
\section{Kategorien und Funktoren}\label{KFu}
\subsection{Kategorien}
\begin{Bemerkungl}
Wir nutzen den Homotopie-Begriff als motivierendes Beispiel, um
in die Sprache der Kategorien und Funktoren einzuf\"{u}hren.
Diese Sprache ist \"{a}hnlich ausdrucksstark, grundlegend und elegant
wie die Mengenlehre und geh\"{o}rt meines Erachtens in den Rucksack
jeder Mathematikerin und jedes Mathematikers. 
Ich bin sogar der Ansicht, da"s die \glqq naive Mengenlehre\grqq\  aus
den Grundvorlesungen am besten durch eine axiomatische Beschreibung 
der \glqq Kategorie aller Mengen\grqq\  
wie etwa in  \cite{LaR} formalisiert wird.
So formal will ich bei der hier gegebenen Darstellung 
jedoch nicht werden und arbeite deshalb weiter auf der Grundlage der 
naiven Mengenlehre. Da die \glqq Gesamtheit aller
Mengen\grqq\   nach \ref{WHK} nicht als Menge angesehen werden darf,  
verlassen wir kurzzeitig
den Rahmen der 
naiven Mengenlehre und betrachten die \glqq Klasse\grqq\  aller Mengen. 
Bis auf weiteres ist dieser naive Zugang f"ur unsere Bed"urfnisse ausreichend.
Sobald kompliziertere Konstruktionen anstehen, erl"are ich dann, wie man 
 sich mit dem Kunstgriff der 
Wahl eines \glqq Universums\grqq\  doch wieder in den Rahmen der naiven
Mengenlehre retten kann.
Eine ausf"uhrlichere Behandlung 
der Kategorientheorie findet man zum Beispiel in \cite{MaC}.
\end{Bemerkungl}


\begin{Definition}
Eine \defind{Kategorie} ${\cal C}$ besteht aus\label{Kaat}
\begin{enumerate}\renewcommand{\theenumi}{\alph{enumi}}
\item
einer Klasse von \defnoind{Objekten}\index{Objekt} $\op{Ob} {\cal C};$
\item
einer Menge ${{\cal C}}(X,Y)$ von
\defnoind{Morphismen}\index{Morphismus}
f\"{u}r je zwei Objekte
$X,Y \in \op{Ob} {\cal C}$;
\item
einer Abbildung
${{\cal C}} (X,Y) \times {{\cal C}} (Y,Z) \ra
{{\cal C}} (X,Z),\;
(f,g) \mapsto  g\circ f $ f\"{u}r je drei Objekte $X,Y,Z\in {\cal C},$
genannt die
\defnoind{Verkn\"{u}pfung}\index{Verkn"upfung!von Morphismen} 
von Morphismen,\index{$\circ$!Verkn"upfung von Morphismen} 
\renewcommand{\theenumi}{\arabic{enumi}}
\end{enumerate}
derart, da"s folgende Axiome erf\"{u}llt sind:
\begin{enumerate}
\item Die Verkn"upfung ist {\bf assoziativ}, d.h.\ es gilt 
$(f\circ g)\circ h= f\circ (g\circ h)$ f\"{u}r
Morphismen $f,g$ und $h$ wann immer diese Verkn\"{u}pfungen sinnvoll sind;
\item
F\"{u}r jedes Objekt $X\in \op{Ob} {\cal C}$ gibt es einen Morphismus
$\op{id}_{X} \in
{{\cal C}} (X,X),$ die \defind{Identit\"{a}t auf $X$},
so da"s gilt
$
\op{id}_{X} \circ f =f$ und
$g\circ \op{id}_{X} =g $ f\"{u}r Morphismen $f,g$ wann immer diese
Verkn\"{u}pfungen sinnvoll sind. Die "ublichen Argumente zeigen,
da"s es f"ur jedes $X$ h"ochstens einen derartigen Morphismus geben kann,
womit auch die Verwendung des bestimmten Artikels gerechtfertigt ist.
\item
Die Morphismenmengen sind paarweise disjunkt.
\end{enumerate}
Eine Kategorie, deren Objekte  eine Menge bilden, hei"st eine
\defind{kleine Kategorie}. 
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
Unser erstes Beispiel ist die Kategorie ${\cal C}=\op{Ens}$ aller
Mengen.
Ihre Objekte sind beliebige
Mengen. F\"{u}r zwei Mengen $X,Y$ ist $\op{Ens}
(X,Y)$ die Menge aller Abbildungen von $X$ nach $Y.$ Die Verkn\"{u}pfung
ordnet
jedem Paar $(f,g)$ von Abbildungen ihre Komposition $g\circ f$ zu,
und  $\op{id}_{X}\in \op{Ens}(X,X)$  ist schlicht die
\glqq identische\grqq\ 
Abbildung $\op{id}_{X}(x)=x \; \forall x\in X.$
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungl}\label{NotEn}%\label{NotE}
Sei ${\cal C}$ eine Kategorie und seien in $X,Y\in\op{Ob} {\cal C}$
Objekte von ${\cal C}.$
Statt $f\in {{\cal C}}(X,Y)$ sagen wir auch \glqq $f$ ist ein  Morphismus
von $X$ nach $Y$\grqq\  und schreiben kurz $f:X \ra Y.$
Statt $\op{id}_{X}$ schreiben wir oft nur $\op{id}.$ Statt $X\in \op{Ob} {\cal
C}$ schreiben
wir oft k\"{u}rzer $X\in{\cal C}.$
Die Morphismen von $X$ zu sich selber nennen wir die \defind{Endomorphismen}
von $X$ und k"urzen sie ab mit $\cal{C}(X,X)=\cal{C}(X).$
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}\label{NotK}
Hier kommen einige Beispiele von Kategorien.
Als Verkn\"{u}pf\-ung von Morphismen ist
f\"{u}r die Kategorien dieser Liste stets die Komposition von Abbildungen
gemeint.
\vspace{0.5cm}

\begin{tabular}[t]{lll}
Kategorie & Morphismen & K"urzel\\
   &  \\
\{Mengen\} & alle Abbildungen & $\op{Ens}$\index{Ens@$\op{Ens}$!Kategorie der Mengen}\\
\{Monoide\} & Morphismen von Monoiden & $\op{Mon}$\index{Mon@$\op{Mon}$ Kategorie der  Monoide}\\
\{Gruppen\} & Gruppenhomomorphismen & $\op{Grp}$\index{Grp@$\op{Grp}$ Kategorie der Gruppen} \\
\{abelsche Gruppen\} & Gruppenhomomorphismen & $\op{Ab}$\index{Ab@$\op{Ab}$ Kategorie der abelschen Gruppen}\\
\{topologische R\"{a}ume\} & stetige Abbildungen & $\op{Top}$\index{Top@$\op{Top}$ Kategorie der topologischen R"aume}\\
\{bepunktete Mengen\}& Abbildungen,& $\op{Ens}^\ast$\index{Ens@$\op{Ens}^\ast$ Kategorie  bepunkteter Mengen}\\
&die den Basispunkt erhalten&\\
\{bepunktete R"aume\}& stetige Abbildungen,&
$\op{Top}^\ast$\index{Top@$\op{Top}^\ast$ Kategorie  bepunkteter
  topologischen R"aume}\\
&die den Basispunkt erhalten&\\
\{$k$-Vektorr\"{a}ume\}& $k$-lineare Abbildungen &$k\op{-Mod},$ $\op{Mod}_k$\\
\{Affine R\"{a}ume "uber $k$\}& affine Abbildungen &$k\op{-Aff},$ $\op{Aff}_k$\\
\{nicht unit"are Ringe\}& Rng-Homomorphismen &$\op{Rng}$\index{Rng@$\op{Rng}$
  Kategorie der nicht unit"aren Ringe}\\
\{Ringe\}& Ringhomomorphismen &$\op{Ring}$\index{Ring@$\op{Ring}$ Kategorie der Ringe}\\
\{kommutative Ringe\}& Ringhomomorphismen
&$\op{Kring}$\index{Kring@$\op{Kring}$!Kategorie der Kringe}\\
\{$k$-Algebren\}& $k$-Algebren-Homomorphismen &$k\op{-Alg},$
$\op{Alg}_k$\index{Alg@$\op{Alg}$ Kategorie der Algebren}\\
\end{tabular}\\[4mm]

