%\section{Wegintegrale und Potentiale}
\subsection{Wegintegrale "uber geschlossene Felder}
\begin{Definition}\label{gesch}
Sei $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum und
$A \co X$ eine offene Teilmenge.
Ein stetig differenzierbares Kovektorfeld  $\omega:A\ra \vec{X}^\ast$ 
auf $A$ hei"st {\bf geschlossen}\index{geschlossen!Kovektorfeld}
genau dann, wenn an jeder Stelle $p\in A$  sein Differential
$\diff_p \omega:\vec{X}\ra \vec{X}^\ast$
eine symmetrische Bilinearform auf $\vec{X}$ liefert im Sinne
einer Gleichheit von reellen Zahlen 
$$(\diff_p \omega)(\vec{v})(\vec{w})=
(\diff_p \omega)(\vec{w})(\vec{v})\quad\forall \vec{v},\vec{w}\in \vec{X}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Diskussion der Terminologie}] 
  Diese Terminologie geht vermutlich auf den gleich folgenden Satz \ref{roPP}
  zur"uck, nach dem ein stetig differenzierbares Kovektorfeld geschlossen ist
  genau dann, wenn seine Wegintegrale "uber alle geschlossenen und im
  Definitionsbereich zusammenziehbaren Wege verschwinden.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{R"uckw"artsverwandtschaft erh"alt die Geschlossenheit}] 
 Gegeben ein geschlossenes stetig differenzierbares Kovektorfeld ist auch
sein R"uckw"artsverwandter\label{RVGk} 
 unter jeder stetig differenzierbaren Abbildung 
geschlossen. Insbesondere ist die Eigenschaft der Geschlossenheit
\glqq unabh"angig von der
Wahl der Koordinaten\grqq. 
\end{Bemerkungl}
  \begin{Beispiel}[\textbf{Geschlossene Kovektorfelder auf $\DR^n$}] 
    Ein stetig differenzierbares Kovektorfeld $\omega=\sum u_i\diff x_i$ auf
    einer offenen Teilmenge eines $\DR^n$ ist 
      geschlossen genau dann, wenn\label{difk}  
     gilt $$\displaystyle\frac{\partial u_{i}}{\partial x_{j}} 
= \frac{\partial
u_{j}}{\partial x_{i}} \quad\forall i,j$$
In der Tat liefern unsere Definitionen in
diesem Fall $ (\diff_p \omega)(\op{e}_i)(\op{e}_j)=\frac{\partial
  u_{i}}{\partial x_{j}} (p)$. 
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}[\textbf{Differentiale sind stets geschlossen}] 
  Gegeben eine zweimal stetig differenzierbare
Funktion  $f$ auf
    einer offenen Teilmenge eines
endlichdimensionalen reellen Raums $X$
ist 
ihr Differential $\diff f$ stets    geschlossen.
In der Tat reicht es nach \ref{RVGk}, den Fall
 $X=\DR^n$ zu betrachten.
F"ur 
$\omega =\sum u_i\diff x_i=\sum \frac{\partial
  f}{\partial x_{i}}\diff x_i=\diff f$ gilt dann in
der Tat wegen der Vertauschbarkeit der
partiellen Ableitungen stets 
$$\frac{\partial u_{i}}{\partial x_{j}} =
\frac{\partial^{2}f}{\partial x_{j}\partial x_{i}} =
\frac{\partial^{2}f}{\partial x_{i}\partial x_{j}}=\frac{\partial
u_{j}}{\partial x_{i}}$$
und damit ist $\diff f$ geschlossen nach \ref{difk}.\label{difg}
Im "ubrigen sieht man leicht ein, da"s die 
$\diff_p(\diff f)$ entsprechende
symmetrische Bilinearform gerade das Doppelte des
\glqq quadratischen Anteils der Taylorentwicklung der Funktion $f$ 
um $p$\grqq\  ist.
\end{Beispiel}
\begin{Bemerkungw}\label{ADVi} 
  Sp"ater werden wir in \ref{daAb} ganz allgemein 
die \glqq "au"sere Ableitung von
Differentialformen\grqq\  einf"uhren. In dieser Terminologie sind dann 
unsere geschlossenen 
Kovektorfelder aus der vorhergehenden Definition
\ref{gesch} genau diejenigen stetig differenzierbaren Kovektorfelder,
deren "au"sere Ableitung $d\omega$, 
die eben an jeder Stelle gerade als der antisymmetrische Anteil
unserer Bilinearform $\diff_p \omega$ erkl"art wird,  verschwindet.
