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%\begin{figure}[p]\centering\includegraphics[height=0.4\textheight oder width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildGibtsnet}\\[4mm]
%\noindent BlahBlah\end{figure}

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\begin{document}

\message{ !name(An01Grundlagen.tex) !offset(-83) }
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%

\label{GGrund}

\section{Einstimmung}\label{Grund}
\subsection{Vollst"andige Induktion und binomische Formel}\label{Ein}
\begin{Satz}\label{ErF} F"ur jede nat"urliche Zahl $n\geq 1$ gilt
$1+2+\ldots +n = \frac{n(n+1)}{2}.$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Bei diesem Beweis sollen Sie gleichzeitig das 
Beweisprinzip der {\bf voll\-st"andigen
Induktion}\index{Induktion} lernen.
Wir bezeichnen mit $A(n)$ die Aussage, da"s die Formel im Satz 
f"ur ein gegebenes $n$ gilt, und zeigen
\begin{description}
\item[Induktionsbasis:]\index{Induktion}
Die Aussage $A(1)$ ist richtig. In der Tat gilt 
die Formel $1= \frac{1(1+1)}{2}.$
\item[Induktionsschritt:]\index{Induktion}
Aus $A(n)$ folgt $A(n+1).$ In der Tat, unter der Annahme, da"s unsere Formel
f"ur ein gegebenes $n$ gilt, der sogenannten 
{\bf Induktionsannahme}\index{Induktion!} oder
{\bf Induktionsvoraussetzung}\index{Induktion}, 
rechnen wir
$$\begin{array}{rcl}
1+2+\ldots + n + (n+1) &= &\frac{n(n+1)}{2} + \frac{2(n+1)}{2}\\[2mm]
&=& \frac{(n+2)(n+1)}{2}\\[2mm]
&=& \frac{(n+1)((n+1)+1)}{2}
\end{array}$$
und folgern so, da"s die Formel auch f"ur $n+1$ gilt.
\end{description}
Es ist damit klar, da"s unsere Aussage
$A(n)$ richtig ist alias da"s unsere Formel  
gilt f"ur alle $n = 1,2,3,\ldots .$
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Dieser Beweis st"utzt sich auf unser intuitives Verst"andnis der nat"urlichen
Zahlen.
Man kann das Konzept der nat"urlichen Zahlen auch formal einf"uhren
und so die nat"urlichen Zahlen in gewisser Weise \glqq besser\grqq\  verstehen. 
Das m"ogen Sie  in der
Logik lernen.
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
Es herrscht keine Einigkeit in der Frage, ob 
man die Null eine nat"urliche Zahl nennen soll. In diesem Text
ist stets die Null mit gemeint, wenn von nat"urlichen
Zahlen die Rede ist. Wollen wir die Null dennoch ausschlie"sen, 
so sprechen wir wie oben von einer
  \glqq nat"urlichen Zahl $n\geq 1$\grqq.
\end{Bemerkungl}
  

\begin{Bemerkung}
  Ich will kurz begr"unden, warum es mir nat"urlich scheint, auch die Null 
eine nat"urliche Zahl zu nennen:
  Hat bildlich gesprochen jedes Kind einer Klasse einen Korb mit "Apfeln vor
  sich und soll seine "Apfel z"ahlen, so kann es ja 
durchaus vorkommen, da"s in
  seinem Korb gar kein Apfel liegt, weil es zum Beispiel alle seine "Apfel
  bereits gegessen hat.  In der Begrifflichkeit der Mengenlehre ausgedr"uckt,
  die wir in \ref{Meng} einf"uhren werden, mu"s man die leere Menge endlich
  nennen, damit jede Teilmenge einer endlichen Menge wieder endlich ist.  Will
  man dann erreichen, da"s die Kardinalit"at jeder endlichen Menge eine
  nat"urliche Zahl ist, so darf man die Null nicht aus den nat"urlichen Zahlen
  herauslassen.
\end{Bemerkung}

\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{SkriptenBilder/Bild0003}
\\[4mm]
\noindent
Die Gesamtfl"ache dieses Treppenquerschnitts ist offensichtlich
$4^2/2+4/2=4\cdot 5/2$
\end{figure}
\begin{Bemerkung}\label{SSF}
Man kann sich den Satz anschaulich klar machen 
als eine Formel f"ur die Fl"ache eines Querschnitts
f"ur eine Treppe der L"ange $n$ mit Stufenabstand und Stufenh"ohe eins.
In der Tat bedeckt 
ein derartiger Querschnitt 
ja offensichtlich ein halbes Quadrat der Kantenl"ange $n$ nebst
$n$ halben Quadraten der Kantenl"ange $1.$
Ein weiterer Beweis geht so:
$$\begin{array}{rcrlcc}
1 + 2 + \ldots +n&=&1/2 &+ \;\;\;\; 2/2 &+ \ldots &+\; n/2 \\
&&+ \; n/2 &+ (n-1)/2& + \ldots &+\; 1/2\\[2mm]
&=& \frac{n+1}{2} &+ \;\;\;\; \frac{n+1}{2}& + \ldots &+\; \frac{n+1}{2}\\[2mm]
& = & n(n+1)/2 \hspace{-1cm}&&   &
\end{array}$$
Ich will diesen Beweis benutzen, um eine neue Notation einzuf"uhren.
\end{Bemerkung}
\begin{Definition}
Gegeben $a_{1},a_{2},\ldots , a_{n}$ schreiben wir
$$\sum^{n}_{i=1} a_{i} = a_{1}+a_{2}+ \ldots + a_{n}$$
Das Symbol $\sum$ ist ein gro"ses griechisches S und steht f"ur \glqq Summe\grqq.
In diesem und "ahnlichen
Zusammenh"angen hei"sen
$a_1,\ldots, a_n$   die \defind{Summanden} und $i$ hei"st der
\defind{Laufindex}, weil er eben etwa in unserem Fall von $1$ bis $n$
l"auft. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
Das Wort \glqq Definition\grqq\  \index{Definition} kommt  aus dem
Lateinischen und bedeutet  \glqq Abgrenzung\grqq. In 
Definitionen versuchen wir, die Bedeutungen von  Symbolen und Begriffen
so klar wie m"oglich festzulegen.
\end{Bemerkung}
\begin{Beispiel}
In der $\sum$-Notation liest sich der in \ref{SSF} gegebene Beweis so:
$$\begin{array}{lcl}
\sum^{n}_{i=1} i
& =& \sum^{n}_{i=1} \frac{i}{2} + \sum^{n}_{i=1} \frac{i}{2}\\[2mm]
&&\text{und nach Indexwechsel $i=n+1-k$ hinten}\\
& =& \sum^{n}_{i=1} \frac{i}{2} + \sum^{n}_{k=1} \frac{n+1-k}{2}\\[2mm]
&&\text{dann mache  $k$ zu $i$ in der zweiten Summe}\\
& =& \sum^{n}_{i=1} \frac{i}{2} + \sum^{n}_{i=1} \frac{n+1-i}{2}\\[2mm]
&&\text{und nach  Zusammenfassen beider Summen}\\
& =& \sum^{n}_{i=1} \frac{n+1}{2}\\[2mm]
&&\text{ergibt sich offensichtlich}\\
&=& n(\frac{n+1}{2})
\end{array}$$  
 \end{Beispiel}
\begin{Definition}
In einer "ahnlichen Bedeutung wie $\sum$ verwendet man auch 
das Symbol $\prod,$ ein gro"ses
griechisches $P,$ f"ur \glqq Produkt\grqq\  und
schreibt $$\prod^{n}_{i=1} a_{i}=a_{1}a_{2}\ldots a_{n}$$  
Die  $a_1,\ldots, a_n$ hei"sen in diesem und "ahnlichen
Zusammenh"angen die \defind{Faktoren} des Produkts.
\end{Definition}


\begin{Definition}
F"ur jede nat"urliche Zahl $n\geq 1$ definieren wir die Zahl
$n!$ (sprich: $n$ {\bf Fakult"at})\index{Fakult"at} durch die Formel
$$n! = 1\cdot 2 \cdot\ldots \cdot n  = \prod^{n}_{i=1} i$$
Wir treffen zus"atzlich
die Vereinbarung
$0! =1$ und haben also 
$0! =1,$ $1!=1,$ $2!=2,$ $3! = 6,$ $4!=24$ und so weiter.
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}\label{LPS}
Wir werden in Zukunft noch "ofter Produkte mit 
"uberhaupt keinem Faktor zu betrachten haben und vereinbaren 
deshalb gleich hier schon, da"s Produkten,
bei denen die obere Grenze des Laufindex 
um eins kleiner ist als seine untere Grenze, 
der Wert 1 zugewiesen werden soll. 
Ebenso vereinbaren wir auch, da"s 
Summen, bei denen die obere Grenze des Laufindex 
um Eins kleiner ist als seine untere Grenze, 
der Wert 0 zugewiesen werden soll.
\end{Bemerkungl}
\begin{Satz}[\textbf{Bedeutung der Fakult"at}]\label{BFa}
Es gibt
genau 
$\;n!$  M"oglichkeiten, $n$  
voneinander verschiedene Objekte in eine Reihenfolge zu
bringen.  
\end{Satz}
\begin{Beispiel}
Es gibt genau $3! = 6$ M"oglichkeiten, die drei
Buchstaben $a,b$ und $c$ in eine Reihenfolge zu bringen, n"amlich
$$\begin{array}{ccc}
abc & bac & cab \\
acb & bca & cba
\end{array}$$  In gewisser Weise stimmt unser Satz sogar f"ur $n=0$:
In der Terminologie, die wir in \ref{OM} einf"uhren werden, gibt es genau
eine Anordnung der leeren Menge.  
\end{Beispiel}
\begin{proof}
Hat man  $n$ voneinander verschiedene Objekte, so hat man $n$ M"oglichkeiten,
ein Erstes auszusuchen, dann $(n-1)$ M"oglichkeiten, ein Zweites
auszusuchen und so weiter, bis schlie"slich nur noch eine
M"oglichkeit bleibt, ein Letztes auszusuchen.
Insgesamt haben wir also in der Tat wie behauptet $n!$ m"ogliche
Reihenfolgen. 
\end{proof}
\begin{Definition}
Wir definieren  f"ur beliebiges $n$ und jede nat"urliche Zahl $k$
die {\bf Binomialkoeffizienten}\index{Binomialkoeffizienten} ${n \choose k}$
(sprich: $n$ {\bf "uber} $k$) durch die Regeln