\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Unter einer \defind{Unterkategorie} einer
Kategorie versteht man ein Paar
bestehend aus einer Teilklasse von Objekten 
nebst Teilmengen der Morphismenr"aume f"ur je zwei
Objekte unserer Teilklasse derart,
da"s die offensichtlichen Bedingungen erf"ullt sind.
Eine Unterkategorie hei"st \defnoind{voll}\index{voll!Unterkategorie}
genau dann, wenn die fraglichen Teilmengen der Morphismenr"aume
jeweils aus allen Morphismen in der urspr"unglichen Kategorie bestehen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}
Morphismen von $k$-Vektorr"aumen $V,W$ notiert man
statt $\op{Mod}_k(V,W)$ meist  $\op{Hom}_k(V,W)$ 
und f"ur Endomorphismen ist die Notation 
$\op{Mod}_k(V)=\op{End}_kV$ "ublich. 
Das Symbol
\glqq $\op{Hom}$\grqq\  
f"ur Morphismenr"aume versuche
ich jedoch im allgemeinen
zu vermeiden. Ich will es reservieren
f"ur die sogenannten \glqq internen Hom-R"aume\grqq,
unter denen man Vorschriften versteht,
die zwei Objekten einer Kategorie
ein drittes zuordnen,  
im Fall der Vektorr"aume etwa die Morphismenmenge 
mit ihrer nat"urlichen Vektorraumstruktur.
Das K"urzel \glqq $\op{Mod}$\grqq\  mit etwelchen
oberen und unteren Indizes wird stets stehen f"ur
abelsche Gruppen mit  Zusatzstrukturen, meist  Operationen
von Ringen oder  Gruppen. Gehen diese Zusatzstrukturen
aus dem Kontext hervor, so lassen wir die entsprechenden Indizes auch
manchmal weg.
F"ur abelsche Gruppen ohne Zusatzstrukturen
benutzen wir stets das K"urzel \glqq $\op{Ab}$\grqq.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
Ein etwas komplizierteres Beispiel f"ur eine Kategorie 
ist die sogenannte
{\bf Homotopiekategorie}\index{Homotopiekategorie!topologische}
topologischer R\"{a}ume
$\op{ Hot}.$\index{Hot@$\op{ Hot}$!topologische Homotopiekategorie}
Ihre Objekte sind topologische R\"{a}ume, als
Morphismen von einem Raum in einen anderen nehmen wir jedoch
die Menge ${\op{Hot}} (X,Y)$ aller Homotopieklassen
von stetigen Abbildungen und erkl\"{a}ren ihre Verkn\"{u}pfung
in der offensichtlichen Weise durch  $[f]\circ [g] = [f\circ g].$
F"ur die Menge der Homotopieklassen
von Abbildungen zwischen zwei R"aumen ist auch
die Notation ${\op{Hot}} (X,Y)=[X,Y]$ gebr"auchlich.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}\label{poKa}
  Jede partiell geordnete Menge $(A,\leq)$ kann als Kategorie 
aufgefa"st werden wie folgt: Objekte sind die Elemente, Morphismen
gibt es jeweils einen von einem Element zu jedem  
kleineren und zu sich selber, die Verkn"upfung von Morphismen ist die 
offensichtliche und einzig m"ogliche.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
Ein andersartiges Beispiel 
ist das \defnoind{fundamentale Gruppoid}\index{Gruppoid!fundamentales} 
${\cal W}={\cal W}_X$ eines
topologischen Raums $X.$ Seine Objekte sind die Punkte von $X,$
die Morphismenmenge ${\cal W}(x,y)$ besteht aus allen Homotopieklassen
von Wegen mit Anfangspunkt $x$
und Endpunkt $y,$ in Formeln
$${\cal W}(x,y)=\pi_1(X,y,x)$$
und die Verkn\"{u}pfung von Morphismen ist das
Hintereinanderh\"{a}ngen von Wegen. Man benutzt Lemma \ref{VKN}, um
die Axiome einer Kategorie zu pr\"{u}fen.  
\end{Beispiel}

\begin{Beispiel}
F\"{u}r jede Kategorie ${\cal C}$ bildet man die \defind{opponierte Kategorie}
${\cal C}^{\circ}={\cal C}^{\op{opp}}$
wie folgt: Man setzt
$$\op{Ob}{\cal C}^{\circ} = \op{Ob} {\cal C}\text{ und }
{{\cal C}^{\circ}} (X,Y) = {{\cal C}} (Y,X)$$
und erkl\"{a}rt die Verkn\"{u}pfung von Morphismen in ${\cal C}^{\circ}$
in der offensichtlichen Weise.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}\label{PvKa}
F\"{u}r  Kategorien ${\cal A},$ $\cal{B}$ 
bildet man die {\bf Produkt-Kategorie}\index{Produkt!von Kategorien}
${\cal A}\times\cal{B}$\index{x@$\times$!Produkt von Kategorien}
wie folgt: Man setzt
$\op{Ob}({\cal A}\times\cal{B}) = \op{Ob} {\cal A}\times\op{Ob} {\cal B} ,$
erkl"art Morphismen in der Produktkategorie als Paare von
Morphismen in den Ausgangskategorien und
erkl\"{a}rt die Verkn\"{u}pfung von Morphismen in der Produktkategorie
in der offensichtlichen Weise.
\end{Beispiel}





