

\section{Homotopie und Fundamentalgruppe}


\subsection{Einf\"{u}hrung in die algebraische Topologie}\label{Grundt}
\begin{Bemerkungl}
Ich erinnere an den vertrauten Begriff der Stetigkeit von Funktionen
mehrerer
reellen Ver\"{a}nderlichen.  
Weiter bezeichne
 $\|\; \| : \DR^{n} \ra \DR$ die Skalarproduktnorm, $\|x\|\pdef\sqrt{x_1^2+\ldots+
 x_n^2}$
 f\"{u}r $x=(x_1,\ldots,x_n)\in\DR^n$, und 
$$S^{n}\pdef\{x\in\DR^{n+1} \mid \|x\| =1\}$$ die
    \defnoind{$n$-dimensionale Kugelschale}\index{Kugelschale} oder
    \defnoind{$n$-Sph\"{a}re}.\index{Sph"are}
    Es\index{S@$S^{n}$ die $n$-Sph"are} 
    ist also $S^{-1}=\emptyset$, $S^{0}=\{+1,-1\}$, $ S^{1}$ die Kreislinie,
    $S^2$ die Kugelschale und so weiter. 
  Zur Motivation liste ich nun einige typische Probleme der Topologie auf.
  \begin{enumerate}
  \item  Man zeige, da"s es f"ur $n\geq 0$
    keine stetige Injektion $S^{n}\hra\DR^n$ der $n$-dimensionalen Kugelschale
in die $n$-dimensionale Ebene gibt.  Als \"{U}bung empfehlen
    sich die F\"{a}lle $n=0,1$. Der Fall $n=2$ wird in \ref{KBU} erledigt, der
    allgemeine Fall ergibt sich als Konsequenz aus \eref{ESph}{TS}.
  \item \glqq Ein Igel l\"{a}\ss t sich nicht k\"{a}mmen ohne Wirbel\grqq.  In
    Formeln zeige man: Es gibt keine stetige Abbildung $\kappa :S^{2}\ra
    S^{2}$ derart, da\ss\ $\kappa (x)$ senkrecht steht auf $ x$ f\"{u}r alle
    $x \in S^{2}$. Wir zeigen das in \ref{SavI}.
  \item Es bezeichne stets $D^{n}=\{x\in \DR^{n} \mid \|x\| \leq 1\}$ die {\bf
      $n$-dimensionale} \defind{Vollkugel}. Es ist also $D^{0}$ ein Punkt,
    $D^{1}=[-1,+1]$ ein kompaktes Intervall, $D^{2}$ die abgeschlossene
    Kreisscheibe und so weiter.  Man zeige, da\ss\ jede stetige Abbildung
    $f:D^{n}\ra D^n$ von einer abgeschlossenen Vollkugel in sich selber 
einen Fixpunkt hat. Diese Aussage hei"st der {\bf Brouwer'sche
    Fixpunktsatz}.  Als "Ubung empfehlen sich wieder die F"alle $n=0,1$.
Der Fall $n=2$  wird in \ref{FB2} behandelt, der allgemeine 
Fall in \eref{FBn}{TS}. 
  \end{enumerate}
\end{Bemerkungl}





\begin{Bemerkungl}
Gegeben Teilmengen $A\subset \DR^{n}$ und $B\subset \DR^{m}$
hei"st eine Abbildung $f:A\ra B$ hei\ss t ein
{\bf Hom\"{o}omorphismus},\index{Hom"oomorphismus!f"ur Teilmengen des $\DR^n$} 
wenn
sie stetig und bijektiv ist und ihre Inverse $f^{-1}:B\ra A$
auch stetig ist. Des weiteren hei"sen
$A$ und $B$  
{\bf hom\"{o}omorph}\index{hom"oomorph!f"ur Teilmengen des $\DR^n$},
wenn es einen
Hom\"{o}o\-morphismus von $A$ nach $B$ gibt.
Wir schreiben kurz $A\cong B$ f\"{u}r die Aussage \glqq $A$ ist hom\"{o}omorph zu
$B$\grqq.\index{)8@$\cong$ hom\"{o}omorph} 
  Anschaulich bedeutet $A\cong B$, 
da"s sich $A$ durch \glqq Verbeulen und Verbiegen\grqq\ 
  aus $B$ erhalten l\"{a}"st. Zum Beispiel sind je zwei offene Intervalle in
  $\DR$ hom\"{o}omorph, und \glqq Die Oberfl\"{a}che einer Kaffeetasse mit einem
  Henkel ist hom\"{o}omorph zur Oberfl\"{a}che eines Rettungsrings\grqq. Man
  bezeichnet die Topologie deshalb auch scherzhaft als \glqq Gummigeometrie\grqq.
Zur weiteren
Motivation liste ich  auch noch 
 einige typische Probleme im Zusammenhang mit dem
Hom"oomorphiebegriff auf. 
  \begin{enumerate}
  \item {\bf Invarianz der Dimension}: 
Man zeige, da"s f"ur nat"urliche Zahlen $n,m\geq 0$ gilt
$\DR^{n}\cong \DR^{m}\Rightarrow n
    =m$. In Worten sind also endlichdimensionale reelle R"aume verschiedener 
Dimension, wenn man sie mit ihrer nat"urlichen Topologie
versieht, auch nicht hom"oomorph.
  \item Man zeige, da\ss\ der Rettungsring, auch genannt der zweidimensionale
    {\bf Torus}\index{Torus!Fl"ache} $S^{1}\times S^{1}$, nicht hom\"{o}omorph ist zur
    $2$-Sph\"{a}re $S^{2}$.
    \item Sei $S \subset \DR^{2}$ eine Teilmenge der Ebene, 
die hom\"{o}omorph ist zur
      Kreislinie, $S \cong S^{1}$. Man zeige, da"s auch das Komplement von $S$
      hom\"{o}omorph ist zum Komplement der Kreislinie, $\DR^{2} \backslash S
      \cong \DR^{2} \backslash S^{1}$.
Der Beweis dieser Aussage 
gelingt erst unter Zuhilfenahme von Methoden der Analysis.
Man kann  sie etwa
aus \eref{JBGG}{TS} zusammen mit \eref{efH}{TS} und dem \glqq kleinen\grqq\ 
Riemann'schen Abbildungssatz \eref{RASa}{FT1}  der Funktionentheorie
recht leicht folgern.
  \end{enumerate}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
  Man kann f"ur $S \subset \DR^{2}$
hom"oomorph zur Kreislinie sogar zeigen, da"s es einen
  Hom"oomorphismus $f:\DR^2\sira\DR^2$ gibt mit $f(S^1)=S$, aber den Beweis
  dieses {\bf Satzes von Sch"onflies}\index{Sch"onflies!Satz von} 
werden wir nicht behandeln.  Im "ubrigen
  erweisen sich die h"oherdimensionalen Analoga der Aussagen 
des letzten Punktes der vorangehenden Aufz"ahlung
s"amtlich als
  falsch: Zum Beispiel ist die sogenannte 
{\bf geh"ornte Sph"are von Alexander}\index{Alexander!geh"ornte Sph"are} 
\index{geh"ornte Sph"are} 
  eine zur Kugelschale $S^2$ hom"oomorphe Teilmenge des Raums $\DR^3$,
bei der eine Zusammenhangskomponente des Komplements noch nicht
  einmal schleifenf"ullend ist.
\end{Bemerkunge}


\begin{Bemerkungl}
  In mathematisch nicht ganz so pr\"{a}ziser Formulierung will ich auch noch
  die Klassifikation zusammenh\"{a}ngender geschlossener Fl\"{a}chen
  besprechen.  Ich gebe zun\"{a}chst eine Definition, die etwas unbeholfen
  ist, da sie die Sprache der Topologie noch weitgehend vermeidet.
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition} \label{DMG}
Eine Teilmenge $F\subset \DR^n$  hei"st
eine \defnoind{geschlossene 
topologische in $\DR^n$ eingebettete
$d$-Mannigfaltigkeit}\index{geschlossene Mannigfaltigkeit}
genau dann, wenn $F$
kompakt ist
und es f"ur
jeden Punkt $p\in F$ eine offene Teilmenge $U\co \DR^{n}$ gibt
mit $p\in U$ und $U\cap F\cong \DR^d$.
\end{Definition}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKF}\\[4mm]
\noindent Die Klein'sche Flasche
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}
  Beispiele f\"{u}r geschlossene $d$-Mannigfaltigkeiten sind die Sph\"{a}ren
  $S^d$. Wir zeigen in \eref{KlED}{TM}, da"s jede geschlossene $1$-Mannigfaltigkeit
  hom\"{o}omorph ist zu einer endlichen disjunkten Vereinigung von Kopien von
  $S^1$. Eine geschlossene $2$-Mannig\-faltigkeit nennen wir auch eine
  \defind{geschlossene Fl\"{a}che}.  Beipiele f\"{u}r geschlossene Fl\"{a}chen
  sind die Kugelschale $S^{2}$, der Torus $S^{1}\times S^{1}$, oder auch die
  Oberfl\"{a}che einer massiven Acht, die hom\"{o}omorph ist zur
  Oberfl\"{a}che einer dickwandigen Suppentasse mit zwei Henkeln.  Ein etwas
  komplizierteres Beispiel f\"{u}r eine geschlossene Fl\"{a}che ist die
  sogenannte \defind{Klein'sche Flasche}, die man erh\"{a}lt, indem man bei
  einer Flasche den Flaschenhals langzieht, umbiegt, ihn von aussen unter
  Durchdringung der Flaschenwand ins Innere der Flasche schiebt, dann ein
  kreisrundes Loch in den Boden der Flasche schneidet, und schlie"slich die
  Flaschen\"{o}ffnung in das Loch unten am Boden einklebt.  Genauer erh\"{a}lt
  man so in der Anschauung noch keine geschlossene Fl\"{a}che in unserem
  Sinne, da sich unsere Fl\"{a}che selbst \"{u}berschneidet an der Stelle, an
  der der Flaschenhals in die Flasche eindringt.  In der vierten Dimension
  jedoch kann man diese Selbst\"{u}berschneidung vermeiden. Stellen wir uns
  dazu die vierte Koordinate als Farbe vor und malen unsere Flasche
  changierend  so an, da"s der Flaschenhals und der Flaschenboden rot, der
  Flaschenk\"{o}rper aber blau sind. Dann ist klar, da"s unsere Fl\"{a}che
  ohne Selbst\"{u}berschneidung im vierdimensionalen Raum liegt, und das ist
  dann wirklich unsere Klein'sche Flasche.  Die Klein'sche Flasche ist nicht
  hom\"{o}omorph zu einer Teilmenge des $\DR^{3}$, wie wir in \ref{ENOr}
  beweisen werden.  Im folgenden Satz brauchen wir noch das ber\"{u}hmte
  M\"{o}biusband, das man erh\"{a}lt, wenn man einen Papierstreifen einmal
  verdrillt zu einem Ring verklebt. Der Rand des M\"{o}biusbandes ist eine
  einzige geschlossene Kreislinie.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Klassifikation der geschlossenen Fl\"{a}chen}]
Jede zusam\-men\-h\"{a}ng\-ende geschlossene 
Fl\"{a}\-che ist ho\-m\"{o}\-o\-morph
zu genau\label{KFL} 
einer der im folgenden beschriebenen Fl\"{a}chen:
\begin{itemize}
\item Man nehme die Kugelschale $S^{2}$, schneide in diese $2g$ kreisrunde
L"ocher hinein und verbinde diese L"ocher 
paarweise durch $g$ hohle Henkel. F"ur $g=0,1,2,\ldots$ liefert das 
jeweils eine Fl"ache, die \emph{\bf orientierbare
Fl\"{a}che
vom Geschlecht $g$};\index{orientierbar!Fl"ache}\index{Geschlecht}
\index{Fl"ache!orientierbare}
\item Man nehme die Kugelschale $S^{2}$, schneide in diese $g$ kreisrunde
L\"{o}cher
hinein
und klebe M\"{o}biusb\"{a}nder in diese L\"{o}cher ein. F"ur $g=1,2,\ldots$
liefert das 
jeweils eine Fl"ache, die
\emph{\bf nichtorientierbare 
Fl"ache vom Geschlecht $g$}\index{Fl"ache!nichtorientierbare}.
\end{itemize}
\end{Satz} %\noindent
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildHGE}\\[4mm]
\noindent Eine orientierbare kompakte Fl"ache vom Geschlecht zwei 
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
  Die orientierbaren Fl\"{a}chen vom Geschlecht $g=0,1,2$ sind die
  Kugelschale, der Torus und die Oberfl\"{a}che einer Kaffeetasse mit zwei
  Henkeln oder auch eines
Abseilachters, wie ihn Bergsteiger verwenden. 
Die nichtorientierbaren Fl\"{a}chen vom Geschlecht $g=1,2$ sind die
  reelle projektive Ebene $\Bbb{P}^{2}\Bbb{R}$ aus \eref{PRa}{TM} und die
  Klein'sche Flasche.  Die nicht orientierbaren Fl\"{a}chen zeichnen sich
  dadurch aus, da\ss\ man bei einem Rundweg als Spazier\-g\"{a}n\-ger auf der
  Fl\"{a}che unter Umst\"{a}nden \glqq mit dem Kopf nach unten\grqq\  wieder am
  Ausgangspunkt ankommt.  Statt des Einklebens von M"obiusb"andern mag man
  sich gleichbedeutend auch das Ankleben sogenannter \glqq Kreuzhauben\grqq\ 
  vorstellen, wie sie auf Seite \pageref{KrH} vorgestellt werden.  Zum
  Nachdenken hier noch eine Frage: Welche Fl\"{a}che unserer Liste erh\"{a}lt
  man, wenn man an die Klein'sche Flasche einen Henkel anklebt?  Die Antwort
  liefert die \glqq Henkelelimination\grqq\  im Beweis des Klassifikationssatzes
  \ref{KlFF}: Wir erhalten die nichtorientierbare Fl"ache vom Geschlecht $4$.
  Jetzt gilt es aber zun"achst, einen pr"azisen und effektiven Begriffsapparat
  f"ur die Behandlung derartiger Fragestellungen aufzubauen.
\end{Bemerkungl}


\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
L"a"st man aus der Kugelschale $S^n$ f"ur $n\geq 0$ einen Punkt weg, 
so entsteht ein zu $\DR^n$ hom"oomorpher  Raum.
Hinweis: Stereographische Projektion. 
\end{Ubung}


\subsection{Definition der Fundamentalgruppe}
\begin{Bemerkungl}
  Ich erinnere daran, da"s wir einen
  Weg in einem topologischen Raum in \eref{Weg}{AN1} definiert hatten
  als eine stetige Abbildung eines mehrpunktigen
  kompakten reellen Intervalls in besagten Raum. Ist unser Intervall
  das Einheitsintervall $[0,1]$, so reden wir von einem
  {\bf normierten Weg} oder einfach von einem
  {\bf Weg} in der Hoffnung, da"s aus dem Kontext heraus klar wird,
  was  gemeint ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{DHWw}%\label{DHW}
Seien $X$ ein topologischer Raum und  $x,y \in X$
Punkte. Die Menge aller normierten Wege von  $x$ nach $y$ bezeichnen wir mit
\index{OZZ@$\Omega (X,x,y)$ Menge von Wegen}
$$
\Omega (X,x,y) \pdef \{\al : [0,1] \ra X \mid\al \mbox { ist stetig, }
\al (0) = x,\; \al (1) = y \}$$
F\"{u}r  zwei Wege $\al \in \Omega (X,x,y)$ und $\gamma \in \Omega (X,y,z)$, von
denen der eine da aufh"ort wo der andere anf"angt,
erkl"aren wir
ihre {\bf Verkn\"{u}pfung}\index{Verkn"upfung!von Wegen}
oder auch {\bf Aneinanderh"angung}\index{Aneinanderh"angung!von Wegen}
 $\gamma \ast \al \in \Omega (X,x,z)$ durch
$$\begin{array}{ccl}
(\gamma \ast \al)(t)&\pdef&\left\{\begin{array}{ll}\al (2t)& 0\leq t\leq 1/2;\\
\gamma (2t-1)& 1/2\leq t \leq 1.\end{array}\right.
\end{array}$$\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Die Abbildung $\gamma \ast \al$
  ist stetig nach %\eref{AbgSM}{AN1} oder
  \eref{affM}{TM}, da es eine 
  "Uberdeckung ihres Definitionsbereichs durch zwei abgeschlossene Mengen gibt
  derart, da"s die Restriktion darauf jeweils stetig ist.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
   Anschaulich gesprochen entsteht der Weg $\gamma \ast \al$ dadurch, da"s wir
  erst den Weg $\al$ und dann den Weg $\gamma$ jeweils mit doppelter
  Geschwindigkeit durchlaufen, so da"s wir insgesamt wieder einen normierten
  alias durch das
  Einheitsintervall parametrisierten Weg erhalten.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl} Sei $X$ ein topologischer Raum. Wir erkl"aren  f"ur
  $x\in X$ den {\bf konstanten Weg}\index{konstant!Weg}\index{Weg!konstanter}
  $\varepsilon_x\in \Omega (X,x,x)$ durch $\varepsilon_x(t)=x\;\forall t\in [0,1]$. Wir erkl"aren zu jedem
  Weg $\al\in \Omega (X,x,y)$ den {\bf umgekehrten
    Weg}\index{Weg!umgekehrter}\index{umgekehrt!Weg} $\bar{\al}\in\Omega (X,y,x)$
  durch die Vorschrift $\bar{\al} (t)\pdef \al (1-t)$. Ein Weg, bei dem
  Anfangs- und Endpunkt zusammenfallen, hei"st {\bf geschlossen}.\index{geschlossen!Weg}
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}\label{DHW}
Seien $x,y$ Punkte eines topologischen Raums $X$.
Zwei Wege $\al,\beta$ von $x$ nach $y$
hei"sen
{\bf homotop}\index{homotop!mit festen Randpunkten}  
oder pr"aziser 
{\bf homotop mit festen Randpunkten} 
und wir
schreiben $\al\simeq\beta$, wenn
es eine stetige Abbildung $$h:[0,1]^2\ra X$$
des Einheitsquadrats in unseren Raum  gibt,
die auf der Unter- beziehungsweise Oberkante unseres Quadrats  mit
$\al$ beziehungsweise $\beta$ "ubereinstimmt und die auf der Vorder- und der Hinterkante
konstant ist. In Formeln
ausgedr"uckt fordern wir also
$
h (t,0) = \al (t)$ und $
h (t,1) = \beta (t)
$ f"ur alle $
t \in [0,1]$
sowie
$
h(0,\tau)=x$ und
$h(1,\tau)=y$ f"ur alle $
\tau \in [0,1]$. 
Wir schreiben unter diesen Umst"anden auch kurz
$$h:\al\simeq\beta$$
\end{Definition}

