%\section{Wegintegrale und Potentiale}

\subsection{Vektorfelder und Kovektorfelder}
\begin{Bemerkungl}
Unter einem reellen Raum verstehen wir wie in \eref{reRE}{AN1} einen 
affinen Raum "uber dem K"orper der reellen Zahlen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{VFKF}
Sei $X$ ein 
endlichdimensionaler reeller Raum und $U \subset X$ eine
halboffene Teilmenge.
Ein {\bf Vektorfeld}\index{Vektorfeld!auf affinem Raum|main}  
 {\bf 
auf} $U$ ist eine Abbildung
$$\begin{array}{rccl}
A : &U & \ra & \vec{X}\\
&p & \mapsto & A_{p}
\end{array}$$
von $U$ in den Richtungsraum $\vec{X}$  von $X.$
Wir schreiben im Zusammenhang mit Differentialgleichungen statt $A_{p}$ auch 
$A(p).$ 
Die Notation $A_p$ dahingegen ist
praktisch,  wenn wir unsere Vektorfelder 
wie in \ref{AWVF}  auf  Funktionen anwenden
wollen. In der physikalischen Terminologie hei"sen Vektorfelder
{\bf kontravariant}\index{kontravariant} aus Gr"unden, 
die in \ref{KoKov} noch diskutiert werden.
\end{Definition}
\begin{Bemerkunge}
  Sicherlich k"onnte man diese Definition auch allgemeiner f"ur
beliebige Teilmengen $U$ vereinbaren. Das f"uhrt jedoch auf die Schwierigkeit,
da"s wir etwa ein Vektorfeld auf einer Kreislinie sp"ater werden
verstehen wollen
als eine Abbildung, die jedem Punkt der Kreislinie in der 
Ebene einen Tangentialvektor   an
besagte Kreislinie an besagtem Punkt
zuordnet und nicht einfach irgendeinen 
Richtungsvektor der Ebene. Da"s wir uns an dieser Stelle auf halboffene 
Teilmengen $U$ beschr"anken, dient einzig und allein dem Zweck,
derartige begriffliche Inkonsistenzen zu vermeiden. 
\end{Bemerkunge}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]
{SkriptenBilder/BildVeFA}\\[4mm]
\noindent Graphische Darstellung eines
Vektorfelds auf der Papierebene, das in geeigneten Koordinaten
in der Notation von
\ref{pavf} durch die Formel $$\left(x/\sqrt{x^2+y^2}\right)\partial_x
+ \left(y/\sqrt{x^2+y^2}\right)
\partial_y$$ gegeben w"urde.
Hier haben wir zu ausgew"ahlten Punkten
den ihnen zugeordneten Richtungsvektor als Pfeil
von besagtem Punkt zu dem um diesen Richtungsvektor
verschobenen Punkt dargestellt.
  \end{figure}
\begin{Bemerkungl}
   Zu jedem reellen Vektorraum $V$ 
bilden wir, wie in der linearen Algebra in \eref{LiFo}{LA1}
folgende ausf"uhrlich diskutiert und erl"autert,
    seinen \defind{Dualraum} $V^\ast =\op{Hom}_\DR(V,\DR).$
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}\label{FKF}
Sei $X$ ein 
endlichdimensionaler reeller Raum und $U \subset X$ eine halboffene
Teilmenge.
Ein {\bf Kovektorfeld}\index{Kovektorfeld} 
 {\bf 
 auf} $U$ ist eine Abbildung
$$\begin{array}{rccl}
\omega : &U & \ra & \vec{X}^{\ast}\\
&p & \mapsto & \omega_{p}
\end{array}$$
von $U$ in den Dualraum $\vec{X}^{\ast}$ des Richtungsraums 
 von $X.$
Wir schreiben hier $\omega_{p}$ statt $\omega (p),$ damit
$\omega_{p} (v) \in \Bbb{R}$ den Wert der Linearform $\omega_p$ auf einem
Vektor $v \in \vec{X}$ bezeichnen kann.
Ein Kovektorfeld nennt man
auch eine
{\bf Pfaff'sche Form}\index{Pfaff'sche Form} oder
eine {\bf
Differentialform erster Ordnung}\index{Differentialform!erster Ordnung}
oder eine {\bf $1$-Form}.\index{Form@$1$-Form}\index{Eins-Form} 
In der physikalischen Terminologie hei"sen Kovektorfelder
{\bf kovariant}\index{kovariant}  
aus Gr"unden, die in \ref{KoKov} noch diskutiert werden.
\end{Definition}



% \begin{Bemerkungl}
%   Ist $U\co X$ offen, so erhalten wir mit unserer Definition 
% genau die Vektorfelder und
%   Kovektorfelder, wie wir sie sp"ater auch allgemeiner auf \glqq abstrakten
%   Mannigfaltigkeiten\grqq\  kennenlernen werden.  Ist $U\subset X$ dahingegen ein
%   affiner Teilraum, so werden wir sp"ater unter einem Vektorfeld bzw.\ 
%   Kovektorfeld auf $U$ eine Abbildung von $U$ nach $\vec{U}$ bzw.\ 
%   $\vec{U}^\ast$ verstehen wollen und nicht eine Abbildung von $U$ nach
%   $\vec{X}$ bzw.\ $\vec{X}^\ast.$ "Ahnliches gilt allgemeiner f"ur den Fall
%   einer \glqq Untermannigfaltigkeit\grqq\  $U\subset X$ einer Kodimension $\geq 1.$ 
% Ich bezeichne 
%   die hier eingef"uhrten Konzepte\label{GrRe} genauer als \glqq relative
%   Vektorfelder\grqq\  und \glqq relative Kovektorfelder\grqq,
% wenn ich diese Unterschiede hervorheben will.
% \end{Bemerkungl}
%auf Untermannigfaltigkeiten, 