$${n \choose k} = \prod^{k-1}_{j=0} \frac{n-j}{k-j} =
\begin{array}{rc}
n (n-1) \ldots &(n-k+1)\\
\hline
k(k-1)\ldots& 1\end{array}
\text{ f"ur $k\geq 1$ und } {n \choose 0}=1.$$  
Der Sonderfall $k=0$ wird im "Ubrigen auch durch unsere 
allgemeine Formel gedeckt, wenn wir unsere Konvention \ref{LPS}
beherzigen.
Im Lichte des folgenden Satzes schlage ich vor, die Binomialkoeffizienten
${n\choose k}$ statt \glqq $n$ "uber $k$\grqq\  inhaltsreicher \glqq $k$ aus $n$\grqq\ 
zu sprechen.
\end{Definition}
\begin{Satz}[\textbf{Bedeutung der Binomialkoeffizienten}]
Gegeben  na\-t"urliche Zahlen\label{BBK} $n$ und $k$ 
gibt es genau ${n \choose k}$ M"oglichkeiten, aus 
$n$ voneinander verschiedenen Objekten  $k$ Objekte  auszuw"ahlen.
\end{Satz}
\begin{Beispiel}
Es gibt genau ${4 \choose 2} = \frac{4\cdot 3}{2\cdot 1} =6 $
M"oglichkeiten, aus den vier Buchstaben $a,b,c,d$ zwei auszuw"ahlen,
n"amlich
$$\begin{array}{lll}
a,b \;& b,c \;& c,d \\
a,c & b,d &  \\
a,d & &
\end{array}$$
\end{Beispiel}


\begin{proof}[Beweis]
Wir haben $n$ M"oglichkeiten, ein erstes Objekt auszuw"ahlen, dann
$n-1$ M"oglichkeiten, ein zweites Objekt auszuw"ahlen, und so weiter, 
also insgesamt $n(n-1)
\ldots (n-k+1)$ M"oglichkeiten, $k$ Objekte {\em der Reihe nach}
auszuw"ahlen. Auf die Reihenfolge, in der wir
ausgew"ahlt haben, kommt es uns aber gar nicht an, 
jeweils genau $k!$ von
unseren $n(n-1) \ldots (n-k+1)$ M"oglichkeiten f"uhren also 
nach \ref{BFa} zur Auswahl
derselben $k$ Objekte.
Man bemerke, da"s unser Satz auch im Extremfall $k=0$ noch stimmt, wenn wir
ihn geeignet interpretieren: In der Terminologie, die wir gleich einf"uhren
werden, besitzt in der Tat jede Menge genau eine
nullelementige Teilmenge, n"amlich die leere Menge. 
\end{proof} 
\begin{Bemerkungl}
Offensichtlich gilt f"ur alle nat"urlichen 
Zahlen $n$ mit $n\geq k$ die Formel
$${n\choose k} = \frac{n!}{k!(n-k)!} = {n\choose n-k}$$
Das folgt einerseits sofort aus der formalen Definition
und ist andererseits auch klar nach der oben erkl"arten Bedeutung der
Binomialkoeffizienten: Wenn wir aus $n$ Objekten $k$ Objekte 
ausw"ahlen, so bleiben $n-k$ Objekte "ubrig. Es gibt demnach gleichviele 
M"oglichkeiten, $k$ Objekte 
auszuw"ahlen, wie es M"oglichkeiten gibt, $n-k$ Objekte auszuw"ahlen.
Wir haben weiter ${n\choose n} = {n\choose 0} =1$ f"ur jede 
nat"urliche Zahl $n\geq 0$
sowie
${n \choose 1}= {n\choose n-1} = n$ f"ur jede nat"urliche Zahl $n\geq 1.$ 
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Wie in der Schule setzen wir $a^k=\prod_{i=1}^{k} a$ und 
verstehen im Lichte von \ref{LPS} also insbesondere $a^0=1.$  
\end{Definition}

\begin{Satz} F"ur jede nat"urliche Zahl $n$ gilt
die {\bf\em binomische Formel}\index{binomische Formel}
$$(a+b)^{n} = \sum^{n}_{k=0} {n\choose k} a^{k}b^{n-k}$$
\end{Satz}
\begin{Bemerkung}
Man beachte, wie wichtig unsere Konvention
$a^0=1$ und insbesondere auch $0^0=1$ f"ur die
G"ultigkeit dieser Formel ist.
\end{Bemerkung}
\begin{proof}[Erster Beweis]
Beim Ausmultiplizieren
erhalten wir so oft $a^k b^{n-k},$ wie es M"oglichkeiten gibt,
aus unseren $n$ Faktoren die $k$ Faktoren $(a+b)$  auszusuchen,
\glqq in denen wir beim Ausmultiplizieren das $b$ nehmen\grqq. 
Dieses Argument werden wir in \ref{PFB}
noch besser formulieren.
\end{proof}
\begin{proof}[Zweiter Beweis]
Dieser Beweis ist eine ausgezeichnete "Ubung im Umgang mit unseren Symbolen
und mit der vollst"andigen Induktion. 
Er scheint mir jedoch auch in einer f"ur Beweise durch 
vollst"andige Induktion typischen Weise undurchsichtig.
Zun"achst pr"ufen wir f"ur beliebiges $n$ und jede nat"urliche Zahl
$k\geq 1$ die Formel
$${n\choose k-1} + {n\choose k} = {n+1\choose k}$$
durch explizites Nachrechnen.
Dann geben wir unserer Formel im Satz den Namen $A(n)$ und pr"ufen
die Formel
$A(0)$ und zur Sicherheit auch noch $A(1)$ durch Hinsehen.
Schlie"slich gilt es, den Induktionsschritt durchzuf"uhren
als da hei"st $A(n+1)$ aus $A(n)$
zu folgern.
Dazu rechnen wir
$$\begin{array}{ccl}
(a+b)^{n+1} & =& (a+b) (a+b)^{n}\\[2mm]
&&\text{und mit der Induktionsvoraussetzung}\\
& =& (a+b) \sum^{n}_{k=0}{n\choose k} a^{k}b^{n-k}\\[2mm]
&&\text{und durch Ausmultiplizieren}\\
&=&\sum^{n}_{k=0}{n\choose k} a^{k+1}b^{n-k}+ \sum^{n}_{k=0} {n\choose k}
a^{k}b^{n-k+1}\\[2mm]
&&\text{und Indexwechsel $k=i-1$ in der ersten Summe}\\
&=&\sum^{n+1}_{i=1} {n\choose i-1}a^{i}b^{n-i+1}+ \sum^{n}_{k=0}
{n\choose k} a^{k}b^{n-k+1}\\[2mm]
&&\text{dann mit  $k$ statt $i$ 
und Absondern von Summanden}\\
&=& a^{n+1}b^{0} + \sum^{n}_{k=1}{n\choose k-1} a^{k}b^{n-k+1} +\\[2mm]
&&\hspace{13mm}+\sum^{n}_{k=1} \;{n\choose k}\; 
a^{k}b^{n-k+1} + a^{0}b^{n+1}\\[2mm]
&&\text{und nach Zusammenfassen der mittleren Summen}\\
&=& a^{n+1}b^{0} + \sum^{n}_{k=1} {n+1\choose k} a^{k}b^{n-k+1}+a^{0}
b^{n+1}\\[2mm]
&&\text{und Einbeziehen der abgesonderten Summanden}\\
&=& \sum^{n+1}_{k=0} {n+1\choose k} a^{k}b^{n+1-k}
\end{array}$$
und folgern so tats"achlich $A(n+1)$ aus $A(n).$
\end{proof}
\begin{Bemerkung}
Die Formel ${n\choose k-1} + {n\choose k} = {n+1\choose k}$ f"ur
$k \geq 1$ kann man zur effektiven Berechnung der Binomialkoeffizienten
mit dem sogenannten 
{\bf Pascal'schen Dreieck}\index{Pascal'sches Dreieck} benutzen:
Im Schema
$$\begin{array}{ccccccccc}
 & & & &1& & & &\\
 & & &1& &1& & &\\
 & &1& &2& &1& &\\
 &1& &3& &3& &1& \\
1& &4& &6& &4& &1
\end{array}$$
seien die Einsen an den R"andern vorgegeben und eine Zahl in der Mitte
berechne sich als die Summe ihrer beiden oberen \glqq Nachbarn\grqq. Dann stehen
in der $(n+1)$-ten Zeile der Reihe nach die Binomialkoeffizienten
${n\choose 0}=1, {n\choose 1}=n,  \ldots$ bis 
${n\choose n-1}=n, {n\choose n} =1.$ Wir haben also zum Beispiel
$$(a+b)^4=a^4 + 4a^3b + 6 a^2b^2+ 4 ab^3+b^4\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;\;$$
\end{Bemerkung}