\begin{Definition}\label{KatI}
\begin{enumerate}
\item
Ein Morphismus $f \in {{\cal C}} (X,Y) $ in einer Kategorie hei"st ein
\defnoind{Isomorphismus}\index{Isomorphismus!in Kategorie} 
oder \defnoind{Iso}\index{Iso!in Kategorie}  und als Adjektiv {\bf iso}
genau dann, wenn
es einen Morphismus $g\in {{\cal C}}(Y,X) $ gibt mit $f\circ
g=\op{id}_{Y}$ und
$g\circ f=\op{id}_{X}.$ Wir notieren die Menge aller Isomorphismen
von $X$ nach $Y$ auch  ${\cal C}^\times (X,Y) $
und\index{$\cal{C}^\times$ Isomorphismen in $\cal{C}$} 
notieren  Isomorphismen oft $f:X\sira Y.$
\item
Zwei Objekte $X$ und $Y$ einer Kategorie hei"sen 
\defnoind{isomorph}\index{isomorph!in Kategorie} 
genau dann, wenn es einen Iso
$f:X \sira Y$ gibt. Man schreibt dann auch kurz $X\cong Y.$
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Ubung}
 Ein Morphismus $f \in {{\cal C}} (X,Y) $ in einer Kategorie ist ein
Isomorphismus
genau dann, wenn
es  Morphismen $g,h\in {{\cal C}}(Y,X) $ gibt mit $f\circ
g=\op{id}_{Y}$ und einen 
$h\circ f=\op{id}_{X}.$  
\end{Ubung}
\begin{Beispiele}\label{Gruppo}
Isomorphismen in der Kategorie der Mengen nennt man
Bijektionen,
Isomorphismen in der Kategorie der topologischen R\"{a}ume
Hom\"{o}o\-morphismen,  Isomorphismen in der Homotopiekategorie
Homotopie\"{a}quiva\-len\-zen.
Kategorien, in denen  alle Morphismen Isomorphismen sind,
hei"sen auch \defnoind{Gruppoide}\index{Gruppoid}. 
Kategorien, in denen es au"ser den Identit"aten 
keine Morphismen gibt,
hei"sen {\bf diskret}.\index{diskret!Kategorie}\index{Kategorie!diskrete} 
Nat"urlich ist jede diskrete Kategorie ein Gruppoid.
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}
Viele mathematische Fragestellungen lassen sich in der Sprache
der Kategorien dahingehend formulieren, da"s man einen \"{U}berblick
\"{u}ber alle Objekte einer Kategorie gewinnen will, wobei man 
zwischen
isomorphen Objekten nicht unterscheidet. Man spricht dann auch von
\defnoind{Isomorphieklassen}\index{Isomorphieklasse} von
Objekten und
Fragestellungen dieser Art
hei"sen \defind{Klassifikationsprobleme}.
Zum Beispiel werden die
endlichdimensionalen $k$-Vektorr\"{a}ume klassifiziert durch ihre Dimension,
in der Einleitung hatten wir
eine Klassifikation der zusammenh\"{a}ngenden geschlossenen
Fl\"{a}chen angegeben, und die Isomorphieklassen des 
fundamentalen Gruppoids
eines
topologischen Raums sind schlicht seine Wegzusammenhangskomponenten.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Die Isomorphismen von einem Objekt
$X$ einer Kategorie auf sich selber hei"sen die
{\bf Automorphismen}\index{Automorphismus!in Kategorie}
von $X.$ Sie bilden stets eine Gruppe, die
{\bf Automorphismengruppe} ${{\cal C}}^\times(X)$  von $X.$
Unsere Fundamentalgruppe $\pi_1(X,x)$ ist genau die
Automorphismengruppe des Punktes $x$ in seinem fundamentalen Gruppoid,
in Formeln $\pi_1(X,x)={\cal W}_X^\times(x).$
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}
Ein Objekt $F$ einer Kategorie ${\cal C}$ 
hei"st \defind{final} genau dann, wenn es f"ur
alle $Y \in {\cal C}$ genau einen Morphismus von $Y$ nach $F$ gibt, in Formeln
$$|{{\cal C}} (Y,F)|=1\quad\forall Y\in\cal C$$
\end{Definition}
\begin{Definition}
Ein Objekt $K$ einer Kategorie ${\cal C}$  hei"st 
\defind{kofinal} genau dann, wenn
es f"ur
alle $Y \in {\cal C}$ genau einen Morphismus von  $K$ nach $Y$ gibt,
in Formeln
$$|{{\cal C}} (K,Y)|=1\quad\forall Y\in\cal C$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Zwischen je zwei finalen (bzw.\
kofinalen) Objekten gibt es offensichtlich genau einen Isomorphismus.
Wir reden deshalb meist etwas lax von {\em dem} finalen bzw.\
kofinalen Objekt und bezeichnen \glqq das\grqq\  finale Objekt gerne mit
$\op{pt}=\op{pt}(\cal{C})$\index{pt@$\op{pt}=\op{pt}(\cal{C})$ 
finales Objekt von $\cal{C}$} 
f"ur \glqq Punkt\grqq\  und Morphismen dahin mit $c$ f"ur
\glqq konstant\grqq.  
Manchmal verwenden wir als Bezeichnung des finalen Objekts 
auch die kleingeschriebene Bezeichnung der Kategorie,
etwa $\op{top}$
\index{top@$\op{top}$ einelementiger Raum}
f"ur den einelementigen topologischen Raum
oder $\op{ens}$
\index{ens@$\op{ens}$ einelementige Menge}
f"ur die einelementige Menge.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
In der Kategorie der Mengen sind die einpunktigen Mengen die
finalen Objekte und die leere Menge ist das einzige kofinale
Objekt.
\end{Beispiele}
\begin{Ubung}
Man finde finale und kofinale Objekte in den Kategorien
der Gruppen,  Ringe, topologischen R\"{a}ume.
\end{Ubung}



\begin{Bemerkunge}
Gibt es in einer Kategorie eine Menge von Objekten derart, da"s
jedes Objekt isomorph ist zu einem Objekt aus besagter Menge,
so nennt man die Kategorie \defind{svelte}.
Insbesondere ist jede kleine Kategorie
svelte.
\end{Bemerkunge}

\subsection{Funktoren}
\begin{Definition}\label{DefF}
 Ein \defind{Funktor} $F:{\cal A} \ra
{\cal B}$ von einer Kategorie ${\cal A}$ in eine 
Kategorie ${\cal B}$ 
besteht aus
\begin{enumerate}\renewcommand{\theenumi}{\alph{enumi}}
\item
einer Abbildung $F:\op{Ob} {\cal A} \ra \op{Ob} {\cal B},$ $X\mapsto FX;$
\item
einer Abbildung $F:{{\cal A}} (X,Y) \ra
{{\cal B}} (FX,FY),$ $f\mapsto Ff$ f\"{u}r je zwei Objekte $X,Y \in
\op{Ob} {\cal A},$
\renewcommand{\theenumi}{\arabic{enumi}}
\end{enumerate}
derart,  da"s  gilt
\begin{enumerate}
\item $F(f\circ g) = (Ff)\circ (Fg)$ f\"{u}r beliebige verkn\"{u}pfbare
Morphismen
$f$ und $g$ aus der Kategorie ${\cal A};$
\item $ F(\op{id}_{X}) = \op{id}_{FX}$ f\"{u}r jedes Objekt $X\in{\cal A}.$
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Man gibt bei einem Funktor $F$ meist nur die Abbildung $X\mapsto FX$ auf den
Objekten an in der Hoffnung, da"s dadurch schon klar wird, welche Abbildung
$f\mapsto Ff$ auf den Morphismen gemeint ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
Unsere Fundamentalgruppe ist ein Funktor
$\pi_1 : \op{Top}^\ast \ra \op
{Grp}$ von den bepunkteten topologischen R"aumen in die Gruppen.
Das \glqq Vergessen der Gruppenstruktur\grqq\  definiert einen Funktor
$\op{Grp}  \ra \op{Ens}$ von den Gruppen in die Mengen.
Nat"urlich gibt es
noch viele andere solche \defnoind{Vergiss-Funktoren}\index{Vergiss-Funktor}.
Die Zuordnung, die jedem topologischen 
Raum $X$ die Menge $\pi_0(X)$ seiner Wegzusammenhangskomponenten zuordnet,
ist ein Funktor
$\pi_{0} : \op{Top} \ra \op{Ens}.$ Indem wir die Komponente des
ausgezeichneten Punktes auszeichnen, erhalten wir ebenso einen
Funktor $\pi_{0} : \op{Top}^\ast \ra \op{Ens}^\ast.$
Ist ${\cal C}$ eine Kategorie und $X \in {\cal C}$ ein Objekt, so ist die
Zuordnung
$$\begin{array}{cccl}
{{\cal C}}
(X,\;) :&
{\cal C}& \ra&
\op{Ens}\\
 & Y &\mapsto& {\cal{C}} (X,Y)
\end{array}$$
stets ein Funktor.
Sind
$F: {\cal A} \ra {\cal B}$ und $G: {\cal B} \ra {\cal C}$ Funktoren, so
ist auch
$G\circ F : {\cal A} \ra {\cal C}$ ein Funktor. Und schlie"slich haben
wir f"ur jede Kategorie ${\cal C}$ den \defind{Identit"atsfunktor} 
$\op{Id}=\op{Id}_{\cal C}$\index{Id@$\op{Id}$ Identit"atsfunktor} 
von besagter
Kategorie in sich selber. Jeder Funktor $F:\cal{A}\ra\cal{B}$ liefert
in offensichtlicher Weise einen Funktor $F:\cal{A}^\circ\ra\cal{B}^\circ$
zwischen den zugeh"origen 
opponierten Kategorien.
\end{Beispiele}

\begin{Lemma}
Ein Funktor bildet stets Isomorphismen auf Isomorphismen ab.
Insbesondere haben isomorphe Objekte unter einem Funktor
stets isomorphe Bilder.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis] Sei $F$ unser Funktor. Wir schlie"sen:
$$\begin{array}[b]{ll}
f \text{ ist Isomorphismus }&\Rightarrow \text{ Es gibt
$g$ mit $ f\circ g = \op{id}$ und $g\circ f =\op{id}$}\\
&\Rightarrow (Ff)\circ (Fg) =\op{id} \text{ und }(Fg)\circ (Ff)=\op{id}\\
&\Rightarrow Ff \text{ ist Isomorphismus.}
\end{array}\qedhere$$
\end{proof}


