheiten von $R$}\index{Gruppe der Einheiten} 
nennt und gem"a"s unserer allgemeinen Konventionen \eref{NEM}{GR} 
mit $R^\times$ bezeichnet.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
 Der Ring $\DZ$ der ganzen Zahlen hat genau zwei
 Einheiten, n"amlich $1$ und $(-1)$. In Formeln haben wir also
$\DZ^\times=\{1, -1\}$. Dahingegen sind 
die Einheiten im Ring $\DQ$ der rationalen Zahlen
 genau alle von Null verschiedenen 
Elemente, in Formeln $\DQ^\times=\DQ\backslash 0$. 
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}  Eine Einheit eines Krings teilt
  alle Elemente unseres Krings und ist sogar dasselbe\label{EniN} wie ein Teiler der Eins.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} Jede Einheit eines Krings
  ist k"urzbar, aber k"urzbare Elemente m"ussen keine Einheiten sein.
  Zum Beispiel sind alle von Null verschiedenen ganzen Zahlen k"urzbar in $\DZ$,
  aber nur $\pm 1$ sind Einheiten.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}
  Zwei Elemente eines Krings 
hei"sen {\bf teilerfremd}\index{teilerfremd!Elemente eines Krings},
 wenn sie au"ser Einheiten\label{teif} keine gemeinsamen Teiler haben.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Allgemeiner mag man eine Teilmenge eines Krings {\bf teilerfremd}
  nennen, wenn es keine Nichteinheit unseres Krings gibt, die alle
  Elemente unserer Teilmenge teilt.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{K"urzbare Elemente endlicher Ringe}] 
  In einem endlichen Ring $R$ sind die Einheiten genau die k"urzbaren Elemente.
  In der Tat ist in diesem Fall die Multiplikation $(a\cdot):R\ra R$
  genau dann injektiv,\label{Nnnn}  
  wenn sie bijektiv ist.
  \end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}
  Die Einheiten von $\DZ/12\DZ$ sind mithin genau $1,5,7,11$.
  Man pr"uft unschwer,
da"s sogar jedes dieser Elemente sein eigenes Inverses ist. Mithin ist
die Einheitengruppe $(\DZ/12\DZ)^\times$ des Uhrzeitenrings gerade unsere 
Klein'sche Vierergruppe. Im allgemeinen ein Inverses zu $a$ in $\DZ/m\DZ$
zu finden, l"auft auf die L"osung der Gleichung $ax=1+my$ hinaus. Wir
hatten bereits gesehen, da"s der euklidische Algorithmus das leisten kann. 
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ursprung der Terminologie}] 
A priori meint eine Einheit in der Physik das, was ein Mathematiker
eine \glqq Basis eines 
eindimensionalen Vektorraums\grqq\ nennen w"urde. So w"are  etwa 
die Sekunde $s$ eine Basis
des schmutzigen reellen Vektorraums $\vec{\mathbb T}$ aller 
Zeitspannen. In Formeln ausgedr"uckt bedeutet das gerade,
da"s
das Daranmultiplizieren von $s$ eine Bijektion $\DR\sira \vec{\mathbb T}$
 liefert. 
Mit den Einheiten eines Krings $R$ verh"alt es sich nun genauso:
Genau dann ist $u\in R$ eine Einheit, wenn das Daranmultiplizieren 
von $u$ eine Bijektion $R\sira R$ liefert. Daher r"uhrt vermutlich  
die Terminologie.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge} In der Chemie rechnet man oft mit {\bf mol}\index{mol}
  und
  versteht darunter seit 2019 genau  $6,\!02214076 \cdot 10^{23}$ und verwendet
  das als eine Einheit. Mathematisch gesehen sollte man das
  eigentlich eine Zahl
  nennen, aber nat"urlich ist $\DR$ auch ein eindimensionaler reeller
  Vektorraum und in diesem Sinne mag man auch alle von Null verschiedenen
  Elemente von $\DR$ Einheiten nennen.
  Diese Konvention des Mol war fr"uher noch sinnvoller,
  als man ein Mol als die Zahl der Kohlenstoffatome
  in einem Gramm des Standardisotops
  von Kohlenstoff erkl"arte und gar nicht so genau sagen konnte, wie viele
  Atome das nun genau sind.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}\label{DK}
  Ein K"orper kann in der hier eingef"uhrten Begrifflichkeit definiert werden
als Integrit"atskring, in dem jedes von Null
verschiedene Element eine Einheit ist.
\end{Bemerkungl}



\begin{Proposition}[\textbf{Endliche 
Primk"orper}\index{endliche Primk"orper}]\label{EPK}
Sei $m \in \DN$.
Genau dann ist der Restklassenring 
$\DZ/m\DZ$ ein K"orper, wenn $m$ eine
Primzahl ist.
\end{Proposition}
\begin{proof}
Sei ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit  $m\geq 2$.
Ist $m$ keine Primzahl, so gibt es $a,b\in \DN$ mit $a<m$  und $b <m$ aber $ab=m$.
 Dann gilt in $\DZ/m\DZ$ offensichtlich $\bar a\neq 0$ und $\bar b\neq 0$, aber
ebenso
offensichtlich gilt $\bar a\bar b=0$ und $\DZ/m\DZ$ hat von Null verschiedene
nicht invertierbare Elemente. 
Damit  kann $\DZ/m\DZ$
kein K"orper sein. 
Ist dahingegen $m=p$ eine Primzahl, so folgt aus dem Lemma von Euklid 
\ref{EPf}, da"s $\DZ/p\DZ$ ein Integrit"atsring ist. 
Dann aber sind  alle seine von Null verschiedenen Elemente k"urzbar
und, da unser Ring endlich ist,  nach \ref{Nnnn} sogar  Einheiten
und $\DZ/p\DZ$ ist folglich ein K"orper.
\end{proof}

% \begin{Proposition}[\textbf{Endliche 
% Primk"orper}\index{endliche Primk"orper}]\label{EPK}
% Sei $m \in \DN$.
% \begin{enumerate}
% \item
% Genau dann ist der Restklassenring 
% $\DZ/m\DZ$ ein Integrit"atsbereich, wenn $m$ eine
% Primzahl ist oder wenn gilt $m=0$;
% \item
% Genau dann ist der Restklassenring $\DZ /m\DZ$ ein K"orper, wenn $m$
% eine Primzahl ist.
% \end{enumerate}
% \end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Terminologie und Notation}]
Die K"orper $\DZ /p\DZ$ f"ur Primzahlen $p$ 
sowie der K"orper $\DQ$ sind  die\label{PrKp} 
\glqq kleinstm"oglichen K"orper\grqq\  in einem Sinne, der in 
\eref{Char}{AL} pr"azisiert wird. Man nennt diese K"orper deshalb
auch {\bf Primk"orper}.\index{Primk"orper}
Die endlichen Primk"orper werden meist
$$\mathbb F_p\pdef \DZ /p\DZ$$ notiert, mit einem $\mathbb F$ f"ur \glqq field\grqq\  
oder \glqq finite\grqq. 
Die Notation $\mathbb F_q$ verwendet
man allerdings auch allgemeiner mit einer echten Primzahlpotenz $q$ 
im Index als Bezeichnung 
f"ur \glqq den endlichen K"orper mit $q$ Elementen\grqq, den wir erst in 
\eref{KeK}{AL} kennenlernen werden, und der weder als 
Ring noch als abelsche Gruppe
isomorph ist zu $ \DZ /q\DZ$.
\end{Bemerkungl}
% \begin{proof}[Beweis]
% 1.
% F"ur $m = 0$ ist $\DZ /m\DZ\cong \DZ$ offensichtlich
% ein Integrit"atsbereich.
% F"ur  $m$ eine Primzahl ist $\DZ /m\DZ$ 
% ein Integrit"atsbereich, da eine Primzahl  nach \ref{EPf}
% nur dann ein Produkt teilen kann, wenn sie bereits einen der 
% Faktoren teilt.
% F"ur $m =1$ ist $\DZ/m\DZ$ der Nullring und damit kein
% Integrit"atsbereich.
% F"ur $m >1$ keine Primzahl faktorisieren wir $m = ab$ mit $1<a,
% b<m$ und erhalten $0=\bar{a}\bar{b}$ aber
% $\bar{a}\neq 0$, $\bar{b} \neq 0$. Mithin hat dann $\DZ/m\DZ$
% von Null verschiedene Nullteiler, und diese k"onnen offensichtlich keine
% Einheiten sein.
% \\[2mm]\noindent
% 2.
% Es mu"s nur noch gezeigt werden, da"s f"ur jede Primzahl $p$ der
% Ring $\DZ/p \DZ$ ein K"orper ist, da"s also jedes von Null
% verschiedene Element $a \neq 0$ ein multiplikatives Inverses
% besitzt.
% Da $\DZ/p\DZ$ nullteilerfrei ist, mu"s jedoch die Multiplikation
% mit jedem Element 
% $a \neq 0$ injektiv und als Injektion einer endlichen Menge in sich selbst
% sogar bijektiv sein, also gibt es 
% zu jedem $a \neq 0$ ein $b\in \DZ/p\DZ$
% mit $ab =1$.
% \end{proof}

\begin{Bemerkunge}
  Ich bespreche kurz das {\bf Verfahren von Diffie-Hellman
  }\index{Diffie-Hellman}\index{Verschl"usselung!Diffie-Hellman} zum
  "offentlichen Vereinbaren geheimer Schl"ussel.
  Wir betrachten dazu das des folgende Schema:

  \vspace{0,5cm}
  \noindent
  % \begin{tabular}{|p{4.2cm}||p{3.9cm}||p{4cm}|}\hline
  %   Geheimbereich  Alice& "Offentlicher Bereich 
  %   & Geheimbereich  Bob\\ \hline
  %   &Bekanntgemacht wird eine  Gruppe $G$ und 
  %   ein Element $g\in G$. & \\ \hline
  %   Alice w"ahlt $a \in \Bbb{N}$,  berechnet $g^{a}$ 
  %   und macht es "offentlich.& 
  %   & Bob w"ahlt $b \in \Bbb{N}$,  berechnet $g^{b}$ 
  %   und macht es "offentlich.\\  \hline
  %   & \hspace{1.3cm}$g^{a}$, $g^{b}$\hfill&\\  \hline
  %   Nach dem "offentlichen Austausch 
  %   berechnet Alice $(g^{b})^{a} = g^{ba} = g^{ab}$.&
  %   & Nach dem "offentlichen Austauch 
  %   berechnet Bob $(g^{a})^{b} = g^{ab}=g^{ba}$.\\ \hline
  % \end{tabular}
\begin{tabular}{|p{0.3\textwidth}||p{0.29\textwidth}||p{0.29\textwidth}|}% {|p{0.33\textwidth}||p{0.2\textwidth}||p{0.3\textwidth}|}
  \hline
    Geheimbereich  Alice& "Offentlicher Bereich 
    & Geheimbereich  Bob\\ \hline
    &Bekannt\-ge\-macht wird eine  Gruppe $G$ und 
    ein Element $g\in G$. & \\ \hline
    Alice w"ahlt $a \in \Bbb{N}$,  berechnet $g^{a}$ 
    und macht es "offentlich.& 
    & Bob w"ahlt $b \in \Bbb{N}$,  berechnet $g^{b}$ 
    und macht es "offentlich.\\  \hline
    &$\quad\quad\quad g^{a}, g^{b}\quad\quad\quad$&\\  \hline
    Nach dem "offentlichen Austausch 
    berechnet Alice $(g^{b})^{a} = g^{ba} = g^{ab}$.&
    & Nach dem "offentlichen Austauch 
    berechnet Bob $(g^{a})^{b} = g^{ab}=g^{ba}$.\\ \hline
  \end{tabular}


  \vspace{0,5cm}
  \noindent
  Das Gruppenelement $g^{ba} = g^{ab}$ ist der gemeinsame hoffentlich
  geheime Schl"ussel.  Der Trick hierbei besteht darin, geeignete
  Paare $(G,g)$ und eine geeignete Zahl $a$ so zu finden, da"s 
  die Berechnung von $g^{a}$ unproblematisch
  ist, da"s jedoch kein schneller Algorithmus bekannt 
  ist, der aus
  der Kenntnis von $G, g$ und $g^{a}$ ein m"ogliches $a$ bestimmt, der also,
  wie man auch sagt, einen\index{diskret!Logarithmus} {\bf diskreten
    Logarithmus}\index{Logarithmus!diskreter} {\bf von $g^{a}$ zur Basis $g$}
  findet.   Dann 
  kann Alice $g^{a}$ ver"offentlichen und dennoch $a$ geheim halten
und ebenso kann Bob $g^{b}$ ver"offentlichen und dennoch $b$ geheim halten.  
Zum Beispiel kann man 
f"ur $G$ die Einheitengruppe $G=(\DZ/p\DZ)^\times$ des Primk"orpers 
zu einer gro"sen Primzahl $p$ nehmen.
Nun ist
  es nat"urlich denkbar, da"s man aus der Kenntnis von $g^{a}$ und $g^{b}$
  direkt $g^{ab}$ berechnen kann, ohne zuvor $a$ zu bestimmen, aber auch f"ur
  die L"osung dieses sogenannten {\bf
    Diffie-Hellman-Problems}\index{Diffie-Hellman-Problem}
 ist in diesem  Fall kein schneller Algorithmus bekannt. 
   Mit den derzeitig
  verf"ugbaren Rechenmaschinen k"onnen also Alice und Bob mit einer Rechenzeit
  von unter einer Minute einen geheimen Schl"ussel vereinbaren, dessen
  Entschl"usselung auf derselben Maschine beim gegenw"artigen Stand der
  ver"offentlichten Forschung Millionen von Jahren br"auchte.  Allerdings ist
  auch wieder nicht bewiesen, da"s es etwa Fall der Einheitengruppe eines
gro"sen Primk"orpers nicht doch
einen effizienten Algorithmus zur L"osung des Diffie-Hellman-Problems geben
k"onnte. Wenn wir Pech haben, sind die mathematischen Abteilungen
irgendwelcher Geheimdienste schon l"angst so weit.
\end{Bemerkunge}



