
\section{Singul\"are Homologie}
% Ossa Probleme: Erzeuger der Homologie der Sphären.
%                Reduzierte Homologie der leeren Menge.

\subsection{Simpliziale Homologie}\label{SHo}
\begin{Bemerkungl}
F"ur jede Menge $\Lambda$ betrachten wir die abelsche Gruppe $$\Bbb{Z} \Lambda$$
aller der Abbildungen $f:\Lambda\ra\Bbb{Z}$,  die nur auf endlich vielen
Elementen von $\Lambda$ Werte ungleich Null annehmen.
Die Elemente von $\Bbb{Z} \Lambda$ fassen wir auf als endliche formale
Linearkombinationen von Elementen von $\Lambda$ und schreiben sie
$f=\sum a_\lambda \lambda$ mit $a_\lambda=f(\lambda)\in\Bbb{Z}$\label{fag}  und
$\lambda \in \Lambda$. Die Gruppe $\Bbb{Z}\Lambda$ hei"st die  {\bf freie abelsche Gruppe "uber $\Lambda$}. In der in \ref{fag} eingef"uhrten Notation
hie"s sie $\op{Ab}\frei \Lambda$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Wir haben eine offensichtliche Abbildung\label{cag}  
$\varepsilon:\Lambda\ra \Bbb{Z} \Lambda$,  die
  eben jedem Element die charakteristische Funktion der entsprechenden
  einelementigen Teilmenge zuordnet und die wir in diesem Kontext
in Worten und Formeln behandeln,  als ob sie die
Einbettung einer Teilmenge sei.  
Gegeben eine weitere abelsche Gruppe $G$
  l"a"st sich jede Abbildung $ \varphi: \Lambda\ra G$ auf genau eine Weise zu
  einem Gruppenhomomorphismus $\tilde{\varphi}:$ $\Bbb{Z} \Lambda\ra G$
  fortsetzen, den wir die 
  {\bf lineare Fortsetzung\index{lineare Fortsetzung} von} $\varphi$ nennen
  und in diesem Kontext auch meist mit demselben Buchstaben $\varphi$ bezeichnen. 
  In Formeln ausgedr"uckt induziert f"ur jede abelsche Gruppe
  $G$ das Vorschalten von $\varepsilon$ eine
  Bijektion $$(\circ \varepsilon):\op{Ab}(\DZ\Lambda,G)\sira \op{Ens}(\Lambda,G)$$
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl} Ich erinnere an die Definition 
eines Simplizialkomplexes
  ${\cal K} = (E,{\cal K})$ aus \eref{SKk}{TF} als  einer Menge $E$ von \glqq Ecken\grqq\
mitsamt einem System
  ${\cal K}\subset {\cal P}(E)$ von nichtleeren endlichen Teilmengen,
genannt \glqq kombinatorische Simplizes\grqq\ oder auch kurz
\glqq Simplizes\grqq, das unter
  dem Bilden von nichtleeren Teilmengen stabil ist und 
alle einelementigen
  Teilmengen von $E$ enth"alt.  Eine geometrische Anschauung f"ur
  dieses kombinatorische Datum mag seine geometrische Realisierung 
  $\Delta(\cal K)$ nach \eref{PolS}{TF} geben.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ketten und Randoperator}] 
Gegeben ein Simplizialkomplex\label{RvE} 
  ${\cal K} = (E,{\cal K})$ bezeichne 
  ${\cal K}_{q} \pdef\{s\in \cal K \mid|s|=q+1\}$ die Menge seiner
{\bf $q$-Simplizes}.
Unter einem {\bf durchnumerierten $q$-Simplex} unseres Simplizialkomplexes
$(E,\mathcal K)$
verstehen wir eine injektive Abbildung $s:\{0,\ldots,q\}\hra E$, deren Bild
ein $q$-Simplex ist. Wir notieren diese Abbildungen in diesem Kontext meist 
als Tupel $(s_0,\ldots,s_q)$.
Die Menge der durchnumerierten $q$-Simplizes von
$(E,\mathcal K)$ notieren wir
$$\mathcal K_q^{\op{dn}}$$
Gegeben eine Anordnung $\leq$ auf der Menge $E$
der Ecken unseres Simplizialkomplexes  
nennen wir einen numerierten $q$-Simplex $s$  
{\bf ordnungsvertr"aglich durchnumeriert}, wenn gilt
$s_{0}< \ldots< s_{q}$.
Die Menge der ordnungsvertr"aglich durchnumerierten $q$-Simplizes notieren wir 
$$\mathcal K_{q}^{\op{odn}}\subset \mathcal K_q^{\op{dn}}$$
Das Vergessen der Nummerierung liefert  eine Bijektion
$\mathcal K_{q}^{\op{odn}}\sira \mathcal K_q$. Nun erkl"aren wir einen
Homomorphismus $\partial:\DZ{\cal K}_{q}^{\op{odn}}\ra
\DZ {\cal K}_{q-1}^{\op{odn}}$ 
zwischen den  freien abelschen Gruppen "uber den entsprechenden Mengen von
ordnungsvertr"aglich durchnumerierten Simplizes 
 als die lineare Fortsetzung der Abbildung
$$\partial :(s_{0}, \ldots, s_{q}) \mapsto \sum_{0\leq i \leq q} (-1)^{i}
(s_{0}, \ldots , \hat{s}_{i}, \ldots, s_{q})$$
 mit einem Hut alias einer \glqq Tarnkappe\grqq\  "uber der
 wegzulassenden Ecke.
  Diesen Homomorphismus nennen wir den
{\bf Randoperator}. 
Es ist leicht zu sehen, da"s in der Sequenz
$$\ldots\ra\DZ{\cal K}^{\op{odn}}_{2}\ra \DZ {\cal K}^{\op{odn}}_{1}\ra
\DZ {\cal K}^{\op{odn}}_{0}\ra 0$$ 
die Verkn"upfung je zweier aufeinanderfolgender Homomorphismen
Null ist, in Formeln $\partial^2=0$. \nichtfinal{Bild, Beispiel f"ur Homologie!} 
\end{Bemerkungl}



\begin{Definition}
Sei
nun  ${\cal K} = (E,{\cal K})$ ein Simplizialkomplex ohne
eine etwaige auf seiner Eckenmenge vorgegebene Anordnung.
Gegeben  $q\geq 0$ bilden
 wir die freie abelsche Gruppe $\DZ{\cal K}^{\op{dn}} _{q}$
 "uber der Menge der durchnumerierten $q$-Simplizes und  
deren Quotienten
\index{S@${\op{S}}_{q} {\cal K}$ Simplizialkette}
$${\op{S}}_{q} {\cal K} \pdef \Bbb{Z}{\cal K}^{\op{dn}}_{q}/ \langle s \circ
\pi - (\op{sgn}\pi)s \mid \sigma \in {{\cal K}}^{\op{dn}} _{q},\;
\pi \in \cal{S}_{q+1}\rangle$$
In\label{SiKe} diesem Quotienten  werden
also je zwei durchnumerierte $q$-Sim\-pli\-zes, die sich nur in ihrer
Numerierung und in dieser um eine Permutation $\pi$ unterscheiden, 
bis auf das Signum
der fraglichen Permutation $\pi \in \cal{S}_{q+1}$ 
miteinander identifiziert.
Wir nennen unseren Quo\-tienten ${\op{S}}_{q} {\cal K}$  die 
\defnoind{Gruppe der 
$q$-Simplizialketten\index{Simplizialkette}\index{Kette!Simplizialkette}
  von} ${\cal K}$.  Die Klasse eines durchnumerierten $q$-Simplex
$s\in{\cal K}^{\op{dn}}_{q}$ notiere ich
$[s]\in {\op{S}}_{q} {\cal K}$.
\end{Definition}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Simplizialketten und Simplizes}]  Sei
  ${\cal K} = (E,{\cal K})$ ein Simplizialkomplex.\label{SKSII}  
  Ist eine Anordnung $\leq$ seiner Eckenmenge $E$ gegeben,
  so ist f"ur jedes
  $q\geq 0$ die Komposition
  $\DZ\mathcal K_{q}^{\op{odn}}\hra \DZ\mathcal K_q^{\op{dn}}
  \sra {\op{S}}_{q} {\cal K}$ ein
  Isomorphismus 
  $\DZ\mathcal K_q^{\op{odn}}\sira {\op{S}}_{q} {\cal K}$.
  Die links erkl"arten Randoperatoren lassen sich durch dieselben Formeln
  auf beliebige durchnumerierte Simplizes
  fortsetzen und dann gilt, wie man unschwer f"ur Transpositionen $\pi$
  benachbarter Indizes pr"uft, $\partial(s\circ\pi - \op{sgn}(\pi)s)=0$.   
Folglich induzieren sie 
  {\bf Randoperatoren} 
  $$\partial:  {\op{S}}_{q} {\cal K}\ra {\op{S}}_{q-1} {\cal K}$$
 auf den Simplizialketten. A forteriori gilt  auch f"ur diese $\partial^2=0$. 
Die so entstehende Sequenz von abelschen Gruppen
$$\ldots  \overset{\partial}{\rightarrow}{\op{S}}_2{\cal K}
\overset{\partial}{\rightarrow} {\op{S}}_1{\cal K}
\overset{\partial}{\rightarrow} {\op{S}}_0{\cal K} $$
 nennen wir den {\bf Komplex der Simplizialketten}.\label{KsKS} 
Um mit Beschr"ankungen der
Indizes keinen "Arger zu kriegen, setzen wir unsere Sequenz ins
Negative fort durch Null und vereinbaren  ${\op{S}}_{q}{\cal K} =0$ f"ur $q<0$. 
\end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Veranschaulichung von Null-Simplizialketten}]
  Eine Null-Sim\-pli\-zial\-ket\-te  ist eine
  $\DZ$-wertige Funktion auf der Menge der Ecken, die h"ochstens endlich vielen Ecken einen Wert ungleich Null zuordnet. Bildlich stellen wir
  so eine Null-Simplizialkette dar,
  indem wir den Wert an jede Ecke schreiben, soweit er nicht Null ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Veranschaulichung von Eins-Simplizialketten}]
  Einen durchnumerierten Eins-Simplex $(s_0,s_1)$ zeichne ich als
  eine Kante mit einem Pfeil von der  Ecke $s_0$  zur Ecke $s_1$.
   Eine Eins-Simplizialkette kann aufgefa"st werden als eine
   $\DZ$-wertige Funktion auf der Menge aller derart bepfeilten Kanten,
   die auf der umgekehrt bepfeilten Kante jeweils den negativen Wert
   annimmt und auf fast allen bepfeilten Kanten den Wert Null.
   Bildlich stellen wir
  so eine Eins-Simplizialkette dar,
  indem wir f"ur jede  Kante, auf der der Wert nicht eh null ist,
  eine Bepfeilung w"ahlen und den Wert f"ur diese Bepfeilung
  an die Kante schreiben. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Veranschaulichung von Zwei-Simplizialketten}]
  Die durch einen
  durchnumerierten Zwei-Simplex $(s_0,s_1,s_2)$ gegebene Zwei-Simplizialkette
  zeichne ich als Dreiecksfl"ache mit einem Kreispfeil, der andeutet, in welcher
  Richtung man auf dem Rand herumgehen mu"s, wenn man
  von der  Ecke $s_0$ "uber
  die  Ecke $s_1$ zur  Ecke $s_2$ gehen will. Da alle zyklischen
  Permutationen in $\mathcal S_3$ gerade sind,
  ist das sinnvoll. Dieselbe Dreiecksfl"ache
  mit einem Kreispfeil in der Gegenrichtung stellt dann das Negative unserer
  Zwei-Simplizialkette dar. 
  Eine beliebige Zwei-Sim\-pli\-zial\-ket\-te eines Simplizialkomplexes ist eine
  $\DZ$-wertige Funktion auf der Menge aller
  kreisbepfeilten Dreiecksfl"achen,
   die auf der umgekehrt bepfeilten Dreiecksfl"ache jeweils den negativen Wert
   annimmt und auf fast allen kreisbepfeilten Dreiecksfl"achen den Wert Null.
 Bildlich stellen wir
  so eine Zwei-Simplizialkette dar,
  indem wir f"ur jede Dreiecksfl"ache, auf der der Wert nicht eh null ist,
  eine Kreisbepfeilung w"ahlen und den Wert f"ur diese Kreisbepfeilung
  in die Dreiecksfl"ache schreiben. \end{Bemerkungl}



\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BiRaS}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschauung f"ur den Rand einer 2-Simplizialkette.
In der linken Spalte habe ich versucht, zwei 
Elemente 
der freien abelschen Gruppe "uber der Menge der numerierten Simplizes
graphisch darzustellen, die dieselbe 
Simplizialkette repr"asentieren, sowie ganz unten besagte 
Simplizialkette selber. 
In der rechten Spalte werden die jeweiligen R"ander angedeutet.
Die Zahlen an den Ecken stehen f"ur die durch die jeweilige Nummerierung.
\end{minipage}
\end{figure}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauung f"ur den Komplex der Simplizialketten}]
Anschaulich mag man sich eine $0$-Simplizialkette vorstellen als
eine endliche formale Linearkombination von Ecken mit ganzzahligen
Koeffizienten; eine $1$-Simplizialkette als eine 
endliche formale Linearkombination von 
bepfeilten 
 Kanten, wobei
eine umgekehrt bepfeilte Kante mit   dem Negativen der
urspr"unglichen bepfeilten Kante zu identifizieren ist; 
den Rand einer bepfeilten 
Kante als Endpunkt minus Anfangspunkt;  eine 
$2$-Simplizialkette als eine 
endliche formale Linearkombination von bekreispfeilten   
Dreiecksfl"achen,
wobei die umgekehrt bekreispfeilte 
Dreiecksfl"ache mit dem Negativen der
urspr"unglichen bekreispfeilten Dreiecksfl"ache zu identifizieren ist; 
und den Rand einer bekreispfeilten 
Dreiecksfl"ache als die Summe ihrer drei Kanten, jeweils 
versehen mit der Richtung,
f"ur die sie einen Rundweg  in der durch den Kreispfeil
 gegebenen Laufrichtung bilden.
Die Herkunft der Bezeichnung 
$\partial$ f"ur die Randoperatoren wird in \eref{BeDe}{AN2} diskutiert.
\end{Bemerkungl}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSiKee}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Ein Simplizialkomplex und darin eingezeichnet eine
$1$-Simplizialkette, bestehend aus der formalen Summe der
 mit einem Pfeil versehenen fetten Kanten  
 mit jeweils dem  Koeffizienten $8$.  Ebenfalls eingezeichnet der Rand dieser
Simplizialkette, die formale Summe der
zwei besonders fetten Punkte mit den darangeschriebenen Koeffizienten
$\pm 8$.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Definition}
Sei ${\cal K}$ ein Simplizialkomplex.
Wir setzen:
\begin{description}
\item[${\op{Z}}_q{\cal K}$]$
\pdef\ker (\partial_{q}:{\op{S}}_q{\cal K}\ra{\op{S}}_{q-1}{\cal K}) $ die 
Gruppe der\index{Simplizialzykel}\index{Zykel!simplizialer} 
\defnoind{$q$-Simplizialzykel};\index{Z@${\op{Z}}_q{\cal K}$ Simplizialzykel}
\item[${\op{B}}_q{\cal K}$]$\pdef\op{im} \partial_{q+1}$ die 
Gruppe der\index{Simplizialrand}  
\defnoind{$q$-Simplizialr"ander}\index{Rand!simplizialer}
(englisch boundaries);\index{B@${\op{B}}_q{\cal K}$ Simplizialr"ander}
%\vspace{2mm}
\item[${\op{H}}_q{\cal K}$]$\pdef {\op{Z}}_{q}{\cal K}/{\op{B}}_{q}{\cal K}$ die
\defnoind{$q$-te simpliziale 
Homologiegruppe}\index{Homologiegruppe!simpliziale}\index{simplizial!Homologiegruppe}
von ${\cal K}$. \index{H@${\op{H}}_q$ simpliziale Homologie}
\end{description}
In der letzten Zeile ist die Quotientengruppe aus \eref{KdR}{LA2} gemeint.
\end{Definition}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSimpH}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Zwei homologe $1$-Simplizialzykel in einem zweidimensionalen
Simplizialkomplex. F"ur die Summe aller 
mit der Orientierung \glqq im Uhrzeigersinn\grqq\  versehenen Zwei-Simplizes
 ist der Rand dieser $2$-Simplizialkette die Differenz der
durch Doppelpfeile beziehungsweise einfache Pfeile angedeuteten  $1$-Zykel.
\end{minipage}
\end{figure}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauung f"ur  Homologiegruppen}] 
Anschaulich  
beschreiben die verschiedenen Homologiegruppen eines Simplizialkomplexes 
${\cal K}$ verschiedene Arten
von
L"ochern seiner geometrischen Realisierung $\Delta ({\cal K})$. 
Zum Beispiel liefert  \ref{HPu} in Verbindung mit \ref{SH}
einen Isomorphismus zwischen ${\op{H}}_0{\cal K}$  
und der freien abelschen Gruppe
"uber der Menge der Zusammenhangskomponenten von $\Delta ({\cal K})$, 
die ja durch eine gewisse Art von L"ochern voneinander getrennt werden;
der \glqq Hu\-re\-wicz-Iso\-mor\-phis\-mus\grqq\ 
 \ref{Hu} in Verbindung mit \ref{SH} 
liefert 
einen Isomorphismus zwischen ${\op{H}}_1{\cal K}$ und dem maximalen abelschen 
Quotienten der Fundamentalgruppe von $\Delta ({\cal K})$,  der
eine andere Art von L"ochern beschreibt; 
und die \glqq Alexanderdualit"at\grqq\  \eref{ADu}{TG} 
in Verbindung mit \ref{SH} 
liefert f"ur jede Einbettung der Realisierung $\Delta ({\cal K})$ 
eines endlichen Simplizialkomplexes $\cal K$ in
$\DR^3$
einen Isomorphismus zwischen
${\op{H}}_2{\cal K}$ und
der freien abelschen Gruppe "uber der Menge der beschr"ankten
Zusammenhangskomponenten des Komplements von $\Delta ({\cal K})$
alias der freien abelschen Gruppe
"uber der Menge der \glqq Kavit"aten\grqq\  unserer Realisierung, die eine
wieder andere Art von L"ochern beschreibt. Die h"oheren Homologiegruppen
beschreiben "ahnliche
Ph"anomene in h"oheren Dimensionen, f"ur die ich 
keine so konkrete r"aumliche Anschauung
mehr anbieten kann.
\end{Bemerkungl}
\newpage
\begin{Beispiel} Ist $E$ eine  Menge 
  und $\mathcal M=\mathcal M(E)=(E,\cal{M})$
  der maximale  Simplizialkomplex mit Eckenmenge $E$, so 
ist der Komplex der Simplizialketten 
kanonisch isomorph in positiven Graden 
zum Komplex aus dem gleich anschlie"senden Lemma \ref{HKHKk},
und zwar f"ur jede Anordnung von $E$.
Genauer sind f"ur $q\geq 0$ die $(q+1)$-elementigen Teilmengen von $E$
genau die $q$-Simplizes von $\mathcal M$, wir haben also in der
im folgenden eingef"uhrten Notation $\mathcal M_{q}=\mathcal P_{q+1}E$.
Davon ausgehend erhalten wir unschwer ein
kommutatives Diagramm mit Isomorphismen in den Vertikalen 
$$\begin{array}{ccccccccccc}
0 &
\leftarrow   &\Bbb{Z} \cal{P}_{0}E  &\leftarrow  &
\Bbb{Z}\cal{P}_1E  &\leftarrow  &\Bbb{Z} \cal{P}_2E & 
\leftarrow  &\Bbb{Z} \cal{P}_3E  &\leftarrow &
\ldots \\
&&\da\wr&&\da\wr&&\da\wr&&\da\wr&&\\
0 &
\leftarrow   &\DZ  &\leftarrow  &
\cal{S}_0\mathcal M  &\leftarrow  &\cal{S}_1\mathcal M  & 
\leftarrow  &\cal{S}_2\mathcal M&\leftarrow &
\ldots
\end{array}
$$
Folglich 
liefert  Lemma  \ref{HKHKk} f"ur $E\neq \emptyset$  einen 
Isomorphismus ${\op{H}}_0\cal{M}\cong\DZ$ und  zeigt
weiter ${\op{H}}_q\cal{M}=0$ f"ur $q>0$.
Die geometrische Realisierung  $\Delta(\cal{M})$ von $\cal{M}=\cal{M}(E)$ ist
f"ur nichtleeres endliches $E$ ein voller Simplex mit $|E|$ Ecken. Unsere 
Erkenntnis mag man anschaulich dahingehend interpretieren,
da"s solch ein voller
Simplex \glqq aus einem St"uck besteht und keine L"ocher hat\grqq.
\end{Beispiel}
\begin{Lemma}[\textbf{Azyklizit"at von Simplizes}]
F"ur jede nichtleere angeordnete Menge $E\neq\emptyset$ ist der Komplex
    $$0 
\leftarrow  \Bbb{Z} \cal{P}_{0}E \leftarrow 
\Bbb{Z}\cal{P}_1E \leftarrow \Bbb{Z} \cal{P}_2E 
\leftarrow \Bbb{Z} \cal{P}_3E \leftarrow
     \ldots $$
    exakt,\label{HKHKk} wo $\cal{P}_nE$ das System aller $n$-elementigen 
Teilmengen von $E$ 
bezeichnet und der Randoperator $\partial :\Bbb{Z} \cal{P}_{n+1}E\ra  \Bbb{Z} \cal{P}_{n}E$ 
durch die Formel aus \ref{RvE} gegeben wird,
so da"s wir f"ur $v_{0}< \ldots< v_{n}$ 
 haben $$\partial:\{v_{0}, \ldots, v_{n}\} \mapsto \sum_{0\leq i \leq n} (-1)^{i}
\{v_{0}, \ldots , \hat{v}_{i}, \ldots, v_{n}\}$$
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
Wir verstehen hier Exaktheit im Sinne von \eref{exSG}{LA2}. Ausgeschrieben 
behaupten wir also, da"s an jeder Stelle der Kern des auslaufenden
Pfeils mit dem Bild des einlaufenden
Pfeils zusammenf"allt.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir $E$ endlich annehmen.
Ist dann $v \in E$ das kleinste Element  und definieren wir Gruppenhomomorphismen 
$\delta : \Bbb{Z} \cal{P}_nE \ra \Bbb{Z} \cal{P}_{n+1}E$
durch die Vorschrift
$\delta \{v_{1}, \dots , v_{n}\} = 
\{v, v_{1}, \ldots, v_{n}\}$
falls $v\not\in  \{v_{1}, \dots , v_{n}\}$
beziehungsweise $\delta \{v_{1}, \dots , v_{n}\} = 0$ sonst,
so pr"uft man leicht
an jeder Stelle $\partial \delta + \delta \partial = \op{id}$.  
Also ist in unserem  Komplex jeder Zykel ein Rand.
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis mit Tensorkomplexen]
   Bezeichne $A(E)$ den Komplex in unserem Lemma. 
 Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit d"urfen wir $E$ endlich annehmen.
 Uns reicht im weiteren sogar die Annahme, da"s  $E$ ein kleinstes Element
 $v$ hat.
Der Komplex $\DZ\sira \DZ$ 
konzentriert in homologischen Graden $1$ und $0$ mit der
Identit"at als Differential ist offensichtlich
nullhomotop. Ebenso ist auch der Komplex $A(v)$ oder
pr"aziser notiert $A(\{v\})$ zur 
einelementigen Menge $\{v\}$ 
offensichtlich nullhomotop. Schlie"slich liefern die offensichtlichen Formeln
einen Isomorphismus von Komplexen
$$A(v)\otimes A(E\backslash v)\sira A(E)$$
Damit ist auch $A(E)$ nullhomotop als Tensorprodukt 
mit einem nullhomotopen Komplex. 
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Varianten zur Azyklizit"at von Simplizes}] 
 Fast derselbe Beweis liefert auch die Exaktheit von zwei weiteren Komplexen,
   n"amlich f"ur jede nichtleere angeordnete Menge $E$ dem Komplex $B(E)$ der
  freien abelschen Gruppen "uber der Menge aller monotonen statt streng monotonen Abbildungen
  $\{1,\ldots,n\}\ra E$ alias Symbolen $(v_{1}, \ldots, v_{n})$
  mit $v_{1}\leq \ldots\leq v_{n}$, und f"ur jede nichtleere
  Menge $E$ dem Komplex $C(E)$ der\label{HKHKn} 
  freien abelschen Gruppen "uber der Menge aller Abbildungen
  $\{1,\ldots,n\}\ra E$ mit  dem durch die immer
  selbe Formel gegebenen Rand\-ope\-ra\-tor. Im ersten Fall zieht
  man sich wieder auf den endlichen Fall zur"uck und nimmt
  als $\delta$ das Davorschreiben
  der kleinsten Ecke. Im zweiten Fall nimmt man als $\delta$ das Davorschreiben
  einer beliebigen fest gew"ahlten Ecke.  Als letzte Variante betrachten
  wir den Quotientenkomplex $C^{\op{alt}}(E)$ von $C(E)$,
  bei dem wir jeweils den Quotienten $C^{\op{alt}}(E)_n$ von $C(E)_n$
  nach der Untergruppe erzeugt von allen
  $(v_{1}, \ldots, v_{n})-\op{sgn}(\sigma)(v_{\sigma(1)},\ldots,v_{\sigma(n)})$
  sowie allen $(v_{1}, \ldots, v_{n})$ mit zwei gleichen Eintr"agen.
  Die Komposition $A(E)\hra C(E)\sra C^{\op{alt}}(E)$ ist dann
  ein Isomorphismus von Kettenkomplexen. 
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungw}
  In der in \ref{dHo} eingef"uhrten Terminologie zeigt unser Beweis sogar,
  da"s alle drei in \ref{HKHKk} und \ref{HKHKn} betrachteten Komplexe nullhomotop sind.\label{nht} In der Sprache der Tensorkomplexe sind die offensichtlichen
  Abbildungen Isomorphismen 
  $$A(v)\otimes B(E)\sira B(E)\quad\text{und}\quad A(v)\otimes C(E)\sira C(E)$$
  f"ur $E$ endlich nichtleer und $v$ das kleinste Element beziehungsweise
  $v\in E$ beliebig und das liefert wieder einen alternativen Beweis f"ur die
  Exaktheit unter der Annahme $E\neq\emptyset$. In \eref{AMBM}{TG} zeigen wir
  allgemeiner, da"s f"ur viele \glqq Koeffizientensysteme\grqq\ $\mathcal M$
  die offensichtlichen Kettenabbildungen $A(E;\mathcal M)\ra B(E;\mathcal M)
  \ra C(E;\mathcal M)$ Isomorphismen auf der Homologie induzieren.
\end{Bemerkungw}


\begin{Beispiel}
Ist  $(E,\cal{K})$ ein Simplizialkomplex mit $3\leq |E|<\infty$ 
und
$\cal{K}$ der Menge aller nichtleeren echten Teilmengen $T\subset E, T\neq E,\emptyset$, so 
erhalten wir in derselben Weise
$\op{H}_0\cal{K}\cong\DZ, \op{H}_n\cal{K}\cong\DZ$ 
f"ur $n\pdef |E|-2$ und $\op{H}_q\cal{K}=0$ f"ur $q\neq 0,n$.
Die Realisierung $\Delta(\cal{K})$ von $\mathcal K$  ist
der \glqq anschauliche Rand\grqq\   eines vollen Simplex mit $n+2$ Ecken.
Unsere 
Erkenntnis mag man anschaulich dahingehend interpretieren,
da"s solch ein Rand \glqq aus einem St"uck besteht und au"ser einem
Loch in Dimension $n$ keine weiteren  L"ocher hat\grqq.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungw}[\textbf{Persistente Homologie}]
Ein Verfahren der Informatik zur Untersuchung von
\glqq Datenwolken\grqq\ alias gro"sen Teilmengen 
eines $\DR^N$ besteht darin, daraus 
zun"achst in geeigneter Weise eine aufsteigende Folge von Simplizialkomplexen
$$\mathcal K^1\subset \mathcal K^2\subset\ldots\subset \mathcal K^n$$
zu bilden und dann f"ur gegebenes $q$ 
die Sequenz der Homologiegruppen 
$${\op{H}}_q(\mathcal K^1;k)\ra {\op{H}}_q(\mathcal K^2;k)\ra\ldots\ra 
{\op{H}}_q(\mathcal K^n;k)$$
mit Koeffizienten in einem K"orper $k$. 
Diese Sequenz k"onnen wir als graduierten $k[t]$-Modul auffassen
und nach \eref{jhk}{KAG} 
in eine direkte Summe von unzerlegbaren Moduln
zerlegen, bei denen jede homogene Komponente h"ochstens die Dimension Eins hat.
Die Multimenge der Isomorphieklassen der Summanden ist nach Krull-Schmid
unabh"angig von der Zerlegung, und die \glqq Summanden hoher Dimension\grqq\ 
liefern dann relevante Informationen "uber unsere Datenwolke. 
Sie entsprechen Homologieklassen, die erst unter einer 
vergleichsweise langen Komposition
von Morphismen unserer Sequenz sterben, daher die Bezeichnung als
\glqq persistente Homologie\grqq.
\end{Bemerkungw}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Zerlegung der Homologie}]
  Seien $(\mathcal K^w)_{w\in W}$ Simplizialkomplexe und
  $\mathcal K\pdef \coprod \mathcal K^{w}$ ihre disjunkte Vereinigung.
  Man konstruiere einen Isomorphismus
 $\bigoplus_{w\in W} {\op{H}}_{q} \mathcal K^{w} \sira {\op{H}}_{q} \mathcal K$. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Man berechne die simpliziale Homologie der \glqq Vereinigung der Kanten eines 
Tetraeders\grqq, also $|E|=4$ und $\cal{K}$ alle Teilmengen mit 
h"ochstens zwei Elementen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man zeige: Besitzt ein Simplizialkomplex eine Ecke mit der Eigenschaft,
da"s jeder Simplex bei Dazunehmen dieser Ecke ein Simplex bleibt, 
so verschwinden seine h"oheren simplizialen
Homologiegruppen und seine nullte Homologiegruppe ist isomorph zu $\DZ$. 
Hinweis: \ref{HKHKk}.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man berechne die simpliziale Homologie des \glqq Randes eines Quadrats\grqq. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Nullte Homologie}]
Man zeige, da"s 
gegeben ein Simplizialkomplex $\cal{K}$
das Bild der offensichtlichen Abbildung $\cal{K}_0\ra {\op{H}}_0\cal{K}$
eine $\DZ$-Basis ist und da"s zwei Ecken aus $\cal{K}_0$
dasselbe Basiselement liefern
genau dann, wenn sie durch
einen \glqq Kantenweg\grqq\ verbunden werden k"onnen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man f"ugt bei einem Simplizialkomplex 
eine Kante zwischen zwei bereits existierenden Ecken hinzu. 
Wie k"onnen sich die Homologiegruppen unseres
Simplizialkomplexes dabei "andern?
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Man rechne nach, da"s die zweite simpliziale Homologie eines \glqq hohlen Tetraeders\grqq\
  isomorph ist zu $\DZ$. Ich stelle mir hier vor, dass man
  den Kern der Matrix des Randoperators $\partial_2$ mithilfe
  der Methoden aus dem Elementarteilersatz bestimmt, wie er in der
  Algebra oder linearen Algebra \eref{ETS}{LA2} vorgekommen sein sollte.
\end{Ubung}




\subsection{Singul"are Homologie}\label{DsH}
\begin{Bemerkungl}
Unser n"achstes Ziel ist zu zeigen, da"s die simplizialen Homologiegruppen
eines Simplizialkomplexes $\cal K$ bis auf Isomorphismus 
nur vom topologischen Raum $\Delta ({\cal K})$ abh"angen und nicht
von der gew"ahlten Triangulierung. Dazu erkl"aren wir ganz allgemein
f"ur einen beliebigen topologischen Raum seine \glqq singul"aren Homologiegruppen\grqq\ 
und konstruieren ganz am Schlu"s dieses Abschnitts in \ref{SH} 
Isomorphismen
zwischen den simplizialen Homologiegruppen eines Simplizialkomplexes
und den singul"aren Homologiegruppen seiner Realisierung $\Delta ({\cal K})$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{StaSi} Sei $q\geq 0$. 
Der topologische Raum $$\Delta_q\pdef\left\{(x_0,\ldots,x_q)\in\DR^{q+1}\;\left|\;
0\leq x_i\leq 1,\;\sum x_i=1\right.\right\}$$ hei"st der \defnoind{$q$-te
Standardsimplex}\index{Standardsimplex}.
Es ist also $\Delta_0$ ein Punkt, $\Delta_1$ ein Geradensegment,
$\Delta_2$ eine Dreiecksfl"ache, $\Delta_3$ ein massiver Tetraeder und so
weiter.  
\end{Definition}

\begin{Definition}
Eine stetige Abbildung $\sigma:\Delta_q\ra X$ des $q$-ten Standardsimplex
 $\Delta_{q}$ in
einen
topologischen Raum $X$ hei"st ein
\defnoind{singul"arer $q$-Simplex\index{singul"ar!$q$-Simplex}
von}\index{Simplex!singul"arer}  $X$.   
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
Das Adjektiv singul"ar ist hier in dem Sinne zu verstehen, da"s
wir au"ser der Stetigkeit keine Forderungen an $\sigma$ stellen.
Wir erlauben also auch nicht-injektive, ja sogar konstante
Abbildungen $\sigma$ als singul"are
Simplizes, so da"s das Adjektiv singul"ar zumindest
einen  Teil unserer singul"aren Simplizes recht gut
beschreibt.  Der Buchstabe ${\op{S}}$ bei ${\op{S}}_qX$ 
steht jedoch f"ur \glqq Simplex\grqq, nicht
etwa f"ur \glqq singul"ar\grqq.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Wir bezeichnen mit
$${\op{S}}_{q}X\pdef\Bbb{Z}\op{Top} (\Delta_{q},X)
=\op{Ab}\frei \op{Top} (\Delta_{q},X)$$
die  freie abelsche Gruppe "uber der Menge aller
singul"aren $q$-Simplizes
von $X$ und nennen ihre 
Elemente\index{singul"ar!$q$-Kette}\index{Kette!singul"are}
{\bf singul"are $q$-Ketten}.\index{S@${\op{S}}_{q}X$ singul"are $q$-Ketten} 
Um mit Beschr"ankungen der Indizes
keinen "Arger zu kriegen, vereinbaren wir
zus"atzlich ${\op{S}}_qX=0$ f"ur $q< 0$.
\end{Definition}   
\begin{Bemerkungl}
  Die Gruppen der singul"aren Ketten sind im allgemeinen riesig. Zum
  Beispiel liefert die offensichtliche Bijektion $\op{Top}
  (\Delta_{0},X)\sira X$ Grup\-pen\-iso\-mor\-phis\-men ${\op{S}}_0X\sira
  \Bbb{Z} X$.
\end{Bemerkungl}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildSinK}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Eine singul"are $1$-Kette in der Papierebene. Das Bild von
$(0,1)\in\Delta_1$ ist jeweils durch eine Pfeilspitze kenntlich gemacht.
Die Parametrisierung dieser ganzen W"urmer kann ich nicht darstellen.
Es werden im allgemeinen auch welche darunter sein, deren Bild 
beliebige Kompakta der Papierebene sind, vergleiche \ref{FKHi}.
Der Rand ist die formale Summe \glqq Endpunkte minus Anfangspunkte\grqq.
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildRaz}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
   Ein singul"arer $2$-Simplex mit seinem Rand.
   Kein sehr gutes Bild, \nichtfinal{Verbessern!}
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Definition}\label{Kabb} 
F"ur $q\geq 1$ und $0\leq i\leq q$ erkl"aren wir die {\bf $i$-te
Kantenabbildung}\index{Kantenabbildung}
$$k_i=k_i^q:\Delta_{q-1}\ra \Delta_q$$  dadurch, da"s sie
 nach der $i$-ten Stelle die Koordinate Null einf"ugen soll.
Dann erkl"aren wir f"ur alle $q$ einen Gruppenhomomorphismus
$\partial=\partial_q:{\op{S}}_qX\ra {\op{S}}_{q-1}X$,  den sogenannten {\bf
Randoperator}: F"ur $q\leq 0$ setzen wir schlicht 
$\partial_q=0$ und f"ur $q\geq 1$ erkl"aren wir $\partial_q$
durch die Vorschrift, da"s f"ur jeden singul"aren 
$q$-Simplex $\sigma$ gelten soll
$$\partial(\sigma)=\sum_{i=0}^q (-1)^i\sigma\circ k_i$$  
Nat"urlich sind
die Elemente von ${\op{S}}_qX$ eigentlich formale 
$\Bbb{Z}$-Linearkom\-bina\-tio\-nen von
$q$-Simplizes und gemeint ist
die lineare Fortsetzung des durch diese Formel auf den Simplizes erkl"arten Randoperators.  
\end{Definition}

\begin{Lemma}\label{DD}
Es gilt
$\partial_{q-1}\circ\partial_q=0$. \end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wir m"ussen nur f"ur jeden $q$-Simplex  $\sigma$ mit $q\geq 2$ pr"ufen,
da"s gilt $\partial_{q-1}\circ\partial_q(\sigma)=0$. 
Nun pr"uft man sofort, da"s gilt
$k_i^{q}\circ k_j^{q-1}=k_{j}^{q}\circ k_{i-1}^{q-1}$ falls $i>j$. 
Es folgt
$$\begin{array}{ll}
\partial_{q-1}\circ\partial_q(\sigma)
&=\partial_{q-1}\sum_{i=0}^q (-1)^i\sigma\circ k_i\\[2mm]
&=\sum_{0\leq i\leq q,\; 0\leq j\leq {q-1}}(-1)^{i+j}\sigma\circ k_i\circ
k_j\end{array}$$
und wir sehen, da"s sich in dieser Doppelsumme
die Terme mit $i>j$ und die Terme mit $i\leq j$
gegenseitig aufheben.
\end{proof}

\begin{Definition}
Sei $X$ ein topologischer Raum.
Wir definieren:
\begin{description}
\item[${\op{Z}}_qX$]$\pdef\ker (\partial_{q}:{\op{S}}_qX\ra {\op{S}}_{q-1}X)$,  
die Gruppe 
der \defnoind{singul"aren\index{Z@${\op{Z}}_{q}X$ singul"are Zykel}
$q$-Zykel};\index{Zykel!singul"arer}
\item[${\op{B}}_qX$]$\pdef\op{im} \partial_{q+1}$ die 
Gruppe der \defnoind{singul"aren $q$-R"ander}\index{Rand!singul"arer} 
(englisch boundaries);\index{B@${\op{B}}_{q}X$ singul"are R"ander}

\vspace{2mm}

\item[${\op{H}}_qX$]$\pdef {\op{Z}}_{q}X/{\op{B}}_{q}X$ die
\defnoind{$q$-te singul"are Homologiegruppe}
\index{Homologiegruppe!singul"are} 
von $X$. \index{H@${\op{H}}_{q}$ singul"are Homologie}
\end{description}

\vspace{2mm}
\noindent
Die Nebenklasse in ${\op{H}}_{q}X$ eines Zykels
$c\in {\op{Z}}_{q}X$ hei"st seine \defind{Homologieklasse} und wird mit $[c]\in
{\op{H}}_{q}X$ bezeichnet.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Die Zykel und R"ander sind nat"urlich Untergruppen in der Gruppe aller Ketten,
nach \ref{DD} gilt genauer ${\op{B}}_qX\subset {\op{Z}}_qX\subset {\op{S}}_qX$. 
Deshalb ist es auch "uberhaupt nur m"oglich, die Quotientengruppe ${\op{H}}_qX=
{\op{Z}}_{q}X/{\op{B}}_{q}X$ zu bilden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{HomK}
Sp"ater werden wir noch andere Homologietheorien kennenlernen.
Die hier vorgestellte Theorie hei"st genauer die {\bf singul"are Homologie
mit ganzzahligen Koeffizienten}.\index{singul"ar!Homologie}
\index{Homologie!singul"are} 
Wollen wir besonders betonen, da"s
wir die singul"are Homologie eines topologischen
Raums meinen, schreiben wir statt
${\op{H}}_qX$ genauer ${\op{H}}^{\op{sing}}_qX$. 
\index{H@${\op{H}}^{\op{sing}}_q$ singul"are Homologie}
Statt Koeffizienten in $\mathbb{Z}$ k"onnen wir als Koeffizienten
in unseren formalen Linearkombinationen von Simplizes auch Elemente
einer beliebigen abelschen Gruppe $G$ zulassen und erhalten dann auf
dieselbe Weise weitere
abelsche Gruppen, die die {\bf singul"aren Homologiegruppen
von $X$ mit Koeffizienten in}\index{singul"aren Homologie!
mit Koeffizienten} $G$ hei"sen und 
${\op{H}}_q (X;G)$ notiert werden. So erhalten wir sogar
in offensichtlicher Weise Funktoren $\op{Top}\times \op{Ab}\ra \op{Ab}$ 
und insbesondere wird f"ur jeden $k$-Vektorraum $G$ auch
${\op{H}}_q (X;G)$ ein $k$-Vektorraum in nat"urlicher Weise.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Auf den ersten Blick sehen unsere Homologiegruppen recht unhandlich aus:
Es sind Quotienten einer riesigen abelschen Gruppe
durch eine fast ebenso riesige Untergruppe.
Wir werden aber sehen, da"s unsere 
${\op{H}}_{q}$ so sch"one Eigenschaften haben,
da"s man sie dennoch f"ur viele interessante R"aume 
sehr explizit berechnen und verstehen kann.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Homologie 
eines Punktes}]\index{Homologie!eines Punktes}\label{HPu}
F"ur den einpunktigen Raum $X = \op{top} $ gilt 
${\op{H}}_{q} (\op{top}) = 0$ f"ur $q \neq 0$. Des weiteren ist
der einzige Nullsimplex $\sigma:\Delta_0\ra \op{top}$ 
 ein Zykel und die Vorschrift $1\mapsto [\sigma]$ liefert einen
Isomorphismus 
$$\Bbb{Z}\sira {\op{H}}_{0} (\op{top})$$
In der Tat gibt es f"ur jedes $q \geq 0$ genau einen $q$-Simplex in
$\op{top}$,  also gilt ${\op{S}}_{q}(\op{top}) \cong \Bbb{Z}$ f"ur alle $q\geq 0$ und die
Randabbildung $\partial_{q}$ verschwindet f"ur $q$ ungerade und $q\leq 0$, 
ist aber ein
Isomorphismus f"ur $q\geq 2$ gerade. Wir bezeichnen die Homologieklasse des
einzigen Nullsimplex 
mit $\delta\pdef [\sigma]\in {\op{H}}_{0} (\op{top})$ und nennen sie den {\bf kanonischen Erzeuger}\index{kanonischer Erzeuger!der nullten Homologie des Punktraums} der nullten Homologie des einpunktigen Raums.\index{d@$\delta\in {\op{H}}_{0} (\op{top})$} 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Homologie 
und Wegzusammenhangskomponenten}]
Ist $X = \coprod X_{w}$ die 
Zerlegung eines topologischen Raums $X$ in 
seine\label{HKoPo} 
Wegzusammenhangskomponenten, so sind die hoffentlich 
offensichtlichen Isomorphismen $ \bigoplus {\op{S}}_{q} X_{w}\sira{\op{S}}_{q} X $
vertr"aglich mit den Randoperatoren und induzieren folglich 
Isomorphismen 
 $$\bigoplus
{\op{H}}_{q} X_{w}\;\sira\; {\op{H}}_{q} X  $$ 
\end{Beispiel}
\begin{Lemma}[\textbf{Nullte Homologie}]
F"ur jeden topologischen Raum $X$ faktorisiert die Abbildung\label{NuHo}
$X\ra {\op{H}}_{0}X$,  die jedem Punkt $x\in X$ die Homologieklasse $\delta_x$ des 
konstanten Nullsimplex $\sigma_x$ mit besagtem Punkt als Wert zuordnet, 
"uber die Menge  $\pi_{0}(X)$ der
Wegzusammenhangskomponenten von $X$ und induziert einen Isomorphismus
$$\Bbb{Z}\pi_{0}(X) \sira {\op{H}}_{0}X$$
zwischen der
freien abelschen Gruppe "uber der Menge $\pi_{0}(X)$ der
Wegzusammenhangskomponenten von $X$ und der nullten Homologie von $X$.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  F"ur   eine Wegzusammenhangskomponente $w$ von $X$
  bezeichne $\delta_w\in {\op{H}}_{0}X$\index{d@$\delta_w\in {\op{H}}_{0}X$} 
  die Klasse eines und jedes Nullsimplex aus unserer Komponente.
  Die $\delta_w$ bilden dann also eine Basis von ${\op{H}}_{0}X$.\label{detw} 
\end{Bemerkungl}
\begin{proof} In der Tat reicht es nach dem vorhergehenden Beispiel \ref{HKoPo},
das f"ur $X$ wegzusammenh"angend  zu pr"ufen.
Wir haben jedoch eine nat"urliche
Abbildung, die sogenannte 
\defnoind{Augmentation}\index{Augmentation!bei singul"aren Ketten}
$$
\begin{array}{cccc}
\varepsilon :& {\op{S}}_{0} X &\ra &\Bbb{Z}\\ &\sum a_{x} x &\mapsto&
\sum a_{x}
\end{array}
$$
Es reicht sicher, f"ur wegzusammenh"angendes $X$ die Formel
$\ker \varepsilon = \op{im} \partial_{1}$ zu zeigen.
Nun wird aber $\op{im}\partial_{1}$ erzeugt von allen formalen Summen
$x-y$ mit $x,y \in X$,  denn je zwei Punkte lassen sich durch einen Weg
verbinden. Daraus folgt dann sofort $\ker \varepsilon = \op{im}
\partial_{1}$. 
\end{proof}\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPris}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Ein $1$-Simplex $\sigma$ und der 
daraus durch Anwenden des Prismenoperators zu
einem Punkt $p$ entstehende $2$-Simplex ${\op{P}}\sigma$.
\nichtfinal{"Andere $p$ zu $s$!}
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Lemma}[\textbf{Homologie konvexer Mengen}]\index{Homologie!konvexer Mengen}
Gegeben $K \subset \DR^{n}$ eine 
konvexe Teilmenge gilt\label{Kon}
${\op{H}}_{q} K=0$ f"ur $q> 0$. 
\end{Lemma}

\begin{proof}[Beweis]
Ist $K$ leer, so ist eh nichts zu zeigen. Sonst
zeichnen  wir einen beliebigen
Punkt $s \in K$ aus und definieren f"ur $q \geq 0$ den {\bf
Prismen-Operator}\index{Prismen-Operator}
$${\op{P}}={\op{P}}^s={\op{P}}_{q}^s: {\op{S}}_{q} K \ra {\op{S}}_{q+1} K$$
der \glqq jeden $q$-Simplex durch Verbinden mit dem ausgezeichneten
Punkt $s$ zu einem $(q+1)$-Simplex erweitert\grqq,  ganz "ahnlich wie
beim Beweis von \ref{HKHKk}.
Formal definieren wir ${\op{P}}$
auf Simplizes $\sigma: \Delta_{q} \ra K$ dadurch, da"s ${\op{P}}\sigma$ der
Simplex ${\op{P}} \sigma :\Delta_{q+1} \ra K$ sein soll mit $({\op{P}}\sigma) (1-\tau, \tau
x_{0},
\ldots, \tau x_{q}) = (1-\tau) s + \tau \sigma (x_{0},\ldots,x_{q})$ f"ur alle
$\tau \in [0,1]$. 
Hier ist ${\op{P}}\sigma$ stetig, da $[0,1]
\times \Delta_{q} \ra \Delta_{q+1}$,  $(\tau,x_{0}, \ldots,x_{q}) \mapsto
(1-\tau, \tau x_{0}, \ldots, \tau x_{q})$ als stetige Surjektion 
eines Kompaktums auf einen Hausdorffraum nach
\eref{IIA}{TM} final ist.
Nun setzen wir ${\op{P}}$ linear auf Ketten fort und pr"ufen die Relation $\partial
{\op{P}} + {\op{P}} \partial = \op{id} : {\op{S}}_{q}K \ra {\op{S}}_{q} K$ f"ur $q>0$. 
In der Tat gilt ja
$$\begin{array}{rcl}
\partial ({\op{P}}\sigma)& =& \sum_{0\leq j\leq q + 1} (-1)^{j} ({\op{P}}\sigma)
\circ k_{j}^{q+1}\\[2mm]
{\op{P}}(\partial\sigma) & = & \sum_{0\leq j \leq q} (-1)^{j} {\op{P}}
(\sigma \circ k_{j}^{q})
\end{array}$$
und pr"uft leicht die Formeln
$({\op{P}}\sigma) \circ k_{0}^{q+1} = \sigma$ sowie $({\op{P}}\sigma) \circ k_{j}^{q+1}
= {\op{P}}(\sigma \circ k^{q}_{j-1}) $ f"ur $1 \leq j \leq q +1$. 
Also haben wir in der Tat $\partial {\op{P}} + {\op{P}} \partial = \op{id}$ auf
$q$-Ketten mit $q >0$,  damit gilt im Fall $q > 0$ f"ur
jeden Zykel $z \in {\op{Z}}_{q}K$
schon $\partial {\op{P}} z = z$ und $z$ ist  ein Rand.
\end{proof}

\begin{Bemerkunge}[\textbf{Glatte Variante des Prismenoperators}] 
Wir k"onnen auch allgemeiner f"ur eine beliebige stetige Abbildung
$f:[0,1]\ra [0,1]$ mit $f(0)=0$ und $f(1)=1$ die Variante ${\op{P}}^{s,f}$
des Prismenoperators betrachten, die durch die Vorschrift\label{HgS} 
 $({\op{P}}^{s,f}\sigma) ((1-\tau), \tau x_{0},
  \ldots, \tau x_{q}) = (1-f(\tau)) s + f(\tau) 
\sigma (x_{0},\ldots,x_{q})$ f"ur
  alle $\tau \in [0,1]$ gegeben wird.  Nehmen wir f"ur $f$ insbesondere eine
glatte Abbildung, die in einer Umgebung von $\tau=1$ konstant den
Wert Eins annimmt, so macht diese Variante des Prismenoperators 
glatte Simplizes zu glatten Simplizes. Das wird uns insbesondere
im Zusammenhang mit dem Beweis des Satzes von de Rham in \eref{sdR}{TG} 
helfen.
\end{Bemerkunge}

\begin{Bemerkunge}[\textbf{Wegintegrale "uber Homologieklassen}] 
Diese Erg"anzung ist f"ur Leser gedacht,\label{WIH1}  
die bereits mit den Grundlagen der Funktionentheorie vertraut sind.
Gegeben $U\co\DC$ und $f:U\ra\DC$ holomorph
und $\sigma:\Delta_1\ra U$ ein $1$-Simplex erkl"aren wir das Integral 
$\int_\sigma f(z)\diff z$,
indem wir $\sigma$ vermittels des durch die Projektion auf die zweite
Koordinate gegebenen Hom"oomorphismus  $c:\Delta_1\sira[0,1]$ als
Weg auffassen und dar"uber integrieren im Sinne von \eref{WilbW}{FT1}.
Lineare Fortsetzung liefert unmittelbar ein Integralbegriff
f"ur holomorphe Funktionen "uber $1$-Ketten. 
Aus  der Homotopie-Invarianz des
Wegintegrals \eref{HiW}{FT1} folgt dann, da"s 
die Integrale "uber $1$-R"ander verschwinden.
Wir erhalten  auf diese Weise
 eine wohlbestimmte $\DZ$-bilineare Paarung
$$
\begin{array}{ccc}
({\op{S}}_1(U)/{\op{B}}_1(U))\times 
\mathcal O^{\op{an}}(U)&\ra& \DC\\[2mm]
([\alpha]\;\;,\;\;f)&\mapsto& \int_\alpha f(z)\diff z
\end{array}
$$
und insbesondere eine wohlbestimmte $\DZ$-bilineare Paarung
zwischen der ersten Homologiegruppe ${\op{H}}_1(U)$ 
und der additiven Gruppe $\mathcal O^{\op{an}}(U)$ der
holomorphen Funktionen auf $U$. Diese Paarungen  
schreiben wir 
f"ur jede Klasse $b$ 
in der Form
$(b,f)\mapsto \int_b f(z)\diff z$.
\end{Bemerkunge}

\begin{Satz*}[\textbf{Homologisch triviale offene Teilmengen der Ebene}]
  Jede  zusammenh"angende
  offene Teilmenge $U\co \DC$ mit ${\op{H}}_1(U)=0$ ist hom"oomorph
  zu einer Kreisscheibe.\label{HtOf}  
\end{Satz*}
\begin{Bemerkungl}
  Ich kenne keinen Beweis dieses Satzes ohne Funktionentheorie.
  Bereits f"ur zusammenh"angende
  offene Teilmengen  $U\co \DR^3$ folgt aus ${\op{H}}^1(U)=0$ keineswegs
  die Trivialit"at der Fundamentalgruppe, vergleiche \ref{AhSS}.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof} 
   Da  nach \ref{WIH1} das Wegintegral holomorpher Funktionen
  l"angs geschlossener nullhomologer  Integrationswege verschwindet,
  besitzt bereits unter der Annahme ${\op{H}}^1(U)=0$
  jede holomorphe Funktion auf $U$
  eine Stammfunktion. F"ur jede holomorphe Funktion $f:U\ra \DC$ ohne Nullstelle
  gibt es dann nach Lemma \eref{ELog}{FT1} oder vielmehr seinem Beweis 
  $h:U\ra\DC$ holomorph mit $f\op{exp}\circ h$. Gehen wir nun den Beweis des
  Riemann'schen Abbildungssatzes \eref{RASa}{FT1} durch, so erweist sich,
  da"s er sogar f"ur jede echte zusammenh"angende offene Teilmenge $U\co \DC$
  funktioniert mit der Eigenschaft, da"s jede holomorphe Funktion darauf eine
  Stammfunktion hat. Der Satz folgt. 
\end{proof}