\subsection{Fibonacci-Folge und Vektorraumbegriff}
\begin{Beispiel}
Die \defind{Fibonacci-Folge} $$0,1,1,2,3,5,8,13,21,\ldots $$
entsteht, indem man mit
$x_0=0$ und $x_1=1$ beginnt und dann jedes weitere Folgenglied 
als die
Summe seiner beiden Vorg"anger bildet. 
Wir
suchen nun f"ur die Glieder dieser Folge eine 
geschlossene Darstellung.
Dazu vereinbaren wir, da"s wir Folgen $x_0, x_1, x_2, \ldots$ mit der
Eigenschaft $x_n =x_{n-1}+x_{n-2}$ f"ur $n = 2,3,4 , \ldots $
 {\bf Folgen vom Fibonacci-Typ}
nennen wollen.
Kennen wir die beiden ersten Glieder 
einer Folge vom Fibonacci-Typ, so liegt nat"urlich bereits die gesamte
Folge fest. 
Nun bemerken wir, da"s f"ur jede Folge 
$x_0,x_1, x_2, \ldots $ vom Fibonacci-Typ
und jedes $\alpha$ auch die Folge
$\alpha x_0, \alpha x_1, \alpha x_2, \ldots$ vom Fibonacci-Typ ist, und da"s
f"ur jede weitere Folge $y_0,y_1,y_2, \ldots $ vom Fibonacci-Typ
auch die gliedweise Summe
$(x_0 + y_0), (x_1 + y_1) , (x_2 + y_2), \ldots $ eine Folge 
vom Fibonacci-Typ ist. 
Der Trick ist dann, danach zu fragen, 
f"ur welche $\beta$ die Folge  $x_i =\beta^i$
vom Fibonacci-Typ ist.
Das ist ja offensichtlich genau dann der Fall, wenn gilt 
$1 + \beta = \beta^2,$ als da hei"st f"ur
$\beta_{\pm} = \frac{1}{2} (1 \pm \sqrt{5}).$ F"ur beliebige
$c,d$ ist mithin die Folge
\begin{displaymath}
x_i = c\beta_+^i + d\beta_-^i
\end{displaymath}
vom Fibonacci-Typ, und 
wenn wir $c $ und $d$  bestimmen
mit $x_0 = 0$ und $x_1 =1,$ so ergibt sich eine explizite Darstellung unserer 
Fibonacci-Folge.
Wir suchen also $c$ und $d$ mit
\begin{displaymath}
\begin{array}{lll}
0 &=& c + d\\
1 & =& c \left( \frac{1}{2}(1+\sqrt{5})\right) + d
\left( \frac{1}{2} (1-\sqrt{5})\right)
\end{array}
\end{displaymath}
und folgern leicht $c = -d$ und $1 = c\sqrt{5} $ alias
$c =  1/\sqrt{5}=-d.$ Damit ergibt sich schlie"slich
f"ur unsere urspr"ungliche Fibonacci-Folge die explizite Darstellung
\begin{displaymath}
x_i = \frac{1}{\sqrt{5}} \left( \frac{1+ \sqrt{5}}{2}\right)^i 
- \frac{1}{\sqrt{5}}
\left( \frac{1-\sqrt{5}}{2}\right)^{i}
\end{displaymath}
\end{Beispiel}
\begin{Ubung}
Kann man f"ur jede Folge $x_0,x_1,\ldots$ vom Fibonacci-Typ 
Zahlen $c,d$ finden mit $x_i = c\beta_+^i + d\beta_-^i$ f"ur alle $i$?
Finden Sie eine geschlossene Darstellung f"ur die Glieder der Folge,
die mit $0,0,1$ beginnt und dem Bildungsgesetz
$x_n=2x_{n-1}+x_{n-2}-2x_{n-3}$ gehorcht.
\end{Ubung}


\begin{Beispiel}
  Wir betrachten ein lineares Gleichungssytem der Gestalt
\begin{displaymath}
\begin{array}{lllll}
\alpha_{11} x_1 + \alpha_{12}x_2 + &\ldots &+\alpha_{1m} x_m &=&0\\
\alpha_{21} x_1 + \alpha_{22} x_2 + & \ldots & + \alpha_{2m} x_m &=&0\\
& \vdots & & & \\
\alpha_{n1} x_1 + \alpha_{n2} x_2 + & \ldots & +\alpha_{nm}x_m &=&0
\end{array}
\end{displaymath}
Wie man zu vorgegebenen
$\alpha_{i,j}$ f"ur $1\leq i\leq n$ und $1\leq j\leq m$ 
die Menge $L$ aller L"osungen $(x_1, \ldots , x_m)$ ermittelt, sollen
sie sp"ater in dieser Vorlesung lernen. Zwei Dinge aber sind a priori klar:
\begin{enumerate}
\item Sind $(x_1, \ldots, x_m) $ und $(x'_1, \ldots , x'_m)$ L"osungen, so ist
  auch ihre komponentenweise Summe
$(x_1 + x'_1, \ldots , x_m + x'_{m})$ eine L"osung;
\item Ist $(x_1, \ldots, x_m)$ eine L"osung und $\alpha$ eine reelle Zahl, so
  ist auch das komponentenweise Produkt
$(\alpha x_1, \ldots , \alpha x_m)$ eine L"osung.
\end{enumerate}
\end{Beispiel}




\begin{Beispiel}
  Wir betrachten die Menge aller Funktionen $f: \Bbb{R} \ra \Bbb{R}$, die
  zweimal differenzierbar sind und der Differentialgleichung
\begin{displaymath}
f\grqq\  = - f
\end{displaymath}
gen"ugen. L"osungen sind zum Beispiel die Funktionen $\sin, \cos,$ die
Nullfunktion oder auch die Funktionen $f(x) = \sin (x+a)$ f"ur konstantes $a.$
Wie man die Menge $L$ aller L"osungen beschreiben kann, 
sollen Sie nicht hier  lernen.
Zwei Dinge aber sind a priori klar:
\begin{enumerate}
\item Mit $f$ und $g$ ist auch die Funktion $f+g$ eine L"osung;
\item Ist $f$ eine L"osung und $\alpha$ eine reelle 
Zahl, so ist auch $\alpha f$
  eine L"osung.
\end{enumerate}
\end{Beispiel}


\begin{Beispiel}
Wir betrachten die Gesamtheit aller Parallelverschiebungen 
der Tafelebene. Graphisch stellen wir
solch eine Parallelverschiebung dar durch einen Pfeil von 
irgendeinem Punkt zu seinem
Bild unter der Verschiebung. Im nebenstehenden Bild 
stellen etwa alle gepunktelten Pfeile
dieselbe Parallelverschiebung dar.
Was f"ur ein Ding diese Gesamtheit $P$ aller 
Parallelverschiebungen eigentlich ist, scheint mir recht undurchsichtig,
aber einige Dinge sind a priori klar:
\begin{enumerate}
\item Sind $p$ und $q$ Parallelverschiebungen, so ist auch ihre
  \glqq Hintereinanderausf"uhrung\grqq\  $p \circ q$, sprich \glqq $p$ nach $q$\grqq\  eine
  Parallelverschiebung.
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{SkriptenBilder/BildPar}\\[4mm]
\noindent
Die Hintereinanderausf"uhrung der beiden Parallelverschiebungen
der Tafel- oder hier vielmehr der Papierebene, die durch die
durchgezogenen Pfeile dargestellt werden, wird die durch die
gepunktelten Feile dargestellt.
\end{figure}
\item Ist $\alpha$ eine reelle Zahl und $p$ eine Parallelverschiebung, so
  k"onnen wir eine neue Parallelverschiebung $\alpha p$ bilden, das
  \glqq $\alpha$-fache von $p$\grqq.  Bei negativen Vielfachen vereinbaren wir hierzu,
  da"s eine entsprechende Verschiebung in die Gegenrichtung gemeint ist.
\item F"uhren wir eine neue Notation ein und schreiben
f"ur die Hintereinanderausf"uhrung
$p\circ q=p\dotplus q,$ so gelten f"ur beliebige   Parallelverschiebungen
  $p,q,r$ der Tafelebene und beliebige reelle 
Zahlen $\alpha, \beta$ die Formeln
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccc}
(p \dotplus q) \dotplus r & =& p \dotplus (q \dotplus r)\\
p\dotplus q & = & q \dotplus p\\
\alpha (\beta p) & =& (\alpha \beta )p\\
(\alpha + \beta) p & =& (\alpha p)\dotplus (\beta p)\\
\alpha (p \dotplus q) & =& (\alpha p) \dotplus (\alpha q)
\end{array}
\end{displaymath}
\end{enumerate}
Will man sich die Gesamtheit aller Parallelverschiebungen der Tafelebene
anschaulich machen, so tut man im "Ubrigen 
gut daran, einen Punkt als \glqq Ursprung\grqq\ 
auszuzeichnen und jede Parallelverschiebung mit dem Punkt der Tafelebene zu
identifizieren, auf den unsere Parallelverschiebung diesen Ursprung abbildet.  
\end{Beispiel}
\begin{Beispiel}\label{ZSV}
  Analoges gilt f"ur die Gesamtheit der Parallelverschiebung des Raums und 
auch f"ur die Gesamtheit aller Verschiebungen einer Geraden und, mit
  noch mehr Mut, f"ur die Gesamtheit aller Zeitspannen.
\end{Beispiel}



\begin{Bemerkung}
Die  Formeln unserer kleinen Formelsammlung 
von eben gelten ganz genauso auch f"ur die 
L"osungsmenge unserer Differentialgleichung $f\grqq\  = -f$, 
wenn wir $f\dotplus g = f + g$
verstehen, f"ur die L"osungsmenge unseres linearen 
Gleichungssystems, wenn wir 
$$(x_1, \ldots, x_m ) \dotplus (x'_{1}, \ldots , x'_{m}) 
= (x_1 + x'_{1}, \ldots , x_m + x'_{m})$$
verstehen, und f"ur die Menge aller Folgen vom Fibonacci-Typ, wenn wir 
"ahnlich die Summe $\dotplus$ zweier Folgen erkl"aren.
Das erste Ziel der folgenden Vorlesungen "uber lineare Algebra 
ist es, einen abstrakten 
Formalismus aufzubauen, dem sich alle
diese Beispiele unterordnen. Wir verfolgen damit  gleichzeitig zwei Ziele:
\\[2mm]\noindent
1. Unser abstrakter Formalismus  soll uns dazu verhelfen, 
die uns als Augentieren und Nachkommen von "Asteh"upfern 
angeborene r"aumliche Anschauung nutzbar zu machen
zum Verst"andnis der bis jetzt gegebenen Beispiele 
und der vielen weiteren Beispiele  von Vektorr"aumen,
denen Sie im  Verlauf Ihres  Studiums 
noch begegnen werden.
So werden sie etwa lernen, da"s man sich die Menge aller  
Folgen vom Fibonacci-Typ durchaus als Ebene 
vorstellen darf und die Menge
aller Folgen mit vorgegebenem Folgenglied
an einer vorgegebenen Stelle als eine
Gerade in dieser Ebene.
Suchen wir also alle Folgen vom Fibonacci-Typ  mit zwei vorgegebenen 
Folgengliedern,
so werden wir im allgemeinen genau eine derartige 
L"osung finden, da sich eben zwei Geraden
in der Ebene im allgemeinen in genau einem Punkt 
schneiden. In diesem Licht betrachtet soll der abstrakte
Formalismus uns also helfen,  formale 
Fragestellungen der Anschauung 
zug"anglich zu machen. Ich denke, diese N"ahe zur
Anschauung ist auch der Grund daf"ur, da"s die lineare
Algebra meist
an den Anfang des Studiums gestellt wird: 
Von der Schwierigkeit des Formalismus her gesehen
geh"ort sie n"amlich keineswegs zu den einfachsten Gebieten der 
Mathematik, hier w"urde ich eher an Gruppentheorie oder Graphentheorie
oder dergleichen 
denken.
\\[2mm]\noindent
2. Unser 
abstrakter Formalismus soll so unmi"sverst"andlich 
sein und seine Spielregeln so klar,
da"s Sie in die Lage versetzt werden,
alles nachzuvollziehen und mir im Prinzip 
und vermutlich auch in der Realit"at  Fehler
nachzuweisen. Schwammige Begriffe wie \glqq Tafelebene\grqq\  
oder \glqq Parallelverschiebung des Raums\grqq\ 
haben in einem solchen Formalismus keinen Platz mehr.
In diesem Licht betrachtet verfolgen wir mit dem Aufbau
des abstrakten Formalismus
auch das Ziel einer gro"sen Vereinfachung durch die Reduktion auf
die Beschreibung einiger weniger Aspekte der uns umgebenden 
in ihrer Komplexit"at kaum pr"azise fa"sbaren Wirklichkeit.
\\[2mm]\noindent
Als Motivation f"ur den weiteren Fortgang der Vorlesungen "uber lineare
Algebra 
formuliere ich nun ohne R"ucksicht
auf noch unbekannte Begriffe und Notationen die abstrakte 
Definition eines reellen Vektorraums.
\end{Bemerkung}
\begin{Definition}\label{DERv}
Ein \defind{reeller Vektorraum} ist ein Tripel bestehend aus
den folgenden drei Dingen:
\begin{enumerate}
\item
Einer Menge $V$;
\item
Einer Verkn"upfung $V \times V \ra V,$ $ (v, w) \mapsto v \dotplus w,$
die $V$ zu einer abelschen Gruppe macht;
\item
Einer Abbildung $\Bbb{R} \times V \ra V,$ $ (\alpha , v) \mapsto \alpha v$,
\end{enumerate}
derart, da"s f"ur alle $\alpha, \beta \in \Bbb{R}$ und alle $v,w \in V$ gilt:
\begin{displaymath}
\begin{array}{ccc}
\alpha (\beta v) &=& (\alpha \beta) v\\
(\alpha + \beta) v &=& (\alpha v) \dotplus (\beta v)\\
\alpha (v\dotplus w) &=& (\alpha v) \dotplus (\alpha w)\\
1v &=& v
\end{array}
\end{displaymath}
  Hier ist nun viel zu kl"aren: Was ist eine Menge?  Eine Verkn"upfung? Eine
  abelsche Gruppe?  Eine Abbildung? Was bedeuten die 
Symbole $\times ,$ $\ra,$ $\mapsto ,$
  $\in ,$ $\Bbb{R}$?  Wir beginnen in der n"achsten Vorlesung mit 
der Kl"arung dieser Begriffe und Notationen.
\end{Definition}