\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/BildKoFAb}\\[4mm]
\noindent Versuch der graphischen Darstellung eines
Kovektorfelds auf der Papierebene, das in geeigneten Koordinaten
in der Notation \ref{DiFF} durch die Formel $$x\diff y$$ gegeben w"urde.
Hier haben wir zu ausgew"ahlten fett eingezeichneten Punkten
den ihnen zugeordneten Kovektor dargestellt durch eine
gestrichelte Linie, die jeweils
einen Teil der Geraden zeigt,\label{BDKO}
deren Punkte vom jeweiligen fetten Punkt 
durch einen Richtungsvektor erreicht werden
k"onnen, auf dem der dem jeweilige Kovektor den Wert $ 1$ 
 annimmt. Die eingezeichneten F"aden
deuten an, welche  gestrichelte Linie jeweils zu welchem fetten Punkt
geh"ort.
Je weiter die gestrichelte Linie von
ihrem fetten Punkt entfernt ist,
desto kleiner ist also unser Kovektor, 
zum Beispiel bedeutet der doppelte Abstand den halben Kovektor.
Fette Punkte ganz ohne gestrichelte Linie
stehen f"ur den Wert Null unseres Kovektorfelds an besagter Stelle.
Da"s eine gestrichelte Linie
durch \glqq ihren\grqq\  fetten Punkt geht, ist nicht
 zul"assig. Man mag versuchen, in diesem Bild auch noch das Vektorfeld
$(x,y)\mapsto (1,x)$ oder 
in der Notation aus \ref{pavf} geschrieben $\partial_x+x\partial_y$ 
einzuzeichnen 
und anschaulich zu verstehen, da"s as Einsetzen im Sinne von \ref{EKV} 
dieses Vektorfelds in unser Kovektorfeld auch tats"achlich die Funktion
$(x,y)\mapsto x^2$ liefert.
\end{figure}
\begin{Beispiel}[\textbf{Kovektorfelder auf der Zeitachse}] 
  Ein Kovektorfeld auf der Zeitachse $\mathbb T$ aus \eref{tempp}{LA1}
k"onnen wir uns in der  in  \eref{DrG}{LA1} noch genauer erkl"arten Weise
 denken als eine Vorschrift, die\label{KVD} 
jedem Zeitpunkt eine Frequenz oder, vielleicht noch besser, eine 
Drehgeschwindigkeit zuordnet. 
\end{Beispiel}




  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Addition von Feldern und Multiplikation mit
      Funktionen}]  
    Wir addieren Vektorfelder und auch Kovektorfelder punktweise, die Summe
    $\omega + \eta$ zweier Kovektorfelder  ist also etwa erkl"art durch
    $(\omega + \eta)_{p}= \omega_{p}+ \eta_{p} ,$ wobei letzteres
    Summenzei\-chen die Addition in $\vec{X}^{\ast}$ meint.  Wir
    multiplizieren Vektorfelder und auch Kovektorfelder mit Funktionen $f:U
    \ra \Bbb{R}$ ebenfalls punktweise, indem wir setzen 
$(fA)_{p} = f(p) A_{p}$ bzw.\
    $(f\omega)_{p} = f(p) \omega_{p}.$
  \end{Bemerkungl}

  \begin{Bemerkungl}[\textbf{Paaren von Vektorfeldern mit Kovektorfeldern}] 
 Sei $X$ ein\label{EKV} 
endlichdimensionaler reeller Raum und $U \subset X$ eine
halboffene Teilmenge.
Ist $A:U\ra\vec{X}$ ein Vektorfeld und 
$\omega:U\ra\vec{X}^\ast$ ein Kovektorfeld,
   so  k"onnen  wir auch das  Vektorfeld $A$ in das Kovektorfeld
      $\omega$ einsetzen oder, vielleicht besser gesagt,
    das\index{einsetzen!Vektorfeld in Kovektorfeld}  Kovektorfeld $\omega$
      auf dem Vektorfeld $A$ auswerten oder, ganz ausgewogen und immer noch
    gleichbedeutend, das\index{auswerten!Kovektorfeld auf Vektorfeld} {\bf
      Kovektorfeld $\omega$ mit dem Vektorfeld $A$ paaren}.
Wir erhalten dann eine
    Funktion  
    $$\begin{array}{cccc}
      \omega(A)=\langle\omega,A\rangle:&U&\ra& \DR\\
&p&\mapsto &\omega_p(A_p)
    \end{array}$$
% \omega(A)=\langle\omega,A\rangle:U\ra \DR$,\index{$\langle\;,\;\rangle$!Kovektorfeld
%       mit Vektorfeld paaren} $p\mapsto \omega_p(A_p)$
%     \index{paaren!Kovektorfeld mit Vektorfeld}
 \end{Bemerkungl}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Verschiedene Interpretationen von Kovektorfeldern}] 
Sei $X$ ein\label{WAI} 
endlichdimensionaler reeller Raum und $U \subset X$ eine
halboffene Teilmenge.
Im Sinne von \eref{ABBK}{GR} k"onnen wir ein Kovektorfeld 
$\omega:U\ra \vec{X}^\ast$ auch 
auffassen als eine Abbildung $U\times \vec{X}\ra \DR$ oder sogar
als eine Abbildung $\vec{X}\ra \op{Ens}(U,\DR).$ 
Es geh"ort etwas
"Ubung dazu, alle  diese 
verschiedenen Aspekte gleichzeitig pr"asent zu haben.
Wir k"onnen also ein Kovektorfeld einerseits an einem Punkt $p\in U$
auswerten und
so eine Linearform $\omega_p:\vec{X}\ra \DR$
auf dem Richtungsraum erhalten,
wir k"onnen es aber andererseits auch auf einem 
Richtungsvektor $v\in \vec{X}$ auswerten und so 
eine  reellwertige
Funktion $U \ra \DR$, $p\mapsto \omega_p(v)$ erhalten. Wir
k"onnen es sogar etwas allgemeiner, wie in \ref{EKV} besprochen,
auf einem Vektorfeld $p\mapsto v_p$ auswerten 
 und auch so eine reellwertige
Funktion $U\ra \DR$, $p\mapsto \omega_p(v_p)$  erhalten. 
Man beachte, da"s beim Auswerten von Kovektorfeldern auf
Vektorfeldern keinerlei Differentiation stattfindet, sondern
ausschlie"slich lineare Algebra, nur eben  
\glqq in Abh"angigkeit vom Punkt $p$\grqq.
\end{Bemerkungl}