\subsection{Funktorialit"at der Homologie}
\begin{Bemerkungl}
In diesem Abschnitt  erkl"aren wir f"ur jede stetige Abbildung $f: X \ra Y$  
Gruppenhomomorphismen
${\op{H}}_{q}(f)=f_\ast : {\op{H}}_{q}X \ra {\op{H}}_{q} Y$ derart, da"s
unsere
Homologiegruppen
Funktoren ${\op{H}}_{q} :\op{Top}\ra\op{Ab}$  
von der Kategorie der topologischen
R"aume in die Kategorie der abelschen Gruppen werden. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Gegeben eine  stetige Abbildung $f: X \ra Y$
erkl"aren wir  Gruppenhomomorphismen 
${\op{S}}_{q}f : {\op{S}}_{q}X \ra {\op{S}}_{q}Y$, 
indem wir jedem Simplex $\sigma :
\Delta_{q} \ra X$ den Simplex
$f\circ \sigma:\Delta_{q} \ra Y$ 
zuordnen und diese Abbildung linear auf ${\op{S}}_{q}X$ 
fortsetzen.
\end{Definition}

\begin{Lemma} Gegeben $f: X \ra Y$
stetig gilt 
$\partial_{q} \circ {\op{S}}_{q}f = {\op{S}}_{q-1} f \circ \partial_{q}$, 
als da hei"st, es kommutieren die Diagramme
$$\begin{array}{ccc}
{\op{S}}_{q}X&\stackrel{{\op{S}}_{q}f}{\lra}&{\op{S}}_{q}Y\\[2mm]
\partial\da&&\da\partial\\
{\op{S}}_{q-1}X&\stackrel{{\op{S}}_{q-1}f}{\lra}&{\op{S}}_{q-1}Y
\end{array}$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wir m"ussen das nur auf jedem $q$-Simplex $\sigma : \Delta_{q}\ra X$
pr"ufen. Es gilt aber in der Tat
\begin{equation*}
\begin{array}[b]{rcl}%
(\partial_{q}\circ {\op{S}}_{q} f) (\sigma)& =&\partial_{q} (f\circ \sigma)\\
 &=&\sum (-1)^{i} f\circ \sigma \circ k_{i}^{q} \\
 &=& ({\op{S}}_{q-1}f \circ \partial_{q})
(\sigma)
\end{array}\qedhere
\end{equation*}
% \begin{array}[b]{ccl}
% \partial ({\op{S}}_{q}i_{1} - {\op{S}}_{q} i_{0} - \delta_{q-1}\partial) &=&
% ({\op{S}}_{q-1} i_{1}-{\op{S}}_{q-1} i_{0} - \partial \delta_{q-1}) \partial\\
% &=& \delta_{q-2} \partial \partial\\
% &=& 0
% \end{array}\qedhere
% \end{equation*}
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Das Lemma zeigt, da"s ${\op{S}}_{q} f$ Zykel auf Zykel und R"ander auf
R"ander abbildet.
F"ur einen $q$-Zykel $z$ in $X$ h"angt also die Homologieklasse seines
Bildes $({\op{S}}_{q}f) (z)$ in $Y$ nur von der Homologieklasse  von
$z$ ab.
Wir erhalten 
somit 
einen 
Gruppenhomomorphismus, das {\bf Vorschieben}\index{Vorschieben!in singul"arer Homologie} 
$$
\begin{array}{cccl}
{\op{H}}_{q}f : & {\op{H}}_{q}X &\ra
&{\op{H}}_{q}Y\\ &[z] &\mapsto &[({\op{S}}_{q}f ) (z)]
\end{array}$$
Man sieht leicht, da"s gilt ${\op{H}}_{q}(f \circ g)= {\op{H}}_{q} (f) \circ {\op{H}}_{q} (g)$
und ${\op{H}}_{q} (\op{id}) = \op{id}$,  also erhalten 
wir f"ur alle $q\in \Bbb{Z}$ einen
Funktor ${\op{H}}_{q} :\op{Top}\ra\op{Ab}$.    
Oft verwenden wir auch die 
Abk"urzung ${\op{H}}_{q}(f)=f_\ast$. \index{)7ast@$f_*$ Vorschub!singul"are Homologie}
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  F"ur jeden topologischen Raum $X$ bezeichne $X^{\op{w}}$ die
  disjunkte Vereinigung seiner Wegzusammenhangskomponenten mit ihrer jeweiligen
  kofinalen Topologie. Die Identit"at ist dann eine stetige Abbildung
  $X^{\op{w}}\ra X$ und der zugeh"orige Vorschub induziert auf der Homologie
  offensichtlich\label{wegzz}
  einen Isomorphismus $${\op{H}}X^{\op{w}}\sira {\op{H}}X$$
\end{Bemerkungl}
  
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Funktorialit"at unter simplizialstetigen Abbildungen}]
  Wir nennen eine Abbildung $f:X\ra Y$ von topologischen R"aumen
  {\bf simplizialstetig},\index{simplizialstetig} wenn f"ur jedes
  $q$ und jede stetige
  Abbildung $\sigma: \Delta_q\ra X$ auch $f\circ\sigma:\Delta_q\ra Y$
  stetig ist. Offensichtlich ist jede stetige Abbildung auch simplizialstetig.
   Unsere singul"aren Ketten ebenso wie die singul"are Homologie sind sogar
  Funktoren ${\op{H}}_q: \op{Top}^{\Delta}\ra\op{Ab}$ auf der Kategorie  $\op{Top}^{\Delta}$\index{Top@$\op{Top}^{\Delta}$} der topologischen R"aume mit
  simplizialstetigen Abbildungen als Morphismen. Unsere
  Abbildung aus \ref{wegzz} etwa ist ein Isomorphismus $X^{\op{w}}\sira X$ in $\op{Top}^\Delta$.\label{ssTop} Von dieser Kategorie erh"alt man hinwiederum unschwer einen volltreuen Funktor in die
  Kategorie der sogenannten \glqq simplizialen Mengen\grqq, der als Definitionsbereich f"ur die simpliziale Homologie besonders nat"urlich w"are,
  aber ich m"ochte Sie nicht zu Beginn durch allzugro"se Abstraktion
  allzusehr verwirren.
\end{Bemerkunge}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Vertr"aglichkeit der Homologie mit Koprodukten}]%\label{ZH}
Ist $X = \coprod X_{w}$ eine Zerlegung von $X$ in
paarweise disjunkte Teilmengen, die nicht durch Wege verbunden werden k"onnen, 
und bezeichnet $i_{w}: X_{w} \hookrightarrow X$ die jeweilige
Einbettung, so liefern die   
${\op{S}}i_{w} : {\op{S}}X_{w} \ra {\op{S}} X$
einen Isomorphismus $\bigoplus {\op{S}}X_{w} \sira {\op{S}}X$
und damit liefern auch die\label{ZHH}  
${\op{H}}_{q}(i_{w}) : {\op{H}}_{q} (X_{w}) \ra {\op{H}}_{q} (X)$
einen Isomorphismus $$\bigoplus {\op{H}}_{q} (X_{w}) \sira {\op{H}}_{q} (X)$$
Wir hatten fast dasselbe bereits in \ref{HKoPo} in etwas weniger pr"aziser Sprache bemerkt.
In der in \eref{VerPr}{LA2} eingef"uhrten Terminologie sind insbesondere die
Funktoren ${\op{H}}_{q}:\op{Top}\ra\op{Ab}$ vertr"aglich mit beliebigen
Koprodukten. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Wir wiederholen die vorhergehenden Argumente noch einmal in einer ausgefeilten
Sprache und f"uhren dazu die Kategorie der \glqq Kettenkomplexe\grqq\  ein.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Ein \defind{Kettenkomplex} oder  {\bf Komplex
  von abelschen Gruppen}\index{Komplex}  ist ein Paar $C= (C, \partial)$
bestehend aus
einer Familie $C=(C_{q})_{q\in \Bbb{Z}}$ abelscher Gruppen 
und  einer Familie von Gruppenhomomorphismen
$\partial_{q} = \partial_{q}^{C} : C_{q} \ra C_{q-1}$ 
f"ur $q \in \Bbb{Z}$ derart,
da"s
gilt
$$\partial_{q-1} \circ \partial_{q}=0\quad\text{ f"ur alle }q. $$
Ein Morphismus
$s : C \ra D$ von
Kettenkomplexen,
auch \defind{Kettenabbildung} genannt, ist eine Familie von
Gruppenhomomorphismen
$s_{q} : C_{q} \ra D_{q}$ derart, da"s gilt $\partial_{q}^{D} \circ s_{q} =
s_{q-1}
\circ \partial_{q}^{C}$ f"ur alle $q \in \Bbb{Z}$ oder,
etwas salopp geschrieben, $\partial
\circ s = s \circ \partial$.\label{Ketd} 
Wir erhalten so die \defnoind{Kategorie $\op{Ket}=\op{Ket}(\op{Ab})$ aller
Komplexe von abelschen Gruppen}.\index{Ket@$\op{Ket}$ Kettenkomplexe}  
Darin gibt es ein finales und kofinales Objekt, den 
{\bf Nullkomplex}\index{Nullkomplex}, bei dem
eben alle Gruppen und Differentiale Null sind.
Analog erkl"art man 
f"ur einen beliebigen Ring $R$ die Kategorie
  $\op{Ket}(R\op{-Mod})$ aller Komplexe von $R$-Moduln.
\end{Definition}


\begin{Bemerkungl}\label{dgad}
F"ur diese Struktur ist auch noch eine andere Terminologie "ublich.
Ganz allgemein nennt man eine abelsche Gruppe $C$ mit einer
Zerlegung $C = \bigoplus_{q \in \Bbb{Z}} C_{q}$ als interne direkte Summe in
eine Familie von mit $q\in\DZ$ indizierten 
Untergruppen eine 
{\bf graduierte} oder genauer {\bf $\DZ$-graduierte abelsche Gruppe}.\index{graduiert!abelsche Gruppe}  
Ist zus"atzlich 
ein Gruppenhomomorphismus 
$\partial:C\ra C$ gegeben mit $\partial(C_q)\subset
C_{q-1}$ und $\partial^2=0$,  so nennt man das Paar $(C,\partial)$   eine
{\bf differentielle graduierte
abelsche Gruppe}\index{differentiell!graduierte abelsche Gruppe} 
oder kurz eine {\bf dg-Gruppe}\index{dg-Gruppe}
mit {\bf Differential} $\partial$.  Analog definieren wir die Kategorie der
differentiellen graduierten Moduln "uber einem Ring $R$ und notieren sie 
$\op{dgMod}_R$, \index{dgMod} so da"s
 also gilt $\op{Ket}(R\op{-Mod})=\op{dgMod}_R$.  
Manchmal arbeitet man auch allgemeiner mit
dem Begriff einer {\bf differentiellen
abelschen Gruppe},\index{differentiell!abelsche Gruppe}
womit schlicht ein Paar $(A,\partial)$ gemeint ist bestehend aus 
einer abelschen Gruppe $A$ und einem Gruppenhomomorphismus 
$\partial:A\ra A$ mit der Eigenschaft $\partial^2=0$. 
Nat"urlich k"onnte man auch differentielle graduierte
abelsche Gruppen betrachten, bei denen das Differential einen anderen
\glqq Grad\grqq\  h"atte als in unserer Definition, aber die kommen seltener vor
und wir blenden sie deshalb vorerst einmal aus.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}
F"ur jeden topologischen Raum $X$ ist der Komplex der
singul"aren Ketten $({\op{S}} X, \partial)$ mit $({\op{S}} X)_q\pdef {\op{S}}_q X$ ein Kettenkomplex. F"ur
jede stetige Abbildung $f : X \ra Y$ bilden nach Lemma \ref{DD} 
die ${\op{S}}_{q} (f)$
eine Kettenabbildung ${\op{S}} f: {\op{S}} X \ra {\op{S}}Y$.  Da 
gilt ${\op{S}} (f\circ g)= {\op{S}}(f)
\circ
{\op{S}} (g)$ sowie ${\op{S}}(\op{id}) = \op{id}$,  erhalten wir so einen
Funktor\label{SXKet} 
$${\op{S}} : \op{Top} \ra \op{Ket}$$  
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungw}
  In \ref{SXsimp} %\label{SXKet}
  konstruieren wir f"ur jeden topologischen Raum
  $X$ die \glqq simpliziale Menge\grqq\ ${\op{S}} X$.
  Was im Einzelfall mit dem Symbol ${\op{S}} X$ gemeint ist, mu"s
  der Leser dann aus dem Kontext erschlie"sen.  Wenn wir besonders betonen wollen, da"s ${\op{S}} X$
    den Komplex und nicht die simpliziale Menge meint,
    verwenden wir die Notation ${\op{S}}_\ast X$.\index{S@${\op{S}}_\ast X$ singul"are Ketten} 
\end{Bemerkungw}

\begin{Definition}
F"ur jedes $q \in \Bbb{Z}$ definieren wir  einen Funktor, die
\defnoind{$q$-te Homologiegruppe 
eines\index{H@$\cal{H}_{q}$ Homologie eines Komplexes}
Kettenkomplexes}\index{Homologie!eines Kettenkomplexes}
$$\begin{array}{cccl}
\cal{H}_{q} :& \op{Ket} &\ra& \op{Ab}\\
&C& \mapsto & \cal{H}_{q}(C) \pdef \ker
\partial_{q}/\op{im} \partial_{q+1}
\end{array}$$
als den Quotienten vom Kern des Differentials nach seinem Bild.
Auf den Objekten ist das schon mal in Ordnung und wir m"ussen nur noch
erkl"aren, wie ein Morphismus von Kettenkomplexen $s : C \ra
D$ Morphismen auf der Homologie $\cal{H}_{q}(s) : \cal{H}_{q}(C)\ra
\cal{H}_{q} (D)$ definiert. Aus $\partial^{D}\circ s = s \circ \partial^{C}$
folgt aber $s(\op{im} \partial^{C}) \subset \op{im} \partial^{D}$, 
$s(\ker \partial^{C}) \subset \ker\partial^{D}$ und damit induziert $s$
Morphismen $\cal{H}_{q} (s) : \cal{H}_{q} (C) \ra \cal{H}_{q}(D)$. 
Wieder sieht man leicht, da"s gilt $\cal{H}_{q}(s\circ t) = 
\cal{H}_{q}(s) \circ \cal{H}_{q} (t)$
und $\cal{H}_{q}(\op{id})=\op{id}$,  unser $\cal{H}_{q}$ ist also ein 
Funktor f"ur alle $q \in \Bbb{Z}$. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
  Manchmal betrachten wir auch den Funktor
$$\cal{H}: \op{Ket}\ra \op{Ket}$$ der einem
Komplex die Gesamtheit seiner Homologiegruppen zuordnet,
aufgefa"st als Komplex mit Differential Null.
Gegeben eine differentielle abelsche Gruppe
$(A,\partial)$ erkl"art man  ihre
{\bf Homologie}\index{Homologie!von differentieller abelscher Gruppe}
als die abelsche Gruppe $\cal{H}A\pdef \ker
\partial/\op{im} \partial$,\index{H@$\cal{H}$ Homologie!von differentieller abelscher Gruppe}  die in diesem Fall 
keine Graduierung tr"agt.
\end{Bemerkunge}
\begin{Bemerkungl}
Wir erhalten mit diesen
Begriffsbildungen und Notationen  unsere Funktoren
der singul"aren Homologiegruppen ${\op{H}}_{q}: \op{Top} \ra \op{Ab}$ 
als die Verkn"upfungen 
${\op{H}}_{q} ={\op{H}}_{q}^{\op{sing}} =
\cal{H}_{q} \circ {\op{S}}$ von Funktoren
$$\op{Top}\;\stackrel{{\op{S}}}{\lra}\;\op{Ket}\;\stackrel{\cal{H}_q}{\lra}\;\op{Ab}$$
Wir "ubertragen die Begriffsbildungen 
{\bf Zykel},\index{Zykel!in Kettenkomplex}
{\bf Rand},\index{Rand!in Kettenkomplex}
{\bf Homologieklasse}\index{Homologieklasse!in Kettenkomplex} 
auf beliebige Kettenkomplexe $C$ und schreibt
$\cal{Z}_{q}C\pdef \ker\partial_{q}  $ f"ur die Zykel, 
$\cal{B}_{q}C\pdef \op{im} \partial_{q+1}  $ f"ur
die R"ander und $[c] \in \cal{H}_{q}C$ f"ur die Homologieklasse eines Zykels
$c\in \cal{Z}_{q}C$.   
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildTrF}\\[4mm]
\noindent 
Der Transfer eines singul"aren Eins-Simplex unter einer
zweibl"attrigen "Uberlagerung der Kreislinie.
\end{figure}
\begin{Ubung}\label{TFe}
Ist $f :X \ra Y$ eine  "Uberlagerung mit endlichen Fasern, so erh"alt
man eine Kettenabbildung $f^{*}: {\op{S}}Y \ra {\op{S}}X$, 
indem man jedem singul"aren
Simplex die Summe seiner Lifts zuordnet. Man zeige, da"s 
f"ur die auf der
Homologie induzierten
\defind{R"uckz"uge} $$f^{*} : {\op{H}}_{q}Y \ra {\op{H}}_{q}X$$ 
im Fall einer $n$-bl"attrigen "Uberlagerung   
gilt $({\op{H}}_{q}f)\circ f^{*} = n \cdot \op{id}: {\op{H}}_{q}Y \ra
{\op{H}}_{q}Y$.\index{)6@$f^{*}$ Eigr"uckzug!der Homologie} 
Ist unsere "Uberlagerung 
normal und ist $G$ ihre Gruppe von Decktransformationen,
so zeige man weiter $f^{*} \circ ({\op{H}}_{q}f) 
=\sum_{g \in G} {\op{H}}_{q}g : {\op{H}}_{q}X \ra {\op{H}}_{q}X$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man erkl"are, wie f"ur einen festen topologischen Raum $X$ die
Homologiegruppen mit Koeffizienten aus \ref{HomK} als Funktoren
$\op{Ab} \rightarrow \op{Ab}$, $A \mapsto {\op{H}}_q (X;A)$ aufgefa"st werden
k"onnen, und wieso damit f"ur jeden Ring $R$ die Gruppen ${\op{H}}_q (X;R)$
in nat"urlicher Weise zu $R$-Moduln werden, was wir ja auch bereits in
\ref{HomK} bemerkt hatten.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s unsere Isomorphismen $\DZ\pi_0(X)\sira {\op{H}}_0X$ in ihrer
  Gesamtheit eine Isotransformation $\DZ\pi_0\siRa {\op{H}}_0$ von Funktoren
  $\op{Top}\ra\op{Ab}$ bilden.\label{ispH} 
\end{Ubung}

\begin{Ubunge}
  Gegeben eine Familie $(K_\alpha)_{\alpha\in A}$ von Kettenkomplexen derart,
  da"s in jedem Grad nur endlich viele von ihnen nicht verschwinden,
  ist die offensichtliche Kettenabbildung ein Isomorphismus
  $$\bigsqcup_{\alpha\in A}K_\alpha \sira \bigsqcap_{\alpha\in A}K_\alpha$$
\end{Ubunge}



\subsection{Homotopie-Invarianz}


\begin{Satz}[\defnoind{Homotopie-Invarianz}]
Homotope\index{Homotopie-Invarianz!der Homologie} 
stetige Abbildungen  induzieren dieselbe Abbildung
auf der Homologie.\label{HIv}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Dieser  Satz ist schon ein sehr starkes Hilfsmittel zur Berechnung der
singul"aren Homologiegruppen.
Er impliziert zum Beispiel, da"s ein zusammenziehbarer Raum dieselbe Homologie
hat wie ein Punkt. 
Wir geben zwei Beweise: Erst einen mehr rechnerischen Beweis, 
und dann einen mehr konzeptionellen Beweis, 
der jedoch im Gegensatz zu unserem rechnerischen Beweis
auf der Kenntnis der Homologie
konvexer Mengen \ref{Kon} aufbaut. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungw}
 Wir werden das im Folgenden durchgef"uhrte konzeptionelle
Beweisverfahren sp"ater
formalisieren zum  Satz "uber azyklische Modelle \ref{AzM} und damit
auch  die sogenannte
\glqq K"unneth-Formel\grqq\  "uber die Homologie von Produkten
zeigen. Aus dieser Formel
kann  die  Homotopie-Invarianz im "ubrigen leicht direkt hergeleitet werden.
Das ist nur insofern nicht ganz fair, als unser Beweis der
K"unnethformel auf der Homotopieinvarianz aufbaut.
Will man die Homotopieinvarianz direkt aus dem Satz "uber azyklische Modelle
herleiten, mag man bemerken, da"s bei den  Funktoren  $\op{Top}\ra\op{Ket}$
  gegeben durch $X\mapsto {\op{S}}(X)$ und
  $X\mapsto {\op{S}}(X\times[0,1])$ jeweils alle
  homogenen Komponenten  frei sind mit Modellen in unseren Simplizes,
  beim zweiten Funktor nach \ref{Hoti}. Damit zeigt dieser Satz
  unmittelbar, da"s jede Transformation, die auf der nullten Homologie
  eine Isotransformation induziert, bereits selbst eine Isotransformation zwischen den entsprechenden Funktoren $\op{Top}\ra\op{Hot}$ gewesen sein mu"s.
  Diese Erkenntnis gilt es dann nur noch anzuwenden auf die
  Transformation, die von den Projektionen $X\times [0,1]\ra X$ induziert wird.
\end{Bemerkungw}

  \begin{proof}[Erster Beweis]
Bezeichnet $f,g:X\ra Y$ unsere homotopen stetigen Abbildungen,
so behauptet der Satz f"ur alle $q$ die Gleichheit 
$ {\op{H}}_{q}(f)={\op{H}}_{q}(g)$ 
von Abbildungen ${\op{H}}_qX\ra {\op{H}}_q Y$. 
Es gilt also 
zu zeigen, da"s f"ur jeden Zykel $z\in {\op{Z}}_{q}X$ 
die Differenz $({\op{S}}_{q}
f) (z) - ({\op{S}}_{q}g)(z)$ ein Rand in $Y$ ist.
Anschaulich ist das recht klar: Unsere Differenz ist eben \glqq der Rand des
Gebiets,
das von besagtem Zykel w"ahrend der Homotopie von
$f$ nach $g$ "uberstrichen wird\grqq.
Etwas formaler sei $h: X \times [0,1] \ra Y$ eine
Homotopie von $f$ nach $g$. \label{HTEx}
    Bezeichne $\omega_\nu:\Delta_{q+1} \ra \Delta_{q}\times[0,1]$ diejenige
    affine Abbildung, die die Ecken $\op{e}_0, \ldots,
    \op{e}_{q+1}$ unseres Standardsimplex der Reihe nach abbildet auf
    $(\op{e}_0,0), \ldots, (\op{e}_\nu,0),(\op{e}_\nu,1), \ldots,(\op{e}_q,1)$. 
    Bezeichne
    $\delta_q:{\op{S}}_qX\ra{\op{S}}_{q+1}Y$ die Abbildung, die auf Simplizes
    gegeben wird durch
    $$
    \delta_q(\sigma)
    =\sum_{\nu=0}^q(-1)^\nu h\circ(\sigma\times\op{id})\circ\omega_\nu$$
    Nun 
    pr"ufen wir f"ur die so gegebenen Abbildungen $ \delta_q$ die
    Identit"aten $\partial\delta + \delta\partial
    ={\op{S}}_{q}g-{\op{S}}_{q}f$.  
Sobald das getan ist, sind wir fertig, denn dann gilt 
f"ur jeden Zykel $z\in {\op{Z}}_{q}X$ 
die Formel $({\op{S}}_{q}
g) (z) - ({\op{S}}_{q}f)(z)=\partial\delta z$ und 
unsere Differenz ist in der Tat ein Rand.
F"ur den Nachweis 
    unserer Identit"aten k"urzen wir 
  $(\op{e}_\nu,0)=v_\nu$ und $(\op{e}_\nu,1)=w_\nu$
    ab und vereinbaren f"ur $q+1$ Punkte 
$a,b,\ldots,c$ einer konvexen Teilmenge
    eines reellen Raums 
die Notationen $[a,b,\ldots,c]$  f"ur die Abbildung von $\Delta_q$ in
    unsere konvexe Teilmenge, die die Ecken der Reihe nach auf diese Punkte
    wirft.  Dann haben wir also $\omega_\nu=[v_0, \ldots, v_\nu,w_\nu,
    \ldots,w_q]$ und
    $$
\begin{array}{lll}
\partial\delta_q(\sigma)
&=&\sum_{\nu\geq\mu}(-1)^\nu(-1)^\mu h(\sigma\times\op{id})[v_0,
\ldots, \hat{v}_\mu,\ldots, v_\nu,w_\nu, \ldots,w_q]\\
&&+\sum_{\nu\leq\mu}(-1)^\nu(-1)^{\mu+1}h(\sigma\times\op{id})[v_0,
\ldots, v_\nu,w_\nu, \ldots, \hat{w}_\mu,\ldots,w_q]
\end{array}
$$
Andererseits ergibt sich $ \partial(\sigma) =\sum_{\mu}(-1)^\mu\sigma
[\op{e}_0,\ldots,\hat{\op{e}}_\mu,\ldots, \op{e}_q] $ und damit
$$
\begin{array}{lll}
\delta_{q-1}\partial(\sigma)
&=&\sum_{\nu>\mu}(-1)^\nu(-1)^{\mu+1}h(\sigma\times\op{id})[v_0,
\ldots, \hat{v}_\mu,\ldots, v_\nu,w_\nu, \ldots,w_q]\\
&&+\sum_{\nu<\mu}(-1)^\nu(-1)^\mu h(\sigma\times\op{id})[v_0,
\ldots, v_\nu,w_\nu, \ldots, \hat{w}_\mu,\ldots,w_q]
\end{array}
$$
Nach dem Aufaddieren bleiben nur noch die Terme mit $\nu=\mu$ des
Ausdrucks f"ur $\partial\delta_{q}(\sigma)$
"ubrig, und auch diese l"oschen sich paarweise aus bis auf den Summanden
mit $\nu=\mu=0$ vorne und den Summanden mit $\nu=\mu=q$ hinten.
Da nun aber gilt $h(\sigma\times\op{id})[w_0, \ldots,w_q]=g \sigma$
und $h(\sigma\times\op{id})[v_0, \ldots,v_q]=f \sigma$, 
folgt die Behauptung.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Es mag der Anschauung helfen, sich klarzumachen, da"s
die Bilder der $\omega_\nu$ die vollen Simplizes maximaler Dimension einer 
Triangulierung von $\Delta_{q}\times[0,1]$ sind. F"ur die formale 
Argumentation ist das jedoch belanglos. Unserem zweiten Beweis schicken wir
eine Vorbemerkung voraus.
\end{Bemerkungl}



\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildHoSS}\\[4mm]
\noindent 
Dies Bild zeigt zwei homotope Abbildungen der Kreislinie 
in die punktierte Ebene und die Bilder desselben 
aus der formalen Summe von f"unf singul"aren Eins-Simplizes 
bestehenden
Eins-Zykels unter diesen beiden Abbildungen. 
Des weiteren ist in der Abbildung eine Zweikette 
in der punktierten Ebene angedeutet, 
gegeben durch die formale Summe von insgesamt 
zehn singul"aren Zwei-Simplizes, davon die H"alfte mit dem
Koeffizienten $(-1)$,  deren Rand gerade 
die Differenz unserer beiden Eins-Zykel ist. 
So erkennt man, da"s unsere beiden Eins-Zykel dieselbe Homologieklasse
in der punktierten Ebene repr"asentieren.
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Abstrakte Variante des Yoneda-Lemmas}]
Ist $\cal{C}$ eine
Kategorie und $\Delta \in \cal{C}$
ein Objekt, so k"onnen wir den Funktor\label{YAN} 
$\Bbb{Z} {\cal{C}} (\Delta,\;) : \cal{C} \ra
\op{Ab} $ betrachten, der jedem Objekt $X$ die freie abelsche Gruppe "uber
${\cal{C}} (\Delta,X)$ zuordnet. Ist dann $G: \cal{C} \ra \op{Ab}$ ein weiterer Funktor, so liefert die Abbildungsvorschrift
$\delta  \mapsto  \delta_{\Delta}(\op{id}_{\Delta})$
eine Bijektion
$$
\op{Ab}^{\mathcal C} (\Bbb{Z}{\cal{C}}(\Delta,\;), G)  \sira  G(\Delta)$$ 
zwischen der Menge aller Transformationen $\Bbb{Z}{\cal{C}}(\Delta,\;)\RA G$ und der Menge $G(\Delta)$.  Man erh"alt eine Umkehrabbildung, indem man einem $g\in G(\Delta)$
  diejenige
  Familie von Gruppenhomomorphismen $\delta_X: \Bbb{Z}{\cal{C}}(\Delta,X)\ra G(X)$
  zuordnet, bei der $\delta_X$ dadurch gegeben ist,
  da"s es jedem Morphismus $\sigma:\Delta\ra X$
  das Element $(G\sigma)(g)\in G(X)$ zuordnet.Wir "uberlassen die Details
  des Beweises dem Leser zur "Ubung, man orientiere sich am Beweis des
Yoneda-Lemmas \eref{YL}{LA2}.
\end{Bemerkungl}



\begin{Beispiel}[\textbf{Variante des Yoneda-Lemmas f"ur Ketten}]
F"ur jeden Funktor $G : \op{Top}
\ra \op{Ab}$  liefert das Auswerten auf dem
tautologischen $q$-Simplex $\tau_q$ eine Bijektion
zwischen der Menge der  Transformationen von 
${\op{S}}_q$ nach $G$\label{YA} und der Menge $G(\Delta_{q})$,  in Formeln 
$
\op{Ab}^{\op{Top}}({\op{S}}_{q},G)  \sira  G(\Delta_{q})$, $
\delta \mapsto  \delta_{\Delta_q} (\tau_{q})$.
Der Randoperator $\partial:{\op{S}}_{q}\ra {\op{S}}_{q-1}$
entspricht unter dieser Bijektion 
etwa der Kette $\partial\tau_{q}\in {\op{S}}_{q-1}(\Delta_q)$. 
\end{Beispiel}

\begin{proof}[Zweiter Beweis]
Sei wieder $h: X \times [0,1] \ra Y$ eine
Homotopie von $f$ nach $g$. 
Bezeichnen wir die Inklusionen $X \ra X \times [0,1]$,  $ x \mapsto (x,t)$
mit $i_{t}$,  so gilt $f = h\circ i_{0}$ und $g = h \circ i_{1}$. 
Es reicht nun, ${\op{H}}_{q}(i_{0}) = {\op{H}}_{q}(i_{1})$ zu zeigen, 
denn daraus folgt
mit der Funktorialit"at der Homologie schon
$${\op{H}}_{q} (f) 
= {\op{H}}_{q} (h)\circ {\op{H}}_{q}(i_{0})={\op{H}}_{q}(h) \circ
{\op{H}}_{q}(i_{1}) = {\op{H}}_{q}(g)$$
Die Formel
${\op{H}}_{q}(i_{0}) = {\op{H}}_{q}(i_{1})$ bedeutet, da"s f"ur jeden Zykel
$z\in {\op{Z}}_{q}
X$ die Differenz seiner Bilder $ ({\op{S}}_{q} i_{0}) (z) - ({\op{S}}_{q}i_{1})(z)$ ein
Rand ist.
Um das nachzuweisen reicht es, eine Familie von Morphismen
$$\delta = \delta_{q}= \delta^X_{q} : {\op{S}}_{q} X 
\ra {\op{S}}_{q+1} (X \times [0,1])$$
f"ur $q \in \Bbb{Z}$ zu konstruieren derart, da"s gilt $\partial\delta +
\delta\partial
={\op{S}}_{q}i_{1}-{\op{S}}_{q}i_{0}$, 
denn dann ist $({\op{S}}_{q}i_{1})(z) - ({\op{S}}_{q}i_{0})(z) 
=  \partial\delta z$ ein Rand
f"ur
jeden Zykel $z\in {\op{Z}}_q X$. 
Eine M"oglichkeit, derartige Morphismen  explizit anzugeben, 
liefert die explizite Formel
 $$\delta_{q}\sigma=\sum_{\nu=0}^q(-1)^\nu(\sigma\times\op{id})\omega_\nu$$
in den Notationen unseres ersten Beweises.
  Ich will jedoch auch noch 
einen mehr konzeptionellen Zugang erkl"aren.
Es ist bequem, solch eine Familie zu konstruieren als 
Transformation, wo wir beide Seiten auffassen als
Funktoren in $X$ von den topologischen R"aumen in die abelschen Gruppen.
Dann k"onnen wir uns n"amlich auf die Variante des
Yoneda-Lemmas f"ur Ketten \ref{YA} st"utzen. Bezeichne dazu $\tau_{q}\in {\op{S}}_{q}(\Delta_{q})$ 
den\index{t@$\tau_{q}\in {\op{S}}_{q}(\Delta_{q})$ tautologischer Simplex}
\defnoind{tautologischen $q$-Simplex}\index{tautologischer Simplex}
$\op{id}:\Delta_{q}\ra \Delta_{q}$.
 Wir hatten gesehen, da"s wir nur f"ur alle topologischen R"aume $X$ 
und alle $q\in\DZ$ Morphismen $\delta = \delta_{q}
:{\op{S}}_{q}X \ra {\op{S}}_{q+1}(X\times [0,1])$ konstruieren m"ussen derart,
da"s gilt
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildVq}\\[4mm]
\noindent 
Eine  m"ogliche Wahl von $V_0$,  
die anders ist als im Beweis vorgeschlagen, 
und  dazu
eine  m"ogliche Wahl von $V_1$
\end{figure}
\begin{equation}
\partial \delta_{q} + \delta_{q-1} \partial = {\op{S}}_{q}i_{1} -
{\op{S}}_{q}i_{0}
\tag*{$(\ast)_{q}$}
\end{equation}
Wir konstruieren die $\delta_{q}$ als  Transformationen
$\delta_{q}: {\op{S}}_{q} \Rightarrow F_{q+1}$ in den Funktor
$F_{q+1}:X \mapsto {\op{S}}_{q+1} (X\times [0,1])$ von oben. Sie werden
dann nach unserer Yoneda-Variante \ref{YA} schon durch die Angabe jeweils eines Elements
$\delta_{q}(\tau_{q}) = V_{q} \in {\op{S}}_{q+1}(\Delta_{q}\times[0,1])$ eindeutig
festgelegt und wir
m"ussen nur unsere $V_{q}$ so w"ahlen, da"s die obigen Gleichungen $(\ast)_{q}$
erf"ullt sind.
Da $(\ast)_{q}$ aber eine Gleichung von  Transformationen 
${\op{S}}_q\Rightarrow F_q$
ist, gilt sie wieder nach unserer Yoneda-Variante \ref{YA} immer, wenn sie nach Auswerten auf dem
tautologischen Simplex $\tau_{q} \in {\op{S}}_{q} (\Delta_{q})$ gilt, also genau
dann,
wenn gilt
$$(\partial \delta_{q} + \delta_{q-1}\partial)(\tau_{q})= ({\op{S}}_{q}i_{1} -
{\op{S}}_{q}i_{0})(\tau_{q})$$
in ${\op{S}}_{q}(\Delta_{q}\times[0,1])$. 
F"ur $V_{q}=\delta_{q}(\tau_{q})$ bedeutet das genau
$$\partial V_{q}
=({\op{S}}_{q}i_{1} - {\op{S}}_{q}i_{0} - \delta_{q-1}\partial) (\tau_{q})$$
Man beachte, da"s hier die rechte Seite von $\delta_{q-1}$,  also von $V_{q-1}$
abh"angt. Wir
w"ahlen nun m"ogliche $V_{q}$ induktiv und nehmen an, da"s die $V_{\pi}$ f"ur
$\pi\leq q-1$ schon konstruiert sind und die Gleichungen $(\ast)_{\pi}$ f"ur
$\pi\leq q-1$ gelten. Als Basis der Induktion d"urfen wir $V_{\pi}=0$ f"ur
$\pi<0$ nehmen und als $V_{0}$ irgendeinen singul"aren 
Simplex $\Delta_{1} \ra \Delta_{0}
\times [0,1]$,  der die Endpunkte des Geradensegments $\Delta_{1}$
\glqq in der richtigen Reihenfolge\grqq\  auf die Endpunkte 
des Geradensegments $\Delta_{0} \times [0,1]$
abbildet.
Da nun nach Lemma \ref{Kon} "uber die Homologie konvexer Mengen f"ur
$q>0$ gilt ${\op{H}}_{q}(\Delta_{q}\times [0,1]) =0$,  k"onnen 
wir eine $q$-Kette in
$\Delta_{q}\times[0,1]$ f"ur $q >0$ als Rand schreiben genau dann, wenn sie ein
Zykel ist.
Wir finden f"ur $q>0$ also unser $V_{q}$ wie gew"unscht genau dann, wenn gilt
$$
\partial
({\op{S}}_{q}i_{1}-{\op{S}}_{q}i_{0}-\delta_{q-1}\partial)(\tau_{q})=0
$$
Das zeigen wir induktiv, indem wir unter Verwendung von
$(\ast)_{q-1}$ rechnen
\begin{equation*}
\begin{array}[b]{ccl}
\partial ({\op{S}}_{q}i_{1} - {\op{S}}_{q} i_{0} - \delta_{q-1}\partial) &=&
({\op{S}}_{q-1} i_{1}-{\op{S}}_{q-1} i_{0} - \partial \delta_{q-1}) \partial\\
&=& \delta_{q-2} \partial \partial\\
&=& 0
\end{array}\qedhere
\end{equation*}
\end{proof}


\begin{Definition}
Zwei Kettenabbildungen $f,g: A \ra B$ von Kettenkomplexen
hei"sen \defind{kettenhomotop}
oder kurz \defind{homotop}, wenn es eine Familie $\delta_{q}:A_{q}
\ra B_{q+1}$
von Gruppenhomomorphismen gibt mit $f_{q}-g_{q} = \partial_{q+1}
\delta_{q} + \delta_{q-1}\partial_{q}$ f"ur alle $q$. 
Wir schreiben daf"ur auch manchmal $\delta:f\sim g$. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}\label{dHo}
  Eine Kettenabbildung hei"st 
{\bf nullhomotop}\index{nullhomotop!Kettenabbildung}, wenn sie
  homotop ist zur Nullabbildung.  Per definitionem sind zwei Kettenabbildungen
  kettenhomotop, wenn ihre Differenz nullhomotop ist.  Ist weiter
  $g\circ h$ eine Verkn"upfung von Kettenabbildungen und ist eine der beiden
  nullhomotop, so auch die Verkn"upfung, wie Sie in \ref{VKKH} selbst pr"ufen
  sollen.  Wir k"onnen deshalb die \defnoind{Homotopiekategorie der
    Kettenkomplexe abelscher Gruppen}\index{Homotopiekategorie!algebraische}
  einf"uhren, mit Kettenkomplexen von abelschen Gruppen als Objekten und
  Homotopieklassen von Kettenabbildungen als Morphismen.  Wir notieren sie
    $\op{Hot}(\op{Ab})$\index{Hot@$\op{Hot}$!Homotopiekategorie}
  oder $\op{Hot}_{\op {Ab}}$ oder auch einfach nur $\op{Hot}$.
  Morphismen von Komplexen in der Homotopiekategorie notieren wir
  manchmal $A\ra_{\op{Hot}}B$.\index{)4@$\ra_{\op{Hot}}$ Morphismen in $\op{Hot}$} 
    Analog erkl"art man 
f"ur einen beliebigen Ring $R$ die Homotopiekategorie
$\op{Hot}_R=\op{Hot}(R\op{-Mod})$\index{Hot@$\op{Hot}$!$\op{Hot}_R$}
 aller Komplexe von $R$-Moduln.
 Isomorphismen in einer Homotopiekategorie von Komplexen
  nennen wir auch {\bf
    Homotopie"aquivalenzen}\index{Homotopie"aquivalenz!algebraische} und
  notieren sie $\hri$\index{)4@$\hri$ Homotopie"aquivalenz} oder $\sira_{\op{Hot}}$.\index{)4@$\sira_{\op{Hot}}$ Isomorphismen in $\op{Hot}$}
 Ein Komplex hei"st {\bf nullhomotop},\index{nullhomotop!Komplex} 
 wenn er
  homotopie"aquivalent ist zum Nullkomplex.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{kH}
Unsere Argumente von eben zeigen,
da"s die Homologiegruppen ganz allgemein
Funktoren $\cal{H}_q:\op{Hot}(\op{Ab})\ra \op{Ab}$
liefern.
Weiter haben wir gezeigt, da"s homotope Abbildungen $f,  g$
kettenhomotope Abbildungen ${\op{S}}f,  {\op{S}}g$ auf den singul"aren
Ketten liefern. Genauer erhalten wir f"ur jede Homotopie
$h:f\sim g$ eine Kettenhomotopie ${\op{S}}f\sim {\op{S}}g$ als
${\op{S}}h\circ\delta$ mit $\delta$ wie im
Beweis von \ref{HIv}. Bezeichnen wir wie bisher mit
$\op{Hot}$ die Homotopiekategorie topologischer
R"aume, so
erhalten wir mithin ein kommutatives Diagramm
von Funktoren
$$\begin{array}{ccccc}
\op{Top}&\overset{{\op{S}}}{\ra} &\op{Ket} (\op{Ab}) &
\overset{\cal{H}_{q}}{\ra}&\op{Ab}\\
\da&&\da &&\|\\
\op{hTop}&\overset{{\op{S}}}{\ra} &
\op{Hot}(\op{Ab}) & \overset{\cal{H}_{q}}{\ra}
& \op{Ab}
\end{array}$$
Insbesondere induziert eine Homotopie"aquivalenz stets Isomorphismen auf
der Homologie. Nun ist die konstante Abbildung von einem topologischen 
Raum auf einen Punkt eine Homotopie"aquivalenz genau dann, wenn unser
Raum zusammenziehbar ist. Da Funktoren Isomorphismen zu Isomorphismen machen, 
liefert also f"ur jeden zusammenziehbaren Raum $X$ die 
konstante Abbildung Isomorphismen von seiner Homologie mit der 
Homologie eines Punktes. Wir folgern f"ur $X$ zusammenziehbar
${\op{H}}_qX =\DZ$ f"ur $q=0$ und Null sonst. Wenn wir den ersten Beweis
f"ur die Homotopieinvarianz nehmen, erhalten wir unser Lemma \ref{Kon}
"uber die Homologie konvexer Mengen als Korollar.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}
  F"ur den einpunktigen Raum $X = \op{top} $ und
  den konstanten Nullsimplex $\sigma:\Delta_0\ra \op{top}$ 
  liefert  die Vorschrift $n\mapsto n\sigma$  eine
  Homotopie"aquivalenz\label{HPuh} 
  $$\Bbb{Z}[0]\hri {\op{S}} (\op{top})$$
  mit der Notation $\Bbb{Z}[0]$ f"ur den Komplex, der $\DZ$ ist im Grad Null und Null sonst.
\end{Ubung}




\begin{Ubung}\label{VKKH}
Man zeige, da"s die Verkn"upfung einer nullhomotopen
Kettenabbildung mit einer beliebigen Kettenabbildung
wieder nullhomotop ist, und zwar sowohl f"ur das Davorschalten
wie auch f"ur das Dahinterschalten.
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Hom-Komplex}]\index{Hom-Komplex}
Sind $(C,\partial^{C})$ und $(D,\partial^{D})$ Kettenkomplexe, so
erkl"aren wir einen Kettenkomplex
$(C{\Rrightarrow} D)=\op{Hom} (C,D)$ durch die
Vorschrift\label{HHKK}\index{)4@$\Rrightarrow$ Hom-Komplex!bei Kettenkomplexen}
$$(C{\Rrightarrow} D)_{i} \pdef\prod_{q} \op{Hom} (C_{q}, D_{q+i})$$
mit Differential $\partial (f) = \partial^{D} \circ f - (-1)^{|f|} f \circ
\partial^{C}$ und der Konvention $|f|=i$  f"ur $f \in 
(C{\Rrightarrow} D)_{i}$. 
Man zeige, da"s gilt $\partial (\partial (f)) =0$,  da"s 
die Nullzykel des Hom-Komplexes 
gerade die Kettenabbildungen von $C$ nach $D$
sind, in Formeln $\cal{Z}_{0}
(C{\Rrightarrow}D)=\op{Ket} (C,D)$,   und da"s diese Gleichheit
eine Gleichheit $\cal{H}_{0}  (C{\Rrightarrow}D)=\op{Hot} (C,D)$ zwischen der  nullten Homologie und dem Raum 
der Morphismen von $C$ nach $D$ in der
Homotopiekategorie der Kettenkomplexe induziert. 
In dieser Weise erhalten wir nat"urliche Abbildungen
$$\cal{H}  (C{\Rrightarrow}D)\ra  (\cal{H}C{\Rrightarrow}\cal{H}D)$$
\end{Ubung}
\begin{Bemerkungw}[\textbf{Vorzeichen im Hom-Komplex}]
Die Wahl der Vorzeichen in unserem Hom-Komplex mag 
willk"urlich wirken. Sie kann jedoch zur"uckgef"uhrt werden auf 
unsere Vorzeichenwahl bei der Definition des Tensorkomplexes 
$\ref{TeKo}$. Genauer bilden nach \ref{canAd} die Isomorphismen\label{adTH}  
$$\alpha_{Y,Z}:\op{Ket}(Y\otimes X,Z)\sira
\op{Ket}(Y,X{\Rrightarrow}Z)$$
 gegeben durch  $f\mapsto \bar f$  mit
 $\bar f(y)\pdef (\bar f(y)_i)$ und $\bar f(y)_i:X_i\ra Z_{i+|y|}$ gegeben
 durch
 $x\mapsto f_{|y|+|x|}(y\otimes x)$ f"ur homogene $y,x$ eine Adjunktion
 $(\otimes X, X{\Rrightarrow})$
 von Funktoren $\op{Ket}\ra\op{Ket}$ und das
 Paar $(\alpha,X{\Rrightarrow})$ ist nach 
 \eref{EinAn}{TF}  durch
 $\otimes X$ eindeutig bestimmt bis auf eindeutigen Isomorphismus.
 Es gibt auch andere m"ogliche Paare, von denen  das hier betrachtete
 nur dadurch ausgezeichnet ist, da"s ich mir  $\alpha$  gut merken kann. Nur in diesem schwachen und sehr menschlichen Sinne werden auch die Vorzeichen im $\op{Hom}$-Komplex durch die Vorzeichen bei der Wahl des Tensorkomplexes
 bestimmt. Bei der Wahl von  $\alpha$ k"onnte man, wenn man den Teufel  am Schwanz ziehen will, durchaus noch igendwelche Vorzeichen einbauen
 und m"u"ste dann  die Definition von 
 $\Rrightarrow$ eben entsprechend anpassen.
\end{Bemerkungw}
\begin{Ubung}\label{HHC}
  Sei $C$ ein Komplex von Moduln "uber einem Ring,
  dessen Homologiegruppen freie oder allgemeiner \glqq projektive\grqq\
  Moduln sind.
  Man zeige, da"s es dann in der
  Homotopiekategorie der Kettenkomplexe
genau einen Homomorphismus $\cal{H}C \ra C$ gibt, der auf der Homologie
die offensichtliche Identifikation\label{CWWk} 
$\cal{H}(\cal{H}C)\sira \cal{H}C$ induziert, und da"s er im Fall
von Vektorr"aumen sogar eine Homotopie"aquivalenz ist.
In \ref{CWW} verallgemeinern wir die zweite Aussage
auf gegen die Pfeile beschr"ankte Komplexe projektiver Moduln. 
F"ur Moduln "uber 
Hauptidealringen zeigen wir eine Variante in \eref{DKHa}{TG}. 
\end{Ubung}



\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGeWe}\\[4mm]
\noindent 
Ein geschlossener,  nicht zusammenziehbarer,
 aber dennoch nullhomologer  Weg
im Komplement einer zweielementigen Teilmenge der komplexen
Zahlenebene. Denken wir uns das Mittelkreuz als Basispunkt
und bezeichnet $\alpha$ beziehungsweise $\beta$ 
in der Fundamentalgruppe das Umrunden gegen den Uhrzeigersinn
von $a$ beziehungsweise $b$,  so ist unser Fundamentalgruppe nach \eref{fkp}{TF} 
 frei erzeugt von $\alpha$ und $\beta$ 
und unser  Weg repr"asentiert das Element
$\alpha^{-1}\beta^{-1}\alpha\beta$ in der Fundamentalgruppe.
\end{figure}