\begin{Definition}Ein geschlossener Weg hei"st {\bf zusammenziehbar},\index{zusammenziehbar!Weg}
 wenn er homotop ist zu einem konstanten Weg. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Vielleicht anschaulicher kann man Homotopie von Wegen dahingehend 
interpretieren, da"s es eine durch
$\tau\in [0,1]$ parametrisierte Familie $h_\tau$ von normierten Wegen von
$x$ nach $y$ geben soll derart, da"s gilt $h_0=\alpha$, $h_1=\beta$ 
und da"s unsere Familie stetig von $\tau$ abh"angt in dem Sinne,
da"s die Abbildung $[0,1]^2\ra X$, $(t,\tau)\mapsto h_\tau(t)$ stetig ist.
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiel}[\textbf{Konvexit"at impliziert Homotopie von Wegen}]
Gegeben $X \subset \DR^{n}$ konvex und $x,y \in X$ 
sind je zwei  Wege $\al,\beta \in
\Omega (X,x,y)$ homotop\label{Konvex} vermittels $h(t,\tau) =(1-\tau) \al (t)
+ \tau\beta (t)$.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Bilder homotoper Wege sind homotop}]
Ist genauer eine Abbildung $f:X\ra Y$ stetig,\label{BH} so folgt aus $h:\al\simeq\beta$
schon $f\circ
h:f\circ \al\simeq f\circ \beta$.
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}[\textbf{Umparametrisierungen liefern homotope Wege}]
Ein Weg ist homotop zu jeder seiner Umparametrisierungen.
Ist genauer  $v:[0,1]\ra [0,1]$ stetig mit\label{UmPar} 
$v(0)=0$ und $v(1)=1$ und ist $\gamma:[0,1]\ra X$ ein Weg,
so folgt $\gamma\simeq \gamma\circ v$. In der Tat finden wir 
erst $\op{id}\simeq v$ mit \ref{Konvex}, da das eben  beides Wege in der
konvexen Teilmenge $[0,1]\subset\DR$ sind, und dann 
$\gamma\circ \op{id}\simeq \gamma\circ v$, da nach
 \ref{BH} Bilder homotoper Wege homotop sind. 
\end{Beispiel}



\begin{Lemma}[\textbf{Homotopie ist eine "Aquivalenzrelation}] 
F"ur jeden topologischen Raum $X$ und beliebige Punkte $x,y \in X$
 ist Homotopie eine \"{A}quivalenzrelation auf\label{HAQq} 
der Menge $\Omega (X,x,y)$ aller Wege von $x$ nach $y$.
\end{Lemma}
\begin{proof}
Wir m"ussen zeigen, da"s gilt erstens $\al \simeq \al$,
zweitens $\al \simeq \beta\RA\beta \simeq \al$,
und da"s drittens aus $\al \simeq \beta$ und
$\beta \simeq \gamma$ folgt
$\al \simeq \gamma$.
Wir \"{u}berlassen dem Leser den Beweis der beiden ersten Aussagen
und zeigen nur die letzte Aussage.
Seien also $h:\al \simeq \beta$ und $g:\beta \simeq \gamma$ Homotopien.
Wir definieren $f: [0,1]^2 \ra  X$ durch
$$f(t,\tau) =\left\{ \begin{array}{ll}
h(t,2\tau)& 0\leq \tau\leq 1/2;\\
g(t,2\tau - 1)& 1/2\leq\tau\leq 1. \end{array}\right.$$
Dann ist in der Tat die Abbildung $f$
stetig, denn ihre Restriktionen auf
die abgeschlossenen Teilmengen
$[0,1]\times [0,1/2]$ und $[0,1]\times
[1/2,1]$ des Einheitsquadrats sind es und wir k\"{o}nnen 
\eref{affM}{TM}  
%\eref{AbgSM}{AN1}
anwenden.
Nach Konstruktion ist aber nun $f$ eine Homotopie $f:\al\simeq \gamma$.
\end{proof}
\begin{Definition}
"Aquivalenzklassen von Wegen unter der "Aquivalenzrelation der Homotopie
nennen wir  {\bf Homotopieklassen von Wegen}.
Die Menge aller Homotopieklassen 
von Wegen von einem Punkt $x$ zu einem
 Punkt $y$  in einem Raum $X$
notieren wir 
$\pi_1 (X,x,y)$.\index{p@$\pi_1 (X,x,y)$ Homotopieklassen von Wegen} 
In Formeln setzen
wir also $$\pi_1 (X,x,y)\pdef\Omega (X,x,y)/\!\simeq$$ 
Die Homotopieklasse eines
Weges $\alpha$ notieren wir $[\alpha]$.
\end{Definition}


\begin{Definition}
Ein \defind{bepunkteter Raum} $(X,x)$ ist ein topologischer Raum $X$ mit
einem ausgezeichneten
Punkt $x \in X$, seinem \defind{Basispunkt}. 
F"ur einen bepunkteten Raum $(X,x)$ vereinbaren wir die Abk"urzungen
$\Omega (X,x)\pdef \Omega (X,x,x)$ f"ur die Menge aller Wege mit
unserem ausgezeichneten Punkt $x$ als Anfangs-
und Endpunkt 
sowie $\pi_1 (X,x)\pdef \pi_1 (X,x,x)$ f"ur die Menge aller Homotopieklassen
derartiger Wege.
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
In der Literatur nennt man einen bepunkteten Raum auch h"aufig einen
\glqq punktierten Raum\grqq.\index{punktierter Raum} 
Ich ziehe es vor, von einem bepunkteten Raum zu reden, da man
wieder an anderer Stelle unter einer \glqq punktierten Ebene\grqq\
oder  einer \glqq punktierten Kreisscheibe\grqq\ f"ur gew"ohnlich
das Komplement eines Punktes in der Ebene oder das Komplement des Ursprungs in
der Kreisscheibe versteht. Auf Englisch wird unterschieden zwischen
\glqq pointed space\grqq\ und \glqq punctured plane\grqq\
oder auch \glqq punctured disc\grqq. Ich vermute
sorglose "Ubersetzung als Grund f"ur die unklare Terminologie im
Deutschen. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungw}
Versehen wir die Menge $\Omega (X,x,y)$ mit der 
kompakt-offenen Topologie \eref{KOT}{TM} und
setzen $h(t,\tau) = h_{\tau}(t)$,\label{WKZu}  
so ist
$h$ nach dem Exponentialgesetz \eref{TKL}{TM} stetig genau dann, wenn 
die Abbildung $[0,1]\ra \Omega (X,x,y)$, $\tau \mapsto h_{\tau}$ stetig
ist.
Mit dieser Topologie hei"st $\Omega (X,x,y)$ ein
\defind{Wegeraum} und zwei Wege sind homotop genau dann, wenn sie
zur selben Wegzusammenhangskomponente des Wegeraums geh"oren.
Speziell hei"st $\Omega (X,x)$ ein \defind{Schleifenraum}
und $\pi_1(X,x)$ 
ist die Menge der
Wegzusammenhangskomponenten des Schleifenraums.
Notieren wir  $\pi_0(X)$\index{p@$\pi_0$ Wegzusammenhangskomponenten!als Menge}
die Menge der
Wegzusammenhangskomponenten eines topologischen Raums $X$,
so haben wir demnach in Formeln  $\pi_1(X,x)=\pi_0(\Omega(X,x))$
und Lemma \ref{HAQq} erweist sich als Spezialfall der
allgemeinen Erkenntnis \eref{wvw}{TM}, da"s 
auf jedem topologischen Raum die Wegverbindbarkeit eine
"Aquivalenzrelation ist.
\end{Bemerkungw}
\begin{Satz}[\textbf{Funda\-men\-tal\-gruppe}]
Gegeben ein bepunkteter Raum $(X,x)$ induziert
das Verkn\"{u}pfen von Wegen  eine Verkn\"{u}pfung auf
der Menge $\pi_1(X,x)$ aller Homotopieklassen von Wegen
von $x$
nach $x$ und
mit dieser Verkn\"{u}pfung wird diese Menge eine Gruppe, die 
\emph{\bf Funda\-men\-tal\-gruppe\index{Fundamentalgruppe} 
unseres bepunkteten Raums}\index{p@$\pi_1(X,x)$ Fundamentalgruppe}  
$$\pi_1(X,x)$$\end{Satz}
\begin{Beispiel}
Ist $X\subset \DR^n$ eine konvexe Teilmenge, so ist die Fundamentalgruppe
von $X$ nach \ref{Konvex} 
f\"{u}r jeden Basispunkt $x\in X$ trivial.
\end{Beispiel}

\begin{proof}[Beweis]
Die beiden ersten Aussagen des anschlie"senden  Lemmas \ref{VKN} 
sagen uns, da"s die
Homotopieklasse der Verkn\"{u}pfung von zwei Wegen nur von
den Homotopieklassen der verkn\"{u}pften Wege abh\"{a}ngt.
Die weiteren Aussagen liefern das neutrale Element, die Inversen
und das Assoziativgesetz.
\end{proof}

\begin{Lemma} 
Wann immer die folgenden Verkn\"{u}pfungen von
Wegen in einem topologischen Raum $X$ sinnvoll sind in dem Sinne, da"s der eine aufh"ort wo der andere anf"angt,\label{VKN}
gilt:
\begin{enumerate}
\item $\al\simeq \al^{\prime}\Rightarrow
\al \ast\beta \simeq \al^{\prime}\ast\beta$
\item $\beta\simeq \beta^{\prime} \Rightarrow
\al \ast\beta \simeq \al \ast\beta^{\prime}$
\item $\varepsilon\ast\al\simeq\al\simeq\al\ast\varepsilon$
\item $\al\ast\bar{\al}\simeq\varepsilon$,
$\bar{\al}\ast\al\simeq\varepsilon$
\item
$\overline{({\al}\ast{\beta})}=\bar{\beta}\ast\bar{\al}$
\item
$(\al\ast\beta) \ast\gamma\simeq\al\ast (\beta\ast\gamma)$
\end{enumerate}
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wir zeigen nur beispielhaft die letzte Behauptung.
Sicher gilt 
$$\al\ast (\beta\ast\gamma)=((\al\ast\beta) \ast\gamma)\circ v$$
f"ur eine stetige Umparametrisierung alias eine stetige Abbildung 
$v:[0,1]\ra [0,1]$ mit $v(0)=0$ und $v(1)=1$.
Da nach \ref{UmPar} ein Weg homotop ist zu allen seinen derartigen Umparametrisierungen,
folgt die Behauptung.
\end{proof}


\begin{Bemerkungl}
  Ein topologischer Raum   hei"st
{\bf schleifenf"ullend}\index{schleifenf"ullend},  
  wenn  jeder geschlossene Weg in unserem Raum zusammenziehbar
  ist.
Er hei"st 
{\bf einfach wegzusammenh"angend}\index{einfach!wegzusammenh"angend},\label{ewzz}  
  wenn\index{wegzusammenh"angend!einfach} 
er wegzusammenh"angend und schleifenf"ullend ist. 
\end{Bemerkungl}


\begin{Satz}[\textbf{Kriterium f"ur schleifenf"ullende R"aume}]
    Kann ein topologischer Raum "uberdeckt werden durch zwei 
    schleifenf"ullende offene Teilmengen mit wegzusammenh"angendem Schnitt, 
     so ist er bereits selbst schleifenf"ullend.\label{CK} 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw}
  Das Resultat wird sich sp"ater als ein Spezialfall des Satzes von
  Seifert-van Kampen \ref{SvK} erweisen.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}
Sei $X=U\cup V$ unser Raum mit seiner "Uberdeckung.  Nach "Ubung \ref{EFZZ} reicht es zu zeigen,
da"s $\pi_1(X,x)$ f"ur $x\in U\cap V$ trivial ist. Sei dazu $\gamma\in\Omega(X,x)$ ein
geschlossener Weg. 
Nach dem
    \"{U}berdeckungssatz von Lebesgue \eref{UbLq}{TM}
gibt es eine Unterteilung des Einheitsintervalls 
$0=a_0<a_1<\ldots <a_n=1$ derart, da"s $[a_{i-1},a_i]$ unter 
$\gamma$ abwechselnd ganz in 
$U$ oder ganz in $V$ landet. Dann gilt $\gamma(a_i)\in U\cap V\;\forall i$ und
wir finden f"ur $0< i< n$ 
Wege $\beta_i$, die in $U\cap V$ von $x$ nach $\gamma(a_i)$ laufen.
Bezeichnet andererseits $\gamma_i:[0,1]\ra X$ den \glqq auf dem
Intervall $[a_{i-1},a_i]$ reparametrisierten\grqq\ Weg 
$\gamma_i\pdef\gamma\circ v_i$ 
f"ur $v_i:[0,1]\sira [a_{i-1},a_i]$ die Restriktion auf $[0,1]$ der affinen Abbildung mit
$v_i(0)=a_{i-1}$ und $v_i(1)=a_{i}$, so ist nach 
\ref{UmPar} unser Weg $\gamma$ homotop zu 
$\gamma_n\ast 
\gamma_{n-1}\ast \ldots
\ast\gamma_2\ast \gamma_1$,
wobei  es auf die Klammerung nach Lemma \ref{VKN} nicht ankommt,
da wir nur an \glqq Wegen bis auf Homotopie\grqq\ interessiert sind.
Nach Lemma \ref{VKN} ist das nun weiter homotop
zu $$\gamma_n\ast (\beta_{n-1}\ast \bar\beta_{n-1})\ast
\gamma_{n-1}\ast (\beta_{n-2}\ast \bar\beta_{n-2})\ast\ldots
\ast\gamma_2\ast(\beta_1\ast\bar\beta_1)\ast \gamma_1$$
und dann auch homotop zu
$$(\gamma_n\ast \beta_{n-1})\ast (\bar\beta_{n-1}\ast
\gamma_{n-1}\ast \beta_{n-2})\ast \ldots\ast(\bar\beta_{2}\ast
\gamma_2\ast\beta_1)\ast(\bar\beta_1\ast \gamma_1)$$
Da aber nach Annahme $\gamma_{n}\ast \beta_{n-1}$
beziehungsweise $\bar \beta_{i}\ast\gamma_i\ast \beta_{i-1}$ beziehungsweise 
$\bar\beta_1\ast \gamma_1$ jeweils ein geschlossener Weg ist, der
ganz in $U$ oder ganz in $V$ verl"auft
und somit homotop ist zum konstanten Weg $\varepsilon_x$ nach Annahme, 
mu"s dann auch die ganze Verkn"upfung homotop sein zum konstanten Weg 
$\varepsilon_x$. 
\end{proof}


  \begin{Korollar}\label{FuSp}
    Die Sph\"{a}ren $S^n$ sind f\"{u}r $n\geq 2$ schleifenf"ullend.
  \end{Korollar}
  \begin{Bemerkungl}
    Da"s jeder Weg in einer $n$-Sph"are f"ur $n\geq 2$, der 
nicht surjektiv ist, bereits zusammenziehbar sein mu"s, 
zeigt man leicht mit
einer geeigneten stereographischen Projektion. Es gibt jedoch 
auch in h"oherdimensionalen Sph"aren surjektive
Wege, die man etwa mit Hilfe  der Hilbertkurve  \eref{FKHi}{AN1}
konstruieren kann. Der Beweis gilt diesen F"allen. 
  \end{Bemerkungl}
  \begin{proof}
    Entfernen wir f\"{u}r $n\geq 0$ aus $S^n$ einen Punkt, 
so erhalten wir einen topologischen Raum, der hom"oomorph
ist zu $\DR^n$ vermittels einer stereographischen Projektion und
der insbesondere  schleifenf"ullend ist. 
Nehmen wir $U$ das Komplement eines Punktes und $V$ das Komplement eines
anderen Punktes, so ist $S^n=U\cup V$ eine offene "Uberdeckung.
Ab $n\geq 2$ ist au"serdem $U\cap V$ wegzusammenh"angend, und dann greift
unser Kriterium \ref{CK}
f"ur schleifenf"ullende R"aume.
  \end{proof}







\begin{Bemerkungw}
Die \defind{Poincar\'e-Vermutung} besagt, da"s jede 
 weg\-zu\-sam\-men\-h"an\-gen\-de schleifenf"ullende topologische kompakte $3$-Mannigfaltigkeit 
ohne Rand  ho\-m"oo\-morph ist
zur dreidimensionalen Sph"are 
$S^3$. Sie wurde 2002 mit analytischen Methoden
von G. Perelman bewiesen.
\end{Bemerkungw}




  






































\begin{Bemerkungl}[\textbf{Funktorialit"at der Fundamentalgruppe}] 
Sei $f:(X,x)\ra (Y,y)$ ein \defnoind{Morphismus bepunkteter R\"{a}ume}
alias\label{FuFu}  
eine stetige Abbildung $f:X\ra Y$ mit $f(x)=y$.
So erh"alt man einen Homomorphismus der Fundamentalgruppen
$\pi_{1} (f) = f_\sharp$ durch die Vorschrift 
$$\begin{array}{lccc}
\pi_{1} (f) = f_\sharp :&\pi_1 (X,x)&\ra&\pi_1(Y,y)\\
&\left[\al\right]&\mapsto & \left[f\circ \al\right]\index{p@$\pi_{1} (f) = f_\sharp$}\index{)7sharp@$f_\sharp$ Vorschub!von Fundamentalgruppe}
\end{array}$$
Diese Abbildung ist
wohldefiniert, da nach \ref{BH} Bilder homotoper Wege homotop sind.
Sie ist ein Gruppenhomomorphismus, da stets gilt $f\circ
(\al\ast\beta)=(f\circ\al)\ast (f\circ\beta)$.
Offensichtlich haben wir $\op{id}_\sharp  =\op{id}$ und $(g\circ
f)_\sharp =g_\sharp \circ
f_\sharp $ wann immer $f:(X,x)\ra (Y,y)$ und $g:(Y,y)\ra (Z,z)$
Morphismen bepunkteter R\"{a}ume sind. 
In der Terminologie, die wir %in \eref{DefF}{LA2} eingef"uhrt wird und die wir
gleich in \ref{KatFu} besprechen,
ist  die Fundamentalgruppe demnach ein
\glqq Funktor von der Kategorie der bepunkteten topologischen R"aume
in die Kategorie der Gruppen\grqq.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Ein wegzusammenh"angender topologischer Raum ist genau dann schleifenf"ullend,  
 wenn  seine\label{EFZZ} 
Fundamentalgruppe in Bezug auf einen und gleichbedeutend jeden Basispunkt 
trivial ist. 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Komplemente von Geradenst"ucken im Raum}] 
Sei $I\As \DR^n$ abgeschlossen und eine
echte Teilmenge  eines\label{NNNf}  
Untervektorraums der Kodimension Zwei.
So ist die Fundamentalgruppe
des Komplements von $I$ trivial, in Formeln $\pi_1(\DR^n\backslash I,p)=1$
f"ur jeden Punkt $p$ des Komplements. Ein Argument, das ohne die Bedingung $I$ abgeschlossen auskommt,  
findet man in \ref{NNNfe}.
Hinweis: 
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit gelte
$\emptyset\neq I\subsetneq 0\times \DR^{n-2}$.
Jetzt lasse man die Sonne aus der 
Richtung der positiven ersten Koordinatenachse leuchten und betrachte
die Menge $U_+$ aller Punkte, die nicht auf $I$ oder im Schatten von $I$ liegen,
also $$U_+\pdef \{(x_1,\ldots, x_n)\mid 
 x_1 \leq 0\RA (0,x_2,x_3,\ldots,x_n)\not\in I\}$$
"Ahnlich erkl"are man $U_-$ durch Beleuchtung  aus der 
Richtung der negativen ersten Koordinatenachse.
So erhalten wir eine "Uberdeckung unseres Komplements durch
zwei zusammenziehbare offene Teilmengen mit wegzusammenh"angendem Schnitt. 
\end{Ubung}