\begin{Bemerkungw}
 Statt mit der Einheitengruppe endlicher  
K"orper arbeitet man in der Praxis auch oft mit 
sogenannten \glqq elliptischen Kurven\grqq\ alias L"osungsmengen kubischer
Gleichungen, deren Gruppengesetz 
Sie  in einer  Vorlesung 
"uber algebraische Geometrie
kennenlernen k"onnen. 
\end{Bemerkungw}
  


\begin{Definition}\label{charK}
Gegeben ein Ring $R$ gibt es nach \ref{UEZz} genau
einen Ringhomomorphismus
$\DZ\ra R$. Dessen Kern alias das Urbild der Null ist nach \eref{KIn}{GR} 
eine Untergruppe von $\DZ$ und hat nach 
\ref{UGZ} folglich die Gestalt $m\DZ$ f"ur genau ein $m\in \DN$.
Diese nat"urliche Zahl $m$ nennt man die 
{\bf Charakteristik des Rings $R$}\index{Charakteristik!eines Rings}
und notiert sie $m=\op{char} R$.\index{char@$\op{char}$ Charakteristik}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bestimmung der Charakteristik eines Rings}]
Um die Charakteristik eines Rings $R$ zu bestimmen, 
m"ussen wir anders gesagt
 sein Einselement $1\in R$ nehmen und
bestimmen, wiewiele Summanden wir mindestens brauchen, damit gilt
$1+1+\ldots+1=0$ mit einer positiven Zahl von Summanden links. 
Kriegen wir da "uberhaupt nie Null heraus, so ist 
die Charakteristik Null,   
wir haben also etwa $\op{char}\DZ=\op{char}\DQ=\op{char}\DR=\op{char}\DC=0$. 
Gilt bereits $1=0$, so ist die Charakteristik $1$ und wir haben den Nullring 
vor uns. F"ur $p\in\DN$ gilt allgemein
  $\op{char}(\DZ/p\DZ)=p$.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Die Charakteristik eines
    K"orpers ist stets prim}] 
Es ist leicht zu sehen, da"s die Charakteristik eines K"orpers,
wenn sie nicht Null ist, stets eine Primzahl sein mu"s: Da der Nullring kein
K"orper ist, kann die Charakteristik nicht $1$ sein. 
H"atten wir aber einen K"orper der Charakteristik $m=ab>0$ mit
nat"urlichen Zahlen $a<m$ und $b<m$, so w"aren die Bilder von
$a$ und $b$ in unserem K"orper  von Null verschiedene Elemente
mit Produkt Null. Widerspruch!
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
Im K"orper $\mathbb F_7$ ist $(-1)$ kein Quadrat,
wie man durch Ausprobieren schnell pr"uft.
 Einen K"orper mit $49$ Elementen kann man deshalb nach 
\eref{KRCC}{GR} zum Beispiel erhalten, indem man analog 
wie bei der Konstruktion der komplexen Zahlen aus den 
reellen Zahlen formal eine
Wurzel aus $(-1)$ adjungiert. 
\end{Bemerkunge}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubunge}\label{DZk}
Gegeben eine abelsche Gruppe $V$ und ein K"orper $K$ 
induziert die kanonische Identifikation
$\op{Ens}(K\times V,V)\sira \op{Ens}(K, \op{Ens}(V,V))$
aus \eref{ABBK}{GR} eine Bijektion
$$\left\{\begin{array}{c}\text{Strukturen als $K$-Vektorraum}\\
\text{auf der abelschen Gruppe }V 
 \end{array}\right\}
\;\sira \; 
\left\{\begin{array}{c}\text{Ringhomomorphismen}\\
K\ra \op{Ab}V
 \end{array}\right\}
$$
Wir verwenden hier unsere alternative Notation $\op{Ab}V$
f"ur den Endomorphismenring der abelschen Gruppe $V$, um
jede Verwechslung mit dem Endomorphismenring als Vektorraum 
auszuschlie"sen.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
  Man finde das multiplikative Inverse der Nebenklasse von $22$ im
K"orper $\mathbb F_{31}$. Hinweis: Euklidischer Algorithmus. 
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
  Man konstruiere einen K"orper mit $49$ Elementen und einen K"orper mit $25$
Elementen.
Hinweis: \eref{KK2}{GR} und \eref{KRCC}{GR}.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}\label{Frob}
Sei $R$ ein Kring, dessen Charakteristik eine Primzahl $p$
ist, f"ur den es also einen Ringhomomorphismus
$\DZ/p\DZ\ra R$
gibt. Man zeige, da"s dann der sogenannte
{\bf Frobenius-Homomorphismus}\index{Frobenius-Homomorphismus}
$F:R\ra R$, $a\mapsto a^p$ ein Ringhomomorphismus von $R$ in sich
selber ist. Hinweis: Man verwende, da"s die binomische Formel
\eref{BiFo}{GR} offensichtlich  in jedem Kring gilt,
ja sogar f"ur je zwei Elemente $a,b$ eines beliebigen Rings mit $ab=ba$. 
\end{Ubunge}


\begin{Ubunge}
  Wieviele Untergruppen hat die abelsche Gruppe $\DZ/4\DZ$?
Wieviele Untergruppen hat die abelsche Gruppe $\DZ/2\DZ\times \DZ/2\DZ$?
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
Eine nat"urliche Zahl ist durch $11$ teilbar genau dann, wenn ihre
\glqq alternierende Quersumme\grqq\  durch $11$ teilbar ist.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
  Eine nat"urliche Zahl, die kongruent zu sieben ist modulo acht,
kann nicht eine Summe von drei Quadraten sein.
\end{Ubunge}  
\begin{Ubunge}
Eine Zahl mit einer Dezimaldarstellung der Gestalt
$abcabc$ wie zum Beispiel $ 349349$ ist stets durch $7$ teilbar.
\end{Ubunge}



\begin{Ubunge}
  Es kann in Ringen durchaus Elemente $a$ geben, f"ur die
es zwar ein $b$ gibt mit $ba=1$ aber kein $c$ mit $ac=1$:
Man denke etwa an Endomorphismenringe unendlichdimensionaler
Vektorr"aume. Wenn es jedoch $b$ und $c$ gibt mit $ba=1$ und $ac=1$,
so folgt bereits $b=c$ und $a$ ist eine Einheit.
\end{Ubunge}

  \begin{Ubung}\label{RHKI}
    Jeder Ringhomomorphismus macht Einheiten zu Einheiten.  Jeder
    Ringhomomorphismus von einem K"orper
%oder allgemeiner einem Schiefk"orper 
    in einen vom Nullring verschiedenen Ring ist injektiv.
\end{Ubung}



\begin{Ubung}\label{AGVV}
Sei $p$ eine Primzahl.
Eine  abelsche
Gruppe $G$ kann genau dann
mit der Struktur eines $\mathbb{F}_p$-Vektorraums versehen werden,
wenn in additiver Notation gilt $pg=0$ f"ur alle $g\in G$,
und die fragliche Vektorraumstruktur ist dann durch die Gruppenstruktur 
eindeutig bestimmt.
\end{Ubung}
















\begin{Ubunge}
Wieviele Untervektorr"aume hat ein zweidimensionaler
Vektorraum "uber einem K"orper mit f"unf Elementen?
Wieviele angeordnete Basen?
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
Gegeben ein
Vektorraum "uber einem endlichen Primk"orper sind seine
Untervektorr"aume genau die Untergruppen der zugrundeliegenden
abelschen Gruppe.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{tf}
Gegeben $m\geq 1$ sind die Einheiten des Restklassenrings
$\DZ/m\DZ$ genau die Restklassen derjenigen Zahlen $a$ mit $0\leq a<m$, 
die zu $m$ teilerfremd sind, in anderen Worten die primen
Restklassen. In Formeln haben wir also
$(\DZ/m\DZ)^\times=\{\bar{a}\mid 0\leq a<m, \; 
\langle m,a\rangle=\langle 1\rangle\}$.
Hinweis: \ref{ggT}.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
  Man zeige f"ur Binomialkoeffizienten im K"orper $\mathbb F_p$ die Identit"at 
${p-1\choose i}=(-1)^i$.
\end{Ubung}










\subsection{Polynome}
\begin{Bemerkungl}
Ist $R$ ein Ring, so bildet die Menge $R[X]$ aller \glqq formalen
Ausdr"ucke\grqq\  der Gestalt $a_{n}X^{n} + \ldots +a_{1}X + a_{0}$ mit
$a_{i} \in R$ unter der offensichtlichen Addition 
und Multiplikation einen Ring,
den {\bf Polynomring "uber $R$ in einer 
Variablen $X$},\index{Polynomring} 
und wir haben eine offensichtliche Einbettung $\op{can}:R\hra R[X]$.
Die Herkunft der Bezeichnung diskutieren wir in \eref{WBPb}{AN1}.
Die $a_\nu$ hei"sen in diesem Zusammenhang die 
{\bf Koeffizienten}\index{Koeffizient!von Polynom} 
unseres Polynoms, genauer hei"st $a_\nu$ der {\bf Koeffizient von $X^\nu$}.
Das $X$ hei"st die {\bf Variable}\index{Variable!von Polynom}  
unseres Polynoms und kann auch schon mal mit einem anderen Buchstaben
bezeichnet werden. 
Besonders gebr"auchlich sind hierbei Gro"sbuchstaben vom Ende des Alphabets.
Diese Beschreibung des Polynomrings ist hoffentlich verst"andlich,
sie ist aber nicht so exakt,
wie
eine Definition es sein sollte. Deshalb
geben wir auch noch eine exakte Variante.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Sei $R$ ein Ring.\label{PoRi} 
Wir bezeichnen mit $R[X]$ die Menge aller Abbildungen $a :
\DN \ra R$, die nur an endlich vielen Stellen von Null
verschiedene Werte annehmen, 
 und definieren auf $R[X]$ eine Addition
und eine Multiplikation durch die Regeln
$$\begin{array}{rcl}
(a + b)(n) &\pdef& a (n) + b (n)\\
(a \cdot b)(n) &\pdef& \sum_{i+j =n} a (i) b (j)
\end{array}$$
Mit diesen Verkn"upfungen wird $R[X]$ ein Ring, der
{\bf Polynomring "uber $R$}.\index{Polynomring}\index{)5]@$R[X]$ Polynomring}  
Ordnen
wir jedem $c\in R$ die Abbildung $\DN \ra R$ zu, die  bei $0$ den
Wert $c$ annimmt und sonst den Wert Null, so erhalten wir eine
Einbettung, ja einen injektiven Ringhomomorphismus
$$\op{can}:R\hra R[X]$$ 
Wir  notieren ihn schlicht $c\mapsto c$ und nennen die Polynome im Bild dieser Einbettung
{\bf konstante Polynome}.\index{Polynom!konstantes}\index{konstant!Polynom} 
Bezeichnen
wir weiter mit $X$ die Abbildung $\DN \ra R$, die bei $1$ den Wert $1$ annimmt und
sonst nur den Wert Null, so k"onnen wir jede Abbildung
$a\in R[X]$ eindeutig schreiben
in der Form $a=\sum_\nu a(\nu) X^\nu$.
Verwenden wir  die Indexnotation und
schreiben $a_\nu$ statt $a(\nu)$,
so sind 
 wir auf einem etwas formaleren Weg wieder am selben Punkt
angelangt.
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
  Im Fall eines K"orpers $K$ macht die Multiplikation mit Elementen von $K$
  unseren Polynomring zu einem $K$-Vektorraum
  und die Abbildung $n\mapsto X^n$ induziert einen Vektorraumisomorphismus
$K\langle \DN\rangle\sira K[X]$
zwischen dem freien $K$-Vektorraum  
"uber der Menge $\DN$ der nat"urlichen Zahlen und dem Polynomring. 
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkungl}
Die wichtigste Eigenschaft eines Polynomrings ist, da"s man \glqq f"ur
die Variable etwas einsetzen darf\grqq. Das wollen wir nun formal
aufschreiben.
\end{Bemerkungl}

\begin{Proposition}[\textbf{Einsetzen in Polynome}]
Gegeben
$R $ ein Kring und $c \in R$ ein
Element\label{EiP} 
 gibt es genau einen 
Ringhomomorphismus 
$${\op{E}}_{c}:R[X] \ra R$$ mit  
 $ {\op{E}}_c (X) =
c$ und ${\op{E}}_c\circ \op{can}=\op{id}_R$. Wir nennen ${\op{E}}_c$ den
\emph{\bf Einsetzungshomomorphismus zu $c$}.\index{Einsetzungshomomorphismus}
\end{Proposition}


\begin{proof}[Beweis]
Dieser eindeutig bestimmte Ringhomomorphismus 
${\op{E}}_c$ ist eben
gegeben durch die Vorschrift
${\op{E}}_c(a_{n}X^{n} + \ldots + a_{1} X + a_{0})
\pdef a_{n} c^{n} + \ldots + a_{1}c + a_{0}$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Es ist "ublich,  das Bild unter dem Einsetzungshomomorphismus 
${\op{E}}_{c}$ eines Polynoms $P \in R[X]$ abzuk"urzen als
$$P(c)\pdef {\op{E}}_{c} (P) $$
Ich verwende sp"ater oft auch die Notation ${\op{E}}_{c}=\delta_c$, die
die Interpretation als \glqq Dirac-Ma"s\grqq\ anklingen l"a"st.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
 Unsere "ubliche Darstellung einer
Zahl in Ziffernschreibweise l"auft darauf hinaus, die Koeffizienten eines
Polynoms anzugeben, das an der Stelle $10$ die besagte Zahl als Wert ausgibt,
also etwa $7258  = P(10)$ f"ur $P(X)$ das Polynom 
$7 X^{3} + 2 X^{2} + 5X +8$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Es geht auch noch allgemeiner, man darf etwa  auch
  quadratische Matrizen in Polynome einsetzen.
  Um das zu pr"azisieren, vereinbaren
  wir die Sprechweise, da"s
 zwei Elemente $b$ und $c$ eines Rings
 \defind{kommutieren}, wenn gilt $bc=cb$, wenn sie also
 in Bezug auf die Multiplikation kommutieren.
\end{Bemerkungl}