\begin{Definition}
Ein Funktor $F:{\cal A}\ra {\cal B}^{\circ}$ hei"st auch ein
\defind{kontravarianter Funktor} von ${\cal A}$ nach ${\cal B}.$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Ausgeschrieben besteht ein kontravarianter Funktor von ${\cal A}$ nach ${\cal
B}$
 aus einer Abbildung $
F:\op{Ob} {\cal A} \ra \op{Ob} {\cal B}$ sowie f\"{u}r je zwei Objekte
$X,Y\in{\cal A}$ einer
Abbildung
$F:{{\cal A}} (X,Y) \ra {{\cal B}} (FY,FX)$ derart, da"s
gilt $F(\op{id})= \op{id}$
und $F(f\circ g) = Fg \circ Ff$ f\"{u}r alle verkn\"{u}pfbaren
Morphismen $f,g.$  
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}
Die Zuordnung $D,$ die jedem Vektorraum $V$ 
"uber einem K"or\-per $k$ seinen Dualraum
$V^{\ast}=\op{Hom}_{k} (V,k)$ zuordnet, ist ein
kontravarianter
Funktor
$
D:\op{Mod}_k\ra\op{Mod}_k,$ 
$V \mapsto  V^{\ast}.$
Nat"urlich h"atten wir hier statt $\op{Hom}_{k} (V,k)$ ebensogut
$\op{Mod}_{k} (V,k)$ schreiben k"onnen, aber die
Notation $\op{Hom}$ betont, da"s wir uns besonders f"ur die Vektorraumstruktur
auf besagter Menge von Morphismen
interessieren.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
Gegeben eine Kategorie  ${\cal C}$
und ein Objekt $X\in{\cal C}$  ist die Zuordnung
${{\cal C}}
(\;,X) :
{\cal C} \ra \op{Ens}$ stets ein kontravarianter Funktor.
\end{Beispiel}
\begin{Definition}\label{Eif}
\begin{enumerate}
\item
Ein Funktor $F:{\cal A} \ra {\cal B} $ hei"st  
\defnoind{treu}\index{treu!Funktor}
genau dann, wenn
er  Injektionen $F:{{\cal A}}(A,A^{\prime})
\hra {{\cal B}} (FA,\, FA^{\prime})$ auf den Morphismen
induziert, f"ur alle $A,A'\in\cal{A}.$
\item
Ein Funktor $F:{\cal A} \ra {\cal B} $ hei"st eine 
\defnoind{volltreu}\index{volltreu!Funktor} genau dann, wenn
er Bijektionen $F:{{\cal A}}(A,A^{\prime})
\sira {{\cal B}} (FA,\, FA^{\prime})$ auf den Morphismen induziert.
\item
Ein Funktor $F:{\cal A} \ra {\cal B} $ hei"st eine \defnoind{"Aquivalenz von
Kategorien}\index{"Aquivalenz!von Kategorien}
genau dann, wenn er volltreu ist und zus"atzlich
eine Surjektion auf Isomorphieklassen von Objekten induziert, wenn
es also in Formeln 
f\"{u}r alle $B \in {\cal B}$ ein  $A\in {\cal A}$ gibt mit $FA \cong B.$
\item
Ein Funktor $F:{\cal A} \ra {\cal B} $ hei"st ein {\bf Isomorphismus von
Kategorien}\index{Isomorphismus!von Kategorien}
genau dann, wenn er bijektiv ist auf Objekten und auf Morphismen. 
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Beispiel}\label{MKk}%\label{MK}
Sei $k$ ein K"orper.
Wir betrachten die Kategorie
$\op{Modfg}_k$ aller endlichdimensionalen 
alias endlich erzeugten alias \glqq finitely generated\grqq\  
$k$-Vektorr\"{a}ume
mit linearen Abbildungen als Morphismen.
Weiter betrachten wir, und zwar sogar f"ur einen beliebigen Ring $k,$
die Kategorie ${\cal M}={\cal M}_k$ mit Objekten
$\op{Ob} {\cal M} = \DN$ und als 
Morphismen Matrizen mit Eintr\"{a}gen in $k,$ in
Formeln\index{M@$\mathcal M$ Matrixkategorie}
$${{\cal M}} (m,n) = \op{M}(n \times m; k)$$
Die Verkn\"{u}pfung von Morphismen
in
${\cal M}$ sei die
Matrixmultiplikation.
Im Fall eines K"orpers $k$  
ist dann der offensichtliche Funktor   $n\mapsto k^{n}$ eine
\"{A}quivalenz  $R:{\cal M}_k\sira
\op{Modfg}_k,$ aber nat"urlich kein
Isomorphismus von Kategorien. Wenn unser Ring $k$ selbst durch einen 
gr"o"seren Ausdruck gegeben ist, schreiben wir f"ur die Matrixkategorie 
 statt $\mathcal M_k$ auch manchmal
$\mathcal M(k)$.
\end{Beispiel}
\begin{Ubung}
Jede \"{A}quivalenz von Kategorien induziert eine
Bijektion zwischen den zugeh"origen Isomorphieklassen von Objekten.
Zum Beispiel werden die endlichdimensionalen $k$-Vektorr\"{a}ume
klassifiziert durch ihre Dimension, d.h.\ durch Elemente von $\DN.$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Die Verkn\"{u}pfung von zwei \"{A}quivalenzen von Kategorien ist
wieder eine \"{A}quivalenz von Kategorien.
\end{Ubung}