  



\newpage
\section{Naive Mengenlehre}
\subsection{Mengen}\label{Meng}
\begin{Bemerkungl}
  Beim Arbeiten mit reellen Zahlen oder r"aumlichen
Gebilden reicht auf der Schule ein intuitives
  Verst"andnis meist aus, und wenn die Intuition in die Irre f"uhrt, ist ein
  Lehrer zur Stelle.  Wenn Sie jedoch selbst unterrichten oder etwas beweisen
  wollen, reicht dieses intuitive Verst"andnis nicht mehr aus.  \emph{Im
    folgenden werden deshalb zun"achst der Begriff der reellen Zahlen
und der Begriff des Raums
    zur"uckgef"uhrt auf Grundbegriffe der Mengenlehre, den Begriff der
    rationalen Zahlen und elementare Logik.}  Bei der Arbeit mit diesen
  Begriffen f"uhrt uns die Intuition nicht so leicht in die Irre, wir geben uns
  deshalb mit einem intuitiven Verst"andnis zufrieden und verweisen jeden, der
  es noch genauer wissen will, auf eine Vorlesung "uber Logik.  
Wir beginnen mit
  etwas naiver Mengenlehre.
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Nach dem Begr"under der Mengenlehre Georg Cantor ist eine {\bf
    Menge}\index{Menge} eine
\begin{quote}
  Zusammenfassung $M$ von bestimmten, wohlunterschiedenen Objekten $m,$ $m',$
  $m\grqq,\ldots$ unseres Denkens oder unserer Anschauung zu einem Ganzen.
\end{quote}
Diese Objekte nennen wir die {\bf Elemente}\index{Element} der Menge.  
Verbinden
wir mit einer Menge eine geometrische Vorstellung, so nennen wir ihre Elemente
auch {\bf Punkte}\index{Punkt} und die Menge selbst einen
\defind{Raum}.  Ein derartiges Herumgerede ist nat"urlich keine formale
Definition, aber das Ziel dieser Vorlesung ist auch nicht die formale
Begr"undung der Mengenlehre, die Sie sp"ater in der Logik kennenlernen k"onnen.
Sie sollen vielmehr die Bedeutung dieser Worte intuitiv erfassen wie ein
Kleinkind, das Sprechen lernt: Indem sie mir und anderen 
Mathematikern zuh"oren,
wie wir mit diesen Worten sinnvolle S"atze bilden, uns nachahmen, und
beobachten, welchen Effekt Sie damit hervorrufen.  Unter anderem dazu sind die
"Ubungsgruppen da.
\end{Bemerkungl}

\begin{Beispiele}
Endliche Mengen gibt man oft durch eine vollst"andige Liste ihrer Elemente
in geschweiften Klammern an, zum Beispiel in der Form 
$X = \{x_{1},x_{2}, \ldots, x_{n} \}.$ Die Elemente d"urfen mehrfach
genannt werden und es kommt nicht auf die Reihenfolge an,
in der sie genannt werden.
So haben wir also $\{1,1,2\} = \{2,1\}.$\index{e@$\in, \not\in$}
Die Aussage \glqq $x$ ist Element von $X$\grqq\  wird mit $x\in X$ abgek"urzt, ihre
Verneinung \glqq $x$ ist nicht Element von $X$\grqq\  mit $x \not\in X.$
Es gibt auch die sogenannte 
{\bf leere Menge}\index{Menge!leere Menge} $\emptyset=\{\;\},$
die gar kein
Element enth"alt.
Andere Beispiele sind die Menge der {\bf nat"urlichen
Zahlen}\index{Zahlen!nat"urliche}\index{nat"urliche Zahlen} 
$\DN = \{0,1,2,\ldots \},$
die Menge der {\bf ganzen Zahlen}\index{Zahlen!ganze}\index{ganze Zahlen} 
$\DZ = \{0,1,-1,2,-2, \ldots\}$ und
 die Menge der {\bf rationalen 
Zahlen}\index{Zahlen!rationale}\index{rationale Zahlen}  
$\DQ = \{p/q \mid p,q \in \DZ, q \neq 0\}.$ Deren Name kommt von lateinisch 
\glqq ratio\grqq\  f"ur
\glqq Verh"altnis\grqq. 
Man beachte, da"s wir auch hier Elemente mehrfach genannt haben,
es gilt ja $p/q = p^{\prime}/q^{\prime}$ genau dann,
wenn $pq^{\prime} = p^{\prime}q.$  Auf deutsch bezeichnet man die 
rationalen Zahlen
manchmal auch als
\defind{Bruchzahlen}.
\end{Beispiele}

\begin{Bemerkung}
In  Texten, in deren Konventionen die Null
keine nat"urliche Zahl ist, verwendet man meist die
abweichenden Notationen $\DN$ f"ur die Menge  $\{1,2,\ldots \}$
und $\DN_0$ f"ur die Menge $\{0,1,2,\ldots \}.$ 
Die in diesem Text verwendete Notation $\DN=\{0,1,2,\ldots \}$
stimmt mit 
der internationalen Norm ISO 31-11 "uberein. 
\end{Bemerkung}
\begin{Definition}
Eine Menge $Y$ hei"st {\bf Teilmenge}\index{Menge!Teilmenge}
\index{Teilmenge} einer Menge $X$ genau dann, wenn jedes Element
von $Y$ auch ein Element von $X$ ist. Man schreibt daf"ur $Y\subset  X$
oder $X \supset Y.$ Zum Beispiel gilt stets $\emptyset \subset X$ und
$\{x\} \subset X $ ist gleichbedeutend zu $ x \in X.$
Zwei Teilmengen einer gegebenen Menge, 
die kein gemeinsames Element haben, hei"sen 
{\bf disjunkt}\index{disjunkt}.\index{c@$\subset$}\index{$\subset$}
\end{Definition}\begin{Bemerkung}
Diese Notation weicht ab von
der internationalen Norm ISO 31-11,
die statt unserem $\subset$ das Symbol 
$\subseteq$\index{c@$\subseteq$}\index{$\subseteq$}
vorschl"agt. In den Konventionen von  ISO 31-11
hat das Symbol $\subset$ abweichend
die Bedeutung einer {\bf echten}\index{Teilmenge!echte},\index{echt!Teilmenge}
d.h.\ von der ganzen Menge verschiedenen Teilmenge, 
f"ur die wir die Bezeichnung 
$\subsetneqq$\index{c@$\subsetneqq$}\index{$\subsetneqq$} verwenden werden.
Meine Motivation f"ur diese Abweichung ist, da"s 
das Symbol f"ur 
beliebige Teilmengen sehr h"aufig 
und das f"ur echte Teilmengen nur sehr selten 
vorkommt. 
\end{Bemerkung}
\begin{Definition}\label{Kard}
Wir vereinbaren, da"s wir auch die leere Menge endlich nennen wollen,
damit jede Teilmenge einer endlichen Menge auch wieder endlich ist.
Die Zahl der Elemente einer endlichen Menge $X$ nennen wir ihre
{\bf Kardinalit"at}\index{Kardinalit"at} 
oder {\bf M"achtigkeit}\index{M"achtigkeit}
und notieren sie $|X|$ oder $\op{card}(X).$ 
Ist $X$ unendlich, so schreiben wir kurz
$|X|=\infty$ und ignorieren in unserer Notation, 
da"s auch unendliche Mengen \glqq verschieden gro"s\grqq\  sein
k"onnen, f"ur ein Beispiel siehe \ref{QR} und f"ur eine 
genauere Diskussion des Begriffs der Kardinalit"at \ref{KaZa}.  
F"ur endliche Mengen $X$ ist 
demnach ihre
Kardinalit"at stets eine nat"urliche Zahl
$|X|\in\DN$ und 
$|X|=0$ ist gleichbedeutend zu $ X=\emptyset.$
\end{Definition}