\begin{Proposition}[\textbf{Einsetzen in Polynome, Variante}]
Seien
$\varphi:R \ra S$ ein Ringhomomorphismus und $c \in S$ ein
Element derart, da"s $c$ f"ur alle $a\in R$ mit   $\varphi(a)$ kommutiert.\label{EiPv} 
So gibt es genau einen 
Ringhomomorphismus 
$${\op{E}}_{\varphi,c}:R[X] \ra S$$ mit  
 $ {\op{E}}_{\varphi,c} =
c$ und ${\op{E}}_{\varphi,c}\circ \op{can}=\varphi$. Wir nennen ${\op{E}}_{\varphi,c}$ den
\emph{\bf Einsetzungshomomorphismus zu $c$ "uber $\varphi$}.
\end{Proposition}


\begin{proof}[Beweis]
Dieser eindeutig bestimmte Ringhomomorphismus 
${\op{E}}_{\varphi,c}$ ist
gegeben durch die Vorschrift
${\op{E}}_{\varphi,c}(a_{n}X^{n} + \ldots + a_{1} X + a_{0})
\pdef \varphi(a_{n}) c^{n} + \ldots + \varphi(a_{1})c + \varphi(a_{0})$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  Es ist auch in dieser Allgemeinheit
  "ublich,  das Bild unter dem Einsetzungshomomorphismus 
${\op{E}}_{\varphi,c}$ eines Polynoms $P \in R[X]$ abzuk"urzen als
  $$P(c)\pdef {\op{E}}_{\varphi,c} (P) $$
  und $\varphi$ in der Notation zu unterschlagen. So schreiben wir
im Fall eines Krings $R$  zum Beispiel
$P(A)$
f"ur die Matrix, die beim  Einsetzen einer quadratischen 
Matrix $A\in\op{Mat}(n;R)$ 
in das Polynom $P$ ensteht. In diesem Fall
h"atten wir  $S=\op{Mat}(n;R)$
und $\varphi$ w"are der Ringhomomorphismus $\varphi:a\mapsto a{\op{I}}$,
der jedem $a\in R$ das $a$-fache der Einheitsmatrix zuordnet.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Wechsel der Koeffizienten}] 
  Ist  $\varphi:R\ra S$ ein Ringhomomorphismus,\label{IAPR} so erhalten wir
einen Ringhomomorphismus $\varphi=\varphi_{[X]}:R[X]\ra S[X]$ 
der zugeh"origen Polynomringe
durch das \glqq Anwenden von $\varphi$ auf die Koeffizienten\grqq.
Formal k"onnen wir ihn als das \glqq Einsetzen von $X$ f"ur $X$
"uber $\varphi$\grqq\ beschreiben, also
als den Ringhomomorphismus $\varphi_{[X]}\pdef {\op{E}}_{\varphi,X}$.
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}
Seien $R$ ein Kring und $P \in R[X]$ ein Polynom.
Ein Element $a \in R$ hei"st eine \defind{Nullstelle} 
oder auch eine {\bf Wurzel von}\index{Wurzel!von Polynom} $P$,
wenn gilt $P (a)=0$. 
\end{Definition}

\begin{Definition}\label{deP}
Sei $R$ ein Ring. Jedem Polynom $P \in R[X]$ ordnen wir seinen
{\bf Grad}\index{Grad!eines Polynoms}\index{grad@$\op{grad}$!Grad!eines Polynoms} 
 $\op{grad} P \in \DN \sqcup \{-\infty\}$ (englisch 
{\bf degree}, franz"osisch {\bf degr\'e})\index{degree}\index{degr\'e}  
zu durch die
Vorschrift
$$\begin{array}{ll}
\op{grad} P = n & \text{ f"ur } P 
= a_{n}X^{n} + \ldots+ a_1 X+ a_{0}\text{ mit } a_{n}
\neq 0;\\
\op{grad} P = -\infty & \text { f"ur } P \text{ das Nullpolynom}.
\end{array}$$
F"ur ein von Null verschiedenes Polynom $P = a_{n} X^{n} + \ldots
+ a_{1} X+a_{0}$ mit $n=\op{grad} P$
nennt man $a_n\in R \backslash 0$  seinen
{\bf Leitkoeffizienten}\index{Leitkoeffizient}.
Den Leitkoeffizienten des Nullpolynoms erkl"aren wir als die Null
von $R$. Ein Polynom hei"st 
{\bf normiert},\index{normiert!Polynom}  wenn 
sein Leitkoeffizient $1$ ist.
Das Nullpolynom ist demnach nur "uber dem  Nullring
normiert, hat aber auch dort den Grad $-\infty$.
Auf Englisch hei"sen unsere normierten Polynome {\bf monic polynomials}.
\index{monic polynomial}  
 Ein Polynom vom Grad Eins 
hei"st {\bf linear},\index{linear!Polynom}
ein Polynom vom Grad Zwei  {\bf quadratisch},\index{quadratisch!Polynom}
ein Polynom vom Grad Drei  {\bf kubisch}.\index{kubisch!Polynom}
\end{Definition}
\begin{Lemma}[\textbf{Grad eines Produkts}]
Ist $R$ ein Integrit"atsring, so ist auch der Polynomring $R[X]$ 
ein Integrit"atsring und\label{NFR} 
 der Grad eines Produkts ist  die Summe der Grade der Faktoren, in Formeln
 $$\op{grad} (PQ) = \op{grad} P + \op{grad} Q$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Ist $R$ ein Integrit"atsring, so ist offensichtlich der
Leitkoeffizient von $PQ$ das Produkt der Leitkoeffizienten von $P$
und von $Q$.
\end{proof}

\begin{Lemma}[\textbf{Polynomdivision mit Rest}\index{Teilen in Polynomringen}]
Sei $R$ ein  Ring. Gegeben Polynome $P,Q \in R[X]$ mit
$Q$ normiert
gibt es  eindeutig bestimmte
Polynome $A,B$ mit $P = AQ + B$ und\label{TPR}  
$(\op{grad} B) \leq (\op{grad} Q) -1$.
\end{Lemma}
\begin{Beispiel}
Die Polynomdivision mit Rest des Polynoms 
$X^4 + 2 X^2 $ durch $ X^2+2X +1$
liefert,\label{BPDaa} wir fr"asen bei dieser Rechnung
der Reihe nach die jeweils h"ochsten
Potenzen ab, 
$$
\begin{array}{lll}
X^4 + 2X^2 & =& X^2 (X^2 + 2X +1) - 2 X^3 + X^2\\
 & =& X^2 (X^2 + 2X +1) - 2 X (X^2 +2X +1) +5X^2 + 2X\\
 & =& (X^2 - 2 X +5) (X^2 +2X +1) - 8X -5
\end{array}$$
\end{Beispiel}
\begin{proof}[Beweis]
  Ich habe mir bei der Formulierung des Lemmas  M"uhe gegeben, da"s es
  auch im Fall des Nullrings $R=0$ richtig ist, wenn wir  $-\infty=-\infty-1$
  verstehen. F"ur den Beweis d"urfen
  wir damit annehmen, da"s $R$ nicht der Nullring ist. Wir suchen ein Polynom 
$A$ mit $\op{grad} (P-AQ)$ kleinstm"oglich. G"alte dennoch
$\op{grad}
  (P-AQ)\geq (\op{grad}(Q)$,
  sagen wir $B\pdef P-AQ = aX^{r} + \ldots+c$ mit $a \neq 0$
und
$r\geq d\pdef\op{grad}(Q)$, so h"atte $P -(A+aX^{r-d})Q$
echt kleineren Grad als $B$ im Widerspruch zur Wahl von
$A$. Das zeigt die Existenz. F"ur den Nachweis der Eindeutigkeit 
gehen wir aus von einer weiteren Gleichung $P = A'Q + B'$ mit
$\op{grad} B' < d$. Es folgt zun"achst $(A-A')Q=B'-B$
und wegen der offensichtlichen Formel f"ur den Grad des Produkts
eines beliebigen Polynoms mit einem normierten Polynom 
weiter $A-A'=0$ und dann auch $B'-B=0$.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Abspalten von 
Linearfaktoren bei Nullstellen}\index{Abspalten von Linearfaktoren}]
Seien $R$ ein Kring und $P\in R [X]$ ein Polynom.\label{AbsL}
Genau dann ist $\lambda\in R$ eine Nullstelle von $P$,
wenn das Polynom $(X-\lambda)$ das Polynom $P$ teilt, in Formeln
$$P(\lambda)=0\;\IFF\; (X-\lambda)|P$$
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl} Die Argumentation gelingt sogar weitgehend  f"ur
  nichtkommutative Ringe, wo das Einsetzen in Polynome im allgemeinen schon
  problematisch ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
  Teilen wir $P$ mit Rest durch das normierte Polynom $(X-\lambda)$
  im Sinne von Lemma \ref{TPR}, so 
finden wir ein Polynom $A\in R [X]$ und eine Konstante
$b\in R$ mit 
$P=A(X-\lambda)+b$. Einsetzen von $\lambda$ f"ur $X$ liefert dann $b=0$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  Der im Sinne von \ref{deP} lineare Faktor $(X-\lambda)$ 
  unseres Polynoms hei"st ein {\bf Linearfaktor} unseres
  Polynoms,\index{Linearfaktor} 
daher der Name des Korollars.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Zahl der Nullstellen eines Polynoms}]
Gegeben  ein K"orper oder allgemeiner ein\label{ZNPn} %\label{ZNP}
Integrit"atskring $K$ hat ein von Null verschiedenes
Polynom $P \in K [X]\backslash 0$ h"ochstens $\op{grad} P$ Nullstellen in $K$.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Ist $\lambda \in K$ eine Nullstelle, so 
finden wir nach \ref{AbsL} eine Darstellung $P =A
(X-\lambda)$ mit $\op{grad} A=\op{grad} P-1$ und $A\neq 0$.
Eine von $\lambda$ verschiedene Nullstelle von $P$ ist
unter unseren Annahmen 
notwendig eine Nullstelle von $A$ und der Satz folgt mit
Induktion.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
In einem K"orper $K$ oder allgemeiner einem 
Integrit"atskring gibt es zu jedem Element $b\in K$ h"ochstens
zwei Elemente $a\in K$ mit $a^2=b$. Ist n"amlich $a$ eine L"osung dieser 
Gleichung, so gilt $X^2-b=(X-a)(X+a)$. Wenn wir einen Integrit"atskring
vor uns haben und da f"ur $X$ etwas
von $\pm a$ Verschiedenes einsetzen, kommt sicher nicht Null heraus.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
Die Kommutativit"at ist hierbei wesentlich. In \ref{DQua} werden wir den
sogenannten \glqq Schiefk"orper der Quaternionen\grqq\  einf"uhren, einen
Ring, der au"ser der Kommutativit"at der Multiplikation alle unsere
K"orperaxiome erf"ullt. In diesem Ring hat die Gleichung $X^2=-1$
dann offensichtlich 
die sechs L"osungen $\pm\op{i}$, $\pm\op{j}$, $\pm\op{k}$ 
und nicht ganz so offensichtlich \eref{W1Q}{ML}
sogar unendlich viele L"osungen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Die Eigenschaft, ein Integrit"atskring zu sein, ist ebenfalls wesentlich.  
Betrachten wir zum Beispiel den Ring $\op{Ens}(X,\DR)$ aller
Abbildungen von einer beliebigen Menge $X$ in die reellen Zahlen, 
so hat das Polynom $X^2-X$ als Nullstellen alle Funktionen $f:X\ra\DR$,
die nur die Werte Null und Eins annehmen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}
 Sei $K$ ein K"orper oder allgemeiner ein Integrit"atskring.
 \begin{enumerate}
 \item
  Jedes von Null verschiedene Polynom $P\in K[X]\backslash 0$
 kann  als ein Produkt
$$P(X)=(X-\lambda_1)\ldots (X-\lambda_r)Q(X)$$
  dargestellt werden  mit $\lambda_i\in K$ und
  $Q$ einem  Polynom ohne Nullstelle
in $K$;
 \item
 Ist 
$P(X)=(X-\mu_1)\ldots (X-\mu_s)R(X)$
eine weitere derartige Darstellung, so gilt $r=s$ und $Q=R$
es gibt eine Permutation
$\sigma\in\mathcal S_r$  mit $\mu_i=\lambda_{\sigma(i)}\;\forall i$. 
 \end{enumerate}
\end{Proposition}
\begin{proof}
  Durch Abspalten von Nullstellen
  wie in \ref{AbsL} zeigt man mit Induktion "uber den Grad 
  den ersten Teil. 
Sei nun ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $s>0$
in der zweiten Faktorisierung. Wir haben also  
$P(\mu_1)=0$. Da wir $K$ als Integrit"atskring angenommen
hatten, mu"s ein ein $i$ geben mit $\mu_1=\lambda_i$. Da mit $K$ auch $K[X]$
ein Integrit"atskring ist, d"urfen wir $(X-\mu_1)=(X-\lambda_i)$
k"urzen und kommen mit Induktion zum Ziel. 
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  Ist $K$ ein K"orper oder allgemeiner ein Integrit"atskring,
  $P \in K [X]$ ein Polynom
und $\lambda\in K$ eine Nullstelle von $P$, so nennen wir das Supremum
"uber alle $n\in\DN $ mit $(X-\lambda)^n|P$ 
die \defnoind{Vielfachheit der Nullstelle 
$\lambda$}\index{Vielfachheit!einer Nullstelle}
oder auch ihre {\bf Ordnung}.\index{Ordnung!einer Nullstelle}
Das Nullpolynom hat insbesondere an jeder Stelle eine Nullstelle der
Vielfachheit $\infty$ und gar keine Nullstelle bei $\lambda$ ist
dasselbe wie eine\label{Nsto} 
\glqq Nullstelle der Vielfachheit Null\grqq.
Insbesondere ist im Fall eines K"orpers oder
allgemeiner eines Integrit"atskrings auch die Zahl der
mit ihren
Vielfachheiten gez"ahlten 
Nullstellen eines von Null verschiedenen Polynoms 
beschr"ankt  durch seinen Grad.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Ein K"orper $K$ hei"st 
\defnoind{algebraisch 
abgeschlossen}\index{algebraisch!abgeschlossen, 
K"orper}\index{abgeschlossen!algebraisch},\label{AlAb} 
wenn jedes nichtkonstante Polynom $P \in K [X]\backslash K$  
mit Koeffizienten in unserem K"orper  $K$  eine
Nullstelle in unserem K"orper  $K$ hat.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
  Der K"orper $K=\DR$ ist nicht  algebraisch 
  abgeschlossen, denn das Polynom $X^2+1$ hat keine reelle Nullstelle.
\end{Beispiel}
  \begin{Bemerkungw}\label{KCAA}
    Der K"orper $\DC$ der komplexen Zahlen ist algebraisch abgeschlossen.  Das
    ist die Aussage des sogenannten {\bf Fundamentalsatzes der Algebra},
 f"ur\index{Fundamentalsatz der Algebra} 
    den wir mehrere Beweise geben werden: Einen besonders elementaren Beweis
    nach Argand  in der Analysis in \eref{FA}{AN1}, einen sehr eleganten
    mit den Methoden der Funktionentheorie in \eref{FSAF}{FT1}, und einen mehr
    algebraischen Beweis, bei dem die Analysis nur "uber den Zwischenwertsatz
    eingeht, in \eref{FSAA}{AL}.  Mir selbst  gef"allt der 
noch wieder andere Beweis mit den Mitteln der
    Topologie \eref{FSAT}{TF} am besten, 
da er meine Anschauung am meisten anspricht.
Er wird in analytischer Verkleidung bereits in \eref{FAWI}{AN2}
vorgef"uhrt.  Eine heuristische Begr"undung wird in nebenstehendem Bild
gegeben.
  \end{Bemerkungw}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildFdAl}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
   Heuristische Begr"undung f"ur den Fundamentalsatz der Algebra. Eine
   mehrfach um einen am Ursprung aufgestellten Pfahl gelegte Seilschlinge
   kann nicht auf einen Punkt zusammengezogen werden, ohne da"s wir sie
   irgendwann "uber den Pfahl heben.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Heuristische Begr"undung f"ur den Fundamentalsatz der Algebra}]
Ein Polynom $n$-ten Grades wird eine sehr gro"se Kreislinie in der komplexen
Zahlenebene mit
Zentrum im Ursprung
abbilden auf einen Weg in der komplexen
Zahlenebene, der \glqq den Ursprung $n$-mal uml"auft\grqq. 
Angedeutet ist etwa das Bild einer sehr gro"sen Kreislinie 
unter einem Polynom vom Grad Zwei. 
Schrumpfen  wir nun unsere sehr gro"se Kreislinie zu immer 
kleineren Kreislinien bis auf einen Punkt, 
so schrumpfen auch diese Wege zu einem konstanten Weg zusammen. 
Unsere $n$-fach um einen etwa am Ursprung aufgestellten Pfahl laufende
Seilschlinge kann 
jedoch offensichtlich 
nicht auf einen Punkt zusammengezogen werden, ohne da"s wir sie 
"uber den Pfahl heben, anders gesagt:
Mindestens eines der Bilder dieser kleineren Kreislinien mu"s durch den
Ursprung laufen, als da hei"st, unser Polynom mu"s auf
mindestens einer  dieser kleineren Kreislinien eine Nullstelle haben.
 In \eref{FDAT}{AN2} oder besser \eref{FSAT}{TF} 
werden wir  diese Heuristik 
zu
einem formalen Beweis ausbauen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}\label{zl}
Ist $K$ ein algebraisch abgeschlossener K"orper, so hat jedes
von Null verschiedene Polynom $P\in K[X]\backslash 0$
eine 
{\em\bf Zerlegung in Linearfaktoren}\index{Linearfaktoren!Zerlegung in} 
der Gestalt
$$P = c (X-\lambda_{1}) \ldots (X-\lambda_{n})$$
mit $n\geq 0$,  $c\in K^\times$ und $\lambda_1,\ldots,\lambda_n\in K$.
Dar"uber hinaus ist 
diese Zerlegung  eindeutig bis auf die Reihenfolge der
Faktoren.
\end{Korollar}