% \begin{Bemerkungl}
%   Die vorhergehende Definition \ref{EKV} hat sich in meiner Vorlesung
% als besonders schwer verdaulich erwiesen, weshalb ich sie hier
% nocheinmal ausf"uhrlich diskutiere.
% Ist $V$ ein Vektorraum "uber einem K"orper $k$ und 
% $V^\top=V^\ast$ sein Dualraum 
% \ref{LiFo} und
% $v\in V$ ein Vektor und $\lambda\in V^\top$ eine Linearform,
% so k"onnen wir ja die Linearform $\lambda$ auf dem Vektor $v$
% auswerten und so ein Element $\lambda(v)$ des Grundk"orpers $k$ erhalten,
% das wir wie in \ref{Syn} auch 
% gerne $\lambda(v)=\langle \lambda,v\rangle$ notieren.
% Ist nun $D$ eine Menge und $v$ eine Abbildung $D\ra  V,$ $p\mapsto v_p$,
% also ein von $p\in D$ abh"angiger Vektor, und 
% $\lambda$ eine Abbildung $D\ra  V^\top,$ $p\mapsto \lambda_p$,
% also eine von $p\in D$ abh"angige Linearform, so k"onnen wir 
% an jeder Stelle $p\in D$ unsere Linearform $\lambda_p$ auf unserem Vektor 
% $v_p$ auswerten und erhalten so eine Funktion $D\ra k,$ $p\mapsto 
% \langle \lambda_p,v_p\rangle$, die wir wieder gerne $\langle \lambda,v\rangle$
% notieren. Ist speziell $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum,
% $D=U\subset X$ eine halboffene Teilmenge, $k=\DR$ und $V=\vec X$,
% so spezialisiert diese Konstruktion zu unserem Auswerten von 
% Kovektorfeldern auf Vektorfeldern.
% \end{Bemerkungl}

\begin{Definition}[\textbf{Differential einer Funktion}]  
Sei $X$ ein reeller 
endlichdimensionaler Raum und $U \subset X$ eine
halboffene Teilmenge.
Ist $f:U\ra \Bbb{R}$ differenzierbar, so ist
das Differential von $f$ bei $p$ eine lineare Abbildung
$\diff _{p}f: \vec{X} \ra \Bbb{R}.$ Unter dem {\bf Differential  $\diff f$ 
von $f$} verstehen wir\index{df@$\diff f$ Differential von $f$} 
das Kovektorfeld auf $U,$ das gegeben wird 
durch die Vorschrift
$$\begin{array}{rccl}
\diff f:&U &\ra & \vec{X}^{\ast}\\
&p &\mapsto & \diff _{p}f
\end{array}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Darstellung von Kovektorfeldern in Koordinaten}] 
F"ur das Differential von einem Produkt gilt\label{DiFF} 
nach \ref{PRm} die Produktregel $  \op{d} (fg)= f\diff g + g \diff f $
 und f"ur das Differential einer Summe haben wir
$ \op{d} (f+g) = \diff f + \diff g.$
Ist speziell $X =\Bbb{R}^{n}$ und $U\subset\Bbb{R}^{n}$ halboffen
und bezeichnet
$x_{i} : U \ra \Bbb{R}$ die Restriktion der $i$-ten
Koordinate auf $U,$ so ist 
$\diff x_{i} : U \ra (\Bbb{R}^{n})^{\ast}$ konstant die
die $i$-te Koordinate selber. 
Die Koordinaten bilden nun eine Basis des
Dualraums von $\DR^n,$ folglich l"a"st sich jedes  Kovektorfeld 
auf $U$ 
schreiben in der Gestalt
 $\sum a_{i}\diff x_{i}$ mit eindeutig bestimmten $a_{i} : U \ra \Bbb{R}.$
Ich vermute, da"s hier der Ursprung der Bezeichnung als 
\glqq Differentialform\grqq\  zu suchen ist: In gewisser Weise k"onnen wir eben 
unsere Kovektorfelder als \glqq Linearkombinationen von Differentialen\grqq\ 
schreiben.  
F"ur eine differenzierbare Funktion
$f: U \ra \Bbb{R}$ auf einer halboffenen Menge $U \subset \Bbb{R}^{n}$ 
haben wir dann
$$\diff f = \sum^{n}_{i=1}\frac{\partial f}{\partial x_{i}}  \diff x_{i}$$
Man pr"uft das leicht  durch
Auswerten beider Seiten an einer Stelle 
$p\in U$ und Anwenden der so entstehenden Linearformen auf alle Vektoren
der Standard-Basis des $\DR^n.$ Speziell haben wir f"ur $f:\DR\ra\DR$ also
$\diff f=f'(x)\diff x.$
Ist $U$ nicht offen, sondern nur halboffen,
so sind die partiellen Ableitungen oben 
im Sinne unserer Notation \ref{PaLN}
zu verstehen. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauliche Bedeutung von Formeln in Differentialen}] 
  Anschaulich gesprochen beschreibt die in \ref{DiFF} herausgestellte  
Gleichung, wie sich der Funktionswert der Funktion $f$ in
  erster N"aherung "andert, wenn wir an den Koordinaten $x_i$ wackeln: 
Genauer gilt bei festen
  $x_1,\ldots,x_n$ f"ur $\delta x_1,\ldots,\delta x_n\in\DR$ so
nah bei Null, da"s alles definiert ist, eben
$$f(x_1+\delta x_1,\ldots,x_n+\delta x_n)-f(x_1,\ldots,x_n)=
\sum^{n}_{i=1}\frac{\partial f}{\partial x_{i}}\delta x_i\;\; + R(\delta
x_1,\ldots,\delta x_n)$$ mit einem Rest $R,$ der auch nach dem Teilen durch das
Maximum der Betr"age aller $\delta x_i$ noch gegen Null strebt, wenn alle
$\delta x_i$ gegen Null streben. Hierbei ist zu verstehen, da"s die
fraglichen partiellen Ableitungen an unserer festen
Stelle $(x_1,\ldots,x_n)$ ausgewertet werden sollen, und
um die partiellen Ableitungen zu bilden, m"ussen die 
 $x_i$ nat"urlich noch als variabel gedacht werden.
Vielleicht w"are es hier konsistenter gewesen, die partiellen Ableitungen
$\partial_i f$ zu notieren oder sogar
$(\partial_i f)(x_1,\ldots,x_n)$ um anzudeuten, da"s sie ja an der 
festen Stelle  $(x_1,\ldots,x_n)$ auszuwerten sind, aber es 
kommt bei komplizierteren Formeln auch nicht selten vor, da"s
gr"o"sere Pr"azision insbesondere 
f"ur fortgeschrittene Leser nicht zu besserer Verst"andlichkeit f"uhrt.
Die Notation $\delta x_i$ k"onnten wir  zu $\delta_i$
abk"urzen, aber dann wirkt die Formel weniger suggestiv. K"urzen wir 
auch noch die linke Seite zu $\delta f$ ab, so k"onnen wir unsere 
Identit"at mit der 
in \ref{ReAp} eingef"uhrten Notation auch schreiben als die 
"Ubereinstimmung erster Ordnung
von Funktionen der \glqq Verr"uckungen\grqq\  $\delta x_i$ der Gestalt
$$\delta f\sim^1_0 \sum^{n}_{i=1}\frac{\partial f}{\partial x_{i}}\delta x_i$$
\end{Bemerkungl}