% \begin{Ubunge}\label{NNNfe}
% Sei $I\subset \DR^n$ eine Teilmenge, die einen
% Untervektorraum der Kodimension $\geq 3$ erzeugt, 
% in Formeln $\op{dim}\langle I\rangle_\DR\leq n-3$.
% So ist die Fundamentalgruppe
% des Komplements von $I$ trivial, in Formeln $\pi_1(\DR^n\backslash I,p)=1$
% f"ur jeden Punkt $p$ des Komplements. Hinweis: Man zeige zun"achst,
% da"s jeder Weg in $\DR^n\backslash I$ homotop ist zu einem Weg,
% dessen Bild in einer abz"ahlbaren Vereinigung von
% Geradensegmenten enthalten ist. F"ur jeden derartigen Weg $\gamma$ zeige man,
% da"s es einen Richtungsvektor $\vec v\neq 0$  gibt derart, da"s 
% $\gamma(t)+\tau \vec v$ f"ur $t\in [0,1]$ und $\tau>0$ 
% den Teilraum $\langle I\rangle_\DR$ nicht trifft. 
% \end{Ubunge}
\begin{Ubung}\label{KoFun} 
Sei $G$ ein topologischer Raum mit einer stetigen Verkn"upfung
$G\times G\ra G$ und sei $e\in G$ ein neutrales Element.
  Man zeige, da"s unter diesen
Annahmen die Fundamentalgruppe $\pi_1(G,e)$ kommutativ ist. 
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
[\textbf{Endlich erzeugte Fundamentalgruppen}] 
Man zeige: Die Fundamentalgruppe einer bepunkteten kompakten
Mannigfaltigkeit ist stets endlich erzeugt.\label{EEFG}
Hinweis: Bezeichne $B= \{v \in \DR^{n} \mid \| v \| <1\}$ den
$1$-Ball um den Ursprung und
$\bar{B}= \{v \in \DR^{n} \mid \| v \| \leq 1\}$ seinen Abschlu"s. F"ur unsere Mannigfaltigkeit $X$ w"ahle man
stetige Karten $\varphi_{1}, \ldots , \varphi_{r} : \DR^{n} \ra X$
derart, da"s die  $\varphi_{i}(B)$ schon $X$ "uberdecken.
F"ur jedes Paar von Indizes $i,j$ mit $i\neq j$ w"ahle man eine
endliche "Uberdeckung des Schnitts $\varphi_{i} (\bar{B}) \cap
\varphi_{j}(\bar{B})$ durch zusammenh"angende offene Teilmengen
$U_{ij}^{\nu}$ von $\varphi_{i} (\DR^{n}) \cap
\varphi_{j}(\DR^{n})$.
F"ur jedes $\nu$ w"ahle man einen Weg $\gamma^{\nu}_{ij}$ von
$\varphi_{j}(0)$ nach $\varphi_{i} (0)$, der erst innerhalb von
$\varphi_{j} (\DR^{n})$ nach $U^{\nu}_{ij}$ l"auft und dann
innerhalb von $\varphi_{i}(\DR^{n})$ nach $\varphi_{i}(0)$.
Seien $\beta_{i}$ Wege von $p\pdef\varphi_{1}(0)$ nach $\varphi_{i}(0)$
mit der einzigen Einschr"ankung, da"s $\beta_{1}$ der konstante
Weg sein soll.
So erzeugen die Verkn"upfungen $\bar{\beta}_{i}\ast
\gamma^{\nu}_{ij} \ast \beta_{j}$ die Fundamentalgruppe
$\pi_{1}(X, p)$.
\end{Ubunge}
\begin{Ubunge}
[\textbf{Abz"ahlbare Fundamentalgruppen}] 
Man zeige: Die Fundamentalgruppe einer bepunkteten 
abz"ahlbar basierten Mannigfaltigkeit ist stets abz"ahlbar.\label{AFGR} 
Hinweis: Man orientiere sich an den Hinweisen zur vorhergehenden "Ubung
\ref{EEFG}.
\end{Ubunge}
\subsection{Fundamentalgruppe der Kreislinie}\label{FdK}
\begin{Satz}[\defind{Fundamentalgruppe der Kreislinie}]
Die Fundamental\-grup\-pe der Kreislinie $S^{1}\pdef \{z\in\DC\mid |z|=1\}$
ist isomorph zur additiven Gruppe der\label{FuK}
ganzen Zahlen. Genauer ist die Abbildung,
die jeder ganzen Zahl $n\in\DZ$ die Homotopieklasse des Weges
$[0,1]\ra S^1$, $t\mapsto \op{exp}(2\pi {\op{i}} nt)$ zuordnet,
ein Isomorphismus
$$\begin{array}{cccl}
{\op{wind}}:&\DZ&\sira&\pi_1(S^1,1)\\[1mm]
&n&\mapsto&[t\mapsto \op{exp}(2\pi {\op{i}} nt)]
\end{array}$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}\label{DU}
Unter der {\bf Umlaufzahl}\index{Umlaufzahl!eines Weges!auf der Kreislinie} 
eines Weges $\gamma\in\Omega(S^1,1)$
versteht man das Urbild seiner Homotopieklasse $[\gamma]$ unter  
diesem Isomorphismus. In anderen Worten ist also
die Umlaufzahl von $\gamma$ diejenige
ganze Zahl $n\in\DZ$, f"ur die $\gamma$ 
homotop ist zum Weg $t\mapsto \op{exp}(2\pi {\op{i}} nt)$.
 %  Genau genommen hatten wir eigentlich 
% $S^1=\{v\in\DR^2\mid \| v\|=1\}$ vereinbart.
% Hier gehen wir  implizit  von der Identifikation 
% $\DR^2\sira \DC$, $ (a,b)\mapsto a+b{{\op{i}}}$ aus. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkunge}
  Arbeiten wir mit einem K"orper $\DC$ von vergesslichen komplexen Zahlen im
  Sinne von \rref{vDC}{LA1}, so liefert uns die obige Konstruk\-tion 
 einen kanonischen
  Isomorphismus $2\pi{\op{i}}\DZ\sira \pi_1(S^1,1)$, der jedem $a\in
  \op{ker}(\op{exp})=2\pi{\op{i}}\DZ$ eben den normierten Weg $t\mapsto
  \op{exp}(ta)$ zuordnet.  Man notiert diese Gruppe auch 
 $\DZ(1)=\DZ_\DC(1)\pdef 
\op{ker}(\op{exp})$\index{Z@$\DZ(1)$ Tate-Twist von $\DZ$} 
und nennt sie
den {\bf Tate-Twist von $\DZ$}.\index{Tate-Twist von $\DZ$}
\end{Bemerkunge}


\begin{proof}[Beweis]
Zur Vereinfachung 
betrachten wir die
 Abbildung\index{Exp@$\op{Exp}(t)\pdef\op{exp}(2\pi {{\op{i}}} t)$} 
$$\begin{array}{lccl} \op{Exp} :&\DR &\ra& S^{1}\\ &t&\mapsto &
\op{cos}(2\pi t) + {{\op{i}}}\op{sin}(2\pi t)
\end{array}$$
Mit der Euler'schen Formel k"onnen wir  auch schreiben
$\op{Exp}(t)=
\op{exp}(2\pi {{\op{i}}} t)$.
Das erkl"art erstens unsere Notation und zweitens sieht man so leichter,
da"s $\op{Exp}$ ein Gruppenhomomorphismus ist von der additiven Gruppe der
reellen Zahlen in die multiplikative Gruppe der 
komplexen Zahlen der L"ange $1$. Anschaulich wickelt
$\op{Exp}$ die reelle Gerade
auf die Kreislinie auf und aufgrund des Faktors $2\pi $  haben wir
$\op{Exp}^{-1}(1)=\DZ$. 
In dieser Notation erh"alt die Abbildungsvorschrift aus unserem 
Satz die Gestalt
$$\op{wind}:n\;\mapsto\;[t\mapsto \op{Exp}( nt)]$$
Als erstes zeigen wir nun, da"s sie
einen Gruppenhomomorphismus definiert.
Gegeben $m,n\in\DZ$ bezeichnen wir mit $(m+n\cdot)$ den normierten Weg
$t\mapsto m+nt$ aus $\Omega(\DR,m,m+n)$.
Da je zwei Wege in $\DR$ mit denselben Endpunkten homotop
sind, haben wir $$(n+m\cdot)\ast (n\cdot)\simeq ((m+n)\cdot)$$
Diese Homotopie bleibt bestehen, wenn wir beide Seiten mit
$\op{Exp}$ verkn"upfen. Dies $\op{Exp}$ d"urfen wir dann auf die beiden
Faktoren des $\ast$-Produkts verteilen und wegen $\op{Exp}\circ
(n+m\cdot)=\op{Exp}\circ (m\cdot)$ erkennen wir, da"s unsere
Abbildungsvorschrift $\op{wind}: n\mapsto[\op{Exp}\circ (n\cdot)]$  in der 
Tat einen Gruppenhomomorphismus liefert.
Um zu zeigen, da"s er ein Isomorphismus ist, konstruieren
wir eine inverse Abbildung. Der erste Schritt dazu ist die folgende
Definition.
\begin{Definition}
Gegeben $Y$ ein topologischer Raum und $f:Y\ra S^1$
eine stetige Abbildung hei"st eine stetige Abbildung
$\tilde{f}:Y\ra\DR$ mit $\op{Exp} \circ \tilde{f}=f$ ein \defind{Lift}
oder eine \defind{Hochhebung} von
$f$.
\end{Definition}
\begin{Lemma}[\textbf{Eindeutigkeit von Lifts}] 
Seien $Y$ zusammenh"angend, $f:Y\ra S^1$ eine stetige Abbildung
und  $\tilde{f},\hat{f}:Y\ra\DR$ zwei
Lifts von $f$.  So gibt
es $k\in \DZ$ mit $\hat{f} (y)=\tilde{f} (y)+ k$ f\"{u}r alle
$y \in Y$.\label{Eil} 
\end{Lemma}
\begin{proof}
Sicher gilt
$\op{Exp}(\tilde{f}(y)-\hat{f}(y))=1$,
 also $\tilde{f}(y)-\hat{f}(y)\in\DZ$
f\"{u}r alle $y\in Y$. 
Ist nun $Y$ zusammenh\"{a}ngend, so mu"s 
$\tilde{f}(y)-\hat{f}(y)$ nach \eref{ZK}{ML} konstant sein.
\end{proof}

\begin{Lemma}\label{WL}
Jede
 stetige Abbildung $f:[0,1]\ra S^{1}$
besitzt einen Lift.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Unser $\op{Exp}$ liefert Hom\"{o}\-o\-mor\-phis\-men $\op{Exp}_{x}:
(x,x+1)\sira
 S^{1}\backslash\op{Exp} (x)$ f\"{u}r alle $x\in\DR$, 
siehe "Ubung \eref{ExpH}{ML}.
Ist also $f$ nicht surjektiv, 
liegt sagen wir $\op{Exp} (x)$ nicht in seinem Bild, so ist
$\op{Exp}^{-1}_{x}
\circ f = \tilde{f}$ ein Lift und wir sind fertig.
Weil nun $f$  gleichm\"{a}"sig stetig ist, finden wir
$0=a_{0}<a_{1}<a_{2}
<\ldots< a_{k}=1$ derart, da"s $f$ auf allen
Teilintervallen
$[a_{i-1},a_{i}]$ nicht surjektiv ist.
Wir w\"{a}hlen nun Lifts $\tilde{f}_{i}$ von $f|{[a_{i-1},a_{i}]}$ f\"{u}r
$i=1,\ldots,k$
und k\"{o}nnen diese Lifts durch Addition von Elementen von $\DZ$ so
ab\"{a}ndern, da"s stets gilt $\tilde{f}_{i}(a_{i})=\tilde{f}_{i+1}
(a_{i})$.
Dann erkl"aren wir $\tilde{f}$ durch $\tilde{f}|{[a_{i},a_{i+1}]}=
\tilde{f}_{i}$ und sind fertig.
\end{proof}
\begin{Lemma}\label{HlL}
Jede stetige Abbildung $f:[0,1]^2 \ra S^{1}$ besitzt einen Lift.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wir zerlegen  zun\"{a}chst unser
Quadrat $[0,1]^2$ in so kleine Schachfelder,
da"s das Bild keines unserer Felder ganz $S^1$ ist.
Die Einschr\"{a}nkung von $f$ auf jedes dieser Felder l\"{a}"st sich
wie im Beweis zuvor leicht liften.
Als n\"{a}chstes konzentrieren wir uns auf eine Zeile
von Schachfeldern und \"{a}ndern in dieser Zeile unsere Lifts so um
Konstanten aus $\DZ$ ab, da"s sie auf dem Schnitt benachbarter
Felder zusammenpassen. So erhalten wir einen Lift auf der ganzen Zeile.
Das machen wir f\"{u}r jede Zeile,
passen dann diese Lifts wieder aneinander an, und erhalten so
schlie"slich einen Lift auf unserem ganzen Quadrat.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben $x\in S^1$ und einen  geschlossenen 
Weg $\al\in\Omega(S^1,x)$ erkl"aren wir seine
{\bf Gangh"ohe}\index{Gangh"ohe}  
$\op{gh}(\al)\in\DZ$ durch $$\op{gh}(\al)\pdef
\tilde{\al}(1)- \tilde{\al}(0)$$ f\"{u}r einen und 
jeden Lift $ \tilde{\al}$ von $\al$.
Am Ende des Beweises werden wir sehen, da"s die
Gangh"ohe mit der  Umlaufzahl
"ubereinstimmt.    
\end{Bemerkungl}

\begin{Proposition}\label{gwUZ} 
Geschlossene Wege in der Kreislinie sind homotop
genau dann, wenn sie dieselbe Gangh"ohe haben.
In Formeln gilt f"ur Wege $\al,\beta\in\Omega(S^1,1)$ also
$$\al\simeq\beta\;\IFF\;\op{gh}(\al)=\op{gh}(\beta)$$
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]${\RA}.)\;$
Zu jeder Homotopie 
$h:\al\simeq\beta$   finden wir mit Lemma \ref{HlL} einen Lift
$\tilde{h}$.
Sicher ist $\tilde{h}$ auf der Unterkante des Einheitsquadrats
ein Lift $\tilde{\al}$ von $\al$ und auf der Oberkante 
ein Lift $\tilde{\beta}$ von $\beta$.
Weiter mu"s $\tilde h$ auf der Vorder- und Hinterkante 
wie $h$ selbst konstant sein.
Insbesondere haben wir
$\tilde{\al}(0) = \tilde{\beta} (0)$ und
$\tilde{\al}(1) = \tilde{\beta}(1)$ und damit folgt $\op{gh} (\al) = \op{gh}
(\beta)$.
\\[2mm]\noindent
${\Leftarrow}.)$
Die Gleichheit der Gangh"ohen
$\op{gh}(\al)=\op{gh}(\beta)$ bedeutet, da"s je zwei Lifts $\tilde{\al}$
und $\tilde{\beta}$ von
$\al$ und $\beta$ mit demselben Anfangspunkt auch denselben Endpunkt haben.
Als Wege in $\DR$ mit demselben Anfangs- und demselben Endpunkt
 sind  dann aber besagte Lifts 
$\tilde{\al}$ und $\tilde{\beta}$ homotop nach
\ref{Konvex}. Da Bilder homotoper Wege homotop sind nach
\ref{BH},  folgt  $\al\simeq\beta$.
\end{proof}\noindent
Unsere Gangh"ohe $\op{gh} :\Omega(S^1,1)\ra\DZ$ induziert 
nach der vorhergehenden Proposition \ref{gwUZ}  eine
wohlbestimmte  injektive Abbildung
$$\op{gh} :\pi_1(S^1,1)\hra\DZ$$
Es reicht zu zeigen, da"s sie linksinvers ist zur Abbildung
aus unserem Satz, in Formeln $\op{gh}\circ\op{wind}=\op{id}_\DZ$. Das pr"uft man ohne Schwierigkeiten.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Fundamentalgruppe der punktierten Ebene}]
Geht man alle Argumente dieses Abschnitts nocheinmal durch,
so sieht man, da"s wir "uberall statt\label{FuPE}  
$S^1$ genausogut $\DC^\times$ h"atten schreiben
k"onnen, wenn wir statt $\op{Exp}:\DR\ra S^1$ eben 
$\op{Exp}:\DC\ra \DC^\times$ betrachten. 
Wieder besitzt jeder Weg $\gamma:[0,1]\ra \DC^\times$ einen
Lift, der bis auf eine additive Konstante $k\in\DZ$ eindeutig bestimmt ist,
und wieder erhalten wir einen Isomorphismus 
  $$\begin{array}{ccl}
\DZ&\sira&\pi_1(\DC^\times,1)\\[1mm]
n&\mapsto&[t\mapsto \op{exp}(2\pi {\op{i}} nt)]
\end{array}$$
und dessen Inverses wird durch die 
Gangh"ohe gegeben. In \ref{Due} folgende werden wir
sogenannte \glqq "Uberlagerungen\grqq\
betrachten, denen sich diese beiden Situationen
als Spezialf"alle unterordnen.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Beispiel}[\textbf{Unm"oglichkeit komplexer Wurzelfunktionen}]
  Mit den hier entwickelten Hilfsmitteln k"onnen wir sehr schnell sehen,
  da"s es  keine\label{KWU} 
stetige Abbildung $w : \Bbb{C} \rightarrow \Bbb{C}$ gibt mit
$q\circ w =\op{id}$ f"ur $q:\Bbb{C} \rightarrow \Bbb{C}$ das Quadrieren.
In der Tat g"alte ja $q_\sharp\circ w_\sharp=\op{id}$ auf
$\pi_1(\DC^\times,1)$ und diese Gruppe ist isomorph zu $\DZ$ und wir haben 
$q_\sharp (c)=c^2$, wie Sie sich gleich in \ref{popo}
"uberlegen d"urfen. Es gibt jedoch, jetzt in additiver Notation,
keine Abbildung $w_\sharp:\DZ\ra\DZ$ mit
$2w_\sharp(n)=n\;\forall n\in\DZ$. 
\end{Beispiel}