\begin{Definition}
Oft bildet man neue Mengen als Teilmengen bestehender Mengen und schreibt
$Y= \{x\in X \mid x \text{ hat eine gewisse Eigenschaft}\}.$
Zum Beispiel gilt
$\DN = \{a \in \DZ \mid a \geq 0\}$
oder
$\{0,1\} = \{a \in \DN \mid a^{2}=a\}.$
Eine Variante dieser Notation soll hier 
nur mit zwei Beispielen erkl"art werden:
$\{ 2a \mid a \in \DN\}$
bezeichnet die Menge aller geraden nat"urlichen Zahlen,
$\{ab \mid a,b \in \DN , a \geq 2, b \geq 2\}$
die Menge aller nat"urlichen Zahlen, die nicht prim und auch nicht
Null oder Eins sind.  
\end{Definition}


\begin{Definition}
Es ist auch erlaubt, die \glqq Menge aller Teilmengen\grqq\  einer gegebenen Menge
$X$ zu bilden. Sie hei"st die {\bf Potenzmenge}\index{Menge!Potenzmenge}
\index{Potenzmenge} von $X$ und wird mit
$\cal{P}(X)$ bezeichnet. 
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}Ist $X$ eine endliche Menge, so ist auch ihre
Potenzmenge endlich und es gilt $|\cal{P}(X)|=2^{|X|}.$ F"ur
$X=\{1,2\}$ besteht zum Beispiel $\cal{P}(X)$ aus vier Elementen
und genauer gilt
$\cal{P}(X)=\{\emptyset,\{1\},\{2\},\{1,2\}\}.$  
\end{Bemerkung}
\begin{Definition}
Gegeben zwei Mengen $X,Y$ k"onnen  wir auf verschiedene Arten neue Mengen
bilden:
\begin{enumerate}
\item
Die {\bf Vereinigung}\index{Vereinigung} $X\cup Y =\{z \mid z \in X \text{ oder } z \in Y\},$
zum Beispiel ist $\{1,2\} \cup \{2,3\} = \{1,2,3\}.$
\item
Den {\bf Schnitt}\index{Schnitt!zweier Mengen} $X\cap Y =\{z \mid z \in X \text{ und } z \in Y\},$ zum Beispiel ist
$\{1,2\}\cap \{2,3\} = \{2\}.$ Zwei Mengen sind also disjunkt genau dann,
wenn ihr Schnitt die leere Menge ist.
\begin{figure}[p]
  \centering
    \includegraphics[width=12cm]{SkriptenBilder/BildMop}
\\
\noindent
Eine gute Anschauung f"ur die ersten drei Operationen liefern
die sogenannten \defind{van-de-Ven-Diagramme} wie sie die
obenstehenden Bilder
zeigen.
Sie sind allerdings nicht zu genau zu hinterfragen,
denn ob die Punkte auf einem Blatt Papier 
im Sinne von Cantor \glqq bestimmte wohlunterschiedene
Objekte unserer Anschauung\grqq\  
sind, scheint mir sehr fraglich.
Wenn man jedoch jedes der schraffierten Gebiete im Bild
auffasst als die Menge aller darin liegenden 
Kreuzungspunkte auf einem dazugedachten
Millimeterpapier und keine dieser Kreuzungspunkte auf
den Begrenzungslinien liegen, 
so k"onnen sie wohl schon als eine Menge im Cantor'schen
Sinne angesehen werden. 
\end{figure}
\item
Die {\bf Differenz}\index{Differenz!von Mengen} 
$X \backslash Y = \{z \in X \mid z \not\in Y\},$ zum Beispiel haben wir
$\{1,2\}\backslash \{2,3\} = \{1\}.$ Man schreibt statt $X \backslash Y$
auch $X-Y.$ Ist $Y$ eine Teilmenge von $X,$ so hei"st $X \backslash Y$
das {\bf Komplement}\index{Komplement} von $Y$ in $X.$
\item
Das {\bf kartesische Produkt}\index{kartesisches Produkt} 
$X \times Y =\{(x,y)\mid x \in X,\; y\in Y\},$\index{x@$\times$} als
da hei"st die Menge aller geordneten Paare. Es gilt also $(x,y)= (x^{\prime},
y^{\prime})$ genau dann, wenn gilt $x=x^{\prime}$ und $y=y^{\prime}.$
Zum Beispiel haben wir
$\{1,2\} \times \{1,2,3\} = \{(1,1),(1,2),(1,3),(2,1),(2,2),(2,3)\}.$
Oft benutzt man f"ur das kartesische Produkt $X\times X$ 
einer Menge $X$ mit sich
selbst die Abk"urzung $X\times X = X^2.$
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{SkriptenBilder/BildPe}\\
\noindent
Anschauliche Darstellung des Produkts einer Menge mit f"unf und einer
Menge mit drei Elementen.
Hier  wird ein Paar $(x,y)$ dargestellt durch einen
fetten Punkt, der "uber $x$ und neben $y$ liegt.
\end{figure}
\end{enumerate}  
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
  Wir werden in unserer naiven Mengenlehre die ersten drei Operationen nur
 auf Teilmengen einer gemeinsamen 
Obermenge anwenden, die uns in der einen oder anderen
  Weise bereits zur Verf"ugung steht.
Die Potenzmenge und das kartesische Produkt dahingegen 
benutzen wir, um dar"uber hinaus neue Mengen zu erschaffen. 
Diese Konstruktionen erlauben es, im Rahmen  der Mengenlehre 
so etwas wie Abstraktionen zu bilden: Wenn wir uns zum Beispiel
die Menge $T$ aller an mindestens einem Tag der Weltgeschichte lebenden
oder gelebt habenden
Tiere als eine Menge im Cantor'schen Sinne denken, 
so w"urden wir Konzepte wie
\glqq m"annlich\grqq\  oder \glqq Hund\grqq\  oder \glqq Fleischfresser\grqq\  
formal als Teilmengen dieser Menge
definieren, d.h.\ als Elemente
von $\cal{P}(T),$  
und das Konzept \glqq ist Kind von\grqq\  als eine Teilmenge des kartesischen Produkts 
dieser Menge $T$ mit sich selbst,
also als ein Element von $\cal{P}(T\times T).$  
\end{Bemerkung}
\begin{Bemerkungl}\label{VMR}
F"ur das Rechnen mit Mengen "uberlegt man sich die folgenden
Regeln:
$$\begin{array}{rcl}
X \cap (Y\cap Z)&=& (X\cap Y)\cap  Z\\
X \cup (Y\cup Z)&=& (X\cup Y) \cup  Z\\[2mm]
X \cup (Y\cap Z)&=& (X\cup Y)\cap (X \cup Z)\\
X \cap (Y\cup Z)&=& (X\cap Y) \cup (X \cap Z)\\[2mm]
X\backslash (Y\cup Z) & = & (X \backslash Y) \cap (X\backslash Z)\\
X \backslash(Y\cap Z)&=& (X\backslash Y) \cup (X \backslash Z)\\[2mm]
X \backslash (X\backslash Y)&=& X \cap Y
\end{array}$$  
Eine gute Anschauung f"ur diese Regeln liefern
die van-de-Ven-Diagramme, wie sie die
nebenstehenden Bilder
zeigen.
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0001}\\[4mm]
%\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0001}\\[4mm]
$X \cap (Y\cup Z)= (X\cap Y)\cup (X \cap Z)$ 
\end{figure}
\begin{figure}[p] 
\centering
\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0007}\\[4mm]
%\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0007}\\[4mm]
$X \setminus (Y\cap Z)= (X\setminus Y)\cup (X \setminus Z)$ 
\end{figure}
\end{Bemerkungl}
\begin{Ubung}
Sind $X$ und $Y$ endliche Mengen, so gilt f"ur die Kardinalit"aten
$|X\times Y|=|X|\cdot|Y|$ und $|X\cup Y|
=|X\backslash Y|+|X\cap Y|+|Y\backslash X|.$
\end{Ubung}

\begin{Satz}[\textbf{Bedeutung der Binomialkoeffizienten}]\label{BK}
Gegeben $n,k\in \DN$ gibt der Binomialkoeffizient ${n\choose k}$ 
die Zahl der $k$-elementigen Teilmengen einer $n$-elementigen Menge an, 
in Formeln
$$|X|=n\;\; \text{ impliziert  }
\;\; |\{ Y\subset X\mid |Y|=k\}|=\textstyle{{n\choose k}}$$
\end{Satz}


\begin{proof}[Beweis]
Vollst"andige Induktion "uber $n.$ F"ur $n=0$ gilt die Aussage, denn eine
nullelementige Menge hat genau eine $k$-elementige Teilmenge falls
$k=0$ und keine $k$-elementige Teilmenge falls $k\geq 1.$
Nehmen wir nun an, die Aussage sei f"ur ein $n$ schon bewiesen.
Eine $(n+1)$-elementige Menge $X$ schreiben wir als $X=M\cup \{x\},$ wo
$M$ eine $n$-elementige Menge ist und $x \not\in M.$
Ist $k=0,$ so gibt es genau eine $k$-elementige Teilmenge von $M\cup \{x\},$
n"amlich die leere Menge.
Ist $k\geq 1,$ so gibt es in $M \cup \{x\}$ nach 
Induktionsannahme genau ${n\choose k} $
$k$-elementige Teilmengen, die $x$ nicht enthalten.
Die $k$-elementigen Teilmengen dahingegen, die $x$ enthalten,
ergeben sich durch Hinzunehmen von $x$ aus den
$(k-1)$-elementigen Teilmengen von $M,$ von denen es gerade ${n\choose k-1}$
gibt. Insgesamt hat $M \cup \{x\}$ damit  also genau
${n\choose k} + {n\choose k-1} ={n+1\choose k}$ 
$k$-elementige Teilmengen.
\end{proof}

\begin{Bemerkung}
Wieder scheint mir dieser Beweis in der f"ur vollst"andige
Induktion typischen Weise undurchsichtig. Ich ziehe deshalb den
in \ref{BBK} gegebenen weniger formellen 
Beweis vor. Man kann auch diesen Beweis  formalisieren und
verstehen als Spezialfall der sogenannten \glqq Bahnformel\grqq\  \ref{BF}, 
vergleiche \ref{BIKON}.
\end{Bemerkung}