\subsection{Transformationen}
\begin{Bemerkungl}
Bis hierher hat sich unsere Theorie in vertrauten Bahnen
bewegt: Wir haben nur eine neue Art von Strukturen erkl"art,
die Kategorien, und strukturerhaltende Abbildungen 
alias Morphismen dazwischen 
betrachtet, die Funktoren. Insoweit pa"st alles noch in den 
strukturellen Rahmen,
an den man seit der linaren Algebra durch das 
Studium von  Vektorr"aumen und linearen
Abbildungen gew"ohnt worden ist. 
Das Neue bei der Kategorientheorie ist nun,
da"s es auch \glqq Morphismen von Morphismen\grqq\  gibt. Sie hei"sen 
\glqq Transformationen von Funktoren\grqq\  und sind das Thema dieses 
Abschnitts. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Seien ${\cal A}, {\cal B}$ Kategorien und $F,G : {\cal A} \ra {\cal B}$ 
Funktoren. Eine
{\bf Transformation}\index{Transformation!von Funktoren}
$\tau : F \Rightarrow G$\index{$\Rightarrow$ Transformation}
ist\index{$\Leftarrow$ Transformation}  eine Vorschrift, 
die jedem Objekt $X\in {\cal A}$ einen
Morphismus $\tau_{X}\in {{\cal B}}(FX,GX) $ zuordnet derart, da"s
f\"{u}r jeden
Morphismus $f: X \ra Y$ in ${\cal A}$ das folgende Diagramm in ${\cal B}$
kommutiert:
$$\begin{array}{ccc}
F X &\overset{\textstyle{\tau_{X}}}{\longrightarrow}& GX\\
Ff\downarrow \;\;& &\;\;\downarrow Gf\\
 FY &\overset{\textstyle{\tau_{Y}}}{\longrightarrow}& GY
\end{array}$$
Ob ein Doppelpfeil eine Transformation von Funktoren oder vielmehr eine
Implikation meint mu"s der Leser aus dem Kontext erschlie"sen. 
Sind alle $\tau_{X}$ Isomorphismen, so 
nenne ich $\tau$ eine \defind{Isotransformation}, aber diese 
Terminologie ist nicht gebr"auchlich. In der Literatur
spricht man eher von einem
{\bf Isomorphismus}\index{Isomorphismus!von Funktoren} oder auch einer
{\bf \"{A}quivalenz von Funktoren}.\index{"Aquivalenz!von Funktoren}
Die Klasse aller Transformationen von $F$ nach
$G$ bezeichnen wir 
mit $\op{Trans} (F,G)$ oder, wenn zus"atzliche Information
wichtig ist, auch ausf"uhrlicher mit
$\op{Trans}_\cal{A} (F,G)$ oder sogar 
$\op{Trans}_{\cal{A}\ra\cal{B}} (F,G).$ 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
In der Literatur hei"sen unsere Transformationen meist
\glqq nat"urliche Transformationen\grqq. Diese Terminologie schien mir
jedoch unn"otig umst"andlich und entspricht auch nicht meinem Sprachempfinden:
Ich m"ochte zum Beispiel unter der \glqq nat"urlichen\grqq\  Transformation
des Identit"atsfunktors auf der Kategorie aller $\DR$-Vektorr"aume
in den Bidualraumfunktor gerne die in \ref{BDR} gegebene Transformation
verstehen, die zwar keineswegs die einzige Transformation zwischen
diesen Funktoren ist, aber wohl schon die \glqq nat"urlichste\grqq.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Sind ${\cal A}, {\cal B}$  Kategorien und ist ${\cal A}$ klein, 
so erhalten wir eine weitere
 Kategorie\index{Fun@$\op{Fun}$ Funktorkategorie}
$\op{Fun}({\cal A}, {\cal B})$
 mit den Funktoren von ${\cal A}$ nach $ {\cal B}$ als
Objekten und den Transformationen von Funktoren als Morphismen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}\label{BDR}
Sei $k$ ein K\"{o}rper und $B:\op{Mod}_k\ra \op{Mod}_k$ der Funktor,
der jedem $k$-Vektorraum $V$ seinen Bidualraum $BV=V^{\ast\ast}$
zuordnet. So liefern die Evaluationen $\tau_V:V\ra V^{\ast\ast},$
$v\mapsto (f\mapsto f(v))$ eine  Transformation
$\op{Id}\Rightarrow B$ sowie eine  Isotransformation zwischen den
Restriktionen
dieser Funktoren auf die Kategorie der endlichdimensionalen
$k$-Vektorr\"{a}ume. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
Sei $k$ ein K\"{o}rper und $D:\op{Mod}_k\ra \op{Mod}_k^\circ$
der Funktor, der jedem Raum seinen Dualraum zuordnet.
Sei weiter $\cal{M}=\cal{M}(k)$ die Matrizenkategorie aus
\ref{MKk} und $T:\cal{M}\ra \cal{M}^\circ$ der Funktor, der
Matrizen transponiert. 
Sei schlie"slich $R:\cal{M}\ra \op{Mod}_k$ unser Funktor aus 
\ref{MKk} und bezeichne $R$ auch den entsprechenden Funktor zwischen den 
jeweils opponierten Kategorien. 
So erhalten wir eine Isotransformation
$$\tau:RT\Rightarrow DR$$
indem wir jeder nat"urlichen Zahl 
alias jedem Objekt $n\in \cal{M}$ den offensichtlichen
Isomorphismus  $\tau_n:k^n\sira (k^n)^\ast$  zuordnen.
Es kann hilfreich sein, 
durch Doppelpfeile
in  Diagrammen von Kategorien 
und Funktoren klarzumachen, 
zwischen welchen Funktoren eine Transformation 
gemeint ist. So w"are etwa unser $\tau$ ein m"oglicher
Doppelpfeil im Diagramm
\begin{displaymath}
\xymatrix{
\cal{M}\ar[d]_R \ar[r]^T 
&\ar@{=>}[dl] \cal{M}^\circ\ar[d]^R\\
\op{Mod}_k \ar[r]^{D} & \op{Mod}_k^\circ
}
\end{displaymath}
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
Sei $k$ ein K\"{o}rper. 
Gegeben zwei $k$-Vektorr"aume $V,W$ k"onnen wir
die Menge $\op{Mod}_k(V,W)$ versehen mit der Struktur eines
$k$-Vektorraums. Wollen wir besonders betonen, da"s wir diese
Struktur meinen, so schreiben wir $\op{Hom}_k(V,W).$
Mit dieser Notation definieren die nat"urlichen Abbildungen
$$V^\ast \otimes_k W\ra \op{Hom}_k(V,W)$$
f"ur $k$-Vektorr\"{a}ume $V,W$ eine  Transformation
zwischen den durch diese Vorschriften gegebenen Funktoren 
$$\op{Mod}_k^\circ\times \op{Mod}_k\ra \op{Mod}_k$$
und eine  "Aquivalenz, wenn wir uns im ersten Faktor
auf endlichdimensionale R"aume beschr"anken.
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}
F"ur jeden Funktor gibt es die \defind{identische  Transformation}
$\op{id}$ von besagtem Funktor zu sich selber. 
Sind $\tau : F \Rightarrow G$ und $\sigma : G \Rightarrow H$  Transformationen,
so ist auch $\sigma \circ \tau : F \Rightarrow H$ eine 
Transformation. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}\label{NTr}
Seien $F,G:\cal{A}\ra\cal{B}$ Funktoren
und $\tau:F\Rightarrow G$ eine  Transformation. Gegeben
ein weiterer Funktor
$H:\cal{B}\ra\cal{C}$  
erhalten wir in offensichtlicher Weise eine  Transformation
$H\tau: HF\Rightarrow HG.$ Gegeben
ein weiterer Funktor $H:\cal{C}\ra\cal{A}$ erhalten wir   
in offensichtlicher Weise eine  Transformation
$\tau H: FH\Rightarrow GH.$
\end{Beispiel}
\begin{Ubung}\label{KoA}
Gegeben Funktoren $F,F':\cal{A}\ra\cal{B}$ und $G,G':\cal{B}\ra\cal{C}$ 
und  Transformationen $\alpha:F\Rightarrow F'$ sowie $\beta:G\Rightarrow G'$ 
gilt die Gleichheit $\beta F'\circ G\alpha=G'\alpha\circ \beta F$
von  Transformationen $GF\Rightarrow G'F'.$
\end{Ubung}
\begin{Bemerkungl}\label{YLl}
Einen Funktor von einer Kategorie $\cal{C}$ in die
Kategorie der Mengen nennen wir kurz einen
\defind{Mengenfunktor} {\bf auf} $\cal{C}.$ 
Gegeben eine kleine Kategorie $\cal{C}$
 bildet die Klasse  aller Mengenfunktoren
$\cal{C}\ra\op{Ens}$ mit den  Transformationen als 
Morphismen wieder eine Kategorie. Die zur Kategorie 
der Mengenfunktoren auf $\cal{C}$   opponierte 
Kategorie 
$\cal{C}^\wedge =\op{Fun}(\cal{C},\op{Ens})^\circ$ kann man 
als eine Art 
\glqq Vervollst"andigung\grqq\  
von $\cal{C}$ 
interpretieren, da  n"amlich, wie das gleich anschlie"sende
Yoneda-Lemma \ref{YL} zeigt, die Vorschrift
$X\mapsto {\cal{C}} ({X},\;)$ einen volltreuen Funktor
$$\cal{C}\ra \cal{C}^\wedge$$
definiert. Diejenigen Mengenfunktoren auf
$\cal{C},$ die "aquivalent sind
zu Mengenfunktoren im Bild von $\cal{C}\ra \cal{C}^\wedge,$ hei"sen 
\defnoind{darstellbare Funktoren}.\index{darstellbarer Funktor} 
Ist ein  Mengenfunktor
$F:\cal{C}\ra\op{Ens}$  "aquivalent 
zu ${\cal{C}} ({X},\;)$ f"ur ein $X\in\cal{C},$ so sagen wir,
der {\bf Funktor $F$ werde dargestellt durch das Objekt $X.$}
Zum Beispiel wird der Vergi"sfunktor von den $k$-Vektorr"aumen in die
Mengen dargestellt durch den eindimensionalen Vektorraum $k,$ 
der Vergi"sfunktor von den Gruppen in die
Mengen durch die Gruppe $\DZ,$ und der Funktor
$\pi_0:\op{Hot}\ra\op{Ens},$ der 
jedem Raum die Menge seiner Wegzusammenhangskomponenten
zuordnet,  durch den einpunktigen Raum.
\end{Bemerkungl}