\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung} Sei $(X,x)$ ein bepunkteter Raum.
Ist $\al\in\Omega(X,x)$ ein geschlossener Weg, so gibt es
genau eine stetige Abbildung
$\hat{\al}:S^1\ra X$ mit $\al=\hat{\al}\circ \op{Exp}$, und die Verkn"upfung von
$\hat{\al}_\sharp:\pi_1(S^1,1)\ra \pi_1(X,x)$ mit 
dem Isomorphismus
 $\DZ\sira \pi_1(S^1,1)$ aus 
unserem Satz \ref{FuK} wird gegeben durch 
$n\mapsto [\al]^n$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{popo} 
Die Abbildung $[n]:S^1\ra S^1$, $z\mapsto z^n$ induziert auf der
Fundamentalgruppe $\pi_1(S^1,1)$ die Abbildung $[n]_\sharp:c\mapsto c^n$
in multiplikativer Schreibweise, also
 $[n]_\sharp:c\mapsto nc$ in additiver Schreibweise. % Man folgere,
% da"s es keine stetige \glqq Wurzelfunktion\grqq\ auf $\DC$ gibt, also keine
% stetige Abbildung $w:\DC\ra\DC$ mit $w(z)^2=z$ f"ur alle $z\in\DC$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Ist $Y$ ein kartesisches Produkt von endlich vielen reellen Intervallen,
so besitzt jede stetige Abbildung $Y\ra S^1$ einen Lift. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{ULZ1} 
 Man zeige: 
  Ein geschlossener Weg $\gamma:[0,1]\ra \DC^\times$ 
mit $\gamma(0)=\gamma(1)$ in $\DR_{>0}$ und der Eigenschaft,
da"s es $a\in (0,1)$ gibt mit
$\gamma(a)\in \DR_{<0}$ und $\op{Im}(\gamma(t))\geq 0\;\forall
t\in [0,a]$ und $\op{Im}(\gamma(t))\leq 0\;\forall
t\in [a,1]$, 
hat die Umlaufzahl Eins um den Ursprung.
\end{Ubung}

\subsection{Anwendungen und Beispiele}

\begin{Satz}[\textbf{Retraktionen einer Kreisscheibe auf ihren Rand}]
Es gibt keine stetige Abbildung\label{unRR} 
von einer abgeschlossenen Kreisscheibe auf ihren Randkreis,
deren Einschr"ankung auf besagten
Randkreis die Identit\"{a}t ist.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Ist $X\supset A$ ein topologischer Raum mit einer Teilmenge,
  so versteht man ganz allgemein unter einer
  {\bf Retraktion von $X$ auf $A$}\index{Retraktion} eine
  stetige Abbildung $r:X\ra A$ mit $r(a)=a$ f"ur alle $a\in A$.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Bezeichne $D=\{z\in\DR^2\mid \|z\| \leq 1\}$ die abgeschlossene
Einheitskreisscheibe und $S^{1}=\{z\in\DR^2\mid \|z\| = 1\}$ ihren Randkreis.
Wir f\"{u}hren den Beweis durch Widerspruch und nehmen an, es g\"{a}be solch
eine stetige Abbildung $r:D\ra S^{1}$ mit $r(z) =z$ 
f\"{u}r alle $z\in S^1$.
Bezeichne $i: S^{1} \hookrightarrow D$ die Einbettung. Wir
h\"{a}tten
also ein kommutatives Diagramm von  topologischen R\"{a}umen
\begin{displaymath}
\xymatrix{
S^1 \ar[r]^i\ar[dr]_{\op{id}} &D \ar[d]^r\\
&S^1
}
\end{displaymath}
und erhielten nach \ref{FuFu} 
mit $\pi_1$ ein kommutatives Diagramm von Gruppen
\begin{displaymath}
\xymatrix{
\pi_1(S^{1},1)\ar^{i_\sharp}[r]\ar[dr]_{\op{id}} &\pi_1 (D,1)\ar^{r_\sharp}[d]\\
&\pi_1 (S^{1},1)
}
\end{displaymath}
Das ist aber unm\"{o}glich, da ja gilt 
$\pi_1 (D,1) \cong 1$ nach \ref{Konvex}
und $\pi_1(S^{1},1)\cong \DZ$ nach \ref{FuK}.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Fixpunktsatz von Brouwer 
f"ur die Kreisscheibe}]\index{Brouwer, Fixpunktsatz!f"ur die Kreisscheibe}
\index{Fixpunktsatz von Brouwer!f"ur die Kreisscheibe}
Jede stetige Abbildung von der abgeschlossenen Einheitskreisscheibe in
sich selbst hat einen Fixpunkt.\label{FB2}
\end{Satz}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildFPB}\\[4mm]%war BildFSB
\noindent Die Retraktion $r$ aus dem Beweis des 
Fixpunktsatzes von Brouwer
\end{figure}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $f: D \ra D$ unsere stetige Selbstabbildung der
Einheitskreisscheibe $D$.
W\"{a}re $f:D\ra D$ stetig mit $f(x)\neq x$ f\"{u}r alle $x\in D$,
so k\"{o}nnten wir eine Abbildung $r:D\ra S^{1}$ der
Einheitskreisscheibe auf ihren Rand $S^{1}$
definieren durch die Vorschrift, da"s sie jedem $x\in D$ denjenigen
Punkt $r(x)\in S^1$ zuordnet, \glqq in dem der Strahl, der in $f(x)$ beginnt
und durch $x$ l\"{a}uft, die Kreislinie $S^1$ trifft\grqq.
Offensichtlich w\"{a}re $r$ stetig und $r(z) =z$ f\"{u}r alle $z\in{S^{1}}$,
als da hei"st, $r$ w"are eine Rektraktion der Kreisscheibe auf ihren Rand, 
im Widerspruch zum vorhergehenden Satz \ref{unRR}.
\end{proof}
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
%Einf\"{u}gung *1
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
\begin{Satz}
[\textbf{vom  Igel}]\index{Igel, Satz vom}
Es gibt keine stetige Selbstabbbildung der Kugelschale
$\kappa : S^{2} \ra S^{2}$ derart,
da"s $\kappa (x)$ senkrecht steht auf $x$ f\"{u}r alle $x \in S^{2}$.\label{SavI}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Man stelle sich vor, die Abbildung $\kappa$ ordne jedem Punkt $x$ auf der
Au"senfl"ache eines kugelf"ormig zusammengerollten
Igels die Richtung $\kappa (x)$ des dort entspringenden Stachels
zu. Diese Vorstellung mag auf bei Nachvollziehen des anschlie"senden Beweises hilfreich sein. Die Bedingung
\glqq $\kappa (x)$ steht senkrecht auf $x$\grqq\  bedeutet, da"s die Stacheln flach
anliegen m\"{u}ssen, und unser
Satz sagt, da"s sich ein Igel nicht \glqq wirbelfrei k\"{a}mmen l\"{a}"st\grqq. Man
beachte jedoch,
da"s sich ein \glqq Igel von der Form eines Rettungsrings\grqq\  durchaus wirbelfrei
k\"{a}mmen l\"{a}"st.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}
  Einen eleganteren Beweis einer allgemeineren Aussage werden
wir  mit singul"arer Homologie in \eref{VaSp}{TS} geben k"onnen.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Wir zeigen das durch Widerspruch und nehmen also an, es g\"{a}be so eine
K\"{a}mmung
$\kappa$.
Bezeichne $S^{2}_{+}$ beziehungsweise $S^{2}_{-}$ die n\"{o}rdliche beziehungsweise s\"{u}dliche
abgeschlossene Hemisph\"{a}re und $S^{1}=S^{2}_{+}\cap S^{2}_{-}$ den
\"{A}quator. F\"{u}r $p \in S^{2}_{+}$ bezeichne $R^{+}_{p}$ die Rotation mit
Rotationsachse in der \"{A}quatorebene, die $p$ auf den Nordpol $(0,0,1)$
dreht.
Dann ist $p\mapsto R^{+}_{p} (\kappa(p))$ eine stetige Abbildung
$\kappa_{+} : S^{2}_{+} \ra S^{1}$. Analog definieren wir $\kappa_{-} :
S^{2}_{-}\ra S^{1}$.
Offensichtlich gilt f\"{u}r alle $p$ auf dem \"{A}quator $p\in S^{1}$
die Beziehung
$$\kappa_{+} (p) = s_{p}(\kappa_{-}(p)),$$
mit $s_{p}:S^{1} \ra S^{1}$ der Spiegelung an der zu $p$ senkrechten Geraden
in der \"{A}quatorebene, die also $p$ auf $-p$
abbildet.
Fassen wir $S^{1}\subset \DC$ auf als die komplexen Zahlen der L\"{a}nge
$1$,
so wird die Abbildung $s :S^{1}\times S^{1} \ra S^{1}$,
$(p,x) \mapsto s_{p} (x)$ beschrieben durch die Formel $(p,x)\mapsto
-p^{2}x^{-1}$. Wir erhalten also
$$-\kappa_{+} (p) \kappa_{-}(p)= p^2\;\;\forall p\in S^1$$
Das ist aber unm\"{o}glich, denn $p\mapsto p^{2}$ induziert auf
$\pi_1(S^1,1)$ nach \ref{popo} 
die Multiplikation mit $2$, wohingegen die linke Seite
auf
$\pi_1(S^1,1)$ eine konstante Abbildung liefert: In der Tat l\"{a}"st sich die
stetige Abbildung
$S^1\ra S^1$, $p\mapsto -\kappa_{+} (p) \kappa_{-}(p)$ ja faktorisieren  in
$$S^1\overset{\Delta}{\lra} (S^2_+\times S^2_-)\overset{\kappa_+ \times
\kappa_{-}}{\longrightarrow}
(S^1\times S^1)\overset{\operatorname{mult}}{\longrightarrow}
S^{1}\overset{(-1)}{\lra} S^{1}$$
mit $\Delta(z)=(z,z)$.
Die Fundamentalgruppe von $(S^2_+\times S^2_-)$ ist jedoch trivial,
da dieser Raum hom\"{o}omorph ist zur konvexen Teilmenge
$D\times D\subset\DR^4$.
Dieser Widerspruch beendet den Beweis.
 \end{proof}


% \begin{Satz}[\textbf{Die Fundamentalgruppe von einem Produkt}]
% F\"{u}r zwei bepunktete R\"{a}ume $(X,x)$ und $(Y,y)$ induzieren
% die beiden Projektionen $\op{pr}_{1}$ und $\op{pr}_{2}$ von $X\times Y$ auf
% $X$ und $Y$
% einen Isomorphismus
% $$(\pi_1(\op{pr}_{1}),\pi_1(\op{pr}_{2})):\pi_1 (X\times Y,(x,y))
% \sira \pi_1 (X,x)\times\pi_1
% (Y,y)$$
% \end{Satz}
% \begin{proof}[Beweis]
% Nach der universellen Eigenschaft der Produkttopologie haben wir
% schon mal eine Bijektion
% $$\begin{array}{ccc}
% \Omega (X\times Y, (x,y)) &\lra&
% \Omega (X,x) \times \Omega (Y,y)\\
% \al & \mapsto & (\op{pr}_{1}\circ \alpha, \op{pr}_{2} \circ \alpha),
% \end{array}$$
% und ebenso nach der universellen Eigenschaft der Produkttopologie
% definiert  eine Abbildung $H:[0,1]\times[0,1]\ra X\times Y$
% eine Homotopie von Wegen $\al$ und $\beta$
% genau dann, wenn $\op{pr}_i\circ H$ eine 
% Homotopie von $\op{pr}_i\circ\al$ und
% $\op{pr}_i\circ\beta$ definiert f\"{u}r $i=1,2$.
% \end{proof}
% \begin{Beispiel}\label{ReRi}
% Der Rettungsring $S^1\times S^1$ hat also f\"{u}r jeden Basispunkt
% die Fundamentalgruppe
% $\DZ\times\DZ$. Anschaulich liefert ja auch jeder geschlossene
% Weg auf dem Rettungsring zwei
% Umlaufzahlen:
% \glqq Wie oft der Weg um die Luftkammer l\"{a}uft\grqq\  und
% \glqq Wie oft er um den hypothetischen Matrosen im Ring l\"{a}uft\grqq.
% \end{Beispiel}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildIgel}\\[4mm]
\noindent Satz vom Igel
\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildTIgel}\\[4mm]
\noindent Wirbelfreie K"ammung eines toroidalen Igels
\end{figure}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Jeder Mensch hat einen Haarwirbel}]
Wir gehen dabei davon aus, da"s die Haare am Rand des 
Haarwuchses alle nach unten wachsen.
Man zeige: Es gibt keine stetige Abbildung $\kappa: S^{2}_{+} \ra
S^{2}$ von der oberen Hemisph"are in die Sph"are, die  den
"Aquator in die untere Hemisph"are abbildet
 und so, da"s $\kappa (x)$ senkrecht steht
auf $x$ f"ur alle $x \in S^{2}_{+}$.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Die Fundamentalgruppe von einem Produkt}]
Man zeige:  F\"{u}r zwei bepunktete R\"{a}ume 
$(X,x)$ und $(Y,y)$ induzieren die
    beiden Projektionen $\op{pr}_{1}$ und $\op{pr}_{2}$ von $X\times Y$ auf
    $X$ und $Y$ einen Isomorphismus\label{ReRi}
$$(\pi_1(\op{pr}_{1}),\pi_1(\op{pr}_{2}))^\top:\pi_1 (X\times Y,(x,y))
\sira \pi_1 (X,x)\times\pi_1 (Y,y)$$
und dessen Inverses wird gegeben 
durch $(\pi_1(\op{id}_{X},y),\pi_1(x,\op{id}_{Y}))$ mit der Notation
$(\op{id}_{X},y)$ f"ur die Abbildung $X\ra X\times Y$ gegeben durch $x\mapsto
(x,y)$.
Der Rettungsring $S^1\times S^1$ hat also f\"{u}r jeden Basispunkt
die Fundamentalgruppe
$\DZ\times\DZ$. Anschaulich liefert ja auch jeder geschlossene
Weg auf dem Rettungsring zwei
Umlaufzahlen:
\glqq Wie oft der Weg um die Luftkammer l\"{a}uft\grqq\  und
\glqq Wie oft er um den hypothetischen Matrosen im Ring l\"{a}uft\grqq.
\end{Ubung}

% \begin{proof}[Beweis]
% Nach der universellen Eigenschaft der Produkttopologie haben wir
% schon mal eine Bijektion
% $$\begin{array}{ccc}
% \Omega (X\times Y, (x,y)) &\lra&
% \Omega (X,x) \times \Omega (Y,y)\\
% \al & \mapsto & (\op{pr}_{1}\circ \alpha, \op{pr}_{2} \circ \alpha),
% \end{array}$$
% und ebenso nach der universellen Eigenschaft der Produkttopologie
% definiert  eine Abbildung $H:[0,1]\times[0,1]\ra X\times Y$
% eine Homotopie von Wegen $\al$ und $\beta$
% genau dann, wenn $\op{pr}_i\circ H$ eine 
% Homotopie von $\op{pr}_i\circ\al$ und
% $\op{pr}_i\circ\beta$ definiert f\"{u}r $i=1,2$.
% \end{proof}

\subsection{Homotopien zwischen stetigen Abbildungen}
\begin{Definition}
Seien $f,g :Y\ra X$ stetige Abbildungen.
Eine {\bf Homotopie\index{Homotopie!von Abbildungen} 
von $f$ nach $g$} ist eine stetige Abbildung
$$H:Y\times [0,1]
\ra X$$ derart, da"s gilt $H(y,0)=f(y)$ und $H(y,1)=g(y)$ f\"{u}r alle $y\in
Y$.
Man sagt, die Abbildung $f$ sei
{\bf homotop\index{homotop} zu} $g$ und schreibt $f\simeq g$,
wenn es eine Homotopie von $f$ nach $g$ gibt.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Dieser Begriff von Homotopie
ist f\"{u}r Wege wesentlich verschieden von unserem
Begriff aus \ref{DHW}, den wir deshalb genauer die 
{\bf Homotopie mit festen Randpunkten} 
genannt haben.\index{homotop!mit festen Randpunkten}
Es gibt jedoch eine gemeinsame Verallgemeinerung, bei der man
zus"atzlich eine Teilmenge $Z\subset Y$ festlegt und 
fordert, da"s $H(z,\tau)$
f"ur $z\in Z$ von $\tau$ unabh"angig sein soll. 
Zwei Abbildungen $f,g:Y\ra X$, die in dieser Weise homotop sind und
die damit  auf $Z$ "ubereinstimmen m"ussen, hei"sen
{\bf homotop relativ zu $Z$}.\index{Homotopie!relative} 
F"ur $Y=[0,1]$ und\label{reHO} 
$Z=\{0,1\}$ erh"alt man dann unsere Homotopie mit festen Randpunkten
als Spezialfall.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}
Gegeben topologische R"aume $X,Y$ ist 
die Relation $\simeq$ eine \"{A}quivalenzrelation auf der Menge $\op{Top}
(X,Y)$  aller stetigen
Abbildungen von $X$ nach $Y$.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Wir "uberlassen den Nachweis der Symmetrie und Reflexivit"at dem Leser 
und zeigen nur die Transitivit\"{a}t
$ (f\simeq g \mbox{ und } g\simeq h) \Rightarrow f\simeq h$.
Gegeben Homotopien  $F,G$ von $f$ nach
$g$ beziehungsweise von $g$ nach $h$ erh"alt man eine Homotopie ${H}$ von
$f$ nach $h$ durch
\begin{equation*}
\begin{array}[b]{ccl}
{H} (x,\tau)&=&\left\{ \begin{array}{ll}
F(x,2\tau)& 0\leq \tau \leq 1/2;\\
G(x,2\tau-1)& 1/2\leq\tau\leq 1.\end{array} \right.
\end{array}\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}
\begin{Definition}
Die \"{A}quivalenzklasse einer stetigen Abbildung $f$ 
unter der \"{A}quivalenzrelation der Homotopie bezeichnen wir mit $[f]$
und nennen sie die 
{\bf Homotopieklasse von $f$}.\index{Homotopieklasse}  
Gegeben topologische R"aume $X,Y$ verwenden  wir
die beiden Notationen $\op{hTop}(X,Y)=[X,Y]$\index{hTop@$\op{hTop}$ Homotopiekategorie!topologische} 
f"ur die Menge der Homotopieklassen von stetigen Abbildungen von $X$ nach $Y$.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Bei dieser Notation ist  Vorsicht geboten, denn  f\"{u}r Wege $\al$ hat nun
das Symbol $[\al]$ zwei verschiedene Bedeutungen.
 Im Zweifelsfall ist 
bei Wegen immer die Homotopieklasse von $\al$ unter Homotopie mit
festen Randpunkten gemeint.
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiel}
Gegeben $D\subset \DR^{n}$ eine konvexe Teilmenge und $Y$ ein beliebiger
topologischer Raum sind je zwei stetige Abbildungen $f,g:Y\ra D$ homotop.
In der Tat ist  $H(y,\tau) = \tau f(y) + (1-\tau)g(y)$ eine Homotopie.
\end{Beispiel}
\begin{Proposition}
Seien $f,g:Y\ra X$ stetige homotope Abbildungen, in Formeln
$f\simeq g$.\label{vhkK} 
So gilt auch $h\circ f\simeq h\circ g$ f\"{u}r jede stetige Abbildung $h:X\ra
Z$
und $f\circ h\simeq g\circ h$ f\"{u}r jede stetige Abbildung $h:Z\ra Y$.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Ist $H:Y\times [0,1]\ra X$ eine Homotopie von $f$ nach $g$, so ist
die Abbildung 
$h\circ H:Y\times [0,1]\ra Z$ eine Homotopie von $h\circ f$ nach $h\circ
g$ und die Abbildung $H\circ (h\times \op{id}):Z\times
[0,1]\ra X$ eine Homotopie von $f\circ h$ nach $g\circ h$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{vkht} 
Da nach  Proposition \ref{vhkK} die
Homotopieklasse
einer Verkn\"{u}pfung von stetigen Abbildungen nur von den Homotopieklassen
der
verkn\"{u}pften Abbildungen abh\"{a}ngt, k\"{o}nnen wir eine 
{\bf Verkn\"{u}pfung von Homotopieklassen} 
definieren
durch die Vorschrift
$[f]\circ[g]=[f\circ g]$.  
\end{Bemerkungl}