\begin{Beispiel}\label{pog}
  Die Funktion $f:\DR^3\backslash 0\ra\DR,$ $v\mapsto 1/\|v\|$ hat 
mit der Konvention $v=(x,y,z)$ das
Differential $\diff f=-(x\diff x + y\diff y + z\diff z)/\|v\|^3.$
\end{Beispiel}


  \begin{Definition}[\textbf{Ableiten in Richtung eines Vektorfelds}]
Gegeben ein endlichdimensionaler reeller Raum $X$, eine halboffene\label{AWVF} 
Teilmenge $U \subset X$, ein Vektorfeld $A: U \rightarrow \vec{X}$ und eine 
differenzierbare Funktion $f: U \rightarrow \Bbb{R}$ erkl"aren wir eine
Funktion $(Af): U \rightarrow \Bbb{R}$ durch die Vorschrift
\begin{equation*}
(Af)(p) \pdef (\diff_p f)(A_p)
\end{equation*}
Ist $U$ eine Umgebung von $p,$ so 
ist nach \ref{RaA} also $(Af)(p)$ die Richtungsableitung von $f$
bei $p$ in der Richtung $A_p.$ Wir sagen deshalb auch, 
die Funktion $Af$  entstehe aus $f$ durch 
{\bf Ableiten in Richtung des Vektorfelds $A$}.
\index{Ableitung!nach Vektorfeld} In  
anderen Worten entsteht 
diese Funktion durch
das Paaren des Vektorfelds $A$ mit der das durch das 
Differential der Funktion $f$ gegebene Kovektorfeld $\diff f.$
Mit unserer Notation \ref{EKV} kann diese Funktion  auch 
$\langle \diff f,A \rangle$ geschrieben werden.
\end{Definition}



\begin{Bemerkungl}[\textbf{Darstellung von Vektorfeldern in Koordinaten}] 
Meist werden Vektorfelder identifiziert mit den 
zugeh"origen Differentialoperatoren.\label{pavf} So notiere ich etwa das
konstante Vektorfeld $v$ wie die zugeh"orige Richtungsableitung $D_v$.
\index{D@$D_v$ konstantes Vektorfeld} 
Spezieller bezeichnet man das konstante
Vektorfeld mit Wert $\op{e}_i$ auf $\Bbb{R}^n$ oft 
als \glqq das Vektorfeld $\frac{\partial}{\partial x_i}$\grqq\ 
oder \glqq das Vektorfeld $\partial_i$\grqq\ \index{d@$\partial_i$ Vektorfeld}
und im Fall nicht nummerierter Koordinaten wie etwa $x,y,z$ 
auf $\DR^3$ schreiben wir f"ur die fraglichen Vektorfelder auch
$\partial_x,\partial_y,\partial_z$\index{d@$\partial_x$ Vektorfeld} 
 oder dergleichen. Sicher 
l"a"st sich jedes  Vektorfeld 
auf $U\subset \DR^n$ halboffen
schreiben in der Gestalt
 $$\sum c_{i}\partial_{i}$$ mit eindeutig bestimmten $c_{i} : U \ra \Bbb{R}.$
Paaren wir etwa das Vektorfeld   $\sum c_{i}\partial_{i}$ auf $\DR^n$  mit dem
Kovektorfeld $\sum a_{i}\diff x_{i}$, so ergibt sich die Funktion
$\sum a_{i}c_{i}.$ In unserer Notation \ref{EKV} und
mit dem Kroneckerdelta haben wir n"amlich in der Tat 
$$\langle \diff x_i,\partial_j \rangle=\delta_{ij}$$
\end{Bemerkungl}