Da"s R"uckw"artsverwandschaft Geschlossenheit erh"alt, ist in diesem Kalk"ul
eine unmittelbare Folgerung aus der Vertr"aglichkeit von "au"serer Ableitung
mit Verwandtschaft. 
\end{Bemerkungw}


  \begin{Satz}[\textbf{Wegintegral und Rotation}]
 Sei $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum und
$A \co X$ eine offene Teilmenge.\label{roPP}   
F"ur ein stetig differenzierbares Kovektorfeld $\omega$ 
auf $A$ sind gleichbedeutend:
\begin{enumerate}
\item 
Unser Kovektorfeld ist geschlossen;
\item
Die Wegintegrale unseres Kovektorfelds "uber je zwei  in $A$ zueinander homotope
Integrationswege stimmen "uberein; 
\item
Das Wegintegral unseres Kovektorfelds
"uber jeden in $A$ zusammenziehbaren geschlossenen 
Integrationsweg verschwindet. 
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{Bemerkungl}
Einen 
alternativen und in gewisser Weise besonders glatten
Beweis des Satzes unter st"arkeren Voraussetzungen geben
wir in \eref{STOK}{AN3}.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Beziehung zur Proposition "uber Wegintegral und Potential}]
Unsere Proposition \ref{RP} zu Wegintegral und Potential
zusammen mit Teilen ihres Beweises
besagt, da"s 
gegeben eine offene Teilmenge $A$ eines endlichdimensionalen reellen Raums 
und ein stetig differenzierbares Kovektorfeld auf $A$ gleichbedeutend sind:
\begin{enumerate}
\item
Unser Kovektorfeld ist das 
Differential einer differenzierbaren Funktion;
\item
Das Integral unseres Kovektorfelds  "uber beliebige
Integrationswege in $A$ h"angt nur
vom Anfangs- und Endpunkt ab;
\item
Das Integral  unseres Kovektorfelds  "uber jeden geschlossenen 
Integrationsweg in $A$ verschwindet.
\end{enumerate}
Alle diese gleichbedeutenden Bedingungen sind st"arker 
als die entsprechenden Bedingungen in unserem Satz:
Die Erste, da  nach \ref{difg} Differentiale stets geschlossen sind, die
anderen aus offensichtlichen Gr"unden. 
\end{Bemerkungl}

\begin{Korollar}[\textbf{Rotation und Potential}] 
  Auf einer wegweise einfach zusammenh"angenden\label{rop}  
offenen Teilmenge eines endlichdimensionalen reellen Raums 
ist ein stetig differenzierbares Kovektorfeld genau dann
geschlossen, wenn es  das Differential einer differenzierbaren
Funktion ist.
\end{Korollar}
\begin{Bemerkungl}
  Beim Beweis von Satz \ref{roPP}
 werden wir f"ur Spezialf"alle dieser Aussage auch
 noch eigenst"andige Beweise geben.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}[\textbf{Herkunft der Terminologie}] 
  F"ur $A\co\DR^n$ wegweise einfach zusammenh"angend
besagt Korollar \ref{rop}, da"s 
 ein stetig differenzierbares 
Vektorfeld $v=(v_1,\ldots,v_n):A\ra\DR^n$ genau dann das 
Gradientenfeld einer differenzierbaren Funktion ist, wenn gilt 
$$\displaystyle\frac{\partial v_{i}}{\partial x_{j}} 
= \frac{\partial
v_{j}}{\partial x_{i}} \quad\forall i,j$$
Insbesondere ist f"ur $n=1$ jedes stetig differenzierbare 
Vektorfeld ein Gradientenfeld, in diesem Fall wissen wir ja sogar, da"s jede
stetige Funktion
eine Stammfunktion hat. Weiter ist f"ur $n=2$ ein stetig differenzierbares 
Vektorfeld $v$ genau dann ein Gradientenfeld, wenn seine 
{\bf skalare Rotation}\index{skalare Rotation!eines ebenen Vektorfeldes} 
alias\index{Rotation!skalare} {\bf Wirbeldichte}\index{Wirbeldichte} 
$ \op{rot}v\pdef \frac{\partial
v_2}{\partial x_1}-\frac{\partial
v_1}{\partial x_2}$ verschwindet. Und schlie"slich ist f"ur $n=3$ 
 ein stetig differenzierbares Vektorfeld $v$
 genau dann ein Gradientenfeld, wenn seine 
 {\bf Rotation}\index{Rotation} verschwindet, die man 
in diesem Falle definiert als
das Vektorfeld
 $$\op{rot}v=\left(\frac{\partial v_3}{\partial x_2}-
\frac{\partial v_2}{\partial x_3}\;,\;\frac{\partial v_1}{\partial x_3}-
\frac{\partial v_3}{\partial x_1}\;,\;\frac{\partial v_2}{\partial x_1}-
\frac{\partial v_1}{\partial x_2}\right)$$
\end{Bemerkungl}
\begin{proof}
  F"ur $A$ wegweise einfach zusammenh"angend ist nun die letzte Bedingung aus
  Satz \ref{roPP} zu Wegintegral und Rotation 
gleichbedeutend zur letzten Bedingung aus 
Proposition \ref{RP} Wegintegral und Potential.