\begin{Proposition}[\defind{Yoneda-Lemma}]\label{YL}
Sei $\cal{C}$ eine Kategorie, ${{X}} \in \cal{C}$ ein
Objekt und $F : \cal{C} \ra\op{Ens}$ ein Mengenfunktor
auf $ \cal{C}.$ 
So liefert die Abbildungsvorschrift
$\tau  \mapsto  \tau_{{{X}}} (\op{id}_{{{X}}})$
eine Bijektion
$$
\op{Trans}_\cal{C} ({\cal{C}} ({{X}},\;),F) \sira  F({{X}})
$$
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Wir konstruieren zun"achst eine Abbildung in die andere Richtung.
F"ur beliebiges $a\in F({{X}})$
betrachten wir dazu die Abbildungen
$$\begin{array}{cccl}
\tau_{Y}:& {\cal{C}} ({{X}},Y) & \ra & F(Y)\\
&f& \mapsto & (Ff) (a)
\end{array}$$
Man pr"uft ohne Schwierigkeiten, da"s sie
eine  Transformation
$\tau : {\cal{C}} ({{X}},\;) \Rightarrow F $ bilden,
die wir mit $\hat{\tau}(a)$ bezeichnen.
Jetzt gilt es nur noch zu zeigen, da"s die Abbildung $a\mapsto \hat{\tau}(a)$
invers ist zu unserer Abbildung $\tau\mapsto \hat{a}(\tau)=\tau_{{{X}}}
(\op{id}_{{{X}}})$
aus dem Theorem. Daf"ur m"ussen wir also pr"ufen, da"s gilt
$a=\hat{a}(\hat{\tau}(a))$ f"ur alle $a\in F({{X}})$ 
und $\tau=\hat{\tau}(\hat{a}(\tau))$
f"ur alle  Transformationen $\tau:{\cal
C}({{X}},\;)\Rightarrow F.$
Das "uberlassen wir dem Leser.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Dual zu $\cal{C}^\wedge$ kann man nat"urlich
f"ur jede kleine Kategorie $\cal{C}$ 
auch die Kategorie
$\cal{C}^\vee$ aller kontravarianten Funktoren $\cal{C}\ra\op{Ens}$
betrachten und erh"alt mit $X\mapsto \cal{C}(\;,X)$ eine
volltreue Einbettung $\cal{C}\ra \cal{C}^\vee.$
\end{Bemerkungl}
\begin{Ubung}
Sei $k$ ein K"orper und $\op{Id}: \op{Mod}_k\ra \op{Mod}_k$
der Identit"atsfunktor.
Man bestimme alle Transformationen 
von diesem Funktor zu sich selber. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung} 
Man betrachte die {\bf Homotopiekategorie bepunkteter R"au\-me}
\index{Homotopiekategorie!topologische bepunktete}
$\op{Hot}^\ast$\index{Hot@$\op{Hot}^\ast$!Homotopiekategorie, topologische bepunktete} 
mit bepunkteten R"aumen als Objekten und Homotopieklassen
f"ur basispunkterhaltende Homotopie als Morphismen. So wird 
die Fundamentalgruppe, aufgefa"st als Funktor
$\pi_1:\op{Hot}^\ast\ra \op{Ens},$ dargestellt durch 
die bepunktete Kreislinie. Die bepunktete Kreislinie kann
im "Ubrigen versehen werden mit der
Struktur eines Gruppenobjekts in $(\op{Hot}^\ast)^\circ,$ und
das liefert in diesem Kontext die Gruppenstruktur
auf $\pi_1(X,x).$
\end{Ubung}
\begin{Ubung} 
Sind zwei Funktoren  \"{a}quivalent und ist der Eine
eine \"{A}quiva\-lenz von Kategorien, so auch der Andere.
\end{Ubung}

\begin{Bemerkungl}
Ein Zugang zu der von Grothendieck konstruierten Kategorie der 
\defnoind{Schemata}\index{Schema} ist es, diese Kategorie zu realisieren
als volle Unterkategorie der Kategorie $\op{Kring}^\wedge,$
die wir erhalten, wenn wir die Kategorie der kommutativen Ringe 
mit der n"otigen Sorgfalt bei Fragen
der Mengenlehre in der oben erkl"arten Weise 
vervollst"andigen. 
Der affine Raum der Dimension $n$ wird dann zum Beispiel
definiert als 
der Funktor, der jedem kommutativen Ring $R$ die Menge $R^n$ zuordnet,
und der projektive Raum der Dimension $n$ als
der Funktor, der jedem kommutativen Ring $R$ die Menge 
derjenigen direkten Summanden $D$ des $R$-Moduls
$R^{n+1}$ zuordnet, die \glqq vom Rang Eins\grqq\  sind in dem Sinne,
da"s bei jedem Primideal $\frak{p}\subset R$ ihre Lokalisierung $D_\frak{p}$
ein freier $R_\frak{p}$-Modul vom Rang Eins ist.
Man kann 
mit Schemata so effizient und geometrisch arbeiten, da"s sie
mittlerweile zum eigentlichen Arbeitspferd
der algebraischen Geometrie 
geworden sind.
\end{Bemerkungl}




\subsection{Produkte in Kategorien}

\begin{Definition}
Sei ${\cal C}$ eine Kategorie und $(X_{i})_{i\in I}$ eine Familie von
Objekten von ${\cal C}.$ Ein {\bf Produkt}\index{Produkt!in Kategorie} 
der $X_{i}$ ist ein Datum
$(P, (p_{i})_{i \in I})$ bestehend aus (1) einem Objekt $P \in {\cal C}$
und (2) Morphismen $p_{i} : P \ra X_{i},$ den sogenannten
{\bf Projektionen},\index{Projektion!in Kategorie}
derart da"s gilt:
Ist $Y \in {\cal C}$ ein Objekt und sind $q_{i} : Y \ra X_{i}$
Morphismen, so gibt es genau einen Morphismus $q: Y \ra P$ mit
$p_{i} \circ q = q_{i} \quad \forall i \in I.$ Wir notieren 
diesen Morphismus dann
$q=(q_i)_{i\in I}.$
\end{Definition}

\begin{Beispiele}
In der Kategorie der Mengen ist $P = \prod_{i\in I} X_{i}$ mit
$p_{i}$ den "ublichen Projektionsabbildungen 
ein Produkt der $X_{i}.$ Dasselbe gilt in
der Kategorie der topologischen R\"{a}ume, wenn wir
$P$ mit der Produkttopologie im Sinne von \ref{PrTo} versehen.
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}
Produkte in Kategorien sind im wesentlichen eindeutig, falls sie
existieren. Sind genauer $(P ,(p_{i}))$ und
$(\tilde{P},(\tilde{p}_{i}))$ zwei m"ogliche
Produkte der Objekte $X_i,$  so gibt es aufgrund der
universellen Eigenschaft von $P$ genau ein $\tilde{p}:
\tilde{P} \ra P$ mit $p_i \circ \tilde{p} = \tilde{p}_i$ und
ebenso genau ein ${p} : P \ra \tilde{P}$ mit
$\tilde{p}_{i}\circ {p} = p_i.$ 
Weiter gibt es auch genau ein $f: P \ra P$ mit $p_i \circ f =
p_i,$ und da sowohl $f = \op{id}$ als auch $f =\tilde{p} \circ  p$ diese
Bedingung erf"ullen, folgt $\tilde{p} \circ  p= \op{id}.$
Ebenso erhalten wir $p \circ \tilde{p} = \op{id},$ mithin sind $p$
und $\tilde{p}$ zueinander inverse Isomorphismen.
Aufgrund dieser Eindeutigkeit sprechen wir ab jetzt 
meist von {\bf dem} Produkt und notieren es
$$\left(\prod_{i\in I} X_{i},(\op{pr}_i)_{i\in I}\right)$$ 
oder im Fall endlicher 
Familien $X_{1} \times \ldots \times X_{n}$ 
und\index{P@$\prod$!Produkt in Kategorie}\index{$\prod$!Produkt in Kategorie}
benutzen\index{x@$\times$!Produkt in Kategorie} 
f"ur die Projektionen manchmal auch die Notation
$\op{pr}_{X_i}$.\index{pr@$\op{pr}$ Projektion aus Produkt} 
Morphismen
in das Produkt schreiben wir im Fall endlicher Familien auch
$(q_1,\ldots,q_n).$ 
Sind schlie"slich Morphismen
$f : X \ra X^{\prime},$ $g : Y \ra Y^{\prime}$ gegeben und
existieren die Produkte $X \times Y$ und $X^{\prime} \times
Y^{\prime},$ so benutzen wir die Abk"urzung $(f \circ \op{pr}_{X}, g
\circ \op{pr}_{Y}) = f \times g$ und nennen diesen Morphismus den
\defind{Produktmorphismus}
$$f \times g : X \times Y \ra X^{\prime} \times Y^{\prime}$$
\end{Bemerkungl}