\subsection{Erste Homologie und Fundamentalgruppe}
\begin{Bemerkungl}\label{VNn}%\label{VN}
Der Klarheit halber
schreiben wir in diesem Abschnitt anders als sonst
$\llbracket \gamma\rrbracket $ f"ur die
Homotopieklasse mit festen Endpunkten eines Weges und
wie "ublich $[z]$ f"ur
die Homologieklasse eines Zykels.  
Bezeichne $c: \Delta_{1} \sira [0,1]$ die 
Restrik\-tion  der Projektion zur  zweiten Koordinate auf den 
Standard-$1$-Simplex $\Delta_{1}=\{(x,y)\in [0,1]^2\mid
x+y=1\}$.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}
\begin{enumerate}
\item
F"ur jeden bepunkteten Raum $(X,x)$ gibt es genau einen
Gruppenhomomorphismus $\pi_{1} (X,x) \rightarrow {\op{H}}_{1} X$
von seiner Fundamentalgruppe in seine erste
singul"are Homologiegruppe
mit  $ \llbracket \gamma\rrbracket  \mapsto [\gamma \circ c]$ f"ur
alle geschlossenen Wege 
$\gamma\in \Omega (X,x)$;
\item
F"ur jeden  wegzusammenh"angenden bepunkteten Raum induziert der
Homomorphismus aus dem ersten Teil einen Isomorphismus zwischen der
Abelisierung  \eref{Abel}{TF} 
der Fundamentalgruppe und der ersten singul"aren
Homologiegruppe, den sogenannten 
\emph{\bf Hurewicz-Isomorphismus}\index{Hurewicz-Isomorphismus}
$$\pi_{1} (X,x)^{\op{ab}} \sira {\op{H}}_{1} X$$
\end{enumerate}
\label{Hu}\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
  Ein geschlossener Weg, der unter der
im Satz beschriebenen Abbildung zum Nullelement der ersten Homologiegruppe
wird, hei"st  {\bf nullhomolog}.\index{nullhomolog} 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkunge}
 Der Hurewicz-Isomorphismus h"angt von der a priori unkanonischen 
Wahl unserer
Bijektion $c: \Delta_{1} \sira [0,1]$ ab.
W"ahlen wir hier statt der Projektion auf die zweite
Koordinate die Projektion auf die erste Koordinate,
so "andert er sein Vorzeichen.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}[Beweis]
1.
Offensichtlich definiert die Vorschrift $\gamma \mapsto [\gamma
\circ c]$ eine Abbildung ${\op{hur}}:\Omega (X,x) \ra {\op{H}}_{1}X$
vom Wegeraum in die erste Homologiegruppe.
Um zu zeigen, da"s sie auf Homotopieklassen von Wegen konstant
ist, geben wir eine alternative Beschreibung.
Bezeichne $\op{Exp} : [0,1] \ra S^{1}$ unsere "ubliche Abbildung
$t \mapsto \exp (2\pi \op{i}t)$. 
Da $\op{Exp}$ nach \eref{IIA}{TM}  final ist, gibt es zu jedem
geschlossenen Weg $\gamma \in \Omega (X,x)$ eine stetige Abbildung
$\tilde{\gamma} : S^{1} \ra X$ mit $\gamma = \tilde{\gamma} \circ
\op{Exp}$. 
Betrachten wir nun in der Kreislinie $S^{1}$ den 
$1$-Zykel $z = \op{Exp} \circ c \in
{\op{Z}}_{1} (S^{1})$,  so
k"onnen wir unsere Abbildung von $\Omega(X,x)$ nach ${\op{H}}_{1}X$ auch schreiben
als
$$\gamma\mapsto [\gamma \circ c] = ({\op{H}}_{1}\tilde{\gamma}) [z]$$
Sind nun $\gamma, \beta \in \Omega (X,x)$ homotop mit festen
Endpunkten, so sind $\tilde{\gamma}$ und $\tilde{\beta}$ homotope
Abbildungen von $S^{1}$ nach $ X$,  da wieder nach \eref{IIA}{TM}
auch $\op{id}\times\op{Exp}  :[0,1]\times [0,1]\ra [0,1]\times S^1$ final ist.
Wir erhalten damit
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildHoWe}\\[4mm]
\noindent 
Der tautologische Zwei-Simplex mit seinem Rand sowie
der Zwei-Simplex $p:\Delta_2\ra[0,1]$ und sein Rand
in ${\op{S}}_1([0,1])$. 
\end{figure}
 $$\begin{array}{ccl}
\llbracket \gamma\rrbracket  = \llbracket \beta\rrbracket  & \Rightarrow & \tilde{\gamma} \simeq
\tilde{\beta}\\
&\Rightarrow & {\op{H}}_{1}\tilde{\gamma} = {\op{H}}_{1}\tilde{\beta} \text{ nach
Homotopieinvarianz \ref{HIv}}\\
&\Rightarrow & ({\op{H}}_{1}\tilde{\gamma})[z] = ({\op{H}}_{1}\tilde{\beta})
[z]\\
&\Rightarrow &[\gamma \circ c] = [\beta \circ c]
\end{array}$$
Folglich definiert die Vorschrift $\llbracket \gamma\rrbracket  \mapsto [\gamma
\circ c]$ in der Tat eine wohlbestimmte Abbildung $\pi_{1} (X,x)
\ra {\op{H}}_{1} X$. 
Wir m"ussen f"ur den ersten Teil nur noch zeigen, da"s sie ein
Gruppenhomomorphismus ist.
Dazu betrachten wir die affine Abbildung $p : \Delta_{2} \ra
[0,1]$ mit $(1,0,0) \mapsto 0$,  $(0,1,0) \mapsto 1/2$ und $(0,0,1)
\mapsto 1$. 
Offensichtlich gilt f"ur beliebige $\gamma,
\beta \in \Omega (X,x)$,  ja sogar f"ur zwei beliebige verkn"upfbare nicht
notwendig
geschlossene Wege in ${\op{S}}_{1}X$ die Identit"at
$$\partial ((\beta \ast \gamma)\circ p) = \gamma \circ c - (\beta
\ast \gamma) \circ c + \beta \circ c$$
als da hei"st $ (\beta
\ast \gamma) \circ c$ ist homolog zu $ \gamma \circ c + \beta \circ c$, 
und f"ur $\gamma,
\beta \in \Omega (X,x)$ folgt  daraus  in ${\op{H}}_{1} X$ die Gleichung
$[(\beta \ast \gamma)\circ c] = [\gamma \circ c] + [\beta \circ
c]$. 
\\[2mm]
\noindent
2.
Da ${\op{H}}_{1}X$ abelsch ist, definiert die Abbildung aus Teil 1
nach \eref{UEAb}{TF} einen Gruppenhomomorphismus
$$\op{h\acute{u}r} : \pi_{1} (X,x)^{\op{ab}} \ra {\op{H}}_{1}X$$
Wir nehmen nun $X$ wegzusammenh"angend an und w"ahlen f"ur jeden
Punkt $y \in X$ einen Weg $\al_{y} \in \Omega (X,y,x)$ von $x$
nach $y$. 
Dann definieren wir einen Gruppenhomomorphismus
$$w:{\op{S}}_{1} X \rightarrow \pi_{1} (X,x)^{\op{ab}}$$
durch die Vorschrift, da"s er einen $1$-Simplex $\sigma : \Delta_{1} \ra X$
abbilden m"oge auf die Klasse des 
geschlossenen Weges $w (\sigma)=\bar{\al}_z
\ast (\sigma \circ c^{-1}) \ast \al_y$
f"ur $z= {\sigma (0,1)}$ und $y={\sigma (1,0)}$ die Enden unseres
$1$-Simplex.
Wir zeigen nun, da"s dieser Gruppenhomomorphismus alle R"ander in
${\op{B}}_{1}X$ auf das
neutrale Element von $\pi_{1} (X,x)^{\op{ab}}$
wirft.
In der Tat, der Rand eines $2$-Simplex $\tau :
\Delta_{2} \ra X$ wird unter unserem Gruppenhomomorphismus
abgebildet auf $\llbracket \bar{\alpha}_u \ast (\tau \circ
k) \ast \alpha_u\rrbracket $,  wo $u={\tau (0,0,1)}$ das Bild einer
Ecke von $\Delta_{2}$ ist und $k: [0,1] \ra \Delta_{2}$ den
Weg mit Anfangs- und Endpunkt in dieser Ecke bezeichnet, der einmal auf dem
Rand von $\Delta_{2}$ uml"auft in einer Richtung, die der Leser
sich selber "uberlegen m"oge.
Da aber schon $k$ selbst homotop ist zum konstanten Weg, gilt
dasselbe f"ur die obige Verkn"upfung.
Folglich definiert unsere Vorschrift einen Gruppenhomomorphismus
in der umgekehrten Richtung
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildRWe}\\[4mm]
\noindent 
Dies Bild soll illustrieren, warum f"ur einen Zwei-Simplex $\tau :
\Delta_{2} \ra X$ sein Rand unter unserem Gruppenhomomorphismus
abgebildet auf $\llbracket \bar{\alpha}_u \ast (\tau \circ
k) \ast \alpha_u\rrbracket$,  wo $u={\tau (0,0,1)}$ das Bild einer
Ecke von $\Delta_{2}$ ist und $k: [0,1] \ra \Delta_{2}$ den
Weg mit Anfangs- und Endpunkt in dieser Ecke bezeichnet, der einmal auf dem
Rand von $\Delta_{2}$ uml"auft.
\end{figure}
$$\overline{w} : {\op{H}}_{1}X \ra \pi_{1} (X,x)^{\op{ab}}$$
Es bleibt zu zeigen, da"s er invers ist zu dem in Teil 1
konstruierten Homomorphismus $\op{h\acute{u}r}$.  
Um $\overline{w}\circ \op{h\acute{u}r}=\op{id}$ nachzuweisen,
w"ahlen wir einen geschlossenen Weg $\gamma\in\Omega(X,x)$ und
erkennen, da"s unter unserer Verkn"upfung 
seine Klasse abgebildet wird auf die Klasse von
$\overline{\alpha}_x \ast \gamma \ast \alpha_x$ in $\pi_{1} (X,x)^{\op{ab}}$. 
Das zeigt $\overline{w}\circ \op{h\acute{u}r}=\op{id}$. 
Um $\op{h\acute{u}r}\circ \overline{w}=\op{id}$ nachzuweisen
bemerken wir, da"s  f"ur jeden $1$-Simplex $\sigma$ 
unser $w(\sigma)$ durch den Weg 
$\bar{\alpha}_{\sigma (1,0)} \ast (\sigma\circ c^{-1})
\ast \alpha_{\sigma (0,1)}$ repr"asentiert wird.
Nach dem Schlu"s des vorhergehenden Beweises ist damit
$\op{hur} (w(\sigma))$ homolog zur $1$-Kette 
$
\sigma+\alpha_{\sigma (1,0)} \circ c  - \alpha_{\sigma (0,1)}
\circ c$. 
Definieren wir also $\delta : {\op{S}}_{0} X 
\ra {\op{S}}_{1}X$ durch $y \mapsto
\alpha_{y} \circ c$,  so ist $\op{hur} (w(\sigma)) - \sigma$
homolog zu $\delta \partial \sigma$ f"ur jeden $1$-Simplex $\sigma$
und nullhomolog f"ur jeden $1$-Zykel $a \in {\op{Z}}_{1}X$,  in Formeln
$[\op{hur} (w(a))] = [a] \; \forall a \in {\op{Z}}_{1}X$. 
\end{proof}
\begin{Definition}
    Zwei normierte geschlossene Wege $\alpha,\beta$ in einem 
topologischen Raum hei"sen
    {\bf frei homotop},\index{homotop!frei homotop} 
 wenn es eine durch $\tau\in [0,1]$
    parametrisierte Familie geschlossener normierter Wege $\gamma_{\tau}$ gibt
    mit $\gamma_{0}=\alpha$,  $\gamma_{1}=\beta$ und so, da"s $(t,\tau)\mapsto
    \gamma_{\tau}(t)$ stetig ist auf $[0,1]^2$.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Im Gegensatz zur Homotopie mit festen Endpunkten mu"s unsere Abbildung 
auf $[0,1]^2$ bei einer freien Homotopie also
 nicht auf der vorderen und hinteren Kante konstant sein, 
sondern vielmehr auf der vorderen und hinteren Kante denselben Weg darstellen.
\end{Bemerkungl}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s je zwei frei homotope geschlossene Wege unter den
  Hurewicz-Homomorphismen zum jeweiligen Basispunkt
  auf dieselbe Homologieklasse abgebildet werden.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s die Hurewicz-Isomorphismen f"ur jeden wegzusammenh"angenden
  Raum $X$ einen Isomorphismus
  $\op{hur}_X:\pi_1(X)^{\op{ab}}\sira {\op{H}}_1(X)$
  zwischen seiner basispunktfreien abelisierten
  Fundamentalgruppe \eref{bpfa}{TF}
  und der ersten Homologiegruppe induzieren und da"s wir so sogar eine
  Isotransformation\label{hur} 
  $$\op{hur}: \pi_1^{\op{ab}}\siRa {\op{H}}_1$$
  von Funktoren von der Kategorie der wegzusammenh"angenden R"aume in
  die Kategorie der abelschen Gruppen erhalten.
\end{Ubung}




\subsection{Erste Homologie offener Teilmengen der Ebene}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Umlaufzahlen f"ur Zykel}] 
  Gegeben $w,z \in \mathbb C$ zwei verschiedene Punkte der komplexen
  Zahlen\-ebene spezialisiert der Hurewitz-Isomorphismus \ref{Hu} zu einem
  Isomorphismus
  \begin{equation*}
    \pi_1 (\mathbb C \backslash w,z)\sira 
    {\op{H}}_1 (\mathbb C \backslash
    w)
  \end{equation*}
  Wir notieren den duch die Umlaufzahl $\gamma \mapsto \op{Um} (\gamma, w)$
  aus \eref{HKPE}{TF} gegebenen Isomorphismus $\op{Um}(\;,w) : \pi_1 (\mathbb C
  \backslash w,z) \sira \mathbb Z$. Man kann  leicht
  zeigen, da"s die auf der Homologie induzierte Abbildung nicht von $z$
  abh"angt und folglich mit
  \begin{equation*}
    \op{Um}(\;,w) : {\op{H}}_1 (\mathbb C \backslash w)
    \sira \mathbb Z
  \end{equation*}
  bezeichnet werden kann.  F"ur  eine Homologieklasse
$\alpha \in {\op{H}}_1 (\mathbb C \backslash
  w)$ notieren  wir ihr Bild  
unter dieser Abbildung mit $\op{Um} (\alpha,w)$ und nennen diese Zahl 
 die {\bf
    Umlaufzahl 
unserer Klasse} $\alpha$ um den Punkt
  $w$. 
F"ur 
 einen $1$-Zykel
$\sigma \in {\op{Z}}_1 (\mathbb C \backslash
  w)$ notieren  wir das Bild  seiner Homologieklasse 
unter dieser Abbildung wieder 
mit $\op{Um} (\sigma,w)\pdef \op{Um} ([\sigma],w)$ 
und nennen diese Zahl 
 die {\bf
    Umlaufzahl\index{Umlaufzahl!eines Zykels} des Zykels} $\sigma$ um den Punkt
  $w$. 
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkunge}
Bei 
unserer Definition \ref{WIH1}
des  Integrals holomorpher Funktionen "uber $1$-Zykel\label{ULZZ}  
haben wir mit Vorbedacht dieselbe durch die Projektion auf
die zweite Koordinate gegebene Identifikation $c:\Delta_1\sira [0,1]$ 
zugrundegelegt wie bei der Konstruktion des 
Hurewitz-Isomorphismus. Ist also $\gamma:[0,1]\ra\DC$ ein Weg und
$\gamma\circ c: \Delta_1\ra \DC$ der zugeh"orige $1$-Simplex, so gilt
$$\int_\gamma f(z)\diff z=\int_{[\gamma\circ c]} f(z)\diff z$$
Der mit den Grundlagen der Funktionentheorie vertrauten Leser 
wird nun leicht einsehen k"onnen,  da"s 
f"ur jeden Punkt $w\in\DC$ und jede
Homologieklasse  $\gamma\in {\op{H}}_1(
    \DC\backslash w)$ ihre  Umlaufzahl um den Punkt $w$ 
auch durch die Formel
\begin{displaymath}
\op{Um} (\gamma, w) = \frac{1}{2\pi {\op{i}}} \int_{\gamma}
\frac{1}{z-w} \diff z
\end{displaymath}
beschrieben werden kann, mit dem in \ref{WIH1} erkl"arten Integralbegriff.
F"ur im Sinne von  \ref{WIH1} \glqq geschlossene\grqq\  $1$-Simplizes
folgt das unmittelbar aus dem Residuensatz oder auch
direkter  aus dem Beweis von  \eref{UmZ}{FT1}. Im allgemeinen folgt es dann 
aus der Erkenntnis, da"s jeder $1$-Zykel homolog ist zu einer 
Linearkombination geschlossener $1$-Simplizes.
\end{Bemerkunge}




\begin{Satz}[\textbf{Alexander-Dualit"at f"ur offene Teilmengen der Ebene}]
Gegeben eine 
offene Teilmenge  $U \co \mathbb C$ der komplexen Zahlenebene liefert
die durch das Bilden der Umlaufzahlen gegebene Abbildung\label{HoE} 
$
{\op{H}}_1(U) \times (\mathbb C\backslash U)  \rightarrow \mathbb Z,  
(\sigma, w) \mapsto  \op{Um} (\sigma,w)$
einen Gruppenisomorphismus
\begin{equation*}
{\op{H}}_1 (U) \sira  
\mathcal C_! (\mathbb C \backslash U, \mathbb Z)
\end{equation*}
zwischen der ersten Homologiegruppe von $U$ und 
der Gruppe der stetigen $\mathbb Z$-wertigen Funktionen mit 
kompaktem Tr"ager auf dem Komplement von $U$.
\end{Satz}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildHOE}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration zum Satz "uber die Homologie offener Teilmengen
der Ebene \ref{HoE}. Die Ebene $\DC$ habe ich hier ersetzt durch eine 
\glqq eif"ormige\grqq\  konvexe offene nichtleere Teilmenge derselben,
die ja hom"oomorph ist. Das Komplement von $U$ ist schraffiert 
eingezeichnet und besteht aus vier Zusammenhangskomponenten, von
denen eine nicht kompakt ist. 
\end{minipage}
\end{figure}
 
\begin{Bemerkungl}
 Die Injektivit"at unserer Abbildung bedeutet in anderen Worten, da"s 
    ein Zykel in einer offenen Teilmenge der komplexen Zahlen\-ebene  in
    unserer Teilmenge nullhomolog ist 
genau dann, wenn er keinen Punkt au"serhalb
    besagter Teilmenge uml"auft. 
In \ref{Adu} wird erkl"art, wie sich unser Satz auf
offene Teilmengen beliebiger endlichdimensionaler Vektorr"aume
verallgemeinern l"a"st. Die allgemeine Alexander-Dualit"at diskutieren wir
erst in der Garbenkohomologie \eref{ADu}{TG}. 
\end{Bemerkungl}

 
 


\begin{Bemerkunge}\label{UZIS}
Uml"auft ein geschlossener Weg in einer offenen Teilmenge der
komplexen Zahlenebene $U\co \DC$ 
keinen Punkt des Komplements $\DC\backslash U$, 
so ist er nach unserer Beschreibung \ref{HoE}
der ersten Homologie offener Teilmengen der Ebene
nullhomolog in $U$. Nach \ref{WIH1} 
verschwindet folglich das Integral jeder 
auf unserer Teilmenge holomorphen Funktion "uber besagten Weg.
Diese Aussage ist in der Funktionentheorie bekannt als  
die {\bf Umlaufzahlversion des Integralsatzes von Cauchy}.
\index{Integralsatzes von Cauchy!Umlaufzahlversion}
\index{Cauchy'scher Integralsatz!Umlaufzahlversion} 
\end{Bemerkunge}


  
\begin{Bemerkunge}[\textbf{Residuensatz, homologische Version}]
  Seien $U \co \Bbb{C}$ eine offene Teilmenge und $P \subset U$ eine endliche
  Teilmenge und $f: U \backslash P \ra \Bbb{C}$ holomorph und $\gamma$ ein
  Zykel in $U \backslash P$, der in $U$ nullhomolog
  ist.  So gilt\label{ReSaH} 
\begin{displaymath}
\int_\gamma f(z) \diff z = 2\pi {\op{i}} \sum_{p \in P} 
\op{Um} (\gamma, p) \op{Res} (f,p)
\end{displaymath}
Wir k"onnten das  genauso herleiten wie den
Residuensatz \eref{ReSa}{FT1}. Stattdessen f"uhren wir hier einen
alternativen Beweis vor, der 
von der Laurententwicklung unabh"angig ist und
die N"utzlichkeit unserer neuen Sprache
zeigen soll.
W"ahlen wir um jede der Singularit"aten $w\in P$ einen 
Kreisweg $\gamma_w$ mit so
kleinem Radius, da"s die ganze abgeschlossene 
Kreisscheibe innerhalb dieses Weges in $U$
enthalten ist und keine andere Singularit"at enth"alt, 
so gilt $\op{Um} (\gamma_w, w)=1$
und $\op{Um} (\gamma_w, v)=0$ f"ur alle 
$v\in P\backslash w$ und f"ur alle $v\in \DC\backslash U$. 
Die Zykel $\gamma$ und $\sum_{w} \op{Um} (\gamma, w) \gamma_w$
haben also dieselben Umlaufzahlen um alle Punkte des 
Komplements von $U\backslash P$ in $\Bbb{C}$, als da hei"st, ihre 
Differenz ist in $U \backslash
P$ nullhomolog.
Daraus folgt wegen der Homologieinvarianz des 
Wegintegrals  \eref{HiW}{FT1} aber sofort
\begin{displaymath}
\int_{\gamma} f(z) \diff z = \sum_{w\in P} 
\op{Um} (\gamma, w) \int_{\gamma_w} f(z) \diff z
\end{displaymath}
und die Formel aus der Definition des Residuums \eref{DefRe}{FT1}
zeigt dann den
Residuensatz.
\end{Bemerkunge}







\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKaZy}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Darstellung zum Beweis von Satz \ref{HoE}.
Unser $A_0$  soll in diesem Beispiel
die Vereinigung  der zwei eng schraffierten
St"ucke sein.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis von \ref{HoE}]
Jeder Zykel $\sigma \in {\op{Z}}_1 (U)$ wird in 
${\op{S}}_1 (\mathbb C)$ ein Rand, $\sigma = \partial \alpha$
f"ur $\alpha \in {\op{S}}_2 (\mathbb C)$.
Liegt $w$ auf keinem Simplex von $\alpha$, 
so gilt sicher $\op{Um} (\sigma,w) =0$. 
Folglich verschwindet $\op{Um}(\sigma,w)$ bei 
festem $\sigma$ f"ur alle $w$ au"serhalb eines geeigneten
Kompaktums.
Da"s $w \mapsto \op{Um} (\sigma,w)$ auch stetig 
von $w$ abh"angt, also eine lokal konstante Funktion
ist, wird sich der Leser leicht selbst "uberlegen 
k"onnen. Damit liefert unsere Abbildungsvorschrift schon
einmal einen Gruppenhomomorphismus
\begin{equation*}
{\op{H}}_1 (U) \rightarrow \mathcal C_! (\mathbb C \backslash U, \mathbb Z)
\end{equation*}
und es bleibt, dessen Injektivit"at und Surjektivit"at zu zeigen.
Wir beginnen mit der Surjektivit"at.
Es reicht sicher
zu zeigen, da"s alle Funktionen im Bild liegen, die nur die Werte Null und
Eins annehmen. Dann zerf"allt aber das 
Komplement in die disjunkte Vereinigung
$\mathbb C \backslash U = A_0 \amalg A_1$ 
einer kompakten Teilmenge $A_1$,
auf der der Wert Eins ist, und einer in 
$\mathbb C \backslash U$ und
$\mathbb C$ abgeschlossenen Teilmenge, auf der der Wert Null ist.
Nach \eref{dK}{AN1} 
existiert ein $\delta > 0$ mit $|x_1 - x_0 | > \delta
\quad \forall x_1 \in A_1, x_0 \in A_0$.
Wir k"onnen also auf unsere Ebene ein 
\glqq Rechenpapier-Raster\grqq\  legen, 
das so fein
ist, da"s keines der Rechenk"astchen sowohl 
$A_0$ als auch $A_1$ trifft.
Zu jedem Rechenk"astchen erkl"aren wir 
seinen \glqq Kantenzykel\grqq,
der anschaulich der Summe seiner vier mit konstanter 
Geschwindigkeit im Gegenuhrzeigersinn zu
durchlaufenden Kanten entspricht, 
in hoffentlich  offensichtlicher Weise.  
Dann betrachten wir  die Summe $\sigma$ 
aller \glqq Kantenzykel\grqq\  zu Rechenk"astchen,
die $A_1$ treffen, und behaupten, da"s dieser Zykel 
$\sigma$ in $U$ liegt und jeden Punkt
von $A_1$ einmal uml"auft, jeden Punkt von $A_0$ 
dahingegen keinmal. Letzteres scheint
mir offensichtlich.
Ersteres scheint mir auch offensichtlich f"ur Punkte, 
die auf keiner Kante eines
K"astchens liegen.
F"ur Punkte auf Kanten und Ecken unseres Rechenpapiers 
ist es aber auch leicht
zu sehen. Damit ist die Surjektivit"at bewiesen, und es gilt,
auch noch die Injektivit"at zu zeigen.
Dazu unterbrechen wir den Beweis und zeigen zun"achst einige Hilfsaussagen.



\begin{Lemma}
Jeder Zykel in einer offenen Teilmenge der Ebene ist 
in dieser offenen Teilmenge homolog zu einer formalen Summe von Kanten 
von K"astchen auf einem hinreichend feinen Rechenpapier.
\end{Lemma}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKaWe}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Ein Zykel und eine dazu homologe Summe von Kanten in einer
ringf"ormigen offenen Teilmenge der komplexen Zahlenebene.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{proof}[Beweis]
Nach dem Satz von Hurewicz \ref{Hu}, genauer der 
leicht zu zeigenden Surjektivit"at des  Hurewicz-Isomorphismus,
 ist jeder Zykel in einem wegzusammenh"angenden 
Raum homolog zu
einem geschlossenen Weg oder  pr"aziser zu einem
Zykel, der durch einen einzigen singul"aren Simplex gegeben wird.
Jeder Zykel in einem beliebigen Raum ist folglich homolog zu
einer endlichen Linearkombination von derartigen \glqq geschlossenen\grqq\  Simplizes.
Jeder geschlossene Weg in einer offenen Teilmenge der Ebene 
ist weiter homolog, ja nach  
\eref{PAPr}{AN2}  sogar homotop zu einem geschlossenen
polygonalen Weg und dann sogar frei homotop zu einem 
geschlossenen polygonalen Weg mit Ecken aus
$\Bbb{Q} + \Bbb{Q}{\op{i}}$. 
Jedes der Geradensegmente dieser polygonalen Wege 
ist hinwiederum homotop in unserer offenen
Teilmenge zu einem \glqq Treppenweg\grqq\  mit Ecken in 
$\Bbb{Q} + \Bbb{Q}{\op{i}}$,  und der Hauptnenner aller Koordinaten
aller  Ecken aller dieser Treppenwege 
gibt uns dann eine m"ogliche Feinheit f"ur unser Rechenpapier.
\end{proof}\noindent
F"ur den Beweis des Satzes  reicht es 
also zu zeigen, da"s jeder solche 
\glqq Kantenzykel\grqq, der keinen Punkt au"serhalb unserer
offenen Teilmenge uml"auft, bereits in unserer offenen Teilmenge 
nullhomolog ist.
Dazu beachten wir zun"achst, da"s 
die Umlaufzahl auf dem Komplement der Spur unseres
Kantenzykels in der Ebene lokal konstant ist.
Liegt also der Abschlu"s eines unserer 
Rechenk"astchen nicht ganz in unserer offenen Teilmenge,
so verschwindet dort die Umlaufzahl an allen Stellen, 
die nicht gerade zu Kanten unseres Kantenzykels
geh"oren, und insbesondere im Innern des besagten K"astchens.
Die Umlaufzahl unseres Kantenzykels kann nun nur
auf dem Innern von endlich vielen Rechenk"astchen von Null verschieden sein,
und diese geh"oren nach dem
Vorhergehenden mit ihrem Abschlu"s zu unserer offenen Teilmenge.
Wir k"onnen also einen weiteren Kantenzykel in unserer 
offenen Menge konstruieren, der zu unserem urspr"unglichen
Kantenzykel homolog ist und bei dem die Umlaufzahl um 
jeden Punkt im Innern jedes
Rechenk"astchens verschwindet, indem 
wir bei jedem Rechenk"astchen mit von Null verschiedener
Umlaufzahl
ein geeignetes Vielfaches seines 
\glqq Randzykels\grqq\  zu unserem urspr"unglichen Zykel addieren.
Auf diese Weise t"oten wir auf dem entsprechenden K"astchen 
die Umlaufzahl und auf den anderen K"astchen
"andert sich nichts und wir erhalten 
einen zu unserem urspr"unglichen
Zykel homologen Kantenzykel, der "uberhaupt 
keinen Punkt im Innern irgendeines Rechenk"astchens
uml"auft.
Das anschlie"sende Lemma beendet dann den Beweis.
\end{proof}
\begin{Lemma}
In einem Kantenzykel, der keinen Punkt aus dem 
Innern irgendeines K"astchens uml"auft, kommt
jede Kante gleich oft in beiden Richtungen vor.\label{lLl}
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit argumentieren wir nur 
f"ur senkrechte Kanten.
Nehmen wir also an, eine senkrechte Kante
 k"ame $a$-mal in der Richtung nach oben und $b$-mal
in die Gegenrichtung vor.
Ziehen wir von unserem Kantenzykel den Randzykel 
des K"astchens links neben unserer Kante
ab, und zwar $a$-mal im Gegenuhrzeigersinn und 
$b$-mal im Uhrzeigersinn, so erhalten wir einen
neuen Kantenzykel mit Umlaufzahl $b-a$ auf 
diesem K"astchen und Umlaufzahl null auf dem K"astchen
rechts daneben. 
Diese Kante selbst geh"ort aber gar nicht mehr zur
Spur unseres Zykels, und weil die Umlaufzahl lokal
konstant ist folgt $b-a =0$. 
\end{proof}




\begin{Bemerkunge}
 F"ur Zykel in nicht notwendig offenen Teilmengen der komplexen 
Zahlen\-ebene gilt die Aussage von Satz \ref{HoE}
  im allgemeinen nicht mehr.\label{NHU} 
Betrachten wir etwa die stetige Funktion
\begin{equation*}
f : [0,1] \rightarrow \mathbb R
\end{equation*}
mit $f(x) = x \sin (\pi x^{-1})$ f"ur $x \neq 0$ und $f (x) =0$ f"ur
$x =0$.
Betrachten wir in der komplexen Zahlenebene $\mathbb C$ die Wege
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGZy}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Ist $U\subset \DC$ nicht offen, so gilt 
die Aussage von Satz \ref{HoE}
im allgemeinen nicht mehr. 
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{eqnarray*}
\gamma_1 &=& t\\
\gamma_2 (t) &=& t+ {\op{i}}f (t)\\
\gamma_3 (t) &=& t + {\op{i}}\sup (f (t), 0)\\
\gamma_4 (t) &=& t +  {\op{i}}\inf (f (t), 0)
\end{eqnarray*}
Der Zykel $\gamma_1 + \gamma_2 - \gamma_3 - \gamma_4$
hat dann Umlaufzahl Null um jeden Punkt im Komplement seiner Spur.
Dennoch ist er in seiner Spur nicht nullhomolog, was ich hier 
nur heuristisch begr"unden
will: Wie fein ich eine endliche Zerst"uckelung 
auch w"ahle,  die Situation in der N"ahe des
Ursprungs bleibt einfach zu verworren.
\end{Bemerkunge}


\begin{Satz}[\textbf{Zusammenziehbare offene Teilmengen der Ebene}]
Gegeben eine zusammenh"angende
  offene Teilmenge der Ebene
  $U\co \DC$ sind gleichbedeutend:
  \begin{enumerate}
    \item $U$ ist hom"oomorph zu einer offenen Kreisscheibe;
 \item $U$ ist zusammenziehbar;
    \item $U$ ist schleifenf"ullend;
    \item $U$ ist "uberlagerungstrivial;
    \item  $U$ hat triviale erste Homologie;
  \item  Das Komplement von $U$ hat keine kompakte Zusammenhangskomponente;
 \item   Kein geschlossener Weg in $U$ uml"auft einen Punkt au"serhalb von $U$.
   \end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof} 1${\RA}$2 ist klar.  2${\RA}$3 folgt aus
  der Trivialit"at der Fundamentalgruppe
  zusammenziehbarer R"aume \eref{HFA}{TF}.
  3${\RA}$4 haben wir bereits in
  \eref{Wezo}{TF} gezeigt, es ist eine Konsequenz  der Beziehungen
  zwischen Fundamentalgruppe und "Uberlagerungsheorie.
  4${\RA}$3 folgt aus Wegetrivialit"at  der universellen "Uberlagerung
  lokal wegetrivialer R"aume \eref{EUUU}{TF} und der Tatsache, da"s
  die Annahme bedeutet, da"s $U$ seine eigene universelle "Uberlagerung ist. 
  3${\RA}$5 folgt aus
  dem  Hurewicz-Isomorphismus \ref{Hu}
  zwischen der ersten Homologie und der Abelisierung der Fundamentalgruppe.
  5${\RA}$1 folgt aus dem Riemann'schen Abbildungssatz der Funktionentheorie,
  wie wir in \ref{HtOf} diskutiert haben.  5${\IFF}$6 ist ein Spezialfall der
  Alexanderdualit"at f"ur offene Teilmengen der Ebene \ref{HoE}. 6${\RA}$7
  ist klar. Um 7${\RA}$6 zuzeigen,
  m"ussen wir nur nocheinmal den Hurewicz-Isomorphismus
  anwenden und ein nichttriviales Element von ${\op{H}}^1(U)$
  als Bild eines geschlossenen Weges schreiben. 
\end{proof}
\begin{Bemerkungw}[\textbf{Zugang "uber \'etale R"aume holomorpher Funktionskeime}]
  Meines Erachten wird
  die Beziehung zur Funktionentheorie noch klarer, wenn
  man mit dem \'etalen Raum $\op{\acute{e}t}\mathcal O^{\op{an}}$ der
  Garbe der holomorphen Funktionskeime aus $\DC$ aus \eref{RFFK}{TG} arbeitet. 
  Gegeben eine holomorphe Funktion $f\in\mathcal O^{\op{an}}(U)$
  auf einer zusammenh"angenden
  offenen Teilmenge $U\co\DC$ bilden in diesem Raum 
  die Keime lokaler Stammfunktionen von $f$ 
  eine "Uberlagerung von $U$. Weiter ist jede Zusammenhangskomponente dieser
  "Uberlagerung galois und wir erhalten eine Einbettung
  ihrer Deckbewegungsgruppe  nach $(\DC,+)$ indem wir  jeder
  Deckbewegung $\gamma$ diejenige komplexe Zahl $c$
  zuordnen mit $\gamma(F)=F+c$ f"ur einen und jeden Stammfunktionskeim $F$
  unserer "Uberlagerung.
  Ist also jede 
   zusammenh"angende
   Galois"uberlagerung von $U$ mit abelscher Deckbewegungsgruppe trivial,
   so besitzt jede holomorphe Funktion auf $U$ eine Stammfunktion.
   Mit dieser Voraussetzung gelingt aber,
   wie beim Beweis von \ref{HtOf} erkl"art, bereits der Beweis des
   Riemann'schen Abbildungssatzes.
\end{Bemerkungw}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}\label{efH}
   Man zeige, da"s eine zusammenh"angende offene Teilmenge der Ebene $\DR^2$
genau dann "uberlagerungstrivial ist, wenn ihre erste Homologiegruppe
verschwindet. Hinweis: Man ben"otigt die Argumente der vorhergehenden Beweise und \ref{lLl}. Die analoge Aussage gilt in h"oheren Dimensionen 
im "ubrigen nicht mehr, das einfachste mir bekannte Gegenbeispiel 
wird in \ref{AhSS} diskutiert.
 \end{Ubung}




\newpage 

\section{Relative singul"are Homologie}
In diesem Abschnitt f"uhren wir eine 
Verallgemeinerung unserer singul"aren Homologiegruppen ein,
die sogenannten \glqq relativen Homologiegruppen\grqq\  eines topologischen Raums
relativ zu einer Teilmenge. Man mag sich fragen, ob es nicht sinnvoller
w"are, erst einmal die bisher eingef"uhrten gew"ohnlichen Homologiegruppen
so eingehend zu studieren, da"s wir sie f"ur einige elementare Beispiele
auch berechnen k"onnten, anstatt gleich zu verallgemeinern. 
Es erweist sich jedoch, da"s die Verallgemeinerung zur relativen Homologie bei
der Berechnung der gew"ohnlichen Homologiegruppen entscheidend 
hilft, sobald wir (1) 
die lange exakte Homologiesequenz hergeleitet haben, die
die relative mit der gew"ohnlichen Homologie in Beziehung setzt, 
und (2) den Satz "uber die Ausschneidung 
gezeigt haben, der sich  nur f"ur die relative 
Homologie "uberhaupt formulieren l"a"st.

\subsection{Definition der relativen Homologie}

\begin{Definition}
Ist $(X,A)$ ein \defind{Raumpaar}, als da hei"st
ein topologischer Raum $X$ mit einer Teilmenge $A$,  so liefert
die Einbettung $A\hra X$ f"ur alle $q\in \Bbb{Z}$ Inklusionen ${\op{S}}_{q}A \hookrightarrow {\op{S}}_{q}X$ auf
den Gruppen der singul"aren $q$-Ketten.  Die\label{RelK}  
Quotientengruppe bezeichnen wir mit
$${\op{S}}_{q}(X,A)\pdef {\op{S}}_{q}X/{\op{S}}_{q} A  $$
und nennen ihre Elemente \defnoind{relative $q$-Ketten}\index{relative Ketten}.
Wir geben der Quotientenabbildung ${\op{S}}_{q}X \twoheadrightarrow {\op{S}}_{q}(X,A)$
keinen Namen.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Die Quotientenabbildung liefert  einen Isomorphismus  
zwischen der  freien Gruppe "uber der Menge aller der
$q$-Simplizes $\sigma : \Delta_{q} \ra X$,  deren Bild nicht in $A$ enthalten
ist, und    
der Gruppe der relativen $q$-Ketten ${\op{S}}_{q}(X,A)$.  
Diese Sichtweise zeigt, da"s auch die relativen Ketten eine freie
abelsche Gruppe bilden. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Man "uberzeugt sich leicht, da"s es eindeutig bestimmte Gruppenhomomorphismen
$\bar{\partial}_{q} : {\op{S}}_{q} (X,A) \ra {\op{S}}_{q-1}(X,A)$ gibt derart,
da"s auch das rechte Quadrat im folgenden Diagramm kommutiert:
$$\begin{array}{ccccc}
{\op{S}}_{q}A &\hookrightarrow&{\op{S}}_{q}X &\twoheadrightarrow& {\op{S}}_{q}(X,A)\\[2mm]
{\partial}_{q}\downarrow&   & {\partial}_{q}\downarrow & &
\bar{\partial}_{q}\downarrow \\[2mm]
{\op{S}}_{q-1} A & \hookrightarrow & {\op{S}}_{q-1}X& \twoheadrightarrow& {\op{S}}_{q-1} (X,A)
\end{array}$$
Es ist klar, da"s die ${\op{S}}_q (X,A)$ mit diesem Differential 
einen Kettenkomplex
bilden, da"s in anderen Worten gilt $\bar{\partial}\circ \bar{\partial} = 0$.  
Wir notieren ihn ${\op{S}} (X,A)$\label{rekL} und
definieren
die {\bf relativen Homologiegruppen}\index{relative Homologiegruppen} 
 von unserem Raumpaar als die Homologie\index{Homologiegruppe!relative} 
dieses
Kettenkomplexes, in Formeln
$${\op{H}}_{q}(X,A) \pdef 
\cal{H}_{q}({\op{S}}(X,A)) = \ker \bar{\partial}_{q}/\op{im}
\bar{\partial}_{q+1}$$
Die Elemente von $\ker \bar{\partial}_{q}$ hei"sen auch die {\bf
relativen $q$-Zykel}, die Elemente von $\op{im} \bar{\partial}_{q+1}$
die \defnoind{relativen $q$-R"ander}\index{relative $q$-R"ander} 
und f"ur einen relativen Zykel
$c$ bezeichnet wieder $[c]$ seine Homologieklasse.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildRZy}\\[4mm]
\noindent 
Ein Erzeuger der relativen Homologie
${\op{H}}_{2}(D^2,S^1)\cong \Bbb{Z}$ 
\end{figure}
\begin{Bemerkungw}
  In \ref{RPQ} wird klar werden, da"s wir unter geeigneten
Annahmen an unser Raumpaar $(X,A)$ die relative 
Homologie ${\op{H}}_q(X,A)$ f"ur $q>0$ identifizieren k"onnen mit der
Homologie ${\op{H}}_q(X/A)$ des Raums $X/A$,  der aus $X$ 
entsteht durch die Identifikation der Teilmenge $A$ zu einem Punkt.
\end{Bemerkungw}
\begin{Beispiel}
Wir haben ${\op{H}}_{1}([a,b],\{a,b\})\cong \Bbb{Z}$,  
f"ur $a<b$ in $\DR$. 
Diese Aussage k"onnen Sie sich als "Ubung hier schon
"uberlegen, wir erhalten sie sp"ater auch als einen Spezialfall von \ref{HoS}.
Wir werden in \ref{DSS} 
auch f"ur die Homologie der Einheitskreisscheibe
reltiv zu ihrem Rand die Identit"at ${\op{H}}_{2}(D^2,S^1)\cong \Bbb{Z}$
zeigen. Hier erkl"are ich nur in der schmutzigen Anschauung und ohne Beweis, wie man sich
einen Erzeuger dieser
relativen Homologie vorstellen mag: Man schneide dazu den Kuchen
$D^2$ wie "ublich in St"ucke und betrachte jedes der St"ucke mit
einer geeigneten Orientiering als $2$-Simplex. Die formale Summe
dieser Simplizes hat dann als Rand nur den Rand des Kuchens selber
und bildet folglich einen relativen Zykel, von dem man 
mithilfe des zweiten Teils von \ref{HoS} zeigen kann, 
da"s seine Klasse in der Tat die relative Homologie erzeugt.
Die erste relative Homologie des 
\hyperref[MoeB]{M\"{o}biusbands} $M$ aus \eref{MoeB}{TM}
relativ zu seinem Randkreis $S^1$ hat genau zwei Elemente,
${\op{H}}_{1}(M,S^1)\cong \Bbb{Z}/2\DZ$,  und ein nichttriviales Element
wird repr"asentiert durch den $1$-Zykel, der \glqq in der Mitte des M"obiusbands
einmal uml"auft\grqq. Um das alles pr"azise zu zeigen, ben"otigen wir jedoch die
lange exakte Homologiesequenz \ref{SLAS}.
\end{Beispiel}
\begin{Definition}\label{RauP}
Ein \defnoind{Morphismus von Raumpaaren}\index{Morphismus!von Raumpaaren}
$f : (X,A) \ra (Y,B)$ ist per definitionem schlicht
eine stetige Abbildung $f:X\ra Y$ mit $f(A)\subset B$. 
So ein $f$ induziert eine Abbildung ${\op{H}}_{q}f$ auf der relativen
Homologie. Genauer definiert man zun"achst ${\op{S}}_{q}f: {\op{S}}_{q}(X,A) \ra {\op{S}}_{q}(Y,B)$
durch die Bedingung, da"s auch das rechte Quadrat im folgenden Diagramm
kommutiert: $$\begin{array}{ccccc}
{\op{S}}_{q}A & \hookrightarrow &{\op{S}}_{q}X& \twoheadrightarrow & {\op{S}}_{q}(X,A)\\
\downarrow & & \downarrow & & \downarrow\\
{\op{S}}_{q}B & \hookrightarrow & {\op{S}}_{q}Y& \twoheadrightarrow & {\op{S}}_{q}(Y,B)
\end{array}$$
Dann pr"uft man, da"s diese ${\op{S}}_{q}f$ sogar mit den Differentialen kommutieren
und so einen Morphismus von Kettenkomplexen
$${\op{S}} f : {\op{S}} (X,A) \ra {\op{S}} (Y,B)$$
definieren. Dieser Morphismus liefert dann schlie"slich auf der Homologie
die gew"unschten Morphismen
${\op{H}}_{q}f: {\op{H}}_{q} (X,A) \ra {\op{H}}_{q} (Y,B)$. 
\end{Definition}

\begin{Bemerkungl}
  Ich notiere die Kategorie der Raumpaare  
$\op{Top}^\subset$. \index{Top@$\op{Top}^\subset$ Raumpaare} 
 In diesen Notationen ist also
die relative Homologie die Verkn"upfung von Funktoren
$$\begin{array}{ccccc}
\op{Top}^\subset&\overset{{\op{S}}}{\ra} &\op{Ket} (\op{Ab}) &
\overset{\cal{H}_{q}}{\ra}&\op{Ab}
\end{array}$$
Die Definition der relativen Ketten schenkt uns nat"urliche
Morphismen ${\op{S}} X \ra {\op{S}} (X,A)$ und damit ${\op{H}}_{q} X \ra
{\op{H}}_{q}(X,A)$.  Es ist klar nach den Definitionen, da"s 
sie im Fall $A=\emptyset$ stets Isomorphismen sind.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Vertr"aglichkeit der relativen Homologie mit Koprodukten}]%\label{ZH}
  Die Funktoren\label{ZHHb} 
${\op{H}}_q:\op{Top}^\subset \ra \op{Ab}$ 
  der  relativen Homologie sind vertr"aglich mit beliebigen Koprodukten.
  \end{Ubung}
\begin{Ubung}
Man konstruiere eine Isotransformation zwischen den
beiden  folgenden Funktoren von den
Raumpaaren in die abelschen Gruppen:
\begin{enumerate}
\item
$(X,A) \mapsto {\op{H}}_{0} (X,A)$
\item
$(X,A) \mapsto 
\left\{\begin{array}{l}\text{Die freie abelsche Gruppe "uber der Menge aller
Wegzu-}\\
\text{-sammenhangskomponenten von $X$,  die $A$ nicht treffen}
\end{array}\right\}$
\end{enumerate}
\end{Ubung}


\begin{Ubung}\label{HIRH}
Seien $f,g : (X,A) \ra (Y,B)$ zwei Morphismen zwischen Raumpaaren.
Eine {\bf Homotopie von $f$ nach $g$}\index{Homotopie!bei Raumpaaren}
ist ein Morphismus von Raumpaaren 
$h : (X\times [0,1], A \times [0,1]) \ra (Y,B)$
derart, da"s gilt $h \circ i_{0} = f$ und $h\circ i_{1} = g$.  Man zeige:
Sind zwei Morphismen $f,g : (X,A) \ra (Y,B)$ homotop, so induzieren sie
dieselben Abbildungen ${\op{H}}_{q}f= {\op{H}}_{q}g : 
{\op{H}}_{q} (X,A) \ra {\op{H}}_{q} (Y,B)$ auf den
relativen Homologiegruppen. Hinweis: Man wiederhole den alten Beweis
und zeige sogar st"arker, da"s $({\op{S}}f- {\op{S}}g) : 
{\op{S}} (X,A) \ra {\op{S}} (Y,B)$ nullhomotop ist.
Man zeige durch ein Beispiel, da"s es nicht ausreicht, nur vorauszusetzen, 
da"s $f$ und $g$ als Abbildungen $X\ra Y$ sowie als Abbildungen $A\ra B$
jeweils zueinander homotop sind.
% Intervall zu Kreis zusammenbiegen oder konstant auf Punkt abbilden.
\end{Ubung}

\subsection{Lange exakte Homologiesequenz}
\begin{Bemerkungl}
  Ich erinnere daran, da"s eine Sequenz $A'\ra A\ra A''$ von Gruppen
  und Gruppenhomomorphismen 
  {\bf exakt bei $A$} oder genauer {\bf exakt bei $A$} hei"st, wenn gilt $\op{im}(A'\ra A)=\op{ker}(A\ra A'')$;
  da"s eine l"angere Sequenz  von Gruppen
  und Gruppenhomomorphismen 
  {\bf exakt} hei"st, wenn sie an jeder Stelle mit  Vorg"anger
  und Nachfolger exakt ist; da"s eine Sequenz $A'\ra A\ra A''$ von Gruppen
  und Gruppenhomomorphismen 
  eine {\bf kurze exakte Sequenz} hei"st, wenn
  die Sequenz $0\ra A'\ra A\ra A''\ra 0$ exakt ist; und da"s wir kurze exakte Sequenzen gerne notieren als
  $$A'\hra A\sra A''$$
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}\label{KeSK}
Sei $C^{\prime} \overset{i}{\hookrightarrow} C
\overset{p}{\twoheadrightarrow} C^{\prime\prime}$ eine 
\emph{\bf kurze
exakte Sequenz von Kettenkomplexen},
als da hei"st, $C_{q}^{\prime}
\hookrightarrow C_{q} \twoheadrightarrow C_{q}^{\prime\prime}$ soll 
f"ur alle $q$ eine kurze
exakte Sequenz von abelschen Gruppen sein. So gilt:
\begin{enumerate}
\item
Es gibt f"ur jedes $q$ genau eine Abbildung, den sogenannten
\emph{\bf Randoperator}\index{Randoperator!der langen exakten Homologiesequenz}
$$\hat{\partial} : \cal{H}_{q}C^{\prime\prime} \rightarrow \cal{H}_{q-1}C^{\prime}$$
derart, da"s gilt $\hat{\partial} [c^{\prime\prime}] = [c^{\prime}]$
f"ur Zykel $c^{\prime\prime} \in \cal{Z}_qC^{\prime\prime}$ und $c^{\prime}
\in \cal{Z}_{q-1}C^{\prime} $ genau dann, 
wenn es ein $c\in C_{q}$ gibt mit $pc =
c^{\prime\prime}$ und $\partial c = ic^{\prime}$, und diese Abbildung $\hat{\partial}$ ist ein
Gruppenhomomorphismus; 
\item
Mit den von der Funktorialit"at der Homologie herr"uhrenden Homorphismen in der Mitte und den Randoperatoren aus dem esten Teil an den Seiten erhalten wir eine exakte Sequenz von abelschen 
Gruppen,
die  \emph{\bf abstrakte lange exakte Homologiesequenz}
\index{Homologiesequenz!abstrakte}\index{lange exakte Sequenz!der Homologie, abstrakte}
$$\ldots \ra \cal{H}_{q+1}C^{\prime\prime}\ra \cal{H}_{q}C^{\prime} \ra \cal{H}_{q}C \ra
\cal{H}_{q}C^{\prime\prime} \ra \cal{H}_{q-1}C^{\prime} \ra  \ldots$$
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkunge} Ist $C'\hra C\sra C''$ eine kurze exkte Sequenz von nicht
  notwendig graduierten differentiellen abelschen Gruppen, so erhalten
  wir in derselben Weise eine periodische\label{pugles}
  lange exakte Sequenz $$\ldots \ra \cal{H}C^{\prime\prime}\ra \cal{H}C^{\prime} \ra \cal{H}C \ra
\cal{H}C^{\prime\prime} \ra \cal{H}C^{\prime} \ra  \ldots$$
\end{Bemerkunge}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildLAH}\\[4mm]
\noindent 
Dieses Bild soll den Randoperator der langen exakten Homologiesequenz
anschaulich machen. Es stellt einen zweidimensionalen Simplizialkomplex
$\cal{K}$ mit $18$ Zwei-Simplizes  dar und darin schraffiert einen Teilkomplex
$\cal{Z}$.  Die Summe der sieben durch einen Kreispfeil 
mit einer Orientierung versehenen  Zwei-Simplizes ist ein
relativer Zwei-Zykel aus ${\op{S}}\cal{K}/{\op{S}}\cal{Z}$ und repr"asentiert 
eine relative simpliziale Homologieklasse in
$\cal{H}_2({\op{S}}\cal{K}/{\op{S}}\cal{Z})$.  
Sein Rand ist die Summe
der im Bild durch
Pfeile gerichteten Kanten, ein simplizialer Eins-Zykel aus
${\op{S}}\cal{Z}$, 
dessen Homologieklasse in $\cal{H}_1({\op{S}}\cal{Z})$ das Bild 
unserer relativen simplizialen Homologieklasse 
unter dem Randoperator der langen
exakten Homologiesequenz repr"asentiert.
\end{figure}
%\begin{Bemerkungl}
%  Ich mache darauf aufmerksam, da"s das Vorzeichen bei
%der Wahl des Rand\-operators 
%willk"urlich ist: Wir h"atten uns an dieser Stelle
%auch darauf einigen k"onnen, statt mit obigem Randoperator
% mit seinem Negativen zu arbeiten. 
%\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Die Bezeichnung als Randoperator ist durch die
topologische Anwendung motiviert:\label{SLAS} 
Wir werden im folgenden zu  jedem Raumpaar $(X,Z)$ Homomorphismen 
$\hat{\partial} = \hat{\partial}_{q}: {\op{H}}_{q}
(X,Z)$ $\ra {\op{H}}_{q-1} (Z)$ konstruieren
derart, da"s die  Sequenz
 $$\ldots \ra {\op{H}}_{q+1}(X,Z)\ra  {\op{H}}_{q}(Z) 
\ra {\op{H}}_{q}(X) \ra {\op{H}}_{q}(X,Z)
\ra {\op{H}}_{q-1}(Z) \ra  \ldots$$
exakt ist, wenn wir diese $\hat{\partial}$ und 
die von den Einbettungen $(Z,\emptyset)\hookrightarrow
(X,\emptyset) \hookrightarrow (X,Z)$ induzierten Abbildungen  als 
 Morphismen nehmen.
Ist genauer  eine relative Homologieklasse $[c] \in {\op{H}}_{q} (X,Z)$
gegeben,
so repr"asentieren wir $[c]$ durch einen relativen $q$-Zykel
$c \in {\op{S}}_{q}(X,Z)$ und diesen durch eine
$q$-Kette $\tilde{c}\in {\op{S}}_{q}X$.  Dann ist
$\partial \tilde{c} \in {\op{S}}_{q-1}Z$ ein
$(q-1)$-Zykel und wir nehmen als $\hat{\partial}[c]$
seine Homologieklasse, in Formeln
$\hat{\partial}[c]\pdef [\partial \tilde{c}]$.  
Da"s wir so eine wohldefinierte Abbildung erhalten
und da"s mit diesen Abbildungen die oben angegebene Sequenz exakt ist,
folgt aus  Satz \ref{KeSK}, 
angewandt auf die  kurze exakte Sequenz von Kettenkomplexen
$${\op{S}}Z\hra {\op{S}}X\sra {\op{S}}(X,Z)$$
Unsere Sequenz hei"st die \defnoind{lange exakte Homologiesequenz} 
{\bf des Raumpaares $(X,Z)$}.\index{Homologiesequenz!eines Raumpaares}
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgende Diagramm stellt alle im Beweis ben"otigten Gruppen und
Abbildungen dar:
$$\begin{array}{lllll}
& & C_{q+1}& \twoheadrightarrow & C^{\prime\prime}_{q+1}\\
& &\;\downarrow & & \;\downarrow \\
C^{\prime}_{q} &\hookrightarrow & C_{q}&\twoheadrightarrow &
C^{\prime\prime}_{q}\\
\;\downarrow & & \;\downarrow & &\;\downarrow \\
C^{\prime}_{q-1} &\hookrightarrow & C_{q-1} &\twoheadrightarrow
&C^{\prime\prime}_{q-1}\\
\;\downarrow & &\;\downarrow & & \\
C^{\prime}_{q-2} &\hookrightarrow & C_{q-2} & & \\
\end{array}$$
Jetzt beginnen wir mit der eigentlichen Argumentation.
Ist $c^{\prime\prime} \in C^{\prime\prime}_{q}$ ein Zykel und $c\in C_{q}$
ein Urbild, in Formeln $p c = c^{\prime\prime}$,  so folgt $p\partial c =
\partial c^{\prime\prime}=0$ und mit Exaktheit bei $C_{q-1}$
gibt es $c^{\prime} \in C^{\prime}_{q-1}$ mit $ic^{\prime} = \partial c$. 
Dies $c^{\prime}$ mu"s sogar ein Zykel sein, denn es gilt $i\partial
c^{\prime}
=\partial i c^{\prime} = \partial^{2}c=0$ und $i_{q-2}$ ist injektiv.