  Mithin sind f"ur $A$ wegweise einfach zusammenh"angend alle sechs
  Bedingungen gleichbedeutend und insbesondere ist unter dieser Voraussetzung
  jedes stetig differenzierbare geschlossene Kovektorfeld auf $A$ das
  Differential einer Funktion.  
\end{proof}



% \begin{Bemerkungl}
% Unser Satz impliziert mit Proposition \ref{RP}
% "uber Wegintegrale und Potential, da"s 
% jedes stetig differenzierbare geschlossene Vektorfeld auf einer 
%   wegweise einfach zusammenh"angenden offenen Teilmenge $A$
% eines endlichdimensionalen reellen Raums bereits 
%   das Differential einer Funktion sein mu"s: In der Tat ist ja 
% in einer derartigen Teilmenge 
% jeder geschlossene Weg bereits  zusammenziehbar,
% mithin verschwindet nach \ref{roPP} in diesem Fall das Wegintegral 
% einer geschlossenen Form "uber  jeden geschlossenen Integrationsweg, 
% mithin ist unsere Form nach \ref{RP} ein Differential.  
% \end{Bemerkungl}






\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildrot}\\[4mm]
\noindent Das ebene Vektorfeld $(x,y)\mapsto (0,-x)$ hat konstant die
Rotation $-1$.
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}[\textbf{Anschauung f"ur die Rotation}] 
Um f"ur das Konzept der Rotation eine\label{sr} 
Anschauung zu entwickeln, mag man sich unser Vektorfeld $F$ als ein Kraftfeld 
vorstellen. 
L"a"st man im ebenen Fall dieses Kraftfeld
auf
den Rand einer kleinen Kreisscheibe wirken, die an einer Stelle unserer
Ebene drehbar  befestigt ist, so beginnt sie sich zu drehen.
Drehsinn sowie die St"arke der drehenden Kraft entsprechen
Vorzeichen und Betrag der skalaren Rotation.
L"a"st man im r"aumlichen Fall dieses Kraftfeld
auf die Oberfl"ache eines kleinen Balls wirken, 
den man an einer Stelle $p$ hineinh"alt, 
so beginnt er sich auch zu drehen. Die Drehachse
ist dann die von der Rotation unseres Vektorfeldes bei $p$ 
erzeugte Gerade, und der
Drehsinn sowie die St"arke der drehenden Kraft entsprechen
Richtung und L"ange der Rotation.
% In dieser Terminologie formuliert besagt 
% der vorstehende Satz in $\DR^2$ und $\DR^3$ insbesondere, 
% da"s in einem  rotationsfreien
% Vektorfeld die Wegintegrale "uber zusammenziehbare geschlossene 
% Integrationswege stets
% verschwinden.
\end{Bemerkungl}

\begin{proof}[Beweis von Satz \ref{roPP}]
Die Implikation 
 2$\RA$3 ist offensichtlich. Um 3$\RA$1 zu zeigen, d"urfen wir ohne
 Beschr"ankung der Allgemeinheit annehmen, da"s $A$ konvex
 ist. Dann ist in $A$ jeder geschlossene Weg zusammenziehbar und  
unsere Erkenntnisse zu Wegintegral und Potential \ref{RP}
 zeigen, da"s unser Kovektorfeld auf 
besagter konvexer Teilmenge das Differential $\omega=\diff f$ einer 
differenzierbaren Funktion sein mu"s. Solch ein Differential aber ist 
nach \ref{difg} 
stets geschlossen. 
