

\newpage\section{Koeffizientenwechsel}




\subsection{Tensorprodukt}\label{TPro}

\begin{Definition}
Sei $R$ ein Ring, $M$ ein $R$-Rechtsmodul und $N$ ein $R$-Linksmodul.
So definieren wir eine abelsche Gruppe
$M\otimes_{R} N,$ das \defind{Tensorprodukt} von $M$ mit $N$ "uber $R,$
als Quotient der freien abelschen
Gruppe $\Bbb{Z} (M\times N)$ "uber dem kartesischen Produkt $M\times N$
durch die
von allen
Ausdr"ucken
$$\begin{array}{lcl}
(mr,n)&-&(m,rn)\\
(m+m^{\prime},n)&-&(m,n)-(m^{\prime},n)\\
(m,n+n^{\prime})& - &(m,n)-(m,n^{\prime})
\end{array}$$
mit $m,m'\in M,$ $n,n'\in N,$ $r\in R$ erzeugte Untergruppe.
Die Nebenklasse von $(m,n)$ schreiben wir
$m\otimes n.$
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
Prinzipiell k"onnten wir  auch f"ur zwei $R$-Linksmoduln
$M,N$ in "ahnlicher Weise eine abelsche Gruppe $T(M,N)$ definieren
als einen Quotienten wie eben
mit $(rm,n)-(m,rn)$ anstelle von $(mr,n)-(m,rn).$ 
F"ur nichtkommutative Ringe erweist sich eine derartige Konstruktion
jedoch als wenig hilfreich, da sie keine guten Eigenschaften hat:
Als Illustration mag der  Leser pr"ufen, da"s in dem Fall,
da"s $R$ der Schiefk"orper
der Quaternionen ist, 
alle in dieser Weise gebildeten $T(M,N)$ schlicht Null werden.
\end{Bemerkung}

\begin{Definition}
Sei $R$ ein Ring, $M$ ein $R$-Rechtsmodul, $N$ ein $R$-Links\-mo\-dul, und
$A$ eine abelsche Gruppe.
Eine Abbildung $b: M\times N \ra A$ hei"st
\defnoind{$R$-bilinear}\index{bilinear}
genau dann, wenn f"ur alle $ m,m^{\prime} \in M,$ $ n,n^{\prime}
\in N$ und $r \in R$ gilt:
$$\begin{array}{lll}
b(mr ,n)&=& b(m, rn)\\
b(m+m^{\prime} , n )&=& b(m , n) + b(m^{\prime}, n)\\
b(m ,n+n^{\prime}) &=& b(m,
n) + b(m, n^{\prime}) \end{array}$$
\end{Definition}

\begin{Satz}[\defind{Universelle Eigenschaft des Tensorprodukts}]
Sei $R$ ein Ring, $M$ ein $R$-Rechtsmodul und $N$ ein $R$-Linksmodul.
\begin{enumerate}
\item
Die Abbildung $M\times N \ra M \otimes_{R}N,$ $(m,n)\mapsto m\otimes n$ ist
$R$-bilinear.
\item
Wann immer $b: M\times N \ra A$ eine $R$-bilineare Abbildung in eine abelsche
Gruppe  $A$ ist, gibt es genau einen Gruppenhomomorphismus $\tilde{b}: M
\otimes_{R}
N \ra A$ derart, da"s gilt $\tilde{b} (m \otimes n)= b(m,n)$ f"ur alle $m \in
M,$
$n \in N.$
\end{enumerate}\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Standard.
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
Keineswegs jedes Element eines Tensorprodukts ist von der Form
$m\otimes n,$ die Elemente dieser Gestalt erzeugen jedoch
das Tensorprodukt als abelsche Gruppe.
Besitzt weiter ein Element eines Tensorprodukts 
eine Darstellung in der Gestalt $m\otimes n,$ so besitzt es
meist sogar viele verschiedene Darstellungen dieser Gestalt.
Geben wir eine Abbildung von einem Tensorprodukt in eine abelsche Gruppe $A$
an durch eine Vorschrift der Gestalt $m\otimes n\mapsto b(m,n),$
so ist der Leser  implizit gefordert, die Bilinearit"at
der Abbildung $b:M\times N \ra A$ zu pr"ufen, und gemeint ist 
dann die durch
die universelle Eigenschaft definierte Abbildung
$\tilde{b}: M
\otimes_{R}
N \ra A.$
\end{Bemerkung}