Wir wollen gerne $\hat{\partial} [c^{\prime\prime}] = [c^{\prime}]$
setzen und m"ussen zeigen, da"s die Homologieklasse $[c^{\prime}]$
weder von der Wahl von $c^{\prime\prime}$ noch von der Wahl von $c$
abh"angt.
Aber sei sonst $b^{\prime\prime} \in C^{\prime\prime}_{q+1}$ gegeben und
sei $c^{\prime\prime}$ abge"andert zu $c^{\prime\prime} +
\partial
b^{\prime\prime}$. 
Wir finden $b\in C_{q+1}$
mit $pb = b^{\prime\prime}$. 
W"ahlen wir $\tilde{c} \in C_{q}$ mit $p\tilde{c} = c^{\prime\prime}
+ \partial b^{\prime\prime}$,  so folgt $p(\tilde{c} - c
-\partial b)=0$, 
also $\tilde{c} - c-\partial b = i b^{\prime}$ f"ur $b^{\prime} \in
C^{\prime}_{q}$. 
Ist nun $\partial \tilde{c} = i \tilde{c}^{\prime}$ so folgt
$i(\tilde{c}^{\prime}-c^{\prime})=i \partial b^{\prime}$ und somit
$[\tilde{c}^{\prime}] = [c^{\prime}]$ wie gew"unscht.

Damit ist also $\hat{\partial}$ definiert und wir "uberlassen 
dem Leser den Nachweis, da"s
dies $\hat{\partial}$ durch die im ersten Teil des Satzes 
angegebene Eigenschaft
charakterisiert wird.
Es bleibt nur die Exaktheit
unserer
Sequenz nachzuweisen.
Man folgert m"uhelos aus den Definitionen da"s die Verkn"upfung je zweier
aufeinanderfolgender Morphismen verschwindet, also $\ker \supset \op{im}$. 
Wir m"ussen noch $\ker \subset
\op{im} $ an jeder Stelle zeigen.

Bei $\cal{H}_{q}C$ folgt aus $[c]\mapsto 0$ f"ur $c\in \cal{Z}_{q} C$ 
sofort $pc =
\partial b^{\prime\prime}$ und die Surjektivit"at von $C_{q+1} \ra
C^{\prime\prime}_{q+1}$ liefert uns $b \in C_{q+1}$ mit $pb =
b^{\prime\prime}$, 
also $p(c-\partial b)=0$.  Dann gibt es aber nach der Exaktheit von
$C^{\prime}_{q} \hookrightarrow C_{q} \twoheadrightarrow C^{\prime\prime}_{q}$
ein $c^{\prime} \in C^{\prime}_{q}$ mit $ic^{\prime} = c-\partial b$ und
notwendig ist $c^{\prime}$ ein Zykel und $[c^{\prime}] \mapsto [c-\partial
b]=[c]$. 
Bei $\cal{H}_{q}C^{\prime\prime}$ folgt aus $[c^{\prime\prime}] \mapsto
0$,  da"s f"ur jedes Urbild $c\in C_{q}$ mit $c\mapsto c^{\prime\prime}$
gilt $\partial c = i c^{\prime}$ f"ur einen Rand $c^{\prime} = \partial
b^{\prime}$ in $C^{\prime}_{q-1}$. 
Dann ist aber $c-ib^{\prime}\in C_{q}$ ein Zykel und $[c^{\prime\prime}]$
das Bild von $[c-ib^{\prime}]\in \cal{H}_{q}C$. 
Bei $\cal{H}_{q-1} C^{\prime}$ folgt aus $[c^{\prime}] \mapsto 0$
ja $ic^{\prime} = \partial c$ f"ur $c\in C_{q}$ und dann mu"s $pc \in
C^{\prime\prime}_{q}$ ein Zykel sein mit $[pc]\mapsto [c^{\prime}]$. 
Der Satz ist bewiesen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}\label{NEX}
Gegeben ein kommutatives Diagramm von Kettenkomplexen mit kurzen exakten
Zeilen
$$\begin{array}{ccccc}
C^{\prime}& \hookrightarrow & C& \twoheadrightarrow&
C^{\prime\prime}\\
\downarrow & & \downarrow & & \downarrow \\
D^{\prime} & \hookrightarrow & D& \twoheadrightarrow&
D^{\prime\prime}
\end{array}$$
ist auch das folgende Diagramm kommutativ:
$$\begin{array}{ccccccccccc}
\ldots&\ra &\cal{H}_{q}C^{\prime}&\ra& \cal{H}_{q}C&\ra &\cal{H}_{q}C^{\prime\prime}&\ra
\cal{H}_{q-1}C^{\prime}&\ra & \ldots\\
      &  &\downarrow       &          &\downarrow &               & \downarrow
                 &\downarrow & \\
\ldots& \ra & \cal{H}_{q}D^{\prime}& \ra &\cal{H}_{q}D& \ra &\cal{H}_{q}D^{\prime\prime}& \ra
\cal{H}_{q-1}D^{\prime}& \ra &\ldots
\end{array}$$
Das folgt aus der Funktorialit"at von $\cal{H}_{q}$ f"ur die ersten beiden
Quadrate und aus der Konstruktion von $\hat{\partial}$ f"ur das dritte
Quadrat. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Inbesondere kommutieren f"ur jeden Morphismus
 $f : (X,A) \ra (Y,B)$ von
  Raumpaaren mit den Randabbildungen der jeweiligen langen exakten
  Homologiesequenzen die Diagramme
$$\begin{array}{ccc}
  {\op{H}}_{q}(X,A)& \ra &{\op{H}}_{q-1}(A)\\
  \downarrow & & \downarrow \\
  {\op{H}}_{q}(Y,B) & \ra & {\op{H}}_{q-1} (B)
\end{array}$$
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}\label{FLK}
Sei $f: (X,A) \ra (Y,B)$ ein Morphismus von Raumpaaren. 
Induziert $f$ Isomorphismen 
${\op{H}}_{q}f: {\op{H}}_{q} X \sira
{\op{H}}_{q} Y$ und ${\op{H}}_{q}f: {\op{H}}_{q}A \sira {\op{H}}_{q} B$ 
f"ur alle $q$, 
so  induziert $f$ auch auf der relativen Homologie  Isomorphismen
$${\op{H}}_{q}f: {\op{H}}_{q}(X,A) \sira {\op{H}}_{q} (Y,B)$$
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt
aus der langen exakten Homologiesequenz mit dem
anschlie"senden F"unferlemma.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Induziert in der Situation des Korollars 
die Abbildung $f$ Homotopie"aquivalenzen $X\ra Y$ und
$A\ra B$,  so induziert $f$ nach unserem Korollar Isomorphismen auf der
relativen Homologie, ohne da"s es deshalb eine Homotopie"aquivalenz von
Raumpaaren im Sinne von \ref{HIRH} sein mu"s.
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma}[\defind{F"unferlemma}]
Wir betrachten ein kommutatives Diagramm von abelschen Gruppen der Gestalt
$$\begin{array}{ccccccccc}
A&\ra&B&\ra&C&\ra&D&\ra&E\\
\da&&\da&&\da&&\da&&\da\\
A'&\ra&B'&\ra&C'&\ra&D'&\ra&E'
\end{array}$$
Sind die beiden Horizontalen exakte Sequenzen und sind alle
Vertikalen  bis auf die mittlere Isomorphismen,
so ist auch die mittlere Vertikale ein Isomorphismus.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Diese Diagrammjagd "uberlassen wir dem Leser.
Man bemerke, da"s wir sogar bei der Vertikale ganz links nur die
Surjektivit"at
verwenden und bei der Vertikale ganz rechts nur die Injektivit"at.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Gegeben $X \supset Y\supset Z$ ein topologischer Raum mit zwei Teilmengen
 erhalten wir eine lange
exakte Sequenz\label{leTr} 
$$\ldots {\op{H}}_{q+1}(X,Y) \ra {\op{H}}_{q}(Y,Z) 
\ra {\op{H}}_{q}(X,Z) \ra {\op{H}}_{q}(X,Y) \ra
{\op{H}}_{q-1}(Y,Z)\ldots$$
abelscher Gruppen, die  \defnoind{lange exakte Homologiesequenz des Tripels
$(X,Y,Z)$},\index{Homologiesequenz!eines Raumtripels}
aus der kurzen exakten Sequenz
${\op{S}}Y/{\op{S}}Z \hookrightarrow
{\op{S}}X/{\op{S}}Z
\twoheadrightarrow {\op{S}} X/{\op{S}} Y$ von Kettenkomplexen, 
die hinwiederum eine Konsequenz des
noetherschen Isomorphiesatzes ist.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[\textbf{Neunerlemma}]\index{Neunerlemma}\label{NeuLL}
Sei gegeben ein kommutatives Diagramm von  Gruppen
mit kurzen
exakten Zeilen der Gestalt $$\begin{array}{ccccc}
A_{3} & \hookrightarrow &B_{3} & \twoheadrightarrow & C_{3}\\
\downarrow & &\downarrow & & \downarrow \\
A_{2} &\hookrightarrow &B_{2} &\twoheadrightarrow &C_{2}\\
\downarrow & &\downarrow & &\downarrow \\
A_{1} &\hookrightarrow &B_{1}& \twoheadrightarrow & C_{1}
\end{array}$$
und seien die senkrechten Kompositionen jeweils Null.
Sind zwei der Spalten kurze exakte Sequenzen, so auch die Dritte.
Hinweis: Im Fall kommutativer Gruppen  benutze 
man die lange exakte Homologiesequenz.
Im Fall nichtkommutativer Gruppen bleibt allerdings nur die
Diagrammjagd, vergleiche \eref{NeuL}{LA2}. 
%Man folgere auch aus dem Neunerlemma den noetherschen Isomorphiesatz.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{spalt}
Eine kurze exakte Sequenz  $A^{\prime}
\hookrightarrow A \twoheadrightarrow A^{\prime\prime}$ von abelschen Gruppen
hei"st {\bf
spaltend}, wenn es einen Isomorphismus $A \sira
A^{\prime} \oplus A^{\prime\prime}$ gibt derart, da"s das folgende
Diagramm kommutiert, mit $a^{\prime} \mapsto (a^{\prime},0)$ und
$(a^{\prime},a^{\prime\prime}) \mapsto a^{\prime\prime}$ in der
unteren Horizontalen:
$$\begin{array}{ccccc}
A^{\prime} &\hookrightarrow & A\; & \twoheadrightarrow &
A^{\prime\prime}\\
\| & &\downarrow\!\wr & &\| \\
A^{\prime} & \hookrightarrow & A^{\prime}\oplus A^{\prime\prime} &
\twoheadrightarrow & A^{\prime\prime}
\end{array}$$
Man zeige, da"s f"ur eine kurze exakte Sequenz $A^{\prime}
\hookrightarrow A \twoheadrightarrow A^{\prime\prime}$ von abelschen Gruppen
gleichbedeutend sind:
(1) Die Sequenz spaltet;
(2) Die Surjektion $A \twoheadrightarrow A^{\prime\prime}$
besitzt ein Rechtsinverses;
(3) Die Injektion $A^{\prime} \hookrightarrow A$ besitzt ein
Linksinverses.
\end{Ubung}
\begin{Bemerkungl}
  Man nennt  ganz allgemein einen surjektiven Gruppenhomomorphismus, der ein
Rechts\-inverses besitzt, einen 
{\bf spaltenden surjektiven Gruppenhomomorphismus}\index{spaltend!surjektiver Gruppenhomomorphismus}  und einen
injektiven Gruppenhomomorphismus, 
der ein Linksinverses besitzt, einen {\bf spaltenden
injektiven Gruppenhomomorphismus}.\index{spaltend!injektiver  Gruppenhomomorphismus}  
Dieselbe Terminologie verwendet man bei Moduln "uber Ringen
und auch in noch gr"o"serer Allgemeinheit.
In welcher Bedeutung das jeweils gemeint ist, ob also die
fraglichen Halbinversen Gruppenhomomorphismen, Modulhomomorphismen 
oder irgendeine andere Art von Morphismen sein sollen,
gilt es jeweils aus dem Kontext zu erschlie"sen.
\end{Bemerkungl}


\begin{Ubung}\label{fsp}
Eine abelsche Gruppe $F$ hei"st {\bf frei},\index{frei!abelsche Gruppe} 
 wenn sie
isomorph ist zur freien abelschen Gruppe $\Bbb{Z} M$ "uber einer
Menge $M$.  Man zeige, da"s jede Surjektion von einer
beliebigen abelschen Gruppe auf eine freie abelsche Gruppe
spaltet.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{kdV}
Sei gegeben ein kommutatives $(3\times 3)$-Diagramm von
Kettenkomplexen mit exakten Zeilen und Spalten
$$\begin{array}{ccccc}
A'&\hookrightarrow & A &\twoheadrightarrow &A'' \\
\downarrow & & \downarrow & & \downarrow \\
B^{\prime}& \hookrightarrow & B &\twoheadrightarrow
&B'' \\
\downarrow & &\downarrow & & \downarrow \\
C^{\prime}&\hookrightarrow & C &
\twoheadrightarrow & C'' 
\end{array}$$
So kommutiert das Diagramm der Randoperatoren der zugeh"origen
langen exakten Homologiesequenzen bis auf ein Vorzeichen, und zwar 
kommutiert genauer das Diagramm
$$\begin{array}{ccc}
{\mathcal H}_{q}C''  & \overset{\hat{\partial}}{\ra} & {\mathcal H}_{q-1}C^{\prime}
\\[2mm]
{\scriptstyle \hat{\partial}}\downarrow & & \downarrow{\scriptstyle -\hat{\partial}} \\
{\mathcal H}_{q-1}A''  &\overset{\hat{\partial}}{\ra} & {\mathcal H}_{q-2}A'
\end{array}$$
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Erweiterte Nat"urlichkeit der Homologiesequenz}]
Gegeben ein kommutatives Diagramm von Kettenkomplexen mit kurzen exakten
Zeilen\label{NEXu} 
$$\begin{array}{ccccccc}
& &B^{\prime} & \hookrightarrow & C'& \twoheadrightarrow&
D^{\prime}\\
 & & \downarrow & & \downarrow &&\\
A& \hookrightarrow & B& \twoheadrightarrow&
C&&
\end{array}$$
gibt es eine wohlbestimmte Abbildung
${\mathcal H}_{q}D'\ra {\mathcal H}_{q-1}A$, f"ur die die Klasse
eines Zykels $d'\in{\mathcal Z}_qD'$ genau dann auf die
Klasse von $a\in {\mathcal Z}_{q-1}A$ abgebildet wird, wenn es
ein Urbild $c'\in C'_q$ von $d'$ gibt und ein
Urbild $\beta' \in B'_{q-1}$ von $\partial c'$
und ein
Urbild $b\in  B_{q}$ vom Bild $ c\in  C_{q}$ von $c'$ mit
$a=\partial b-\beta$ f"ur $\beta \in B_{q-1}$ das Bild von $\beta'$.
Mit dieser Abbildung erhalten wir einen Morphismus
der langen exakten Homologiesequenz der oberen Horizontale 
in die durch Negativmachen aller ${\mathcal H}_{q}A\ra {\mathcal H}_{q}B$
abge"anderte lange exakte Homologiesequenz der unteren Horizontale
$$\begin{array}{ccccccccc}
\ldots\ra&{\mathcal H}_{q+1}D'&\ra &{\mathcal H}_{q}B^{\prime} & \ra & {\mathcal H}_{q}C'& \ra&
{\mathcal H}_{q}D^{\prime}&\ra\ldots\\
&\downarrow  & & \downarrow & & \downarrow &&\downarrow& \\
\ldots\ra&{\mathcal H}_{q}A& \stackrel{-1}{\ra} &{\mathcal H}_{q} B& \ra&
{\mathcal H}_{q}C&\ra&{\mathcal H}_{q-1}A&\stackrel{-1}{\ra}\ldots
\end{array}$$
Jedes kommutative Diagramm von Kettenkomplexen mit kurzen exakten
Zeilen
$$\begin{array}{ccccccc}
A'& \hookrightarrow & B'& \twoheadrightarrow&
C'&&\\
 & & \downarrow & & \downarrow &&\\
& &B & \hookrightarrow & C& \twoheadrightarrow&
D
\end{array}$$
liefert auch einen Morphismus der zugeh"origen langen exakten
Sequenzen mit der Null\-abbildung
${\mathcal H}_{q-1}A'\ra {\mathcal H}_{q}D$. Eigentlich sollte man auch hier Vorzeichen einf"uhren, aber in diesem Fall ist es nicht
n"otig, weil Minus Null auch Null ist.
In \eref{KZUu}{TD} werden wir beide  Aussagen  als eine
Konsequenz des \glqq Drehens ausgezeichneter Dreiecke\grqq\
zu verstehen lernen.
\end{Ubung}


\subsection{Ausschneidung und Anwendungen}

\begin{Satz}[\defind{Ausschneidung}]
Seien $(X,Z)$ ein Raumpaar und $L\subset Z$ eine Teilmenge von $Z$, 
deren Abschlu"s im
Inneren von $Z$ liegt, in Formeln $\bar{L}
\subset Z^{\circ}$.
So liefert die Einbettung $(X\backslash L, Z\backslash L) 
\hookrightarrow (X,Z)$ Isomorphismen
auf den relativen Homologiegruppen
$${\op{H}}_{q}(X\backslash L,Z\backslash L) \sira {\op{H}}_{q} (X,Z)$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}\label{AnRa}
Im Satz meinen wir mit $\bar{L}
\subset Z^{\circ}$ die Bedingung $\op{Cl}_X(L)\subset \op{Of}_X(Z)$. 
Der Satz besagt salopp gesprochen,
da"s sich die relative Homologie nicht "andert,
wenn wir die Menge $L$ gleichzeitig sowohl aus $X$ 
als auch aus $Z$  herausschneiden. Eine alternative Formulierung
ist $${\op{H}}_{q}(U,U\backslash A) \sira {\op{H}}_{q} (X,X\backslash A)$$
f"ur Teilmengen $U,A\subset X$ mit $\bar A\subset U^\circ$. Man erh"alt sie durch den "Ubergang zu den richtigen Komplementen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Wir stellen den Beweis zur"uck und geben zun"achst einige Anwendungen.
Bezeichne $\partial \Delta_{n} \subset \Delta_{n}$ den
anschaulichen Rand $\partial \Delta_{n}\pdef
\{(x_{0}, \ldots , x_{n}) \in \Delta_{n}
\mid x_{i} =0 $ f"ur mindestens ein $ i\}$  
des $n$-ten Standardsimplex. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Homologie von Simplizes relativ zu ihrem Rand}] 
Die %relativen 
Homologiegruppen\label{HoS} 
${\op{H}}_{q} (\Delta_{n},\partial \Delta_{n})$
der Standardsimplizes relativ zu ihrem Rand werden gegeben durch
$${\op{H}}_{q} (\Delta_{n},\partial \Delta_{n})\cong \left\{\begin{array}{ll}
\Bbb{Z} & q=n;\\
0 & {\text sonst.} \end{array}\right. $$
Des weiteren ist die Klasse $[\tau_n]$ des tautologischen Simplex $\tau_{n}$
ein Erzeuger der relativen Homologiegruppe ${\op{H}}_{n} (\Delta_{n},
\partial \Delta_{n})$. 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  Ein meiner Ansicht nach  anschaulicherer Zugang zur Berechnung dieser 
Homologiegruppen vermittels der \glqq Mayer-Vietoris-Sequenz\grqq\  
wird in \ref{MVSs} erkl"art. 
Er liefert jedoch keine explizite Beschreibung eines 
Erzeugers, und diese explizite Beschreibung werden wir
brauchen, um den Zusammenhang zwischen simplizialer und
singul"arer Homologie zu kl"aren.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
F"ur $n =0$ ist $\Delta_{n}$ ein Punkt und $\partial \Delta_{n}$
die leere Menge und der Satz ist unsere Aussage \ref{HPu} "uber die
Homologie eines Punktes.
Den allgemeinen Fall folgern wir durch vollst"andige Induktion.
Dazu betten wir $\Delta_{n}$  ein in
$\Delta_{n+1}$,  indem wir als letzte Koordinate eine Null
anf"ugen, und betrachten in $\Delta_{n+1}$ die Spitze $p=(0,0,0,
\ldots, 1) $,  die der Seitenfl"ache $\Delta_{n} \subset
\Delta_{n+1}$ gegen"uberliegt.
Weiter betrachten wir die Vereinigung $\Lambda_{n+1} \subset
\Delta_{n+1}$ aller Seitenfl"achen, die diese Spitze $p$ enthalten,
und 
die Isomorphismen
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildHDel}\\[4mm]
\noindent Die Raumpaare und das Raumtripel aus dem Beweis von
\ref{HoS} im Fall $n=1$.  
\end{figure}
$$
{\op{H}}_{q}(\Delta_{n}, \partial \Delta_{n}) \sira {\op{H}}_{q} (\partial
\Delta_{n+1}\!\backslash p, \Lambda_{n+1}\!\backslash p) \sira
{\op{H}}_{q} (\partial
\Delta_{n+1}, \Lambda_{n+1})$$
wie sie von den Einbettungen aufgrund der Homotopieinvarianz und der
Ausschneidung von $p$ induziert.
Die
Randabbildung zur langen exakten Homologiesequenz des Tripels
$(\Delta_{n+1}, \partial \Delta_{n+1}, \Lambda_{n+1})$ liefert weiter
Isomorphismen
$${\op{H}}_{q+1} (\Delta_{n+1}, \partial \Delta_{n+1}) \sira
{\op{H}}_{q}(\partial \Delta_{n+1},\Lambda_{n+1})$$
und  die erste Behauptung folgt durch Induktion.
Unter diesen  Isomorphismen geht  die Klasse
$[\tau_{n+1}] \in {\op{H}}_{n+1}(\Delta_{n+1}, \partial \Delta_{n+1})$
"uber in $(-1)^{n+1}[\tau_{n}] \in {\op{H}}_{n}(\Delta_{n}, \partial
\Delta_{n})$,  und so ergibt sich auch die
zweite Behauptung mit vollst"andiger Induktion.
\end{proof}

\begin{Korollar}[\textbf{Homologie von B"allen relativ zu ihrem Rand}]
F"ur $n\geq 0$ wird die Homologie des $n$-Balls relativ zu seinem Rand gegeben
durch die Formeln\label{DSS}
$${\op{H}}_{q}(D^{n},S^{n-1}) \cong \left\{\begin{array}{cc}
\Bbb{Z} & q=n;\\ 0&\text{sonst.} \end{array}\right. $$
\end{Korollar}
\begin{proof}
Das folgt sofort aus \ref{HoS}, da 
es etwa nach 
 \eref{Knh}{TM} einen Hom"oomorphismus $\Delta_n\sira D^n$ gibt,
der eine Bijektion $\partial\Delta_n\sira S^{n-1}$ induziert.
Alternativ folgt es auch aus dem anschlie"senden Satz. 
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Homologie der Sph"aren}]
  Die Homologiegruppen der
  Sph"aren\index{Homologiegruppe!der Sph"aren} 
$S^{n}$
werden f"ur $n\geq 1$
gegeben durch
$${\op{H}}_{q}(S^{n})\cong \left\{\begin{array}{ll}
\Bbb{Z} & q=0\text{ oder }q=n;\\
0 & {\text sonst}. \end{array}\right. $$
Die Nullsph"are $S^{0}$ besteht schlicht aus zwei Punkten, wir haben 
in diesem Fall also
${\op{H}}_{0}(S^{0}) \cong \Bbb{Z} \oplus \Bbb{Z}$ sowie 
${\op{H}}_{q}(S^{0})=0 \text { f"ur } q >
0$. 
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Das ergibt sich aus dem vorhergehenden Korollar \ref{DSS} 
mit der langen exakten
Homologiesequenz des Raumpaars $(D^{n+1},S^{n})$. 
Einen alternativen und vielleicht anschaulicheren Beweis
mithilfe der
\glqq Mayer-Vietoris-Sequenz\grqq\  geben wir in 
\ref{MVSs}. Er hat allerdings den Nachteil,   keinen expliziten
Erzeuger der Homologie zu liefern.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
  Gegeben ein punktierter topologischer Raum $(X,x)$ nennt man
  seine Homologie ${\op{H}}_{q}(X,X\backslash x)$ relativ zum Komplement
  des ausgezeichneten Punktes auch seine {\bf lokale Homologie}.
  \index{lokal!Homologie}\index{Homologie!lokale}\label{lokH} 
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}[\textbf{Lokale Homologie reeller Vektorr"aume}]
F"ur $n\geq 0$ und jeden Punkt $x \in \DR^{n}$ gilt\label{MNH} 
$${\op{H}}_{q}(\DR^{n},\DR^{n}\backslash x) \cong \left\{\begin{array}{cc}
\Bbb{Z} & q=n;\\ 0 &\text{sonst}.\end{array}\right.$$
Insbesondere sind $\DR^{n}$ und $\DR^{m}$ f"ur $n \neq m$ nicht
hom"oomorph. 
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $x=0$ annehmen.
Die Einbettung
$(D^{n},S^{n-1})\ra (\DR^{n},\DR^{n} \backslash 0)$ induziert nun aufgrund der
Homotopieinvarianz  \ref{FLK}
Isomorphismen auf den relativen Homologiegruppen und die Aussage folgt so aus
\ref{DSS}.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Wahl von Erzeugern}]
  Bis hierher haben wir die Frage offengelassen, wie man
  sinnvoll Erzeuger von  ${\op{H}}_{n}(D^{n},S^{n-1})$, 
  ${\op{H}}_{n}(\DR^{n},\DR^{n}\backslash 0)$ und  ${\op{H}}_{n}S^{n}$
  auszeichnen kann. In meinen Augen ist es besonders sinnvoll,
  mit 
demjenigen Erzeuger $\tau\in {\op{H}}_1(\DR,\DR\backslash 0)$ zu beginnen, 
der durch die Klasse des relativen Einszykels $[-1,1]$ gegeben wird,
also durch die affine Abbildung $\Delta_1\ra \DR$ mit $\mathrm e_0\mapsto -1$
und $\mathrm e_1\mapsto 1$.
Dann liefert das Kreuzprodukt der relativen Homologie \ref{WR3} 
einen ausgezeichneten  Erzeuger $$\tau^{\times n}\in {\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash 0)$$
 f"ur alle $n\geq 0$. Daraus erhalten wir mit dem durch die Einbettung
 gegebenen Isomorphismus  ${\op{H}}_{n}(D^{n},S^{n-1})\sira {\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash 0)$
ausgezeichnete  Erzeuger von  ${\op{H}}_{n}(D^{n},S^{n-1})$ und mit dem Randoperator
ausgezeichnete  Erzeuger von  $ {\op{H}}_{n}S^{n}$ f"ur $n\geq 1$
und allgemeiner ausgezeichnete  Erzeuger der
in \ref{AUG} eingef"uhrten reduzierten Homologie  $\tilde {\op{H}}_{n}S^{n}$ f"ur $n\geq -1$.
Wie nennen sie unsere {\bf Standarderzeuger}.\index{Standarderzeuger!in der Homologietheorie} 
Damit wir auch hier schon mit diesen Standarderzeugern arbeiten k"onnen,
geben wir eine explizite Beschreibung
und definieren unsere Standarderzeuger\label{WsE}  $$\eta_n\in
{\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash 0)$$ vorerst
dadurch, das sie 
durch den affinen $n$-Simplex
$[\big(-\sum {\op{e}}_i\big),  {\op{e}}_1,\ldots, {\op{e}}_n]$ repr"asentiert werden, eine stetige Abbildung $\Delta_n\ra \DR^n$.  Da diese Abbildung 
 eine Homotopie"aqivalenz von Raumpaaren $(\Delta_{n}, \partial \Delta_{n})\hra (\DR^n,\DR^n\backslash 0)$ induziert und da $\eta_n$ das Bild der Klasse
des tautologischen $n$-Simplex, die hinwiederum nach \ref{HoS} ein Erzeuger
von $[\tau_n]\in {\op{H}}_n(\Delta_{n}, \partial \Delta_{n})$ ist, erhalten wir so  in der Tat einen  Erzeuger $\eta_n$ der lokalen Homologie des $\DR^n$ am Ursprung. 
Die Kompatibilit"at mit dem Kreuzprodukt wird in "Ubung \ref{tkr} gezeigt.   
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}[\textbf{Unmöglichkeit der Retraktion eines Balls auf  seinen Rand}]
Sei $n \geq -1$. 
Es gibt keine stetige Abbildung $r : D^{n+ 1} \ra S^{n}$ des $(n+1)$-Balls auf
seine Randsph"are,  deren
Einschr"ankung\label{RT}
auf die Randsph"are $S^{n}$ die Identit"at ist.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $i : S^{n} \hookrightarrow D^{n+ 1}$ die Einbettung.
Aus $r \circ i = \op{id} $ folgt,
da"s die Verkn"upfung
$$
 {\op{H}}_{n}S^{n} \ra  {\op{H}}_{n}D^{n+1}
\ra {\op{H}}_{n}S^{n}
$$
von $\mathrm Hr$ mit $ \mathrm H i$ die 
Identit"at ist. Die Identit"at auf $\Bbb{Z}$ kann aber
nicht "uber $0$
faktorisieren und das erledigt den Fall $n \geq 1$.  Im Fall $n=0$
argumentiert man analog, da"s die Identit"at auf $\Bbb{Z}^{2}$
nicht "uber $\Bbb{Z}$ faktorisieren kann. Der Fall $n=-1$ ist eh
klar.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Fixpunktsatz von Brouwer}]\index{Brouwer, Fixpunktsatz!allgemeiner}\index{Fixpunktsatz von Brouwer!allgemeiner}
Jede stetige Selbstabbildung des abgeschlossenen
$n$-Balls besitzt einen Fixpunkt.\label{FBn}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Sei  $f: D^{n}\ra D^{n}$ stetig. 
H"atte $f$ keinen Fixpunkt, so k"onnte man eine stetige 
Abbildung $r : D^{n} \ra S^{n-1}$ konstruieren
durch
die Vorschrift, da"s $r (x)$ der
Punkt ist, in dem der Strahl, der von $r(x)$ ausgeht und  durch $x$ l"auft, die
Sph"are $S^{n-1}$ trifft. Das st"unde jedoch im Widerspruch zum
vorhergehenden Korollar \ref{RT}.
\end{proof}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=5cm]{SkriptenBilder/BildUT}
\end{figure}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildUTO}\\[4mm]
\noindent 
Der Effekt der Unterteilungsoperatoren $U_1$ und
$U_2$ auf Simplizes.
Die Zahlen an den Ecken der Dreiecksfl"achen zeigen wieder, wohin die
Vektoren der Standardbasis $\op{e}_1, \op{e}_2, \op{e}_3$ des $\DR^3$, 
deren konvexe H"ulle ja der Standardsimplex $\Delta_2$ ist, 
abgebildet werden.
\end{figure}
\subsection{Beweis des Ausschneidungssatzes}
\begin{Bemerkungl}
Wir beginnen nun mit den
Vorbereitungen zum Beweis des  Ausschneidungssatzes. 
Die zentrale Rolle spielen hier\label{DUO} 
die \defnoind{Unterteilungsoperatoren}\index{Unterteilungsoperator} 
${\op{U}}_{q} : {\op{S}}_{q} X \ra {\op{S}}_{q}X$,  die jeden
Simplex \glqq baryzentrisch unterteilen\grqq.
Wir konstruieren sie als  Transformationen ${\op{U}}_{q} : {\op{S}}_{q} \RA
{\op{S}}_{q}$. 
Um solche  Transformationen festzulegen, brauchen wir ja
nach Lemma \ref{YA} nur das Bild des tautologischen $q$-Simplex
${\op{U}}_{q} (\tau_{q}) \in {\op{S}}_{q}(\Delta_{q})$ 
anzugeben.
F"ur jede konvexe Teilmenge $K$ eines
$\DR^{n}$ und jeden Punkt $s\in K$ erinnern wir dazu an den Prismen-Operator
${\op{P}} = {\op{P}}^s: {\op{S}}_{q}K \ra {\op{S}}_{q+1}K$ aus dem
Beweis von \ref{Kon}.
Dann 
setzen wir ${\op{U}}_q=0$ f"ur $q<0$ und
definieren ${\op{U}}_{q}$ f"ur $q\geq 0$ induktiv vermittels der
Vorschrift $
{\op{U}}_{0}(\tau_{0})  \pdef \tau_{0}$ und
${\op{U}}_{q} (\tau_{q})\pdef  {\op{P}}^{s(q)} {\op{U}}_{q-1} (\partial \tau_{q})$ f"ur
 $ q
>0
$,
wo ${\op{P}}^{s(q)}$ den Prismenoperator bez"uglich des Schwerpunkts $s(q)\pdef \frac{1}{q+1}
(1,1, \ldots , 1)$ von $\Delta_{q}$ bezeichnet.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Lemma} Die Unterteilung\label{UKAn} %\label{UKA}  
 ${\op{U}}
:{\op{S}}X \ra {\op{S}}X$ ist eine Kettenabbildung.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Es gilt zu zeigen $\partial {\op{U}}_{q} = {\op{U}}_{q-1}\partial$ f"ur alle $q$. 
Wir zeigen die Gleichheit durch Induktion "uber $q$.  Wegen \ref{YA} reicht es,
die Gleichheit auf $\tau_{q}$ zu zeigen. Die F"alle $q=0,1$ "uberlassen
wir dem Leser. F"ur $q\geq 2$ und ${\op{P}}={\op{P}}^{s(q)}$ haben wir
$$\begin{array}{ccl}
\partial {\op{U}}_{q}(\tau_{q}) & =& \partial {\op{P}} {\op{U}}_{q-1}\partial (\tau_{q})\\
 &=& (-{\op{P}} \partial + \op{id}) {\op{U}}_{q-1}\partial (\tau_{q})\\
 &=& {\op{U}}_{q-1}\partial (\tau_{q})
\end{array}$$
Die erste Gleichung nach Definition,
die zweite da $\partial {\op{P}}+ {\op{P}}\partial =\op{id}$ 
auf ${\op{S}}_{q}\Delta_{q}$ f"ur
$q\geq 1$,  die dritte da $\partial {\op{U}}_{q-1} = {\op{U}}_{q-2}\partial$ nach
Induktion.
\end{proof}
\begin{Lemma}\label{UT}
Die Unterteilung ist in nat"urlicher Weise kettenhomotop zur
Identit"at, als da hei"st, es gibt  Transformationen
$$T_{q} : {\op{S}}_{q} \RA {\op{S}}_{q+1} $$
mit $\partial T_{q} + T_{q-1}\partial = {\op{U}}_{q}-\op{id}$ f"ur alle $q$. 
Insbesondere induziert ${\op{U}}$ die Identit"at auf der Homologie.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungw}
Dies Lemma wird sich sp"ater als eine Konsequenz des Satzes "uber
azyklische Modelle \ref{AzM} erweisen.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}
Wir versuchen induktiv m"ogliche  Transformationen $T_{q}$ zu
finden und m"ussen nur $T_{q}(\tau_{q}) \in {\op{S}}_{q+1} (\Delta_{q})$
angeben. Wir k"onnen mit $T_{-1}= T_{0}=0$ beginnen und m"ussen dann induktiv
die 
Gleichungen
$$\partial T_{q}(\tau_{q})
= - T_{q-1}\partial (\tau_{q})+{\op{U}}_{q} (\tau_{q})-
\tau_{q}$$
l"osen. 
Wegen ${\op{H}}_{q}(\Delta_{q}) =0$ f"ur $q\geq 1$ sind diese Gleichungen l"osbar,
wenn die rechte Seite ein Zykel ist. Dazu 
rechnen wir stur mit der
Induktionsannahme
\begin{equation*}
\begin{array}[b]{l}
-\partial 
T_{q-1}(\partial \tau_{q}) 
+ \partial {\op{U}}_{q}(\tau_{q})-\partial
\tau_{q} =\\[2mm]
\hspace{2.5cm}=(T_{q-2}\partial - {\op{U}}_{q-1} + \op{id})(\partial \tau_{q})
 +\partial {\op{U}}_{q}(\tau_{q})-\partial \tau_{q}=0
\end{array}
\qedhere\end{equation*}
\end{proof}
\begin{Definition}
Gegeben ein System $\cal{V} \subset \cal{P} (X)$ von Teilmengen eines 
topologischen Raums $X$
bezeichne ${\op{S}}_{q}^{\cal{V}}X \subset {\op{S}}_{q}X$ 
die freie Gruppe "uber allen
denjenigen Simplizes, die ganz in einem der $V\in \cal{V}$ liegen.
Wir nennen $S^{\cal{V}}_{q}X$  die Gruppe der \defnoind{$\cal{V}$-feinen
Ketten}\index{feine Ketten}.  
\end{Definition}

\begin{Satz}[\textbf{"uber} \defind{feine Ketten}]\label{FK}
Sei $\cal{V}$ eine "Uberdeckung
eines Raums $X$ derart, da"s selbst die offenen Kerne der Mengen aus $\cal{V}$
schon $X$ "uberdecken, in Formeln $X = \bigcup_{V\in \cal{V}} V^{\circ}$. 
So induziert die Einbettung ${\op{S}}^{\cal{V}} X \hookrightarrow {\op{S}}X$ vom Komplex der
$\cal{V}$-feinen Ketten in den Komplex aller singul"aren Ketten
Isomorphismen auf allen Homologiegruppen.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw}\label{FKHh}%\label{FKH}
Mit \ref{HKH} wird aus diesem Resultat folgen, da"s unsere Einbettung 
sogar eine Homotopie"aquivalenz ${\op{S}}^{\cal{V}} X \hri {\op{S}}X$ ist.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}[Beweis]
Mit der langen exakten Homologiesequenz m"ussen wir nur zeigen, da"s die
Homologie von ${\op{S}}X/{\op{S}}^{\cal{V}}X$ verschwindet.
Nun bilden unsere Abbildungen ${\op{U}}$ und $T$ sicher
${\op{S}}^{\cal{V}}X$ auf sich selber ab und induzieren also Operatoren
$\bar{{\op{U}}}$,  $\bar{T}$ auf dem Quotienten.
Offensichtlich ist auch $\bar{{\op{U}}}$ homotop zur Identit"at vermittels $\bar{T}$
und liefert also die Identit"at auf den Homologiegruppen von
${\op{S}} X/{\op{S}}^{\cal{V}}X$. 
F"ur jedes $q$ und jede Kette $\gamma \in {\op{S}}_{q}X$ gibt es aber 
nach dem anschlie"senden Lemma \ref{KlKl} ein $n\gg 0$ mit
${\op{U}}^{n}\gamma
\in {\op{S}}^{\cal{V}}_{q} X$,  also $\bar{{\op{U}}}^{n}\bar{\gamma} =0$ 
f"ur $\bar{\gamma} \in
{\op{S}}_{q}X/{\op{S}}^{\cal{V}}_{q}X$
die Nebenklasse von $\gamma$. 
Wir  folgern
$\cal{H}_{q}({\op{S}} X/{\op{S}}^{\cal{V}}X)=0$. 
\end{proof}

\begin{Lemma}\label{KlKl}
Sei $\cal{V}$ eine offene "Uberdeckung eines Raums $X$. 
F"ur jedes $q$ und jede 
Kette $\gamma \in {\op{S}}_{q}X$ gibt es dann $n\in \DN$
mit ${\op{U}}^{n}\gamma \in
{\op{S}}^{\cal{V}}_{q}X$. 
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl} Dieselbe Aussage folgt unmittelbar, wenn wir
  statt eine offenen "Uberdeckung zu betrachten wie oben 
  schw"acher nur annehmen, da"s die offenen Kerne der Mengen aus $\cal{V}$
bereits $X$ "uberdecken. 
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
Es reicht sicher, das Lemma f"ur jeden Simplex $\gamma : \Delta_{q}\ra
X$ zu zeigen. Nun sieht man, da"s der maximale Durchmesser eines
Simplex, der mit von Null verschiedenem Koeffizienten in
${\op{U}}^{n}(\tau_{q})$
vorkommt, f"ur $n\ra \infty$ beliebig klein wird.
Insbesondere ist f"ur
$n\gg 0$ nach dem "Uberdeckungssatz von Lebesgue
jeder solche Simplex ganz in
einer der Mengen $\gamma^{-1} (V)$ mit $V \in \cal{V}$
enthalten.
Das bedeutet aber gerade ${\op{U}}^{n}\gamma \in {\op{S}}_{q}^{\cal{V}}X$. 
\end{proof}

\begin{Satz}[\defind{Ausschneidung}]\label{Asch}
Sei $(X,Z)$ ein Raumpaar und $L\subset Z$ eine Teilmenge, deren Abschlu"s
im Inneren von $Z$ liegt, in Formeln $\op{Cl}_X(L)
\subset \op{Inn}_X(Z)$. 
So liefert die Einbettung $(X{\backslash} L, Z{\backslash} L) 
\hookrightarrow (X,Z)$ Isomorphismen
auf den relativen Homologiegruppen
$${\op{H}}_{q}(X{\backslash} L,Z{\backslash} L) \sira {\op{H}}_{q} (X,Z)$$
\end{Satz}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAusS}\\[4mm]
\noindent 
Dieses Bild soll Anschauung f"ur den Ausschneidungsisomorphismus
geben. $X$ ist darin die Papierebene, $Z$ alles au"serhalb des kleinen
Eis und 
 $L$ alles au"serhalb der Zackenlinie.
Das gro"se Dreieck stellt einen singul"aren Zweisimplex 
in $X$ dar, der relativ zu $Z$ ein Zykel ist, da eben sein Rand
in $Z$ liegt. Nach zweimaliger baryzentrischer Unterteilung
entsteht diese Art Spinnennetz, eine zu unserem 
Zweisimplex homologe 
singul"are Zweikette. Lassen wir aus dieser Zweikette 
alle Simplizes fort, die nicht in $X\backslash L$ liegen, die also aus
unserer Zackenlinie herauspieken, so 
repr"asentiert der Rest immer noch dieselbe Homologieklasse
in der relativen Homologie ${\op{H}}_2(X,Z)$,  die
folglich herkommt von einer Homologieklasse in
 ${\op{H}}_2(X\backslash L,Z\backslash L)$. 
Damit sollte zumindest die Surjektivit"at 
der von der Einbettung $(X\backslash L,Z\backslash L)\hra (X,Z)$
auf der Homologie induzierten Abbildung anschaulich klar werden.
\end{figure}
\begin{proof}[Beweis]
Wir betrachten die "Uberdeckung $X = Z \cup (X{\backslash} L)$,  geben ihr den
Namen $\cal{V}$ und bilden ein kommutatives Diagramm von
Kettenkomplexen der Gestalt
$$\begin{array}{ccccc}
{\op{S}}(Z{\backslash} L) & \hookrightarrow & {\op{S}}Z \oplus {\op{S}}(X{\backslash} L) & \twoheadrightarrow &
{\op{S}}^{\cal{V}}X\\
\downarrow & & \downarrow & &\downarrow \\
{\op{S}}(X{\backslash} L) & \hookrightarrow & {\op{S}}X \oplus {\op{S}}(X{\backslash} L) & \twoheadrightarrow
&{\op{S}}X\\
\downarrow & &\downarrow & &\downarrow \\
{\op{S}} (X {\backslash} L, Z{\backslash} L) & \ra & {\op{S}}(X,Z) & \ra & {\op{S}}X / {\op{S}}^{\cal{V}}X
\end{array}$$
Hier ist zu verstehen, da"s 
 die beiden oberen horizontalen Inklusionen die \glqq diagonalen\grqq\ 
Einbettungen $z \mapsto (z,z)$ sein sollen und die folgenden
Surjektionen die Differenzen $(x,y) \mapsto x-y$. 
Nach dem Neunerlemma ist die untere Horizontale dann auch exakt,
und da nach dem Satz "uber feine Ketten
\ref{FK} die Homologie von ${\op{S}}X / {\op{S}}^{\cal{V}}X$
verschwindet, folgt unser Satz aus der langen exakten
Homologiesequenz.
\end{proof}
\begin{Bild} 
\includegraphics[height=0.8\textheight]{SkriptenBilder/BildMaVi}\\[4mm]
\noindent Berechnung der Homologie der Sph"are mithilfe 
der Mayer-Vietoris-Sequenz.
\end{Bild}

\begin{Bemerkungl}
Sei $X = X_{1}\cup X_{2}$ ein 
topologischer Raum mit einer "Uberdeckung $\cal{V}$
durch zwei offene Teilmengen.\label{MVS} 
Wir betrachten die Einbettungen $$(X_{1}\cap X_{2}) \stackrel{i_\nu}{\hra}
X_\nu\stackrel{j_\nu}{\hra} X$$
und erhalten eine kurze exakte Sequenz von Kettenkomplexen
$${\op{S}}(X_{1}\cap X_{2}) \hookrightarrow {\op{S}} X_{1}
\oplus {\op{S}} X_{2} \twoheadrightarrow {\op{S}}^{\cal{V}} X$$
Hier fassen wir die Elemente der direkten Summe als Spaltenvektoren auf,
die
erste Abbildung wird gegeben durch die Spaltenmatrix 
$({\op{S}} i_1, {\op{S}} i_2)^\top$, 
und die zweite durch die Zeilenmatrix $({\op{S}} j_1, -{\op{S}} j_2)$. 
Nehmen wir dazu die lange exakte Homologiesequenz und verwenden die
von der Einbettung ${\op{S}}^{\cal{V}}X\hra {\op{S}}X$ 
induzierten Identifikationen
$\cal{H}_q({\op{S}}^{\cal{V}}X)\sira {\op{H}}_qX$, 
so erhalten wir die sogenannte 
{\bf Mayer-Vietoris-Sequenz},\index{Mayer-Vietoris-Sequenz!der Homologie}
eine lange exakte Sequenz der Gestalt
$$\ldots {\op{H}}_{q}(X_{1}\cap X_{2}) 
\ra {\op{H}}_{q}(X_{1})\oplus {\op{H}}_{q}(X_{2})
\ra {\op{H}}_{q}(X)\ra {\op{H}}_{q-1} (X_{1}\cap X_{2}) \ldots$$
Die ersten beiden Abbildungen dieser Sequenz werden gegeben
durch die Spaltenmatrix $({\op{H}}_q i_1, {\op{H}}_q i_2)^\top$ und die
Zeilenmatrix $({\op{H}}_q j_1, -{\op{H}}_q j_2)$. Die dritte Abbildung
ist nicht ganz so leicht explizit anzugeben.  
\end{Bemerkungl}




 \begin{Beispiel}[\textbf{Homologie der Sph"aren, Variante}]
    Mithilfe der Mayer-Vie\-to\-ris-Sequenz \ref{MVS} bestimmen wir
    ein weiteres Mal die Homologie der Sph"aren.
   Man schreibt f"ur diesen Beweis die Kugelschale als die Vereinigung zweier\label{MVSs} 
    offener etwas "uber den "Aquator hinaus verdickter Hemisph"aren
    $S^{n}=U^+ \cup U^- $ und erh"alt nach \ref{MVS} eine lange exakte Sequenz
$$  {\op{H}}_{q}(U^+ )\oplus {\op{H}}_{q}(U^- )
\ra {\op{H}}_{q}(S^n)\ra {\op{H}}_{q-1} (U^+ \cap U^- ) \ra
{\op{H}}_{q-1}(U^+ )\oplus {\op{H}}_{q-1}(U^- )$$ 
und so weiter. Der Schnitt $U^+ \cap
U^- $ ist homotopie"aquivalent zum "Aquator $S^{n-1}$ und die Hemisph"aren sind
beide zusammenziehbar und haben folglich dieselbe Homologie wie ein Punkt. Man
sieht nun explizit leicht ein, da"s wir f"ur $n= 0,1$ das behauptete Ergebnis
erhalten, und f"ur $n\geq 2$ folgt durch Betrachten der obigen Sequenz
$${\op{H}}_{q}(S^n)\sira {\op{H}}_{q-1} (U^+ \cap U^- ) \cong {\op{H}}_{q-1}
(S^{n-1})$$ f"ur $q\geq 2$ und ${\op{H}}_{1}(S^n)=0$ und
${\op{H}}_{0}(S^n)\cong \DZ$.  Die Homologie der Sph"aren
 ergibt sich durch vollst"andige
Induktion. Diese Herleitung gef"allt mir eigentlich besser als die
Herleitung aus \ref{HoS}, sie liefert
jedoch nicht  unmittelbar die Beschreibung eines Erzeugers der Homologie.
\end{Beispiel}
\subsubsection*{"Ubungen}

\begin{Ubung}
 Man zeige, da"s es nicht m"oglich ist, die 
Kreislinie durch zwei zusammenziehbare offene Teilmengen mit 
zusammenh"angendem Schnitt zu "uberdecken.
Man zeige, da"s es nicht m"oglich ist, die 
Sph"are durch zwei zusammenziehbare offene Teilmengen mit 
einfach 
wegzusammenh"angendem Schnitt zu "uberdecken. 
Hinweis: Mayer-Vietoris-Sequenz. 
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Relative 
Mayer-Vietoris-Sequenz}\index{Mayer-Vietoris-Sequenz!relative}]
Sei $X$ ein topologischer Raum und seien $U,V \co X$ zwei offene
Teilmengen. Betrachten wir die offene "Uberdeckung von $U\cup V$ durch $U$ und
$V$ und bilden das Diagramm 
$$
\begin{array}{ccccc}
{\op{S}}(U\cap V) &\hookrightarrow& {\op{S}} U
\oplus {\op{S}} V &\twoheadrightarrow& {\op{S}}^{\cal{V}} (U\cup V)\\
\da&&\da&&\da\\
{\op{S}}X &\hookrightarrow& {\op{S}}X
\oplus {\op{S}} X &\twoheadrightarrow& {\op{S}} X\\
\da&&\da&&\da\\
{\op{S}}(X, U\cap V) &\hookrightarrow& {\op{S}} (X,U)
\oplus {\op{S}} (X,V) &\twoheadrightarrow
& {\op{S}} (X)/{\op{S}}^{\cal{V}} (U\cup V)
\end{array}
$$
mit \glqq diagonalen\grqq\  Abbildungen in den linken
Horizontalen  und \glqq Differenzen von erstem minus zweitem Term\grqq\  in den rechten
Horizontalen, so entsteht in der unteren Zeile eine kurze exakte
Sequenz von Kettenkomplexen. Die nat"urliche Surjektion 
${\op{S}} (X)/{\op{S}}^{\cal{V}} (U\cup V)\sra {\op{S}} (X,U\cup V)$
induziert weiter Isomorphismen auf der Homologie, und so erhalten wir eine 
nat"urliche lange exakte Sequenz\label{RMVS}
$$
%{\op{H}}_{q} (X,U\cap V)
 \ldots \ra {\op{H}}_{q} (X,U) \oplus
{\op{H}}_{q} (X,V) \ra {\op{H}}_{q}(X,U\cup V) 
\ra {\op{H}}_{q-1} (X,U \cap V)\ra\ldots$$
und die Randoperatoren dieser Sequenz bilden 
mit den Randoperatoren der Mayer-Vietoris-Sequenz und den
Randoperatoren der langen exakten Homologiesquenzen nach
\ref{kdV} ein bis
auf Vorzeichen kommutierendes Viereck.
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Sei $(X,Z)$ ein Raumpaar.
Bezeichne $X/Z$\index{)1@$X/Z$ bei topologischen R"aumen}
den Raum mit  Quotiententopologie, der\label{RPQ} 
entsteht, wenn man $Z$ zu einem Punkt identifiziert. Man zeige:
Ist $Z$ abgeschlossen und gibt es $U$ mit $Z\subset U^\circ \subset X$ derart, da"s die
Einbettungen $Z \hookrightarrow U$ und $Z/Z \hookrightarrow U/Z$
Homotopie"aquivalenzen sind, so liefert die offensichtliche
Abbildung Isomorphismen
$${\op{H}}_{q} (X,Z) \sira {\op{H}}_{q} (X/Z , Z/Z)$$
Hinweis: Ausschneidung.
\end{Ubunge}
 
\begin{Ubung}[\textbf{Ausschneidung und Mayer-Vietoris}]  
 Sei $X = U\cup V$ ein 
 topologischer Raum mit einer "Uberdeckung
 durch zwei offene Teilmengen.\label{VgRO} 
 Man zeige, da"s die Verkn"upfungen
 $$ {\op{H}}_{q}(X,U)\sila{\op{H}}_{q}(V,  U\cap V)\ra {\op{H}}_{q-1}(U\cap V)$$
 eines umgedrehten Ausschneidungsisomorphismus
 mit einem Randoperator
 zusammen mit den offensichtlichen anderen Vertikalen
 einen Homomorphismus
 $$\begin{array}{ccccccccc}
 \ldots& {\op{H}}_{q}(U\cap V) &
\ra& {\op{H}}_{q}U\oplus {\op{H}}_{q}V
&\ra& {\op{H}}_{q}X&\ra& {\op{H}}_{q-1} (U\cap V) &\ldots
\\
&\ua&&\ua&&\|&&\ua&\\
 \ldots& {\op{H}}_{q+1}(X, U) &
\ra&  {\op{H}}_{q}U
&\ra& {\op{H}}_{q}X&\stackrel{-1}{\ra}& {\op{H}}_{q} (X, U) &\ldots \end{array}
 $$
 von der
wie angedeutet durch Vorzeichen leicht ver"anderten
 langen Homologiesequenz des Raumpaars $(X,U)$ zur
 Mayer-Vietoris-Sequenz liefern. Hinweis: Man mag das als
 Spezialfall von \ref{NEXu} verstehen, aber eine direkte
 Argumentation scheint mir eher einfacher.
\end{Ubung}