\begin{Beispiele}
Das Produkt "uber eine leere Familie von Mengen erkl"art man 
als \glqq die\grqq\  einpunktige Menge, damit das Bilden von Produkten 
von Mengen \glqq assoziativ\grqq\ 
wird in der Weise, da"s wir bei einer Familie $(I_j)_{j\in J}$ von
Indexmengen mit disjunkter Vereinigung $I=\coprod_j I_j$ stets eine 
kanonische Bijektion
$$\prod_{i\in I}X_i\sira \prod_{j\in J}\left(\prod_{i\in I_j}X_i\right)$$
haben. 
Das Produkt "uber eine leere Familie in einer beliebigen Kategorie $\cal{C}$
verstehen wir analog als \glqq das\grqq\  finale Objekt, da dann
die offensichtliche Abbildung auch in diesem Fall Bijektionen
$\cal{C}(Y,\prod_{i\in I}X_i)\sira\prod_{i\in I}\cal{C}(Y,X_i)$ liefert.
Wenn wir sagen, eine Kategorie {\bf habe  Produkte} oder
auch nur endliche Produkte,
so fordern  wir insbesondere implizit
 die Existenz eines finalen 
Objekts.
\end{Beispiele}

\begin{Ubung}
Man pr\"{a}zisiere und zeige die \glqq Assoziativit\"{a}t\grqq\  von Produkten,
die die Formel $(X \times Y) \times Z \cong X \times (Y \times Z)$
andeutet.
\end{Ubung}












%%%%
\begin{Bemerkungl}
Produkte in der opponierten Kategorie hei"sen \glqq Koprodukte\grqq.
Im folgenden sprechen wir  diese Definition explizit  aus.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Sei ${\cal C}$ eine Kategorie und $(X_{i})_{i \in I}$ eine Familie von
Objekten aus ${\cal C}.$
Ein \defind{Koprodukt} der $X_{i}$ ist ein Datum $(K, (\op{in}_{i})_{i\in
I})$ bestehend aus einem Objekt $K \in {\cal C}$ und Morphismen $\op{in}_{i}:
X_{i} \ra K$ derart, da"s gilt:
Ist $Z \in {\cal C}$ ein Objekt und sind $f_{i} : X_{i} \ra Z$
Morphismen, so gibt es genau einen Morphismus $f: K \ra Z$ mit $f
\circ \op{in}_{i} = f_{i} \quad \forall i \in I.$
Wir notieren diesen Morphismus dann auch $(f_i)_{i\in I}$ und hoffen,
da"s der Leser aus dem Kontext erschlie"sen kann, wann damit ein Morphismus 
aus einem Koprodukt und wann ein Morphismus in ein Produkt gemeint ist.
Wir notieren Koprodukte $\coprod_{i \in I} X_{i}.$\index{$\coprod$ Koprodukt}
\end{Definition}
\begin{Beispiele}
In der Kategorie der Mengen ist das Koprodukt die disjunkte
Vereinigung $\coprod_{i \in I} X_{i}.$
In der Kategorie der topologischen R\"{a}ume gilt dasselbe.
In der
Kategorie der bepunkteten topologischen R\"{a}ume ist das Koprodukt
die \defind{Einpunktverbindung} $\bigvee_{i \in I} X_{i} = \coprod
X_{i}/\sim,$ wo die \"{A}quivalenzrelation $\sim$ dadurch
erkl\"{a}rt sei, da"s alle  Basispunkte der verschiedenen
$X_{i}$ unter $\sim$ eine \"{A}quivalenzklasse bilden und die
anderen \"{A}quivalenzklassen einelementig sind.
In der Kategorie der abelschen Gruppen ist das Koprodukt die
direkte Summe.
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}\label{TPRR}
F"ur die algebraisch Gebildeten unter Ihnen sei bemerkt, da"s
in der Kategorie $\op{Kring}$ der kommutativen Ringe 
 das Tensorprodukt "uber $\DZ$ im Sinne von \ref{TPro} ein Koprodukt ist,
sofern die Multiplikation auf $A\otimes B$ durch
$(a\otimes b)(a'\otimes b')=aa'\otimes bb'$ erkl"art wird und die
kanonischen Morphismen durch $a\mapsto a\otimes 1$ und 
$b\mapsto 1\otimes b.$
\end{Bemerkungl}