\begin{Bemerkung}
Aufgrund der universellen Eigenschaft
definieren speziell $R$-lineare Abbildungen $f : M \ra M^{\prime},$
$g : N \ra N^{\prime}$ einen Gruppenhomomorphismus $f\otimes g: M\otimes_{R}
N \ra M^{\prime}\otimes_{R}N^{\prime},$ $m\otimes n \mapsto f(m) \otimes
g(n)$ und wir erhalten so einen Funktor
$$\begin{array}{ccc}
(\op{Mod-} R)\times (R \op{-Mod}) & \ra & \op{Ab}\\
(M \quad , \quad N) &\mapsto & M\otimes_{R} N
\end{array}$$  
\end{Bemerkung}
\begin{Bemerkung}
Sind $S,R$ Ringe, so versteht man unter einem $S$-$R$-\defind{Bimodul} 
eine abelsche
Gruppe $M$ mit einer Struktur als $S$-Linksmodul und
einer Struktur als $R$-Rechtsmodul derart, da"s gilt
$$(sm)r = s(mr) \quad
\forall s \in S, m \in M, r \in R$$
Wir notieren die Kategorie aller $S$-$R$-Bimoduln als $S\op{-Mod-} R.$ 
Aufgrund der Funktorialit"at ist das Tensorprodukt automatisch auch ein
Funktor
$$(S\op{-Mod-} R)\times (R\op{-Mod-} T) \ra (S \op{-Mod-} T)$$
f"ur beliebige Ringe $S,R,T,$
die Operation von $S$ bzw.\ $T$ geschieht schlicht durch
$s(m\otimes n) = (sm)\otimes n,$
$(m\otimes n)t= m\otimes (nt).$
Ist speziell $R$ ein kommutativer Ring, so ist das Tensorprodukt
von zwei $R$-Moduln in nat"urlicher Weise wieder ein $R$-Modul.
Diesen Fall lernt man oft zuerst kennen.
\end{Bemerkung}

\begin{Bemerkung}
[\emph{\bf Tensorieren mit dem Grundring}]\label{TGR}
  Ist $R$ ein Ring und $M$ ein $R$-Modul, so ist $R\otimes_{R} M \ra M, r
  \otimes m \mapsto rm$ ein Isomorphismus mit Inversem $m\mapsto 1\otimes m.$
F"ur diese Eigenschaft ist es wesentlich, da"s in unseren
Konventionen
Ringe stets eine Eins haben und Moduln stets unit"ar sind.
\end{Bemerkung}