\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]
{SkriptenBilder/BildVVe}\\[4mm]
\noindent 
Ganz links ist zuerst ein Vektorfeld auf der Ebene 
abgebildet, das unter der orthogonalen Projektion auf die
$x$-Achse verwandt ist zu einem ebenfalls eingezeichneten 
konstanten Vektorfeld auf der $x$-Achse. 
In der Mitte dann ein Vektorfeld auf der Ebene, das 
unter dieser Projektion zu keinem  Vektorfeld auf der $x$-Achse verwandt ist.
Schlie"slich ganz rechts die konstante Abbildung der $y$-Achse auf
einen Punkt der $x$-Achse und ein Vektorfeld auf der $x$-Achse, das 
darunter zu keinem Vektorfeld auf der $y$-Achse verwandt ist.
\end{figure}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Kovariante und kontravariante Transformation}] 
Zumindest unter linearen Koordinatentransformationen\label{KoKov}  
verhalten sich Kovektorfelder \glqq so wie Koordinaten\grqq.
Ist etwa $x_1,\ldots, x_n$ ein System linearer Koordinaten auf
$X$ im Sinne eines Systems von Abbildungen $x_i:X\ra \DR,$ 
die zusammen einen Isomorphismus von affinen R"aumen $X\ra\DR^n$ 
liefern, und ist $y_1,\ldots, y_n$ ein anderes System linearer Koordinaten,
und haben wir etwa $y_i=\sum_j a_{ij}x_j$  f"ur eine 
Matrix von reellen Zahlen 
$a_{ij},$ so gilt die Identit"at von
Kovektorfeldern $\diff y_i=\sum_ja_{ij}\diff x_j.$
F"ur die durch
unsere Koordinatensysteme bestimmten Vektorfelder haben wir dahingegen 
umgekehrt
$$\frac{\partial}{\partial x_j}=\sum_ia_{ij}\frac{\partial}{\partial y_i}$$
und ben"otigen die inverse Matrix, um
 $\frac{\partial}{\partial y_i}$ durch die $\frac{\partial}{\partial x_j}$
auszudr"ucken. In diesem Sinne \glqq transformieren sich Kovektorfelder 
wie Koordinaten\grqq\  und hei"sen deshalb auch 
\glqq kovariant\grqq, wohingegen 
Vektorfelder sich \glqq vermittels der inversen transponierten Matrix
transformieren\grqq\  und  deshalb \glqq kontravariant\grqq\  hei"sen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}[\textbf{Verwandtschaft von Feldern und von
    Funktionen}] 
  Sei  $\phi :U\ra V$ eine differenzierbare\label{VerW} 
  Abbildung zwischen halboffenen Teilmengen endlichdimensionaler reeller R"aume
  $X$ und $Y.$ 
  \begin{enumerate}
  \item 
Zwei Vektorfelder $A: U \rightarrow \vec{X}$ und $B:V \rightarrow \vec{Y}$
    hei"sen {\bf $\phi $-verwandt}\index{verwandt!Vektorfelder} und wir
    schreiben $\phi:A\leadsto B$
genau dann, wenn
    f"ur alle $ x \in U$ gilt
    $$(\diff_x \phi )(A_x) = B_{\phi (x)}$$
  \item   Zwei Kovektorfelder $\eta: U
    \rightarrow \vec{X}^\ast$ und $\omega:V \rightarrow \vec{Y}^\ast$ hei"sen
    {\bf $\phi $-verwandt}\index{verwandt!Kovektorfelder} und wir
schreiben $\phi:\eta\leadsto \omega$\index{)4@$\leadsto$ verwandt!Vektorfelder} 
genau dann, wenn f"ur
    alle Punkte $ x \in U$ gilt
$\eta_{x} = \omega_{\phi (x)}\circ \diff_x \phi
    $ oder gleichbedeutend,  mit der transponierten Abbildung 
$(\diff_x \phi )^\top: \vec{X}^\ast\ra  \vec{Y}^\ast$ aus \eref{NTAb}{LA1} 
zum Differential      $\diff_x \phi : \vec{Y}\ra  \vec{X}$
      notiert, 
    $$\eta_{x} = (\diff_x \phi )^\top(\omega_{\phi (x)})
    $$
  \item   Zwei reelle Funktionen 
$g: U \rightarrow \DR$ und $f:V \rightarrow \DR$ hei"sen
    {\bf $\phi $-verwandt}\index{verwandt!Funktionen} und wir
    schreiben $\phi:g\leadsto f$ \index{)4@$\leadsto$ verwandt!Funktionen}
genau dann, wenn gilt
    $g=f\circ \phi ,$ als da hei"st, wenn f"ur alle $ x \in U$ gilt
    $$g(x)=f( \phi (x))$$
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]
{SkriptenBilder/BildVSch}\\[4mm]
\noindent 
Dieses Bild soll den Effekt der Scherung $\phi:\DR^2\sira \DR^2,$
$(x,y)\mapsto (x+y,y)$
auf dem Kovektorfeld $\diff y$ und dem Vektorfeld $\partial_y$ 
darstellen. 
Bei der bildlichen Darstellung unseres Kovektorfelds folgen
wir den auf Seite \pageref{BDKO} im Anschlu"s an
\ref{VFKF} eingef"uhrten Konventionen.
Man erkennt, da"s $\diff y$ unter dieser Scherung verwandt ist 
zu sich selber, in Formeln $\phi:\diff y\leadsto \diff y,$ 
wohingegen  $\partial_y$ verwandt ist zu $\partial_x+\partial_y,$ 
in Formeln $\phi:\partial_y\leadsto \partial_x+\partial_y.$
Alternativ und im Wesentlichen gleichbedeutend mag man sich
auch auf den Standpunkt stellen, da"s wir 
auf dem Wertebereich
von $\phi$ ein \glqq verschertes Koordinatensystem\grqq\  $(u,v)$ eingef"uhrt haben 
mit $u$ und $v$ den
Komponenten der zu 
$\phi$ inversen Abbildung, also $u(x,y)=x-y$ und $v(x,y)=y.$
Dann erhalten wir statt der
obigen Verwandtschaften die Formeln $\diff v=\diff y$ 
sowie
$ \partial_v=\partial_x+\partial_y.$ 
\end{figure}