\newpage

\section{Homologie verklebter R"aume}
 \subsection{Singul"are Homologie von Simplizialkomplexen}

 \begin{Bemerkungl}
   Zu jedem Simplizialkomplex  $\cal{K}=(E,\mathcal K)$ haben wir in \eref{PolS}{TF} einen
   topologischen Raum
   $\Delta(\cal{K})$ konstruiert, seine {\bf geometrische Realisierung}.
   Sie besteht aus gewissen Abbildungen $t:E\ra\DR$. 
 \end{Bemerkungl}

 \begin{Bemerkungl}[\textbf{Standardsimplex als geometrische Realisierung}] 
\nichtfinal{Notationen anpassen an vorne!}   Wir betrachten
   den maximalen Simplizialkomplex  $\mathcal M([q])=\mathcal M[q]$ mit Eckenmenge $[q]\pdef \{0,1,\ldots,q\}$.
   Wir erinnern andererseits unseren
   Standardsimplex $\Delta_q\subset \DR^{q+1}$ aus
   \ref{StaSi}
    und erhalten einen Hom"oomorphismus $$\tau=\tau_q:\Delta_q\sira \Delta(\mathcal M_{[q]})$$
    zwischen dem Standard-$q$-Simplex und dem vollen Simplex zur
    Eckenmenge $[q]$ durch $(x_0,\ldots,x_q)\mapsto t$ mit $x_i=t(i)$.
 \end{Bemerkungl}
  \begin{Definition}
    Seien $\cal{K}$ ein Simplizialkomplex und
    $\Delta(\cal{K})$ seine geometrische Realisierung.
    Ein singul"arer Simplex  alias eine stetige Abbildung
    $$\sigma:\Delta_{q} \ra \Delta (\cal{K})$$ hei"se  {\bf simplizialsingul"ar}, wenn er\label{sika} 
   durch Vorschalten unseres  Hom"oomorphismus $\tau:\Delta_q\sira \Delta(\mathcal M_{[q]})$  aus der  geometrischen Realisierung
    einer simplizialen Abbildung $\tilde\sigma:\mathcal M_{[q]}\ra \mathcal K$
    hervorgeht.  Im Komplex 
    der singul"aren Ketten der geometrischen  Realisierung erkl"aren wir den
    Unterkomplex  der {\bf simplizialsingul"aren 
      Ketten}\index{simplizialsingul"ar!Kette}\index{Kette!simplizialsingul"are}
   $${\op{S}}^{\op{s}} \Delta(\cal{K})\subset {\op{S}} \Delta(\cal{K})$$
     durch die Vorschrift, da"s  ${\op{S}}^{\op{s}}_{q}\Delta (\cal{K})$  das Erzeugnis der  simplizialsingul"aren 
  $q$-Sim\-pli\-zes sein soll.
  \end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
  Simpliziale Abbildungen brauchen keineswegs injektiv zu
  sein. Alle singul"aren Simplizes, deren Bild aus einer einzigen
  Ecke der geometrischen Realisierung unseres Simplizialkomplexes besteht,
  sind simplizialsingul"ar.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{Simplizialketten, simplizialsingul"are Ketten und singul"are Ketten}] 
  F"ur einen Simplizialkomplex $\mathcal K$ haben wir damit drei 
Kettenkomplexe erkl"art, n"amlich den besonders kleinen und anschaulichen
 Komplex der Simplizialketten 
${\op{S}}\mathcal K$ aus \ref{SiKe}, 
den unglaublich riesigen Komplex aller singul"aren Ketten 
seiner geometrischen Realisierung ${\op{S}}\Delta(\mathcal K)$ aus \ref{DsH} 
und darin den Unterkomplex 
${\op{S}}^{\op{s}}\Delta(\mathcal K)\subset {\op{S}}\Delta(\mathcal K)$ aller simplizialsingul"aren Ketten aus \ref{sika}. 
Im folgenden konstruieren wir Kettenabbildungen 
zwischen diesen Komplexen und zeigen, da"s sie Isomorphismen auf der Homologie
induzieren. Diese Isomorphismen sind die haupts"achliche Quelle
f"ur meine Anschauung
in der singul"aren Homologietheorie, ja in der Homologietheorie "uberhaupt. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Von simplizialsingul"aren Ketten zu Simplizialketten}] 
Sei  $\mathcal{K}$ ein Simplizialkomplex.
Wir erkl"aren Homomorphismen $$\op{geo}:{\op{S}}^{\op{s}}_q \Delta (\mathcal{K}) 
\rightarrow {\op{S}}_q\mathcal{K}$$
der {\bf Geometrisierung}  
von den simplizialsingul"aren Ketten in
die Simplizialketten,
indem wir zu jedem simplizialsingul"aren Simplex
$\sigma:\Delta_q \hra\Delta (\mathcal{K})$ die simpliziale
Abbildung $\tilde\sigma:\mathcal M_{[q]}\ra \mathcal K$  betrachen mit
$\sigma=\Delta(\tilde \sigma)\circ \tau$ und dann 
setzen $\op{geo} (\sigma)\pdef[(\tilde\sigma(0),\ldots,\tilde\sigma(q))]$
falls  $\tilde\sigma$ injektiv ist und
$\op{geo} (\sigma)\pdef 0$ sonst.\label{UAh} 
Wir pr"ufen, da"s diese Homomorphismen in ihrer Gesamtheit einen
Morphismus von Kettenkomplexen 
$$
\op{geo}:{\op{S}}^{\op{s}} \Delta (\mathcal{K}) \rightarrow {\op{S}} \mathcal{K}
$$ bilden. 
Dazu mu"s man nur
 die Vertr"aglichkeit mit den Randoperatoren nachzuweisen, das 
 ist nicht schwer und sei dem Leser "uberlassen.
Gegeben ein weiterer Simplizialkomplex $\mathcal{L}$ und eine
simpliziale Abbildung $\varphi:(E,\mathcal{K})\ra (F,\mathcal{L})$ 
im Sinne von \eref{SiAb}{TF} 
erhalten wir mit besagten Abbildungen in den
Horizontalen dar"uberhinaus ein kommutatives Quadrat von Kettenabbildungen 
$$\begin{array}{ccc}
  {\op{S}}^{\op{s}} \Delta (\mathcal{K}) 
&\rightarrow& {\op{S}}\mathcal{K}\\
{\scriptstyle {\op{S}}\Delta(\varphi)}\da\;\;\;\;&&\;\;\;\;\da{\scriptstyle {\op{S}}\varphi}\\
{\op{S}}^{\op{s}} \Delta (\mathcal{L}) 
&\rightarrow& {\op{S}}\mathcal{L}
\end{array}$$
mit derjenigen Abbildung ${\op{S}}\varphi:{\op{S}}\mathcal{K}\ra {\op{S}}\mathcal{L}$
als rechter Vertikale,
die die Klasse eines numerierten kombinatorischen Simplex $\sigma:\{0,1,\ldots,q\}\hra E$
auf die Klasse des numerierten kombinatorischen Simplex $\varphi\circ \sigma:\{0,1,\ldots,q\}\hra F$ wirft, falls
$\varphi\circ \sigma$ injektiv ist, und auf Null sonst. 
Der Leser wird unschwer pr"ufen k"onnen, da"s ${\op{S}}\varphi$ in der Tat eine
Kettenabbildung ist und da"s damit unser Quadrat kommutiert. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Simpliziale als singul"are Homologie}]
F"ur jeden Simpli\-zial\-kom\-plex  
$\cal{K}$ induzieren die 
Geometrisierung aus \ref{UAh}\label{SH}  
 sowie die Einbettung der simplizialsingul"aren Ketten 
in die 
 singul"aren Ketten
${\op{S}}\cal{K} \leftarrow
{\op{S}}^{\op{s}} \Delta(\cal{K}) \hookrightarrow {\op{S}}\Delta(\cal{K})$
Isomorphismen auf allen Homologiegruppen  $${\op{H}}_q\cal{K}
\sila
\cal{H}_q( {\op{S}}^{\op{s}}\Delta(\cal{K})) 
\sira   {\op{H}}_q(\Delta(\cal{K}))$$ 
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Aus \ref{UAh} folgt mit den Isomorphismen des Satzes f"ur jede simpliziale Abbildung $\varphi:\mathcal K\ra\mathcal L$
die Kommutativit"at des Diagramms
 $$\begin{array}{ccccc}{\op{H}}_q\cal{K}&
\sila&
\cal{H}_q( {\op{S}}^{\op{s}}\Delta(\cal{K}))& 
\sira &  {\op{H}}_q(\Delta(\cal{K}))\\
{\scriptstyle {\op{H}}_q\varphi}\da\;\;\;\;&&\da&&\;\;\;\;\da{\scriptstyle {\op{H}}_q\Delta(\varphi)}\\
{\op{H}}_q\cal{L}&
\sila&
\cal{H}_q( {\op{S}}^{\op{s}}\Delta(\cal{L}))& 
\sira &  {\op{H}}_q(\Delta(\cal{L}))
\end{array}
$$
mit $ {\op{H}}_q\varphi\pdef \mathcal H_q ({\op{S}}\varphi)$
f"ur die Kettenabbildung ${\op{S}}\varphi$ aus \ref{UAh} als linker Vertikale.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw}
Aus \ref{HKH} und \ref{UAh} wird 
sogar folgen, da"s die fraglichen Kettenabbildungen
Homotopie"aquivalenzen sind.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof} \nichtfinal{Eine wesentliche Schwierigkeit beim folgenden Beweis ist,
  da"s darin zu viele Dinge als \glqq Simplex\grqq\ angesprochen werden.} 
  Ich erinnere daran, da"s wir unter einem Simplizialkomplex
  ein Datum $(E,\mathcal K)$ verstehen aus einer Menge $E$ von
  \glqq Ecken\grqq\
  und einem Mengensystem $\mathcal K\subset \mathcal P(E)$ mit gewissen Eigenschaften und da"s wir die Elemente unseres  Mengensystems $\mathcal K$
  die {\bf kombinatorischen Simplizes} unseres Simplizialkomplexes nennen.  
  Wir w"ahlen nun eine Teilordnung $\leq$ auf der Menge $E$ der Ecken von $\cal{K}$, die auf jedem kombinatorischen Simplex eine Anordnung induziert.
  So eine Teilordnung nennen wir eine {\bf simpliziale Teilordnung}.\index{simplizial!Teilordnung}\index{Teilordnung!simpliziale} 
  Nach \eref{EAOO}{LA1} ist es sogar stets m"oglich, eine Anordnung der Menge aller Ecken zu finden, und jede solche Anordnung ist a forteriori eine
  simpliziale Teilordnung.
  Ein simplizialsingul"arer Simplex $\sigma:\Delta_{q} \ra \Delta (\cal{K})$ hei"se  {\bf ordnungsvertr"aglich} f"ur solche eine Teilordnung auf $E$,
  wenn er
   durch Vorschalten unseres  Hom"oomorphismus $\tau:\Delta_q\sira \Delta(\mathcal M_{[q]})$  aus der  geometrischen Realisierung
    einer simplizialen Abbildung $\tilde\sigma:\mathcal M_{[q]}\ra \mathcal K$
    hervorgeht, die ihrerseits streng monoton ist auf den Ecken.
    Die von den ordnungsvertr"aglichen simplizialsingul"aren Simplizes erzeugte Untergruppe 
   notieren wir
  $${\op{S}}^{\op{os}}_{q}\Delta(\cal{K})\subset {\op{S}}^{\op{s}}_{q}\Delta(\cal{K})$$
  und nennen sie die Gruppe der
  {\bf ordnungsvertr"aglichen simplizialsingul"aren 
$q$-Ketten von}\index{simplizialsingul"ar!Kette!ordnungsvertr"agliche} 
$\cal{K}$.  Offensichtlich bilden 
die\index{Kette!simplizialsingul"are!ordnungsvertr"agliche}
  ordnungsvertr"aglichen simplizialsingul"aren Ketten einen Unterkomplex
  ${\op{S}}^{\op{os}} \Delta(\cal{K}) \subset {\op{S}}^{\op{s}}
  \Delta(\cal{K})$ im Komplex aller simplizialsingul"aren Ketten von $\Delta(\cal{K})$ 
und wir erhalten ein kommutatives Diagramm
$$
\begin{array}{ccccc}
{\op{S}}\cal{K} &\leftarrow&
{\op{S}}^{\op{s}} \Delta(\cal{K}) 
&\hookrightarrow& {\op{S}}\Delta(\cal{K}) \\
&\nwarrow&\uparrow&\nearrow&\\
&&{\op{S}}^{\op{os}}
  \Delta(\cal{K}) &&
\end{array}
$$
Der  schr"age Pfeil nach  links oben ist offensichtlich ein Isomorphismus von
  Kettenkomplexen. 
Nun zeigen wir in den anschlie"senden Propositionen
\ref{ErTe} und \ref{SSES}, da"s die beiden anderen Pfeile nach oben 
auch Isomorphismen auf der Homologie induzieren.
Daraus folgt dann der  Satz.
\end{proof}











  
\nichtfinal{Die Wahl einer simplizialen Teilordnung  
verwenden wir, um jedem kombinatorischen
Simplex $s\in\cal{K}_q$ denjenigen numerierten kombinatorischen  Simplex
$\langle s \rangle=\langle s \rangle^< \in\cal{K}^< _q$, 
$\langle s \rangle:\{0,\ldots,q\}\hra E$ 
zuzuordnen, der Bild $s$ hat und streng monoton
w"achst. 
Zu jedem numerierten kombinatorischen Simplex
 $\sigma \in \cal{K}_{q}^< $ 
  definieren wir 
 weiter in ${\op{S}}_{q}^{\op{s}} \Delta(\cal{K})$ den simplizialsingul"aren 
$q$-Simplex
  $$ \sigma =[ \sigma(0),\ldots,\sigma(q)] : \Delta_{q} \rightarrow
  \Delta(\cal{K})$$
  durch die Vorschrift $(x_{0},\ldots,x_{q}) \mapsto
  x_{0}\sigma(0) +\ldots + x_{q}\sigma(q)$ 
in den Notationen aus
  \eref{ESc}{TF} und machen in der Notation keinen Unterschied
zwischen einem numerierten kombinatorischen Simplex und der zugeh"origen 
simplizialsingul"aren Kette.  Insbesondere ist 
f"ur jeden $q$-Simplex  $s\in\cal{K}_q$
also $\langle s \rangle$ ein
  Hom"oomorphismus $\Delta_{q} \sira \Delta (s)$.  Die von allen $\langle
  s \rangle$ mit $s \in \cal{K}_{q}$ erzeugte Untergruppe von
  ${\op{S}}_{q}^{\op{s}} \Delta(\cal{K})$}
  \begin{Proposition}
    F"ur jede simpliziale
    Teilordnung der Ecken eines Simplizialkomplexes $\cal{K}$  
  liefert die
    Einbettung ${\op{S}}^{\op{os}} \Delta(\cal{K}) \hookrightarrow
  {\op{S}}\Delta(\cal{K})$ der ordnungsvertr"aglichen 
simplizialsingul"aren Ketten in die\label{ErTe}  
singul"aren Ketten 
    Isomorphismen auf allen Homologiegruppen.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Wir schreiben kurz $X\pdef \Delta(\cal{K}) $ und setzen f"ur $k\in\Bbb{Z}$
$$X_{k} \pdef \bigcup_{ s \in \cal{K}_{q},\;q \leq k} \Delta (s)$$
Dieser Raum hei"st  das 
{\bf $k$-Skelett}\index{k-Skelett@$k$-Skelett} 
von  $\cal{K}$. \index{Skelett von Simplizialkomplex}
Nun betrachten wir f"ur alle $k$ das  kommutative Diagramm von
Kettenkomplexen mit kurzen exakten Zeilen
$$\begin{array}{ccccc}
{\op{S}}^{\op{os}} X_{k}&\hookrightarrow & {\op{S}}^{\op{os}} X_{k+1}&
\twoheadrightarrow & {\op{S}}^{\op{os}} X_{k+1}/{\op{S}}^{\op{os}} X_{k}\\
\downarrow & &\downarrow\;\;\; & &\downarrow \\
{\op{S}} X_{k} &\hookrightarrow & {\op{S}} X_{k+1}&\twoheadrightarrow&
{\op{S}} X_{k+1} / {\op{S}} X_{k}
\end{array}$$
Das zugeh"orige Diagramm 
von langen exakten 
Homologiesequenzen schreiben
wir
$$\begin{array}{cccccccc}
\ldots {\op{H}}_{q+1}^{\op{os}} (X_{k+1},X_{k})& \ra &
 {\op{H}}_{q}^{\op{os}}X_{k}& \ra & {\op{H}}_{q}^{\op{os}}
X_{k+1}&{\ra}&{\op{H}}_{q}^{\op{os}}(X_{k+1},X_{k})\ldots\\
\downarrow & &\downarrow & &\downarrow  & &\downarrow\\
\ldots {{\op{H}}_{q+1}(X_{k+1},X_{k})}&{\ra} &{ {\op{H}}_{q}X_{k}}&
{\ra }&{\op{H}}_{q} X_{k+1}&\ra &{{\op{H}}_{q}(X_{k+1},
X_{k})}\ldots
\end{array}$$
Wir zeigen nun durch Induktion "uber 
$k$, da"s ${\op{H}}^{\op{os}}_{q} X_{k} \ra
{\op{H}}_{q}X_{k}$ ein Isomorphismus ist f"ur alle $k$ und $q$. 
F"ur $k<0$ ist das klar. Im anschlie"senden Lemma \ref{ISc} werden
wir zeigen, da"s ${\op{H}}_{q}^{\op{os}} (X_{k+1},X_{k})
\ra {\op{H}}_{q}(X_{k+1},X_{k})$ ein Isomorphismus ist f"ur alle $q$ und alle
$k$. 
Der Induktionsschritt besteht dann im Anwenden des F"unferlemmas. Unter der Zusatzannahme $X = X_{k}$ f"ur $k\gg 0$ ist unser
Satz damit bereits bewiesen.
Im allgemeinen bemerken wir zus"atzlich, da"s nach \eref{CWS}{TF} 
jede singul"are Kette von $X$ schon in einem $X_{k}$ liegt, und
"uberlassen den Rest des Beweises  dem Leser zur
"Ubung. Sp"ater wird er den Beweis auch 
mithilfe des Satzes "uber
 die Exaktheit 
filtrierender Kolimites \ref{EDL} direkt beenden k"onnen.
\end{proof}
\begin{Lemma}\label{ISc} Die durch die von den Einbettungen der
  ordnungsvertr"aglichen simplizialsingul"aren Ketten in alle singul"aren Ketten induzierten  Abbildungen auf
den relativen Ketten
liefern Isomorphismen ${\op{H}}_{q}^{\op{os}} (X_{k+1},X_{k}) \sira
{\op{H}}_{q}(X_{k+1},X_{k})$. 
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Die linke Seite ist hier die Homologie eines Komplexes, der nur im Grad
$q=k+1$ lebt. Genauer ist ${\op{H}}_{k+1}^{\op{os}} (X_{k+1},X_{k})$ frei erzeugt
von den Nebenklassen der ordnungsvertr"aglichen 
simplizialsingul"aren Simplizes, die durch auf den Ecken
streng monoton wachsende
simpliziale Abbildungen $\tilde\sigma:\mathcal M_{[k+1]}\ra \cal{K}$ gegeben werden.
Bei
$q \neq k+1$ dahingegen verschwindet unser Komplex mitsamt seiner Homologie.
Wir untersuchen nun die rechte Seite 
${\op{H}}_{q} (X_{k+1},X_{k})$ und betrachten
 dazu das \glqq verdickte
$k$-Skelett\grqq\  $U_{k}\subset X_{k+1}$,  das wir erhalten, indem wir aus
$X_{k+1}$ die Schwerpunkte aller $(k+1)$-Simplizes entfernen.
Die beiden Einbettungen
$$(X_{k+1}, X_{k}) \hookrightarrow
(X_{k+1},U_{k})\hookleftarrow 
(X_{k+1}{\backslash} X_{k}, U_{k}{\backslash} X_{k})$$
induzieren  Isomorphismen auf der relativen Homologie:
Die linke nach \ref{FLK} und \ref{HIv},
da $X_{k}\hookrightarrow U_{k}$ eine Homotopie"aquivalenz ist,
hier verwendet man auch \eref{VPQn}{TM}, nach dem das Produkt einer finalen Surjektion mit dem Einheitsintervall auch wieder final ist, und die
rechte mit Ausschneidung des $k$-Skeletts $X_k$. 
Das Raumpaar  rechts
ist aber schlicht die disjunkte unzusammenh"angende Vereinigung "uber
alle $(k+1)$-Simplizes $s \in \cal{K}_{k+1}$ der Raumpaare $
({\Delta}^{\circ}(s),{\Delta}^{\circ}(s){\backslash} b(s))$,  wo wir
${\Delta}^{\circ} (s)$ f"ur den \glqq offenen vollen  Simplex\grqq\  schreiben
und mit $b(s)$ den Schwerpunkt
von $\Delta (s)$ bezeichnen. Zusammenfassend 
erhalten wir also mit den offensichtlichen Abbildungen 
ein kommutatives Diagramm
$$\begin{array}{ccl}
{\op{H}}_{q}(X_{k+1}, U_{k})
&\overset{\sim}{\leftarrow}&
\bigoplus_{s}{\op{H}}_{q} ({\Delta}^{\circ} (s),
{\Delta}^{\circ} (s) {\backslash}  b (s))\\
\|&&\da\wr\\
{\op{H}}_{q}(X_{k+1}, U_{k})
&{\leftarrow}&
\bigoplus_{s}{\op{H}}_{q} ({\Delta} (s),
{\Delta} (s) {\backslash}  b (s))\\
\uparrow\wr&&\uparrow\wr\\
{\op{H}}_{q}(X_{k+1}, X_{k})
&{\leftarrow}&
\bigoplus_{s}{\op{H}}_{q} ({\Delta} (s),
\partial{\Delta} (s))
\end{array}$$
wo die Summen jeweils "uber alle $(k+1)$-Simplizes ${s \in \cal{K}_{k+1}}$
laufen und wir 
mit $\partial{\Delta} (s)$ "ahnlich wie in  \ref{HoS} das $k$-Skelett von
${\Delta} (s)$
bezeichnen. Die mit $\sim$ bezeichneten Pfeile darin sind 
offensichtlich Isomorphismen und f"ur die "ubrigen Pfeile folgt dasselbe.
Nach \ref{HoS} wissen wir aber, da"s ${\op{H}}_{q} ({\Delta} (s),
\partial{\Delta} (s))$ verschwindet f"ur $q\neq k+1$ und da"s es
f"ur $q= k+1$ frei ist vom Rang $1$ und erzeugt wird von der Klasse
desjenigen ordnungsvertr"aglichen simplizialsingul"aren Simplex $\sigma=\Delta(\tilde\sigma)\circ\tau$,
f"ur den $\tilde\sigma:\mathcal M_{[k+1]}\ra \mathcal K$ 
das Bild $s$ hat. 
Das zeigt das Lemma.
\end{proof}
 \begin{Proposition}\label{SSES}
   F"ur jede simpliziale Teilordnung der
   Ecken eines Simplizialkomplexes $\cal{K}$  
  liefert die
    Einbettung ${\op{S}}^{\op{os}} \Delta(\cal{K}) 
\hookrightarrow {\op{S}}^{\op{s}}\Delta(\cal{K})$
der ordnungsvertr"aglichen simplizialsingul"aren Ketten in alle 
simplizialsingul"aren Ketten 
    Isomorphismen auf allen Homologiegruppen.
\end{Proposition}

\begin{proof}[Beweis]
Den Fall, da"s unser Simplizialkomplex 
der maximale Simplizialkomplex $\mathcal M_E$ zu einer
vorgegebenen Eckenmenge $E$ ist, erledigen \ref{HKHKk} und 
\ref{HKHKn}.
Den Fall, da"s unser Simplizialkomplex endlich ist, 
folgern wir induktiv.  
Bezeichne in der Tat 
${\op{H}}^{\op{s}}_{q} \cal{K} = 
\cal{H}_{q} ({\op{S}}^{\op{s}} \Delta(\cal{K}))$ 
die Homologie des
Komplexes der simplizialsingul"aren  Ketten in der Realisierung  
eines Simplizialkomplexes $\cal{K}$. 
Ist $\cal{K} =\cal{K}' \cup \cal{K}'' $ 
eine Darstellung unseres Simplizialkomplexes
als Vereinigung zweier Unterkomplexe, so liefert der Beweis der
Mayer-Vietoris-Sequenz auch in dieser Situation
Mayer-Vietoris-Sequenzen f"ur ${\op{H}}^{\op{os}}$ und ${\op{H}}^{\op{s}}$. 
Mit dem F"unferlemma und Induktion "uber die Zahl der Simplizes
unseres Simplizialkomplexes sehen wir so, da"s die Proposition 
f"ur endliche Simplizialkomplexe folgt, sobald wir sie f"ur die maximalen Simplizialkomplexe zu einer vorgegebenen Eckenmenge  kennen.
Der Fall beliebiger Simplizialkomplexe hinwiederum folgt aus dem
Fall endlicher Simplizialkomplexe mit etwas Nachdenken oder 
formal mit der
Exaktheit filtrierender Kolimites \ref{EDL}.
\end{proof}



 





%\begin{Lemma}[\textbf{Azyklizit"at von Simplizes, Variante}]
%F"ur jede nichtleere Menge $E$ ist der Komplex 
%von freien abelschen Gruppen
%    $$0 \leftarrow \DZ\leftarrow \Bbb{Z} E \leftarrow \Bbb{Z} E^{2} \leftarrow
%    \Bbb{Z}E^{3} \leftarrow \ldots $$
%   mit  Randoperatoren
%    $\partial (v_{0}, \ldots , v_{q}) = \sum (-1)^{i} (v_{0}, \ldots
%    \hat{v}_{i}, \ldots , v_{q})$ exakt.
%\end{Lemma}
%\begin{Bemerkungl}
%Dieser Komplex ist kanonisch isomorph zu dem 
%um die Augmentation nach $\DZ$ 
%erweiterten Komplex 
%der simplizialsingul"aren Ketten ${\op{S}}^{\op{s}}\Delta (E)$ 
%des Simplex $\Delta (E)$ mit Ecken $E$, daher die Bezeichnung.
%Die Aussage ist eine Variante von \ref{HKHKk}, wo eine analoge Aussage 
%f"ur einen augmentierten  Komplex von angeordneten simplizialsingul"aren Ketten
%gezeigt wird. Eine \glqq duale\grqq\  Aussage \glqq mit Koeffizienten\grqq\  zeigen wir in 
%\eref{VAK}{TG}. In \ref{VSZ} zeigen wir, da"s unser voller Simplex $\Delta(E)$
%sogar zusammenziehbar ist. 
%\end{Bemerkungl}

%\begin{proof}
%Halten wir eine Ecke $v \in E$ fest und definieren
%$\delta : \Bbb{Z} E^{q} \ra \Bbb{Z} E^{q+1}$
%durch die Vorschrift
%$\delta (v_{0}, \dots , v_{q}) = (v,v_{0}, \ldots v_{q})$, 
%so pr"uft man leicht
%an jeder Stelle $\partial \delta + \delta \partial = \op{id}$.  
%Also ist unser Komplex sogar nullhomotop.
%\end{proof}



\begin{Korollar}
Ist $\cal{K}$ ein Simplizialkomplex, so
ben"otigt man 
f"ur die $q$-te Homologie seiner Realisierung 
nicht mehr Erzeuger, als es in unserem Simplizialkomplex 
$q$-Simplizes gibt. In Formeln kann  die Gruppe
${\op{H}}_{q}(\Delta(\cal{K}))$  also 
stets durch  $|\cal{K}_{q}|$ Elemente erzeugt werden. 
\end{Korollar}
\begin{Bemerkunge}
  Ist $\cal{K}_{q}$ unendlich, so gilt sogar feiner, da"s die Kardinalit"at von ${\op{H}}_{q}(\Delta(\cal{K}))$  kleinergleich der Kardinalit"at von $\cal{K}_{q}$ ist.
  Der Beweis bleibt mutatis mutandis derselbe, es werden jedoch Grundkenntnisse
  zu Kardinalit"aten ben"otigt, wie sie etwa in \eref{DiKa}{AL} ausgef"uhrt werden.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}
Hierzu braucht man au"ser \ref{SH} nur noch erinnern, 
da"s man nach \eref{ee}{LA2} f"ur eine Untergruppe einer 
endlich erzeugten abelschen Gruppe
h"ochstens soviel Erzeuger ben"otigt wie f"ur die urspr"ungliche 
Gruppe.
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Wenn wir Homologie mit Koeffizienten betrachten wie in 
\ref{HomK}, so bleiben alle bisherigen Resultate 
und Beweise mit den hoffentlich offensichtlichen Modifikationen
g"ultig, insbesondere auch Satz \ref{SH} "uber die
Beziehung zwischen singul"arer und simplizialer Homologie.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}\label{DEch}
F"ur einen beliebigen topologischen Raum $X$ setzt man
$$b_{q}(X) \pdef\dim_{\DQ}{\op{H}}_{q}(X;\DQ)\in \DN \amalg\{\infty\} $$
 und nennt diese Zahl
die {\bf $q$-te} \defind{Betti-Zahl} von $X$. 
Sind alle Betti-Zahlen endlich und verschwinden sie f"ur $q\gg 0$, 
so hei"st ihre alternierende Summe
$$\chi (X) \pdef\sum (-1)^{q}b_{q}(X)\in\Bbb{Z}$$ die 
{\bf Euler-Charakteristik}\index{Eulercharakteristik!eines topologischen Raums}
von $X$ und wir sagen, unser Raum \glqq habe eine
wohldefinierte  
Eulercharakteristik\grqq.\index{chi@$\chi (X)$ Eulercharakteristik von $X$} 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}\label{EuCh}
Wir haben $\chi (X) = |X|$ f"ur jeden endlichen diskreten Raum $X$ mit
$|X|$ Punkten.
Es ist auch f"ur allgemeinere R"aume oft sinnvoll, $\chi (X)$ als eine
Verallgemeinerung der \glqq Zahl der Punkte von $X$\grqq\  aufzufassen. 
Eine m"ogliche Begr"undung wird in \ref{ADEC} skizziert,
eine weitere in \ref{DKP} in Gestalt der 
Formel $\chi(X\times Y)=\chi(X)\chi(Y)$.  
Wir schreiben bei einem beliebigen 
K"orper\index{chi@$\chi (X;k)$ Eulercharakteristik} 
$$\chi (X;k)\pdef\sum (-1)^{q}\dim_{k}{\op{H}}_{q}(X;k)$$
 wann immer 
dieser Ausdruck sinnvoll ist, als da hei"st, wann immer alle Summanden
endlich sind und fast alle Summanden verschwinden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Korollar}[\textbf{Eulercharakteristik von
Simplizialkomplexen}]
 Die
Euler\-cha\-rak\-teristik der Realisierung  
 eines endlichen Simplizialkomplexes  $\cal{K}$ 
wird f"ur jeden K"orper $k$ gegeben durch die 
der Zahl der Simplizes gerader Dimension abz"uglich der
Zahl der Simplizes ungerader Dimension, in Formeln
$$\chi(\Delta(\cal{K});k) = \sum (-1)^{q}|\cal{K}_{q}|$$
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Wir wenden das anschlie"sende Lemma \ref{EuK}
auf den Komplex ${\op{S}}(\cal{K};k)$ der 
Simplizialketten mit Koeffizienten in $k$ an,  dessen Homologie ja nach
\ref{SH} genau die Homologie von $\Delta(\cal{K})$ mit Koeffizienten
in $k$ ist.
\end{proof}
\begin{Lemma}\label{EuK}
Ist $A$ ein Komplex endlichdimensionaler $k$-Vektorr"aume und
verschwinden von den $A_{i}$
alle bis auf endlich viele, so gilt
$$\sum (-1)^{i}\dim_{k}A_{i} = \sum (-1)^{i}\dim_{k}
\cal{H}_{i}A$$
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Man nennt die linke Seite hier auch die {\bf
    Eulercharakteristik}\index{Eulercharakteristik!eines Kettenkomplexes} des
  Kettenkomplexes $A$. Die Gleichung besagt damit in Worten, 
da"s ein Kettenkomplex
  dieselbe Eulercharakteristik hat wie seine Homologie.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
  Das folgt sofort aus den Gleichungen
  \begin{equation*}
\begin{array}[b]{lll}
  \dim A_{i}&=&\dim (\ker\partial_{i})+\dim (\op{im} \partial_{i})\\[2mm]
  \dim \cal{H}_{i}A &=& \dim (\ker\partial_{i})-\dim(\op{im}\partial_{i+1})
\end{array}
\qedhere\end{equation*}
\end{proof}


\begin{Korollar}[\defind{Euler'scher Polyedersatz}]
Ist $\Delta(\cal{F})\sira S^2$ eine Triangulierung der Kugelschale,
so gilt $|\cal{F}_0|-|\cal{F}_1|+|\cal{F}_2|=2$ oder salopp gesagt
$$|\text{Ecken}|-|\text{Kanten}|+|\text{Fl"achen}|=2$$
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
  Da"s die Sph"are nicht zu einem Simplizialkomplex mit Simplizes einer
  Dimension mehr als Zwei hom"oomorph sein kann, folgt zum Beispiel daraus,
  da"s in unserer Sph"are das Komplement jeder zweielementigen Teilmenge eine  nichttriviale Fundamentalgruppe hat.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Das vorhergehende
Resultat von Euler, ein Vorl"aufer der
Homologietheorie, hat der Euler-Charakteristik ihren
Namen gegeben. Man folgert es auch allgemeiner 
f"ur in geeigneter Weise definierte \glqq polyedrische\grqq\  Zerlegungen
der Kugelschale wie sie etwa die platonischen K"orper liefern,
indem man derartige polyedrische Zerlegungen zu
Triangulierungen verfeinert. Zum Beispiel hat ein W"urfel
$6$ Fl"achen, $12$ Kanten und $8$ Ecken, und in der Tat gilt
$6-12+8=2$. 
\end{Bemerkungl}

\subsubsection*{"Ubungen} 
 \begin{Ubung}\label{EEHH}
    Gegeben $K \subset U \co \mathbb R^n$ eine kompakte Teilmenge in einer offenen 
Teilmenge eines $\DR^n$ 
    zeige man, da"s f"ur alle $q$ das Bild der auf der Homologie induzierten
    Abbildung $\mathrm H_q K \rightarrow \mathrm H_q U$ 
endlich erzeugt ist. Ebenso zeige man,
    da"s das Bild von 
$\mathrm H_q (\mathbb R^n, \mathbb R^n \backslash U) \rightarrow
    \mathrm H_q (\mathbb R^n, \mathbb R^n \backslash K)$ endlich erzeugt ist.
  Hinweis: Indem man einen vollen Simplex, der $K$ umfa"st, hinreichend
    oft baryzentrisch 
unterteilt, erh"alt man ein Sandwich $K \subset S \subset U$ mit $S$
    hom"oomorph zum Polyeder eines endlichen Simplizialkomplexes. 
So folgt bereits die erste Aussage.
Ein Beweis einer etwas allgemeineren Aussage wird in \ref{EEHHb} skizziert. 
  \end{Ubung}
\begin{Ubunge}[\textbf{Endlichkeitsaussagen f"ur Simplizialkomplexe}] 
Sei $X$ die Realisierung eines lokal
 endlichen Simplizialkomplexes.
 Gegeben $K \subset U \co  X$ eine kompakte Teilmenge in einer offenen 
Teilmenge von $X$\label{EEHHb}  
  zeige man, da"s das Bild der auf der Homologie induzierten
    Abbildung $\mathrm H_q K \rightarrow \mathrm H_q U$ 
f"ur alle $q$ endlich erzeugt ist. Ebenso zeige man,
    da"s das Bild von 
$\mathrm H_q (X, X \backslash U) \rightarrow
    \mathrm H_q (X, X \backslash K)$ f"ur alle $q$ endlich erzeugt ist.
In der Tat ist nach \eref{CWS}{TF} jedes Kompaktum $K\subset X$ 
enthalten in einer 
Vereinigung endlich  vieler Simplizes und trifft folglich
auch nur endlich viele Simplizes. Auf jedem dieser von $K$ getroffenen 
Simplizes hat der Schnitt mit unserem
Kompaktum  einen positiven
Abstand zum Schnitt mit dem Komplement von $U$.  
Indem wir baryzentrisch unterteilen, k"onnen wir also annehmen,
da"s es einen Unterkomplex $\mathcal L\subset \mathcal K$ gibt
mit $X\backslash K\subset\Delta(\mathcal L)\subset X\backslash U$ und
der Eigenschaft, da"s nur h"ochstens endlich viele Simplizes von 
$\mathcal L$ nicht zu $\mathcal K$ geh"oren. Dann aber 
zeigt \ref{SH}, da"s die relative 
Homologie ${\op{H}}_q(\Delta(\mathcal K),\Delta(\mathcal L))$ 
endlich erzeugt ist f"ur alle $q$. 
\end{Ubunge}
\begin{Ubung}
  Man bestimme die Eulercharakteristik des Torus $S^1\times S^1$.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{ADEC}
Ein topologischer Raum $X$ werde von zwei offenen Teilmengen "uberdeckt,
$X=U\cup V$,  
und beide sowie ihr Schnitt m"ogen 
im Sinne von \ref{DEch} 
eine wohldefinierte 
Eulercharakteristik besitzen. Man zeige, da"s dann auch der urspr"ungliche
Raum eine wohldefinierte 
Eulercharakteristik besitzt und da"s gilt
$$\chi(X)=\chi(U)+\chi(V)-\chi(U\cap V)$$ 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Eulercharakteristik einer endlichen "Uberlagerung}] 
  Ist $Y=\Delta(\mathcal K)$ die geometrische Realisierung eines
  endlichen Simplizialkomplexes und
  $X\ra Y$ eine endliche "Uberlagerung mit $m$ Bl"attern, so gilt 
  $$\chi(X)=m\chi(Y)$$  
\end{Ubung}
\subsection{Fixpunkts"atze und simpliziale Approximation} 
\begin{Lemma}[\textbf{Spur als Spur auf der Homologie}] 
  Seien $k$ ein K"orper, $A$ ein Komplex endlichdimensionaler $k$-Vek\-tor\-r"au\-me und
$\varphi:A\ra A$ ein Endomorphismus\label{EuKt} 
von  $A$. Verschwinden von den $A_{i}$
alle bis auf endlich viele, so gilt f"ur die Spuren
$$\sum (-1)^{i}\op{tr}(\varphi|A_{i}) 
= \sum (-1)^{i}\op{tr}(\varphi|
\cal{H}_{i}A)$$
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
Der "Ubersichtlichkeit halber haben wir die von $\varphi$ auf den 
$A_i$ und den $\cal{H}_{i}A$ induzierten Abbildungen auch kurzerhand
$\varphi$ notiert.
Ist $\varphi$ die Identit"at, so erhalten wir 
zumindest im Fall eines K"orpers $k$ der Charakteristik Null unser Lemma
\ref{EuK} als Spezialfall. Ich nenne die alternierende Summe der
Spuren des Endomorphismus $\varphi$ eines endlichdimensionalen
$\DZ$-graduierten Vektorraums seine {\bf Superspur}\index{Superspur}
und notiere sie\index{str@$\op{str}$ Superspur}
$$\op{str}(\varphi|A)\pdef \sum (-1)^{i}\op{tr}(\varphi|A_{i}) $$
In \eref{Str}{TSK} erkl"aren wir allgemeiner die Superspur f"ur beliebige,
nicht notwendig die Graduierung erhaltende Endomorphismen
$\DZ$-graduierter Vektorr"aume.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungw} In \eref{Str}{TSK} erkl"aren wir allgemeiner die 
  $\DZ$-wertige Spur von Endomorphismen von Komplexen abelscher Gruppen mit endlich erzeugter
  totaler Homologie und zeigen in \eref{starrH}{TSK}, da"s sie mit\label{zWs} 
  \glqq derivierter\grqq\  Erweiterung der Skalare vertr"aglich ist.
\end{Bemerkungw}
\begin{proof}
  Das folgt sofort aus den Gleichungen
$$\begin{array}{ll}
  \op{tr}(\varphi|A_{i})&=
\op{tr}(\varphi|\ker\partial_{i})+\op{tr}(\varphi|\op{im} \partial_{i})\\[2mm]
  \op{tr}(\varphi| \cal{H}_{i}A) &= 
\op{tr}(\varphi|\ker\partial_{i})-\op{tr}(\varphi|\op{im}\partial_{i+1})
\end{array}$$
Diese hinwiederum  folgert man aus der Additivit"at der Spur
\eref{trad}{LA2}.
\end{proof}