\begin{Lemma}\label{DST}
\emph{\bf  Tensorieren vertauscht mit direkten Summen}.
Genauer definiert die offensichtliche Abbildung
f"ur eine beliebige Familie von Moduln $(N_i)$ einen Isomorphismus
$$M \otimes_{R} \left(\bigoplus N_{i}\right) \cong \bigoplus (M\otimes_{R}
N_{i})$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
In der Tat haben wir sowohl f"ur die linke als auch f"ur
die rechte Seite $S$ offensichtliche
bilineare Abbildungen $\op{can}_{i}: M\times N_{i} \ra S$ und diese
sind universell: Ist irgendeine abelsche Gruppe $A$ gegeben und eine
Familie von bilinearen Abbildungen $b_{i}: M\times N_{i}\ra A,$ so gibt
es jeweils genau einen Gruppenhomomorphismus $\tilde{b} : S \ra A$ mit
$b_{i} = \tilde{b} \circ \op{can}_{i}.$
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
Das Tensorprodukt vertauscht keineswegs mit beliebigen Produkten.
\end{Bemerkung}
\begin{Definition}
Eine Sequenz $A^{\prime} \ra A \ra A^{\prime\prime}$ von abelschen
Gruppen hei"st \defind{rechtsexakt} genau dann, wenn sie exakt ist
bei $A$ und wenn zus"atzlich $A\ra A^{\prime\prime}$ eine Surjektion
ist.
\end{Definition}
\begin{Lemma}\label{RAT}
\emph{\bf Das Tensorprodukt ist rechtsexakt}. Ist genauer $R$ ein Ring, 
$M$ ein 
$R$-Rechtsmodul und  $N^{\prime} \ra N
\twoheadrightarrow N^{\prime\prime}$ eine 
rechtsexakte Sequenz von $R$-Links\-mo\-duln, so ist 
$M \otimes_R N^{\prime} \ra M\otimes_R N \twoheadrightarrow
M\otimes_R N^{\prime\prime}$ eine 
rechtsexakte Sequenz von abelschen Gruppen.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Da"s hier die Surjektivit"at erhalten bleibt, ist
offensichtlich. Da"s die Verkn"upfung auch nach dem Tensorieren verschwindet
ebenso. Wir k"urzen f"ur diesen Beweis $\otimes_R=\otimes$ ab
und haben also  eine Surjektion
 $$\op{cok} (M\otimes N^{\prime} \ra
M \otimes N)\twoheadrightarrow M\otimes N^{\prime\prime}$$ Wir m"ussen
zeigen, da"s sie eine Injektion ist.
Nun ist aber $M\times N^{\prime\prime}
\ra \op{cok},$ $(m,\overline{n})\mapsto \overline{m\otimes n} $ f"ur $n\in N$
eine wohldefinierte $R$-bilineare Abbildung und induziert folglich eine
Abbildung
$M\otimes N^{\prime\prime}\ra \op{cok}.$
Man sieht, da"s wir so eine inverse Abbildung zu unserer Surjektion
$\op{cok}
\twoheadrightarrow M \otimes N^{\prime\prime}$ erhalten haben.
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
Die drei vorstehenden Lemmata gelten  analog auch f"ur den anderen
Tensorfaktor.  
\end{Bemerkung}

\begin{Lemma}
Ist $M$ ein $R$-Rechtsmodul und $\frak{m} \subset R$ ein Rechtsideal, d.h.\ ein
Untermodul des
$R$-Rechtsmoduls $R,$ und betrachten wir in $M$
den Untermodul $\frak{m} M = \{\sum a_{i} m_{i}
\mid a_{i} \in \frak{m}, m_{i}\in M\},$ so induziert die Multiplikation einen
nat"urlichen Isomorphismus
$$(R/\frak{m}) \otimes_{R} M \cong M/\frak{m} M$$
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Das folgt, indem wir auf
$\frak{m} \hookrightarrow R \twoheadrightarrow R/\frak{m}$ den Funktor $\otimes_{R}
M$ anwenden.
\end{proof}
\begin{Beispiel}
Das Tensorprodukt ist im allgemeinen nicht
linksexakt: Wendet man auf die Multiplikation $(2\cdot):\Bbb{Z} \hookrightarrow
\Bbb{Z}$ den
Funktor $\otimes_{\Bbb{Z}} \Bbb{Z}/2\Bbb{Z}$ an,
so erh"alt man die Nullabbildung $\Bbb{Z}/2\Bbb{Z} \ra \Bbb{Z}/2\Bbb{Z}.$
\end{Beispiel}