\begin{Bemerkung}
\label{PFB}
Wir geben nun die versprochene pr"azise 
Formulierung unseres ersten Beweises der binomischen Formel.
Wir rechnen dazu
$$(a+b)^n=\sum_{Y\subset\{1,2,\ldots,n\}} a^{|Y|} b^{n-|Y|}$$
wo die rechte Seite in Verallgemeinerung der in 
Abschnitt \ref{Ein} eingef"uhrten
Notation bedeuten soll, da"s wir f"ur jede Teilmenge
$Y$ von $\{1,2,\ldots,n\}$ den angegebenen Ausdruck $a^{|Y|} b^{n-|Y|}$
nehmen und alle diese Ausdr"ucke aufsummieren.
Dann fassen wir gleiche Summanden
zusammen und erhalten mit \ref{BK} die binomische Formel.
\end{Bemerkung}
\begin{Ubung}
Es gilt $\sum_k{n\choose k}=2^n.$
\end{Ubung}
\begin{Bemerkung}\label{WHK}
Ich will nicht verschweigen, da"s der 
in diesem Abschnitt dargestellte
naive Zugang zur Mengenlehre
durchaus begriffliche Schwierigkeiten  mit sich
bringt: Zum Beispiel darf die Gesamtheit $\cal{M}$ 
aller Mengen nicht als Menge angesehen werden, da wir sonst die 
\glqq Menge aller Mengen, die sich nicht selbst als Element enthalten\grqq,
 gegeben durch die formelhafte Beschreibung
$\cal{N}=\{A\in \cal{M}\mid A\not\in A\},$ 
bilden k"onnten. F"ur diese Menge kann aber weder $\cal{N}\in\cal{N}$
noch $\cal{N}\not\in\cal{N}$ gelten $\ldots$
Diese Art von Schwierigkeiten kann erst ein formalerer
Zugang kl"aren und aufl"osen, bei dem man unsere naiven Vorstellungen
durch Ketten von Zeichen aus einem wohlbestimmten endlichen
Alphabet ersetzt und unsere Vorstellung von
Wahrheit durch Verifizierbarkeit 
vermittels rein algebraischer \glqq erlaubter Manipulationen\grqq\  
solcher Zeichenketten, die in \glqq Axiomen\grqq\  festgelegt werden.
Diese Verifikationen kann
man dann durchaus 
auch einer Rechenmaschine "uberlassen, so da"s 
wirklich auf \glqq objektivem\grqq\  Wege entschieden werden kann, 
ob ein \glqq Beweis\grqq\  f"ur die \glqq Richtigkeit\grqq\  
einer unserer Zeichenketten in einem
vorgegebenen axiomatischen Rahmen stichhaltig ist.
Allerdings kann in derartigen Systemen von einer  
Zeichenkette algorithmisch nur entschieden werden, 
ob sie eine \glqq sinnvolle Aussage\grqq\ 
ist, nicht aber, ob sie \glqq bewiesen\grqq\  werden kann. 
Noch viel st"arker zeigt der Unvollst"andigkeitssatz von G"odel, 
da"s es in einem derartigen axiomatischen Rahmen, sobald er 
reichhaltig genug ist f"ur eine 
Beschreibung des Rechnens mit nat"urlichen Zahlen,
stets sinnvolle
Aussagen gibt derart, 
da"s entweder sowohl die Aussage als auch  ihre Verneinung oder aber
weder die Aussage noch ihre Verneinung bewiesen werden k"onnen.
Mit diesen und "ahnlichen Fragestellungen  
besch"aftigt sich die Logik in ihren Grenzbereichen zur Informatik. 
\end{Bemerkung}
\begin{figure}[p]
  \centering
   \includegraphics[width=12cm]{SkriptenBilder/BildKar}
\\
\noindent
Dies Bild mu"s anders interpretiert werden als die Vorherigen. 
Die Mengen $X$ und $Y$ sind nun zu verstehen als die 
Mengen der Punkte der
vertikalen und horizontalen Geradensegmente und ein Punkt
des Quadrats meint das Element $(x,y)\in X\times Y,$ das
in derselben H"ohe wie $y\in Y$ senkrecht "uber $x\in X$ liegt. 
\end{figure}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{SkriptenBilder/BildPro}\\
\noindent
Aus $X=X_1\cup X_2$ und $Y=Y_1\cup Y_2$ folgt noch lange nicht
$X\times Y=(X_1\times Y_1)\cup (X_2\times Y_2)$
\end{figure}
\begin{Bemerkung}
Um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, w"ahrend des Spiels die 
Spielregeln "andern zu wollen, sei bereits hier erw"ahnt, da"s
in \ref{ErMe} noch weitere wichtige Konstruktionen der Mengenlehre 
eingef"uhrt werden, und da"s wir in \ref{ZoLe} einige weniger offensichtliche
Folgerungen erl"autern, die 
meines Erachtens bereits an den Rand dessen gehen,
was man in unserem informellen Rahmen als Argumentation noch vertreten kann.
\end{Bemerkung}
\subsection{Abbildungen}
\begin{Definition}
Seien $X,Y$ Mengen. Eine {\bf Abbildung}\index{Abbildung} 
$f: X \ra Y$ ist eine Zuordnung, die
jedem Element $x\in X$ genau ein Element $f(x)\in Y$ zuordnet, 
das {\bf Bild}\index{Bild}
von $x$ unter $f,$ auch genannt der {\bf Wert}\index{Wert} 
von $f$ an der Stelle $x.$
\end{Definition}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/Bild0002}
\\ \noindent Eine  Abbildung einer Menge mit
f"unf in eine mit drei Elementen
\end{figure}
\begin{figure}[p]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{SkriptenBilder/Bildgr}\\
\noindent
Der Graph der oben angegebenen Abbildung, wobei das $X$ oben mit dem
$X$ hier identifiziert wurde durch \glqq Umkippen nach Rechts\grqq\ 
\end{figure}
\begin{Bemerkungl}\label{DFA}
 Wem das zu vage ist, der mag die alternative Definition vorziehen,
nach der
eine {\bf Abbildung}\index{Abbildung} 
$f:X \ra Y$  eine Teilmenge
$f\subset X \times Y$ ist derart, da"s es f"ur jedes $x \in X$ genau ein
$y \in Y$ gibt mit $(x,y) \in f.$
Dies eindeutig bestimmte $y$ schreiben wir dann $f(x)$ und sind
auf einem etwas formaleren Weg wieder
am selben Punkt angelangt. 
In unseren Konventionen nennen wir besagte Teilmenge 
den \defind{Graphen} {\bf von} $f$ und notieren sie mit 
dem Symbol
$\Gamma$ (sprich: Gamma),
einem gro"sen griechischen G, und schreiben also
$$\Gamma(f)=\{(x,f(x))\mid x\in X\}\subset X\times Y$$
\end{Bemerkungl}
\begin{Definition}
Ist $f:X \ra Y$ eine Abbildung, so nennen wir $X$ ihren {\bf
Definitionsbereich}\index{Definitionsbereich}
und $Y$ ihren {\bf Wertebereich}\index{Wertebereich}.
Zwei Abbildungen nennen wir gleich genau dann, wenn sie denselben
Definitionsbereich
$X,$ denselben Wertebereich $Y$ und dieselbe 
Abbildungsvorschrift $f\subset X \times
Y$ haben.
Die Menge aller Abbildungen von $X$ nach $Y$ bezeichnen wir
mit $\op{Ens}(X,Y)$\index{Ens} 
nach der franz"osischen "Ubersetzung \defind{ensemble}
des deutschen Begriffs \glqq Menge\grqq.  
\end{Definition}
\begin{Bemerkung}
Noch gebr"auchlicher ist  die Bezeichnung $\op{Abb}(X,Y)$\index{Abb} 
f"ur die Menge aller Abbildungen von $X$ nach $Y.$ Ich will jedoch 
sehr viel sp"ater die \glqq Kategorie aller Mengen\grqq\  mit $\op{Ens}$ 
bezeichnen und f"ur je zwei Objekte $X,Y$ einer Kategorie $\cal{C}$
die Menge aller \glqq Morphismen\grqq\  von $X$ nach $Y$ mit $\cal{C}(X,Y),$ 
und das motiviert dann auch erst eigentlich 
die hier gew"ahlte Bezeichnung f"ur Mengen von Abbildungen.
\end{Bemerkung}
\begin{Bemerkungl}\index{$\mapsto$}
Wir notieren Abbildungen oft in der Form
$$\begin{array}{rccl}
f:&X & \ra & Y\\
&x & \mapsto & f(x)
\end{array}$$  
und verschiedenen Verk"urzungen. Zum Beispiel sprechen wir
von \glqq einer Abbildung $X\ra Y$\grqq\  oder \glqq der Abbildung $n\mapsto n^3$ von
der Menge der nat"urlichen Zahlen in sich selber\grqq.
Wir benutzen diese zwei Arten von Pfeilen auch 
im allgemeinen in derselben Weise.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
F"ur jede Menge $X$ haben wir 
die {\bf identische Abbildung}\index{Abbildung!identische Abbildung} oder
{\bf Identit"at}\index{Identit"at}\index{id}
$$\begin{array}{rccc}
\op{id}=\op{id}_X :& X &\ra &X\\
&x & \mapsto& x
\end{array}\hspace{15mm}$$
Ein konkreteres Beispiel f"ur eine Abbildung ist das Quadrieren
$$\begin{array}{rccl}
q :& \DZ &  \ra & \DZ \\
&n& \mapsto & n^{2}
\end{array}$$  
\end{Beispiele}

\begin{Definition}\label{BiMe}
Ist $f:X \ra Y$ eine Abbildung und $A \subset X$ eine Teilmenge, so
definieren wir ihr {\bf Bild}\index{Bild} oder genauer ihre {\bf
Bildmenge}\index{Bildmenge}
$f(A),$ eine Teilmenge von $Y,$ durch
$$f(A) = \{ f(x) \mid x \in A\}$$
Eine Abbildung, deren Bild aus genau einem Element besteht,
nennen wir eine \defind{konstante Abbildung}.\index{Abbildung!konstante}
%damit \ref{ZK} ok ist, zusammenh"angend gdw
%stetige Abbildung in diskreten Raum konstant.
%Bei uns leere Menge nicht zusammenh"angend!
 \end{Definition}
 \begin{Beispiel}\label{Bq}
  F"ur unsere Abbildung $q:\DZ\ra\DZ,$ $x\mapsto x^2$ von eben gilt 
$$q (\DZ) = \{a^{2} \mid a \in \DZ\}\subset \DN$$ 
 \end{Beispiel}



\begin{Bemerkungl}
 Gegeben 
ein festes $c\in Y$
schreiben wir oft auch  kurz 
$c$ f"ur die 
Abbildung $X\ra Y,$ $x\mapsto c$ f"ur alle $ x\in X$ 
in der Hoffnung, da"s aus dem Kontext klar wird, ob die
Abbildung $c:X\ra Y$ oder das Element $c\in Y$ gemeint sind.
Die konstanten Abbildungen sind  nat"urlich  genau alle Abbildungen
dieser Gestalt mit nichtleerem Definitionsbereich $X.$  
\end{Bemerkungl}