\begin{proof}[Beweis] In diesem Fall haben eben nur konstante
  von Null verschiedene Polynome keine Nullstellen. 
\end{proof}
\begin{Bemerkungl} In anderen Worten liefert
  f"ur einen algebraisch abgeschlossenen K"orper $K$ 
   das Aufmultiplizieren eine Bijektion\label{AMBk} 
  $$\begin{array}{ccc}\left\{\begin{array}{c}\text{Endliche Multimengen}\\
        \text{von Elementen von $K$}
    \end{array}\right\}&\sira
    &\left\{\begin{array}{c}\text{Polynome in $K[X]$}\\
        \text{mit Leitkoeffizient Eins}
      \end{array}\right\}\\[4mm]
    _\mu\{\lambda_1,\ldots,\lambda_r\}&\mapsto&(X-\lambda_1)\ldots(X-\lambda_r)
  \end{array}
  $$
  liefert. Das vorgestellte $\mu$ aus der linken Seite ist ein \glqq Multimengenanzeiger\grqq,
  mit dem wir es uns erlauben,
  Elemente mit Vielfachheiten zu betrachten und anzugeben. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}[\defnoind{Faktorisierung  reeller Polynome}]
Jedes von Null verschiedene  Polynom $P$ mit reellen Koeffizienten 
besitzt\label{FRP}
eine Zerlegung in Faktoren der Gestalt
$$P = c (X-\lambda_{1}) \ldots (X-\lambda_{r})
 (X^2+\mu_1 X+\nu_1) \ldots (X^2+\mu_sX+\nu_s)$$
mit $c,\lambda_1,\ldots,\lambda_r,\mu_1,\ldots,
\mu_s,\nu_1,\ldots,\nu_s \in\DR$ derart, da"s die quadratischen Faktoren
keine reellen Nullstellen haben.
Diese Zerlegung ist eindeutig bis auf die Reihenfolge der
Faktoren.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Da unser Polynom invariant ist unter der komplexen Konjugation,
m"us\-sen sich  seine mit ihren 
Vielfachheiten genommenen komplexen Nullstellen
so durchnummerieren lassen,
da"s $\lambda_1,\ldots,\lambda_r$ reell sind und da"s 
eine gerade Zahl nicht reeller Nullstellen "ubrigbleibt mit 
$\lambda_{r+2t-1}=\bar{\lambda}_{r+2t}$ f"ur $1\leq t\leq s$ und
$r,s\geq 0$.  
Die Produkte $(X-\lambda_{r+2t-1})(X-\lambda_{r+2t})$ haben dann
reelle Koeffizienten, da sie ja invariant sind unter der komplexen
Konjugation, haben jedoch keine reellen Nullstellen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungw} In der Algebra \eref{FarF}{AL} k"onnen Sie lernen, inwiefern
  sowohl  die vorhergehenden Aussagen "uber die Faktorisierung von Polynomen
  als auch 
  die Primfaktorzerlegung nat"urlicher Zahlen Spezialf"alle
  eines allgemeinen Satzes "uber die \glqq Faktorialit"at euklidischer Ringe\grqq\ sind.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Polynomringe in mehreren Variablen}] 
"Ahnlich wie den Polynomring in einer Variablen \ref{PoRi} konstruiert man
auch Polynomringe in mehr Variablen "uber einem gegebenen Grundring $R$. 
Ist die Zahl der Variablen
endlich, so kann man induktiv definieren\label{PoRiMV} 
$$R[X_{1}, \ldots , X_{n}]=(R[X_{1}, \ldots , X_{n-1}])[X_n]$$
Man kann aber auch f"ur eine beliebige Menge
$I$ den Polynomring\index{)5]@$R[X_{1}, \ldots , X_{n}]$ Polynomring} 
$R[X_i]_{i\in I}$ bilden
als die Menge aller \glqq endlichen
formalen Linearkombinationen mit Koeffizienten aus $R$ von
endlichen Monomen in den $X_i$\grqq. Ich verzichte
an dieser Stelle auf eine formale
Definition.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
Bei  Hochster kann man ein Beispiel f"ur nichtisomorphe kommutative Ringe
  $A\not\cong B$ finden, deren Polynomringe in einer Variablen
doch isomorph sind, $A[T]\cong B[T]$. Die Konstruktion
eines derartigen Beispiels ist aber bereits h"ohere Mathematik und f"ur
uns an dieser Stelle nicht relevant.
\end{Bemerkunge}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Welche Matrix entsteht beim Einsetzen
der quadratischen Matrix ${(^{\;\;0}_{-1}}\;
{^{1}_{0})}$
 in das Polynom $X^2+1$ ?
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{AbNs}
  Man zeige, da"s jede Nullstelle $\alpha\in\DC$ eines 
normierten Polynoms mit  komplexen Koeffizienten
$X^n+a_{n-1}X^{n-1}+\ldots +a_0$ die Absch"atzung
$|\alpha|\leq 1+|a_{n-1}|+\ldots +|a_0|$ erf"ullt.
Hinweis: Sonst gilt erst $|\alpha|>1$ und 
dann $|\alpha|^n>|a_{n-1}\alpha^{n-1}|+\ldots +|a_0|$.
Umgekehrt zeige man auch, da"s aus der Absch"atzung $|\alpha|\leq C$ f"ur 
alle komplexen Wurzeln  die Absch"atzung $|a_k|\leq {n\choose k} C^{n-k}$
f"ur die Koeffizienten folgt.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}\label{NKN}
Ist $P\in\DR[X]$ ein Polynom mit reellen Koeffizienten und
$\mu\in\DC$ eine komplexe Zahl, so gilt $P(\mu)=0\RA P(\bar{\mu})=0$.
Ist also 
eine komplexe Zahl Nullstelle eines Polynoms mit reellen Koeffizienten,
so ist auch die konjugiert komplexe Zahl eine Nullstelle 
desselben Polynoms.
\end{Ubung}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildNKP}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
  Die komplexen Nullstellen eines Polynoms mit reellen
Koeffizienten, die nicht  reell sind, tauchen immer in Paaren
aus einer Wurzel und ihrer komplex Konjugierten auf, vergleiche
auch "Ubung \ref{NKN}. 
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Ubunge}
  Seien $k, K$ kommutative Ringe,
$i: k\ra K$ ein Ringhomomorphismus 
und  $i: k[X]\ra K[X]$  der induzierten
Ringhomomorphismus zwischen den zugeh"origen Polynomringen.
Man zeige: Ist   $\lambda\in k$ eine
Nullstelle eines Polynoms $P \in k[X]$, so ist $i(\lambda)\in K$
eine Nullstelle des Polynoms $i(P)$.  
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
 Man zeige: In jedem endlichen K"orper ist das Produkt aller 
von Null verschiedenen Elemente $(-1)$. Hinweis: Man zeige zun"achst,
da"s nur  die 
Elemente $\pm 1$ 
ihre eigenen Inversen sind. Als Spezialfall erh"alt man die Kongruenz 
$(p-1)!\equiv -1\pmod p$ f"ur jede Primzahl $p$. Diese Aussage wird 
manchmal auch
als {\bf Satz von Wilson} zitiert.\index{Wilson!Satz von}
Ist $n\in \DN_{\geq 1}$ keine Primzahl, so zeigt man im "ubrigen leicht
$(n-1)!\equiv 0\pmod n$. 
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
  Ist $K$ ein Integrit"atsbereich, so induziert die kanonische
Einbettung $K\hra K[X]$ auf den Einheitengruppen eine
Bijektion $K^\times \sira K[X]^\times$. Im Ring
$(\DZ/4\DZ)[X]$ aber  ist etwa auch  $\bar{1}+\bar{2}X$ eine Einheit.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{QuDr}
  Man zeige, da"s es in einem endlichen K"orper $\mathbb F$ einer
von $2$ verschiedenen Charakteristik genau $(|\mathbb F|+1)/2$ Quadrate
gibt, wohingegen in einem endlichen K"orper der
Charakteristik $2$ jedes Element das Quadrat eines weiteren Elements ist. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Man zerlege das Polynom $X^4+2$ in $\DR[X]$ in der in
\ref{FRP} beschriebenen Weise in ein 
Produkt quadratischer Faktoren
ohne Nullstelle.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{MFNr}
Ein reelles Polynom hat bei $\lambda\in \DR$ eine mehrfache Nullstelle
genau dann, wenn auch seine Ableitung bei $\lambda$ verschwindet.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
Gegeben ein reelles Polynom, dessen komplexe Nullstellen bereits
s"amtlich reell sind, ist jede Nullstelle seiner Ableitung reell und
wenn sie 
keine Nullstelle der Funktion selbst ist,  eine einfache Nullstelle
der Ableitung. Hinweis: Zwischen je zwei Nullstellen unserer
Funktion mu"s mindestens eine Nullstelle ihrer Ableitung liegen.
\end{Ubunge}