\subsection{Kategorien und Funktoren}
\label{KatFu}
\begin{Bemerkungl}
  An dieser Stelle m"ochte ich damit beginnen, in die Sprache der
Kategorien und Funktoren einzuf"uhren, die auch in \eref{KFu}{LA2} in gr"o"serer
Ausf"uhrlichkeit und vor einem anderen Hintergrund besprochen wird.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Eine \defind{Kategorie} ${\cal C}$ ist ein Datum bestehend aus:\label{KaatT}
\begin{enumerate}\renewcommand{\theenumi}{\alph{enumi}}
\item
einer Menge von {\bf Objekten}\index{Objekt einer Kategorie} $\op{Ob} {\cal C};$
\item
einer Menge ${{\cal C}}(X,Y)$ von
\defnoind{Morphismen}\index{Morphismus!in Kategorie}
f\"{u}r je zwei Objekte
$X,Y \in \op{Ob} {\cal C}$;
\item
einer Abbildung
${{\cal C}} (X,Y) \times {{\cal C}} (Y,Z) \ra
{{\cal C}} (X,Z),\;
(f,g) \mapsto  g\circ f $ f\"{u}r je drei Objekte $X,Y,Z\in {\cal C}$,
genannt die
\defnoind{Verkn\"{u}pfung}\index{Verkn"upfung!von Morphismen} 
von Morphismen,\index{)8a@$\circ$ Verkn"upfung!von Morphismen} 
\renewcommand{\theenumi}{\arabic{enumi}}
\end{enumerate}
derart, da"s folgende Axiome erf\"{u}llt sind:
\begin{enumerate}
\item Die Morphismenmengen sind paarweise
  disjunkt;
\item Die Verkn"upfung ist {\bf assoziativ}, als da hei"st, es gilt 
$(f\circ g)\circ h= f\circ (g\circ h)$ f\"{u}r
Morphismen $f,g$ und $h$, wann immer diese Verkn\"{u}pfungen sinnvoll sind;
\item
F\"{u}r jedes Objekt $X\in \op{Ob} {\cal C}$ gibt es einen Morphismus
$\op{id}_{X} \in
{{\cal C}} (X,X)$, die \defind{Identit\"{a}t auf $X$},
so da"s gilt
$
\op{id}_{X} \circ f =f$ und
$g\circ \op{id}_{X} =g $ f\"{u}r Morphismen $f$ und $g$ wann immer diese
Verkn\"{u}pfungen sinnvoll sind. Die "ublichen Argumente zeigen,
da"s es f"ur jedes $X$ h"ochstens einen derartigen Morphismus geben kann,
womit auch die Verwendung des bestimmten Artikels gerechtfertigt w"are.
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}\label{NotEnT}%\label{NotE}
Seien ${\cal C}$ eine Kategorie und   $X,Y\in\op{Ob} {\cal C}$
Objekte.
Statt $f\in {{\cal C}}(X,Y)$ sagen wir auch, 
$f$ sei ein {\bf   Morphismus von $X$ nach $Y$} und
 schreiben kurz\index{)4@$\ra$ Morphismus in Kategorie} 
$$f:X \ra Y$$
Statt $\op{id}_{X}$ schreiben wir oft nur $\op{id}$. Statt $X\in \op{Ob} {\cal
C}$ schreiben
wir oft k\"{u}rzer $X\in{\cal C}$.
Statt ${\cal C}(X,X)$ schreibe ich gerne k"urzer ${\cal C}(X)$
und nenne diese Menge mit ihrer Verkn"upfung das
{\bf Monoid der Endomorphismen von $X$}.
\end{Bemerkungl}




\begin{Beispiel}[\textbf{Kategorie der topologischen R"aume}]
Als erstes Beispiel h"atte ich gerne die Kategorie\label{UTop}  
${\cal C}=\op{Top}$ aller topologischen R"aume 
 eingef"uhrt, mit topologischen R"aumen als Objekten und stetigen 
Abbildungen als Morphismen. Das ist jedoch nicht ohne weiteres m"oglich,
da die \glqq Gesamtheit aller
 Mengen\grqq\   nach \eref{WHK}{GR} nicht als Menge angesehen werden darf,
und da wir  von unseren Kategorien stets annehmen, da"s ihre
Objekte eine Menge bilden sollen.
Um diese Untiefen der Logik zu umschiffen, betrachten wir 
feiner ein Mengensystem  alias eine  Menge $\mathfrak U$
von Mengen 
und die Kategorie\index{UTop@$\mathfrak U\hspace{-1mm}\op{Top}$ 
topologische R"aume $X\in\mathfrak U$}
$$\mathfrak U\!\op{Top}$$
aller topologischen R"aume $X$, die als Menge betrachtet 
Elemente unseres Mengensystems $\mathfrak U$ sind, in Formeln
 $X\in \mathfrak U$. Meist wird das Mengensystem
$\mathfrak U$ in der Notation dann aber doch
weggelassen und nur insgeheim dazugedacht. So wollen wir es im folgenden
meist auch halten.
\end{Beispiel}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Morphismen versus Abbildungen}]
  Das vorhergehende Beispiel ist zwar typisch, aber man lasse sich davon
  nicht in die Irre f"uhren. Bei einer allgemeinen Kategorie m"ussen
  die Objekte a priori keineswegs Mengen
  mit Zusatzstruktur sein und die Morphismen keineswegs
  strukturerhaltenden Abbildungen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} 
  In vielen Quellen fordert man stattdessen, da"s die Objekte einer
Kategorie eine \glqq Klasse\grqq\  bilden sollen. Mir gef"allt die hier
gegebene Formulierung besser, da sie im Rahmen der Terminologie der
Mengenlehre bleibt. Statt mit \glqq Klassen\grqq\  werden wir zu gegebener Zeit
mit \glqq Universen\grqq\  arbeiten. Das hat den zus"atzlichen Vorteil,
da"s man, wenn es einmal n"otig sein sollte und man etwa die Kategorie
aller Kategorien betrachten will,
noch zu h"oheren Universen aufsteigen kann. Es hat den Nachteil, beim
Aufbau im Rahmen der Mengenlehre, wie er hier jedenfalls im Hintergrund
mitgedacht wird, recht starke zus"atzliche Axiome der Mengenlehre zu
ben"otigen, die Existenz sogenannter \glqq unerreichbarer Kardinalzahlen\grqq. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Homotopiekategorie der topologischen R"aume}]
Wir betrachten die Kategorie\label{Hot}   
$\op{hTop}$ aller topologischen R"aume 
mit Homotopieklassen  stetiger 
Abbildungen als Morphismen, also
$$\op{hTop}(X,Y)\pdef \op{Top}(X,Y)/\simeq$$ 
Die Verkn"upfung von Abbildungen kommt dabei von \ref{vkht} her.
Die Axiome einer Kategorie sind offensichtlich erf"ullt.
F"ur die Menge der Homotopieklassen
von Abbildungen zwischen zwei R"aumen ist auch
die Notation ${\op{hTop}} (X,Y)=[X,Y]$ gebr"auchlich. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Kategorie der Mengen}]
Wir betrachten die Kategorie
aller
Mengen $\op{Ens}$\index{Ens@$\op{Ens}$ Kategorie der Mengen} oder genauer\label{UEnsT} 
 die Kategorie\index{UEns@$\mathfrak U\hspace{-1mm}\op{Ens}$ Mengen $X\in\mathfrak U$}
$$\mathfrak U\!\op{Ens}$$
aller Mengen  $X\in \mathfrak U$ f"ur ein vorgegebenes Mengensystem $\mathfrak
U$. 
Ihre Objekte sind beliebige
Mengen $X\in \mathfrak U$. F\"{u}r zwei Mengen $X,Y\in \mathfrak U$ 
ist die Morphismenmenge 
$\op{Ens}(X,Y)$\index{Ens@$\op{Ens}(X,Y)$ Abbildungen $X\ra Y$}  
die Menge aller Abbildungen von $X$ nach $Y$. Die Verkn\"{u}pfung
ordnet
jedem Paar $(f,g)$ von Abbildungen ihre Komposition $g\circ f$ zu,
und  $\op{id}_{X}\in \op{Ens}(X)$  ist schlicht die
identische
Abbildung $\op{id}_{X}(x)=x \; \forall x\in X$.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Kategorie der Gruppen}]
Wir betrachten die Kategorie\label{Grup}   
$\op{Grp}$ aller Gruppen mit Gruppenhomomorphismen als Morphismen.
\end{Beispiel}



\begin{Definition}\label{KatIT}
\begin{enumerate}
\item
Ein Morphismus $f \in {{\cal C}} (X,Y) $ in einer Kategorie hei"st ein
\defnoind{Isomorphismus}\index{Isomorphismus!in Kategorie} 
oder \defnoind{Iso}\index{Iso!in Kategorie}  und als Adjektiv {\bf iso},
 wenn
es einen Morphismus $g\in {{\cal C}}(Y,X) $ gibt mit $f\circ
g=\op{id}_{Y}$ und
$g\circ f=\op{id}_{X}$. Wir 
notieren  Isomorphismen oft $f:X\sira Y$.
\item
Zwei Objekte $X$ und $Y$ einer Kategorie hei"sen 
\defnoind{isomorph},\index{isomorph!in Kategorie} 
 wenn es einen Iso
$f:X \sira Y$ gibt. Man schreibt dann auch kurz $X\cong Y$.
\end{enumerate}
\end{Definition}

\begin{Beispiele}\label{Gruppo}
Isomorphismen in der Kategorie der Mengen nennt man
Bijektionen,
Isomorphismen in der Kategorie der topologischen R\"{a}ume
Hom\"{o}o\-morphismen, Isomorphismen in der Kategorie der Gruppen
Isomorphismen von Gruppen.
Stetige Abbildungen, die Isomorphismen in der Homotopiekategorie der
topologischen R"aume repr"asentieren, hei"sen 
{\bf Homotopie"aquivalenzen}.\index{Homotopie"aquivalenz!topologische} 
Zwei topologische R\"{a}ume hei"sen {\bf homotopie\"{a}quivalent},
wenn es eine Homotopie"aquivalenz vom einen zum anderen gibt.
\end{Beispiele}

\begin{Bemerkungl}
  In der Linearen Algebra erkl"art man oft Isomorphismen als
  \glqq bijektive Homomorphismen\grqq. Das ist in
  meinen Augen didaktisch
  verwerflich, da es zwar im Fall der Kategorien der Mengen,
  Gruppen, Vektorr"aume, Ringe und K"orper eine alternative Beschreibung
  der Isomorphismen im Sinne der Kategorientheorie liefert, aber
  die korrekte Definition im Fall  allgemeiner
  Kategorien nicht vorspurt, sondern eher verdeckt.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
 Eine stetige Abbildung hei"st {\bf nullhomotop},\index{nullhomotop} wenn sie homotop ist zu einer einwertigen Abbildung alias
 konstanten Abbildung mit nichtleerem Bild, wenn sie also in der Homotopiekategorie "uber den einpunktigen Raum faktorisiert.  
 Ein Raum  $X$  hei"st {\bf zusammenziehbar}\index{zusammenziehbar!topologischer Raum}, wenn er
homotopie\"{a}quivalent
ist zu einem Punkt. Das ist gleichbedeutend dazu, da"s die Identit"at auf $X$
nullhomotop ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Ausgeschrieben ist ein topologischer Raum $X$ also  zusammenziehbar genau dann,
  wenn  es einen Punkt $x_0\in
X$ und
eine stetige Abbildung
$H:X\times [0,1] \ra X$ gibt mit $H(x,0)=x_{0}$ und 
$H(x,1)=x $ f\"{u}r alle $x\in X$.
Zum Beispiel ist jede konvexe Menge $D\subset \DR^{n}$ zusammenziehbar.  
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Eine Kategorie, in der jeder Morphismus ein Isomorphismus ist, hei"st ein
{\bf Gruppoid}.\index{Gruppoid} 
    Man erkl"art zu jedem topologischen Raum $X$  das
    \defnoind{fundamentale Gruppoid}\index{Gruppoid!fundamentales} ${\cal
      W}={\cal W}_X={\cal W}(X)$.\label{GrupFu}
  Seine Objekte sind die
    Punkte von $X$, in Formeln $\op{Ob}(\mathcal W)=X$, und die Morphismenmenge ${\cal W}(x,y)$ besteht aus allen
    Homotopieklassen von Wegen mit Anfangspunkt $x$ und Endpunkt $y$, in
    Formeln
$${\cal W}(x,y)\pdef\pi_1(X,x,y)$$
Die Verkn\"{u}pfung von Morphismen ist das Aneinanderh\"{a}ngen von
Wegen. Man benutzt Lemma \ref{VKN}, um die Axiome einer Kategorie zu
pr\"{u}fen.  Unsere Fundamentalgruppe $\pi_1(X,x)$ ist damit genau das
Monoid der Endomorphismen des Punktes $x$ im fundamentalen Gruppoid, in
Formeln $\pi_1(X,x)={\cal W}_X(x)$.  
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}\label{DefFT}
 Ein \defind{Funktor} $F:{\cal A} \ra
{\cal B}$ von einer Kategorie ${\cal A}$ in eine 
Kategorie ${\cal B}$ ist ein Datum 
bestehend aus:
\begin{enumerate}\renewcommand{\theenumi}{\alph{enumi}}
\item
einer Abbildung $F:\op{Ob} {\cal A} \ra \op{Ob} {\cal B}$, $X\mapsto FX;$
\item
einer Abbildung $F:{{\cal A}} (X,Y) \ra
{{\cal B}} (FX,FY)$, $f\mapsto Ff$ f\"{u}r je zwei Objekte $X,Y \in
\op{Ob} {\cal A}$,
\renewcommand{\theenumi}{\arabic{enumi}}
\end{enumerate}
derart,  da"s  gilt:
\begin{enumerate}
\item $F(f\circ g) = (Ff)\circ (Fg)$ f\"{u}r beliebige verkn\"{u}pfbare
Morphismen
$f$ und $g$ aus der Kategorie ${\cal A};$
\item $ F(\op{id}_{X}) = \op{id}_{FX}$ f\"{u}r jedes Objekt $X\in{\cal A}$.
\end{enumerate}
Ich nenne in diesem Zusammenhang 
 $\mathcal A$ die {\bf Ausgangskategorie}\index{Ausgangskategorie} 
und $\mathcal B$ die {\bf Zielkategorie}\index{Zielkategorie} 
des Funktors $F$. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}\label{MeFFT}
Man gibt bei einem Funktor $F$ meist nur die Abbildung $X\mapsto FX$ auf den
Objekten an in der Hoffnung, da"s dadurch vom Leser erraten werden kann, 
welche Abbildung
$f\mapsto Ff$ auf den Morphismen gemeint ist.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}[\textbf{Die Fundamentalgruppe als Funktor}] 
Man betrachte die Kategorie $\op{Top}^\ast$ der bepunkteten
topologischen R"aume alias 
topologischen R"aume 
mit einem ausgezeichnetem Punkt, dem {\bf Basispunkt}.\index{Basispunkt} 
Morphismen sind stetige Abbildungen, die den ausgezeichnetem Punkt
in den ausgezeichnetem Punkt "uberf"uhren.
Das Bilden der Fundamentalgruppe ist dann ein Funktor
$$\pi_1:\op{Top}^*\ra \op{Grp}$$
 Jedem bepunkteten Raum $(X,x)\in \op{Top}^\ast$
wird eine Gruppe $\pi_1(X,x)\in \op{Grp}$ zugeordnet und jeder
stetigen basispunkterhaltenden Abbildung $f:(X,x)\ra (Y,y)$ 
ein Gruppenhomomorphismus $f_\sharp=\pi_1(f): \pi_1(X,x)\ra \pi_1(Y,y)$.
Da"s diese Daten die Eigenschaften eines Funktors haben,
steht in \ref{FuFu}. Jetzt haben wir allerdings den "Arger, da"s f"ur ein
beliebig vorgegebenes Mengensystem 
$\mathfrak U$ die Fundamentalgruppe keineswegs einen
Funktor  $\pi_1:\mathfrak U\!\op{Top}^*\ra \mathfrak U\!\op{Grp}$ zu
induzieren braucht. Diesem "Arger kann man jedoch entgehen, indem man
annimmt, da"s das
zugrundeliegende Mengensystem ein \glqq Universum\grqq\ im Sinne von 
\eref{defU}{LA2} sein soll, vergleiche auch \eref{StabU}{LA2}. 
Im weiteren will ich diese Feinheiten schlicht ignorieren. 
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}[\textbf{Vorschub als Funktor der fundamentalen Gruppoide}]
  Jede stetige Abbildung $f:X\ra Y$ liefert einen Funktor zwischen den
zugeh"origen fundamentalen Gruppoiden 
$f_\sharp:\mathcal W(X)\ra \mathcal W(Y)$, der ein
Objekt $x\in X$ auf das Objekt $f(x)\in Y$ abbildet und
einen Morphismus $[\gamma]$ auf den Morphismus $[f\circ \gamma]$.
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}[\textbf{Wegzusammenhangskomponenten als Funktor}] 
Das Bilden der Menge der Wegzusammenhangskomponenten eines topologischen Raums
ist  ein Funktor
$\pi_0:\op{Top}\ra \op{Ens}$.\index{p@$\pi_{0}$ Wegzusammenhangskomponenten!als Funktor} Gegeben eine stetige Abbildung $f:X\ra Y$ ist dabei
$\pi_0(f):\pi_0(X)\ra\pi_0(Y)$ zu verstehen als die Abbildung, die jeder
Wegzusammenhangskomponente $Z\in \pi_0(X)$ von $X$ diejenige
Wegzusammenhangskomponente $W\in \pi_0(Y)$ von $Y$ zuordnet, f"ur die gilt
$f(Z)\subset W$.
\end{Beispiel}



\begin{Bemerkungw} 
Man mag die {\bf Homotopiekategorie bepunkteter R"au\-me}\index{Homotopiekategorie!topologische bepunktete}
 betrachten
mit bepunkteten R"aumen als Objekten und Homotopieklassen
f"ur basispunkterhaltende Homotopie alias Homotopie relativ zum Basispunkt
im Sinne von \ref{reHO} als Morphismen. Wir notieren sie 
$\op{hTop}^\ast$.\index{hTop@$\op{hTop}$ Homotopiekategorie!$\op{hTop}^\ast$  topologische bepunktete} So wird 
die Fundamentalgruppe, aufgefa"st als Funktor
$\pi_1:\op{hTop}^\ast\ra \op{Ens}$, dargestellt im Sinne von
\eref{darFF}{LA2} durch 
die bepunktete Kreislinie. Die bepunktete Kreislinie kann
im "Ubrigen versehen werden mit der
Struktur eines \glqq Gruppenobjekts\grqq\
in $(\op{hTop}^\ast)^{\op{opp}}$ im Sinne
von \eref{VkOO}{AAG}. Das
 liefert in diesem Kontext die Gruppenstruktur
auf $\pi_1(X,x)$.
\end{Bemerkungw}