Alternativ k"onnen wir die Implikation 3$\RA$1
auch leicht aus "Ubung \ref{IHTj} herleiten.
Damit bleibt nur noch 1$ \Rightarrow $2 zu zeigen. 
Wir beginnen unseren Beweis von 1$ \Rightarrow $2,
indem wir ein Korollar unseres Satzes als  Lemma formulieren und  
daf"ur einen eigenst"andigen Beweis geben.
% \begin{proof}[Beweis]
% 4$\Rightarrow$3 ergibt sich unmittelbar aus Satz \ref{RP}, nach dem
% jedes stetige Kovektorfeld das Differential einer Funktion ist, bei dem alle
% Wegintegrale "uber geschlossene Integrationswege verschwinden. 
% 3$ \Rightarrow $2 ist offensichtlich. 
% Um 2$ \Rightarrow $1 zu zeigen, 
% d"urfen wir ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit 
% $X=\DR^n$ annehmen. Die Implikation 
%  ist dann auch offensichtlich, f"ur 
% $\omega =\sum u_i\diff x_i=\diff f$ gilt in
% der Tat
% $$\frac{\partial u_{i}}{\partial x_{j}} =
% \frac{\partial^{2}f}{\partial x_{j}\partial x_{i}} =
% \frac{\partial^{2}f}{\partial x_{i}\partial x_{j}}=\frac{\partial
% u_{j}}{\partial x_{i}}$$
% Im "ubrigen sieht man auch leicht ein, da"s die 
% $\diff_p(\diff f)$ entsprechende
% symmetrische Bilinearform gerade das Doppelte des
% \glqq quadratischen Anteils der Taylorentwicklung der Funktion $f$ 
% um $p$\grqq\  ist.
% Wie dem auch sei, bleibt nur 1$ \Rightarrow $4 zu zeigen. 
% Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit 
% weiter $X=\DR^n$ annehmen. Wir beginnen unseren Beweis von 1$ \Rightarrow $4,
% indem wir einen
% Spezialfall von 1$ \Rightarrow $3 als  Proposition formulieren und  
% unabh"angig zeigen.
\begin{Lemma}
Ist  $A \co \Bbb{R}^n$ eine offene Kugel
 und $\omega$ darauf ein stetig differenzierbares 
geschlossenes Kovektorfeld,\label{stg} so ist $\omega$ das Differential einer
Funktion $f:A\ra\DR.$
\end{Lemma}
\begin{Bemerkungl}
  Ich gebe f"ur dies Lemma 
zwei Beweise: Erst einen sehr kurzen mehr rechnerischen
Beweis, und im Anschlu"s einen etwas l"angeren mehr konzeptionellen Beweis.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=11cm]{SkriptenBilder/BildWiF}\\[4mm]
\noindent 
Da"s ein rotationsfreies Vektorfeld 
auf einer nicht wegweise einfach zusammenh"angenden offenen Teilmenge
eines $\DR^n$ nicht notwendig ein
Potential besitzt, zeigt das Vektorfeld $\op{grad} \theta$
auf $\Bbb{R}^2\setminus 0,$ wo
$\theta(x,y)$ der eben nur bis auf eine additive Konstante wohlbestimmte
Winkel ist, den der Strahl vom Nullpunkt
nach  $(x,y)$ mit der horizontalen Koordinatenachse einschlie"st. 
Der Gradient $\op{grad} \theta$
ist dann ein wohldefiniertes rotationsfreies Vektorfeld
auf dem Komplement des Ursprungs, 
hat aber kein global definiertes Potential. 
Es hei"st das  {\bf Winkelfeld}\index{Winkelfeld}. 
Dies Vektorfeld ist nicht ganz leicht zu zeichnen, da die L"angen seiner
Vektoren gegen den Ursprung hin ins Unendliche wachsen. 
Auf den ersten Blick mag es absurd wirken, dieses Feld wirbelfrei zu nennen.