\begin{Ubunge}
Man zeige: Die rationalen Nullstellen eines 
normierten Polynoms mit ganzzahligen Koeffizienten 
$P\in \DZ[X]$ sind bereits alle ganz. In Formeln folgt aus\label{NUQ}  
$P(\lambda)=0$ f"ur $\lambda\in \DQ$  also bereits $\lambda\in\DZ$.   
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}
Gegeben ein Ring $R$ bilden auch die {\bf formalen Potenzreihen 
mit Koeffizienten in $R$}\index{Potenzreihe!formale}
der Gestalt $\sum_{n\geq 0}a_n X^n$ mit $a_n\in R$\label{FPR} 
einen Ring, der meist 
 $R\llbracket X\rrbracket$
notiert\index{)5]]@$k\llbracket T\rrbracket$ formale Potenzreihen} wird.
Man gebe eine exakte Definition  dieses Rings und zeige, 
da"s seine Einheiten genau diejenigen Potenzreihen sind, 
deren konstanter Term eine Einheit in $R$ ist, in Formeln
$$R\llbracket X\rrbracket^\times=R^\times+XR\llbracket X\rrbracket$$
Man verallgemeinere die Definition und Beschreibung der Einheiten  auf 
Potenzreihenringe $R\llbracket X_1,\ldots,X_n\rrbracket$
in mehreren Variablen und konstruiere einen Ring\-isomorphismus
$$(R\llbracket X_1,\ldots,X_n\rrbracket)\llbracket X_{n+1}\rrbracket\sira 
R\llbracket X_1,\ldots,X_n,X_{n+1} \rrbracket$$
\end{Ubunge}
%\begin{Ubunge}
% Seien $R$ ein Ring und
%$f=\sum_{n\geq 0}a_n X^n\in R\llbracket X\rrbracket$ eine formale Potenzreihe,
%f"ur die mindestens ein Koeffizient eine Einheit ist.
%Man zeige, da"s es dann genau eine Einheit $u\in R\llbracket
%X\rrbracket^\times$
%gibt derart,\label{WVS}  
%da"s $fu$ ein normiertes Polynom ist.
%Man zeige genauer:
%Ist  $m$ minimal mit $a_m\in R^\times$, so gibt es
% $u\in R\llbracket X\rrbracket^\times$ mit $fu\in R[X]$  normiert vom Grad $m$.
%Diese Aussage ist ein formales Analogon des
%{\bf Weierstra"s'schen Vorbereitungssatzes}\index{Weierstra"s!Vorbereitungssatz}
% insbesondere im Fall, da"s
%$R$ selbst ein formaler Potenzreihenring in mehreren Variablen 
% ist. 
%\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}\label{FRL}
Gegeben ein Ring $R$ bilden auch die {\bf formalen Laurentreihen 
mit Koeffizienten in $R$}\index{Laurentreihe!formale}
der Gestalt $\sum_{n\geq -N}a_n X^n$ mit $a_n\in R$ und $N\in\DN$
einen Ring, der meist 
$R(\!(X)\!)$\index{)5))@$R(\hspace{-0.8mm}(X)\hspace{-0.8mm})$ formale Laurentreihen}
notiert wird.
Man gebe eine exakte Definition  dieses Rings und zeige, 
da"s im Fall $R\neq 0$ seine Einheiten genau diejenigen 
von Null verschiedenen Reihen sind, 
bei denen der Koeffizient der kleinsten mit von Null verschiedenem 
Koeffizienten auftauchenden Potenz von $X$ 
eine Einheit in $R$ ist, in Formeln
$$R(\!(X)\!)^\times=\bigcup_{n\in \DZ} X^nR\llbracket X\rrbracket^\times$$
 Insbesondere ist im Fall eines K"orpers $K$ auch
$K(\!(X)\!)$ ein K"orper.
\end{Ubunge}



\begin{Bemerkunge}
  Wir verwenden hier die Terminologie, nach der bei {\bf formalen
 Laurentreihen}\index{Laurentreihe!formale} 
im Gegensatz zu den  Laurentreihen der Funktionentheorie
nur endlich viele Terme mit negativen Exponenten erlaubt sind. 
\end{Bemerkunge}

%\begin{Ubunge}QUATSCH![\textbf{Formale Laurentreihen in mehreren Variablen}] 
%  Man erkl"are zu einem beliebig vorgegebenen Ring $R$ den
%  Ring $R\llbracket X_1,\ldots, X_n\rrbracket$ der 
%{\bf formalen
%  Laurentreihen "uber $R$ in den Variablen $X_i$}\label{fLmV}
%als die Menge aller
%formalen Summen $s$ von Monomen in den $X_i$ mit Koeffizienten in $R$ derart,
%da"s es eine untere Schranke $N(s)\in \DZ$ gibt, so da"s kein $X_i$ in einem Monom mit Koeffizient ungleich Null in $s$ in noch kleinerer Potenz als $N(s)$ auftritt. Man zeige, da"s dieser Ring im Fall eines K"orpers $R$ auch
%selber wieder ein K"orper ist.
%\end{Ubunge}


\subsection{Polynome als Funktionen*}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildInterpN}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
   Das Polynom $P(X)=2X^2-2X-1$ mit reellen Koeffizienten vom Grad $\leq 2$,
   das 
die an den St"utzstellen $-1,1,2$ vorgegebenen Werte $3,-1,3$ 
interpoliert.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Lemma}[\textbf{Interpolation durch Polynome}]
Seien 
$K$ ein K"orper\label{InPo} und 
$x_0,$ $\ldots, x_n \in K$ paarweise verschiedene \emph{\bf St"utzstellen}
und $y_0, \ldots, y_n\in K$ beliebig vorgegebene Werte. 
So gibt  es genau 
ein Polynom $P \in K [X]$ vom Grad $\leq n$ 
mit $P (x_0) = y_0, \ldots, P(x_n) = y_n$.
\end{Lemma}
\begin{proof}
    Zun"achst ist sicher $(X - x_1) \ldots (X - x_n)\defp A_0 (X)$ ein Polynom vom
    Grad $n$, das bei $x_1, \ldots, x_n$ verschwindet und an allen anderen
    Stellen von Null verschieden ist, insbesondere auch bei $x_0$.  Dann ist
    $L_0(X) \pdef A_0 (X) / A_0 (x_0)$ ein Polynom vom Grad $n$, das bei $x_0$ den
    Wert Eins annimmt und bei $x_1, \ldots, x_n$ verschwindet. In derselben
    Weise konstruieren wir auch Polynome $L_1 (X), \ldots, L_n (X)$ und
    erhalten ein m"ogliches Interpolationspolynom als
    \begin{equation*}
      P(X) = y_0 L_0 (X) + \ldots + y_n L_n (X) 
      = \sum^n_{i=0} y_i \frac{\prod_{j\neq i} (X-x_j)}
      {\prod_{j\neq i} (x_i -x_j)}
    \end{equation*}
Das zeigt die Existenz. Ist $Q$ eine weitere L"osung derselben
Interpolationsaufgabe vom Grad $\leq n$, so ist $P-Q$ ein Polynom vom Grad 
$\leq n$ mit $n+1$ Nullstellen, eben bei den St"utzstellen
$x_0, \ldots, x_n$. 
Wegen \ref{ZNPn} mu"s dann aber $P-Q$ das Nullpolynom sein, 
und das zeigt die Eindeutigkeit.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}\label{PMV}
 Um die bisher eingef"uhrten algebraischen Konzepte anschaulicher zu machen,
will
ich sie in Bezug setzen zu geometrischen Konzepten.
Ist $K$ ein Kring, so k"onnen wir jedem Polynom $f \in
K[X_{1}, \ldots , X_{n}]$ die Funktion $\tilde{f} : K^{n} \ra K$,
$(x_{1}, \ldots, x_{n}) \mapsto f(x_{1}, \ldots, x_{n})$ zuordnen.
Wir erhalten so einen Ringhomomorphismus
$$K[X_{1}, \ldots, X_{n}] \ra \op{Ens} (K^{n},K)$$
Dieser Homomorphismus ist im allgemeinen weder injektiv noch
surjektiv. Schon f"ur $n =1$, $K= \DR$ l"a"st sich ja keineswegs
jede Abbildung $\DR \ra\DR$ durch ein Polynom beschreiben, 
also ist sie in diesem Fall nicht surjektiv.
Im Fall eines endlichen K"orpers $K$ kann weiter
f"ur $n\geq 1$ unsere 
 $K$-lineare Auswertungsabbildung vom unendlichdimensionalen
$K$-Vektorraum $K[X_{1}, \ldots , X_{n}]$ in den
endlichdimensionalen $K$-Vektorraum $\op{Ens} (K^{n},K)$
unm"oglich injektiv sein.
Wir haben jedoch den folgenden Satz.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Polynome als Funktionen}]
\begin{enumerate}
\item
Ist $K$ ein unendlicher K"orper, ja allgemeiner ein unendlicher
Integrit"atskring, so ist f"ur alle $n\in\DN$ 
die Auswertungsabbildung eine Injektion 
$K[X_{1}, \ldots , X_{n}] \hra \op{Ens} (K^{n},K)$;
\item
Ist $K$ ein endlicher K"orper, so ist f"ur alle $n\in\DN$ 
die Auswertungsabbildung eine Surjektion 
$K[X_{1}, \ldots, X_{n}] \sra \op{Ens} (K^{n},K)$. 
Ihren Kern  
beschreibt "Ubung \eref{KSuR}{LA2}.
\end{enumerate}%\label{PAFu}
\label{PoFu}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
1.
Durch Induktion "uber $n$. Der Fall $n=0$ ist eh klar.
F"ur $n =1$ folgt die Behauptung aus der Erkenntnis, das jedes von
Null verschiedene Polynom in $K[X]$ nur endlich viele Nullstellen
in $K$ haben kann.
Der Kern der Abbildung
$$K[X] \ra \op{Ens} (K,K)$$ besteht also nur aus dem Nullpolynom. F"ur
den Induktionsschritt setzen wir $X_{n} = Y$ und schreiben unser
Polynom in der Gestalt
$$P = a_{d} Y^{d} + \ldots + a_{1}Y + a_{0}$$
mit $a_{i} \in K [X_{1}, \ldots , X_{n-1}]$.
Halten wir $(x_{1}, \ldots , x_{n-1}) = x \in K^{n-1}$ fest,
so ist $a_{d} (x) Y^{d} + \ldots + a_{1}(x) Y + a_{0}(x) \in
K[Y]$ das Nullpolynom nach dem Fall $n=1$.
Also verschwinden $a_{d}(x), \ldots , a_{1} (x),a_{0}(x)$ f"ur
alle $x \in K^{n-1}$, mit Induktion sind  somit alle $a_{i}$
schon das Nullpolynom und wir haben $P =0$.
\\[2mm]\noindent
2.
Das  bleibt dem Leser "uberlassen. Man mag sich beim Beweis an
\ref{InPo} orientieren. Wir folgern in \eref{IP}{AL} eine
allgemeinere Aussage aus dem abstrakten chinesischen Restsatz.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubunge}
Man zeige, da"s jeder algebraisch abgeschlossene K"or\-per
unendlich ist. Hinweis: Im Fall $1\neq -1$ reicht es,
Quadratwurzeln zu suchen.\label{uev} 
  Man zeige, da"s jedes nichtkonstante 
Polynom $P\in K[X,Y]$ in zwei Ver"anderlichen "uber
einem algebraisch abgeschlossenen K"orper 
unendlich viele Nullstellen in $K^2$ hat.
\end{Ubunge}

\begin{Ubunge}[\textbf{Nullstellensatz f"ur Hyperebenen}] 
Sei $K$ ein unendlicher K"orper.\label{HYT} 
Verschwindet ein Polynom im Polynomring in $d$ Variablen "uber $K$ auf
einer affinen Hyperebene in $K^{d}$, so wird es von jeder
linearen Gleichung besagter Hyperebene
  geteilt. Hinweis: Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit mag man unsere
  Hyperebene als eine der Koordinatenhyperebenen annehmen.
Man zeige auch allgemeiner:
  Verschwindet ein Polynom in $d$ Ver"anderlichen "uber einem unendlichen
  K"orper auf der Vereinigung der paarweise verschiedenen affinen Hyperebenen
  $H_1, \ldots, H_n\subset K^d$, so wird es vom Produkt der linearen
  Gleichungen unserer Hyperebenen geteilt.
\end{Ubunge}
\begin{Bemerkungw} Allgemeinere Aussagen in dieser
  Richtung macht der Hilbert'sche Nullstellensatz \eref{HN}{KAG}.
\end{Bemerkungw}




\begin{Ubunge}[\textbf{Pythagoreische Zahlen}]
  Man zeige: Stellen wir eine Lampe oben auf den Einheitskreis 
und bilden jeden von $(0,1)$ verschiedenen Punkt des Einheitskreises
ab auf denjenigen Punkt der Parallelen zur $x$-Achse durch $(0,-1)$, auf den
sein Schatten f"allt, so entsprechen die Punkte 
mit rationalen Koordinaten auf dem Einheitskreis
genau den Punkten mit rationalen Koordinaten auf unserer Parallelen.
Hinweis: Hat ein Polynom in $\DQ[X]$ vom Grad drei zwei rationale
Nullstellen, so ist auch seine dritte Nullstelle rational.\label{PyS}
Geben wir das Bild vom Schattenwurf auf und
nehmen den Schnitt des Lichtstrahls mit der $x$-Achse,
so steht eine explizite Formel f"ur die Umkehrabbildung in \eref{PRr}{AN1}.
\end{Ubunge}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPyT}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Nach "Ubung \ref{PyS} entsprechen die Punkte 
mit rationalen Koordinaten auf dem Einheitskreis
genau den Punkten mit rationalen Koordinaten auf einer Geraden.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkunge}
  Unter einem {\bf pythagoreischen Zahlentripel} versteht man
ein Tripel $(a,b,c)$ von positiven nat"urlichen Zahlen mit
$a^2+b^2=c^2$, die also als Seitenl"angen eines rechtwinkligen Dreiecks
auftreten k"onnen. Die  pythagoreischen Zahlentripel mit gr"o"stem gemeinsamen Teiler 
$\langle a,b,c\rangle =\langle 1\rangle$ und $c>0$ 
entsprechen nun offensichtlich
eineindeutig den Punkten 
mit rationalen Koordinaten auf dem Einheitskreis vermittels der Vorschrift
$(a,b,c)\mapsto (a/c,b/c)$. In dieser Weise liefert unser Bild also einen
geometrischen Zugang zur Klassifikation der pythagoreischen Zahlentripel.
\end{Bemerkunge}