% \begin{Bemerkungl}
% Die Definition dieser Verwandtschaftsbeziehungen sollte als 
% ein integraler Bestandteil der Definition von Vektorfeldern
% und von Kovektorfeldern verstanden werden.  
%   Wenn man in Koordinaten arbeitet 
% \end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Existenz und Eindeutigkeit von Verwandten}] 
Unter einer differenzierbaren Bijektion mit\label{ZHEF}  
differenzierbarer Umkehrabbildung haben alle Vektorfelder,
Kovektorfelder und Funktionen   jeweils genau einen Verwandten,
und unter der Identit"at sind sie jeweils selbst dieser 
einzige Verwandte. Ist allgemeiner $\phi :U\ra V$  differenzierbar
aber sonst beliebig,
so hat jedes Kovektorfeld $\omega$ auf $V$ 
immer noch genau einen \glqq R"uckw"artsverwandten\grqq\  auf $U,$ der 
eben gegeben wird durch die Formel
$\eta_{x} = (\diff_x \phi )^\top(\omega_{\phi (x)})
    $ und der notiert wird als 
$$\eta=\phi ^\ast (\omega)$$
Er  hei"st das {\bf mit $\phi $ zur"uckgezogene} oder  {\bf zur"uckgeholte
Kovektorfeld}.\index{R"uckzug!von Kovektorfeld}
Ebenso  hat jede Funktion $f$ auf $V$ genau einen 
\glqq R"uckw"artsverwandten\grqq, eben die Funktion $f\circ \phi ,$ die man auch die
{\bf mit $\phi $ zur"uckgezogene 
Funktion}\index{R"uckzug!von Funktionen} nennt und manchmal
$\phi ^\ast(f)$ notiert. 
Bei Vektorfeldern liegen die Verh"altnisse nicht so einfach, aber 
ist $\phi$ surjektiv, so hat
jedes Vektorfeld auf $U$ zumindest nicht mehr als einen
\glqq Vorw"artsverwandten\grqq\  auf $V.$ 
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Transitivit"at von Verwandtschaft}] 
Seien zus"atzlich zu
den obigen Daten $Z$ ein\label{VerT}
 endlichdimensionaler reeller Raum
und $W\subset Z$ eine halboffene Teilmenge und 
  $\psi :V\ra W$ eine stetig differenzierbare
  Abbildung gegeben. 
Ist  ein Vektorfeld $C$ auf $W$ unter $\psi $ verwandt zu $B,$
so ist auch $A$ unter $\psi \circ \phi $ verwandt zu $C,$ 
in Formeln implizieren $\phi:A\leadsto B$ und $\psi:B\leadsto C$ also
$\psi\circ \phi:A\leadsto C.$ Analoges gilt f"ur 
 Funktionen und Kovektorfelder und l"a"st sich in den 
beiden letzteren F"allen
auch schreiben als 
$(\psi \circ \phi )^\ast=\phi ^\ast \circ \psi ^\ast,$ 
so da"s etwa f"ur jedes Kovektorfeld $\kappa$ auf $C$ gilt
 $$(\psi \circ \phi )^\ast(\kappa)=\phi ^\ast ( \psi ^\ast(\kappa))$$ 
Aus Gr"unden der formalen Vollst"andigkeit sei noch erg"anzt, da"s
unter der Identit"at wie bereits in \ref{ZHEF} erw"ahnt 
jedes Vektorfeld und jedes Kovektorfeld und
jede Funktion verwandt ist zu sich selber und nur zu sich selber, 
es gilt also in Formeln 
$\op{id}:A\leadsto A$ und $(\op{id}:A\leadsto B)\RA A=B$ und dergleichen.
\end{Bemerkungl}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Das Differential repektiert Verwandtschaft}] 
Verwandte Funktionen haben verwandte Differentiale,\label{VFVD} in Formeln
impliziert $\phi:g\leadsto f$ also $ \phi:\diff g\leadsto \diff f,$ 
und gleichbedeutend haben wir f"ur alle $f$ die Identit"at
$\phi ^\ast(\diff f)=\op{d} (\phi ^\ast(f) )=\op{d} (f\circ \phi ).$ 
In der Tat gilt f"ur jeden Punkt $y$ nach der Definition der Verwandtschaft
und der Kettenregel
$$(\phi ^\ast(\diff f))_y=(\diff_{\phi(y)} f)\circ \diff_y\phi=
\op{d}_y (f\circ \phi )$$
\end{Bemerkungl}
  