Eine au"serhalb des Ursprungs zum Testen hereingelegte kleine Kreisscheibe 
w"urde aber in der Tat nicht gedreht, die st"arkeren Vektoren
zerren zwar an der dem Ursprung zugewandten Seite, aber
von diesen Vektoren greifen andererseits auch 
weniger an. In gewisser Weise konzentriert sich
hier das gesamte Wirbeln im Ursprung, und der geh"ort nun eben gerade nicht
zu unserem Definitionsbereich.
In mathematischer Sprechweise ist $\diff\vartheta$ ein geschlossenes
Kovektorfeld auf der punktierten Ebene, das jedoch nicht das
Differential einer global definierten Funktion ist.
\end{Bild}

\begin{proof}[Rechnerischer Beweis]
Wir d"urfen ohne Beschr"ankung der Allgemeinheit $0\in A$
annehmen, bezeichnen nun wieder mit $x$ einen Vektor  
und betrachten den Weg $\psi_x:[0,1]\ra A,$ $t\mapsto tx$ und die Funktion
$f: A \ra \Bbb{R}$ gegeben durch
$$f(x) = \int_{\psi_x}\omega=\int^{1}_{0}  \omega_{tx}(x) \diff t
=\int^{1}_{0} \sum^{n}_{j=1} u_j(tx)\cdot x_j \diff t
$$
Ihre partielle Ableitung nach $x_{i}$  
ergibt sich zu
$$\begin{array}[b]{rcl}
\frac{\partial f}{\partial x_{i}}(p) &=& \int^{1}_{0}
\frac{\partial}{\partial x_{i}}|_{x=p} 
\left( \sum^{n}_{j=1} (u_{j}\circ (t\cdot) )
\cdot x_{j}\right) \diff t\\[2mm]
&=& \int^{1}_{0} \sum^{n}_{j=1} t \cdot\frac{\partial u_{j}}{\partial
x_{i}}(tp)\cdot p_{j} + u_{i}(tp) \diff t\\[2mm]
&=& \int^{1}_{0}\sum^{n}_{j=1}t\cdot \frac{\partial u_{i}}{\partial
x_{j}}(tp )\cdot p_{j} + u_{i}(tp) \diff t\\[2mm]
&=& \int^{1}_{0} t\cdot \frac{\diff}{\diff t}( u_{i} (tp) ) 
+ u_{i}(tp)
\diff t\\[2mm]
&=& \int^{1}_{0} \frac{\diff}{\diff t} 
(t\cdot (u_{i}(tp) ) \diff t\\[2mm]
&=& t\cdot u_{i}(tp)\left|_{0}^{1} \right. \\[2mm]
&=& u_{i}(p)
\end{array}$$
und wir sehen, da"s  in der Tat gilt $\diff f=\omega.$
\end{proof}
\begin{proof}[Konzeptioneller Beweis]
Wir behandeln zun"achst den Fall $n=2$ als eigenst"andiges Lemma.
\begin{Lemma}\label{KoFP}
Ist  $A \co \Bbb{R}^2$ eine
ebene Kreisscheibe und $\omega$ darauf ein stetig differenzierbares 
geschlossenes Kovektorfeld, so ist $\omega$ das Differential einer
Funktion $f:A\ra\DR.$
\end{Lemma}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildQ}\\[4mm]
\noindent
Das Rechteck aus dem Beweis von \ref{KoFP}.
\end{figure}
\begin{proof}
 Um  Indizes zu vermeiden schreiben wir 
bei der Behandlung dieses Spezialfalls
$(x,y)$ statt $(x_1,x_2)$ in der Hoffnung, da"s dies Einsparen 
von Indizes mehr Klarheit schafft, als die
Verwendung der Buchstaben $x,y$ mit verschiedenen Bedeutungen 
an Verwirrung erzeugt.