\begin{Satz}[\textbf{Simplizialer Fixpunktsatz}]\index{Fixpunktsatz!simplizialer}
Sei $\varphi : (E, \cal{K}) \rightarrow (E, \cal{K})$ eine simpliziale
Selbstabbildung eines endlichen Simplizialkomplexes mit
$\varphi (s) \neq s$ f"ur alle Simplizes $s\in\mathcal K$ 
mit mindesten zwei\label{SfS} 
Ecken.
So gilt f"ur die Zahl der Fixpunkte von $\varphi$
und Homologie mit Koeffizienten in einem beliebigen K"orper die Formel
\begin{equation*}
| E^\varphi| = \sum (-1)^i \op{tr} ({\op{H}}_i\varphi | {\op{H}}_i \cal{K})
\end{equation*}
\end{Satz}
\begin{proof}
Beide Seiten stimmen aufgrund von Lemma \ref{EuKt} und aufgrund unserer 
Annahmen
"uberein mit $\sum (-1)^i \op{tr} ({\op{S}}_i\varphi | {\op{S}}_i \cal{K})$. 
\end{proof}
\begin{Bemerkungw} Mit der $\DZ$-wertigen Spur \eref{Str}{TSK} gilt die
  Identit"at aus dem Beweis $| E^\varphi| =\sum (-1)^i \op{tr} ({\op{S}}_i\varphi | {\op{S}}_i \cal{K})$ sogar in $\DZ$.\label{SFS}  
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}
  Ich finde an diesem Satz bemerkenswert, da"s er ohne
  \glqq Fixpunktindizes\grqq\ auskommt. Vielmehr erzwingen die Bedingungen
  des Satzes,
  da"s diese Fix\-punkt\-in\-di\-zes im Fall einer kompakten orientierten
  triangulierten Mannigfaltigkeit und f"ur Abbildungen dieser speziellen
  Natur 
  alle Eins sein m"ussen. Eine partielle
  Verallgemeinerung auf den Fall stetiger nicht notwendig
  simplizialer Abbildungen zeigen wir als \ref{LeFi}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}\label{bUS}
  Gegeben ein Simplizialkomplex $\mathcal K = (E, \mathcal K)$ 
  %im Sinne von \eref{SKk}{TF}
  erkl"aren wir zu jedem Element seiner Realisierung $z\in \Delta(\mathcal K)$ dessen {\bf Tr"ager}\index{Tr"ager!bei Simplizialkomplex} $\op{supp}z\in \mathcal K$ als
  den Tr"ager von $z$ in seiner Eigenschaft als Abbildung $z:E\ra\DR_{\geq 0}$
  oder gleichbedeutend als 
  das kleinste $\sigma\in \mathcal K$ mit $z\in\Delta(\sigma)$.
  Gegeben ein Simplex  $\sigma\in \mathcal K$ erkl"aren wir
  dessen {\bf offenen Stern}\index{Stern, offener} ${\op{St}}(\sigma)\co \Delta(\mathcal K)$ als die
  Teilmenge $${\op{St}}(\sigma)\pdef \{z\in \Delta(\mathcal K)\mid \sigma \subset \op{supp}z \}$$
  Der Leser mag zur "Ubung zeigen, da"s sie in der Tat offen ist.
  Offensichtlich gilt f"ur beliebiges $z \in \Delta (\mathcal K)$
   auch umgekehrt $\op{supp}z = \{q \in \mathcal K_0\mid z \in \op{St}(q)\}$.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildbary}\\[4mm]
\noindent 
Ein Simplizialkomplex und gestrichelt eingezeichnet seine
baryzentrische Unterteilung. Die Ecken der baryzentrischen Unterteilung
mag man sich denken als die Schwerpunkte der nichtleeren Simplizes des 
urspr"unglichen Simplizialkomplexes, die Simplizes 
der baryzentrischen Unterteilung entsprechen den endlichen Ketten
in der teilgeordneten Menge der urspr"unglichen Simplizes.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}\label{bU}
  Gegeben ein Simplizialkomplex $\mathcal K = (E, \mathcal K)$ 
 erkl"aren wir
  einen neuen Simplizialkomplex, seine {\bf baryzentrische
    Unterteilung}\index{baryzentrische Unterteilung}
  $${\op{B}}\mathcal K=\check{\mathcal K} =
  (\check{E}, \check{\mathcal K})$$ Als Ecken nehmen wir alle
   Simplizes des urspr"unglichen Komplexes, in Formeln $\check{E} \pdef
   \mathcal K $.  Als Simplizes
  nehmen wir alle endlichen Ketten in der Menge
  $\check{E}$ f"ur die Inklusionsrelation,
also alle bez"uglich Inklusion total geordneten 
endlichen Teilmengen.  Man
  erh"alt  einen ausgezeichneten Hom"oomorphismus zwischen ihren Realisierungen
  \begin{equation*}
    u:
    \Delta (\check{\mathcal K}) \sira  \Delta (\mathcal K)
  \end{equation*}
  durch die Vorschrift, da"s jede Ecke $s \in \check E\subset \mathcal K$ auf
  den Schwerpunkt des vollen Simplex $\Delta (s) \subset \Delta (\mathcal
  K) $ abgebildet wird und  jeder volle Simplex von $\Delta
  (\check K)$ affin in denjenigen vollen Simplex von $\Delta (\mathcal K)$,
  der seiner gr"o"sten Ecke entspricht. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Auf der baryzentrischen Unterteilung $\check{\mathcal K}$
  eines Simplizialkomplexes $\mathcal K$ liefert die umgekehrte In\-klu\-sions\-re\-la\-tion von
  $\mathcal K$ stets eine simpliziale Teilordnung, seine
  {\bf nat"urliche simpliziale Teilordnung}.\index{simpliziale Teilordnung!nat"urliche} Wir kehren hier die Inklusionsrelation um, damit
  unsere Unterteilungsoperatoren
   ${\op{U}}_q:{\op{S}}_q\Delta(\mathcal K)\ra{\op{S}}_q\Delta(\mathcal K)$ aus \ref{DUO} Abbildungen\label{Utos} 
  $${\op{U}}_q:{\op{S}}^{\op{s}}_q\Delta(\mathcal K)\ra
  {\op{S}}_qu ({\op{S}}^{\op{os}}_q\Delta(\check{\mathcal K}))$$
  induzieren f"ur die  in Bezug auf die nat"urliche Teilordnung
  zu verstehenden ordnungsvertr"aglichen simplizialsingul"aren Ketten
  der baryzentrischen Unterteilung.
  Das hinwiederum zeigen wir dann durch Induktion "uber $q$. Gegeben ein
  festes $q$ folgt es offensichtlich f"ur jeden beliebigen Simplizialkomplex,
  wenn wir es f"ur einen vollen $q$-Simplex zeigen. Unsere induktive
  Definition der Unterteilungsoperatoren ${\op{U}}_{q} (\tau_{q})= {\op{P}}^{s(q)} {\op{U}}_{q-1} (\partial \tau_{q})$ mit ${\op{P}}^{s(q)}$ dem Prismenoperator bez"uglich des Schwerpunkts
  zeigt dann induktiv die Behauptung, da ja unser im Beweis von
  \ref{Kon} erkl"arter Prismenoperator die zus"atzliche Ecke
  als erste Ecke davorschreibt.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Simpliziale Approximation}]\label{SiAp}
Seien $\mathcal K , \mathcal L$ endliche Simplizialkomplexe und $f : \Delta (\mathcal K) \rightarrow
\Delta (\mathcal L)$ stetig. So gibt es $n \in \mathbb N$ derart,
da"s f"ur das Vorschalten des Hom"oomorphismus
$u^n: \Delta({\op{B}}^n \mathcal K)\sira \Delta (\mathcal K)$ aus der $n$-fachen baryzentrischen Unterteilung eine simpliziale Abbildung
$$\varphi : ({\op{B}}^n \mathcal K)_0 \rightarrow
\mathcal L_0$$ existiert
mit der Eigenschaft, da"s f"ur alle $z \in \Delta ({\op{B}}^n \mathcal K)$ die beiden Punkte $f (u^n (z))$ und
$(\Delta \varphi)(z)$ in einem gemeinsamen vollen Simplex von $\Delta(\mathcal L)$ liegen.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Unser $\varphi$ hei"st eine \defind{simpliziale Approximation} von $f$.
Offensichtlich ist in dieser Sitution $\Delta (\varphi)$ homotop zu
$fu^n$ 
vermittels der Homotopie
\begin{equation*}
h (z,t) = t (\Delta\varphi)(z) + (1-t) f (u^n (z))
\end{equation*}
Hierbei sind die Formeln auf der rechten Seite zu verstehen in dem gro"sen Vektorraum, in dem
wir unsere geometrische Realisierung von $\mathcal L$ als Teilmenge konstruiert
hatten. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Die schmutzige Anschauung}] 
 Die simpliziale Approximation an einen Hom"oomorphismus
 wird im allgemeinen keineswegs ein Isomorphismus sein, sondern vielmehr
 salopp gesprochen in etwa so aussehen, da"s einige wenige  klitzekleine  Simplizes
  der entsprechenden mehrfachen baryzentrischen Unterteilung
  bijektiv stark vergr"o"sert auf  Simplizes
  des Zielkomplexes
  abgebildet
  werden, wohingegen die meisten dieser  klitzekleinen
  Simplizes zu Simplizes
  kleinerer Dimension zusammengedr"uckt werden. Ich bitte darum,
  diese anschauliche Beschreibung eines typischen Falls
  nicht als mathematische Aussage mi"szuverstehen.
\end{Bemerkungl}
  

\begin{proof}
  Mithilfe des "Uberdeckungssatzes von Lebesgue, angewandt auf das Kompaktum
  $\Delta(\mathcal K)\subset \DR^{\mathcal K_0}$, finden wir $n \in \mathbb N$ und eine Abbildung auf den
Ecken $\varphi : ({\op{B}}^n \mathcal K)_0 \rightarrow \mathcal L_0 $
mit $f (\op{St} (q)) \subset \op{St}(\varphi (q))$
f"ur alle $q \in ({\op{B}}^n \mathcal K)_0$.
Wir zeigen, da"s dies $\varphi$ die gesuchte simpliziale Approximation ist.
In der Tat gilt f"ur beliebiges $z \in \Delta ({\op{B}}^n\mathcal K)$ ja $\op{supp}z = \{q\in ({\op{B}}^n \mathcal K)_0 \mid z \in \op{St}(q)\}$ und folglich
$\varphi (\op{supp} z) \subset \op{supp} f(z) $.
Da jeder Simplex von ${\op{B}}^n \mathcal K$ ein $\op{supp} z$ ist, mu"s $\varphi$ simplizial sein und es folgt weiter, da"s f"ur alle $z$
unser $(\Delta \varphi)(z)$ zum vollen Simplex $\Delta (\op{supp} f(z))$ geh"ort.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Erste Ann"aherung an den Lefschetz'schen Fixpunktsatz}]
  Gegeben ein endlicher Simplizialkomplex $\mathcal K$ und eine fixpunktfreie stetige Selbstabbildung $f$ seiner Realisierung $X \pdef \Delta (\mathcal K)$  gilt\label{LeFi} 
  f"ur jeden Koeffizientenk"orper $k$ die Identit"at
\begin{equation*}
0 = \sum_q (-1)^q \op{tr} \big({\op{H}}_q f | {\op{H}}_q (X;k)\big)
\end{equation*}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Fixpunkte von Selbstabbildungen von Sph"aren}]
  Nach \ref{LeFi} hat insbesondere
  jede stetige Selbstabbildung einer Sph"are gerader
  Dimension, die homotop ist zur Identit"at,
  mindestens einen Fixpunkt. 
  Induziert eine stetige Selbstabbildung einer $n$-Sph"are $S^n$ positiver Dimension $n>0$
  allgemeiner eine von der Multiplikation mit $(-1)^{n+1}$
verschiedene Abbildung auf der $n$-ten Homologiegruppe, hat sie also 
  in einer noch einzuf"uhrenden Terminologie einen  von $(-1)^{n+1}$ verschiedenen \glqq Abbildungsgrad\grqq,
  so hat sie mindestens einen Fixpunkt.  
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
  Indem wir auf $X$ die von einer Norm auf $ \mathbb R^{\mathcal K_0}$
  induzierte Metrik $d$
w"ahlen und dann hinreichend oft baryzentrisch unterteilen, d"urfen wir annehmen, da"s das Minimum von
$d(x,f(x))$ gr"o"ser ist als der Durchmesser jedes vollen Simplex.
F"ur jede simpliziale Approximation $\varphi : ({\op{B}}^n \mathcal K)_0 \rightarrow \mathcal K_0$
an $f$ gilt dann, da"s $\varphi$ keinen Simplex der $n$-fachen baryzentrischen Unterteilung eines Simplex $\sigma \in \mathcal K$ auf
$\sigma$ selbst wirft. Wir d"urfen dabei auch $n\geq 1$ annehmen.
Jetzt  betrachten wir im Komplex ${\op{S}}X$ der singul"aren Ketten von $X$ den Unterkomplex ${\op{S}}^{\op{s}}
X$ der  simplizialsingul"aren Ketten
und  das Bild $${\op{S}}^{\op{os},n} X \subset {\op{S}}X$$ des Komplexes ${\op{S}}^{\op{os}} \Delta ({\op{B}}^n \mathcal K)$ der orientierungsvertr"aglichen simplizialsingul"aren Ketten  der $n$-fachen baryzentrischen Unterteilung unter
dem nat"urlichen Ho\-m"oo\-mor\-phis\-mus $u^n:\Delta ({\op{B}}^n \mathcal K) \sira \Delta (\mathcal K)$.
So erhalten wir mit unseren Unterteilungsoperatoren  ${\op{U}}$ aus \ref{DUO} nach \ref{Utos} ein kommutatives Diagramm von Kettenkomplexen
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccccc}
{\op{S}}^{\op{os},n} X &{\longrightarrow} & {\op{S}}^{\op{s}} X  & \overset{{\op{U}}^n}{\longrightarrow} &{\op{S}}^{\op{os},n} X \\
\bigcap & &\bigcap & &\bigcap\\
{\op{S}}X &\overset{{\op{S}}\varphi}{\longrightarrow} & {\op{S}}X &\overset{{\op{U}}^n}{\longrightarrow }& {\op{S}}X
\end{array}
\end{displaymath}
Seine Vertikalen induzieren nach unserem Vergleichssatz \ref{SH}
zusammen mit \ref{SSES} Isomorphismen auf der Homologie.
Die Verkn"upfung in der oberen Horizontale hat nun  Spur Null in jedem Grad, denn ihre
Matrix in der durch die orientierungsvertr"aglichen
simplizialsingul"aren Simplizes
gegebenen Basis hat nur Eintr"age Null auf der Diagonalen, da unsere simpliziale Approximation keinen Simplex
aus der $n$-fachen baryzentrischen Unterteilung eines Simplex $\sigma$
auf $\sigma$ selbst wirft.
Nach \ref{EuKt} induziert dann die Verkn"upfung in der oberen Horizontale
auch auf der Homologie eine Abbildung mit Superspur Null. Dasselbe folgt
erst f"ur die Verkn"upfung in der unteren
Horizontale und dann wegen ${\op{H}} {\op{U}}^n = \op{id}$ auch f"ur ${\op{H}}\varphi = {\op{H}} f$.
\end{proof}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}
  Jede stetige Selbstabbildung der reellen projektiven
  Ebene hat einen Fixpunkt. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Man folgere den  Fixpunktsatz von Brouwer aus dem  Fixpunktsatz
  von Lefschetz.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Nullstellenfreie glatte Vektorfelder und Eulercharakteristik}] 
  Besitzt eine glatte kompakte Mannigfaltigkeit ein glattes nirgends
  verschwindendes Vektorfeld, so ist ihre Euler-Charakteristik Null.
  Hinweis: Man verwende, da"s jede glatte kompakte Mannigfaltigkeit triangulierbar ist und f"ur jedes glatte nirgends
  verschwindende Vektorfeld darauf sein \glqq Flu"s f"ur ein hinreichend kleines
  positives Zeitintervall\grqq\ eine fixpunktfreie stetige
  Selbstabbildung ist. 
\end{Ubung}
\begin{Bemerkungw}
  Das gilt genauso f"ur stetige Vektorfelder, mu"s dann aber anders
  bewiesen werden.
\end{Bemerkungw}

\subsection{Einbettungen von Sph"aren in Sph"aren}
\begin{Bemerkungl}
Im folgenden ist die $(-1)$-Sph"are wie in \eref{Grundt}{TF} als die leere Menge zu
verstehen, in Formeln $S^{-1}=\emptyset$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\defnoind{Jordan-Brouwer}\index{Jordan-Brouwer!Satz von}]
Seien $n,r\geq -1$ und sei $s^{r} \subset S^{n}$ eine Teilmenge der
$n$-Sph"are, die\label{JoB}
hom"oomorph ist zur $r$-Sph"are $S^{r}$.  So haben wir:
$$\begin{array}{ll}
r > n&\text{Unm"oglich;}\\
r = n&\text{Impliziert $S^{n}=s^{r}$;}\\
r = n-1&\text{Dann hat $S^{n}
\backslash s^{r}$ genau zwei Zusammenhangskomponenten, }\\
& \text{und der Rand jeder dieser beiden Komponenten ist
$s^{r}$;}\\
r \leq n-2
&\text{Dann ist
$S^{n}\backslash s^{r}$ zusammenh"angend.}
\end{array}$$
\end{Satz}

\begin{Bemerkungw}\label{VVV}
Im Rahmen der Garbentheorie werden wir in \eref{JoBn}{TG} einen
alternativen Beweis  geben, der mir besonders nat"urlich scheint.
Der elementarere
Beweis hier wird uns bis zum Ende dieses Abschnitts besch"aftigen.
Im Fall $r=n-1$ 
induziert f"ur eine zweipunktige
Teilmenge $Z$ bestehend aus einem Punkt in jeder Komponente
des Komplements $S^{n}\backslash s^{n-1}$
die Einbettung $s^{n-1} \hra  S^{n}
\backslash Z$ einen Isomorphismus auf der Homologie. 
Im Fall $n=2$ folgt das etwa aus unseren Erkenntnissen zu Umlaufzahlen kreuzungsfreier Wege in
\eref{InWW}{TF}. Im allgemeinen zeigen wir es erst als "Ubung \eref{KGDb}{TG}.
\end{Bemerkungw}
\begin{Bemerkungl}Als Vorbereitung auf den Beweis beginnen wir mit einer
Diskussion der sogenannten \glqq reduzierten Homologie\grqq.
Diese Variante der Homologie hilft auch sonst 
oft, Sonderbetrachtungen im Grad Null zu vermeiden.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
F"ur jeden topologischen Raum $X$ kann man den Komplex ${\op{S}} X$
der singul"aren Ketten verl"angern  zum sogenannten
{\bf augmentierten Komplex}\index{augmentiert!Komplex} 
 $\tilde{{\op{S}}}X$
mit $\tilde{{\op{S}}}_{q} X \pdef{\op{S}}_{q}X$ f"ur $q\neq -1$ und 
$\tilde{{\op{S}}}_{-1}X \pdef \Bbb{Z}$,  wobei der zus"atzlich ben"otigte 
 Rand\-operator
$\partial_{0} : \tilde{{\op{S}}}_{0}X \ra \tilde{{\op{S}}}_{-1}X$ 
gegeben wird durch
die sogenannte {\bf Augmentation}\index{Augmentation}\label{AUG}  
$\partial_{0}=\epsilon:\sum
n_{x} x \mapsto \sum n_{x}$. 
Offensichtlich erhalten wir so wieder einen Funktor
$$\tilde{{\op{S}}}:\op{Top}
\ra \op{Ket}$$ von der Kategorie der topologischen R"aume in die Kategorie der
Kettenkomplexe. Wir definieren dann die {\bf reduzierten
Homologiegruppen\index{reduzierte Homologiegruppen} $\tilde{{\op{H}}}_{q}(X)$ von} $X$
als die Homologiegruppen unseres augmentierten Komplexes und setzen also 
in Formeln\index{H@$\tilde{{\op{H}}}_{q}$ reduzierte Homologiegruppen}
$$\tilde{{\op{H}}}_{q}(X) \pdef \cal{H}_{q}
(\tilde{{\op{S}}}X)$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verschiedene Konventionen zur reduzierten Homologie}]
  Die vorstehende
 Definition weicht im Fall $X=\emptyset$ von der in
der Literatur gebr"auchlichen Konvention ab, bei der, so
will es mir scheinen,  das Widerstreben
gegen"uber  Homologie in negativen Graden die Oberhand gewonnen hat 
"uber das Streben nach Klarheit des Formalismus.
 \end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Beziehung zwischen gew"ohnlicher und  reduzierter
Homologie}]
F"ur $X\neq \emptyset$  gilt\label{RHSp}
  $\tilde{{\op{H}}}_{q}(X)=0$ f"ur $q<0$, 
f"ur die leere Menge erhalten wir jedoch
$\tilde{{\op{H}}}_{-1}(\emptyset) =\Bbb{Z}$.   
Gegeben eine abelsche Gruppe $G$ bezeichne ganz allgemein
$G[q]$ den Komplex mit $G$ im Grad $q$ und Nullen sonst.
Speziell meint also  
$\Bbb{Z} [-1]$ den Komplex mit $\Bbb{Z}$ im Grad $-1$ und
Nullen sonst. Wir haben eine
kurze exakte Sequenz von Komplexen $\Bbb{Z} [-1]\hookrightarrow
\tilde{{\op{S}}}X \twoheadrightarrow {\op{S}}X$. 
Mit der zugeh"origen
langen Homologiesequenz erhalten wir ${\op{H}}_{q}X =
\tilde{{\op{H}}}_{q} X$ f"ur $q>0$ und im Fall $X\neq\emptyset$
eine kurze exakte Sequenz $\tilde{{\op{H}}}_{0}X \hra {\op{H}}_{0} X\sra \Bbb{Z}$, 
mithin nach \ref{fsp} und \ref{spalt}
einen allerdings nicht kanonischen Isomorphismus
${\op{H}}_{0} X \cong \tilde{{\op{H}}}_{0}X \oplus \Bbb{Z}$. 
Es gilt also $\tilde{{\op{H}}}_{0}X = 0$ genau dann, wenn $X$ leer oder
wegzusammenh"angend ist,
und die reduzierte Homologie von Sph"aren wird
f"ur alle $n\geq -1$ gegeben durch
$$\begin{array}{ccl}
\tilde{{\op{H}}}_{q}(S^{n})&\cong & \left\{\begin{array}{cl} \Bbb{Z} & n=q;\\ 0&
\text{sonst.} \end{array}\right. \end{array}$$
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Lange exakte Homologiesequenz f"ur die reduzierte Homologie}]
F"ur ein Raumpaar $(X,A)$ folgt aus der kurzen
exakten Sequenz von Kettenkomplexen $\tilde{{\op{S}}}A \hookrightarrow
\tilde{{\op{S}}}X \twoheadrightarrow \tilde{{\op{S}}}X/\tilde{{\op{S}}}A$
auch eine lange exakte Sequenz 
 $$\ldots \ra \tilde{\op{H}}_{q+1}(X,A)\ra  \tilde{\op{H}}_{q}(A) 
\ra \tilde{\op{H}}_{q}(X) \ra \tilde{\op{H}}_{q}(X,A)
\ra \tilde{\op{H}}_{q-1}(A) \ra  \ldots$$
f"ur Raumpaare
in der reduzierten
Homologie, wobei nat"urlich gilt 
$\tilde{{\op{S}}}X/\tilde{{\op{S}}}A = {\op{S}}X /{\op{S}}A$
und  folglich $\tilde{{\op{H}}}_{q}(X,A) = {\op{H}}_{q}(X,A)$.  
F"ur jeden Punkt $p\in X$ erhalten wir so insbesondere 
einen kanonischen Isomorphismus 
$ \tilde{\op{H}}_{q}(X) \ra {\op{H}}_{q}(X,p)$. 
Homotope Abbildungen $f,g: X \ra Y$ induzieren
auch auf der reduzierten Homologie dieselben Abbildungen:
Um das zu sehen reicht es, unsere
Kettenhomotopie ${\op{S}} f \simeq {\op{S}} g$ 
durch Null auf $\tilde{{\op{S}}}_{-1}
X = \Bbb{Z}$ fortzusetzen.
Die Mayer-Vietoris-Sequenz und ihr Beweis "ubertragen sich ebenso ohne
Schwierigkeiten
in die reduzierte Homologie.
Der folgende Beweis ist eine erste
Illustration f"ur die N"utzlicheit der reduzierten Homologie.  
\end{Bemerkungl}



\begin{Proposition}
Gegeben eine stetige Einbettung eines Hyperkubus in eine Sph"are beliebiger\label{FP} 
Dimension verschwinden die reduzierten Homologiegruppen des Komplements 
des Bildes in allen Graden.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Seien also in Formeln $r\geq 0$ und $\varphi :[0,1]^{r} \ra S^{n}$ eine stetige 
Injektion  mit Bild
$\op{im}\varphi
= \varphi ([0,1]^{r})$. 
Unsere Proposition behauptet  
$\tilde{{\op{H}}}_{q}(S^{n}\backslash \op{im}\varphi)=0$ f"ur alle $q$. 
Als stetige Injektion von einem Kompaktum in einen Hausdorffraum 
ist $\varphi$ nach \eref{QHK}{TM} ein Hom"oomorphismus auf sein Bild.
Da $S^{n}$ nie zusammenziehbar ist, folgt $S^{n}\neq \op{im} \varphi$. 
Wir k"onnen uns also auf $q\geq 0$ beschr"anken. Daf"ur machen  wir
eine Induktion "uber $r$ und geben dazu der Aussage der
Proposition den Namen $P (r)$. 
Nach Konvention ist $[0,1]^{0}$ ein Punkt und $S^{n} \backslash x$ ist
zusammenziehbar, ja sogar hom"oomorph zu $\DR^{n}$ f"ur alle $x \in S^{n}$. 
Das liefert unsere
Induktionsbasis $P (0)$. 
Sei nun  $P(r-1)$ bekannt,
sei $\varphi :[0,1]^{r} \ra S^{n}$ eine stetige Injektion und sei
$z\in \tilde{{\op{S}}}_{q}(S^{n}\backslash \op{im} \varphi)$ ein  $q$-Zykel, $q\geq 0$. 
Es gilt zu zeigen, da"s $z$ ein Rand ist.
F"ur $I \subset [0,1]$ setzen wir $$U_{I}\pdef S^{n} \backslash \varphi
(I\times [0,1]^{r-1})$$ und k"urzen $U_{\{t\}}=U_{t}$ ab.
Nach unserer Induktionsannahme $P(r-1)$ gibt es f"ur alle $t \in [0,1]$ ein
$w_{t} \in
{\op{S}}_{q+1} U_{t}$ mit $\partial w_{t} = z$. 
Mit Kompaktheitsargumenten folgt, da"s sogar gilt $w_{t} \in
{\op{S}}_{q+1}U_{B}$ f"ur eine geeignete Umgebung $B$ von $t$ in $[0,1]$. 
Mit zus"atzlichen Kompaktheitsargumenten gibt es dann eine Folge
$0=t_{0}<t_{1}<\ldots < t_{m}=1$ derart, da"s f"ur alle $i$ ein
$w_{i}\in {\op{S}}_{q+1}U_{[t_{i-1},t_{i}]}$ existiert mit
$\partial w_{i}=z$. 
Die Aussage $P(r)$ folgt nun mit Induktion "uber $i$,  wenn wir
noch die anschlie"sende Folgerung aus unserer Induktionsannahme
$P(r-1)$ bemerken.
\end{proof}
\begin{Lemma}
Sei $r\geq 1$ und es gelte $P(r-1)$.  
Sei $\varphi:[0,1]^{r} \ra S^{n}$ eine stetige Injektion.
Seien  $0\leq a <b<c\leq 1$.  
Gegeben Ketten $u\in {\op{S}}_{q+1}U_{[a,b]}$
und $v\in {\op{S}}_{q+1}U_{[b,c]}$ mit $\partial u=
\partial
v$  gibt es dann auch eine Kette $w \in {\op{S}}_{q+1}U_{[a,c]}$ mit $\partial
w=\partial u=
\partial
v$. 
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Sicher gilt
$$
U_{[a,b]}\cup U_{[b,c]} = U_{b}
\text{ und } U_{[a,b]}\cap U_{[b,c]} = U_{[a,c]}
$$
Die Mayer-Vietoris-Sequenz der reduzierten Homologie liefert uns nun
$$\tilde{{\op{H}}}_{q+1}U_{b} \ra \tilde{{\op{H}}}_{q}U_{[a,c]}\ra
\tilde{{\op{H}}}_{q}U_{[a,b]}
\oplus \tilde{{\op{H}}}_{q}U_{[b,c]}\ra \tilde{{\op{H}}}_{q}U_{b}$$
Da hier das rechte und linke Ende verschwindet nach $P(r-1)$,  steht
in der Mitte ein Isomorphismus. Schreiben wir also $\partial u=
\partial
v=z$,  so ist $z$ ein  Zykel in $\tilde{\op{S}}_{q}U_{[a,c]}$, 
der ein Rand wird in $\tilde{\op{S}}_{q}U_{[a,b]}\oplus 
\tilde{\op{S}}_{q}U_{[b,c]}$.  Also mu"s $z$ auch 
in $\tilde{\op{S}}_{q}U_{[a,c]}$ bereits ein Rand gewesen sein.
\end{proof}
\begin{Satz}[\textbf{Homologie des Komplements einer Sph"are in einer
    Sph"are}] 
Seien $r,n \geq -1$ und sei $s^{r}\subset S^{n}$ eine Teilmenge der
$n$-Sph"are, die\label{JBGG} 
hom"oo\-morph ist zur $r$-Sph"are $S^{r}$.  So gilt
$$\begin{array}{rcl}
\tilde{{\op{H}}}_{q}
(S^{n}\backslash s^{r})& \cong &\left\{\begin{array}{cl}\Bbb{Z}&  q = n-r-1;\\
0&\text{sonst.} \end{array}\right. \end{array}$$
\end{Satz}
%\begin{Bemerkungl}
%Einen alternativen und meines Erachtens
% besonders eleganten Beweis mit
%den Methoden der Garbenkohomologie geben wir in
% \eref{JBG}{TG}.
%\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis]
Wir machen wieder eine Induktion "uber $r$. 
F"ur $r=-1$ ist die Aussage schon aus \ref{RHSp} bekannt.
Ist nun $r\geq 0$,  so schreiben wir $s^{r} = s_{+} \cup s_{-}$ als Vereinigung
von zwei abgeschlossenen Hemisph"aren mit Schnitt
$s_{+}\cap s_{-}=s^{r-1}
\cong S^{r-1}$. 
Wir wenden die reduzierte Mayer-Vietoris-Sequenz an auf $X_{\pm} =
S^{n}\backslash s_{\pm}$,  es ist also $X_{+}\cup X_{-}= S^{n}\backslash  s^{r-1}$ und
$X_{+}\cap X_{-} = S^{n}\backslash s^{r} $ und wir erhalten mit
\ref{FP} Isomorphismen
$\tilde{{\op{H}}}_{q+1}(S^{n}\backslash s^{r-1}) \cong \tilde{{\op{H}}}_{q} (S^{n}\backslash s^{r})$ und von da ausgehend 
induktiv
$\tilde{{\op{H}}}_{q}(S^{n}\backslash s^{r})\cong \tilde{{\op{H}}}_{q+r+1}(S^{n}\backslash s^{-1})
= \tilde{{\op{H}}}_{q+r+1}(S^{n})$. 
\end{proof}
\begin{proof}[Beweis von Jordan-Brouwer \ref{JoB}]
Der Fall $r> n$ ist unm"oglich, da $\tilde{{\op{H}}}_{q}$ stets verschwindet
f"ur $q<-1$. 
Im Fall $r=n$ haben wir $S^{n}=s^{r}$,  denn
$\tilde{{\op{H}}}_{-1} (X) \neq 0$ bedeutet $X = \emptyset$. 
Im Fall $r\leq n-2$ haben wir $\tilde{{\op{H}}}_{0} (S^{n}\backslash s^{r}) =
0$ aber $S^{n}\backslash s^{r}\neq\emptyset$.  
Es folgt ${\op{H}}_{0} (S^{n}\backslash s^{r}) \cong \Bbb{Z}$, 
und damit hat $S^{n}\backslash s^{r}$ nach \ref{NuHo} 
genau eine Wegzusammenhangskomponente,
die auch die einzige Zusammenhangskomponente sein mu"s.
Im Fall $r=n-1$ haben wir $\tilde{{\op{H}}}_{0} (S^{n}\backslash s^{r}) \cong
\Bbb{Z}$,  also ${\op{H}}_{0} (S^{n}\backslash s^{r}) \cong \Bbb{Z}^2$ 
und damit hat $S^{n}\backslash s^{r}$ nach \ref{NuHo} 
genau zwei Wegzusammenhangskomponenten.
Da bei einer offenen Teilmenge von $S^{n}$ jeder Punkt eine
wegzusammenh"angende Umgebung hat, sind das nach \eref{WTZ}{TM} auch die Zusammenhangskomponenten
von $S^{n}\backslash s^{r}$. 
Jetzt m"ussen wir nur noch 
 im Fall $r=n-1$ zus"atzlich zeigen, 
da"s $s^{n-1}$ im Abschlu"s jeder der beiden
Zusammenhangskomponenten
von $S^{n}\backslash s^{n-1}$ liegt.
F"ur jedes $x\in s^{n-1}$ 
und eine beliebige offene Umgebung $U$ von $x$ in $S^{n}$
finden wir eine Teilmenge $A\subset  s^{n-1}$ 
mit $x\in A$ derart, da"s gilt $\bar{A}
\subset U$
und
$s^{n-1} \backslash A \cong [0,1]^{n-1}$. 
Wir setzen $B\pdef s^{n-1}\backslash A$. 
Nach \ref{FP} ist $S^{n}\backslash B$ wegzusammenh"angend.
Verbinden wir nun zwei Punkte aus verschiedenen Zusammenhangskomponenten
von $S^{n}\backslash s^{n-1}$ in $S^{n}\backslash B$ 
durch einen Weg $\sigma$,  so mu"s
$\sigma$ durch $A$ laufen.
Ist $\sigma (t)$ beziehungsweise $\sigma (s)$ der erste beziehungsweise
letzte Punkt von
$\sigma$ in $\bar{A}$,  so liegen f"ur kleines $\epsilon > 0$ notwendig
$\sigma (t-\epsilon)$,  $\sigma (s+\epsilon)$ in $U$,  aber in verschiedenen
Wegzusammenhangskomponenten von $S^{n}\backslash s^{n-1}$. 
Jede offene Umgebung $U$ von $x$ trifft also beide Komponenten 
von $S^{n}\backslash 
s^{n-1}$. 
\end{proof}

\begin{Korollar}
Seien $n\geq 2$ und  $s^{n-1}\subset \DR^{n}$ eine Teilmenge, die
hom"oo\-morph ist zur $(n-1)$-Sph"are $S^{n-1}$.  So zerf"allt ihr Komplement
$\DR^{n}\backslash s^{n-1}$ in zwei
Zusammenhangskomponenten, deren Rand jeweils $s^{n-1}$ ist.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Man fasse $\DR^{n}$ auf als das Komplement eines Punktes in $S^{n}$. 
\end{proof}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAGS}\\[4mm]
\noindent 
Versuch der Darstellung einer Konstruktionsvorschrift f"ur Alexander's geh"ornte Sph"are.
Es gilt, sich dieses Bild in fraktaler Weise immer
weiter verkleinert ins Unendliche fortgesetzt zu denken,
an jedem der beiden Paaare von
dich gegen"uberliegenden Endkugeln teilt sich unser Gebilde also wieder in jeweils zwei Arme, die sich fast
wieder treffen, und so weiter.
Die hier gezeichneten Dr"ahte sind massiv gemeint
und verd"unnen sich entsprechend in die Spitzen hinein,
so da"s dieses ganze Drahtgebilde hom"oomorph ist zum Einheitsball
im $\DR^3$. Sein Komplement ist nicht einfach wegzusammenh"angend,
was wir aber nicht beweisen werden. Alexander's geh"ornte Sph"are ist die
Oberfl"ache dieses Gebildes.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}
Der Spezialfall $n=2$ des vorhergehenden Korollars
hei"st  der
{\bf Jordan'sche Kurvensatz}\index{Jordan'scher Kurvensatz}.  
Er besagt grob gesprochen, da"s jede 
geschlossene Kurve in der Ebene die Ebene in zwei Zusammenhangskomponenten
zerlegt. In diesem Fall sagt der 
{\bf Satz von Sch"onflies}\index{Sch"onflies!Satz von} sogar st"arker,
da"s wir einen Hom"oomorphismus der Ebene mit sich selber finden k"onnen, unter
dem unsere geschlossene Kurve dem Einheitskreis entspricht. 
Im Fall $n=3$ ist {\bf Alexander's geh"ornte Sph"are}\index{Alexander!geh"ornte Sph"are} 
\index{geh"ornte Sph"are} 
  eine zum kompakten Ball\label{AhSS} $D^3$ hom"oomorphe Teilmenge des Raums $\DR^3$,
deren Komplement  nicht
  einfach wegzusammenh"angend ist, oder vielmehr die Randsph"are dieses Balls. Die abelsch gemachte Fundamentalgruppe 
  diese Komplements
  mu"s aber wieder verschwinden
  nach dem Satz von Hurewicz \ref{Hu} und unserem
Satz \ref{JBGG} "uber die reduzierte Homologie des Komplements.
\end{Bemerkungl}
\begin{Korollar*}[\textbf{Invarianz von Gebieten}]\index{Invarianz von Gebieten} 
Jede stetige Injektion $\DR^n\hra \DR^n$ ist offen.\label{IvG}  
\end{Korollar*}
  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}]
    Seien $U,V\subset\DR^n$ zwei Teilmengen, die hom"oomorph sind als
    topologische R"aume. Aus  Korollar \ref{IvG} folgt: 
Ist $U$ offen, so ist auch $V$ offen.  In
    der Funktionentheorie nennt man offene Teilmengen der komplexen
    Zahlenebene auch \glqq Gebiete\grqq, daher die Terminologie.
  \end{Bemerkungl}


  \begin{proof}
    Es reicht, wenn wir f"ur jede Einbettung $f:E\hra S^n$ der abgeschlossenen
    Einheitskugel $E\As\DR^n$ in die Sph"are $S^n$ zeigen, da"s ihr Inneres $E^\circ$
    offenes Bild $f(E^\circ)\co S^n$ hat. 
Das Komplement des Bildes der Randsph"are $f(\partial
    E)$ besteht nach dem Satz von
    Jordan-Brouwer \ref{JoB} 
    aus zwei Zusammenhangskomponenten
$$S^n\backslash f(\partial E)=W_1\amalg W_2$$
    Da $S^n$ lokal zusammenh"angend ist, sind diese
    Zusammenhangskomponenten offene
    Teilmengen der Sph"are $W_1,W_2\co S^n$. 
 Das
    Komplement des Bildes $f(E)$ ist auch zusammenh"angend
    nach \ref{FP}, somit erhalten wir eine weitere disjunkte Zerlegung in
    zusammenh"angende Teilmengen
$$\quad\qquad S^n\backslash f(\partial E)=(S^n\backslash f(E))\amalg f( E^\circ)$$
    Nach \eref{ZSKK}{TM} mu"s aber jede zusammenh"angende Teilmenge eines Raums
    in einer seiner 
    Zusammenhangskomponenten enthalten sein. Da unser Raum genau zwei
    Zusammenhangskomponenten hat, m"ussen unsere beiden
    disjunkten zusammenh"angenden Teilmengen also genau diese Zusammenhangskomponenten
    $W_1,W_2$ sein. Es folgt 
 $f( E^\circ)=W_i\co S^n$ f"ur ein $i$.
   \end{proof}


\begin{Bemerkungl}
Sind $s,s^{\prime} \subset S^{n}$ disjunkte Teilmengen, die
hom"oomorph sind zu $S^{p}$ beziehungsweise $S^{q}$ mit $p+q = n-1$,  so kann
man ihre \defind{Verschlingungszahl} $v(s,s^{\prime})\in \Bbb{N}$
definieren
als den Betrag des Bildes der Eins unter
$\Bbb{Z} \cong \tilde{{\op{H}}}_{p} (s)
\ra \tilde{{\op{H}}}_{p} (S^{n} \backslash  s^{\prime}) \cong \Bbb{Z}$. 
Der Spezialfall $q=0$ wird in \ref{VVV} diskutiert.
Mehr dazu findet man in \cite{StZi}.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}[\textbf{Einbettungen von Mannigfaltigkeiten gleicher Dimension}] 
Eine injektive stetige Abbildung von einer nichtleeren
kompakten Mannigfaltigkeit in eine zusammenh"angende Mannigfaltigkeit\label{ESph}   
derselben Dimension 
 ist  stets surjektiv.\label{ESph2} 
Hinweis: Invarianz von Gebieten \ref{IvG}.
\end{Ubung}





\subsection{Homologie von endlichen Zellkomplexen}

\begin{Definition}
Gegeben eine stetige Abbildung $f:Z\ra X$ 
erkl"art man ihren 
{\bf Abbildungskegel}\index{Abbildungskegel!von stetiger Abbildung}\label{Kf} 
als den topologischen Raum\index{K@${\op{K}}(f)$ Abbildungskegel von $f$} 
$${\op{Keg}}(f)={\op{K}}(f)\pdef\big((Z{\times} [0,1])\;\amalg\;X\; \amalg \;\op{top}\big)/\sim$$
f"ur\index{Keg@${\op{Keg}}(f)$ Abbildungskegel von $f$}  $\op{top}=\{\ast\}$ den einpunktigen Raum  und
die "Aquivalenzrelation $\sim$ erzeugt  durch 
$ (z,0)\sim f(z)$   sowie $(z,1)\sim \ast$
f"ur alle $z\in Z$.  
  Unsere Definition weicht im Fall $Z=\emptyset$ von der in der
  Literatur "ublichen Definition ab.\end{Definition}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.20\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildABK}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.70\textwidth}\centering
Der Abbildungskegel der Abbildung, die eine Kreislinie $Z$ zu einer
Acht $X$ zusammenzwickt. Die hier zu sehende Kreislinie 
in mittlerer H"ohe stellt das
Bild von $Z\times\{1/2\}$  im Abbildungskegel dar.
\end{minipage}
\end{figure}
  \begin{Beispiel}
    Ist $n\geq 0$ und $ f: S^{n-1} \ra X$ eine
    stetige Abbildung, so
sagt man auch, der Abbildungskegel ${\op{K}}(f)$ 
 entstehe aus $X$ durch {\bf Ankleben\index{Ankleben einer Zelle} 
      einer $n$-Zelle vermittels} $f$.  Im Fall $n =0$ alias 
$Z=\emptyset$ entsteht ${\op{K}}(f)$ aus $X$ durch die
    disjunkte Vereinigung mit einem Punkt; im Fall $n=1$ durch das 
    Ankleben einer Kante, wobei man ihre beiden Endpunkte mit den Punkten
    $f(-1)$ und $f(1)$\label{AKZe}  
des Ausgangsraums identifiziert; im Fall $n=2$ durch das 
Ankleben einer Kreisscheibe l"angs ihres Randkreises
in der durch $f$ vorgegebenen Weise, und so weiter. 
\end{Beispiel}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.30\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAKS}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.60\textwidth}\centering
Zwei F"alle des Anklebens einer Eins-Zelle, hier gezackt eingezeichnet.
Im ersten Fall wird ein Eins-Loch geschaffen, im zweiten Fall ein
Null-Loch geschlossen.
\end{minipage}
\end{figure}



\begin{Satz}[\defind{Anklebesequenz}]
F"ur jede stetige Abbildung  $f:Z\ra X$  gibt es
in der reduzierten Homologie eine lange exakte Sequenz\label{AKlS}
$$\ldots \ra \tilde{{\op{H}}}_{q}Z\ra 
\tilde{{\op{H}}}_{q}X \ra \tilde{{\op{H}}}_{q}{\op{K}}(f) \ra
\tilde{{\op{H}}}_{q-1}Z\ra
\ldots$$
mit der Eigenschaft, da"s die erste Abbildung von $f$ induziert
wird und die zweite von der Einbettung von $X$ in den Abbildungskegel   ${\op{K}}(f)$.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungw}
  In \ref{AKlSz} zeigen wir mit mehr M"uhe
  eine noch feinere Aussage, die sowohl die
  Beziehung unserer Sequenz zur langen exakten Homologiesequenz des
  Raumpaars $({\op{K}}(f),X)$ kl"art als auch den Fall \glqq simultaner Abbildungskegel\grqq\ einschlie"st.
\end{Bemerkungw}


\begin{Bemerkungl}[\textbf{"Anderung der Homologie beim Ankleben einer Zelle}] 
Es k"onnen also anschaulich gesprochen 
beim Ankleben einer $n$-Zelle im wesentlichen zwei Dinge passieren:
Entweder die angeklebte Zelle \glqq f"ullt ein $(n-1)$-Loch\grqq, als da hei"st
$\tilde{{\op{H}}}_{n-1}S^{n-1}\ra \tilde{{\op{H}}}_{n-1}X$ ist eine Injektion und
die $(n-1)$-te Homologie von $X$  wird beim
Ankleben entsprechend kleiner;
Oder die angeklebte Zelle \glqq schafft ein $n$-Loch\grqq, als da hei"st
$\tilde{{\op{H}}}_{n-1}S^{n-1}\ra \tilde{{\op{H}}}_{n-1}X$ ist keine Injektion und
die  $n$-te Homologie von $X$  wird beim
Ankleben entsprechend gr"o"ser. In diesem Fall kann sich nat"urlich
die $(n-1)$-te Homologie auch noch etwas verkleinern, es wird eben
eine endliche Untergruppe daraus weggeteilt, und das ist dann
nicht mehr so leicht anschaulich zu machen. Sie k"onnen etwa versuchen, sich  das Beispiel vorzustellen, da"s an die reell projektive Ebene, die ja durch Ankleben einer Zweizelle l"angs des Randes eines M"obiusbandes entsteht,
noch eine weitere Zweizelle l"angs der Kreislinie auf der Mitte besagten M"obiusbandes angeklebt wird. 
In jedem Fall  gilt jedoch 
$\tilde{{\op{H}}}_{q}X \sira \tilde{{\op{H}}}_{q}{\op{K}}(f)$ f"ur $q\neq n, 
n-1$.  
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Das Bild der ausgezeichneten einpunktigen Menge 
$\op{top} $ im Abbildungskegel
bezeichnen wir wieder mit $\op{top} $ und das Bild von $X$ wieder mit
$X$.  Wir erhalten so zwei disjunkte abgeschlossene Teilmengen
des Abbildungskegels $K\pdef {\op{K}}(f)$,  
deren Komplemente eine offene "Uberdeckung
$K=U\cup V$ bilden. 
Von diesen
offenen Mengen ist  $V\pdef K\backslash X$ zusammenziehbar,  
und der Schnitt unserer beiden offenen Mengen
kann identifiziert werden mit $U\cap V=Z\times (0,1)$. 
Die durch unsere Erkenntnis $\tilde{\op{H}}_{q}V=0$ vereinfachte  Mayer-Vietoris-Sequenz
der reduzierten Homologie
hat dann die Gestalt 
$$\ldots\ra \tilde{{\op{H}}}_{q}(U\cap V) 
\ra \tilde{{\op{H}}}_{q}(U) \ra
\tilde{{\op{H}}}_{q}(K)\ra \tilde{{\op{H}}}_{q-1}(U\cap V)\ra \ldots$$
Wendet man \ref{VPQ} auf 
$T\pdef[0,1]$ und die die Topologie des Abbildungskegels 
definierende finale Abbildung an, so
erkennt man leicht, da"s die Einbettung
$X\hra U$ eine Homotopie"aquivalenz ist.
Wir erhalten sogar ein homotopiekommutatives Diagramm
$$\begin{array}{ccc}
Z&\hra&U\cap V\\
\da&&\da\\
X&\hra&U
\end{array}$$
durch $z\mapsto(z,1/2)$ in der oberen Horizontalen
mit Homotopie"aquivalenzen in den Horizontalen. Der Satz ist bewiesen.
\end{proof}
\begin{Bemerkungw}[\textbf{Algebraischer und topologischer Abbildungskegel}] 
  Unsere Mayer-Vietoris-Sequenz aus dem vorhergehenden Beweis
  kommt nach \ref{MVS} her von einer kurzen exakten Sequenz von Kettenkomplexen,
  die wir im folgenden Diagramm in die oberen Horizontale geschrieben haben.
 Hierbei bedeutet $\mathcal W$ die offene "Uberdeckung $K=U\cup V$.\label{BTAK} 
 $$ \begin{array}{ccccc}
   \tilde{{\op{S}}}(U\cap V) 
&\hra& \tilde{{\op{S}}}(U)\oplus \tilde{{\op{S}}}(V) &\sra&
   \tilde{{\op{S}}}^{\mathcal W}(K)\\
   \ua\wr&&\ua\wr&&\\
  \tilde{{\op{S}}}(Z) 
&\ra& \tilde{{\op{S}}}(X) &&
 \end{array}
 $$
 Die untere Horizontale stellt die von $f:Z\ra X$ induzierte Abbildung
 dar und mit den durch unser homotopiekommutatives Diagramm vom Ende des
 vorhergehenden Beweises induzierten Vertikalen ensteht ein
 homotopiekommutatives Diagramm von Komplexen freier abelscher Gruppen. 
 Zusammen mit $\tilde{{\op{S}}}^{\mathcal W}(K)\ra \tilde{{\op{S}}}(K)$ 
 und unseren Erkenntnissen in
 \eref{Kzu}{TD} liefert das einen ausgezeichneten Isomorphismus
 $\op{Keg}(\tilde{{\op{S}}}(Z) 
 \ra \tilde{{\op{S}}}(X))\sira \tilde{{\op{S}}}(K)$ in der derivierten
 Kategorie $\op{Der}(\op{Ab})$ und zusammen mit \eref{derHH}{TD} sogar in der
 Homotopiekategorie  $\op{Hot}(\op{Ab})$. Er rechtfertigt die Bezeichnung
 als  Abbildungskegel f"ur die rein algebraische Konstruktion
 $\op{Keg}$ aus dem Beweis von \ref{AABK}. 
\end{Bemerkungw}


\begin{Proposition}\label{VPQ}
Ist $p: X \ra Y$ final und surjektiv und $T$
lokal kompakt, so ist auch $p\times \op{id} : X \times T \ra Y
\times T$ final und surjektiv.
\end{Proposition}
\begin{Bemerkungl}
  Wir geben in \eref{VPQn}{TM} 
  einen alternativen Beweis.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $W \subset Y \times T$ eine Teilmenge mit offenem Urbild $U \co
X \times T$.  Es gilt zu zeigen, da"s $W$ selbst offen ist.
Sei dazu $(y,t) \in W$ ein Punkt und $(x,t)$ eines seiner  Urbilder. 
Sicher gibt es eine kompakte Umgebung $K$ von $t$ mit $\{x\}
\times K \subset U$.  Man "uberlegt sich leicht, da"s dann
$$A\pdef \{a \in X \mid \{a\} \times K \subset U\}$$
offen ist in $X$ und da"s gilt $A= p^{-1}(p(A))$. 
Folglich ist $p(A)$ offen in $Y$ und wir haben $(y,t) \in p(A)
\times K \subset W$.  Mithin liegt mit jedem Punkt auch eine ganze
offene Umgebung des besagten Punktes in $W$ und $W$ ist offen.
\end{proof}


\begin{Korollar}[\textbf{Endlichkeit der Homologie von endlichen Zellkomplexen}]
Entsteht ein topologischer Raum $X$ aus der
leeren Menge durch sukzessives Anheften von endlich vielen
 Zellen, und heften wir
dabei keine Zellen
einer Dimension $>d$ an, so
gilt ${\op{H}}_{q}X=0$ f"ur $q>d$ und ${\op{H}}_{q}X$ 
ist eine endlich erzeugte abelsche
Gruppe f"ur alle $q\in \Bbb{Z}$. \end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Man benutze f"ur die zweite Aussage, da"s bei einer kurzen exakten Sequenz
abelscher Gruppen $A^{\prime} \hookrightarrow A \twoheadrightarrow A^{\prime
\prime}$ die Mitte endlich erzeugt ist genau dann, wenn die Enden es sind.
\end{proof}\begin{Beispiel}[\textbf{Homologie 
der komplex projektiven R"aume}]
Der $\DP^{n}\DC$ ergibt sich aus dem $\DP^{n-1}\DC$ durch Anheften einer
$2n$-Zelle.\label{HKPR}
Betrachten wir genauer
die Abbildung $F: D^{2n}\ra \DP^{n}\DC$ gegeben durch die Abbildungsvorschrift
$$z = (z_{0},\ldots , z_{n-1})\mapsto  \langle z_{0},\ldots ,z_{n-1}, 1-\|z\|
\rangle$$ und nehmen ihre Restriktion zu $f:S^{2n-1}\ra \DP^{n-1}\DC$
als Anklebeabbildung, so konstruiert man ohne Schwierigkeiten einen
Hom"oomorphismus ${\op{K}}(f)\sira \DP^{n}\DC$ zwischen dem Abbildungskegel und 
$\DP^{n}\DC$, bei dem die Einbettung von  $\DP^{n-1}\DC$ in den Abbildungskegel
der Einbettung durch das Anf"ugen einer Null in $\DP^{n}\DC$ entspricht. 
Wir erhalten also
$${\op{H}}_{q}(\DP^{n}\DC)\cong \left\{\begin{array}{cl}
\Bbb{Z} & q = 0,2,\ldots ,2n;\\ 0& \text{sonst}.\end{array}\right.$$
Wir erhalten weiter, da"s die Einbettungen durch das Anf"ugen einer Null
Isomorphismen
${\op{H}}_{q}(\DP^{n-1}\DC)\sira {\op{H}}_{q}(\DP^{n}\DC)$
  induzieren f"ur $q<n$. 
Entsteht allgemeiner $X$ aus der leeren Menge durch sukzessives Anheften
von Zellen gerader Dimension, so verschwindet ${\op{H}}_{q}X$ f"ur ungerades
$q$ und f"ur gerades $q$ ist ${\op{H}}_{q}X$ eine freie abelsche
Gruppe, deren Rang gerade die Anzahl der angehefteten $q$-Zellen
ist.
\end{Beispiel}



\begin{Satz}[\textbf{Eulercharakteristik von Zellkomplexen}]
Der Raum $X$ entstehe aus der leeren Menge durch sukzessives Anheften von
endlich vielen Zellen. Sei $c_{q}$ die Zahl der verwendeten $q$-Zellen und
sei $k$ ein K"orper.
So wird die Eulercharakteristik von $X$ gegeben durch die Formel
$$\chi (X;k)=\sum (-1)^{q}c_{q} $$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Ist $\ldots \ra A_{i}\overset{\partial_{i}}{\ra}A_{i-1}\ra \ldots$ eine
lange exakte Sequenz von endlichdimensionalen Vektorr"aumen und
verschwinden von den $A_{i}$
alle bis auf endlich viele, so gilt f"ur die Eulercharakteristik 
unseres Komplexes
$$
\sum(-1)^{i}\dim A_{i} = \sum(-1)^{i}\dim \cal{H}_{i}A=0
$$
nach \ref{EuK}.
Schreiben wir unsere Sequenz in der Gestalt
$$\ldots \ra D_{q+1} \ra B_{q}\ra C_{q}\ra
D_{q}\ra B_{q-1}\ra \ldots$$
so folgt 
$$\sum (-1)^{q}\dim C_{q}=\sum (-1)^{q}\dim B_{q}+ \sum(-1)^{q}\dim D_{q}$$
Nun l"a"st sich die Eulercharakteristik  auch mithilfe
der reduzierten Homologie darstellen als
$\chi (X;k)-1=\sum (-1)^{q}\dim_{k}\tilde{{\op{H}}}_{q}(X;k)$.  
Mit unserer Anklebesequenz folgt
$\chi(X;k)-1 = \chi (Y;k)-1 + (-1)^{n}$,  wenn $X$ aus $Y$ durch Ankleben
einer $n$-Zelle entsteht.
Der Satz ergibt sich nun mit Induktion.
\end{proof}

 
    \begin{Bemerkunge}
      Der vorhergehende Beweis k"onnte 
alternativ auch auf unserer Formel $\chi(U\cup
      V)=\chi(U)+\chi(V)-\chi(U\cap V)$ aus \ref{ADEC} aufgebaut werden: Diese
      Formel liefert sogar allgemeiner unter den offensichtlichen
      Endlichkeitsannahmen f"ur $f:Z\ra X$ stetig mit den im Beweis der
      Anklebesequenz diskutierten Argumenten die Formel
      $$\chi({\op{K}}(f))=\chi(X) +1 -\chi(Z)$$
      Man diese Formel jedoch auch direkt
      aus der Anklebesequenz folgern.
    \end{Bemerkunge}


\begin{Bemerkungl}\label{HSus}
  Gegeben ein topologischer Raum $X$ erkl"art man seine \defind{Suspension}
  oder auch \defind{Einh"angung} 
als den Abbildungskegel \ref{Kf} der konstanten Abbildung
\begin{equation*}
\Sigma X \pdef {\op{K}}(X\ra \op{top})
\end{equation*}
Explizit haben wir  $\Sigma X=\big((X\times[0,1])\sqcup\{0\}\sqcup\{1\}\big)/\sim$
mit der "Aquivalenzrelation $\sim$ erzeugt durch
$(x,0)\sim 0$ und $(x,1)\sim 1$ f"ur alle $x\in X$.
Unsere Anklebesequenz liefert 
Isomorphismen
$
{\tilde{\op{H}}}_{i+1} (\Sigma X) \sira  
{\tilde{\op{H}}}_i (X)
$
f"ur alle $i$.
Die hier gegebene Definition weicht im Fall $X=\emptyset$ von der in der
Literatur "ublichen Definition ab, die Suspension des leeren Raums ist
bei uns ein zweipunktiger diskreter Raum.
\end{Bemerkungl}