\subsection{Kartesische und kokartesische Diagramme}
\begin{Definition}\label{ObUe}
Gegeben eine Kategorie $\cal{C}$ und ein Objekt $X\in \cal{C}$
definieren wir ganz allgemein
die Kategorie $\cal{C}_X$ der \defnoind{Objekte von
$\cal{C}$ "uber $X$}\index{Objekte "uber} wie folgt: 
Objekte von $\cal{C}_X$ sind Paare $(Y,p)$ mit $Y\in \cal{C}$ und
$p\in \cal{C}(Y,X),$ 
Morphismen in $\cal{C}_X$ von einem Objekt $(Y,p)$ 
in ein weiteres Objekt $(Z,q)$ sind
Morphismen $f:Y\ra Z$ in $\cal{C}$ mit $q\circ f=p.$
Wir nennen sie auch die \defind{Morphismen "uber $X$}.
\end{Definition}
\begin{Definition}\label{KaUu}
Dual 
definieren wir 
die Kategorie $\cal{C}^X$ der \defnoind{Objekte von
$\cal{C}$ unter $X$}\index{Objekte unter} wie folgt: 
Objekte von $\cal{C}^X$ sind
Morphismen $p:X\ra Y$ von $X$ zu einem Objekt von $\cal{C}$ und
Morphismen sind was der Leser sich denkt, so da"s wir haben
$(\cal{C}^\circ)_X=(\cal{C}^X)^\circ.$
\end{Definition}
\begin{Beispiele}
Zum Beispiel ist die Kategorie der bepunkteten topologischen R"aume
$\op{Top}^\ast$ die \glqq Kategorie der topologischen R"aume
unter dem einpunktigen Raum\grqq, und die Kategorie der 
Erweiterungen eines K"orpers $K$
ist die \glqq Kategorie aller K"orper unter $K.$\grqq\ 
\end{Beispiele}
\begin{Bemerkungl}
Wir werden   Kategorien auch f"ur andere Bedeutungen mit oberen und
unteren Indizes versehen und k"onnen nur hoffen, da"s aus dem Kontext klar 
wird,
welche Bedeutung jeweils gemeint ist.  
Zum Beispiel bezeichnet $\op{Mod}_k$ stets die Kategorie
aller $k$-Vektorr"aume und nie die Kategorie aller Objekte einer
Kategorie $\op{Mod}$ "uber ihrem Objekt $k.$
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}
Ein Diagramm  der Gestalt
$$\begin{array}{rcl}
W& \overset{c_y}{\longrightarrow}& Y\\
{\scriptstyle{c_z}}\downarrow & &\downarrow \scriptstyle{a}\\
Z&\overset{b}{\longrightarrow} & X
\end{array}$$
in einer Kategorie ${\cal C}$ 
hei"st \defind{kartesisch} oder ein
\defind{pull-back-Diagramm}
genau dann, wenn es kommutativ ist
und 
$(W,c_y,c_z)$ ein Produkt ist in der Kategorie $\cal{C}_X$
der Objekte von $\cal{C}$ "uber $X,$ wobei  wir $W$ 
vermittels $b\circ c_z=a\circ c_y$ als
Objekt von $\cal{C}_X$ aufzufassen haben.
Ausformuliert bedeutet das: F\"{u}r jedes weitere kommutative Diagramm
in ${\cal C}$ der Gestalt
$$\begin{array}{rcl}
T& \overset{f}{\longrightarrow}& Y\\
{\scriptstyle{g}}\downarrow & &\downarrow \scriptstyle{a}\\
Z&\overset{b}{\longrightarrow} & X
\end{array}$$
gibt es genau einen Morphismus $u: T \ra W $ mit $f = c_{y}\circ
u$
und
$g = c_{z}\circ u.$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}\label{IWE}
Ein Diagramm der Gestalt
$$\begin{array}{rcl}
& & Y\\
   & &\downarrow \; \scriptstyle{a}\\
Z&\overset{b}{\longrightarrow} & X
\end{array}$$
nennen wir ein \defind{Winkeldiagramm} oder kurz
einen {\bf Winkel}.\index{Winkel!spezielles Diagramm}
In einer beliebigen Kategorie
l\"{a}"st sich nicht jeder Winkel 
zu einem kartesischen Diagramm vervollst\"{a}ndigen,
aber wenn es sich vervollst\"{a}ndigen l\"{a}"st, 
dann ist diese Vervollst\"{a}ndigung 
als
ein Produkt in $\cal{C}_X$ im wesentlichen eindeutig.
Wir erlauben uns deshalb den bestimmten Artikel,
schreiben\index{x@$\times_X$ Faserprodukt} 
$$W=Y\times_X Z$$ und nennen
dieses Objekt {\bf den} \defind{R"uckzug} oder den \defind{pull-back}
{\bf das} \defind{Faserprodukt}
von $Y$ mit $Z$ \"{u}ber $X.$
Diese Terminologie hat den folgenden Hintergrund:
Ist $f:Y\ra X$ eine
Abbildung und $x\in X$ ein Punkt, so nennt man 
ja sein Urbild $Y_x=f^{-1}(x)$ auch die
Faser%\index{Faser!einer Abbildung} 
von $f$ \"{u}ber $x.$ Den pull-back
in der Kategorie der Mengen k\"{o}nnen wir nun verstehen als
ein \glqq faserweises Produkt\grqq, in der Kategorie der Mengen gilt n\"{a}mlich
$$Y\times _X Z=\{(y,z)\in Y\times Z\mid a(y)=b(z)\}$$
und insbesondere haben wir $(Y\times _X Z)_x=Y_x\times Z_x$
f\"{u}r alle $x\in X.$
\"{A}hnlich erhalten wir auch das Faserprodukt in der Kategorie der
topologischen R\"{a}ume, hierzu m\"{u}ssen wir nur die Menge $Y\times _X Z$
versehen mit der von der Produkttopologie
auf $Y\times Z$ induzierten Topologie.
\end{Bemerkungl}
\begin{Ubung}\label{EK}
Sei in einer Kategorie ein kommutatives Diagramm der Gestalt
$$\begin{array}{ccccc}
X'&\ra&Y'&\ra&Z'\\
\da& &\da&&\da\\
X&\ra&Y&\ra&Z\end{array}$$ gegeben.
Sind die zwei Quadrate kartesisch, so ist auch das einh\"{u}llende
Rechteck kartesisch, mit den horizontalen Verkn\"{u}pfungen als horizontalen
Pfeilen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Ist $i:Z\hra X$ die Einbettung eines Teilraums
und  $f:Y\ra X$ eine stetige Abbildung, so ist das folgende Diagramm
kartesisch in der Kategorie der topologischen R\"{a}ume:
$$\begin{array}{ccl}
f^{-1}(Z)& \hra& Y\\
{\scriptstyle{f}}\downarrow\;\;&&\;\downarrow\;\scriptstyle{f}\\
Z&\hra & X
\end{array}$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{PrQu}
Gegeben zwei kartesische Quadrate ist auch das \glqq Produktquadrat\grqq,
bei dem an jeder Ecke das Produkt der zugeh"origen Objekte aus
unseren beiden Ausgangsquadraten steht, ein kartesisches Quadrat, wenn
diese vier Produkte alle existieren.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{MKP}
Seien $X,Z$ Objekte einer Kategorie derart,
da"s die Produkte $Z\times X$ und $X\times X$ existieren.
F\"{u}r jeden
Morphismus $g:Z\ra X$ ist dann das folgende Diagramm mit den 
Morphismen $g,$ $g\times \op{id}$ in den Horizontalen
und $(\op{id},g),$ $\Delta=(\op{id},\op{id})$ in den Vertikalen
kartesisch:
$$\begin{array}{ccc}
Z& \ra& X\\
\downarrow & &\downarrow \\
Z\times X&\ra & X\times X
\end{array}$$
\end{Ubung}
\begin{Definition}\label{puou}
Kartesische Diagramme in der opponierten Kategorie
hei"sen {\bf kokartesische Diagramme}\index{kokartesisch!Diagramm} 
oder auch
{\bf push-out-Diagramme}.\index{push-out-Diagramm} 
Ausgeschrieben ist ein 
Diagramm der Gestalt
$$\begin{array}{rcl}
X& \overset{a}{\longrightarrow}& Y\\
{\scriptstyle{b}}\downarrow & &\downarrow \scriptstyle{c_{y}}\\
Z&\overset{c_{z}}{\longrightarrow} & W
\end{array}$$
also kokartesisch genau dann, wenn es kommutiert und
 wenn es f\"{u}r jedes andere kommutative Diagramm
$$\begin{array}{rcl}
X& \overset{a}{\longrightarrow} &Y\\
{\scriptstyle{b}}\downarrow & & \downarrow {\scriptstyle{f}}\\
Z &\overset{g}{\longrightarrow} & G
\end{array}$$
genau einen Morphismus $u: W \ra G $ gibt  mit $f = u \circ c_{y}$ und
$g = u \circ c_{z}.$
Unsere Eindeutigkeitsaussagen \ref{IWE} f"ur kartesische Diagramme gelten 
entsprechend auch f\"{u}r kokartesische Diagramme.
Winkeldiagramme in der opponierten Kategorie nennen wir 
{\bf Kowinkeldiagramme}\index{Kowinkeldiagramm} oder 
kurz {\bf Kowinkel}.\index{Kowinkel}
\end{Definition}

\begin{Ubung}
Der push-out in der Kategorie der Mengen bzw.\ der
topologischen R"aume ist genau die Verklebung aus
\ref{Verkl}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{KKI}
Ist in einem kartesischen oder kokartesischen Diagramm ein Ursprungspfeil
ein Isomorphismus, so auch der gegen\"{u}berliegende 
Pfeil aus dem pull-back bzw.\
in den push-out.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{UCK}
In der Kategorie der abelschen Gruppen l"a"st sich 
jeder Winkel bzw.\ Kowinkel zu einem kartesischen bzw.\ kokartesischen
Diagramm vervollst"andigen. Ist in einem kokartesischen Diagramm 
von abelschen Gruppen von zwei parallelen Pfeilen
einer eine Surjektion, so auch der andere. 
Ist in einem kokartesischen Diagramm 
von abelschen Gruppen
ein Ursprungspfeil eine Injektion, so auch der gegen"uberliegende
Pfeil in den push-out.  Hinweis: Man argumentiere mit einer expliziten
Konstruktion des push-out. 
Wer spicken will, vergleiche \ref{UCKK}.
Ein allgemeines Argument wird  in 
\ref{Kepi} gegeben.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{BWM}
In  
einem kartesischen Diagramm 
von Mengen $$\begin{array}{rcl}
X& \overset{q}{\longrightarrow} &Y\\
{\scriptstyle{g}}\downarrow & & \downarrow {\scriptstyle{f}}\\
Z &\overset{p}{\longrightarrow} & W
\end{array}$$
gilt f"ur jede Teilmenge $A\subset Y$ die Gleichheit
$p^{-1}(f(A))=g(q^{-1}(A))$ von Teilmengen von $Z.$
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}\label{KBWM}
Die algebraisch Gebildeten unter Ihnen 
m"ogen sich "uberlegen, da"s in der Kategorie 
$\op{Kring}$ der kommutativen Ringe alle Diagramme der Gestalt 
$$\begin{array}{rcc}
C& \overset{q}{\longrightarrow} &B\;\;\;\\
{\scriptstyle{g}}\downarrow & & \downarrow {\scriptstyle{f}}\\
 A&\overset{p}{\longrightarrow} & A\otimes_C B
\end{array}$$
kokartesisch sind, 
mit beliebigen Ringhomomorphismen $C\ra A$ und $C\ra B,$ 
der hoffentlich offensichtlichen Multiplikation auf dem 
Tensorprodukt, und
den hoffentlich offensichtlichen Ringhomomorphismen in das Tensorprodukt.
\end{Ubunge}
%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AATOTAL"
%%% End: 