Betrachten wir ein Rechteck 
$Q = [a,b] \times [c,d] \subset A$
und integrieren unser Kovektorfeld einmal im
Gegenuhrzeigersinn auf dem  Rand entlang, den wir parametrisieren
als Weg $\rho,$
so erhalten wir
\begin{displaymath}
  \begin{array}{lll}
\int_\rho \omega&=&
\int^b_a u_1 (x,c) \diff x + \int^d_c u_2 (b,y) \diff y 
- \int^b_a u_1 (x,d)\diff x
-\int^d_c u_2 (a,y)\diff y \\[2mm]
&=& \int^d_c\int^b_a 
\left(\frac{\partial u_2}{\partial x} 
-\frac{\partial u_1}{\partial y}\right) \diff x \diff y
\end{array}
\end{displaymath}
F"ur ein stetig differenzierbares geschlossenes Kovektorfeld
 verschwindet also das Wegintegral einmal um den 
Rand unseres Rechtecks und der
\glqq obere\grqq\  bzw.\ der \glqq untere\grqq\  Weg auf den Kanten des 
Rechtecks von einem Punkt zum
diagonal gegen"uberliegenden Punkt liefern dasselbe Wegintegral.
Halten wir nun einen Punkt $(p,q) \in A$ fest,
so definiert dieses gemeinsame Wegintegral eine Funktion
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccl}
f(x,y)& = &\int^x_p u_1 (t,q) \diff t 
+ \int^y_q u_2 (x,s) \diff s\\[2mm]
&=& \int^y_q u_2 (p,s) \diff s + \int^x_p u_1 (t,y) \diff t
\end{array}
\end{displaymath}
f"ur die wegen der ersten Darstellung  offensichtlich gilt
$f_y = u_2$ und
wegen der zweiten Darstellung $ f_x = u_1.$
Damit gilt $\omega=\diff f$ wie behauptet.
\end{proof}\noindent
Jetzt f"uhren wir unseren konzeptionellen Beweis
des Lemmas im Fall allgemeiner Dimension zu Ende.
Wir  betrachten dazu alle Wege, die l"angs der Kanten eines achsenparallelen
Quaders vom Ursprung nach $p$ laufen. Genauer betrachten wir f"ur jede
Permutation $\sigma \in \mathcal{S}_n$ den Weg $[\sigma]= [\sigma;p]$ vom
Ursprung nach $p$, der gerade verl"auft zwischen den Eckpunkten
$$0, \; p_{\sigma (1)} \vec{\op{e}}_{\sigma (1)}, 
\; p_{\sigma (1)} \vec{\op{e}}_{\sigma(1)} +
p_{\sigma(2)}\vec{\op{e}}_{\sigma (2)},\;  \ldots ,\;  p$$
Ist $\tau = (i,i+1)$ eine Transposition benachbarter Zahlen, so
unterscheiden sich $[\sigma]$ und $[\sigma \circ \tau]$ nur dadurch,
da"s sie beim $i$-ten und $(i+1)$-ten Geradenst"uck auf verschiedenen
Kantenwegen diagonal gegen"uberliegende Punkte eines ebenen Rechtecks
verbinden.
Ziehen wir unser Kovektorfeld auf eine geeignete Ebene zur"uck,
so landen wir im bereits behandelten Fall und folgern
$$\int_{[\sigma]} \omega = \int _{[\sigma \circ \tau]}\omega$$ f"ur
jede Transposition $\tau$ der Gestalt $\tau = (i,i+1)$.
Wissen wir nun bereits nach \eref{TREz}{LA1}, da"s derartige
Transpositionen die symmetrische Gruppe erzeugen, so k"onnen wir sofort
folgern, da"s $\int_{[\sigma]} \omega$ gar nicht von $\sigma \in \mathcal{S}_n$
abh"angt.
Die durch $$f(p) = \int_{[\sigma;p]} \omega$$ 
f"ur ein und alle $\sigma$ definierte
Funktion $f$ hat dann Differential $\diff f = \omega$, da ihre partielle
Ableitung nach $x_i$  auch aus jeder  Darstellung  
durch ein $\sigma $ mit $\sigma (n) =i$
berechnet werden kann, f"ur die 
$\frac{\partial f}{\partial x_i}
=u_i$ offensichtlich ist.
\end{proof}
\noindent
Jetzt k"onnen wir schlie"slich in unserem Satz \ref{roPP} 
auch noch die  Implikation 1$\RA$2 zeigen.
Sei $h:[0,1]^2\ra A$ eine Homotopie zwischen unseren
beiden Integrationswegen, die wir ohne Beschr"ankung der 
Allgemeinheit normiert annehmen d"urfen.