\begin{Definition}
Ist $f:X \ra Y$ eine Abbildung und $B \subset Y$ eine Teilmenge, so 
definieren wir ihr
{\bf Urbild}\index{Urbild!von Menge} $f^{-1}(B),$ eine Teilmenge von $X,$ durch
$$f^{-1} (B) = \{ x \in X \mid f(x) \in B\}$$  
Besteht $B$ nur aus einem Element, so schreiben wir auch
$f^{-1} (x)$ statt $f^{-1}(\{x\}).$ F"ur die Abbildung $q$ aus \ref{Bq} 
gilt zum Beispiel  $q^{-1}(1)=\{1,-1\}$ und $q^{-1}(-1)=\emptyset.$
\end{Definition}

\begin{Definition}
Sind schlie"slich drei Mengen $X,Y,Z$ gegeben und Abbildungen $f : X \ra Y$
und $g:Y \ra Z,$ so definieren wir eine Abbildung $g\circ f:X \ra Z,$
die {\bf Verkn"upfung}\index{Verkn"upfung!von Abbildungen} 
der Abbildungen $f$ und $g,$ durch
die Vorschrift
$$\begin{array}{rccl}
g \circ f:& X & \ra & Z\\
&x & \mapsto & g(f(x))
\end{array}$$
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Die Notation $g\circ f,$ sprich \glqq $g$ nach $f$\grqq\  f"ur \glqq erst $f,$ dann $g$\grqq\ 
ist gew"ohnungsbed"urftig, erkl"art sich aber durch die Formel
$(g \circ f) (x) = g(f(x)).$
Betrachten wir zum Beispiel zus"atzlich zum Quadrieren $q:\DZ \ra \DZ$ die
Abbildung $t: \DZ \ra \DZ,$ $x \mapsto x +1,$ so gilt $(q\circ t) (x) =
(x+1)^{2}$ aber $(t\circ q)(x) = x^{2}+1.$
Nat"urlich gilt $(g \circ f)(A) = g(f(A))$ f"ur jede Teilmenge $A\subset
X$ und
umgekehrt auch $(g\circ f)^{-1}(C) = f^{-1}(g^{-1}(C))$ f"ur jede Teilmenge
$C \subset Z.$
\end{Bemerkungl}

\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=5cm]{SkriptenBilder/BildInj}\\[4mm]
\noindent Eine Injektion
\end{figure}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=5cm]{SkriptenBilder/BildSur}\\[4mm]
\noindent Eine Surjektion
\end{figure}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=5cm]{SkriptenBilder/BildBij}\\[4mm]
\noindent Eine Bijektion
\end{figure}
\begin{Definition}\label{ISB}
Sei $f:X\ra Y$ eine Abbildung.
\begin{enumerate}
\item
$f$ hei"st {\bf injektiv}\index{injektiv} 
oder eine {\bf Injektion}\index{Injektion} genau dann, wenn
aus $x \neq x^{\prime}$ folgt $f(x)\neq f(x^{\prime}).$ 
Gleichbedeutend ist die Forderung, da"s es f"ur jedes $y\in Y$
h"ochstens ein $x\in X$ gibt mit $f(x)=y.$ 
Injektionen
schreibt man oft $\hra.$
\item
$f$ hei"st {\bf surjektiv} oder 
eine {\bf Surjektion}\index{Surjektion} genau dann, wenn
es f"ur jedes $y\in Y$ mindestens 
ein $x \in X$ gibt mit $f(x) =y.$ Surjektionen
schreibt man manchmal $\sra.$
\item
$f$ hei"st {\bf bijektiv}\index{bijektiv} 
oder eine {\bf Bijektion}\index{Bijektion} genau dann, wenn
$f$ injektiv und surjektiv ist. Gleichbedeutend ist die Forderung, 
da"s es f"ur jedes $y\in Y$
genau ein $x\in X$ gibt mit $f(x)=y.$ 
Bijektionen schreibt man oft $\sira.$
\end{enumerate}
\end{Definition}
\begin{Bemerkungl}
Ist $X \subset Y$ eine Teilmenge, 
so ist die {\bf Einbettung}\index{Einbettung} oder
{\bf Inklusion}\index{Inklusion} $i:X \ra Y,$ $x\mapsto x$ stets injektiv.
Ist $g:Y\ra Z$ eine Abbildung und $X\subset Y$ eine Teilmenge,
so nennen wir
die Verkn"upfung $g\circ i$ von $g$ mit der Inklusion
auch die {\bf Einschr"ankung}\index{Einschr"ankung} von
$g$ auf $X$ und notieren sie $g\circ i=g|X=g|_X:X\ra Z.$
Oft bezeichnen wir eine Einschr"ankung aber auch einfach mit 
demselben Buchstaben $g$ in der
Hoffnung, da"s der Leser aus dem Kontext erschlie"sen kann, 
welche Abbildung genau gemeint ist.  
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
Ist
$f:X \ra Y$ eine Abbildung, so ist die Abbildung $f:X \ra f(X),$ $x\mapsto
f(x)$ stets surjektiv. Der Leser m"oge entschuldigen, da"s wir hier
zwei verschiedene Abbildungen mit demselben Symbol $f$ bezeichnet haben.
Das wird noch "ofter vorkommen.
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiele}
Unsere Abbildung $q : \DZ \ra \DZ,$ $n\mapsto n^{2}$ ist weder injektiv
noch surjektiv. Die Identit"at $\op{id} : X \ra X$ ist stets bijektiv.
Sind $X$ und $Y$ endliche Mengen, so gibt es genau dann eine
Bijektion von $X$ nach $Y,$ wenn $X$ und $Y$ dieselbe 
Kardinalit"at haben, in Formeln $|X|=|Y|.$  
\end{Beispiele}



\begin{Satz}
Seien $f,f_{1}:X \ra Y$ und $g, g_{1} :Y \ra Z$ Abbildungen.
\begin{enumerate}
\item
Ist $g\circ f$ surjektiv, so ist $g$ surjektiv.
\item
Ist $g\circ f$ injektiv, so ist $f$ injektiv.
\item
Sind $g$ und $f$ injektiv, so auch $g \circ f.$
\item
Sind $g$ und $f$ surjektiv, so auch $g\circ f.$
\item
Ist $f$ surjektiv, so folgt aus $g\circ f = g_{1}\circ f$ schon
$g=g_{1}.$
\item
Ist $g$ injektiv, so folgt aus $g\circ f = g\circ f_{1}$ schon
$f = f_{1}.$
\end{enumerate}
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
"Ubung.
\end{proof}

\begin{Bemerkungl}
Ist $f: X \ra Y$ eine bijektive Abbildung,
so ist die Menge  $\{(f(x),x)\in Y\times X\mid x\in X\}$ 
im Sinne von \ref{DFA} 
eine Abbildung oder, vielleicht klarer, der Graph einer
Abbildung $Y\ra X.$
Diese Abbildung in die Gegenrichtung  hei"st die
{\bf Umkehrabbildung}\index{Abbildung!Umkehrabbildung} oder 
\defind{Umkehrfunktion}\index{Funktion!Umkehrfunktion} 
auch die 
{\bf inverse Abbildung}\index{Abbildung!inverse Abbildung} zu $f$
und wird mit $f^{-1} : Y \ra X$ bezeichnet. Offensichtlich ist
mit $f$ auch $f^{-1}$ eine Bijektion. 
\end{Bemerkungl}
\begin{Beispiel}
Die Umkehrabbildung unserer Bijektion
$t:\DZ\ra\DZ,$ $x\mapsto x+1$ ist die Abbildung $\DZ\ra\DZ,$ $x\mapsto x-1.$
\end{Beispiel}
\begin{Ubung}
Gegeben eine Bijektion $f:X\ra Y$ ist $g=f^{-1}$ die einzige
Abbildung $g : Y \ra X$ mit $f\circ g = \op{id}_{Y}.$
Ebenso ist auch  $h=f^{-1}$ die einzige
Abbildung $h : Y \ra X$ mit $h\circ f = \op{id}_{X}.$
\end{Ubung}
\begin{Bemerkungl}\label{ABBK}
Gegeben drei Mengen $X,Y,Z$ haben wir eine offensichtliche 
Bijektion $\op{Ens}(X\times Y,Z)\sira  \op{Ens}(X,\op{Ens}( Y,Z)).$ 
Etwas vage formuliert ist also eine Abbildung $X\times Y\ra Z$ dasselbe wie 
eine Abbildung, die jedem $x\in X$ eine Abbildung $Y\ra Z$ zuordnet,
und symmetrisch nat"urlich auch dasselbe wie 
eine Abbildung, die jedem $y\in Y$ eine Abbildung $X\ra Z$ zuordnet.
\end{Bemerkungl}

\begin{Satz}[\textbf{Bedeutung der Fakult"at}]
Sind $X$ und $Y$ zwei Mengen mit je $n$ Elementen, so gibt es genau $n!$
bijektive Abbildungen $f:X \ra Y.$
\end{Satz}
\begin{proof}[Beweis]
Sei $X =\{x_{1},\ldots , x_{n}\}.$
Wir haben $n$ M"oglichkeiten, ein Bild f"ur $x_{1}$ auszusuchen, dann
noch $(n-1)$ M"oglichkeiten, ein Bild f"ur $x_{2}$ auszusuchen, und so
weiter, bis schlie"slich nur noch 1 Element von $Y$ als m"ogliches
Bild von $x_{n}$ in Frage kommt. Insgesamt gibt es also $n(n-1) \cdots
1 = n!$ M"oglichkeiten f"ur $f.$ Da wir $0!=1$ gesetzt hatten, stimmt unser
Satz auch f"ur $n=0.$
\end{proof}



\begin{Ubung}
Seien $X,Y$ endliche Mengen.
So gibt es genau $|Y|^{|X|}$ Abbildungen von $X$ nach $Y,$ und darunter
sind genau $|Y|(|Y|-1)(|Y|-2)\ldots(|Y|-|X|+1)$ Injektionen.
\end{Ubung}
\begin{Ubung}
Sei $X$ eine Menge mit $n$ Elementen, und seien 
$\al_1,\ldots,\al_r\in\DN$
gegeben mit $n=\al_1+\ldots+\al_r.$ Man zeige: Es gibt genau
$n!/(\al_1!\cdots\al_r!)$ Abbildungen $f:X\ra\{1,\ldots,r\},$ die  
jedes $i$ genau
$\al_i$-mal als Wert annehmen, in Formeln
$$\frac{n!}{\al_1!\cdots\al_r!}=\op{card} \{f\mid
|f^{-1}(i)|=\al_i\text{ f"ur }i=1,\ldots r\}$$
\end{Ubung}