\begin{Definition}
Eine abelsche Gruppe hei"st \defind{torsionsfrei} genau dann,
wenn die Multiplikation mit jeder von Null verschiedenen ganzen Zahl
auf unserer Gruppe eine Injektion induziert.
\end{Definition}
\begin{Lemma}\label{Tex}
Ist $M$ eine torsionsfreie abelsche Gruppe und
$N^{\prime} \hookrightarrow N$ eine Injektion, so
ist auch  $M\otimes_{\Bbb{Z}}N^{\prime} \rightarrow M\otimes_{\Bbb{Z}}N $
eine Injektion.
\end{Lemma}
\begin{proof}[Beweis]
Ist $M$ endlich erzeugt, so ist $M$ frei nach  \ref{tt} und das
Lemma folgt aus \ref{DST}.
Wir f"uhren nun den allgemeinen Fall darauf zur"uck.
Jedes
Element $t\in M\otimes_{\Bbb{Z}}N^{\prime}$ ist ja Bild
eines  $t_1\in M_1\otimes_{\Bbb{Z}}N^{\prime}$ f"ur eine geeignete
endlich erzeugte Untergruppe $M_1\subset M.$
Geht $t$ nach Null in  $M\otimes_{\Bbb{Z}}N,$ so auch in
$M_2\otimes_{\Bbb{Z}}N$ f"ur eine geeignete
endlich erzeugte Untergruppe $M_2\subset M$ mit $M_1\subset M_2.$
Nach dem bereits behandelten Fall
verschwindet damit $t_1$ schon in $M_2\otimes_{\Bbb{Z}}N'$ und 
erst recht in $M\otimes_{\Bbb{Z}}N'$ und es folgt $t=0.$
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
In einer Sprache, die wir  sp"ater einf"uhren werden,
h"ort  sich dieser Beweis so an:  
F"ur endlich erzeugte Gruppen gilt das Lemma, da sie frei sind.
Eine beliebige torsionsfreie  Gruppe 
ist  der direkte Limes ihrer
endlich erzeugten Untergruppen, 
das Tensorprodukt kommutiert mit direkten Limites, und direkte Limites
sind exakt.
\end{Bemerkung}


\begin{Ubung}
Ist  $N^{\prime} \hookrightarrow N \twoheadrightarrow
N^{\prime\prime}$ eine spaltende kurze exakte Sequenz von $R$-Moduln, so
bleibt die Sequenz exakt unter $M\otimes_{R}.$
Insbesondere ist also das Tensorieren "uber einem K"orper stets
exakt.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{ETT}%\label{ET}
Seien $R,S$ Ringe und 
$M \in \op{Mod-} S,$ $N \in S \op{-Mod-} R$ und $L \in R \op{-Mod}$
Moduln.
So ist die offensichtliche Abbildung ein Isomorphismus
$(M\otimes_{S} N) \otimes_{R} L \sira M\otimes_{S} (N\otimes_{R} L).$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Sei $S\ra R$ ein Ringmomomorphismus.
Ist $M$ ein $S$-Modul und $(m_i)_{i\in I}$ eine Basis
von $M,$ so bilden die $1\otimes m_i$ eine Basis des $R$-Moduls $R\otimes_S M.$
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Ist $\varphi:R\ra S$ ein Ringhomomorphismus derart, da"s 
$S$ als Ring erzeugt wird vom Bild $\varphi(R)$ von $R$ mitsamt den 
Inversen der Elemente aus $\varphi(R)\cap S^\times,$ so 
ist f"ur $M\in \op{Mod-}S$ und $N\in S\op{-Mod}$ die kanonische 
Abbildung eine Bijektion $$M\otimes_R N\sira M\otimes_S N$$
Speziell erhalten wir 
unter den entsprechenden Voraussetzungen 
$M \otimes_{R} N \sira M\otimes_{R/\frak{m}} N$
und
$M\otimes_\Bbb{Z} N\sira  M\otimes_\DQ N.$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{ReTe}
Sind $M^{\prime} \ra M
\twoheadrightarrow M^{\prime\prime}$ und $N^{\prime} \ra N
\twoheadrightarrow N^{\prime\prime}$ rechtsexakte Sequenzen von
Rechts- bzw.\ Linksmoduln "uber einem Ring $R,$ 
so ist auch die Sequenz
$(M^{\prime}\otimes_R N )\oplus (M\otimes_R N')\ra M\otimes_R N
\twoheadrightarrow M^{\prime\prime}\otimes_R N\grqq\ $ rechtsexakt.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Gegeben Vektorr"aume $V,V^{\prime}, W, W^{\prime}$ "uber einem
K"orper $k$ liefert das Tensorieren von Abbildungen eine Injektion
$$\op{Hom} (V,V^{\prime})\otimes_k  \op{Hom} (W,
W^{\prime})\hra \op{Hom} (V \otimes_k W,
V^{\prime} \otimes_k W^{\prime})$$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{UE0}
Gegeben ein Rechtsmodul $M$ "uber einem Ring $R$ erhalten wir
aus der universellen Eigenschaft des Tensorprodukts
ein adjungiertes Paar von Funktoren 
$(M\otimes_R, \op{Ab}(M,\;))$ zwischen den Kategorien $R\op{-Mod}$   
und $\op{Ab}.$ (In  gr"o"serer Allgemeinheit
wird das in \ref{BMA} diskutiert.)
\end{Ubung}
\subsection{Erste Anwendungen in der Homologietheorie}