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Das Ableiten nach Vektorfeldern
 repektiert Verwandtschaft}]
Wenden wir verwandte 
 Vektorfelder auf verwandte differenzierbare 
Funktionen an, so erhalten wir wieder 
verwandte Funktionen, in Formeln 
folgt aus $\phi:A\leadsto B$  und $\phi:g\leadsto f$ also
$\phi:Ag\leadsto Bf$ oder anders geschrieben
$(B f) \circ \phi  = A (f \circ \phi ).$
Das  folgt direkt aus der
Kettenregel in mehreren Ver"anderlichen.
Letzteres ist sogar eine hinreichende Bedingung: Gilt 
$(Af)\circ \phi=B(f\circ \phi)$
f"ur alle differenzierbaren Funktionen  $f,$ so folgt $\phi:A\leadsto B.$
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}[\textbf{Zur"uckholen von Kovektorfeldern in Koordinaten}] 
F"ur $X=\Bbb{R}^n$ mit Koordinaten $x_1, \ldots , x_{n}$ und
$Y = \Bbb{R}^{m}$ mit Koordinaten $y_{1}, \ldots , y_{m}$
und $\phi=(\phi_1,\ldots,\phi_n)$ eine differenzierbare\label{ZHeF} 
Abbildung von einer halboffenen Teilmenge von $\DR^m$ in
eine halboffene Teilmenge von $\DR^n$ ergibt sich
$
\phi^{\ast} (\diff x_{i}) = \op{d} (\phi^{\ast} x_{i}) 
=\diff \phi_{i} = \sum_{i}
\frac{\partial \phi_{i}}{\partial y_{j}} \diff y_{j}$ unter Verwendung von
\ref{VFVD} und \ref{DiFF}.
Folglich kann das Zur"uckholen von Kovektorfeldern in Koordinaten
beschrieben werden durch die Formel
$$\phi^{\ast} \left(\sum_{i} a_{i}\diff x_{i}\right) =\sum_{i,j} (a_{i}
\circ \phi) \frac{\partial \phi_{i}}{\partial y_{j}}\; \diff y_{j}
$$
\end{Beispiel}


\begin{Beispiel}[\textbf{Verwandtschaften unter der Polarkoordinatenabbildung}] 
Wir betrachten die Polarkoordinatenabbildung\label{BsPK} 
$$\begin{array}{cccl}
P:&\DR^2&\ra&\DR^2\\
& (r,\vartheta)& \mapsto& (r \cos \vartheta, r \sin \vartheta) 
\end{array}$$
und benutzen die "ublichen Koordinaten $x,y$ auf dem Wertebereich.
Unter dieser Abbildung 
ist etwa das Kovektorfeld $\diff x$ rechts verwandt zum
Kovektorfeld  
$\op{d}(r \cos \vartheta )=(\cos \vartheta )\diff r 
-(r\sin \vartheta )\diff\vartheta$ links.
Ebenso 
ist  das Kovektorfeld $\diff y$ rechts verwandt zum
Kovektorfeld  
$\op{d}(r \sin \vartheta )=(\sin \vartheta )\diff r 
+(r\cos \vartheta )\diff\vartheta$ links.
Um 
einen Verwandten f"ur $\partial_\vartheta$ zu suchen, wenn dieses 
Vektorfeld denn einen Verwandten haben sollte,
machen wir den Ansatz $\partial_\vartheta\leadsto a\partial_x+ b\partial_y$
mit unbestimmten Funktionen $a,b$ und finden durch Paaren mit
 $\diff x$ leicht $-(r\sin \vartheta )\leadsto a$ und 
durch Paaren mit
 $\diff y$ ebenso $(r\cos \vartheta )\leadsto b,$
womit wir f"ur das Vektorfeld $\partial_\vartheta$ links 
als einzigen Verwandten das Vektorfeld $-y\partial_x+x\partial_y$ rechts
finden.
Das Vektorfeld $\partial_r$ links hat keinen Verwandten rechts,
denn derselbe Ansatz $\partial_r\leadsto a\partial_x+ b\partial_y$
f"uhrt zu $P:\sin \vartheta\leadsto a$ und $P:\cos \vartheta\leadsto b,$
und derartige Funktionen $a,b$ gibt es nicht.
Schr"anken wir jedoch unsere Polarkoordinatenabbildung ein zu einer
Abbildung $P:\{(r,\vartheta)\mid r>0\}\ra \DR^2\backslash 0,$ 
so gibt es derartige Funktionen doch und unser Vektorfeld $\partial_r$
hat  unter dieser Einschr"ankung den einzigen Verwandten 
$$\left(x/\sqrt{x^2+y^2}\right)\partial_x + \left(y/\sqrt{x^2+y^2}\right)
\partial_y$$
Meist wird man  mit diesen Begriffen etwas gro"sz"ugiger
umgehen, zwischen verwandte Objekte schlicht 
ein Gleichheitszeichen schreiben und es auch mit den
Definitionsbereichen nicht so genau nehmen, 
so da"s wir  etwa  schreiben w"urden
\begin{eqnarray*}
\partial_r &=& (\cos \vartheta) \partial_x + (\sin \vartheta) \partial_y=
\left(x/\sqrt{x^2+y^2}\right)\partial_x + \left(y/\sqrt{x^2+y^2}\right)
\partial_y\\
\partial_\vartheta &=& -(r \sin \vartheta) \partial_x 
+ (r \cos \vartheta) \partial_y=-y\partial_x+x\partial_y\\[2mm]
\partial_x &=& (\cos \vartheta) \partial_r - 
\left(r^{-1}\sin \vartheta\right) \partial_{\vartheta}\\
\partial_y &=& (\sin \vartheta) \partial_r + \left(r^{-1}\cos \vartheta\right) 
\partial_\vartheta\\[2mm]
\diff x&=&(\cos \vartheta )\diff r 
-(r\sin \vartheta )\diff\vartheta\\
\diff y&=&(\sin \vartheta )\diff r 
+(r\cos \vartheta )\diff\vartheta\\[2mm]
\diff \vartheta&=&\left(-y/(x^2+y^2)\right)\diff x + 
\left(x/(x^2+y^2)\right)\diff y\\
\diff r&=&\left(x/\sqrt{x^2+y^2}\right)\diff x + 
\left(y/\sqrt{x^2+y^2}\right)\diff  y
\end{eqnarray*}
Man kann die unteren  Formeln auch so verstehen,
da"s eben $\diff r$ das Differential der 
Funktion $r:(\DR^2\backslash 0)\ra\DR,$
$(x,y)\mapsto r(x,y)$ meint. Bei $\diff \vartheta$ wird es schon kritischer,
 da ja eigentlich  $\vartheta$ nur auf
geschlitzten Ebenen definiert werden kann. Allerdings unterscheiden sich
die auf verschiedenen geschlitzten Ebenen definierten $\vartheta$ dann wieder 
nur um additive Konstanten, so da"s sie alle dasselbe Differential haben und
wir doch ein wohldefiniertes  
Kovektorfeld $\diff \vartheta$ auf $\DR^2\backslash 0$ erhalten.
Das ist auch der tiefere  Grund daf"ur, da"s alle unsere Standardvektorfelder 
in diesem Fall wohldefinierte Verwandte haben
und wir mit unseren Gleichheitszeichen nicht in Teufels K"uche kommen. 
Bei komplizierteren Vektorfeldern s"ahe
das anders aus: So hat etwa das Vektorfeld 
 $\vartheta\partial_\vartheta$ gar keinen Verwandten, es sei denn,
 wir schr"anken unsere Polarkoordinatenabbildung noch weiter ein.
\end{Beispiel}