\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
 Ein Morphismus $f \in {{\cal C}} (X,Y) $ in einer Kategorie ist ein
Isomorphismus
genau dann, wenn
es  Morphismen $g,h\in {{\cal C}}(Y,X) $ gibt mit $f\circ
g=\op{id}_{Y}$ und  
$h\circ f=\op{id}_{X}$, und unter diesen Voraussetzungen gilt bereits 
$g=h$. Wir nennen diesen Morphismus dann den 
{\bf inversen Morphismus zu $f$}\index{invers!Morphismus}
und notieren ihn $f^{-1}$.\index{)6aa@$f^{-1}$ inverser Morphismus}
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Gegeben Morphismen $f \in {{\cal C}} (X,Y) $  
und $g\in {{\cal C}}(Y,X) $ in einer Kategorie 
derart, da"s $f\circ g$ und $g\circ f$ 
Isomorphismen sind, m"ussen $f$ und $g$ bereits selbst Isomorphismen sein.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
 Sei $\mathcal C$ eine Kategorie und $f:X\ra Y$ ein Morphismus.
Man zeige, da"s $f$ genau dann ein Isomorphismus ist,
wenn das Vorschalten von $f$ f"ur jedes weitere Objekt $Z$ eine
Bijektion $\mathcal C(Y,Z)\sira \mathcal C(X,Z)$ induziert. 
Man zeige dual, da"s $f$ genau dann ein Isomorphismus ist,
wenn das Nachsschalten von $f$ f"ur jedes weitere Objekt $Z$ eine
Bijektion $\mathcal C(Z,X)\sira \mathcal C(Z,Y)$ induziert.\label{AFYT}
Genauere Aussagen in dieser Richtung macht das sogenannte Yoneda-Lemma 
\eref{YL}{LA2}. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s  eine stetige  Abbildung
$S^n \ra X$ von einer Sph"are in einen topologischen Raum $X$
genau dann nullhomotop ist, wenn sie sich stetig auf das Innere der
Sph"are fortsetzen l"a"st. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{HaeFu} 
  Man zeige, da"s  eine stetige  Abbildung
$f: S^1 \ra \DC^\times$ 
genau dann eine Homotopie"aquivalenz ist, 
wenn sie einen Isomorphismus auf den Fundamentalgruppen 
$\pi_1(S^1,1)\sira \pi_1(\DC^\times,f(1))$ induziert.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}
Ist $Y$ beliebig und $X$ zusammenziehbar, so sind je zwei Abbildungen
$f,g:Y\ra X$ homotop.
Ist zus\"{a}tzlich $Y$ wegzusammenh\"{a}ngend, so sind auch je zwei
Abbildungen $X\ra Y$ homotop.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Jeder zusammenziehbare Raum ist  wegzusammenh\"{a}ngend.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{EKHo}
Die Einbettung $S^n\hra \DR^{n+1}\backslash 0$ ist eine
Homotopie"aquivalenz. Allgemeiner zeige man, da"s f"ur jeden Punkt
$y\in\DR^{n+1}$ und jedes $r\geq 0$ mit $r+\|y\|< 1$ die Einbettung
$S^n\hra \DR^{n+1}\backslash{\op{A}}(y;r)$ eine Homotopie"aquivalenz ist,
f"ur ${\op{A}}(y;r)=\{x\mid \|x-y\|\leq r\}$ der abgeschlossene Ball.
Ebenso zeige man, da"s f"ur jeden Punkt
$y\in\DR^{n+1}$ und jedes $r> 0$ mit $r+\|y\|\leq 1$ die Einbettung
$S^n\hra \DR^{n+1}\backslash{\op{B}}(y;r)$ eine Homotopie"aquivalenz ist. 
\end{Ubung}



\begin{Ubung}[\textbf{Funktoren erhalten Isomorphie}]
Ein Funktor bildet stets Isomorphismen auf Isomorphismen ab.
Insbesondere haben isomorphe Objekte unter einem Funktor
stets isomorphe Bilder.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Homotope Abbildungen $f,g:X\ra Y$ induzieren dieselben Abbildungen auf der
  Menge der Wegzusammenhangskomponenten, in Formeln\label{hhww} 
  $f\cong g \RA \pi_0(f)=\pi_0(g):\pi_0(X)\ra \pi_0(Y)$. Das Bilden der
  Menge der Wegzusammenhangskomponenten liefert mithin sogar einen Funktor
  $$\pi_0:\op{hTop}\ra \op{Ens}$$
\end{Ubung}


\subsection{Homotopie und Fundamentalgruppe}
\begin{Bemerkungl}
Wir untersuchen nun den Zusammenhang zwischen  Fundamentalgruppe
und Homotopie. Zun\"{a}chst interessieren
wir uns daf\"{u}r, wie die Fundamentalgruppe vom Basispunkt abh\"{a}ngt.
Falls es keinen Weg von $x$ nach $y$ gibt, haben $\pi_1(X,x)$
und $\pi_1(X,y)$ nichts miteinander zu tun. Gibt es aber einen Weg,
so erhalten wir isomorphe Gruppen. Genauer gilt: 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\defnoind{Wechsel des Basispunkts}]
Gegeben Punkte $x,y$   eines topologischen Raums $X$ liefert
jeder stetige Weg $\gamma$\label{WBP} 
 von $x$ nach $y$ einen Isomorphismus
$$\begin{array}{lccl}
i_{\gamma}:&\pi_1(X,x)&\sira & \pi_1(X,y)\\
&\left[\al\right]&\mapsto & \left[\gamma\ast\al\ast\bar \gamma\right]
\end{array}$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Hier und im folgenden k\"{u}rzen wir $\al\ast(\beta\ast\gamma)$ mit
$\al\ast\beta\ast\gamma$ ab, f\"{u}r verkn\"{u}pfbare Wege $\al$, $\beta$
und $\gamma$. Wann immer wir diese Notation verwenden, wird
es eh nicht auf die Klammern ankommen,
da wir Wege nur bis auf Homotopie betrachten.
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}[Beweis]
$\al \simeq \al' \Rightarrow \gamma \ast\al\ast\bar\gamma
\simeq \gamma\ast\al'\ast\bar\gamma$ nach Lemma \ref{VKN},
also ist $i_{\gamma}$ wohldefiniert. Wegen
$\bar\gamma\ast \gamma\simeq \varepsilon_x$ und 
$\gamma\ast \bar\gamma\simeq \varepsilon_y$
ist $i_{\bar\gamma}$ invers zu $i_\gamma$ und insbesondere
 $i_\gamma$ eine Bijektion.
Um zu pr\"{u}fen, da"s $i_\gamma$ auch ein Gruppenhomomorphismus ist, rechnen
wir
$$\begin{array}{ccc}
i_{\gamma}(\left[\al\right]\ast\left[\beta\right])&=&
\left[\gamma\ast(\al\ast\beta)\ast\bar\gamma\right]\\
i_{\gamma}(\left[\al\right])\ast i_{\gamma}(\left[\beta\right])&=&
\left[(\gamma\ast\al\ast\bar\gamma)
\ast(\gamma\ast\beta\ast\bar\gamma)\right]\end{array}$$
und sehen, da"s auf der rechten Seite
in der oberen und
 unteren Zeile dieselbe Homotopieklasse steht.
\end{proof}
\begin{proof}[Alternativer Beweis in der Sprache der Kategorien]
 Ist $\gamma:A\sira B$ ein
Isomorphismus zwischen zwei Objekten einer Kategorie  $\mathcal C$, so erhalten wir offensichtlich 
einen Isomorphismus zwischen den
Monoiden der Endomorphismen unserer beiden Objekte  
$$i_\gamma: \mathcal C(A)\sira \mathcal C(B)$$
durch die Vorschrift $i_\gamma:\alpha\mapsto \gamma\alpha\gamma^{-1}$.
Unser Satz \ref{WBP} und sein Beweis spezialisieren 
diese Erkenntnis auf den
Fall des fundamentalen Gruppoids eines topologischen Raums. 
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Homotopie und Fundamentalgruppe}]
Seien stetige Abbildungen $f,g:X\ra Y$ gegeben und sei $H$ eine 
Homotopie von $f$ nach $g$.\label{HuF} 
Sei $x \in X$ ein fest gew\"{a}hlter Basispunkt
 und bezeichne $\gamma$ den Weg
$\gamma (t) =H(x,t)$ von $f(x)$ nach $g(x)$. So
gilt $g_\sharp=i_\gamma\circ f_\sharp$, als da hei"st, es kommutiert
das Diagramm
$$\begin{array}{ccc}
 \pi_1(X,x) &\overset{f_\sharp}{\lra} & \pi_1 (Y,f(x))\\
\parallel&&\;\;\wr\downarrow i_\gamma\\
 \pi_1(X,x) &\overset{g_\sharp}{\lra} & \pi_1 (Y,g(x))
\end{array}$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw} Eine noch etwas allgemeinere und nat"urlichere Aussage d"urfen Sie als "Ubung \ref{FGH} selbst zeigen: Jede Homotopie $H:f\cong g$  induziert eine
 \glqq Isotransformation\grqq\ $H_\sharp:f_\sharp\siRa g_\sharp$ zwischen den auf den fundamentalen Gruppoiden induzierten
  Funktoren. 
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Es gilt zu zeigen
$\bar\gamma\ast(g\circ\al)\ast\gamma\simeq   (f\circ\al) $ f\"{u}r alle
$\al\in \Omega(X,x)$. Es reicht dazu,
eine Homotopie
$ \bar\gamma
\ast(g\circ\al)\ast\gamma\simeq\varepsilon \ast (f\circ\al)\ast \varepsilon$
anzugeben.
Zun"achst ist $H\circ\alpha:[0,1]^2\ra Y$ auf der
unteren Kante $f\circ\alpha$, auf der oberen Kante $g\circ\alpha$ und
auf der linken und rechten Kante $\gamma$. Weiter ist
$[0,1]^2\ra Y$ gegeben durch $(t,\tau)\mapsto \gamma(t\tau)$ auf der
oberen und auf der rechten Kante $\gamma$, auf der unteren und linken Kante
dahingegen konstant $f(x)$. Schlie"slich ist $[0,1]^2\ra Y$ gegeben durch $(t,\tau)\mapsto \gamma((1-t)\tau)$ auf der
 der rechten Kante $\gamma$, auf der oberen Kante $\bar\gamma$ und auf der unteren und linken Kante
 konstant $f(x)$. Setzen wir unsere drei Quadrate richtig  nebeneinander, so verkleben
 unsere Abbildungen l"angs der senkrechten Kanten zu einer stetigen Abbildung
 $[0,3]\times [0,1]\ra Y$ und Umparametrisieren in $x$-Richtung liefert die
 gesuchte Homotopie.
 Unsere Zwischenwege
bestehen anschaulich darin, da"s wir erst $\gamma$ ein St\"{u}ck weit gehen,
dann das mit der Homotopie deformierte $f\circ\al$ herumgehen und
anschlie"send
wieder mit $\gamma$ zur\"{u}ckgehen.
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Fundamentalgruppen homotopie"aquivalenter R"aume}]
Jede Homoto\-pie"aquivalenz induziert
Isomorphismen auf den Fundamentalgruppen.
Jede nullhomotope Abbildung induziert die konstante Abbildung
auf den Fundamentalgruppen.\label{HFA} 
Die Fundamentalgruppe eines zusammenziehbaren Raums ist trivial.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Jede
  stetige Abbildung $f:X\ra X$, die homotop ist zur Identit"at,  induziert die Identit"at auf der Menge der Wegzusammenhangskomponenten. Das folgt formal aus "Ubung \ref{hhww} und ist auch so klar.
  Sie induziert auch Isomorphismen $f_\sharp: \pi_1(X,x)\sira \pi_1(X,f(x))$ nach
  unserem Satz \ref{HuF} "uber Homotopie und
Fundamentalgruppe. 
Ist $u:X\ra Y$ eine Homotopie"aquivalenz, so gibt es per definitionem 
eine Abbildung $v:Y\ra X$   mit $u\circ v\simeq \op{id}$ und
$v\circ u\simeq \op{id}$. Also liefern
$(u\circ v)_\sharp=u_\sharp\circ v_\sharp$ und $(v\circ u)_\sharp=v_\sharp\circ
u_\sharp$
Isomorphismen $\pi_1(X,x)\sira \pi_1(X,v(u(x)))$ und
$\pi_1(Y,y)\sira \pi_1(Y,u(v(y)))$.
Daraus folgt aber sofort, da"s $v_\sharp:\pi_1(Y,u(x))\ra \pi_1(X,v(u(x)))$
f"ur alle $x\in X$ injektiv und surjektiv, mithin ein Isomorphismus sein mu"s.
Ist $y\in Y$ beliebig, so gibt es nach \ref{hhww} einen Punkt $x\in X$ und
einen Weg $\gamma$ von $y$ nach $u(x)$ und da offensichtlich
gilt $v_\sharp \circ i_{\gamma}= i_{v\circ\gamma}\circ  v_\sharp: \pi_1(Y,y)\ra \pi_1(X,v(u(x)))$ mu"s schlie"slich $v_\sharp:\pi_1(Y,y)\ra \pi_1(X,v(y))$
f"ur alle $y\in Y$ ein Isomorphismus sein. 
Die anderen Aussagen des Korollars sind offensichtlich.
\end{proof}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildUlZ}\\[4mm]
\noindent 
In jede Zusammenhangskomponente aus dem Komplement des hier 
gezeichneten Weges habe ich hier die Umlaufzahl des besagten Weges um
einen und jeden Punkt aus besagter Zusammenhangskomponente 
geschrieben.
\end{figure}
\begin{Beispiel}[\textbf{Fundamentalgruppe der punktierten Ebene}]
Wir k"onnen nun ein weiteres Mal beweisen, da"s 
die Fundamentalgruppe des Komplements eines Punktes in der\label{HKPE}
Ebene  zu $\DZ$ isomorph ist: Die Einbettung $S^1\hra\DC^\times$ 
 ist n"amlich nach "Ubung \ref{EKHo} eine
Homotopie"aquivalenz und induziert folglich einen 
Isomorphismus auf den Fundamentalgruppen. In derselben Weise folgt, 
da"s f"ur $x\neq z$ zwei Punkte der komplexen Zahlenebene $\DC$ 
der Weg $t\mapsto z+x\op{exp}(2\pi{{\op{i}}}t)$ einen Erzeuger von
$\pi_1(\DC\backslash z,x)$ repr"asentiert.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben  $\gamma:[0,1]\ra\DC$ ein geschlossener Weg in 
der komplexen Zahlenebene und $z\in\DC\backslash\gamma([0,1])$ ein Punkt,
der nicht auf besagtem Weg liegt, erkl"aren wir die 
{\bf Umlaufzahl}\index{Umlaufzahl!eines Weges!in der Zahlenebene}
 $$\op{Um}(\gamma,z)$$
von unserem Weg $\gamma$ um unseren Punkt $z$ als
diejenige
ganze Zahl $n\in\DZ$, f"ur die $\gamma$ als Weg in $\DC\backslash z$ 
homotop ist zum Weg $t\mapsto z + (\gamma(0)-z)\op{exp}(2\pi {\op{i}} nt)$.
Nach dem vorhergehenden gibt es stets genau eine solche Zahl.
\end{Bemerkungl}