\begin{Proposition}\label{Hex}
Ist $C\in\op{Ket}$ ein Kettenkomplex von abelschen Gruppen
und $M$ eine  abelsche Gruppe, so 
definiert die Vorschrift $[c]\otimes m\mapsto [c\otimes m]$ 
Homomorphismen 
$$(H_{q}C)\otimes_{\Bbb{Z}}M\ra H_{q}(C\otimes_\Bbb{Z} M)  $$
Ist $M$ torsionsfrei, so sind diese Homomorphismen sogar Isomorphismen.
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Die offensichtlichen vertikalen Abbildungen liefern ein
kommutatives Diagramm
$$\begin{array}{ccccc}
(B_qC) \otimes_{\Bbb{Z}}M&\ra&(Z_qC) \otimes_{\Bbb{Z}}M
&\sra&(H_{q}C) \otimes_{\Bbb{Z}} M\\
\da&&\da&&\\
B_q(C\otimes_\Bbb{Z} M)&\hra&Z_q(C\otimes_\Bbb{Z} M)
&\sra &H_{q} (C \otimes_{\Bbb{Z}}M)
\end{array}$$
in dem auch die obere Horizontale rechtsexakt ist nach 
\ref{RAT} rechtsexakt ist und
das deshalb die behauptete Abbildung auf der Homologie induziert.
Ist $M$ torsionsfrei, so ist die obere Horizontale auch exakt
und bei Vertikalen sind Isomorphismen und induzieren
deshalb einen Isomorphismus auf der Homologie.
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
Ist $R$ ein Ring und $X$ ein topologischer Raum, so
erhalten wir  kanonische Isomorphismen
$R\otimes_\DZ S_{q}(X;\DZ)\sira  S_{q}(X;R)$
durch die Vorschrift $r\otimes \sigma\mapsto r\sigma$
f"ur jeden Simplex $\sigma.$ 
\end{Bemerkung}

\begin{Definition}
F"ur jede abelsche Gruppe $M$ und jeden topologischen Raum
$X$ definieren wir die singul"aren $q$-Ketten von $X$ mit
Koeffizienten in $M$ als das Tensorprodukt
 $$S_{q}(X;M)=M\otimes_{\Bbb{Z}}S_{q}X  $$ 
\end{Definition}

\begin{Korollar}\label{KWW}
Ist $X$ ein topologischer Raum und $M$ eine
abelsche Gruppe,
so liefert die Vorschrift $m\otimes [c]\mapsto [m\otimes c]$
 nat"urliche Homomorphismen
$$M\otimes_{\Bbb{Z}}H_{q}(X)\ra H_{q}(X;M)  $$
Ist $M$ torsionsfrei, so sind diese Homomorphismen sogar Isomorphismen.
\end{Korollar}
\begin{proof}[Beweis]
Die vorhergehende Proposition \ref{Hex} liefert uns
Homomorphismen $M\otimes_{\Bbb{Z}}H_{q}(X)\ra H_{q}(M\otimes_{\Bbb{Z}}SX),$
$m\otimes [c]\mapsto [m\otimes c],$ und "Ubung \ref{SKKo} 
liefert uns 
weiter Isomorphismen $H_{q}(M\otimes_{\Bbb{Z}}SX)\sira H_{q} (X;M),$
$[m\otimes c]\mapsto [mc].$
\end{proof}