Analog wie beim Beweis von \ref{WZST} 
zeigen wir mithilfe von  \eref{dA}{AN1} und \eref{FKM}{AN1}, da"s es 
f"ur den Abstand von Punkten
aus dem Bild unseres Einheitsquadrats und Punkten au"serhalb von $A$ eine
positive untere Schranke gibt.
Da $h$ nach \eref{glsV}{AN1} gleichm"a"sig stetig ist, finden 
wir weiter ein
$r \in \Bbb{N},$ $r \geq 1$ derart, da"s 
bei Unterteilung des Einheitsquadrats in $r^2$ kleine Schachfelder
der Kantenl"ange $1/r$ 
die einzelnen Felder unter
$h$ jeweils ganz in einen offenen Ball
 in $A$ abgebildet werden. 
Jetzt  betrachten wir die Integrale l"angs der
Geradensegmente zwischen den Bildern in $A$ von benachbarten Ecken 
unserer Schachfelder
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildHtR}\\[4mm]
\noindent Illustration zum Beweis von Satz \ref{roPP} "uber die
Homotopieinvarianz von Wegintegralen bei gewissen Kovektorfeldern.
Die beiden Wege werden durch dicke gezackte Linien dargestellt,
die Homotopie zwischen ihnen durch feine gestrichelte Linien.
Es gilt, diese Unterteilung so fein zu w"ahlen,
da"s jeder dieser \glqq Ziegel\grqq\  ganz in einem im Definitionsbereich unserer
geschlossenen Differentialform enthaltenen Ball liegt.
\end{figure}
$$
c_{i,j} = \int_{h\left(\frac{i}{r},\frac{j}{r}\right)}^{
h\left(\frac{i+1}{r},\frac{j}{r}\right)} \omega 
\quad\text{ und }\quad  d_{i,j}
=\int_{h\left(\frac{i}{r},\frac{j}{r}\right)}^{
h\left(\frac{i}{r},\frac{j+1}{r}\right)} \omega 
$$
 Indem wir Lemma \ref{stg} 
 auf unsere offenen B"alle in $A$
 anwenden, finden wir  $c_{i,j} + d_{i+1,j} - d_{i,j} - c_{i,j+1}=0$ und 
durch Aufsummieren
$$\sum_{0\leq i<r}c_{i,0}+ \sum_{0\leq j<r}d_{r,j}
-\sum_{0\leq j<r}d_{0,j}-\sum_{0\leq i<r}c_{i,r}=0$$
 Indem wir nochmals Lemma \ref{stg}  auf unsere offenen B"alle
 anwenden sehen wir dann weiter, da"s diese vier Summen jeweils 
den Wegintegralen von $\omega$ "uber die durch die vier 
Kanten unseres Quadrats gegebenen Wege gleichen. 
Zwei von diesen Wegen sind eh konstant und die "ubrigen sind eben
gerade die beiden homotopen Integrationswege, von denen wir ausgegangen waren.
\end{proof}




\begin{Satz}[\textbf{Fundamentalsatz der Algebra}]
Jedes nicht konstante komplexe Polynom besitzt mindestens eine komplexe
Nullstelle.\label{FAWI}
\end{Satz}
\begin{Bemerkunge}
 Alternative  Beweise werden in \eref{KCAA}{LA1} diskutiert.
\end{Bemerkunge}
\begin{proof}
Sei $P(z) = z^n + a_{n-1} z^{n-1} + \ldots
+a_0$ unser Polynom. 
Wir argumentieren durch Widerspruch und betrachten f"ur jeden Radius $r>0$ den
geschlossenen Weg $\gamma : [0,2\pi] \rightarrow \mathbb C$, $\gamma_r (t)
= r {\op{e}}^{{\op{i}}t} = r \cos t +  {\op{i}} r\sin t$,
der einmal auf dem Kreis mit Radius $r$ uml"auft.
Nach \ref{Konvexc} ist er in $\DC$ 
zusammenziehbar. H"atte unser Polynom keine Nullstelle,
so lieferte es eine stetige Abbildung 
$P : \mathbb C \rightarrow \mathbb C^\times,$
und nach \ref{BHc} w"aren  alle $P \circ \gamma_r$ zusammenziehbar in
$\mathbb C^\times$.