\begin{Proposition}[\textbf{Stetigkeit der Umlaufzahl}]
Gegeben ein geschlossener Weg  $\gamma:[0,1]\ra\DC$ in 
der komplexen Zahlenebene\label{SteU}  
liefert die Umlaufzahl eine stetige
Abbildung $\DC\backslash\gamma([0,1])\ra \DZ$, $z\mapsto \op{Um}(\gamma,z)$,
die auf der unbeschr"ankten Zusammenhangskomponente von 
$\DC\backslash\gamma([0,1])$ verschwindet.
\end{Proposition}
\begin{proof}
  Gegeben  eine offene Kreischeibe von
endlichem Radius $D\co \DC$ und $z\in D$ 
ist $\DC\backslash D\hra \DC\backslash z$
eine Homotopie"aquivalenz und induziert folglich einen
Isomorphismus auf den Fundamentalgruppen.
Trifft unser geschlossener Weg $\gamma$ die Kreisscheibe $D$ nicht
und ist zus"atzlich der Durchmesser von $D$ kleiner als der Abstand von $D$ zu $\gamma(0)$, so kann die Umlaufzahl  $\op{Um}(\gamma,z)$ mithin 
 beschrieben werden  als
diejenige
ganze Zahl $n\in\DZ$, f"ur die $\gamma$ als Weg in $\DC\backslash D$ 
homotop ist zum Weg $t\mapsto z + (\gamma(0)-z)\op{exp}(2\pi {\op{i}} nt)$.
Alle diese Wege f"ur verschiedene $z\in D$ sind jedoch offensichtlich zueinander homotop in $\DC\backslash D$. 
Das zeigt, da"s die Umlaufzahl von
$\gamma$ um alle Punkte von $D$ dieselbe sein mu"s.
Liegt schlie"slich $z$ au"serhalb einer Kreisscheibe $K$, die das
Bild unseres Weges umfa"st, so ist unser Weg in $K$ und erst recht in
$\DC\backslash z$ zusammenziehbar und mu"s um $z$ die Umlaufzahl Null haben. 
\end{proof}
  \begin{Satz*}[\textbf{Umlaufzahlen kreuzungsfreier  Wege in der Ebene}] 
    Ein geschlossener Weg in der punktierten Ebene $\gamma:[0,1]\ra
    \DC^\times$, der in der Fundamentalgruppe
$\pi_1(\DC^\times,1)$ weder 
das neutrale Element\label{InWW} 
    noch einen Erzeuger repr"asentiert, kann nicht auf $(0,1]$ injektiv sein.
\end{Satz*}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUllZ}\\[4mm]
\noindent 
Ein geschlossener Weg in der punktierten Ebene mit Umlaufzahl Drei
um den als Kreuz eingezeichneten Punkt, der \glqq so injektiv ist wie 
irgend m"oglich\grqq.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
  Einen alternativen Beweis, der auch 
h"oherdimensionale Analoga unserer Aussage zeigt, geben wir in \eref{KGDb}{TG}. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
Repr"asentiert ein Weg $\gamma:[0,1]\ra \DC^\times$  das $n$-fache eines
Erzeugers der Fundamentalgruppe und gilt $n\neq 0$, 
so k"onnen wir nach \ref{FuPE} 
einen Lift $\tilde\gamma:[0,1]\ra \DC$ finden alias eine stetige Abbildung mit
$\op{Exp}\circ\tilde\gamma=\gamma$, und dann ist 
  $\alpha:[0,1]\ra \DC^\times$ mit $\alpha(t)=\op{Exp}\circ\tilde\gamma(t/n)$ 
ein geschlossener Weg mit 
  $\gamma(t)=\alpha(t)^n$ f"ur alle $t$. Induzierte nun $\gamma$ eine
  Einbettung $\hat{\gamma}:S^1\hra \DC^\times$, so h"atte die von
$\alpha$ induzierte Abbildung $\hat{\alpha}:S^1\hra \DC^\times$ die Eigenschaft
  $z\neq w\RA \hat{\alpha}(z)\neq \zeta \hat{\alpha}(w)$ f"ur jede $n$-te
  Einheitswurzel $\zeta\neq 1$. Wir erhielten mithin
  f"ur jede $n$-te
  Einheitswurzel $\zeta\neq 1$ eine stetige Abbildung
  $$\varphi=\varphi_\zeta:S^1\times S^1\ra \DC^\times$$ durch die Vorschrift
  $\varphi(z,w)=\hat{\alpha}(z)-\zeta\hat{\alpha}(w)$. 
Nun betrachten wir das Diagramm
\begin{displaymath}
 \xymatrix{
S^1 \ar[dr]^-{(\op{id},1)} & & \\
S^1 \ar[r]^-{(\op{id},\op{id})} & S^1\times S^1 \ar[r]^-{\varphi} &\mathbb C^\times\\
S^1 \ar[ur]_-{(1,\op{id})} & &
}
\end{displaymath}
Ich behaupte, da"s darin 
alle drei Kompositionen Homotopie"aquivalenzen sind alias, nach "Ubung 
\ref{HaeFu} gleichbedeutend, 
da"s sie Isomorphismen auf den Fundamentalgruppen induzieren.
Zun"achst induziert nach Konstruktion $\hat \alpha : S^1 \rightarrow \mathbb C^\times $ einen Isomorphismus
auf den Fundamentalgruppen und ist also eine Homotopie"aquivalenz. Dasselbe gilt f"ur
die mittlere Komposition $z \mapsto (1 - \zeta) \hat\alpha (z)$, denn sie ist zu $\hat\alpha$
homotop.
Die obere Komposition hinwiederum ist homotop zu $z \mapsto \hat\alpha (z) - \zeta \hat\alpha (w)$
f"ur alle $w \in S^1$.
W"ahlen wir $w_0$ mit $| \hat \alpha (w_0)|$ kleinstm"oglich, so liegt $\zeta \hat\alpha (w_0)$ in derselben
Komponente von $\mathbb C \backslash \hat\alpha (S^1)$ wie der Ursprung.
Aus der Stetigkeit der Umlaufzahl \ref{SteU} folgt $\op{Um} (\alpha, \zeta \hat\alpha (w_0)) = \op{Um} (\alpha, 0)
=1$ und damit ist $z \mapsto \hat\alpha (z) - \zeta \hat\alpha (w)$ eine Homotopie"aquivalenz erst f"ur
$w = w_0$ und dann f"ur alle $w$, insbesondere auch f"ur $w =1$.
F"ur die untere Komposition argumentiert man genauso, also haben wir  in der Tat drei Homotopie"aquivalenzen vor uns.
Das aber widerspricht der Tatsache, da"s nach \ref{ReRi}  f"ur $c \in \pi_1 (S^1, 1)$ gilt
\begin{equation*}
 (\op{id}, 1)_\sharp c  + (1, \op{id})_\sharp c  = (\op{id},\op{id})_\sharp c 
\end{equation*}
und damit
$
 \varphi_\sharp (\op{id}, 1)_\sharp c  + \varphi_\sharp (1, \op{id})_\sharp c  = \varphi_\sharp (\op{id}, \op{id})_\sharp c 
$
in $\pi_1 (\mathbb C^\times , 1)$ im Widerspruch dazu, da"s f"ur jeden  Erzeuger $c $ von  $\pi_1 (S^1, 1)$ alle diese drei Elemente nach dem
bereits Bewiesenen 
Erzeuger von $\pi_1 (\mathbb C^\times , 1)$ sein m"ussen.
\end{proof}




\begin{Proposition*}[\textbf{Schleifenf"ullende Komplemente}] 
 Sei $V$ ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum 
und $W \subset V$ ein Teilraum der Kodimension zwei.\label{NNNfe} 
So ist f"ur $I \subsetneq W$ eine echte Teilmenge 
das Komplement $V \backslash I$ schleifenf"ullend, f"ur alle Punkte $\ast$ unseres Komplements gilt also 
in Formeln 
$$\pi_1 (V\backslash I, \ast) = 1$$
\end{Proposition*}
\begin{proof}
  Den Fall $I\As W$ haben Sie bereits in \ref{NNNf} behandelt.  Um das
  im allgemeinen zu sehen, d"urfen wir $V = \mathbb C \times Y$
  annehmen mit einem endlichdimensionalen Vektorraum $Y$ und
  $W=0\times Y$.  Es gilt f"ur irgendeinen Basispunkt $\ast$ zu
  zeigen, da"s gilt $ \pi_1 (V\backslash I, \ast) = 1$, etwa f"ur den
  Basispunkt $ \ast \pdef(1,0)$.  Es reicht zu zeigen, da"s jeder
  geschlossene Weg von $\ast$ nach $\ast$ homotop ist in $V \backslash
  W$, denn die Abbildung $\pi_1 (V\backslash W, \ast) \rightarrow
  \pi_1 (V \backslash I, \ast)$ ist sicher konstant.  Es reicht also
  zu zeigen, da"s jeder Weg $\gamma \in \Omega (V \backslash I,
  \ast)$, der $W$ trifft, homotop ist zum konstanten Weg. Wir
  schreiben dazu $\gamma (t) = (z (t), y (t))$.  Auf $U \pdef\{ t \in
  [0,1] \mid z (t) \neq 0\}$ k"onnen wir dann $\varphi : U \rightarrow
  S^1$ erkl"aren durch $\varphi (t) = z (t) /|z (t)|$.  Nun gilt $U
  \co [0,1]$ und $ 0,1 \in U$, aber nach Annahme $U \neq [0,1]$.
  Mithin existiert ein stetiger Lift $\tilde \varphi : U \rightarrow
  {\op{i}} \mathbb R$ mit $\tilde \varphi (0)= \tilde \varphi (1) =0$
  und $\varphi (t) = \exp (\tilde\varphi (t))$ f"ur alle $t \in U$. Es
  gilt also $z (t) = \exp (\tilde\varphi (t)) | z (t)|$ f"ur alle $t
  \in U$.  Jetzt erkl"aren wir $h : [0,1]^2 \rightarrow V \backslash
  I$ durch die Vorschrift
  \begin{displaymath}
    \begin{array}{ccl}
      h (t, \tau) &= & \left\{ \begin{array}{cl}
          (\exp (\tilde\varphi (\tau t)) |z(t)|, y(t)) &\text{falls } t \in U,\\
          (0, y(t)) & \text{sonst.} \end{array} \right.
    \end{array}
  \end{displaymath}
  Diese Abbildung ist sicher stetig an allen Stellen $(t, \tau)$ mit
  $t \in U$.  An Stellen $(t, \tau)$ mit $t \not \in U$ kann man die
  Stetigkeit aber auch zeigen, da in einer Umgebung von $t \not \in U$
  unser $|z (t)|$ sehr klein sein mu"s.  Damit ist $h (t, \tau)$ eine
  Homotopie in $V \backslash I$ zwischen unserem Weg $\gamma$ und dem
  Weg $t \mapsto (|z (t)|, y(t))$, der seinerseits offensichtlich in
  $V \backslash I$ zusammenziehbar ist.
\end{proof}











\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubunge}
  Feiner liefert der 
Beweis von \ref{InWW}
 bei Betrachtung aller $n$-ten Einheitwurzeln $\zeta\neq
  1$, da"s der in gewisser Weise
die Zahl der Selbst"uberkreuzungen messende Ausdruck
$\sum_{p\in\gamma[0,1]} (|\gamma^{-1}(p)|-1)$
  mindestens so gro"s sein mu"s wie der Betrag der Umlaufzahl.
Das mag der Leser zur  "Ubung ausarbeiten.
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
F"ur die Basispunktwechselisomorphismen $i_\gamma$ aus
\ref{WBP} zeige man: 
Homotope Wege liefern denselben Isomorphismus, in Formeln
$\gamma\simeq \delta\RA i_{\gamma}=i_{\delta}$. Au"serdem gilt
$i_{\gamma\ast\delta}=i_{\gamma}\circ i_{\delta}$ f\"{u}r verkn\"{u}pfbare
Wege $\gamma,\delta$,
f"ur $\gamma$ ein Weg von $x$ zu sich selbst ist $i_{\gamma}=\op{int}\gamma$
die Konjugation mit $\gamma$, und 
 f\"{u}r den
konstanten Weg $\varepsilon=\varepsilon_x$ ist speziell 
$i_{\varepsilon}$ die
Identit\"{a}t auf $\pi_1(X,x)$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Fundamentalgruppe und freie Homotopie}] 
  Gegeben ein bepunkteter wegzusammenh"angender
  Raum $(X,x)$ zeige man, da"s die
  Abbildung $\Omega(X,x)\ra \op{hTop}(S^1,X)$, die jedem geschlossenen  Weg
  $\gamma: [0,1]\ra X$ die Homotopieklasse der induzierten Abbildung
  $\tilde\gamma: S^1\ra X$ zuordnet, eine Bijektion zwischen der Menge der
  Konjugationsklassen in $\pi_1(X,x)$ und $\op{hTop}(S^1,X)$ induziert.\label{fugz} 
\end{Ubung}
  
\begin{Ubung}[\textbf{Fundamentalsatz der Algebra}] 
Man zeige den Fundamentalsatz der Algebra 
mit den hier entwickelten\label{FSAT} 
Methoden. Man zeige also in anderen Worten,
da"s jedes nichtkonstante Polynom mit komplexen Koeffizienten
eine Nullstelle hat. Hinweis: Hat unsere Polynomfunktion $P:\DC\ra\DC$
keine Nullstelle, so sind die Abbildungen $P_\tau: S^1\ra \DC^\times$,
$z\mapsto P(\tau z)$ alle homotop zur konstanten Abbildung $P_0$.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}\label{GeKr}
Man zeige, da"s die Fundamentalgruppe des Komplements einer
Gerade im $\DR^3$ isomorph ist zu $\DZ$.
Man zeige, da"s die Fundamentalgruppe des Raums,
der entsteht, wenn man aus dem $\DR^3$ 
die $z$-Achse sowie den Einheitskreis in der
$xy$-Ebene herausnimmt, isomorph ist zu $\DZ\times\DZ$.
Hinweis: \ref{ReRi}. Eventuell ben"otigte Homotopien
sollen anschaulich plausibel gemacht werden, eine formelhafte 
Ausarbeitung ist nicht gefordert.   
\end{Ubung}

\subsection{Abelisierte Fundamentalgruppe*}
\begin{Definition}
Gegeben eine Gruppe $G$  definiert man ihren
{\bf maximalen kommutativen Quotienten}, auch genannt
ihre {\bf
  Abelisierung},\index{Abelisierung}\label{Abel}\index{ab@$G^{\op{ab}}$
  Abelisierung}  
als den Quotienten $$G^{\op{ab}} \pdef G / (G,G)$$ nach dem
Normalteiler $(G,G) \subset G$, der von allen {\bf Kommutatoren}
\index{Kommutator!in Gruppe} 
$ghg^{-1}h^{-1}$ mit $g, h \in G$ erzeugt wird. Die Untergruppe
$(G,G)$ hei"st im "ubrigen
die {\bf derivierte Gruppe}\index{derivierte Gruppe} 
von $G$.  
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Notation}] 
Die Notation $(G, G)$ geht zur"uck auf die in der Gruppentheorie
"ubliche Notation $ghg^{-1}h^{-1} \defp (g,h)$ f"ur den Kommutator.
Im Sinne unserer allgemeinen Konvention \eref{Verk}{GR}  
sollte nat"urlich
$(G,G)$ eigentlich nur die Menge aller Kommutatoren aus $G$ bezeichnen
und der davon erzeugte Normalteiler sollte $\langle\!\langle(
G,G)\rangle\!\rangle$ notiert werden. Da aber  letzteres Konzept
soviel h"aufiger vorkommt, ist es "ublich, hier eine Ausnahme zu machen
und mit $(G,G)$ kurzerhand  den von den Kommutatoren erzeugten Normalteiler
zu bezeichnen, der nebenbei bemerkt mit der von den Kommutatoren erzeugten
Untergruppe "ubereinstimmt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Lemma}[\textbf{Universelle Eigenschaft der Abelisierung}]
F"ur jede Gruppe $G$ 
 ist ihre Abelisierung $G^{\op{ab}}$  eine abelsche Gruppe, und
jeder Morphismus von $G$ in eine abelsche Gruppe\label{UEAb} 
faktorisiert "uber $G^{\op{ab}}$. In Formeln liefert also f"ur jede abelsche
 Gruppe
$A$ das Verkn"upfen mit der Projektion $G\sra G^{\op{ab}}$ eine Bijektion
$$\op{Grp}(G^{\op{ab}},A)\sira \op{Grp}(G,A)$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Dem Leser "uberlassen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  Ist $X$ ein wegzusammenh"angender Raum 
 und sind $x,y\in X$  Punkte, so 
liefern nach \ref{WBP} je zwei Wege $\gamma$ von $x$ nach $y$ denselben Isomorphismus
$i_\gamma:\pi_1(X,x)^{\op{ab}}\sira \pi_1(X,y)^{\op{ab}}$, 
den wir dann auch $i_{yx}$ nennen
d"urfen, und f"ur je drei Punkte $x,y,z$ gilt
$i_{zx}=i_{zy}i_{yx}$. Folglich k"onnen wir f"ur jeden 
wegzusammenh"angenden Raum $X$ 
die 
{\bf basispunktfreie abelisierte
  Fundamentalgruppe}\index{Fundamentalgruppe!basispunktfreie}\label{bpfa}  
erkl"aren als die 
Untergruppe\index{p@$\pi_1(X)^{\op{ab}}$ basispunktfreie Fundamentalgruppe} 
$$\pi_1(X)^{\op{ab}}\subset\prod_{x\in X}\pi_1(X,x)^{\op{ab}}$$
aller Tupel $(\alpha_x)_{x\in X}$ mit 
$i_{yx}(\alpha_x)=(\alpha_y)$ f"ur alle $x,y\in X$. Die Projektion auf den
entsprechenden Faktor liefert dann f"ur jeden Punkt einen kanonischen 
Isomorphismus $\pi_1(X)^{\op{ab}}\sira \pi_1(X,x)^{\op{ab}}$.
Sind alle Fundamentalgruppen eh abelsch, so schreiben wir statt
 $\pi_1(X)^{\op{ab}}$ auch k"urzer $\pi_1(X)$.
Ist weiter $f:X\ra Y$ eine stetige Abbildung von wegzusammenh"angenden 
R"aumen, so gibt es genau einen Gruppenhomomorphismus
$f_\sharp: \pi_1(X)^{\op{ab}}\ra \pi_1(Y)^{\op{ab}}$, der f"ur alle $x\in X$ 
mit unseren
$f_\sharp: \pi_1(X,x)\ra \pi_1(Y,f(x))$ vertr"aglich ist in der 
hoffentlich offensichtlichen Weise. Wir erhalten so einen Funktor
$X\mapsto \pi_1(X)^{\op{ab}}$ von der Kategorie der wegzusammenh"angenden
topologischen R"aume in die Kategorie der abelschen Gruppen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}[\textbf{Umlaufzahl und Orientierung}]
  Wir betrachten die Kategorie
  $\op{Mod}_\DR(2)^\times$ mit zweidimensionalen reellen Vektorr"aumen
  als Objekten und Vektorraumisomorphismen als Morphismen. 
  Wir erhalten einen Funktor
  $$\op{dreh}:\op{Mod}_\DR(2)^\times\ra \op{Ens}$$
  durch die Vorschrift, da"s wir jedem zweidimensionalen reellen Vektorraum $V$ die
  Menge \index{Drehsinn!als Funktor} 
  der beiden Erzeuger der basispunktfreien abelisierten Fundamentalgruppe $\pi_1(V\backslash 0)^{\op{ab}}$ des Komplements des Ursprungs zuordnen. 
  Andererseits erinnern wir den Funktor $\op{or}:\op{Mod}_\DR(2)^\times\ra \op{Ens}$ aus \eref{KPOjn}{LA1}, der jedem
  zweidimensionalen reellen Vektorraum die Menge seiner
  beiden Orientierungen zuordnet.
  Es gibt nun offensichtlich genau zwei Transformationen
  $\op{or}\RA\op{dreh}$ und ebenso offensichtlich sind sie beide
  Isotransformationen. Wir vereinbaren, da"s wir von nun an
  diejenige dieser beiden Transformationen als die
  {\bf Standardtransformation}\index{Standardtransformation!$\op{or}\RA\op{dreh}$}
  $$\op{std}: \op{or}\siRa\op{dreh}$$ auszeichnen, die unserer Standardorientierung von $\DC$
  vermittels der angeordneten Basis $(1,{\op{i}})$ 
  den durch $t\mapsto \op{exp}(2\pi{\op{i}}t)$ repr"asentierten Erzeuger
  der Fundamentalgruppe von $\DC\backslash 0$ zuordnet.
  Mit dem {\bf durch eine Orientierung gegebenen Drehsinn}\index{Drehsinn!zu einer Orientierung} 
  meinen wir den durch diese Standardtransformation unserer Orientierung
  zugeordneten Drehsinn.\label{Drehs} 
\end{Bemerkungw}
\subsection{Selbsthomotopien der Kreislinie}
\begin{Satz}[\textbf{Selbstabbildungen
der Kreislinie bis auf Homotopie}] Man erh"alt eine Bijektion zwischen 
der Menge der ganzen Zahlen und\label{SAK}
der Menge aller Homotopieklassen von Selbstabbildungen
der Kreislinie, indem
man jeder ganzen Zahl $n\in\DZ$ die
Homotopieklasse des $n$-fachen Potenzierens $S^1\ra S^1$, $z\mapsto
z^n$ zuordnet. In Formeln haben wir also eine Bijektion
$$\begin{array}{ccc}
\DZ&\sira &\op{hTop}(S^1,S^1)\\
n&\mapsto&[z\mapsto z^n]
\end{array}$$
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Mit dem {\bf Abbildungsgrad}\index{Abbildungsgrad!bei Kreislinie} 
$\op{grad}(f)$ einer stetigen Selbstabbildung
der Kreislinie $f:S^1\ra S^1$  meint man das Urbild ihrer Homotopieklasse unter
dieser Bijektion. In anderen Worten ist also
der Abbildungsgrad einer stetigen Selbstabbildung $f:S^1\ra S^1$
diejenige ganze Zahl $n\in\DZ$, f"ur die $f$ homotop ist zu
 $z\mapsto z^n$. In \eref{AbGG}{TS} f"uhren wir allgemeiner 
den Abbildungsgrad  stetiger Abbildungen zwischen \glqq kompakten
orientierten zusammenh"angenden Mannigfaltigkeiten
derselben Dimension\grqq\  ein.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Eine Selbstabbildung der Kreislinie, die nicht surjektiv ist, ist nullhomotop.
  Eine nicht nullhomotope Selbstabbildung der Kreislinie mu"s also surjektiv sein.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSAK}\\[4mm]
\noindent 
Eine Selbstabbildung der Kreislinie vom Abbildungsgrad $(-3)$.
\end{figure}
\begin{proof}[Beweis]
  Das folgt sofort aus "Ubung \ref{fugz} "uber den Zusammenhang zwischen
  freier Homotopie geschlossener Wege und Fundamentalgruppe.
\end{proof}