\subsection{Torsionsprodukt von abelschen Gruppen}

\begin{Definition}\label{TDe}
Gegeben eine abelsche Gruppe $N$ 
betrachten wir den 
freien $\Bbb{Z}$-Modul $\Bbb{Z} N$ "uber der Menge
$N$ und die offensichtliche Surjektion $\Bbb{Z} N \twoheadrightarrow N$ mit
ihrem Kern $KN$ und bilden die kurze exakte Sequenz
$$KN \hookrightarrow \Bbb{Z} N\twoheadrightarrow N,$$
die sogenannte \defind{Standardaufl\"osung} von $N.$
Gegeben eine weitere abelsche Gruppen $M$ konstruieren wir eine dritte
abelsche Gruppe  $M\ast_\DZ N,$
das \defind{Torsionsprodukt} von $M$ und $N,$ 
indem wir die Standardaufl"osung von $N$  mit 
$M$ tensorieren und vorne 
 den Kern der eben nicht
notwendig mehr injektiven Abbildung betrachten, in Formeln
 $$M \ast_\Bbb{Z} N=
\ker (M \otimes_{\Bbb{Z}} KN \ra M\otimes_{\Bbb{Z}} \Bbb{Z} N)$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
Unser Torsionsprodukt ist in nat"urlicher Weise ein Funktor 
$\op{Ab}\times \op{Ab}\ra \op{Ab}.$ Wir k"urzen f"ur den Rest 
dieses Abschnitts
$\otimes_\DZ$ ab zu $\otimes$ und $\ast_\DZ$ zu $\ast.$
Die Bezeichnung \glqq Torsionsprodukt\grqq\  kommt 
von einigen der Eigenschaften unserer 
Konstruktion  her, die im folgenden Satz aufgelistet werden.
\end{Bemerkung}

\begin{Proposition}[Eigenschaften des Torsionsprodukts]
\
\begin{enumerate}
\item
F"ur beliebige abelsche Gruppen $M$ und $N$ gilt $M\ast N\cong N\ast M.$
\item
Sind $M$ oder $N$ torsionsfrei, so gilt $M\ast N=0.$
\item
F"ur eine beliebige abelsche Gruppe $A$ und jede nat"urliche Zahl $n>0$ gilt
$(\Bbb{Z}/ n \Bbb{Z}) \ast A
\cong \{a \in A \mid n a =0\}.$
\item
Jede kurze exakte Sequenz $M^{\prime} \hookrightarrow M
\twoheadrightarrow M^{\prime\prime}$ von
abelschen Gruppen definiert eine lange exakte
Sequenz, die sogenannte {\bf\em Torsionssequenz}\index{Torsionssequenz}
$$
\begin{array}{ccccccccc}0&\ra& M^{\prime} \ast N& \hra& M \ast N &\ra
&M^{\prime\prime}
\ast N&\ra& \\
&\ra &M^{\prime}\otimes N &\ra& M \otimes N&
\twoheadrightarrow &M^{\prime\prime}\otimes N &\ra& 0,
\end{array}
$$
die nat"urlich ist  in
der kurzen exakten Sequenz $M^{\prime} \hookrightarrow M
\twoheadrightarrow M^{\prime\prime}$ und in $N.$
Analoges gilt, wenn wir ausgehen von
einer kurzen exakten Sequenz
im zweiten Faktor.
\item
Das Torsionsprodukt vertauscht mit beliebigen direkten Summen.
\end{enumerate}
\end{Proposition}
\begin{proof}[Beweis]
Wir beginnen mit der explizit angegebenen Sequenz in 4.
Nach \ref{Tex} ist
$$\begin{array}{ccccc}
M^{\prime}\otimes KN & \hookrightarrow & M\otimes KN
&\twoheadrightarrow & M^{\prime\prime}\otimes KN\\
\downarrow & & \downarrow & & \downarrow \\
M^{\prime} \otimes \Bbb{Z} N& \hookrightarrow & M \otimes \Bbb{Z} N &
\twoheadrightarrow & M^{\prime\prime} \otimes \Bbb{Z} N
\end{array}$$
eine kurze exakte Sequenz von (vertikalen) Kettenkomplexen und
unsere Sequenz wird konstruiert als die
zugeh"orige lange exakte Homologiesequenz:
Der Kern der vertikalen Morphismen ist ja jeweils ein
Torsionsprodukt, und der Kokern ist wegen der Rechtsexaktheit
des Tensorprodukts kanonisch isomorph zu dem 
entsprechenden Tensorprodukt. Das definiert die exakte Sequenz in 4.
Wir zeigen nun 1 und 2 und die analoge Sequenz in 4 zusammen.
Ist $M$ torsionsfrei, so folgt $M\ast N=0$ mit \ref{Tex}
aus der Definition des Torsionsprodukts. Das ist schon mal
die erste H"alfte von 2.
Wenden wir nun die lange exakte Sequenz aus 4 an
auf die Standardaufl"osung $KM\hra \Bbb{Z} M\sra M$ von $M,$
so definiert der Randoperator einen Isomorphismus
$$M\ast N\sira\ker (KM \otimes_{\Bbb{Z}} N \ra \Bbb{Z} M\otimes_{\Bbb{Z}} N)$$
und wir folgern 1 und die analoge Sequenz in 4 und die andere
H"alfte von 2.
Nun folgt 3, wenn wir die Sequenz aus 4 betrachten f"ur
die kurze exakte
Sequenz $\Bbb{Z}\stackrel{n{\cdot}}{\hra}\Bbb{Z}\sra \Bbb{Z}/ n \Bbb{Z},
$ und beachten, da"s  $\DZ\ast A=0$ nach 2 bereits bekannt ist.
Schlie"slich folgt 5 aus der entsprechenden Aussage f"ur das Tensorprodukt
\ref{DST}.
\end{proof}