\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s die Menge der 
Polynome in $\DQ[X]$, die an allen Punkten aus $\DN$
ganzzahlige Werte annehmen, "ubereinstimmt mit der Menge\label{numPO}
aller  Linearkombinationen mit ganzzahligen
Koeffizienten der mithilfe der Binomialkoeffizienten gebildeten Polynome
$${X \choose k} \pdef \frac{X (X-1) \ldots (X - k+1)}
{k(k-1) \ldots 1}\quad\text{ falls $k\geq 1$ und } {X \choose 0} \pdef 1.$$  
Hinweis: Man berechne die Werte unserer Polynome
bei $X=0,1,2,\ldots$ Die "Ubung zeigt, da"s diejenigen
 Polynome in $\DQ[X]$, die an allen Punkten aus $\DN$
ganzzahlige Werte annehmen,  sogar an allen Punkten aus $\DZ$
ganzzahlige Werte annehmen m"ussen.
Sie  hei"sen  {\bf ganzwertige} oder {\bf numerische Polynome}.
\index{numerisch!Polynom}\index{ganzwertig!Polynom}\index{Polynom!numerisches}\index{Polynom!ganzwertiges}
Man zeige weiter f"ur jedes Polynom in $\DQ[X]$ vom Grad $d\geq 0$, 
das an fast 
allen Punkten aus $\DN$ ganzzahlige Werte annimmt, da"s es ein ganzwertiges 
Polynom sein mu"s und da"s
das $(d!)$-fache seines Leitkoeffizienten mithin eine ganze Zahl sein mu"s.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
  Man zeige, da"s die Menge aller 
Polynome  mit rationalen Koeffizienten in $\DQ[X_1,\ldots,X_r]$, die an allen Punkten aus $\DN^r$
ganzzahlige Werte annehmen, "ubereinstimmt mit der Menge\label{numPOm}
aller  Linearkombinationen mit ganzzahligen Koeffizienten
von Produkten der Gestalt
$${X_1 \choose k_1}\ldots {X_r \choose k_r} $$  
mit $k_1,\ldots, k_r\geq 0$. Hinweis: Man argumentiere wie in
\ref{numPO}.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}
  Ein Polynom "uber einem K"orper $k$ der Charakteristik $\op{char}k=0$,
  das eine injektive
  Abbildung $k\hra k$ liefert, hat den Grad Eins.\label{pikl} 
\end{Ubung}
\subsection{Bruchk"orper und Partialbruchzerlegung}\label{QoK}

\begin{Bemerkungl}
Die Konstruktion des K"orpers $\DQ$ der 
Bruchzahlen aus dem Integrit"atsbereich $\DZ$ der
ganzen Zahlen hatten wir bisher noch nicht formal besprochen.
Hier holen wir das gleich in gr"o"serer Allgemeinheit nach und
zeigen, wie man zu jedem Integrit"atsbereich seinen 
\glqq Bruchk"orper\grqq\ konstruieren kann. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{DQok}
Gegeben ein kommutativer Integrit"atsbereich $R$ 
 konstruieren wir seinen 
{\bf Bruchk"orper}\index{Frac@$\op{Frac}$ Bruchk"orper}
\index{Bruchk"orper}
$$\op{Frac}(R)$$
wie folgt:
Wir betrachten die Menge $R\times (R\backslash 0)$ und erkl"aren darauf eine
Relation $\sim$ durch die Vorschrift $$(a,s) \sim (b,t)\text{ genau
dann, wenn gilt $at= bs$.}$$
Diese Relation ist eine "Aquivalenzrelation, wie man leicht pr"uft.
 Wir bezeichnen
die Menge der "Aquivalenzklassen mit $\op{Frac}(R)$ und
die "Aquivalenzklasse von $(a,s)$ mit $\frac{a}{s}$
oder $a/s$. 
Dann erkl"aren wir auf $\op{Frac}(R)$ Verkn"upfungen $+$ und $\cdot$ durch die
Regeln
$$\frac{a}{s} + \frac{b}{t} = \frac{at + bs}{st}\;\;\;\text{und}\;\;\;
\frac{a}{s}\cdot \frac{b}{t} =
\frac{ab}{st}$$
und "uberlassen dem Leser den Nachweis, da"s diese Verkn"upfungen
wohldefiniert sind und $\op{Frac}(R)$ zu einem K"orper machen und da"s
die Abbildung $\op{can} : R \ra \op{Frac}(R)$, $r \mapsto r/1$  ein
injektiver Ringhomomorphismus ist. Er hei"st die {\bf kanonische Einbettung} 
unseres Integrit"atsbereichs in seinen Bruchk"orper.
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
  Auf Englisch bezeichnet man den Bruchk"orper als
{\bf fraction field}\index{fraction field}  und 
auf Franz"osisch als {\bf corps de fractions}. 
Auf Deutsch nennt man ihn auch oft
\glqq Quotientenk"orper\grqq,
aber\index{Quotientenk"orper@{\it Quotientenk"orper}}
das kann leicht zum Mi"sverst"andnis f"uhren, es handle sich dabei
um eine Quotientenkonstruktion wie bei Quotientenvektorr"aumen
oder Nebenklassengruppen. 
Die noch allgemeinere Konstruktion der \glqq Lokalisierung\grqq\  lernen wir 
erst in \eref{LokR}{KAG} kennen.
\end{Bemerkunge}





\begin{Beispiel}
Der K"orper
der rationalen Zahlen $\DQ$ wird formal definiert als der
Quotientenk"orper des Rings der ganzen Zahlen, in Formeln 
 $$\DQ\pdef\op{Frac}\DZ$$ Sicher w"are
es unter formalen Aspekten betrachtet eigentlich richtig  gewesen, diese 
Definition 
schon viel fr"uher zu geben.
Es schien mir jedoch didaktisch ungeschickt, 
gleich am Anfang
derart viel Zeit und
Formeln auf die exakte Konstruktion einer Struktur  zu verwenden, 
die
Ihnen
bereits zu Beginn ihres Studiums
hinreichend vertraut sein sollte. Wie bereits bei rationalen Zahlen nennt
man auch im allgemeinen bei einem Bruch $g/h$ das Element $g$ den
{\bf Z"ahler}\index{Z"ahler} 
und das Element $h$ den {\bf Nenner}\index{Nenner} des Bruchs.
\end{Beispiel}

\begin{Satz}[\textbf{Universelle Eigenschaft des Bruchk"orpers}]
Sei $R$ ein kommutativer Integrit"atsbereich.\label{UEQ}
Ist $\varphi : R \ra A$ ein Ringhomomorphismus, unter dem jedes
von Null verschiedene 
Element von $R$ auf eine Einheit von $A$ abgebildet wird,  
so faktorisiert $\varphi$ eindeutig
"uber $\op{Frac}R$, es gibt also in Formeln genau einen
Ringhomomorphismus $\tilde{\varphi} : \op{Frac}R \ra A$ mit $\varphi(r)
= \tilde{\varphi}(r/1)\;\forall r\in R$.
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur jedes m"ogliche $\tilde{\varphi}$ mu"s gelten 
$\tilde{\varphi} (r/s)= \varphi (r) \varphi(s)^{-1}$.
Das zeigt bereits die Eindeutigkeit von $\tilde{\varphi}$.
Um auch seine Existenz zu zeigen, 
betrachten wir die Abbildung
$\hat{\varphi}: R\times(R\backslash 0)\ra A$ 
gegeben durch 
$\hat{\varphi} (r,s)= \varphi (r) \varphi(s)^{-1}$ 
und pr"ufen, da"s sie konstant ist auf "Aquivalenzklassen.
Dann mu"s sie nach \ref{UEAQ}  eine wohlbestimmte Abbildung
$\op{Frac}R \ra A$ induzieren, von der der Leser leicht selbst 
pr"ufen wird, da"s sie ein Ringhomomorphismus ist.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Br"uche mit kontrollierten Nennern}]
Gegeben ein kommutativer Integrit"atsbereich $R$ und eine Teilmenge
$S\subset R\backslash 0$ betrachten wir im Bruchk"orper 
von $R$ den Teilring\index{)6aa@$S^{-1}$ Lokalisierung!$S^{-1}R$ eines Integrit"atsbereichs}
$$S^{-1}R\pdef\left\{(r/s)\in \op{Frac}R\mid 
s\text{ ist ein Produkt von Elementen von }S\right\}$$
Hierbei ist die Eins auch als Produkt von Elementen
von $S$ zu verstehen, eben als das leere Produkt. Insbesondere erhalten wir 
eine Einbettung $R\hra S^{-1}R$ durch $r\mapsto (r/1)$. 
Ist nun $\varphi : R \ra A$ ein Ringhomomorphismus, unter dem jedes
Element von $S$ auf eine Einheit von $A$ abgebildet wird,  
so faktorisiert $\varphi$ mit demselben Beweis wie zuvor eindeutig
"uber $S^{-1}R$, es gibt also in Formeln genau einen\label{KoBr} 
Ringhomomorphismus $\tilde{\varphi} : S^{-1}R \ra A$ mit $\varphi(r)
= \tilde{\varphi}(r/1)\;\forall r\in R$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}[\textbf{Auswerten rationaler Funktionen}] 
 Ist $K$ ein K"orper, so bezeichnet man
den Bruchk"orper des Polynomrings mit\label{DRF}
$ K (X)\pdef \op{Frac} K[X] $\index{)5)@$K(X)$  Funktionenk"orper} 
und nennt ihn den {\bf Funktionenk"orper\index{Funktionenk"orper} zu $K$} und
seine Elemente 
{\bf rationale Funktionen}.\index{rationale Funktion}\index{Funktion!rationale}
Man lasse sich durch die Terminologie nicht verwirren, Elemente dieses K"orpers
sind per definitionem formale Ausdr"ucke  und eben gerade keine Funktionen. 
Inwiefern man sie zumindest f"ur unendliches $K$ 
doch als Funktionen verstehen darf, 
soll nun ausgef"uhrt werden.
 Gegeben  $\lambda\in K$ betrachten wir 
dazu die Menge 
$S_\lambda\pdef\{P\mid P(\lambda)\neq 0\}$ aller Polynome, die bei $\lambda$ keine Nullstelle haben, und bezeichnen mit 
$$K[X]_\lambda\pdef S_\lambda^{-1} K[X]\subset K(X)$$ der Teilring aller Br"uche
von Polynomen, die sich darstellen lassen als ein Bruch, dessen  
 Nenner bei $\lambda$ keine Nullstelle hat. Auf diesem Teilring ist  das
Auswerten bei $\lambda$ nach \ref{KoBr} ein wohlbestimmter 
Ringhomomorphismus
$K[X]_\lambda\ra K$, den wir notieren als $f\mapsto f(\lambda)$.
Er ist der einzige Ringhomomorphismus $K[X]_\lambda\ra K$ mit $X\mapsto\lambda$,
der bei Vorschalten der Einbettung von $K$ die Identit"at auf $K$ liefert.  
Gegeben $f\in  K(X)$ hei"sen die Punkte $\lambda\in K$ mit
$f\not\in K[X]_\lambda$ 
die {\bf Polstellen von $f$}\index{Polstelle!von rationaler Funktion}
und das kleinste $n$ mit $(X-\lambda)^n f\in  K[X]_\lambda$  hei"st die
{\bf Polstellenordnung von $f$ bei $\lambda$}.\index{Polstellenordnung} 
Jedes Element $f\in  K(X)$ hat h"ochstens endlich viele Polstellen. 
F"ur jede  rationale Funktion $f \in K
(X)$ erkl"art man ihren {\bf Definitionsbereich}\index{Definitionsbereich} 
\index{D@$D (f)$ Definitionsbereich von $f$} 
$D (f) \subset K$\label{DRFn}  
als die Menge aller Punkte $a \in K$, die keine Polstellen von $f$ sind.
Durch \glqq K"urzen von Nullstellen\grqq\   
"uberzeugt man sich,
da"s jede rationale Funktion so als Bruch $f = g/h$ geschrieben
werden kann, da"s Z"ahler und Nenner keine gemeinsamen Nullstellen in $K$
haben, und da"s dann die Polstellen gerade die Nullstellen des Nenners
sind. Vereinbart man, da"s $f$ diesen Stellen als  Wert 
ein neues Symbol $\infty$ zuweisen
soll, so erh"alt man f"ur jeden unendlichen K"orper $K$ sogar eine
wohlbestimmte Injektion $K(X)\hra\op{Ens}(K,K\amalg\{\infty\})$.
\end{Beispiel}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verschiedene Definitionen f"ur Definitionsbereiche}]
  In der Schule m"ogen Sie gelernt haben, da"s etwa die
  Funktion $x/x$ bei $x=0$ nicht definiert sei.
  Von unserem Standpunkt aus ist das nicht so klar. Es gibt einerseits
  den Begriff einer Funktion als einer Abbildung, und um eine Abbildung
  anzugeben m"ussen 
  bei uns im Prinzip  Definitionsbereich, Wertebereich
  und Abbildungsvorschrift gleich mit angegeben werden.
  Die Abbildungsvorschrift $x\mapsto x/x$
  kann in der Tat bei $x=0$ nicht sinnvoll in der Art \glqq setze erst
  $x=0 $ f"ur die
  Variable ein und f"uhre dann die vorgeschriebenen
  Operationen im K"orper $\DR$ durch\grqq\  ausgewertet werden.
  Im Sinne unserer obigen Definition gilt im Funktionenk"oper $\DR(X)$
  dahingegen $1=X/X$ 
  und die Null geh"ort durchaus zum Definitionsbereich
  dieser rationalen Funktion im in \ref{DRFn} erkl"arten Sinne. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungw}
  Es ist sogar richtig, da"s jede rationale Funktion eine eindeutige maximal
  gek"urzte Darstellung mit normiertem Nenner hat. Um das einzusehen,
  ben"otigt man ein Analogon der eindeutigen Primfaktorzerlegung f"ur
  Polynomringe, das wir f"ur einen allgemeinen K"orper
  $K$ erst in \eref{PReF}{AL} zeigen.
\end{Bemerkungw}