    
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Ubung}
Man zeige, da"s die Homologie der quaternionalen projektiven R"aume
gegeben wird durch ${\op{H}}_{q}(\DP^{n}\Bbb{H})\cong 
\Bbb{Z} $ f"ur $ q = 0,4,\ldots ,4n$ und Null sonst.\label{HPH}
\end{Ubung}
\begin{Ubung}  Man zeige, da"s der Abbildungungskegel von $S^1\ra S^1$ gegeben durch
  $z\mapsto z^2$ hom"oomorph zur  reell projektiven Ebene ist und berechne deren Homologie.
\end{Ubung}

\subsection{Zellul"are Homologie}
\begin{Satz}[\textbf{Komplex der zellul"aren Homologie}] 
  Wir betrachten einen  Raum $X$,\label{ZetHs}
  der aus der leeren Menge
 ensteht  durch das simultane Ankleben von durch $\alpha \in A_0$
  indizierten Nullzellen gefolgt vom 
simultanen Ankleben von durch $\alpha \in A_1$
indizierten Einszellen und so weiter
bis zum simultanen Ankleben von durch $\alpha \in A_n$
indizierten $n$-Zellen.
So gibt es einen Komplex 
$$\DZ A_n \ra \DZ A_{n-1}\ra \ldots \ra\DZ A_1\ra \DZ A_0$$
aus freien abelschen Gruppen "uber den  Indexmengen der jeweiligen Zellen,
der die Homologie von $X$ berechnet.
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl} Bezeichne
$\emptyset= X^{\leq -1}\subset X^{\leq 0}\subset X^{\leq 1}\subset \ldots\subset X^{\leq  n}=X$
  die zugeh"orige Folge von Teilr"aumen. Mit \glqq simultanem
  Ankleben\grqq\ ist gemeint, da"s die Anklebeabbildungen der $q$-Zellen
  jeweils Werte in $X^{\leq q-1}$ annehmen.  Wir nennen $X^{\leq q}$ das
  {\bf $q$-Skelett}. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl} Wir gehen dabei von der Erkenntnis \ref{AKZe} aus, da"s das Ankleben
  einer Zelle als Abbildungskegel beschrieben werden kann, und untersuchen
  erst einmal ganz allgemein die Homologie simultaner Abbildungskegel.
\end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}
  Die Differentiale in diesem Komplex entstehen aus
  den Anklebeabbildungen in einer im weiteren genauer spezifizierten
  Weise. Seien  $X_q\supset X_{q-1}$ das $q$-Skelett und das
  $(q-1)$-Skelett. 
  F"ur $\alpha\in A_q$ sei
  $i_\alpha: (D_q, S_{q-1})\ra (X_q,X_{q-1})$ das Einf"ugen
  der $n$-Zelle mit Index $\alpha$ mit der auf dem Rand induzierten Anklebeabbildung
  $f_\alpha: S_{q-1}\ra X_{q-1}$. Sei $\eta_q\in  {\op{H}}_q(D_q, S_{q-1})$ unser
  Standarderzeuger aus \ref{WsE}.
  So haben wir Isomorphismen
  $$\DZ A_q\sira  {\op{H}}_q(X_q, X_{q-1})$$
  gegeben durch $\alpha\mapsto  ({\op{H}}_qi_\alpha)(\eta_q)$
  zwischen dem $q$-Term des Komplexes der zellul"aren Homologie und
  der $q$-ten relativen Homologie der entsprechenden Skelette. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Die Abbildung von Raumpaaren $i_\alpha:
  (D_q, S_{q-1})\ra (X_q,X_{q-1})$ induziert
  eine Abbildung zwischen den jeweiligen langen exakten Homologiesequenzen
  und insbesondere das kommutative Quadrat im Diagramm 
  $$\begin{array}{ccccc}
    {\op{H}}_q(D_q, S_{q-1})&\sira&  \tilde{{\op{H}}}_{q-1}( S_{q-1})&&\DZ A_{q-1}\\
    \da&&\da&&\da\wr\\
    {\op{H}}_q(X_q, X_{q-1})&\ra&  \tilde{{\op{H}}}_{q-1}( X_{q-1})&\ra &{\op{H}}_{q-1}( X_{q-1}, X_{q-2})
  \end{array}$$
  Die linke obere Horizontale ist ein Isomorphismus, da $D_q$
  zusammenziehbar ist. Ich habe reduzierte Homologie
  genommen, damit  gilt $ \tilde{{\op{H}}}_{0}(D_q)=0$ f"ur $q\geq 0$.
  Das Bild von $\eta_q$ obenrum nach $\DZ A_{q-1}$
  ist die Definition des Randoperators im zellul"aren Komplex.
  Das Bild untenrum ist eine alternative Definition.  
\end{Bemerkungl}




\begin{proof} Der Beweis wir in \ref{ZetH} gegeben.
\end{proof}





\begin{Bemerkungl}
Sei $(f_\alpha)_{\alpha\in A}$ eine Familie 
  stetiger Abbildungen $f_\alpha:Z_\alpha\ra X$. Um die Notation zu vereinfachen  setzen wir $Z\pdef \bigsqcup Z_\alpha$
  und bezeichnen mit $i:Z\ra A$ die \glqq Indexabbildung\grqq\ mit Faser $Z_\alpha$ "uber $\alpha\in A$.
  Unter dem\label{SAKe} {\bf simultanen
    Abbildungskegel der $f_\alpha$}\index{Abbildungskegel!simultaner}
   verstehen wir den Raum
  $$K\pdef \big( X\amalg (Z{\times} [0,1])\amalg A\big)/\sim$$
f"ur 
die "Aquivalenzrelation $\sim$ erzeugt  durch 
$f(z)\sim (z,0)$   sowie $(z,1)\sim i(z)$
f"ur alle $z\in Z$.  
\end{Bemerkungl}




\begin{Satz}[\textbf{Anklebesequenz, Variante}]
Ist $(f_\alpha)_{\alpha\in A}$ eine Familie\index{Anklebesequenz!Variante} 
  stetiger Abbildungen $f_\alpha:Z_\alpha\ra X$  und  $K$ der simultane Abbildungskegel \ref{SAKe} der $f_\alpha$, so gibt es
  Isomorphismen $\bigoplus_{\alpha\in A} \tilde{{\op{H}}}_{q}Z_\alpha\sira {{\op{H}}}_{q+1}(K,X)$, deren Verkn"upfung mit
  dem Randoperator der langen exakten Homologiesequenz des
  Raumpaars $(K,X)$  die von den $f_\alpha$
  induzierte Abbildung
  $\bigoplus_{\alpha\in A}\tilde{{\op{H}}}_{q}Z_{\alpha}\ra {{\op{H}}}_{q}X$ ist. Insbesondere k"onnen wir
  diese Abbildungen  einbetten  in eine lange exakte Sequenz\label{AKlSz}
$$\textstyle \ldots \ra \bigoplus_{\alpha\in A}\tilde{{\op{H}}}_{q}Z_\alpha\ra 
{{\op{H}}}_{q}X \ra {{\op{H}}}_{q}{\op{K}} \ra
\bigoplus_{\alpha\in A}\tilde{{\op{H}}}_{q-1}Z_\alpha\ra
 \ldots$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
  F"ur die Isomorphismen, deren Existenz in diesem Satz behauptet wird,
  geben wir im Beweis sogar eine explizite Konstruktion.
  Der Satz gilt ebenso und mit fast demselben Beweis,
  wenn wir darin alle
  Homologiegruppen zu reduzierten Homologiegruppen machen.
\end{Bemerkungl}


\begin{proof}
Die Bilder von 
  $A$ und $X$  in $K$  sind disjunkte abgeschlossene
  Teilmengen.
  Deren Komplemente bilden eine offene "Uberdeckung $K=U\cup V$,
  wobei sich $i:K\ra A$ zu einer stetigen Abbildung
  $i:V\ra A$ mit zusammenziehbaren Fasern ausdehnen l"a"st.
  Gegeben eine stetige Abbildung in einen diskreten Raum $i:Y\ra A$
  vereinbaren wir die Notation $\tilde{\op{S}}_AY$ f"ur den durch
  $i_*:{\op{S}}_0Y\ra {\op{S}}_0A$ bis in den Grad $-1$ erweiterten Komplex der
  singul"aren Ketten. Insbesondere ist $\tilde{\op{S}}_AV$ exakt.
  Wir nennen unsere offene "Uberdeckung $\mathcal W$ und
 betrachten das Diagramm 
  $$\begin{array}{ccccccc}
    \tilde{\op{S}}_A (U\cap V)
    &\hra& {\op{S}}U\oplus \tilde{\op{S}}_AV&\sra& {\op{S}}^{\mathcal W}K&&\\
    &&\ua&&\|&&\\
    &&{\op{S}}U&\hra &{\op{S}}^{\mathcal W}K&\sra &{\op{S}}^{\mathcal W}K/{\op{S}}U\\
    &&\|&&\da&&\da\\
   &&{\op{S}}U&\hra &{\op{S}}K&\sra &{\op{S}}K/{\op{S}}U\end{array}
  $$
  mit kurzen exakten Sequenzen von
  Kettenkomplexen in den Horizontalen und hoffentlich offensichtlichen  Abbildungen.
  Es liefert mit der erweiterten Nat"urlichkeit \ref{NEXu}
  der langen exakten Homologiesequenz
  und unter Verwendung der Exaktheit des
Komplexes $\tilde{{\op{S}}}_AV$
  ein kommutatives Diagramm  
 $$\begin{array}{ccccccccc}
 \ldots& \bigoplus_{\alpha\in A}\tilde{\op{H}}_{q}(U\cap V_\alpha) &
\ra& {\op{H}}_{q}U
&\ra& {\op{H}}_{q}K&\stackrel{-1}{\ra}& \bigoplus_{\alpha\in A}\tilde{\op{H}}_{q-1} (U\cap V_\alpha) &\ldots
\\
&\ua&&\|&&\|&&\ua&\\
 \ldots& \tilde{\op{H}}_{q+1}(K, U) &
\ra&  {\op{H}}_{q}U
&\ra& {\op{H}}_{q}K&\ra& \tilde{\op{H}}_{q} (K, U) &\ldots \end{array}
  $$
  Die $-1$ meint dabei an der entsprechenden Stelle
  das Negative der Randabbildung der Mayer-Vietoris-Sequenz gefolgt von der
  nat"urlichen Abbildung in die reduzierte Homologie.
  Nun ist die Einbettung
  $X\hra U$ eine Homotopie"aquivalenz und  die
  $U\cap V_\alpha$ sind hom"oomorph zu $Z_\alpha\times (0,1)$
  und wir k"onnen den Beweis wie im Fall \ref{AKlS} eines einfachen
  Abbildungskegels zu Ende bringen.
\end{proof}





\begin{Bemerkungl}[\textbf{Ankleben mehrerer Zellen auf einmal}]
  Seien $n\geq 0$ fest gew"ahlt und  $(f_\alpha)_{\alpha\in A}$ eine Familie
  stetiger Abbildungen $f_\alpha:S^{n-1}\ra X$  und $K$ der Raum, der aus $X$ entsteht durch Ankleben von Zellen $D^n$
  vermittels der Abbildungen $f_\alpha$ alias der simultane Abbildungskegel
  der $f_\alpha$. 
  So haben wir  ${\op{H}}_q(K,X)=0$ f"ur $q\neq n$ und
  unsere Konstruktionen liefern
  einen Isomorphismus $\DZ A\sira {\op{H}}_n(K,X)$, dessen Verkn"upfung 
$$\DZ A\sira {\op{H}}_n(K,X)\ra {\op{H}}_{n-1}X$$
 mit dem Randoperator der langen exakten Homologiesequenz des Paars $(K,X)$\label{AKlSzz}  von den $f_\alpha$ induziert
 wird in der Weise, da"s  darunter ein Element $\alpha\in A$
 abgebildet wir auf das Bild unseres Standarderzeugers von
 $\tilde{\op{H}}_{n-1}S^{n-1}$ aus \ref{WsE} unter $f_\alpha$.
 Nehmen  wir 
  zus"atzlich ${\op{H}}_nX=0$ an, so erhalten wir
  eine
  exakte Vier-Term-Sequenz
  $${\op{H}}_nK\hra \DZ A\ra {\op{H}}_{n-1}X\sra {\op{H}}_{n-1}K$$
  und Isomorphismen  ${\op{H}}_{q}X\sira {\op{H}}_{q}K$
  f"ur $ q\not \in \{n, n-1\}$.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Zellul"are Homologie}] 
  Wir betrachten nun einen  Raum $X$,\label{ZetH}
  der aus der leeren Menge
 ensteht  durch das Ankleben von durch $\alpha \in A_0$
  indizierten Nullzellen gefolgt vom 
Ankleben von durch $\alpha \in A_1$
indizierten Einszellen und so weiter
bis zum Ankleben von durch $\alpha \in A_n$
indizierten $n$-Zellen. Bezeichne
$$\emptyset= X^{\leq -1}\subset X^{\leq 0}\subset X^{\leq 1}\subset \ldots\subset X^{\leq  n}= X^{\leq  n+1}=\ldots=X$$
die zugeh"orige Folge von Teilr"aumen.
So liefert
\ref{AKlSzz} induktiv erst Isomorphismen 
$$0={\op{H}}_q X^{\leq -1}\sira {\op{H}}_q X^{\leq 0}\sira \ldots\sira {\op{H}}_q X^{\leq q-1}\qquad
    {\op{H}}_q X^{\leq q+1}\sira {\op{H}}_q X^{\leq q+2}\sira\ldots$$ und dann kommutative Diagramme mit einer
    exakten Vier-Term-Sequenz in der oberen Horizontale   
    $$\begin{array}{ccccccc}
      {\op{H}}_qX^{\leq q}&\hra& {\op{H}}_q(X^{\leq q},X^{\leq q-1})&\ra& {\op{H}}_{q-1}X^{\leq q-1}&\sra& {\op{H}}_{q-1}X^{\leq q}\\
      &&\ua\!\wr&&\|&&\\
      &&\bigoplus_{\alpha\in A_q}
      \tilde{\op{H}}_{q-1}S^{\leq q-1}&\ra&{\op{H}}_{q-1}X^{\leq q-1}&&\\
      &&\ua\!\wr&&&& \\
      &&\DZ A_q &&&&\end{array}
    $$
    und mit der wie im Diagramm dargestellt durch die Anklebeabbildungen gegebenen mittleren Abbildung. Das
    f"uhrt unmittelbar zu der Erkenntnis, da"s die Homologie
  von $X$ isomorph ist zur Homologie des
  aus dem Zusammenst"uckeln dieser Vier-Term-Sequenzen
  entstehenden
  Komplexes  
  $$ \ldots\ra \DZ A_{q+1}\ra\DZ A_{q}\ra\DZ A_{q-1}\ra\ldots$$
  alias des Komplexes
  $$\ldots\ra{\op{H}}_{q+1}(X^{\leq q+1},X^{\leq q})\ra{\op{H}}_q(X^{\leq q},X^{\leq q-1})\ra{\op{H}}_{q-1}(X^{\leq q-1},X^{\leq q-2})\ra\ldots$$
  Die Randoperatoren kommen hier von den langen exakten
  Homologiesequenzen der entsprechenden Tripel \ref{leTr} her.
  Die Homologie dieses Komplexes nennt man auch die
  {\bf zellul"are Homologie}.\index{Homologie!zellul"are}
  Im "ubrigen liefert \ref{RPQ} Isomorphismen
  ${\op{H}}_q(X^{\leq q},X^{\leq q-1})\sira {\op{H}}_q(X^{\leq q}/X^{\leq q-1},\ast)$ und $X^{\leq q}/X^{\leq q-1}$ ist ein Bouquet
  von $q$-Sph"aren, genauer eine durch $A_q$ indizierte
  Familie von an einem Punkt $\ast$ zusammengeklebten $q$-Sph"aren.
  Das mag zus"atzliche Anschauung f"ur die Randabbildungen des zellul"aren Komplexes geben.
\end{Bemerkungl}


\begin{Bemerkungw}[\textbf{Zellul"are Homologie von CW-Komplexen}] 
  Im Fall eines sogenannten CW-Komplexes $X$  mit $n$-Skeletten $X^{\leq n}$ liefern die Einbettungen nach 
  \ref{HCW}  Isomorphismen
  ${\op{H}}_nX^{\leq n+1}\sira {\op{H}}_nX$. Folglich k"onnen wir
  auch die Homologie eines CW-Komplexes in der in
  \ref{ZetH} beschriebenen Weise berechnen.
\end{Bemerkungw}
  

  
  




\newpage
\section{Homologie von Mannigfaltigkeiten}
\subsection{Homologie und Orientierung}\label{OFZ}
\begin{Satz}[\textbf{Homologie und Determinantenvorzeichen}]
  Gegeben eine invertierbare lineare Abbildung
  $g:\DR^n\sira \DR^n$ ist die davon induzierte Selbstabbildung $g_\ast$ 
auf  der relativen Homologie ${\op{H}}_{n}(\DR^{n},\DR^{n}\backslash 0)$\label{ATO}
   die Identit"at im
  Fall $\op{det}(g)>0$ und die Multiplikation mit $(-1)$ im Fall 
  $\op{det}(g)<0$.\label{HouG}
\end{Satz}

\begin{Bemerkungl}
Wir verwenden hier die Konvention,
nach der die Identit"at auf dem Nullvektorraum
die Determinante Eins hat. 
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}
  Ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit sei $n>0$. Nach \eref{ZKGL}{AN2} hat dann
  $\op{GL}(n;\DR)$ genau zwei Wegzusammenhangskomponenten, die Matrizen mt positiver Determinante und die Matrizen mit negativer Determinante.
  Homotopieinvarianz zeigt dann, da"s $g_*$ nur vom Vorzeichen von $\op{det}(g)$ abh"angen kann.
  Jetzt  bette  man den Standardsimplex
  $\Delta_{n}$ so nach $\DR^n$ ein, da"s alle seine Ecken bis auf Zwei in ein- und derselben Koordinatenebene zu liegen kommen, da"s die restlichen beiden Ecken unter der Spiegelung an dieser Koordinatenebene
  vertauscht werden, und da"s der Ursprung im offenen Kern des Bildes liegt.
  Diese Einbettung liefert einen Isomorphismus $${\op{H}}_n(\Delta_{n},\partial\Delta_{n})\sira
  {\op{H}}_{n}(\DR^{n},\DR^{n}\backslash 0)$$
  Der Effekt der fraglichen Spiegelung kann  auf der
  simplizialen Homologie der linken Seite leicht berechnet werden und
  ergibt sich dort zu $(-1)$, da die fragliche Permutation der
  Ecken von $\Delta_n$ eine Transposition und damit ungerade ist. 
\end{proof}

% \begin{proof}[Beweis]
% Etwa nach \eref{ZKGL}{AN2} bilden f"ur $n\geq 1$
% die Elemente von $\op{GL}(n;\DR)$
% mit positiver beziehungsweise negativer Determinate  die beiden
% Wegzusammenhangskomponenten von $\op{GL} (n;\DR)$. 
% Elemente $g,h$ aus derselben Wegzusammenhangskomponente liefern
% % homotope Abbildungen $g,h:(\Bbb{R}^{n}\backslash  0) 
% \ra (\Bbb{R}^{n}\backslash  0)$. 
% Wenn wir also den Satz auch nur 
% f"ur ein einziges $g$ mit $\op{det} g < 0$ zeigen,
% so folgt er in voller Allgemeinheit.
% Nun betrachten wir den anschaulichen Rand $\partial \Delta_{n}$
% des $n$-ten Standardsimplex wie in \ref{AnRa} und die
% Homotopie"aquivalenzen
% $$(\Bbb{R}^{n} \backslash  0) \hookrightarrow (\Bbb{R}^{n+1} \backslash  \Bbb{R}
% (1,1,\ldots , 1)) \hookleftarrow \partial \Delta_{n}$$
% Hier sei die linke Einbettung die Abbildung,
% die als letzte Koordinate eine Null anf"ugt.
% In der Mitte  wird die Gerade durch den Nullpunkt mit
% Richtungsvektor $(1,1,\ldots , 1) $ herausgenommen.
% Nehmen wir $n \geq 2$ an, so h"alt die Vertauschung der ersten
% beiden Koordinaten unsere beiden Teilr"aume fest. Der Satz folgt
% so f"ur $n\geq 2$ mit dem kanonischen Isomorphismus
% ${\op{H}}_{n} (\Delta_{n}, \partial
% \Delta_{n})\sira \tilde{{\op{H}}}_{n-1}( \partial
% \Delta_{n})$ aus dem anschlie"senden Lemma \ref{LeHH}. Die F"alle $n=0,1$
% "uberlassen wir dem Leser.
% \end{proof}
% \begin{Lemma}\label{LeHH}
% Sei $n\geq 1$ %2$ 
% und sei  $g :
% \Delta_{n} \ra \Delta_{n}$ die stetige Abbildung,
% die gegeben wird durch die Vertauschung der beiden ersten
% Koordinaten. So induziert $g$ auf der relativen Homologie
% ${\op{H}}_{n} (\Delta_{n}, \partial
% \Delta_{n})$ die
% Multiplikation mit $(-1)$,  in Formeln
% $${\op{H}}_{n} g = (-1) : {\op{H}}_{n} (\Delta_{n}, \partial
% \Delta_{n})\ra {\op{H}}_{n} (\Delta_{n}, \partial
% \Delta_{n})$$
% \end{Lemma}
% \begin{proof}[Beweis]
% Wir betrachten  in $\Delta_{n}$ den singul"aren $(n+1)$-Simplex
% $$\sigma =[\op{e}_{0}, \op{e}_{1}, \op{e}_{0},
% \op{e}_{2},\ldots , \op{e}_{n}]: \Delta_{n+1} \ra \Delta_{n}$$
% Diese Notation meint die Abbildung, die
%  die Ecken von $\Delta_{n+1}$ in der angegebenen Reihenfolge
% auf die Ecken
% von $\Delta_{n}$  wirft
% und auf ganz $\Delta_{n+1}$ affin ist.
% Wir 
% erinnern, da"s der tautologische Simplex $\tau_{n}=\op{id}$
% unsere relative Homologiegruppe erzeugt, und
% erkennen durch explizite Rechnung 
% $$\partial \sigma \in  \tau_{n} + ({\op{S}}_{n}g)
% (\tau_{n}) + {\op{S}}_{n} (\partial \Delta_{n})$$ Daraus folgt
% $[\tau_{n}] + ({\op{H}}_ng) [\tau_{n}]=0$ in ${\op{H}}_{n}
% (\Delta_{n}, \partial \Delta_{n})$. 
% \end{proof}


\begin{Korollar}[\textbf{Nullstellenfreie Vektorfelder auf Sph"aren}]
Genau dann gibt es %f"ur $n\geq 1$ 
 auf der $n$-Sph"are $S^{n}$ ein nirgends verschwindendes
stetiges
Vektorfeld,\label{VaSp}
wenn ihre Dimension  $n$ ungerade ist.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Ein Vektorfeld ist f"ur uns eine stetige Abbildung $v : S^{n}\ra \DR^{n+1}$
derart, da"s $v(x)$ senkrecht steht auf $x$ f"ur alle $x$,  in Formeln
$x\perp v(x)\;\forall x \in S^{n}$. 
Ist $n$ ungerade, so k"onnen wir ein m"ogliches $v$ angeben durch
$$v (x_{0}, \ldots,x_{n})= (x_{1},-x_{0},x_{2},-x_{1}, \ldots,
x_{n-1},-x_{n})$$
In jedem Fall k"onnen wir ein nirgends 
verschwindendes Vektorfeld $v$ auf L"ange
Eins normieren.
Es definiert dann eine Familie von Abbildungen
$\varphi _{t} : S^{n} \ra S^{n}$,  bei der $\varphi_{t} (x)$ der Punkt ist, an dem
man landet, wenn man von $x$ in Richtung $v(x)$ f"ur die Zeit $t$ auf dem
entsprechenden Gro"skreis um die Sph"are l"auft, in Formeln $\varphi_{t}
(x) = (\cos t) x + (\sin t) v(x)$. 
So erhalten wir nun offensichtlich eine Homotopie zwischen der Identit"at
und der Antipodenabbildung $a = \varphi_{\pi} : S^{n}\ra S^{n}$,  $x \mapsto
-x$
und folgern $\tilde{{\op{H}}}_{n}(a)=\op{id}$ 
auf $\tilde{{\op{H}}}_{n}(S^{n})$.  Da aber die Einbettung
$S^n\hra (\DR^{n+1}\backslash 0)$ eine 
Homotopie"aquivalenz ist und da folglich gilt
$\tilde{{\op{H}}}_{n}(a)=(-1)^{n+1}\op{id}$ auf 
$\tilde{{\op{H}}}_{n}(\DR^{n+1}\backslash 0)$,  
kann es eine derartige Homotopie nur f"ur ungerades $n$ geben.
\end{proof}
%\begin{Bemerkungl}
%  Jede stetige Selbstabbildung einer Sph"are
%  positiver gerader Dimension hat einen Fixpunkt.
  
%   \begin{Bemerkungl}[\textbf{Algebraische und topologische Orientierung}]
%      Gegeben ein endlichdimensionaler 
%  reeller Vektorraum $V$  erinnern wir aus \eref{KPmjn}{LA2}  
%  seine Orientierungsmenge $\op{or}(V)$ und erinnern auch, da"s wir genauer
%  f"ur jedes $n$ einen Funktor
%  $$\op{or}:\op{Mod}_\DR(n)^\times\ra \op{Ens}$$
%  von der Isomorphismenkategorie der $n$-dimensionalen reellen
%  Vektorr"aume in die Kategorie der Mengen konstruiert hatten, der jedem derartigen Vektorraum die Menge seiner beiden Orientierungen zuordnet.
%  Einen weiteren derartigen Funktor
%  $$\op{or}^{\op{top}}:\op{Mod}_\DR(n)^\times\ra \op{Ens}$$ erhalten wir, indem wir
%  f"ur $V$ von der Dimension $\op{dim}_\DR(V)=n$ die Menge
%  $\op{or}^{\op{top}}(V)$ erkl"aren als die Menge der beiden Erzeuger von
%  $\op{H}}_n(V,V\backslash 0)$.
%  Man mag das die \glqq Menge der topologischen Orientierungen von $V$\grqq\ nennen und $\op{or}(V)$ die \glqq Menge der algebraischen Orientierungen von %  %  $V$\grqq. 
 %   Aus dem Vorhergehenden folgt, da"s es
 %   f"ur jedes $n$ zwischen diesen beiden Funktoren genau
%    zwei Isotransformationen $\op{or}\siRa \op{or}^{\op{top}}$ gibt.
%    In \ref{TOS} werden wir diskutieren, wie man sinnvoll f"ur jedes $n$ jeweils eine 
 %   dieser beiden Isotransformationen  auszeichnen kann.
%   \end{Bemerkungl}

%   \begin{Bemerkungw}
%     In \ref{AZIT} werden wir 
%  f"ur jedes $n$ eine derartige Isotransformation durch eine willk"urliche 
%  Wahl im  Fall $n=1$ und die Vertr"aglichkeit mit 
%  Kreuzprodukten auszeichnen.  
%   \end{Bemerkungw}

\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Algebraische und topologische Orientierung}]
  Jedem endlichdimensionalen  Vektorraum $V$ "uber einem angeordneten K"orper
  $k$ hatten wir in
  der linearen Algebra eine zweielementige  Orientierungsmenge
  oder ausf"uhrlicher seine {\bf algebraische Orientierungsmenge} $\op{or}(V)=\op{or}^{\op{alg}}(V)$
  zugeordnet und
  sogar einen Funktor
  $$\op{or}^{\op{alg}}:\op{Modf}_{k}^\times\ra\op{Ens}$$ erkl"art.
  Eine algebraische Orientierung von $V$ war dort eine Vorschrift $\varepsilon$, die
  jeder angeordneten Basis $\mathcal A$ von $V$ ein Vorzeichen
  $\varepsilon(\mathcal A)$
  so zuordnet, da"s
  diese Vorzeichen mit den Vorzeichen der
  Basiswechselmatrizen vertr"aglich sind.
  Jedem endlichdimensionalen reellen Vektorraum $V$
  ordnen wir
  seine {\bf topologische Orientierungsmenge $\op{or}^{\op{top}}(V)$} zu als die Menge der beiden Erzeuger
    von ${\op{H}}_n(V,V\backslash 0)$ und erhalten so einen weiteren Funktor 
  $$\op{or}^{\op{top}}:\op{Modf}_{\DR}^\times\ra\op{Ens}$$
  Zu jeder angeordneten Basis $\mathcal A=(v_1,\ldots,v_n)$ eines 
endlichdimensionalen reellen Vektorraums $V$
betrachten wir nun denjenigen Erzeuger\label{OEH} 
$\eta_{\mathcal A}\in
{\op{H}}_n(V,V\backslash 0)$, der
durch den affinen $n$-Simplex
$[\big(-\sum v_i\big), v_1,\ldots,v_n]$ repr"asentiert wird, und
erkl"aren unsere {\bf Standardtransformation}\index{Standardtransformation}
    $$\op{std}: \op{or}^{\op{alg}}\siRa \op{or}^{\op{top}}$$ durch die
Vorschrift
$\op{std}_V:\varepsilon\mapsto \varepsilon(\mathcal A)\eta_{\mathcal A}$.
Man zeige, da"s das wohldefiniert ist.
Wir zeigen in \eref{TOS}{TSK}, da"s diese Standardtransformation
 eine von zwei m"oglichen
\glqq Transformationen von Schmelzfunktoren\grqq\ ist f"ur
die nat"urlichen Erweiterungen von $\op{or}^{\op{alg}}$ und  $\op{or}^{\op{top}}$
zu \glqq Schmelzfunktoren\grqq, die wir ebenfalls dort besprechen. Solch eine
Schmelztransformation ist dann bereits festgelegt und festlegbar durch
die davon induzierte Bijektion $\op{or}^{\op{alg}}(\DR)\sira \op{or}^{\op{top}}(\DR)$.
\end{Ubung}
\begin{Beispiel}
  Im Fall der angeordneten Standardbasis $\mathcal S(n)$ des $\DR^n$
  ist $\eta_{\mathcal S(n)}=\eta_n$ unser Standarderzeuger aus \ref{WsE}.
\end{Beispiel}
\begin{Ubung}[\textbf{Vertr"aglichkeiten im Zusammenhang mit  Orientierungen}]  
  Man zeige die Kommutativit"at  des Diagramms
 \begin{displaymath}
 \xymatrix{
\op{or}^{\op{alg}} \ar@{=>}[d]^-{\op{std}}_-\wr\ar@{=>}[r]^-{\op{std}}_-\sim &\op{or}^{\op{top}}\ar@{=>}[d]^-{\partial}_-\wr\\
\op{dreh}\ar@{=>}[r]^-{\op{hur}}_-\sim &\op{or}_{\op{abs}}^{\op{top}}\\
}
 \end{displaymath}
  in $\op{Cat}(\op{Mod}_\DR(2)^\times, \op{Ens})$ von Funktoren und Transformationen 
 mit unten rechts dem Funktor $\op{or}_{\op{abs}}^{\op{top}}$, der jedem
  zweidimensionalen reellen Vektorraum $V$ die Menge der beiden Erzeuger
  von ${\op{H}}_1(V\backslash 0)$ zuordnet, mit den Stan\-dard\-iso\-mor\-phis\-men aus der oberen linken Ecke nach rechts aus \ref{OEH} und nach
  unten zur Menge der beiden Drehsinne aus \eref{Drehs}{TF} und dem Randoperator
  der langen exakten Homologiesequenz
  $\partial:{\op{H}}_2(V,V\backslash 0)\sira {\op{H}}_1(V\backslash 0)$ 
  in der rechten Vertikale und dem Hurewicz-Isomorphismus  \ref{Hu} in der
  unteren Horizontale.
\end{Ubung}


\begin{Ubung} 
  Gegeben ein endliches angeordnetes minimales Erzeugendensystem
  $p_0,p_1,\ldots,p_n$ eines reellen affinen Raums $E$ erinnern
  wir die zugeh"orige algebraische
  Orientierung von $\vec E$ aus \eref{OaRa}{LA1}
  durch die angeordnete Basis $p_1-p_0, \ldots,p_n-p_0$.
  Sei $s$ der Schwerpunkt der $p_i$.\label{OrASj}  
  Man zeige, da"s die unter unserer Standardidentifikation 
  aus \ref{OEH} zugeh"orige topologische Orientierung
  alias der zugeh"orige Erzeuger von
  ${\op{H}}_n(\vec E,\vec E\backslash 0)$ 
  durch den Simplex $\Delta_n\ra \vec E$ mit
  $\op{e}_i\mapsto p_i-s$ repr"asentiert wird. 
\end{Ubung}



\begin{Ubung}[\textbf{Orientierung und Vorzeichen der Funktionaldeterminante}] 
Gegeben $A,B\co\DR^n$ offene Umgebungen des Ursprungs
und $g:A\sira B$ ein Diffeomorphismus mit $g(0)=0$  kommutiert das
Diagramm
$$\begin{array}{ccc}
{\op{H}}_n(A,A\backslash 0)&\ra &{\op{H}}_n(B,B\backslash 0)\\
\da&&\da\\
{\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash 0)&\ra &{\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash 0)
\end{array}$$
mit dem Vorzeichen der Funktionaldeterminante $\det(\diff_0 g)$
als unterer Horizontale. Hinweis: F"ur vom Ursprung verschiedene 
Punkte $p$ nahe am Ursprung\label{BLG} 
gilt die Absch"atzung $\|g(p)- (\diff_0 g)(p)\|<\|(\diff_0 g)(p)\|$.
\end{Ubung} 



\subsection{Orientierung von Mannigfaltigkeiten} 
\begin{Bemerkungl}
Unter einer 
{\bf topologischen Mannigfaltigkeit}\index{topologisch!Mannigfaltigkeit} 
{\bf der Dimension  $n$} 
oder kurz {\bf $n$-Mannigfaltigkeit}\index{Mannigfaltigkeit!topologische} 
verstehen wir wie in  \eref{Mgf}{TM} einen
Haus\-dorff\-raum $X$ derart, da"s jeder Punkt $p\in X$ eine
offene Umgebung besitzt, die hom\"{o}o\-morph ist zu einer 
offenen Teilmenge des $\DR^n$. 
Viele Autoren fordern von einer Mannigfaltigkeit zus\"{a}tzlich,
da"s sie \glqq parakompakt\grqq\  sein soll oder sogar  
\glqq abz\"{a}hlbar basiert\grqq. Wir werden solche Bedingungen stets
explizit erw\"{a}hnen. Vorerst sind sie f\"{u}r uns belanglos.
\end{Bemerkungl}





\begin{Bemerkungl}
Sei $M$ eine $n$-Mannig\-fal\-tig\-keit. F"ur jeden Punkt $x \in M$ ist
die relative Homologie ${\op{H}}_{n} (M,M\backslash x)$ alias die $n$-te lokale Homologie des bepunkteten Raums $(M,x)$ frei vom Rang Eins 
nach 
Ausschneidung \ref{Asch} und den Resultaten
\ref{MNH} "uber die Homologie von
Sph"aren.  
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Eine {\bf Orientierung},\index{Orientierung!von topologischer Mannigfaltigkeit}  genauer {\bf topologische Orientierung} einer $n$-Mannigfaltigkeit
ist eine Zuordnung $\omega$,  die jedem Punkt $x \in M$ einen
Erzeuger $\omega_{x}$ von ${\op{H}}_{n}(M,M\backslash x)$ zuordnet und zwar so,
da"s gilt:
F"ur alle $x \in M$ gibt es eine Umgebung $U$ von $x$ und ein Element
$\omega_{U} \in {\op{H}}_{n} (M,M\backslash U)$ derart, da"s
f"ur alle $ y \in U$ gilt $\omega_{U} \mapsto \omega_{y}$ 
unter der nat"urlichen Abbildung
${\op{H}}_{n} (M,M\backslash U)\ra {\op{H}}_{n} (M,M\backslash y)$.
Wir nennen $\omega_x$ die {\bf lokale Orientierung} zur \glqq globalen Orientierung\grqq\ $\omega$.\index{Orientierung!lokale} 
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bezug zur Orientierung aus der linearen Algebra}]
  Gegeben ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum $V$ 
  liefert die in \ref{OEH} ausgezeichnete  Standardbijektion $\op{std}_V$
  zwischen $\op{or}(V)$ 
  und der Menge der Erzeuger von ${\op{H}}_{n} (V,V\backslash 0)$
  eine Bijektion zwischen der Menge der
  Orientierungen auf  $V$
  im Sinne der linearen Algebra
  und der Menge der topologischen 
  Orientierungen von $V$ als Mannigfaltigkeit. 
\end{Bemerkungl}

 \begin{Bild} 
 \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildOrDD}\\[4mm]
 \noindent 
Illustration der Definition einer Orientierung.
Die ganzen Punkte $y\in U$ sind nicht beschriftet, erben
aber ihre Orientierung von einem gemeinsamen $\omega_U$.
Die Homologieklassen habe ich durch  Erzeuger angedeutet.
\end{Bild}

\begin{Bemerkungl}
Gegeben R"aume $M\supset A\supset B$ notieren wir die nat"urliche
Abbildung
${\op{H}}_{n} (M,M\backslash A)\ra {\op{H}}_{n} (M,M\backslash B)$
im weiteren Verlauf kurz $\eta\mapsto \eta|_B$,  so da"s wir 
etwa eben statt $\omega_{U} \mapsto \omega_{y}$ auch $\omega_{U}|_y = \omega_{y}$
h"atten schreiben d"urfen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Bezug zur Orientierung aus der Analysis}]
In \eref{Orkm}{AN2} hatten wir eine Orientierung einer Mannigfaltigkeit,
genauer einer eingebetteten $n$-di\-men\-sio\-na\-len
$\cal{C}^1$-Mannigfaltigkeit $M$,
 erkl"art als eine Vorschrift, die an jedem Punkt dem
 eine algebraische Orientierung des Tangentialraums auszeichnet
 derart, da"s noch gewisse 
zus"atzliche Eigenschaften erf"ullt sind.
Zu jeder derartigen
{\bf analytischen Orientierung von $M$}\index{Orientierung!analytische}
konstruieren wir  eine topologische Orientierung,
indem wir von $\DR^n$
mit seiner Standardorientierung
\eref{OrV}{LA1} 
ausgehen 
und mit unserer Standardbijektion 
\ref{OEH} eine topologische Orientierung von $\DR^n$ konstruieren.
Sie wird gegeben durch einen Erzeuger von
 ${\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash 0)$, den wir 
 den {\bf Standarderzeuger}\index{Standarderzeuger!von  ${\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash 0)$}  nennen. 
Durch Verschieben und Ausschneidung erhalten wir daraus 
Erzeuger der relativen Homologie
${\op{H}}_n(W,W\backslash p)$ f"ur beliebige $p\in W\co \DR^n$.
Gegeben eine Karte $(W,\varphi)$ der Orientierung $\varepsilon$ im Sinne
von \eref{OK}{AN2}  w"ahlen wir dann die Bilder der $\varepsilon$-fachen
dieser Erzeuger unter den von $\varphi$ induzierten Abbildungen
${\op{H}}_n(W,W\backslash p)\ra {\op{H}}_n(M,M\backslash \varphi(p))$
als Erzeuger auf der rechten Seite.
F"uhren wir das f"ur alle zusammenh"angenden Karten durch, so
erhalten wir
wegen der Beziehung \ref{BLG} zwischen dem Erhalten der Orientierung und dem  Vorzeichen der
Funktionaldeterminate eine wohldefinierte topologische Orientierung auf $M$.
Offensichtlich erhalten wir so f"ur jede $\mathcal C^1$-Mannigfaltigkeit $M$
eine Bijektion zwischen der Menge der
analytischen Orientierungen von $M$ und der Menge der
topologischen Orientierungen von $M$.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Eine Mannigfaltigkeit, die mindestens eine Orientierung besitzt, hei"st {\bf
orientierbar}.\index{orientierbar!
Mannigfaltigkeit, topologische} Unter einer
\defnoind{orientierten Mannigfaltigkeit}\index{orientiert!
Mannigfaltigkeit, topologische}
verstehen wir eine Mannigfaltigkeit mit einer ausgezeichneten
Orientierung.
Eine Orientierung auf $M$ induziert in offensichtlicher Weise
eine Orientierung auf jeder
offenen Teilmenge von $M$.   
\end{Definition}



\begin{Lemma}[\textbf{Kriterium f"ur die Gleichheit von Orientierungen}]
Stimmen zwei Orientierungen einer zusammen\-h"ang\-enden
Mannigfaltigkeit  in einem Punkt "uberein,\label{EOr} so sind sie gleich.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis] Seien $M$
unsere zusammen\-h"ang\-ende
Mannigfaltigkeit und $\omega,\eta$ unsere beiden Orientierungen.
Sei $x \in M$ gegeben mit $\omega_{x} = \eta_{x}$. 
Wir zeigen, da"s es eine
Umgebung $U$ von $x$ gibt mit $\omega_{y} = \eta_{y} \; \forall
y \in U$. 
Sicher d"urfen wir dazu annehmen $M = \DR^{n}$. 
Per definitionem gibt es einen offenen Ball $U$ um $x$ und Elemente
$\omega_{U},\eta_{U} \in {\op{H}}_{n} (\DR^{n},\DR^{n}\backslash U)$ mit
$\omega_{U} \mapsto \omega_{y} $ und
$\eta_{U}\mapsto \eta_{y}\; \forall y \in U$. 
Da aber f"ur so ein $U$ die Einbettung Isomorphismen
$${\op{H}}_{n}(\DR^{n}, \DR^{n}\backslash U) \sira {\op{H}}_{n} (\DR^{n}, \DR^{n}\backslash y)$$
induziert f"ur alle $y\in U$,  folgt 
aus $\omega_{x} = \eta_{x}$ bereits $\omega_{U} = \eta_{U}$ und dann
$\omega_{y} = \eta_{y} \;
\forall
y \in U$. 
Die Mengen $M_{\pm}$ aller $x\in M$ mit $\omega_{x} = \pm\eta_{x}$ sind
folglich offen. Damit ist
$M=M_+\amalg M_{-}$ eine Zerlegung in zwei
disjunkte offene Teilmengen. Da nach Annahme $M_+$
nicht leer ist und $M$ zusammenh"angend, folgt $\omega=\eta$. 
\end{proof}

\begin{Definition}
Etwas formaler betrachten wir die Menge
$$\op{or} = \op{or}_{M} \pdef
 \coprod_{x \in M} {\op{H}}_{n} (M,M\backslash x)$$
 und versehen sie mit der Topologie, die erzeugt wird von allen
Teilmengen der Gestalt\label{orGA} 
$ {\cal O}(U,\omega) = \{ \omega|_{x} \mid x \in U\}$
f"ur $U\co M$ und $\omega \in {\op{H}}_{n} (M,M\backslash U)$.
Wir nennen $\op{or}_M$ die \defind{Orientierungsgarbe} von $M$.   
Die offensichtliche Abbildung $p:\op{or}_M\ra M$ ist stetig,
denn das Urbild von $U\co M$ kann beschrieben werden als die 
Vereinigung aller $ {\cal O}(V,\omega)$ mit $V\co U$.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkungw}
Nach dem anschlie"senden
  Lemma \ref{AnLe} ist
$\op{or}_M\ra M$ eine "Uberlagerung   und damit in einer Terminologie,
  die wir in \eref{DeGa}{TG} einf"uhren,
  der \glqq \'etale Raum einer abelschen Garbe auf $M$\grqq.
  In dieser Terminologie bedeutet
unsere Konstruktion der
  Orientierungsgarbe
 die \glqq Garbifizierung der Pr"agarbe
  $U\mapsto {\op{H}}_n(M,M\backslash U)$\grqq.
\end{Bemerkungw}

\begin{Beispiel}[\textbf{Trivialisierung der Orientierungsgarbe von $\DR^n$}]
Wir konstruieren einen Hom"oomorphismus $\DZ\times \DR^n\sira
\op{or}_{\DR^n}$ oder vielmehr und noch nat"urlicher einen 
Hom"oomorphismus\label{BUR}
 $${\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash 0)\times \DR^n\sira
\op{or}_{\DR^n}$$
wie folgt: Jedem Paar $(\omega_0,x)$ wird
dasjenige $\omega_x\in {\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash x)$ zugeordnet 
mit der Eigenschaft, da"s es
f"ur einen und jeden Ball $B\co \DR^n$ mit Zentrum im Ursprung
und $x\in B$ ein $\omega_B\in {\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash
B)$
gibt  mit $\omega_B|_0=\omega_0$  und $\omega_B|_x=\omega_x$. 
Wegen der f"ur alle $x\in B$ 
von der Einbettung induzierten 
Isomorphismen ${\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash
B)\sira{\op{H}}_n(\DR^n,\DR^n\backslash
x) $ ist damit $\omega_x$ wohldefiniert,
und da"s unsere Abbildung eine Bijektion ist scheint mir
offensichtlich. Sie ist stetig, da das Urbild jedes 
$\cal{O}(U,\omega)$ f"ur einen Ball $U\co \DR^n$  offen ist, und da
diese Mengen auch schon die Topologie der Orientierungsgarbe 
erzeugen. Sie ist  offen, da diese Urbilder sogar die Topologie 
der linken Seite erzeugen, wie der Leser unschwer einsehen wird.
\end{Beispiel}



\begin{Lemma}\label{AnLe}
Ist $V \co M$ eine offene Teilmenge, so haben wir mit
den offensichtlichen  Abbildungen ein kartesisches
Diagramm
% $$\begin{array}{ccc}
% \op{or}_{V} & \ra &\op{or}_{M}\\
% \downarrow & &\downarrow \\
% V &\ra &M
% \end{array}$$
$$\xymatrix{\kart
\op{or}_{V} \ar[r]\ar[d]
& \op{or}_{M} \ar[d]\\
V \ar[r] &M}$$
In anderen Worten liefert 
in diesem Diagramm also  die obere Horizontale  einen 
Hom"oomorphismus von $\op{or}_{V} $ mit dem Urbild von $V$ in  $\op{or}_{M} $.
\end{Lemma}
\begin{Bemerkunge}
  Insbesondere ist also nach dem vorhergehenden Beispiel \ref{BUR} die
  nat"urliche Projektion $\op{or}_{M}\ra M$ eine "Uberlagerungsabbildung.
\end{Bemerkunge}


\begin{proof}[Beweis]
Mit der offensichtlichen Abbildung $\op{or}_{V}  \ra \op{or}_{M}$
meinen wir  die durch die nat"urlichen Abbildungen
${\op{H}}_{n} (V,V\backslash x) \sira {\op{H}}_{n} (M,M\backslash x)$ 
erkl"arte Injektion
$\op{can}:\op{or}_{V}  \hra \op{or}_{M}$.  Wir zeigen zun"achst, da"s sie
stetig ist.
Es gilt also zu zeigen, da"s die Urbilder aller $ {\cal O}(U,\omega_U) $
offen sind. In der Tat k"onnen wir das Urbild einer solchen
Menge aber schreiben als
$$\op{can}^{-1}({\cal O}(U,\omega_U))=\bigcup_{W\co U\cap V,\;
\bar{W}\subset V}{\cal O}_V(W,\omega_U|_W)$$
wo wir mit $\omega_U|_W$ das Bild von $\omega_U$ unter
$${\op{H}}_{n} (M,M\backslash U)\ra {\op{H}}_{n} (M,M\backslash W)\sila{\op{H}}_{n} (V,V\backslash W)$$
meinen und mit ${\cal O}_V(\;,\;)$ die definitionsgem"a"sen Erzeuger
der Topologie auf $\op{or}_V$ bezeichnen.
"Ahnlich aber einfacher erkennt man, da"s unsere Injektion
$\op{can}:\op{or}_{V}  \ra \op{or}_{M}$ offen ist.
Mithin tr"agt $\op{or}_{V}$ die von $\op{or}_{M}$ induzierte Topologie,
und dann folgt ohne weitere Schwierigkeiten, 
da"s unser Diagramm kartesisch ist.
\end{proof}



  \begin{Bemerkungl}\label{OrDar}
    Die Teilmenge $\op{or}_{M}^{\times} \subset \op{or}_{M}$,  
die aus allen
    Erzeugern von ${\op{H}}_{n} (M,M\backslash x)$ 
f"ur die verschiedenen $x\in M$ besteht, ist
    eine zweibl"attrige "Uberlagerung von $M$. 
Wir nennen sie die 
{\bf Orientierungs"uberlagerung}.\index{Orientierungs"uberlagerung} 
Eine Orientierung von $M$ ist
    nichts anderes als ein Lift $M \ra \op{or}_{M}^{\times}$ 
der Identit"at auf $M$ alias ein stetiger Schnitt dieser "Uberlagerung.
 Insbesondere ist $M$ orientierbar genau dann, 
wenn $\op{or}_{M}^{\times} \ra M$
eine triviale "Uberlagerung ist. Damit erweist sich das Kriterium 
\ref{EOr} f"ur die Gleichheit von Orientierungen  als eine Konsequenz aus
     Satz \eref{EL}{TF} "uber die Eindeutigkeit von Lifts. 
Ist $M$ zusammenh"angend und $x\in M$ fest gew"ahlt, so liefert
diese "Uberlagerung eine Operation der 
Fundamentalgruppe $\pi_1(M,x)$ auf einer zweielementigen Menge alias 
einen Homomorphismus $\pi_1(M,x)\ra \{\pm 1\}$ 
und $M$ ist orientierbar genau dann, wenn diese
\defind{Orientierungsdarstellung}
konstant ist.
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildOrP}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Anschauliche Darstellung der Erkenntnis, da"s die reell projektive Ebene 
nicht orientierbar ist. Die reell projektive Ebene ist hier aufgeschnitten
dargestellt, die beiden Kanten m"ussen so wieder verklebt werden,
da"s Pfeilspitze auf Pfeilspitze geht.
\end{minipage}
\end{figure}
\subsubsection*{"Ubungen} 

\begin{Ubung}
  Man zeige, da"s $\DP^2\DR$ nicht orientierbar ist. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Sei $M$ eine Mannigfaltigkeit. Man zeige:
  Die faserweise Addi\-tion $\op{or}_{M} \times_{M} \op{or}_{M}
\ra \op{or}_{M}$ sowie das faserweise Negative 
$\op{or}_{M} \ra \op{or}_{M}$ sind stetig,
und der \defind{Nullschnitt} $M\ra \op{or}_{M}$ ist auch stetig.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
  Eine einfach wegzusammenh"angende Mannigfaltigkeit ist stets orientierbar.
Allgemeiner ist jede Mannigfaltigkeit orientierbar, 
deren Fundamentalgruppe keinen
  Normalteiler vom Index Zwei besitzt.
  \end{Ubung}


\begin{Ubung}
F"ur jede $n$-Mannigfaltigkeit $M$ ist ihre 
Orientierungs"uberlagerung $\tilde M\pdef \op{or}^{\times}_M$ auch eine 
Mannigfaltigkeit. Weiter
 k"onnen wir auf der
Orientierungs"uberlagerung 
eine Orientierung definieren, indem wir von der Projektion
$\pi:\tilde M\sra M$ ausgehen und f"ur jedes $\tilde x\in \tilde M$
mit Bild $x\pdef \pi(\tilde x)$
den durch $\pi$ vermittelten 
Isomorphismus ${\op{H}}_n(\tilde M,\tilde M\backslash \tilde x)
\sira {\op{H}}_n( M, M\backslash  x)$ betrachten und jeweils 
das Urbild von
$\tilde x$ unter diesem Isomorphismus auszeichnen. 
Wir nennen diese Orientierung die 
{\bf tautologische Orientierung}\index{Orientierung!tautologische}
der Orientierungs"uberlagerung.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Besitzt eine Mannigfaltigkeit eine "Uberdeckung durch zwei
  orientierbare offene Teilmengen mit zusammenh"angendem Schnitt, so ist sie
  auch selbst bereits orientierbar.
\end{Ubung}