\begin{Ubung}
Das Torsionsprodukt $M \ast N$ von zwei abelschen Gruppen
besitzt keine Elemente unendlicher Ordnung. (Hinweis: Man zeige $(M \ast
N)\otimes_{\Bbb{Z}} \DQ =0).$
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Der Beweis der Proposition liefert uns sogar
einen kanonischen Isomorphismus $\tau_{M,N}: M \ast N \sira N \ast M.$
Man zeige, da"s gilt
$\tau_{M,N}\circ \tau_{N,M}=\op{id}.$
(Hinweis: Es gilt, ein gro"ses kommutatives Diagramm zu
malen mit exakten Zeilen und Spalten. Das Problem ist, da"s ich mir
nicht genau "uberlegt habe, ob das nicht vielmehr $-\op{id}$ sein sollte.
Eigentlich k"ame mir das vern"unftiger vor.)
Ich h"atte auch gerne ein glattes Argument f"ur $\tau_{M,M}=\op{id}$
(oder $-\op{id}?.$)
\end{Ubung}


\subsection{Das universelle Koeffiziententheorem}
\begin{Satz}[\defind{Universelles Koeffiziententheorem der Homologie}]
\label{UKT}\hspace{1mm}\\
Sei $X$ ein topologischer Raum und $G$ eine abelsche
Gruppe. So haben wir f"ur jedes $q$
eine nat"urliche kurze exakte Sequenz
$$H_{q} (X) \otimes_{\Bbb{Z}} G \hookrightarrow H_{q} (X;G)
\twoheadrightarrow H_{q-1} (X) \ast_{\Bbb{Z}} G,$$
die (in unnat"urlicher Weise) spaltet.
\end{Satz}
\begin{Bemerkung}
Dasselbe gilt f"ur relative Homologie und mit Koeffizienten in einem
beliebigen Hauptidealring. Die Spaltung kann f"ur festes $X$ nat"urlich
in $G$ gew"ahlt werden, aber nicht bei festem
allgemeinen $G$ nat"urlich in $X.$
\end{Bemerkung}
\begin{proof}[Beweis]
Tensorieren wir die kurze exakte Sequenz $KG \hookrightarrow \Bbb{Z} G
\twoheadrightarrow G$ "uber $\Bbb{Z}$ mit dem Komplex von
freien abelschen Gruppen $SX,$ so erhalten wir mit \ref{SKKo} eine
kurze exakte Sequenz von Komplexen
$$SX \otimes_{\Bbb{Z}} KG \hookrightarrow S X \otimes_{\Bbb{Z}} \Bbb{Z} G
\twoheadrightarrow S( X ; G)$$
Bilden wir die  exakte
Homologiesequenz und beachten die Isomorphismen 
 $(H_{q} SX) \otimes_{\Bbb{Z}} \Bbb{Z} G\sira 
H_{q} (SX \otimes_{\Bbb{Z}} \Bbb{Z} G) 
$  und $(H_{q} SX) \otimes_{\Bbb{Z}} KG\sira 
H_{q} (SX \otimes_{\Bbb{Z}} KG) $ nach \ref{Hex},
so ergibt sich mit der Abk"urzung $H_{q}(SX)
=H_{q}$ die lange exakte Sequenz
$$H_{q}\otimes_{\Bbb{Z}} KG \ra H_{q}\otimes_{\Bbb{Z}} \Bbb{Z} G \ra H_{q}
(X;G) \ra H_{q-1} \otimes_{\Bbb{Z}} KG \ra H_{q-1} \otimes_{\Bbb{Z}} \Bbb{Z}