\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.4\textheight]{SkriptenBilder/BildVeKu}\\[4mm]
\noindent Einige Werte des  Vektorfelds $\partial_r$ als durchgezogene Pfeile
und des Vektorfeld $\partial_\vartheta$ als gepunktelte Pfeile, gezeichnet  
in der $xy$-Ebene.
\end{figure}




\begin{Bemerkungl}[\textbf{Partielle Ableitungen in lokalen Koordinaten}] 
Gegeben ein endlichdimensionaler affiner Raum $X$ und eine offene
Teilmenge $U \co X$ und ein Diffeomorphismus alias ein System lokaler
Koordinaten $(x_1, \ldots, x_n) : U \overset{\sim}{\rightarrow}
V \co \Bbb{R}^n$ bezeichnet man gerne mit $\frac{\partial}{\partial x_i}$
oder auch mit $\partial_i$ diejenigen 
Vektorfelder auf $U$, die unter diesem Diffeomorphismus
zu den eben eingef"uhrten Vektorfeldern auf $\Bbb{R}^n$ 
verwandt sind.
Man beachte jedoch, da"s f"ur eine einzelne Funktion $x : U \rightarrow
\Bbb{R}$ nicht sinnvoll ein Vektorfeld $\frac{\partial}{\partial x}$ auf
$U$ erkl"art werden kann:
Selbst wenn sich unsere Funktion zu einem Koordinatensystem erg"anzen
lassen sollte, wird doch das durch diese Erg"anzung
erkl"arte Vektorfeld $\frac{\partial}{\partial
x} $ wesentlich 
von der Wahl der anderen Koordinaten abh"angen. All das steht im
Gegensatz zum Differential $\diff x$ einer Funktion $x,$ das durchaus 
auch f"ur eine einzelne Funktion
sinnvoll definiert ist.
\end{Bemerkungl}
\subsubsection*{"Ubungen}
\begin{Ubung}[\textbf{Weitere Vertr"aglichkeiten unserer Verwandtschaften}]
Verwandschaft ist  vertr"aglich mit 
dem Bilden von Produkten von Funktionen.
Verwandschaft ist vertr"aglich mit 
dem Bilden des Produkts von Funktionen und Vektorfeldern,
in Formeln 
folgt aus Verwandschaften $\phi:g\leadsto f$ und $\phi:A\leadsto B$  also
$\phi:gA\leadsto fB$ oder anders geschrieben folgt aus
$\phi:A\leadsto B$ bereits $\phi:(f\circ \phi)A\leadsto fB.$
Verwandschaft ist vertr"aglich mit 
dem Bilden des Produkts von Funktionen und Kovektorfeldern,
in Formeln 
folgt aus $\phi:g\leadsto f$ und $\phi:\eta\leadsto \omega$  also
$\phi:g\eta\leadsto f\omega$ oder anders geschrieben gilt
$\phi^\ast(f\omega)=(f\circ \phi)\phi^\ast\omega.$
Schlie"slich ist Verwandschaft auch vertr"aglich mit dem Auswerten von
Kovektorfeldern auf Vektorfeldern, 
in Formeln folgt aus $\phi:\eta\leadsto \omega$
und  $\phi:A\leadsto B$  also
$\phi:\langle \eta,A\rangle\leadsto \langle \omega,B\rangle$ 
alias aus $\phi:A\leadsto B$ folgt
$\langle \phi^\ast\omega,A\rangle=\langle \omega,B\rangle\circ \phi.$
Das ist sogar eine hinreichende Bedingung: Gilt 
$\langle \phi^\ast\omega,A\rangle=\langle \omega,B\rangle\circ \phi$
f"ur alle Kovektorfelder $\omega,$ so folgt $\phi:A\leadsto B.$
\end{Ubung}


\begin{Ubung}\label{VWER}
  Unter der Inversion am Einheitskreis $\DR^2\backslash 0\sira 
\DR^2\backslash 0$, $(x,y)\mapsto (u,v)=(x^2+y^2)^{-1}(x,y)$ zeige man die
Verwandtschaft von Vektorfeldern
$$\begin{array}{lll}
 \partial_x&\leadsto& (v^2-u^2)\partial_u-2uv\partial_v \\
\partial_y&\leadsto& (u^2-v^2)\partial_v-2uv\partial_u
\end{array}$$
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
  Seien auf einer halboffenen Teilmenge $U\subset E$ eines
  $n$-dimen\-sionalen reellen Raums Vektorfelder $A_1,\ldots, A_n$  
und Kovektorfelder $\omega_1,\ldots,\omega_n$ gegeben mit\label{dkVF} 
$\langle \omega_i,A_j\rangle=\delta_{ij}$ an jeder Stelle
$p\in U$. So gilt f"ur jede stetig differenzierbare Funktion
$f:U\ra\DR$ die Identit"at $\diff f=(A_1f)\omega_1+\ldots+(A_nf)\omega_n$.
\end{Ubung}


%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AAANA2"
%%% End: 
