  

\subsection{Hohe Homologie von Mannigfaltigkeiten}
\begin{Satz}[\textbf{Homologie von Mannigfaltigkeiten im Dimensionsgrad}]
Gegeben eine kompakte zusammen\-h"ang\-en\-de orientierbare
$n$-Mannig\-fal\-tig\-keit $M$  ist\label{FZ}
ihre $n$-te Homologiegruppe ${\op{H}}_{n}M$  frei vom Rang Eins
und die offensichtliche Abbildung 
 liefert f"ur alle $x\in M$ Isomorphismen
$${\op{H}}_{n}M\sira {\op{H}}_{n}(M,M\backslash x)$$
\end{Satz}
\begin{proof}
Um beim Beweis dieses Satzes die n"otige Flexibilit"at zu haben, zeigen
wir im folgenden gleich die allgemeinere Aussage \ref{HHM}.   
\end{proof}
\begin{Bemerkungl}
Ist $(M,\omega)$ eine kompakte orientierte Mannigfaltigkeit,
so gibt es nach  Satz \ref{FZ}   genau ein Element $\omega_M\in {\op{H}}_{n}M$
mit $\omega_M\mapsto \omega_x\; \forall x\in M$.\label{FUZY}  
Dies Element  $\omega_M$ hei"st der \defind{Fundamentalzykel}
der kompakten orientierten Mannigfaltigkeit $M$ und wird notiert als
$$[M]\pdef \omega_M$$
Manche Autoren nennen $[M]$ die \defind{Fundamentalklasse}, da es
sich dabei genau genommen nicht um einen Zykel handelt, sondern vielmehr eine Klasse von Zykeln, eben eine Homologieklasse.
Ich halte daf"ur, da"s die Bezeichnung als Fundamentalzykel so viel mehr
geometrische Anschauung transportiert, da"s es lohnt, daf"ur diese kleine
Inkonsistenz in der Terminologie auszuhalten.  
\end{Bemerkungl}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildFuZy}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Repr"asentant eines  Fundamentalzykels 
der Kreislinie
\end{minipage}

\begin{Bemerkungl} Wir erinnern aus \ref{orGA} die Orientierungsgarbe $\op{or}_M\ra M$ einer Mannigfaltigkeit $M$. Rein topologisch ist das nach
  \ref{AnLe} eine "Uberlagerung, aber zus"atzlich tr"agt jede Faser noch
  die Struktur einer abelschen Gruppe, die frei ist vom Rang Eins, und
  die faserweise Addition ebenso wie das faserweise Inverse
  induziere stetige Abbildungen $\op{or}_M\times_M\op{or}_M\ra\op{or}_M$
  beziehungsweise $\op{or}_M\ra\op{or}_M$. In der feineren Sprache aus
  \eref{VkOO}{AAG} ist das
  ein \glqq abelsches Gruppenobjekt
  in der Kategorie der "Uberlagerungen von $M$\grqq.
\end{Bemerkungl}
\end{figure}\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildFuZyS}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
 Repr"asentant eines  Fundamentalzykels 
der Sph"are
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Definition}\label{SOG}
Gegeben $M$
eine Mannigfaltigkeit und $A\subset M$   eine Teilmenge
nennen wir einen 
Lift $A \ra \op{or}_M$ der Einbettung $A \hra M$ auch einen
{\bf stetigen Schnitt "uber $A$ 
der\index{G@$\Gamma$ Schnitt!der Orientierungsgarbe}  
Orientierungsgarbe}.\index{Schnitt!der Orientierungsgarbe}
Die Gruppe der stetigen Schnitte "uber $A$ notieren wir
$$\Gamma (A; \op{or}_M) = \Gamma
A$$
Der {\bf Tr"ager}\index{Tr"ager!von Schnitt!der Orientierungsgarbe} 
eines Schnitts $s \in \Gamma A$ ist die Menge
$\op{supp} s \subset A$ aller derjenigen Punkte, 
an denen er von Null verschieden
ist.
Der Tr"ager eines stetigen Schnitts "uber $A$ 
ist stets abgeschlossen in $A$.  Wir notieren
die Untergruppe aller stetigen Schnitte mit kompaktem
Tr"ager\index{G@$\Gamma_{~!}$ Schnitte mit kompaktem Tr"ager!der Orientierungsgarbe}   
$$\Gamma_{!} A\subset\Gamma A$$
Die Gruppe der nicht notwendig stetigen Schnitte $A\ra \op{or}_M$ notieren wir
 %$\Gamma_{\dagger}A$. 
$\Gamma'A$.
\end{Definition}
\begin{Satz}[\textbf{Hohe Homologie von Mannigfaltigkeiten}]
Gegeben eine $n$-Man\-nig\-faltigkeit  $M$ und 
eine abgeschlossene\label{HHM}
Teilmenge $A \As M$  gilt f"ur $q > n$
stets ${\op{H}}_{q}(M,M\backslash A)=0$.  
F"ur $q=n$ dahingegen
induziert die
offensichtliche Abbildung $j=j_A: {\op{H}}_{n} (M,M\backslash A)\ra
\Gamma'A$ einen Isomorphismus
zwischen der $n$-ten Homologie von $M$ relativ zum  Komplement von $A$ und
der Gruppe der stetigen Schnitte mit kompaktem Tr"ager 
von $A$ in die Orientierungsgarbe, in Formeln einen Isomorphismus
$$j : {\op{H}}_{n} (M,M\backslash A)\sira \Gamma_{!}A$$
\end{Satz}


\begin{Beispiel}
Unser Isomorphismus 
${\op{H}}_1 (U) \sira  
\mathcal C_! (\mathbb C \backslash U, \mathbb Z)$
aus \ref{HoE} f"ur $U\co\DC$
liefert  obigen Isomorphismus im Spezialfall
$M=\DC$, wenn wir die Randabbildung der langen exakten
Homologiesequenz ${\op{H}}_2(\DC,U)\sira {\op{H}}_1 (U)$
vorschalten und die Standardorientierung von $\DC$ w"ahlen
und $A=\DC\backslash U$ setzen.
\end{Beispiel}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildHoMa}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Illustration des Satzes "uber hohe Homologie von Mannigfaltigkeiten. 
In der gro"sen offenen Ellipse $M$ betrachten wir die schraffierte
abgeschlossene 
Teilmenge $A\As M$. Der eingezeichnete $1$-Zykel entspricht der charakteristischen Funktion der von ihm umrundeten kompakten Komponente von $A$.
 \end{minipage}
\end{figure}


\begin{Bemerkungw}
  Allgemeinere Aussagen in dieser Richtung
  macht die  \glqq starke Poincar\'e-Dualit"at\grqq\ \eref{SP}{TSS}. 
\end{Bemerkungw}


\begin{proof}[Beweis]
Wir zeigen zun"achst, da"s $j$ tats"achlich in $\Gamma_!A\subset\Gamma'A$ landet. 
Sei also $\eta\in {\op{H}}_{n} (M,M\backslash A)$ gegeben.
Um zu zeigen, da"s $j(\eta)$ ein stetiger Schnitt der Orientierungsgarbe
ist, m"ussen wir zeigen $j(\eta)^{-1}( {\cal O}(U,\omega))\co A$
f"ur alle $U\co M$ und $\omega \in {\op{H}}_{n} (M,M\backslash U)$
mit den $ {\cal O}(U,\omega) \pdef  \{ \omega|_{x} \mid x \in U\}$
wie in der Definition der Topologie der Orientierungsgarbe in \ref{orGA}.
Nach Einsetzen der Definitionen gilt es zu zeigen, da"s die Menge 
$$E\pdef \{x\in A\cap U\mid \omega \text{ und }\eta\text{ haben dasselbe Bild in } {\op{H}}_{n} (M,M\backslash x)\}$$ offen ist in $A$. Nehmen wir aber
ein $x\in E$ und einen repr"asentierenden singul"aren Zykel $c\in {\op{S}}_nM$
von $\eta$ und eine offene Umgebung $W\co U$ von $x$ mit $\partial c\in {\op{S}}_{n-1}(M\backslash W)$, 
 f"ur die gilt
${\op{H}}_{n} (M,M\backslash W)\sira {\op{H}}_{n} (M,M\backslash y)\;\forall y\in W$, so folgt $W\cap A\subset E$. Also haben wir $E\co A$ und
$j(\eta)$ ist ein stetiger Schnitt der Orientierungsgarbe. 
Schlie"slich gibt es ein
 Kompaktum $K\subset M$ mit $c\in {\op{S}}_nK$ und dann verschwindet
 $j(\eta)$ au"serhalb von $K\cap A$. Folglich landet $j$ stets in
 $\Gamma_{!}A$. Jetzt machen wir uns an den Beweis der restlichen Aussagen.
Um Schreibarbeit zu sparen setzen wir ${\op{H}}_{q}(\backslash A)\pdef {\op{H}}_{q}(M,M\backslash A)
$  und bemerken zun"achst:\begin{Lemma}
Sind $A_{1}, A_{2}$ abgeschlossen in $M$ und gilt der Satz f"ur
$A_{1}, A_{2}$ und $A_{1}\cap A_{2}$,  so gilt er auch f"ur
$A_{1}\cup A_{2}$.  \end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt mit dem F"unferlemma aus dem kommutativen Diagramm
%$$\begin{array}{cccccccc}
%\scriptstyle{\ldots }&\scriptstyle{{\op{H}}_{n+1}(\backslash %A_{1}\cap A_{2})}&\scriptstyle{\ra
%}&\scriptstyle{ {\op{H}}_{n}(\backslash A_{1}\cup A_{2}) }&\scriptstyle{ \ra }&\scriptstyle{
%{\op{H}}_{n}(\backslash A_{1})\oplus {\op{H}}_{n} (\backslash A_{2})}&\scriptstyle{ \ra
%}&\scriptstyle{{\op{H}}_{n}(\backslash A_{1}\cap A_{2})}\\
% &\scriptstyle{ \downarrow \!\wr}&\scriptstyle{ }&\scriptstyle{ \downarrow
%}&\scriptstyle{ }&\scriptstyle{ \downarrow \!\wr}&\scriptstyle{ }&\scriptstyle{
%\downarrow\!\wr}\\
%\scriptstyle{  \ldots }&\scriptstyle{ 0 }&\scriptstyle{ \ra }&\scriptstyle{
%\Gamma_{!}(A_{1}\cup A_{2}) }&\scriptstyle{ \ra
% }&\scriptstyle{\Gamma_{!}A_{1} \oplus \Gamma_{!}A_{2} }&\scriptstyle{
%\rightarrow }&\scriptstyle{
% \Gamma_{!}(A_{1}\cap A_{2})}
%\end{array}$$
$$\begin{array}{cccccccc}
{0 }&{\ra
}&{ {\op{H}}_{n}(\backslash A_{1}\cup A_{2}) }&{ \ra }&{
{\op{H}}_{n}(\backslash A_{1})\oplus {\op{H}}_{n} (\backslash A_{2})}&{ \ra
}&{{\op{H}}_{n}(\backslash A_{1}\cap A_{2})}\\
 &&{ \downarrow
}&{ }&{ \downarrow \!\wr}&{ }&{
\downarrow\!\wr}\\
{  0 }&{ \ra }&{
\Gamma_{!}(A_{1}\cup A_{2}) }&{ \ra
 }&{\Gamma_{!}A_{1} \oplus \Gamma_{!}A_{2} }&{
\rightarrow }&{
 \Gamma_{!}(A_{1}\cap A_{2})}
\end{array}$$
mit exakten Zeilen, wo wir oben die relative
Mayer-Vietoris-Sequenz \ref{RMVS} benutzt haben und am Anfang
unsere Voraussetzung ${{\op{H}}_{n+1}(\backslash A_{1}\cap A_{2})}=0$.
\end{proof}
\noindent
Jetzt gehen wir in mehreren Schritten von Spezialf"allen bis zur
allgemeinen Situation.
\\[2mm]
\noindent
1.
Ist $M = \DR^{n}$ und $A \subset \DR^{n}$ ein kompakter Quader, dem wir auch
Seiten der L"ange Null erlauben, so gilt der Satz ganz offensichtlich,
da f"ur jeden Punkt $p \in A$ die Einbettung $\DR^{n} \backslash  A
\hookrightarrow \DR^{n} \backslash  p$ eine Homotopie"aquivalenz ist.
\\[2mm]
\noindent
2.
Ist $M =\DR^{n}$ und $A \subset \DR^{n}$ kompakt, so gilt der
Satz.
In der Tat, gegeben $z \in {\op{S}}_{q} \DR^{n}$ mit 
$\partial z \in {\op{S}}_{q-1}
( \DR^{n}\backslash A)$ finden wir $\epsilon >0$ und $E \subset \DR^{n}$ endlich
mit
$$A \subset B \pdef \bigcup_{v \in E}  v +
[-\epsilon,\epsilon]^{n}$$
und $\partial z \in {\op{S}}_{q-1} ( \DR^{n}\backslash B)$. 
Es folgt, da"s unser $[z] \in {\op{H}}_{q} ( \DR^{n}, \DR^{n}\backslash A)$ 
das Bild von $[z] \in
{\op{H}}_{q}
( \DR^{n}, \DR^{n}\backslash B)$ ist.
Nun gilt der Satz f"ur unsere \glqq W"urfelmenge\grqq\  $B$ nach
Schritt 1 und dem Lemma.
Das zeigt unsere Behauptung im Fall $q >n$.  
Im Fall $q=n$ zeigen wir zun"achst die Injektivit"at
$j_{A}[z]=0\RA [z]=0$. 
Dazu w"ahlen wir unsere W"urfelmenge $B$
zus"atzlich so, da"s jeder W"urfel
von $B$ die Menge $A$ trifft,
etwa indem wir $E\subset A$ w"ahlen.
Dann ist  die
Restriktion $\Gamma B \ra \Gamma A$ injektiv
und aus $j_{A}[z]=0$ folgt $j_{B}[z]=0$
und damit $[z]=0$ sogar in ${\op{H}}_{q}
( \DR^{n}, \DR^{n}\backslash B)$.  Das zeigt die Injektivit"at von
$j_{A}$.  
Um die Surjektivit"at von $j_{A}$ zu zeigen, argumentieren wir
"ahnlich: Jeder stetige Schnitt $s \in \Gamma A$ ist lokal
konstant und gleichm"a"sig stetig, 
l"a"st sich also stetig auf eine geeignete kompakte W"urfelmenge
$B$ ausdehnen und kommt damit sogar von einer Klasse aus
${\op{H}}_{n} ( \DR^{n}, \DR^{n}\backslash B)$ her.
\\[2mm]
\noindent
3.
Ist $A$ kompakt und $M$  beliebig, so k"onnen wir $A$ schreiben als
eine endliche Vereinigung von Kompakta, die jeweils ganz in einer
Karte enthalten sind. Dann sind wir fertig mit
Induktion nach Schritt 2 und 
 dem Lemma und Ausschneidung.
\\[2mm]
\noindent
4.
Sei nun $A$ abgeschlossen und $M$ 
lasse sich einbetten als offene Teilmenge mit kompaktem
Abschlu"s in eine gr"o"sere $n$-Mannigfaltigkeit $X$,  in Formeln
$M \co X$ mit $\bar{M}$ kompakt.
So bezeichnen wir den Rand von $M$ in $X$ mit $\partial M =
\bar{M} \backslash  M$,  betrachten die lange exakte Sequenz des
Tripels
$$(X,X\backslash \partial M, X \backslash (\partial M \cup A))$$
und beachten, da"s $\partial M$ und $\partial M \cup A$ kompakt
sind. Mit dem bereits Bewiesenen folgt f"ur $q >n$ schon 
$0 = {\op{H}}_{q} (X\backslash \partial M, X \backslash 
(\partial M \cup A))$ und durch Ausschneiden von $X \backslash  \bar{M}$
auch $0= {\op{H}}_{q} (M, M\backslash A)$. 
Im Fall $q = n$
erhalten wir mit derselben Ausschneidung
ein kommutatives Diagramm
% $$\begin{array}{ccccccc}
% \scriptstyle{0 }&\scriptstyle{ \ra }&\scriptstyle{{\op{H}}_{n} (M,M\backslash A)
% }&\scriptstyle{ \ra }&\scriptstyle{{\op{H}}_{n} (X, X\backslash (\partial M \cup A))
% }&\scriptstyle{
% \ra }&\scriptstyle{ {\op{H}}_{n}(X,X\backslash \partial M)}\\
% & & \scriptstyle{\downarrow }&\scriptstyle{ }&
% \scriptstyle{\downarrow\!\wr
% }&\scriptstyle{ }&\scriptstyle{ \downarrow\! \wr }\\
% \scriptstyle{0 }&\scriptstyle{ \ra }&\scriptstyle{ \Gamma_{!}A }&\scriptstyle{
% \ra }&\scriptstyle{ \Gamma_{!} (\partial M \cup A)}&\scriptstyle{ \ra
% }&\scriptstyle{\Gamma_{!} (\partial M)}
% \end{array}$$
$$\begin{array}{ccccc}
{{\op{H}}_{n} (M,M\backslash A)
}&{ \hra }&{{\op{H}}_{n} (X, X\backslash (\partial M \cup A))
}&{
\ra }&{ {\op{H}}_{n}(X,X\backslash \partial M)}\\
{\downarrow }&{ }&
{\downarrow\!\wr
}&{ }&{ \downarrow\! \wr }\\
{ \Gamma_{!}A }&{
\hra }&{ \Gamma_{!} (\partial M \cup A)}&{ \ra
}&{\Gamma_{!} (\partial M)}
\end{array}$$
mit exakten Zeilen, wo die zweite horizontale Abbildung
der unteren Zeile einen
Schnitt mit kompaktem Tr"ager fortsetzt durch Null.
Die Behauptung folgt mit dem F"unferlemma.
\\[2mm]
\noindent
5.
Der allgemeine Fall.
Sei zun"achst $q > n$ und $z \in {\op{S}}_{q}M$ ein Repr"asentant von
$\omega \in {\op{H}}_{q} (M,M\backslash A)$.  So finden wir $U \co M$ mit $z \in
{\op{S}}_{q} U$ und $\bar{U}$ kompakt.
Nach dem vorhergehenden Punkt verschwindet die Klasse von $z$
schon in ${\op{H}}_{q} (U,U\backslash A)$,  also erst recht in ${\op{H}}_{q}(M,M\backslash A)$ und
es folgt ${\op{H}}_{q} (M,M\backslash A) =0$ f"ur $q > n$. 
Im Fall $q =n$ beachten wir f"ur $U\co M$ das kommutative Diagramm
$$\begin{array}{ccc}
{\op{H}}_{n} (U, U\backslash A) & \ra & {\op{H}}_{n} (M,M\backslash A)\\
\downarrow & & \downarrow \\
\Gamma_{!} (A \cap U) & \ra & \Gamma_{!} A
\end{array}$$
wo die untere Horizontale ausdehnt durch Null.
Ist $\bar{U}$ kompakt, so ist die linke Vertikale ein
Isomorphismus nach dem vorigen Schritt.
Aber jedes $\omega \in {\op{H}}_{n} (M,M\backslash A)$ wird repr"asentiert von
einem $z \in {\op{S}}_{n} M$,  wir finden dann $U\co M$ mit $\bar{U}$
kompakt und $z \in {\op{S}}_{n} U$ und so kommt $\omega$ schon her von
einem $\left[ z \right] \in {\op{H}}_{n} (U,U\backslash A)$. 
Das zeigt die Injektivit"at von $j_{A}$. 
Die Surjektivit"at zeigen wir "ahnlich:
F"ur jedes $s \in \Gamma_{!} A$ gibt es $U\co M$ mit
$\bar{U}$ kompakt und $s \in \Gamma_{!} (A \cap U)$ und dann
kommt $s$ sogar schon her von ${\op{H}}_{n} (U,U\backslash A)$. 
\end{proof}
\begin{Korollar}\label{HMN}%\label{OM}
Ist $M$ eine zusammenh"angende aber nicht kompakte
oder nicht orientierbare
$n$-Man\-nig\-fal\-tig\-keit, so gilt ${\op{H}}_{n} M=0$. 
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Wir erhalten einen
  Hom"oomorphismus $M\sqcup(\DN_{\geq 1}\times \op{or}^\times_M)\sira\op{or}_M$
  durch die Vorschrift, die auf $M$ der Nullschnitt der
  Orientierungsgarbe ist und sonst die Multiplikation mit der
  entsprechenden nat"urlichen Zahl in jeder Faser. Ist also $M$
  zusammenh"angend und hat $\op{or}_M\ra M$ einen von Null
  verschiedenen stetigen Schnitt, so hat der bereits ganz $M$ als Tr"ager und
  es gibt auch einen stetigen Schnitt von $\op{or}_M^\times$ alias eine
  Orientierung.
\end{proof}

  
\begin{Korollar}[\textbf{Alexander-Dualit"at in einem Spezialfall}]
Ist $A \As \DR^{n}$ abgeschlossen  mit endlich vielen 
kompakten und beliebig vielen sonstigen Zusammenhangskomponenten, so gilt 
f"ur die Zahl $k$ der kompakten Zusammenhangskomponenten\label{Adu} 
$$\tilde{{\op{H}}}_{n-1} (\DR^{n} \backslash A) \cong \Bbb{Z}^{k}$$
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
Die Aussage des Korollars ist ein Spezialfall der sogenannten
\glqq Alex\-an\-der-Dualit"at\grqq\  \eref{ADu}{TG}.
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}[Beweis]
Wir haben ${\op{H}}_{n}(\DR^{n}, \DR^{n}
\backslash A) \sira \tilde{{\op{H}}}_{n-1} (\DR^{n} \backslash A)$ 
nach der langen
exakten Homologiesequenz und der linke Raum ist isomorph zu
$\Gamma_{!} A \cong \Bbb{Z}^{k}$ nach unserem Satz \ref{HHM}.
Man verwende hierbei, da"s der Abschlu"s von $A$ in der Einpunktkompaktifizierung $S^n$ von $\DR^n$ nur endlich viele Zusammenhangskomponenten hat, so da"s insbesondere alle kompakten Zusammenhangskomponenten  offen sind in $A$. 
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Umlaufzahl als Spezialfall der Alexanderdualit"at}] 
Sind wir im Spezialfall $M=\DC$ 
und benutzen die durch $(1,{\op{i}})$ gegebene Orientierung von $\DC$,  
um\label{Aduu} %\label{Adu}
$\Gamma_{!}A$ zu identifizieren mit stetigen Abbildungen 
$A\ra\DZ$ mit kompaktem Tr"ager, so 
ordnet unser Isomorphismus
\begin{displaymath}
{\op{H}}_1 (\Bbb{C} \backslash  A ; \Bbb{Z} ) \sira \Gamma_{!}A
\end{displaymath}
der Klasse $[\gamma]$ eines Zykels $\gamma$ 
diejenige Funktion $A \ra \Bbb{Z}$ zu, deren
Wert an einer Stelle $z \in A$ die Umlaufzahl 
im Sinne von \ref{ULZZ} des 
Zykels $\gamma$ um den Punkt $z$ ist.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiel}[\textbf{Schnitte von deformierten offenen Kreisscheiben}]
  Gegeben zwei offene Teilmengen $U,V\co \DC$
  mit ${\op{H}}^1(U)={\op{H}}^1(V)=0$ zeigt die Mayer-Vietoris-Sequenz
  \ref{MVS} zusammen mit dem Verschwinden von ${\op{H}}^2(U\cup V)$
  aus dem Satz \ref{HHM} "uber hohe Homologie von Mannigfaltigkeiten
  das Verschwinden ${\op{H}}^1(U\cap V)=0$. Jede Zusammenhangskomponente
  von $U\cap V$ ist also hom"oomorph zu einer offenen Kreisscheibe
  nach \ref{HtOf}.
\end{Beispiel}


\begin{Definition}\label{AbGG}
Sei $f: M \ra N$ eine stetige Abbildung von kompakten orientierten
zusammenh"angenden $n$-Mannigfaltigkeiten. 
Der {\bf Abbildungsgrad}\index{Abbildungsgrad!allgemein} 
$\op{grad} f$ {\bf von} $f$ ist die ganze Zahl, 
die angibt, auf welches Vielfache des Fundamentalzykels von $N$ der Fundamentalzykel  von $M$ abgebildet wird, in Formeln 
$$f_{\ast} [M] = (\op{grad} f) [N]$$
\end{Definition}
\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildAbG}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Eine Abbildung einer Kreislinie auf sich selbst vom
Abbildungsgrad Zwei. Die Orientierungen sind durch Pfeilspitzen 
angedeutet. An den Punkten des  Urbilds zweier Punkte
sind auch die lokalen Abbildungsgrade eingetragen, 
unter Verwendung der Abk"urzungen $\pm$ f"ur $\pm 1$.  
\end{minipage}
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Nichtsurjektionen haben Abbildungsgrad Null}] 
  Insbesondere ist eine Abbildung von zusammenh"angenden orientierten kompakten
  Mannigfaltigkeiten derselben Dimension
  mit von Null verschiedenem Abbildungsgrad
stets surjektiv, da 
 f"ur jeden Punkt $x\in N$ die
 Mannigfaltigkeit $N\backslash x$ keine kompakte Zusammenhangskomponente
 hat und da  nach \ref{HMN} folglich gilt
${\op{H}}_n (N\backslash x) =0 \; \forall x \in N$. 
Jede Abbildung, deren
Bild einen Punkt $x$ nicht enth"alt, faktorisiert
jedoch als $M\ra (N\backslash x)\hra N$. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Homotope 
Abbildungen von zusammenh"angenden orientierten kompakten
  Mannigfaltigkeiten derselben Dimension haben nach \ref{HIv} denselben Abbildungsgrad.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Sei $f: M \ra N$ eine stetige Abbildung von orientierten
$n$-Mannigfal\-tig\-keiten $(M,\omega)$ und $(N,\eta)$.
Ist $q \in M$ ein isolierter Punkt der Faser "uber $f (q)$, 
gibt es in anderen Worten eine offene Umgebung $U \co M$ von $q$ mit $U\cap
f^{-1}(f(q))=\{q\}$,  so erkl"aren wir den\label{lABG} 
{\bf lokalen Abbildungsgrad von
$f$ bei $q$ }\index{Abbildungsgrad!lokaler} 
als die ganze Zahl $\op{grad}_{q} f \in \Bbb{Z}$, 
die gegeben wird durch die Gleichung
$$f_{\ast} \omega_{q} = (\op{grad}_{q}f) \eta_{f(q)}$$ f"ur
$f_{\ast}: {\op{H}}_{n} (U,U\backslash q)\ra {\op{H}}_{n} (N,N\backslash
f(q))$
die auf der Homologie induzierte Abbildung und
$ \omega_q$ beziehungsweise $ \eta_{f(q)}$ die entsprechenden
lokalen Orientierungen.
Diese Abbildung h"angt offensichtlich nicht von der Wahl
von $U$ ab.
\end{Definition}
\begin{Beispiel}
  In "Ubung \ref{BLG}  haben Sie gezeigt, da"s der
lokale Grad 
im Fall eines lokalen Diffeomorphismus zwischen offenen 
Teilmengen des $\DR^n$ gerade das Vorzeichen der 
Funktionaldeterminante ist. In "Ubung \ref{lAPP} werden Sie unter anderem
zeigen,
da"s der lokale Abbildungsgrad am Ursprung der Potenzabbildung
$\DC\ra\DC$, $z\mapsto z^n$ genau $n$ ist. 
\end{Beispiel}
\begin{Satz}[\textbf{Abbildungsgrad als Summe lokaler Abbildungsgrade}]
Gegeben eine stetige Abbildung  von 
kompakten\label{ABGrn} %\label{ABGr} 
 orientierten
zusammenh"angenden $n$-Man\-nig\-faltig\-kei\-ten $f: M \ra N$ 
und ein Punkt $p \in N$
mit endlichem Urbild ist der Abbildungsgrad von $f$ die Summe der
lokalen Abbildungsgrade bei den Urbildern unseres Punktes, in Formeln
$$\op{grad}f = \sum_{q \in f^{-1}(p)} \op{grad}_{q} f$$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Wir nummerieren  die Punkte
aus der Faser "uber $p$ als $q_{1}, \ldots,
q_{r}$ und
w"ahlen f"ur sie paarweise disjunkte offene
Umgebungen $U_{1}, \ldots , U_{r}$.  
 Dann betrachten wir f"ur jedes $j$ das kommutative
Diagramm
$$\begin{array}{ccccccc}
{\op{H}}_n M & \sira & {\op{H}}_n (M,M\backslash q_j)&
\sila&  {\op{H}}_{n} (U_j, U_j \backslash  q_{j})\\
\| & &\uparrow & &\uparrow  \\
{\op{H}}_n M & \ra & {\op{H}}_n (M,M\backslash \{q_1,\ldots,q_r\})&
\sila& \bigoplus_{i} {\op{H}}_{n} (U_i, U_i \backslash  q_{i})\\
\downarrow & &\downarrow & &\downarrow  \\
{\op{H}}_n N & \sira & {\op{H}}_n (N,N\backslash p) & = &{\op{H}}_n (N,N\backslash p)
\end{array}$$
Hier meint der letzte Isomorphismus der mittleren Horizontalen
 Ausschneidung gefolgt von der relativen Version 
der Zerlegung der Homologie
\ref{ZHHb}
Wir erinnern die Vertr"aglichkeit der relativen Homologie mit Koprodukten
\ref{ZHHb}, die Zeilenmatrix $({\op{H}}_{n}\op{in}_i)_i$
liefert also einen Isomorphismus
$$\textstyle \bigoplus_i {\op{H}}_{n}(U_i, U_i \backslash  p_i)\sira {\op{H}}_{n}(\bigcup_iU_i, \bigcup_iU_i\backslash  p_i)$$
f"ur die als Spalte verstandenen Eintr"age der direkten Summe. 
Gehen wir von der Mitte der linken Vertikalen
direkt nach unten, so wird der Fundamentalzykel $[M]$ 
abgebildet auf
$(\op{grad}f)[N]$.  Gehen wir dahingegen in der mittleren Horizontale nach
rechts, 
so erhalten wir das Tupel der $ \omega_M|_{q_i}$,  wie die obere 
H"alfte des Diagramms zeigt, und gehen wir dann nach unten,
so erhalten wir die Summe der lokalen Abbildungsgrade 
multipliziert mit  $\eta_N|_p$. 
Gehen wir wieder 
nach links, so folgt die Behauptung.
\end{proof}

\begin{figure}[htb]
\begin{minipage}{0.45\textwidth}
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildPoiD}
\end{minipage}\hfill
 \begin{minipage}{0.45\textwidth}\centering
Schnittpaarung im  Torus $M$  mit der durch den
kleinen Kreispfeil angedeuteten Orientierung. Wir schneiden zwei  orientierte
Untermannigfaltigkeiten $X$ und $Y$, dargestellt als bepfeilte Kurven.
Die Schnittpunkte sind
zweimal mit $+1$ und einmal mit $-1$ zu gewichten, die gesamte Schnittzahl ist $\omega_X\odot\omega_Y=1$.
\end{minipage}
\end{figure}

\begin{Bemerkungw}[\textbf{Schnittpaarung und Poincar\'e-Dualit"at}]
Ich kann nun einige Aussagen zumindest formulieren,  deren Beweise uns 
 noch lange  besch"aftigen werden.\label{SPoD} 
 Gegeben eine kompakte orientierte $n$-Mannigfaltig\-keit $M$  werden
 wir in \ref{KSP} f"ur
    alle $q$ mit $0 \leq q \leq n$ eine bilineare Abbildung konstruieren, die sogenannte \glqq Schnittpaarung\grqq\index{)8a@$\odot$ Schnittpaarung}
    \begin{displaymath}
      \begin{array}{ccc}
        \mathrm H_q M \times \mathrm H_{n-q} M & \rightarrow &\mathbb Z\\
        (\zeta\;,\; \xi) \;\;\;& \mapsto & \zeta \odot \xi
      \end{array}
    \end{displaymath}
    Sie ordnet je zwei Homologieklassen komplement"aren Grades
    ihre {\bf Schnittzahl}\index{Schnittzahl} zu und  hat
    eine anschauliche Bedeutung, zu deren genauer Formulierung
ich etwas ausholen mu"s. 
Gegeben eine orientierte abgeschlossene $q$-dimensionale Untermannigfaltigkeit 
$X\As M$, also eine abgeschlossene Teilmenge, die mit der Spurtopologie zu einer
$q$-dimensionalen Mannigfaltigkeit wird
und die zus"atzlich mit einer Orientierung
versehen ist, erhalten  wir ja einen Fundamentalzykel 
$[X] \in \mathrm H_qX$. Dessen Bild in der Homologie von $M$  notieren wir
kurzerhand $[X] \in \mathrm H_q M$.
Seien nun $X \As M$ und $Y \As M$
    abgeschlossene orientierte Untermannigfaltigkeiten
komplement"arer Dimensionen $q$ und $n-q$.
Wir nehmen zus"atzlich an, da"s es um jeden Schnittpunkt $s \in X \cap Y$ 
    eine offene Umgebung $U \co M$ und einen 
Hom"oomorphismus $U
    \sira  \mathbb R^n$ gibt,
unter dem  die von $M$ auf $U$ induzierte
Orientierung  der Standardorientierung des $\DR^n$ 
entspricht und die Hom"oomorphismen $X \cap U
    \sira  \mathbb R^q \times 0$ sowie $Y \cap U
    \sira  0\times \mathbb R^{n-q}$ induziert.  
Erkl"aren wir
    schlie"slich Vorzeichen $\epsilon (s), \eta (s)$ dadurch, da"s sie
    angeben, ob unsere letzten beiden Hom"oomorphismen die 
vorgegebenen Orientierungen auf $X$ und $
    Y$ mit den Standardorientierungen auf $\mathbb R^q$ und $ \mathbb R^{n-q}$
    identifizieren oder nicht, so gilt f"ur die Schnittzahl 
der  zu $X$ und $Y$ geh"origen Fundamentalzykel
die Identit"at   \begin{equation*}
      [X] \odot [Y] = \sum_{s \in X \cap Y} \epsilon (s) \eta (s)
    \end{equation*}
Wir erkl"aren in 
\ref{KSP}, wie man die  Schnittpaarung
aus dem \glqq cup-Produkt der Kohomologie\grqq\ zusammen mit dem \glqq Isomorphismus der Poincar\'e-Dualit"at\grqq\ erhalten kann.
Wir zeigen aber erst
in \eref{SchnPaa}{TSF}, da"s die auf diesem Wege konstruierte bilineare
Abbildung wirklich die hier f"ur unsere Schnittpaarung behauptete
anschauliche Eigenschaft hat. Zus"atzlich werden wir zeigen, 
da"s unsere Schnittpaarung, wenn alle $\mathrm H_q M$ freie abelsche Gruppen sind, Isomorphismen 
$$\mathrm H_q M \sira\op{Hom}( \mathrm H_{n-q} M,\DZ)$$
induziert,
und da"s ihr Analogon f"ur
\glqq Koeffizienten in einem K"orper\grqq\  stets  nichtausgeartete 
Paarungen liefert. Diese Aussagen und Verschiedene ihrer Varianten 
sind bekannt als
\glqq  Poincar\'e-Dualit"at\grqq. Im n"achsten Abschnitt beginnen wir
unsere Arbeit an diesem Themenkomplex mit der Diskussion von \glqq Homologie mit Koeffizienten\grqq.
\end{Bemerkungw}

\subsubsection*{"Ubungen} 

\begin{Ubung}[\textbf{Fundamentalzykel in der simplizialen Homologie}] 
Ist eine kompakte orientierbare $n$ Manningfaltigkeit $M$ 
mit einer Triangulierung $M \cong \Delta (\cal{K})$ 
versehen,
so k"onnen wir jedem $n$-Simplex
dieser Triangulierung  ein Vorzeichen und eine Anordnung  derart zuordnen, da"s
die Summe der entsprechenden mit Vorzeichen versehenen 
simplizialsingul"aren $n$-Simplizes 
ein Zykel ist. Ist $M$ auch noch zusammenh"angend, 
so gibt es genau zwei derartige Zykel, und
ihre Homologieklassen sind genau die beiden Erzeuger von ${\op{H}}_nM$, 
also die beiden Fundamentalzykel zu den beiden m"oglichen
Orientierungen. Hinweis: Man gehe von \ref{FZ} aus.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{lAPP} 
Man bestimme die lokalen Abbildungsgrade der nichtkonstanten
Polynomfunktionen $P : \Bbb{C} \ra \Bbb{C}$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{R"uckzug von Orientierungen}] 
Ist $f:M\ra N$ eine  \'etale
Abbildung von $n$-Mannigfaltigkeiten und $x\in M$ ein Punkt, so 
gibt es genau einen Isomorphismus ${\op{H}}_n(M,M\backslash x)\sira
{\op{H}}_n(N,N\backslash f(x))$, \label{ECar} 
der f"ur alle Umgebungen $U$ von $x$,  die hom"oomorph auf ihr Bild
abgebildet werden, vertr"aglich ist mit den von $f$ induzierten
Isomorphismen ${\op{H}}_n(U,U\backslash x)\sira {\op{H}}_n(f(U),f(U)\backslash f(x))$.  
Wir erhalten so  ein kartesisches
Diagramm
$$\begin{array}{ccc}
\op{or}_{M} & \ra &\op{or}_{N}\\
\downarrow & &\downarrow \\
M &\ra &N
\end{array}$$
Insbesondere l"a"st sich jede
Orientierung von $N$ \glqq zur"uckziehen\grqq\  zu einer Orientierung von $M$. 
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Orientierungsgarbe auf Quotient nach freier Operation}] 
Jede Operation einer Gruppe auf einer Mannigfaltigkeit
induziert eine Operation auf der Orientierungsgarbe, die
vertr"aglich ist mit der faserweisen Addition.
Operiert eine Gruppe $D$ topologisch frei auf einer
Mannigfaltigkeit $M$,  so ist auch $M/D$ eine Mannigfaltigkeit
und die obere Horizontale aus   \ref{ECar}
induziert einen Hom"oomorphismus $$(\op{or}_{M})/D\sira \op{or}_{(M/D)}$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}[\textbf{Orientierbarkeit reell projektiver R"aume}]
Die Kugelschalen $S^r$ sind orientierbar f"ur alle $r\geq 0$. 
F"ur $r\geq 1$ sind sie auch zusammenh"angend und 
die Antipodenabbildung $S^r\sira S^r$ 
bildet einen Fundamentalzykel ab auf sich selber f"ur
$r$ ungerade und auf sein Negatives f"ur
$r$ gerade. Der reell projektive Raum $\DP^r\DR$ 
ist orientierbar f"ur $r=0$ und $r\geq 1$ ungerade,  jedoch
nicht  f"ur $r\geq 1$ gerade.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}[\textbf{Fixpunkte von Selbstabbildungen von Sph"aren}]
  Eine stetige Selbstabbildung einer Sph"are $S^n$ mit von
  $-(-1)^n$ verschiedenem Abbildungsgrad hat
  stets einen Fixpunkt. Hinweis: Lefschetz'scher Fixpunktsatz
  \ref{LeFi}.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Gegeben eine nichtkompakte zusammenh"angende Einsmannigfaltigkeit
  besteht das Komplement jedes Punktes aus zwei Zusammenhangskomponenten.\label{KPEM} Hinweis: Die Schwierigkeit
  liegt im nicht abz"ahlbar basierten Fall beziehungsweise darin,
  die Klassifikation im abz"ahlbar basierten Fall zu vermeiden, in dem
 nach dieser Klassifikation die reelle Zahlengerade das einzige Beispiel ist. 
\end{Ubung}


\begin{Ubung}[\textbf{Einbettung kompakter $n$-Mannigfaltigkeiten in den $\DR^n$}] 
  Eine nichtleere kompakte orientierbare $n$-Mannigfaltigkeit kann nicht in den
  $\DR^n$ eingebettet werden. Hinweis: Man schalte eine Einbettung
  $\DR^n\hra S^n$ nach und bemerke, da"s der Abbildungsgrad der
  Komposition
  Null sein mu"s. Dasselbe Argument funktioniert f"ur nichtorientierbare
  Mannigfaltigkeiten, wenn wir Homologie mit Koeffizienten in $\DZ/2\DZ$
  betrachten, wie wir sie gleich kennenlernen werden. 
\end{Ubung}

\subsection{Endlichkeitsaussagen f"ur Mannigfaltigkeiten*}
\begin{Bemerkungl}
  Nicht alle kompakten Mannigfaltigkeiten sind triangulierbar alias 
ho\-m"oo\-morph zur Realisierung eines endlichen Simplizialkomplexes. 
Im folgenden zeigen wir, da"s ihre Homologiegruppen dennoch stets endlich
erzeugt sind. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\defnoind{Wilder}\index{Wilder, Satz von}]
Alle
Homologiegruppen  kompakter Mannigfaltigkeiten
sind  endlich
erzeugt.\label{Wilder} 
Ist allgemeiner $M$ eine Mannigfaltigkeit und $K \subset M$ eine kompakte
Teilmenge, so ist das Bild von 
${\op{H}}_{q}K \ra {\op{H}}_{q}M$ endlich
erzeugt f"ur alle $q \in \Bbb{Z}$. 
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Per Induktion "uber $q$ mithilfe  des anschlie"senden Lemmas.
\end{proof}
\begin{Bemerkunge}\label{KoWi}
Der Satz gilt mit demselben Beweis auch f"ur Mannigfaltigkeiten
mit Rand oder mit Ecken, ja mit \ref{EEHHb} 
f"ur beliebige Hausdorffr"aume, in denen jeder Punkt eine
offene Umgebung besitzt, die 
hom"oomorph ist zu einer offenen Teilmenge der Realisierung eines lokal endlichen
Simplizialkomplexes. Nach \cite{HiPo} gilt er
damit insbesondere f"ur separierte komplexe Variet"aten.
Weiter gilt er mit demselben Beweis auch  f"ur Homologie mit Koeffizienten
in einem beliebigen noetherschen Ring. 
Eine Variante 
dieses Resultats f"ur relative Homologie wird in \ref{WilderV}
gezeigt werden.
\end{Bemerkunge}
\begin{Lemma} 
Seien $X$ ein lokal kompakter
Hausdorffraum und $q\geq 0$ eine nat"urliche Zahl.
Wir nehmen an,
da"s gilt:
\begin{enumerate}
\item
F"ur jedes Paar $M \subset W$ von 
Teilmengen von $X$ mit $M$
kompakt und $W$ offen in $X$ ist  das Bild von 
${\op{H}}_{q-1}M \ra {\op{H}}_{q-1} W$ 
endlich erzeugt;
\item
Jeder Punkt $x \in X$  besitzt eine Umgebung mit endlich
erzeugter $q$-ter Homologie.
\end{enumerate}
So ist  $\op{im} ({\op{H}}_{q}K \ra {\op{H}}_{q}X)$ endlich
erzeugt f"ur jedes Kompaktum $K\subset X$.  
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Wir
betrachten 
in der Potenzmenge von $X$ die Teilmenge
$$
\cal{E}=\cal{E}_q\pdef\left\{ K \subset X  \left| \begin{array}{l}
\text{ $K$ ist kompakt und besitzt eine offene}\\
\text{ Umgebung $U \co X$ derart, da"s das Bild}\\
\text{ von ${\op{H}}_{q}U \ra {\op{H}}_{q} X$ endlich erzeugt ist.}
\end{array} \right\}\right.
$$
Nach unseren Annahmen besitzt jeder Punkt von $X$ eine Umgebung
aus $ \cal{E}$. 
Aus $ K \in \cal{E}$ und $L \As K$ folgt 
ohne Schwierigkeiten $L \in \cal{E}$. 
K"onnen wir zeigen, da"s mit zwei Kompakta $L$ und $K$ stets auch
ihre Vereinigung 
zu $\cal{E}$ geh"ort,
so geh"ort offensichtlich jede kompakte Teilmenge
von $X$ zu $\cal{E}$ und wir sind fertig.
Seien also $K, L \in \cal{E}$ und $U, V \co X$ offen mit $K\subset U$ und
$L\subset V$ und
$\op{im} ({\op{H}}_{q}U {\ra} {\op{H}}_{q}X)$ 
und $\op{im} ({\op{H}}_{q}V {\ra} {\op{H}}_{q}X)$
endlich erzeugt. 
Da $X$ nach Voraussetzung lokal kompakt ist,
finden wir etwa nach \eref{ofuk}{AN3} auch $U_{1}\co U$,  $V_{1}\co V$
mit $K \subset U_{1} \subset \bar{U}_{1} \subset U$ und $L \subset
V_{1} \subset \bar{V}_{1}\subset V$ und $\bar{U}_{1},
\bar{V}_{1}$ kompakt.
Dann  betrachten wir das kommutative Diagramm
$$\begin{array}{ccccc}
 & & {\op{H}}_{q}(U_{1}\cup V_{1}) & \ra & {\op{H}}_{q-1}(U_{1}\cap V_{1})\\
 & & \downarrow & & \downarrow \\
{\op{H}}_{q}U \oplus {\op{H}}_{q} V &\ra & {\op{H}}_{q}(U\cup V) & \ra & {\op{H}}_{q-1} (U\cap
V)\\
\downarrow & & \downarrow &  &\\
{\op{H}}_{q}X \oplus {\op{H}}_{q}X &\ra & {\op{H}}_{q}X & &
\end{array}$$
Das Bild der linken Vertikale ist endlich erzeugt nach Wahl von $U$ und $V$. 
Das Bild der rechten Vertikalen ist endlich erzeugt nach unserer
ersten Annahme,
angewandt auf $M=\bar{U}_{1}\cap \bar{V}_{1}$ und  $W=U \cap V$. 
Die mittlere Horizontale ist exakt als Teil einer
Mayer-Vietoris-Sequenz.
Dann mu"s aber nach dem anschlie"senden Lemma \ref{GEZZ} 
auch das Bild der Komposition in der mittleren
Vertikalen endlich erzeugt sein und es folgt $L \cup K \in
\cal{E}$. 
\end{proof}

\begin{Lemma}
Sei gegeben ein kommutatives Diagramm von abelschen Gruppen der Gestalt
\label{GEZZ} 
$$\begin{array}{ccccc}
 & & A & \ra & B\\
 & & \downarrow & & \downarrow \\
C &\ra & D & \ra & E\\
\downarrow & & \downarrow &  &\\
F&\ra & G& &
\end{array}$$
Ist das Bild der beiden "au"seren Vertikalen $CF$ und $BE$ endlich erzeugt
und ist die mittlere Horizontale exakt bei $D$, 
so ist auch das Bild der Komposition $AG$ in der mittleren
Vertikalen endlich erzeugt.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Unter $D\ra E$ geht $\op{im}(AD)$ nach $\op{im}(BE)$.
Wir finden also endlich viele $d_1,\ldots, d_s\in \op{im}(AD)$ derart, 
da"s sich jedes Element aus $\op{im}(A D)$ schreiben l"a"st als
$c+r_1d_1+\ldots+r_sd_s$ mit $r_i\in\DZ$ und $c\in \op{im}(C D)$. 
Der Rest des Arguments bleibe dem Leser "uberlassen.
\end{proof}






%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "XXTS"
%%% End: 