G$$
und dann mit der Rechtsexaktheit von $\otimes$ und der Definition
von $\ast$ und \ref{Ergz} wie gew"unscht eine kurze exakte Sequenz
$$H_{q} (X) \otimes_{\Bbb{Z}} G \hookrightarrow H_{q} (X;G)
\twoheadrightarrow H_{q-1} (X) \ast_{\Bbb{Z}} G$$
Es bleibt zu zeigen, da"s sie spaltet. Aber die kurze exakte
Sequenz $Z_{q}X \hookrightarrow S_{q} X \twoheadrightarrow B_{q-1}X$
spaltet, da $B_{q-1}X \subset S_{q-1} X$ frei ist nach \ref{UFF},
wir finden nach \ref{spalt} also ein Linksinverses $S_{q}X
\twoheadrightarrow Z_{q} X$ der Einbettung der Zykel in die Ketten und das
induziert die gesuchte
Spaltung $H_{q} (X;G) \ra H_{q}(X) \otimes_{\Bbb{Z}} G.$
\end{proof}

\begin{Bemerkung}\label{Ergz}
Ist $A\ra B\ra C\ra D\ra E$ eine exakte Sequenz,
so ist $(\op{cok}(A\ra B))\ra C \ra (\op{ker}(D\ra E))$
eine kurze exakte Sequenz.
\end{Bemerkung}


\begin{Satz}\label{UFF}
Jede Untergruppe einer  freien
abelschen Gruppe ist frei.\index{frei!Untergruppe}
\end{Satz}
\begin{Bemerkung}
Der anschlie"sende Beweis zeigt allgemeiner: Jeder Untermodul
eines freien Moduls "uber einem Hauptidealring ist frei.
Die Hauptarbeit besteht darin, auch nicht notwendig endlich erzeugte
Gruppen bzw.\ Moduln zu behandeln.
\end{Bemerkung}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $I$ eine Menge und $U\subset \Bbb{Z} I $ eine Untergruppe.
Wir betrachten die Menge aller Paare $(J,B)$ wo $J\subset I$ eine Teilmenge
ist und $B$ eine $\Bbb{Z}$-Basis des Schnitts $U \cap \Bbb{Z} J.$
Diese Menge ist nicht leer und ist induktiv geordnet. Sie besitzt also nach
Zorns Lemma ein maximales Element $(J_{m}, B_{m})$ und es gilt zu zeigen
$J_{m} =I.$
Aber sonst sei $i\in I-J_{m}.$
Das Bild von $U \cap \Bbb{Z} (J_m \cup \{i\})$ in $\Bbb{Z} i$ unter der
offensichtlichen Projektion
ist von der Form
$r \Bbb{Z} i$ f"ur ein $r\in\Bbb{Z}.$
Ist $r \neq 0,$ so w"ahlen wir ein Urbild $u$ von $r i$ in $U$ und
$(J_{m}\cup \{i\}, B_{m} \cup \{u\})$ w"are ein gr"o"seres Paar.
Ist $r=0,$ so w"are schon $(J_{m}\cup \{i\}, B_{m})$ ein gr"o"seres Paar.
In jedem Fall steht $J_{m} \neq I$ im Widerspruch zur Maximalit"at von
$(J_{m}, B_{m}).$
\end{proof}











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%%% TeX-master: "AATOTAL"
%%% End: 