\begin{Bemerkung}
Manche Autoren bezeichnen diese Zahlen auch als
\defnoind{Multinomialkoeffizienten}\index{Multinomialkoeffizient}
und verwenden die Notation 
$$\frac{n!}{\al_1!\cdots\al_r!}= {n \choose {\al_1;\ldots;\al_r}}$$
Mich "uberzeugt diese Notation nicht, da sie im Gegensatz zu
unserer Notation f"ur die Binomialkoeffizienten recht eigentlich nichts
k"urzer macht.
\end{Bemerkung}
\begin{Ubung}
Man zeige die Formel
$$(x_1+\ldots +x_r)^n=
\sum_{\al_1+\ldots+\al_r=n}\frac{n!}{\al_1!\cdots\al_r!}
x_1^{\al_1}\cdots x_r^{\al_r}$$
Hier ist zu verstehen, da"s wir f"ur alle $\al_1,\ldots,\al_r\in\DN$
mit $\al_1+\ldots+\al_r=n$ den angegebenen Ausdruck nehmen und alle diese
Ausdr"ucke aufsummieren.
\end{Ubung}

\begin{Ubung}
Eine \defnoind{zyklische Anordnung}\index{zyklisch!Anordnung}
einer endlichen Menge
$M$ ist eine Abbildung $z: M \rightarrow M$ derart, da"s wir 
durch mehrmaliges
Anwenden von $z$ auf ein beliebiges Element $x\in M$
jedes  Element  $y\in M$ erhalten k"onnen.
Man zeige, da"s es auf einer $n$-elementigen 
Menge mit $n \geq 1$ genau $(n-1)!$ zyklische
Anordnungen gibt.
\end{Ubung}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[height=0.3\textheight]{SkriptenBilder/BildZyA}\\[4mm]
\noindent
Versuch der graphischen Darstellung einer zyklischen Anordnung
auf der Menge $\{1,2,\ldots,7\}.$ Die Pfeile $\mapsto$ sollen jeweils
den Effekt der Abbildung $z$ veranschaulichen.
\end{figure}
\begin{Bemerkung}
Die Terminologie \glqq zyklische Anordnung\grqq\  scheint mir etwas ungl"ucklich,
da unsere Struktur nun beim besten Willen keine Ordnung 
im Sinne von \ref{OM} ist. 
Andererseits ist das Angeben einer 
Anordnung auf einer endlichen Menge $M$ schon auch etwas
"ahnliches. 
\end{Bemerkung}
\begin{figure}[p]\centering
\includegraphics[width=\textwidth]{SkriptenBilder/BildKoKi}\\[4mm]
\noindent
Eine Abbildung $f:\{1,2,\ldots,n\}\ra \DN$ im Fall $n=6$ mit 
Wertesumme $m=10$ und die Veranschaulichung nach der Vorschrift aus "Ubung
\ref{MuMi} als Folge bestehend aus $m$ Punkten und $n-1$ Strichen.
\end{figure}
\begin{Ubung}\label{MuMi}
Sei $X$ eine Menge mit $n\geq 1$ Elementen und  sei $m$ eine nat"urliche Zahl.
Man zeige, da"s es genau ${n+m-1 \choose n-1}$ 
Abbildungen $f:X\ra \DN$ gibt mit 
$\sum_{x\in X}f(x)=m.$ Hinweis: Man denke sich $X=\{1,2,\ldots,n\}$
und veranschauliche sich dann $f$ als eine Folge auf $f(1)$ Punkten gefolgt von
einem Strich gefolgt von $f(2)$ Punkten gefolgt von
einem Strich und so weiter, insgesamt also 
eine Folge aus $n+m-1$ Symbolen, davon $m$ Punkten und 
$n-1$ Strichen. 
\end{Ubung}

\begin{Bemerkung}\label{MuMe}
Gegeben eine Menge $X$ mag man sich eine Abbildung $X\ra \DN$
  veranschaulichen als eine \glqq Menge von Elementen 
von $X,$ in der jedes Element
  mit einer wohlbestimmten Vielfachheit vorkommt\grqq.  
Aufgrund dieser Vorstellung
  nennt man eine Abbildung $X\ra \DN$ auch eine \defind{Multimenge} von
  Elementen von  $X.$ Wir notieren die Gesamtheit aller derartigen 
Multimengen mit
$$\cal{M}(X)=\op{Ens}(X,\DN)$$
in vager Analogie zur Potenzmenge $\cal{P}(X)$ von $X,$
die ja in kanonischer Bijektion zu $\op{Ens}(X,\{0,1\})$ steht.
Unter der
  Kardinalit"at einer Multimenge verstehen wir die Summe
"uber alle Werte der entsprechenden Abbildung, aufgefa"st als ein
Element von $\DN\amalg\{\infty\}.$
\end{Bemerkung}





\subsection{Logische Symbole und Konventionen}
\begin{Bemerkungl}
  In der Mathematik meint {\bf oder} immer, da"s auch beides erlaubt ist.  Wir
  haben diese Konvention schon benutzt bei der Definition der Vereinigung
wenn wir schreiben
  $X\cup Y =\{z \mid z \in X \text{ oder } z \in Y\},$ zum Beispiel 
haben wir $\{1,2\}
  \cup \{2,3\} = \{1,2,3\}.$
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}\label{SPR}
Sagt man der Mathematik, es gebe  ein Objekt mit diesen
und jenen Eigenschaften, so ist stets gemeint, da"s es 
\emph{mindestens  ein} derartiges Objekt geben soll.
H"atten wir diese Sprachregelung rechtzeitig vereinbart, so h"atten wir 
zum Beispiel 
das W"ortchen \glqq mindestens\grqq\  in Teil 2 von \ref{ISB} 
bereits
weglassen k"onnen. Sagt ihnen also ein 
Mathematiker, er habe einen Bruder, so kann  es auch durchaus sein, da"s
er noch weitere Br"uder  hat!
Will man in der Mathematik  Existenz und Eindeutigkeit 
gleichzeitig ausdr"ucken, so 
sagt man, es gebe {\bf genau ein} Objekt mit diesen
und jenen Eigenschaften.  Sagt ihnen also ein 
Mathematiker, er habe genau einen Bruder, so k"onnen sie sicher  sein, da"s
er nicht noch weitere Br"uder  hat.
\end{Bemerkungl}





\begin{Bemerkungl}
  Die folgenden Abk"urzungen erweisen sich als bequem und werden recht h"aufig
  verwendet:
  
  \vspace{0,5cm}
\noindent
\begin{tabular}{c@{\hspace{2cm}}l}
$\forall$&\index{$\forall$} f"ur alle\\
$\exists$&\index{E@$\exists$} es gibt\\
$\exists!$&\index{E@${\exists\awq}$} es gibt genau ein\\
$\ldots\RA\cdots$&\index{$\Rightarrow$} aus $\ldots$ folgt $\cdots$\\
$\ldots\Leftarrow\cdots$&\index{$\Leftarrow$} $\ldots$ folgt aus $\cdots$\\
$\ldots\Leftrightarrow\cdots$&\index{$\Leftrightarrow$} $\ldots$ ist 
gleichbedeutend zu $\cdots$\\
\end{tabular}
\vspace{0,5cm}\\
Ist zum Beispiel $f:X\ra Y$ eine Abbildung, so k"onnen wir unsere Definitionen
injektiv, surjektiv, und bijektiv etwas formaler so schreiben:

\vspace{0,5cm}
\noindent
\begin{tabular}{lcl}
$f$ injektiv& $\Leftrightarrow$ & $(f(x)=f(z)\RA x=z)$\\
$f$ surjektiv& $\Leftrightarrow$ & $\forall y\in Y\exists x\in X
\text{ mit } f(x)=y$\\
$f$ bijektiv& $\Leftrightarrow$ & $\forall y\in Y\exists ! x\in X
\text{ mit } f(x)=y$\\
\end{tabular}
\end{Bemerkungl}

\begin{Bemerkungl}
  Bei den \glqq f"ur alle\grqq\  und \glqq es gibt\grqq\  kommt es in der Mathematik sehr auf die
  Reihenfolge an, viel mehr als in der weniger pr"azisen Umgangssprache. Man
  betrachte zum Beispiel die beiden folgenden Aussagen:
\begin{quote}
  \glqq F"ur alle $n\in \DN$ gibt es $m \in \DN$ so da"s gilt $m \geq n$\grqq\ 
\end{quote}
\begin{quote}
  \glqq Es gibt $m \in \DN$ so da"s f"ur alle $n \in \DN$ gilt $m \geq n$\grqq\ 
\end{quote}
Offensichtlich ist die erste richtig, die zweite aber falsch.  Weiter mache man
sich klar, da"s die \glqq f"ur alle\grqq\  und \glqq es gibt\grqq\  bei Verneinung vertauscht
werden.  "Aquivalent sind zum Beispiel die beiden folgenden Aussagen
\begin{quote}
  \glqq Es gibt kein $n \in \DN$ mit $n^{2}=2$\grqq\ 
\end{quote}
\begin{quote}
  \glqq F"ur alle $n \in \DN$ gilt $n^{2}\neq 2$\grqq\ 
\end{quote}
\end{Bemerkungl}
\begin{Bemerkungl}
  Wollen wir zeigen, da"s aus einer Aussage $A$ eine andere Aussage $B$ folgt,
  so k"onnen wir ebensogut zeigen: Gilt $B$ nicht, so gilt auch $A$ nicht.  In
  formelhafter Schreibweise haben wir also
  $$(A\RA B)\Leftrightarrow((\text{nicht } B)\RA (\text{nicht } A))$$
  Wollen wir zum Beispiel zeigen $(g\circ f \text{ surjektiv})\RA (g \text{
    surjektiv}),$ so reicht es, wenn wir uns "uberlegen: Ist $g$ nicht
  surjektiv, so ist $g\circ f$ erst recht nicht surjektiv.
\end{Bemerkungl}




%%% Local Variables: 
%%% mode: latex
%%% TeX-master: "AATOTAL"
%%% End: 

\message{ !name(AATOTAL.tex) !offset(-969) }

\end{document}