F"ur hinreichend gro"ses $r$ gilt nun jedoch
$
r^n > |a_{n-1}|r^{n-1} + \ldots+|a_1|r + |a_0|,
$
und f"ur solche $r$ ist der Weg $P \circ \gamma_r$ in $\mathbb C^\times$
homotop zum Weg $t \mapsto \gamma_r (t)^n$, da n"amlich f"ur kein $t$ 
die Strecke von $P(\gamma_r (t))$ nach $\gamma_r (t)^n$ den
Nullpunkt trifft.
H"atte also $P$ keine Nullstelle, so w"are der Weg $[0,2\pi]\rightarrow
\mathbb C^\times$, $t \mapsto \gamma_r (t)^n$ 
zusammenziehbar in $\mathbb C^\times$.
Das steht jedoch im Widerspruch zu \ref{FDAT}.
\end{proof}
\subsubsection*{"Ubungen} 
\begin{Bild} 
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/Bildgtvw}\\[4mm]
\noindent Der Weg $\gamma(p,t\vec{v},t\vec{w})$ aus
"Ubung \ref{IHTj}. Mit $t\ra 0$ wird er nat"urlich immer kleiner.
\end{Bild}
\begin{Ubung}\label{IHTj}
 Sei $X$ ein endlichdimensionaler reeller Raum,
$A \co X$ eine offene Teilmenge, $p\in A$ ein Punkt
und $\omega:A\ra \vec{X}^\ast$ ein stetig differenzierbares Kovektorfeld.  
So gilt in den Notationen der vorhergehenden Definition \ref{gesch}
f"ur alle $\vec{v},\vec{w}\in \vec{X}$ die Identit"at
$$(\diff_p \omega)(\vec{v})(\vec{w})-
(\diff_p \omega)(\vec{w})(\vec{v})
= \lim_{t\ra 0}\frac{1}{t^2}\int_{\gamma(p,t\vec{v},t\vec{w})} \omega$$ 
 mit der Notation $\gamma(p,t\vec{v},t\vec{w})$ f"ur den Weg,
der einmal das Parallelogramm mit einer  Ecke $p$ und Kantenvektoren 
$t\vec{v}$ und $t\vec{w}$ uml"auft, oder genauer, der st"uckweise linear
l"auft erst von $p$ nach $p+t\vec{v},$ dann weiter nach $p+t\vec{v}+t\vec{w},$
von da nach $p+t\vec{w},$ und dann wieder zur"uck nach $p.$ 
Hinweis: Es mag die Rechnung vereinfachen, wenn man das fragliche 
Integral zu einer  Funktion von zwei Ver"anderlichen $s,t$ erweitert.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}\label{FDAT}
Man zeige, da"s gegeben $n\in\DZ$  der geschlossene Weg 
$\gamma_n: [0,2\pi]\ra  \Bbb{R}^2\backslash 0$ mit 
$\gamma(t)=(\cos nt, \sin nt)$
in $\Bbb{R}^2\backslash  0$ nur f"ur $n=0$ zusammenziehbar ist. Hinweis:
Man berechne das Integral des Winkelfeldes "uber diesen Weg und
beachte \ref{roPP}.  Ich empfinde es allerdings
als  Umweg, diese Aussage mithilfe von Wegintegralen nachzuweisen, 
und ziehe den topologischen Beweis "uber Liftungseigenschaften 
in \eref{FdK}{TF} folgende vor. 
\end{Ubung}
\begin{Ubunge}
Man zeige, da"s es in \ref{RP} sogar ausreicht, die
Differenzierbarkeit unseres stetigen 
Kovektorfelds an fast allen Punkten von $A$
vorauszusetzen.
\end{Ubunge}


\begin{Ubunge}\label{srq}
 Gegeben auf einem Rechteck
 $Q=[a,b]\times[c,d]\subset \DR^2$ 
ein stetig differenzierbares Vektorfeld 
$v:Q\ra\DR^2$ stimmt das Integral seiner Rotation $\op{rot}v$ 
im Sinne von \ref{sr} "uber das Rechteck $Q$ "uberein mit seinem
Wegintegral im Sinne von \ref{WV} 
einmal im Gegenuhrzeigersinn um den Rand des Rechtecks.
In \ref{GrFo} werden wir diese Aussage als Spezialfall des
allgemeinen Stokes'schen Satzes zu verstehen lernen.
\end{Ubunge}

%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AAANA2"
%%% End: 
