\begin{proof}[Zweiter Beweis]
Wir konstruieren explizit eine Inverse zur
Zuordnung aus unserem Satz. Dazu erinnern wir an unsere Abbildung
$\op{Exp}:\DR\ra S^1$, $t\mapsto \op{exp}(2\pi {\op{i}} t)$.
Sei $f : S^{1}\ra S^{1}$ stetig.
Da wir den Begriff des Abbildungsgrads eben schon vergeben haben,
erkl"aren wir nur f"ur diesen Beweis die {\bf Gangh"ohe} 
$\op{gh} (f) \in \DZ$ von $f$
durch die Formel $\op{gh} (f) = \tilde{f}(1) - \tilde{f}(0)$, wo
$\tilde{f} :[0,1]\ra \DR$ ein beliebiger Lift von $f\circ \op{Exp}:[0,1]\ra S^1$ ist,
als da hei"st eine Abbildung derart, da"s
das folgende Diagramm kommutiert:
$$\begin{array}{rcl}
[0,1] & \overset{\tilde{f}}{\longrightarrow}&\DR \\
\op{Exp} \downarrow \;& & \downarrow \op{Exp} \\
S^{1} & \overset{f}{\longrightarrow} & S^{1}
\end{array}$$
Nach \ref{WL} gibt es stets solch ein $\tilde{f}$ und es ist sogar
eindeutig bis auf eine additive Konstante aus $\DZ$. Folglich ist
die Gangh"ohe $\op{gh} (f)$ wohldefiniert.

\begin{Lemma}\label{tre} 
Genau dann sind zwei Selbstabbildungen der Kreislinie homotop,
wenn sie dieselbe Gangh"ohe haben. \nichtfinal{Besseres Bild, $\op{pr}_1\times\tilde H$ malen!} 
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Seien $f,g:S^1\ra S^1$ gegeben und sei
$H : S^{1} \times [0,1] \ra S^{1}$ eine Homotopie von $f$ nach $g$.
Nach unseren Erkenntnissen \ref{HlL} 
zum Liften von auf dem Einheitsquadrat definierten Abbildungen
finden wir $\tilde{H}: [0,1]\times [0,1] \ra \DR$
derart, da"s folgendes Diagramm kommutiert:
$$\begin{array}{ccl}
[0,1]\times [0,1] & \overset{\tilde{H}}{\longrightarrow} &\DR\\
\op{Exp} \times \op{id} \downarrow \;\;\;\;& & \downarrow \op{Exp} \\
S^{1} \times [0,1] & \overset{H}{\longrightarrow} &S^{1}
\end{array}$$
Es folgt $\tilde{H}(0,\tau) - \tilde{H}(1,\tau) \in \DZ \quad \forall
\tau$, mithin ist diese Abbildung konstant und wir erhalten $\op{gh}
(f) = \op{gh} (g)$.
Also haben homotope Selbstabbildungen der Kreislinie dieselbe
Gangh"ohe.
Seien umgekehrt $f,g : S^{1} \ra S^{1}$ zwei stetige Selbstabbildungen der
Kreislinie mit derselben Gangh"ohe. Es gilt zu zeigen, da"s sie homotop
sind. Seien dazu $\tilde{f} , \tilde{g} :[0,1]
\ra \DR$ gew"ahlt wie in der Definition der Gangh"ohe. 
Wir erkl"aren $\tilde{H}
: [0,1] \times [0,1] \ra \DR$ durch die Vorschrift $$\tilde{H} (t,\tau) =
(1-\tau)
\tilde{f}(t) + \tau \tilde{g}(t)$$
Aus $\op{gh} (f) = \op{gh} (g)$ folgt nun
$\tilde{H} (0,\tau)+\op{gh} (f)= \tilde{H} (1,\tau) $, also $(\op{Exp} \circ
\tilde{H})(0,\tau)
=(\op{Exp} \circ \tilde{H})(1,\tau)$
f\"{u}r alle $\tau$. Folglich gibt es eine Abbildung von Mengen
$H$ wie in der unteren Zeile des obigen Diagramms derart, da"s das Diagramm
kommutiert.
Da $\op{Exp} \times \op{id} :[0,1]\times [0,1] \ra
S^{1}\times
[0,1]$ nach \eref{IIA}{TM} final ist, ist  $H$ sogar stetig.
Das ist dann die gesuchte Homotopie von $f$ nach $g$.
\end{proof}\noindent
Nach Lemma \ref{tre} liefert unsere Gangh"ohe eine Injektion
$$\op{gh}: \op{hTop}(S^1,S^1)\hra\DZ$$
Aus den Definitionen folgt m"uhelos, da"s $z\mapsto z^n$ die
Gangh"ohe $n$ hat. Der Satz ist bewiesen und wir haben zus"atzlich
gezeigt, da"s der Abbildungsgrad mit der Gangh"ohe "ubereinstimmt, in Formeln
$\op{grad}(f)=\op{gh}(f)$.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl} Wir nennen eine Abbildung $f$ {\bf gerade} beziehungsweise
  {\bf ungerade}, wenn gilt $f(-x)=f(x)$ beziehungsweise $f(-x)=-f(x)$ f"ur alle $x$, und das in gro"ser Allgemeinheit und einem vors"atzlich offen
  gelassenen Kontext.
\end{Bemerkungl}
\begin{Proposition}\label{ug}
Jede stetige ungerade Selbstabbildung der Kreislinie
 hat ungeraden Abbildungsgrad und ist insbesondere nie
nullhomotop.
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Versuch einer Veranschaulichung}]
  Sei $f:S^1\ra S^1$ unsere stetige ungerade Selbstabbildung der Kreislinie.
  Das Urbild $$\tilde\Gamma\pdef \{(x,y)\in\DR^2\mid \op{Exp}(y)=f(\op{Exp}(x))\}$$
  des Graphen von $f$ unter $\op{Exp}\times \op{Exp}$ ist dann stabil
  unter der Verschiebung mit den Vektoren $\pm(1,0)$, $\pm (0,1)$ und $\pm(1/2,1/2)$ und
  zu jedem $x$ haben je zwei $y,z$ mit $(x,y),(x,z)\in\tilde\Gamma$ ganzzahlige Differenz $y-z\in\DZ$. 
\end{Bemerkungl}

  
  
\begin{proof}[Beweis] In Formeln gilt es zu zeigen, 
da"s f"ur $f : S^{1} \ra S^{1}$ stetig mit
$f(-x) = -f(x) \; \forall x$ der Abbildungsgrad
von $f$ notwendig ungerade ist.
Nach \ref{WL} finden wir stets $\tilde{f} : \DR \ra \DR$ stetig derart, da"s
folgendes Diagramm kommutiert:
$$\begin{array}{ccc}
\DR & \overset{\tilde{f}}{\longrightarrow} & \DR \\
\op{Exp} \downarrow \;\;\;\;\;\;\;& &\;\;\;\;\;\;\; \downarrow \op{Exp} \\
S^{1} & \overset{f}{\longrightarrow} & S^{1}
\end{array}$$
Aus $f(-x) = -f (x)$ folgt $\tilde{f} (t + {\frac{1}{2}}) \in \tilde{f}
(t) + {\frac{1}{2}} + \DZ$ f\"{u}r alle $t$, es gibt also ein $k \in \DZ$ mit
$\tilde{f}(t + {\frac{1}{2}})= \tilde{f}(t) + {\frac{1}{2}} +k \; \forall
t \in \DR$.
Wir erhalten insbesondere
$$\begin{array}{ccl}
\tilde{f} (1) & =& \tilde{f}(\frac{1}{2}) + {\frac{1}{2}} + k \\
& =& \tilde{f}(0) +1+ 2 k
\end{array}$$
und folglich $\op{grad} (f) =\op{gh}( f) = 1 + 2 k$.
\end{proof}

\begin{Satz}[\defind{Borsuk-Ulam}]
Jede stetige ungerade Abbildung von der Kugelschale in die
Ebene hat eine Nullstelle.\label{BU}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Versuchen wir einmal, uns das vorzustellen. Eine ungerade
  Abbildung $f_1:S^2\ra\DR$, die nicht identisch verschwindet, nimmt an einer
  Stelle einen positiven Wert an und gegen"uber einen negativen Wert.
  Denken wir uns ihre Nullstellenmenge als die Menge der
  Punkte auf einem Globus, an denen Land ist und nicht Meer,
  so k"onnten wir nicht mit
  einem Schiff vom Norpol zum Südpol segeln.
  Es ist dann zumindest anschaulich klar, da"s es auf unserer Landmasse
  zwei ge\-gen\-"uber\-lie\-gen\-de St"adte geben sollte derart, da"s wir
 trockenen
 Fu"ses von der einen zur anderen wandern k"onnen, mit beliebig kleiner
 positiv vorgegebener erlaubter Schrittweite. 
 H"atten wir nun eine zweite
  ungerade Funktion $f_2$ und  h"atten $f_1,f_2$  keine gemeinsame
  Nullstelle, so k"onnten wir von einer dieser St"adte zur anderen gehen ohne
  Nullstellen von $f_2$ zu treffen. Das st"unde jedoch  im Widerspruch zur Stetigkeit
  von $f_2$. Ein "ahnliches Resultat wird in \eref{WPR2}{TS} diskutiert.
  Diese "Uberlegungen m"ogen den Satz anschaulicher machen, d"urfen aber
  nicht als Beweisskizze geschweige denn als Beweis mi"sverstanden werden. 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Gegeben $f : S^{2}\ra \DR^{2}$ stetig mit $f(-x) = -f(x) \; \forall
x \in S^{2}$ gilt es zu zeigen,
da"s ein $x\in S^2$ existiert mit  $f(x)=0$. 
Sonst w\"{a}re jedoch $x \mapsto f(x) / \|f(x) \|$ eine stetige 
ungerade Abbildung $g : S^{2}
\ra S^{1}$.
Die Einschr\"{a}nkung von $g$ auf den \"{A}quator $S^{1} \subset S^{2}$
w\"{a}re also 
nicht nullhomotop nach Proposition \ref{ug}, aber sie faktorisiert
\"{u}ber
die zusammenziehbare n\"{o}rdliche Hemisph\"{a}re $S^{2}_{+} \subset S^{2}$.
Widerspruch!
\end{proof}
\begin{Korollar}[\textbf{Das Plattdr"ucken einer Kugelschale ist nie injektiv}] 
  F\"{u}r jede stetige Abbildung der Kugelschale in die Ebene gibt es
   sogar 
ein Paar von gegen"uberliegenden Punkten  der Kugelschale,
die auf denselben Punkt der Ebene abgebildet werden.\label{KBU} 
\end{Korollar}

  
\begin{Bemerkungl}
Da"s eine stetige 
 Abbildung von der Kugelschale in die Ebene nie injektiv sein kann,
ist Ihnen hoffentlich anschaulich sofort klar.  
Ich kenne jedoch 
keinen einfacheren Beweis.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $h:S^2\ra \DR^2$ unsere stetige Abbildung.
G"abe es kein $x\in S^2$
mit $h(x)=h(-x)$,
so w\"{a}re $f : S^{2}\ra \DR^{2}$, $f(x)=h(x)-h(-x)$ stetig 
und ungerade ohne
Nullstelle, im Widerspruch zum Satz \ref{BU} Borsuk-Ulam.
\end{proof}
\begin{Korollar}[\defnoind{Satz vom Butterbrot mit 
Schinken}]\index{Butterbrot mit Schinken!Satz vom}
Gegeben drei kompakte Teilmengen des Raums gibt es stets  eine
Ebene, die sie alle drei  in  jeweils zwei volumengleiche
Teile teilt.
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
Ist also ein Butterbrot mit Schinken gegeben und 
betrachtet man die Mengen der
Punkte des Raums,
an denen sich Schinken beziehungsweise Butter beziehungsweise  Brot befindet, so kann man mit
einem Schnitt  das Brot so teilen, 
da"s zwei Hungrige jeweils gleichviel
sowohl vom Schinken, als auch von der Butter als auch  vom Brot erhalten.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Um dieses Korollar zu beweisen, formulieren wir es zun"achst einmal 
um.
Seien $A,B,C\subset\DR^3$ unsere drei Kompakta.
Sicher
finden wir eine stetige Abbildung $\al : S^{2} \ra \DR$ derart,
da"s f\"{u}r alle $x \in S^{2}$ die Ebene durch den Punkt $\al (x) x$ mit
Normalenvektor $x$ die Menge $A$ halbiert: Hat $A$ nicht
Volumen Null, so ordnen wir zum Beispiel
jedem $x$ das  maximal m"ogliche $\al (x)$  zu,
sonst d"urfen wir $\al (x)$
eh beliebig w"ahlen.
Sicher d\"{u}rfen wir weiter sogar $\al$ 
ungerade 
annehmen, indem wir sonst $\al$ durch $ (\al (x)
-\al (-x))/2$ ersetzen.
Ebenso finden wir 
stetige ungerade 
$\beta, \gamma : S^{2} \ra \DR$ f\"{u}r $B$ und $C$, und
es gilt zu zeigen, da"s wir $x \in S^{2}$ finden mit $\al (x) = \beta (x)
=\gamma (x)$.
Nach
dem Satz \ref{BU} von
Borsuk-Ulam hat aber jede  stetige ungerade Abbildung
von der Kugelschale in die Ebene eine Nullstelle, insbesondere
also auch die Abbildung
\begin{equation*}
\begin{array}[b]{cccl}
f:& S^{2} & \ra & \DR^{2}\\
&x & \mapsto & (\al(x)- \beta (x), \beta(x) - \gamma(x))
\end{array}\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}
\begin{Korollar*}[\textbf{Lusternik-Schnirelmann}]
Gegeben eine "Uberdeckung der\index{Lusternik-Schnirelmann}
Kugelschale durch drei abgeschlossene Teilmengen enth"alt 
mindestens eine
unserer drei Mengen ein Paar von gegen"uberliegenden Punkten.
\end{Korollar*}
\begin{proof}[Beweis]
W"are  $S^{2} = A_{1} \cup A_{2} \cup A_{3}$ ein Gegenbeispiel,
so k"onnten wir stetige ungerade 
Funktionen $f_{i}:S^{2}
\ra \Bbb{R}$ finden mit $f_{i} (x) =1$ f"ur $x \in A_{i}$, 
zum Beispiel indem wir 
mit den Funktio\-nen $d(A_{i}, \;)$ spielen, oder indem wir nach Tietze's
Erweiterungslemma \eref{TELe}{TM} eine
stetige Funktion $g_i$ finden mit $g_i(\pm x)=\pm 1$ f"ur $x\in A_i$ und dann
$f_i(y)=(g_i(y)-g_i(-y))/2$ setzen f"ur alle $y$.
Dann k"onnten wir  den Satz von Borsuk-Ulam \ref{BU} anwenden auf
$f=(f_{1},f_{2}): S^{2} \ra \Bbb{R}^{2}$ und f"anden  $x \in
S^{2}$ mit $\pm x \not\in A_{1}$, $\pm x \not\in A_{2}$, also
notwendig $x, -x \in A_{3}$.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
Sei $f:S^{1} \ra S^{1}$ stetig. F\"{u}r alle $z \in S^{1}$ enth\"{a}lt $f^{-1}
(z)$ mindestens $|\op{grad} f|$ Punkte.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Sei $f : S^{1}\ra S^{1}$ stetig, $z \in S^{1}$. So kommutiert das
Diagramm
$$\begin{array}{ccc}
\pi_1(S^{1},z) & \overset{f_\sharp}{\longrightarrow}& \pi_1
(S^{1},f(z))\\[2mm]
\op{Um} \downarrow \;\;\;\;\;& & \;\;\;\;\;\downarrow \op{Um} \\
\DZ & \overset{(\op{grad} f)\cdot}{\longrightarrow} &\DZ
\end{array}$$
wo in der unteren Horizontale die Multiplikation mit $(\op{grad} f)$
gemeint ist. Hinweis: Man ziehe sich auf den Fall $f(z)=z^n$ zur\"{u}ck.
\end{Ubung}

%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXTF"
%%% End: 