 \begin{Bemerkungl}\label{EGR}
    Wir erinnern aus \ref{FPR} und \ref{FRL} die Ringe der Potenzreihen und
    der Laurentreihen.  Gegeben ein K"orper $K$ liefert die Verkn"upfung von
    Einbettungen $K[X]\hra K\llbracket X\rrbracket\hra K(\!(X)\!)$
    offensichtlich einen Ringhomomorphismus und nach der universellen
Eigenschaft \ref{UEQ} mithin eine
    Einbettung $K(X)\hra K(\!(X)\!)$. Das Bild von $(1-X)^{-1}$
    unter dieser Einbettung ist etwa die \glqq formale geometrische Reihe\grqq\ 
$1+X+X^2+X^3+\ldots$
  \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}\label{LauA}
Sei $K$ ein K"orper.
  Ist  $p\in K$ fest gew"ahlt und
$K(T)\sira K(X)$ der durch $T\mapsto (X+p)$ gegebene Isomorphismus,
so bezeichnet man das Bild von $f\in K(T)$ unter der
Komposition $K(T)\sira K(X)\hra K(\!(X)\!)$ auch als die 
{\bf Laurententwicklung von $f$ 
um den Entwicklungspunkt $p$}.\index{Laurententwicklung!algebraische}
Meist schreibt man in einer Laurententwicklung
 statt $X$ auch  $(T-p)$. So w"are die Laurententwicklung von
$f=T^2/(T-1)$ um den Entwicklungspunkt $T=1$ etwa die endliche Laurentreihe
$(T-1)^{-1}+2+(T-1)$.
\end{Bemerkunge}
\begin{Satz}[\textbf{Partialbruchzerlegung}]
Gegeben  ein algebraisch abgeschlossener K"orper $K$ wird
eine $K$-Basis des Funktionenk"orpers $K(X)$ gebildet
von erstens den Potenzen der Variablen 
$(X^n)_{n\geq 1}$ mitsamt zweitens den\label{PBZ} 
Potenzen der Inversen der Linearfaktoren $((X-a)^{-n})_{n\geq 1,\;a\in K }$ 
zuz"uglich drittens der Eins $1\in K(X)$.\label{pbzx} 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Eine Darstellung einer rationalen Funktion als Linearkombination
der Elemente dieser Basis nennt man  eine 
{\bf Partialbruchzerlegung}\index{Partialbruchzerlegung}
unserer rationalen Funktion.
Anschaulich scheint mir zumindest
die lineare Unabh"angigkeit der behaupteten Basis recht einsichtig: 
Polstellen an verschiedenen Punkten k"onnen sich ebensowenig 
gegenseitig aufheben wie 
Polstellen verschiedener Ordnung an einem
vorgegebenen Punkt. 
Alle rationalen Funktionen mag man auffassen als Funktionen auf 
der projektiven Gerade $\DP^1 K$ aus \eref{PrIf}{EL} und 
die $(X^n)_{n\geq 1}$ 
als Funktionen, die \glqq eine Polstelle der 
Ordnung $n$ im Unendlichen haben\grqq. 
Das ist auch der Grund
daf"ur, da"s ich die $1$ im Satz oben extra aufgef"uhrt habe
und nicht stattdessen einfach k"urzer
$(X^n)_{n\geq 0}$ schreibe. Dennoch spielen sie eine etwas andere Rolle.
$X^n$ hat eine $n$-fache Nullstelle bei Null und eine $n$-fache
Polstelle bei $\infty$, dahingegen hat $(X-\lambda)^{-n}$ eine $n$-fache
Polstelle bei $\lambda$ und eine $n$-fache Nullstelle bei $\infty$.
Von allen Funktionen, die an einer Stelle eine $n$-fache Nullstelle und
an einer anderen Stelle eine $n$-fache Polstelle haben, nehmen wir also nur
eine unkanonische Auswahl, um eine Basis zu erhalten.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Ist $K$ ein algebraisch abgeschlossener K"orper, so sind die
Polstellen eines Elements $f\in K(X)$ im Sinne von \ref{DRF} genau die 
Elemente $a\in K$ mit der Eigenschaft, da"s f"ur ein $n\geq 1$ der
Term $(X-a)^{-n}$ mit von Null verschiedenem Koeffizienten in der 
Partialbruchzerlegung von $f$ auftritt.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
  In B"uchern zur Analysis findet man oft eine Variante dieses Satzes f"ur den
  K"orper $K=\DR:$ In diesem Fall werden die im Satz beschriebenen Elemente
  erg"anzt zu einer Basis durch die Elemente 
$1/((X-\lambda)(X-\bar{\lambda}))^n$ und
  die Elemente 
$X/((X-\lambda)(X-\bar{\lambda}))^n$ f"ur $\lambda\in\DC$ mit positivem
  Imagin"arteil und $n\geq 1$ beliebig, wie der Leser zur "Ubung selbst zeigen
  mag.  Eine Verallgemeinerung auf den Fall eines beliebigen K"orpers $K$ wird
  in \eref{pbzz}{AL} diskutiert.
\end{Bemerkunge}

\begin{proof}[Beweis]
Wir zeigen zun"achst, da"s unsere Familie 
 den Funktionenk"orper als $K$-Vektorraum erzeugt.
Sei also $f\in K(X)$ dargestellt als Bruch von
zwei Polynomen $f=P/Q$ mit $Q\neq 0$. Wir argumentieren mit Induktion
"uber den Grad von $Q$. Ist $Q$ konstant, so haben wir schon gewonnen.
Sonst besitzt $Q$ eine Nullstelle $\mu\in K$ und wir k"onnen schreiben
$Q(x)=(X-\mu)^m\tilde{Q}(x)$ mit $m\geq 1$ und
$\tilde{Q}(\mu) \neq 0$. Dann nehmen wir 
$c\pdef P(\mu) / \tilde{Q}(\mu)$
und betrachten die Funktion
$$\frac{P}{Q} - \frac{c}{(X-\mu)^{m}} = \frac{P-c \tilde{Q}}
{(X-\mu)^{m} \tilde{Q}}$$
Aufgrund unserer Wahl von $c$ hat der Z"ahler auf 
der rechten Seite eine Nullstelle bei
$X = \mu$, wir k"onnen im Bruch also $(X - \mu)$ k"urzen, und eine
offensichtliche Induktion "uber dem Grad des Polynoms $Q$ beendet den Beweis.
Zum Beweis der linearen Unabh"angigkeit betrachten wir eine Linearkombination
unserer Basis in spe, die die Nullfunktion darstellt.
Sei $c(X-a)^{-n}$ ein Summand darin mit  $n\geq 1$ gr"o"stm"oglich 
f"ur die gew"ahlte Polstelle $a$. So multiplizieren wir mit $(X-a)^{n}$
und werten aus bei $a$ im Sinne von \ref{KoBr} und finden, da"s schon $c=0$
gegolten haben mu"s. So argumentieren wir alle Polstellen weg. Da"s die
nichtnegativen Potenzen von $X$ linear unabh"angig sind, folgt ja schon
aus der Definition des Polynomrings. 
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Berechnung einer Partialbruchzerlegung}] 
  Will man konkret eine Partialbruchzerlegung bestimmen, 
so rate ich dazu, mit einer\label{PBZe} 
  Polynomdivision zu beginnen und $P=AQ+R$ zu schreiben mit Polynomen $A$ und
  $R$ derart, da"s der Grad von $R$ echt kleiner ist als der Grad von $Q$. 
  Wir erhalten $P/Q=A+R/Q$, und in der Partialbruchzerlegung von $R/Q$ tritt 
dann
  kein polynomialer Summand mehr auf. 
Die Polstellen-Summanden geh"oren dann alle zu Nullstellen von $Q$ 
und ihr Grad ist beschr"ankt durch die Vielfachheit der 
entsprechenden Nullstelle von $Q$.
Nun setzen wir die Koeffizienten unserer Linearkombination  als
  Unbestimmte an, f"ur die wir dann ein lineares Gleichungssystem erhalten, das
  wir mit den "ublichen Verfahren l"osen.
\end{Bemerkungl}






\begin{Beispiel}\label{BPDa}
Wir bestimmen von $(X^4 + 2 X^2) / (X^2+2X +1)$ die Partialbruchzerlegung. 
Die Polynomdivision
haben wir bereits in \ref{BPDaa} durchgef"uhrt und 
$X^4 + 2X^2 = (X^2 - 2 X +5) (X^2 +2X +1) - 8X -5$ erhalten, so da"s 
sich unser Bruch vereinfacht  zu
\begin{displaymath}
\frac{X^4 + 2X^2}{X^2+2X+1} = X^2 -2X +5 -\frac{8X +5}{X^2+2X+1}
\end{displaymath}
Jetzt zerlegen wir den Nenner in Linearfaktoren $X^2 +2X +1 = (X+1)^2$
und d"urfen nach unserem Satz "uber die Partialbruchzerlegung 
\begin{displaymath}
\frac{8X +5}{(X+1)^2} = \frac{a}{X+1} + \frac{b}{(X+1)^2}
\end{displaymath}
ansetzen, woraus sich ergibt $8X +5 = aX + a + b$ und damit $a =8$ und $b =-3$.
Die Partialbruchzerlegung unserer urspr"unglichen Funktion hat also die Gestalt
\begin{displaymath}
\frac{X^4+2X^2}{X^2 +2X +1} = X^2 -2X +5 - \frac{8}{X+1} + \frac{3}{(X+1)^2}
\end{displaymath}
\end{Beispiel}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Geschlossene Darstellung der Fibonacci-Zahlen}] 
Wir  bilden die 
sogenannte {\bf erzeugende Funktion}\index{erzeugende Funktion!der Fibonacci-Folge}
der Fibonacci-Folge alias die\label{FiAl}  
formale Potenzreihe $f (x) =\sum_{n \geq 0} f_n x^n$
mit den Fibonacci-Zahlen aus \eref{FiFo}{EIN} als Koeffizienten.
Die Rekursionsformel f"ur Fibonacci-Zahlen $f_{n+2}=f_{n+1}+ f_n$ 
liefert unmittelbar $x f (x) + x^2 f(x) = f(x) -x$. Wir folgern
$(1-x-x^2) f (x) = x$.
Umgekehrt hat jede formale Potenzreihe, die diese Identit"at erf"ullt,
die Fibonacci-Zahlen als Koeffizienten.
Es gilt also, die Funktion $x/(1-x-x^2)$ in eine Potenzreihe zu entwickeln.
Dazu erinnern wir Satz \ref{PBZ}  "uber die
Partialbruchzerlegung, schreiben 
$x^2 + x -1 = (x +\alpha) (x+ \beta)$ mit $\alpha =
\frac{1}{2} + \frac{1}{2} \sqrt{5}$ und $\beta=
\frac{1}{2} - \frac{1}{2} \sqrt{5}$ und d"urfen 
 $x/(1-x-x^2) =a/(x + \alpha) + b/(x+\beta)$
ansetzen. Zur Vereinfachung der weiteren Rechnungen  
erinnern wir $\alpha \beta =-1$ und variieren unseren Ansatz
zu
$x/(1-x-x^2) = c/(1-x\alpha ) + d/(1-x\beta )$.
Das f"uhrt zu $c + d =0$ alias $c = -d$ und $\alpha c + \beta d =-1$ alias
$c = 1 /(\beta - \alpha) = 1/\sqrt{5}$.
Die Entwicklung unserer Br"uche in eine geometrische Reihe
nach \ref{EGR} liefert damit
im Ring der formalen Potenzreihen die Identit"at
\begin{equation*}
\frac{x}{1-x-x^2} = \sum_{i \geq 0} \frac{( x\alpha)^i}{\sqrt{5}}
- \frac{(x\beta )^i}{\sqrt{5}}
\end{equation*}
und f"ur den Koeffizienten von $x^i$ alias die $i$-te Fibonacci-Zahl 
$f_i$ ergibt
sich wie in \eref{FiFo}{EIN} die Darstellung
\begin{equation*}
f_i = \frac{1}{\sqrt{5}} \left( \frac{1+ \sqrt{5}}{2} \right)^i
-\frac{1}{\sqrt{5}} \left( \frac{1-\sqrt{5}}{2}
\right)^i
\end{equation*}
\end{Bemerkungl}


\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{AOQ}
  Man zeige: Besitzt ein kommutativer Integrit"atsbereich $R$ eine
Anordnung $\leq$, unter der er im Sinne von \eref{ARI}{AN1} ein
angeordneter Ring wird, so besitzt sein Bruchk"orper
$\op{Frac}R$   genau eine Struktur als angeordneter K"orper,
f"ur die die kanonische Einbettung $R\hra\op{Frac}R$ mit der 
Anordnung vertr"aglich alias monoton wachsend ist.
Speziell erhalten wir so die "ubliche Anordnung auf $\DQ=\op{Frac}\DZ$.  
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{PN}
Gegeben ein unendlicher K"orper $K$ und eine von Null
verschiedene rationale Funktion $f\in K(X)^\times$ sind die Polstellen
von $f$ genau die Nullstellen von $(1/f)$, als da hei"st, die 
Stellen aus dem Definitionsbereich von $(1/f)$, an denen diese 
Funktion den Wert Null annimmt. Fassen wir genauer
$f$ als Abbildung $f:K\ra K\amalg\{\infty\}$ auf, so entspricht
$(1/f)$ der Abbildung $a\mapsto f(a)^{-1}$, wenn wir
 $0^{-1}=\infty$
und $\infty^{-1}=0$ vereinbaren.
\end{Ubunge}

\begin{Ubung}
  Sei $P\in \DQ(X)$ gegeben. Man zeige: Gibt es eine Folge ganzer Zahlen
aus dem Definitionsbereich unserer rationalen Funktion\label{WGP}  
$a_n\in\DZ\cap D(P)$ mit $a_n\ra\infty$ und $P(a_n)\in\DZ$ f"ur alle $n$,
so ist $P$ bereits ein Polynom $P\in \DQ[X]$.  
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $K$ ein K"oper und seien $f,g\in K(X)$ gegeben. Man zeige:
Gibt es unendlich viele Punkte aus dem gemeinsamen Definitionsbereich
$D(f)\cap D(g)$, an denen $f$ und $g$ denselben Wert annehmen, so gilt
bereits $f=g$ in $K(X)$. 
\end{Ubung}

 

  \begin{Ubunge}
    Man zeige, da"s im K"orper $\DQ(\!(X)\!)$ jede formale
Potenzreihe mit konstantem Koeffizienten Eins eine Quadratwurzel 
besitzt. Die Quadratwurzel von $(1+X)$ kann sogar durch die
binomische Reihe \eref{BiRe}{AN1} explizit angegeben werden, aber
das sieht man  leichter mit den Methoden der Analysis.
  \end{Ubunge}


\begin{Ubung}
  Man bestimme die Partialbruchzerlegung von $1/(1+X^4)$ in $\DC(X)$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s bei einem Bruch $P(T)/(T^n(T-1)^m)$ mit Z"ahler 
$P(T)\in\DZ[T]$\label{PBZG} 
auch alle Koeffizienten bei der Partialbruchzerlegung ganze Zahlen sind.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
Man bearbeite nocheinmal die "Ubungen
\eref{ZSFF}{EIN} und  \eref{ZSFFv}{EIN}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Verkn"upfung rationaler Funktionen}] 
Ist $K$ ein K"orper und $P\in K[X]$ ein von Null verschiedenes 
Polynom, so liegt jede Nullstelle von $P$ im gr"o"seren K"orper $K(Y)
\supset K$\label{VRfu} 
bereits im Teilk"orper $K$. 
Gegeben $f\in K(X)$ 
geh"ort mithin jedes $g\in K(Y)\backslash K$ zum Definitionsbereich von 
$f$ und wir k"onnen mithin setzen
$$f\circ g\pdef f(g)\in K(Y)$$
Man zeige, da"s die $K$-linearen K"orperhomomorphismen 
$\varphi:K(X)\ra K(Y)$ alle die Gestalt $\varphi:f\mapsto f\circ g$ 
haben f"ur $g=\varphi(X)\in K(Y)\backslash K$. 
Sind $f$ und $g$ beide nicht konstant, so ist auch $f\circ g$ nicht konstant.
Gegeben $f,g,h\in K(X)\backslash K$ zeige 
man die Assoziativit"at $(f\circ g)\circ h=f\circ( g\circ h)$.
Unsere Abbildung $K(X)\ra \op{Ens}(K,K\sqcup\{\infty\})$ kann zu einer
Abbildung $K(X)\ra \op{Ens}(K\sqcup\{\infty\})$ fortgesetzt werden, 
indem wir f"ur $f=P/Q$ den Wert $f(\infty)$ erkl"aren als 
den Bruch $a_n/b_n$ der Leitkoeffizienten, falls
$P$ und $Q$ denselben Grad $n$ haben, und $\infty$ falls der Grad von $P$ gr"o"ser ist als der von $Q$, und $0$ falls er kleiner ist.
So erhalten wir einen 
Monoidhomomorphismus $(K(X),\circ)\ra (\op{Ens}(K\sqcup\{\infty\}),\circ)$,
der im Fall eines unendlichen K"orpers $K$ injektiv ist.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Bruchk"orper von Ringen formaler Potenzreihen}]
  Gegeben ein kommutativer Integrit"atsbereich $R$ zeige man, da"s die
  universelle Eigenschaft des Bruchk"orpers einen K"orperisomorphismus
  $$\op{Frac}(R\llbracket X\rrbracket)\sira (\op{Frac}R)(\!( X)\!)$$
  induziert. Induktiv erhalten wir so etwa f"ur jeden K"orper $K$
  einen K"orperisomorphismus
  $$\big(K(\!( X)\!)\big)(\!( Y)\!)\sira \big(K(\!( Y)\!)\big)(\!( X)\!)$$
  Zum Beispiel ist $(X-Y)^{-1}=X^{-1}(1-Y/X)^{-1}=\sum_{n\geq 0} X^{-n-1}Y^n$
  die Darstellung eines Elements auf der linken Seite, das auf der
  rechten Seite auf den Ausdruck $\sum_{n\geq 0} -Y^{-n-1}X^n$ abgebildet wird.
\end{Ubung}
\subsection{Quaternionen*}
\begin{Bemerkungl}
  Dieser Abschnitt  ist f"ur den Rest der Vorlesung unerheblich.
Allerdings  geh"oren die  Quaternionen  zur  mathematischen 
Allgemeinbildung. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{DsKn}
Ein \defind{Schiefk"orper} ist ein Ring $R$, der nicht der Nullring ist
und
in dem
alle von Null verschiedenen
Elemente Einheiten sind.  Auf englisch sagt 
man \defind{skew field}, auf franz"osisch \defind{corps gauche}.
Gleichbedeutend spricht man auch von einem \defind{Divisionsring}.
\end{Definition}
\begin{Satz}[\textbf{Quaternionen}]
Es gibt F"unftupel $(\mathbb{H},\op{i},\op{j},\op{k},\kappa)$ 
bestehend aus einem Ring\index{Quaternionen} 
$\mathbb{H}$, Elementen $\op{i},\op{j},\op{k}\in \mathbb{H}$ und einem 
Ringhomomorphismus
$\kappa : \mathbb{R} \rightarrow \mathbb{H}$ derart,\label{DQuaR}  
da"s gilt $$\op{i}^2=\op{j}^2=\op{k}^2=\op{i}\op{j}\op{k}=-1$$ und 
$\kappa(a)q=q\kappa(a)\;\forall a\in \DR$, $q\in \mathbb H$ 
und da"s 
$1, \op{i},\op{j},\op{k}$  eine Basis von $\mathbb{H}$  bilden 
f"ur die durch die Vorschrift 
 $\DR\times\mathbb H\ra\mathbb H$, $(a,q)\mapsto
\kappa(a)q$
auf  $\mathbb{H}$ gegebene Struktur
als $\mathbb{R}$-Vektorraum.
Des weiteren ist in einem derartigem F"unftupel der Ring
$\mathbb H$ ein Schiefk"orper.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Ein derartiges F"unftupel ist im wesentlichen eindeutig bestimmt
in der offensichtlichen Weise. Um das zu sehen beachten wir, da"s 
durch Multiplikation der 
letzten Gleichung von rechts 
mit $\op{k}$ folgt $\op{i}\op{j}=\op{k}$ und durch Invertieren 
beider Seiten weiter $\op{j}\op{i}=-\op{k}$.
Von da ausgehend erhalten wir unmittelbar die 
Formeln
$$\op{i}\op{j}=\op{k}=-\op{j}\op{i},\quad
\op{j}\op{k}=\op{i}=-\op{k}\op{j},\quad
\op{k}\op{i}=\op{j}=-\op{i}\op{k},$$
und so die Eindeutigkeit.\label{DQua} 
Wegen dieser
 Eindeutigkeit  erlauben wir uns 
den bestimmten Artikel 
und nennen $\mathbb{H}$ den 
Schiefk"orper
der {\bf Quaternionen}\index{Quaternionen}, da 
er als Vektorraum "uber den reellen Zahlen die Dimension Vier hat.
Weiter k"urzen wir f"ur reelle Zahlen $a\in \DR$ meist $\kappa(a)=a$ ab.
Jedes Element $q\in\mathbb H$ hat also die Gestalt
$$q=a+b\op{i}+c\op{j}+d\op{k}$$
mit wohlbestimmten $a,b,c,d\in\DR$. 
Die Abbildung $\DC\hra \mathbb H$ mit $a+b{\op{i}}_\DC\mapsto a+b{\op{i}}$
ist ein Ringhomomorphismus und wir 
machen auch f"ur komplexe Zahlen meist in der Notation keinen Unterschied 
zwischen unserer Zahl und ihrem Bild in $\mathbb H$ unter obiger Einbettung.
 In \eref{Quat}{AL} diskutieren wir, warum und in welcher Weise 
$\DR,\DC$ und 
$\mathbb{H}$ bis auf Isomorphismus die einzigen Schiefk"orper endlicher
 Dimension \glqq "uber dem K"orper $\DR$\grqq\  sind. Die Notation $\mathbb H$
 geht auf Hamilton zur"uck, einem der Entdecker dieser Struktur, der sich
 sehr f"ur ihre Verwendung in der Physik stark machte. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Auch die Abbildungen $\DC\ra\mathbb H$ mit
$a+b{\op{i}}_\DC\mapsto a+b{\op{j}}$ oder mit 
$a+b{\op{i}}_\DC\mapsto a+b{\op{k}}$
sind Ringhomomorphismen, und wir werden bald sehen, da"s es sogar unendlich
viele $\DR$-lineare Ringhomomorphismen, ja eine ganze
$3$-Sph"are von $\DR$-linearen Ringhomomorphismen $\DC\ra\mathbb H$ gibt. 
\end{Bemerkungl}



\begin{proof}
Bezeichne $\Bbb{H}$  die Menge aller komplexen $(2\times 2) $-Matrizen
der Gestalt
$$\Bbb{H} =\left.\left\{  \left({z\atop \bar{y}}
\;{ -y\atop \;\; \bar{z} }\right) 
\right| z,y \in \Bbb{C} \right\} \subset
\op{Mat}(2; \Bbb{C}) $$
Die Addition und Multiplikation von Matrizen induziert offensichtlich
eine Addition und Multiplikation auf $\Bbb{H}$ und 
wir erhalten eine Einbettung $\DC\hra \Bbb{H}$ vermittels
$z\mapsto \op{diag}(z,\bar{z})$.
Das Bilden der konjugierten transponierten Matrix 
definiert einen Antiautomorphismus $q\mapsto \bar{q}$ von
$\Bbb{H}$, in Formeln  $\overline{qw} =\bar{w} \bar{q}$, und
$q\bar{q} $ ist f"ur $q\neq 0$ stets positiv und reell. Folglich ist 
 $\Bbb{H}$ ein Schiefk"orper.
Wir fassen $\DC$ meist als Teilmenge von $\Bbb{H}$ auf vermittels der
eben erkl"arten Einbettung, aber vorerst unterscheiden wir noch zwischen 
den komplexen Zahlen $1_\DC$, $\op{i}_\DC$ und den Matrizen
$1=\op{diag}(1_\DC,1_\DC)$, $\op{i}=\op{diag}(\op{i}_\DC,-\op{i}_\DC)$.
Unser $\Bbb{H}$ hat dann "uber $\DR$ die Basis 
$1,\op{i}, \op{j},\op{k}$ mit $\op{i}\pdef\op{diag}(\op{i}_\DC,-\op{i}_\DC)$ und
$$\op{j}\pdef
\left({\;\;0\atop -1}
  {\;\;1\atop  \;\;0}\right)\text{ und }\op{k}\pdef \left({0\;\atop \op{i}_\DC}
  {\op{i}_\DC\atop  0}\right)$$
und es gilt 
\begin{equation*}
\op{i}^{2} = \op{j}^{2} = \op{k}^{2}=
\op{i}\op{j}\op{k} = -1
\qedhere\end{equation*} 
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}\label{KQua} 
Jede zyklische Vertauschung von $\op{i},\op{j},\op{k}$ 
liefert einen Automorphismus der
Quaternionen.  Die Konjugation $q \mapsto \bar{q}$ 
aus der im Beweis gegebenen Konstruktion hat in der Basis 
$1, \op{i},\op{j},\op{k}$
die
  Gestalt
  $$\overline{a+b\op{i}+c\op{j}+d\op{k}} = a - b\op{i}-c\op{j}-d\op{k}$$
und hat wie bereits erw"ahnt die Eigenschaft $\overline{qw} =\bar{w} \bar{q}$.
  Gegeben ein Quaternion $q = a+b \op{i} +c\op{j}+d\op{k}$ nennt man
  $a=(q+\bar{q})/2$ seinen {\bf Realteil}\index{Realteil!bei Quaternionen} und
  schreibt $a=\op{Re}(q)$. F"ur $q = a+b \op{i} +c\op{j}+d\op{k}$ ist $q
  \bar{q} = \bar{q}q = a^{2}+b^{2}+c^{2}+d^{2}$ und man setzt $| q| = \sqrt{q
    \bar{q}}$ und nennt diese reelle Zahl den {\bf Betrag}\index{Betrag!bei
    Quaternionen} unseres Quaternions.  
Offensichtlich kann f"ur $q\neq 0$ sein Inverses 
durch die Formel $q^{-1}=\bar{q}/|q|^2$ angegeben werden.
Offensichtlich gilt dann $| qw| =| q|
  | w|$ f"ur alle $q,w\in\Bbb{H}$ und die Gruppe aller Quaternionen der L"ange
  Eins besteht genau aus allen unit"aren $(2\times 2)$-Matrizen mit
  Determinante Eins.
Darin enthalten ist die Untergruppe der acht Quaternionen
$\{\pm 1,\pm \op{i},\pm \op{j},\pm \op{k}\}$, 
die sogenannte {\bf Quaternionengruppe},\index{Quaternionengruppe} 
von deren Multiplikationstabelle
  Hamilton
bei seiner Konstruktion ausgegangen war. 
\end{Bemerkungl}





\begin{Bemerkungw}
 Gegeben ein Kring $R$ mitsamt einem
selbstinversen Ringhomomorphismus $R\ra R$,  $r\mapsto\bar{r}$
und einem Element $v\in R$ mit $\bar{v}=v$ bildet allgemeiner  
die Menge aller  $(2\times 2) $-Matrizen der
  Gestalt
$$\Bbb{H} =\left.\left\{  \left({z\atop \bar{y}}
      \;{ vy\atop \;\; \bar{z} }\right) \right| z,y \in R \right\}
\subset \op{Mat}(2; R) $$
einen Teilring des Matrizenrings. Derartige Ringe hei"sen
{\bf Quaternionenringe}.\index{Quaternionenring} 
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}
Es gibt au"ser der Identit"at 
nur einen $\DR$-linearen K"orperhomomorphismus 
$\DC\ra\DC$, n"amlich die komplexe Konjugation.
Im Fall der Quaternionen liefert dahingegen jede von Null verschiedene 
Quaternion $q\in\mathbb H^\times$ einen $\DR$-linearen Ringhomomorphismus 
$\op{int}q:\mathbb H\ra\mathbb H$, 
$w\mapsto qwq^{-1}$, und $\op{int}q=\op{int}q'$ impliziert bereits $\DR q=\DR 
q'$. 
\end{Bemerkungl}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s es f"ur jedes Quaternion $q$ mit Realteil 
$\op{Re}q=0$ und Betrag $|q|=1$ einen $\DR$-linearen Ringhomomorphismus
$\DC\ra\mathbb H$ gibt mit $\op{i}_\DC\mapsto q$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Man zeige:
  Sind zwei nat"urliche Zahlen jeweils eine Summe von vier Quadraten, so auch
ihr Produkt. Diese Erkenntnis ist ein wichtiger Schritt bei einem Beweis des
sogenannten {\bf Vier-Quadrate-Satzes} von Lagrange, 
nach dem jede nat"urliche Zahl
eine Summe von vier Quadratzahlen ist,  etwa $3=1^2+1^2+1^2+0^2$ oder
$23=3^2+3^2+2^2+1^2$.
\end{Ubunge}




%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXLA1"
%%% End: 
